Polizei sperrt Hansa Fans aus, St.Pauli trägt das mit!
Mini-Kartenkontingent für Hansa Rostock
Nun ist es raus… der FC Hansa Rostock bekommt für sein Gastspiel am Millerntor nur 500 Karten!!! Nur 500! Nur Sitzplatzkarten! Und die auch noch personalisiert! 2,5% statt der üblichen 10%!
Hier erst mal der Text des Vereins dazu.
Daraus:
“Corny Littmann: „Dadurch, dass wir weniger Karten verkaufen, verzichten wir im Interesse der Sicherheit auf Einnahmen in Höhe von rund 20.000 Euro. Aber in einem solchen Spiel steht die Sicherheit kombiniert mit einer weitestgehend möglichen Wahrung der Fanrechte im Vordergrund.“
Die Hamburger Polizei und der FC St. Pauli appellieren gemeinsam an die Fußballanhänger beider Klubs, von Gewalttätigkeiten Abstand zu nehmen und sich auf das sportliche Ereignis zu konzentrieren.“
Na super… „weitestgehend mögliche Wahrung der Fanrechte“! Hier sei dann mal daran erinnert, wer denn überhaupt mit der bescheuerten Idee aufkam, Gästefans auszusperren, das war unser allseits beliebter Fanpräsident himself. (Nachzulesen im aktuellen ÜBERSTEIGER oder hier online.)
Klar, nach eindringlicher Beratung u.a. von Fanvertretern ist er von dieser Meinung wieder abgewichen, nur der Stein war bereits im Rollen und es steht zu befürchten, dass die Polizei von alleine sich nicht getraut hätte, dieses Thema auch nur anzudenken.
Durch das “Mittragen” dieses Kompromisses, der ja im Text sogar noch als Erfolg zu verkaufen versucht wird, macht sich der Verein hier leider zum Erfüllungsgehilfen der Polizei. Natürlich ist esfraglich, was für Möglichkeiten man zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen noch hatte, aber vielleicht wäre es hier besser gewesen, auf die Barrikaden zu gehen und diesen juristischen Kampf mit der Polizei auszutragen. Ob die Glaubwürdigkeit des Präsidenten dabei gelitten hätte, nachdem er ja nun erst mal auf die Idee gekommen war, lass ich jetzt mal dahingestellt, wäre mir aber auch Wurst. So bleibt in jedem Fall der mehr als bittere Beigeschmack, dass die Entscheidung eben vom Verein akzeptiert und nach außen auch so kommuniziert wurde.
Das Kind liegt nun leider im Brunnen, ich will auch nicht alle Argumente, die bereits im Artikel genannt werden wiederholen, sondern nur noch mal kurz das wichtigste betonen:
Es handelt sich hier um einen Präzedenzfall im deutschen Fußball, ausgerechnet am Millerntor. Es gab in der letzten Woche durchaus erfolgreiche und sachliche Gespräche der beiden Vereine, die auch konstruktive Lösungsvorschläge präsentieren konnten (geschlossene und personalisierte Anreise der Hansa-Fans, Kartenvergabe dann erst direkt am Block, anschließend geschlossene Abreise). Nur leider will die Polizei (und womöglich auch der beliebte Herr Ahlhaus) hier eben jenen Präzedenzfall schaffen. Und mal ehrlich: Die Polizei kann dabei nur gewinnen, Fußball Fans in Deutschland haben bereits jetzt verloren.
Wenn alles friedlich bleiben sollte, wird es heißen: “Siehste, super Idee von uns…”
Gibt es doch Ausschreitungen (von uns innerhalb oder außerhalb des Stadions, von den Rostockern im Stadion, von Rostockern mit oder ohne Karten außerhalb des Stadions) wird es heißen: “Siehste, wir wollten die ja ganz aussperren, aber ihr habt uns ja nicht gelassen.”
Schöne Scheiße, Leid tragende werden die Fußballfans sein, denn derartige Kontingent-Beschneidungen werden dann Schule machen. Ganz lustige Vögel werden einwenden, dass wir ja nie wieder in Rostock spielen werden… aber auch bei zukünftigen Spielen beim hsv, Werder, Hannover, Hertha, Union oder gar Dresden oder sonst wo, wo sich seitens der Polizei ein Gefährdungspotential herbeikonstruieren lässt, wird es zu derartigen Maßnahmen kommen können. Und der erste derartige Fall von Negierung von Fanrechten kam ausgerechnet vom Millerntor, schönen Dank.
Im St.Pauli-Forum wird bereits über mögliche Maßnahmen diskutiert, von einer gemeinsamen Demo mit den Rostockern über einen Boykott des Spiel oder sonstiges… ich persönlich halte mich da jetzt erst mal bedeckt und schlaf ne Nacht drüber, aber hinnehmen wird man diese Entscheidung kaum können, so stay tuned. // Frodo
März 15th, 2010 at 23:38
Superbeschissene Sache al wieder von uns Corny, aber: Bitte keine gemeinsame Demo mit den Rostockern, das wirkt so extrem billich. Nach dem Motto: Wenn wir ein gemeinsames Fendbild haben, stehen wir Seit an Seit.
Forza!
März 15th, 2010 at 23:39
Sorry for Wurstfinger: al = mal und Fendbild = Feindbild
März 16th, 2010 at 00:22
Naja was soll man dazu noch sagen!? Einfach scheiße, was euer Corny da herraufbeschworen hat.Rückgängig machen kann man es leider nicht.Auch auf Rostocker Seite wird viel überlegt wie wir uns verhalten bzw. was man dagegen machen kann. Ne gemeinsamme Demo für den Erhalt von Fankultur und Fanrechten wär in meinen Augen keine schlechte Idee.Zeigt es den “Verantwortlichen” doch, dass man auch ohne Stress kann.Und getrennt in den Farben,aber vereint in der Sache gäbe es nicht zum Ersten mal.Diese Entscheidung hat sicher weitreichende Folgen für alle reisefreudigen Fans in unserem wunderschönen Überwachungsstaat (STASI 2.0) Dortmund-Schalke,Pauli/Hansa-Rest der Liga usw.überall gibts Rivalitäten.Wenn dieser Sicherheitswahn weiter “eskaliert” geht bald keiner mehr ins Stadion und es herrschen tatsächlich englische Verhältnisse, wie sie die Vereinsobrigen gern hätten.
Also sollte es ein großes Anliegen aller Fanszenen sein ein deutliches Zeichen gegen die Machenschaften der Polizei und Ordnungsbehörden zu setzen.
stay rude, stay rebel, stay ultra
März 16th, 2010 at 01:45
in der schanze und aufm kiez
März 16th, 2010 at 10:14
Danke, dass hier (und mehrheitlich auch im St. Pauli-Forum) die polizeilichen Verfügungen trotz des speziellen Gegners nicht verteidigt werden. Hoffentlich fällt noch jemanden ein Szenario ein, in dem die Polizei nicht der alleinige Gewinner ist und sich sogar Hansa und St. Pauli zu einem “vereint in der Sache” aufraffen. Jedenfalls ist “Scheiß St. Pauli” im Moment nicht gerade mein erster Gedanke, wenn ich an das Spiel denke.
März 16th, 2010 at 11:54
Danke, dass ihr es mir abgenommen habt, meine Gedanken selbst zu Wort zu bringen. Ich dachte ja schon, als Littmann forderte, keine Gästefans zuzulassen, dass ich irgendwie im falschen Film bin, aber wie jetzt auch noch als Erfolg verkauft werden soll, dass ja doch 500 Rostocker ins Stadion dürfen schlägt dem Vereinswappen die Sterne vom Dach. Ekelhaft, wie dieser “rebellische Club” verkommt und zu einem Vorreiter in Sachen Repression wird. Wirklich grossartig gemacht…
März 16th, 2010 at 23:28
Wie wär’s denn mit einem breiten Ausstieg aus dem Verein. Ich werd das mir jetzt nochmal überlegen, ob ich weiter jährlich 120,- in den Verein einzahle. Meine Dauerkarte behalte ich aber schon noch…
März 18th, 2010 at 08:24
Na super, der “personifizierte Verkauf” ist auf dem besten Weg sich zu etablieren. Hat sich der Testlauf bei der WM 2006 also doch gelohnt. Wegen dieser ganzen Scheiße hab ich schon damals freiwillig kein einziges Spiel im Stadion gesehen
Bei unserem (Waldhof Mannheim) letzten Auswärtsspiel in einer kleinen pfälzischen Stadt - beim Hinspiel hatte es bereits unschön gekracht; ich denke, die Rivalität ist bekannt - bekamen wir nur Karten nach Vorlage des Persos; die Daten gingen dann via Polizei an die Heimmannschaft. Es gab von Waldhof-Seite eine Demo, die überraschend sogar vor dem Stadion stattfinden durfte. Gebracht hat sie vermutlich wenig.
Das Blödeste an der Geschichte hast du ja schon angesprochen: Win-Win für die Sicherheitskräfte, die Fans haben von vornehinein schon verloren. Daher war die Demo beinahe das Einzige, was man tun konnte.
Und das wird jetzt so weitergehen, bis es überall aussieht wie in Hoppenheim
März 23rd, 2010 at 23:23
Wieso win-win situation für die polizei? Der stress mit den pseudo-fußballfans, die nur auf randale aus sind, wird dann woanders stattfinden.
Corny ist schon mutig; es kann eben auch nicht weitergehen wie bisher - hertha neulich war übelst. Verlierer wäre der fußball, wenn “fans” sich hier weiter durchsetzen würde.