Die Südblockade - Three days after
Mahlzeit! Es ist Mittwoch, der 31.03.2010. Seit den Vorfällen am Sonntag, beim Heimsieg gegen Hansa Rostock, seit dem ÜS-Blog vom Montag ist einige Zeit verstrichen. Und diese Zeit war gut und wichtig, um einiges zu überdenken und sacken zu lassen.
Zur erweiterten Meinungsbildung vorab mal vier Links:
- Stellungnahme von Sven Brux (Organisationsleiter FC St.Pauli) im St.Pauli Forum
- Interview mit Sven Brux, Björn Pahrmann und Ronny Galczynski (Übersteiger) auf 11FREUNDE (unten im Artikel kann man weiterblättern)
- Stellungnahme des Fanclub-Sprecherrates (FCSR)
- Blog von pathos93
Vorab:
Mit Svens Beitrag ist jetzt die Chance einer sachlichen Auseinandersetzung seitens des Vereins gegeben, die ich nach Littmanns Äußerungen („zweifelsohne Nötigung und evtl. Freiheitsberaubung“) zunächst nicht sah (dazu später mehr). Mit dem Fanclub-Sprecherrat hat auch „die andere Seite“ Fehler eingeräumt und damit die Basis für Gespräche gelegt. Die anderen beteiligten Gruppen werden sicher ähnliches in den nächsten Tagen tun. Für den ÜS ist dieser Blog erst mal Sprachrohr, bevor wir am 33.Spieltag mit der Nummer 99 sicherlich auch nochmal im Heft Stellung beziehen werden. Trotzdem bleibt dieser Blog-Eintrag namentlich von mir gekennzeichnet und ist nicht zwingenderweise Redaktionsmeinung, dies fürs Protokoll.
Alles Weitere wird man abwarten müssen. Beide Seiten (auch die Forumsuser) sollten zumindest versuchen, die Sichtweise des Anderen zu verstehen und in der Person Sven sehe ich da auch nicht das Problem. Ebenso sollte klar sein, dass „der Verein“ es von sich aus nicht akzeptieren kann, dass eine ganze Kurve abgesperrt wird. Es ist aber eben auch nicht Aufgabe der Fans, es dem Verein immer recht zu machen, zumindest war dies bisher mein Selbstverständnis als St.Pauli Fan.
Vorab dann auch: Ich distanziere mich sicher nicht von dem Blog-Eintrag vom Montag. Allerdings war dieser in seinen Ansichten bewusst provokant, was aus meiner Sicht aber auch dringend nötig war, um den doch sehr undifferenzierten, unfairen und unsachlichen Beiträgen gegenüber USP mal eine andere Meinung entgegenzusetzen. Das es daraufhin Prügel geben würde, war mir klar und ist auch völlig in Ordnung. Positiv überrascht hat mich (oder auch nicht), dass ich auf direkter persönlicher Ebene fast ausschließlich positive Rückmeldung erhielt, sowohl per Mail als auch über Anrufe, Gespräche und SMS. Lediglich eine Person aus meinem Bekanntenkreis (sei gegrüßt, Frank) wendete sich mit „Die Blockade ist nicht zu rechtfertigen, aber ich akzeptiere Deine Meinung!“ an mich. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich die falschen Leute kenne, aber auch damit kann ich leben.
Die Rückmeldung in den Kommentaren hier waren hingegen in der Mehrheit (2/3? 3/4? Egal…) negativ, auch das ist natürlich okay, dafür ist die Kommentar-Funktion ja auch da. Im Gegensatz zum Forum wurde aber hier in den Kommentaren fast ausschließlich ohne Beleidigungen und Bepöbelungen gearbeitet, sich konstruktiv mit dem Text auseinandergesetzt, auch dafür Danke. Ein besonderes Dankeschön daher stellvertretend für viele Kommentare (und auch beim ÜS eingegangene Leserbriefe!) hier an die Person hinter dem Nick „Ulli“; der sich für seinen Beitrag extrem viel Zeit genommen hat. Auch sein Kommentar im letzten Blog sei daher zur Meinungsbildung nochmal ausdrücklich empfohlen. Ebenso danke ich „ring2“ für ein sehr interessantes Telefonat, bei dem wir die unterschiedlichen Meinungen ebenfalls sachlich austauschen konnten. So sollte es unter Erwachsenen ja normalerweise auch möglich sein.
Zur Sache:
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es bei der Aktion am Sonntag Fehler gab, die aufgearbeitet werden müssen. Aus meiner Sicht gab es zwei große Fehler, ohne die wahrscheinlich die jetzige Situation hätte vermieden werden können.Die Aussperrung der SitzplätzeMangelnde Kommunikation im VorfeldU.a. durch diese Fehler wurden dann leider auch Leute verprellt, die der eigentlichen Idee positiv gegenüber standen und stehen, sich an der Umsetzung aber störten. Auch dies ist schade und auch bei denen kann man sich entschuldigen bzw. versuchen die Gründe dafür darzulegen um wieder gemeinsam nach vorne blicken zu können. Ähnlich wie der FCSR bleibe ich (persönlich, subjektiv) aber bei der Überzeugung, dass ein Absperren einer gewissen Anzahl Plätze in einer Fankurve grundsätzlich ein völlig berechtigtes Mittel eines Fanprotestes ist. Dies gab es in der Vergangenheit schon oft und bei vielen Vereinen. Anzahl und Ort der Plätze sowie das Mittel der Umsetzung lasse ich bei dieser Aussage bewusst frei. Ich hoffe, zumindest hierbei besteht ein Konsens.
Die Frage ist jetzt, wie es im Einzelfall umzusetzen ist, (nur Teilsperrung, ausschließlich freiwillige Basis etc.) und hierbei wird es wahrscheinlich keinen Konsens geben, dass hat die Diskussion der letzten Tage gezeigt. Ich werde hier jetzt auch keine „Wenn man das so und so gelöst hätte…“ Debatte führen, denn das Kind liegt eh im Brunnen.Unstrittig auch: Wie auch immer dieses Absperren erfolgt, dürfen dadurch keine Personen zu Schaden kommen. Das von Sven aufgeführte Beispiel des älteren Herren ist natürlich schon ein Beispiel zu viel, so etwas hätte nicht passieren dürfen. Bei diesem Herren (und ggfs. weiteren Personen) muss aus meiner Sicht eine persönliche Entschuldigung seitens der „Verantwortlichen“ erfolgen. Hier sei aber auch nochmal erwähnt: „Verantwortlich“ war nicht USP alleine, da standen mehrere Gruppen dahinter, u.a. auch der Übersteiger.
Es gibt nach wie vor die zwei Ansichten:
A) Eine komplette Absperrung der Stehplatz-Bereiche in der Süd ist rechtens.
B) Nein, ist sie nicht.
Ganz ehrlich, mit bleibt da beim Blick in die Zukunft nur ein resignierendes Schulterzucken. Ich persönlich stehe nach wie vor, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, zu Möglichkeit A).
Wer mir aufgrund dieser Meinung(!) aber jegliches Recht zur Diskussion abspricht, den werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen können, da ist der Graben dann offensichtlich zu tief.
Eine „Verurteilung der Blockade“, wie von einigen gefordert, wird es von mir (persönlich, subjektiv) nicht geben. Damit bin ich vielleicht nicht „Mehrheitsfähig“, aber genau das kann eben in einer Demokratie auch mal passieren und ich bitte zumindest darum, diese Meinung zu akzeptieren auch wenn man sie nicht teilt.
Erneut: Ich bestreite nicht, dass Fehler passiert sind. Auch Fehler, für die man sich entschuldigen muss. Nur: Viel von dem Wirbel, der jetzt im Nachhinein entstanden ist, mag zwar den Sonntag als Auslöser nehmen, liegt aber doch viel tiefer begründet. „Scheiß USP“-Rufe gab es auch schon am Sonntag von der Gegengeraden aus… von Leuten, die garantiert nicht alle über die Zustände in der Süd informiert waren, sondern denen es eine willkommene Gelegenheit war, mal wieder auf die verhassten Ultras einzuprügeln. Wer z.B. bei “Twitter” den “richtigen” Leuten folgt, konnte da schon am Sonntag morgen sehen, dass diese mit geschwilltem Kamm der Konfrontation mit USP entgegenfieberten und ihnen die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheißegal war.
Auch viele Beiträge im Forum deuten darauf hin, dass hier in erster Linie alte Rechnungen mit USP beglichen werden sollen. Dies ist auch deswegen schade, weil es die (durchaus berechtigte) Kritik an dieser Aktion verwässert und unnötigerweise zu einem „USP vs. Rest des FC St.Pauli“ Kampfes verkommen lässt… und da springen eben beide Seiten schnell zurück in die bekannten Gräben. Auch hierbei schließe ich mich ausdrücklich ein, obwohl ich nicht zu USP gehöre, ihnen aber eben deutlich näher stehe als denen, die am Sonntag zu ebenso unglaublichen Handlungen kamen, wie von Sven beschrieben.
Hier half mir dann ein Gespräch, welches ich gestern mit dem Schweizer Journalisten Daniel Ryser führen durfte, der zu einer Reportage zufällig an diesem Wochenende beim FC St.Pauli zu Gast war und der die Vorfälle in der Süd auch selbst mitbekommen hatte. Sein erster Satz war: „Ich leide unter extremer Platzangst!“ und mir schwante Böses. Allerdings folgte als nächstes: „Aber das war überhaupt kein Problem am Sonntag, man konnte ja jederzeit der Enge da entfliehen.“ Das soll nicht heißen, dass es nicht eben auch solche Situationen gab, wie von Sven beschrieben. Nur waren diese eben nicht die Regel, sondern die Ausnahme, auch wenn natürlich jede Ausnahme eine zu viel ist.
Ansonsten äußerte er seine Begeisterung darüber, dass es bei St.Pauli so etwas wie einen Kampf um Fanrechte überhaupt noch gibt. Wobei er hier übrigens erstaunliche Übereinkunft mit Sergej Barbarez hatte, der beim Verlassen des Platzes, wo er zum sky-Interview war, mit Blick auf die leeren Süd-Plätze sagte: “Ich find das toll!”. Da muss man sich schon Zustimmung zu Fanrechten bei Schweizern und hsvern holen…
Daniel erzählte auch von seinen Gesprächen mit USP Mitgliedern, die er als „außergewöhnlich selbstkritisch und sich selbst reflektierend“ wahr nahm. Irritiert zeigte er sich hingegen von der Heftigkeit der Proteste im Internet am Tag danach, für die er keine Erklärung fand. Ebenso schilderte er von Fans in der Süd, die Zitate brachten wie „Jetzt dürfen die Nazis mal nicht zum Spiel und jetzt beschweren sich die Ultras auch noch darüber!“, um im nächsten Satz USP selbst in Zusammenhang mit dem Dritten Reich zu bringen, was auch bei ihm nur erstauntes Kopfschütteln brachte.
Wie schon eingangs erwähnt, auch noch ein Wort zum Zitat unseres Präsidenten, welcher am Montag verlautbaren ließ: „Es handelt sich zweifelsohne um Nötigung und wir werden überprüfen, inwieweit es sich um den Tatbestand der Freiheitsberaubung handelt.“. Man kann ja gerne mal beide Begriffe (Nötigung und Freiheitsberaubung) bei Wikipedia eingeben und wird schnell erkennen, dass letzteres im juristischen Sinne geradezu lächerlich grotesk ist, da es sich um eine Blockade und nicht um ein Einsperren handelt. Ersteres (Nötigung) ist hingegen bei Blockaden juristisch mehr als umstritten, von daher ist sein „zweifelsohne“ mal wieder mit Vorsicht zu genießen und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie viele Prozesse der Verein denn diesbezüglich tatsächlich anstrengen und dann auch mit einer Verurteilung abschließen wird. Aber die öffentliche Wirkung hatte er natürlich mit dieser Äußerung zunächst und mehr war wohl auch nicht beabsichtigt. (Ist ja auch sein gutes Recht, keine Frage, das Spiel auf der Medienklaviatur beherrscht er.)
Interessant wäre sicher die Beantwortung folgender Frage: Wie viele Süd-Stehplatzbesucher hielten die Blockade am Sonntag für absolut unrechtmäßig und wollten sich ihr widersetzen?
Leider wird es dazu keine verbindliche Antwort geben, ich glaube aber schon, dass die absolut überwiegende Mehrheit der Stehplatz-Besucher diese Absperrung an dem Tag ertragen hätte. Sicher nicht alle, und im Zusammenhang mit den ebenfalls ausgesperrten Sitzplätzen hat genau das dann auch zu den Problemen geführt. Ich schmeiß jetzt mal die Zahl 150-200 in den Raum, also knapp 10% der Süd-Stehplatz-Besucher. Kann ich ebenso wenig belegen, wie man es mir widerlegen kann, insbesondere, da ja auch die Sitzplatz-Besucher noch dazukommen. Trotzdem entspricht dies meiner gefühlten Temperatur, aus den selbst erlebten Gesprächen in der Situation vorm Anpfiff in und vor der Süd, sowie den Gesprächen danach.
Und damit sind wir dann auch wieder bei der Frage, ob die Aussperrung dieser Fans gegen ihren Willen berechtigt war oder nicht… womit wir wieder bei den zwei oben angeführten Meinungen sind, die sich nicht vereinbaren lassen werden.
Es wird in den nächsten Tagen sicher noch Stellungnahmen und hoffentlich auch Gespräche geben, deren Ausgang man sicher gespannt erwarten darf. // Frodo
März 31st, 2010 at 14:45
http://www.stpauli-forum.de/viewtopic.php?t=55938
März 31st, 2010 at 15:11
Danke! Schön, das man auch mal wieder etwas sachliches zu dieser ganzen Geschichte liest. Nur eins dazu, weil mich das eigentlich am meisten aufgeregt hat an dieser ganzen Situation:
Ein Protest in welcher Form auch immer MUSS freiwillig sein! FÜR Fanrechte zu demonstrieren und im selben Atemzug anderen dieselben Fanrechte wegzunehmen macht (nicht nur) meiner Meinung nach unglaubwürdig - und führt den gesamten Protest ad absurdum.
MfG, Carlos
März 31st, 2010 at 15:58
Ich finde es klasse, daß die Seiten sich jetzt wieder beruhigen. Leider kann ich einfach nicht verstehen wie man tatsächlich glauben kann die Aktion wäre rechtens -und das wird auch nach der Lektüre Deiner Artikel nicht klar Auf welcher Basis denn? Hausrecht haben die Ultras nicht und so wie ich das verstanden habe hat es auch mit Brux Gespräche gegeben, daß der Verein die Blockade nicht mitträgt.
Also wie kann das denn rechtens sein.
Man kann sich ja eine moralische Berechtigung zusammenbasteln. Sowas wie: Es ist zwar falsch zu stehlen aber wenn man nichts zu essen hat ist der verstoß gegen das Gesetz das kleinere Übel. Das macht es aber nicht rechtens. Wie ist denn Deine Definition von rechtens? Ich gehe da von geltenem Recht aus und davon war die Geschichte sicher nicht gedeckt ob nun Straftaten in Form von Nötigung passiert sind oder nicht.
März 31st, 2010 at 16:10
Sehr schön! Ich war bereits beim letzten Eintrag zu 100% bei dir - richtig und wichtig jetzt eine etwas differenziertere und weniger provokante Stellungnahme nachzulegen. Auch in meinem Bekanntenkreis (Aktive und Passive, Organisierte und Unorganisierte, Vereinsmitglieder, DK-Inhaber, Modefans und Stadiontouristen unseres FC St. Pauli und anderer Vereine) teilt eine klare Mehrheit die hier vertretene Meinung in allen Punkten. Danke dafür.
STILL ♥’ING USP und STILL ♥’ING ÜBERSTEIGER!!
März 31st, 2010 at 16:12
Blockieren ist kein Einsperren. Das stimmt. Es ist Aussperren. Verbessere mich, wenn ich mich aber richtig erinnere, war es genau das, weswegen protestiert werden sollte?
Und wenn es am Sonntag vormittag schon diesbezügliche twitter-Einträge gab, dann sicher nicht ohne Grund.
Das waren die, die wie ich bereits am Freitag mit der Wahrscheinlichkeit gerechnet haben, dass aus dem Boykott eine Blockade mit Protestzwang werden würde (hätte gerne Unrecht gehabt) und dann waren das die, die es nicht glauben wollten, wie ring2, dass so was möglich sein könnte und am Boden zerstört waren, als es so kam. Und dann waren das die, die von Anfang an davon überzeugt waren, es würde so kommen, wie es dann auch kam. Glauben WOLLTE es aber keiner.
Diese Aktion wurde offenbar weder mehrheitlich von den St. Pauli-Fans (Rest des Stadions) getragen, noch von der überwältigenden Mehrheit der Blockierer, wie es scheint. Das hätte man im Vorfeld allerdings, wenn man auf wilden Aktionismus verzichtet hätte, auch ohne politologisches Studium erahnen können. Hat man aber nicht.
Es sprachen diverse Gründe gegen einen Erfolg eines solidarischen Protestversuchs, die Solidarität zu erzwingen, war nur ein Fehler, von einigen, die jetzt kommen.
Trotz der guten Darstellung von Sven Brux versuchst auch Du, das Gedränge, die Panik, die Aggression, die dadurch entstanden ist, zu verniedlichen, zu verharmlosen, ja, eigentlich sogar in Abrede zu stellen. Aussagen dazu gibt es genug, also sind diese Leute -inklusive mir- entweder komplett wahrnemungsgestört, haben noch nie ein echtes Gedränge erlebt oder sie lügen. Dass diese Ansicht nicht zur weiteren Deeskalation beiträgt, solltest Du eigentlich wissen, also muss ich Dir Eskalationsabsicht unterstellen? Mach ich erst mal nicht.
Die vorangegangene Diskussion “Fanrechte” mit der Grundlage Hansa Rostock war schon ein sehr zweischneidiges Schwert, auch die Littmann-Debatte war bei weitem nicht so homogen, wie man sich das seitens der Blockierer rosa geredet hat. Das wurde ALLES ignoriert.
Das wäre der zweite Fehler, der dem ersten ja voranging.
Und nun, da das Kind, die Aktion, die medial-politisch Wirkung so richtig in den Brunnen gefallen ist, begreift von den Agents provocateur immer noch keiner, dass sich Leute nicht aussperren lassen von Leuten, die gegen Aussperrung demonstrieren? Im Namen aller?
Und feiern das teilweise noch als Erfolg?
Und damit nicht genug, heute die Stellungnahme des FCSR. Immer noch die Maßnahme der Blockade als Mittel zum Zweck gutheißen und nur zwischen den Zeilen jammernd, dass der mediale Erfolg nicht so wirkich erzielt wurde. Von zwei Minuten Sky tv mal abgesehen.
Auch wenn das anders gemeint sein sollte, es hat nicht geholfen, ein weiteres kryptisches, deutbares Statement abzugeben statt einer glasklaren Stellungnahme mit dem Eingeständnis, dass Blockade einfach nicht geht. Hier wird versucht, die Aktion immer noch zu rechtfertigen und aus den Ausgesperrten die Täter zu machen.
Selbstverständlich ist es fatal, mit homophoben, rassistischen Sprüchen die Blockierer zu attackieren, aber Streß, Druck, Aggression holt das Böseste im Menschen heraus. Wer es wie herausgeholt hat, ist klar. Was es darin macht und warum es darin ist und wie übel das ist, ist ein anderes Problem.
Und nun auch hier. Keinerlei Unrechtsbewusstsein. Weder nach Brux Stellungnahme, noch nach “Trainergott” Stanis Ansichten noch nach 180 Seiten Meinungsäußerung im Forum und Dutzenden Blogs.
Alles richtig gemacht.
Soll ich mal orakeln, wie es weitergeht, nachdem ich schon wusste, wie es anfangen würde?
Lieber nicht.
Dann warten wir mal auf die nächste Stellungnahme, aber so richtig gespannt bin ich nicht.
März 31st, 2010 at 16:31
Ersteinmal freue ich mich darüber, daß dieser Beitrag weitaus weniger einseitig geschrieben ist als der erste zu dem Thema - das Vergehen der Zeit hat hier (und nicht nur hier) offensichtlich geholfen. Was wir - und damit meine ich den Verein und sämtliche Fans - brauchen, das ist kein sich gegenseitig Zerfleischen, sondern ein Dialog samt Aufeinanderzugehen. Diejenigen, die Fehler begangen haben, sollten sich dabei ohne damit verknüpfte Vorwürfe (die einfach getrennt von einer Entschuldigung behandelt werden müssen) entschuldigen - und dies kann ich hier durchaus erkennen, mein Kompliment.
In der Sache widerspreche ich eindeutig, wenn die Aktion einer Aussperrung gegen den Willen anderer als akzeptabel hingestellt wird. Wobei nicht akzeptabel nicht gleichbedeutend mit in jedem Falle unerträglich gemeint sein soll - über eine solche Sache KANN man unterschiedlicher Meinung sein, muß aber eben auch, wie immer im Leben, mit anderen Meinungen und auch Konsequenzen daraus leben. Clever war die Aktion mit Sicherheit nicht, aus verschiedenen Gründen: mündige St. Pauli Fans zu einer gemeinsamen Aktion zu zwingen geht einfach gar nicht. Jeder hat das Recht, selbst darüber zu entscheiden, welche Aktion er unterstützt und welche nicht. Die Aktion als Aussperrung zu bezeichnen und nicht als Boykott wäre in jedem Fall besser gewesen - wenngleich auch nicht unbedingt problemlos.
Was aber am wichtigsten ist, daß ist ein Dialog, das Respektieren aller Seiten und ein Endspurt aller Fans in den letzten Spielen.
März 31st, 2010 at 16:32
@Jekylla: Wie ich bei Dir, als auch unter dem Spielbericht des Übersteigers schon schrieb, bin ich da komplett an Deiner Seite, daher spare ich mir an dieser Stelle weitere Worte. Nur so viel: Das fehlende Unrechtsbewusstsein auf Seiten der Blockierer (bzw ihrer Befürworter) ist nahezu unerträglich.
März 31st, 2010 at 17:42
Hallo Frodo,
Du stehst weiterhin zu Deiner Meinung und versuchst sie so gut es geht mit sachlicher Argumentation zu unterfüttern. Dafür ausdrücklich meinen Aspekt.
Unabhängig von meiner Meinung habe ich nach dem Lesen deines aktuellen Beitrags aber das Bauchgefühl: Da musstest Du Dich ganz schön strecken, um argumentativ die Kurve zu kriegen und eine Rechtfertigung zurechtzustricken, die einigermaßen plausibel klingt.
Ist alles schön und gut und über viele deiner Aussagen lässt sich diskutieren.
Aber für mich bleibt unterm Strich trotzdem folgende Erkenntnis und meine subjektive Meinung: Ein Protest DARF niemals mit Zwang arbeiten, schon gar nicht bei St. Pauli!
Denn meiner Meinung nach wird das - zugegebener Maßen auf den ersten Blick sehr eindrucksvolle - Bild der komplett leeren Süd-Stehplätze in den ersten Minuten des Spiels komplett dadurch entwertet, dass in ALLEN Berichten dazu sofort die Info folgt, dass dies nur durch die Blockade, also eine Zwangsmaßnahme möglich wurde.
Unterm Strich deutlich mehr Schaden angerichtet als einen vermeintlichen Erfolg erreicht.
Und Du schreibst auch, dass nach deiner Einschätzung nur 10% der Südler der Blockade komplett ablehnend gegenüberstanden-würde das nicht im Umkehrschluss heißen, das vermutlich ca. 90% auch FREIWILLIG mitgemacht hätten?
Meine persönliche Schätzung liegt eher bei 50%, aber selbst das wäre im TV sichtbar gewesen und hätte Berichte nach sich gezogen. Aber eben nur positive und es hätte innerhalb der Fanszene keinerlei Ärger gegeben.
Aber gut, hätte bringt uns nicht weiter, nun heißt es, im sachlichen Dialog die Sachen aufzuarbeiten. Ich hoffe sehr, dass auch USP sich zu einer ähnlich sachlichen und selbstkritischen Stellungnahme wie der deinigen durchringen kann, aber wirklich daran glauben kann ich nicht. Leider.
März 31st, 2010 at 18:54
@Jekylla + Frostschwein: Wir kommen da sicher nicht zusammen. Und das ist dann auch okay. Vielen Dank aber für Eure Einträge, ganz ehrlich.
@Schilli: Ja, das ist die entscheidende Frage… darf man absperren oder nicht. Beide Seiten haben ihre Sichtweise und können diese begründen. (auch ohne sich um die Kurve strecken zu müssen :))
Ob sie zusammenfinden werden, bleibt dann abzuwarten.
März 31st, 2010 at 18:59
welchen wert hat ein protest, der erzwungen wurde, egal wie berechtigt er war?
ich will doch auch nicht, daß bei der nächsten wahl jemand neben mir in der kabine steht und mir sagt, wo ich mein kreuz zu machen habe oder daß ich zur nächsten demo mit nem knüppel getrieben werde…
jegliche meinungsbildung und äußerung hat frei zu geschehen.
wenn der fanprotest in der südkurve auf freiwilliger basis nicht geklappt hätte, so könnte/müsste man jetzt über das wieso und warum diskutieren.
so aber reden alle nur über die blockade und das ursprüngliche thema - der allgemeine trend vom beschneiden der fanrechte, bzw aussperrung der fans - geht völlig unter.
hätte eine halbvolle/leere südtribühne als zeichen nicht auch gereicht?
März 31st, 2010 at 19:23
Moin!
Die Aktion, die meiner Auffassung nach aller Ehren wert war, hätte so nicht umgesetzt werden dürfen. Die Sitzplätze sind für Süd-Steher uninteressant, weshalb sie auch beim stadionübergreifenden Support kaum berücksichtigt werden. Die Damen und Herren hätten man also ziehen lassen können und sollen. Der Rest….naja…freiwillig wäre schöner gewesen. Aber so, da bleibt ein fader Beigeschmack!
Viele haben aber wohl auch vergessen (bis auf die Besitzstand-Südler + freier Verkauf) das die Süd die “Kurve der Ultras ist und dort durchgängig Support gefordert ist. Rausreden à la “Davon wusste ich aber nichts!” ziehen nicht denn jeder, der nicht zu den beiden o.g. Gruppen gehört, hat ja mal so ein weißes DIN A4 Blatt ausgefüllt um sich für die Kurve anzumelden. Dieser „Anmeldung“ konnte man klar entnehmen, was von einem dem künftigen Südler erwartet wird (eine Aussperrung mal ausgenommen). Viele haben diese Gelegenheit aber genutzt um überhaupt an eine DK zu kommen. Dabei ist ihnen das Konzept einer lauten und bunten Süd vollkommen gleichgültig. Die Vermutung liegt nahe, dass genau von diesen Fans die lauteste Kritik geübt würde. Da wäre, zumindest dieses eine Mal, ein wenig Rückendeckung wünschenswert gewesen.
Eines ist aber Fakt und da stimme ich Frodo 100%ig zu: Viele haben die Situation genutzt um mit den Ultras mal richtig abzurechnen. Aber Ultra ist nicht gleich Ultra. Viele stehen Süd weil sie das Konzept geil finden und supporten wollen, die schmeißen deswegen aber nicht gleich Pflastersteine auf Polizisten!
Abschließend noch etwas: Am Eingang S1 gab es einige unschöne Zwischenfälle in denen die Ordner eingreifen mussten. Es waren allerdings nicht die Blockierer, die die Ordner dann der Szene verwiesen haben. Ich finde, dass die eine Erwähnung wert ist.
Ich hoffe sehr, dass nur eine kleine Narbe bleibt und wir uns der eigentlichen Sache wieder mehr zuwenden können, unserem FC!
Jens
März 31st, 2010 at 19:39
@Frodo: Bitte. Das stimmt, da kommen wir wegen unterschiedlichem Rechtsempfinden und unterschiedlichen Ansichten über Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung niemals zueinander. Und deswegen befürchte ich, dass das schlußendlich jemand anders regeln wird. Und ob das das gewollte Ergebnis ist, wage ich an dieser Stelle zu bezweifeln. Jammern darf aber dann keiner mehr, das haben WIR uns alle dann zuzuschreiben.
Bis zur nächsten Stellungnahme back to RL.
März 31st, 2010 at 19:48
Ich denke in der jetzigen Situation ist “Ruhe bewahren” und “aufarbeiten” das Beste was gemacht werden kann. Gegenseitige Vorwürfe bringen da m.E. erstmal gar nichts.
Zu der Bloclade-Aktion am Sonntag ist viel (zu viel?!) geschrieben worden, da will und kann ich mich auch gar nicht groß zu äüßern. Wir von unserem Fanclub haben die Blockade aus der Gegengerade beobachtet und fanden die Aktion klasse und auch, dass sich die ganze Stehkurve daran beteiligt hat (zu dem Zeitpunkt war bei uns kein Hintergrund über die Abläufe vorhanden). Erste Zweifel kamen dann beim Beobachten der sich füllenden Ränge auf (Scharmützel, Schubserein und kleine Übergriffe), Upps was ist denn da los?!
Jetzt, mit mehr Hintergrundwissen, halten wir die Aktion an sich und vor allem den Sinn (”Wahrung von Fanrechten” (die jedem der einigermaßen weiß warum er am Millerntor steht am Herzen liegen müsste) und nicht wie viel in diversen Meinungen gelesen werden kann “Machtdemonstration einer Fangruppierung”) für richtig.
Über den genauen Ablauf und über die Art und Weise der Kommunikation im Stadion und Umlauf über Sinn der Blocksperre kann ich und können wir vom Fanclub nicht urteilen, da wir ja in der Gegengerade waren. Ich kann da nur zu Besonnenheit aufrufen und dazu auffordern erstmal bei sich zu gucken und sich zu fragen was hab ich vielleicht selbst zu einer möglichen Verschärfung der Situation beigetragen? Klar ist es nicht wünschenswert und verwerflich, wenn Menschen Angst und Panik bekommen und die Möglichkeit einer Verletzung entsteht. Ganz klar ist es aber ebenso inakzeptabel wenn Beleidingungen rassistischer, sexistischer und homophober Art im Gegenzug passieren.
Hoffe auf eine konstruktive und besonnene Aufarbeitung des letzten Sonntags von allen Beteiligten…
MfG Gerhard Hansen (FFA St.Pauli-Husum)
März 31st, 2010 at 20:00
Moin !
Einen Dank für diesen Beitrag. Ich bin ja anderer Meinung als du, aber kann sachlich vorgebrachte andere Meinungen akzeptieren. Was den Begriff der Nötigung angeht: Ich bin kein Jurist, aber wenn jemand an dem Betreten “seines” Stadionplatzes durch Blockade behindert wird, wird er “genötigt” draußen zu bleiben. Man muss kein Freund von C.L. sein, um daraus juristische Probleme aufkommen zu sehen. Vermutlich werden 99% der Verhinderten mittlerweile abgekocht haben oder sich “nur” beim Verein beschwert haben aber man stelle sich nur vor, es gibt Anzeigen und dann darf “Grünweiß” gegebenenfalls Kameras auswerten und einige Jungs bekommen dann Stadionverbote, weil wir uns selber uneins sind,wie man Boykotte durchführt. Ich denke, das will hier keiner ..? Um es klar zu sagen: Ich wäre draußen geblieben wenn ich in der Süd stünde aber mir wäre die Galle hochgegangen wenn ich gesehen hätte, wie Leuten ihre Rechte frei zu entschieden genommen wurden. Wer sich für Fanrechte einsetzt muss meines Erachtens bei Grundrechten erst recht auf der Zinne stehen.
Gruß Stephan
März 31st, 2010 at 20:10
Dafür das du dich für deine Meinung hier gerade machst, danke ich dir. Nur so kann der dringend notwendige Dialog in Gang gebracht werden. Eigentlich würde ich das von den für die Blockade Verantwortlichen erwarten, die scheinen aber lieber auf Tauchstation zu bleiben. Warum auch immer.
In der Sache sind wir aber weit auseinander.
Ich stelle mir jetzt einfach nur mal die Orga des Boykotts vor. Zu irgendeinem Zeitpunkt kam dann die Frage auf “Und was machen wir, wenn nicht alle mitmachen”. Ich kann mir die darauf folgenden Argumente Pro Aussperrung kaum vorstellen, es muss aber wohl was Richtung der Zweck heiligt die Mittel, wer’s nicht kapiert hat’s nicht besser verdient, wir stehen ja im Dienste einer höheren Sache, etc. gewesen sein. Mir, der immer geglaubt hat unser Verein stünde für Toleranz und die Freiheit des Andersdenkenden geht nicht in den Kopf, wie hier eine Entscheidung gegen die Rechte der eigenen Fans getroffen werden konnte. Sich dazu berechtigt gefühlt zu haben, weil Protestverweigerer per se keine echte Fans (also Schnittchenfresser, Biertrinker, Sabbler und Eventies) sind und man diese zu ihrem ‘Glück’ zwingen dürfe, ohne deren jeweilige Motivation zu kennen oder zu hinterfragen, war hoffentlich nicht der Grund.
Und was wäre denn gewesen, wenn man sich an dieser Stelle gegen eine Blockade entschieden hätte?
Dann hätten halt 500 in der Süd gestanden, die eine andere Meinung hatten. Na und? Das Zeichen wäre vielleicht nicht ganz so deutlich gewesen, dafür wäre es aber echt gewesen. Die Bilder von 2000 nach 5min reinströmenden Fans wären im TV genauso solidarisch als Protest für die Wahrung von Fanrechten rübergekommen und diese Diskussion wäre überflüssig gewesen.
Für mich hat St. Pauli auch immer für Vielfalt und Toleranz gestanden. Wer das, aus welchen Gründen auch immer, nicht aushält, hat nix verstanden.
März 31st, 2010 at 21:03
Danke, endlich kann mal eine Reihe von Beiträgen lesen, ohne dass aufeinander eingedroschen wird.
Ich hoffe wir alle lernen aus der Aktion vom Rostock-Spiel, z. B. Proteste sind legitim und wichtig, aber es darf kein Zwang ausgeübt werden.
Bei aller Kritik ist es wichtig sachlich zu bleiben und nicht immer nur USP zu kritisieren. Man mag deren und den Süd-Support nicht immer situativ angepasst finden, dort wird Stimmung gemacht. Und die Choreos sind einfach geil.
Ich fände es gut, wenn es eine einfache Möglichkeit gebe, mit anderen Fan-Gruppen zu kommunizieren - am besten am Stadion (Infotisch). Zu einem (USP-)Treffen (o.ä) oder zu gehen, würden die meisten Fans wohl nicht machen.
Für eine (selbst-)kritische Fankultur!
März 31st, 2010 at 23:19
Moin Frodo,
danke für dein klares Statement. Und auch dafür, dass du damit die Grundlage für eine sachliche Auseinandersetzung schaffst.
Die meisten Aspekte meiner persönlichen Meinung zu der Aktion sind weiter oben bereits verschiedentlich beleuchtet worden, eine Wiederholung möchte ich mir (und dem geneigten Leser) ersparen.
Mich interessiert noch folgendes:
Du sagst, eine Blockade sei prinzipiell legitim, räumst aber im konkreten Fall Fehler in der Umsetzung ein. Worin genau bestehen diese Fehler? Wie hätte es besser laufen können?
Im leider zerlaberten ‘Konsequenzen-Faden’ im Forum hat es ein User imho ganz gut auf den Punkt gebracht: den Boykott VOR dem Stadion demonstrieren, für Verständnis und Teilnahme werben, die Aufgänge zum Steh-Bereich lediglich mit Flatterband absperren und dieses mit entsprechenden Hinweisen versehen (”Wer hier vor 13:35 Uhr durchgeht tritt Fanrechte mit Füßen” fand ich auch ganz gut) und ansonsten das Ganze der Freiwilligkeit überlassen.
Hätte vielleicht ein nicht ganz so Medien-wirksames Bild erzeugt, jedoch allemal ein authentischeres und die Aktion wäre unter dem Strich wesentlich erfolgreicher gewesen.
Tendiert das in etwa in die Richtung, wie du es beim nächsten Mal besser machen würdest? Und wenn nicht, wie dann?
April 1st, 2010 at 00:33
@Frodo: Auch ich habe für die ausführliche Darlegung Deiner Gedanken, und den allgemein angenehm sachlichen Ton hier, zu danken… Eine Wohltat nach dem Forum… Und ja, Du wirst wohl recht haben, es wird schwer für uns in dieser Frage auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen, was ich aber wirklich Schade finde! Denn im Gegensatz zu manch anderen habe ich kein grundsätzliches Problem mit dem Support von USP & Co, bzw dem Prinzip der Ultra-Kurve. Darum stoße ich mich persönlich dann an Sachen wie:
“Viel von dem Wirbel, der jetzt im Nachhinein entstanden ist, mag zwar den Sonntag als Auslöser nehmen, liegt aber doch viel tiefer begründet.”
Ich kann natürlich nur für mich und die Personen aus meinem direkten St.Pauli-Umfeld sprechen, aber unsere Aufregung beruht tatsächlich nahezu ausschließlich auf den Vorfällen am Sonntag, bzw der Uneinsichtigkeit der Blockierer in den Tagen danach. Gerade weil man USP, bzw. den Unterzeichnern des Boykotts, nicht negativ gegenüber steht (stand?), war man so erschüttert über die Ereignisse/Erlebnisse. Ich nahm, wohl leider zu unrecht an, dass es bei uns am Millerntor einen bestimmten Konsens bei der Toleranz anderer Meinungen gibt, dass die eigenen Fans nicht zur Solidarität für eine Sache gezwungen, sondern überzeugt werden (und dass man beim Nichterfolg eine Aktion einschränkt oder ganz sein lässt). Und genau darum klingen dann Hinweise auf Beleidigungen gegen die Blockierer und übertiebenes USP-Bashing nach einer Taktik um das eigene Fehlverhalten kleinzureden, auch wenn das vielleicht überhaupt nicht eure, bzw. Deine Absicht war.
Vielleicht kannst Du ja zumindest ein bisschen meine Aufregung und Enttäuschung über die Ereignisse verstehen. Ohne ein wenig Einsicht und eine klare Entschuldigung der Boykott-Ausrufer (und zwar unabhängig von den Reaktionen der Blockierten, die teilweise ganz klar zu verurteilen, aber auch unabhängig vom eigentlichen Auslöser diskutiert werden sollten… nicht “Die haben aber auch”, sondern “Wir haben, aus gut gemeinten Gründen, Mist gebaut”) sehe ich aber leider düstere Zeiten für das Konzept der Ultra-Kurve… Und um am Ende noch eine Portion Pathos in diesen (länger als eigentlich geplant gewordenen) Text reinzubringen: Die Hand ist ausgestreckt, ihr müsst sie nur ergreifen! Und dann ziehen wir uns auch zusammen in die erste Liga…
ps. Frostschwein klingt zwar sogar noch besser, aber eigentlich war mein Nickname eine, zugegebenermaßen nur halbwegs kreative, Wortschöpfung aus zwei Legenden unseres Vereins.
April 1st, 2010 at 08:17
Entschuldigung in Sachen Südkurven-Boykott am Millerntor - http://s.ring2.de/61d
April 1st, 2010 at 14:18
@fly: schöner vorschlag, schade daß du anscheinend nicht an der organisation beteiligt warst.
ich persönlich finde es wichtig das wir als fans für unsere rechte kämpfen, und darum ist es eigentlich am erschütterndsten daß dieser protest anscheinend erzwungen werden mußte (und bitte jetzt hier nicht wieder die ganze blockade-sache aufrollen, darum geht es mir hier nicht). denn ICH habe in den letzten tagen bei vielen kommentaren zwischen den zeilen eine ablehnung gegen den prostest an sich (oder eine ablehnung gegen usp) gelesen. und hier liegt vielleicht das eigentliche problem.
April 1st, 2010 at 14:32
Also von Freiheitsberaubung kann nicht die rede sein. Ich bin am Sontag mehrmals aus dem Umlauf Richtung Dom und Richtung Wirtschaftsgymnasium hin und her gelaufen um zu sehen was im Bereich der Eingänge passierte. Ich saß mehrmals auf den Treppen und habe eine graucht. Es scheint mir das viele dankbar sind einen Grund gefunden zu haben auf USP rumzuhacken. Dabei waren andere Fanclubs und Gruppen genauso involviert wie USP. Diese Tatsache lassen die USP Gegner nur alzugerne unter den Tisch fallen. Diese USP Phobie, wie ich es hier mal nennen möchte, hatte z.T. groteske züge. Als beispiel sei hier der ältere Herr genannt der mich und 2 Freude vorm Jolly mit den Worten scheiß USP begrüßte. Keiner von uns gehört zu USP. Das der Seidenschal den einer von uns trug ihn dazu veranlasste war offensichtlich. Nur das war KEIN USP Schal. Ist schon traurig wenn der blinde Hass die einige gegen USP haben dazu führt das Mensch grundlos doof angemacht wird…..
April 1st, 2010 at 23:32
Ich möchte mich nachdrücklich Jekyllas Aussagen anschließen. Besonders diese Gedanken sollten Dir, Frodo, etwas zu denken geben. Da finde ich die Erwiderung “ich hab halt ne andere Meinung” etwas knapp.
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“Trotz der guten Darstellung von Sven Brux versuchst auch Du, das Gedränge, die Panik, die Aggression, die dadurch entstanden ist, zu verniedlichen, zu verharmlosen, ja, eigentlich sogar in Abrede zu stellen. Aussagen dazu gibt es genug, also sind diese Leute -inklusive mir- entweder komplett wahrnemungsgestört, haben noch nie ein echtes Gedränge erlebt oder sie lügen. Dass diese Ansicht nicht zur weiteren Deeskalation beiträgt, solltest Du eigentlich wissen, also muss ich Dir Eskalationsabsicht unterstellen? Mach ich erst mal nicht.
Die vorangegangene Diskussion “Fanrechte” mit der Grundlage Hansa Rostock war schon ein sehr zweischneidiges Schwert, auch die Littmann-Debatte war bei weitem nicht so homogen, wie man sich das seitens der Blockierer rosa geredet hat. Das wurde ALLES ignoriert.”
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Und ich hab noch eine Anmerkung zu der persönlichen Zustimmung, die Du erfahren hast: Erfahrungsgemäß ist es so, dass sich Kritiker öffentlich zu Wort melden, Zustimmung aber zumeist privat kommt. Das ist ein weit verbreitetes Phänomen.
Grüße
Paddel
April 1st, 2010 at 23:58
Oh mann… Es war echt kein Kritiker beim USP Treffen? Scheixe, ich wollte hin und hatte Angst das es zu voll wird, dann hab ich mir Arsenal-Barca angeguckt. Das tut mir im Nachhinein leid.
Wenn der ganze Mist etwas gutes gebracht hat, dann, dass relativ unaktive Fans wie ich, inzwischen eine Verantwortung spüren.
Ich will mich jetzt mehr einbringen, um dieser unsäglichen Spaltung entgegenzuwirken.
Viele Grüße
April 2nd, 2010 at 01:26
Was ich mich seit Sonntag Mittag frage:
Wenn ich beim nächsten Heimspiel die Stadionordnung verletze, kann ich dann auch einfach ungehindert machen was ich will und erwarten, dass ich beim nächsten Mal wieder ins Stadion kommen darf?
Mag hart klingen, und ja, es ist tatsächlich auch so gemeint. Denn konsequent weitergedacht landen wir genau da.
Ich darf auch daran erinnern, dass Rostock freiwillig auf die 500 Karten verzichtet hat.
Finde ich die Limitierung auf 500 albern und unnötig? Ja, sehr.
Finde ich die Ausgabe von personalisierten Karten verwerflich? Nein, nicht wirklich. Immerhin steht mein Name genauso auf meiner Karte.
Und Platzangst hin oder her, politische Meinungsäusserung hin oder her, ich reagiere empfindlich darauf wenn mir jemand einfach mal eben so meine Rechte einschränkt.
Sicher, die fünf Minuten waren nicht der Weltuntergang, aber mir geht es genauso wie der Organisatoren vom Sonntag ums Prinzip.
Dummerweise befindet sich eine der Seiten leider im Unrecht (im juristischen Sinne - nein jetzt nicht mit Haftstrafen kommen, das meine ich nicht).
Traurig, dass es nach wie vor Personen gibt, die anderer Leute Rechte leichtfertig verletzen, das haben wir beim FCSP eigentlich nicht nötig.
April 2nd, 2010 at 20:27
Nicht zu vergessen die mittlerweile erschienene Erklärung des FCSR zum Thema “Blockade”, die angeblich auch mitgetragen worden sein sollte, auszugsweise:
“Kein Mitglied des Fanclubsprecherrates war an der Blockade aktiv beteiligt oder bei der Planung involviert. Einzelne Mitglieder des FCSR haben von der Blockade erst kurzfristig auf dem Weg zum Stadion bzw. beim morgendlichen Treff vor dem Fanladen erfahren. Eine wie auch immer geartete Reaktion auf die Blockadewar so nicht mehr möglich…..Leider wurde und wird oftmals der Flyer zum Boykottaufruf gleichgesetzt mit der Blockade. Das ist falsch. Es gab nie einen Blockadeaufruf.”
Der Vollständigkeit halber…
April 2nd, 2010 at 21:32
Und das mit Genehmigung gepostete Fullquote der Zusatzerklärung
http://santapauli.wordpress.com/2010/04/02/stellungnahme-des-fcsr-zur-stellungnahme-des-fcsr/
Ich mache sonst selten Eigenwerbung in anderen Blogs, aber für diese hier mache ich gerne eine Ausnahme.
Wer Negatives verbreitet, sollte auch zeitnah Positives verbreiten.
April 3rd, 2010 at 18:11
P.S.: mit dem letzten Satz meinte ich mich übrigens selbst. Nur ehe es zu Mißverständnissen wegen der Interpretierbarkeit kommt