Doch kein 20minütiger Stimmungsboykott am Montag!

Ach nee, so ein Hin und Her…

Mittwoch hatte USP noch beschlossen und am Donnerstag per Gazzetta Digital verkündet, es wird auch am morgigen Montag einen 20minütigen Support-Boykott geben. Dies hatte zwar zu etlicher Kritik geführt, war aber aus meiner Sicht nur konsequent, auch wenn man bereits eingestand, dass es zur neuen Saison ganz sicher neue Überlegungen geben müsse, wie man mit dem Protest weiter vorgeht, da der Stimmungsprotest wenig Sinn macht, wenn 17 andere Vereine kaum oder gar nicht bereit sind, diesen mitzutragen.

Nun kam heute folgende Korrektur:

Hallo Sankt Pauli Fans!

In den letzten Wochen wurde in der Fanszene viel über den 20-minütigen Schweigeprotest gegen die Anstoßzeiten diskutiert. Proteste gegen das DSF, die DFL und den DFB, ab jetzt unter dem neuen Namen Sport1, haben bei Sankt Pauli eine sehr lange Tradition. Von Beginn an haben sich Fans gegen die beschissenen Anstoßzeiten vor allem am Montagabend gewehrt, die die Interessen derer, die den Fußball vermarkten wollen, über die Interessen derer stellen, die den Fußball leben und zu dem Machen, was er ist – die Fans. Dabei wurden am Millerntor und Auswärts viele Protestformen genutzt. Sei es das Verhängen der Kameras mit Ballons, Boykottaufrufe für die werbenden Firmen, öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Unmutsrufe von tausenden Fans und manch ein DSF-Mitarbeiter hat in den letzten Jahren am Millerntor gar Angst um seine Gesundheit geäußert. Eine Protestform, die vor allem die Ultras genutzt haben war stets, die ersten zwanzig Minuten zu schweigen, um das Event, das übertragen wer den sollte, zu schädigen. Diese wurde in letzter Zeit auch innerhalb der Gruppe immer mehr in Frage gestellt, zumal mehrfach zu beobachten war, dass andere Protestformen eine bessere Wirkung entfalten können. Genannt seien die Spruchbänder der Düsseldorfer Fans letzte Woche oder die vielen Protestspruchbänder bei unseren Montags-Heimspielen. Da wurde es plötzlich zu einem Thema, mit dem sich das DSF auseinandersetzen musste. In der in der Folge anberaumten Diskussionsrunde äußerten die Vertreter des DSF dann auch, dass ihnen ein Schweigeprotest relativ gleich ist, sie nur die beleidigenden Spruchbänder gestört haben.

Wir sind der Meinung, dass der Protest immer ein Markenzeichen von Sankt Paulis Fans gewesen ist und wir denken auch, dass wir damit Erfolge erzielen konnten. Dennoch wurde intern schon oft diskutiert, ob die Protestform nicht überholt sei und etwas anderes, effektiveres her müsste. Warum sollte man so viel einsetzen, sich selber den Spaß nehmen und der Mannschaft die Unterstützung entziehen, wenn es kaum was bringt. In der letzten Woche wurde geplant, in der Sommerpause ausführlich über mögliche alternative Protestformen zu reden (auch wenn der direkte Gegner dann hoffentlich nicht mehr Sport1 heißt). Um es klar zu machen: würden wir weiterhin voll hinter einem Boykott stehen und dessen Erfolg sehen, dann dürfte auch ein sportlicher Erfolg nicht zum Abbruch führen, denn ein Boykott beweist sich erst dann wirklich, wenn es richtig schwer fällt ihn durchzuziehen. Es kommen nun aber viele Sachen zusammen. Zum ersten, dass die Form auch innerhalb der braun-weißen Ultra-Szene mittlerweile stark umstritten ist, desweiteren, dass die Mannschaft in den letzten Tagen mehrfach auf uns zugekommen ist und deutlich machte, dass sie die Unterstützung in diesem wichtigen Spiel von Anfang an braucht. Hinzu kommt, dass wir wissen, dass auch viele Fans in unserer Kurve ein Problem mit dem Schweigen haben und wir es mit dem „aufeinander zugehen“ ernst meinen. All das hat dazu geführt, dass wir die Mannschaft am Montag gegen Augsburg von Anfang an voll unterstützen werden und unserem Protest gegen das DSF anders Ausdruck verleihen werden. Wir wissen, dass wir auch dafür wieder Kritik ernten werden, es bleibt eine schwierige Geschichte und wir bedauern, wenn wir auch hiermit nicht allen gerecht werden können. Wir fordern euch alle auf, das Beste draus zu machen und den Protest nicht untergehen zu lassen, während wir – hoffentlich wieder mehr an einem Strang - unser Team in die erste Liga brüllen.

Ultrà Sankt Pauli im April 2010
Ich finde diese Entscheidung grundsätzlich richtig, da ja wie gesagt dieser Protest als Zeichen nur funktionieren kann, wenn er von beiden Fangruppen des Live-Spiels mitgetragen wird. Gerade bei Auswärtsspielen verkam der Protest so eher zur Farce, da sowohl in Aachen, Lautern und Düsseldorf die Heimfans genug Krach machten. Und so, wie Negation bei Menschen grundsätzlich nur schwer funktioniert (Denkt jetzt bitte NICHT an einen rosa Elefanten…) ist eben “nicht singen” nicht dazu geeignet, den Fernsehzuschauer darauf aufmerksam zu machen.
Schade find ich lediglich den Zeitpunkt, denn gerade in einem Heimspiel kann man als Schweigende Masse mit entsprechenden Tapeten und Transparenten immer noch etwas erreichen… da wäre dann die Entscheidung bereits vor dem letzten Spiel in Düsseldorf sinnvoller gewesen.

Aber egal, auch Fehleinschätzungen einzugestehen ist eine Stärke.

Also: 90 Minuten Vollgas und alles geben! Für drei Punkte, für den Aufstieg!
Und zur neuen Saison kann man dann über neue Protestformen nachdenken, auch wenn uns zumindest das DSF Sport1 Livespiel am Montag abend hoffentlich nicht mehr direkt betreffen wird. // Frodo

10 Responses to “Doch kein 20minütiger Stimmungsboykott am Montag!”

  1. Stefan Says:

    Wahrscheinlich machen nun andere gerade deswegen ihren persönlichen Stimmungsboykott. ;-)

  2. Frodo Says:

    @Stefan: Genau… was zur Hölle erlaube USP? :D

  3. Paddel Says:

    Daumen und Doppelhalter hoch!

  4. Mente Says:

    Guten Abend,

    wo kann die Gazzetta digitalisiert angeguckt werden?
    Komme leider nicht aus Hamburg und dann ist es schwer, die Gazzetta vernünftig zu bekommen.

    Beste Grüße,
    Mente

  5. denntz Says:

    Ich kann auch ohne Stimmungsboykott schlecht drauf sein!

  6. Patrick Says:

    Hallo lieber Übersteiger, ich sehe den Blog nu auch schon seit längerer Zeit und ich mus sagen, endlich mal was gutes der USP.

    Was man als Boykott versuchen kann ist natürlich, man weiss, ja wo die DSF Kameras stehen, und viele sind direkt irgendwo bei den fans, wieso nicht mal Doppelhalter entwerfen, die man “zufällig” direkt vor den Kameras plaziert Montags, das wäre mal ein Protest, der auch Früchte tragen könnte.

    Ich wünsche auf jeden Fall allen im Stadion einen schönen Tag und 3 Punkte für den FC. St Pauli.

    Gruss Patrick

  7. pantoffelpunk Says:

    Tjupp!

  8. Olli Says:

    Sehe ich das richtig, in der USP-Erklärung: “DFB” heisst jetzt “Sport1″ ??…Tststs, Sachen gibt´s.

    Zum Thema: Ich find´s auch etwas inkonsequent. Wenn der Protest Aufmerksamkeit bewirkt hätte, dann bei DIESEM Spiel.
    Anyway, gutes Signal für den Zusammenhalt auf den Traversen. Nun heisst´s 90min. Gas geben und im nächsten Jahr trotz der dann (hoffentlich) besseren Anstoßzeiten weiter gegen die Spieltag-Zerstückelung angehen, zumal Sky wahrscheinlich kein weiteres Jahr überleben wird.

  9. Joesel Says:

    Vielleicht sollte man in Zukunft auch mit den entsprechenden Fans des Gegners die Aktionen besser absprechen… aber nächste Saison hat sich das mit den Montagsspielen ja hoffentlich für uns erledigt, also entspannt bleiben.

    Würde mich freuen, wenn wir ab heute wieder als eine Faneinheit unseren magischen FC lautstark unterstützen.

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