Das Derby – Der HSV zu Gast am Millerntor

von Stefan

Derbytime! Foto: Ariane Gramelspacher

Endlich ist es soweit. Am kommenden Montag steht das erste wirkliche Highlight der Saison an. Am heimischen Millerntor geht es gegen den kleinen Nachbarn aus Stellingen. Leider am unsäglichen Montag Abend, aber immerhin mit Flutlicht und sicher mit ganz viel „Hell of Sankt Pauli“. Schauen wir uns den Gegner mal an:

Der Saisonstart

Der Vorstadtklub hätte kaum besser in die Saison starten können. Einem Unentschieden am 1. Spieltag gegen Darmstadt 98 (1:1) folgten vier Siege in der Liga. Es gelang ein 4:0 Auswärtserfolg beim 1. FC Nürnberg, gefolgt von einem 1:0 Heimsieg gegen den VfL Bochum. Am 4. Spieltag dann ein 4:2 auswärts gegen den Karlsruher SC und schließlich am vergangenen Spieltag ein ungefährdeter Heimerfolg gegen Hannover 96 (3:0). Damit rangieren die Rauten auf dem ersten Tabellenplatz. Im DFB Pokal erreichte man zudem die zweite Runde mit einem 6:5 Auswärtserfolg in Chemnitz.

Der Kader

Nach dem enttäuschenden Nichtaufstieg in der vergangenen Saison ist das Ziel für diese Saison zweifellos klar. Nichts als der Aufstieg kann die Fans aus St. Ellingen beruhigen. Hierzu wurde, wie in den letzten Jahren so oft, der Trainer ausgetauscht. Dieter Hecking, bis zur letzten Saison Trainer bei Borussia Mönchengladbach, übernahm die Verantwortung bei den Rothosen. Nur konsequent, dass nach der Enttäuschung in der letzten Saison und mit dem neuen Trainer der Kader ordentlich verändert worden ist. Mit Ablauf der Transferperiode wurden insgesamt 17 Spieler geholt, 20 Spieler mussten den „Verein“ verlassen. Zu den namhaftesten Neuzugängen zählen sicherlich ein gewisser Jeremy Dudziak sowie David Kinsombi (vorher Holstein Kiel), der ehemalige Bremer Martin Harnik und Lukas Hinterseer (kam aus Bochum). Die namhaftesten Abgänge waren Douglas Santos (zu Zenit Sankt Petersburg), Filip Kostic (Eintracht Frankfurt), Pierre-Michel Lasogga (Al-Arabi SC), Lewis Holtby und das Eigengewächs Fiete Arp (Bayern München).

Die Formation

Allein an der Formation der Rothosen ist die Handschrift des Trainers Dieter Hecking zu erkennen. Wie auch in der letzten Saison bei Borussia Mönchengladbach, greift Hecking beim Klub aus Stellingen auf seine „Lieblingsformation“, das offensive 4-3-3 zurück. Beim Blick auf die bisher absolvierten Spiele wird schnell deutlich, dass Hecking schon zeitig einige Positionen fest vergeben hat.

Im Tor hat der Stammkeeper der letzten Saison, Julian Pollersbeck seinen Platz unter Hecking verloren. Mit dem Neuzugang von Darmstadt 98, Daniel Heuer Fernandes (Rückennummer 1), steht ein neuer Keeper zwischen den Pfosten der Rauten. In der Abwehr lautet die Stammformation von links nach rechts Tim Leibold (#21), Rick van Drongelen (#4), Gideon Jung (#28) und Jan Gyamerah (#2). Dabei haben mit Leibold (kam aus Nürnberg) und Gyamerah (kam aus Bochum) gleich zwei weitere Neuzugänge mit Beginn an einen Stammplatz. Dennoch muss Hecking seine Abwehr für das Derby auf einer Position umbauen. Jan Gyamerah verletzte sich beim Rautentraining am Mittwoch mit einem Wadenbeinbruch schwer und wird mindestens bis Jahresende fehlen. Bekanntester Verlierer in der Abwehr ist mit Sicherheit Kyriakos Papadopoulos. Er bekam von Hecking lediglich im ersten Saisonspiel eine Chance und wurde seitdem von Gideon Jung ersetzt. Durch die Verletzung von Gyamerah bekommt Papadopoulos vielleicht jedoch erneut seine Chance in der Abwehr.

Der HSV stand geschlossen hinter seinem Spieler Bakery Jatta. Das gibt ein paar Sympathiepunkte. Foto: Ariane Gramelspacher

Im Mittelfeld ist als klassischer 6-er Adrian Fein (#29) gesetzt. Auf dem linken Flügel spielte in den letzten Spielen David Kinsombi (#6). Kinsombi ist eigentlich etatmäßiger defensiver Mittelfeldspieler und dürfte die Position lediglich wegen der Verletzung von Aaron Hunt (Leistenprobleme) bekleidet haben. Hunt ist jedoch seit dem letzten Spieltag wieder fit und es ist davon auszugehen, dass der Kapitän der Rothosen auch von Beginn an gegen die Braun-Weißen auflaufen wird. Auf der rechten Außenbahn war Jeremy Dudziak zunächst während der ersten drei Spieltage gesetzt. Am vierten Spieltag verlor Dudziak jedoch seinen Stammplatz an den weitaus offensiveren Sonny Kittel (#10). Der Neuzugang aus Ingolstadt bekleidete die Position auf der Außenbahn bei den beiden letzten Spielen gegen Karlsruhe und Hannover 96 und dürfte auch gegen den Magischen FC gesetzt sein. Insbesondere auch, weil Kittel zur Zeit der beste Scorer und Torschütze der Rauten ist. Im Sturm schließlich ist der Neuzugang Lukas Hinterseer (#16) als klassische 9 fest eingeplant. Hecking setzte ihn bisher bei allen Ligaspielen ein und Hinterseer erzielte bereits zwei Treffer. Als linker Stürmer vertraut der Trainer der Rothosen auf Bakery Jatta (#18). Trotz der unsäglichen Diskussion um die Identität des Stürmers aus Gambia hielt Hecking an dem 21-jährigen Sturmtalent fest. Dieser dankte es ihm mit dem ersten Treffer am 5. Spieltag gegen Hannover. Auf rechts spielte in den vergangenen Spielen stets der 25-jährige Stürmer Khaled Narey (#7). Dieser konnte zwar bereits einen Treffer in der Saison markieren, gleichwohl dürfte Narey durch den Bremer Neuzugang Martin Harnik (#22) ersetzt werden. Dieser wurde kurz vor Ende der Transferperiode vom SV Werder Bremen losgeeist

Die Bilanz

Es ist Derby und beim Derby ist völlig egal wie die Bilanz aussieht. Wichtig ist: Immer wenn keiner mit dem FCSP gerechnet hat, gelang dann doch ein Sieg gegen den Nachbarn. In der Saison 77/78 auswärts im Volkspark ein 2:0. Torschützen für die Braun-Weißen waren in der 30. Minute Franz Gerber und in der 87. Minute Wolfgang Kulka. Am 16.02.2011 folgte dann der denkwürdige Auswärtssieg mit 1:0. Torschütze war in der 59. Spielminute Gerald Asamoah nach Vorarbeit durch Fabian Boll. Einen Heimsieg am Millerntor gab es bis dato nicht. Sicherlich auch, da viele „Heimspiele“ im Volkspark ausgetragen werden (mussten).

Beim letzten Derby am Millerntor ging es auf dem Rasen so lahm zu, dass selbst Tauben sich befähigt fühlten mitzuspielen. Foto: Ariane Gramelspacher

Und sonst?

Unbedingt als gutes Omen sollte man den von der DFL eingesetzten Schiri – den Bremer Sven Jablonski – nicht sehen. Alle drei von ihm geleiteten St. Pauli-Begegnungen verlor unser Verein. Auch dass wir montags statistisch gesehen überwiegend gewinnen, wird dadurch relativiert, dass es der HSV leider genauso macht. Das Heimspiel gegen Holstein Kiel hat aber gezeigt, was möglich ist. Gerade die Stimmung vor dem 2:0 war das Beste, was man seit langem am Millerntor an Stimmung und Atmosphäre miterleben konnte. Hieran gilt es anzuknüpfen, erst recht nach den auch schlechten Erfahrungen aus dem letzten Derby. Die Gastmannschaft ist klarer Favorit für das Spiel am Montag. Umso mehr muss und wird die Unterstützung von den Rängen helfen etwas zählbares aus dem Derby mitzunehmen.

Hamburg ist braun-weiß, Hamburg ist blau-weiß-schwarz? Fotos: Ariane Gramelspacher

Fazit

Die anderen sind Favorit und wir sind vom Gegner leicht zu unterschätzen. Die Leistung unter Luhukay war in den vergangenen Spielen nicht so schlecht, wie es die Ergebnisse vermuten lassen. Zudem dürfte Luhukay in der Länderspielpause die Gelegenheit genutzt haben, die kurz vor Ende der Transferphase verpflichteten Spieler an die Mannschaft heranzuführen. Wenn es gelingt, eine Wechselwirkung zwischen Leistung auf dem Platz und der Stimmung auf den Rängen zu erreichen, ist definitiv eine Überraschung respektive Punkte möglich. Vor allem ist davon auszugehen, dass die Mannschaft am Montag eine weitaus bissigere Vorstellung als beim letzten Aufeinandertreffen gegen die Rauten an den Tag legen wird. Dieser Mentalitätswechsel war in den bisherigen Ligaspielen deutlich spürbar.

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1 Antwort zu Das Derby – Der HSV zu Gast am Millerntor

  1. Jan sagt:

    Die Vorfreude auf Morgen steigt. Besser als beim 0:4 wird es allemal… Hoffe ich.

    (Kostic ist übrigens schon seit letzter Saison in Frankfurt)

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