Archive for the ‘Erste Mannschaft’ Category

32.Spieltag - (H) - TuS Koblenz und der Marathon

Montag, April 26th, 2010

FC St.Pauli - TuS Koblenz 6:1 (2:0)
Tore: 1:0 Charles Takyi (42.), 2:0 Deniz Naki (44.), 3:0 Charles Takyi (57.), 4:0 Marius Ebbers (59.), 5:0 Rouwen Hennings (69.), 6:0 Matthias Lehmann (74. Foulelfmeter), 6:1  Marvin Pourie (75.)
Zuschauer: 19.686 (geschätzt 600 Koblenzer)

Es war ein zähes Ringen mit den Koblenzern, wobei ihre fußballerische Limitierung schon sehr früh deutlich wurde. Aber man weiß ja, wie sowas laufen kann wenn die Zeit voranschreitet und das Runde einfach nicht ins Eckige will.  Als dann der (zweifelhafte, weil eher außerhalb verübte) Elfmeter gepfiffen wurde, wähnte sich Braun-Weiß endgültig auf der Siegerstraße, aber dann folgte unglaubliches: Bruns schießt neben das Tor und die zurecht gegebene Wiederholung schießt Lehmann platziert nach unten links, der Ball wird aber vom Koblenzer Torwart Paucken klasse pariert… warum hier kein Reporter das billige Wortspiel vom Paukenschlag brachte, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Doch was so ein echter Fußballexperte ist, der lehnt sich locker zurück und sagt zum Nebenmann: “Kein Thema… machen sie jetzt das erste Ding, fallen die anderen automatisch. Wäre aber hilfreich, wenn es vor der Pause passiert!” Gesägt, Tun, Getan, um es mit Onkel Hotte zu formulieren. An dieser Stelle dann auch noch das schnelle Schulterklopfen in Richtung Stani, für sein Festhalten am Sir, gegen alle kritischen Stimmen während der vergangenen Monate. Der Rest war dann gegen zusammenbrechende Koblenzer ein Selbstgänger.
Die Stimmung auf den Tribünen war zunächst auch sehr verhalten, es gab auch diverse kritische Tapeten gegen die Vorfälle der letzten Wochen, hierzu sei nochmals auf die Stellungnahme von USP und Fanladen verwiesen, in dem alles wesentliche steht. Der Verein hat logischerweise eine davon abweichende Sichtweise, die aber ähnlich vage und ausweichend bleibt, wie die ganzen letzten Wochen schon und die entscheidenden Antworten auf die Sommerpause verschieben will. Und wenn die Stellungnahmen der letzten Wochen tatsächlich als “fortwährenden Angriffen auf den Verein im Allgemeinen und das Präsidium im Besonderen” empfunden wird, fragt man sich natürlich, was die machen wenn mal tatsächlich heftigerer und vereinter Gegenwind kommt, denn momentan ist sich die Fanszene ja nicht mal einig. Merkwürdig aber auch, dass aus Fehlern immer noch nicht gelernt wird, denn in dem sehr lesenswerten Artikel der Times Online von heute wird Littmann in Bezug auf Fans im Jolly Roger wie folgt zitiert: “I’ve been president for seven years but a fan for 30, so I understand what they want.” Mag für Teile der Fanszene sogar noch stimmen, denen sportlicher Erfolg und finanzielle Sicherheitwichtiger sind als Ideale, aber so ein Satz ausgerechnet in der derzeitigen Diskussion ist doch reichlich unbedacht… und gerade den Leuten im Jolly dürfte da so manches Bier wieder bei hochkommen, wenn sie das lesen.
Aber spätestens nach den ersten beiden Toren war die Stimmung dann natürlich bestens, gegen Ende kam mit “Wir ham die Schnauze voll!”, “Stani raus!” und ähnlichen Gesängen sogar so etwas wie Volkspark-Stadion Feeling die gute alte Ironie des Millerntors hervor und es wurde wunderbar und lange gefeiert.
Einziger Wehrmutstropfen: Hansa Rostock gewann zeitgleich beim 1.FC Kaiserslautern… warum das einige im Stadion sogar zum Jubeln brachte, kann ich mir nach wie vor nicht erklären, denn die Meisterschaft dürfte bei weiterhin vier Punkten Rückstand normalerweise trotzdem an “die Region” gehen und wäre mir ehrlich gesagt auch völlig egal, eine Niederlage von Rostock hätte hingegen die Chance auf deren direkten Abstieg am Leben gehalten und den Relegationsplatz gefestigt… vielleicht lag das am Alkohol, aber vielleicht mag sich einer der Jubler ja mal in den Kommentaren erklären, ich würd mich freuen.
Anschließend brachte auch der Stuttgarter Sieg in Bochum noch die Gewissheit, dass es für den hsv in der Bundeliga eng werden würde, noch nach Europa zu kommen.

Samstag amüsierte ich mich dann über Herthas erneute Niederlage kurz vor Schluß… sollten wir also doch noch in die Relegation müssen, wird es kaum gegen die Hauptstadt gehen, die damit nächstes Jahr in der Bundesliga nicht vertreten sein wird.

Der Sonntag sollte im Zeichen des Marathons stehen. Fanräume hatte die Aktion “Kein Sprint” ins Leben gerufen und als einer von 16 LäuferInnen machte auch ich mich (zum insgesamt fünften Mal) auf den Weg. Über 9.000,-€ wurden so für Fanräume und Viva con Agua erlaufen, sicherlich ein toller Erfolg für beide Projekte und ebenso natürlich für jeden einzelnen Läufer, von denen viele ihren ersten Marathon überhaupt angingen. Außer dem krankheitsbedingten Ausfall von Stefan (Gute Besserung!) gab es eine 100% Erfolgsquote, alle kamen an! Wie im Ticker nachzulesen ist, war insbesondere das Abschneiden von Kaeser ein echtes Überwinden des inneren Schweinehundes… wer sowas schafft, der hat den Aufstieg auch verdient!
Womit wir beim Thema wären: Nach dem Lauf konnte man sich im JollyDayInn noch schnell frisch machen und im Raval dann lecker essen und die Augsburger beim FSV Frankfurt bewundern… und pünktlich zum Frankfurter Ausgleich durch Cidimar per Fallrückzieher hatte ich es auch ins Raval geschafft, großartig!
Nun geht es also nach Fürth und es wird zur Mottofahrt aufgerufen:
Nieten, Schnauz und Dosenbier oder auch Hippiematten, schlimme
Lederschnürhosen und Batikshirts. Wollen wir doch nicht so tun, als ob
der Autonomen-Chic damals regiert hätte.
Na, das kann ja nur ein großer Spaß werden.
Und wenn wir so viele Punkte holen wie Augsburg, steigen wir (dank der aktuell 14 Tore besseren Differenz) quasi schon im Frankenland auf. Holen wir mehr Punkte, ist es sogar schon rechnerisch durch… nicht ganz auszuschließen, aber selbst bei einer Niederlage und einem Augsburger Sieg gegen 1860 würde ein Heimsieg gegen Paderborn reichen. Man müsste also jetzt schon sehr viel falsch machen, um Platz 2 noch abzugeben. // Frodo

31.Spieltag - (A) - Union Berlin

Sonntag, April 18th, 2010

1.FC Union Berlin - FC St.Pauli 2:1 (1:1)
Tore:
1:0 Torsten Mattuschka (10.), 1:1 Charles Takyi (19.), 2:1 Karim Benyamina (87.)
Zuschauer: 19.000 (ausverkauft, ca. 2.500 St.Paulianer)

Aaaaaach, was könnte man alles schreiben über diesen Samstag in Berlin:

  • eine entspannte Anreise mit dem ICE, inkl. “zänk yu for trewölling wiff Deutsche Bahn!”
  • nette Unioner Kollegen, die einen sogar am Hauptbahnhof abholen, eine Stadtrundfahrt mit einem machen und dann nach Köpenick kutschrieben, wo schon deren Kumpels mit gekühltem Berliner Pilsener warten
  • ein wirklich gigantisch toll gelungenes Stadion “An der alten Försterei”, in dem Fußball noch das wichtigste ist und man zu keiner Zeit den Kitsch der neuen Arenen vermisst
  • eine großartige Stimmung im Gästeblock, die dazu führte, dass man die Unioner kaum hörte
  • ein Spiel, welches leistungsgerecht 1:1 endete
  • einen entspannten “nach dem Spiel”-Nachmittag in einer großen Unioner Fankneipe, in der bunt gemischt die Bundesliga-Konferenz geguckt und die hsv-Niederlage bejubelt wurde
  • insgesamt ein Tag in Berlin, an dem es fast keinen Streß zwischen beiden Fangruppen gab (eine kleine Hauerei an der Tankstelle mal außen vor, deren Gründe ich aber nicht sehen konnte)

Und warum schreibe ich nichts darüber?
Weil ich mich über diese völlige Dummheit in der 87.Minute so sehr aufgeregt habe, dass ich weder dem Herrn Thorandt, der das Abseits aufhob, noch den Herren Morena oder Rothenbach, die sich in angemessener Entfernung zum Bestaunen entschlossen, einen angemessenen Bericht zukommen lassen könnte, ohne ausfallend zu werden.

Also erfreue ich mich lieber am schönen Sonntagswetter und vertage den nächsten längeren Spielbericht auf den Heimsieg gegen Koblenz am Freitag. // Frodo

P.S.
Fotos bei U.N.V.E.U.

30.Spieltag - (H) - FC Augsburg (oder: Nie mehr Hansa Rostock!)

Dienstag, April 13th, 2010

FC St.Pauli - FC Augsburg 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Matthias Lehmann (51.), 2:0 Marius Ebbers (63.), 3:0 Marius Ebbers (83.)
Zuschauer: 19.901 (ausverkauft, ca. 1.000 Gästefans)

Welcome to the Hell of St.Pauli!
Diesen Song stimmte der Block 1, formerly known as Singing Area, gestern kurz vorm Einlaufen an, und schon da konnte man spüren, dass heute das Potential für einen ganz besonderen Abend vorhanden war.

Es war schon vor Anpfiff ein ganz merkwürdiges Gefühl im Stadtteil. Es war Dom, das Flutlicht war an, überall Spannung zum Anfassen und eine unfassbare Anzahl von Leuten mit selbst gebastelten “Suche Karten”-Kartons, wie ich sie in dieser Masse noch nie gesehen habe, größtenteils schon mit ziemlicher Verzweiflung im Gesicht. (Das Clubheim war übrigens während des Spiels prall gefüllt… allerdings hab ich da keinen Vergleich, ob das nicht sonst auch so ist.)

Das Vorgeplänkel der letzten Wochen dürften die meisten Leser dieses Blogs mitbekommen haben. Die Vorfälle rund ums Rostock-Heimspiel mit zig Stellungnahmen und einem großen Graben in der Fanszene. Anschließend die Diskussion um die Montagsproteste , mit der etwas überraschenden Last-Minute Änderung, eine andere Art des Protests als zwanzig Schweigeminuten zu wählen und damit Bahn frei für einen gemeinsamen großartigen Support zu schaffen. Dementsprechend waren auch die Tapeten von USP in Richtung Süd-Publikum, “Das Porzellan ist zerschlagen - Aber Scherben bringen Glück!” und “Gemeinsam für den Aufstieg!” eher nach vorne gerichtet, alles weitere war ja auch schon vorher in der langen Stellungnahme geschrieben worden.

Einen Flyer zum Rostock-Spiel gab es dann aber doch noch, und auch der soll nicht unerwähnt bleiben: Der Fanclub Skinheads St.Pauli äußerte sich darauf wie folgt:

“Du bist kein Linker, du Schwuchtel…”Nein, dies hier ist nicht die zehnte Stellungnahme zur Blockade an sich beim Rostock-Spiel. Dazu haben jetzt viele Gruppen ein Statement abgegeben, da braucht es nicht auch noch unsere Stellungnahme. Wir wollen an dieser Stelle einen Schritt weiter gehen, denn die Sprüche und Beleidigungen die uns zugetragen worden sind, als auch von Mitgliedern selbst erlebt wurden, sind für uns in keinem Fall akzeptabel. “Schwuchtel”, “Fotze”, “Nigger” u. ä. am laufenden Band…das waren nicht nur so genannte Ausrutscher! Was für Vollidioten laufen eigentlich in unserem Stadion herum?! Dies ist eine letzte Warnung an diese Leute. Verpisst euch vom Millerntor!

Sollte uns Derartiges auswärts oder am Millerntor zu Ohren kommen, könnt ihr euch eines verbalen oder auch non-verbalen Verweises sicher sein, versprochen! Mit rassistischen und sexistischen Arschlöchern wollen und werden wir unseren Verein auch in Zukunft nicht teilen. Wir gestehen grundsätzlich jedem zu, seine Vorstellunen vom Fan-Dasein auszuleben, aber hier hört der Spaß für uns auf!

Wer sich nicht angesprochen fühlt, und das wird hoffentlich die große Mehrheit sein, verarbeite diesenZettel einfach zu Konfetti.
Und jetzt gemeinsam auf 3 Punkte gegen Augsburg!

Mit sportlichen Grüßen

Eure Skinheads vom Block 1

Chapeau, treffend formuliert und Danke!

Nun konnte das Spiel aber beginnen und zumindest in der ersten Halbzeit entwickelte sich ein Spitzenspiel auf Augenhöhe… will sagen: Langweilig, mit wenig Torchancen, zwei Mannschaften neutralisieren sich gegenseitig. Es waren sogar leichte Vorteile für Augsburg zu erkennen. Aber mit dem 0:0 ging man unterm Strich verdient in die Kabinen.

Allerdings hatte sich da auch schon deutlich gezeigt, woher der Wind an diesem Abend wehen sollte: Von den Rängen in den Rücken der Heimmannschaft, voran zum wichtigen Sieg! Die Proteste gegen das DSF Sport1 traten bis auf einige wenige, aber prominent platzierte Tapeten in den Hintergrund und nicht zu unrecht stimmte der Block1 eben das “Welcome to the Hell of St.Pauli!” an, denn der Millerntor-Roar war seit langem mal wieder spürbar und ging durch alle Tribünen. Schon beim “Aux armes!” konnte man problemlos die Gänsehaut überstreifen.

Und in Halbzeit zwei kam der Mannschaft dann das Glück zugute, welches man schon bei den (vermeintlich ungefährdeten) Siegen in Aachen und Karlsruhe hatte: Dort retteten Hain und das Glück in der Anfangsphase gegen Großchancen, bevor man selbst die erste Chance nutzte. Gestern erzielte Thurk das 0:1… und der Linienrichter Schiedsrichterassistent hatte eine Abseitsposition erkannt, die nach den Fernsehbildern durchaus fragwürdig ist. Wer weiß, wie es dann gekommen wäre. Doch im direkten Gegenzug erzielt Lehmann mehr oder weniger aus dem Nichts das 1:0 für “die Guten” und der Rest war Party… oder besser gesagt: Marius Ebbers! Unfassbar großartig, wie er das zweite Tor nach Ballannahme mit der Brust erzielte, ebenso fantastisch sein Durchtanken gegen zwei Augsburger Fahnenstangen zum 3:0. Abfeiern von Einzelpersonen ist am Millerntor ja eher selten, aber die “Marius Ebbers - Fußballgott!” Sprechchöre gestern waren nicht zu überhören.

Die Stimmung in der zweiten Halbzeit war ebenso fantastisch, man könnte sie sogar als “Wiedergeburt der Singing Area” bezeichnen, die gestern Abend zu längst vergessener Hochform auflief und diverse Gesänge anstimmte, welche von der Gegengeraden und der Süd nur allzugerne übernommen wurden. Kleiner Einschub diesbezüglich: Wenn man jetzt im Forum schon wieder lesen muss, dass USP “endlich” auch mal die Gesänge der Gegengerade übernommen hätte, sollte man sich mal ehrlich hinterfragen, ob denn USP nicht gestern abend “endlich” erstmals überhaupt in dieser Vielzahl die Gelegenheit dazu hatte, Gesänge zu übernehmen, die sonst selten bis nie da sind.
Aber nicht schon wieder stressige Diskussionen, gestern Abend war einfach nur ein Ereignis zum Freuen!

Einziges Ärgernis waren aus meiner Sicht die Augsburger Gäste. Was für eine jämmerliche Schauspielertruppe… der Raffael läuft bei jedem langen Ball rückwärts mit voller Wucht in den Verteidiger um dann theatralisch zusammenzubrechen, und der Thurk jammert auch ständig am Boden liegend herum. Umso beschämender, wo doch beide es aufgrund ihrer fußballerischen Fähigkeiten gar nicht nötig haben. Ich war jedenfalls heilfroh, dass Lehmann in der einen Szene nicht mit gelb-rot vom Platz musste.
Aber wie sehr muss sich Hertha BSC eigentlich jede Woche in den Hintern beißen, diesen Ibrahima Traoré diese Saison an Augsburg verliehen zu haben? Der spielt ja so großartig, den hätten die Berliner sicher gut gebrauchen können…
Zu den Gästefans: Respekt für die Anreise an einem Montag Abend, auch wenn es dann eben nur zur Füllung der Stehplätze gereicht hat und die Sitzplatztickets an St.Pauli Fans verkauft werden konnten. Schade, dass aufgrund der Akkustik durch die fehlende Haupttribüne aber bereits in der Gegengeraden generell nichts mehr vom Gästeanhang ankommt und ebenso schade, dass es die Ausgburger nicht mal zu einer einzigen Tapete gegen den ÜbertragungsSpieltermin gebracht haben… oder nehmen die gerne ihren Urlaub für solche Ausflüge? Dann dürfen sie auch gerne noch ne Runde in der Liga bleiben und die Düsseldorfer mit uns hoch lassen. (P.S. Nach einem Hinweis in den Kommentaren vom User Holzei1910 möchte ich hierfür Abbitte leisten: Nach einem Zündeln der Ausgburger vor zwei Jahren waren ihnen Tapeten o.ä. verboten ;-))

Endlich ist die dusselige “Aber gegen Spitzenteams bla bla…” Diskussion vom Tisch, und während einige jetzt bei “nur vier Punkten Vorsprung” auf Augsburg immer noch nicht beruhigt schlafen, sage ich: Nur noch vier Punkte Rückstand auf Lautern, wir können diese häßliche Schale noch holen! Wer mir nicht glaubt, tippe mal das Restprogramm durch.

Und nach den Ergebnissen des Wochenendes könnten tatsächlich zwischen uns und Hansa Rostock im Sommer zwei Ligen Differenz sein, wie geil wäre das denn bitte? Dazu passend dann auch das lautstakre “Nie mehr Hansa Rostock!”gestern Abend nach dem dritten Tor.

Am Samstag geht es in die Hauptstadt, die aller Voraussicht nach nächste Saison zwei Zweitligisten hat, während die schönste Stadt der Welt sich wahrscheinlich ab dem Sommer zwei Erstligisten leisten darf. Bei einem Sieg in der Alten Försterei und gleichzeitiger Niederlage der Augsburger gegen die heranrückenden Duisburger könnten wir dann aus eigener Kraft schon gegen Koblenz mit einem Heimsieg den direkten Aufstieg sichern… ich wiederhole mich gerne: Wie geil wäre das denn bitte? // Frodo

Links:
Fotos von miles photography
Fotos von Stefan Groenveld
Fotos aus Augsburg (Burning Nuts)
Blog von pathos93

Doch kein 20minütiger Stimmungsboykott am Montag!

Sonntag, April 11th, 2010

Ach nee, so ein Hin und Her…

Mittwoch hatte USP noch beschlossen und am Donnerstag per Gazzetta Digital verkündet, es wird auch am morgigen Montag einen 20minütigen Support-Boykott geben. Dies hatte zwar zu etlicher Kritik geführt, war aber aus meiner Sicht nur konsequent, auch wenn man bereits eingestand, dass es zur neuen Saison ganz sicher neue Überlegungen geben müsse, wie man mit dem Protest weiter vorgeht, da der Stimmungsprotest wenig Sinn macht, wenn 17 andere Vereine kaum oder gar nicht bereit sind, diesen mitzutragen.

Nun kam heute folgende Korrektur:

Hallo Sankt Pauli Fans!

In den letzten Wochen wurde in der Fanszene viel über den 20-minütigen Schweigeprotest gegen die Anstoßzeiten diskutiert. Proteste gegen das DSF, die DFL und den DFB, ab jetzt unter dem neuen Namen Sport1, haben bei Sankt Pauli eine sehr lange Tradition. Von Beginn an haben sich Fans gegen die beschissenen Anstoßzeiten vor allem am Montagabend gewehrt, die die Interessen derer, die den Fußball vermarkten wollen, über die Interessen derer stellen, die den Fußball leben und zu dem Machen, was er ist – die Fans. Dabei wurden am Millerntor und Auswärts viele Protestformen genutzt. Sei es das Verhängen der Kameras mit Ballons, Boykottaufrufe für die werbenden Firmen, öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Unmutsrufe von tausenden Fans und manch ein DSF-Mitarbeiter hat in den letzten Jahren am Millerntor gar Angst um seine Gesundheit geäußert. Eine Protestform, die vor allem die Ultras genutzt haben war stets, die ersten zwanzig Minuten zu schweigen, um das Event, das übertragen wer den sollte, zu schädigen. Diese wurde in letzter Zeit auch innerhalb der Gruppe immer mehr in Frage gestellt, zumal mehrfach zu beobachten war, dass andere Protestformen eine bessere Wirkung entfalten können. Genannt seien die Spruchbänder der Düsseldorfer Fans letzte Woche oder die vielen Protestspruchbänder bei unseren Montags-Heimspielen. Da wurde es plötzlich zu einem Thema, mit dem sich das DSF auseinandersetzen musste. In der in der Folge anberaumten Diskussionsrunde äußerten die Vertreter des DSF dann auch, dass ihnen ein Schweigeprotest relativ gleich ist, sie nur die beleidigenden Spruchbänder gestört haben.

Wir sind der Meinung, dass der Protest immer ein Markenzeichen von Sankt Paulis Fans gewesen ist und wir denken auch, dass wir damit Erfolge erzielen konnten. Dennoch wurde intern schon oft diskutiert, ob die Protestform nicht überholt sei und etwas anderes, effektiveres her müsste. Warum sollte man so viel einsetzen, sich selber den Spaß nehmen und der Mannschaft die Unterstützung entziehen, wenn es kaum was bringt. In der letzten Woche wurde geplant, in der Sommerpause ausführlich über mögliche alternative Protestformen zu reden (auch wenn der direkte Gegner dann hoffentlich nicht mehr Sport1 heißt). Um es klar zu machen: würden wir weiterhin voll hinter einem Boykott stehen und dessen Erfolg sehen, dann dürfte auch ein sportlicher Erfolg nicht zum Abbruch führen, denn ein Boykott beweist sich erst dann wirklich, wenn es richtig schwer fällt ihn durchzuziehen. Es kommen nun aber viele Sachen zusammen. Zum ersten, dass die Form auch innerhalb der braun-weißen Ultra-Szene mittlerweile stark umstritten ist, desweiteren, dass die Mannschaft in den letzten Tagen mehrfach auf uns zugekommen ist und deutlich machte, dass sie die Unterstützung in diesem wichtigen Spiel von Anfang an braucht. Hinzu kommt, dass wir wissen, dass auch viele Fans in unserer Kurve ein Problem mit dem Schweigen haben und wir es mit dem „aufeinander zugehen“ ernst meinen. All das hat dazu geführt, dass wir die Mannschaft am Montag gegen Augsburg von Anfang an voll unterstützen werden und unserem Protest gegen das DSF anders Ausdruck verleihen werden. Wir wissen, dass wir auch dafür wieder Kritik ernten werden, es bleibt eine schwierige Geschichte und wir bedauern, wenn wir auch hiermit nicht allen gerecht werden können. Wir fordern euch alle auf, das Beste draus zu machen und den Protest nicht untergehen zu lassen, während wir – hoffentlich wieder mehr an einem Strang - unser Team in die erste Liga brüllen.

Ultrà Sankt Pauli im April 2010
Ich finde diese Entscheidung grundsätzlich richtig, da ja wie gesagt dieser Protest als Zeichen nur funktionieren kann, wenn er von beiden Fangruppen des Live-Spiels mitgetragen wird. Gerade bei Auswärtsspielen verkam der Protest so eher zur Farce, da sowohl in Aachen, Lautern und Düsseldorf die Heimfans genug Krach machten. Und so, wie Negation bei Menschen grundsätzlich nur schwer funktioniert (Denkt jetzt bitte NICHT an einen rosa Elefanten…) ist eben “nicht singen” nicht dazu geeignet, den Fernsehzuschauer darauf aufmerksam zu machen.
Schade find ich lediglich den Zeitpunkt, denn gerade in einem Heimspiel kann man als Schweigende Masse mit entsprechenden Tapeten und Transparenten immer noch etwas erreichen… da wäre dann die Entscheidung bereits vor dem letzten Spiel in Düsseldorf sinnvoller gewesen.

Aber egal, auch Fehleinschätzungen einzugestehen ist eine Stärke.

Also: 90 Minuten Vollgas und alles geben! Für drei Punkte, für den Aufstieg!
Und zur neuen Saison kann man dann über neue Protestformen nachdenken, auch wenn uns zumindest das DSF Sport1 Livespiel am Montag abend hoffentlich nicht mehr direkt betreffen wird. // Frodo

29.Spieltag (A) - Fortuna Düsseldorf

Dienstag, April 6th, 2010

Fortuna Düsseldorf - FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Sebastian Heidinger (48.)
Zuschauer: 47.200 (geschätzte 4.000 St.Pauli Fans)


Hätte ich nur auf Dorthe gehört…

 

Im Nachhinein bin ich eigentlich nur froh darüber, dass ich zumindest die Fahrt hin zum Spiel nach Düsseldorf im Auto eines alten Freundes hinter mich bringen konnte. Haar-sträubende, lange Zeit verdrängte Jugendsünden (der letzten 2 Wochen) wurden aus den verstaubten Gehirnwindungen hervor gekramt und dem Gegenüber nochmal peinlichst detailiert unter die Nase gerieben. Trotz Feiertags-Rückreiseverkehr und spontanen Umwegs, quer durch den idyllisch-tristen Ruhrpott, trafen wir sogar völlig entspannt eine halbe Stunde vor(!) dem Anpfiff an diesem abscheulichen, einst als WM-Spielstätte beworbenen Würfelkasten an.
Keine Ahnung was sich die Modestadt dabei gedacht hat, die authentischen Umrisse des schnuckeligen Stadions hinter einer abgehängten Werbe-Leinwand zu verstecken. Aber das ist deren Architektursünde, mir blieb jedenfalls genug Zeit meine Laptoptasche und den Gitarrenkoffer von einem der hintersten Parkplatzlücken aus bis zu den Fanladenbussen zu schleppen, in einem derer ich dann später 6,5 Stunden gefrustet zurück nach Hamburg juckeln durfte.

Zurück zum Stadioneingang. Der Schwarzmarkthandel scheint in NRW´s Landeshauptstadt ähnlich zu florieren wie in der Freien und Hansestadt. Gänzlich ungenierter wird dort allerdings die überteuerte Ware lautstark präsentiert. Zudem scheinen die Neongelb bejackten Ordner keinen blassen Schimmer davon zu haben, was denn heute in dem großen Kasten hinter ihnen auf dem Programm steht bzw. wie man dem Treiben innerhalb beiwohnen kann. Erst beim dritten Exemplar der Gattung Zeitarbeiter bekamen wir die viel versprechende Antwort: „Äh, da fragt ihr am besten die mit den grünen Jacken!“ Ah ja.

Wesentlich bessere Sprüche seitens der Düsseldorfer gab es dann im Stadion. Zum Anpfiff wurden entlang der kompletten Seitenlinie mehrere Tapeten über die Werbebanden geklebt, welche in bester Kameraposition Fakten wie „Scheiß sky“, „Pyro statt Popcorn“, „Stehplätze statt Couch“ oder „DFL/DFB TV macht unseren Sport kaputt“ präsentierten. Allerdings überdauerten diese nicht mal annähernd den 20-minütigen Stimmungsboykott unserseits, da gehorsame Ordner sie recht schnell herunterrissen.
Wie uns daheimgebliebene
Gehirn-Amputierten-Szenler (G.A.S.) berichteten, strickte das DSF sich aus unserem abermaligen 20-Minuten-Boykott in bester Springer-Manier einen abstrusen Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um die Südkurven-Blockade beim letzten Heimspiel. Dreist und frech gelogen, aber was will man von nem Sender der Sexy Sportclips im Programm hat anderes erwarten.
Bezüglich dem letzten Sonntag verurteilten die Ultras der Fortuna in den gegenüberliegenden 42er Blöcken mehrmals die gebaute Scheiße unseres Präsidenten und forderten ihn zum Rücktritt auf, was einige auf unserer Seite wiederum mit Applaus bedachten.
Die nun mehr seit x Jahren andauernde Bumserei zwischen den Feuchten Bibern und den Lost Boyz aus Flingern ging ebenfalls in die nächste Runde: „Bereitet euch schon mal vor!“ war neben einem überdimensionalem Cartman zu sehen und schaffte es (wenn auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen) heute immerhin ins Abendblatt.
Es folgte ein unspektakuläres Topspiel, nach dessen Verlauf meiner Meinung nach keine Mannschaft den Sieg verdient hatte. Mit nem Punkt wäre ich auch schon sehr zufrieden gewesen. Hätte, hätte, Herrentoilette.
Die Unterstützung der eigenen Mannschaft gestaltete sich aufgrund der schwammigen Akustik sicherlich ein wenig schwierig. Doch zu welchem Roar! man in der Lage wäre, wenn man nur einmal geschlossen supporten würde, dass machten uns die Gastgeber ein ums andere mal vor. Die Anstoßzeit trug ihren verdammten Teil dazu bei. Hoffentlich wird das beim nächsten Montagsspiel anders.

Für das größte Magengrummeln und permanentes Fremdschämen sorgten aber nicht diese vermeidbare Niederlage, der grottige Support oder die Pissplörre aus Warstein, sondern die Mitfahrer im Fanladen-Bus auf der Rückfahrt. Als Augen- und Ohrenzeuge unter den Bus-Insassen und gleichzeitiger Verfasser der Titelstory des ÜS#93 - welche sich zwar liest wie ein jämmerlicher Emosong, aber thematisch den Nagel auf den Kopf trifft - kam mir teilweise die Galle hoch. In etwa so wie dem Kollegen vor mir, wenn auch aus weniger alkoholisierten Gründen…
// Stemmen

28.Spieltag - (H) - FC St.Pauli - Hansa Rostock

Montag, März 29th, 2010

FC St.Pauli – FC Hansa Rostock 2:0 (1:0)
Tore:
1:0 Marius Ebbers (41.), 2:0 Deniz Naki (54.)
Zuschauer: 19.146 (keine Gästefans)
Rote Karten: Martin Retov, Fabian Boll (beide 57.)
Oha, heute mache ich mich unbeliebt… und bevor ich mich verzettel unterteile ich den Bericht mal, für mich recht ungewöhnlich, in Kategorien.

Die Vorgeschichte
Ich will das nicht alles wieder aufwärmen, daher in Kürze: Das Präsidium und die Polizei entschlossen sich, nur 500 Gästefans zuzulassen. Rostock verzichtete konsequenterweise ganz auf die Karten, Fangruppen des FC St.Pauli kündigten gegen diese Beschneidung der Fanrechte Proteste an. Wer das noch mal nachlesen möchte, kann dies im Blog hier und hier tun oder die ÜS-Sonderausgabe lesen, die am Sonntag verteilt wurde.

Das Spiel
Kann man schnell abhaken. Unterm Strich verdienter Arbeitssieg in einem umkämpften Derby, in dem Hansa uns mit diesem unglaublichen Fehlpass von Schöneberg auf Ebbers natürlich einen großen Gefallen tat und Matze Hain erneut großartig hielt, wenn er gebraucht wurde. Ich hab vor der Saison viel über ihn geschimpft, aber er ist diese Saison genau der Rückhalt, den man für einen Bundesliga-Aufstieg braucht, ich leiste in aller Form Abbitte bei ihm.
Die Situation, die zum Tumult führte, war hingegen eindeutig: Böses Frustfoul des Hansa-Kapitäns Martin Retov an Deniz Naki, welches für sich bereits zwingend eine rote Karte nach sich zog. Anschließend stürmt Boll auf ihn zu, was Retov zu einer klar erkennbaren Zidane-Gedächtnis-Kopfnuss verleitet. Klassisches Doppel-Rot für ihn, maximal Gelb wegen ungestümen Anrennens für Boll, aber eigentlich nicht mal das. Warum Rafati beiden die rote Karte zeigte, erklärte er dann später, indem er Boll wahlweise eine Kopfnuss oder ein deutliches Schubsen nachsagte… wenn das seine Begründung ist, so muss man Boll eben nach den TV-Bildern freisprechen, Fehlentscheidungen passieren. Allerdings stand Rafati nur zwei Meter weg mit bester Sicht aufs Geschehen, also schon eine sehr unverständliche Entscheidung. Retov hingegen muss für Minimum sechs Spiele gesperrt werden, weil beide Szenen für sich mindestens drei Spiele Sperre bedeutet hätten. Ich bin gespannt, wie das Schiedsgericht das sieht. (Edit: P.S. Der DFB hat grad sieben Spiele Sperre verhängt… bleibt abzuwarten, was mit Boll passiert.)
Schönes Highlight nach dem Spiel war dann das kollektive Niederknien der Mannschaft vor dem großen Bild von Truller in der Jahr100Elf, während Stani und Truller feixend im Mittelkreis standen.

Rostocker Randale
Blieb, wie zu erwarten, aus. Zwar war klar, dass es genug Leute versuchen würden, Stress anzuzetteln, aber die in den Medien vorher genannten Zahlen waren einfach lächerlich. Allein das Kamera-Team-Aufgebot um kurz nach eins vorm Riesenrad hätte für drei Folgen der Lindenstraße gereicht. Was haben die erwartet? Dass die Hansa Fans da oben im Kreis fahren und Bengalos runter schmeißen? Noch dazu, wo der Dom um die Uhrzeit noch nicht mal auf hatte?

Der Boykott der Südkurve
So, fertig machen zum „Auf mich einprügeln“. Ich stehe voll und ganz hinter USP und dem kompletten Absperren der Süd! Und zumindest die anderen beiden ÜS-Redakteure, mit denen ich heute Morgen schon sprechen konnte, schließen sich der Meinung an. So viel vorweg.
Die Fangruppierungen des Ständigen Fanausschusses hatten sich auf diverse Proteste verständigt, um u.a. auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass einige davon scheitern. Eine davon war, dass USP versuchen sollte, die Süd für fünf Minuten frei zu halten. Es war also keine „USP-Aktion“, sondern eine Aktion von mehreren aktiven Gruppen, die in diesem Fall eben von USP ausgeführt wurde. Und um es auch klar zu sagen: Es ging hier doch nicht um den persönlichen Seelenfrieden und den selbstgerechten Blick am Abend in den Spiegel, dass man selbst für sich boykottiert hat, sondern es ging um mediale Aufmerksamkeit… und genau die ist sowohl auf Sky, als auch beim DSF und auf N3 dadurch erreicht worden, dass die GESAMTE Stehplatzkurve des FC St.Pauli beim absoluten Saisonhighlight für fünf Minuten frei blieb. Gegen den “Hassgegner”, den FC Hansa Rostock!
Hätte es stattdessen eine windelweiche „Naja, wir boykottieren zwar, aber wer rein will, soll halt rein gehen…“ Aktion gegeben, wäre es wahrscheinlich nach und nach immer mehr aufgeweicht worden, weil Richtung Anpfiff immer mehr Leute reingegangen wären, frei nach dem Motto: „Ey, super Boykott… aber ich als Einzelperson bin ja nicht so wichtig, also kann ich auch eben mit rein. Einer mehr oder weniger fällt ja auch nicht so doll auf.“ Und Schwupps hätten eben nur noch 500 konsequente Leute draußen gestanden und die Aktion wäre verpufft.
Bleibt also entscheidend die Frage: Hat USP (bzw. die ebenfalls hinter dem Boykott stehenden Fangruppen) das Recht, die Zugänge zur Süd so abzuschotten, dass es den Leuten nicht gelingt auf ihre Plätz zu gelangen? Und wenn ja: Wie soll man reagieren, wenn Leute trotzdem auf ihre Plätze wollen, eingedenk der vorhergehenden Argumentation, dass nur ein „kompletter“ Boykott erstrebenswert ist?
Hier werden sich die Geister scheiden, ich persönlich beantworte die Frage nach dem „Dürfen sie das?“ aber eindeutig mit: Ja, dürfen sie. Es handelt sich um eine von Fans/Ultras selbst verwaltete Kurve, dies unterschreibt jeder Besucher dieser Stehplätze beim Erwerb der Saisonkarte… ob ihm dies gefällt oder nicht (und jetzt bitte nicht mit „Aber die Uralt-Südler haben noch Dauerkarten von vor dem Konzept…“ kommen, denn die jetzigen Unmutsäußerungen kommen bei weitem nicht nur von denen, wenn überhaupt). Genau jenes Konzept, mit dem sich der Verein gerne brüstet, welches auch einen guten Teil des „Non established“-Krams ausmacht und welches beim Verkauf der Business-Seats und Logen gerne auch nach vorne gestellt wird. Letzteres führt doch dazu (siehe ÜS Blog vom Logen-Besuch) dazu, dass „da oben“ die besser situierten Damen und Herren sitzen, die fasziniert auf das „merkwürdige Wesen Fußballfan“ herabblicken und entzückt jauchzen, wenn es sowas wie Wechselgesänge oder kollektives Hüpfen im Gleichklang gibt. Angestimmt von eben jenen Ultras, die unfassbar viele Aktionen durchführen, die den FC St.Pauli zu dem machen was er (noch) immer ist: Etwas anders. Ich will jetzt nicht alles aufführen, aber Projekte, die es Flüchtlingen ermöglichen, Spiele am Millerntor zu besuchen, oder das Engagement bei zahlreichen anderen Projekten, werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil USP es eben „wegen der Sache“ macht, und nicht um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Und um es auch noch einmal deutlich zu betonen: Es ging um fünf Minuten! Fünf Minuten, die man zu etwas ganz Besonderen hätte machen können, wenn man beispielweise die Bereiche unter und außerhalb der Süd dazu genutzt hätte, sich einzusingen. Stattdessen wurde geschubst und gedrängelt, um auf den eigenen Platz zu gelangen, an dem man ja sonst auch immer steht. Muss jeder für sich selbst entscheiden ob er da freiwillig zu bereit ist? Ja, normal schon. Aber gestern ging es eben um mehr, zumindest aus Sicht der Gruppen, die im Ständigen Fanausschuss zusammengeschlossen sind. Und nochmal: Es handelt sich um eine von Fans verwaltete Kurve, für die eben auch andere Regeln gelten als für den Besuch eines Kinos oder des Zoos oder einer 08/15 Tribüne bei Hoffenheim. Hierbei spielt aber sicher auch das Problem rein, dass eben viele dort nicht aus Überzeugung zur Ultrakurve stehen, sondern einfach in Ermangelung einer anderen Möglichkeit. 
Ich gebe gerne zu, dass man hier unterschiedlicher Meinung sein kann, hätte mir hier aber eben nach dem ganzen Theater der letzten Wochen erhofft, dass die Solidarität der Fanszene untereinander greift und man bereit ist, auf diese fünf Minuten gemeinsam zu verzichten. Auf den zweiten Teil dieser Grundsatzfrage zurückkommend: Wenn man also der Meinung ist, sie dürfen und man will niemanden auf die Süd lassen… wie geht man dann mit Leuten um, die anderer Meinung sind? Es bleibt dann nur der Weg der kompletten Blockade, die muss man dann auch konsequent umsetzen, ohne gewalttätig zu werden. Letzteres war wohl auch so, zumindest haben die „Blockierer“ sich nur in den Weg gestellt. (Ich kann hier natürlich kein allumfassendes Urteil über die Situation an allen Eingängen abgeben, aber jeder, der hier behauptet ein USPler hätte Gewalt ausgeübt, möge sich dann bitte nochmal fragen, ob das zum einen wirklich so war und zum anderen wer denn damit angefangen hat) Und nochmal: Diese Blockade steht und fällt mit der Frage, ob es einer Fangruppierung wie USP erlaubt ist, die Blockade durchzuführen oder nicht… alles andere sind dann (leider) die Folgeerscheinungen.
Ein Satz noch zu den Sitzplätzen der Süd: Ja, auch diese waren zu großen Teilen davon betroffen. Und wenn ich es mir hätte persönlich aussuchen können, hätte ich die davon ausgenommen, weil hier vielleicht auch der unbescholtene Familienvater mit seinen drei Kindern erstmals am Millerntor auftauchen kann (theoretisch zumindest… praktisch nicht, wenn man sich die Kartenverteilung im Vorfeld in Erinnerung ruft). Allerdings scheiterte dies auch einfach an der praktischen Umsetzbarkeit, da Steh- und Sitzplätze die gleichen Zugänge haben, und nachdem diese verstopft waren, war eben auch keine Ausnahme mehr möglich.
Wenn man dann allerdings, wie in einer Hamburger Boulevard-Zeitung sinngemäß zu lesen ist, von „weinenden Kindern im beängstigenden Gedränge“ lesen muss, sollten sich auch die Eltern hierbei mal hinterfragen. Wer sich pro Tag auch nur zehn Sekunden mit dem FC St.Pauli beschäftigt, dem muss klar sein, dass ein Spiel gegen Hansa Rostock vielleicht sowieso schon nicht geeignet ist, sein Kind mitzunehmen. (Ich rede jetzt nicht von 17 jährigen Kindern, die werden aber auch eher nicht weinen.) Und wenn man sich nicht nur zehn Sekunden sondern eben auch drei Minuten vorher mit diesem Spiel beschäftigt hat, war klar, dass auch die Situation auf der Süd an diesem Tag eine besondere sein würde. Wer dann mit seinem Kind auf seinen Sitzplatz will, sollte recht schnell feststellen können, dass dies eben nicht geht… und dann wäre zumindest ich mit meinem Sohn wieder ein paar Meter zurückgegangen, hätte ihm die Situation erläutert und nichts wäre passiert. Das dies problemlos möglich gewesen wäre, habe ich mit eigenen Augen gesehen, denn zum Anpfiff war die Treppe von der Gegengeraden hinauf zur Süd zwar gut gefüllt, aber eben auch völlig entspannt und ohne jedes Gedränge. Gleiches gilt für den Eingangsbereich, wo sich das Fanladen-Büro befindet, wo auch einer Frau mit Platzangst problemlos geholfen werden konnte, indem man sie in das Büro ließ. Wer es hier also nicht auf Konfrontation anlegte, konnte sich ihr auch problemlos entziehen. Und ich wiederhole mich gerne: Es ging hier um mehr, als um fünf Minuten Zweitligafußball… diese Einschätzung kann man teilen oder eben auch nicht, aber wenn ich in dieser Kurve stehe, muss ich mit solchen Protestaktionen rechnen. Und wenn ich sie auch selbst nicht teile, darf ich sie eben zumindest auch nicht sabotieren, sondern muss sie (wenn auch in mich rein grummelnd) mit- und ertragen.

Sonstige Proteste
Dementsprechend gab es nach den fünf Minuten eben auch „Scheiß USP!“ Rufe, mehrheitlich von den Sitzplätzen der Süd. Wie gesagt, ich kann deren Unmut zum Teil nachvollziehen, nur fallen dann eben fiese „fünf nicht gesehenen Minuten“ für mich unter den unschönen Begriff des Kollateralschadens, auch hierfür stehe ich zur Steinigung nach Terminabsprache gerne bereit.
Das USP aber mit seiner Meinung bei weitem nicht alleine steht, zeigten die restlichen Proteste in Form von Tapeten. Ich bekomme sie nicht mal mehr annähernd alle zusammen und hab leider auch vergessen, die besten mitzuschreiben, daher nur meine beiden Highlight: „Auch Arschlöcher haben Rechte!“ und „CL + Ahlhaus: If the kids are united!“ Großartig, traf mein Humorzentrum. Gegenteilige Tapeten gab es übrigens nicht, nur fürs Protokoll.

Die Stimmung
Auch hier muss man USP zugestehen, alles richtig gemacht zu haben. Der ÜS hatte sich auf seinem Flyer ja dafür ausgesprochen, vom akustischen Support her alles zu geben, um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. USP hatte frühzeitig erklärt, dies natürlich nicht zu sabotieren, aber eben keinen organisierten Support zu machen. Will sagen: Keine Fahnen, keine Trommeln, keine Vorsänger… also quasi ein Paradies für all diejenigen, die USP immer das Übliche „Lalala“ vorwerfen. Und das wohlgemerkt bei DEM Spiel der Saison! Das Derby gegen Hansa, die Chance uns nach oben zu schießen und die Kogge zu versenken!
Und was passiert? Teilweise eine Stimmung wie bei der A-Jugend vom VSK Osterholz-Scharmbeck gegen Atlas Delmenhorst, komplettes Versagen der restlichen Besucher. Okayokay, natürlich gab es Gesänge und Anfeuerungen, aber das hielt sich doch alles sehr in Grenzen und passte viel eher zu nem lauen Sommerkick als zum eingangs beschriebenen Szenario, bei dem das Millerntor eigentlich hätte komplett brennen müssen! Wenn schon bei so einem Spiel, noch dazu nach den beiden roten Karten nur so wenig Stimmung bei rüber kommt, wie sollte das denn erst beim trüben Ligaalltag sein? Unvorstellbar. Und wohl gemerkt: USP hat ja nicht die Stimmung boykottiert, sondern bei Gesängen sehr wohl mitgemacht und teilweise auch eigenes gestartet… nur eben nicht so wie sonst. Und sonst meckern ja auch immer alle.

Fazit:
Das Kind liegt im Brunnen, und zweifelsohne ist gestern einiges in der Fanszene zerbrochen. Allerdings hat für mich nicht USP die Schuld an dem Bruch und das Kind liegt da auch schon einige Wochen, wenn nicht gar Monate.
Bis zu diesen Fronten war es ein langer Weg, an dem sicher viele Seiten ihre Schuld tragen. Und natürlich ist auch USP nicht völlig schuldlos, vielleicht hätte man vorher auch in der Kommunikation etwas anders lösen können. Nur die gestrige Situation entzündet sich eben an der Frage, ob alle Stehplatzbesucher das Konzept der Süd mittragen, oder eben nicht. So hart es klingt, aber der Verein und seine Fanszene stehen vor einer schwierigen Phase, die entscheiden wird, wie „non established“ wir wirklich sind, und wie lange dieser Verein noch von sich behaupten kann, „anders“ zu sein. Sollte der Verein tatsächlich Konsequenzen gegen USP aus den gestrigen Vorfällen ziehen, wäre für mich der Bruch mit diesem Präsidium noch stärker, als er nach den Lügen und Halbwahrheiten in persönlichen Gesprächen der letzten Wochen eh schon ist. Dummerweise werden einige es genau umgekehrt sehen und Konsequenzen gegen USP fordern bzw. haben dies bereits getan… und die Frage wird sein, welche Seite hier im Recht ist. Und damit meine ich nicht die juristische Seite, sondern die moralische. Und eben diese wird sich nur schwer beweisen lassen. Mir fehlt der Lösungsansatz, wie die verhärteten Fronten aufgeweicht werden können… die gestrigen Vorfälle haben diese sicherlich weiter verhärtet, nur liegt der Grund dafür eben nicht (alleinig) bei USP, sondern auch bei den anderen Gruppen, die diesen Protest mitgetragen haben und auf der anderen Seite bei denen, die diesen Protest eben nicht mitgetragen haben. // Frodo

P.S. Wer USPler als “Nazischwein”, “Fotze” oder ähnliches bezeichnet, hat damit dann auch schon genug über sich selbst preis gegeben, da geh ich gar nicht mehr drauf ein.

Links:
Fotos von miles-photo.net
Bericht eines Rostockers in der Ostsee-Zeitung
Ollis Tresen Thesen

Stellungnahme Ständiger Fanausschuß zur Kartenvergabe an Hansa

Donnerstag, März 18th, 2010

Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zur Reduzierung des Gästekartenkontingentes für das Spiel FC St. Pauli gegen Hansa RostockWir als Ständiger Fanausschuss, dem Zusammenschluss aktiver Fangruppen des FC St. Pauli, nehmen zu den Vorgängen um die Entscheidung zur Reduzierung des Kartenkontingentes für die Anhänger des FC Hansa Rostock und die entsprechende Pressemitteilung des FC St. Pauli wie folgt Stellung:

Nachdem der Ständige Fanausschuss von einem Antrag des Präsidiums des FC St. Pauli an die DFL Kenntnis erlangt hat, keine bzw. hilfsweise 500 Gästefans aus Rostock zuzulassen, und diese Antragstellung von der DFL bestätigt wurde, kam es auf unsere Initiative hin zu einem Gespräch zwischen Vertretern der organisierten Fanszene und dem Präsidium des FC St. Pauli. In diesem Gespräch wurde fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen. Daraufhin wurde ein Kompromiss gefunden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorsah.
Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1.400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen.

Mit großer Verwunderung mussten wir am Montag zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist und sich stattdessen in einem „einvernehmlichen Gespräch“ mit der Hamburger Polizeiführung auf eine abweichende Regelung geeinigt hat: Statt der gemeinsam vereinbarten 1.400 Gästekarten sollen nunmehr nur noch 500 Karten verkauft werden, und auch diese nur nach Vorlage eines Personaldokumentes. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als „weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten“ zu bezeichnen.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung einlegen.
Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.

Hamburg, 17.03.2010

Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli

Dem ist wenig bis nichts hinzuzufügen.
Wem jetzt die Hintergründe fehlen, den verweise ich gerne auf die zurück liegenden Blog-Einträge, insbesondere diesen vom Montag abend, direkt nach der Entscheidung von Cornochio dem Präsidium des FC St.Pauli und der Polizei, sowie diesen Blog-Eintrag, in dem auch weiterführend ein Artikel aus dem aktuellen Übersteiger verlinkt ist.
Das Abendblatt nimmt in der Print-Ausgabe die Stellungnahme heute bereits kurz auf, inkl. leicht zickigem Kommentar unseres Fanpräsidenten, aber da dürfte es sicher in den nächsten Tagen noch etwas mehr Medienecho geben.
Weiterführende Diskussionen gerne hier als Kommentar oder auch direkt im Thread dazu im St.Pauli-Forum.de. // Frodo

26.Spieltag (H) - Rot-Weiß Oberhausen

Montag, März 15th, 2010


FC St.Pauli – Rot-Weiß Oberhausen 5:3 (2:2)
Tore: 1:0 Marius Ebbers (5.), 1:1 Moritz Stoppelkamp (18.), 2:1 Matthias Lehmann (24.), 2:2 Daniel Gordon, 3:2 Bastian Oczipka (54.), 4:2 Florian Bruns (74.), 4:3 Marinko Miletic (77.), 5:3 Fabian Boll (85.)
Zuschauer: 19.901
Wetter: Hamburg

 

Och nö, Heimspielberichte, wie langweilig… eh immer das gleiche…
Nee nee, Mädels, heut ist alles anders! Denn dank einem Mitglied der FC St.Pauli Gruppe bei Xing.com (Philipp, sei gegrüßt und nochmals besten Dank!) durfte ich zum ersten (und voraussichtlich letztem Mal) ein Spiel des FC St.Pauli aus einer Loge einem Separee gucken bewundern. Wenn das mal nicht einen seitenlangen Erguss über den Niedergang der Fußballkultur wert ist.

Ähm, nee, ist es nicht, denn zum einen war alles nicht so dramatisch, zum anderen kam grad die Pressemitteilung, dass es für die Hansa-Fans bei deren Gastspiel am Millerntor nur 500 Tickets geben wird. Dazu dann gleich mehr in einem Extra-Blogeintrag und daher hier etwaskürzer als es sonst geworden wäre.

Loge Separee also, bei free-bwin.com. Der Eingang in der Süd ist in jedem Fall schon mal ein Paradies für Terroristen, selbst der dickste Rucksack wird nicht kontrolliert. Wenn also mal jemand ein Pyrofestival veranstalten oder gleich die ganze Tribüne in die Luft sprengen will, sei ihm ein Business-Seat Ticket empfohlen.

Ansonsten ist im großen Ballsaal dann erst mal ein großes (und durchaus leckeres) Buffett aufgebaut und gratis Getränke gibt es auch. Ich hatte das Glück, am Tisch unseres Aufsichtsrats noch einen Platz zu ergattern, an dem auch Angehörige des RWO-Vorstands saßen. Während man sich noch verwundert die kostenlose VIVA anschaute („Hmmm… steht ja aber alles drin was man braucht… und kost nüscht?“) stieg dann da auch schon merklich die Vorfreude: „Wir sitzen ja gleich direkt über den Pauli Fans, nech?“ Ja, Hammer so was…herrlich verrückt, dieses St.Pauli.
Ich ging dann die Stufen zur Loge zum Separee hoch und guckte erwartungsfroh, doch statt kirchlichem Ambiente oder rosa Plüsch ist die free-bwin Loge eher dezent gehalten, schwarzes Sofa, schwarzer Tisch, helle Wände, zwei Flachbildschirme. Hier gab es dann auch jederzeit Getränke und Essen, doch uns zog es dann zeitig raus an die frische Luft. Nach 16 Jahren Gegengerade war es zwar nicht das erste Mal, dass ich ein Spiel aus einer Kurve heraus betrachtete, aber der sehr steile Blickwinkel hat durchaus was für sich, man sieht ein Spiel doch ganz anders als vom Block 2 aus.
Ich hab letztens erst irgendwo gelesen, dass der Verein doch sehr erstaunt ist, dass viele Logen-Besitzer aus der Süd, denen ein Vorkaufsrecht für die Haupttribüne eingeräumt wurde, gar nicht wechseln von der Süd weg wollen… spätestens seit gestern ist mir auch klar warum: Die Stimmung in der Süd! Es hat durchaus was von dem Erlebnis im Zoo: Die Stehplätze unten sorgen für eine wirklich fantastische und lautstarke Stimmung, die ich im Block 2 nicht mal annähernd so intensiv mitbekomme, und genau das dürfte viel zum „Entertainment-Faktor“ beitragen. Bestes Beispiel ist eine Kollegin von mir, die gestern durch Zufall von einem Unternehmen auf einen Business-Seat eingeladen worden war und mir heute freudestrahlend berichtete: „Ach, mit Euren Fans da unten… das war ja so fantastisch, ich hab vom Spiel kaum was gesehen, ich hatte ja so viel da unten zu gucken.“
Traurig aber Fakt, und genauso dürfte es vielen Business-Seat und Logen-Besitzern gehen. Man begibt sich möglichst nah ran an „die Ultras“, diese faszinierenden Wesen, die in anderen Städten mit Fahnenstangen auf den Platz laufen und es in die Tagesschau schaffen, die doch bestimmt nach dem Spiel brandschatzend durchs Viertel laufen und die Stadt beim Heimspiel gegen Rostock sicher wieder in ein flammendes Inferno verwandeln werden. Sprich: Faszination bizarre Wesen… mittendran statt nur aus 100 Metern Entfernung. „Perverses Spannertum“ könnte man es böswillig bezeichnen, „großartiges Einbinden der besonderen Millerntor-Atmosphäre“ dürfte die Bezeichnung im Marketing-Bereich lauten.
Und nur fürs Protokoll: Die Stimmung kommt AUSSCHLIEßLICH von den Stehplätzen. Zwischen unseren Plätzen vor den Separees und den Stehplätzen lagen ca. 30 Meter Business-Seats und damit eine tote Fläche des Schweigens oder Staunens. Also eher irrtiertes Umdrehen, wenn wir uns auch lautstark am Support beteiligten. Man konnte förmlich das „Ach, toll, diese lustigen Paulis… so herrlich verrückt, die schreien sogar in den Logen!“ in den funkelnden Augen lesen.

Ansonsten das Übliche: Bier, Alster, sonstige Getränke, Currywurst, „Ben&Jerry’s“-Ice(sic!) wird ständig von freundlichen Damen unaufgefordert geliefert, strittige Szenen kann man durch einfaches Umdrehen in der Zeitlupe am Flachbildschirm noch mal näher betrachten und in der Halbzeit kann man der Kälte schnell durch die Glastür ins wärmende Innere entfliehen… um dann bei Wiederanpfiff fast alleine auf der gesamten Tribüne zu sein, da der Großteil des VIP Publikums sich noch um die Häppchen haut und erst nach und nach wieder eintrudelt.
Ich will Euch nicht langweilen, daher schnell das (zu erwartende) Fazit: Schön, dass mal gesehen zu haben und erneut vielen Dank an Philipp für die Gelegenheit… aber wie formulierte es Mirco so schön: „Wenn die Mannschaft nass wird, will ich auch nass werden!“ Okay, ich sitz schon gern überdacht auf der Gegengeraden, von daher unterschreib ich das inhaltlich nicht ganz, aber zumindest von der Symbolik her. Oder: Das hat mit Fuß, das hat mit Ball, das hat mit Fußball nichts zu tun! Sicher mag es bei anderen Vereinen noch weit schlimmer sein und natürlich versucht unser Verein sein möglichstes, den eigenen Charakter zu bewahren, aber mein Ding ist derartiges nicht.
Nach dem Spiel war der unscheinbare Tisch dann zu einem professionellen Poker-Tisch umgebaut worden und es gab für alle Anwesenden noch eine „Texas Hold’Em“ Partie. Diese konnte ich schlussendlich siegreich bestreiten, nachdem Ralph Gunesch sich zu mir gesetzt und das nötige Glück mitgebracht hatte. Feuchte Biber unter sich, konnte ja nur gut gehen, und Pokererfahrung brachte er ja auch mit. Ralph selbst war sich zu dem Zeitpunkt relativ sicher, dass die Saison für ihn beendet sei, befürchtete einen Riss am Innenband. Inzwischen weiß er, dass es „nur“ eine Innenbandzerrung ist und er hoffentlich zum Saisonende wieder dabei sein kann.

 

Das Spiel

Womit ich dann mal zum sportlichen überleite. 5:3 gewonnen, Reset-Taste erfolgreich betätigt, das Komplett-Versagen der anderen Teams erfolgreich ausgenutzt. Bielefeld, Düsseldorf, Augsburg und ganz aktuell auch Duisburg haben verloren und mir damit im Nachhinein auch Recht gegeben, als ich in den letzten Wochen schon immer zur Ruhe aufrief, denn auch die würden nicht alle Spiele gewinnen. Drei Gegentore sind natürlich zu viel, gerade wenn alle nach Standards fallen… allerdings kann man daran besser feilen und das Problem beheben, als wenn RWO drei Treffer aus dem Spiel heraus erzielt hätte.

Viel wichtiger ohnehin der sportliche Gesamteindruck, der bei aller Nervosität endlich wieder den Willen vermittelte, alles zu geben. Wir kamen in die Zweikämpfe, spielten gut nach vorne und erzielten eben auch fünf Tore… zugegebenermaßen waren zwei Treffer irregulär (Ebbers stand bei Lehmanns Freistoß im Abseits und irritierte Semmler und Eger rammte Semmler beim 4:2 den Ellenbogen im Fünf-Meter-Raum ins Gesicht) und das Tor von Oczipka darf natürlich oberhalb der E-Jugend von keinem Torwart durchgelassen werden, aber hätte hätte Herrentoilette, interessiert schon morgen keine Sau mehr, solche Buden müssen eben auch erst fallen.
Das einzige Ärgernis war der Auftritt von Sako. Bocklos und pomadig, noch dazu mal wieder ne gelbe Karte wegen Meckern… ist mir unbegreiflich, der müsste doch eigentlich brennen, kratzen und beißen, für seinen neuen Vertrag? So wird das jedenfalls nichts, und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.
Bleibt also die Hoffnung, dass Lehmann tatsächlich schon morgen wieder mittrainieren kann und dann am Freitag ganz gelassen in die Lausitz gereist werden kann. Die müssen nach den jüngsten Ergebnissen auch langsam was tun, um nicht noch unten reinzurutschen, wir können da hingegen völlig entspannt abwarten und kontern, ein Punkt wäre da notfalls ja auch okay. // Frodo

 

P.S. Suche interessierte zur Einweihung eines Poker-Koffers :)

P.P.S. Blog zur Kartenvergabe für Hansa folgt gleich noch…

 

Links zum Spieltag:
Fotos von mad
Fotos von Gröni

Südkurve, Stani und Hansa

Mittwoch, März 10th, 2010

Zur Südkurven-Dauer-/Saisonkarten Problematik:
Ich will mich da gar nicht in Details verlieren, meine grundsätzliche Sichtweise hatte ich ja beim Bielefeld-Bericht schon niedergeschrieben.
Die inzwischen knapp 100 Seiten im Forum spotten größtenteils jeder Beschreibung, leider gehen die (durchaus vorhandenen) konstruktiven Beiträge in dem Wust von Bullshit eher unter. Nichts desto trotz bin ich da guter Dinge, dass alle konstruktiven Vorschläge irgendwie auch bei der Orga-Gruppe landen, da diese sicher auch das Forum verfolgen wird, so leid sie mir dafür auch tut.
Warum ich das Thema hier überhaupt nochmal aufgreife: Es gibt zwei Stellungnahmen, die ich gerne hier festgehalten bzw. beworben haben möchte:
- Die Stellungnahme des Vereins
- Die Stellungnahme der Organisationsgruppe

Sportliches:
Jaja, lief alles schon mal besser und sah vor 4 Wochen auch noch deutlich hübscher aus, aber ein gutes Pferd springt eben nur so hoch wie es muss und zumindest ich persönlich werde ja auch lieber Dritter als Zweiter, denn so ein Relegationsspiel ist doch einfach klasse. (Wenn man es gewinnt, natürlich…)
Dank der Bielefelder Pleite gegen den KSC können wir ja nun am Sonntag auch ganz gelassen ins Match gegen RWO gehen, am Freitag bzw. Samstag müssen Bielefeld (in Aachen) und Düsseldorf (bei den erstarkten Frankfurtern) erst mal vorlegen und mit ein bißchen Glück schießen wir uns dann gegen RWO eben schon wieder ein kleines Polster heraus… nicht, dass wir damit dann schon durch wären, aber wenn man einige Gespräche in den letzten tagen verfolgte, musste man ja fast das Gefühl haben, dass es für uns mit dem Klassenerhalt noch eng werden könne. Noch neun Spiele, wir sind Dritter… also weitermachen und durchbeißen jetzt!
Zu dem Thema auch noch zwei Links:
- Restprogramm-Rechner
Funktioniert natürlich auch auf Kicker.de, aber der hier ist mit ein paar Klicks eben noch schneller zu bedienen, klasse Teil! 
- Stanis Pressekonferenz am Montag nach dem 1860-Spiel im Wortlaut
Großes rhetorisches Kino, besonders den “Wir trainieren auch bei Erdbeben, dann gibts Schutzhelme und los!”-Part fand ich sehr schick, dass ist wieder Stani wie man ihn kennt… und wie er die Mannschaft auch erreichen und heiß machen wird.

Karten für das Heimspiel gegen Rostock
Im letzten ÜS wurde es ja schon angekündigt, inzwischen hat auch das Abendblatt drüber berichtet:
Unser Präsidium machte keine sonderlich glückliche Figur bei der Überlegung, Hansa Rostock - Fans vom Spiel am Millerntor auszuschließen. Inzwischen ist die Kuh zumindest dahingehend vom Eis, dass der Verein in Zusammenarbeit mit Fangremien von dieser Sichtweise abgekommen ist und sich GEGEN ein Aussperren von Gästefans entschieden hat, auch um einen Präzedenzfall ausgerechnet am Millerntor zu vermeiden. Allerdings liegt der Ball wohl nun bei der Polizei, die unter Umständen immer noch einen Verkauf von Gästetickets komplett untersagen kann. Hierzu werden sich der FC St.Pauli und auch Hansa Rostock in Kürze noch offiziell äußern, man darf da auf jeden Fall gespannt sein, wie es weitergeht. Ganz klares Statement aus Sicht des Übersteiger: Ein Aussperren von Gästefans darf es beim Fußball nicht geben… schlimm genug, dass es in anderen Ländern teilweise bereits stattfindet, in Deutschland und erst recht am Millerntor muss dies mit allen Mitteln verhindert werden. Und da gilt es dann eben auch, über alle Feindseligkeiten hinweg, Solidarität mit den Hansa-Fans zu zeigen und gemeinsam für Fanrechte einzutreten. Schön und wichtig, dass auch der FC St.Pauli das inzwischen eingesehen hat.
Wer sich noch mit Sichtweisen der Hansa-Fans auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel auf der Hansa-Website empfohlen und insbesondere auch die Kommentare. Kann man sicher teilweise auch drüber schmunzeln (”Tickets nur für Hansa Fans ab 35 Jahre!”) oder gedanklich abhaken, aber enthält auch viel Wahrheit.

NACHTRAG:
Inzwischen ist die Stellungnahme des Vereins online. Die besprochenen Details zur Kartenvergabe sowie An- und Abreise bleiben zunächst intern und werden (gemeinsam von beiden Vereinen, mit einer Stimme) mit der Polizei besprochen. Bleibt zu hoffen, dass diese sich einsichtig zeigt und es zu einem Fußballspiel kommen kann, an dem beide Fangruppen teilnehmen können. Alternativen, wie z.B. hunderte Rostocker im Stadtteil die NICHT ins Stadion dürfen, kann sich jeder selbst ausmalen.
 // Frodo

25.Spieltag (A) - TSV 1860 München

Sonntag, März 7th, 2010

TSV 1860 München - FC St.Pauli 2:1 (1:0)
Tore: 1:0 Stefan Aigner (23.), 1:1 Marius Ebbers (51.), 2:1 Stefan Aigner (57.)
Rote Karte: Charilaos Pappas (8., sic!)
Zuschauer: 27.700 (ca. 3.000 Gästefans)

82 Minuten in Überzahl… da halte ich es mit Horst “The Brain” Hrubesch und sage nur ein Wort: Verfluchte Scheiße!

// Frodo