Archive for the ‘Vereinspolitik’ Category

Littmann will zurücktreten

Dienstag, Mai 18th, 2010

Nachdem es die Spatzen schon seit mindestens einer Woche von den Dächern und Bäumen pfiffen, steht es nun heute auch im Abenblatt, damit auch zum ersten Mal im Licht der Öffentlichkeit. (Ich muss hier mal einen Ausdruck des Erstaunens los werden, dass es diese Info vorher nicht ins Forum geschafft hat. Spätestens nach dem Spiel gegen den FCUM am Sonntag hatte ich fest mit einem “Ich weiß was!”-Posting gerechnet. Aber umso besser, dass internes in diesem Verein jetzt auch zumindest mal ne zeitlang intern bleiben kann.)

Corny Littmann will seine Präsidenten-Ära beim FC St.Pauli beenden. Nach siebeneinhalb Jahren, in denen er den Verein finanziell saniert hat, in denen zwei neue Stadiontribünen gebaut wurden und in denen er im sportlichen Bereich auf die richtigen Leute setzte und so dem Verein zum hundertsten Geburtstag die Rückkehr ins absolute Rampenlicht der ersten Liga ermöglichte. Siebeneinhalb Jahre, in denen auf der anderen Seite auch unheimlich viel Porzellan innerhalb der Fanszene und zwischen Vereinsführung und Fans/Fanladen zerbrach. Den Satz “Endlich ist ein Fan Präsident geworden!” hat er sicherlich auch schon tausendfach bereut.

Ich habe keine Lust, hier erneut eine Pro & Contra-Corny Auflistung zu starten, die oben genannten Punkte sollten als Erinnerung ausreichen und wer Erinnerungslücken stopfen will, kann sich gerne in den letzten siebeneinhalb Jahren Forum oder Übersteiger-Ausgaben austoben. Ich bin einfach nur erleichtert, dass der Blick jetzt nach vorne gehen kann, wenn seine Entscheidung denn auch endlich umgesetzt ist.

Es kann einen auch nicht mehr erstaunen, dass es “zum Politikum” wird, wenn er mal wieder ohne Satzungskenntnis durch die Institutionen stolpert und meint, seinen Nachfolger präsentieren zu können, obwohl ihm das nicht erlaubt ist. Dass aufgrund dieses fehlenden Wissens nun die für morgen ursprünglich angedachte “Ich trete zurück!” Pressekonferenz erst mal auf unbestimmte Zeit (lt. Abendblatt zwei Wochen) verschoben werden muss, passt ebenfalls ins Bild und zeigt, dass die politischen Machtspielchen auch mit seinem Verschwinden vom Präsidentenstuhl noch lange nicht vorbei sind.

Geschäftsführer der Millerntor-Stadionbetriebsgesellschaft ist er ja weiterhin, im Catering ist er ebenfalls weiter beteiligt und auch einen Kredit bekommt er vom Verein ja noch zurück, ganz so schnell wird man ihn also noch nicht los. Und ob er sich dann, wie ebenfalls schon laut angedacht, einen Posten im Aufsichtsrat verschaffen will, wird man sehen. Letzterer wird ja aber glücklicherweise per Wahl vergeben und nicht per Erlaß, damit dürfte dann auch in der nächsten JHV genug Zündstoff stecken. Wenn er sich da demokratisch durchsetzt, sei ihm auch bei dieser Aufgabe viel Spaß gewünscht.

Die Frage ist jedoch, was kommt jetzt? Der Aufsichtsrat muss lt. Satzung für den Fall des Rücktritts einen Interims-Präsidenten benennen. Dieser sollte im Normalfall aus dem aktuellen Präsidium kommen und Corny hat seine Wahl mit Marcus Schultz ja auch schon verlautbaren lassen. Ob der AR diesem Vorschlag folgt, bleibt abzuwarten.

Wie dem auch sei: Es wird nicht langweilig… und zumindest DAS ist dann auch wieder MEIN FC St.Pauli! // Frodo

Nachtrag, 13.00 Uhr: Nee, war alles gar nicht so gemeint. Übersteiger Abendblatt, Zeckenblatt, wir haben Deine Lügen satt! :) Wer es glaubt…

Stellungnahme des Präsidiums zu den Vorfällen beim Spiel gegen Rostock

Dienstag, April 13th, 2010

Die Konsequenzen des Vereins sind veröffentlicht.

Die wichtigsten Sätze:

Eine Verweigerung der Unterstützung, sei es durch Fernbleiben oder durch Stillschweigen, also ein Boykott in diesem Sinne, ist ein für Mannschaft und Verein zwar nicht wünschenswertes, aber durchaus legitimes Mittel.

Die Vorfälle vor dem Beginn und bis wenige Minuten nach Spielbeginn in der Promenade der Südtribüne beim Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock waren jedoch kein Boykott im obigen Sinne, sondern ein erzwungener Boykott, der für diejenigen, die ihre Plätze einnehmen wollten und daran gehindert wurden, den Straftatbestand der Nötigung erfüllt und zudem einen eindeutigen Verstoß gegen unsere Stadionordnung darstellt. Hierzu liegen uns unzählige Berichte und Beschwerden vor.

Das Präsidium des FC St. Pauli verurteilt das Verhalten der Beteiligten und jede Art von Gewalt und jede damit einhergehende Beschimpfung, egal von welcher Seite, aufs Schärfste. Wir erkennen aber auch an, dass in den uns bekannten Stellungnahmen der beteiligten Fangruppen und des Fanladens diese Aktion auch selbstkritisch reflektiert wird. Aufgrund dieser Stellungnahmen, aber auch um in dieser für unseren Club sportlich so wichtigen Phase, die durch die Aktion gerissenen Gräben nicht weiter zu vertiefen, verzichtet das Präsidium sowohl auf die Erstattung von Strafanzeigen als auch auf die Erteilung von Stadionverboten.

 

Danach kommen dann die eigentlichen Konsequenzen, nämlich ein Entzug der Priviliegien für USP. Was das konkret heisst, wird wohl die Zukunft zeigen, insbesondere was die Vergabe der Süd-Stehplatzkarten in den nächsten Jahren anbelangt.
Da vieles hier (sicher auch bewusst) vage gehalten wird, scheint es so, als wäre USP fürs Erste auf Bewährung unterwegs… ein abschließendes Urteil über diese Stellungnahme ist daher sicher auch nicht möglich. Was genau die Kartenvergabe für die Süd mit der Blockade zu tun hat, ist sicher fragwürdig, aber vielleicht ist dies die durchaus elegante Art des Vereins, ein wenig die Spannung aus dieser Debatte zu nehmen, bis man das Stadion auf knapp 30.000 ausgebaut hat und wieder jeder eine wirklich freie Platzwahl haben wird und nicht gegen seinen Willen das “Konzept Süd” unterstützen muss, um überhaupt ins Stadion zu gelangen.

Der Verzicht auf Stadionverbote (sowohl für die “Blockierer”, als auch für die, die auf andere Art gegen die Stadionordnung verstoßen haben), ist aber sicherlich zu begrüßen. // Frodo

Die Südblockade - Three days after

Mittwoch, März 31st, 2010

Mahlzeit! Es ist Mittwoch, der 31.03.2010. Seit den Vorfällen am Sonntag, beim Heimsieg gegen Hansa Rostock, seit dem ÜS-Blog vom Montag ist einige Zeit verstrichen. Und diese Zeit war gut und wichtig, um einiges zu überdenken und sacken zu lassen.

Zur erweiterten Meinungsbildung vorab mal vier Links:
- Stellungnahme von Sven Brux (Organisationsleiter FC St.Pauli) im St.Pauli Forum
- Interview mit Sven Brux, Björn Pahrmann und Ronny Galczynski (Übersteiger) auf 11FREUNDE (unten im Artikel kann man weiterblättern)
- Stellungnahme des Fanclub-Sprecherrates (FCSR)
- Blog von pathos93

Vorab:
Mit Svens Beitrag ist jetzt die Chance einer sachlichen Auseinandersetzung seitens des Vereins gegeben, die ich nach Littmanns Äußerungen („zweifelsohne Nötigung und evtl. Freiheitsberaubung“) zunächst nicht sah (dazu später mehr). Mit dem Fanclub-Sprecherrat hat auch „die andere Seite“ Fehler eingeräumt und damit die Basis für Gespräche gelegt. Die anderen beteiligten Gruppen werden sicher ähnliches in den nächsten Tagen tun. Für den ÜS ist dieser Blog erst mal Sprachrohr, bevor wir am 33.Spieltag mit der Nummer 99 sicherlich auch nochmal im Heft Stellung beziehen werden. Trotzdem bleibt dieser Blog-Eintrag namentlich von mir gekennzeichnet und ist nicht zwingenderweise Redaktionsmeinung, dies fürs Protokoll.
Alles Weitere wird man abwarten müssen. Beide Seiten (auch die Forumsuser) sollten zumindest versuchen, die Sichtweise des Anderen zu verstehen und in der Person Sven sehe ich da auch nicht das Problem. Ebenso sollte klar sein, dass „der Verein“ es von sich aus nicht akzeptieren kann, dass eine ganze Kurve abgesperrt wird. Es ist aber eben auch nicht Aufgabe der Fans, es dem Verein immer recht zu machen, zumindest war dies bisher mein Selbstverständnis als St.Pauli Fan.

Vorab dann auch: Ich distanziere mich sicher nicht von dem Blog-Eintrag vom Montag. Allerdings war dieser in seinen Ansichten bewusst provokant, was aus meiner Sicht aber auch dringend nötig war, um den doch sehr undifferenzierten, unfairen und unsachlichen Beiträgen gegenüber USP mal eine andere Meinung entgegenzusetzen. Das es daraufhin Prügel geben würde, war mir klar und ist auch völlig in Ordnung. Positiv überrascht hat mich (oder auch nicht), dass ich auf direkter persönlicher Ebene fast ausschließlich positive Rückmeldung erhielt, sowohl per Mail als auch über Anrufe, Gespräche und SMS. Lediglich eine Person aus meinem Bekanntenkreis (sei gegrüßt, Frank) wendete sich mit „Die Blockade ist nicht zu rechtfertigen, aber ich akzeptiere Deine Meinung!“ an mich. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich die falschen Leute kenne, aber auch damit kann ich leben.
Die Rückmeldung in den Kommentaren hier waren hingegen in der Mehrheit (2/3? 3/4? Egal…) negativ, auch das ist natürlich okay, dafür ist die Kommentar-Funktion ja auch da. Im Gegensatz zum Forum wurde aber hier in den Kommentaren fast ausschließlich ohne Beleidigungen und Bepöbelungen gearbeitet, sich konstruktiv mit dem Text auseinandergesetzt, auch dafür Danke. Ein besonderes Dankeschön daher stellvertretend für viele Kommentare (und auch beim ÜS eingegangene Leserbriefe!) hier an die Person hinter dem Nick „Ulli“; der sich für seinen Beitrag extrem viel Zeit genommen hat. Auch sein Kommentar im letzten Blog sei daher zur Meinungsbildung nochmal ausdrücklich empfohlen. Ebenso danke ich „ring2“ für ein sehr interessantes Telefonat, bei dem wir die unterschiedlichen Meinungen ebenfalls sachlich austauschen konnten. So sollte es unter Erwachsenen ja normalerweise auch möglich sein.

Zur Sache:
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es bei der Aktion am Sonntag Fehler gab, die aufgearbeitet werden müssen. Aus meiner Sicht gab es zwei große Fehler, ohne die wahrscheinlich die jetzige Situation hätte vermieden werden können.
Die Aussperrung der SitzplätzeMangelnde Kommunikation im VorfeldU.a. durch diese Fehler wurden dann leider auch Leute verprellt, die der eigentlichen Idee positiv gegenüber standen und stehen, sich an der Umsetzung aber störten. Auch dies ist schade und auch bei denen kann man sich entschuldigen bzw. versuchen die Gründe dafür darzulegen um wieder gemeinsam nach vorne blicken zu können. Ähnlich wie der FCSR bleibe ich (persönlich, subjektiv) aber bei der Überzeugung, dass ein Absperren einer gewissen Anzahl Plätze in einer Fankurve grundsätzlich ein völlig berechtigtes Mittel eines Fanprotestes ist. Dies gab es in der Vergangenheit schon oft und bei vielen Vereinen. Anzahl und Ort der Plätze sowie das Mittel der Umsetzung lasse ich bei dieser Aussage bewusst frei. Ich hoffe, zumindest hierbei besteht ein Konsens.
Die Frage ist jetzt, wie es im Einzelfall umzusetzen ist, (nur Teilsperrung, ausschließlich freiwillige Basis etc.) und hierbei wird es wahrscheinlich keinen Konsens geben, dass hat die Diskussion der letzten Tage gezeigt. Ich werde hier jetzt auch keine „Wenn man das so und so gelöst hätte…“ Debatte führen, denn das Kind liegt eh im Brunnen.
Unstrittig auch: Wie auch immer dieses Absperren erfolgt, dürfen dadurch keine Personen zu Schaden kommen. Das von Sven aufgeführte Beispiel des älteren Herren ist natürlich schon ein Beispiel zu viel, so etwas hätte nicht passieren dürfen. Bei diesem Herren (und ggfs. weiteren Personen) muss aus meiner Sicht eine persönliche Entschuldigung seitens der „Verantwortlichen“ erfolgen. Hier sei aber auch nochmal erwähnt: „Verantwortlich“ war nicht USP alleine, da standen mehrere Gruppen dahinter, u.a. auch der Übersteiger.

Es gibt nach wie vor die zwei Ansichten:
A) Eine komplette Absperrung der Stehplatz-Bereiche in der Süd ist rechtens.
B) Nein, ist sie nicht.

Ganz ehrlich, mit bleibt da beim Blick in die Zukunft nur ein resignierendes Schulterzucken. Ich persönlich stehe nach wie vor, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, zu Möglichkeit A).
Wer mir aufgrund dieser Meinung(!) aber jegliches Recht zur Diskussion abspricht, den werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen können, da ist der Graben dann offensichtlich zu tief.
Eine „Verurteilung der Blockade“, wie von einigen gefordert, wird es von mir (persönlich, subjektiv) nicht geben. Damit bin ich vielleicht nicht „Mehrheitsfähig“, aber genau das kann eben in einer Demokratie auch mal passieren und ich bitte zumindest darum, diese Meinung zu akzeptieren auch wenn man sie nicht teilt.
Erneut: Ich bestreite nicht, dass Fehler passiert sind. Auch Fehler, für die man sich entschuldigen muss. Nur: Viel von dem Wirbel, der jetzt im Nachhinein entstanden ist, mag zwar den Sonntag als Auslöser nehmen, liegt aber doch viel tiefer begründet. „Scheiß USP“-Rufe gab es auch schon am Sonntag von der Gegengeraden aus… von Leuten, die garantiert nicht alle über die Zustände in der Süd informiert waren, sondern denen es eine willkommene Gelegenheit war, mal wieder auf die verhassten Ultras einzuprügeln. Wer z.B. bei “Twitter” den “richtigen” Leuten folgt, konnte da schon am Sonntag morgen sehen, dass diese mit geschwilltem Kamm der Konfrontation mit USP entgegenfieberten und ihnen die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheißegal war.
Auch viele Beiträge im Forum deuten darauf hin, dass hier in erster Linie alte Rechnungen mit USP beglichen werden sollen. Dies ist auch deswegen schade, weil es die (durchaus berechtigte) Kritik an dieser Aktion verwässert und unnötigerweise zu einem „USP vs. Rest des FC St.Pauli“ Kampfes verkommen lässt… und da springen eben beide Seiten schnell zurück in die bekannten Gräben. Auch hierbei schließe ich mich ausdrücklich ein, obwohl ich nicht zu USP gehöre, ihnen aber eben deutlich näher stehe als denen, die am Sonntag zu ebenso unglaublichen Handlungen kamen, wie von Sven beschrieben.

Hier half mir dann ein Gespräch, welches ich gestern mit dem Schweizer Journalisten Daniel Ryser führen durfte, der zu einer Reportage zufällig an diesem Wochenende beim FC St.Pauli zu Gast war und der die Vorfälle in der Süd auch selbst mitbekommen hatte. Sein erster Satz war: „Ich leide unter extremer Platzangst!“ und mir schwante Böses. Allerdings folgte als nächstes: „Aber das war überhaupt kein Problem am Sonntag, man konnte ja jederzeit der Enge da entfliehen.“ Das soll nicht heißen, dass es nicht eben auch solche Situationen gab, wie von Sven beschrieben. Nur waren diese eben nicht die Regel, sondern die Ausnahme, auch wenn natürlich jede Ausnahme eine zu viel ist.
Ansonsten äußerte er seine Begeisterung darüber, dass es bei St.Pauli so etwas wie einen Kampf um Fanrechte überhaupt noch gibt. Wobei er hier übrigens erstaunliche Übereinkunft mit Sergej Barbarez hatte, der beim Verlassen des Platzes, wo er zum sky-Interview war, mit Blick auf die leeren Süd-Plätze sagte: “Ich find das toll!”. Da muss man sich schon Zustimmung zu Fanrechten bei Schweizern und hsvern holen…
Daniel erzählte auch von seinen Gesprächen mit USP Mitgliedern, die er als „außergewöhnlich selbstkritisch und sich selbst reflektierend“ wahr nahm. Irritiert zeigte er sich hingegen von der Heftigkeit der Proteste im Internet am Tag danach, für die er keine Erklärung fand. Ebenso schilderte er von Fans in der Süd, die Zitate brachten wie „Jetzt dürfen die Nazis mal nicht zum Spiel und jetzt beschweren sich die Ultras auch noch darüber!“, um im nächsten Satz USP selbst in Zusammenhang mit dem Dritten Reich zu bringen, was auch bei ihm nur erstauntes Kopfschütteln brachte.
Wie schon eingangs erwähnt, auch noch ein Wort zum Zitat unseres Präsidenten, welcher am Montag verlautbaren ließ: „Es handelt sich zweifelsohne um Nötigung und wir werden überprüfen, inwieweit es sich um den Tatbestand der Freiheitsberaubung handelt.“. Man kann ja gerne mal beide Begriffe (Nötigung und Freiheitsberaubung) bei Wikipedia eingeben und wird schnell erkennen, dass letzteres im juristischen Sinne geradezu lächerlich grotesk ist, da es sich um eine Blockade und nicht um ein Einsperren handelt. Ersteres (Nötigung) ist hingegen bei Blockaden juristisch mehr als umstritten, von daher ist sein „zweifelsohne“ mal wieder mit Vorsicht zu genießen und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie viele Prozesse der Verein denn diesbezüglich tatsächlich anstrengen und dann auch mit einer Verurteilung abschließen wird. Aber die öffentliche Wirkung hatte er natürlich mit dieser Äußerung zunächst und mehr war wohl auch nicht beabsichtigt. (Ist ja auch sein gutes Recht, keine Frage, das Spiel auf der Medienklaviatur beherrscht er.)

Interessant wäre sicher die Beantwortung folgender Frage: Wie viele Süd-Stehplatzbesucher hielten die Blockade am Sonntag für absolut unrechtmäßig und wollten sich ihr widersetzen?
Leider wird es dazu keine verbindliche Antwort geben, ich glaube aber schon, dass die absolut überwiegende Mehrheit der Stehplatz-Besucher diese Absperrung an dem Tag ertragen hätte. Sicher nicht alle, und im Zusammenhang mit den ebenfalls ausgesperrten Sitzplätzen hat genau das dann auch zu den Problemen geführt. Ich schmeiß jetzt mal die Zahl 150-200 in den Raum, also knapp 10% der Süd-Stehplatz-Besucher. Kann ich ebenso wenig belegen, wie man es mir widerlegen kann, insbesondere, da ja auch die Sitzplatz-Besucher noch dazukommen. Trotzdem entspricht dies meiner gefühlten Temperatur, aus den selbst erlebten Gesprächen in der Situation vorm Anpfiff in und vor der Süd, sowie den Gesprächen danach.

Und damit sind wir dann auch wieder bei der Frage, ob die Aussperrung dieser Fans gegen ihren Willen berechtigt war oder nicht… womit wir wieder bei den zwei oben angeführten Meinungen sind, die sich nicht vereinbaren lassen werden.

Es wird in den nächsten Tagen sicher noch Stellungnahmen und hoffentlich auch Gespräche geben, deren Ausgang man sicher gespannt erwarten darf. // Frodo

Polizei sperrt Hansa Fans aus, St.Pauli trägt das mit!

Montag, März 15th, 2010


Mini-Kartenkontingent für Hansa Rostock

Nun ist es raus… der FC Hansa Rostock bekommt für sein Gastspiel am Millerntor nur 500 Karten!!! Nur 500! Nur Sitzplatzkarten! Und die auch noch personalisiert! 2,5% statt der üblichen 10%!
Hier erst mal der Text des Vereins dazu.
Daraus:
“Corny Littmann: „Dadurch, dass wir weniger Karten verkaufen, verzichten wir im Interesse der Sicherheit auf Einnahmen in Höhe von rund 20.000 Euro. Aber in einem solchen Spiel steht die Sicherheit kombiniert mit einer weitestgehend möglichen Wahrung der Fanrechte im Vordergrund.“
Die Hamburger Polizei und der FC St. Pauli appellieren gemeinsam an die Fußballanhänger beider Klubs, von Gewalttätigkeiten Abstand zu nehmen und sich auf das sportliche Ereignis zu konzentrieren.“

Na super… „weitestgehend mögliche Wahrung der Fanrechte“! Hier sei dann mal daran erinnert, wer denn überhaupt mit der bescheuerten Idee aufkam, Gästefans auszusperren, das war unser allseits beliebter Fanpräsident himself. (Nachzulesen im aktuellen ÜBERSTEIGER oder hier online.)

Klar, nach eindringlicher Beratung u.a. von Fanvertretern ist er von dieser Meinung wieder abgewichen, nur der Stein war bereits im Rollen und es steht zu befürchten, dass die Polizei von alleine sich nicht getraut hätte, dieses Thema auch nur anzudenken.
Durch das “Mittragen” dieses Kompromisses, der ja im Text sogar noch als Erfolg zu verkaufen versucht wird, macht sich der Verein hier leider zum Erfüllungsgehilfen der Polizei. Natürlich ist esfraglich, was für Möglichkeiten man zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen noch hatte, aber vielleicht wäre es hier besser gewesen, auf die Barrikaden zu gehen und diesen juristischen Kampf mit der Polizei auszutragen. Ob die Glaubwürdigkeit des Präsidenten dabei gelitten hätte, nachdem er ja nun erst mal auf die Idee gekommen war, lass ich jetzt mal dahingestellt, wäre mir aber auch Wurst. So bleibt in jedem Fall der mehr als bittere Beigeschmack, dass die Entscheidung eben vom Verein akzeptiert und nach außen auch so kommuniziert wurde.

Das Kind liegt nun leider im Brunnen, ich will auch nicht alle Argumente, die bereits im Artikel genannt werden wiederholen, sondern nur noch mal kurz das wichtigste betonen:
Es handelt sich hier um einen Präzedenzfall im deutschen Fußball, ausgerechnet am Millerntor. Es gab in der letzten Woche durchaus erfolgreiche und sachliche Gespräche der beiden Vereine, die auch konstruktive Lösungsvorschläge präsentieren konnten (geschlossene und personalisierte Anreise der Hansa-Fans, Kartenvergabe dann erst direkt am Block, anschließend geschlossene Abreise). Nur leider will die Polizei (und womöglich auch der beliebte Herr Ahlhaus) hier eben jenen Präzedenzfall schaffen. Und mal ehrlich: Die Polizei kann dabei nur gewinnen, Fußball Fans in Deutschland haben bereits jetzt verloren.
Wenn alles friedlich bleiben sollte, wird es heißen: “Siehste, super Idee von uns…”

Gibt es doch Ausschreitungen (von uns innerhalb oder außerhalb des Stadions, von den Rostockern im Stadion, von Rostockern mit oder ohne Karten außerhalb des Stadions) wird es heißen: “Siehste, wir wollten die ja ganz aussperren, aber ihr habt uns ja nicht gelassen.”

Schöne Scheiße, Leid tragende werden die Fußballfans sein, denn derartige Kontingent-Beschneidungen werden dann Schule machen. Ganz lustige Vögel werden einwenden, dass wir ja nie wieder in Rostock spielen werden… aber auch bei zukünftigen Spielen beim hsv, Werder, Hannover, Hertha, Union oder gar Dresden oder sonst wo, wo sich seitens der Polizei ein Gefährdungspotential herbeikonstruieren lässt, wird es zu derartigen Maßnahmen kommen können. Und der erste derartige Fall von Negierung von Fanrechten kam ausgerechnet vom Millerntor, schönen Dank.
Im St.Pauli-Forum wird bereits über mögliche Maßnahmen diskutiert, von einer gemeinsamen Demo mit den Rostockern über einen Boykott des Spiel oder sonstiges… ich persönlich halte mich da jetzt erst mal bedeckt und schlaf ne Nacht drüber, aber hinnehmen wird man diese Entscheidung kaum können, so stay tuned. // Frodo

Südkurve, Stani und Hansa

Mittwoch, März 10th, 2010

Zur Südkurven-Dauer-/Saisonkarten Problematik:
Ich will mich da gar nicht in Details verlieren, meine grundsätzliche Sichtweise hatte ich ja beim Bielefeld-Bericht schon niedergeschrieben.
Die inzwischen knapp 100 Seiten im Forum spotten größtenteils jeder Beschreibung, leider gehen die (durchaus vorhandenen) konstruktiven Beiträge in dem Wust von Bullshit eher unter. Nichts desto trotz bin ich da guter Dinge, dass alle konstruktiven Vorschläge irgendwie auch bei der Orga-Gruppe landen, da diese sicher auch das Forum verfolgen wird, so leid sie mir dafür auch tut.
Warum ich das Thema hier überhaupt nochmal aufgreife: Es gibt zwei Stellungnahmen, die ich gerne hier festgehalten bzw. beworben haben möchte:
- Die Stellungnahme des Vereins
- Die Stellungnahme der Organisationsgruppe

Sportliches:
Jaja, lief alles schon mal besser und sah vor 4 Wochen auch noch deutlich hübscher aus, aber ein gutes Pferd springt eben nur so hoch wie es muss und zumindest ich persönlich werde ja auch lieber Dritter als Zweiter, denn so ein Relegationsspiel ist doch einfach klasse. (Wenn man es gewinnt, natürlich…)
Dank der Bielefelder Pleite gegen den KSC können wir ja nun am Sonntag auch ganz gelassen ins Match gegen RWO gehen, am Freitag bzw. Samstag müssen Bielefeld (in Aachen) und Düsseldorf (bei den erstarkten Frankfurtern) erst mal vorlegen und mit ein bißchen Glück schießen wir uns dann gegen RWO eben schon wieder ein kleines Polster heraus… nicht, dass wir damit dann schon durch wären, aber wenn man einige Gespräche in den letzten tagen verfolgte, musste man ja fast das Gefühl haben, dass es für uns mit dem Klassenerhalt noch eng werden könne. Noch neun Spiele, wir sind Dritter… also weitermachen und durchbeißen jetzt!
Zu dem Thema auch noch zwei Links:
- Restprogramm-Rechner
Funktioniert natürlich auch auf Kicker.de, aber der hier ist mit ein paar Klicks eben noch schneller zu bedienen, klasse Teil! 
- Stanis Pressekonferenz am Montag nach dem 1860-Spiel im Wortlaut
Großes rhetorisches Kino, besonders den “Wir trainieren auch bei Erdbeben, dann gibts Schutzhelme und los!”-Part fand ich sehr schick, dass ist wieder Stani wie man ihn kennt… und wie er die Mannschaft auch erreichen und heiß machen wird.

Karten für das Heimspiel gegen Rostock
Im letzten ÜS wurde es ja schon angekündigt, inzwischen hat auch das Abendblatt drüber berichtet:
Unser Präsidium machte keine sonderlich glückliche Figur bei der Überlegung, Hansa Rostock - Fans vom Spiel am Millerntor auszuschließen. Inzwischen ist die Kuh zumindest dahingehend vom Eis, dass der Verein in Zusammenarbeit mit Fangremien von dieser Sichtweise abgekommen ist und sich GEGEN ein Aussperren von Gästefans entschieden hat, auch um einen Präzedenzfall ausgerechnet am Millerntor zu vermeiden. Allerdings liegt der Ball wohl nun bei der Polizei, die unter Umständen immer noch einen Verkauf von Gästetickets komplett untersagen kann. Hierzu werden sich der FC St.Pauli und auch Hansa Rostock in Kürze noch offiziell äußern, man darf da auf jeden Fall gespannt sein, wie es weitergeht. Ganz klares Statement aus Sicht des Übersteiger: Ein Aussperren von Gästefans darf es beim Fußball nicht geben… schlimm genug, dass es in anderen Ländern teilweise bereits stattfindet, in Deutschland und erst recht am Millerntor muss dies mit allen Mitteln verhindert werden. Und da gilt es dann eben auch, über alle Feindseligkeiten hinweg, Solidarität mit den Hansa-Fans zu zeigen und gemeinsam für Fanrechte einzutreten. Schön und wichtig, dass auch der FC St.Pauli das inzwischen eingesehen hat.
Wer sich noch mit Sichtweisen der Hansa-Fans auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel auf der Hansa-Website empfohlen und insbesondere auch die Kommentare. Kann man sicher teilweise auch drüber schmunzeln (”Tickets nur für Hansa Fans ab 35 Jahre!”) oder gedanklich abhaken, aber enthält auch viel Wahrheit.

NACHTRAG:
Inzwischen ist die Stellungnahme des Vereins online. Die besprochenen Details zur Kartenvergabe sowie An- und Abreise bleiben zunächst intern und werden (gemeinsam von beiden Vereinen, mit einer Stimme) mit der Polizei besprochen. Bleibt zu hoffen, dass diese sich einsichtig zeigt und es zu einem Fußballspiel kommen kann, an dem beide Fangruppen teilnehmen können. Alternativen, wie z.B. hunderte Rostocker im Stadtteil die NICHT ins Stadion dürfen, kann sich jeder selbst ausmalen.
 // Frodo

Newsflash

Donnerstag, Februar 4th, 2010

Uiuiuiui, ist ja einiges los gewesen in den letzten Tagen, daher hier kurz der Versuch einer Ordnung der wichtigsten Infos:

  • Konzert: “Fettes Brot” und “The Real McKenzies” stehen als nächste Headliner fest, bis Samstag gibt es noch den Vorverkauf für Mitglieder (26,-€), danach geht dann der freie Verkauf für 31,-€ los.
  • “Alice” ist neuestes Mitglied im “Herz von St.Pauli”, also der höchsten Sponsoren-Stufe. Dass das Telekommunikations-Unternehmen als Sponsor für das 100jährige Jubiläum gewonnen werden konnte, sickerte zwar auch schon auf der Pressekonferenz letzte Woche durch, und ich wunderte mich dann doch, das hierfür noch ein separater Termin angesetzt werden sollte, um dies auch offiziell zu verkünden. Diesen Dienstag war es dann soweit, und neben der Aufnahme in den Sponsoren-Pool war dann noch ein weiterer wichtiger Punkt zu verkünden, der wohl der Hauptgrund für die eigenständige Pressekonferenz war: Das “Alice Helden-Banner”, welches vor der Baustelle der Haupttribüne mit 4 Meter hohen Bildern der noch zu wählenden “Jahrhundert-Elf” des FC St.Pauli aufgespannt wird. Details über die Abstimmung waren bisher noch nicht zu bekommen, derzeit ist nur eine parallele Abstimmung des Abendblatts online, die aber mit der Alice-Abstimmung nichts zu tun hat. Ansonsten sei hier noch auf eine Abstimmung hingewiesen, die Rene Martens unter Bloggern vor einigen Monaten durchführte.
  • Celtic-Spiel: Die Vorverkaufsbedingungen sind vermeldet: Ab dem 24.2 und bis zum 02.03. gibt es für Mitglieder und Dauerkarten-Inhaber ein Vorkaufsrecht auf das Spiel, pro Person nur eine Karte. (Auch, wenn man beides ist.)
  • Apropos: Bei Celtic drehen seit der Verpflichtung von Robbie Keane alle total am Rad… die Meisterschaft (immerhin 10 Punkte Rückstand bei einem Spiel weniger) schien plötzlich wieder beschlossene Sache und die Celtic-Website crashte kurzfristig… inzwischen ist wieder Alltag, das Nachholspiel bei Kilmarnock wurde 1:0 verloren…
  • Vorschau auf morgen: Beim KSC herrscht Personalnot, irgendwie sieht mir das alles zu leicht aus… Langkamp, Mutzel, Porcello, Iashvili, Fink, Tarvajärvi und Timm fallen aus, trotzdem werden die Badenser wohl zu elft auflaufen. Der Rasen, der eigentlich ausgetauscht werden sollte, ist nun doch noch die alte Schlammwüste, weil die Firma ein Anwachsen bei dem Mistwetter nicht garantieren konnte. Also: Dreckiger 1:0 Sieg, und wir sind wieder Tabellenführer, fragt eh keiner mehr nach im Mai.

Bis morgen! // Frodo

100 Jahre FC St.Pauli - Die Pressekonferenz

Dienstag, Januar 26th, 2010

Die Spatzen pfiffen es zwar schon in den letzten Tagen von den Dächern, aber jetzt ist es offiziell und die Vorfreude steigt:
Bei der heutigen Pressekonferenz präsentierte der Verein ein hübsches Paket an “Geburtstagsgeschenken”, aus dem drei Highlights sicher hervorstechen:

  • 15. Mai - St.Pauli All Star Team - FC United of Manchester, nicht zu verwechseln mit dem großen Bruder, dafür umso sympathischer
  • 18. Mai - FC St.Pauli - Glasgow Celtic FC, kein weiterer Kommentar nötig
  • 29. Mai - Konzert am Millerntor

Der Geburtstag wird abgerundet durch zahlreiche kleinere aber umso hübschere Ideen, die allesamt unter dem Motto “Our world is braunweiß” stehen. So soll am Geburtstag selber (dem 15.Mai, dem Tag des Spiels gegen FCUM) “die Welt braun-weiß geschmückt” werden. Wohniertel, Fassaden, Gartenzaun, Gesichter… was auch immer.
Ab dem 1.März wird man auf www.fcstpauli100.com ein Statement abgeben können, warum und wo man den Verein nun besonders liebt, wahlweise als Foto oder Video.
Am 17.Mai gibt es dann im Rathaus von Karin von Welck die “Sportplakette des Bundespräsidenten” und am 18.Mai kommt es dann eben zu dem heiß und sehnlichst herbeigesehnten Spiel gegen Celtic am Millerntor.
Am 23.Mai (Pfingstsonntag) findet auf dem Heiligengeistfeld ein Tag des Breitensports statt, auch “St.Pauli Dorf” genannt, wo sich alle Abteilungen des Vereins präsentieren.
Am 29.Mai gibt es dann das große Konzert am Millerntor, von dem Bela B.  als Pate immerhin schon mal vermelden konnte, dass neben ihm noch Kettcar, Slime, Panteon Roccoco und Talco auftreten werden. Insgesamt soll es ca. 10 Bands geben, die allesamt 30-45 Minuten Gigs mit einem St.Pauli-affinen Set spielen werden. 18.000 Zuschauer dürfen rein, die Bühne steht vor der Nordkurve. Tickets gibt es vom 27.1. bis 6.2. vorab und exklusiv für Mitglieder zu je 26,-€ (max. zwei pro Person) und danach für 31,-€ dann auch für alle. Die Erlöse gehen an (noch zu benennende) soziale Einrichtungen aus dem Stadtteil.
Ab Juni gibt es dann die große Ausstellung zum Geburtstag, Details hierzu werden sicher noch folgen.

Um es mit Horst Hrubesch zu sagen, nur ein Wort: “Vielen Dank!” // Frodo

Fanladen meets Popstars…

Mittwoch, Dezember 9th, 2009

… okayokay, nur hier in diesem Blog-Eintrag und auch in zwei völlig voneinander getrennten Themen, aber ne kreativere Überschrift kam mir grad nicht.

 Also, zwei Meldungen die mir grade beim Studieren meiner abonnierten Blogs auf Bloglines.com über den Weg liefen:

1. Der Fanladen lädt am 18.Januar zu einer Diskussionsveranstaltung zu den Vorfällen in Rostock ein, auf der sich die Fanszene im Idealfall “auf einen Grundkonsens als Basis des Zusammenlebens als St. Pauli Fans” einigen soll, u.a. soll der Umgang miteinander, mit gegnerischen Fans sowie mit Ordnungsdienst und Polizei besprochen werden. Das ganze findet im Ballsaal statt, also Terminkalender bzw. Blackberry gezückt und eingetragen.

2. Ganz anderes Thema, nicht annähernd so interessant, trotzdem noch gut für den kurzen Gossip-Trash-Talk vorm Feierabend: Privatfernsehen ist meistens Scheiße, Castingshows sind es in der Regel erst recht und nun hat Pro7 beidem die Krone aufgesetzt. Dürfte in unserer Fanszene sicher keinen überraschen, vielleicht auch kaum jemanden interessieren, trotzdem bin ich dank BildBlog eben über einen Artikel der FAZ  gestolpert, der den ganzen Wahnsinn auch mal ganz gut beschreibt. Hat im ÜS sicher sonst nichts zu tun, also wer das hier deplaziert findet, soll es einfach überlesen… ich hab es auch nur verlinkt, um diese reisserische Überschrift rechtfertigen zu können :) 

// Frodo

Rostock - Nachtrag II

Freitag, November 6th, 2009

Ooooooh, ich muss Abbitte leisten!

Gestern, am späten nachmittag hat sich der weltoffene FC Hansa Rostock doch noch zu einer Stellungnahme hinreissen lassen! Wer aber hier eine ähnlich deutliche Wortwahl wie bei den Entschuldigungen des Vereins, von Deniz Naki, dem Fanladen oder dem Fanclub-Sprecherrat erwartet hatte, sieht sich… ähm… nun ja… leicht enttäuscht.

Sinngemäß lässt sich das Geschriebene wie folgt zusammenfassen:

  1. Beide Seiten waren schuld, auch die Fans des FC St.Pauli
  2. Die Bahn ist auch schuld, weil der zweite Sonderzug verspätet war.
  3. Jemand anderes, völlig fremdes, war auch schuld, weil (Zitat) “dieses Spiel lockt immer wieder Personen an, die die vermeintlich politische Einstellung der Anhängerschaft als Vorwand für ihre Gewalt nutzen.”
  4. Immerhin: Für den Angriff auf den Rollstuhlfahrer entschuldigt man sich ohne jede Einschränkung.
  5. Abschließend nochmal der Hinweis, dass sich auch St.Pauli Fans daneben benommen haben, man aber natürlich nicht mit dem Finger darauf zeigen wolle, weil das ja unterstes Niveau sei.

Tja, klingt anders als unsere o.a. offiziellen Stellungnahmen, in denen man nur auf seine eigenen Fehler schaute und diese vorbehaltlos zugab und verurteilte… kein Wort von den Bannern und Aktionen im Stadion, keine Entschuldigung für die Krawalle nach dem Spiel (außer einer Alibi-Distanzierung). Aber, und damit schließe ich dann auch das Zitieren:
“Der F.C. Hansa Rostock ist ein freundlicher, offener und toleranter Fußballverein.”
Ich wünsche mir dann jetzt einfach mal ganz wertfrei, dass sich diese Freundlichkeit, Offenheit und Toleranz auch vom DFB im Bezug auf das Spiel vom Montag nochmal angeschaut wird und man sie ab der nächsten Saison sportlich dann in Liga 3 unter Beweis stellen darf. // Frodo

P.S. Da ich ein paar Kommentaren hier und auch sonstigen Gesprächen entnehme, dass auch meine Worte im Bericht nicht deutlich genug waren, hier auch nochmal von mir ohne jede Umschweife: Ich hätte mich über den Sieg noch mehr gefreut, wenn im Stadion kein Böller und kein Bengalo gezündet worden wäre. Diese dann sogar noch auf andere Menschen zu schmeissen ist scheiße und unverzeihlich, jedes dafür (aufgrund der Videoüberwachung) noch auszusprechende Stadionverbot ist berechtigt und findet meine Zustimmung.

Rostock - Nachtrag

Donnerstag, November 5th, 2009

Nachdem inzwischen drei Nächte vergangen sind, kann man ja mal schauen, was seitdem noch so passiert ist.

Die spärlichen (relevanten) Fakten:

  • St.Pauli Fans schmeissen Böller mindestens einen Bengalo, auch auf andere Menschen
  • Rostocker Transparente und Aktionen im Stadionsind in Teilen unterste Schublade
  • Rostocker Fans liefern sich nachts härtere Scharmützel mit der Polizei
  • Deniz Naki macht eine “Kehle durchschneiden”-Geste in Richtung Rostocker Fans
  • ein St.Pauli Fan im Rollstuhl wird im Stadion attackiert (siehe Abendblatt von heute)

Bisherige Folgen:

Entschuldigungen oder zumindest Stellungnahmen des FC Hansa Rostock zum Thema? Für die Banner im Stadion, u.a. den Nachbau von Minis Unfall? Für den Angriff auf den Rollstuhlfahrer? Für die Auseinandersetzungen mit der Polizei nach dem Spiel? Für die rassistischen Beschimpfungen gegenüber Deniz Naki?

Fehlanzeige…

Zumindest zeigt dies, dass bei uns immer noch eine gewisse Selbstregulierung greift und eigene Aktionen kritisch hinterfragt werden. Was das über den FC Hansa aussagt, kann sich jeder selber ausdenken. // Frodo