Das Derby – Der HSV zu Gast am Millerntor

von Stefan

Derbytime! Foto: Ariane Gramelspacher

Endlich ist es soweit. Am kommenden Montag steht das erste wirkliche Highlight der Saison an. Am heimischen Millerntor geht es gegen den kleinen Nachbarn aus Stellingen. Leider am unsäglichen Montag Abend, aber immerhin mit Flutlicht und sicher mit ganz viel „Hell of Sankt Pauli“. Schauen wir uns den Gegner mal an:

Der Saisonstart

Der Vorstadtklub hätte kaum besser in die Saison starten können. Einem Unentschieden am 1. Spieltag gegen Darmstadt 98 (1:1) folgten vier Siege in der Liga. Es gelang ein 4:0 Auswärtserfolg beim 1. FC Nürnberg, gefolgt von einem 1:0 Heimsieg gegen den VfL Bochum. Am 4. Spieltag dann ein 4:2 auswärts gegen den Karlsruher SC und schließlich am vergangenen Spieltag ein ungefährdeter Heimerfolg gegen Hannover 96 (3:0). Damit rangieren die Rauten auf dem ersten Tabellenplatz. Im DFB Pokal erreichte man zudem die zweite Runde mit einem 6:5 Auswärtserfolg in Chemnitz.

Der Kader

Nach dem enttäuschenden Nichtaufstieg in der vergangenen Saison ist das Ziel für diese Saison zweifellos klar. Nichts als der Aufstieg kann die Fans aus St. Ellingen beruhigen. Hierzu wurde, wie in den letzten Jahren so oft, der Trainer ausgetauscht. Dieter Hecking, bis zur letzten Saison Trainer bei Borussia Mönchengladbach, übernahm die Verantwortung für die Rothosen. Nur Konsequent, dass nach der Enttäuschung in der letzten Saison und mit dem neuen Trainer, der Kader ordentlich verändert worden ist. Mit Ablauf der Transferperiode wurden insgesamt 17 Spieler geholt, 20 Spieler mussten den „Verein“ verlassen. Zu den namhaftesten Neuzugängen zählt sicherlich ein gewisser Jeremy Dudziak sowie David Kinsombi (vorher Holstein Kiel), der ehemalige Bremer Martin Harnik und Lukas Hinterseer (kam aus Bochum). Die namhaftesten Abgänge waren Douglas Santos (zu Zenit Sankt Petersburg), Filip Kostic (Eintracht Frankfurt), Pierre-Michel Lasogga (Al-Arabi SC), Lewis Holtby und das Eigengewächs Fiete Arp (Bayern München).

Die Formation

Allein an der Formation der Rothosen ist die Handschrift des Trainers Dieter Hecking zu erkennen. Wie auch in der letzten Saison bei Borussia Mönchengladbach, greift Hecking beim Klub aus Stellingen auf seine „Lieblingsformation“ dem offensiven 4-3-3 zurück. Beim Blick auf die bisher absolvierten Spiele wird schnell deutlich, dass Hecking schon zeitig einige Positionen fest vergeben hat.

Im Tor hat der Stammkeeper der letzten Saison Julian Pollersbeck seinen Platz unter Hecking verloren. Mit dem Neuzugang von Darmstadt 98, Daniel Heuer Fernandes (Rückennummer 1), steht ein neuer Keeper zwischen den Pfosten der Rauten. In der Abwehr lautet die Stammformation von links nach rechts, Tim Leibold (#21), Rick van Drongelen (#4), Gideon Jung (#28) und Jan Gyamerah (#2). Dabei haben mit Leibold (kam aus Nürnberg) und Gyamerah (kam aus Bochum) gleich zwei weitere Neuzugänge mit Beginn an einen Stammplatz. Dennoch muss Hecking seine Abwehr für das Derby auf einer Position umbauen. Jan Gyamerah verletzte sich beim Rautentraining am Mittwoch mit einem Wadenbeinbruch schwer und wird mindestens bis Jahresende fehlen. Bekanntester Verlierer in der Abwehr ist mit Sicherheit Kyriakos Papadopoulos. Er bekam von Hecking lediglich im ersten Saisonspiel eine Chance und wurde seitdem von Gideon Jung ersetzt. Durch die Verletzung von Gyamerah bekommt Papadopoulos vielleicht jedoch erneut seine Chance in der Abwehr.

Der HSV stand geschlossen hinter seinem Spieler Bakery Jatta. Das gibt ein paar Sympathiepunkte. Foto: Ariane Gramelspacher

Im Mittelfeld ist als klassischer 6-er Adrian Fein (#29) gesetzt. Auf dem linken Flügel spielte in den letzten Spielen David Kinsombi (#6). Kinsombi ist eigentlich etatmäßiger defensiver Mittelfeldspieler und dürfte die Position lediglich wegen der Verletzung von Aaron Hunt (Leistenprobleme) bekleidet haben. Hunt ist jedoch seit dem letzten Spieltag wieder fit und es ist davon auszugehen, dass der Kapitän der Rothosen auch von Beginn an gegen die Braun-Weißen auflaufen wird. Auf der rechten Außenbahn war Jeremy Dudziak zunächst während der ersten drei Spieltage gesetzt. Am vierten Spieltag verlor Dudziak jedoch seinen Stammplatz an den weitaus offensiveren Sonny Kittel (#10). Der Neuzugang aus Ingolstadt bekleidete die Position auf der Außenbahn bei den beiden letzten Spielen gegen Karlsruhe und Hannover 96 und dürfte auch gegen den Magischen FC gesetzt sein. Insbesondere auch, weil Kittel zur Zeit der beste Scorer und Torschütze der Rauten ist. Im Sturm schließlich ist der Neuzugang Lukas Hinterseer (#16) als klassische 9 fest eingeplant. Hecking setzte ihn bisher bei allen Ligaspielen ein und Hinterseer erzielte bereits zwei Treffer. Als linker Stürmer vertraut der Trainer der Rothosen auf Bakery Jatta (#18). Trotz der unsäglichen Diskussion um die Identität des Stürmers aus Gambia hielt Hecking an dem 21-jährigen Sturmtalent fest. Dieser dankte es ihm mit dem ersten Treffer am 5. Spieltag gegen Hannover. Auf rechts spielte in den vergangenen Spielen stets der 25-jährige Stürmer Khaled Narey (#7). Dieser konnte zwar bereits einen Treffer in der Saison markieren, gleichwohl dürfte Narey durch den Bremer Neuzugang Martin Harnik (#22) ersetzt werden. Dieser wurde kurz vor Ende der Transferperiode vom SV Werder Bremen losgeeist

Die Bilanz

Es ist Derby und beim Derby ist völlig egal wie die Bilanz aussieht. Wichtig ist: Immer wenn keiner mit dem FCSP gerechnet hat, gelang dann doch ein Sieg gegen den Nachbarn. In der Saison 77/78 auswärts im Volkspark ein 2:0. Torschützen für die Braun-Weißen waren in der 30. Minute Franz Gerber und in der 87. Minute Wolfgang Kulka. Am 16.02.2011 folgte dann der denkwürdige Auswärtssieg mit 1:0. Torschütze war in der 59. Spielminute Gerald Asamoah nach Vorarbeit durch Fabian Boll. Einen Heimsieg am Millerntor gab es bis dato nicht. Sicherlich auch, da viele „Heimspiele“ im Volkspark ausgetragen werden (mussten).

Beim letzten Derby am Millerntor ging es auf dem Rasen so lahm zu, dass selbst Tauben sich befähigt fühlten mitzuspielen. Foto: Ariane Gramelspacher

Und sonst?

Unbedingt als gutes Omen sollte man den von der DFL eingesetzten Schiri – den Bremer Sven Jablonski – nicht sehen. Alle drei von ihm geleiteten St. Pauli Begegnungen verlor unser Verein. Auch dass wir montags statistisch gesehen überwiegend gewinnen wird dadurch relativiert, dass es der HSV leider genauso macht. Das Heimspiel gegen Holstein Kiel hat aber gezeigt, was möglich ist. Gerade die Stimmung vor dem 2:0 war das Beste, was man seit langem am Millerntor an Stimmung und Atmosphäre miterleben konnte. Hieran gilt es anzuknüpfen, erst recht nach den auch schlechten Erfahrungen aus dem letzten Derby. Die Gastmannschaft ist klarer Favorit für das Spiel am Montag. Umso mehr muss und wird die Unterstützung von den Rängen helfen etwas zählbares aus dem Derby mitzunehmen.

Hamburg ist braun-weiß, Hamburg ist blau-weiß-schwarz? Fotos: Ariane Gramelspacher

Fazit

Die Anderen sind Favorit und wir sind vom Gegner leicht zu unterschätzen. Die Leistung unter Luhukay war in den vergangenen Spielen nicht so schlecht, wie es die Ergebnisse vermuten lassen. Zudem dürfte Luhukay in der Länderspielpause die Gelegenheit genutzt haben, die kurz vor Ende der Transferphase verpflichteten Spieler an die Mannschaft heranzuführen. Wenn es gelingt eine Wechselwirkung zwischen Leistung auf dem Platz und der Stimmung auf den Rängen zu erreichen, ist definitiv eine Überraschung respektive Punkte möglich. Vor allem ist davon auszugehen, dass die Mannschaft am Montag eine weitaus bissigere Vorstellung als beim letzten Aufeinandertreffen gegen die Rauten an den Tag legen wird. Dieser Mentalitätswechsel war in den bisherigen Ligaspielen deutlich spürbar.

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Ein Signal gegen Rechts aus Hamburg – nach den flachen Reaktionen zu den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg

Laut gegen Nazis lud am vergangenen Montag, den 9. September zur Pressekonferenz in die Motte Altona. Redaktionsmitglied hog ließ sich nicht lange bitten.

Jörn Menge, seit 15 Jahren das Herz von Laut gegen Nazis, wollte mehr gegen Rechts getan wissen und so kamen interessante und bekannte Menschen, die sich immer gegen Rechts stark machen. Das Bündnis #unteilbar musste leider wegen Krankheit passen.

Es gab viele Fragen und wenige Antworten: Was macht Rechtsextremismus mit Deutschland? Warum hat die AfD eine halbe Million Fans in den Social Media und ist damit die am stärksten vertretene Partei? Warum darf ein Gauland zum Umsturz aufrufen? Und straffrei sagen, Merkel müsse gejagt werden? Warum haben die Reichsbürger immer mehr Zulauf, von fünftausend 2015 auf geschätzte fünfzigtausend in 2018?

Und wie kann man AfD Wähler zurückholen?

Das Podium von links nach rechts: Raphael Brinkert, Smudo, Jörn Menge, Lars Lawerenz und Jannes Vahl

Leider war das Interesse an der Veranstaltung bei den Hamburger Medien nicht sehr groß. Sehr schade, hier hätte ein deutlicheres Zeichen gegen Rechts gesetzt werden können.     

Ein starkes Zeichen gegen Rechts setzten aber die Podiumsteilnehmer:

Jörn Menge (Laut gegen Nazis) benennt AfD und NPD als Menschenverächter. Er zieht Parallelen zur Weimarer Republik. (Anm.: 1929 wurde übrigens die NSDAP in den Landtag von Sachsen gewählt)

Smudo (Die Fantastischen Vier) Die Fantastischen Vier spenden seit Jahren an LgN. Smudo kritisiert, dass Statements gegen Rechts bei Konzert-Kritiken fast nie vorkommen und wünscht sich einen offensiven Gegenpart zu den Rechten. Er lobt die Unteilbar-Demo in Dresden. Faschismus und AfD gehört zusammen. Sie werden gewählt wegen Faschismus! Journalisten sollten mehr auf Faschismus eingehen; Faschismus ist nicht heilbar, man muss ständig Medikamente dagegen nehmen!

Sport Marketer Raphael Brinkert spricht über die Diskussionen gegen Rechts in den Social Media. Wer Profile gegen Rechts hat, wird mit Hasskommentaren überschüttet und bedroht. Wie soll man sich da verhalten? Klare Kante, fordert Brinkert: Rassismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen! Keinen Millimeter nach rechts im Netz!

Jannes Vahl (Clubkinder) gründete 2015 die Gastro GoAereas, als in den Messehallen die Refugees einquartiert wurden. Mit dem Hamburger Bündnis gegen Rechts demonstrierte er am Gänsemarkt gegen die AfD. Auch das schreckliche „Helldeutschland“ – ausgerufen von Meuten (AfD) – kritisiert er und fordert mehr Engagement von allen, damit das nicht salonfähig wird. Wie auch die AfD-Schilder in der Hamburger Bürgerschaft, an die sich nun leider fast jede*r gewöhnt hat.

Lars Lawerenz (Audiolith Records) In den vergangenen 25 Jahren ist es immer schlimmer geworden. Damals wohnte Lawrenz in Lentföhrden bei Kaltenkirchen. Es gab kleine Nazi-Kundgebungen, zu denen aus der Hafenstrasse Gegenprotestlerinnen anreisten.  Heute finden Angriffe vor der Haustür statt.

Video-Statements u. a. von Carola Rakete (Seawatch) und Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) rundeten die Veranstaltung ab. Letzterer hat einen Song geschrieben: „Demokratie ist weiblich“ – ein Zusammenschnitt von 40 Musikerinnen, die gegen Rechts singen.

Die Social-Media-Kampagne gegen Rechts #unfollowme könnt ihr hier verfolgen:

www.unfollowme.org/
www.lautgegennazis.de

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REWEH gegen GREWE oder Testspiel gegen Aalborg BK

von hog und Käpt’n Braunbär

Da regen wir uns auf, wenn wir Samstag um 13 Uhr in der 2. Liga spielen müssen, und dann werden Testspiele um 12 Uhr angesetzt – wie am Mittwoch, den 4. September 2019 beim Spiel REWEH gegen GREWE (FCSP vs. Aalborg BK). 0:2 und dann auch noch auf dem Auswärtsgelände der FCSP II bei Eintracht Norderstedt in der Edmund-Plambeck-Arena, far away from home!

Hätte das Spiel nicht besser in die AFM-Ü50 Feier integriert werden können, so gegen 17 Uhr, wo auch Normalverdiener hätten kommen können? Aber nein, irgendwie ist es bei den Spielvorbereitungen egal, wo und wann man spielt, egal ob in Nord-Nordrhein-Westfalen, Süd-Süd-Niedersachsen oder eben in Holland. An diesem Tag wenigstens mal in der näheren Umgebung!

Erste und zweite Halbzeit gingen dann auch direkt an die guten Dänen, die aktuell Tabellen-Dritter in Dänemark sind. Aalborg BK hat gerade erst am Wochenende gegen den FC Kopenhagen, den amtierenden dänischen Meister, mit 1:0 gewonnen. Von den Spielern, die gestern zum Einsatz kamen, waren 10 Akteure auch beim 1:0 gegen den amtierenden dänischen Meister dabei.

Beim FCSP lief die dritte Garde auf – und das nicht soo schlecht. Nur Flum gehört überhaupt nicht auf die Position „Letzter Mann“, da er häufig Bälle verdaddelt, die dann auch zum 1:0 für Aalborg führten. Svend Brodersen, hoch motiviert, da er endlich mal wieder im Tor stehen durfte, blieb nix anderes übrig, als die Beinhake zu stellen. Dem guten Schiri blieb dann auch nix anderes übrig, als Svend die Rote Karte nach 31 Minuten zu zeigen. Freistoßtor durch Kasper Kusk. Und dann wurde die Rote Karte wieder zurückgenommen, da stand aber schon Leon Schmidt im Tor. Am Ende durfte der FCSP mit 11 Mann weitermachen, etwas kurios, aber in Freundschaftsspielen nicht unüblich.

Youba Diarra und Sebastian Ohlsson haben gut gefallen und auch Sahin zeigte eine sehr gute Leistung, für mich gefühlt immer am Ball. Iver Fossum, der zu Beginn der Saison von Hannover 96 zu Aalborg BK gewechselt war, traf per Nachschuss zum 0:2 in der 64. Minute.  Gut 450 Zuschauer*innen waren gekommen und gingen dann auch wieder, zum Mittagstisch.                                                                                       

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Auswärts bei: Dynamo Dresden

Von Stefan

Nach unserem ersten Saisonsieg am vergangenen Montag gegen Holstein Kiel (2:1) geht es am kommenden Samstag zum ungeliebten Ligakonkurrenten die Elbe aufwärts nach Dresden. Die SG Dynamo Dresden ist nach 4 Spieltagen in der 2. Bundesliga auf einem dürftigen 15. Tabellenplatz und damit nur einen Rang hinter unserem Magischen FC. Damit bildet der aktuelle Tabellenplatz von Dynamo auch die Ziele in dieser Saison ab. Den Klassenerhalt so früh wie möglich unter Dach und Fach zu bringen.

Der Saisonstart

Wie die bereits erwähnte Tabellensituation vermuten lässt, hat der Aufsteiger der Saison 2016/17 bislang noch nicht wirklich überzeugt. In die Saison gestartet ist der achtmalige DDR Meister mit zwei Niederlagen gegen den 1.FC Nürnberg (0:1) sowie auswärts beim Karlsruher SC (2:4). Es folgte ein Sieg im DFB Pokal gegen die TuS Dassendorf (0:3) aus der Hamburger Oberliga, danach gab es den ersten Saisonsieg gegen den 1. FC Heidenheim (2:1). Am vergangenen Wochenende kam Dresden über ein torloses Unentschieden am Böllenfalltor nicht hinaus.

Der Kader

Trainer Christian Fiél übernahm im Februar 2019 als damaliger U17-Trainer das Ruder bei der 1. Mannschaft von Dynamo und nutzte in der Sommerpause die Möglichkeit, den Kader nach seinen Vorstellungen in einigen Bereichen umzustellen. Dabei mussten zehn Spieler den Verein verlassen und 11 Spieler wurden geholt. Allerdings kamen mit Kulke, Ehlers und Kuisej gleich drei Spieler aus der eigenen U19. Teuerster Einkauf war mit rund 1 Million Euro der Schwede Alexander Jeremejeff (Rückennummer 11). Bei seinem bisherigen Verein, dem schwedischen Erstligisten BK Häcken, gelangen Jeremejeff in 19 Spielen acht Treffer und sechs Torvorlagen. In den zwei Spielen für Dynamo erzielte der 25-jährige Stürmer bereits einen Treffer und konnte damit die von der Vereinsführung in ihn gesetzten Erwartung zunächst erfüllen. Ein weiterer nennenswerter Neuzugang ist Torhüter Kevin Broll (Rückennummer 1). Er kam im Sommer von der SG Sonnenhof Großaspach und hatte in der zurückliegenden Drittligasaison in 14 Ligaspielen keinen Gegentreffer zugelassen. Als Ersatz für den zu Schalke 04 gewechselten Markus Schubert hat der 24-jährige Torhüter sich von Beginn an einen Stammplatz erarbeitet, kassierte allerdings auch schon 6 Gegentore. Nennenswerte Ausfälle hat Dynamo für unser Gastspiel im Osten nur in Form von Stammkapitän Marco Hartmann zu verzeichnen. Dieser laboriert seit Februar 2019 an einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung.

Die Formation

Bis auf das Spiel am ersten Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg ließ Fiél im bisherigen Saisonverlauf mit einem 3-4-2-1 spielen. Dabei spielte stets das eingespielte Abwehr Trio aus Jannik Müller (Rückennummer 18), Kevin Ehlers (Rückennumer 39) und Linus Wahlqvist (Rückennummer 2). Auch im Mittelfeld tauschte Dresden bislang nicht großartig die Spieler aus. Dort waren in den letzten Spielen stets Chris Löwe (Rückennummer 15) auf links, Jannis Nikolaou (Rückennummer 4)und Dzenis Burnic (Rückennummer 5) auf der Doppelsechs sowie Patrick Ebert (Rückennummer 20) auf rechts gesetzt. Dies gilt ebenso für die beiden offensiven Mittelfeldspieler. Dort ließ Fiél Baris Atik (Rückennummer 28) und den Österreicher Sascha Horvath (Rückennummer 29) spielen. Im Sturm spielte seit dem Wechsel zu Dresden der bereits vorgestellte Alexander Jeremejeff (Rückennummer 11). Es dürfte daher nicht überraschen, wenn die Dresdner auch gegen den Magischen FC mit dieser Formation spielen. Wenn man sich dabei die Statistik der vergangenen Dynamo-Spiele anschaut, ist der hohe Ballbesitzanteil auffällig. Dresden verteidigt dabei bewusst offensiv und läuft den Gegner aggressiv an. Gerade weil Dynamo gegen den FCSP zu Hause spielt und das Spiel machen will, wird dies auch die von Fiél ausgegebene Marschroute für das Spiel am Samstag sein. Für uns ist daher höchste Wachsamkeit von Beginn an geboten.

Die Bilanz

In der vergangenen Saison trennten sich beide Vereine zunächst am Millerntor mit einem 1:1 (Tor durch Dudziak). Beim Rückspiel im Rudolf-Harbig-Stadion gab es dann eine knappe Auswärtsniederlage (1:2; Tor durch Diamantakos) in einer ohnehin nicht berauschenden Rückrunde. Auffällig ist, dass es bei den bisherigen 16 Aufeinandertreffen der beiden Vereine immer eng zuging. Unser „deutlichster“ Sieg stammt aus der Saison 16/17 mit einem 2:0. Die Gesamtbilanz ist auch völlig ausgeglichen. Den 6 Siegen der Braun-Weißen stehen auch 6 Siege von Dynamo bei 4 Unentschieden gegenüber.

Dü-Na-Mo wird Mühe haben, dieses Niveau zu halten
(Foto: arigrafie)

Und sonst?

Wie bei den vergangenen Aufeinandertreffen dürfte es auch bei diesem Spiel auf den Rängen wieder hoch hergehen. Seit dem Wiederaufstieg von Dynamo gab es regelmäßig unschöne Szenen auf Dresdner Fanseite. Insbesondere beim letzten Spiel wurden im Gästebereich des Millerntors die sanitären Einrichtungen erheblich beschädigt und im Gästebereich waren wiederholt höchst fragwürdige (insbesondere sexistische) Transparente zu lesen. Die Entwicklung in der letzten Saison war letztendlich eine absehbare Zuspitzung der vergangenen Jahre. Eine Reaktion der aktiven FCSP Fanszene blieb dabei nicht aus. Wir dürfen also durchaus gespannt sein, was aus beiden Fanszenen am Samstag zu erwarten ist. Jedenfalls hat USP bekanntlich einen Sonderzug organisiert, um möglichst geschlossen anzureisen.

Fazit

Nach dem durchaus engagierten Auftreten gegen Holstein und dem ersten Saisonsieg, dürfte auch am Samstag gegen Dynamo etwas für den FCSP zu holen sein. Das Spielsystem der Dresdner ist bekannt und bietet für unsere Braun-Weißen keine Überraschungen. Vielmehr scheinen wir mit den frischen Neuzugängen an den richtigen Stellen nachgebessert zu haben und der Einsatzwille ist der Mannschaft in den letzten Spielen ohnehin nicht abzusprechen. Ein Auswärtssieg ist im Bereich des Möglichen und kann damit den guten Eindruck aus den letzten Spielen manifestieren.

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Tonträger der Woche: Keele – Kalte Wände

Rookie Records/Indigo
– erschienen am 23. August

„Schonungslose Heuchelei für ein besseres Gefühl“ – es sind Textzeilen wie diese, die Keele abheben von der Masse der deutschsprachigen Alternative/Punk/Indie-Bands. Und das eine oder andere Riff hier, der Melodielauf dort, stimmungsvolle Moll-Akkorde, die Melancholie. Aber nicht, wie so häufig bei anderen Kapellen, weil irgendjemand dich verlassen hat, dich nicht mehr liebt, eine/n andere/n hat. Sondern weil im tiefsten Inneren von dir selbst oder den anderen oder deiner Welt etwas nicht stimmt, etwas kaputt gegangen ist, du isoliert alleine stehst („Kalte Wände“). Oder ein Schicksalsschlag dein Leben komplett verändert und du kämpfen musst („Zwischen toten Nerven“). Musik, bei der man spürt, dass sie überlebenswichtig ist für die Menschen, die sie entwickelt haben und mit Leidenschaft spielen. Diese Leidenschaft spürt man auch auf der Bühne, wo sie uns die Songs des neuen Albums um die Ohren hauen, allerdings gehen sowohl Fabians Stimme als auch die recht komplexen Songstrukturen live noch ein wenig unter, während die Hamburger Chameleon Studios ganze Arbeit geleistet haben, so dass es Spaß macht, die Scheibe laut auf der heimischen Old-School-Stereoanlage (jawoll!) zu hören und sich davon einhüllen zu lassen. Der Gloomy Friday ist gesichert, aber er hält nur 35 intensive Minuten an. Danach dürft ihr rausgehen und den Spätsommer genießen 😉 //kurzpass

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Heute zu Gast am Millerntor: Holstein Kiel

Von Stefan

Am Montag ist mit der Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. eine alte Bekannte zu Gast am Millerntor. Die Störche sind seit der Saison 2017/2018 wieder in der zweiten Liga und haben mit den Platzierungen 3 und 6 in den vergangenen beiden Saisons eine beachtliche Leistung gezeigt.

Der Saisonstart

In der noch jungen Spielzeit haben die Kieler bisher allerdings einen durchwachsenen Saisonstart hingelegt. Am ersten Spieltag gelang ein Unentschieden beim Heimspiel gegen den SV Sandhausen (1:1), gefolgt von einer 0:4 Auswärtsniederlage bei Darmstadt 98. In der ersten Pokalrunde beim FSV Salmrohr konnten die Störche dann einen ungefährdeten 6:0 Sieg einfahren, ehe am vergangenen Wochenende ein 2:1 Heimsieg gegen den Aufsteiger aus Karlsruhe gelang.

Der Kader

Erneut musste Holstein Kiel zur neuen Saison den Kader sowie das Funktionsteam in mehreren Bereichen anpassen. Wie auch im letzten und vorletzten Jahr übernahm ein neuer Trainer das Ruder an der Förde. Andre Schubert kam vom Drittligisten Eintracht Braunschweig und ist sicherlich den St. Paulianern in lebhafter Erinnerung. Er folgt auf Tim Walter, der dem Ruf der reizvolleren Aufgabe in Stuttgart folgte. Aber Schubert ist nicht der einzige Ex-St. Paulianer auf der Trainerbank. Neben Schubert hat in dieser Saison auch Fabian Boll als Co-Trainer dort Platz genommen. Die Mannschaft musste insgesamt 14 Abgänge kompensieren und verpflichtete rund 10 neue Spieler. Namhafte Neuzugänge waren nicht dabei, vielmehr setzt Holstein wie in der Vergangenheit auf junge hungrige Spieler. Das Korsett der Mannschaft bilden Leistungsträger aus der vergangenen Saison wie die Innenverteidiger Dominik Schmidt und Hauke Wahl sowie der Linksverteidiger Johannes van den Bergh. Im Mittelfeld sind Alexander Mühling, Jonas Meffert und Jae-sung Lee die Stützen des Teams. Zumindest Jonas Meffert wird den Störchen am Millerntor keine Hilfe sein. Er kassierte am 3. Spieltag gegen Karlsruhe eine rote Karte.

Spielerlegende Fabian Boll ist seit dieser Saison Co-Trainer der Störche. Muss er sich heute warm anziehen?

Die Formation

In den bisherigen Saisonspielen hat sich bei den Kielern noch keine eindeutige Spielformation herauskristallisiert. Beim Heimspiel gegen Sandhausen und beim Pokalspiel in Salmrohr ließ Schubert ein 4-3-3 auf das Feld. Bei der Niederlage gegen Darmstadt spielte man gar nur mit einer Dreierkette in der Abwehr (3-4-3). Gegen Karlsruhe ließ Schubert dann mit einem 4-4-2 auflaufen. Für das Auswärtsspiel des KSV am Millerntor dürfte Schubert, trotz des Ausfalls von Meffert, auf die gegen Karlsruhe erprobte Formation zurückgreifen. Dies böte für die Kieler den Vorteil, aus einer gefestigten Abwehr heraus empfindliche Konter gegen die Kiezkicker zu setzen. Der derzeit leistungsstärkste Spieler im Kader der Störche ist mit Sicherheit der Koreaner Jae-Sung Lee mit bisher 2 Toren für die Kieler. Der Mann mit der Rückennummer 7 geht in seine zweite Saison. Nach Anfangsschwierigkeiten im letzten Jahr, auch bedingt durch seine erste internationale Station fern der Heimat, hofft das Kieler Umfeld auf eine Leistungssteigerung, die er bisher auch angedeutet hat.

Die Bilanz

Bisher trafen die beiden Mannschaften am Millerntor insgesamt 22 Mal aufeinander. Dabei gelangen dem Magischen FC insgesamt 12 Siege, bei 8 Unentschieden und lediglich 2 Niederlagen. Auch das Torverhältnis spricht mit 45:24 für die Braun-Weißen. Allerdings ist die Bilanz seit dem Wiederaufstieg des KSV ausgeglichen. Sowohl Kiel als auch der FC St. Pauli konnten jeweils einmal am Millerntor gewinnen. Den höchsten Sieg gegen die Störche erzielte der FCSP am 6. September 2003 mit einem stattlichen 5:0 an der Förde.

Und sonst?

In bleibender Erinnerung ist sicherlich der September 2017 geblieben. Beim damaligen Auswärtsspiel der Braun-Weißen versuchten Kieler Ultras mehrere Zaunfahnen der Sankt Pauli Fans zu klauen. Mit Hilfe mehrerer Spieler konnte eine Fahne den Angreifern wieder entwendet werden. Diese Aktion zeigte schon, dass das Verhältnis der beiden Fanlager nicht das Beste ist und so dürfte auch auf den Rängen extra viel Motivation vorhanden sein um unsere Mannschaft zum Sieg zu schreien.

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Saison 2019/2020: Lage der Liga

Die beiden an sich durchaus unterschiedlichen Fußballbundesligisten HSV und FCSP verbindet eines, ihre notorische Erfolglosigkeit. Für das „Hamburger Dilemma“ muss es Gründe geben. Am mangelnden Geld kann es jedenfalls nicht liegen.

Von Hermannus Pfeiffer 

Die Sportindustrie nimmt als Teil der Unterhaltungsbranche rasant an wirtschaftlicher Bedeutung zu. Spaß muss schließlich sein, in der real existierenden Spaßgesellschaft.
Und wer als Verein oder Fußball-AG, als Verband oder Liga die Millionen Konsumenten („Fans“) erfolgreich binden will, muss eine moderne Infrastruktur anbieten. So werden seit Jahren im ganzen Land Abermillionen Euro in Stadien, Sportevents und Spieler investiert. So weit, so schlecht.

Investieren taten auch die beiden Hamburger Bundesligisten, Fußball-Club St.Pauli und Hamburger Sport-Verein. Der HSV machte dies jahrzehntelang als finanzieller Spitzenklub in der Bundesliga, üblicherweise platziert zwischen Rang sechs und drei der Geldrangliste.
Ebenfalls Sankt Pauli – wenngleich dies manche(r) in unserem Übersteiger-Biotop nicht gerne liest – gehört seit langem, langem zu den Krösussen in Liga zwei!

Das Piraten-Image des Möchtegern-Underdogs ist heute allerdings angestaubt. Und die gelegentlichen Medienkampagnen, die Andreas Rettig über „Kicker“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ inszeniert („50 plus eins“), wirken mittlerweile verzweifelt bemüht.
Dennoch lässt der FC als „Marke“ selbst die meisten Bundesligisten immer noch hinter sich.
Was eigentlich mehr als Geld wert sein sollte, welches bekanntlich Tore schießt.
Im jüngsten „Vereinsmarkenranking“, das die TU Braunschweig alljährlich für alle Erst- und Zweitligisten erhebt, ist Sankt Pauli Vierter! Nur Freiburg, Mönchengladbach und Dortmund haben einen bessern Marken-Ruf in Deutschland.

Trotz ihrer großartigen wirtschaftlichen Möglichkeiten, zudem in einer der reichsten Städte Europas beheimatet, schneiden beide Klubs im Alltag notorisch erfolglos ab. Sportlich betrachtet.

Warum verharren HSV und St.Pauli dauerhaft unter ihrer, im Ökonomen-Jargon, Performance?  Das kann doch nun wirklich kein Zufall sein.

Lassen wir Pleiten, Pech und Klaus-Michael Kühne einmal beiseite, lassen sich tatsächlich einige Gründe nennen. Auch, wenn´s weh tut.

Lieber Bürgermeister oder Vorstand bei St.Pauli?

Hamburg ist als Stadt überaus attraktiv für Spieler. Egal, ob jung und ledig oder bereits braver Familienvater. Auch gelten beide Vereine in der Sportbusiness-Branche als eher großzügige Arbeitgeber, was die Höhe der Gehälter betrifft und den, sagen wir, Lifestyle.
Hinzu kommt der für Spieler und ihre Berater geile Medienrummel – selbst drittklassige Zweitligaspieler werden in Hamburg von Zeitungen, Rundfunk und Internetdiensten hofiert, wie es sonst nur an wenigen Fußballstandorten in der Republik passiert.
Dadurch steigt im Regelfall der Marktwert eines Spielers.
St.Pauli und noch mehr der HSV gelten daher in der Fußballkommerz-Szene als attraktiver Durchlauferhitzer für Ich-AGs, die zu rechnen wissen.
Im Ergebnis kommen nicht die Bestmöglichen, sondern … Nun, die gekauften Kicker lassen sich ja am Millerntor und im Volksparkstadion bewundern.
Das geht übrigens in der Praxis bei beiden Klubs auf Kosten des eigenen Nachwuchses. Hamburger müssen, kaum der Jugendmannschaft entwachsen, fast immer das Weite suchen. Nachzulesen regelmäßig in Ronnys Rubrik „Neues von den Alten“.

Folglich geben sich die Berater in den Geschäftsstellen die Klinke in die Hand.
Wie St. Pauli in den viereinhalb erfolgsarmen Jahren unter Präsident Oke Göttlich (davor war auch nicht alles besser) und der HSV seit der Ära Günter Netzer/Ernst Happel zeigen, schaffen es die Verantwortlichen nicht, hinreichend die Spreu vom Weizen zu trennen, um im Ergebnis eine Mannschaft zu formen, die leidenschaftlichen, schnellen und technisch ansprechenden Fußball spielt.

Aus meiner Erinnerung: Die letzte Saison, in der wir alle Heimspiele ungeschlagen bestritten, war 2006/07!

Was nicht zuletzt der Hamburger Situation geschuldet ist. Wer in einer Großstadt etwas Herausragendes werden möchte, könnte das Bürgermeisteramt anstreben.
Dazu bedarf es aber einer jahrelangen Ochsentour durch SPD und Kommunalpolitik. Angehende Bürgermeister müssen echt hart ackern. Selbst bei den Grünen wird es so sein.
Präsident beim HSV oder St.Pauli ist „Mann“ dagegen ratzfatz: Dazu genügt im Regelfall eine flotte Rede, die mit netten Versprechungen für die kommende Saison garniert wird, wahlweise noch mit Links-Gedöns oder alten Recken aufgepeppt. Im Ergebnis wirkt auch hier im Trend ein Negativ-Auswahlmechanismus unter den Akteuren – die, sagen wir, Mediengeilsten, nicht die für den Posten Fähigsten schwemmt es im Regelfall nach oben.

Damit zusammen hängen die häufigen Trainerentlassungen. Sie sind zugleich Folge des Beschriebenen, wie sie auch die negativen Auswirkungen dessen verstärken.
Der HSV dürfte dabei bundesweit Marktführer sein.
Aber auch der etwas andere Klub kann es nicht lassen: In der kurzen Zeit, die Göttlich residiert, versuchten sich am Millerntor sage und schreibe vier sportliche Leiter und fünf verschiedene Cheftrainer (Thomas Meggle, Ewald Lienen, Olaf Janßen, Markus Kauczinski, jetzt noch Jos Luhukay).


In der kurzen Zeit, die Göttlich residiert, versuchten sich am Millerntor sage und schreibe vier sportliche Leiter und fünf verschiedene Cheftrainer: Thomas Meggle, Ewald Lienen, Olaf Janßen, Markus Kauczinski, jetzt noch Jos Luhukay. Fotocredit: Witters

Eine unstetige Personalpolitik ist zwar durchaus branchentypisch (insofern wettbewerbsneutral), allerdings ist in Hamburg der Wilde Westen besonders stark ausgeprägt.
„Heuern und Feuern“, zweckmäßig ist eine solche Strategie nicht – wenn man sportliche Erfolge will.
So wird beispielsweise mit jeder Entlassung die Institution „Trainer“ weiter geschwächt. Die Autorität des Trainerteams und der sportlichen Leitung wird daher im Trend immer kleiner.
Und damit schwindet die Möglichkeit, eine Mannschaft und ihr Spielsystem nachhaltig zu formen.

Darauf sind aber Bundesligisten, die, wie unsere beiden Lieblinge, der sportlichen Entwicklung seit längerem hinterher stolpern, besonders angewiesen. Sie bedürfen einer nachholenden Modernisierung, um aus dem Tal des Rumpelfußballs und des Zuschauerfrustes herauszufinden

Wie könnte das Hamburger Dilemma beendet werden? Nun, was die Spitze der Klubs, sportliche Leiter und Trainer betrifft, bleibt wohl nur die Hoffnung auf einen Glückstreffer.
Was unsere Basis, die Kicker, angeht, dazu hier Vorschläge vom Hörensagen.
Mein liebster ist das Modell „Mindesteinkommen“: Nur ganz wenig Geld an die Spieler zahlen, damit nur diejenigen kommen, die wirklich Bock auf den FC St.Pauli haben.

Auch hübsch: Trainer und Spieler im „Start-up“-Modell: Kassiert wird erst nach Aufstieg, wahlweise Nichtabstieg – Profisportler sind halt Unternehmer und die müssen Risiko tragen.

Unlösbar erscheint auch ein anderes, wirklich grundsätzliches Problem des Liga-Alltags: Nur drei Klubs können aufsteigen. Alle anderen sind mehr oder weniger Nieten in kurzen Hosen.
Ein Problem, so viel Mathematik muss sein, welches sich in der ersten Liga noch verschärfen würde. Denn da gibt es bekanntlich nur einen Meister. Und das ist seit ewigen Zeiten nicht mehr der HSV – und über Sankt Pauli und sein Personal lasst uns den Mantel der Nächstenliebe decken.

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Investor Matzen geht beim Ausbau des Medienbunkers über Mieterinteressen rigoros hinweg

Der grüne Bunker – ein stadtteilverträgliches Highlight sollte er angeblich werden, doch wir berichteten bereits im Übersteiger 134 von den Schattenseiten dieses Projektes. Allein die Baugenehmigung hätte vom Bezirk überhaupt nicht erteilt werden dürfen.

Hier noch einmal zum nachlesen:
http://uebersteiger.de/ausgaben/134/text_4.html

Spätestens seit es den Clubs im Bunker reinregnet und die Außenbereiche nicht mehr betreten werden dürfen, ist klar, dass der Umbau auf Kosten der bisherigen Mieter stattfindet. Von den Folgen für den Stadtteil und die Anwohner ganz abgesehen.

Aktuell hat nun gerade der Linke Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch den Senat aufgefordert, die Mieter zu schützen. Im Vertrag zwischen Stadt und Investor wurde unter anderem festgelegt, dass die Wünsche der Mieter beim Umbau berücksichtigt werden sollten. https://www.elbe-wochenblatt.de/2019/07/17/der-charakter-des-viertels-wird-angegriffen-der-linkenpolitiker-norbert-hackbusch-fordert-den-senat-auf-die-mieter-des-bunkers-an-der-feldstrasse-zu-schuetzen

To be continued …

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Anne Reiche – Auf der Spur

In unserem FC St. Pauli-Museum läuft seit heute „Kiezbeben – die zweite Geburt des FC St. Pauli“. Die Ausstellung erzählt vom Umbruch in den achtziger Jahren, der den Grundstein legte für vieles, wofür der Verein heute steht. Mittendrin damals die Hafenstraße und ihre Bewohner, von denen einige begannen, regelmäßig die Spiele des FCSP zu besuchen. Die Interviews, die in der Ausstellung zu sehen sind, geben einen intensiven Eindruck von der Stimmung damals. Wer noch tiefer eintauchen möchte in die politischen Ereignisse der damaligen Zeit rund um die Hafenstraße, dem sei das Buch von Anne Reiche, die bis heute dort lebt, wärmstens empfohlen – von Sven Brux, der ja selbst einer der damaligen Protagonisten war. Seine Rezension des Buches erschien in Übersteiger 135.

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So ziemlich alle LeserInnen dieses Blatts dürften wissen, was es mit der Hafenstraße auf sich hat. Schon wesentlich weniger dürften schon einmal in einem der Häuser gewesen sein, schon gar nicht zur heißen Zeit damals in den 80ern, als das Ensemble zum europaweiten Symbol für autonomen, militanten Widerstand wurde. So hält sich  der Mythos des Hafenstraßen-Blocks, der ab Mitte der 80er  mit dafür sorgte, dass sich am Millerntor eine Fanszene neuer Ausrichtung etablierte, meist erzählt von Menschen, die damit wenig zu tun hatten. Umso erfreulicher, dass nun ein Buch erstaunlich direkte und ungefilterte Einblicke in die damaligen Geschehnisse bietet. Die Autorin Anne Reiche hat mit „Auf der Spur“ auf 271 Seiten einen Rückblick auf ihr bisheriges Leben abgeliefert, der es in sich hat.

Anne geht 1965 als junge Frau aus  dem  Schwabenland nach Berlin und taucht dort ein in die turbulenten Ereignisse, die dieses Land fortan prägen werden. Das Buch lässt einen hautnah miterleben, was damals passierte. Die Demos und wie diese sich entwickelten. Von anfänglich friedlichen Aktionen hin zur Debatte, ob man es sich immer gefallen lassen muss, von der Polizei zusammengeknüppelt zu werden. Am 4. November 1968 war es dann soweit: Zu ersten Mal wurde die heranrückende Polizei mit einem Steinhagel empfangen und zurückgeschlagen. Der Anfang von einer Menge mehr, was folgen sollte …

Der große Unterschied zu anderen Biographien damaliger Protagonisten ist der, dass hier kein altersmilder Professor einen amüsanten Rückblick auf seine Jugend bietet, die nur den Auftakt für seinen Marsch durch die Institutionen bildete. Nein, Anne hat sich für den konsequenten Weg entschieden, ganz oder gar nicht: Kommune, Bewegung 2. Juni, 10 Jahre Knast, nach der Entlassung 1982 nach Hamburg, ab 84 bis heute im Hafen wohnend. Ich war beim Lesen hin und her gerissen zwischen Bewunderung für den furchtlosen Gang, Entsetzen angesichts dessen, was der Staat an Schweinereien abzog und Erstaunen über Fakten, die mir bislang nicht bekannt waren.

Man muss die politische Denke von Anne und den anderen nicht teilen, fühlt jedoch dennoch ständig  mit und taucht ein in eine Welt, die nur wenigen offenstand. Etwas näher rückt diese Welt, wenn es um die Hafenstraße geht. Wir erfahren einiges aus dem Innenleben der Gemeinschaft, die so heterogen war, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass daraus ein so entschlossenes gemeinsames Handeln erwuchs. Das Buch bietet aber auch die Gelegenheit, mitzufühlen: All die Zweifel, die Ängste, die Widersprüche, die Bedrohungen lassen einen nicht kalt. Wenn man dabei auch noch erfährt, was alles nur durch Zufälle geschah, kann man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Doch es gibt auch lustige Szenen. Wie die, als in der Zeit des „Hönkelns“ beispielsweise ein vor den Häusern parkender LKW geknackt wurde, während sich der Fahrer auf dem Kiez amüsierte. Mit der Folge, dass kurz danach etliche Bewohner stolz ihre nagelneuen Cowboystiefel präsentierten …

Die schiere Wut packt einen angesichts der Schweinereien, die sich der Staat einfallen ließ, um den Hafen zu kriminalisieren, Stichwort „Da wohnt die RAF“. Nahezu thrillerartig stellen sich die Wochen in der zweiten Jahreshälfte 1987 dar, als der Konflikt zu eskalieren drohte. Festungsartig ausgebaute Häuser mitsamt einer europaweiten Unterstützerschar gegen einen Staat, der ebenso unbeirrt alles daran setzte, dieses Widerstandsnest auszulöschen. Anne schafft es, den Leser so mitzunehmen, als säße er auf dem Sofa daneben. Sie schildert die Ängste der Aktivisten so plastisch, dass einem fast schlecht wird. Die Einschätzung, dass es bei einer Räumung wahrscheinlich auch zu Toten kommen kann, beeinflusste damals sehr wohl die Gedanken. Wie wir wissen, ist es glücklicherweise nicht dazu gekommen und so können wir in der Folge nachlesen, wie beispielsweise das Viva-St. Pauli-Festival 1991 im Millerntor-Stadion geplant und durchgeführt wurde: So absolut herrlich dilettantisch, aber eben auch mit Liebe und Solidarität. Da kommen Erinnerungen hoch, die längst verdrängt waren.

Wie gesagt: Man muss die politischen Einstellungen nicht zur Gänze teilen. Aber „Auf der Spur“ bietet auf jeden Fall die Chance, einen unverstellten Blick zu erlangen auf das Innenleben einer Bewegung, die über Jahrzehnte die innenpolitische Diskussion prägte und den Boden bereitete für etliches, was auch heute noch in Hamburg präsent ist. Nicht zuletzt die Fanszene in unserem Stadion, deren damalige Entwicklung nicht losgelöst von den Häusern am Hafenrand betrachtet werden kann. Nach der Lektüre des Buches wird man die bunten Häuser in St. Pauli-Süd auf jeden Fall mit anderen Augen sehen. Absolute Leseempfehlung! //SB

Anne Reiche – Auf der Spur | Verlag: Edition Cimarron
ISBN 978-90-824465-2-4
€ 15,00 (auch im Fanladen erhältlich)  


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