Buchrezi: „Hamburger Flachbauten“

Peter Bruns und Claas Möller.

Hamburger Flachbauten

Was haben das „Lehmitz“, der Teepavillon an der Hoheluftchaussee und die Kneipe „Zum Silbersack” gemeinsam? Sie alle sind in einem Hamburger Flachbau zu Hause. Getreu der Handwerksweisheit „Nichts hält länger als ein Provisorium“ verteilen sich diese ein- bis zweistöckigen Gebäude im gesamten Hamburger Stadtbild. Funktional und unspektakulär füllen sie Bebauungslücken – oft die, die nach dem Zweiten Weltkrieg als Trümmergrundstücke zurückgeblieben waren. Mit ihrer meist kleingewerblichen, gastronomischen oder kulturellen Nutzung sind die Flachbauten identitätsstiftende und menschenfreundliche Anlaufpunkte.

Sie bilden einen fast schon rebellischen Kontrast zu den stolzen Pfeffersackvillen, den riesigen Einkaufszentren und den protzigen Glas- und Betonklötzen, mit denen Hamburg zunehmend überzogen wird. David gegen Goliath, aber in der Stadtarchitektur. Und weil die kleinen Zweckbauten die städtische Baufläche nicht optimal (aus)nutzen, fallen sie oft Nachverdichtungen und Aufstockungen zum Opfer. Immer mehr Flachbauten müssen modernen, mehrgeschossigen Neubauten weichen.

Dieser großformatige Bildband widmet den Hamburger Flachbauten und ihrer Geschichte nun die Aufmerksamkeit, die ihnen allzu oft verwehrt blieb. Bei ihren Aufnahmen haben die Fotografen Peter Bruns und Claas Möller den Fokus auf die individuelle und vielfältige Nutzung der kleinen Gebäude gelegt. Die Nachbargebäude, die mit ihren hohen und oft bunt bemalten Brandmauern das Stadtbild Hamburgs prägen, spielen in den Fotos die zweite Hauptrolle. Besonders beeindruckend sind die durchdacht gewählten Perspektiven und die einheitliche Lichtstimmung, die alle Motive seriell miteinander verbindet: Alle Aufnahmen wurden bei grau bedecktem Himmel gemacht. Dadurch erscheinen die Gebäude vor dem papierfarbenen Hintergrund fast wie aus der Welt um sie herum herausgelöst.

Der umfangreiche Bildband wird durch historische Fotoaufnahmen ergänzt, die zu Beginn der 1950er Jahre im kriegszerstörten Hamburg und in der Entstehungszeit der Flachbauten aufgenommen wurden.
„Hamburger Flachbauten“ ist eine künstlerisch-dokumentarische Bestandsaufnahme der etwas anderen Hamburger Architektur und wirft die Frage auf, ob Stadtentwicklung wirklich einzig und allein unter dem Aspekt der Effizienz und Renditesteigerung betrachtet werden sollte.
// Danny Klitsch

Junius Verlag | ISBN 978-3-96060-605-5
34,90 € | 128 Seiten

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