Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 1 von 4

Seid umschlungen, Milliarden …

Entwicklung und Verteilung der TV-Einnahmen im europäischen Vergleich

(Dieser Artikel erschien mit zwei weiteren im Print-ÜS 124. Die weiteren Artikel sowie eine ergänzende Zahlenspielerei werden wir in den nächsten Tagen hier veröffentlichen.
Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.)

Über das letzte Jahr hinweg gab es wenige Themen, die öffentlich und DFL-intern so heiß diskutiert wurden wie die künftige Verteilung der TV-Einnahmen. Befeuert wurden die Debatten durch die Rekordsummen, die die Premier League aus der Vergabe ihrer TV-Rechte erzielen konnte. Seit die englischen Milliarden drohen und zugleich der nächste Geldregen im eigenen Hause lockt, haben sich tiefe Gräben aufgetan, nicht nur zwischen Bundesliga und 2. Liga, sondern auch innerhalb der Ligen selbst. Während die Sorge der Bayern vor allem ihrer eigenen „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ gilt, beschwören Vereine wie Eintracht Frankfurt, Werder Bremen oder die Relegationsmeister aus der Vorstadt die Bedeutung der von ihnen angeblich verkörperten „Tradition“ und wollen die in barer Münze vergütet wissen. Jeder Verein will ein möglichst großes Stück vom Kuchen haben – oder zumindest verhindern, dass die Stücke der anderen noch dicker werden …

Um die Hintergründe besser zu verstehen, lohnt der Blick in die Historie und das europäische Umfeld: Man mag es kaum glauben, aber direkt nach ihrer Gründung 1963 musste die Bundesliga für Fernsehberichte von ihren Spielen zunächst einmal bezahlen. Erst ab 1965 zahlten die Sender, anfangs knapp 650.000 DM. Bis vor dreißig Jahren hatte die Bundesliga – es gab in Deutschland noch kein Privatfernsehen – kaum nennenswerte TV-Einnahmen. Noch für die Saison 1987/88 lag der Betrag, den die öffentlich-rechtlichen Sender überwiesen, umgerechnet unter 10 Mio. EUR. Auch mit „Anpfiff“ und „ran“ dauerte es noch bis Mitte der 1990er-Jahre, bis die Schallmauer von 100 Mio. EUR pro Jahr durchbrochen wurde. Der nächste große Sprung erfolgte zur Saison 2000/01 durch den Deal mit der Kirch-Gruppe: Erstmals wurden alle Spiele im Pay-TV live übertragen und die Einnahmen stiegen auf weit über 300 Mio. EUR. Übrigens sicherten sich die Bayern schon damals mit der Drohung, aus der Zentralvermarktung auszusteigen, eine Extraportion. Kirch versprach ihnen per Geheimvertrag den Ausgleich der ihnen entgehenden, möglichen Erlöse aus der Direktvermarktung. Vereinbart war ein Gesamtvolumen von ca. 100 Mio. EUR bis 2005, von denen aufgrund der Kirch-Pleite letztlich nur etwa 20 Mio. flossen…
Ab 2006 nahm die Bundesliga dann über 400 Mio. EUR pro Saison ein und mit dem seit 2013 gültigen TV-Deal erhöhten sich die jährlichen Erlöse aus der nationalen TV-Vermarktung auf weit über 600 Mio. EUR.

Einnahmen und „Sozialgefälle“ der europäischen „Big Five“ im Vergleich

Damit lag die Bundesliga, was die Einnahmen aus der Inlandsvermarktung anging, zur Saison 2013/14 ungefähr auf einem Niveau mit der französischen Ligue 1 und der spanischen Primera División, aber deutlich hinter der italienischen Serie A oder gar der Premier League, die auf dem heimischen Markt fast das Doppelte an TV-Geldern erlöste. Zählt man die Auslandsvermarktung hinzu – traditionell die Achillesferse der Bundesliga –, so war es sogar das Dreifache. In der Gesamtbetrachtung hatte dann auch die spanische Liga rund 200 Mio. mehr, die Serie A etwa 300 Mio. EUR.

Wichtig ist ja aber nicht allein, wieviel Geld reinkommt, sondern vor allem, wie es aufgeteilt wird. Gemäß der immer sehr lesenswerten „Annual Review of Football Finance 2015“ des Beratungsunternehmens Deloitte lag das Verhältnis zwischen dem an TV-Geldern „reichsten“ bzw. „ärmsten“ Klub in der Saison 2013/14 in Italien bei 5,3:1, in Frankreich bei 3,4:1 und in der Premier League bei 1,6:1. Die Bundesliga arbeitete offiziell mit einem Schlüssel von 2:1. Das größte Gefälle zwischen den Klubs gab es bisher in Spanien, wo Real Madrid und der FC Barcelona extrem von der dortigen Einzelvermarktung profitierten und zuletzt jeweils ca. 140 Mio EUR pro Saison erlösten. Das Gefälle zwischen ihnen und den Klubs mit den geringsten TV-Einnahmen lag 2013/14 laut der erwähnten Studie bei 7,4:1.

Die sportlichen Ergebnisse der Saisons 2010/11–2014/15 in Spanien, Deutschland und England zeigen, dass es zumindest eine gewisse Relation zwischen diesen Verteilungen und dem Liga-Geschehen gibt. Der jeweilige spanische Meister machte in diesen Jahren im Durchschnitt 2,67 Punkte pro Spiel und hatte am Saisonende 3,51 mal so viele Punkte wie der Tabellenletzte. In der Bundesliga waren es nur 2,45 Punkte und ein Faktor von 3,15. Die Premier League war am engsten beieinander: 2,39 Punkte, bei einem Faktor von 3,01. In dieser Saison, in der viele englische Vereine schon im Vorgriff auf den neuen Deal agiert haben, hat Leicester City vier Spieltage vor Schluss einen Schnitt von nur 2,15 Punkten und nur 2,5 mal so viele Punkte wie der Vorletzte, Newcastle – das in Trümmern liegende Aston Villa muss man rausrechnen. Bayern: 2,6 Punkte, Faktor 2,9 auf den Vorletzten, 3,7 auf den Letzten. Während die Premier League also womöglich noch enger zusammenrückt, entwickelt sich die Bundesliga scheinbar in Richtung spanischer Verhältnisse. Maybe money matters …

Entwicklung ab der kommenden Saison

Zur nächsten Saison kehrt man in Spanien nun aber nach langen Verhandlungen zur Zentralvermarktung zurück, die sogar gesetzlich geregelt ist. Das Verhältnis zwischen „reich“ und „arm“ in Sachen TV-Gelder wird auf max. 3,5:1 oder sogar noch weniger gesenkt. Durch diesen Schritt steigen die Gesamteinnahmen aus der nationalen und internationalen Vermarktung deutlich: Für die nächste Saison kann La Liga mit 1,7 Mrd. EUR rechnen. Die französische Ligue 1 fällt weiter zurück: Sie erlöst von 2016 bis 2020 national „nur“ 726 Mio. EUR pro Saison und aktuell 32,5 Mio EUR für die internationalen Rechte (ab 2018 mind. 80 Mio. EUR). Die Serie A hat noch bis 2018 über die Summe von 943 Mio. EUR abgeschlossen, kommt aber mit 186 Mio. EUR aus der internationalen Vermarktung auf etwas über 1,1 Mrd. EUR pro Saison. Die Bundesliga erlöste in der Saison 2015/16 aus Inlands- und Auslandsvermarktung zusammen 850 Mio. EUR. Nun will man zumindest Italien überflügeln: Das Ziel ist, ab 2017 pro Saison eine Milliarde Euro für die nationalen Fernsehrechte zu kassieren und die 150 Mio. EUR, die man aktuell international erwirtschaftet, weiter zu steigern. Viel Geld, und auch im europäischen Vergleich nicht schlecht, könnte man meinen. Hinzu kommt, dass die Bundesliga durch ihre hohen Einnahmen insbesondere im Bereich Werbung und Sponsoring die Einnahmenachteile im TV-Bereich bisher noch immer einigermaßen ausgleichen konnte (siehe Abb.).

Unbenannt

Doch wie es immer so ist: Man guckt vor allem dorthin, wo die noch Reicheren sitzen, in diesem Fall also nach England. Im Februar 2015 gab die Premier League bekannt, dass sie aus der nationalen Vermarktung ihrer TV-Rechte für die drei Saisons 2016–19 etwa 5,1 Mrd. GBP einnehmen würde. Ein Jahr später wurden die englischen Erstligisten dann informiert, dass ihnen die internationale Vermarktung zusätzliche 3,2 Mrd. GBP einbringen würde. Zu aktuellen Kursen bedeutet das umgerechnet eine Gesamteinnahme von etwa 10,4 Mrd. EUR, also fast 3,5 Mrd. EUR pro Saison, mehr als doppelt soviel wie in Spanien und ungefähr dreimal mehr, als die deutschen Vereine ab 2017 erwarten können. Unabhängig vom sonstigen sportlichen Wert des englischen Fussballs: Besser als aktuell auf der Insel kann man das Milliardenspiel nicht spielen …

„Equal share“ oder „Einer gegen Alle“?

Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen in den deutschen Klubs angesichts des Premier League-Deals schnell unruhig wurden und meinten, man müsse noch einmal darüber reden, wie die TV-Gelder in Deutschland verteilt werden. Die einen – insbesondere natürlich die Bayern – sorgen sich darum, den finanziellen Anschluss an die europäischen Top-Klubs zu verlieren. Die anderen, eh schon abgehängt, fürchten um die letzten Reste ihrer nationalen Wettbewerbsfähigkeit. Beide Positionen sind durchaus verständlich, denn wie man sie auch dreht und wendet: die Decke bleibt zu kurz. Das Glück des einen ist offenbar nur auf Kosten der anderen zu haben. Könnte man meinen.

Erstaunlicherweise ist es vor allem die Premier League selbst, die das Gegenteil vormacht. In den deutschen Medien wird die dortige Verteilung allgemein ungefähr so kommuniziert: gleichmäßige Verteilung von 50 % der Einnahmen, Vergabe von jeweils 25 % nach sportlichem Erfolg (Platzierung letzte Saison) und TV-Interesse (Anzahl der Live-Spiele letzte Saison). Diese Angaben machte bspw. auch der „Kicker“ (Ausgabe v. 22.2.2016), der die Verteilung innerhalb der Bundesliga mit 65 % Sockelbetrag und 35 % sportlicher Erfolg (letzte fünf Saisons) angab und den Sockelbetrag als den im europäischen Vergleich höchsten bezeichnete. Betrachtet man nur die Verteilung der TV-Gelder aus der Inlandsvermarktung, wäre das sogar richtig. Allerdings übersehen der „Kicker“ und andere Medien geflissentlich zwei wesentliche Aspekte: Erstens den hohen Anteil von fast 40 %, den die Erlöse aus der Auslandsvermarktung an den Gesamteinnahmen der Premier League ausmachen, und zweitens die Art, in der diese verteilt werden. Die Premier League verteilt nämlich die gesamten Einnahmen aus der Auslandsvermarktung gleichmäßig an ihre Mitglieder. Alles in allem gehen also über 69 % ihrer Gesamteinnahmen als „equal share“ zu gleichen Teilen an die teilnehmenden Vereine. Dieser „equal share“ liegt künftig bei ca. 100 Mio. EUR und sorgt dafür, dass die Höhe der an den Meister bzw. den Letzten der Tabelle ausgezahlten Fernsehgelder nur um einen Faktor von etwa 1,6 abweicht. In der Saison 2014/15 lag er sogar bei nur 1,53.

Schaut man nun noch einmal genauer in die Bundesliga, so wurde bpsw. für die Saison 2015/16 nur ca. ein Drittel der Einnahmen aus der internationalen Vermarktung gleichmäßig verteilt: Jeder Bundesligist erhielt 2,5 Mio. EUR. Der Rest ging an die Vereine, die in den letzten fünf Jahren an den Wettbewerben der UEFA teilgenommen hatten, wobei die Höhe der Zahlung vom Klub-Koeffizienten abhing. Resultat: Bayern München erhielt 31,5 Mio. EUR aus den internationalen Erlösen und damit insgesamt fast 72 Mio. EUR aus den Fernsehgeldtöpfen der DFL. Bezieht man die internationalen TV-Gelder mit in die Berechnung ein, so liegt der „equal share“ der Bundesliga eben nicht bei 65 %, sondern bei etwa 57 %, und das Verhältnis zwischen den Bayern und den Darmstädtern, die aktuell am wenigsten TV-Gelder erhalten, bei 3,2:1.

Die Bundesliga ist also bei genauer Betrachtung schon jetzt fast bei dem Faktor angelangt, der in Spanien künftig maximal erlaubt ist. Die Schere geht in Deutschland doppelt so weit auf wie in England und die Bayern genehmigen sich bereits jetzt ein wesentlich größeres Stück vom Kuchen, als in aller Regel suggeriert wird. Da erscheint es doch ein wenig unangemessen, wenn Rummenigge sich beschwert, dass die Interessen seines Vereins nicht genügend berücksichtigt würden, und mit der Aussage, dass die Bayern per Direktvermarktung 200 Mio. EUR erzielen könnten, die Kanonen gegen den Rest der Liga in Stellung bringt. Ob die Bayern einen solchen Schritt wirklich gehen würden, ist natürlich fraglich. Vor allem geht es ihnen – wie schon seinerzeit im Zusammenhang mit dem Kirch-Deal – wieder einmal darum, mithilfe dieser Drohung auch unter dem Dach der gemeinsamen Vermarktung soviel wie irgend möglich für sich selbst herauszuschlagen.

Womöglich müsste man allerdings auch in München vielmehr darüber nachdenken, ob die deutlich gleichmäßigere Verteilung innerhalb der Premier League eine der Ursachen für ihre enormen Vermarktungserfolge sein könnte. Offenbar war das die Erkenntnis, zu der die Analyse des Premier League-Deals in Spanien geführt hat: Gemeinsame Vermarktung und Solidarität mit den anderen Vereinen der eigenen Liga dient mittel- und langfristig den Interessen auch der reichen Klubs mehr als eine immer weiter aufgehende Kluft zwischen „arm“ und „reich“.

Eine Erkenntnis, die sich auch auf andere Felder als den Fussball übertragen ließe … // Slarti

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Berlin, Berlin, ein Wochenende in Berlin – 2016

Papa & Sohn-Tour zum Pokalfinale, ein schönes Ritual. Schon letzte Saison hatten wir den Trip auf uns genommen, da die Möglichkeit an Tickets zu kommen dank des Wolfsburger Finaleinzugs und eines privaten Kontakts günstig war.
Dieses Jahr erforderte es dank der beteiligten Vereine eine etwas weitreichendere Planung, aber am Ende klappte es auch hier, vielen Dank an die Beteiligten.

Und spätestens seit Junior seinen eigenen Account in der Groundhopper-App hat, steht einem exzessiven Fußball-Genuss nichts mehr im Wege. Das Touri-Programm für Berlin hatten wir letztes Jahr schon größtenteils abgehakt, dieses Jahr sollte eigentlich der Zoo folgen, auch wenn dies am Ende krankheitsbedingt ausfallen musste. So sollten es dann aber immerhin fünf Spiele in drei Tagen werden, darunter dann auch vier für uns neue Stadien.

Tennis Borussia Berlin – 1.FC Frankfurt/Oder 5:0 (1:0)

Ein angemessen entspannter Auftakt des Wochenendes im Mommsenstadion. TeBe hatten wir ja letztes Jahr noch bei der Aufstiegsfeier aus der Berlin-Liga beim FC International gesehen, umso erstaunlicher (zumindest für mich) die souveräne Platzierung als Tabellenvierter in der NOFV-Oberliga Nord.
Der Gegner aus Frankfurt/Oder war mit einer guten handvoll Gästefans angereist, wobei die Betonung hier auf Voll liegt und eine gehörige Portion Assitum und Homophobie nicht fehlen durfte. Jedenfalls kein Verlust, dass der Abstieg seit diesem Freitagabend dann auch rechnerisch feststeht.

Auf der Tribüne blieb mit @PatBorm und @Limpi1909 dann auch allerhand Zeit für Unterhaltungen zum Drumherum des Fußballs, u.a. konnten wir dank Reik dann auch für mich mal klären, warum es “TeBe” und nicht “TeBo” heisst. Ich störte mich hierbei insbesondere an der Kombination “TeBe Berlin”, die für mich keinen Sinn ergab.
Die Aufklärung in Kurzform: Bei “TeBe” steht es natürlich für “Tennis Borussia Berlin”, so weit, so klar.
Das von mir dagegen gestellte “TeBe Berlin” gibt es so (geschrieben) gar nicht, sondern dann wird es “TB Berlin” geschrieben… hört sich gleich an, ergibt dann aber aber natürlich auch Sinn. Wieder was gelernt.
Also meinetwegen: TeBe statt TeBo, akzeptiert.

TeBe Berlin, 20.Mai 2016

Zurück zum Spiel / Stadion:
Schöne OldSchool Tribüne im Mommsenstadion, mit einem Stehbereich drunter und einem Treppenhaus in der Mitte der Tribüne, nach hinten gelegen, welches einen dann unter dem Sitzplatzbereich vorne wieder auf die Stehtribüne bringt.
(Ja, ist ohne Skizze schwer zu verstehen, glaub ich.)

Wer was auf sich hält steht aber natürlich gegenüber, wo dann zu Beginn des Spiels auch eine große Regenbogenfahne und diverse Luftballons die Beteiligung am IDAHOT2016 zeigten.

Das Spiel war ziemlich einseitig, Frankfurt hatte bei noch drei ausstehenden Spielen neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer und es wurde früh klar, dass dieser heute wohl eher nicht verkürzt werden würde. Die offiziell 392 Zuschauer vergnügten sich hingegen mit Wechselgesängen und bei Toren mit Hans Rosenthals “Das war SPITZE!”.

Fußball, wie er sein sollte.
Danke, TeBe, wir kommen gerne wieder!

U19-Pokalfinale: Hertha BSC – Hannover 96 2:4 (2:2)

Schon letztes Jahr hatte ich mich geärgert, mich zu spät um Karten gekümmert zu haben, da damals Hertha gegen Cottbus spielte.
Da Hertha sich auch dieses Jahr wieder qualifiziert hatte, stand zu erwarten das es erneut schwierig werden würde, Tickets zu bekommen. Daher vielen Dank an @calcioelavita, der mir bei Hannover 96 zwei Karten für das “Amateurstadion” (Kapazität 4.500) besorgte.

Nach einem Frühstück mit @Nithiel im Schwarzen Cafe (Empfehlung!), ging es dann frühzeitig ans Olympiastadion, wo bereits weit vor dem eigentlichen Stadion eine Kartenkontrolle erfolgte und man dann ziemlich ungehindert über das weitläufige Gelände marschieren konnte.
Aber mal ehrlich: Hertha gegen Hannover… was hatte ich mir denn dabei gedacht?
Die eine Fanszene mit Aggro-Assis, die gegnerische Jugend-Spieler bei Toren mit Gegenständen bewerfen und mehr Schmäh-Gesänge auf den Gegner als Anfeuerung für den eigenen Verein darbietet (Hertha), die andere mit Gesängen über Ficken und das Rein/Raus-Spiel, “für den Verein”… erdet ja auch immer mal ganz gut, wenn man mal außerhalb der FCSP-Filterblase sowas hautnah mitbekommt.
Zum Glück hat Junior die Gesänge wohl akustisch nicht so gut verstanden.

Insgesamt für ein 4:2 mit wechselnden Führungen eine eher enttäuschende Stimmung auf beiden Seiten bei bestem Wetter, immerhin entschädigte das sehr unterhaltsame Spiel dafür und am Ende feierte (verdient) der Gast, der dann auch auf den Rängen leichte Vorteile gehabt hatte.

Während in der überregionalen Berichterstattung (Kicker) noch ein Bezug zum verunglückten 96-Spieler Niklas Feierabend hergestellt wurde, war dies auf den Rängen und auf dem Platz kein Thema, oder zumindest ging dies, wenn es anders war, an mir vorbei.

Nach dem Spiel schickte dann aber Daniel Stendel, der für dieses Spiel nochmal zu “seiner” U19 zurückgekehrt war, Grüße an Niklas, wie die Gala(!) berichtet.

Tasmania Berlin – Berliner SC 4:2 (1:2)

Der nächste Stop auf der Tour war dann im Werner-Seelenbinder-Sportpark, wo Tasmania in der Berlin-Liga seine Heimspiele austrägt.
Da dies (Samstag, 14.00h) das logistisch geeignetste Spiel für Fans war, die abends auch noch ins Olympiastadion wollten, hatten sich hier natürlich auch diverse BVB- und Bayern-Fans eingefunden. Der erste große Unterschied zum Vorjahr, denn da waren die BVB-Fans beim TeBe-Spiel nahezu alleine, was Auswärtige anbelangt, in Ermangelung von Wolfsburgern.

Hier saßen beide Fraktionen friedlich vereint auf den Stufen und genossen besten Amateurfußball, mit Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen ohne TV-Beweis, unfassbar schlechter Chancenverwertung (insb. seitens der Gäste), einem Platzverweis wecken Meckern und am Ende dann auch einem verdienten Heimsieg.
Leckeres Essen und Trinken, günstige Preise und ein Stadionsprecher, der sich schon während des Spiels bei beiden Fangruppen bedankt.

Borussia Dortmund – FC Bayern München 0:0 (3:4 n.E.)

Nach dem Tasmania-Spiel forderte mein tödlicher Männerschnupfen eine kurze Auszeit, so dass wir auf das Drumherum des Stadionvorplatzes mit allerlei “netten” Unterhaltungsspielen der Sponsoren “leider” verzichten mussten.

Hinein also ins Olympiastadion. Und auch, wenn es mir beim Anblick (z.B.) des schottischen Finals immer noch ein bisschen mehr Gänsehaut verpasst, wenn das Stadion wirklich einmal in der Mitte geteilt wird (Hibs – SevCo, Gratulation!), so ist es natürlich immer noch etwas Besonderes, wenn das Stadion zumindest in großen Teilen auf beide Fanlager verteilt wird.
Wir selbst saßen in der Kategorie 3 (von 4), auf der Haupttribüne, Höhe Torlinie, in der Nähe zur Bayern-Kurve. 95,-€, stolzer Preis, aber die Nachfrage rechtfertigt leider alles.
Lustig wäre es ja mal, wenn die KeinZwanni-Initiative bei diesem Spiel zum Boykott aufrufen würde, denn auch die günstigsten Karten lagen wohl bei ca. 50€.
Egal, anderes Thema.

UnbenanntDie Eröffnungsfeier des DFB erfüllt mich dann immer etwas mit Fremdscham, denn allein dieses künstlich künstlerische Einlaufen der Personen, die diese Riesenflagge auf dem Rasen entfalten, auf dem Weg dorthin unter dramatischer Musik eine große Runde um den Platz und/oder die Fahne drehen… nee, brauche ich nicht.
Aber da bin ich vielleicht auch einfach nicht Zielgruppe.
Dazu dann Damen in goldenen, roten und schwarzen Kleidern und die Bundeswehr-Kapelle mit der Nationalhymne.
Gleiches gilt im Übrigen auch für nach dem Spiel, wenn ein Haufen Volunteers am Ausgang mit einem riesigen “Schönen Heimweg!”-Banner steht. Neben uns sagte jemand passenderweise: “Na, Ihr macht Euch ja mal so richtig schön lächerlich.
Puh… naja, selbst Schuld, ich wollt da ja hin.

Das Spiel selbst war dann sicher wieder was für Taktikliebhaber und lebte von der Spannung, wirkliche Torchancen gab es hingegen eher wenig.
Von der Aufregung um Riberys Zutraulichkeit bekamen wir im Stadion nahezu nichts mit, die Rudelbildung war von der Tribüne aus mit Gelb für Beide korrekt bestraft worden. (Ja, nachher waren wir schlauer.)

Doch spätestens mit Beginn der Verlängerung schwenkte Junior von einer leichten “Der BVB soll gewinnen!“-Tendenz (getrieben von einer Gratis-BVB-Fahne, verteilt am Tag zuvor am Berliner HBF sowie von der Neugier, wie denn die Dortmunder Kurve auf einen Mats Hummels bei der Pokalübergabe reagieren würde [Papas Sohn!!!]) zu einem “Jetzt bloß kein Tor mehr, ich will Elfmeterschießen sehen!“.

Früher war weniger Lametta

Früher war weniger Lametta

Es sollte dann ja auch so kommen und die kleine Enttäuschung das die Wahl die andere Kurve als Ort des Geschehens ergab, wurde auch schnell überwunden.
Der Rest ist Geschichte, lediglich über Kimmichs Elfmeter lacht Junior noch heute.
Wie kann der den so schlecht schießen?! Wollte der auch Hummels bei der Pokalübergabe sehen?

Und sonst? Tja, die Stimmungsdiskussion und Pyro.
Zur Halbzeit echauffierte sich die Dame neben mir bereits darüber, dass im Dortmunder Block die Pyro-Aktion mittels übergezogenem Banner vorbereitet wurde.
Da muss man doch jetzt reingehen, worauf warten die denn?
Ich fragte, wie sie sich das denn genau vorstelle und was dann wohl passieren würde.
Hmmm… ja, stimmt auch wieder… die lassen sich das wohl nicht so einfach wegnehmen, was? Sie haben ja recht, aber man muss doch… irgendwie…
Zumindest waren wir uns dann einig, dass einfach sinnlos herausgeballerter schwarzer Rauch scheiße aussieht.
Mein “Aber sonst finde ich Pyro ganz okay und meist sieht es auch geil aus!” quittierte sie mit einem souverän, mitleidigem “Ach, Ihr jungen Leute!“-Blick und ließ es dabei bewenden.
So können Gespräche also auch enden, man muss nicht immer gleich eskalieren, wie in diesem Internet so oft.

Die Stimmung empfand ich als ganz okay. Für mehr hätte es vielleicht auch mal der ein oder anderen Torszene bedurft. So waren beide Kurven zwar immer wieder gut zu hören, aber die ganz große Show war es eben nicht.
In Anbetracht des Gesamt Kräfteverhältnisses im Stadion von ca. 60:40 zugunsten des BVB kann man die Bayern vielleicht als knappen Punktsieger betrachten, insbesondere in den Minuten nach der schwarzen Wolke war die Dortmunder Kurve überraschend ruhig.
Von “Die Bayern haben uns an die Wand gesungen!“, wie es vereinzelt im ersten Frust zu lesen war, kann aber sicher auch keine Rede sein.

Reinickendorfer Füchse Berlin – SD Croatia 0:0

Nächste Folge aus der “Wieder was gelernt”-Reihe:
Der Verein Reinickendorfer Füchse hat sich 2012 in “Füchse Berlin Reinickendorf” umbenannt, als Bob Hanning die Handballabteilung etwas universeller für Sponsoren aufstellen wollte. Seitdem fungieren die Handballer als “Füchse Berlin”.
Das Vereinswappen ist für alle Abteilungen gleich, “Reinickendorf” kommt dort nicht mehr vor.

Reinickendorfer Füchse - SD Croatia

Reinickendorfer Füchse – SD Croatia

Das Spiel am Friedensweg, wo vor einigen (vielen) Jahren auch Union noch zu Pflichtspielen antreten musste, lockte dann ca. 100 Zuschauer. Für den Gastgeber wie auch für SD Croatia ging es um nichts mehr, beide befinden sich im Mittelfeld der Berlin-Liga.
Trotzdem auch hier wieder zu beobachten, wie hitzig solche Spiele werden können.
Wer sich vom Profifußball (verständlicherweise) irgendwann verabschiedet, dürfte mit ein bisschen gutem Willen schnell eine neue Heimat im Amateurfußball finden, wenn er denn nur will… denn Emotionen gibt es auch hier genug.

Tore fielen leider keine, aber bestes Wetter und ein “ganz nah dran”-Gefühl am Platz sorgten für einen schönen Abschluss des Wochenendes.

Nächstes Jahr machen wir das dann wieder, sagte Junior auf dem Rückweg, “oder, Papa? Und vielleicht ist St.Pauli dann ja auch dabei!”

Die Hoffnung stirbt zuletzt. // Frodo

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MT030 – Saisonabschlußfolge 2015/2016

It’s all over now, Baby Blue.
Eine Saison, die wir uns entspannter kaum vorstellen konnten.

Wir entlassen Euch mit 2h44m in die wohl verdiente Sommerpause und “hauen nochmal alles raus”.
Viel Spaß, beglückt uns mit Feedback in den Kommentaren, bewertet uns bei iTunes mit mindestens sechs Sternen und schaut die Aufstiegsspiele der 1.Frauen.

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OUT NOW (bzw. Freitag)! – Übersteiger #124

Übersteiger Nr.124 - 15.Mai 2016

Übersteiger Nr.124 – 15.Mai 2016

Das letzte Heft der Saison hat’s noch einmal in sich: Wir mischen mit im Streit um die Fernsehgelder! Dazu schauen wir in die anderen großen Ligen, fragen, welche Verteilungskriterien „gerecht“ wären, und werfen einen vergleichenden Blick in die englische 2. Liga. Außerdem beschäftigen wir uns ausführlich mit der EM: Hermannus erklärt, wie das Schauspiel finanziert wird und wer davon profitiert. Ihr könnt lesen, was euch sportlich erwartet, und unsere EM-Experten aus dem Vereinsumfeld sagen euch, wer das Ding gewinnt und was da sonst noch passieren wird.

In der Players’ Corner kommt nach endlosen Jahren endlich Schnecke Kalla zu Wort und nach dem Interview mit Andrew Meredith, Spielanalyst des FCSP, wisst ihr auch, warum die Saison so war, wie sie war. Dazu ein Bericht von den Dart-Piraten, ein Interview mit Slime und alles, was man sich sonst noch wünscht: Neues von den Alten, Rezis und die Fanladen-News, diesmal mit Gesamtbewertung der Saison aus Fansicht. Das Ganze wird optisch angereichert durch unsere Lieblingsbilder der vergangenen Saison und die großartigen Illustrationen unserer neuen Kreativabteilung. Lasst Euch überraschen!

Das ganze Paket gibt’s ab Freitag, 13.5., im Fanladen und ab Sonnabend, 14.5., bei allen bekannten Verkaufsstellen – oder natürlich Sonntag am Stadion beim Dealer eures Vertrauens, für schlappe 1,60 Euro.

Ansonsten natürlich: Schöne Sommerpause!Und niemals vergessen: Diffidati con noi! // Eure Übersteiger

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Was macht eigentlich… Dirk Dammann

Gastartikel von Scheißegal St.Pauli.

Moin Dirk. Du hast vor St. Pauli beim VfL Stade gespielt – wer hat dich 1990 zu St. Pauli geholt?

Ich bin damals von Helmut Schulte zu St.Pauli geholt worden. Wir hatten mit Stade seinerzeit einen Mega-Lauf in der HH-Oberliga und eine bis heute, glaube ich, unerreichte Rekordsaison gespielt (Anm.d.Red: nur 5 Unentschieden und keine Niederlage in der Saison). Anschließend sind wir in der Aufstiegsrunde ebenfalls ungeschlagen in die Oberliga-Nord (damals die 3. Liga) aufgestiegen…

Erzähl mal von deinen ersten Jahren bei St. Pauli. Ich hab dich später als unglaublich geilen Libero erlebt, gibt es heute ja nicht mehr, wie hast du dich denn damals so gesehen? Ein Freund von mir nennt dich den Beckenbauer der 90er….

Die ersten Jahre waren für mich eine Findungsphase. Ich war als offensiver und eigentlich bis dato auch torgefährlicher Mittelfeldspieler gekommen. In den ersten Jahren habe ich dann glaube ich alle Positionen im Mittelfeld gespielt – links, rechts, zentral, offensiv, defensiv …

Durch viele Verletzungen der damals gestandenen Mitspieler wie Peter Knäbel, Jürgen Gronau, Michael Dahms usw. konnte ich in meiner ersten Saison zwar viel spielen, habe aber nie richtig MEINE Position gefunden. Und meine im Amateurbereich vorhandene Torgefährlichkeit hatte ich leider auch verloren…

So wurde ich immer weiter nach hinten geschoben und Seppo Eichkorn hat mich dann in meiner zweiten Saison bei St.Pauli das erste Mal auf der Libero-Position eingesetzt. Jan Kocian, damals tschechischer Nationalspieler, konnte verletzungsbedingt nicht spielen und ich musste ihn ersetzen. Ich glaube, ich habe es ganz ordentlich gemacht. Ich durfte anschließend sogar spielen, als Jan dann wieder fit war. Wenn ich mich recht erinnere, hat damals Papa Heinz Weisener beim Trainer sein Veto eingelegt und darauf gedrängt Jan wieder spielen zu lassen…

So habe ich aber damals meine Position gefunden. Eigentlich aus der Not heraus, aber im Nachhinein war es für mich der Beginn meiner besten Zeit bei St.Pauli. Zumindest habe ich mich auf der Position sehr wohl gefühlt…

Gerade dein erstes Jahr bei St. Pauli verlief ja recht enttäuschend. Eigentlich “Stammspieler” in der ersten Bundesliga und dann diese scheiß Relegation gegen die Stuttgarter Kickers, die nach zwei Unentschieden erst im dritten Spiel im neutralen Stadion in Gelsenkirchen entschieden wurde. Was hat dich damals am meisten geärgert?

 Dass wir abgestiegen sind natürlich! Wir haben an dem Tag nie zu unserem Spiel gefunden und es lief einfach nichts zusammen. Für mich war es damals wie ein falscher Film. Es folgten ja am selben Abend noch die Gespräche für die folgende Zweitligasaison.

Wie? Am Abend dieser Niederlage wurden die Spieler erst gefragt, ob sie nächste Saison weiterspielen oder wechseln? Oder wie soll ich mir das vorstellen?

 Ja, bei einigen war es wirklich so. An diesem Abend wurden mit vielen Spielern, da nur Verträge für die erste Liga bestanden, die abschließenden Gespräche geführt. Es gab ja auch Spieler, die damals nicht gewechselt wären, wenn wir die Klasse gehalten hätten.

As time goes by - Dirk Dammann

As time goes by – Dirk Dammann

Auffällig ist natürlich, dass du in deiner Karriere nie vom Platz geflogen bist. Auch 16 gelbe Karten in 316 Profispielen für St. Pauli sind aller Ehren wert. Wie viel Gegenspieler haben dich in all den Jahren auf dem Platz aus Frust beschimpft, weil sie selten gegen dich nen Stich auf dem Platz machen konnten? Oder wie hast du das geschafft?

Beschimpft hat mich nie wirklich ein Gegenspieler. Ich habe halt immer versucht über mein Stellungsspiel im richtigen Moment in einen Zweikampf zu gehen. Das ist mir meistens ganz gut gelungen. Jeder Spieler hat seine eigene Spielweise bzw. Spiel-Philosophie und meine ist es, durch gutes Stellungsspiel und vorausschauendes Erkennen von Spielsituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist heute noch so, wenn ich mal gegen den Ball trete…

Kommen wir mal zur Abstiegssaison 1996/97. Bis zur Winterpause lief eigentlich alles gut. Danach soll sich die Mannschaft mit Uli Maslo zerstritten haben und es ging bergab. In der Fanszene war Uli “Ich bin stolz ein Deutscher zu sein” Maslo ja sowieso nicht gerade gut angesehen. Was ist in der Saison passiert und schiefgelaufen?

 Unter Uli Maslo hatte ich meine beste Zeit, deshalb kann ich persönlich gar nicht so viel Schlechtes über ihn sagen. Er hatte, wie viele andere Trainer auch, seine Eigenarten mit der einige Spieler nicht klar kamen. Und wenn Erfolge ausbleiben, ist es so, wie überall im Fußball. Dann ist der Trainer schuld. Wahrscheinlich hatten wir ein zu gutes Wintertrainingslager in Qatar. Das war jedenfalls das beste Trainingslager, was ich je mitmachen durfte. Aber für St.Pauli-Verhältnisse wohl zu gut – danach lief jedenfalls nicht mehr viel zusammen. Ich persönlich habe mich die komplette Saison mit einer Kapselverletzung rumgeschlagen und konnte nur eingeschränkt trainieren und wurde zu den Spielen gespritzt, was meiner Leistung nicht förderlich war und dann irgendwann auch nicht mehr weiterging. So wurde ich dann kurz nach der Entlassung von Maslo operiert, was in der Öffentlichkeit leider dargestellt wurde, als würde ich die Mannschaft im Stich lassen und mich lieber um meine damals hochschwangere Frau kümmern. Das war nach Monaten der Quälerei mit Schmerzen im Spiel und Training natürlich schon bitter…

Was machst du heute so? Ich hab gesehen, dass du die U19 des JFV Stade trainierst. Hast du irgendwann nochmal höhere Ambitionen oder reicht dir das? Bist du froh raus aus der Öffentlichkeit zu sein?

 Ja, im Fußball trainiere ich noch bis Sommer die U19 des JFV Stade. Da wir in der Niedersachsenliga spielen, ist das ein enormer Aufwand mit 3 Trainingseinheiten pro Woche. Aber höhere Ambitionen habe ich überhaupt nicht. Die Mannschaft habe ich überhaupt nur übernommen, weil mein jüngerer Sohn Luca in der Mannschaft spielt und vor Jahren ein Trainer kurzfristig ausgefallen ist. Ich wollte eigentlich nie einen meiner Söhne trainieren, weil ich die Konstellation immer unglücklich finde, aber so wurde ich dann doch schwach. Im Sommer werde ich aber nicht mehr als Trainer tätig sein. In Stade entsteht durch die Verschmelzung der beiden Traditionsvereine VfL  Stade und TuS Güldenstern Stade ein neuer Fußballverein und hier engagiere ich mich bereits parallel im Herrenbereich. Wir wollen und müssen den Nachwuchsspielern aus der guten Jugendarbeit in Stade wieder bessere Perspektiven bieten und bündeln daher die Kräfte für eine hoffentlich bald wieder erfolgreichere Fußballzeit in Stade.

Was die Öffentlichkeit angeht, habe ich mir da nie große Gedanken gemacht. Ich habe mich damals ja auch nicht für den Profifußball entschieden, um in der Öffentlichkeit zu stehen, sondern weil mir der Fußball so viel Spaß gemacht hat und die Möglichkeit, sich mit den Besten zu messen, so faszinierend war. Das ganz große Fußballgeschäft muss man heutzutage mögen oder eben nicht. Ich finde den Profifußball einfach zu kurzlebig. Persönlich mag ich es lieber ruhiger und plane gerne langfristig. Das ist im Profifußball leider nicht möglich. Und raus aus der Öffentlichkeit bin ich durch meine Vergangenheit sowieso nie ganz, auch wenn es in einem kleineren Rahmen ist…

Was heißt das in Stade? Welche Aufgaben wirst du dann übernehmen?

Wenn man dem Kind einen Namen geben will, so kann man das wahrscheinlich am ehesten „Teammanager“ nennen. Ich stelle aktuell mit dem Trainerteam den Kader für die erste Mannschaft zusammen und werde in Zukunft Bindeglied zwischen erster und zweiter Mannschaft sowie der U19 sein. Und dann kommen da natürlich noch einige organisatorische Aufgaben hinzu. Also langweilig wird es mir nicht…

Wie oft besuchst du heute noch Spiele beim FCSP?

Durch meine aktive Zeit als Trainer bleibt mir nicht viel Zeit, daher sind es meist ein bis zwei Spiele in der Saison. Es wirkt jetzt natürlich alles weitaus professioneller. Nicht nur das Stadion, auch das Trainingszentrum und die damit verbundenen Möglichkeiten sind nicht zu vergleichen mit der damaligen Zeit. Wir hatten unseren Trainingsplatz am Steinwiesenweg in Niendorf und außer dem Trainingsplatz und einer Umkleidekabine war da nichts. Wenn man das heute betrachtet, sind die Rahmenbedingungen doch schon ganz andere. Aber dem trauere ich nicht nach, denn auch die damaligen Bedingungen hatten Ihren Charme und waren in vielerlei Hinsicht persönlicher…

Das klingt bisher alles recht harmonisch bei dir in deiner Beziehung zum FCSP. Gab es denn keine Momente, wo du mal gedacht hast: “Was macht der Verein denn jetzt für ne Scheiße? Was soll der Blödsinn”?

Insgesamt hatte ich eine schöne Zeit und ich habe mich auf die sportlichen Dinge konzentriert. Das klingt jetzt zwar etwas nüchtern, war aber so.

Enttäuscht war ich eigentlich nur über mein Ende beim FCSP. Dem Verein kann ich da aber nur begrenzt einen Vorwurf machen. Der damalige Trainer Willi Reimann hat nicht mit mir geplant – so hat man mir das vom Management mitgeteilt, der Trainer hat nämlich nie mit mir persönlich gesprochen – und im sportlichen Bereich hat der Trainer halt das sagen. Reimann hat damals seinen Wunschspieler Steffen Karl mitgebracht und wie das nun mal in dem Geschäft ist, werden diese Wunschspieler dann auch bevorzugt. Auch wenn mir damals von allen Seiten des Vereins (auch dem Management) gesagt wurde, dass man das nicht nachvollziehen könne. Als man mir nach der Saison doch noch ein Angebot unterbreitet hat, wollte ich nicht mehr, da ich nicht unter einem Trainer arbeiten möchte, der mich nicht will. Nach so langer Zeit bei einem Verein, der mir sehr an Herz gewachsen ist, war das kein schönes Ende.

Ein großes Dankeschön muss ich aber den Fans sagen, denn ohne diese wäre ich wahrscheinlich am letzten Spieltag nicht mal mehr zum Einsatz gekommen. Willi Reimann, an dem Tag krank und nicht anwesend, ließ die Spieler, mit denen er nicht mehr plante, nicht spielen. Und das bei einem Spiel, in dem es um nichts mehr ging… Doch die Fans haben mich in der zweiten Halbzeit so lautstark gefordert, dass der damalige Co-Trainer Didi Demuth nicht mehr anders konnte, als mich einzuwechseln.

Ich hörte schon, dass es mit Willi Reimann wohl so einige Probleme gab. Möchtest du das noch erläutern?

Über besagten Trainer möchte ich nicht mehr sprechen… würde nichts Gutes bei rum kommen.

Schade, aber kommen wir zur finalen und wichtigsten Frage: laut Transfermarkt.de hast du in deiner Karriere alle 1910 Minuten ein Tor erzielt. Das war doch von langer Hand geplant, oder?

 Du bist der Erste, dem aufgefallen ist, wie ich meine Tore geplant habe. Respekt….

Danke, Dirk, Dir für die Zukunft alles Gute! // Scheißegal St.Pauli

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Verein am Wochenende (17/2016)

FC St.Pauli – TSV 1860 München 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Daylon Claasen (8.), 0:2 Levent Aycicek (88.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Gäste)

Es dürfte bekannt sein: Ich mag die Löwen nicht.
Und dies ist eine ziemliche Untertreibung, denn tatsächlich sind auf der nach unten offenen Sympathieskala nur noch zwei Vereine vorhanden, denen ich einen Abstieg noch mehr gönnen würde, nämlich unser Nachbar und “die Region”.
Und wie schon im Mai 2008 hatten wir an einem 32.Spieltag mal wieder die Gelegenheit, einen dieser drei Klubs mit gewaltigem Schwung in Liga 3 zu schubsen… und vergaben diese mehr als kläglich.

Es brodelte in mir, schon die gesamte zweite Halbzeit pöbelte ich wie nur selten. Und wenn ich dann sehe, wie Sebastian Maier bei seiner Auswechslung (elf Minuten vor Schluß, ein Tor Rückstand) in aller Seelenruhe zur Seitenlinie schlendert, als würden wir führen und ablaufende Zeit unser bester Freund sein, dann… dann… argh!

Dieser Tweet wurde übrigens aus dem Umlauf der Gegengeraden geschrieben. Mit dem 0:2 platzte mir dann tatsächlich der Hals und ich musste weg. Zum zweiten Mal in meinem Leben verließ ich also meinen Platz auf den Rängen vorzeitig und in voller Absicht, bis zum Abpfiff nicht zurückzukehren.
Nicht, wie es oft in anderen Stadien schon frühzeitig passiert, um auf dem “Hamburger Weg” eine günstige Abfahrtmöglichkeit zu erwischen, natürlich blieb ich bis zum Abpfiff im Stadion, aber eben nicht mit Sicht auf das Feld, dazu war ich zu sauer. Immerhin lief dann draußen (gefühlt) der halbe Block 1 an mir vorbei.
Und drinnen wäre ich wohl auch ausfallend gegenüber dem eigenen Team geworden, dies wollte ich mir dann doch ersparen.
(Funfact: Das bisher einzige Mal (zumindest in meiner Erinnerung) vor Abpfiff ein Stadion verlassen, hatte ich im September 1998, als der ruhmreiche FCSP zur Halbzeit in Hannover durch einen Hattrick(!) von Dieter Hecking(!!) 3:0 zurücklag. Da machte ich mich in jener Halbzeit zurück per Wochenendticket nach Bremen.
Ich meine… ernsthaft: Dieter Hecking!?)

Und im Zweifel ist mir dieser stille Protest dann lieber, als ein Bepöbeln der eigenen Spieler. Ähnlichkeiten zu Vorkommnissen am Wochenende auf gelben Wänden sind natürlich rein zufällig.
Was natürlich umgekehrt nichts daran ändert, dass man das Stadion nicht vor Abpfiff verlassen sollte, schon gar nicht aus Langeweile oder Bequemlichkeit. Hier war dies lediglich eine Selbstschutzmaßnahme und aus dem Stadion ging ich dann natürlich auch erst nach Abpfiff.

All dieses Gesabbel vor dem Spiel, von wegen man sei den anderen Teams im Abstiegskampf die gleiche Einstellung schuldig wie sie beispielsweise Heidenheim letzte Saison gezeigt und uns damit gerettet hat – und dann erspielt man sich in einem Spiel gegen ein Team welches bisher sage und schreiben einen(!) Auswärtssieg errungen hat mal grade so ne halbe bis eine Torchance in 88 Minuten?

Nee, ich mecker echt selten gegen den eigenen Verein, auch in der letzten Saison wird man hier im Blog kaum bis keinen Text finden der in die Richtung geht… aber dieses Spiel am Freitag hat mich persönlich getroffen und verletzt.
Und Sebastian Maier wünsche ich alles Gute bei Hannover 96 oder zu welchem Weltverein auch immer er hingeht, man kann nur hoffen das er dies schneller tut als bei jener Auswechslung am Freitag.

Genug gemotzt, jetzt in den zwei Spielen sich noch irgendwie vernünftig verabschieden, insbesondere bitte mit einem Heimsieg am 34.Spieltag, Danke.

Links:
Bilder Stefan Groenveld: “All colours are beautiful”
Bericht und Bilder Beebleblox: “Die Luft ist raus”

U23:
Die Elf von Coach Ehlert machte sich zu einem ziemlich ungewöhnlichen Anstoßtermin (Samstag, 18.00h) auf nach Meppen, wo es eine saftige 0:5-Klatsche gab.
Umso wichtiger die beiden Siege in den Derbies zuvor gegen den Nachbarn und in Norderstedt, trotzdem ist das jetzt alles noch furchtbar eng da unten.
Die Plätze 9 (38 Pkt) bis 16 (34) spielen noch einen Absteiger aus, durch ein paar Nachholspiele ist das Tabellenbild auch noch leicht unrund.
Hinzu kam gestern dann auch noch die Absage des Spiel von Hannovers U23 in Hildesheim, nachdem in der Nacht zuvor ein Spieler der Hannoveraner bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Dies ordnet Empörungen wie meine oben geschilderte dann auch wieder etwas ein, es gibt natürlich immer noch wichtigere Dinge im Leben als die Tabelle.

Für unsere U23 gilt es natürlich trotzdem, in den letzten drei Spielen gegen Braunschweig (H, So., 8.5., 14.00h, Hoheluft), Hannover 96 (A) und TSV Havelse (H) den Vorsprung zumindest auf Goslar zu verteidigen, um auch nächste Saison in der Regionalliga spielen zu können.
Vor kurzem aufgetretene Gerüchte seitens des Abendblatts, der Etat der U23 würde gekürzt oder die Mannschaft gar abgemeldet werden, verwies der Verein in Person von Präsidium und sportlicher Leitung im persönlichen Gespräch übrigens ins Reich der Märchen, beides ist nicht der Fall.

U19:
Nach einem überragenden Saisonstart hatte die U19 zwischendurch etwas geschwächelt und eine mögliche bessere Platzierung daher verspielt.
Unterm Strich ist aber der Klassenerhalt eh jede Saison das Hauptziel und dieses wurde absolut souverän erreicht und wenn am Ende irgendwas um Platz 8 in der Nordstaffel dabei herausspringt, ist dies absolut im Soll.
Außerdem wurde in der vergangenen Woche im Derby das Pokalviertelfinale beim Nachbarn gewonnen, so dass der Weg in den DFB-Pokal vermeintlich frei ist. Tatsächlich geht es erst mal am 10.Mai zum Sieger der Partie Sperber – Buchholz, im anderen Halbfinale treffen der Harburger TB und Nienstedten aufeinander.

Am letzten Spieltag geht es zum Tabellendritten, der Hertha, am Tabellenplatz 8 wird dies aber Ergebnisunabhängig nichts mehr ändern.

Daher, abschließend: Gute Besserung, Joachim Philipkowski, komm schnell wieder auf die Beine!

1.Frauen:

Ein unterm Strich verdientes 2:1 beim Tabellenzweiten aus Wellingsbüttel sicherte gestern unter dem Jubel der zahlreich Mitgereisten Fans den Titel in Hamburgs höchster Liga.
Und bei einem etwas souveräner leitenden Schiedsrichtergespann wäre es vielleicht auch noch deutlicher geworden, denn das 3:0 pfiff man erst nach zahlreichen Diskussionen zurück, weil beim Zeitpunkt der Torerzielung ein Ball irgendwo auf dem Spielfeld war – ohne jemanden irritiert zu haben, ohne das die Schiedsrichterin das Spiel vorher unterbrochen hatte.
Klarer Fehler oder sogar Regelverstoß in meinen Augen, aber ich bin ja auch kein Verbandsliga-Schiri.

War am Ende aber ja auch egal, der Rest war Freude und viele sehenswerte Fotos dazu gibt es bei Stefan Groenveld und beim Torknipser.

Am kommenden Donnerstag geht es nun um 15.00h an der Hagenbeckstraße gegen den Regionalligisten (und Favoriten) Bergedorf 85 ins Pokalfinale, der Sieger darf am DFB-Pokal teilnehmen. Alle hin da!

Ende Mai / Anfang Juni geht es dann in einer Dreierrunde noch gegen die Vertreter aus Bremen und Schleswig-Holstein um den Aufstieg in die Regionalliga, die Saison ist also noch lange nicht vorbei.

Handball:
Die 1.Herren verlor zwar das letzte Saisonspiel mit 30:33 gegen die SG Hamburg-Nord, hat mit Platz 4 aber trotzdem die beste Platzierung der (mindestens jüngeren) Vereinsgeschichte geholt.
Danke, Jungs, auf ein Neues in der nächsten Saison. Und dann bitte auch mal den Pokal holen…

Die 1.Frauen machte es in der Oberliga “etwas” spannender, um nicht zu sagen dramatisch: Denn am letzten Spieltag brauchte es gegen den Sechsten, SC Alstertal-Langenhorn schon einen Heimsieg.
Dieser gelang dann mit 32:25 auch überraschend deutlich, so dass alle Rechenspiele um das Parallelspiel zwischen der SG Altona und der HG Owschlag/Kropp/Tetenhusen II (ich liebe Handball-Spielgemeinschafts-Namen) kreisten.
Hätte Altona gewonnen, wären alle drei Teams punktgleich gewesen und im Handball entscheidet dann der direkte Vergleich. Bei diesem hätten bei einem Sieg von Altona ebenfalls für alle Teams 4:4 Punkte gestanden.
Und wenn Altona dann mit elf Toren gewonnen hätte… haben sie aber nicht, sondern es ging 19:19 aus, so dass es auch für die Handball-Frauen in der Oberliga HH/SH nächste Saison weiterhin heisst:

“Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein,
Wir fahren jedes Jahr – nach Schleswig Holstein!

Und dann war da noch:
– Die Vertragsverlängerung mit Ewald Lienen bis 2018
– ProFans, die ich eigentlich super finde, die mich aber mit einer Pressemitteilung etwas verärgert haben:

Das bundesweite Bündnis ProFans ruft die aktiven Fußballfans des Landes dazu auf, gegen die nun beschlossene Einführung von Montagsspielen zu protestieren.

Ist sicher nicht so gemeint, klingt aber eben danach, als seien die plötzlich vom Himmel gefallen. Ähnlich wie es die aktuellen Proteste in Bremen, Stuttgart oder Dortmund erscheinen lassen.
Dabei wird nur leider vernachlässigt, dass nahezu sämtlichen Erstligakurven in den letzten 23 Jahren(!!!) die Montagsspiele in Liga 2 ziemlich scheißegal waren.

In diesem Sinne: Schönes Spiel, heute Abend.

"Montags gehört Vati mir!" - Übersteiger Cover Nr.29, Oktober 1997

“Montags gehört Vati mir!” – Übersteiger Cover Nr.29, Oktober 1997

// Frodo

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Infoveranstaltung: 4.Mai, Fanräume – Naziaufmarsch in Dortmund am 4.Juni

Mobi-Veranstaltung am 4.5.2016, 19 Uhr, St.-Pauli-Fanräume

Schon im letzten September konnte ein groß angekündigter Neonazisaufmarsch in Hamburg durch breiten antifaschistischen Protest und ein daraus resultierendes Verbot verhindert werden. Jetzt gilt es, diesen Protest auch nach Dortmund zu tragen, denn immer wieder wollen Neonazis in Dortmund aufmarschieren. Der „Nationale Widerstand Dortmund“ bzw. die gleichen Protagonisten unter dem Partei-Mantel „Die Rechte“ haben in der Vergangenheit bereits mehrere bundesweite Neonaziaufmärsche angemeldet.

Es ist ein unerträglicher Zustand, wenn es Neonazis immer wieder möglich ist, ihre menschenverachtende Ideologie ungestört zu artikulieren; wenn sie dort, wo sich Menschen begegnen, ihre ausgrenzende Volksgemeinschaft propagieren können. Wir werden das nicht weiter zulassen. Wir rufen dazu auf, diese Naziaufmärsche zu blockieren.

Bereits in der Vergangenheit hat es Versuche gegeben, die Demonstrationen der Neonazis zu stören oder zu verhindern. Seit diesem Jahr soll es mit neuer Kraft in einem großen, spektrenübergreifenden Bündnis gelingen, die Demonstrationen der Neonazis durch Sitzblockaden zu verhindern. Die einzelnen Teile des Bündnisses haben ganz unterschiedliche gesellschaftspolitische Hintergründe, doch alle am Bündnis Beteiligten eint ein Ziel:
Wir wollen Naziaufmärsche effektiv blockieren!

Aus Hamburg wird es eine gemeinsame Anreise geben. Auf einer Info-Veranstaltung am 4.5.2016 um 19 Uhr in den St. Pauli Fanräumen klären wir über die geplanten Naziaktivitäten am 4.6.2016 in Dortmund auf, stellen die Gegenproteste vor und sprechen über die gemeinsame Anreise.
Wir freuen uns, wenn viele St.Paulianer sich dem Protest anschließen! //

Gastartikel von Hamburger Bündnis gegen Rechts, www.keine-stimme-den-nazis.org

Ein Teil dieser Mobilisierung ist auch der Lauf gegen Rechts, den die FCSP-Marathonabteilung dieses Jahr am 29.5.2016 an der Außenalster veranstaltet. Sämtliche Startgelder gehen abzüglich geringer Unkosten als Spende an das Hamburger Bündnis gegen Rechts, unter anderem als Beitrag zur Mobilisierung gegen den „Tag der deutschen Zukunft“ der Neonazis in Dortmund am 4.6.2016.
Infos und Anmeldung: www.fcstpauli-marathon.de/gegenrechts

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Was macht eigentlich… Dieter Schiller

Auf der Seite Hamburg ist Braun-Weiß begann diese Serie von Gastautor “Scheissegal St.Pauli”, die wir jetzt hier mit Teil 3 wiederholen und dann auch fortführen werden. Vielen Dank an hhibw.
(Teil 1 mit Marcel Eger findet Ihr hier, Teil 2 mit Dirk Zander hier.)

Moin Dieter, dich werden jetzt nicht viele jüngere Leute kennen, du aber bist seit 1974 im Verein. Wie bist du damals zu St. Pauli gekommen? Warum geht man 1974 zum FC St. Pauli? 😉

 Mein damaliger Trainer Jockel Krause, der mich von Polizei Bremen (damalige Regionalliga Nord, zweithöchste Klasse in Deutschland) zu Arminia Hannover (Regionalliga Nord) geholt hat, hat mich nach zwei Jahren Hannover mit zum FC St. Pauli genommen.

Ab Juli 1974 wurde die 2. Bundesliga eingeführt, da war es für mich doch klar, mit nach Hamburg zu gehen und dann noch St.Pauli. Da brauchte ich nicht zu überlegen.

Nach dem Aufstieg 1976/77 verliert sich dein Werdegang etwas. Warum bist du nicht mit in die Bundesliga gegangen?

Ich war bei St.Pauli einer der wenigen Spieler (Rietzke, Box, Rosenfeld, Marsollek und ich), die neben dem Fußball 40 Stunden die Woche gearbeitet haben. Ich bei der Agentur für Arbeit, wie auch Reinhard Rietzke!

Unser damaliger Trainer Diethelm Ferner wollte mich auch mit in die 1. Bundesliga nehmen, jedoch hätte ich meinen Job beim Arbeitsamt aufgeben müssen.

Da ich bereits 27 Jahre alt war, bei meiner Frau das 1.Kind unterwegs war und ich beim Arbeitsamt noch einmal auf die Schulbank gehen wollte, um in den gehobenen Dienst zu kommen, habe ich schweren Herzens die Entscheidung gegen die 1. Bundesliga getroffen.

Im Nachgang eine “goldene” Entscheidung für mich, da ich erstens die Schulbank erfolgreich absolviert habe und dann am 31.10.2013 nach 47 Jahren Arbeitsagentur in Rente gegangen bin. Außerdem ist St.Pauli 1978 sang- und klanglos abgestiegen und dann 1979 sogar der Lizenzentzug und Abstieg in die Oberliga Nord, also habe ich, ohne es natürlich vorher zu wissen, alles richtig gemacht!

Erinnerst du dich noch an den Aufstieg? Wie war das?

 Klar erinnere ich mich an den Aufstieg 1977! Wir haben am Samstag, den 07.05.1977 in Herford mit 1:0 gewonnen, Torschütze Nils Tune Hansen, Vorlage Dieter Schiller, ich wurde in diesem Spiel bereits in der 9. Minute für den verletzten Gino Ferrin eingewechselt.
Am Sonntag, den 08.05.1977, verlor Arminia Bielefeld bei Bonner SC mit 2:1, so dass wir in die 1. Bundesliga aufgestiegen waren, wie kann ich so etwas vergessen!?

Zwei Stunden später hat sich die gesamte Mannschaft in der Diskothek Nänü in Eimsbüttel, die es heute nicht mehr gibt, getroffen und den Aufstieg bis zum nächsten Morgen durchgefeiert, was wir alle drei Tage wiederholt haben.

Es war einfach nur toll, hat Riesenspaß gemacht, in dieser Mannschaft zu spielen und mitgeholfen zu haben, in die 1. Bundesliga aufgestiegen zu sein.
Ein Ereignis, dass man natürlich sein Leben lang nicht vergisst.

Mit einem Großteil dieser damaligen Mannschaft (Rynio, Rietzke, Ferrin, Oswald, Kulka, Tune-Hansen, Demuth, Höfert, Rosenfeld, Gerber, Neumann, Marsollek, Box, und Skov treffen wir uns immer noch seit nunmehr fast 40 Jahren, immer kurz vor Weihnachten (Organisator Dieter Schiller), etwas was es meines Erachtens nicht so häufig gibt im deutschen Fußball, oder?
Mannebach, Frosch und Mutapcia gehörten auch dazu, sind aber leider bereits verstorben.

Was hast du danach gemacht?

Ab Juli 1977 bis 1985 war ich Spieler, Spielertrainer u. Trainer bei Victoria Hamburg, später Trainer beim SV Blankenese, Meiendorf, Glashütte, HEBC, alles immer in der höchsten Amateurklasse in Hamburg.

As time goes by - Dieter Schiller

As time goes by – Dieter Schiller

Wie siehst du St. Pauli heute? Es hat sich ja viel verändert seit damals.

St.Pauli ist heute meines Erachtens gut aufgestellt, schreibt schwarze Zahlen, hat ein sehr gutes Nachwuchsleistungszentrum, dort war ich von 07/2010 bis 06/2015 Co-Trainer unter Hansi Bargfrede, in der U17 Bundesliga des FC St. Pauli. Heute bin ich dort weiterhin als Teamassistent in der U17 tätig.

Ich meine das auch politisch. Wie hast den Wandel erlebt? Also auch mal anders gefragt: wie links war St. Pauli 1974?

Ganz ehrlich, um politisch links oder rechts haben wir uns damals gar nicht gekümmert, es ging uns eigentlich nur um Fußball!

Aber du hast doch diesen Wandel in den 80ern bewusst mitbekommen. Wie war das für dich als “Aufstiegsheld” der 70er?

 Der FC St. Pauli, in den 80ern, laut, unangepasst, Hafenszene, Fanszene, der Fan-Mythos – das habe ich natürlich mitbekommen, fand und finde es bis heute gut, wenn es ohne Gewalt stattfindet!

Wie war das damals im alten Vereinsheim? Ende der 80er, als ich jung war, war das sehr wild und lustig. Wie war das zu deiner aktiven Zeit?

 Ja, auch in meiner Zeit, von 1974 bis 1977 ging es im Clubheim eigentlich nach Spielen immer hoch her, nach dem offiziellen Essen nach dem Spiel im Besprechungsraum hielten wir Spieler uns in der Regel noch einige Stunden an der Theke oder in der Küche des Clubhauses auf und verzehrten das ein und andere Bier, auch zusammen mit den Fans, heute unvorstellbar!

Eine schöne Zeit, die ich nicht missen möchte und, wie bereits gesagt, heute auch leider nicht mehr möglich, auch weil mittlerweile viel zu viel Geld im Spiel ist. Leider geht es doch heute um nichts anderes mehr im Profi-Fußball, sehr, sehr schade ist diese Entwicklung, die auch wohl leider nicht aufzuhalten ist.

Warum bist gerade Du Trainer der Altligamannschaft? 😉

 Zum Kreis Traditionsmannschaft des FC St Pauli gehöre ich als Gründungsmitglied seit 1990 und durch meine jahrelange Trainertätigkeit hat mich Werner Pokropp (Anm.d.Red; einer der Führungsmitglieder der Altliga, leider bereits verstorben), nachdem mein Vorgänger Edu Preuß aus Altersgründen dieses Amt niedergelegt hat, vor ca. 10 Jahren gefragt, ob ich dazu Lust hätte; hatte ich, so bin ich das sehr gerne bis heute.

Du warst 5 Jahre Co-Trainer unter Hansi Bargfrede, in der aktuellen Bundesliga U17 Mannschaft bist du jetzt als Teamassistent weiterhin unter dem Cheftrainer Timo Schultz tätig. Ich frage mich schon lange, wann endlich Spieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum des FC St. Pauli, tatsächlich und leibhaftig, im eigenen Profi-Bereich ankommen, also auch spielen?

Der ganze Aufwand der dort betrieben wird, auch die hohen Kosten im NLZ lohnen sich auf Dauer doch nur, wenn auch eigene Nachwuchsspieler oben ankommen, sonst können wir das Geld gleich in die “Tonne” treten.

Die entscheidende Frage ist natürlich: haben die jungen Nachwuchsspieler auch die Qualität in der 2. Bundesliga zu spielen?
Meine persönliche Meinung ist ganz klar: ja.

Wenn aber die zuständigen Herren im Profi – Bereich das nicht so sehen und so schaut es ja schon seit Jahren aus, kann das NLZ machen was es will, dann reicht es eben leider nicht und das ist sehr, sehr schade.

Thomas Meggle hat in seiner Zeit als Chef-Trainer ja Gott sei Dank damit begonnen, talentierte eigene Jungens in den Profi -Bereich zu integrieren, jetzt stagniert es schon wieder, verstehe es wer will, ich nicht!?

Wo hakt es dann da zwischen Jugend- und Profibereich? Wer ist denn dafür zuständig? Also wer bestimmt eigentlich, wer in die U23 darf und wer nicht?
Und mal deine Meinung: In England werden die jungen Spieler ins Haifischbecken Premier League geworfen und das klappt ganz gut. Warum geht das in Deutschland nicht?

 Ja, wo hakt es, ich glaube ausschließlich an dem jeweiligen Profi –Trainer und am Gesamtpaket, wenn man für sich entscheidet:. Die Jungs aus dem NLZ, zurzeit sind das Dennis Rosin, Andrej Startsev, Okan Kurt, Maurice Litka, Nico Empen und Svend Brodersen, sind qualitativ derzeit nicht gut genug um in der 2. Bundesliga zu bestehen. Außerdem fehlt den jeweiligen Trainern (bisherige Ausnahme Thomas Meggle), meines Erachtens, der Mut und die entsprechende Ausdauer, diese Jungs an den Profi – Fußball heranzuführen, wie beispielsweise in England oder auch in anderen Bundesligamannschaften!

Bereits 1977 wurden mit Jens-Peter Box, Buttje Rosenfeld u. Dietmar Demuth eigene Nachwuchsspieler in die St.Pauli – Profi – Mannschaft integriert, von 1988 ganz zu schweigen, da waren fast nur Nachwuchsspieler aus Hamburg u. Umgebung (Ippig, Thomforde, Bargfrede, Golke, Zander, Studer, Gronau, Philipkowski, Kock, Duve, Großkopf und Ulbricht) in die damalige Aufstiegsmannschaft von 1988 in die 1. Bundesliga integriert, das muss meines Erachtens auch heute noch möglich sein!?

Warum machst du dann immer noch weiter? Was bedeutet St.Pauli in deinem Herzen für dich?

 St.Pauli ist für mich immer noch eine Herzensangelegenheit, ich organisiere seit fast 40 Jahren das Treffen der “Aufstiegshelden” von 1977, ich bin seit1990 Gründungsmitglied der Traditionsmannschaft des FC St. Pauli, seit mehr als 10 Jahren dort für den sportlichen Teil zuständig, war 5 Jahre Co – Trainer der Bundesliga von Pauli unter Hansi Bargfrede als Cheftrainer, aktuell bin ich Teamassistent der U17 Bundesliga von St.Pauli, dass alles mache ich aus vollem Herzen, fühle mich dort sehr, sehr wohl, auch wenn ich leider nicht dafür sorgen kann, dass aktuell auch Jugendspieler aus dem Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) von St.Pauli in die 1. Mannschaft integriert werden. Das Zeug dazu haben sie meines Erachtens!

Was noch nicht ist, kann ja noch werden, die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Abschließend: ein paar Worte zu Sam Schreck und seinem Wechsel zu Leverkusen…. Man sagt ja er ist ein “St. Pauli Jahrhunderttalent”.

 Sam Schreck, ein sehr guter Junge, ein sehr guter Fußballer, U17-Nationalspieler, ich hatte ihn 2014/2015 als Co Trainer und habe ihn 2015/2016 als Teammanager der U17.
Ob er ein Jahrhunderttalent von St.Pauli ist, weiß ich nicht, ich bin ja erst seit 1974 hier, also keine “100 Jahre”!

Ich weiß von Sam persönlich, dass St.Pauli alles versucht hat ihn zu halten, aber wenn ein Erstligist wie Bayer Leverkusen ruft, dann hat St.Pauli keine Chance solch einen talentierten Spieler zu halten.

Wenn Sam Schreck ohne Verletzungen bis zum Ablauf der U19 durchkommt und nicht im Herren Bundesliga-Geschäft ankommt, weiß auch nicht, wer es sonst noch schaffen soll.

Danke, Dieter, für das Gespräch // Scheissegal St.Pauli

 

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Was macht eigentlich… Dirk Zander

Auf der Seite Hamburg ist Braun-Weiß begann diese Serie von Gastautor “Scheissegal St.Pauli”, die wir jetzt hier mit Teil 2 wiederholen und dann auch fortführen werden. Vielen Dank an hhibw.
(Teil 1 mit Marcel Eger findet Ihr hier.)

Hallo Dirk, du bist gerade in Florida. Was machst du da und was machst du überhaupt so nach deinem Karriereende?

 Wir wohnen zurzeit in Florida. Unsere drei erwachsenen Kinder Lisa, Philipp und Alexander sind in Deutschland.
Meine Frau Conny, unsere Tochter Antonella und ich genießen das Klima hier.
Vielleicht werde ich in Florida etwas im Trainerbereich machen, aber zurzeit sitze ich am Beach und trinke Bier.

Wie bist du damals zum FC St. Pauli gekommen?

Willi Reimann hat mich damals zu St.Pauli geholt, 1986. Ich habe bei Viktoria Wilhelmsburg in der Verbandsliga gespielt.
Ich bin in Wilhelmsburg aufgewachsen und habe schon immer für Viktoria gespielt, bin also waschechter Wilhelmsburger.

Den Rekord für die schnellsten zwei Tore in der Bundesligageschichte hast du ja immer noch. Aber nicht mehr für das Schnellste. Was hast du damals gedacht, als deine zwölf Sekunden unterboten wurden?

Der Rekord mit den beiden schnellsten Toren wird wohl noch länger Bestand haben.
Alleine schon deswegen weil die Mannschaften erst mal nach der Führung Ballkontrolle über alles stellen. Wir haben früher mit mehr Herz und weniger taktischen Zwängen gespielt.

Das schnellste Tor kann ich mir leider nicht wiederholen, ich würde es nicht in 12 Sekunden von der Mittellinie in den Strafraum schaffen….

Erinnere dich an dein Tor gegen Ulm. Was hast du da gefühlt und was fühlst du heute, wenn du daran denkst?

In Ulm wollte ich gewinnen um in die Bundesliga aufzusteigen – dass ich so ein Tor schieße und dann noch das Entscheidende zum Aufstieg ist natürlich im Rückblick gesehen eine Sache auf die man immer wieder angesprochen wird.

Und damals gab es ja schon Farbfernsehen!

Danach habe ich mich riesig über den Aufstieg gefreut und die Wochen danach dann auf die neue Aufgabe: Bundesliga.

As time goes by - Dirk Zander

As time goes by – Dirk Zander

Ich kenne einige Leute, die dir deinen Wechsel nach Dresden bis heute übelnehmen. Was war der Grund zu Dynamo zu gehen?

Ganz wichtig: ich ging zu Dresden, weil mich die beiden Experten Wohlers und Liedtke (Trainer und Manager) nicht mehr haben wollten und mir nicht mal ein Vertragsangebot gemacht haben. Ich wollte nie weg – ich habe mich dann aber gefreut das ich weiterhin 1. Liga spielen konnte.

Ich war damals halt sehr ehrgeizig und wollte immer das Bestmögliche erreichen.

Was hat den Charme bei uns damals ausgemacht und was hat sich verändert? Wie siehst du St.Pauli heute?

Damals war es ehrlicher Fußball von Spielern und Funktionären, weil wir alles Hamburger waren.
Die sprichwörtliche „eine große Familie“, damit meine ich natürlich auch die Fans, stimmte wirklich und wurde nicht nur kommerziell ausgeschlachtet.

Heute ist St.Pauli ein Verein wie jeder andere auch – was ich nicht schlimm finde. Natürlich sind die Fans etwas Besonderes, aber auch da laufen leider mittlerweile ein paar Idioten rum.

Also Idioten gab es bei St. Pauli immer. Ich erinnere da nur an den tollen Fanclub United mit der Reichskriegsflagge. Aber worauf ich hinaus will: hat diese linke Szene damals in den 80ern auch dein politisches Denken beeinflusst?
Und wen meinst du mit den “Idioten mittlerweile”?

Ich meine keine Fans speziell. Ich mag keinen Krawall, Schlägereien usw. und ich mag keine Modefans, die erzählen: „Ich gehe schon seit 30 Jahren zu Pauli!“.
Das erzählen alle – aber 1986, als ich anfing, waren immer nur 9.000 Leute da.
Oder, um genau zu sein: 9.987 – ab 10.000 hätten wir 200,- DM mehr Siegprämie gekriegt. Aber handgezählt waren es immer nur 9.987, das hat der Schatzmeister clever gezählt.

Und nein, ich habe mich in meinem politischen Denken nicht beeinflussen lassen – allerdings lasse ich mich auch auf allen anderen Gebieten nicht beeinflussen.
Für mich ist und war wichtig das ich morgens nach dem Aufstehen in den Spiegel gucken kann – und das liegt nicht an meiner tollen Frisur…

Was ist dein wildestes, intensivstes, schönstes Erlebnis im alten Klubheim?

Ich habe kein besonderes Erlebnis im Klubheim. Wir haben uns den Weg zur Küche freigekämpft und Bier getrunken bis wir keinen Durst mehr hatten – die Küche war der schönste Platz im Clubheim…

Es gab wohl etwas Dissonanzen mit dir und dem Verein in der Zeit als Jugendtrainer. Magst du da was erzählen und hat deine Liebe darunter gelitten?

Ich habe 11 Jahre als Jugendtrainer bzw. dann als Jugend-Koordinator im Verein gearbeitet.
Irgendwann wollte man mich loswerden….
Da wurde dann wissentlich vorm Arbeitsgericht gelogen. Kündigungsgrund war, dass ich nicht den Fußballlehrer in Köln machen wollte. Das ging gar nicht , da ich der einzige Angestellte in der Jugend war, natürlich kann ich nicht die ganze Woche in Köln sein, ohne Vertretung.
Wenn man dann mitbekommt wie der Verein wissentlich lügt um jemanden loszuwerden und sich damit rühmt der etwas andere Verein zu sein – das passt nicht.

Das ist für mich aber nur eine Momentaufnahme des damaligen Präsidiums und Aufsichtsrates, ich glaube Schulz und Pröpper waren damals dabei.
Witzfigur Pröpper war damals beim Arbeitsgericht und hat gelogen – wenn ich jetzt noch erzähle das er die Gardinen im Plaza Hotel geklaut hat vorm Heimspiel – aber das hat nichts mit meinem Verein St. Pauli zu tun.

Das waren keine St.Paulianer von unserer Zeit damals, allerdings stören mich die Leute, die sich ständig selbst auf die Schulter klopfen.
Solch ein Umgang mit Ex-Spielern, und ich bin da kein Einzelfall wie man weiß, hätte es z.B. bei Bayern nicht gegeben.

Du warst dann mit 30 Sportinvalide, weil deine Knie im Arsch waren. Mit 30 ist das recht früh. Was war der Grund? Wie kam das?

Ich hatte 1990 meinen ersten Kreuzbandriss, linkes Knie. Im Volksparkstadion gegen den HSV, ich glaube so in der 65 Minute. Ich habe dann allerdings weitergespielt, war ja Derby.
Ich hätte vielleicht rausgehen sollen aber es stand Unentschieden und ging glaube ich auch so aus.
Dann 1992 den zweiten, diesmal rechts, mit Dresden in Saarbrücken.
1994 den dritten, wieder links mit St.Pauli in Mainz.

Ich habe danach versucht ohne OP mit kaputtem Kreuzband die Saison weiter zu spielen, wir hatten 6 Punkte Vorsprung (damals noch zwei Punkte bei Sieg).
Das ging trotz guter Muskulatur nur noch ein weiteres Spiel, ich habe mir immer wieder das Knie verdreht und wir sind dann nicht aufgestiegen, letztes Spiel ging in Wolfsburg verloren.

Ich habe mir dann ein drittes Mal das Kreuzband neu machen lassen, dann habe ich den Entschluss gefasst, dass ich aufhöre.

Ich habe Kinder und mit denen wollte ich noch im Garten Fußball spielen können.

Du hast danach noch bei Maschen gespielt und spielst auch ab und an in der Traditionsmannschaft. Als Laie gefragt: Inwiefern ging das noch mit dem Fußball als Sportinvalider?

Ich war berufsunfähig als Fußballprofi. Natürlich konnte ich noch auf unterem Level spielen, aber halt nicht mehr Leistungssport bzw. Bundesliga.

Aber halt noch ein wenig just for fun und etwas mit der Familie und den Kindern.

Unvergessen: Die Zanderstruck Gesänge. Ich hatte da immer Tränen in den Augen. Wie hast du das empfunden?

Thunderstruck war und ist geil – da würde ich am liebsten nochmal auflaufen.
Vielen Dank nochmal an alle Fans die damals mitgesungen haben…

Danke Dir, Dirk, alles Gute! // Scheissegal St.Pauli

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Abschied vom Boleyn Ground – Frühjahrstour in London

Die Haupttribüne des Boleyn Ground

West Ham United – Tottenham Hotspur 1:0, 02.März 2016

In diesem Jahr gilt es mal wieder Abschied von einem traditionsreichen Stadion zu nehmen. Diesmal ist der alt ehrwürdige Boleyn Ground, so der eigentliche, richtige Name des Stadions von West Ham United dran. Manche nennen ihn aber auch Upton Park. Einfach abgerissen wird das inmitten eines Wohnviertels im Londoner East End liegende 1904 erbaute Stadion. Ein Jammer! Entstehen werden dort bis zum Jahre 2018 ein neues Wohngebiet mit rund 800 Wohnungen, Geschäften und Freizeiteinrichtungen. Angeblich sollen von den 800 Wohnungen sogar fünfundzwanzig Prozent „bezahlbar“ werden. Auch gibt es Initiativen im Stadtteil, die für eine Bereitstellung von sozialen Einrichtungen und Projekten kämpfen.

West Ham United, seit rund sechs Jahren im Mehrheitsbesitz der beiden schwerreichen Eigentümer David Sullivan und David Gold (der Waliser Sullivan kam vor allen Dingen in der Pornobranche zu seinem Reichtum und ist seit jeher West Ham Fan), möchte expandieren. Anders kann man das nicht nennen. Sie bewarben sich erfolgreich um die Nachnutzung des neu erbauten Olympiastadions in im Stadtteil Stratford gelegenen Queen Elisabeth Olympiapark, welches zur neuen Saison 2016/17 nach umfangreichen Umbaumaßnahmen als Heimstätte der Hammers eröffnet wird. Rund 60.000 Zuschauer wird die neue Heimstätte dann fassen und damit jede Menge neue und mehr Besucher als bisher im lediglich knapp 36.000 Personen fassenden Boleyn Ground anziehen. Ob und wie West Ham United als ein Stadtteilverein das ganze verkraftet und welche Auswirkungen die Größe der Schüssel auf die schon oft eher maue Stimmung im alten Ground hat, kann man sich ja ausmalen. Ich bin auf jeden Fall gespannt. Was garantiert fehlt, ist die traditionelle Umgebung des, sagen wir mal, nicht ganz so hübschen aber charakteristischen Londoner East End. Jeder an England interessierte Fußballfan kennt den Namen Green Street mit seinen Pubs und Flächen aus zahlreichen Publikationen, die über diesen Traditionsverein veröffentlicht wurden. Alles ist dort wie früher: Halb verfallene Reihenhäuser direkt gegenüber dem Stadion. Der samstägliche, pakistanisch / indische Markt auf der Freifläche des hässlichen sechziger Jahre Gebäudeensembles. Das Queens, der an für Raufereien strategisch günstiger Stelle gelegene Pub. Immer wieder erwähnt in allen einschlägigen Hooligan Büchern und wo man bis vor kurzem auch mal ein Bierchen mit Hooligan Legende Cass Pennant trinken konnte. Hinter dem Stadion auf der linken Seite der große Boleyn Pub, in dem auch mal bei guter Laune mit Bier gesudelt wird. Wenn Millwall kam, wurden die Fenster mit Brettern gesichert. Am Ende der Straße auf der Insel des Kreisverkehrs die Statue, die Bobby Moore in Jubelpose mit den Mannschaftskollegen Hurst, Peters und Wilson zeigt. Eines DER Fotomotive für Groundhopper am Boleyn Ground aus aller Welt. Die Green Street selbst, die durch die zahlreichen Besucher vor und nach dem Spiel heillos verstopft ist und auf dem schmalen Gehweg von den vielen typischen Fanartikelständen gesäumt wird.

Im Gegensatz dazu führt demnächst der Weg von der Stratford Bahnstation durch eine leblose Betonwüste zum Stadion. Das Boleyn versucht zu retten, was zu retten ist und bietet seinen Stammgästen für rund 170 Pfund eine Jahreskarte für einen Busshuttle zwischen dem Pub und dem ca. 4 Kilometer entfernt gelegenen Stadion.

Ich esse ein letztes Mal direkt an der erst besten „working class“ Fischbude traditionelle Fish and Chips und warte im Dunkeln auf die Ankunft der Tottenham Fans, die an dieser Kreuzung zum Gästeblock geleitet werden. Bei Derbys auch aufgrund der Enge dort immer ein mehr oder weniger großes Spektakel, denn die beiden Fangruppen mögen sich natürlich nicht. Heute bleibt das Spektakel eher unspektakulär, es sorgen vielleicht Einhundert Personen für etwas Unruhe und Schiebereien. Da ich keine Gästekarte bekommen konnte, mache ich mich mit den Hammers auf den Weg zum Bobby Moore Stand und lasse in Mitten der Heimfans all die Schmähungen und Songs gegen die Spurs kommentarlos über mich ergehen. Was mir bei den Hammers aber nicht allzu schwer fällt, war es doch bisher ein ziemlich cooler Verein. Die Stimmung war für den „Verein der drei Lieder“, wie ihn Cass Pennant in seinem Buch mal benannte, ziemlich gut. Das intensive Spiel und die frühe Führung gab das her. West Ham hat mit enormer Willenskraft und intensiven Tacklings dem normalerweise spielerisch überlegenden Team aus Tottenham komplett den Schneid abgekauft. Somit ließ Tottenham drei wichtige Punkte liegen, denn sie hätten an diesem Spieltag mit dem Tabellenführer Leicester gleichziehen können. So blieb mir nichts anderes übrig, als die aufsteigenden Seifenblasen zum Club- Evergreen „I`m forever blowing bubbles“ zu genießen.

(Hier eine Version aus Wembley, Anm. d. Layouters)

Als ich als einer der Letzten die Tribüne verlasse spricht ein einzelner Hammers Fan verklärt mit schweifendem Blick in das Rund: „What a great evening!“ Dem war bis auf das Ergebnis (aus meiner Sicht) nichts hinzuzufügen. Zwei Pints Lager mit zwei Hammers aus Oberschwaben im Boleyn nebenan rundeten den emotionalen Abend ab. Insgesamt ein recht würdiger Rahmen für einen persönlichen Abschied.

Tottenham Hotspur- Arsenal FC 2:2, 05.03.2016

Weil es der Spielplan diesmal sehr gut mit mir meinte, konnten ich auch noch das Nord London Derby drei Tage später „mitnehmen“. Die Ausgangsposition im Rennen um die Verfolgung des Spitzenreiters Leicester hätte für das Spiel des Jahres der Lillywhites nicht besser sein können: Zweiter und Dritter Tabellenplatz, die Gunners drei Punkte hinter den Spurs. Dementsprechend groß war die Euphorie vor dem Spiel. Schließlich könnte Tottenham – als in den letzten Jahrzehnten gemessen an ihren Ansprüchen eher erfolgloser Club – nach 55 Jahren erstmals wieder die englische Meisterschaft gewinnen. Als Nebeneffekt  hätte dann endlich mal die immer wieder von den Arsenal Fans in der Kurve vorgetragene Frage „Have you ever won the Premier League?“ sein Ende gefunden.

Wie immer warteten vor der White Hart Lane (von der man sich übrigens nächstes Jahr um diese Zeit ebenfalls verabschieden muss) eine Menge Fans der Heimmannschaft, um die auf der High Road ankommenden Rot-Weißen standesgemäß mindestens zu bepöbeln oder handfeste Meinungen auszusprechen. Die berittene Polizei hatte tatsächlich etwas mehr zu tun und sperrte nach dem Spiel sogar die Straße in Richtung Gästeblock. Wer sich dort ein wenig auskennt, weiß aber, dass die High Road bis zur U-Bahn Station ganz schön lang ist.

Das schnelle Kurzpassspiel beider Mannschaften verläuft rasant mit klaren Vorteilen der Spurs, aber Arsenal macht das erste Tor. Erst nach der Halbzeit gelingt es dem Team um den argentinischen Trainer Pochettino das Spiel zu drehen und innerhalb von zwei Minuten zwei Treffer durch Alderweireld und Harry Kane zu erzielen. Die White Hart Lane platzte förmlich. Leider gelang es den Gunners trotz Unterzahl durch einen sehenswerten Konter noch den Ausgleich zu erzielen. Die Spurs wurden wieder auf den Boden der Tatsachen geholt: 2:2 Unentschieden, der Abstand auf die Überraschung des Jahres aus Leicester wuchs auf fünf Punkte an.

Heidenheim – FC St. Pauli 2:0 06.03.2016

Nicht das hier jetzt einer glaubt, wir seien von London direkt zum Auswärtsspiel unseres magischen FC`s geflogen. In London gibt es dafür eine gute Alternative: Den Pub „Zeitgeist“ in der Black Prince Road, in der Nähe des Bahnhofs Vauxhall südlich der Themse. Das Zeitgeist ist der Treffpunkt der Londoner St. Pauli Fans. Ein großer Laden, zwar mit deutschem Bier und Essen, aber mit Sky Deutschland im Angebot. Eine Ecke gehört bei Spielen unserer Braun-Weißen den St. Paulianern, andere können sich, wie der einsame Bielefelder an jenem Tag, in der anderen Hälfte des Pubs die Zweite Liga Konferenz oder wahlweise guten englischen Fußball anschauen. Wir wurden gut aufgenommen  (Danke dafür!) und können den Laden als Treffpunkt zum „St.Pauli gucken in London“ nur empfehlen. Ich hätte zwar in Heidenheim in diesem Jahr endlich die Zweite Liga „vollmachen“ können, aber London war diesmal die eindeutig bessere Alternative. Wer mit den Londonern mal Kontakt aufnehmen möchte kann das am besten über Twitter. Übrigens bringen alle Besucher, soweit sie Anhänger von St. Pauli sind, zu jedem Spiel eine kleine Essensspende mit, die dann von der Küche des Pubs für Homeless people gekocht werden. Eine gute Idee!

 Bahnradweltmeisterschaft 2016 vom 02.03. bis 06.03.2016

Die war auch noch und der eigentliche Ursprung dieser Reise. Einmal jenseits vom 6-Tage-Rennen hochklassigen Bahnradsport und Sir Bradley Wiggins (mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und Gewinner der Tour de France 2012) live auf der Bahn sehen, war das Ziel. Es waren insgesamt spannende und kurzweilige Sessions während dieser ich sogar zu einem Patrioten wurde und den deutschen Fahrer und Fahrerinnen in Mitten der britischen Fangemeinde ungeniert zujubelte: Kristina Vogel (1 x Gold im Keirin, 1x Bronze im Teamsprint), Roger Kluge (holte als erster Deutscher überhaupt eine Medaille im Omnium, nämlich Silber) und Domenic Weinstein (Silber in der Einzelverfolgung) seien hier stellvertretend genannt. Eines der Highlights waren die Vierer-Mannschaftsverfolgung der Männer, als die Platzhirsche aus Großbritannien (mit Bradley Wiggins) und Australien im Finale gegeneinander antraten sowie das abschließende Punkte Fahren des Omnium Wettbewerbs, bei denen namhafte Fahrer wie Viviani, Gaviria, Cavendish & Co gegeneinander antraten. Die Goldmedaille des Bahn- Vierers war hart umkämpft. Mal führten die Australier, mal die Briten ein paar Zehntelsekunden. Gold holten schlussendlich ganz knapp die Jungs aus Down Under, weil der Dritte Fahrer der Briten (von ihm wird die Zeit genommen) dem Tempo von Wiggins in der Schlussrunde nicht ganz folgen konnte. Auch sonst gab es besonders bei den Sprintwettbewerben bei Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern Bahn typische Fotofinish Entscheidungen, wenn Millimeter auf der Ziellinie den Unterschied machen.

Die Stimmung beim überwiegenden Fachpublikum aus Großbritannien war großartig, die Wettbewerbe hochklassig.

Der zu Olympia erbaute Velopark fasst 6.400 Zuschauer, kann für viele Veranstaltungen und Trainingseinheiten auch von Hobbyfahrer und –fahrerinnen genutzt bzw. gebucht werden und besitzt natürlich eine erstklassige Holzbahn. Da würde man ja gerne mal mit einem glänzenden und sündhaft teuren Look Bahnrad seine Runden drehen.

// Christoph

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