VdS – Sp14 – Rasenball Leipzig

Ich sprach mit Matthias, Gründer und Autor des RBLObserver Blogs über die junge Fußballgeschichte von RBL, die sportliche Situation unserer beiden Mannschaften sowie über die Möglichkeiten der Mitarbeit und Mitgestaltung als Mitglied bei RB Leipzig. Geht nicht? Geht doch! Sagt Matthias. // Sebastian

 

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Blindenfußball-WM 2014 in Japan

Wer diesen Blog schon etwas länger verfolgt, weiß, dass ich mein Herz irgendwann an den Blindenfußball verloren habe, spätestens mit dem Selbstversuch, den ich einst beim “Keep your mind wide – Open” Turnier unternehmen durfte.

Dies mag natürlich auch daran liegen, dass der FC St.Pauli der einzige Verein aus den beiden Profiligen ist, der auch ein Blindenfußball-Team hat. Oder daran, dass mit Wolf ein Mitstreiter des MillernTon der Trainer unseres Teams ist.

Ich finde es nach wie vor mehr als beachtlich, was die Sportler da machen und würde mich sehr freuen, wenn dieser Sport ab und an etwas mehr Öffentlichkeit erfährt. Eine gute Gelegenheit dafür könnte die aktuell stattfindende WM in Japan sein, bei dem mit Serdal “Serdi” Celebi auch ein Spieler des FC St.Pauli teilnimmt. Damit ist Serdi mit seinen 24 Jahren der dritte erwachsene Fußballer des FC St.Pauli, der an einer WM teilnimmt – vor ihm konnten schon Ivo Knoflicek und Jan Kocian in diese illustre Liste aufgenommen werden.

Serdal Celebi und Coach Ulrich Pfisterer - (c) Carsten Kobow

Serdal Celebi und Coach Ulrich Pfisterer – (c) Carsten Kobow

Serdi nimmt die Gelegenheit wahr und führt bei diesem Turnier ein WM-Tagebuch in Podcastform, welchem Ihr hier folgen könnt. Heute, am Tag des Eröffnungsspiels gegen Südkorea, hat er bereits sechs Folgen aufgenommen.

Deutschland tritt in der Vorrunde der WM in Tokio (Japan) zu folgenden Spielen an:
Montag 17.11.2014 – 11:30h (MEZ) gegen Südkorea
Dienstag 18.11.2014 – 9:30h (MEZ) gegen Europameister Spanien
Donnerstag 20.11.2014 – 11:30 (MEZ) gegen Vizeweltmeister Argentinien.

Die Paarungen lesen sich wie die einer FIFA  Fußball WM, es ist aber die IBSA Fußball WM, also die Blindenfußball Weltmeisterschaft. Vom 16.11. bis zum 24.11.2014 spielen die besten Blindenfußball Nationalmannschaften, in Shibuya Tokio, gegeneinander. Deutschland nimmt zum ersten Mal an dieser WM teil.

Teamfoto Blindenfussball Nationalmannschaft - (c) Wolf Schmidt

Teamfoto Blindenfussball Nationalmannschaft – (c) Wolf Schmidt

Serdal Celebi : “Für mich als Neuling in der Nationalmannschaft ist es  fantastisch, beim Turnier der weltbesten Teams, dabei sein zu dürfen. Ich freue mich wahnsinnig.

Dieter Rittmeyer (Schatzmeister Herrenfußball Amateure FCSP): “Wir vom Herrenfußball sind begeistert, dass bei  Deutschlands erster WM Teilnahme, auch einer unserer Spieler dabei ist. Harte Trainingsarbeit zahlt sich aus. Wir wünschen Serdal viel Erfolg  in Tokio.

Wer mehr über die WM erfahren möchte, und den Video Livestream sucht, besucht die offizielle Website der WM.

Auf Facebook ist die Nationalmannschaft zu finden unter:
Deutsche Blindenfußball-Nationalmannschaft

Das Blindenfußball Team des FC St. Pauli findet Ihr unter
Blindenfussball Hamburg

Ahoi mit Voy! // Frodo

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MT015 – Ausblick auf die JHV 2014

Die Jahreshauptversammlung des FC St.Pauli wirft ihre Schatten voraus, und vor den wegweisenden Wahlen des Präsidiums und des Aufsichtsrats sprachen Sebastian und ich mit Daggi und Karsten, die am Sonntag unter den 16 Kandidaten für einen Posten im Aufsichtsrat sind.

In der ersten Hälfte geht es außerdem um die zurückliegenden Spiele gegen den BVB, in Nürnberg und gegen Heidenheim, außerdem sprechen wir kurz über unseren Ausflug zu Verein in Leipzig und warum wir es gut finden, dass nicht boykottiert wird.

Viel Spaß!

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Eine Lanze für den Aufsichtsrat

Gastartikel von GingerFail

Na endlich… am 16. November 2014 haben wir nun die Qual der Wahl… oder besser gesagt: die Mitglieder des FC St. Pauli haben das Glück, die täglichen Geschicke ihres Vereins noch aktiv basisdemokratisch mitgestalten zu können. Dies können sie über die Wahl von Vertreter*innen in die Führungsgremien unseres magischen FC St. Pauli von 1910 e.V.. Allein mit letzterem Kürzel sind wir mittlerweile – leider – gegenüber vielen anderen Vereinen der Bundesliga in einer privilegierten Position, doch dazu mehr an anderer Stelle.

Das vom noch amtierenden Aufsichtsrat vorgeschlagene designierte Präsidium unter Führung von Oke Göttlich hat sich am 16. November 2014 dem Mitgliedervotum ebenso zu stellen, wie auch und insbesondere sage und schreibe 16 Kandidat*innen aus der Mitgliedschaft, welche direkt für 7 Positionen im neu zu wählenden Aufsichtsrat kandidieren.

Die zur Wahl stehenden Personen werden in Foren und Blogs und Mainstream-Medien ausgiebig, inklusive Geschlechterquoten- und Sympathiefrage, Gruppenzugehörigkeit und Stallgeruch und auch mit Spekulationen um vermeintlichen Machtgewinn- und –ausbau möglicher Strippenzieher*innen im Hintergrund rauf und runter diskutiert, aufgewertet oder abgeurteilt. Die AFM-Abteilungsleitung wird als gewähltes Vertretungsgremium dafür angegangen, ihren Mitgliedern eine Wahlempfehlung zu geben, andere Gremien werden dafür kritisiert, ebendies nicht zu tun. Oke Göttlich und sein Team werden dafür kritisiert, vom Aufsichtsrat für das Amt vorgeschlagen worden zu sein und ihre Pläne nicht zu konkretisieren, bevor sie überhaupt einen tieferen Einblick in die tägliche Arbeit gewinnen konnten, welcher fundiertere Aussagen erlauben würde.

Ein noch amtierendes und zweifellos erfolgreiches, aber scheidendes Präsidium gießt mit fast beleidigt anmutenden Interviews in Mainstream-Medien nochmal unnötig plump Öl ins erloschene Feuer einer längst vergangenen „Schlacht“ und macht einem Nachfolge-Team den Amtsantritt damit unnötig schwer. Dennoch offenbart die schiere Tatsache, dass sich ein scheidendes Präsidium auf diese Art meint äußern zu müssen, und damit ganz offensichtlich auch laut Kommentarspalten ungeahnt viel Zuspruch erntet, eines ganz besonders: dass der größtenteils scheidende Aufsichtsrat mit seiner Entscheidung, das Präsidium um Stefan Orth nicht für eine erneute Amtszeit vorzuschlagen, Teile der Mitgliedschaft unseres Vereins ganz amtlich vor den Kopf gestoßen und seither nicht genügend abgeholt hat.

Orth vs Göttlich?

Schonmal vorab: ich kann die Entscheidung des Aufsichtsrats nachvollziehen. Sie überzeugt mich nicht, da sie irgendwie auch ein „Geschmäckle“ hat, als ob sich da in einer „jetzt oder nie“ Stimmung ein paar scheidende Aufsichtsräte noch ein Denkmal setzen wollten. Andererseits war eben trotz aller wirklich erfolgreichen Arbeit des Präsidiums um Stefan Orth bei weitem nicht alles Gold was glänzt und deshalb finde ich die Konsequenz daraus aus Sicht eines Aufsichtsrats, der deutlich mehr Einblick in die Interna unseres Vereins hat, als ich dies wohl je haben werde, nachvollziehbar. Wir sind für die Ära „nach Orth“ wirtschaftlich, zumindest oberflächlich gesehen, wohl so gut aufgestellt wie selten zuvor, keine Frage. Ein nationaler Fankongress unter Mitwirkung unseres aktuellen Präsidiums erarbeitete wegweisende Leitlinien, welche heute die Grundlage für viele vereinspolitische Entscheidungen der Geschäftsführung bilden. Die Crowdfunding-Plattform KIEZHELDEN ist entstanden und schafft vielen sozialen Projekten im Viertel neue Sichtbarkeit und Mittel. Südkurve, Gegengerade und Haupttribüne, und das neue Funktionsgebäude an der Kollaustrasse sind fertig, der Neubau der Nordkurve, das Museum und die Polizeiwache sind in den Startlöchern. Soweit, so gut.

Allerdings stagnieren wir nicht nur im sportlichen Bereich seit Jahren. Es fehlte dem scheidenden Präsidium an einer längerfristigen Vision, wie man in einem Umfeld mit den Red Bull Leipzigs dieser Welt und einer kommerziell immer rücksichtsloseren Vermarktungslogik der Bundesligen noch den sozial verantwortlichen Charakter und Bezug zur Basis, also die grundlegende Identität und damit auch schon wieder das Alleinstellungsmerkmal gerade unseres FC St Pauli bewahren und mit sportlichem Erfolg vereinen kann.

Und dass gerade an dieser Schnittstelle vieles mindestens holprig lief, hat nicht zuletzt die wohl deutschlandweit einmalige Wutkampagne „Jolly Rouge“ gezeigt, als das ganze Millerntor ebenjenes Präsidium für Grenzüberschreitungen und Ignoranz der Basis zugunsten der Profitmaximierung empfindlich abstrafte. Dies setzte sich fort mit eher selbstgefälligen Auftritten dieses Präsidiums im Rahmen der Sicherheitsdebatte rund um das Sicherheitspapier der DFL 2012. Da fühlte sich ebenjene und noch dazu eine sehr breite Basis an Fans und Mitgliedern quer durch die Bank genötigt, das Präsidium unter Stefan Orth zum Höhepunkt mittels eines kontroversen Abwahlantrags daran zu erinnern, Mitglieder- und Fan-Interessen in der Debatte ernster zu nehmen. Das Präsidium musste aufgefordert werden, sich bei diesen zentralen Themen für die Zukunft des Vereins nicht von populistischen Forderungen treiben zu lassen und über die Köpfe des höchsten Organs des Vereins und die Fans hinweg, sondern für und in engem Austausch mit seiner Mitgliedschaft zu agieren.

Ebenjenes amtierende Präsidium war es auch, welches – wiederum nur nach massivem Druck der Mitglieder und eben nicht aus eigenem Antrieb – den Weg für ein Vereinsmuseum statt einer Polizeiwache in unserem Millerntorstadion frei machte… und genau dessen Verzögerungshaltung in der Frage uns jetzt womöglich einiges an zusätzlichen Kosten für die Polizeiwache verursachen wird. Und auch im Rahmen des Ausbaus der Kollaustrasse musste ein Untersuchungsausschuss erst letztes Jahr deutliche Mehrausgaben verursacht durch mangelndes Projektmanagement eines vom Präsidium bestellten Sportdirektors Helmut Schulte feststellen. Von den Herausforderungen und Risiken durch den gerade über die Infrastrukturprojekte angehäuften Schuldenberg,  der uns nun über Jahrzehnte binden wird, will ich jetzt mal die Finger lassen. Das würde in einem ohnehin sehr weit führenden Beitrag dann doch viel zu weit führen. Nur so viel: da sind die ansonsten schwarzen Zahlen zwar beruhigend, aber ich möchte mir das Szenario eines Abstiegs, auch finanziell, dann lieber nicht vorstellen….

Wir sind dran schuld, dass der Aufsichtsrat so ist

Dies alles macht die Bilanz des scheidenden Präsidiums unter dem Strich aber meines Erachtens dennoch nicht schlecht, sicher nicht! Und vor allem haben sie nach den letzten Schüssen vor den Bug dazugelernt. Aber viele Menschen und vor allem Medien sind dieser Tage offenbar geneigt, die einen Dinge schnell zu vergessen und andere Dinge in einer Art Schwarz-Weiß Logik darstellen zu müssen.

Genau das Gegenteil eben dieser Perspektive, ist aber nun Aufgabe eines Aufsichtsrats, ob beim FC St Pauli oder anderswo. Die Mitgliedschaft des FC St Pauli hat den amtierenden Aufsichtsratsmitgliedern ihr Vertrauen ausgesprochen und ihnen damit teils vor vielen Jahren zum ersten Mal den Auftrag erteilt, die Arbeit des Präsidiums und der Geschäftsstelle, zu überwachen und zu kontrollieren und diese ggfs zu beraten – zum Wohl des Vereins und letztlich der Mitgliedschaft unseres FC St Pauli.

Qua Arbeitsauftrag sollten oder müssen wir den Vertreter*innen des Aufsichtsrates daher meines Erachtens einerseits sogar zugestehen, dass sie zur Bewertung ihrer Entscheidungen über ein ungleich größeres Wissen über die Amtsführung des Präsidiums und seiner ausführenden Organe und handelnden Personen verfügen, als dies das gemeine Mitglied tun kann. Dass sie dieses Wissen nicht immer mit uns allen teilen können oder wollen, kann mit Verschwiegenheitsverpflichtungen qua Amt zu tun haben. Oder kann es sogar schlicht an der hoffentlich löblichen Tatsache liegen, dass der amtierende Aufsichtsrat kontroverse Fragen zum Wohle des Vereinsfriedens und im Sinne seiner Beratungsfunktion eben nicht in öffentlichen, profilneurotischen Schlammschlachten sondern lieber vertraulich und partnerschaftlich mit dem Präsidium klären möchte?

Trifft ein gewählter und damit von der Mitgliedschaft legitimierter Aufsichtsrat mit einer so vielschichtigen Zusammensetzung aus allen Ecken der Mitgliedschaft wie im FC St Pauli daher einstimmig eine so weitreichende Entscheidung, ein Präsidium um Stefan Orth nicht mehr zur Wiederwahl vorzuschlagen und sich stattdessen für Oke Göttlich und sein Team auszusprechen, dann möchte und muss ich als Mitglied – auch wenn ich das oberflächlich womöglich zunächst irritierend finde – doch davon ausgehen können, dass eine solche Entscheidung in allererster Linie auf Basis von jahrelanger Sachkenntnis und Fachkompetenz der handelnden Aufsichtsräte qua Amt und zum Wohle des Vereins getroffen wurde. Und dass es sogar sehr wahrscheinlich ist, dass diese Kenntnisse und Kompetenzen tiefer gehen, als ich womöglich je blicken kann.

Ich möchte mir eben nicht mit einem Blick von außen oder durch Medienberichte und Forendiskussionen geprägt anmaßen, die Verhältnisse im Verein auch nur ansatzweise so gut zu kennen, wie die Menschen, die dazu gewählt wurden, sich für mich als Mitglied genau damit tagtäglich zu befassen…. egal wie sehr sogenannte Journalist*innen mir dies mit angeblichem Insiderwissen auch vorgaukeln mögen. Und in diesem Sinne finde ich es in der durch die Mitgliedschaft gegebenen Satzung nur folgerichtig, dass ebenjene basisdemokratisch gewählten Mitglieder des Aufsichtsrates der Mitgliedschaft gemeinsam ein Präsidium zur Wahl vorschlagen. Denn sie haben wir dazu gewählt, sich die nötige Erfahrung, die jahrelange Sach- und Fachkenntnis anzueignen, adäquat und unabhängig von kurzfristigen, polemischen öffentlichkeitswirksamen Kampagnen, Machtinteressen oder Empörungen Einzelner, ein geeignetes Team auszuwählen, welches unseren Verein professionell führen kann.

Klassenkampf oder doch Politbüro?

Und da kommen wir auch schon (oder endlich) zur Zukunft und dem Privileg der Wahl: wen der 16 Vertreter*innen für eben dieses wichtige Gremium Aufsichtsrat unseres FC St. Pauli sollen wir wählen? Dass sich gerade die Vertreter*innen von Gremien und Abteilungen mit Empfehlungen an dieser Debatte öffentlich beteiligen, halte ich dabei für äußerst legitim und hilfreich. Gerade von gewählten Vertreter*innen aus den Abteilungen erwarte ich dies im Sinne der Demokratie als gemeines Mitglied sogar.

Sie wurden demokratisch doch genau dafür legitimiert: sich um das Wohl ihrer Abteilung und ihrer Mitglieder innerhalb des Vereins zu kümmern. Sie kennen das Innenleben des Gesamtkonstruktes aus täglicher Arbeit ungleich besser als die meisten von uns. Viele viele Stunden ehrenamtlicher Arbeit werden von vielen großartigen Menschen in genau diesen Auftrag seitens der Mitglieder investiert. Und sie verdienen es schon deshalb, dass wir ihnen mindestens genau zuhören und bestenfalls ihrer Kompetenz und Detailkenntnis vertrauen. Die Aussprache von Wahlempfehlungen auf eine Diskussion um Machtfragen und –interessen ganzer Abteilungen zu reduzieren, greift mir dabei deutlich zu kurz und wird diesen Vertreter*innen eben – in der Regel – nicht gerecht.

Demgegenüber würden mich Empfehlungen von Sponsor*innen und Medienkampagnen nicht demokratisch legitmierter Personen oder Zirkel aus dem Vereinsumfeld viel eher verdammt misstrauisch machen – denn allzu wahrscheinlich ist, dass diese von klaren Profitinteressen gesteuert sind, die eben nicht in erster Linie dem Wohl des FC St. Pauli sondern vielmehr dem externer, kommerzieller Firmen verpflichtet sind. In welche Täler derlei Rattenfänger führen, darf man im andauernden Demontageprozess nahe der Müllverbrennungsanlage in der Vorstadt mitverfolgen – sorry, heißt ja jetzt HSV AG. Und wer dabei auch hierzulande glaubt, dass Ausgliederung der neue Europapokal ist: in Spanien und in verschiedenen anderen Ländern, inklusive England, kann man schön sehen, dass genau diese Wirtschaftsform gerade ökonomisch langfristig deutlich schädlicher für die Vereine ist, als für jene Vereine, die sich vor Jahren bewusst für mehr Kontrolle und Identität durch Demokratie in Form eines e.V. entschieden haben.

Ich vertraue sehr darauf, dass wir das bei unserem magischen FC gemeinsam besser können und als Mitgliedschaft weitsichtiger und besonnener und mindestens weiter demokratisch agieren.

So, wen wählen wir denn nu?

Wen man/frau nun am Ende wählt – diese Frage kann, sollte und muss jedes Mitglied nur für sich selbst bis 16. November 2014 beantworten und verantworten. Darum geht’s schließlich in einer Demokratie. Ich würde mir aber gerade deshalb eine Wahlentscheidung nicht auf Basis von Geschlecht oder persönlichen Sympathiepunkten oder Gruppenzugehörigkeit wünschen, sondern vielmehr in entscheidenden Sachfragen:

  • Wenn die Hauptaufgabe eines Aufsichtsrats Kontrolle, Überwachung und Beratung des Präsidiums und der Geschäftsstelle eines Bundesligavereins ist – also vor allem Verträge prüfen, hunderttausende Euro schwere Rechtsgeschäfte absegnen, Personalfragen klären… wer von den Kandidat*innen bringt für diese Rolle die nötige Kenntnis des Vereins…und gleichzeitig die fachliche Kompetenz qua beruflichem Profil, mit?
  • Wer ist vielleicht einfach mega-sympathisch und langjährig in und um den Verein präsent, aber hat die nötige fachliche Qualifikation für die Aufgaben schlichtweg nicht? Ist eine Dauerkarte über Jahre oder Bekanntheit im Viertel oder in der Fanszene genug für eine Position und die zuallererst juristisch-ökonomischen Kontroll-Aufgaben und Gremienarbeit im Aufsichtsrat?
  • Wer sind die Teamplayer unter den Bewerber*innen und wer von ihnen erscheint am ehesten in der Lage, gemeinschaftlich und partnerschaftlich mit den anderen Vereinsgremien aufrichtig am Wohl unseres FC St Pauli interessiert?
  • Wer verfolgt demgegenüber womöglich schon rhetorisch in erster Linie eine von Eigeninteressen gesteuerte Agenda und möchte sich selbst (oder eine Firma) vermarkten oder an einer finanziell entscheidenden Schnittstelle platzieren?

In all diesen derzeit umhergeisternden Artikeln, geifernden Kommentarspalten und Threads kommen mir nüchterne Fragen wie diese derzeit noch deutlich zu kurz. Wenn wir als Mitglieder doch Verantwortung für eine nachhaltige Zukunft unseres Vereins jenseits von Meinungsmache haben und übernehmen wollen, wären Empörung oder Misstrauen gegenüber aktuell handelnden, von uns nicht zuletzt gewählten Akteur*innen, schlechte Ratgeber für eine Entscheidung.

Die Vorstellung am Dienstag hat gezeigt: es gibt sehr viele sehr gute und unter der obigen Fragestellung absolut qualifizierte Kandidat*innen unter den 16 Bewerber*innen für den Aufsichtsrat. Das designierte Präsidium klingt überaus motiviert, im Rahmen seiner Möglichkeiten zum jetzigen Zeitpunkt bestens vorbereitet und gewillt, als Team zu lernen und viel Zeit und Herzblut in Strukturarbeit zum  Erhalt unseres Vereins in seiner Gesamtheit zu investieren. Wir sollten ihnen die Chance geben, ihren Ansprüchen Taten folgen zu lassen ohne sie mit Misstrauen zu überfrachten. Und wir sollten als Mitglieder eine Lanze brechen für all jene von uns gewählten Vertreter*innen im Aufsichtsrat und in den Gremien der Abteilungen in den letzten Jahren. Sie sind es, die trotz vieler Widrigkeiten und immer ehrenamtlich, in aller Regel im besten Wissen und Gewissen für unseren FC gehandelt haben.

Wir sollten am 16. November dafür sorgen, dass die Aufsichtsräte das auch weiterhin tun können….so wir sie denn weise wählen. Wir haben es in der Hand. Wir sind St Pauli und St Pauli ist schuld, dass wir so sind. // Gastartikel von GingerFail  

 

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NdS – Sp13 – 1. FC Heidenheim

Viel hatte ich heute nicht zu sagen. Ich sprach trotzdem mit Karim aus Thüringen zum 0-3 des FC St. Pauli gegen den FC Heidenheim.

Am Sonntag alle zur JHV! Forza! // Michael

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HFC Falke – Nicht mehr dagegen sein, sondern dafür!

(Dieser Artikel erschien bereits im Print-Übersteiger, Nr.117, am 28.Oktober 2014)

Die Entwicklungen der letzten Monate beim Stadtrivalen ließen uns als St.Pauli-Fanzine natürlich oft schmunzeln. Eine Folge der Ausgliederung aber betrachten wir durchaus mit Interesse, wurde doch mit dem HFC Falke ein Verein gegründet, der dem Weg des FC United of Manchester folgt und als Verein „von Fans, für Fans“ neue Wege einschlagen will. Ronny und Frodo sprachen daher in sehr angenehmer Atmosphäre mit Philipp und Marco, zwei der Gründungsmitglieder des neuen Vereins.

Übersteiger: Stellt Euch doch bitte erst mal den Lesern vor, gerade auch im Hinblick darauf, wie Ihr Euch selbst in der Fanszene des HSV gesehen habt.

Philipp: Ich bin Gründungsmitglied bei Chosen Few und war jahrelang im Supporters Club aktiv. Sei es bei den „Supporters News“ oder auch bei Choreos, noch bevor es Chosen Few gab. Außerdem bin ich Pressesprecher bei ProFans.

Marco: Ich bin ebenfalls seit 1999 Chosen Few-Mitglied und habe mich jahrelang ehrenamtlich im Supporters Club eingebracht und auch immer aktiv in der Vereinspolitik mitgestaltet. Außerdem habe ich die Rugby-Abteilung wiedergegründet und bin dort nun schon seit neun Jahren aktiv.

ÜS: Ihr habt beide von Chosen Few-Mitgliedschaft gesprochen, ohne die Vergangenheitsform zu wählen. Wird das bis auf Weiteres so bleiben?

Philipp: Ja, zu einer Auflösung der Gruppe ist es nicht gekommen und wird es sicher auch nicht, nur aufgrund einer Ausgliederung der Profifußballer.

ÜS: Wie lief denn dieser „Abnabelungsprozess“ von diesem Teil des HSV für Euch zeitlich ab? Als öffentliche Eckdaten stehen der 19.Januar, mit der Vorab-Abstimmung und eben der 25.Mai mit der Ausgliederung. Wie seid Ihr damit umgegangen?

Das war’s, die haben uns den Verein genommen

Philipp: Eigentlich muss man dafür ja zurück ins Jahr 2005, als Bernd Hoffmann erstmals mit der Idee „Ausgliederung“ ankam und grandios scheiterte. Ich hab damals schon gesagt: Wenn irgendwann ausgegliedert wird, ist für mich Feierabend.
Im Herbst 2013 musste man sich dann konkreter fragen wie es weitergehen soll, denn da kam Ernst-Otto Rieckhoff mit seinem HSVPlus um die Ecke. Die Werbefirma, die er im Rücken hatte und die ja angeblich „nur 5.000,-€“ für sämtliche Aktionen investierte, ließ da natürlich schon erahnen, dass er nicht völlig chancenlos sein wird. Da kam erstmals die Idee auf, einen „HFC Falke Germania“ zu gründen. Am 19.Januar wurde das Ganze dann schon etwas bedrohlicher und aktuell.

Marco: Wir saßen abends zusammen und  sagten: „Das war’s. Sie haben uns jetzt schon den Verein genommen, da kommen wir nicht mehr gegen an!

ÜS: Gab es nicht noch die Hoffnung, mit Argumenten etwas zu erreichen oder war das zu emotional belegt?

Philipp: So eine kleine Hoffnung war natürlich noch da. Man wusste ja nicht, wie viele Personen kommen würden, sie hätten ja auch auf „nur“ 74,x Prozent kommen und damit scheitern können. Der Stimmenanteil im Januar war hoch, aber auch nicht so uneinholbar, dass man es nicht noch hätte aufholen können. Am 25.Mai aber mussten wir uns eines Besseren belehren lassen, haben danach in der Kneipe ein Frustbier getrunken und uns gefragt: „Was machen wir jetzt?“ und einen neuen Verein zu gründen erschien uns als beste Möglichkeit und es nahm seinen Lauf.
Aber wenn man dann später in zwei Artikeln des BILANZ Magazins beim Herrn Rebbe nachlesen kann, wie geschickt da Öffentlichkeit und Medien manipuliert wurden, ist das schon auch demaskierend gewesen. Das der gleiche Autor sich später von den weiteren Entwicklungen etwas beleidigt zeigte, war da nur eine kleine Genugtuung.

ÜS: Aber so konkret begann es tatsächlich erst an jenem Abend im Mai?

Marco: Es gab zumindest vorher keine direkte Planung. Die Idee stand seit knapp einem Jahr im Raum, seit die Kampagne „Ausgliederung“ losgetreten worden war. Wir fühlten uns mit unserem „Traditionsgehabe“ und „e.V.-Glaube“ manches Mal wie von einem D-Zug überrollt und immer wieder kam der eigene Verein in Gesprächen auf, aber erst an diesem Abend war es dann tatsächlich so weit, da war es endgültig schief gegangen.

ÜS: Aber einen Verein zu unterstützen und einen eigenen Verein zu gründen sind dann ja doch noch unterschiedliche Dinge.

Philipp: Seit dem 19.1. gab es ja ein langsames „sich innerlich abwenden“, wie bei einem Patienten mit langer Krankheit, wo das Ende absehbar ist.

Marco: Wobei wir ja im letzten halben Jahr auch mit dem massivsten Abstiegskampf aller Zeiten beschäftigt waren und es dann durch die Existenzangst vor der 2.Liga auch wieder stundenlang oder tagelang ausblenden konnten. Die Kampagnen für und gegen die Ausgliederung liefen zwar weiter, aber der Fußball stand im Vordergrund.

Philipp: Naja, die e.V.-Befürworter haben die Kampagne in den entscheidenden Wochen des Abstiegskampfs ruhen lassen, die „Plussies“ hingegen kamen kurz vor der Relegation dann ja doch nochmal hervor, was ihnen auch Einige übel nahmen.
Aber es gab dieses absolut vergiftete Klima, in dem Leute denunziert und übelst beleidigt wurden, auch von Menschen, die eigentlich sozial etwas reifer sein sollten. Es wurde Gewalt angedroht, wenn die Stimmen nicht zusammenkommen „müsse man den Ultras an den Kragen“ und ähnliches. Leute, die keine Ahnung haben, was die Abteilungsleitung des Supporters Club überhaupt macht und wie viel Zeit da ehrenamtlich investiert wird, bezeichnen diese Leute als Totengräber des Vereins. Kein Wort über deren Leistungen, die Organisation von Auswärtsfahrten, das Tageschgeschäft solch einer Abteilung mit ja auch einigen Festangestellten, mit denen man Gehaltsverhandlungen führt und so weiter. Immer wurde alles nur auf „Ihr mischt Euch in die Vereinspolitik ein!“ reduziert. Dabei hat sich die Abteilungsleitung nur konsequent verhalten, denn sie hatte von vornherein gesagt, dass sie keine Ausgliederung will.

Vergiftetes Klima

Marco: Schönes Beispiel dafür, wie wenig Ahnung die Leute von den tatsächlichen Verhältnissen und der Satzung haben: Ich habe zigfach vor der Versammlung gehört, man müsse endlich Schluss machen mit „diesem Aufsichtsrat“, der sich „eine goldene Nase“ an uns verdiene. Auf den Einwand, dass auch der AR ehrenamtlich tätig sei wurde ich dann selbst als naiv bezeichnet, „richtig große Gehälter“ bekämen die ja bestimmt.

Philipp: Und genau diese Leute hätten am 19.1. die Chance gehabt, alles das zu wählen was sie wollten, das gab es nämlich genau so bei „HSV Reform“, von Jojo Liebnau und Christian Reichert. Mit der dort geplanten Verkleinerung des AR hätten alle Räte zurücktreten müssen und es hätte Neuwahlen gegeben. Aber die „Reform“ wurde ja leider auch abgeschmettert. Es war eben eine gut gesteuerte Kampagne für und gegen einzelne Personen.
Das ganze Klima im Verein war so vergiftet, es fiel einem schon leichter loszulassen, auch wenn das jetzt fast nach zwischenmenschlicher Beziehung klingt.

HFC Falke - Logo

HFC Falke – Logo

ÜS: Naja, passt ja schon auch, irgendwie. Was genau heißt denn „loslassen“ konkret bei Euch? Die Präsidentin des HFC Falke, Tamara Dwenger, hat beispielsweise nach 18 Jahren ihren Vereinsaustritt beim HSV vollzogen und ihre Dauerkarte aufgegeben. Wie weit ging der Schritt bei Euch beiden?

Philipp: Meine Dauerkarte habe ich nicht verlängert, auch die Auswärtsdauerkarte nicht. Ich hatte den 25.Mai abgewartet, andere hatten schon vorher verlängert und haben sich dann geärgert. Beim HSV bin ich jetzt Förderndes Mitglied im Amateursport, die Beiträge gehen nicht mehr an den Supporters Club.

Marco: Ich habe meine Dauerkarte ganz bewusst verlängert, diesen Schritt konnte ich noch nicht gehen. Ich wusste, dass es nicht mehr „mein Verein“ ist, aber es hängen auch zu viele soziale Kontakte an den Besuchen im Stadion. Inwieweit ich da aber noch Energie reinstecke und es unterstütze, wie ich es bei Chosen Few jahrelang getan habe, das weiß ich noch nicht. Vielleicht bin ich dann nur noch der konsumierende Eventfan, den ich bei anderen immer kritisiert habe. Ich bin auch aus dem Supporters Club ausgetreten, spiele ja aber noch aktiv Rugby.

Philipp: Die Ausnahme beim „loslassen“ war dann natürlich nochmal die Relegation, sowas wünsche ich ja meinem ärgsten Feind nicht. Mit 0:0 und 1:1, da hab ich in der 2.Halbzeit mit Herzkasper den Weg hinter der Tribüne in Fürth geebnet, furchtbar.

Marco: Ich konnte eine halbe Stunde nach dem Abpfiff noch immer mit keinem Menschen reden.

ÜS: Wenn es denn am 25.Mai nur 74,x Prozent gewesen wären, würden wir dann heute nicht hier sitzen? Hättet Ihr nach all dem zerbrochenen Porzellan und den Anfeindungen nicht trotzdem den neuen Verein gegründet?

Marco: Nee, glaub ich nicht. Dann hätten wir versucht es beim HSV nochmal zu retten, wir hätten nochmal Zeit investiert eine andere und bessere Reform zu bewirken, die keine Ausgliederung in eine KG beinhaltet.

Philipp: Wohl wahr, sehe ich auch so. Eine andere Frage ist, ob wir körperlich in der Lage gewesen wären, hier zu sitzen, denn wenn es an jenem Tag anders ausgegangen wäre, wären die Leute im Volkspark aufeinander losgegangen. Die Lager waren da schon sehr deutlich zu erkennen.

ÜS: Okay, Blick nach vorne: Wie muss man sich das denn vorstellen, im Deutschen Vereinswesen mit all seinen Formalien einen Verein zu gründen und wie schnell geht sowas?

Marco: Das ist relativ einfach, wie bei unseren Großvätern: Man setzt sich in die Kneipe und denkt sich was aus!

Philipp: Ja, tatsächlich. Es begann mit dem Namen, denn „HFC Falke Germania“, wie es sich historisch angeboten hätte, fiel wegen Germania Schnelsen aus. Die haben zwar mit den Wurzeln nichts zu tun, aber wir wollten da gar nicht erst Irritationen aufkommen lassen. Dann macht man sich schlau: Was muss man beachten, wie sehen Satzungen anderer Vereine aus und so weiter. Beim ersten Treffen waren wir zu acht, dann zu zwölft,  später 22. Zum 19.06. haben wir dann den Verein gegründet, da es mit 1906, dem Gründungsjahr von Falke, ganz gut zusammenpasst. Und unter diesen 22 wurden dann auch die ersten Mitgliedsnummern ausgelost.

Marco: Für alles rechtliche, Sportverbände, Vereinsregister etc. wurden Arbeitskreise gebildet.

Philipp: Und so ganz nebenbei haben wir ja auch die jüngste Vereinspräsidentin Deutschlands.

ÜS: War das ein bewusster Schritt, eine Frau zu wählen?

Philipp: Nein, sie war die einzige, die sich zur Wahl gestellt hat.
Spaß beiseite: Wir mussten gewisse Voraussetzungen erfüllen, Gründungsversammlung und so weiter, das haben wir gemacht, es folgte der Eintrag ins Vereinsregister.
Und nach nur zwei Tagen kam dann auch schon der erste Betrugsversuch. Vereinsgründungen werden ja im Bundesanzeiger veröffentlicht und aktuell gibt es da eine Masche, alle neu gegründeten Vereine anzuschreiben, mit einem offiziell aussehenden Brief und Überweisungsbitte auf ein vertrauensvoll aussehendes Konto in Bulgarien. Mit relativer kurzer Zahlungsfrist natürlich. Andere sind da wohl auch tatsächlich drauf reingefallen.

ÜS: Gab es dann auch Überlegungen, die Anfangseuphorie zu nutzen und schon zu dieser Saison einen Spielbetrieb hinzubekommen?

Philipp: Überlegungen ja, die wurden dann aber auch sehr schnell damit zerstört, dass man offiziell bis zum 01.Juni hätte melden müssen. Und wir wollten es dann auch auf solide Füße stellen und mit Spielern, Trainerteam und Spielstätte eine vernünftige Basis schaffen. Und wenn das steht, kann man immer noch Testspiele abmachen, um sowas wie ein Vereinsleben abzubilden.

ÜS: Seid Ihr in der Zeit auf Widerstände gestoßen, die Euch auch hätten hinschmeißen lassen?

Marco: Ich wäre sicher dran verzweifelt, aber wir hatten ja zum Glück Leute, die jahrelang die Abteilungsleitung bei den Supporters gemacht haben und daher eine dicke Haut im Umgang mit Behörden hatten.

Philipp: Wir hatten ja Leute, die gleich nach der ersten Facebookmeldung ihr Wissen aus dem Hamburger Amateurfußball und auch finanzielle Hilfe angeboten haben, beides war natürlich Gold wert.

ÜS: Wie viele Personen seid Ihr jetzt?

Philipp: Wir treffen uns regelmäßig und haben verschiedene Arbeitskreise, die sich an unterschiedlichen Terminen treffen, um auch mal Leuten von außerhalb die Möglichkeit zu geben sich einzubringen. Mitglieder sind wir aktuell 330, was nach der kurzen Zeit sicher ganz beachtlich ist.

ÜS: Und die 330 sind alles „enttäuschte“ HSVer, oder kommen da auch Leute aus anderen Vereinen?

Philipp: Da haben auch Personen aus anderen Vereinen unterschrieben, aber auch Personen vom HSV, aus Kreisen, wo man das vielleicht nicht erwartet hätte.

Gruppenfoto Gründungsversammlung HFC Falke - (c) Patrick Franck

Gruppenfoto Gründungsversammlung HFC Falke – (c) Patrick Franck

Geplante Spielstätte: Waidmannstraße

ÜS: Als Gerücht kursiert ja, dass Ihr als Spielstätte die Waidmannstraße auserkoren habt, die ja auch erklärtes Ziel unserer U23 ist, die allerdings aktuell noch in Norderstedt gastiert.

Philipp: Nun ja, wir sind ja nicht der HSV, vielleicht kann man da nebeneinander existieren. Spannender dürfte sein, ob Union wirklich ihren Platz Regionalligatauglich machen will, mit all den Sicherheitsdingen die damit einher gehen.

ÜS: Da bleiben wir natürlich aus ureigenstem Interesse dran.  (Anm.: Inzwischen sieht es so aus, als ob der HFC nächste Saison an der Waidmannstraße spielen wird. Alles Weitere ist noch offen.)
Wie nehmt Ihr denn die mediale Aufmerksamkeit wahr, die Euch zuteilwird?

Philipp: Wir sind uns der immensen Wirkung nach außen durch unsere besondere Entstehungsgeschichte natürlich bewusst, planen da aber aktuell noch nichts. Aber wenn neben 11Freunde-TV jetzt auch schon der Übersteiger anfragt, sind wir in der Öffentlichkeitsarbeit ja gut aufgestellt.

Marco:  Dadurch, dass wir zumindest in Deutschland einer der ersten Fanvereine sind, sind wir uns dieser medialen Beachtung natürlich bewusst, die nichts mit der Liga zu tun haben wird, in der wir jeweils spielen. Und auch die Sehnsucht bei den Fans nach diesem „Bodenständigen“, was wir sicher eher bieten können als ein Profiverein.

ÜS: Tamara Dwenger sagte im Interview bei elbkick.tv: „Wir wollen nicht mehr gegen etwas kämpfen, sondern für etwas sein!“. Dies gefiel uns als Statement sehr gut, ist das auch Vereinsphilosophie?

Marco: Das ist durchaus die allgemeine Stimmungslage nach der Ausgliederung, denn der Kampf dauerte ja wie schon erwähnt seit 2005 an. Wir haben nur noch abgewehrt und reagiert, aber keine positiven Änderungen mehr schaffen können.

Philipp: Die Atmosphäre beim HSV war durch „Gegeneinander“ geprägt, da haben wir einfach auch keine Lust mehr zu. Sollen sich die Leute, die da geblieben sind und sich die Mäuler zerreißen wollen, doch weiter in den dortigen Foren austoben. Wenn die sich an uns abarbeiten, obwohl wir noch nicht mal am Spielbetrieb teilnehmen, sagt es ja auch viel über sie aus.
Für uns schließt sich auch Falke und HSV gar nicht aus, HSV-Fans sind bei uns selbstverständlich mehr als willkommen. Wir sehen uns da schon als „kleines Gallisches Dorf der Fußballromantik“, aber natürlich soll da am Ende auch sportlicher Erfolg stehen.
Auf lange Sicht kann ich „Oberliga ist zu ambitioniert“ für mich nicht unterschreiben, wenn man das richtig anpackt ist das kein Ding der Unmöglichkeit.

Kleines gallisches Dorf der Fußballromantik

Marco: Aber natürlich muss man da sehr vorsichtig sein. Gerade am Anfang sollten wir uns lieber zu oft als zu selten überlegen, ob und welche Sponsoren wir ins Boot holen, nur um den sportlichen Erfolg zu steigern. Gerade als „kleines gallisches Dorf der Fußballromantik“.

Philipp: Auf der anderen Seite ist unser Etat allein durch die Mitgliedsbeiträge schon so hoch, dass wir gerade am Anfang über Sponsoren auch nicht nachdenken müssen.

ÜS: Sind Sponsoren denn durch die Satzung ausgeschlossen?

Philipp: Nein, sind sie nicht. Allein schon deshalb, weil es derzeit nur eine Standardsatzung ist, die erst am 27.9 auf der ersten Mitgliederversammlung durch „unsere“ Satzung ersetzt wird. Wir werden aber auch da keine Sponsoren ausschließen. Natürlich werden wir keinen Investor zulassen und spielen auch gerne so lange es geht ohne Trikotsponsor, aber wenn da jemand ist der unsere Idee gut findet und bereit ist dafür Geld hinzulegen, dann kann man zumindest drüber nachdenken. Aber auch da gibt es Leute bei uns, die dies ganz grundsätzlich ausschließen, es wird dann also die Mitgliedschaft entscheiden. Nicht bei jeder Frage des Tagesgeschäfts, aber bei Grundsatzentscheidungen.

Marco: Das ist eben die Basisdemokratie, die uns beim HSV genommen wurde. Wenn es dann durch Abstimmungen und Diskussionen etwas komplizierter wird, dann ist das eben so.

ÜS: Wie sieht denn Eure Planung für andere Sportarten und Jugendfußball aus?

Philipp: Konkret gibt es Planungen für die Frauenfußballmannschaft, allgemein wollen wir aber natürlich sowohl andere Sportarten als auch Jugendsport anbieten, auch Inklusionssport steht auf unserer Liste.
Wir wollen da auch unserer sozialen Verantwortung gerecht werden, was sich auch an den Mitgliedsbeiträgen zeigt. Die belaufen sich auf mindestens 5,-€ monatlich, alles darüber hinaus ist freiwillig. Derzeit liegen wir im Durchschnitt bei etwa 11,- €.

ÜS: Wie sieht es denn mit Fans anderer Vereine aus? Konkret: Wäre ein St.Pauli-Fan, der Eure Idee toll findet auch im FCSP-Trikot willkommen?

Philipp: Ich find es generell seltsam, bei Spielen eines Vereins mit einem anderen Trikot aufzulaufen. Auch eine HSV-Kutte im Festtagsornat würde ich bei unseren Spielen eher merkwürdig finden. Aber klar: Wir sind ein freies Land, derjenige muss das selbst wissen.

Marco: Ich würde ihn schon bitten, dass Trikot beim nächsten Mal zuhause zu lassen. Falke ist ja schon das Gegenteil des durchgestylten Marketing-Produkts.
*für kurze Zeit fliegen Gegenstände hin und her*
Er als Mensch ist natürlich willkommen, aber das Trikot muss es dann vielleicht doch nicht unbedingt sein.

ÜS: Das würde dann aber umgekehrt auch für Braunschweig- oder 96-Trikots gelten, oder? Und wie sieht es mit HSV-Trikots aus?

Marco: Klar, gilt für alle „anderen“ Vereine, wobei der HSV natürlich ein Sonderfall ist.

Philipp: Im Idealfall würden wir unsere Heimspiele ja zeitlich vor die HSV-Heimspiele packen, da lässt es sich nicht verhindern bzw. bietet sich ja auch sogar an. Grundsätzlich wollen wir aber natürlich schon, dass die Fans sich mit unserem neuen Verein identifizieren.

Marco: Und es ist natürlich auch ein Unterschied, ob da jemand im uralten BP-Trikot aufläuft, mit seiner geliebten Raute im Herzen, oder mit einem nagelneuen „Ich liebe die AG“-Trikot. Letzteren würde ich wahrscheinlich ähnlich freundlich wie den St.Pauli-Fan darum bitten, dieses Shirt zukünftig woanders zu tragen.

Philipp: Bei Altona 93 nervt mich sowas auch, da sieht man ja sowohl die Raute als auch den Totenkopf und für mich gehört da beides nicht hin. Aber natürlich kommen wir vom HSV, da irritiert der Totenkopf dann logischerweise etwas mehr als das HSV-Trikot.

Ja, so ein Aufstieg wäre schon mal was

ÜS: Zurück zum Sportlichen: Die Oberliga darf nicht zu ambitioniert sein, sagtet Ihr. Also soll es möglichst schnell zumindest in die Verbandsliga gehen?

Philipp: Wir können ja im Gegensatz zu Euch bisher noch gar nicht beurteilen, wie sich so ein Aufstieg anfühlt.
*erneut fliegen Gegenstände*

Marco: Ja, so ein Aufstieg wäre schon mal was. Aber natürlich will man nicht zwanzig Jahre in der Kreisklasse spielen, wir wollen auch sportlichen Erfolg, logisch. Dieser Verein hat schon jetzt eine gute Basis, mit dieser muss man jetzt arbeiten.

ÜS: Habt Ihr Euch denn schon informiert, ab wann man im Hamburger Amateurfußball Geld bezahlen muss?

Marco: Das geht recht früh los. Es fängt an bei Jugendspielern, denen man die HVV-Monatskarte bezahlt, in der Bezirksliga kriegt jeder schon ein paar Euro.

Philipp: Wir sind uns natürlich auch bewusst, dass die wenigsten bei uns anfangen, weil wir so sympathisch sind. Anfangs sicher schon, aber ab der Bezirksliga ist das dann auch wieder vorbei, da interessieren sie sich neben dem tollen Rasenplatz und der Atmosphäre auch für das Geld.

ÜS: Atmosphäre ist ja ein gutes Stichwort. Aktuell unterstützen viele von Euch ja die 3.Herren des HSV (bzw. die 1.Herren des e.V.), wo die anderen Vereine in der Liga jetzt vom Hamburger Fußballverband gebeten wurden, sich für die Heimspiele gegen Euch für anwesende Polizei zu sorgen.

Philipp: In der Tat. Wir warten jetzt erst mal ab, wie es sich bei der Mannschaft entwickelt, vielleicht beruhigt sich das ja bis zum nächsten Sommer wieder. Angeblich gab es auch Ansagen, dass der Verband bei „Unregelmäßigkeiten rund ums Spielfeld“ Strafen aussprechen wird. Bei Heimspielen des Teams hingegen ist keine Polizei auf dem Gelände und natürlich ist da bisher noch gar nichts passiert.

Oirobbabogaaaaal

ÜS: War das denn auch Teil Eurer Überlegungen, statt einer Neugründung nur noch die „e.V.-Abteilungen“, also Fußball ab 3.Herren, Eishockey etc. zu unterstützen?

Philipp: Das war für mich nicht konsequent genug, nein. Und besagte „HSV e.V. 1“ ist durch die AG ja an natürliche Grenzen gebunden, über die man nicht hinaus kann, wegen des Oberbaus. Und mit Falke können wir jetzt sogar schon International planen!

ÜS: Richtig, Ende September fahrt Ihr ja zum FC United of Manchester.

Marco: Ja, um sich das mal in Ruhe anzuschauen. Jeder hat für sich gebucht, wir haben lediglich die Personenanzahl abgefragt um in etwa das Programm vor Ort zu planen.

Philipp: Stuart bot indirekt ja auch schon ein erstes Spiel an, falls wir uns melden sollten, wobei da von unserer Seite gleich „Nur bei Hin- und Rückspiel“ als Bedingung kam. Da würden dann wahrscheinlich auch viele HSVer mitfahren, so als Ersatzdroge, denn bis die mal wieder international spielen dauert es ja wohl noch.

ÜS: Wie sehen denn die sportlichen Planungen aus?

Philipp: Nach dem Aufruf für Mannschaft und Trainerteam hätten wir theoretisch gleich drei Teams an den Start schicken können, teils auch aus höheren Ligen bis hin zur Schleswig-Holstein-Liga.

ÜS: Dietmar Beiersdorfer hat in Interviews Verständnis für Euch geäußert und bei 11Freunde-TV gesagt, es sei sein Ziel die Falke Fans wieder zurück in die „HSV-Familie“ zu holen. Ist das für Euch denkbar? Kann man das Rad nochmal zurückdrehen?

Philipp: Ich kann mir das ehrlich gesagt nicht vorstellen. Ich gehe sicher ab und an nochmal hin, da ist ja auch ein großer Teil des Freundeskreises. Auswärts fahre ich jetzt beispielsweise noch nach Hannover, aber auch nur aus privaten Verbindungen und da dort mit Martin Kind und den 96-Ultras ja auch einiges im Argen liegt weiß ich noch nicht mal, ob wir da ins Stadion gehen.

Marco: Ein Zurück wäre ja nur möglich, wenn der HSV die AG zurückabwickelt und zum e.V. zurückkehrt. Das wäre das größtmögliche Scheitern, was man aber keinem Menschen wünscht und auch wir dem HSV nicht wünschen.

ÜS: Sergej Barbarez wird bei Euch wohl nicht auflaufen, Dietmar Beiersdorfer eher auch nicht. Aber habt Ihr überlegt, Euch auch prominente Altstars zu holen?

Marco: Nein, wir haben uns da bewusst gegen entschieden. Lieber locken wir mit gesundem Amateurfußball.

Philipp: Man würde es wohl auch nur als Provokation auffassen, das wollen wir nicht.

ÜS: Angenommen Ihr steigt ein paar Mal auf und Beiersdorfer will Euch ein-zwei Talente aus der U23 leihen. Passt das?

Marco: Das muss dann unser sportlich Verantwortlicher entscheiden. Aber warum nicht? Und wenn das der Trainer von St.Pauli sagt, gilt das Gleiche.

ÜS: Eure Präsidentin sprach auch von einer Ewigkeitsklausel in der Satzung. Könnt Ihr die näher erläutern? Und was passiert am 27.September auf Eurer Versammlung?

Philipp: Es gibt eine Klausel, die besagt, dass bestimmte Paragraphen der Satzung nicht geändert werden können. Dies sind die Fernwahl und die Ausgliederung, die beide ausgeschlossen sind. Beide könnten nur eingeführt werden, wenn diese Ewigkeitsklausel entfernt wird, was aber nur durch ein Votum von 100% der anwesenden Mitglieder möglich wäre.

Marco: Wir verabschieden die Satzung, bestätigen oder wählen das fünfköpfige Präsidium, bestehend aus der Präsidentin, dem 2.Vorsitzenden, zwei Beisitzern und dem Schatzmeister.

ÜS: Vielen Dank für das interessante Gespräch und viel Erfolg in den nächsten Schritten. // Ronny & Frodo

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NdS – Sp 12 – 1. FC Nürnberg

Auswärts 2:2 bei einem Bundesligaabsteiger klingt an sich gar nicht so schlecht. Dennoch gab es auf beiden Seiten lange Gesichter. Beim FC St. Pauli wegen der späten und unnötigen Tore, beim Club weil man sich zuhause sicherlich mehr erhoffte.

Im Gespräch mit Rainer / @Glubberer69 rede ich über das Spiel und seine Perspektive auf die aktuelle Situation.

Viel Spaß! // Sebastian

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VdS – Sp13 – 1. FC Heidenheim

Vor dem Spiel gegen den 1. FC Heidenheim sprach ich heute mit Marc Schnatter mit Karim. Das war ein interessantes Gespräch, denn der 1. FC Heidenheim war für mich bisher ein kaum beschriebenes Blatt im Profifußball. Jedenfalls was die Historie angeht. Sportlich sollte sie jeder auf dem Zettel haben, das hat die bisherige Saison gezeigt. Ein wirklich starker Aufsteiger, aber das sind sie ja alle diese Saison.

Am Samstag alle ins Stadion und die Mannschaft zum Sieg singen! Forza! // Michael

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Wir segeln nach Utopia

(dieser Text erschien bereits im Print-Übersteiger, Ausgabe 117, am 28.Oktober 2014)

Ein bisschen fühlt man sich derzeit wie im Song von C.I.A., der in der Überschrift zitiert wird – Thomas Meggle Cheftrainer, Fabian Boll Co-Trainer bei der U23, mit Oke Göttlich ein designierter Präsident, der erstmals tatsächlich aus der aktiven Fanszene kommt. Dazu Vizepräsidenten mit Gegengeraden-Geruch und ein Aufsichtsrat, der in großen Teilen ebenfalls Auswärtsfahrten nicht nur aus Erzählungen kennt. Alles zu schön, um wahr zu sein?

Am 4. November habt Ihr eine weitere Gelegenheit, den FC St. Pauli vor seiner nächsten Etappe besser kennenzulernen. Das designierte Präsidium um Oke Göttlich stellt sich im Ballsaal vor, neben ihm selbst noch seine ausgewählten Vizepräsidenten Thomas Happe, Reinher Karl, Joachim Pawlik und Jochen Winand. Vier Auserwählte von etwa 20 Personen, mit denen Göttlich insgesamt intensiv gesprochen haben soll.

Mit der neuen Zusammensetzung in Präsidium, Aufsichtsrat und Trainerteam eröffnet sich für den Verein tatsächlich der Weg, den man sich als Fanszene wohl schon immer erträumt hat. An den entscheidenden Hebeln sitzen fast ausnahmslos Personen, die den Verein jahrelang auf den Tribünen oder dem Rasen begleitet haben, lediglich Michael Meeske und Rachid Azzouzi sind da noch „extern“ in entscheidender Funktion tätig, was vielleicht dann auch ganz gut ist.

Beginnen wir mit einem Blick auf die neue Vorzeigeperson: Finn Oke Göttlich. Geboren 1975 in Barmbek, groß geworden in Wilhelmsburg. Nach dem Abitur in St. Peter-Ording absolvierte er ein Sportstudium in Köln. Während der Zeit an der Nordsee pendelte er regelmäßig nach Hamburg und lernte da auch Jan Müller-Wiefel kennen, seines Zeichens bekanntlich Macher des „PiPa Millerntor“-Fanzines, an dem Oke dann bis zur 40. und letzten Ausgabe im April 1998 ebenfalls mitwirkte. Er spielte selber Fußball, war als Jugendlicher Deutscher Meister im Strandsegeln, spielte Beachvolleyball – und saß bei den Spielen am Millerntor auch zeitweise in den Bäumen hinter der Nordkurve.
2002 ging es, nach seinem beruflichen Abstecher in den Breisgau, zurück nach Hamburg, als CvD zur TAZ. Durch Hintergrundrecherchen für die TAZ bekam der Sportjournalist auch erste Einblicke in die Arbeit unseres Vereins hinter den Kulissen. Vielleicht ein erster Moment, sich darüber Gedanken zu machen, was man alles besser machen könnte, um sich anders darzustellen als der übliche „Männer, Hinterzimmer, Zigarrenrauchatmosphäre – Verein“, wie er es einmal formulierte.
2004 gründete er – nachdem bereits vier Jahre zuvor sein nonplace-Label (mit Burnt Friedman) das Licht der Welt erblickt hatte – dann finetunes, einen digitalen Musikvertrieb für kleinere Plattenlabels, was zu einer Erfolgsgeschichte wurde. Beim FC St.Pauli engagierte er sich gleichzeitig stark in der AFM, machte das Young-Rebels-Magazin und ist vielen auch als einer der Spieltagsmoderatoren des AFM-Radios bekannt. Die Heimspiele verfolgt er mit seiner Dauerkarte im Block 1 der Gegengerade, bei einigen immer noch als „Singing Area“ bekannt.

Er wurde im März vom Aufsichtsrat kontaktiert, nachdem es in den letzten Jahren immer schon mal Anfragen für eine Kandidatur für den AR selbst gab. Ein Zeitpunkt, der sicher viele überraschte, denn in der Fanszene herrschte das Gefühl vor, mit Stefan Orth jemanden auf dem Chefsessel zu haben, mit dem es größtenteils ganz gut lief, den man notfalls auch geschickt zu der ein oder anderen Handlung bringen konnte. Trotzdem hatten viele das Gefühl, „ihren“ FC St. Pauli zu verlieren. Ein Verein, der immer öfter nur noch reagierte; der Trainer holte, die nicht zum Verein passten, der auch sonst in vielen Dingen nur noch angepasst war und der Gefahr lief, das Besondere zu verlieren. Zeit also für einen Aufbruch zu neuen Ufern. Neben Oke Göttlich wurde mit weiteren Personen gesprochen, nach ÜS-Informationen war eine davon Nils Conrad, einer der Geschäftsführer der Hamburger Werbeagentur CGT. Am Ende fiel das Votum des AR aber einstimmig aus. Ein Präsident mit Fanzine-Erfahrung und erfolgreich im Kampf gegen die scheinbar Übermächtigen, wenn auch bisher nur aus der Musikindustrie – kann man sich eine Utopie besser vorstellen?

(von links: Oke Göttlich, Thomas Happe, Jochen Winand)

(von links: Oke Göttlich, Thomas Happe, Jochen Winand)  – Foto: Stefan Groenveld

Kommen wir zu den vier Personen, die Oke Göttlich als Vizepräsidenten vorschlägt und mit denen Göttlich sich bereits seit zwei Monaten regelmäßig trifft – mindestens wöchentlich. Zunächst fällt auf, dass erneut keine Frau dabei ist. Es wurde eine Vielzahl von Personen angesprochen, darunter waren auch zwei Frauen, die aber dann aus unterschiedlichen Gründen nicht zur Verfügung standen.
Der erste Name, der schon vor einiger Zeit durchsickerte, war Benjamin Adrion, dem ÜS-Leser sicher als Ex-Spieler und Gründer von Viva con Agua bekannt. Benny war sogar dem Aufsichtsrat bereits als Kandidat vorgestellt worden, musste dann aus ausschließlich persönlichen Gründen nachträglich leider absagen. Dass dieser einem neuen Präsidium sicherlich sehr gut zu Gesicht gestanden hätte, belegte er zuletzt auch mit einem Satz, der eventuell genau das auf den Punkt bringt, was in Zukunft wieder besser bei unserm FC zur Geltung kommen könnte: „Ich glaube, dass dieser Verein viel mehr repräsentieren kann als nur Fußball.“ Aber gänzlich aus der Welt ist Herr Adrion ja nun nicht, und der FC St.Pauli wird durchaus noch die eine oder andere Präsidiumswahl vor die Brust bekommen…

Lass uns von hier abhau’n
Lass uns uns’re eigene Welt bau’n

Tatsächlich zur Wahl stehen:
Joachim Pawlik, 49 Jahre alt, ehemaliger Spieler des FC St.Pauli, Unternehmensberater und mit Know-How in Eignungs- und Leistungsdiagnostik. Verglichen mit dem bisherigen Präsidium wohl jemand, der am ehesten die Rolle von Bernd-Georg Spies ausfüllen wird. Und zwar den positiv besetzten Part aus der Zeit vor seiner JHV-Rede, nach der man bei ihm das Gefühl hatte, nicht mehr so richtig zu wollen oder zu dürfen. Auch für die Zertifizierungsprozesse könnte Pawlik der richtige Mann sein oder um bestimmte Arbeitsabläufe in der Zusammenarbeit vorzugeben.

Jochen Winand (63) verfügt über gute Kontakte in die Wirtschaft und dürfte der Mann für das Zahlenwerk werden. Außerdem verfügt er, nach seinem Rücktritt als Vorstandsvorsitzender bei der Süderelbe AG, über die notwendige freie Zeit, was besonders anfangs ein großer Vorteil sein dürfte. Gleichzeitig ist Winand der Einzige, der Göttlich nicht schon vorher persönlich bekannt war, sondern ihm über Tjark Woydt vorgestellt wurde. Wie der ÜS in Erfahrung bringen konnte, ist Winand nur deshalb als „erster Nachrücker“ im Team, weil eben Adrion absagen musste.

Tom Happe (50), Finanzexperte, im Verein und Fanszene aber so verwurzelt, dass er diesen Part eher Winand überlassen dürfte und sich stattdessen mit Göttlich um die Vereins- und Gremienarbeit kümmern wird. Happe soll nach unseren Informationen auch derjenige gewesen sein, mit dem Göttlich bereits gemeinsam dem einen oder anderen Vereins- und Fangremium die Aufwartung gemacht hat.

Reinher Karl (45), Rechtsanwalt unter anderem für digitale Rechteverwertung und Oke Göttlich bereits seit vielen Jahren bekannt, im Präsidium sicher schwerpunktmäßig für die juristische Beratung vorgesehen.

Tom Happe und Reinher Karl sind beide seit über 20 Jahren Dauerkarten-Inhaber und gerade der etwas älteren Fanszene und rund um den Block 1 sehr gut bekannt. Der Stallgeruch im neuen Präsidium ist also auf breiter Basis vorhanden, trotzdem ist es auch so aufgestellt, „notfalls im Rathaus auf Augenhöhe mit den Regierenden zu verhandeln“, wie es Insider formulieren.

Welche neuen Ufer sind es also, wohin will man mit diesem Schiff segeln, wo liegt Utopia?
Holger Stanislawski sagte kürzlich in einem Interview, dass auch der FC St. Pauli aufpassen müsse, nicht zu einem ganz normalen Verein zu werden. Und darum geht es. Das neue Präsidium wird sich auch daran messen lassen müssen, das Besondere wieder zu beleben. Den Verein aus seiner oftmals auseinanderdriftenden Realität zwischen Millerntor, Brummerskamp und Kollaustraße wieder zu einen, wieder die Heimat im Stadtteil, am Millerntor, greifbarer zu machen. Das „Wir-Gefühl“ auch auf der Geschäftsstelle wieder in den Vordergrund zu rücken. Ein Leitbild zu schaffen, auf das alle St. Paulianer wieder so richtig Bock haben, ganz egal ob als Angestellter, Profifußballer, Ehrenamtlicher, Gelegenheitsfan, Auswärtsfahrer oder eben Präsidiumsmitglied. Klingt klasse, klingt nach Utopie.

Es könnte darum gehen, den Verein auch selbstständiger zu machen, indem man den Mitarbeitern Wege aufzeigt und ihnen den Mut zu mehr Verantwortung verschafft. Ein Arbeiten, welches der bisherigen Philosophie von Oke Göttlich entsprechen würde und für unseren – in dieser Beziehung doch sehr konservativen – Verein eine ziemliche Kehrtwende darstellen würde. Nicht mehr alles durch mehrfache Kontrollen und Genehmigungsverfahren bremsen und verlangsamen, sondern Eigenverantwortung stärken und „Fehler machen“ auch erlauben. Auch hier: Chance und Risiko, denn dies setzt Vertrauen voraus, welches missbraucht werden könnte.
Konsequent zu Ende gedacht bedeutet dies, dass der sportliche Leiter Rachid Azzouzi und der Geschäftsführer Michael Meeske an entscheidender Position sitzen und es nicht mehr für alles sperrige Abstimmungsprozesse mit dem Aufsichtsrat und dem Präsidium geben muss. Beiden müssen aber klare Leitlinien vorgegeben werden, die die Philosophie des Vereins beinhalten, vorgegeben vom Präsidium, gelebt von allen. Die Schaffung dieser neuen Wege, Leitlinien und Arbeitsabläufe, mit den notwendigen Kontrollmechanismen dürfte eines der ersten, wenn auch nicht schnellsten Projekte der neuen Amtszeit werden.

Stichwort Trainerscouting: Bisher gab es da oft nur Aktionismus, wenn das Kind bereits im Brunnen lag, man hatte teilweise das Gefühl, dass dann eben transfermarkt.de nach verfügbaren Trainern abgesucht wurde. Mit dem Wechsel zu Thomas Meggle scheint da jetzt ein Wechsel im Denken eingetreten zu sein, doch auch hier wäre eine frühzeitige Planung für die Zukunft nicht verkehrt, denn auch Meggi wird, so sehr wir uns das auch wünschen, sicher nicht ewig bleiben. Und was wird dann, wenn der DFB oder Barcelona ruft?

Und es packt mich eine Sehnsucht
Die sich ihren eigenen Weg sucht

Wie man hört, wenn man ganz tief in den FC St. Pauli hineinhorcht, tritt das neue Präsidium dafür an, wieder mehr miteinander zu reden, als übereinander. Mit den offiziellen Gremien, mit den Abteilungen, mit den inoffiziellen Medien – ohne auf jeden Pups des Boulevards reagieren zu wollen – wie beispielsweise auch dem Ständigen Fanausschuss. Es dürfte dem Team um Göttlich darum gehen, wieder die Suche nach gemeinsamen Lösungen voranzubringen, eine gemeinschaftliche Idee zu entwickeln. Auch ein Punkt des bisherigen Präsidiums dürfte ausgebaut werden: Das Bilden von Ausschüssen, wie es aktuell bereits mit dem Finanzausschuss gemacht wurde. Gremienübergreifendes Know-how, was gleichzeitig dazu führt, frühzeitig die Abteilungen und Gremien abzuholen und (womit wir wieder beim Segeltörn wären) ins Boot zu holen. Seit April arbeitet Göttlich intensiv an den Vizebewerbungsgesprächen, Gesprächen mit Mitarbeitern und externen Begleitern des Vereins – wie der ÜS von verschiedenen Personen erfuhr. Und er soll positive Eindrücke hinterlassen haben…

Auch das Thema Ausgliederung steht auf der Agenda – oder eben auch explizit nicht. Liest man in den wenigen bisherigen Statements zwischen den Zeilen, greift auf zurückliegende Gespräche mit Oke Göttlich zurück und recherchiert im Umfeld des designierten Vereinsvorsitzenden, so kommt man zu folgender These: Die Stärke des FC St. Pauli ist die basisdemokratische Art und Weise, eine romantische, utopische Identität von Fußball im professionellen Rahmen zu repräsentieren. Ein rein kapitalmarktorientierter Verein wird nicht das Ziel dieses Präsidiums sein, da man sich so nur kurzfristig mit den frischen Geldmitteln ein angenehmeres Wirtschaften ermöglicht, dafür aber langfristig den Wünschen und dem Willen der Investoren unterwirft. Aber: Der Wettbewerb im Profifußball steigt schnell und rapide, nur über sehr gutes Scouting und das gezielte Rauskaufen von interessanten Spielern aus Vereinen/Verträgen bleibt man wettbewerbsfähig, da die Ablösesumme oft niedriger ist als das Handgeld, welches ein ablösefreier Spieler kassiert. Umgekehrt muss es Ziel des FC St. Pauli sein, die brachliegenden Einnahmequellen zu erschließen – in erster Linie sind damit die Transfererlöse gemeint –, mit denen wir unsere in den letzten Jahren hervorragende Nachwuchsarbeit vergolden könnten, wenn die Spieler schon nicht zu halten sind. Der Wettbewerb wird rustikaler, man muss sich vorbereiten auf einen Profifußball in einer Form des Turbokapitalismus. Schaut man sich Göttlichs Firmenvita an, so sieht man die Antwort auf eine Frage: Wie kann man Klein- und Mittelständler gegen Firmen wie Apple, Google und Amazon repräsentieren und wie kann man da ein Erfolgsrezept entwickeln? Wohl auch deswegen hat ihn der Aufsichtsrat ausgewählt, weil dies auch übertragbar auf den FC St. Pauli ist. Das Modell Rasenball Leipzig ist, aus rein wirtschaftlicher Sicht, hervorragend. Gleichzeitig verkörpert es all das, was man beim FC St. Pauli hoffentlich nie erleben wird. Hier gilt es für das Präsidium möglichst schon Lösungen zu finden, ehe das Problem Ausgliederung überhaupt an den Verein herangetragen wird, womit wir wieder bei Agieren statt Reagieren wären.

 

Stell dir vor es wäre wahr 
Stell dir vor, wir wärn schon da 

Wo geht der Weg also hin? Erreichen wir Utopia? Oder kommen wir zumindest etwas näher ran?
Machen wir uns nichts vor, am Ende entscheiden die Kleinigkeiten im Bereich der Lizenzmannschaft. Da springt der Ball nach einem Schuss von Sobiech aus dem Gewühl in der Nachspielzeit an den Pfosten – und von da? An den Rücken des Verteidigers und ins Tor? Oder ins Seitenaus? Kleinigkeiten, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden, die zu einem großen Teil immer noch von Glück und Zufall geprägt sind. Mit diesem Präsidium, der zu erwartenden Besetzung des Aufsichtsrats (Doppel-Interview mit den beiden Kandidatinnen in dieser Ausgabe) und dem aktuellen Trainerteam sind wir jedenfalls so fannah aufgestellt wie noch nie. Dies ist nichts Schlechtes, im Gegenteil, zumal es bei allen beteiligten Personen erst mal die fachliche Qualifikation ist, die sie für das Amt befähigt, dann aber auch schon das braun-weiße Herz.
Der Verein steht an einer Schwelle, auf die die gesamte Fanszene seit Ende der 80er Jahre langsam hingearbeitet hat. Die Punks von damals sind die Banker von heute, um das alte Klischee nochmal hervorzukramen. Und wenn Alles, neben der fachlich guten Arbeit, auch noch von einem winzigen bisschen Glück und gutem Willen begleitet wird, dann kann sich dieser Verein in den nächsten Jahren erfolgreich für die Zukunft aufstellen und seine Identität bewahren – vielleicht sogar noch etwas schärfen.

Dies ist ausdrücklich frei von der Ligazugehörigkeit gemeint, aber wenn dann über die Liga oder den Pokal irgendwann doch mal eine Busfahrt zum internationalen Pflichtspiel in Aserbaidschan dabei herausspringt, dürfte wohl auch der zukünftige Herr Vereinspräsident – so er denn gewählt wird – dieses nur allzu gerne im Fanladen seines Vertrauens buchen. // Frodo & Ronny

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VdS – Sp 12 – 1. FC Nürnberg

Nach dem Pokalaus am Dienstag steht schon das nächste Spiel vor der Tür. Am Samstag spielt der magische FC St. Pauli auswärts beim 1. FC Nürnberg.

Ich sprach dazu mit Kevin / @kiyoskarotten über die bisherige Saison der Nürnberger und seine Erwartungen an unser Spiel morgen.

Viel Spaß! // Sebastian

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