Zu Hause gegen den kleinen HSV

von Stefan

Am Sonnabend ist mit Hannover 96 ein Bundesliga-Absteiger der vergangenen Saison am heimischen Millerntor zu Gast. Anstoß der Begegnung ist um 13 Uhr.

Der Saisonverlauf

In dieser Saison lief für die 96er bisher überhaupt nichts wie geplant. Hannover rangiert nach dem 14. Spieltag auf dem Relegationsplatz zur dritten Liga. Im bisherigen Saisonverlauf erzielten die Niedersachsen lediglich drei magere Siege (gegen Wiesbaden, Kiel und Dresden). Zudem gelangen ihnen fünf Unentschieden und sechs Niederlagen. Das Torverhältnis ist mit 15:24 deutlich negativ.  Mit den erzielten 15 Treffern hat Hannover 96 mit vier weiteren Teams den harmlosesten Sturm der zweiten Liga. Im DFB-Pokal scheiterte man zudem schon in der ersten Runde am Karlsruher SC (0:2).

Der Kader

Nach dem Abstieg in der vergangenen Saison sollte das Ziel der Niedersachsen, auch nach der eigenen Überzeugung, eigentlich direkter Wiederaufstieg lauten. Doch die Hannoveraner gingen mit einer erheblichen finanziellen Hypothek in die aktuelle Saison. Dem Vernehmen nach soll ein Verlust in zweistelliger Millionenhöhe aufgelaufen sein. Nur logisch, dass damit für die Kaderplanung keine großen Sprünge möglich waren. Dennoch gelang es der sportlichen Führung unter Sportdirektor Jan Schlaudraff und dem (ehemaligen) Trainer Mirko Slomka mit Torhüter Ron-Robert Zieler (Rückennummer 1) und Stürmer Marvin Duksch (# 17) namhafte Neuzugänge zu verpflichten. Doch auch diese konnten die Talfahrt der 96er nicht verhindern und damit auch nicht die oft zitierten Gesetze des Marktes. Slomka musste am 3. November seinen Hut nach sechs Heimspielen ohne Sieg nehmen. Am 14. November präsentierte Hannover als neuen Trainer Kenan Kocak. Dieser konnte jedoch bei seinem ersten Spiel am vergangenen Montag den Abwärtstrend nicht stoppen und verlor gegen Darmstadt 98 mit 1:2. Unter Trainer Slomka kamen dreizehn Spieler in mindesten zehn Partien zum Einsatz. Slomka schien dabei schon früh sein Stammpersonal gefunden zu haben. Im ersten Spiel des neuen Trainers Kocak erfolgten dann die ersten Umstellungen. Torwart Zieler war auch unter dem neuen Trainer gesetzt. Die Toptorschützen, mit insgesamt neun Treffern, sind der ehemalige St. Paulianer Duksch (4 Treffer) und Hendrik Weydandt (5). Beide spielten auch unter Kocak von Beginn an. Sowohl im Mittelfeld, als auch in der Abwehr stellte der neue Trainer sein Team allerdings um. Mit den Spielern Felipe (# 5), Sebastian Jung (# 24), Edgar Prib (# 7) und Florent Muslija (# 35) brachte Kocak gleich vier neue Spieler im Vergleich zur Vorwoche. Ob er diese Umstellungen jedoch gegen unsere Boys in Brown beibehält, ist ob der Niederlage zumindest fraglich.

Die Formation

Slomka ließ seine 96er je nach Gegner in einer 4-5-1 oder 4-3-3 Formation auflaufen. Kocak hingegen bevorzugte bei seinem ersten Spiel eine 4-4-2 Formation. Im Mittelfeld agierten vor der Abwehr mit Kapitän Marvin Bakalorz (# 6) und Edgar Prib zwei Sechser. Auf den Außenbahnen spielten Genki Haraguchi (# 10) und Florent Muslija. Es ist anzunehmen, dass Kocak diese Aufstellung mehr oder weniger testen wollte. Eigentlich bevorzugt der Trainer eine 4-2-3-1 Formation. Diese eher defensive Ausrichtung dürfte auch für ein Auswärtsspiel mit einer vergleichsweise instabilen Mannschaft wie Hannover am Millerntor angemessen sein.

Die Bilanz

Die Kiezkicker trafen bis dato in 39 Partien auf die Niedersachsen. Die sportliche Bilanz fällt zu Gunsten der 96er aus. Dem Magischen FC gelangen zwölf Siege, den Hannoveranern deren 16. Die Teams trennten sich 11-mal mit einem Unentschieden. Die Torbilanz ist mit 41:55 negativ für den FC St. Pauli. Das letzte Aufeinandertreffen am Millerntor fand in der Saison 2016/2017 statt. Beide Teams trennten sich am 18.03.2017 mit einem torlosen Unentschieden.

Ein bisschen mehr als ein 0:0 darf es diesmal bitte gerne sein. (Foto: Ariane Gramelspacher)

Und sonst?

Beim morgigen Heimspiel ist das Tragen von Fankleidung und Fanutensilien der Gästemannschaft in den Heimbereichen auf der Nordtribüne, Gegengerade und Südtribüne nicht erlaubt.

Fazit

Der Lichtblick vom Spiel gegen Aue war am vergangenen Wochenende mit Sicherheit Henk Veermann. Der lange verletzte Niederländer hatte gegen das Team aus dem Erzgebirge sein Startelfdebüt, markierte einen Treffer und war als ständige Anspielstation präsent. Vielleicht gibt die Rückkehr unserer Sturmspitze dem Rest der Mannschaft ja einen Schub, denn ein Sieg gegen die Hannoveraner wäre eminent wichtig, wenn der Magische FC nicht in den Niederungen der Tabelle überwintern will.

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Was geht in Aue?

von Stefan

Im Anschluss an die letzte Länderspielpause in diesem Kalenderjahr spielt der FC St. Pauli am Freitag um 18.30 Uhr bei Erzgebirge Aue. Mit dem Spiel beginnt der Endspurt in die Winterpause mit insgesamt fünf Spielen bis Weihnachten.

Der Saisonverlauf

Der Tabellenvierzehnte der letzten Saison steht in der aktuellen Tabelle nach bisher 13 Spieltagen auf einem hervorragenden fünften Tabellenplatz. Dabei erzielten die Auer bisher fünf Saisonsiege, bei drei Niederlagen und fünf Unentschieden. Diese relativ ausgeglichene Bilanz spiegelt sich auch mit 20:19 bei der Tordifferenz wider. Mit den bereits erzielten 20 Punkten ist es damit für den Verein aus dem Erzgebirge der beste Saisonstart seit neun Jahren. Im Pokal erreichte man die zweite Runde und schied dort gegen Fortuna Düsseldorf mit 2:1 aus. Zudem ist Erzgebirge Aue im eigenen Stadion in dieser Saison noch ungeschlagen.

Der Kader

Trainer Dirk Schuster wechselte im Sommer vom Ligakonkurrenten Darmstadt 98 nach Aue. Er löste damit den schon zu Saisonbeginn gefeuerten Daniel Meyer ab. Im Sommer wechselten insgesamt neun Spieler in das Erzgebirge. Im Gegenzug verließen 11 Spieler den Verein. Darunter mit Emmanuel Iyoha (nach Kiel) nur ein Leistungsträger. Unter den Neuverpflichtungen kamen mit Paul Horschig und Niklas Jeck zwei Eigengewächse aus der U19. Mit Sören Gonther (Rückennummer 26) holte Aue zudem vom Lokalrivalen Dynamo Dresden einen ehemaligen St. Paulianer. In der vergangenen Saison absolvierte er, trotz Verletzungspech, 17 Saisonspiele für Dynamo und erkämpfte sich in der laufenden Saison bereits einen Stammplatz bei seinem neuen Verein. Auffällig ist weiter, dass die Auer alle weiteren Spieler ablösefrei verpflichten konnten.

Die Formation

Mit geringfügigen Unterschieden lässt Schuster auch in Aue seine favorisierte Formation 4-2-3-1 spielen. Im Tor vertraut er auf seinen Kapitän Martin Männel (# 1). Männel ist ein richtiges Urgestein im Erzgebirge und seit 2008 im Verein. Die Viererabwehrkette vor dem Kapitän setzt sich in den letzten Spielen aus Dennis Kempe (#15), Sören Gonther, Marko Mihojevic (# 3) und Calogero Rizzuto (# 20) zusammen. Jedoch sei dabei angemerkt, dass mit Steve Breitkreuz (# 12), Malcolm Cacutalua (# 21), Fabian Kalig (# 4) und Filip Kusic (# 36) gleich vier Abwehrspieler verletzt sind und sich daher die Abwehr in letzter Zeit von allein formiert. Vor der Abwehrkette sichert Schuster nach hinten mit einer Doppelsechs ab. Diese bildet sich aus Philipp Riese (# 17) und Clemens Fandrich (# 5). Im offensiven Mittelfeld spielte in den vergangenen Spielen auf dem linken Flügel Jan Hochscheidt (# 7). Hochscheidt kassierte jedoch beim Spiel gegen den Karlsruher SC eine rote Karte und ist gegen die Braun-Weißen gesperrt. Für den Magischen FC durchaus kein schlechter Zeitpunkt, da Hochscheidt in der laufenden Saison bereits vier Tore und zwei Assists erzielen konnte. Als hängende Spitze agiert im offensiven Mittelfeld Dimitrij Nazarov (# 10). Neben ihm auf dem rechten Flügel spielte in den vergangenen Spielen der eigentliche Stürmer Florian Krüger (#11), in den Spielen zuvor ließ Schuster Tom Baumgart (# 8) spielen. Als Stossstürmer vertraut der Trainer auf Pascal Testroet (# 37). Wie auch bei seinen anderen Trainerstationen agiert Dirk Schuster auch in Aue betont defensiv.

Vielleicht muss Männel ja doch mal hinter sich greifen

Die Bilanz

Die Bilanz gegen Erzgebirge Aue lässt für das kommende Spiel nichts Gutes vermuten. Aue könnte man auch getrost als das zweite Heidenheim bezeichnen. Die beiden Teams trafen bisher 17-mal aufeinander. Bei diesen Spielen gelangen den Kiezkickern nur magere zwei Siege, bei fünf Unentschieden und zehn Niederlagen. Das Torverhältnis sieht dementsprechend auch dürftig aus. Den 20 erzielten Treffen stehen dem 31 Gegentore entgegen. In Aue kassierten die Kiezkicker zudem vier Niederlagen in Folge.


Und sonst?

Sehr befremdlich war beim letzten Heimspiel der Saison 2018/2019 der Auftritt von Helge Leonhardt, dem Präsidenten des FCE. Das damalige Spiel fand am Muttertag statt und Leonhardt fühlte sich gemüßigt, einige Worte an die „anwesenden Muttis“ zu richten. Was folgte, waren Worte, die stark an die Rhetorik aus den 30-er Jahren des letzten Jahrhunderts erinnert. Der Präsident schwadronierte von Frauen, die Mütter werden sollten, um die „Wismut-DNA“ weiterzutragen. Ein peinlicher Auftritt, der zweifellos als dunkler Schatten auf dem Verein liegt, immerhin ist Leonhardt ja der erste Repräsentant des Vereins.

Fazit

Trainer Luhukay muss erneut auf zahlreiche Spieler verzichten. Insgesamt 15 Spieler stehen dem Trainer nicht zur Verfügung. In der Folge muss Luhukay erneut bei der Aufstellung improvisieren. So könnte Henk Veermann nach seiner Verletzungspause zum ersten Mal von Beginn an spielen. Aber auch andere Positionen müssen angepasst und das Spielsystem entsprechend umgestellt werden. Dies alles könnte allerdings auch ein Vorteil sein. Die erneute Umstellung mach St. Pauli für den Heimtrainer sicherlich etwas unberechenbarer und die Serie gegen Aue könnte reißen.

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Karlsruh, Karlsruh …

von Stefan

Zum Abschluß der sogenannten Englischen Woche mit Pokal und Liga spielt der FC St. Pauli am Sonnabend um 13 Uhr am Millerntor gegen den Aufsteiger Karlsruher Sport-Club. Das Spiel leiten wird Schiedsrichter Christof Günsch aus Marburg.

Der Saisonverlauf

Der KSC belegt im Moment einen durchaus ordentlichen neunten Tabellenplatz. In der Liga erzielten die Nordbadener bisher drei Siege und drei Niederlagen. Fünfmal spielte der KSC unentschieden. Im Pokal siegte man unter der Woche mit 1:0 in Darmstadt und zog damit in die dritte Pokalrunde ein. Mit dem ausgegebenem Ziel Klassenerhalt liegt der KSC somit voll auf Kurs.

Der Kader

Alois Schwartz ist bereits seit 2017 Trainer in Karlsruhe und hat nach einem erfolglosen Anlauf in der Saison 2017/2018 in der vergangenen Saison den Aufstieg aus der dritten Liga geschafft. Im Großen und Ganzen vertraut Schwartz in dieser Saison den „Aufstiegshelden“, nur wenige Neuzugänge haben den Sprung in die Stammformation geschafft. Insgesamt verließen sieben Spieler den Verein, sieben Spieler wurden geholt. Mit dem Stürmer Philipp Hofmann (# 33) von Eintracht Braunschweig (ablösefrei) verpflichteten die Karlsruher einen Spieler, welcher sich direkt in die Stammformation und darüber hinaus auch zu einem Torgaranten entwickelte. Hofmann erzielte in dieser Saison bereits sieben Treffer und damit fast ein Drittel aller Karlsruher Treffer. Mit Lukas Fröde (# 4) vom MSV Duisburg konnte Trainer Schwartz einen weiteren Neuzugang fest in den Kader einbinden. Im Gegensatz zu Luhukay kann Schwartz auf nahezu seinen gesamten Kader zurückgreifen. Lediglich Ersatztorhüter Sven Müller (# 28) und Lukas Grozurek (# 27) stehen nicht zur Verfügung.

Die Formation

Im Tor vertraut Schwartz auf den 26-jährigen Benjamin Uphoff (# 1). Er kam im Juli 2017 vom VfB Stuttgart und absolvierte in dieser Saison alle Spiele. Allerdings musste er dabei bereits 21 Gegentreffer hinnehmen, was jedoch nicht ausschließlich sein Verschulden ist. Vielmehr sind schwache Abwehrleistungen der Hauptgrund für die zahlreichen Gegentreffer. Dies bescheinigt auch der kicker-Notenschnitt von guten 2,77. Vor Torhüter Uphoff lässt Schwartz mit einer Vierer-Abwehrkette spielen. Ohne großartig zu rotieren, vertraut der Trainer vier Stammkräften. Auf links spielt nach seinem auskurierten Bänderriss im Sprunggelenk wieder Damian Roßbach (# 6). In der Innenverteidigung spielen Kapitän David Pisot (# 5) und Daniel Gordon (# 3). Rechter Außenverteidiger ist Marco Thiede (# 27). Im Mittelfeld wird deutlich, dass Schwartz noch keine Stammformation für seinen KSC gefunden hat. Im letzten Ligaspiel gegen Hannover 96 ließ der Trainer mit einer Doppelsechs und drei offensiven Mittelfeldspielern agieren. Beim Pokalspiel unter der Woche sogar mit drei Mittelfeldspielern vor der Abwehr und zwei offensiv ausgerichteten Mittelfeldspielern. In den Spielen davor spielte Karlsruhe hingegen nur mit einem Sechser vor der Abwehr und entsprechend offensiven Mittelfeldspielern davor. Wegen des Erfolges in Darmstadt, insbesondere auch, weil man keinen Gegentreffer kassierte, ist es nicht unwahrscheinlich, dass der KSC auch gegen die Braun-Weißen in dieser sehr defensiven Formation auflaufen und sich zunächst auf Kontermöglichkeiten konzentrieren wird. Lukas Fröde (# 4) agierte dabei als klassischer Sechser, unterstützt von Marvin Wanitzek (# 10) und Manuel Stiefler (# 8) . Vor diesem defensiven Verbund agierten der Südkoreaner Kyoung-Rok Choi (# 37) und Anton Fink (# 30). Im Sturm schließlich lauerte der bereits erwähnte Hofmann auf Torgelegenheiten.

Die Bilanz

In der bisherigen Vereinsgeschichte spielte der Magische FC insgesamt 30 Mal gegen den Karlsruher SC. Dabei gelangen bislang elf Siege, zehn Unentschieden und neun Niederlagen. Das Torverhältnis ist mit 38:38 ausgeglichen. Beim letzten Aufeinandertreffen am 27.02.2017 gelang ein souveräner 5:0 Heimsieg, dies war gleichzeitig auch der höchste Sieg gegen den KSC.

Warum nicht mal ein deutlicher Sieg?
(Foto: Ariane Gramelspacher)

Und sonst?

Wärme Geben! Unter diesem Motto findet auf dem Südkurvenvorplatz des Millerntor Stadions eine Kleiderspendenaktion statt. Von 10.30 Uhr bis 13 Uhr kann dort Winterkleidung abgegeben werden. Veranstalter ist der Verein Hanseatic Help in Zusammenarbeit mit dem FC St. Pauli.

Fazit

Es steht das dritte Spiel in sechs Tagen an, vielleicht ist es ratsam, die Erwartungen nicht zu hoch zu schrauben. Das Spiel in Heidenheim und der Pokalfight gegen Frankfurt werden sicherlich in den Anfangsminuten noch spürbar sein. Dennoch ist gegen den KSC endlich wieder ein Dreier im Bereich des Möglichen. Die Karlsruher werden am Millerntor verhalten agieren und den Fokus auf die Torvermeidung legen. Wichtig ist also keine Konter einzufangen und möglichst früh einen Treffer zu erzielen. (Haha, also alles wie immer, findet die Texthochladerin …)

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Heimspiel gegen Darmstadt 98

von Stefan

Im Anschluss an die sogenannte Länderspielpause treffen unsere Braun-Weißen am Sonnabend um 13 Uhr auf SV Darmstadt 98. Gegen die Südhessen gilt es für unseren Magischen FC die positive Entwicklung weiter auszubauen.

Der Saisonstart

Der bisherige Saisonverlauf der Südhessen war bei weitem nicht so wie geplant. Die von Trainer Dimitrios Grammozis trainierte Mannschaft rangiert zur Zeit auf einem mehr als dürftigen 17. Tabellenplatz. Seit Saisonbeginn konnten die Lilien in der Liga lediglich einmal gewinnen, kassierten drei Niederlagen und erreichten zumindest fünfmal ein Unentschieden. Schaut man sich die Auswärtstabelle an, befinden sich die Darmstädter gar auf dem letzten Tabellenplatz wieder. Auf fremden Platz kassierten die Blau-Weißen neun Gegentreffer und erzielten magere drei Tore. Die Aussichten auf einen Heimsieg und eine Fortsetzung der ordentlichen Serie der Kiezkicker ohne Niederlage ist also durchaus möglich, aber kein Selbstläufer.

Der Kader

Trainer Grammozis übernahm im Februar 2019 das Ruder am Böllenfalltor. Gemeinsamt mit Sportleiter Carsten Wehlmann konnte er somit erstmals Einfluss auf die Kaderplanung der Lilien nehmen. Im Tor verließ Topspieler Daniel Heuer Fernandes den Klub gen Hamburg zu unserem kleinen Nachbarn. Geholt wurde von Ligakonkurrent SV Sandhausen der 26 jährige Marcel Schuhen (Rückennummer 1). Schuhen spielte jedoch bislang nur am 1. Spieltag für die Lilien. Kurz vor dem zweiten Spieltag verletzte er sich und seitdem steht der 25-jährige Florian Stritzel (#31) zwischen den Pfosten der Blau-Weißen. Neben Marcel Schuhen holten die Lilien insgesamt 10 neue Spieler. Zudem kam Torwart Carl Leonhard aus der eigenen Jugend und Innenverteidiger Dario Dumis zur Leihe vom FC Utrecht. Unter den namhaftesten Neuzugängen kommen von Borussia Mönchengladbach Mandela Egbo, Seung-ho Paik vom FC Girona sowie Tim Skarke vom 1. FC Heidenheim. Kurios ist im Kader sicherlich das üppige Angebot an Torhütern. Insgesamt stehen dem Trainer fünf Keeper zur Auswahl. Insgesamt hat der Kader ein Durchschnittsalter von 26,0 Jahren, die Lilien stellen damit den fünftältesten Kader der Liga.

Die Formation

Grammozis ist in seiner taktischen Aufstellung nicht sehr variabel. Er lässt durchweg in einem klassischen 4-2-3-1 auflaufen. Gegen unseren Magischen FC wird die taktische Ausrichtung sicherlich nicht anders ausfallen. In der Abwehr bilden Kapitän Fabian Holland (# 32), die Innenverteidiger Immanuel Höhn (# 21) und Dario Dumic (# 35) sowie der rechte Verteidiger Patrick Herrmann (# 37) eine feste Viererabwehrkette. Im Mittelfeld agieren Yannick Stark (# 28) und Victor Pálsson (# 4) als Doppelsechs. Davor vertraut der Trainer zumeist den drei Mittelfeldspielern Marcel Heller (# 20), Marvin Mehlem (# 6) sowie Tim Skarke (# 27). In den bisherigen Saisonspielen ließ Grammozis stets von Beginn an seine Sturmspitze Serdar Tursun (# 19) auflaufen. Der deutsch-türkische Stürmer dankte es seinem Trainer immerhin mit fünf Scorerpunkten und drei Toren und war damit maßgeblich an nahezu allen Darmstädter Treffern beteiligt.

Die Bilanz

Nicht nur die Perspektive für das Spiel am Sonnabend ist positiv für unsere Kiezkicker. Auch die Heimbilanz gegen Darmstadt ist zu unseren Gunsten. In bisher sieben Heimspielen gegen die Lilien gab es fünf Siege für St. Pauli und lediglich zwei Auswärtserfolge für Darmstadt 98. Natürlich spricht auch das Torverhältnis mit 14:5 für die Braun-Weißen.

Und sonst?

Im Zuge der sogenannten Weltverbesserer-Initiative ist es am Sonnabend möglich mit Bus und Bahn zum Spiel anzureisen. Nach Auskunft des Vereins berechtigt das Ticket zu einer Fahrt zum Veranstaltungsort und zurück innerhalb der Ringe A-E (inkl. Schnellbusse). Dabei reicht das Spieltagsticket bzw. die Dauerkarte als Nachweis aus.

Fazit

Die Heimbilanz spricht für den FC St. Pauli. Der bisherige Saisonverlauf und die tabellarische Situation spricht für den FC St. Pauli. Eigentlich sollte also alles klar sein für Sonnabend. Aber Fussball ist ja bekanntlich nicht berechenbar und bei jedem Spiel ist alles möglich. Gleichwohl wird Trainer Luhukay die Kiezkicker optimal vorbereitet haben und die Braun-Weißen werden hoffentlich nicht mit einer Laissez-faire-Einstellung in das Spiel gehen. Ein Sieg muss also drin sein, um auch den Anschluss an die guten Tabellenplätze zu halten.

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Auswärts beim Glubb

Von Stefan

Am Sonntag gastiert der Magische FC beim 1. FC Nürnberg im Max-Morlock-Stadion. Anstoss des tabellarischen Nachbarschaftsduells ist um 13.30 Uhr. Der Absteiger der vergangenen Bundesligasaison hat mit Damir Canadi einen neuen Trainer verpflichtet und naturgemäß das Ziel direkter Wiederaufstieg ausgegeben. Die Braun-Weißen treffen dabei auch auf einen alten Bekannten. Seit dem 15.04.2019 ist Robert Palikuca als Sportvorstand in Nürnberg. Der ehemalige Abwehrspieler des Kiezclubs spielte von 2004 bis 2006 beim FC St. Pauli und erzielte das entscheidende 4:3 im DFB-Pokal Viertelfinale gegen den SV Werder Bremen.

Robert Palikuca – Foto Ariane Gramelspacher

Der Saisonstart

Der 1. FC Nürnberg steht in der aktuellen Tabelle der 2. Liga auf Tabellenplatz 7 und damit einen Platz hinter dem FC St. Pauli. In den bisherigen 8 Spielen haben die Franken, genau wie unsere Braun-Weißen, dreimal gewonnen, dreimal unentschieden gespielt und zweimal eine Niederlage eingesteckt. Im Pokal gewann der ehemalige Rekordmeister mit 1:0 beim Drittligisten FC Ingolstadt und spielt in der 2. Runde beim 1. FC Kaiserslautern. Auf dem Torekonto schlagen 14 Tore bei 13 Gegentreffern zu Buche. Bemerkenswert ist dabei, dass die Nürnberger im bisherigen Saisonverlauf bereits dreimal zu Null gespielt haben. Zudem ist der neunmalige Meister bereits seit fünf Spielen ungeschlagen.

Der Kader

Bedingt durch den Abstieg in die 2. Liga erfolgte ein Umbruch beim Club. Insgesamt verpflichtete Palikuca 13 neue Spieler. Neuzugang Andreas Lukse kam als Nummer 2 hinter Christian Mathenia. Der Stammtorhüter (Rückennummer 26) gehört zu den insgesamt 5 Stammkräften, die in den bisher absolvierten Ligaspielen unter Trainer Canadi bei jedem Spiel eingesetzt worden sind. Der ehemalige Spieler des Hamburger Vorstadtclubs spielt seit 2018 bei den Franken und ist seitdem eine feste Stütze im Team der Nürnberger. Neben Mathenia sind zwei weitere ehemalige Spieler der Rothosen im Kader. Fabian Nürnberger (#15) spielte in seiner Jugend in St. Ellingen. Der 20-jährige Abwehrspieler lief in dieser Saison bereits viermal für Nürnberg auf. Ähnlich jung ist Tim Handwerker (21). Der U21-Auswahlspieler mit der Rückennummer 6 sammelte in der vergangenen Saison Erfahrungen beim FC Groningen und ist defensiv auf der linken Seite individuell einsetzbar. Eine weitere ehemalige Raute ist der zweitligaerfahrene Hanno Behrens (#18). Der Mittelfeldspieler war in der bisherigen Saison an allen Ligaspielen des Absteigers beteiligt und ist zudem der Kapitän. Bester Torschütze des Altmeisters ist der Mittelfeldspieler Johannes Geis mit 3 Treffern bei 6 Einsätzen in dieser Saison. Kurioserweise erzielte er sämtliche Treffer im heimischen Stadion. Der Neuzugang kam spät zu den Franken, stieg ohne Vorbereitung in den Kader ein und war sofort gesetzt. Er agiert häufig von der sogenannten Sechserposition. Die selbe Anzahl an Treffern erzielte auch Stürmer Robin Hack (#17), allerdings in bisher acht Spielen. Der Linksaußen kam zum Beginn der Saison aus Hoffenheim und erhielt auch von Beginn an einen Stammplatz. Auffällig im Kader ist darüber hinaus, dass die nominellen Stürmer lediglich für vier Treffer verantwortlich sind, die Mittelfeldspieler hingegen für weitere sieben Treffer. Ein weiterer bemerkenswerter Neuzugang ist Nikola Dovedan von 1. FC Heidenheim. Der Österreicher hat in den bisherigen Spielen die Offensive der Cluberer belebt und sowohl im Pokal als auch in Dresden jeweils das Siegtor erzielt. Gegen Osnabrück gab er die Vorlage zum entscheidenden Treffer.

Die Formation

Auffällig ist, dass Trainer Canadi keine feste Formation für den 1. FC Nürnberg als Spielidee hat. Vielmehr passt er die Formation seines Teams individuell an jeden Gegner an. So spielt Nürnberg sowohl mit einer 3-er als auch mit einer 4-er Abwehrkette. Im Mittelfeld sieht es ähnlich aus. Entweder mit drei Mann oder mit vier Mann. Beim vorletzten Auswärtsspiel in Darmstadt spielte Nürnberg gar in einer 3-5-2 Formation. Im Sturm setzt sich das uneinheitliche Bild fort. Oft wird mit drei nominellen Stürmern gespielt, hin und wieder aber auch nur mit zwei Stürmern oder gar nur mit einem Stossstürmer. Allerdings kann man einige Muster in der Formation der Nürnberger erkennen. So übernimmt der Schweizer Michael Frey (Leihe von Fenerbahce Istanbul) in nahezu allen Spielen die Rolle eben dieses Stossstürmers. Der Mann mit der Rückennummer 14 agiert dabei selten als klassischer Torjäger, sondern vielmehr als offensiver Ballverteiler für die nachrückenden Spieler. Für das Spiel am Sonntag ist damit zu rechnen, dass der Club gegen die Kiezkicker nicht mit einem Offensivfeuerwerk aufwarten wird. Trainer Canadi könnte mit einem 4-3-3 auflaufen lassen. Diese Formation hat sich zuletzt bei Nürnbergs Auswärtsspiel in Hannover bewährt, denn bei einer zu offensiven Ausrichtung könnte gegen Luhukays Kombinationsspiel der sprichwörtliche Schuss nach hinten losgehen.

Die Bilanz

Der FCSP spielte bis dato 32-mal gegen den 1. FC Nürnberg. Dabei sieht die Bilanz gegen die oft favorisierten Franken nicht gerade rosig aus. Die Braun-Weißen konnten bisher nur zehnmal gewinnen, Nürnberg gewann hingegen 13 mal und neunmal gab es ein Unentschieden. Das Torverhältnis spricht mit 33:45 klar für die Heimmannschaft am Sonntag. Auswärts in Nürnberg gelangen in den bisherigen Aufeinandertreffen lediglich vier Siege, bei sieben Niederlagen und vier Unentschieden. Das Torverhältnis ist mit 17:27 ähnlich deutlich.

Und sonst?

Den wahrscheinlich schönsten Sieg gab es für unsere Braun-Weißen am 20.05.2001, dem 34. Spieltag der 2. Bundesliga der Saison 2000/2001. Mit dem 2:1 Auswärtssieg beim 1. FC Nürnberg sicherte sich der FC St. Pauli endgültig den dritten Platz in der zweiten Liga und machte damit den Aufstieg ins Oberhaus klar. In der damaligen Partie gingen die Nürnberger in der 9. Spielminute früh in Führung, ehe kurz vor der Halbzeitpause Dubravko Kolinger für den Ausgleich sorgte. In der 76. Spielminute gelang dann der Führungstreffer durch Deniz Baris. Was folgte, war eine rauschende Aufstiegsparty.

Auswärtssieg und Aufstiegsspiel in Nürnberg 2001 – Foto: Ariane Gramelspacher

Fazit

Am Sonntag erwartet uns eine Partie auf Augenhöhe. Beide Mannschaften haben zur Zeit einen Lauf. Nürnberg hat zuletzt mit dem 0:4 Auswärtssieg bei Hannover 96 ein Zeichen gesetzt. Der Magische FC hat sich in den letzten Spielen stetig gesteigert. Allerdings wussten die Nürnberger vor heimischen Publikum bislang nicht zu überzeugen. So setzte es gegen St. Ellingen eine 0:4 Niederlage. Gegen Heidenheim und Karlsruhe gab es jeweils ein Unentschieden. Der einzige Sieg gelang gegen Osnabrück mit einem mageren 1:0. Sofern die Kiezkicker also wieder auftreten wie in den vergangenen Spielen, ist durchaus ein Sieg im Frankenland möglich.

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Die Platte des Monats: DANGER!MAN – “Weapons of mass-distraction”

von //superheidi

Leuten, die seit den 80ern in verschiedensten Punkbands Musik machen, muss man nicht mehr erklären, wie Punk funktioniert. Und wenn sie dann noch aus einer der besten Punk/Hardcoremetropolen wie Oslo kommen, kann erst recht nichts mehr schiefgehen. Namen wie LIFE… BUT HOW TO LIVE IT, SO MUCH HATE, BANNLYST, BARN AV REGNBUEN müssten jedem was sagen, der aus der Materie kommt. Und eben Leute aus diesen Bands treffen wir bei DANGER!MAN wieder. Die gibt es seit 2009 und dies ist ihre zweite LP (neben zwei Split LPs mit BONE IDLES und mit LUCKY MALICE, einer All-Girl-Punkband aus Norwegen, welche auch die kompletten Back-up vocals auf der neuen Platte eingesungen haben. Daran muss man sich erst mal gewöhnen, wenn man die Band schon kennt.)

Das Plattencover

Insgesamt sind das 9 Songs routiniert gespielter Punkrock mit Hardcoreanleihen, welcher aber erst live richtig zündet. Die Band hat eine unglaubliche Bühnenpräsenz, wovon ich mich endlich mal wieder letzten Sonntag in Braunschweig überzeugen konnte. Und da dies hier ganz aktuell ist und die Platte brandneu: am Freitag 4.10. spielen sie im Hafenklang. Das ist die Gelegenheit, sich mal wieder das Hirn durchspülen zu lassen. Die Jungs machen echt Spaß. Ohne Scheiß. Versprochen. Jeder, der mir hinterher sagt, das war nicht toll, dem spendiere ich ein Bier. Beenden möchte ich das Ganze mit ihren eigenen Worten: „DANGER!MAN’s music finds their roots in 80’s hardcore, but they also take good care of the early punkrock heritage. Whenever DANGER!MAN play live, it’s bottoms up, full speed ahead, and it ends up in a great party for everyone. DANGER!MAN is a live-band! Playing live is their reason to still play in bands after 30+ years of punkrock!“ Unterschreibe ich. Wir sehen uns Freitag! Ach so, die Scheibe gibt es nur als LP, aber ne CD ist incl.

Die Konzerttour
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„Ich habe mir meine Auslösung verdient“

Thees Uhlmann hat eine neue Platte, die ziemlich gut ist. Und er hat eine Menge zu erzählen – über Arschlöcher in Kneipen, Fannähe und seinen Wunsch nach internationalem Fußball am Millerntor

Von Sebastian

Du hast dir für deine neue Platte fast sechs Jahre Zeit gelassen. Was hat sich inzwischen bei dir geändert bzw. wie hast du dich verändert?

Jede Menge. Ich merke die fortgeschrittene Zeit vor allem an meiner Tochter. Sie ist jetzt 12 und versteht inzwischen ganz genau, was ich mache – und sie findet es peinlich. Mit sieben oder acht wäre das vielleicht noch überlebensgroß gewesen. Bei meiner letzten Platte war sie bei meinem Konzert in Köln dabei und ist nach einer Stunde einfach eingeschlafen. Weil der Altvordere steht da oben rum, schwitzt und grölt und es interessiert sie nicht.

Auch die Welt ist inzwischen eine andere. Was hat dich zuletzt besonders beschäftigt?

Vieles. Obama, Nirvana, Maueröffnung. Wo ist denn das alles geblieben? Das hat doch alles ganz gut geklappt. Aber man weiß ja: Es gibt da draußen etwa 30 Prozent, die sich freuen, wie sich die Welt in den letzten Jahren verändert hat. Früher waren die unsichtbar. Da waren das vielleicht fünf Arschlöcher in der Kneipe, die rumgelabert haben, bis der Wirt gesagt hat: „Jetzt haltet mal die Schnauze, ihr vertreibt die Gäste“. Jetzt bleiben die zuhause und tummeln sich in Facebook-Gruppen. Und da ist es ja so: Man bekommt nicht den Applaus für den schönsten Gedanken, sondern für den extremsten. Und das ist in der Psyche des Menschen nicht vorgesehen und es löst keine politischen Konflikte.

Ich finde, „Junkies und Scientologen“ ist insgesamt keine kuschelige Platte geworden. Ich höre da überall zwischen den Zeilen Trauer, Verlustschmerz, bestenfalls Dann-eben-nicht-Trotz heraus. Täuscht das oder machst du gerade harte Zeiten durch?

Es interessiert mich nicht mehr, wie es mir geht. Ich weiß mit 45, wer ich bin, was ich nicht kann, aber auch, was ich kann. Mein Ego hat sich seit meinem 40. Geburtstag mehr und mehr abgemeldet. Mich interessiert das Wohlergehen meiner Tochter, meine Mutter soll noch 20 Jahre leben, meinem Freundeskreis soll es gut gehen und die Kunst muss stimmen, da will ich an die dunklen Plätze. Der Rest juckt mich nicht groß.

Foto: Ariane Gramelspacher

Würdest du dich als politischen Künstler bezeichnen?

Nein. Es gibt Leute wie Markus Wiebusch, für die war Politik von Anfang an ein Motor, um überhaupt mit Musik anzufangen. Bei mir war das anders. Ich wollte Musik machen, weil mir langweilig war. Ich habe privat eine politische Meinung, aber auf der Bühne passt das für mich nicht.

Du warst im Sommer mit dem FCSP in den USA. Der Verein zeigt sich da sehr fannah. Warum geht das dort und bei uns nicht mehr?

Das muss man verstehen. Wenn ich ein Konzert in der Großen Freiheit spiele, bin ich auch nicht fannah. Das ist einfach zu viel Masse. Bei kleineren Konzerten ist das einfacher. Außerdem darf man nicht vergessen: Im Gegensatz zu Ralph Gunesch und Fabian Boll ist das eine andere Generation von Fußballern. Die sind teilweise noch so wahnsinnig jung. Da ist es doch klar, dass die es auch mal verkacken, wenn 29.000 ihr Wochenendwohl von denen abhängig machen. Der Fußball ist weiter professionalisiert worden. Vielleicht können die jungen Spieler mit der Liebe der Fans auch gar nicht umgehen. Es kann ja auch eine Last sein, für St. Pauli zu spielen. Vielleicht spielt man dann beim SV Sandhausen entspannter.

Wie sehr prägt das Fansein deinen Alltag?

Vom psychischen her wird es immer schwieriger. Beim Spiel gegen Dresden (3:3 nach 3:0-Führung) habe ich erst gesaugt, dann gewischt, dann war ich einkaufen. Dann habe ich gearbeitet und beim Ticker nicht auf „Aktualisieren“ gedrückt. Dann doch und das 3:3 gesehen. Da habe ich dann alleine in meiner Wohnung rumgeschrien. Das war richtig scheiße. Und immer taucht dann die Frage auf: Warum hast du eigentlich kein Hobby, das dich glücklich macht. Um das klarzustellen: St. Pauli ist für mich ein absoluter Sehnsuchtsort, aber ich bekomme so selten eine Auslösung.

Aber ist es nicht auch ein bisschen reizvoll: unerfüllte Sehnsüchte, immer knapp daneben. Das kann doch eine Fanliebe auch stärken.

Ich bin jetzt aber auch schon ganz schön alt. Ich habe mir meine Auslösung verdient.

Was ist denn die Auslösung?

International spielen. Aufstieg erste Liga und dann so wie Mainz oder Freiburg. Das muss doch mal klappen.

Sorgst du dich auch manchmal um den FC St. Pauli?

Manchmal habe ich Angst, dass die Geschichte zu Ende erzählt ist, dass Fußball an sich nahezu zu Ende erzählt ist. Der Sport ist extrem maskulin, also in den Ultras-Kurven. Und Männerkult finde ich extrem bedrohlich. Sowas sorgt mich. Wobei: Dass die Dresdner beim Auswärtsspiel am Millerntor schon vor der Halbzeit die Klos in ihrem Block komplett zerstört haben, amüsiert mich wieder. Stell dir mal vor: Die kippen sich die ganze Anfahrt lang Bier und Weinbrand rein wie die Behämmerten und demolieren dann die eigenen Klos. Da fällt mir nichts zu ein.

Foto: Ariane Gramelspacher

Wie stehst du zum HSV? Hat der Club bei dir zuletzt an Sympathien gewonnen?
Mir hat gefallen, wie sich breite Teile des Umfelds in der Jatta-Sache positioniert haben. Ansonsten nicht. Aber ich bin es satt, mich als St. Pauli-Fan überdie Misserfolge des HSV zu definieren.Für einen 45-Jährigen ist das nicht adäquat.

Hat der sportliche Erfolg Einfluss auf deine Identifikation mit dem Team.

Nein. Er hat nur Einfluss auf meine Seele. Und übrigens: Ich liebe Mats Møller Dæhli.

Was ist denn für uns drin diese Saison?

Ich möchte an meinem Geburtstag am 16. April wissen, dass wir nicht absteigen. Dann bin ich zufrieden.

Eine letzte Frage noch in eigener Sache: Du warst lange Zeit Teil unserer Redaktion. Wird es in Zukunft wieder einen Thees Uhlmann-Text im Übersteiger geben?

Ich brauche nur einen Anruf und die Zusage, dass keiner sauer ist, falls ich den Redaktionsschluss versäume. Dann gerne. Der Übersteiger hat mich ans Schreiben gebracht. Ich bin und bleibe Fan.

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Ein Signal gegen Rechts aus Hamburg – nach den flachen Reaktionen zu den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg

Laut gegen Nazis lud am vergangenen Montag, den 9. September zur Pressekonferenz in die Motte Altona. Redaktionsmitglied hog ließ sich nicht lange bitten.

Jörn Menge, seit 15 Jahren das Herz von Laut gegen Nazis, wollte mehr gegen Rechts getan wissen und so kamen interessante und bekannte Menschen, die sich immer gegen Rechts stark machen. Das Bündnis #unteilbar musste leider wegen Krankheit passen.

Es gab viele Fragen und wenige Antworten: Was macht Rechtsextremismus mit Deutschland? Warum hat die AfD eine halbe Million Fans in den Social Media und ist damit die am stärksten vertretene Partei? Warum darf ein Gauland zum Umsturz aufrufen? Und straffrei sagen, Merkel müsse gejagt werden? Warum haben die Reichsbürger immer mehr Zulauf, von fünftausend 2015 auf geschätzte fünfzigtausend in 2018?

Und wie kann man AfD Wähler zurückholen?

Das Podium von links nach rechts: Raphael Brinkert, Smudo, Jörn Menge, Lars Lawerenz und Jannes Vahl

Leider war das Interesse an der Veranstaltung bei den Hamburger Medien nicht sehr groß. Sehr schade, hier hätte ein deutlicheres Zeichen gegen Rechts gesetzt werden können.     

Ein starkes Zeichen gegen Rechts setzten aber die Podiumsteilnehmer:

Jörn Menge (Laut gegen Nazis) benennt AfD und NPD als Menschenverächter. Er zieht Parallelen zur Weimarer Republik. (Anm.: 1929 wurde übrigens die NSDAP in den Landtag von Sachsen gewählt)

Smudo (Die Fantastischen Vier) Die Fantastischen Vier spenden seit Jahren an LgN. Smudo kritisiert, dass Statements gegen Rechts bei Konzert-Kritiken fast nie vorkommen und wünscht sich einen offensiven Gegenpart zu den Rechten. Er lobt die Unteilbar-Demo in Dresden. Faschismus und AfD gehört zusammen. Sie werden gewählt wegen Faschismus! Journalisten sollten mehr auf Faschismus eingehen; Faschismus ist nicht heilbar, man muss ständig Medikamente dagegen nehmen!

Sport Marketer Raphael Brinkert spricht über die Diskussionen gegen Rechts in den Social Media. Wer Profile gegen Rechts hat, wird mit Hasskommentaren überschüttet und bedroht. Wie soll man sich da verhalten? Klare Kante, fordert Brinkert: Rassismus ist keine Meinung sondern ein Verbrechen! Keinen Millimeter nach rechts im Netz!

Jannes Vahl (Clubkinder) gründete 2015 die Gastro GoAereas, als in den Messehallen die Refugees einquartiert wurden. Mit dem Hamburger Bündnis gegen Rechts demonstrierte er am Gänsemarkt gegen die AfD. Auch das schreckliche „Helldeutschland“ – ausgerufen von Meuten (AfD) – kritisiert er und fordert mehr Engagement von allen, damit das nicht salonfähig wird. Wie auch die AfD-Schilder in der Hamburger Bürgerschaft, an die sich nun leider fast jede*r gewöhnt hat.

Lars Lawerenz (Audiolith Records) In den vergangenen 25 Jahren ist es immer schlimmer geworden. Damals wohnte Lawrenz in Lentföhrden bei Kaltenkirchen. Es gab kleine Nazi-Kundgebungen, zu denen aus der Hafenstrasse Gegenprotestlerinnen anreisten.  Heute finden Angriffe vor der Haustür statt.

Video-Statements u. a. von Carola Rakete (Seawatch) und Sebastian Krumbiegel (Die Prinzen) rundeten die Veranstaltung ab. Letzterer hat einen Song geschrieben: „Demokratie ist weiblich“ – ein Zusammenschnitt von 40 Musikerinnen, die gegen Rechts singen.

Die Social-Media-Kampagne gegen Rechts #unfollowme könnt ihr hier verfolgen:

www.unfollowme.org/
www.lautgegennazis.de

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REWEH gegen GREWE oder Testspiel gegen Aalborg BK

von hog und Käpt’n Braunbär

Da regen wir uns auf, wenn wir Samstag um 13 Uhr in der 2. Liga spielen müssen, und dann werden Testspiele um 12 Uhr angesetzt – wie am Mittwoch, den 4. September 2019 beim Spiel REWEH gegen GREWE (FCSP vs. Aalborg BK). 0:2 und dann auch noch auf dem Auswärtsgelände der FCSP II bei Eintracht Norderstedt in der Edmund-Plambeck-Arena, far away from home!

Hätte das Spiel nicht besser in die AFM-Ü50 Feier integriert werden können, so gegen 17 Uhr, wo auch Normalverdiener hätten kommen können? Aber nein, irgendwie ist es bei den Spielvorbereitungen egal, wo und wann man spielt, egal ob in Nord-Nordrhein-Westfalen, Süd-Süd-Niedersachsen oder eben in Holland. An diesem Tag wenigstens mal in der näheren Umgebung!

Erste und zweite Halbzeit gingen dann auch direkt an die guten Dänen, die aktuell Tabellen-Dritter in Dänemark sind. Aalborg BK hat gerade erst am Wochenende gegen den FC Kopenhagen, den amtierenden dänischen Meister, mit 1:0 gewonnen. Von den Spielern, die gestern zum Einsatz kamen, waren 10 Akteure auch beim 1:0 gegen den amtierenden dänischen Meister dabei.

Beim FCSP lief die dritte Garde auf – und das nicht soo schlecht. Nur Flum gehört überhaupt nicht auf die Position „Letzter Mann“, da er häufig Bälle verdaddelt, die dann auch zum 1:0 für Aalborg führten. Svend Brodersen, hoch motiviert, da er endlich mal wieder im Tor stehen durfte, blieb nix anderes übrig, als die Beinhake zu stellen. Dem guten Schiri blieb dann auch nix anderes übrig, als Svend die Rote Karte nach 31 Minuten zu zeigen. Freistoßtor durch Kasper Kusk. Und dann wurde die Rote Karte wieder zurückgenommen, da stand aber schon Leon Schmidt im Tor. Am Ende durfte der FCSP mit 11 Mann weitermachen, etwas kurios, aber in Freundschaftsspielen nicht unüblich.

Youba Diarra und Sebastian Ohlsson haben gut gefallen und auch Sahin zeigte eine sehr gute Leistung, für mich gefühlt immer am Ball. Iver Fossum, der zu Beginn der Saison von Hannover 96 zu Aalborg BK gewechselt war, traf per Nachschuss zum 0:2 in der 64. Minute.  Gut 450 Zuschauer*innen waren gekommen und gingen dann auch wieder, zum Mittagstisch.                                                                                       

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Auswärts bei: Dynamo Dresden

Von Stefan

Nach unserem ersten Saisonsieg am vergangenen Montag gegen Holstein Kiel (2:1) geht es am kommenden Samstag zum ungeliebten Ligakonkurrenten die Elbe aufwärts nach Dresden. Die SG Dynamo Dresden ist nach 4 Spieltagen in der 2. Bundesliga auf einem dürftigen 15. Tabellenplatz und damit nur einen Rang hinter unserem Magischen FC. Damit bildet der aktuelle Tabellenplatz von Dynamo auch die Ziele in dieser Saison ab. Den Klassenerhalt so früh wie möglich unter Dach und Fach zu bringen.

Der Saisonstart

Wie die bereits erwähnte Tabellensituation vermuten lässt, hat der Aufsteiger der Saison 2016/17 bislang noch nicht wirklich überzeugt. In die Saison gestartet ist der achtmalige DDR Meister mit zwei Niederlagen gegen den 1.FC Nürnberg (0:1) sowie auswärts beim Karlsruher SC (2:4). Es folgte ein Sieg im DFB Pokal gegen die TuS Dassendorf (0:3) aus der Hamburger Oberliga, danach gab es den ersten Saisonsieg gegen den 1. FC Heidenheim (2:1). Am vergangenen Wochenende kam Dresden über ein torloses Unentschieden am Böllenfalltor nicht hinaus.

Der Kader

Trainer Christian Fiél übernahm im Februar 2019 als damaliger U17-Trainer das Ruder bei der 1. Mannschaft von Dynamo und nutzte in der Sommerpause die Möglichkeit, den Kader nach seinen Vorstellungen in einigen Bereichen umzustellen. Dabei mussten zehn Spieler den Verein verlassen und 11 Spieler wurden geholt. Allerdings kamen mit Kulke, Ehlers und Kuisej gleich drei Spieler aus der eigenen U19. Teuerster Einkauf war mit rund 1 Million Euro der Schwede Alexander Jeremejeff (Rückennummer 11). Bei seinem bisherigen Verein, dem schwedischen Erstligisten BK Häcken, gelangen Jeremejeff in 19 Spielen acht Treffer und sechs Torvorlagen. In den zwei Spielen für Dynamo erzielte der 25-jährige Stürmer bereits einen Treffer und konnte damit die von der Vereinsführung in ihn gesetzten Erwartung zunächst erfüllen. Ein weiterer nennenswerter Neuzugang ist Torhüter Kevin Broll (Rückennummer 1). Er kam im Sommer von der SG Sonnenhof Großaspach und hatte in der zurückliegenden Drittligasaison in 14 Ligaspielen keinen Gegentreffer zugelassen. Als Ersatz für den zu Schalke 04 gewechselten Markus Schubert hat der 24-jährige Torhüter sich von Beginn an einen Stammplatz erarbeitet, kassierte allerdings auch schon 6 Gegentore. Nennenswerte Ausfälle hat Dynamo für unser Gastspiel im Osten nur in Form von Stammkapitän Marco Hartmann zu verzeichnen. Dieser laboriert seit Februar 2019 an einer hartnäckigen Oberschenkelverletzung.

Die Formation

Bis auf das Spiel am ersten Spieltag gegen den 1. FC Nürnberg ließ Fiél im bisherigen Saisonverlauf mit einem 3-4-2-1 spielen. Dabei spielte stets das eingespielte Abwehr Trio aus Jannik Müller (Rückennummer 18), Kevin Ehlers (Rückennumer 39) und Linus Wahlqvist (Rückennummer 2). Auch im Mittelfeld tauschte Dresden bislang nicht großartig die Spieler aus. Dort waren in den letzten Spielen stets Chris Löwe (Rückennummer 15) auf links, Jannis Nikolaou (Rückennummer 4)und Dzenis Burnic (Rückennummer 5) auf der Doppelsechs sowie Patrick Ebert (Rückennummer 20) auf rechts gesetzt. Dies gilt ebenso für die beiden offensiven Mittelfeldspieler. Dort ließ Fiél Baris Atik (Rückennummer 28) und den Österreicher Sascha Horvath (Rückennummer 29) spielen. Im Sturm spielte seit dem Wechsel zu Dresden der bereits vorgestellte Alexander Jeremejeff (Rückennummer 11). Es dürfte daher nicht überraschen, wenn die Dresdner auch gegen den Magischen FC mit dieser Formation spielen. Wenn man sich dabei die Statistik der vergangenen Dynamo-Spiele anschaut, ist der hohe Ballbesitzanteil auffällig. Dresden verteidigt dabei bewusst offensiv und läuft den Gegner aggressiv an. Gerade weil Dynamo gegen den FCSP zu Hause spielt und das Spiel machen will, wird dies auch die von Fiél ausgegebene Marschroute für das Spiel am Samstag sein. Für uns ist daher höchste Wachsamkeit von Beginn an geboten.

Die Bilanz

In der vergangenen Saison trennten sich beide Vereine zunächst am Millerntor mit einem 1:1 (Tor durch Dudziak). Beim Rückspiel im Rudolf-Harbig-Stadion gab es dann eine knappe Auswärtsniederlage (1:2; Tor durch Diamantakos) in einer ohnehin nicht berauschenden Rückrunde. Auffällig ist, dass es bei den bisherigen 16 Aufeinandertreffen der beiden Vereine immer eng zuging. Unser „deutlichster“ Sieg stammt aus der Saison 16/17 mit einem 2:0. Die Gesamtbilanz ist auch völlig ausgeglichen. Den 6 Siegen der Braun-Weißen stehen auch 6 Siege von Dynamo bei 4 Unentschieden gegenüber.

Dü-Na-Mo wird Mühe haben, dieses Niveau zu halten
(Foto: arigrafie)

Und sonst?

Wie bei den vergangenen Aufeinandertreffen dürfte es auch bei diesem Spiel auf den Rängen wieder hoch hergehen. Seit dem Wiederaufstieg von Dynamo gab es regelmäßig unschöne Szenen auf Dresdner Fanseite. Insbesondere beim letzten Spiel wurden im Gästebereich des Millerntors die sanitären Einrichtungen erheblich beschädigt und im Gästebereich waren wiederholt höchst fragwürdige (insbesondere sexistische) Transparente zu lesen. Die Entwicklung in der letzten Saison war letztendlich eine absehbare Zuspitzung der vergangenen Jahre. Eine Reaktion der aktiven FCSP Fanszene blieb dabei nicht aus. Wir dürfen also durchaus gespannt sein, was aus beiden Fanszenen am Samstag zu erwarten ist. Jedenfalls hat USP bekanntlich einen Sonderzug organisiert, um möglichst geschlossen anzureisen.

Fazit

Nach dem durchaus engagierten Auftreten gegen Holstein und dem ersten Saisonsieg, dürfte auch am Samstag gegen Dynamo etwas für den FCSP zu holen sein. Das Spielsystem der Dresdner ist bekannt und bietet für unsere Braun-Weißen keine Überraschungen. Vielmehr scheinen wir mit den frischen Neuzugängen an den richtigen Stellen nachgebessert zu haben und der Einsatzwille ist der Mannschaft in den letzten Spielen ohnehin nicht abzusprechen. Ein Auswärtssieg ist im Bereich des Möglichen und kann damit den guten Eindruck aus den letzten Spielen manifestieren.

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