Timbos Taktik Texte – Gegenpressing

Dieser Text entstammt dem ÜS#126 und wurde auch schon auf Tims Blog bei den Nice Guys veröffentlicht.

Wie funktioniert eigentlich Pressing?

Beim Pressing geht es darum, Druck auf den Gegner zu erzeugen um den Ball zu erobern. Generell werden 4 Arten des Pressing unterschieden: Abwehr-, Mittelfeld-, Angriff- und Gegenpressing. Zusätzlich gibt es auch noch false pressing, welches aber, wie der Name bereits sagt, kein wirkliches, sondern nur ein angetäuschtes pressen ist, um den Gegner zu verunsichern. Hierbei läuft ein Stürmer kurzfristig die Abwehrspieler an, allerdings ohne nachrückendes Spieler. False pressing wird häufig genutzt um das Spiel des Gegners auf eine Seite des Spielfelds zu lenken oder um der eigenen Mannschaft Zeit zum Sortieren zu verschaffen. Beim Abwehrpressing wird ebenfalls versucht den Ball auf eine Seite des Spielfelds zu verlagern. Dann wird weit hinter der Mittellinie eine Überzahl in Ballnähe erzeugt, welches bei guter Ausführung auch gute Aussichten auf einen Ballgewinn mit sich bringt.

Der Nachteil ist, dass bei ausbleibendem Ballgewinn aufgrund der Nähe zum eigenen Tor keinerlei Absicherung vorhanden ist. Erfolgreiche Beispiele sind sämtliche unter Jose Mourinho geleiteten Teams, die bei spielerischer Unterlegenheit ihr Heil in dieser Formation suchen. Ein furchtbar hässliches System. Beim Mittelfeldpressing ist eine Absicherung in Form der Abwehrspieler vorhanden. Hierbei werden die Gegenspieler um die Mittellinie herum attackiert und bei Ballgewinn geht es schnell nach vorne, ohne zu viel Risiko einzugehen. Diese Pressing-Art ist sehr fordernd für sämtliche Mannschaftsteile, da die Abstände zwischen den Ketten nicht zu groß werden dürfen. Es gibt mehrere Varianten, die sich vor allem in der Deckungsweise (mann- oder raumorientiert) unterscheiden. Richtig angewendet ist sie äußerst effektiv und verlangt immer eine Reaktion des Gegners.

So wurden z.B. neue Positionen erfunden: Zum einen der Achter, der sich vor und hinter der gegnerischen Mittelfeldkette bewegt. Zum anderen die falsche Neun, die sich aus der gegnerischen Abwehrkette löst, wenn sie freie Räume erkennt (Stichwort „Raumdeuter“). Da unterlegene Teams gegen Spitzenteams häufig eine Kombination aus Abwehr- und Mittelfeldpressing wählen, ist die falsche Neun inzwischen zum absoluten Schlüsselspieler einiger Top-Teams geworden (wie z.B. Messi, Müller, Ibrahimovic). Lionel Messi ist auch im Zusammenhang mit Angriffspressing zu nennen, welches der FC Barcelona praktiziert. Diese Art beinhaltet das direkte Anlaufen der gegnerischen Verteidiger bereits am gegnerischen Strafraum. Kurze Zuspiele werden zugestellt, lange Bälle durch Druck auf den Gegenspieler im Ballbesitz verhindert. Es geht nicht um den direkten Ballgewinn, sondern um das Erzwingen eines Fehlpasses. Eine Lehrstunde im Angriffspressing lieferte der FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League 14/15 gegen den FC Bayern München. Hierzulande ist vor allem RB Leipzig zu nennen, wenn es um das körperlich megamäßig anstrengende Angriffspressing geht.

Die meisten Teams in Liga zwei spielen mit Mittelfeld– und Abwehrpressing (auch wir). Wird die Mittelfeldreihe überspielt, dann lässt sich die Mannschaft hinten reinfallen, verliert jedoch die Option auf vielversprechende Konter. Weiterhin sind Ballgewinne im Abwehrpressing auch immer eine Gefahr, da es sofort zum Gegenpressing im eigenen Drittel kommt.

Mittelfeldpressing im 4-2-3-1. Das Zentrum steht dicht, ein Ball auf die Außen wird ‘angeboten’. Sobald dies geschieht erfolgt das Verschieben der gesamten Mannschaft, die ballferne Seite wird aufgegeben. Bei erfolgreicher Anwendung bleibt nur der Pass nach hinten oder ein riskanter Diagonalball als Option für den ballführenden Spieler.

Das Gegenpressing ist im Grunde auch ein Angriffspressing, jedoch im Gegensatz dazu zeitlich begrenzt. Bei Ballverlust wird direkt wieder gepresst, um den Ball im letzten Drittel zu gewinnen. Wird der Ball gewonnen, ist der Gegner unsortiert, da eine Umstellung von Defensive auf Offensive stattfand. Auch hier gibt es verschiedene Arten der Umsetzung. Das passwegorientierte Gegenpressing wurde unter Pep Guardiola beim FC Barcelona erfolgreich praktiziert. Hierbei werden Passwege in für den Gegner ungünstige Räume bewusst offengelassen um dort zugreifen zu können. Das spielraumorientierte Gegenpressing, das Meistersystem der Dortmunder unter Klopp, ist eine Weiterentwicklung von Guardiolas System und erinnert an eine Treibjagd. Ziel ist es den ballführenden Gegenspieler zu isolieren indem Pass- und Laufwege zugestellt werden. Nach der Isolierung erfolgt der direkte Zugriff mehrerer Spieler, sodass sofort eine Überzahlsituation in Ballnähe entsteht. Beim zugriffsorietiertem Gegenpressing wird der Gegenspieler im Ballbesitz nur so bedrängt, dass er einen Pass spielen muss. Alle anderen Spieler werden in Manndeckung genommen, sodass direkt ein Zweikampf entsteht. Dieses System entwickelte der FC Bayern München als Reaktion auf die erfolgreiche Dortmunder Zeit und dadurch wird auch klar, warum in Arturo Vidal und Javi Martinez zweikampfstarke Spieler auf der Sechs eingesetzt werden.

Allen gemeinsam ist, dass für eine erfolgreiche Anwendung die Raumaufteilung bereits bei eigenem Ballbesitz passen muss. Es müssen sich bei Ballverlust möglichst viele Spieler in Ballnähe befinden. Gegenpressing erfordert eine enorme Laufbereitschaft und die Fähigkeit bei Ballverlust mental sofort umzuschalten. Der Frust der aus eigenem Ballverlust entsteht wird den Spielern teilweise durch psychologische Betreuung abgewöhnt. Ganz allgemein gilt die 5-Sekunden-Regel, die besagt, dass man sich nach fünf Sekunden ohne Ballgewinn in seine eigentliche Defensivformation zurückzieht. Natürlich wird Gegenpressing auch immer situativ angewendet, weshalb diese Regel zeitlich variabel sein kann und auch die verschiedenen Systeme verschmelzen häufig. Als Reaktion auf das Gegenpressing wuchs der Druck auf Innenverteidiger, saubere lange Bälle spielen zu können. Hieraus entstanden Pass-Monster wie Boateng und Hummels. Teilweise spielen Teams ausschließlich mit Gegenpressing. Es geht also nicht primär darum den Ball über Pass-Stafetten nach vorne zu bringen, stattdessen wird ein langer Ball gespielt und direkt das Gegenpressing eingeleitet. Das ist nicht schön anzusehen, aber einige Teams in Liga zwei spielen mit dieser Ausrichtung. Wirkliche Lösungen, um gegen solche Teams zu bestehen wurden noch nicht präsentiert, weshalb Darmstadt weiterhin in der 1.Liga spielt. Aus dem eigentlich defensiven Pressingkonzept ist also inzwischen eine offensive Philosophie erwachsen.

Passwegorientiertes Gegenpressing des FC Barcelona zu Pep’s Zeiten. Dem ballführenden Spieler werden mehrere Optionen vermeintlich angeboten, während andere im Deckungsschatten der angreifenden Spieler verschwinden.

Natürlich klingen die Konzepte des Gegenpressing vielversprechend. Man muss aber bedenken, dass ein Ballgewinn im Gegenpressing eher selten gelingt. Das liegt daran, dass die Konzepte nur funktionieren, wenn es der Gegner nicht schafft den Ball aus der Zone befördern, welches inzwischen die erste Handlung eines Spielers bei eigenem Ballgewinn sein sollte. Weiterhin müssen die entsprechenden Zweikämpfe auch gewonnen bzw. Pässe auch abgefangen werden. Bei dem Aufwand der betrieben wird, scheint Gegenpressing ne ziemliche Misswirtschaft zu sein. Allerdings besteht die Aussicht auf einen Ballgewinn im letzten Drittel gegen einen Gegner im defensiven Umschaltmoment bei eigener Überzahl. Eine Situation die fast zwingend zu einer Torchance führt. Es lohnt sich also. // timbo

Links:
Spielverlagerung.de
Abseits.at

 

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MT039 – Timo Schultz

An die vier Stunden sind wir dieses Mal nicht ganz rangekommen, u.a. sicher weil neben Justus (viel Spaß in der Elternzeit, geht vorher nochmal alle Tschüss sagen!) auch Wolf und Johnny kurzfristig ausfielen, aber eine sehr unterhaltsame Sendung dürfte es auch in den 3h09m wieder geworden sein.

Viel Hörenswertes insbesondere im zweiten Teil, über Schulles Karriere, Gelbe Karten, seine Arbeit mit der U17 und seine Sichtweisen auf Training im Allgemeinen und Jugendfußball im Besonderen.

Das war großer Spaß, vielen Dank!

Themen:

  • Rückblick: FCSP – Karlsruher SC
  • Rückblick: TSV 1860 München – FCSP
  • Rückblick: FCSP – 1.FC Union Berlin
  • Wir gratulieren der VIVA zu Ausgabe 250
    (Christoph liest aus alten VIVAs)
  • Timo Schultz über
    • seine Karriere
    • Gelbe Karten
    • die U17
    • und vieles weitere in Bezug auf Jugendfußball

Links zur Sendung:

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24.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin 1:2 (0:1)
Tore: 0:1 Sebastian Polter (19.), 0:2 Damir Kreilach (48.), 1:2 Aziz Bouhaddouz (83.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.500 Unioner)

Das war ja dann doch irgendwie klar. Viel zu gute Serie unsererseits, noch nie(!) hatte Union bei uns gewonnen – und im Textilvergehen letzte Woche kündigte man an, genau dies noch Jens Keller zu stecken, der statistische Serien scheiße findet und sie alle brechen will. Außerdem waren wir bei den Wettanbietern Favorit – was immerhin die gut mitzunehmende Quote von 3,0 für den Auswärtssieg brachte, bekanntlich eine Art Schadenersatz, wenn es schon keine Punkte gibt.

Nun gut, volle Hütte, gefühlt gab es rund ums Millerntor noch etwa 5.000 Personen mit “Ich suche…”-Pappschildern  (in dem Zusammenhang sei nochmal auf die Hinweise des Vereins zum Ticketverkauf hingewiesen), voller und lautstarker Gästeblock und am Anfang auch noch Pyro.
(Disclaimer: Ja, ist gefährlich, verboten und es wird eine Strafe geben, die der DFB am Saisonende für soziale Projekte spendet. Aktuell sind ja 5.000€-Wochen.)

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin, Südkurve

Und dann war es sportlich durchaus das, was man sich von einem Spitzenspiel (Rückrunden-Dritter gegen Rückrunden-Spitzenreiter) versprechen konnte, ein Spiel auf durchaus hohem Zweitliganiveau.
Am Anfang ein Übergewicht für uns mit ein zwei guten Möglichkeiten, anschließend die Gästeführung nach dem Motto “Wer solche Tore schießt, steigt auch auf“. Als der Ball aus dem Kopfballduell unkontrolliert wegspringt, entdeckt ihn Polter kurz vor Buballa wieder, will mit links volley abschließen, dabei fällt ihm der Ball aber aufs rechte Knie und trudelt ins Tor.
Ein Tor wie unsere Hinrunde.

Danach verdiente sich Union bis zur Pause die Führung aber absolut, hätte noch 2-3 Tore nachlegen können, scheiterte aber wiederholt an Philipp Heerwagen.

In Hälfte zwei dann ein Auftakt nach Maß, der eigentlich mit dem Ausgleich durch Jeremy Dudziak gekrönt werden muss, nachdem dieser dank gutem Körpereinsatz von Bouhaddouz frei vorm Tor steht – aber Dudziak ist eben leider kein Stürmer und scheitert an Mesenhöler. Und wie es dann so ist – zack, Gegenangriff, noch ein Treffer aus der Kategorie Kacktor, 0:2 durch Kreilach.

Waren wir in der Vergangenheit dann oft auseinander gebrochen, so spielte man jetzt einfach weiter und erzielte schließlich auch noch durch Bouhaddouz nach Vorarbeit von Sobota den Anschlußtreffer – und mit ein bisschen Glück erzielt Thy in der Nachspielzeit sogar noch den Ausgleich.

Hat nicht sollen sein – und ist unterm Strich vielleicht auch ergebnistechnisch okay.
Wenn man sich aber die 13 Punkte aus den vorherigen fünf Spielen mal auf 3-5 runterdampft, was nach der Hinrunde ja absolut normal gewesen wäre, dann würde ich das jetzt auch deutlich weniger entspannt sehen.

Gästefans im Heimbereich

Es war ja (auch hier) ein großer Aufreger, und nachdem gegen den KSC und Dresden es keinen Gästetorjubel gab, so war dieses Mal ja doch wieder damit zu rechnen und so gab der Verein erneut die Devise aus, dass auf einem Teil des Heimbereichs (dieses Mal: nur die Süd) ein absolutes Gästefarbenverbot besteht.

Bei beiden Toren eskalierte der Gästeblock und direkt daran anschließend ein paar Leute auf der Haupttribüne und in der Nord, aber soweit alles normal.

Und da neben mir zwei Sitzplätze frei waren, kam es dann auch so, dass sich dort zwei Suchende Freunde mit getrennten Plätzen zusammen hinsetzten, von denen einer Union-Fan ist. Und es lief dann eben auch so, wie es laufen soll. Er jubelte natürlich bei beiden Toren, aber eben nicht wie “wilde Sau”, sondern mit einem lauten “Ja!” und gereckter Faust, so dass man wahrscheinlich schon 1-2 Reihen hinter uns dies gar nicht mehr mitbekam.
Wir unterhielten uns über beide Teams, über unser Stadion und den für Union geplanten Umbau und am Ende wünschte man sich gegenseitig viele Siege bis zum Saisonende.
Geht also.
Und nein, dies ist aus meiner Sicht absolut kein Widerspruch zu meinem Text vom Stuttgart-Spiel, es kommt halt immer auf das individuelle Verhalten an.

Zum Support allgemein:
Gästeblock sah gut aus, viel mehr kann ich aus der Gegengerade im Block 2 nicht sagen, da akustisch aufgrund der Entfernung kaum was ankam.
Bei uns war es im Rahmen, für den absoluten Existenzkampf wäre es sicher zuwenig gewesen, aber die letzten Wochen haben da eben auch wieder etwas Druck herausgenommen und man ergab sich daher vielleicht etwas zu früh in die Niederlage.

Ausblick

Am kommenden Wochenende kommt also Hannover 96. Und wenn man das “schlechte Omen” von bisher keiner Heimniederlage gegen Union mal umkehrt, so sieht es da für uns deutlich besser aus, denn die Bilanz in unseren Heimspielen gegen 96 ist ziemlich Bescheiden, sechs Heimsiegen und fünf Unentschieden stehen neun Niederlagen gegenüber, selbst in Hannover haben wir mit sieben Auswärtssiegen eine bessere Bilanz.
Der letzte Heimsieg… nun der liegt doch schon deutlich zurück, denn im April 1994 erzielten Leonardo Manzi und Martin Driller die Tore zum 2:1, welches uns auf am 28.Spieltag auf Platz 2 beließ, wo es am Ende aber dann (u.a. aufgrund einer gegen den Wuppertaler SV) doch nicht zum Aufstieg reichen sollte.

Es ist also durchaus Zeit, hier mal ein neues Kapitel hinzuzufügen und Philipp Tschauner (viele Grüße) die ein oder andere Bude einzuschenken.

Davon ab: Danach geht es nach Aue… und bei entsprechenden Ergebnissen würden wir dort im Falle einer Niederlage schon wieder mit dem Rücken an der Wand stehen. Das kann ja auch keiner wollen.

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2x Champions League an zwei Tagen

Gastartikel von Ralph Gunesch

(Nachtrag: Das Erlebte in Audio mit Ralph gibt es auch bei MeinSportradio.de (ca. 20min))

Zwei CL-Spiele in zwei Tagen, da könnte man ja mal drüber schreiben.
Also versuchen wir das mal, wobei ich mich weniger auf das Sportliche stürzen werden. Viele/die Meisten von Euch werden genug Bilder, Analysen und Zusammenschnitte gesehen haben.

Los ging es am Dienstag Morgen Richtung London. Nach einem angenehmen Nachmittag (ich brauch Camden-Verbot!) ging es rüber ins Tollington. Ein an Spieltagen hoch frequentiertes Pub direkt am Emirates. Das große Schild am Eingang, dass keine Gästefans an Spieltagen erlaubt sind, hängt da auch nicht nur aus Spaß. An jedem Eingang stand Sicherheitspersonal und ohne Ticket fürs Spiel gab es auch keinen Zutritt ins Pub. Da ich aber ein Ticket hatte (für den Heimbereich) und neutral gekleidet war, wurde ich durchgewunken. Es war jetzt nicht das erste Mal in einem britischen Pub, aber es ist immer interessant und irgendwie dann auch genau so, wie man es aus Film und TV kennt.

Gästeblock, FC Arsenal – FC Bayern: “Without Fans Football is not worth a penny”

Dann machten wir uns eine gute Stunde vor Anpfiff auf dem Weg zum Stadion und trafen dann auf die “Protestgruppe” gegen Arsene Wenger. Drumherum und mittendrin jede Menge Journalisten und Kamerateams und da war mir klar, dass das natürlich in der Berichterstattung ein Thema werden wird. Geschätzt waren es ca 80-100 Protestierende. Das interessante an der Gruppe war, dass 2/3 davon bei der letzten Meisterschaft noch nicht über die Werbebande gucken konnte. Per se sagt das natürlich erstmal gar nichts aus, denn Mitbestimmung und Meinung ist keine Frage des Alters (Kleinkinder ausgenommen). Aber in der Bewertung einer Person wie Arsene Wenger und seiner Bedeutung für Mannschaft und Verein sollte man das vielleicht im größeren (zeitlichen) Kontext sehen und dann bin ich mir sicher, dass sich vieles relativiert. Die generelle Meinung wird sich wahrscheinlich nicht ändern und ich möchte hier auch kein Plädoyer Pro-Wenger halten, das soll bitte jeder für sich entscheiden. Aber die Rufe und Plakate (“bring back our Arsenal“, wo wir wieder bei der Altersfrage wären) hätten möglicherweise einen anderen Ton gehabt.

FC Arsenal – FC Bayern, Panorama View

So, nun aber ab ins Stadion und es war schon am Zuschauerzuspruch zu erkennen, dass irgendwie keiner dran glaubt. Viele leere Lücken auf den Tribünen, welche nach dem 1:2 und 1:3 dann deutlich größer wurden und kurz vor Schluß waren noch ca 50% der Leute da.

Zwischendurch in der Drangphase der 1. Halbzeit war es mal ansatzweise punktuell etwas lauter, ansonsten hörte man, vor allem in der 2. Halbzeit, nur die Bayern Fans.
Alles in allem ja eine sehr deutliche Geschichte und da ein großer Teil das Stadion schon frühzeitig verließ, war es auch nach Abpfiff kein Problem ohne Verzögerung in die Bahn Richtung Hotel zu kommen.

Am nächsten Mittag ging es dann weiter nach Barcelona. An dieser Stelle ein Lob an Norwegian. Mein erster Flug und ich war begeistert – könnte daran liegen, dass ich einen Sitzplan mit viel Beinfreiheit (1. Reihe) zugewiesen bekommen – oder am kostenlosen, wunderbar funktionierenden(!) Wifi während des Fluges. Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem.

Im Hotel eingecheckt und direkt los das Ticket abholen. Hat Barcelona in den letzten Jahren sehr, sehr viel Geld in die Modernisierung ihrer U-Bahnen und der Stationen investiert? Das ist schon großes ÖPNV-Kino. Auch wenn ich da sicher kein Experte bin – irgendwoher muss mein Spitzname ja kommen.

Da ich ein Ticket für den Gästeblock hatte, schloss ich mich dem französisch sprechenden Teil der Fans an. Dann ging es auf einmal nicht mehr weiter. Aus einem 15m breiten Zugangsweg wurde trichterförmig eine erste Kontrolle mit 1-2 Personen gleichzeitig – folglich dauerte es. Dann ging es schleusenmäßig weiter und alle 100-150 Personen wurde gestoppt, bis die vordere Gruppe alle Kontrollen passiert hatte.
In diesem Zusammenhang muss ich feststellen, dass sich die PSG sehr, sehr diszipliniert und höflich verhielten. Ein paar Gesänge, ein bisschen gute Laune und hüpfen aber null Aggressivität. Davon war auch rund um das Stadion überhaupt nichts zu erkennen bzw. ich habe bei meinem Weg um das Stadion rum nichts bemerkt.
Die letzte Kontrolle war dann geprägt von viel Körperkontakt mit dem Sicherheitsbeamten, aber alles noch im Rahmen und harmlos, meinem Empfinden nach.

Barcelona CF – Paris St.Germain, Panorama View aus dem Gästeblock

Im Block dann angekommen (den Weg dahin gibts auf meiner Facebook-Seite 🙂 ) konnte ich “Gästeblock aus Google Earth Perspektive” auch von meiner Liste streichen. Ich war schon einige Male in dem Stadion, aber immer relativ weit unten und ich ich hab mich immer gefragt, wir es wohl da oben ist. Jetzt weiß ich es. Jeder der mal im Gästebereich bei Barca stand, wird wissen wovon ich rede. Für ein Fußballstadion schon ziemlich hoch. Von der Perspektive her (Höhe Mittellinie) aber ein ziemlich guter Platz. Mein eigentlicher Platz wäre direkt an der Plexiglasscheibe gewesen. Das wollte ich dann doch nicht, also zog ich ein paar Plätze nach außen und in eine der obersten Reihen.

Im Auswärtsblock herrschte Lockerheit, Vorfreude und das Gefühl des sicheren Weiterkommens. So ein 4:0 Hinspiel-Sieg ist ja schon mal ne gute Vorraussetzung.

Dass Barca von Anfang an Gas geben würde, war jetzt keine Überraschung. So kam es ja auch früh zum 1:0 Führungstreffer, der aber der Stimmung im Auswärtsblock keinen Abbruch tat. “Kribbelig” wurde es bzw. die Minen änderten sich schlagartig beim 3:0 und das Nou Camp wurde wirklich laut – also wirklich wirklich laut. Als Cavani das 1:3 erzielte wurde es schlagartig ruhig auf den Plätzen außerhalb des Gästeblocks. Selten Fans gesehen, die bei einem 1:3 Anschlusstreffer so durchdrehen (Ja, ich weiß. Hinspiel und Auswärtstore und so). Jetzt kommt auch mein spezieller Freund mit dem Verrati-Trikot ins Spiel. Bis zum 1:3 eigentlich nicht existent bestand seine Aufgabe in den nächsten Minuten darin, vor der Trennscheibe mit den Barca-Fans zu stehen. Winken, auslachen, Snapchat höhnisch befüttern, provozieren, beschimpfen. Alles in Perfektion – Respekt an die Barca-Fans die ihn zwar registrierten, sich aber zu nichts hinreißen ließen. Nach einigen Minuten wurde es einem Ober-Ordner (die beiden um ihn rum hatten schon aufgegeben) zu bunt und er machte eine ziemlich deutliche Ansage.

Dann fiel das 4:1 und unser Freund stand auf, drehte sich wieder Richtung Barca-Fans und applaudierte um gleichzeitig immer wieder aufzuzeigen “Ja ist toll, aber ihr braucht noch 2 Tore“. Er hätte Farsi sprechen können und dennoch hätte jeder gewusst, was er sagen will.

Es kam wie es kommen musste. Das Stadion glaubte wieder an seine Spieler und dann kamen die Minuten, die ich noch nie so erlebt habe. Sportlich und auch drumherum.
Elfmeter wurde gepfiffen. Hinter mir stand eine deutsche Familie. Der Vater sagte nur “wenn der reingeht, fliegen wir raus“. Tor, 5:1 und wenn es nach dem 3:0 laut war, war es jetzt sehr laut. Außer in meinem Block.

Wir wissen alle, was dann passiert ist.
Das 6. Tor – und wenn es eben sehr laut war, war es jetzt sehr, sehr unfassbar laut. Wobei “laut” eigentlich das falsche Wort ist. Solch eine Eskalation und Ekstase habe ich in einem
Stadion noch nie erlebt. Mir fällt mir in Ansätzen nur der CL-Siegtreffer von Robben gegen den BVB ein, als ich Menschen übereinander hab herfallen sehen, völlig ohne Kontrolle.
Ich hatte ja einen guten Blick von oben auf den Heimblock. Keiner wusste wohin mit sich, seinen Gefühlen und seinen Emotionen. Es war eine wilde Menschenmenge, Klamotten flogen und alle taten unkontrollierte Dinge.

JA, DAS ist für mich Eskalation und Ekstase ohne bewusstseinserweiternde Mittel. Wir können alle drüber diskutieren, streiten und beschreiben, nachempfinden werden wir es nie können, da in solchen Momenten wahrscheinlich Dinge im Körper passieren, die sich nicht ohne solch eine Dramaturgie erzeugen lassen. Es fällt mir wirklich schwer, das richtig zu beschreiben weil einfach alles in diesen Momenten seinen absoluten Höhepunkt erreicht hat. Es gibt keine Superlative, die diesen Eindrücken von gestern Abend gerecht werden.

Aber da war ja noch unser Freund. Gefühlt stand der komplette angrenzende Block auf ein Mal an der Trennscheibe und er bekam jetzt alles, wirklich alles, zurück. Und dann muss ich sagen, reagierte er mega cool: Er stand auf, verbeugte sich, entschuldigte sich, applaudierte, entschuldigte sich wieder und ging zur Trennscheibe um mit einem Barca-Fan abzuklatschen. Das war ziemlich groß von ihm. Und nahm der ganzen Sache auch das Feuer. Während rechts von mir einfach nur Euphorie und auch Ungläubigkeit herrschte, war die Reaktion der PSG-Fans auch spannend zu sehen.

Keine Wut, kein Ärger. Nur fassungslose Resignation. Dieser Abend war so unglaublich, dass auch die unterlegenen Fans einfach nur ungläubig auf ihren Plätzen sitzen blieben. Es wurde kaum gesprochen. Aber es war keine Trauer wie nach einem verlorenen Finale – ich glaube, sie wussten noch gar nicht wirklich was da eben passiert ist. Ja, man ist raus. Aber wieso? Warum? Wie konnte das passieren? Da war kein Platz für weiter Gefühle außer “WTF?”.

Wir mussten ca 30 Minuten warten bis wir langsam den Block verlassen durften. Im Umlauf wurde dann langsam angefangen, das Spiel zu analysieren. Mein Schulfranzösisch reicht noch aus um ein bisschen was zu verstehen. Viel Kopfschütteln, weiterhin viel Ungläubigkeit aber nicht mehr und auch nicht weniger.

Als Letzte dann raus aus dem Stadion und wie ich dann leider feststellen musste, fuhr keine Bahn mehr Richtung Flughafen, also mit dem Taxi ins Hotel.

Beim kleinen Mitternachtssnack war ich immer noch sehr perplex ob der ganzen Eindrücke. Ich war eigentlich relativ neutral bei dem Spiel. Aber wenn man als Fußball-Fan sowas miterlebt, sind das sehr intensive Eindrücke, egal welche Vereinsfarben man trägt. Zum Einen freute ich mich, diese Emotionen (das Wort ist eigentlich viel zu schwach um das zu beschreiben) der Barca-Fans zu sehen. Zum Anderen reicht ein Blick nach links um zu denken “Wow Leute, ich will nicht wissen wie ihr euch fühlt.”

Bitte fangt keine “es ist nur Fußball”-Diskussion an. In dem Kosmos “Barca – PSG, CL-Rückspiel” ist jede dieser Reaktionen nachvollziehbar und verständlich.

Alles in allem zwei sehr spannende und aufregende Tage. Gerade dieses Erlebnis in Barcelona war absolut einzigartig und ich glaube, in vielen Jahren wird man von einem historischen Abend sprechen.
Das sind Spiele für die Vereinschroniken. // Ralph Gunesch

P.S. (mit einem Tag Abstand):
Ich würde mich eher als pragmatisch-sachlichen Menschen beschreiben. Dennoch versuche ich das Erlebte auch etwas einzuordnen. Ich suche keine neuen Superlativen, keins würde dem gerecht werden.

Und sowieso werden die Protagonisten Barcelonas auf Grund der letzten Jahre ihren festen Platz in der Vereinschronik haben neben Namen wie Cruyff, Zubizarreta, Segarra und Co. Aber dieses eine Spiel? Von diesem einen Spiel werden all die aktuellen und zukünftigen Eltern ihren Kindern und Enkeln erzählen. Jeder Barca-Fan, der in den nächsten 50 Jahren geboren wird lernt zu allererst das Wort „Messi“ und bekommt dann den Spielverlauf und das Ergebnis des 8.3.2017 beigebracht – noch bevor es die Zahl 2017 überhaupt einordnen kann.

In 50 Jahren wird jede/r 20jährige Barca-Fan cooler als die anderen sein, wenn er/sie jmd kennt, der an diesem Abend persönlich im Stadion war. Man wird zusammensitzen und nach dem 3. Bier in 30 Jahren war „sowieso klar, dass wir das schaffen“ um sich dann lachend einzugestehen, dass es das Verrückteste war, was man je im Stadion erlebt hat. Ja, es wurde Vereins- wenn nicht sogar Sportgeschichte geschrieben. Sie haben dafür (noch) keinen Pokal bekommen – aber das war größer als jeder eiskalt gewonnene Pokal mit 2:0 Hin- und 3:1 Rückspiel-Sieg.

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Taktik-Vorschau: FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin

Als St.Pauli-Fan erfüllt man in der Regel das gängige Klischee, dass einem Fußball weniger wichtig als vieles am Drumherum ist und “Fußballtaktik” ist da auch nicht bei jedem zwingend eine Stärke. Da Spielverlagerung den Blick nun auch nicht jede Woche auf alle Spiele der 2.Liga wirft, könnte dies auf Sicht natürlich auch so bleiben.
Immerhin beim 1.FC Union gibt es aber einen Blog, der sich explizit mit der Taktik dort beschäftigt, nämlich Eiserne Ketten.
Wer die letzten ÜBERSTEIGER-Hefte gelesen, den MillernTon gehört hat oder auch hier im Blog regelmäßig liest, weiß, dass sich auch in der ÜS-Redaktion mit Tim inzwischen jemand tummelt, der sich ebenfalls ausführlicher mit Taktik beschäftigt.
Und so sprachen Daniel (Eiserne Ketten) und Tim (ÜS) vor dem Spiel miteinander und schrieben diesen Artikel für den Eiserne Ketten-Blog als Vorschau auf das Spiel am Freitag, welchen wir dankenswerterweise ebenfalls hier veröffentlichen dürfen.
Viel Spaß!

Was passiert bei St.Pauli?

* Gab es eine entscheidende Änderung im Vergleich zur Phase mit vielen Niederlagen, oder hat sich tatsächlich neben dem Festhalten an Trainer Lienen auch inhaltliche Kontinuität bezahlt gemacht?

Natürlich spielt die personelle Kontinuität eine Rolle. Ewald Lienen hat in der Saison 14/15 bereits bewiesen, dass er eine Mannschaft erfolgreich durch den Abstiegskampf führen kann.

Vielmehr war man sich einig, dass das Personal auf dem Spielfeld erweitert werden muss. Die Neuzugänge Möller Daehli und Flum funktionieren sofort, weil sie in einem gestandenen Team das fehlende Teil eines Zahnrads sind. Und so abgedroschen es klingt, aber entscheidend ist in diesem Fall sicherlich die mentale Komponente. Wenn man sich das letzte Spiel gegen 1860 München ansieht, dann ist der Unterschied darin, wie mit einem Rückstand umgegangen wurde, im Vergleich zur Hinrunde schon enorm.

Die entscheidenden Änderungen der Formation wurden bereits zum Ende der Hinrunde vorgenommen, indem man von einem 442, über ein 4141 auf ein 4231 umgestellt hat, nur stimmten da die Ergebnisse noch nicht. Das System mit zwei Stürmern entpuppte sich als anfällig in der Rückverteidigung und im Aufbauspiel als zu komplex.

Zusätzlich hat sich die oft zitierte Verletztenliste bereits in der Winter-Vorbereitung quasi in Luft aufgelöst.

 * Das Angriffsspiel des FCSP war (in den Momenten, in denen es gefährlich wurde) zuletzt recht flügellastig. Wie stark ist dabei die Flügel-Verteidigung?

Korrekt, die offensiven Flügel sind momentan unser größter Trumpf im Offensivspiel. Und die Frage bezüglich der Flügel-Verteidigung ist absolut angebracht, da hier definitiv die Schwachstelle unseres aktuellen Systems ist.

Die Doppel-Sechs spielt stark zentrumsorientiert, welches nach Ballverlusten zu einem Ungleichgewicht auf den Flügeln führen kann, wenn sich nicht mindestens ein Flügelspieler rechtzeitig hinter den Ball bewegen kann und gegebenenfalls noch einer der Sechser (meist Buchtmann) offensiv eingerückt ist.

Daher ist es auch häufig so, dass Sobota seine Rolle wesentlich defensiver interpretiert, wenn Cenk Sahin Druck auf der anderen Seite macht. Sahin wurde in der Hinrunde nur phasenweise eingesetzt, weil seine Rückverteidigung mangelhaft war, hat im Vergleich zur Hinrunde jedoch enorme Fortschritte gemacht.

Mit Gegenpressingsituationen hat St.Pauli auch im Hinspiel schon Erfahrungen gemacht – hier erzielt Phillip Hosiner das 1-0. Vielen Dank an Stefanie Fiebrig für das Photo

 

 

 

 

Das Risiko der zu großen Abstände in der Rückverteidigung ist definitiv vorhanden und lässt sich mit der momentanen Formation und Philosophie nicht verhindern. Auf der anderen Seite muss man das Offensivspiel des FCSP auch erst einmal verteidigt bekommen.

 

* Wie pressingresistent ist St.Paulis Aufbauspiel?

Sehr. Zumindest in der Rückrunde.

Die fehlende Pressingresistenz wurde im Laufe der Hinrunde als eine der Schwachstellen erkannt, daher wurde ein geordneter Aufbau weitgehend abgeschafft. Das Team versucht nun stattdessen häufig die Pressingzonen des Gegners zu umgehen und setzt dabei vermehrt auf ein strikt vertikales Spiel über die Flügel. Das bedeutet zwar viele Ballverluste, jedoch nicht im eigenem Drittel, sondern viel weiter vorne.  Hier wird dann wiederum auf zweite Bälle/Gegenpressing gespielt, was die hohe Quote an Ballverlusten legitimiert. Schwierigkeiten stellen sich meist nur ein, wenn der St.Pauli nach Ballgewinn im Zentrum Gegenpressing ausgesetzt ist.

 

Aufstellungen

Mögliche Aufstellungen zu Beginn:


Union muss Busk, Pedersen und Puncec ersetzen, St.Pauli kann wohl mit derselben Mannschaft wie in München antreten.

Was macht Union?

* Wie läuft es bei Union in der Rückrunde? Und warum?

Wie ‘der Berliner’ sagen würde: Kannste nich’ meckern.

Ohne dem widersprechen zu wollen: Während die Ergebnisse fast perfekt sind waren die Leistungen zwar auch sehr gut, aber nicht durchgehend ganz so herausragend. Die Siege gegen 1860 und vor allem Bielefeld waren in der Tat sehr deutlich und fielen im Ergebnis eher noch zu niedrig aus. Die Partie gegen Würzburg wurde zuletzt sehr souverän und vor allem auf Grund der 50-minütigen Unterzahl beeindruckend gewonnen.

Auch mit dem einzigen Punktverlust beim umkämpften Unentschieden in einem von den Defensivstrategien geprägtem Spiel in Dresden konnte man ziemlich gut leben.

Dagegen stotterte in Karlsruhe und gegen Bochum die offensive Produktion doch erheblich und profitierte man von einem günstigen Spielverlauf beziehungsweise wortwörtlich Ausrutschern des Gegners. Dass beide Spiele gewonnen wurden hatte so einerseits etwas mit ein wenig Glück, andererseits dem Selbstvertrauen einer Mannschaft zu tun, die eine sehr gute Saison spielt.

 

* In welcher Formation wird Union am Millerntor antreten (Raute oder 4-3-3) und warum?

Die Raute wurde zwar in der Hinrunde als zweites Standardsystem etabliert, wurde in der Rückrunde bis jetzt aber nur sehr gezielt in einigen Momenten des Spiels gegen ’60 München eingesetzt. Es wäre also überraschend, wenn Union nicht wieder in einer Variante des 433 auflaufen würde.

Zumindest in der eigenen Defensivordnung und dem offensiven Umschaltspiel wird man die doppelte Flügelbesetzung nicht aufgeben wollen, um St.Paulis Qualitäten nicht zu verstärken und seinerseits Räume neben den Sechsern der Mannschaft von Ewald Lienen angreifen zu können. Dabei ist vor allem mit Steven Skrzybski zu rechnen, der sich im Moment in blendender Form befindet. Skrzybski kann zwar auch durch das Zentrum kommen (er spielt in der Raute auf der 10), und profitiert davon, nah genug an Sebastian Polter zu spielen, um vom Rückkehrer aus dem außereuropäischem Ausland mit Ablagen eingesetzt zu werden. Doch auch dabei startet er in der Regel auf dem rechten Flügel und rückt von dort in die Halbräume oder das Zentrum ein.

Da Möller Daehli seine Position im 4-2-3-1 von St.Pauli eher als die eines zweiten Stürmers interpretiert und gern auf die Außen ausweicht, sollte außerdem das Dreiermittelfeld aus Fürstner, Kreilach und Kroos – Daube war hier erster Ersatz, fehlt aber noch verletzt – ausreichen, um das Zentrum zumindest numerisch zu dominieren.

Allerdings rücken die Außen bei St. Pauli gern in die Halbräume ein und müssen dort entweder übernommen oder verfolgt werden. Auch dabei, auf solche Situationen flexibel zu reagieren, könnte die doppelte Flügelbesetzung helfen.

Alles in allem ist also mit einem 4-3-3 zu rechnen, in dem zuletzt aber changierte, ob das Trio im Zentrum eher als Doppelsechs/Zehn oder als Sechs/Doppelacht angeordnet war. Welche dieser Varianten zum Einsatz kommt wird auch davon abhängen, wie hoch und aggressiv sich Jens Keller das Pressing seiner Mannschaft vorstellt.

 

* St.Pauli glänzte bei den letzten Heimspielen mit partiellem Angriffspressing und einem tiefen, auf das Zentrum fokussiertem Mittelfeldpressing. Ist das auch gegen Union eine gute Wahl?

Die Variabilität in Unions Spiel macht diese Frage schwer zu beantworten. In etwa entspricht diese Ausrichtung (vor allem der Aspekt des Zentrumsfokus im Mittelfeld) der von Würzburg, die defensiv tatsächlich ordentlich funktionierte. Bernd Hollerbach wollte mit einer Mittelfeldraute das Zentrum verdichten und Unions Mittelfeld in Unterzahlsituationen zwingen.

Auch mit aggressivem Angriffspressing hatte Union, das gegen St.Pauli in der Innenverteidigung auf den recht sicheren Aufbauspieler Puncec verzichten muss, in dieser Saison einige Male Probleme (siehe etwa Dresden). Mit Sebastian Polter steht allerdings auch eine effektive Option zur Verfügung, solche Situation direkt zu umgehen.

Allerdings kam Union trotz einer suboptimalen Leistung auch gegen Würzburg zu einigen Chancen und deutete darüber hinaus noch größere Effizienz über die Außen an. Auch wenn der im bisherigen Saisonverlauf überragende Linksverteidiger Kristian Pedersen in Hamburg noch fehlen und von Michael Parensen sehr kompetent, aber etwas vorsichtiger, ersetzt wird, ist es eine gefährliche Entscheidung, Unions Offensive auf den Flügeln Räume anzubieten. // Artikel von Daniel, Eiserne Ketten & timbo (ÜS)

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22.Spieltag (H) – Karlsruher SC

Sollte man demnächst mal praktisches Anschauungsmaterial für die Verwendung von „sich befreit fühlen“ suchen, so wäre Videomaterial vom Montagabend aus dem Millerntor hierfür sicher geeignet, zumindest wenn man es mit Team Braun-Weiß hielt.
Von Anfang an eine breite Brust, die spätestens mit dem Führungstreffer auch alle Ketten sprengte und den Karlsruhern nonverbal zu verstehen gab, dass hier heute Abend nichts zu holen sein würde.

Es begann alles noch mit einer leichten Nervosität beim ÜBERSTEIGER-Verkauf, ob denn das angetackerte Konfetti vielleicht schon bei Hells Bells geworfen werden sollte, falls es danach nichts mehr zum Jubeln geben sollte.
Mein Standardsatz beim Verkauf war jedoch ein optimistisch serviceorientiertes:
Hier, mit Konfetti in der Tüte. Bitte zum geeigneten Zeitpunkt ekstatisch in die Luft schleudern. Vorher öffnen!
Letzteres haben offensichtlich nicht alle mitbekommen, wir brauchen nächstes Mal also doch eine Gebrauchsanweisung (Symbolvideo).

Vielfach wurde auch gefragt, ob denn da Gras drin sei… nun, verkaufsfördernd wäre dies wohl, den seit Jahren feststehenden Preis von 1,60€ könnte die Redaktion aber wohl dann nur schwer halten.
Immerhin einmal fragte mich auch jemand, was er mit dem Kondom denn machen solle. Festgetackerte Kondome, eine Marktlücke.
Nach dem Spiel lief der Verkauf übrigens auch noch mal deutlich besser, Siege ziehen Euch also offensichtlich das Geld leichter aus der Tasche.
Geänderter Verkaufsspruch:
Hier, mit Konfetti. Kannste auf dem Heimweg nochmal so richtig eskalieren!

Zurück zum Sport:
In der Anfangsphase war der KSC noch ebenbürtig, doch während wir in der Hinrunde viele „50/50-Zweikämpfe“ (Zitat Mirko Slomka) noch verloren, so waren diese an diesem Abend meist zu unseren Gunsten beendet worden. Oder die KSC-Defensive offenbarte schlicht falsche Laufwege oder generell falsche Entscheidungen, so auch beim 1:0.

Aus dem Block 1 & 2 gab es übrigens viele komische Blicke in Richtung Mats Møller Dæhli ob dessen Jubel, denn schließlich hatte doch Cenk Sahin das Tor erzielt.
Dachten viele, so auch ich.
Den vom Innenpfosten zurückspringenden Ball hatten die meisten schon drin gesehen – und in besagter Hinrunde wäre er wahrscheinlich einfach irgendwohin gesprungen, aber sicher weder ins Tor noch zu einem unserer Spieler… oder der hätte dann im Abseits gestanden und sich beim Torabschluss noch dazu schwer verletzt.

Aber diese Zeiten sind vorbei, es läuft neuerdings bei uns.
Ja, da war noch die ein oder andere Karlsruher Chance, doch irgendwie hatte man an diesem Abend das Gefühl, die Mannschaft hätte komplett Felix Felicis getrunken (Ja, googelt das notfalls), da konnte einfach nichts mehr schief gehen.
Und im Zweifel war dann eben dort immer noch Philipp Heerwagen. Wir hatten es im MillernTon ja schon mehrfach thematisiert, inzwischen sehen es wohl auch die Medien so: Wenn nichts außergewöhnliches mehr passiert, spielt er bis zum Saisonende durch. So leid es mir für Robin Himmelmann tut. Und ich hoffe, dass er das dann irgendwie runterschluckt, zur neuen Saison steht er dann wohl auch wieder im Kasten.

Die zweite Hälfte war dann pure Magie, wie man sie aus den letzten Jahren meist nur am letzten Heimspieltag kannte, wenn es oft um nichts mehr ging und die Mannschaft losgelöst von Ergebnisdenken wilde Sau spielen konnte und die Gegner das mangels Eigeninteresse zuließen.
Das zweite Tor war für mich schon die Entscheidung, wenn dann natürlich direkt hinterher die Treffer drei und vier fallen dann bricht natürlich alles auseinander. Beim KSC war dies die (ernsthafte) Gegenwehr, bei uns der unbedingte Wille weiterzumachen. Er wich dem eingangs erwähnten Gefühl von Befreiung.

Schon nach dem 3:0 gab es zaghafte „Nur noch fünf!“-Rufe aus dem Block 1, spätestens nach dem 5:0 waren die „Nur noch drei!“-Rufe dann wohl auch flächendeckend zu hören, zumindest wurden Rettig und Lienen in den Interviews nach dem Spiel drauf angesprochen. In Zeiten, wo man dem Support generell oft mangelnde Spielbezogenheit vorwirft, erfreut man sich ja auch an solchen Kleinigkeiten, auch wenn dies nun sicher kein Kandidat für den Pulitzer-Preis ist. Machte trotzdem Spaß.

Der Rest war ein großes Fest, immer wieder ungläubige Blicke auf die Anzeigentafel. Smartphones machten Fotos eben jener und riefen schon während des Spiels deutlich häufiger als sonst die Blitztabelle auf.

Und einen Punkt- und Torgleichen Verein in so einem Spiel eben nicht nur um drei Punkte sondern auch um zehn Tore zu distanzieren… ja, kann man mal machen.

Nach dem Spiel wurden die Karlsruher Spieler dann am Gästeblock mit Schimpf, Schande und Bierbechern empfangen – und zwar so, dass auch unsere Spieler dies durchaus mitbekamen, ebenso wie der Rest des Stadions.
Während dies bei unseren Jungs wohl den ein oder anderen „Aha“-Effekt hatte, reagierte das Millerntor ganz wunderbar und applaudierte den KSC-Spielern zunächst, rief deren Vereinsnamen und zeigte mit einem „Ihr seid besser, als der hsv!“ dann auch noch den Humor, der einem im Fall des Sieges sicher auch einfach leichter von der Hand geht.
Ich hab keinerlei Stellungnahmen von Karlsruher Spielern zu der Thematik gefunden, aber im Zweifel würden die wohl zukünftig bei einem finanziell ähnlichen Angebot beider Vereine lieber zu uns kommen.
Vermute ich zumindest.

Die vielbeschriebenen zehn Punkte aus diesen vier Spielen haben uns also in so früh nicht zu erhoffende Sphären der Tabelle gespült, es sind nun sogar schon zwei Punkte Puffer zum Relegationsplatz. (Und man stelle sich vor, wir hätten in Bielefeld in den letzten zwanzig Minuten weiter Fußball gespielt… naja.)

Man kann nun also am Samstag nach München fahren und muss zumindest nicht auf Teufel-komm-raus stürmen, sondern kann die heimstarken Löwen erst mal machen lassen und im besten Falle auskontern. Und wenn da am Ende ein Punkt bei runterfällt, dann geht das Leben immer noch weiter.

Trotzdem ist das ganze natürlich auch trügerisch: Nach dem Spiel im Stadion des FC Bayern kommen mit Union und Hannover zwei Topteams der Liga, danach geht es nach Aue.
Wenn sich das Schicksal wieder dreht und wir vier Mal verlieren sollten – nun, dann geht der Hintern aber wieder komplett auf Grundeis.

Aber: So wird es ja nicht kommen. Alles wird gut. // Frodo

Links:
Bilder und Bericht: Stefan Groenveld, “Land in Sicht
Bilder und Bericht Zaphod Beebleblox: “Willkommen im Sahin-Express
Bilder und Bericht: FCSP South End Scum (English)
Bilder und Bericht: FCUM A.D. (English)
Bericht Nice Guys: “Senf dazu #33
Bericht KonBon “Noch 20 Punkte…

 

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MT038 – Stadionsprecher: Rainer Wulff

Geplant hatten wir das schon länger mal, nun hat es auch terminlich für alle gepasst und es war genau so unterhaltsam wie wir es uns erhofft hatten.

Rainer Wulff, seit 1986 “die Stimme des Millerntors”, war zu Gast und neben den eigentlichen Themen, die rund um den FCSP gerade anliegen, brachte er noch viel weiteres erzählens- und hörenswertes mit, so dass wir seit langem mal wieder die Vier-Stunde-Schallmauer gerissen haben.

Zu besprechen gab es mit den Spielen und den Begleitumständen rund um Braunschweig, Dresden und Bielefeld ja auch genug, außerdem hat Wilko einen alten ÜS-Artikel von 1995 ausgebuddelt, der von der Einführung der “Szenekundigen Beamten” rund um den FC St.Pauli berichtet.

Viel Spaß, kommentiert, hinterlasst Sterne und Bewertungen bei iTunes und empfiehlt uns weiter!

Und noch ein Programmtipp:

 

 

Und anschließend kann man dann in die Mathilde gehen und eine Lesung von Rainer Wulff besuchen, Beginn dort ist dann um 20.15h.

P.S. Die in der Sendung erwähnte Tribüne, die nach einem Stadionsprecher benannt ist, steht nicht in Düsseldorf, sondern in Duisburg und ist auch “nur” der Stadionvorplatz.

Themen:

  • Rückblick: Eintracht Braunschweig – FCSP
  • Under Armour
  • Rückblick: FCSP – Dynamo Dresden
  • “Schon Eure Groszeltern…”-Tapete
  • Rückblick: Arminia Bielefeld – FCSP
  • Wilko liest aus alten Übersteigern (ÜS 18)
  • Rainer Wulff

Links zur Sendung:

 

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On Air:

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Übersteiger Nr. 127 zum Heimspiel gegen Karlsruhe

Kinners! Dat gifft`n nee`n Översteiger to´m Speel geen Karlsruhe.

Cover Übersteiger Nr. 127

Was ist guter Support? Diese Frage stellte sich die Übersteiger-Redaktion und hat sie arbeitsscheu direkt mal an die Fanclubs weiter gegeben. Die Ergebnisse sind so wunderbar bunt gemischt wie unser Viertel. In dem Zusammenhang konnten wir auch Daniela Wurbs (ehem. FSE) verhaften und zur Ultrabewegung befragen. Außerdem haben wir noch Berichte von den 1. Frauen und dem Holocaust-Gedenktag, sowie den Start einer Artikel-Trilogie des FC Lampedusa, einer weiteren Folge von Timbos Taktikschule u.v.m. zu bieten. Natürlich kreuzen auch altbekannte Rubriken euren Weg, gepaart mit wunderbaren Choreo-Bildern vom Millerntor.

Was guter Support ist, müsst Ihr selbst entscheiden. Mit dem Gimmick zu Nr. 127 wird er auf jeden Fall bunt! Gelesen wird das schöne Ding aber bitte vor/nach dem Spiel oder in der Halbzeit; schließlich wurde noch nie bewiesen, dass man drei Punkte nicht durch singen, hüpfen und laut sein erzwingen kann – lasst es uns probieren!

Wie immer: 1,60 € „Bar auffe Kralle“ oder Du holst Dir ein Abo!

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While some of us are celebrating, others are deported…

Dieser Text erschien zunächst bei FC Lampedusa HH.
In einer übersetzten Version wird er auch im ÜBERSTEIGER #127 abgedruckt, welcher am 27.Februar zum Heimspiel gegen den KSC verkauft wird.

Barcelona, Tuesday 29 November 2016, dia cuatro, in the evening.

The Coaching Crew of FC Lampedusa St. Pauli have swapped their tracksuit tops for little black dresses. Half an hour later, the hairdo is perfect too. The makeup conjures some brilliance in our slightly overtired eyes. Months of planning are finally coming to fruition: the result of hundreds of emails exchanged between us and the organisers of the City to City Barcelona FAD Award, and the Foreigners’ Registration Office. A heap of paperwork had to be completed in order to make it possible for 11 of our players to make this journey with us. In addition, just two days before departure, there were frantic negotiations with the airline – in a sudden attempt to thwart our plans in the eleventh hour they were refusing to accept the papers of some of our players. However, after fantastic teamwork with our hosts, the City of Barcelona and the FC Barcelona, the airline eventually confirmed that FCLSP could travel with all our registered players. This confirmation coming just 15 hours before we were due to fly.

Never did we expect that an airline would doubt travel-documents that were issued in Germany. You never stop learning. On top of this, two of the young players, we would also have liked to take with us to Barcelona, were forced to leave Germany during the application process. That alone was bad enough.

The players were freshening up too, and we looked forward to seeing which of them would win the “shirt of the day contest” – one of our favourite competitions at FCLSP.

In five minutes time, our fantastic hosts would pick us up at the hostel’s reception and bring us to the presentation of the City to City Barcelona FAD Award 2016, the actual reason of this trip.

“Bing! Bing!” – a WhatsApp message comes in. It is from one of our FCLSP players who had an appointment with the foreigners’ registration office in Hamburg earlier this morning. He hadn’t got in touch with us all day and we were already worrying that the reason for his silence was him having switched off all his phone in sorrow, after being  ‘asked’ to leave Germany within one week.

Reading the first sentence on the lock screen already did enough to bring us back to the harsh reality:

“…it’s not a good situation, I’m in a closed camp right now near the airport. I have to stay here till 2/12/16 and then they will deport me…“

We try hard not to burst into tears and to keep calm. There’s no time for a second makeup session.

Why now, during our stay in Barcelona? Why did he not get another extension? He already had to be at the foreigners’ registration office every Monday anyway, getting his short-term permit extended for another week? Why does it seem to be unwanted that FCLSP can properly bid farewell to its players?

Why is the new “Deportation Custody Facility”, which the City of Hamburg operates at the airport, filled with our midfielder while we are here – in the limelight – being presented an award for “outstanding project work”? Why do deportations take place on a home match day of FC St. Pauli?

And why on earth is our habibi locked up in this new facility as only the fifth person ever to have been detained there? ALONE, apart from twenty around-the-clock present employees of above mentioned office and a security service, while we are in Barcelona, feeling like we are being carried on hands, because our project made it to the final three of the City to City Barcelona FAD Award 2016 competition, out of the 100 entries submitted?

What on earth is wrong with our world?

At least, the memories we share with this player reeling in our mind’s eye prevent us from sinking into a sea of tears. You grow with your tasks, as the German phrase goes. But it is still so unfair!

Of course, we knew right from the start of this project that this sort of pain would be involved, but still Hamburg’s Ministry of the Interior, Youth and Sport somehow manages to ever produce new variations of an ugly face. The more arbitrarily the deportations are scheduled, the more brazen the methods get. But sitting there wailing has never helped anyone.

We do not want to be just another set of “do-gooders” providing only help. However, we can only achieve integration within structures which allow us to do it. The mere fact that Hamburg’s Ministry of the Interior, Youth and Sport is ONE municipal authority speaks for itself. Maybe it is even the reason why our habibi, in his first reception container camp, got a room with a view of the FCSP training facilities? Sometimes, when nothing else helps, it is cynicism that can still make us laugh.

We do what we always do in situations like this: we keep calm. A short phone call with the solicitor and the fiancée of our midfielder and then we have to leave for the awards ceremony.

The players notice that something isn’t okay. Some ask us, others do not. We do not want to spoil the first and – perhaps – only holiday of their lives. Their anxieties and sorrows left in Hamburg for a couple of days will be with them again on their return. The players shall enjoy themselves during their stay and forget their problems for a while.

The absurdity gradually sinks in. For three years now, you’ve given your all to a project which has become internationally renowned, wins awards… and then you’re brought back to reality in such a terrible way. Over the last three days, we were having so much fun; had so many wonderful people around us; shared great conversations and experienced very positive press coverage of our trip.

And the City of Hamburg? Puts one of our players, all alone, into a jail which they don’t even want to call a jail and fabricate disgusting terms like “departure custody” for such thing? In particular at a time, when we are out of town for a couple of days? One of our habibis?

A guy to become only the fifth person to be put into the new deportation jail at Hamburg Airport.

The reel keeps running in our mind’s eye.

In front of Barcelona City Hall, Christmas decorations sparkle. The timetable is tight. No time for a cool down cigarette or another make up check. The waterproof mascara fortunately stands the single tears. In the outer office of Mayor Ada Colau all the winners and award presenters are gathering. Everybody approaches us: “What a great project”, “So good to have you here”.

Actually, we should be grateful and happy in this very moment. However, we do not really feel like celebrating. We try to hide that feeling. But why should we keep the situation a secret? Jordi Cardoner, vice-chairman of the FC Barcelona Foundation, is the first to face reality. Everyone shakes their heads in disbelief. And so it remains for the rest of the night.

The door opens and Ada Colau comes in. A short reception and then it gets started. We try to focus on our address and go over our speech again, word by word. Our gratefulness for the award and the invitation shall, at the end of the day, be shown appropriately. One of us gives the address in Catalan for two minutes and the other then proceeds in English. Distraction therapy, given the events of the day.

We manage to do it with aplomb. The following marathon of handshakes, taking photos and talks to the press does us good, because it shows that we apparently do something right.

In any case, we continue to pose for photos. “Tell us when you need something”, is one of the central sentences of the night, no matter who we talk to. This does us good, warms our hearts and recharges our batteries for the coming months. Back in Hamburg, we will definitely need 100% recharged batteries.

“We would love to clone your mayor, Ada Colau, and take her with us to Hamburg,” we reply. Usually, we’re at our funniest when things are at their worst, because we know that we mean it.

And then, we go outside for a cigarette and to call the jail – of which it is said not to be a jail, because it has free WiFi…  // Gastartikel von FC Lampedusa Hamburg

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20.Spieltag (H) – SG Dynamo Dresden

FC St.Pauli – SG Dynamo Dresden 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Kyoung-Rok Choi (28.), 2:0 Cenk “ein das Ding” Sahin
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Dynamos)

Beginnen wir mit dem Sportlichen:
Wer uns in der Winterpause oder direkt nach dem Stuttgart-Spiel abgeschrieben hatte, dürfte erstaunt die Augenbraue hochziehen. Mit Siegen beim Tabellenführer und gegen den Fünften hat man die fünf Punkte Rückstand auf den Relegationsplatz aufgeholt, selbst Platz 15 ist nur noch einen Punkt entfernt.
Ebenso wichtig: Es entsprang nicht völligem Zufall oder Glück, sondern war in beiden Spielen durchaus verdient. Insbesondere gegen Dresden war das Ergebnis Ausdruck der Überlegenheit auf dem Rasen (oder wie man das Geläuf aktuell auch bezeichnen mag), Torchancen für Dresden gab es so gut wie keine. Nun könnte man anmerken, dass auch beide Tore für uns nicht wirklich aus Chancen entstanden, sondern aus Fehlern bei Dynamo, allerdings waren dies erzwungene Fehler durch unser Pressing, ähnlich wie es Union erfolgreich gegen uns genutzt hat.
Und darüber hinaus gab es noch weitere, teils auch sehr schön herausgespielte Chancen, sofern dieser Acker einen strukturierten Spielaufbau überhaupt zuließ.

Und: Cenk Sahin wird immer wichtiger und scheint endlich angekommen. Insbesondere bei eigener Führung ist er genau diese eklige Art von Spieler, die man beim Gegner hasst und in den eigenen Reihen abfeiert. Die durchaus bemerkenswerte Serie seiner vier Tore, die jeweils den zweiten Treffer in unseren vier Saisonsiegen bedeuteten, sei der Vollständigkeit halber auch erwähnt.

Gut auch, dass kurzfristige Ausfälle (Mats Møller Dæhli) inzwischen problemlos ersetzt werden können, hoffen wir das sowohl er als auch Nehrig und Choi nächste Woche wieder fit sind.

Mit den Spielen in Bielefeld, gegen den KSC und bei 1860 stehen jetzt drei 6-Punkte-Spiele an. Drei Siege vorausgesetzt hätten wir dann 35 Punkte und wären wohl durch…

Drumherum

Das beste Rezept gegen „übermäßigen“ (subjektive Definition bitte selbst einfügen) Torjubel von Gästefans in Heimbereichen wurde erfolgreich umgesetzt, man lässt einfach keine Auswärtstore zu. Ob das vom Verein für dieses Spiel verhängte Gästefarbenverbot der Weisheit letzter Schluß ist, sei mal dahingestellt, in Ermangelung einer besseren Idee – solange es die Business Seats auf der Süd noch gibt – muss man dies aber wohl so akzeptieren, die Vergangenheit (insbesondere auch in Liga 1) hat gezeigt, dass es anders nicht funktioniert.

In der Halbzeit folgte dann eine Tapete, die es zu medialer Aufmerksamkeit schaffte. Schade, dass dies immer nur dann passiert, wenn man meint sich daran skandalisierend abarbeiten zu können, insbesondere auch in der Kombination mit den BVB-Plakaten letzte Woche gegen RB Leipzig. Viele andere Tapeten die zu jedem Spiel zahlreich auf der Süd gezeigt werden, hätten dies eher verdient und wären viel positiver.
Geschrieben stand:

„Schon eure Großeltern haben für Dresden gebrannt – gegen den doitschen Opfermythos“

Ich will es mal so formulieren: Für mich eine Spur zu hart, meine Wortwahl wäre das nicht gewesen, auch wenn die Doppeldeutigkeit mit „Wir brennen für Dynamo“ zumindest einen gewissen „Wortwitz“ hat, der anderen plumpen Dialog-Tapeten in Ultrakreisen oft fehlt.
Nun ist es aber eben immer noch ein Unterschied, ob man solche Sätze in einen wissenschaftlichen Aufsatz bringt oder eben auf eine bewusst verkürzte Tapete in Ultra-Kreisen, die in erster Linie provozieren soll – und zwar nicht die Hinterbliebenen derer, die Menschen in Dresden verloren haben, sondern diejenigen im Auswärtsblock, die sich davon angesprochen fühlen. Und ein Blick in die ersten Reihen der Nord reichte, um hier wertfrei feststellen zu können, dass dies gelungen war.

Dies mag nun keine Glanzstunde St.Paulianischer Fankultur gewesen sein, allerdings muss dies eben auch immer ein bisschen in den Kontext eingeordnet werden, den es im Besonderen zwischen den Fanszenen des FC St.Pauli und Dynamo Dresden gibt, insbesondere über Banner und Tapeten. Dies begann bereits in Regionalligazeiten, als es bei einem Besuch im Rudolf-Harbig-Stadion ein „Bomber Harris – Do it again!“-Transpi gab, mit einer anschließend recht ähnlichen Diskussion wie jetzt. Damals wurden die anschließenden Angriffe der Dynamo-Fans auf die Gästebusse übrigens u.a. mit diesem Banner gerechtfertigt. Nur die sozialen Medien waren noch nicht so präsent wie heute, es beschränkte sich größtenteils auf das Forum.

Umgekehrt gab es von Seiten Dynamos auch diverse Tapeten, die jenseits gewisser Grenzen lagen, man erinnere sich beispielsweise ans Hinspiel.
Unterm Strich: Kann man machen, muss man nicht.

Und wenn sich dadurch St.Pauli-Fans getroffen fühlen, die selbst Menschen in Dresden verloren haben, so ist dies für diese sicher eine besondere Situation und mehr als „Es bezieht sich nicht auf Dich“ kann man wahrscheinlich nicht anführen. Dies entspricht leider Argumentationslinien, die man sonst eher scheiße findet und ist daher auch nur bedingt geeignet.
Wie erwähnt: Meine Tapete wäre dies u.a. auch deswegen nicht gewesen.

Aber: Warum sich der Verein dafür anschließend entschuldigen möchte, entzieht sich meinem Verständnis, gleiches gilt für den Fanclub-Sprecherrat, der explizit mit erwähnt wird. Entschuldigungen anderer Vereine für ähnlich niveauvolle Dinge der Vergangenheit suche ich vergeblich – allerdings kann ich mich ehrlich gesagt auch nicht an viele Tapeten erinnern, bei denen ich ernsthaft eine Entschuldigung des anderen Vereins erwartet oder gewollt hätte. Vielleicht mal abgesehen von Energie Cottbus nach deren „Sieg Heil“, aber der Rest gehört eben auch zu einem gewissen Teil zur verbalen Auseinandersetzung im Stadion dazu, auch wenn der DFL dies in ihrer heilen Welt nicht immer passt.
Und das U-Bahn-Lied wird meist eben “nur” gesungen und nicht auf Tapeten gepackt.

Gleiches gilt, kurzer Exkurs, übrigens auch für das was letzte Woche auf der Dortmunder Süd zu lesen war. Es ist eine Fußballtribüne, man arbeitet mit kurzen, prägnanten Statements auf Tapeten – keiner erwartet hier literarische Auseinandersetzungen und den Pulitzer-Preis. Und Ultras provozieren eben auch mal – und Provokation funktioniert nicht mit „Ey, Dresdener – manche von Euch gehen vielleicht montags zu PEGIDA und glauben ernsthaft an diesen Opferkram. Das finden wir doof, aber wir gestehen Euch Eure Meinung natürlich auch zu. Liebe Grüße, Eure Paulis!“.
Diesbezüglich sei auch der #FaireGesaenge Hashtag auf Twitter empfohlen, der sich letzte Woche nach dem Antrag des DFB zur Sperrung der Dortmunder Süd entwickelte.

Es gab jetzt oftmals die „Wir wissen aber, was sich gehört und entschuldigen uns deswegen.“-Argumentation, der ich grundsätzlich folgen kann. Und taktisch ist es sicher auch ein nachvollziehbarer Zug des Vereins, schon mal vorbeugend eine Entschuldigung an Dynamo Dresden abzuschicken, ehe ein Verfahren seitens des DFB überhaupt eingeleitet wurde.
Dann macht es dies mir als Fan natürlich einfacher, „dagegen“ zu sein und die Entschuldigung doof zu finden, auch wenn ich innerlich vielleicht anerkennend nicke.

In diesem Sinne: Viele Grüße an die vielen korrekten Dynamo-Fans, namentlich seien auf Twitter mal stellvertretend u.a. 1953International, Elbkicker, robpohl und Freelancer_DD empfohlen. Ich würde mich freuen, nächste Saison wieder zwei Mal gegen Euch spielen zu dürfen.
(Nachtrag: Die Wirkung auf einige Dresdener kann man auch gerne mal beim Spuckelch nachlesen.)
// Frodo

P.S. Deniz Aytekin, guter Mann! Hab ich ja schon immer gesagt…

Links:
– Bilder Stefan Groenveld
– Bericht BeebleBlox
– Bericht Gastspiel
– Bericht Nice Guys
– Bericht Athens South End Scum (English)
– Bericht KonBon
– Bericht Millerntor.Hamburg
– Bericht MagischerFC
– Bericht Grenzenlos1910
– Bericht Pendler Lüneburg

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