Und sonst so… (XXIV)

Wie auf der Diskussionsveranstaltung im Centro Sociale am 07.Januar berschlossen, wird es eine unabhängige Untersuchungskommission zu den Vorfällen rund um den Schweinske-Cup geben.
Heute dazu erste Details für die Öffentlichkeit, veröffentlicht auf der Seite des Fanladens:

Am 14. Januar 2012 haben die versammelten St. Pauli Fans im Rahmen der Diskussionsveranstaltung vom Fanladen St. Pauli im Centro Sociale nach den Vorfällen beim diesjährigen Schweinske-Cup beschlossen, eine unabhängige Untersuchungskommission einzuberufen. Mit Herrn Prof Dr. Feltes von der Ruhr-Universität Bochum konnte ein Mitglied des wissenschaftlichen Beirats der DFL dazu gewonnen werden, diese federführend zu leiten.

Wir bitten daher alle Fans, ihre Beobachtungen und Gedächtnisprotokolle zu den Vorfällen beim Schweinske Cup 2012 an das Fanprojekt des FC St. Pauli, den Fanladen St. Pauli zu schicken. Per Mail an info@stpauli-fanladen.de oder per Post in die Brigittenstraße 3, 20359 Hamburg. Die Daten werden vertraulich behandelt, alle eingehenden Berichte und Protokolle an die Untersuchungskommision weiter geleitet und abschliessend gelöscht und/oder vernichtet. Auf Wunsch werden die Protokolle auch nur anonymisiert weitergegeben!

Edit: Wie man diese Meldung journalistisch aufbereiten kann, sieht man bei Publikative.org. Mal gucken, ob und wenn ja wie andere Medien dies ebenfalls tun werden.

Weiteres in Kürze:

 

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Und sonst so… (XXIII)

In der Winterpause hatte ich eigentlich geplant, nur den Jahresrückblick und einen kurzen “Schön war’s!“-Artikel über den Schweinske-Cup inkl. Support-Video zu veröffentlichen. Dank Kassenrolle und Polizei kam es bekanntlich anders, aber das wisst Ihr ja alle.
Nun aber Back to Business, die Rückrunde naht und vorher insbesondere an diesem Wochenende einiges für den Terminkalender.

Freundschaftsspiel am Samstag gegen Grashoppers
Das Trainingslager unserer Götter in braun-weiß ist seit gestern beendet, der Blick richtet sich auf das kommende Testspiel am Samstag gegen “GC”, wie der Zürcher sagt, allen anderen auch als “Grashoppers Club Zürich” bekannt.
4.500 Karten sind bislang verkauft, über 400 auch bei den Schweizern, da darf man schon gespannt sein was für Gäste sich der Verein da zum Testen eingeladen hat.

Immerhin hat der Verein für den Sommer schon weniger brisante sportliche Herausforderungen angedacht, es soll am 13.Juli ein Freundschaftsspiel gegen Babelsberg 03 stattfinden.

Freitag, 18.00 Uhr – Holocaust-Gedenktag
Am Freitag, den 27.01.2012, veranstaltet der Fanladen St. Pauli um 18 Uhr im Clubheim des FC St. Pauli zum dritten Mal eine Veranstaltung zum internationalen Holocaustgedenktag. Der thematische Schwerpunkt wird in diesem Jahr auf der Verfolgung Homosexueller liegen.

Zu Beginn der Veranstaltung referiert der Historiker Moritz Terfloth über Homosexuellenverfolgung im Nationalsozialismus. Danach berichtet Dirk Brüllau, Sprecher des Netzwerkes Queer Football Fanclubs, über Diskriminierung im heutigen Fußball allgemein und über den FC St. Pauli im speziellen.

Nach den Vorträgen besteht die Möglichkeit, an die Referenten Fragen zu stellen sowie angeregt und offen zu diskutieren. Anschließend wird gemeinsam an der Gedenktafel für die Opfer des Nationalsozialismus vor der Südtribüne einen Kranz niedergelegt sowie eine Schweigeminute eingelegt.

Zum Abschluss wird zu einem gemütlichen Beisammensein bei Tee und Glühwein wiederum ins Clubheim eingeladen.

Danach findet ab 20.00 Uhr im Fanladen wieder der Zeckensalon statt, Thema: “Männ­li­che Iden­ti­täts­kon­struk­ti­on bei Fuß­ball­fans

Samstag 12.15 Uhr – Demo, “Der Tod ist ein Meister aus Deutschland”
Wer Freundschaftsspielen eh fern bleibt, oder seine Prioritäten anders setzt, kann den Samstag auch anders verbringen und dem Demoaufruf der Hamburger Antifa folgen, dies wird u.a. auch von USP unterstützt, wo Ihr auch alle weiteren Infos dazu findet.

Samstag, 19.30 Uhr – Handball
Alle hin da!

Englischer Ex-Nationalspieler für homophobe Äußerungen auf Twitter bestraft
Ergänzend zu den beiden eingangs erwähnten Veranstaltungen am Freitag sei noch auf diesen Eintrag auf der FARE-Seite verwiesen.
Der ehemalige englische Nationalspieler  Michael Ball (aktiv für die Rangers, Everton, ManCity und jüngst für Leicester) wurde von der FA zu 6.000,-Pfund Geldstrafe verurteilt, nachdem er einen Schauspieler mit homophoben Äußerungen auf Twitter beleidigt hatte, während dieser in der britischen Version des Dschungelcamps war.

Leicester City fand dies ebenfalls nicht lustig und hat den Vertrag mit Ball inzwischen aufgelöst.

Polizei erfragt Hoteldaten von Fußballfans
Diese Meldung bei Stadionwelt.de sorgte gestern für Aufsehen. Die Hannoveraner Polizei möchte von den örtlichen Hotels gerne die Gästelisten für das Datum des Europapokalspiels gegen den FC Brügge haben.
Fällt sicher aus Sicht der Polizei unter Gefahrenabwehr, wirft aber insbesondere nach unseren Erfahrungen beim Hallenturnier mal wieder die Frage auf, wie lange man noch warten muss, bis die Polizei endlich mal dazu gebracht wird, die eigenen schlagenden Beamten mit einer (wie auch immer gearteten) Kennzeichnung auszustatten.

U23-Derby verlegt
Und manchmal braucht die Polizei ja auch einfach etwas länger, bis auch sie begreift was eh allen klar war. Im letzten Jahr hatten sich viele gefreut, dass das Derby der U23-Teams von uns und dem hsv nicht parallel zu den Profispielen ausgetragen wird. Das Wetter machte dieses dann leider kurzfristig zunichte und ein neuer Termin musste her, wie nicht anders zu erwarten terminierte man dies nun dann doch wieder parallel zu einem Auswärtsspiel unsererseits, nämlich dem Auftritt in Aachen am 4.Februar.
Anstoß war am frühen Nachmittag geplant, was allen hsv-Fans die Gelegenheit gegeben hätte noch vorbeizuschauen, ehe sie selbst zu ihrem Heimspiel gegen den FC Bayern nach Stellingen gepilgert wären. Auch für die Schickeria wäre das sicher eine gute Ansetzung gewesen…

Irgendwann muss aber dann auch der Beamtenstand mal aus dem Winterschlaf erwachen und gestern war es dann soweit, irgendjemandem ist diese unglückliche Ansetzung aufgefallen. Nun findet das Spiel immer noch am Samstag, dem 4.Februar statt, allerdings erst um 18.30h, für Besucher des Bundesliga-Spiels also nicht machbar.
Ob sky eine Konferenzschaltung zum Spiel des hsv gegen Bayern anbietet, ist derzeit noch nicht entscheiden. // Frodo

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Polizei stellt fest: Die Erde ist eine Scheibe!

Das Gute an langen Arbeitswegen mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Man kann schon in aller Ruhe vor der Arbeitszeit seine Gedanken zur Tastatur bringen. Und heute ist wieder einer dieser Tage.

War das Abendblatt gestern durch seinen Ressortleiter Sport noch selber zum Favorit in der Kategorie “Lachnummer des Tages” geworden (um dann noch verlagsintern von der Sport-Bild verdrängt zu werden), so ist man heute nur Überbringer der nächsten Unfassbarkeiten.

Die [500 St.Pauli Fans auf dem Marsch vom Lattenkamp zur Halle] haben den Stadtteil in Angst und Schrecken versetzt.” lässt man dort heute den Leitenden Polizeidirektor Kuno Lehmann vermelden. Wie soll man nach solchen Aussagen der Polizei jemals wieder irgendwas glauben? Insbesondere alles, was irgendwie mit Fußball oder gar dem Turnier am Freitag zu tun hat?
Ja, ich war beim Marsch vor Ort… Und wenn immer wieder betont wird, dass die bloße Präsenz von einer Hundertschaft Polizisten in Ganzkörperrüstung, einer Reiterstaffel oder auch diversen Mannschaftswagen nicht provoziert, sondern ein Gefühl der Sicherheit im Rechtsstaat vermittelt, ist mir diese Aussage einfach nur ein komplettes Rätsel und hätte ausschließlich am 1.April veröffentlicht werden dürfen. Von mir aufgeschnappte Zitate beim Marsch, da ich eher an der Seite ging: Eine ältere Dame fragte ihren Begleiter: “Ganz schön was los hier… Aber was soll denn die viele Polizei? Die sind doch ganz friedlich.” Und eine Mutter zu ihrem Kleinkind: “Diese bunten Lichter… So ist das auch an Silvester gewesen, da haben die nur nicht so schön gesungen!” Angst und Schrecken sehen anders aus, gleiches dürften auch die diversen Bewohner gedacht haben, die doch recht entspannt aus den Fenstern lehnten. Die weitere Aussagen bzgl. “um 17.57h alle aufeinander eingedroschen” und ähnliches sind dann schon pure Realsatire, da fällt einem nichts mehr zu ein. Da sollte Herr Lehmann (der sicher nicht vor Ort war) sich mal fragen, wie er Personen in der Zukunft noch vertrauen kann, die ihm solche offensichtlichen Lügen zutragen. Die in den Medien verbreiteten Fotos, bei denen man vielleicht von “aufeinander eindreschen von zehn Personen” sprechen kann, ereigneten sich nach dem ersten Spiel, welches bekanntlich erst um 18.30h begann, vorher waren alle in der Halle.

Wer als Leitender Polizeidirektor die Wahrheit in mehreren Punkten vor der Bürgerschaft derart (bewusst oder fehlinformiert) verdreht, sollte sich schon mal vorsorglich beim Bundespräsidenten melden, damit man sich die Fahrtkosten zum Seminar “Glaubwürdigkeit wiederherstellen – Advanced Version für besonders schwere Fälle” teilen kann. Hier geht es nicht mehr um unterschiedliche Interpretationen des vorgefallenen, die Aussagen entbehren jeder Grundlage.

Außerdem hat sich der Sportsenator Neumann nun mit dem zuständigen Bezirksamt entschlossen, die Alsterdorfer Sporthalle für Fußballturniere zu sperren. Eine Halle also, die baulich wunderbar zu trennen ist, wie diverse Turniere der Vergangenheit mit Beteiligung von St.Pauli und dem hsv gezeigt haben… immer vorausgesetzt man hatte Polizei/Ordnungsdienst vor Ort, die sich über das Sicherheitskonzept vorher fünf Minuten Gedanken gemacht hatten.

Pure Mutmaßung: man wollte mit dieser Generalabsage den St.Pauli Fans eins auswischen, die ja für Samstag in gleicher Halle das jährliche Fanclubturnier geplant hatten. Blöd nur, dass hier schon seit Montag an der Absage mit gleichzeitigem Alternativprogramm gearbeitet wurde, weil man es sich nicht vorstellen konnte, nur eine Woche nach der ausufernden Polizeigewalt an gleicher Stelle unbeschwert Spaß zu haben. Das Verbot verpufft also.
Treffen tut man allerdings das für Sonntag geplante C-Jugend Turnier des SC Sperber, welches lt. Abendblatt ebenfalls von der Absage betroffen ist. Nun mag ausufernde Gewalt von Eltern am Spielfeldrand bei Hallenfußballturnieren zu einem der meist unterschätzten Gewaltszenarien unserer Gesellschaft gehören… oder aber diese Absage demnächst als Paradebeispiel bei Wikipedia unter “Blinder Aktionismus” auftauchen.

Schließen wir das Kopfschütteln über die Zitate im Abendblatt doch mit Vize-Polizeipräsident Reinhard Fallack: “Das, was [St.]Pauli-Fans da veranstaltet haben, war organisierte Gewalt.” Antwort Christian Bönig, Pressesprecher des FC St.Pauli: “Da fehlen mir schlichtweg die Worte,, aber wir haben unsere Sicht der Dinge ja bereits geschildert.” Danke.

Apropos interessante Interpretationen von Wahrheit und Realität: DFB und DFL haben gestern bekannt gegeben, dass man am Verbot von Pyrotechnik festhalte. Während die Weltöffentlichkeit noch darauf wartete, dass jetzt auch die Polizei eine Pressemitteilung herausgibt, in der schwere Körperverletzung und Mord weiterhin als “nicht erlaubt und pfui” bezeichnet werden, waren die Kollegen vom textilvergehen schon weiter. Sie meldeten “Kein Mord in Britz!” und haben gleichzeitig noch die fragwürdige Statistik zur ebenfalls von DFB/DFL verlauteten “84% sind gegen Pyrotechnik“-Meldung auseinandergenommen.
Ja, da können sich viele sogenannte “Journalisten” mal ein Beispiel dran nehmen. Beste Grüße nach Berlin. // Frodo

P.S. Eine sehr empfehlenswerte Zusammenfassung zum Medienecho auf die Pressekonferenz gibt es im Neunzehnhundertzehn-Blog.

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Nazis auf’s M… äh… auf die Stille Treppe!

“Und man muss es mal so deutlich sagen und bei der Realität bleiben: Wir werden landauf, landab dafür gerühmt, dass wir gegen Nazis stehen. Dann muss man sich auch mal gerademachen! Wenn einer Nazi-Sprüche macht, muss ihm klar sein, dass ihm das auch körperlich nicht guttun wird.“
- Sven Brux auf der gestrigen Pressekonferenz -

Widerspruch? Gegenrede? Garantiert nicht von mir, nicht aus der Fanszene des FC St.Pauli, wohl aber (erwartungsgemäß) von Medien und Polizei.

Die Fakten: Es gab in der Vergangenheit immer wieder Angriffe auf Fans des FC St.Pauli, die eindeutig politisch motiviert waren. Bei vielen davon war die Polizei gar nicht dabei (Neumünster, Kiel) oder hielt sich unauffällig im Hintergrund (Rostock in den 90ern) und es hätte Schwerverletzte und Schlimmeres gegeben, wenn man sich da auf das Verlassen hätte, was Polizeipressesprecher Mirko Streiber gestern bei Hamburg1 als “Gewaltmonopol des Staates” bezeichnet hat.

Wie dieses Gewaltmonopol in der Praxis aussieht, erlebt man als Fußballfan auf Auswärtsfahrt ständig, auch wenn die breite Öffentlichkeit dem keinen Glauben schenkt, weil auch die Medien nur allzu gerne die selbstgefällig formulierten Pressemitteilungen der Polizei weiterverbreiten. Sollte sich die Realität aufgrund zu eindeutiger Faktenlage dann doch mal nicht verschleiern lassen, wie z.B. bei den Stuttgart21 Demonstrationen, geht ein entsetzter Aufschrei durchs Land und die Polizei ist stets bemüht dies als verzeihlichen Ausrutscher darzustellen, der ohnehin völlig überinterpretiert wird. Schuldeingeständnisse? Fehlanzeige.

Am Freitag sah das Gewaltmonopol so aus, dass Nazis zunächst einmal ungestraft ihren verbalen Müll absondern durften, bevor sie dann Ordner und Familien über den Haufen liefen um den St.Pauli-Block auf der komplett gegenüberliegenden Hallenecke anzugreifen, während die Polizei damit beschäftigt war, fein säuberlich in Ganzkörperrüstung den zwei Meter Streifen zwischen erster Sitzplatzreihe und Spielfeld freizuhalten. St.Pauli Fans, die dann versuchten auf die Kopftribüne zu gelangen, auf der die Lübecker ebenfalls Familien in Angst und Schrecken versetzten, wurden daran mit Pfefferspray zu hindern versucht, Polizei auf der Kopftribüne suchte man noch lange vergeblich.

Die Presse reitet seit Jahren auf der “Zivilcourage zeigen”-Kampagne herum, wenn mal wieder was passiert ist. Wird hier aber Zivilcourage gezeigt, und werden die auf der Kopftribüne befindlichen Familien durch die Verteidigung aus der Schußlinie genommen, so ist dies “beiderseits gesuchte Fußballgewalt”? Am Arsch, liebe Medien.

Solange offizielle Vereinsvertreter deutliche Statements in der Art und Weise abgeben, wie Sven Brux es gestern getan hat, wird der FC St.Pauli mein Verein bleiben. Kommentatoren wie Peter Wenig (Ressortleiter Sport) im Hamburger Abendblatt, zeigen durch ihre Aussagen nur, dass sie keine Ahnung haben, was außerhalb des Elfenbeinturms Redaktionsschreibtisch tatsächlich die “Realität” ist. // Frodo

P.S. Noch schnell beim Redaktionskollegen folgenden Satz geklaut:
Zu hinterfragen ist auch die Rolle des Ressortleiters Peter Wenig, der heute öffentlich erklärte: „Die Verantwortlichen (= der Verein auf der Pressekonferenz) nutzten das Forum vor allem zu einer regelrechten Abrechnung mit der Polizei – also ausgerechnet mit den Beamten, die in Alsterdorf buchstäblich ihre Knochen hingehalten haben, um die eskalierende Gewalt irgendwie einzudämmen.
Dabei wären schon angesichts der Tatsache, dass 95-100% der Verletzten nur durch Polizeimaßnahmen verletzt worden sind, Kritik angebracht. Wer auf diese Weise der Verbreitung der Unwahrheit und absolut misslungenen und rechtsstaatlich zweifelhaften Polizeieinsätzen eine Art Persilschein ausstellt, ist nicht mehr Teil der Lösung, sondern längst Teil des Problems. Und genau genommen nicht mehr tragbar für diesen zentralen Job beim Hamburger Abendblatt.

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Pressemitteilung des Vereins zum Schweinske-Cup

Die Pressekonferenz zu den Vorfällen beim Schweinske-Cup ist soeben zuende gegangen. Die Erklärung des Vereins ist hier nachzulesen, und spricht für sich, auch in ihrer Deutlichkeit.

Wer Statements zu Fan- und Polizeithemen von Vereinsvertretern wie Gernot Stenger und Helmut Schulte aus der Vergangenheit kennt, kann sich vorstellen, dass hier die ein oder andere drastischere Formulierung dem Rotstift zum Opfer fiel und dies schon die eher gemäßigtere Variante ist.

Bei den anschließenden Fragen fanden die anwesenden Pressevertreter besonderes Interesse an Zahlen, wobei insbesondere die Frage, wieviel Gewaltbereite St.Pauli denn nun wirklich hat immer wieder gestellt, von Sven Brux aber mehrfach dahingehend beantwortet wurde, dass es hier sicher kein fixes Raster gibt und man daher man nicht mal eben eine feste Zahl präsentieren könne. Die von der Polizei ins Spiel gebrachten 230 wären natürlich insbesondere verwunderlich, wenn man in anderen Statements von sich gibt, man hätte an dem Abend gar nicht mehr zwischen normalen und gewaltbereiten Fans unterscheiden können.

Wie bei jedem Verein im Deutschen Profifußball gibt es auch bei uns Fans, die die Gewalt suchen, dies sei auch in den 80er und 90er Jahren schon so gewesen und in der heutigen Zeit eben etwas mehr im Fokus der Medien.

Außerdem sei der Verein doch überall für seine deutliche Positionierung gegen Nazis und Diskriminierung bekannt und im positiven auch berühmt, dann müsse man solche Leute eben auch mal körperlich sprüen lassen, dass sie bei uns nichts zu suchen hätten.

Eine Zahl fand ich dann auch interessant: Circa 90 Personen sind nach derzeitigem Kenntnissstand verletzt worden, dem Verein ist aber kein Verletzter aus Schlägereien oder Auseinandersetzungen innerhalb von Fans bekannt. Die 90 Verletzten gehen also allesamt auf das Konto von Pfefferspray- und Schlagstockeinsatz.

Insgesamt, wenn man die Meldung liest und auch das Gesagte vor Ort richtig verstanden hat, geht es um eine differenzierte Betrachtungsweise, die eben in den letzten zwei Tagen in die Medien nicht stattgefunden hat. Es müssen Ursache und Wirkung unterschieden werden, und eine Verteidigung gegen angreifende Nazis ist eben keine “von beiden Seiten gesuchte Fußballgewalt”.

Es gibt Vorfälle, die zu verurteilen sind, wie in der Stellungnahme auch aufgeführt. Diese hätte es aber so nie gegeben, wenn nicht im Vorfeld eklatante Fehler auf anderer Seite (=Polizei) passiert wären, denn dieses Turnier war seit Jahren ein Highlight für St.Pauli-Fans (und nicht nur für Familien), USP hat hier regelmäßig stimmlich überzeugt und Videos davon zum eigenen Marketing genutzt.
Es ist absolut naiv zu glauben, dass von unserer Seite auch nur irgendjemand ein Interesse daran gehabt hätte, dieses Turnier zu sabotieren oder Randale anzuzetteln, im Gegenteil.

Danke an den Verein für diese klaren Worte, insbesondere an Sven Brux. // Frodo

P.S. Noch ein Satz von Sven, bei dem ich gespannt bin, ob er den Weg in die “normalen” Medien findet: “USP hat sich als Gruppe mit am verantwortungsvollsten von Allen verhalten!

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Schweinske Cup 2012

Dialog zweier ÜS-Redakteure am späten Freitag Abend, in der Alsterdorfer Sporthalle zu Hamburg.
“Schreibst Du was dazu?” – “Nee, danke. Ich kann mir schon gut vorstellen wie das in den Medien ab morgen dargestellt wird. Zeit für die Moderation der dann nötigen Diskussion, wenn wir das richtigstellen, hab ich derzeit nicht, ich hab ja auch noch ‘nen Job.” – “Hmmm… Mist, geht mir ähnlich.”

Okay, es sind inzwischen zweieinhalb Tage ins Land gezogen, den Job haben beide immer noch und die öffentliche Diskussion über den Freitag Abend ist tatsächlich noch schlimmer geworden, als es sich die beiden am Freitag ausmalen konnten.

Insofern danken wir schon mal denen, die ebenfalls vor Ort waren (was man bei den Schreibern einiger Presseberichte und den Kommentaren des Einsatzleiters zumindest in Zweifel ziehen kann…) und schon vor uns Zeit zum Schreiben fanden.

Insbesondere denen, die nicht selbst vor Ort waren, legen wir jeden einzelnen dieser Texte ans Herz, wenn Ihr sie nicht eh schon gelesen habt. Allein schon, um die teilweise haarsträubende öffentliche Berichterstattung zu korrigieren.

1. Magischer FC (inkl. Polizeitaktischulung und dem Versuch einer chronologischen Abhandlung)
2. Lichterkarussell (über die vielerorts getätigte Gleichsetzung von Angriff und Verteidigung, insbesondere gegenüber Faschos)
3. Publikative.org (mit dem vielleicht einzigen Artikel einer Nicht-Fanseite zum Thema überhaupt, der es wert wäre in einer Zeitung abgedruckt zu werden)
4. neunzehnhundertzehnblog (mit dem beneidenswert nüchternen Blick von außen, und einem Seitenblick auf web 2.0)

Getreu dem Motto, es wurde schon alles gesagt, nur noch nicht von jedem:

Wenn eine Gruppe Nazi-Hools, die in relativ kurzer Zeit schon die komplette Bandbreite von Rassistischem und Homophobem Gedankengut verbreiten konnte, von verhältnismäßig wenig Mutigen in die Schranken gewiesen wird, weil die 2 1/2 anwesenden Hundertschaften der Polizei dies nicht auf die Reihe kriegen, dann ist genau DAS mein St.Pauli. Die Zeiten, in denen St.Paulianer bereitwillig die andere Wange hinhielten, wenn Nazis sie angriffen, sind zum Glück schon lange vorbei.

Wenn “St.Pauli Fans gegen Rechts“-Aufkleber provozieren, bin ich gerne Provokateur.

Wenn man nach Stuttgart 21 immer noch blind jedem Polizeistatement glaubt und diese unsägliche “Na, irgendwas werden sie schon gemacht haben…“-Denke an den Tag legt, wünsche ich demjenigen, dass vielleicht doch noch ein Video auftaucht, in dem die Szenen gezeigt werden, die viele gesehen haben und die anfangs bei Sitzblogade erwähnt werden.

Wenn Polizisten Schlagstockeinsatz und Pfefferspray als “erfolgreich” bezeichnen, fehlen mir die Worte.

Es gibt sicher Dinge, die dann auch bei uns im Folgenden nicht optimal gelaufen sind, aber nach den Vorgeschichten an diesem Abend ist das alles nicht mal annähernd erwähnens- oder diskutierenswert.

Jeder, der an diesem Abend nicht in der Halle war, sollte mit seinem Urteil sehr vorsichtig sein. Ich fahre seit knapp 30 Jahren zum Fußball und habe gerade bei St.Pauli-Spielen schon sehr viele Angriffe anderer Fans und furchtbar schlechte Polizeieinsätze erlebt, ebenso sinnlose Polizeigewalt.
Der Angriff an sich am Freitag war zwar da, wäre aber zum Einen von der Polizei simpel zu verhindern gewesen, wenn man seine Hausaufgaben gemacht hätte und hätte zum Anderen gänzlich ohne Polizei nur einen absoluten Bruchteil an Verletzten ergeben, von denen es im Zweifel ein Großteil wenigstens verdient gehabt hätte.

Wozu gibt es “Szenekundige Beamte” (auch in Lübeck), wenn diese von den Veranstaltern im Vorfeld nicht kontaktiert werden können?
Warum weiß da keiner, dass 100 Karten für Freitag gekauft wurden, aber keine für Samstag?
Warum können die Lübecker beim Betreten der Halle schon versuchen die erste Polizeikette zu stürmen und sich danach unbehelligt bewegen?
Warum ist es einer kompletten Hundertschaft wichtig, die Helme aufzuziehen um den zwei Meter-Gang zwischen der ersten Reihe des St.Pauli-Blocks und dem Spielfeld freizuräumen, während die da bereits deutlich als Aggressor auftretende Gruppe weiter mehr oder weniger unbewacht das “U-Bahn-Lied” singen und sonstige Scheiße verbreiten darf, ehe man sich dann auf den Weg machte um den eigenen Angriff zu starten?
Wieso darf die Polizei weiter mehr oder weniger unwidersprochen behaupten, die Gewalt beim Fußball steigt, wenn ein wichtiger Indikator dafür, nämlich die Verletztenzahlen, zu einem unfassbar großen Teil Verletzte durch Polizeigewalt sind, wie ja auch jetzt wieder?

Unser Verein hat eine Stellungnahme angekündigt, die voraussichtlich heute um 13.00h auf einer Pressekonferenz vorgestellt wird. Als Vorlage dient dafür hoffentlich (zumindest in Sachen Stoßrichtung) die deutliche Stellungnahme von Wacker Burghausen nach deren Auftritt in Chemnitz, als sich der Verein deutlich gegen die Polizeigewalt äußerte.
Nachdem es unser Verein auch weiterhin “hinter den Kulissen” versucht, mit der Polizei die Vorfälle rund um den Angriff auf das Jolly von 2009(sic!) aufzuarbeiten, ist wohl langsam eine andere Marschrichtung fällig.

Sobald die oben genannten Fragen geklärt sind, kann meinetwegen auch gerne öffentlich über unsere Rolle diskutiert werden (was intern übrigens bereits passiert). Vorher ist dies nur der tumbe Versuch, von den eigentlichen Verursachern und Schuldigen abzulenken, und diesen Gefallen wird zumindest der Übersteiger der Polizei ganz sicher nicht tun. // Die Redaktion

P.S. Der MagischeFC-Blog hat heute früh noch einen Beitrag hinterhergesetzt, der auch die eigene Rolle kritisch andiskutiert. Genau wie dort geschehen, gehören diese Vorfälle aber eben in den Kontext eingebettet und nicht so einseitig dargestellt, wie es in der Öffentlichkeit gerade geschieht.

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Jahresrückblick 2011

Ich hatte für das Jahr 2010 erstmals so einen Jahresrückblick gemacht und dabei selber so viel Spaß, dass ich das für 2011 gerne wiederhole. Bei einigen Dingen entfuhr mir beim Nachlesen ein “Ach was… das war auch dieses Jahr?“, bei anderen war ich eher erstaunt, dass es schon so lange her ist.
Wichtige Vorbemerkung: Es geht nicht zwingend um einen ausgewogenen und reflektierten Jahresrückblick über den FC St.Pauli insgesamt, sondern nur um das, was sich auch im Blog wiederfand, wobei es hier sicher eine große Schnittmenge gibt.
Es kann also der ein oder andere wichtige Punkt fehlen oder unwichtigem mehr Raum gegeben werden.

Januar 2011
Das Jahr in diesem Blog begann am 07.Januar mit dem Bericht über die Beziehungen von Rene Schnitzler mit der “Wettmafia”. Auf sechs Seiten wurde ihm im STERN die Möglichkeit gegeben, sich mal wieder einer größeren Öffentlichkeit zu präsentieren und detailliert zu beschreiben, wie genau er denn Geld für welche Spiele bekommen hatte, um sie dann nicht zu manipulieren.
Der Artikel “Biermann, Upsolut und Sozialromantik” blickt dann mit drei Tagen Abstand zur STERN-Veröffentlichung nochmal auf die Wettgeschichte Schnitzlers, verweist zum Thema Sozialromantiker und Upsolut (Streitfall zwischen Verein und Upsolut bzgl. der strittigen Vertragssituation) auf Texte bei den Tresen-Thesen und dem Magischen FC und widmet sich, wenn auch nur kurz, dem nächsten Aufreger des noch jungen Jahres: Andreas Biermann, der von 2007 bis 2010 zehn Spiele für unsere Profimannschaft sowie 17 Spiele für unsere U23 bestritten hatte, sollte lt. SPIEGEL den Verein im Zuge der Wettskandal-Diskussion scharf kritisiert haben. Doch bevor das Heft am Kiosk war, hatte Biermann schon auf der Vereinshomepage eine Art Gegendarstellung veröffentlicht.

Am 19.Januar folgte der Bericht über das Heimspiel gegen den SC Freiburg. Normalerweise nicht weiter erwähnenswert, wie so viele Heimspielberichte, in diesem Fall aber eben doch, da es sich um den Tag handelte, an dem der Jolly Rouge sich aus den interaktiven Welten in die Realität materialisierte. Rückblickend nach wie vor ein beeindruckender Tag, auch wenn man inzwischen wohl feststellen muss, dass einige Gräben innerhalb der Fanszene wohl nur mit Ästen und Laub getarnt wurden und man sich in vielen Fragen weiterhin an verhärteten Fronten gegenübersteht. Da ich mit dem Bericht selber sehr spät dran war, gibt es hier ein Best Of der zahlreichen anderen Blogs, als Überblick zu dem Ges(ch)ehene.
Es folgte nur einen Tag später der erste offiziellere Rückblick auf den Jolly Rouge, sowohl vom Verein als auch vom Ständigen Fanausschuss, in dem deutlich wurde, das ein Dialog zwar stattfindet, es aber noch einiges zu (er)klären gibt.

Februar 2011
Juhu, endlich wieder Derby… oder eben auch nicht, die “Rasenverlegerdeppen” waren geboren. Die Story war zu großartig um sie nicht in einem Blogbeitrag zu verewigen, auch wenn es damals unter der Hand schon vereinzelte Gerüchte darum gab, nicht etwa der Rasen sondern der Fund einer Bombe im Gästeblock sei für die Absage verantwortlich gewesen. Rückblickend weiß man, dass zumindest das mit dem Fund korrekt war, weil ein Vorortfan es wohl lustig gefunden hätte uns schwarz-weiß-blau einzunebeln. Ob dies nun tatsächlich der Grund war oder eben doch der Rasen, ist mir ehrlich gesagt auch wumpe und es werden wohl nur sehr wenige Leute wirklich wissen.

Nur zwei Tage später gab es den nächsten Artikel, dieses Mal über “Derbyfolgen und Wettbetrug“. Die Unabhängigkeit des Rasengutachters(!) war vom Übersteiger auf der Facebook-Seite angezweifelt worden, da dieser eben auf seiner Referenzseite schon länger mit dem hsv als Partner wirbt. Dies und anderes nahm auch der Boulevard auf und malte zusätzlich schon mal Horrorszenarien für den Nachholtermin an die Wand, von Ausschreitungen bis zum Verkehrschaos war man sich für nichts zu schade.
Im gleichen Text nahmen wir uns auch noch dem anderen Aufreger der Woche an, den das ARD-Magazin “Fakt” aufwarf: Haltlose Verdächtigungen und die Namensnennung von drei Spielern durch den Verdächtigen im Wettskandal, die dieser eben auch nur per Hören/Sagen von Rene Schnitzler bekommen hatte, welcher ja bekanntlich lt. eigener Aussage gar nicht manipuliert hatte. Also eigentlich nichts… und daher wollte das Magazin die Namen auch nicht nennen, echauffierte sich aber über die Nicht-Kooperation des Vereins. Schon damals vermuteten wir, die Sendung wäre bei RTL II besser aufgehoben und wohl nur mit folgendem Statement seitens des Vereins zufrieden gewesen:
“Klar, Spieler XY steht da auch unter Verdacht, können sie gerne senden… wir glauben zwar an seine Unschuld, aber Unschuld beweisen geht gegen solche substanzlosen Vorwürfe schlecht, also ziehen sie die arme Wurst gerne durch den Kakao. Irgendeine Sau muss man ja durchs Dorf treiben und Dschungel-Camp ist ja leider vorbei, verstehen wir schon!”
Der Verein hingegen antwortete mit einer recht ausführlichen Pressemitteilung und einer Pressekonferenz, die noch außergewöhnlicher war und eine der wohl eindrucksvollsten Reden von Holger Stanislawski enthielt, dies war uns dann sogar einen eigenen Blogbeitrag wert.

Die nächste Pressekonferenz war dann wieder planmäßig und präsentierte das Panini-Sammelalbum zugunsten von Fanräume e.V., bevor es dann endlich wieder sportlich wurde und mit dem Heimspiel gegen Mönchengladbach auch ein echter Aufreger wartete.
Nach einem Kopfstoß des Gladbachers de Camargo reagierte Matthias Lehmann etwas naiv, um es vorsichtig zu formulieren… wobei die direkte Reaktion von den meisten wohl als professionell bewertet worden wäre, wenn er sich im Interview nach dem Spiel “cleverer” und damit weniger ehrlich verhalten hätte. Außerdem gab es den Evergreen in Fandiskussionen: Pyro, dieses Mal im Gästeblock. Aber wer beide Themen ausführlicher nochmal nachlesen möchte, klicke hier.

Doch ein Thema überstrahlte natürlich nicht nur den Februar, sondern aus der Sicht Vieler sicher das ganze Jahr: Der 16.Februar 2011, der nach 33 1/2 Jahren den FC St.Pauli wieder zum Derbysieger machte!
Unnötig, die ganzen Geschichten wieder aufzurollen, zwei Namen werden den Meisten reichen um wieder dieses debile Ganzgesichtgrinsen hervorzuzaubern: Benedikt Pliquett und Bastian “Ich könnte kotzen, wenn ich die St.Paulianer hier in unserem Stadion feiern sehe” Reinhardt. Es wurde dementsprechend ein langer Text, inklusive einer ausführlichen Linksammlung zu anderen Texten.
Inzwischen wissen wir, dass es der letzte Sieg der Saison sein sollte und die damals 28 Punkte nach 22 Spielen (inkl. zwölf Punkte Vorsprung vor Mönchengladbach) zuwenig waren. Aber ich bleib dabei: Den Derbysieg würde ich nicht gegen den Klassenerhalt tauschen, die Tage nach dem Spiel waren ein großer Spaß!

Beim Heimspiel gegen Hannover 96 ging es dann um Ehrlichkeit, nachdem Gerald Asamoah dem Schiri in der 88.Minute ehrlich gestandt, es sei keine Ecke gewesen und im Gegenzug die 0:1 Niederlage eingetütet wurde. Außerdem wurde das Procedere für den Südkurven-DauerSaisonkartenverkauf für die kommende Saison vorgestellt, was ebenfalls einigen Diskussionsbedarf enthielt.

März 2011
Der Monat begann mit einem Beitrag, der nur am Rande mit dem FC St.Pauli zu tun hatte: “Meine 18 bis Katar” war eine Idee von HeinzKamke, in der er mal den Blick auf 2022 warf und niederschrieb, welche Vereine denn dann in der ersten Liga spielen sollten, wenn er “Wünsch Dir was” spielen dürfte. Es war ein bißchen wie ein virtueller Staffellauf, es beteiligten sich sehr viele Websites. Das Gute an so einem Rückblick ist, dass ich hier jetzt auch seine Auswertung der diversen Beiträge nachliefern kann.

Das bittere 1:2 gegen Stuttgart mit dem Siegtreffer der Gäste in der 88.Minute fand nur kurz Erwähnung, überregionale Erwähnung fand der ÜS dann in einem Video des Guardian und in einem Fan-Podcast des BVB, ehe dann in unserem Beitrag zum Projekt “Wir sind St.Pauli! Nur was sind wir?” mal wieder die Sinnfrage zum FC St.Pauli und seiner Fanszene gestellt wurde bzw. versucht wurde zu beantworten.

April 2011
Oh, bitterer Moment. Das Millerntor hatte soeben durch Herrn Aytekin eine der schlechtesten Schiedsrichterleistungen ever gesehen, als in der 88.Minute ein Haupttribünengast seinen Bierbecher dem Schiedsrichter-Assistenten in den Nacken warf, was folgerichtig zum Spielabbruch führte. Klar, dass dieser einer der längeren Texte des Jahres wurde. Klar auch, dass selbst in dem langen Text am Tag nach dem Spiel noch nicht alles gesagt war, weswegen es noch eines “Der Becherwurf – One week after” bedurfte, ein Text der gerade in Anbetracht der Vorfälle um die Kassenrolle nichts an Aktualität verloren hat.

Am 13.April gab es einen Gastartikel von Patrick Gensing, der unter dem Titel “Begräbnis mit Totenkopf” über die Pressekonferenz zu Stanis feststehendem Abschied berichtete.

Es folgte der Gestalt gewordene, gefühlte Abstieg, nämlich der 30.Spieltag und das 2-2 in Wolfsburg, wo Naki und Lehmann den Halbzeitrückstand drehten und in der 89.Minute Wolfsburg nach einer Ecke den Ausgleich erzielte. Statt mit 31 Punkten, drei Punkte vor den Wölfen und fünf vor Gladbach auf dem Relegationsplatz zu stehen, war man nun Vorletzter und Punktgleich mit Wolfsburg. Nach den Gegentreffern gegen Hoffenheim (87.Minute, 0:1), den hsv (88., 1:1),  in Hoffenheim (90., 2:2), gegen Hannover (89., 0:1) und Stuttgart (88., 1:2) waren dies nun die Punkte acht und neun, die uns in den letzten drei regulären Spielminuten durch die Lappen gegangen waren und dieser war zumindest aus meiner Sicht der absolute Sargnagel auf die Erstligazugehörigkeit.

Das Heimspiel gegen Werder brachte einen der noch bis heute regelmäßig angeklickten Artikel, da er mit Foto-Love-Story “verschlagwortet” wurde, was wohl ein häufiger Suchbegriff zu sein scheint. Hintergrund war das Cover der Stadionzeitung Viva St.Pauli, wo ein St.Pauli Hai das Bremer Fischbrötchen vernaschte. Eine Bremer Fanseite bastelte einen heimtückischen Werderaner Angler in das Bild, der unseren Hai an den Haken zu nehmen gedachte, was dann zum erneuten Konter führte, der von einem User auf der ÜS-Facebook-Seite veröffentlicht wurde, nämlich einem großen Piratenschiff. Hier angelt nur einer, St.Pauli und sonst keiner! Wir hatten hier dann mal alle Bilder in Reihenfolge gebracht, insgesamt ne tolle Geschichte und Frotzelei, wie sie beim Fußball auch dazugehört.

Am letzten Tag des Monats fand dann noch die Niederlage in Lautern Erwähnung inkl. dem (vereinzelten) Spieler-Bashing im Forum, und in den Döntjes weiter unten wird erstmals der Name Philipp Tschauner als Neuverpflichtung gehandelt.

Mai 2011
Den Anfang in diesem Monat machte ein Artikel, der ebenfalls heute noch recht regelmäßig angeklickt wird: Wenn Fans zu “Fans” werden, ein Kampf gegen bescheuerte Anführungsstriche, inspiriert durch die da bereits zu Tage tretende Medien-Hysterie in Sachen Fan-/Fußball-Gewalt.

Es folgte das 1:8 gegen Bayern, inklusive der Verabschiedung von Stani und Truller. Im gleichen Artikel wurde auch die Oberliga-Meisterschaft der U23 durch den Sieg bei BU gewürdigt.

Nachdem sich beim Thema “Schulte, Eger, Lechner” schon mal Unruhe andeutete, schauten wir zunächst mal den Film Gegengerade an und ich startete am 16.Mai die Online-Version der Döntjes: Das inzwischen auf über zwanzig Folgen angewachsene “Und sonst so…” mit Folge eins.

Zwille ließ uns dann an seinen Erlebnissen beim 34.Spieltag in Mainz teilhaben, bevor ein Interview von Troll mit Marcel Eger zum bis dahin meistgelesenen Artikel des ÜS-Blogs wurde, in dem er sehr offen seine Sicht der Dinge darstellte, die Helmut Schulte in keinem guten Licht stehen ließen. Anschließend blickten wir in Person von JE noch auf das Abschiedsspiel von Egi und Lelle in der Altonaer Adolf-Jäger-Kampfbahn.

Ende Mai gab es dann noch die neuen Dauerkarten-Modalitäten sowie den Bericht von Zwille von der “Fußball ist Trumpf“-Lesung im Knust.

Juni 2011
Den Sommer bestimmten diverse Berichte über die 4.Herren und “Und sonst so…”-Folgen, ehe Mitte Juni das neue Trikot vorgestellt wurde.

Juli 2011
Am 11.Juli kam der Bericht zum Freundschaftsspiel gegen Brøndby, ehe es bereits am 17.Juli mit dem Text zum ersten Punktspiel gegen Ingolstadt weiterging, welches bekanntlich an der Lübecker Lohmühle ausgetragen werden musste, auch wenn sich hartnäckig Gerüchte über die Lübecker Lohrheide hielten.

Letzter Text des Monats war dann eine kleine Fleißarbeit, die ich wohl für die neue Saison gerne wiederholen möchte: Ein Preisvergleich der Trikotpreise (sowie Hosen und Stutzen) für die erste und zweite Liga.

August 2011
Der Monat begann (nachdem ich Trier und Frankfurt erfolgreich ignoriert hatte) mit dem Heimsieg am 3.Spieltag gegen Aachen, ehe es mit dem “Offenen Brief der Frauen- und Mädchenfußballabteilung” mal wieder vereinspolitisch wurde, weil zunächst die Rugby-Abteilung und anschließend auch das Präsidium die Abteilungshoheit verletzten, was bekanntlich auf der JHV später für alle Zeiten ausgeschlossen wurde.

Nach dem wunderbaren 2:1 Sieg in Bochum (wo sich ganz unten im “Und sonst so…” Part schon mal zart die Häme über den Stadtrivalen andeutete), war der ÜS selbst mal Thema, nämlich unsere Ausgabe 104, die zusammen mit der Viva exklusiv das Fotomaterial für die “Welle” zur Verfügung hatte und auch im Heft einen ausführlichen Text zum Thema enthielt.
Die “Welle” war dann auch Thema im Text zum 2:1 Sieg (durch ein Tor von Fin Bartels(!) in der 94.(!!) Minute gegen den MSV Duisburg, außerdem meine beim Torjubel geschrottete Brille .

Nach der dem Heft entnommenen nächsten Fleißarbeit, einem Preisvergleich der Dauerkartenpreise aus 1. und 2.Bundesliga (wer daran nächste Saison evtl. mithelfen möchte, darf sich gerne melden), ging es dann noch zur unspektakulären Auswärtsniederlage in Braunschweig, ehe der Monat mit dem unschönen Knalleffekt der Weinbar-Kündigung zuende ging.

September 2011
Dieser Monat begann hingegen umso schöner, nämlich mit dem internationalem Auftritt unserer Götter in Braun-Weiß beim FC Winterthur, definitiv neben dem Derbysieg eines der ganz großen Highlights in diesem Jahr bei einem sympathischen Verein mit tollen Menschen!
Nach einer weitergehenden Stellungnahme zum Thema der angemeldeten und abgemeldeten Frauenfußballmannschaft, ging es im Punktspielbetrieb weiter, und wie.

Nach einem 0:1 Pausenrückstand durch einen Elfer von Benny Lauth in der 44.Minute, kam die Mannschaft mit viel Willen zurück aufs Feld… um sich ein etwas unglückliches Eigentor in der 47.Minute einzufangen. Es folgte aber eine der schönsten Aufholjagden und damit ein 4:2 Heimsieg gegen den TSV 1860 München.

Zu diesem Zeitpunkt lag der Ortsrivale gerade in Trümmern und die Häme erreichte langsam ihren Höhepunkt, bei uns im Blog durch einen Gastartikel von “diamondback” und der “IpO – Initiative pro Oenning“, die sich auf eine Infoveranstaltung des hsv eingeschlichen hatte.

Weit weniger lustig dann “Mut und Armut” von Troll, der über den feigen Angriff auf den St.Pauli-Fan Benny berichtete. Mit etwas Abstand lässt sich feststellen, dass der Angreifer leider immer noch nicht gefunden wurde, Benny aber zumindest einigermaßen das Ganze überwunden hat, auch dank der großen Unterstützung aus dem Fanumfeld.

Dem 2:0 Erfolg beim KSC (mit Traumfreistoß von Florian Bruns und Blitztor nach der Pause durch Marius Ebbers) folgte das Heimspiel gegen Erzgebirge Aue, mit erneut gleich mehreren Aufregern. Neben der unnötigen (aber nicht unverdienten) 2:3 Niederlage nach 1:0 Pausenführung gab es noch folgendes:
- die Verletzung von Lasse Sobiech
- einen weiteren Bierbecherwurf
- die Demo gegen Schreiber (remember Kersten-Miles-Brücke)

Oktober 2011
Der Auswärtssieg in Cottbus ließ die Aufstiegshoffnungen weiter gedeihen, bevor es dann vielen Fans wieder sehr warm ums Herz wurde, denn der wirklich hervorragende Film “Das Ganze Stadion!” hatte Premiere. Inzwischen steht zum Glück auch fest, dass es den Film demnächst auf DVD geben wird, also freut Euch drauf!

Unspektakulär wurde der 2:1 Pflichtsieg gegen den FSV Frankfurt abgehandelt, ehe dann ein weiteres Highlight etwas ausführlicher beleuchtet wurde, nämlich der Sieg an der Alten Försterei beim FC Union. Zunächst gab es für diesen Blog etwas Neues, nämlich ein Vorab-Interview mit Fans des Gegners (in diesem Fall den Kollegen vom Textilvergehen), anschließend dann noch den eigentlichen Bericht.

November 2011
Da es dafür viel Lob gab, gab es zum Spiel bei Hansa Rostock gleiches… nämlich ein gegnerisches Fan-Interview vor und einen siegreichen Bericht nach dem Spiel. War uns ein Vergnügen, Kogge versenkt!

Sonst war in dem Monat auch nicht viel, lediglich der Sieg gegen Dynamo Dresden musste noch abgefertigt werden, dank gleichzeitigem Erscheinen des ÜS (in dem auch die JHV abgehandelt wurde, die hier fehlt) und dem wohl jedem bekannten Ausschluß der Gästefans natürlich auch mit genug Erwähnenswertem drumherum.

Dezember 2011
Der Dezember begann gleich mit einem Knalleffekt, nämlich dem bekannt gewordenen kleinen Hörfehler des DFB-Beobachters beim Spiel in Rostock, welcher zum Artikel “11 Nakis sollt Ihr sein!” führte.

Nach dem Last-Minute-Punkt durch Fabian Boll in Paderborn gab es dann noch den wunderbaren 2:0 Sieg gegen die Frankfurter Eintracht, der allerdings dank einer Kassenrolle und der hysterischen Diskussion darüber zur Nebensache verkam.

Statistik:
Wer bis hierhin durchgehalten hat, kriegt jetzt auch noch Zahlen um die Ohren gehauen: Ca. 150.000 Besucher hatte der Blog dieses Jahr, meistgelesene Artikel waren “Mut und Armut” (> 8.000 Leser) sowie “11 Nakis sollt Ihr sein” (> 6.000 Leser).

Insgesamt gab es 54 Texte, und auch an Tagen wo es grad keinen neuen Text gab besuchten ca. 160 Besucher pro Tag den Blog, “normale” Texte hatten im Schnitt so ca. 600 Leser, mal mehr, selten weniger.

Über 33.000 Besuche verdanken wir Verlinkungen auf Facebook, ca. 24.000 fanden uns direkt und ca. 15.000 kamen aus dem St.Pauli-Forum hierher.

In diesem Sinne: Auf ein erfreuliches 2012!
Forza St.Pauli! // Frodo

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19.Spieltag (H) – Eintracht Frankfurt

FC St.Pauli – Eintracht Frankfurt 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Fabio Morena (32.), 2:0 Max Kruse (68.)
Zuschauer: 24.487 (ausverkauft, ca. 2.500 Gästefans)

Da sage nochmal einer, bei Heimspielen gibt es doch nichts zu schreiben…

Das Sportliche
Endlich hört dieses Mediengewäsch von “Kein Sieg gegen eine Spitzenmannschaft” auf. Mit sechs Punkten aus fünf Spielen sind wir da sicher im Soll, die Eintracht hat jetzt acht Punkte aus sechs Spielen innerhalb der “Top Fünf”.
Wir haben definitiv schon bessere Leistungen in der Hinrunde abgeliefert, die mehr nach drei Punkten verlangt hätten (u.a. im Hinspiel), aber auch 17:10 Torschüsse oder 12:4 Ecken für die Eintracht bringen eben keine Punkte, das haben wir umgekehrt ja auch schon oft genug feststellen müssen.

Während die erste Hälfte noch recht ausgeglichen war, mit einem leichten Übergewicht für die Eintracht, war es in der zweiten Halbzeit eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis die Frankfurter den Ausgleich erzielen, wir haben mal wieder drum gebettelt. Zweikämpfe wurden fast nicht mehr angenommen und wenn doch, dann verloren. Im Spiel nach vorne ging gar nichts, Marius Ebbers rechtfertigte seine Aufstellung an dem Tag offensiv gar nicht, aber immerhin defensiv und das reichte ja auch. Wirklich fest hielt den Sieg aber einzig Philipp Tschauner, der dafür auch mit seiner zweiten Berufung in die Elf des Tages beim Kicker und der Note 1,5 belohnt wurde.
Die glatte 1 hatte er sich wohl mit den Abschlägen versaut, wobei ich eher davon ausgehe, dass er die absichtlich so scheiße gemacht hat, um noch weitere Glanzparaden zeigen zu können.

Ein Tor nach Standard und Gewusel (6.Treffer nach einer Ecke diese Saison, unglaublich) durch Morena, sowie ein fantastisches Kontertor in Co-Produktion von Bartels und Kruse.
Dazu vielleicht mal ein taktischer Exkurs, soweit ich mich überhaupt da aus dem Fenster lehnen darf: Bei Ecken gegen uns stehen meist alle Spieler in oder um den eigenen Strafraum. Im Block 2 der Gegengerade sitzt hinter mir jemand, der dann immer lautstark fordert, Fin Bartels möge doch bitte an die Mittellinie gehen, da er ja so schnell sei.
Und Nein, genau das sollte er nämlich nicht, und gestern war nun endlich mal der Beweis für die Idee, die dahinter steht. Mal ganz abgesehen davon, dass Bartels alleine vorne aufgrund mangelnder Kernkompetenz im Abschluß ja eh kein Tor machen würde, ist dieser blitzartige Konter über ihn und Kruse aufgrund der Schnelligkeit der Beiden das viel gefährlichere Mittel.
Davon ab: Von zehn Pässen in die Mitte nach diesem Sprint kommen wohl neun nicht an und von zehn Pässen die ankommen schießt der Mitspieler weitere neun in den Ballsaal der Süd; alles in allem also ein Traumtor! Ich bleib dabei: Würde Bartels irgendwann anfangen Tore zu erzielen, ist er für uns nicht mehr zu bezahlen, also bleib wie Du bist, Fin!

Wäre dieses 2:0 nicht gefallen, hätte es wohl noch eine Niederlage gegeben. Wir taumelten über den Platz wie ein angeknockter Boxer der schon zweimal bis Neun angezählt worden war und landeten dann doch noch den Lucky Punch der Verzweiflung. Wenn wir in der Phase den Ausgleich kassiert hätten, wären wir untergegangen.

Immerhin konnte Gekas mit seinen handgezählten vier Umfallern keinen einzigen Freistoß bekommen, Respekt dafür an den Berliner Schiri Zwayer.

Philipp Tschauner hingegen wurde dann leider in der 90.Minute zum tragischen Helden, als er sich bei einer Flanke sicher den Ball griff und durch die Berührung des Gegenspielers am Kopf etwas unkoordiniert fiel, was jetzt zu einer bitteren Verletzungspause führt. Schultereckgelenkssprengung und zweifacher Bänderriss, Gute Besserung, Philipp!

Insgesamt ist die Mannschaft wohl froh, endlich in der Winterpause zu sein. Und natürlich sind 39 Punkte aus 19 Spielen eine gesunde Ausbeute. Wenn wir am Ende aufsteigen, fein, denn die Jungs haben es einfach verdient, auch wenn wie in Ingolstadt mal was daneben geht. Und wenn nicht, hoffe ich das Paderborn und Fürth auf- und Köln und Lautern absteigen, dann macht die 2.Liga noch mehr Spaß.

Die Kassenrolle
Meine Güte, wie oft das Wort wohl heute gegoogled wurde? Die Fernsehbilder zeigen also, wie ein weißer Gegenstand sich über das Fangnetz der Süd in der 47.Minute mittig in den Frankfurter Strafraum senkt, wo man sich grad zur Ecke sortiert.
Wohl eine Kassenrolle, die (kleiner Exkurs) zur Vorbereitung einmal komplett abgerollt wird, ihres harten Plastikkerns entledigt und anschließend (je nach Vorliebe) komplett oder in Teilen wieder aufgerollt wird.
Keine Diskussion: Wenn einen diese Papierrolle unvorbereitet aus einigen Metern am Kopf trifft, tut das weh. Wie Pirmin Schwegler sich also sowohl während des Spiels verhielt als auch nach dem Spiel im sky-Interview äußerte, fand ich bemerkenswert. Sinngemäß: “Ich sollte jetzt vielleicht was anderes sagen, aber: Mir geht es gut. So ein Vorfall ist besonders schade, weil das Publikum auf St.Pauli doch zu den besseren gehört.
Ich will mir nicht ausmalen, wie die Reaktion von Gekas gewesen wäre…

In der Entstehung war es eine Szene, in der grad nichts los war, außerdem führen wir 1:0, die Wahrscheinlichkeit eines absichtlichen (vielleicht sogar gezielten) Wurfes eines einzelnen Idioten aus der Aufregung heraus ist aus meiner Sicht daher eher gering.
Wahrscheinlicher ist, dass da jemand den rituellen “Nach der Pause alle die Kassenrollen in Richtung Fangzaun schmeissen!“-Moment irgendwie verpasst hat und dann auch noch zu blöd war, den Tesa-Film zu entfernen. Typischer Fall von extrem dumm gelaufen, insbesondere wenn man dann auch noch trifft.

Fakt 1: Gegenstände werfen ist scheiße.
Fakt 2: Gerade beim FC St.Pauli sollte man das im Jahre 2011 wissen.
Fakt 3: Dummheit schützt vor Strafe nicht.
Fakt 4: Eine Kassenrolle, die sich wie geplant abrollt, hätte niemanden interessiert.

Soweit alle einig?
Ab hier kommen wir dann wohl in Bereiche, wo sich die Geister scheiden werden.

Aus meiner Sicht sollte man bei allem was jetzt kommt, die Kirche im Dorf lassen *pling*. Ja, der Wurf war falsch, man hätte die Rolle einfach fürs nächste Spiel wegpacken sollen. Wer jetzt hier aber die Parallele zum Becherwerfer (oder gar noch abstrusere Vergleiche zu Raketen in Rostock) ziehen will, übersieht folgenden Unterschied: Der (gefüllte) Bierbecher bleibt ein Gegenstand, der aufs Feld fliegt… ob er trifft, oder nicht. Die Kassenrolle hingegen hätte ihrer eigentlichen Bestimmung nach eher den Effekt von Konfetti gehabt und den Platz normalerweise kaum erreicht. Doof eben nur, dass sie mehr war als Konfetti, keine Frage.

Im Stadion dachte ich mir noch, dass es schön wäre, wenn der Werfer/die Werferin sich nach dem Spiel bei Sven Brux meldet und mit einem deprimierten “Ich hab scheiße gebaut!” zu Kreuze kriecht. Zweimal die Gegengerade mit der Zahnbürste schubben und Sven ein Jahr lang den Köder bezahlen und gut is’.
Gleiches dachte ich auch heute Morgen noch, nachdem ich die ersten Texte dazu gelesen hatte, wohlgemerkt noch ohne die Hexenjagd im Forum.
Inzwischen hat das Ganze eine etwas andere Wendung genommen, der Verein sucht jetzt öffentlich nach der Person und unterstellt Anderen ihr bewusst beim Untertauchen geholfen zu haben. Durch die Formulierung liegt es nahe, dass es eh bald aufgeklärt sei, von daher wäre es jetzt besser sich zu melden, sonst meldet sich die Polizei. Wie nett vom Verein, auch ne Interpretation von “Auf St.Pauli regeln wir das unter uns!“.
Der Boulevard springt wie zu erwarten war drauf an, prominente investigativ tätige Redaktionen wie das GMX-Portal überbieten sich an schwachsinnigen Foto/Text-Kombinationen.

Die zu Beginn des Spiel (übrigens weniger als erwartet) zündelnden Randalemeister 2011 werden als reisserischer Aufmacher genommen. Bildunterschrift: “Erneut wurde im Millerntor-Stadion mit Gegenständen geschmissen!
Aufklärung zumindest im Text? Quatsch, wozu denn?
Aber so eine Kassenrolle macht eben optisch nicht so viel her…

Tja, die Links und Bilder zum Boulevard erspare ich uns wie gewohnt lieber, für den Verein gilt da aber wohl: Ziel erfüllt! Die Aufmerksamkeit hat man, der Werfer/die Werferin ist jetzt ähnlich beliebt wie ein U-Bahn-Schläger, im Zweifel wird er sogar härter bestraft.
Hab ich Mitleid mit dem Werfer / der Werferin? Ja, wenn ich sehe was da derzeit an Hetzjagd abgeht. Nein, wenn es zu erwarten wäre, dass es eine der Tat angemessene Bestrafung gibt, und das kann eben keine 1:1 Durchreichung der (zu erwartenden) Geldstrafe des DFB sein. Beim Lichterkarussel werden diese Gedanken etwas ausführlicher und eloquenter ausgeführt, auch beim Magischen FC oder im 1910Blog kann man dies so ebenfalls nachlesen.
Völlig anders (wenn auch nicht weniger eloquent) sieht dies der SantaPauli-Blog von Frau Jeky, aber sowohl sie als auch ich wären sicher schwer irritiert, wenn wir in solchen Dingen nicht möglichst weit voneinander entfernt wären.

Nachtrag: Der Magische FC hat nochmal nachgelegt und bringt u.a. noch den juristischen Blickwinkel auf den Text der Pressemitteilung ins Spiel.

Um es noch mal in einen zusammenfassenden Satz zu packen: Der Wurf war ein Fehler und es wird sicher eine Bestrafung geben, allerdings erhoffe ich mir von unserem Verein (wohlgemerkt nicht vom DFB), dass diese mit Augenmaß getroffen wird, die Verhältnismäßigkeit wahrend. // Frodo

Links:
- Bericht Gegengeraden Gerd (“Gebrannte Mandeln”)
- Bericht Magischer FC
- Bericht Lichterkarussell
- Bericht Neunzehnhundertzehn-Blog
- Bericht SantaPauli-Blog
- Bericht Kleiner Tod
- Bericht BeebleBlox (“Es geht auch mit Würstchen”)
- Bericht StPauli.nu (“Stolpernde Eintracht”)
- Bericht pathos93 (“Parallelen und Diskrepanzen”)
- Fotos Stefan Groenveld
- Fotos EFC Rodgau

Und sonst so…
Frohes Fest vom Verein!

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Und sonst so… (XXII)

Nach einigen geschäftigen Tagen gibt es jetzt kurz vorm Heimspiel gegen die Frankfurter Eintracht doch noch mal was Neues im Blog, ein wildes Sammelsurium von Links, Terminen und bemerkenswertem.

Frohes Fest – Alle Hinrundentore als Podcast!
Ein erstes Geschenk macht uns der Verein selbst, bzw. Gravis und das AFM-Radio, indem sie den Zusammenschnitt aller Hinrundentore (sowohl unsere als auch die Gegentore) als Podcast anbieten. Downloaden und genießen!
Kleiner Wunsch für die Edition zur Rückrunde: Kurz aus dem Off jeweils das Spiel ankündigen, aber das ist natürlich Jammern auf hohem Niveau.

Fascho-Angriff auf Aachener Ultras
Als St.Pauli-Fan muss man bei vielen Auswärtsspielen vorsichtig sein, gerne  kommt zu der Gelegenheit die lokale Vollidioten-Szene auch mal zum Heimspiel des gastgebenden Vereins, mit dem sie sonst vielleicht nicht so viel zu tun hat.
Über andere Fanszene zu schimpfen, weil diese das Nazi-Problem nicht in den Griff bekommen, fällt uns oft leicht, da es bei uns diese Probleme eben nicht wirklich gibt. Etwas ketzerisch könnte man da auch vom Elfenbeinturm sprechen, in dem wir sitzen. Greift natürlich etwas kurz, schließlich musste sich das auch bei uns vor Jahren erst erarbeitet werden, soll aber nochmal klar machen, dass die Situation bei anderen Vereinen eben auch etwas schwieriger ist.
Umso schöner, dass das unsägliche “Football without politics“-Schutzschild bei immer mehr Ultra-Gruppen abgelegt wird. Neben den schon länger aktiven Gruppen bei Vereinen wie Werder oder Babelsberg, machen auch Gruppen wie “Ultras Braunschweig” oder “Solo Ultra Dresden” sich bemerkbar. So eine Gruppe sind auch die “Aachen Ultras”.
Diese wurden jetzt am Wochenende beim Heimspiel gegen Erzgebirge Aue überfallen, aber eben nicht von Gästefans, sondern von Neo-Nakis Neonazis aus dem Aachener Lager.
Die Stellungnahme der Gruppe selbst zu den Vorfällen selbst findet ihr HIER, teilweise entlarvende weitere Stellungnahmen auf der Vereinshomepage hier und hier. Da könnte man jetzt vieles zu schreiben… aber die Bremer Ultras von Racaille Verte haben das bereits wunderbar gemacht, also lest einfach bei denen nach, wir nicken nur zustimmend.

Polizeigewalt endlich mal bestraft – Vorfall beim Union Spiel 2010
Mit einem Augenzwinkern könnte man festhalten, dass Urteil sei etwas zu früh erfolgt, denn besser gepasst hätte die Verkündung sicher am 13.12.
Doch die Vorfälle aus dem Drumherum des Spiels an der Alten Försterei aus dem April 2010 (nachzulesen u.a. im ÜS 99) sind nun doch noch zu einem guten akzeptablen Ende gekommen: der Polizist wurde für seine Körperverletzung verurteilt.
Nachlesen könnt Ihr das u.a. bei der Jungen Welt.

Aktuelle Pyro-Debatte
Im aktuellen Übersteiger hatte Mathes mit dem Artikel “Alles nur Schall und Rauch?” bereits einige Hintergründe über die inzwischen abgebrochenen Gespräche zwischen Fanvertretern und DFB/DFL dargelegt, letzte Woche sorgte die “Pyrotechnik legalisieren”-Gruppe mit ihrer Stellungnahme für einiges Aufsehen und langsam aber sicher kommt auch in der “normalen” Presse etwas Bewegung in die bisher festgefahrenen Sichtweisen. Die Süddeutsche Zeitung berichtet nun von eben dieser Stellungnahme und verlässt leider doch den eigentlich zu erwartenden seriösen Journalismuspfad teilweise, da man sich zwischen den Zeilen über die Initiative lustig zu machen versucht.
Unterm Strich aber scheint der DFB mehr und mehr mit dem Rücken an der Wand zu stehen und noch einmal Bewegung in die Diskussion zu kommen.

Celtic durch UEFA bestraft
Während Celtic heute Abend in Udinese einen Sieg braucht, um damit dank des direkten Vergleichs in die KO-Runde der Europa League einzuziehen (Auswärtssieg im Europapokal? “Skepsis” wäre noch vorsichtig ausgedrückt), hat die UEFA den Verein nun mit einer Geldstrafe in Höhe von 15.000,-€ belegt.
Grund sind “illicit chants”, also verbotene Gesänge. Celtic selbst bezieht dies in erster Linie auf das “Ooh, Ah, up the RA” und fühlt sich darin bestätigt, dass solche Gesänge auch im Celtic Park nicht länger willkommen sind.
Man muss kein Insider in Celtics Fankreisen sein, um sich vorstellen zu können, dass dies nicht etwa eine “tiny minority” ist, die da singt, sondern sehr wohl eine beträchtliche Anzahl an Fans. Eine der vielen Meinungen zu dem Thema kann man u.a. im “The Celtic Way”-Forum nachlesen, viele der anderen Foren, sind nur nach Registrierung zugänglich, da spar ich mir mal das verlinken.

Kleines Derby
Nee, wat ein Zufall! Das Derby der Regionalliga Nord zwischen unserer U23 und der Mannschaft des hsv ist ja bekanntlich am vergangenen Wochenende dem schlechten Wetter zum Opfer gefallen. Ärgerlich, da dies endlich mal ein Termin eines attraktiven Heimspiels unserer Zweiten war, der nicht parallel zu einem Profispiel gewesen wäre.
Nun wurde ein neuer Termin angesetzt, und, oh Wunder: Wir haben parallel am 04.Februar 2012 das Auswärtsspiel in Aachen.
Anstoß am Millerntor soll um 14.00h sein, unser Stadtrivale spielt mit seiner ersten Mannschaft erst um 18.30h gegen den FC Bayern. Wird es also ein Duell Schickeria – Chosen Few schon vorher geben, und der FC St.Pauli ist größtenteils außen vor? Oder kommt die lustige Polizei noch auf die Idee, den Anstoß auf 18.30h zu verlegen? Oder hoffen wir einfach auf erneut schlechtes Wetter?

Handball
Samstag ist das letzte Heimspiel des Jahres für die erste Herren-Mannschaft in der Oberliga Hamburg/Schleswig-Holstein. Ab 19.30h gilt es an der Budapester Straße gegen den Tabellenzweiten aus Dithmarschen nochmal alles zu geben, um wichtige Punkte für den Klassenerhalt zu sammeln. Alle hin da!

Das ganze Stadion
Wer sich am Samstag allerdings in Berlin befindet, dem sei die Astra Stube Neukölln empfohlen, denn dort gibt es ab 20.30h den Film “Das ganze Stadion” zu sehen. Wie der Regisseur auf der Facebook-Seite des Films bekannt gab, soll es voraussichtlich schon im Januar den Film auf DVD geben.

Hansa Rostock verkauft Geisterspiel-Karten
Der FC Hansa Rostock muss am Sonntag nach Vorfällen in einem gewissen Zweitligaspiel auf Besucher verzichten, wenn es gegen Dynamo Dresden geht. Und zwar dürfen dieses Mal weder die kommen, die sonst immer da sind, noch die, die sonst nie da sind.
Nun geht es dem Verein bekanntlich finanziell ungefähr so gut wie uns nach dem Abstieg in die Regionalliga, und während wir jetzt innerhalb weniger Wochen sechs Millionen Euro für die Anleihe gezeichnet haben, knappst Hansa seit Monaten bei einem knapp mittleren sechsstelligen Betrag herum, will sagen: Es ist eng an der Ostsee, finanziell gesehen.
So überrascht es nicht, dass man die Fans anfleht, die 10.000 bereits verkauften Karten wahlweise nicht zurückerstattet haben zu wollen, oder wahlweise sogar Karten für das Geisterspiel zu erwerben. Seien wir ehrlich: Hätte unser Verein aller Wahrscheinlichkeit nach genauso gemacht.

“Anders” ist hingegen die Werbekampagne für die Anleihe, wie die Kollegen vom Lichterkarussell festgestellt haben, in ihrem Artikel “Das Mädchen vom Werbeplakat“. Da hat wohl jemand zu viel Astra getrunken, oder wahlweise zu oft auf deren (ebenfalls nicht immer gelungene) Werbekampagne geschaut.

Uwe-Stadion!
Juhu, der Wunsch vieler Hamburger Vorstädter wird endlich wahr, es gibt ein Uwe-Stadion! Okayokay, am Nachnamen hat man gespart und die Lage ist auch gewöhnungbedürftig, aber wir haben nichts dagegen, wenn die da jetzt zukünftig alle hingehen, viel Spaß! // Frodo

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17.Spieltag (A) – SC Paderborn

SC Paderborn – FC St.Pauli 1:1 (0:1)
Tore: 1:0 Nick Proschwitz (45.), 1:1 Fabian Boll (90. +3)
Zuschauer: 15.000 (ausverkauft, ca. 2.500 St.Paulianer)

Der wichtige freitägliche Geschäftstermin fällt am Mittwoch Abend aus, da waren die Busplätze des Fanladens aber schon ebenso ausverkauft wie die Eintrittskarten in Paderborn…
Da mir der Ground bisher noch fehlte, weil ich bei der Schneeballschlacht vor zwei Jahren (ebenfalls 17.Spieltag, 2:1 verloren, Tore durch Saglik, Brandy (SCP) und Moooooorike Sakooooo) auch verhindert war, wollte ich unbedingt hin und so klappte es mit ein bißchen Glück dann doch noch. Bei der Abfahrt der Fanladen-Busse am Clubheim konnte ich spontan noch einen Platz ergattern, da jemand krank geworden war. (Gute Besserung, Ben!)
Die Hinfahrt verlief unspektakulär und fix, am Stadion konnte man dann den komplett umzäunten Buskorridor für den Gästebereich bewundern, der einen zehnminütigen Fußweg erforderte, wenn man zu den anderen Stadionbereichen wollte. Zum Beispiel dem nur zwei Meter Luftlinie nebenan liegenden zweiten Gästeeingang, um Freunde zu treffen oder Karten zu übergeben, während im Stadion dann beide Eingänge zusammen im gleichen Block münden.
Durchdachtes Sicherheitskonzept
mag man meinen, erinnert an die Niederlande… und wirkt in Paderborn ziemlich deplatziert. Vor wem soll man da denn beschützt werden? Oder ist das etwa zum Schutz des benachbarten Möbelhauses vor den Gästefans?

Jedenfalls konnten Kollege Zwille und ich insgesamt 120 Übersteiger auf beiden Seiten des Zauns verkaufen, bevor wir uns ins Innere der “Energie-Team Arena” begaben.
Das Stadion selbst sieht von außen deutlich größer aus, besteht innen dann aus überraschend viel Wand und Banden, hat aber für den SC Paderborn sicher absolut die richtige Größe und Form. Wenn man da an den alten Ground in Schloß Neuhaus zurückdenkt, ist das ein riesiger Unterschied. Was ich mich aber seit gestern frage: Wer hat denn da jahrelang für die Verzögerung beim Bau gesorgt, wegen angeblicher Lärmbelästigung? Die Schafe auf der Weide nebenan? Die Mäuse im Möbelhaus? Ich hatte nach der Vorgeschichte eher ein Stadion mitten im Wohn-, und nicht im Gewerbegebiet direkt an der Autobahn erwartet. Ansonsten viel Beton und unter den Rängen eine verhältnismäßig gut ausgebaute Gastronomie. Wäre mir insgesamt zum Wohlfühlen am Millerntor definitiv zu unpersönlich und nackt, hab ich in anderen Stadien aber auch schon schlechter erleben dürfen.

Die Stimmung auf Heimseite glich größtenteils einem Tennispublikum, aufstehen und rhytmisch klatschen war für die beiden Geraden schon das absolut Äußerste. Allerdings waren die 15.000 Plätze auch erst zum vierten Mal insgesamt ausverkauft, zum ersten Mal seit dem Derby gegen Bielefeld 2009, einige werden also auch absolute Gelegenheits-Zuschauer gewesen sein, da kann man wohl nicht mehr erwarten. Die Heimkurve hatte anfangs eine kleine Fahnenchoreo vorbereitet, die den Stadionsprecher zu Tränen und Spendenaufrufen rührte. Während des Spiels gab es soliden Support, ohne groß positiv oder negativ aufzufallen, immerhin gab es (zumindest soweit ich das hören konnte) keine Diskriminierungen Pöbeleien gegen den Gegner, muss man ja heutzutage auch schon gesondert erwähnen.
Positiv erwähnt sei auch noch eine Pfandbecher-Spendenaktion, die dem Verein Sattelfest e.V. zugute kam, der sich für therapeutisches Reiten für Menschen mit Behinderung einsetzt und nach Rücksprache mit dem Fanladen auch im Gästeblock durchgeführt wurde, sehr schön!

Der Gästeblock begrüßte jeden gegnerischen Spieler mit dem Nachnamen “Naki” bei der Aufstellung (Hintergründe siehe “11 Nakis sollt Ihr sein!“), mal gucken ob die Geldstrafe des DFB diesmal schon im sechstelligen Bereich liegen wird. Darüber hinaus gab es von USP noch eine “Deniz Nazi, einer von uns!” Tapete.
Während der 90 Minuten war die Stimmung bei uns eher enttäuschend, USP sang zwar lautstark und ausdauernd wie immer, der Rest des Blocks machte aber nur selten mit und wirkte teilweise unbeteiligt oder von der Stimmung oder dem Spiel eingeschläfert. Das hatte ich so in letzter Zeit schon lange nicht mehr erlebt.

Das Spiel beim Überraschungsfünften begann ausgeglichen. Nach einer halben Stunde hatte ich das Gefühl wir bekommen das jetzt in den Griff, bevor mich der Paderborner Shooting-Star Nick Proschwitz (der vor ein paar Jahren auch mal für die II. der Rauten gespielt hat) nach Kuddelmuddel in unserer Abwehr mit einem Prachtschuss widerlegte. Links spielten drei Mann auf Abseits, rechts machte Schachten dies zunichte.

Die zweite Halbzeit zeigte eine deutliche Feldüberlegenheit der Bhoys in Brown, ohne die nötige Kreativität und Durchschlagskraft. Kann man uns natürlich negativ auslegen, andererseits zeugt dies auch von der sehr guten defensiven Ordnung der Paderborner, die schließlich bisher die wenigsten Gegentreffer der Liga kassiert haben.
Eine Paderborner Großchance durch Brandy standen bei uns zwei gute Möglichkeiten durch Schachten (frei durch, spitzer Winkel und dann geflankt statt zu schießen oder auf Kruse zu passen) und Naki (zunächst am Torwart vorbei, dann aber leider auch am Tor) gegenüber. Und als sich alles schon auf vier Stunden Rückfahrt mit einer Niederlage im Gepäck eingestellt hatte, schlug die Stunde des Kommissars.
Paderborn hatte Kalla bei einem Vorstoß gestoppt und den Ball defensiv auf außen eigentlich sicher, doch Boll kam angeschossen und schmiss sich in den geplanten Befreiungsschlag. Den damit aufgehaltenen Ball holt er sich, setzt sich dann auch noch gegen den Verteidiger durch und holt den Freistoß an der 16er Kante raus, den schließlich Daube nach innen tritt wo Boll die Kirsche aus drei Metern mit purer Willenskraft und vollem Körpereinsatz über die Linie wuchtet, die Uhr in der Aufzeichnung zeigte 92:16 gespielte Minuten. Der Rest war Jubel pur!

Ich hab mir grad die Szene nochmal angeschaut, solche Gesamtkunstwerke vom Gewinnen des Balles, über das Herausholen des Freistoßes, bis hin zum Erzielen des Tores… das kann bei uns wohl nur Boller!

Kurz vor Mitternacht waren die Busse dann wieder in der schönsten Stadt der Welt.
Mit 36 Punkten ist die Hinrunde die erfolgreichste in der 2.Liga in der 101jährigen Vereinsgeschichte, da es trotzdem nur zu Platz 4 reicht ist es doch wunderbar, nächste Woche in Ingolstadt gleich weitermachen zu können. // Frodo

Links:
- Bericht Magischer FC (“Paderborn macht mich krank”)
- Vorabprophezeiung Gegengeraden-Gerd (oder: “Die Ahnungslosigkeit des alten Mannes”)
- Bericht pathos93 (“Eine neue Liga ist wie ein neues Leben”)
- Bericht BreitSeite (“Eine irre Woche neigt sich dem Ende”)
- Bilder offizielle Homepage

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