MT041 – Philipp Heerwagen

Wer den MT027 gehört hat, konnte sich schon ausmalen, dass auch diese Sendung wieder sehr hörenswert werden würde.
Und so kam es.

Gute 2 1/2 Stunden trafen sich Sven, Sebastian, Philipp Heerwagen und ich im Konferenzraum der Fanräume und sprachen über die zurückliegenden Spiele, seine neue Rolle und überhaupt sein Bild vom und im Verein.
Und wieder hatte man durchgehend das Gefühl, dass da jemand sitzt, der diesen Verein verstanden hat und sich wohlfühlt.

Außerdem entführt uns Wilko mit seiner Lesung aus alten Übersteigern ins Jahr 1996 zur bereits damals existenten “Modefan”-Debatte und wir erfahren den Ursprung der “Pauli ohne Sankt ist nicht erlaubt!”-Diskussion.

Vielen Dank, Philipp, viel Spaß allen HörerInnen! / Maik

P.S. Von dem drei- vierfachen Feueralarm haben wir uns nicht weiter irritieren lassen, solltet Ihr daher auch nicht…

Links:
Sommerfest der Fanszene
Lauf gegen Rechts
Blindenfußball Bundesliga
Fußballfibel FC Sankt Pauli
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107 Jahre die einzige Möglichkeit (oder: FCSP – FÜ)

FC St.Pauli – achisdochauchegal
Tore: Eh Wurst (LASSE!)
Zuschauer: Waren da

Das hätte uns mal einer nach dem 14. oder 18.Spieltag erzählen sollen: Aue und Bielefeld gewinnen am 33. Spieltag, wir gewinnen nicht – und keinen stört es so wirklich.
Hätten wahrscheinlich viele geglaubt, allerdings dann eher mit einem Karlsruhesquen Ausgang.

Stattdessen gab es eben dank des (erneuten) Auswärtssieges in der “Region” die Rettung schon am letzten Wochenende und der formidable Platz 3 in der Rückrundentabelle sorgte eben für diesen entspannten Sommerkick, den man gestern am Millerntor bewundern durfte.
Die Stimmung auf den Rängen passte dazu, es floss so vor sich hin, ohne sonderliche Aufreger, die kleine Rudelbildung in der zweiten Halbzeit und der Flitzer (inkl. im TV wohl nicht gezeigtem Knie-Rutsch-Jubel vor der Süd nach Sprint über den ganzen Platz) waren da schon die emotionalen Höhepunkte während des Spiels.
(Okay… und das Tor. Hab ich dem Lasse sehr gegönnt.)

Vorher hatte es die Verabschiedung von Lennart Thy (Amo) und Mats Møller Dæhli gegeben, die beide als Leihspieler der Winterpause zu ihren Vereinen zurückkehren. Zumindest bei Letzterem gibt es natürlich die Absicht, seinen Verbleib zu bewerkstelligen, die Hoffnung dürfte aber angesichts seiner bei uns gezeigten Leistungen (leider) nicht so furchtbar groß sein. Und dies sei ihm natürlich auch gegönnt.
(Btw: Glückwunsch an Marc Rzatkowski zur Österreichischen Meisterschaft. Ihm sei zu wünschen, dass er nächste Saison mehr Einsatzzeit bekommt, wo auch immer.)

Emotionaler (zumindest bei Vielen) war da schon die Verabschiedung von Rainer Wulff. Gute 30 Jahre Stadionsprecher – Wahnsinn!
Und damit für die allermeisten eben “der einzige” Stadionsprecher (von seinem jetzigen Team natürlich mal abgesehen).
Da wird diese Stimme absolut fehlen, passende Worte dazu auch beim Magischen FC Blog.
Und natürlich: Wer sie schon jetzt vermisst, findet beim MillernTon Trost.
Mach’s gut, Rainer, genieß’ die gewonnene Freizeit!

Die Sommerpause brauchen jetzt wohl alle sehr dringend, vorher steht aber noch die Abschlußfahrt nach Bochum an, die wohl für die allermeisten eine “Geil, wir haben das echt geschafft!“-Erleichterungstour wird.
4.400 Karten für den (bereits erweiterten) Gästeblock verkauft, damit ausverkauft, schöne Sache.
Eigentlich finde ich ja, am letzten Spieltag sollte es noch um was gehen – aber okay, das haben wir in der Hinrunde eben versaut.

Und nochmal ernsthaft:
Platz 12 als Worst-Case-Szenario vor dem letzten Spieltag, sogar Platz 6 noch in Reichweite?
“Da lach ich mir doch den Arsch ab”, um mal einen bekannten Trainer eines aktuellen Erstligavereins zu zitieren.

Am Knust geb es dann gestern noch ein paar Feierlichkeiten, Videos und Statements gibt es u.a. auf dem Twitter-Account des Vereins, empfohlen sei u.a. dieses Video von Ewald:

Was sich da jetzt personell in der Sommerpause tut wird man abwarten, die zwei-drei Wochen zusätzliche Planungssicherheit können da sicher nicht schaden.

Für den Terminkalender:
– 1.Spieltag 2017/18: 28. – 31.Juli
– 1.Runde DFB-Pokal: 11. – 14.August

Links:
– Fotos Stefan Groenveld
– Bericht Magischer FC Blog
– Bericht Athens South End Scum (English)
– Bericht KonBon

Verein am Wochenende:

Die 1.Frauen trat gestern am vorletzten Spieltag der Saison bei Holstein Kiel an.
Zwar gab es eine 0:2-Niederlage, da gleichzeitig aber auch der TSV Limmer verlor kann das Team nicht mehr von Platz 3 verdrängt werden.
Wie geil ist das denn? Platz 3 in der Regionalliga – als Aufsteiger!
Wer also nächste Woche nicht nach Bochum fährt kann gerne in der Feldarena vorbeigehen. Um 13.00h ist Anstoß gegen den Zweiten, Jahn Delmenhorst.
(Und Saisonziel für nächste Saison ist doch dann bitte mal der Pokalsieg, okay?)

Die U23 hingegen gilt es schon am Samstag zu unterstützen, und zwar um 13.00h in Hildesheim.
Am Samstag hätte man sich mit einem Sieg gegen Rehden ein bisschen entspannen können, nach zwölf Minuten führte man durch Tore von Jan-Marc Schneider und Nico Empen auch schon mit 2:0, um sich dann in den 88.Minute das 2:2 einzufangen.
Nun geht es als 14. am letzten Spieltag eben nach Hildesheim, welches aktuell 15. ist und nur einen Punkt hinter Braun-Weiß rangiert.
Platz 15 ist “eigentlich” ausreichend für den Klassenerhalt, es sei denn Werder II steigt noch aus der 3.Liga ab UND Meppen verpasst gegen Waldhof Mannheim den Aufstieg in eben jene 3.Liga.
Leider beides absolut möglich – und schwupps steigt man als 15. doch noch ab.
Verhindern würde dies ein Punkt in Hildesheim – also alle hin da!

Die U19 hingegen ist mal wieder Derbysieger geworden – und das passenderweise im Pokalfinale!
In einem packenden Spiel im Stadion von BU führte man lange Zeit gegen den Nachbarn, ehe dieser in der 90.Minute (+3) das 3:3 erzielte.
So musste das Elfmeterschießen herhalten, hier behielten unsere Bhoys in Brwon dann mit 7:5 die Oberhand und qualifizierten sich erneut für den DFB-Pokal.
Glückwunsch! // Frodo

 

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ÜBERSTEIGER #128 erscheint am Sonntag gegen Fürth

Klassenerhalt! Endlich wieder Zeit sich über die wichtigen Dinge im Leben Gedanken zu machen – ÜS #128 erscheint zum Heimspiel gegen Fürth.

Pünktlich zum letzten Heimspiel der Saison, erblickt ein neuer Übersteiger das Licht der Welt. Es war gar nicht so einfach sich während der angespannten Situation der Profimannschaft, auf die #128 zu konzentrieren, auch wenn die letzte Übung erst zwei Jahre her ist. Trotzdem ist es uns gelungen, viele Blicke rund um den Verein (der ja auch deutlich mehr als Fußball ist) zu werfen und das Thema Inklusion anzupacken.

Ein heikles und sensibles, aber notwendiges Thema. Hier herrscht an so vielen Stellen, insbesondere in den Köpfen, Nachholbedarf, dass eine Thematisierung längst überfällig war.

Platz hatten wir selbstverständlich trotzdem noch für die alten, doch niemals muffigen, Klassiker namens NdvA, Döntjes, Paadie und so weiter und sofort.

Auch rechnerisch steht jetzt fest: Besuche im Emslandstadion (schimpft sich mittlerweile Hänsch-Arena) bleiben auf jeden Fall auch nächste Saison aus. Auch wenn dies vielen hier die Chance gegeben hätte, mit dem Satz „Ich war in Meppen!“, der eigenen Auswärtsfahrer-Mystik weiteren Glanz zu verleihen. Trotzdem: Fick Dich 3. Liga!

Zeit für die Sommerpause, versüßt mit dem neuen Übersteiger! Für schlappe 1,60 €, ist der sogar billiger als jedes Magnum Mandel!

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FC St.Pauli IV – HFC Falke 1:5 (1:1)

Ja, Geschehnisse sacken lassen hilft, nicht jeder Bericht muss gleich in die Tastatur. So auch hier.
Viel ist geschrieben worden, „nicht alles“ davon war sinnvoll oder korrekt, auch dieser Text hier ist namentlich gekennzeichnet und daher subjektiv. Er enthält Meinungen und Wertungen, nicht alles wird von allen geteilt werden, geht auch gar nicht.

Haken wir kurz das Sportliche ab: Der HFC Falke hat verdient 5:1 gewonnen, der (direkte) Aufstieg wird sich wohl am letzten Spieltag im Aufeinandertreffen mit Altona II. entscheiden.
Unsere IV. dürfte trotzdem mit dem Abstieg nichts mehr zu tun bekommen, aktuell sind es sieben Punkte Luft nach unten.

Zum Drumherum:
Natürlich ist es kein normales Spiel, wenn St.Pauli und Falke aufeinandertreffen. Dies merkte man schon daran, dass es wohl zum ersten Mal für die IV.Herren Eintrittskarten gab. Wenn ich nichts verpasst habe, war dies an der Feldstraße auch erst das zweite Mal überhaupt der Fall, erstmalig passierte dies letzte Saison beim Pokalhalbfinale der St.Pauli-Frauen gegen den hsv.
Dieses Mal wurden 250 Tickets im Umfeld der IV. verteilt, die gleiche Stückzahl ging an den Gast, allesamt kostenlos.

Der ÜBERSTEIGER hatte sich früh um ein normales / positives Verhältnis zu Falke bemüht (sowohl im Print als auch jüngst im Podcast), ich für mich kann an dieser Stelle auch nur festhalten mit den handelnden Personen ein gutes Verhältnis zu haben.
Geht aber eben nicht zwingend allen so, dazu später mehr.

Die Fakten:
Der HFC Falke hatte als Treffpunkt das Shamrock ausgegeben, dies war allerdings von St.Paulianern besetzt, weswegen kurzfristig auf die U-Bahn Feldstraße ausgewichen wurde.
Der Eingang befand sich in der Gasse des Doms direkt am Bunker, vor dem Eingang wartete eine größere Anzahl St.Pauli-Fans. Viele Falke-Fans gingen hier bunt gemischt durch und waren schon frühzeitig am Platz.
Als eine größere Gruppe Falke-Fans in den Gang einbog, wurde diese angegriffen. Es fand eine kurze Hauerei statt, das Schätzen von Personenanzahlen auf beiden Seiten überlasse ich anderen, ebenso das Aufführen von Gegenständen auf beiden Seiten.
Nach etwa einer Minute war das Ganze durch und man ging seiner Wege, als die Polizei später eintraf, hatte sich schon lange wieder alles beruhigt.

Die Rede ist von drei verletzten Falke-Fans, denen natürlich gute Besserung.
In Gesprächen während und nach dem Spiel mit mir bekannten Falke Fans zeigte sich ein großer Teil der Gruppe vom Angriff geschockt, damit hatte man einfach nicht gerechnet, gerade nach dem ruhig verlaufenen Hinspiel.
Andere hingegen nahmen den Vorfall recht “sportlich”, als vorweggenommene Dritte Halbzeit. Letztere waren aber eher in der Minderheit.

Ab jetzt verlasse ich den nüchternen Bericht und versuche, die Hintergründe zu beleuchten.
Es gibt eine lange Liste von Vorfällen seit dem letzten Sommer, die im Einzelnen nicht zwingend für die Öffentlichkeit gedacht ist, den Betroffenen aber bekannt sein dürfte.
Öffentlicher Höhepunkt war kürzlich der Angriff auf einen 9-Sitzer mit St.Pauli-Fans, der aus Aue zurückkam.
Moment… das waren aber immer hsv-Fans, keine Falke-Fans?
Ja, schon richtig. Auch richtig, dass der Verein versucht, dies strikt zu trennen.
Personelle Überschneidungen lassen sich dabei aber eben nicht verhindern, anschließende persönliche Sympathie-Bekundungen oder lustige Kommentare zu jenem Angriff im Internet sind zusätzlich auch nicht gerade hilfreich, wenn es um eine Deeskalation zwischen St.Pauli und Falke geht.
Klar aber auch: Jene Kommentare im Internet dürfen nicht wirklich als Begründung für so eine Aktion dienen.

Wie im MillernTon mit Tamara Dwenger (Präsidentin des HFC Falke) zu hören war, so hatte sich auch vor dem Hinspiel entsprechendes Klientel bei Falke interessiert am Spiel gezeigt, wurde aber recht deutlich mit „Ihr seid hier sonst nicht, dann braucht Ihr auch zu diesem Spiel nicht zu kommen!“ vorab ausgeladen.
Und abgesehen von ein paar „Scheiß St.Pauli!“-Rufen kann man auch ganz klar festhalten, dass das Hinspiel zwar in einem emotionalen Rahmen verlief, es aber keinerlei Übergriffe gab. Und die Rufe kann man dann auch ganz gut aushalten.
Der Gästeanhang beim Hinspiel war aber auch eher im niedrigen zweistelligen Bereich zu verorten.

Bleibt die Frage: Was hält man nun davon?
Körperliche Auseinandersetzungen passieren beim Fußball. Dies ist nichts Neues und wird voraussichtlich auch nie verschwinden. Auch die Fanszene des FC St.Pauli war nie gewaltfrei, auch wenn dies oft verklärt so dargestellt wird.
Allerdings ist es schon eine andere Nummer, wenn man dies in die Kreisliga verlegt. Zumal zu einer Mannschaft, die den Fußball als Hobby betreibt und sonst vor einer Kiste Bier und ein paar Kumpels spielt, sich dann aber plötzlich nach dem Spiel noch auf dem Feld von Reportern(!) fragen lassen muss, warum man sich denn nicht um ein Sicherheitskonzept für das Spiel gekümmert habe.
Tja, weil es Kreisliga ist vielleicht?
Und dann wird es auch nicht besser, wenn der überwiegende Teil der Protagonisten vom Sonntag noch nie ein Spiel der 4. Herren gesehen hat und voraussichtlich auch keins mehr sehen wird, diese aber eben als Bühne missbraucht.
Ich will jetzt nicht in das Gejammer einsteigen, dass auch Frauen und Kinder betroffen hätten sein können. Ich gehe seit ca. 35 Jahren zum Fußball und ich kann einigermaßen einschätzen, ob es sinnvoll ist zu so einem Spiel sein Kind mitzunehmen. Und wenn ich das tue, verhalte ich mich entsprechend und halte mich auch von entsprechenden Gruppen fern. Davon ab ist besagten „Frauen und Kindern“ (zum Glück) auch nichts passiert, der Schrecken saß aber sicher einigen in den Gliedern und auch das muss natürlich nicht sein. Muss es aber auch bei Männern nicht, nur mal nebenbei.
Da der Dom noch nicht geöffnet hatte, hielt sich auch hier das Risiko für Unbeteiligte in Grenzen – ganz ausschließen kann man das aber natürlich an einem Sonntag trotzdem nicht und ob es ein grundsätzlich anderes Verhalten gegeben hätte, wenn der Dom bereits geöffnet gewesen wäre, bezweifle ich dann leider auch mal.
Will sagen: Mit Ruhm bekleckert haben wir uns da ganz sicher nicht, im Gegenteil.

Es bewahrheitet sich also das, was man (spätestens) mit dem Angriff auf den 9-Sitzer schon befürchten musste. Die Spirale dreht sich, Aktion erfordert Reaktion.
Der HFC Falke als Verein mag sich hier noch so sehr wünschen, in diesen Streit nicht hereingezogen zu werden, solange (und sei es auch nur vereinzelte) personelle Überschneidungen bestehen bleiben lässt sich dies leider nur schwer vermitteln.
Da greift dann in der Fußballfan-Logik schnell die Sippenhaft, zumal die Grenzen im konkreten Fall ja schon historisch verschwommener sind als in anderen Fällen. Kann man doof finden, wird aber eben so wahrgenommen.
Für alle Beteiligten ist es daher wohl wünschenswert, wenn sich die sportlichen Wege zur neuen Saison wieder trennen, ein Aufstieg des HFC wäre dafür sicher ein guter Schritt.

Für den FC St.Pauli und seine Fanszene gilt es, intern diesen Sonntag aufzuarbeiten. Dafür sind reißerische Schlagzeilen und dümmliches Ultra-Bashing nicht hilfreich. Ein Vereinspräsident, der persönlich zum Hörer greift und sich beim gegnerischen Verein entschuldigt, zeigt aber schon mal Größe, zumindest wenn die „Wer hat angefangen?“ – Frage für diesen Tag so eindeutig beantwortet werden kann wie in diesem Fall.
Ein großes Plus der Fanszene bei uns war schon immer, dass man Dinge, die scheiße gelaufen sind, auch mal als solche ansprechen kann. Bleibt zu hoffen, dass dies auch im konkreten Fall offen so funktioniert, ohne dass die eine Seite überzogene Forderungen stellt, oder die andere sich dem Gespräch verweigert.

Da habe ich aber das grundsätzliche Vertrauen in die handelnden Personen.

Dem HFC Falke wünsche ich (ganz persönlich) weiterhin alles Gute.// Frodo

Links:
– Fotos Stefan Groenveld

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29.Spieltag (H) – Würzburger Kickers

FC St.Pauli – Würzburger Kickers 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Christopher Buchtmann (87.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 1.500 Gästefans)

Es ist nicht das erste Mal, dass mich die Erkenntnis trifft, dass über manchen Text besser nochmal 1-2 Nächte geschlafen wird. Aber im Zuge einer jugendfreien Ausdrucksweise war es dieses Mal besonders angebracht.

Beginnen wir mit dem Sportlichen:
Schön war es nicht.
Muss es aber auch nicht mehr sein, aus dem Saisonbereich sind wir raus und im entsprechenden Tabellenbereich noch lange nicht drin.
Spielerisch war das keine Offenbarung, insbesondere in Hälfte eins eher sogar erschreckend, aber hier ist es eben – wie so oft – wahrscheinlich auch in erster Linie Kopfsache.
Und als Tabellensiebzehnter spielt es sich eben nicht sonderlich befreit auf, insbesondere in einem Sechs-Punkte-Spiel, sechs Spieltage vor Ende.
Scheißegal, drei Punkte, alles andere ist Schnullibulli.

Ich habe mich seit meinem Schiedsrichter-Lehrgang hier ja mit Kritik an den Unparteiischen stark zurückgehalten, weil mir inzwischen klar ist, dass Sichtweisen auf dem Platz aus Tausend unterschiedlichen Gründen sehr stark von denen auf den Rängen abweichen können.
Herr Jablonski aus Bremen allerdings schaffte es am Sonntag verdientermaßen in meine “Aytekin Hall of Fame”, selten habe ich mich zuletzt so sehr aufgeregt.
Die Szene nach zehn Sekunden, als Daghfous Ziereis von hinten umhaut war ein unschöner Beginn, hier kann ich ihn aber noch mit “Kann er schlecht sehen” in Schutz nehmen.
Anders hingegen die Fouls von Schröck und Fröde nach einer knappen Viertelstunde, als jeweils mit gestrecktem Bein in den Gegner geflogen und dieser oberhalb des Knöchels am Standbein getroffen wurde. Während Schiedsrichtern auf Kreisebene da oft auf Lehrabenden “Oberhalb des Sprunggelenks, wenn hier auf dem Acker einer so reingeht, dann geht er bitte duschen!” mitgegeben wird, ist dies im Profibereich meist weniger restriktiv zu behandeln und eine gelbe Karte kann als Vertretbar gelten – Rot muss nicht sein.
Aber: Gar nichts?! Hallo?!
Das ist zwei Mal versuchte Körperverletzung – wie sehr kann man den Einstieg in die persönlichen Strafen verdaddeln? Dies war ein Versagen fürs Lehrbuch und leider zog sich dann, wie es eben dann so oft ist, dieses Versäumnis durch das Spiel und wahrscheinlich kann man es nur der sportlichen Brisanz verdanken, dass beide Teams einen Platzverweis unbedingt vermeiden wollten, ansonsten hätte dies leicht zu einem noch übleren Getrete ausarten können als ohnehin schon.
Bezeichnend, dass die erste gelbe Karte dann Bouhaddouz traf – für seine Aktion des Schubsens zwar korrekt, blöd nur das übersehen wurde wie sein Gegner ihm mit Anlauf das Knie in den Rücken rammte.
Und von den zwei-drei Elfmetern die wir hätten kriegen können rede ich ja noch nicht mal…
Unterm Strich stellte sich Würzburg als die unsympathische Tretertruppe heraus, die man einem Trainer Hollerbach ins Poesie-Album kleben würde. Kombiniert mit theatralischen Hingefalle, wenn es dann mal umgekehrt was auf die Socken gab.

Oh, wie schön es dann ist, dass ein hingefallener Würzburger (Königs, Sympathiespieler mit der 27) die eigene Abwehrreihe so verwirrte, dass daraus das Tor für uns fiel.
Und nein, da gab es keinerlei Grund das Spiel zu unterbrechen, weder für den Schiedsrichter (immerhin, mal etwas), noch für unsere Spieler. Bester Beleg dafür ist ja auch, dass Königs dann auch problemlos wieder aufstand, als der Ball in seine Nähe kam.
Volle Gönnung, Hollerbach, haste Dir verdient.

Stimmung?
Naja… zum Einen fehlte der akustische Gegner, da der Gästeblock leider trotz Rückenwind kaum wahrzunehmen war, zum Anderen brachte die sportliche Situation einige wohl eher zum Nägelkauen als zum Supporten. Dies änderte sich dann leider auch erst mit dem Führungstor.
Nicht sonderlich schön, aber verständlich.
Was hingegen zunehmend nervt: Die Unruhe bis hin zu leichtem Unmut beim Ballgeschiebe in der Abwehr. Sind denn wirklich so viele Personen auf den Rängen so ahnungslos, dass dies nicht zumindest schweigend hingenommen werden kann, wenn man schon den Mund nicht zur positiven Unterstützung aufbekommt?
Glaubt ernsthaft jemand, genervtes Aufstöhnen bei Rückpässen führt dazu, dass in der nächsten Sekunde ein Zauberpass mit anschließendem Fallrückzieher in den Winkel kreiert wird?
Fußball in der 2.Liga ist (insbesondere im Abstiegskampf, als Heimteam gegen ein Team mit “leicht” defensiver Grundordnung) Abnutzungskampf und eine Geduldsfrage.
Und die braucht es eben dann manches Mal auch auf den Rängen.

Saisonendspurt
Ich bemühe ja gerne jede Woche aufs Neue den Tabellenrechner.
Würzburg als Absteiger hält sich dort nun schon konstant ein paar Wochen, trotz aller Überraschungen – wobei Würzburg selbst als einziges Team ohne Sieg in der Rückrunde ja auch eben keine Überraschungen liefert.
Aktuell habe ich für uns mal ganz konservativ zwei Heimsiege und drei Auswärtsniederlagen angesetzt, was uns mit 38 Punkten am Ende sicher in den Hafen einlaufen lässt. Hinter uns landet auf dem Relegationsrang die Arminia, die mit einem Sieg in Dresden noch an den Würzburgern vorbeihumpelt.
Hierbei gehe ich natürlich davon aus, dass Würzburg am letzten Spieltag in Stuttgart verliert… sollte es für Stuttgart da schon um nichts mehr gehen – nun, dann könnte unsere Fahrt nach Bochum doch noch spannender verlaufen als aktuell geplant.
Schalten Sie auch nächste Woche wieder ein, wenn die aktuelle Hochrechnung aufgrund der Ergebnisse am Wochenende wieder komplett über den Haufen geschmissen wird.

Nun aber erst mal zur Fortuna.
Der 17. der Heimtabelle (drei Siege) trifft auf den 10. der Auswärtstabelle (vier Siege), oder auch der Rückrunden-16. trifft auf den Rückrunden-4.
Warum hab ich da eigentlich auf Niederlage getippt?
Na, ich kenne ja meinen Verein.
Und eben darum wird am Ende auch alles gut – nur eben nicht Nervenschonend, das wäre auch zu einfach. // Frodo

Links:
– Bilder Stefan Groenveld: “Trotz Stromausfall den Stecker nicht gezogen
(was für ein geiles Startbild…)
– MillernTon “Vor dem Spiel” // “Nach dem Spiel
– Athens South End Scum: “Matchday 29” (English)
– Magischer FC: “88 Minute Haare raufen, 5 Minuten Glückseligkeit
– BeebleBlox: “Fünf Minuten Zittern kriegt man immer
– KonBon: “Buchti setzt St.Pauli unter Strom
– Kleiner Tod: “Wenn sich Ostern wie Weihnachten anfühlt

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MT040 – HFC Falke

Wer hat denn da die Termine ausgesucht?
Über drei Spiele sprechen, die 0:0, 0:1 und 0:0 ausgingen? Rostige Nägel unters Augenlid reiben macht ähnlich viel Spaß.

Dementsprechend waren wir damit schnell durch und hatten noch Zeit über Tischkicker (WM demnächst auf Kampnagel) und Subbuteo zu sprechen, ehe es in der längeren zweiten Hälfte um den HFC Falke ging.
Vereinspräsidentin Tamara Dwenger war zu Gast und erzählte viele Hintergründe und allerlei wissenswertes, was mit so einer Vereinsgründung so einhergeht.

Viel Spaß!

Termin:
– Sonntag, 23.4., 14.00h, Feldarena: FCSP IV – HFC Falke

Links zur Sendung:
Überfall auf St.Pauli Fans (Spendendose im Fanladen)
Anmeldung Blindenfußball-Lehrgang
Tischkicker-WM auf Kampnagel
Kixx – Tischkickern in Hamburg
Subbuteo St.Pauli
How to Play – Subbuteo
HFC Falke
ÜS-Interview mit dem HFC Falke
Clapton Ultras brauchen Geld

AFM-Radio Portal
VdS/NdS-Folgen

Feed-Links zum Abonnieren:
MP3http://blog.uebersteiger.de/feed/mp3/
MP4http://blog.uebersteiger.de/feed/mp4/
iTuneshttps://itunes.apple.com/de/podcast/millernton/id676972164
(Bei iTunes freuen wir uns auch sehr über Eure Bewertung.)

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26.Spieltag (A) – FC Erzgebirge Aue

FC Erzgebirge Aue – FC St.Pauli 1:0 (1:0)
Tor: Nicky Adler (28.)
Zuschauer: 10.000 (1.800 St.Paulianer)

Abends, Familienunterhaltung, es läuft “Wer wird Millionär”.
Die 100.000€ Frage lautet:
Gegen welchen Verein hat der FC St.Pauli die wenigsten Pflichtspielsiege geholt, gerechnet ab 1947?
A: FC Bayern München (22 Spiele)
B: FC Erzgebirge Aue (13 Spiele)
C: hsv (26 Spiele)
D: Borussia Dortmund (24 Spiele)

Ihr könnt mich gerne anrufen, wenn Euch das passiert, denn die Antwort lautet:
B: Erzgebirge Aue.

Während bei den anderen Klubs neben je zwei Ligaspielsiegen noch jeweils ein Sieg in den 40ern dazu kommt, hat es gegen “Wismut” in 13 Duellen tatsächlich erst zwei Mal ein Team in Braun-Weiß zum Sieg geschafft. Neben dem allerersten Heimspiel 2008 (4:2, Tore durch Schultz, Takyi, Schnitzler und Rothenbach) gab es im Dezember 2013 noch einen 2:0 Auswärtserfolg durch Tore von Fin Bartels und Michael Gregoritsch.
Ansonsten: Pleiten, Pech und Pannen – unvergessen das Scheitern im DFB-Pokal 2008 oder auch die mehr als unnötige Niederlage im Hinspiel, als Marvin Ducksch in der Nachspielzeit einen Kopfball schlichtweg verweigerte.

Nun gut, hilft ja alles nichts.
Meine Groundhopper-App wies Aue nach wie vor als schwarzen Fleck in meiner 2.Liga-Liste auf (neben Würzburg), und wann ist der Ort schon besser zu erreichen als an einem Freitag? Seht Ihr…
Also konnte ich mich der Besatzung eines 9-Sitzers anschließen, gefüllt mit Aufsichtsräten und Handballerinnen, die sich bestens gelaunt um 11.00h auf den Weg machte.

Die großartigste Szene des ganzen Tages ereignete sich schon um 11.05 an der Holstenstraße.
Wo ist denn R.? Der sollte doch hier stehen?
*Anruf*
Wo bist Du? Du musst arbeiten? Wie lange denn noch?
Ach… Du kommst gar nicht mit?
Wie sich herausstellte, kommt R. sonst eigentlich immer mit und war daher einfach nur so eingeplant gewesen, obwohl er in keinem e-Mail Verteiler zu dieser Fahrt je auftauchte.
Umso löblicher, dass er sofort sagte, er würde natürlich für die anteiligen Fahrtkosten und die Eintrittskarte aufkommen.
Als sich Minuten später aufklärte, dass das alles nur ein Versehen war, kam uns die Idee noch circa zwanzig andere Personen anzurufen und ihnen anteilig die Fahrtkosten für ihr kurzfristiges Nicht-Erscheinen in Rechnung zu stellen. Mit knapp 30 Leuten in so einem 9-Sitzer fährt es sich dann fast umsonst und trotzdem sehr komfortabel, solange nur sieben dabei sind.

Warum ich das alles erzähle?
Weil sonst alles so traurig war.
Naja, vielleicht noch dies: Bei der Fahrt zum Stadion passierten wir diverse Polizeikontrollen, da die Zufahrtsstraßen zum Stadion früh abgesperrt wurden und wir dank eines Parkscheins trotzdem durchfahren durften.
Die Verkehrskelle ging immer früh raus, sobald wir den Parkschein zeigten kam “Alles klar” in lokaler Mundart, was wirklich schwer nachzumachen ist (vor allem schriftlich) und doch an jeder Kontrolle absolut identisch klang.
Wir beschlossen, dass dies wohl die lokale Parole wäre, um überall durchzukommen und hatten fest vor, dies auch unseren Stürmern noch zu stecken – irgendwie kamen wir aber dann davon ab.

War sonst noch was?
Ach ja, die Halbzeitpause und das Transpi der “Identitären”, die sich im Waldgebiet schräg hinter dem Gästeblock besonders clever zeigen wollten.
Immerhin machte sich die Polizei – wahrscheinlich vom Filmen und Beobachten des Gästeblocks inzwischen gelangweilt – auf und entfernte dieses Plakat ohne viel Aufwand – die anschließende Verfolgungsjagd im Wald verlief wohl erfolglos.

Apropos Erfolglos:
Dies war auch das Anstehen am Getränkestand. Selbst bei Optik Rathenow gab es damals einen höheren Organisationsgrad als hier. Gästefans scheint man in Aue nicht gewohnt… oder die trinken halt sonst nichts.
Müssen sie ja auch nicht, weil es ja diesen sagenumwobenen Nudeltopf gibt!

 

 

Das Stadion wird, so wie es im aktuellen Status ausschaut, eine dieser neuen Arenen werden, die innen wohl eher austauschbar sind. Als Auswärtsfan sehr schade, da man solche besonderen Grounds jetzt halt noch seltener wird besuchen können, für die Heimfans überwiegen sicher die Vorteile.

Und sonst?
Ja, Fußball.
St.Pauli auswärts.
Kennt Ihr.

Tragik ist wie Liebe – ohne Happy End
Nur eines ist wirklich sicher – das die Tragik St.Pauli kennt

Wird schon, hilft ja alles nichts.
Und immerhin geht es schon am Dienstag weiter und wenn Cenk “Eindasding” Sahin und “Du bist der Aziz vom Kiez” Bouhaddouz wieder dabei sind, wird uns auch der SV Sandhausen nicht aufhalten können.

Und falls doch… naja, dann müssen wir halt in Nürnberg gewinnen, irgendwas ist ja immer. // Frodo

Links:
– Magischer FC, Aufruf: An Deniz denken
– Bericht Magischer FC: “Die Playlist des Todes
– Bericht Athens South End Sum (English)
– Bericht KonBon: “Wenn das Wurstgulasch das Highlight ist

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Timbos Taktik Texte – Gegenpressing

Dieser Text entstammt dem ÜS#126 und wurde auch schon auf Tims Blog bei den Nice Guys veröffentlicht.

Wie funktioniert eigentlich Pressing?

Beim Pressing geht es darum, Druck auf den Gegner zu erzeugen um den Ball zu erobern. Generell werden 4 Arten des Pressing unterschieden: Abwehr-, Mittelfeld-, Angriff- und Gegenpressing. Zusätzlich gibt es auch noch false pressing, welches aber, wie der Name bereits sagt, kein wirkliches, sondern nur ein angetäuschtes pressen ist, um den Gegner zu verunsichern. Hierbei läuft ein Stürmer kurzfristig die Abwehrspieler an, allerdings ohne nachrückendes Spieler. False pressing wird häufig genutzt um das Spiel des Gegners auf eine Seite des Spielfelds zu lenken oder um der eigenen Mannschaft Zeit zum Sortieren zu verschaffen. Beim Abwehrpressing wird ebenfalls versucht den Ball auf eine Seite des Spielfelds zu verlagern. Dann wird weit hinter der Mittellinie eine Überzahl in Ballnähe erzeugt, welches bei guter Ausführung auch gute Aussichten auf einen Ballgewinn mit sich bringt.

Der Nachteil ist, dass bei ausbleibendem Ballgewinn aufgrund der Nähe zum eigenen Tor keinerlei Absicherung vorhanden ist. Erfolgreiche Beispiele sind sämtliche unter Jose Mourinho geleiteten Teams, die bei spielerischer Unterlegenheit ihr Heil in dieser Formation suchen. Ein furchtbar hässliches System. Beim Mittelfeldpressing ist eine Absicherung in Form der Abwehrspieler vorhanden. Hierbei werden die Gegenspieler um die Mittellinie herum attackiert und bei Ballgewinn geht es schnell nach vorne, ohne zu viel Risiko einzugehen. Diese Pressing-Art ist sehr fordernd für sämtliche Mannschaftsteile, da die Abstände zwischen den Ketten nicht zu groß werden dürfen. Es gibt mehrere Varianten, die sich vor allem in der Deckungsweise (mann- oder raumorientiert) unterscheiden. Richtig angewendet ist sie äußerst effektiv und verlangt immer eine Reaktion des Gegners.

So wurden z.B. neue Positionen erfunden: Zum einen der Achter, der sich vor und hinter der gegnerischen Mittelfeldkette bewegt. Zum anderen die falsche Neun, die sich aus der gegnerischen Abwehrkette löst, wenn sie freie Räume erkennt (Stichwort „Raumdeuter“). Da unterlegene Teams gegen Spitzenteams häufig eine Kombination aus Abwehr- und Mittelfeldpressing wählen, ist die falsche Neun inzwischen zum absoluten Schlüsselspieler einiger Top-Teams geworden (wie z.B. Messi, Müller, Ibrahimovic). Lionel Messi ist auch im Zusammenhang mit Angriffspressing zu nennen, welches der FC Barcelona praktiziert. Diese Art beinhaltet das direkte Anlaufen der gegnerischen Verteidiger bereits am gegnerischen Strafraum. Kurze Zuspiele werden zugestellt, lange Bälle durch Druck auf den Gegenspieler im Ballbesitz verhindert. Es geht nicht um den direkten Ballgewinn, sondern um das Erzwingen eines Fehlpasses. Eine Lehrstunde im Angriffspressing lieferte der FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League 14/15 gegen den FC Bayern München. Hierzulande ist vor allem RB Leipzig zu nennen, wenn es um das körperlich megamäßig anstrengende Angriffspressing geht.

Die meisten Teams in Liga zwei spielen mit Mittelfeld– und Abwehrpressing (auch wir). Wird die Mittelfeldreihe überspielt, dann lässt sich die Mannschaft hinten reinfallen, verliert jedoch die Option auf vielversprechende Konter. Weiterhin sind Ballgewinne im Abwehrpressing auch immer eine Gefahr, da es sofort zum Gegenpressing im eigenen Drittel kommt.

Mittelfeldpressing im 4-2-3-1. Das Zentrum steht dicht, ein Ball auf die Außen wird ‘angeboten’. Sobald dies geschieht erfolgt das Verschieben der gesamten Mannschaft, die ballferne Seite wird aufgegeben. Bei erfolgreicher Anwendung bleibt nur der Pass nach hinten oder ein riskanter Diagonalball als Option für den ballführenden Spieler.

Das Gegenpressing ist im Grunde auch ein Angriffspressing, jedoch im Gegensatz dazu zeitlich begrenzt. Bei Ballverlust wird direkt wieder gepresst, um den Ball im letzten Drittel zu gewinnen. Wird der Ball gewonnen, ist der Gegner unsortiert, da eine Umstellung von Defensive auf Offensive stattfand. Auch hier gibt es verschiedene Arten der Umsetzung. Das passwegorientierte Gegenpressing wurde unter Pep Guardiola beim FC Barcelona erfolgreich praktiziert. Hierbei werden Passwege in für den Gegner ungünstige Räume bewusst offengelassen um dort zugreifen zu können. Das spielraumorientierte Gegenpressing, das Meistersystem der Dortmunder unter Klopp, ist eine Weiterentwicklung von Guardiolas System und erinnert an eine Treibjagd. Ziel ist es den ballführenden Gegenspieler zu isolieren indem Pass- und Laufwege zugestellt werden. Nach der Isolierung erfolgt der direkte Zugriff mehrerer Spieler, sodass sofort eine Überzahlsituation in Ballnähe entsteht. Beim zugriffsorietiertem Gegenpressing wird der Gegenspieler im Ballbesitz nur so bedrängt, dass er einen Pass spielen muss. Alle anderen Spieler werden in Manndeckung genommen, sodass direkt ein Zweikampf entsteht. Dieses System entwickelte der FC Bayern München als Reaktion auf die erfolgreiche Dortmunder Zeit und dadurch wird auch klar, warum in Arturo Vidal und Javi Martinez zweikampfstarke Spieler auf der Sechs eingesetzt werden.

Allen gemeinsam ist, dass für eine erfolgreiche Anwendung die Raumaufteilung bereits bei eigenem Ballbesitz passen muss. Es müssen sich bei Ballverlust möglichst viele Spieler in Ballnähe befinden. Gegenpressing erfordert eine enorme Laufbereitschaft und die Fähigkeit bei Ballverlust mental sofort umzuschalten. Der Frust der aus eigenem Ballverlust entsteht wird den Spielern teilweise durch psychologische Betreuung abgewöhnt. Ganz allgemein gilt die 5-Sekunden-Regel, die besagt, dass man sich nach fünf Sekunden ohne Ballgewinn in seine eigentliche Defensivformation zurückzieht. Natürlich wird Gegenpressing auch immer situativ angewendet, weshalb diese Regel zeitlich variabel sein kann und auch die verschiedenen Systeme verschmelzen häufig. Als Reaktion auf das Gegenpressing wuchs der Druck auf Innenverteidiger, saubere lange Bälle spielen zu können. Hieraus entstanden Pass-Monster wie Boateng und Hummels. Teilweise spielen Teams ausschließlich mit Gegenpressing. Es geht also nicht primär darum den Ball über Pass-Stafetten nach vorne zu bringen, stattdessen wird ein langer Ball gespielt und direkt das Gegenpressing eingeleitet. Das ist nicht schön anzusehen, aber einige Teams in Liga zwei spielen mit dieser Ausrichtung. Wirkliche Lösungen, um gegen solche Teams zu bestehen wurden noch nicht präsentiert, weshalb Darmstadt weiterhin in der 1.Liga spielt. Aus dem eigentlich defensiven Pressingkonzept ist also inzwischen eine offensive Philosophie erwachsen.

Passwegorientiertes Gegenpressing des FC Barcelona zu Pep’s Zeiten. Dem ballführenden Spieler werden mehrere Optionen vermeintlich angeboten, während andere im Deckungsschatten der angreifenden Spieler verschwinden.

Natürlich klingen die Konzepte des Gegenpressing vielversprechend. Man muss aber bedenken, dass ein Ballgewinn im Gegenpressing eher selten gelingt. Das liegt daran, dass die Konzepte nur funktionieren, wenn es der Gegner nicht schafft den Ball aus der Zone befördern, welches inzwischen die erste Handlung eines Spielers bei eigenem Ballgewinn sein sollte. Weiterhin müssen die entsprechenden Zweikämpfe auch gewonnen bzw. Pässe auch abgefangen werden. Bei dem Aufwand der betrieben wird, scheint Gegenpressing ne ziemliche Misswirtschaft zu sein. Allerdings besteht die Aussicht auf einen Ballgewinn im letzten Drittel gegen einen Gegner im defensiven Umschaltmoment bei eigener Überzahl. Eine Situation die fast zwingend zu einer Torchance führt. Es lohnt sich also. // timbo

Links:
Spielverlagerung.de
Abseits.at

 

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MT039 – Timo Schultz

An die vier Stunden sind wir dieses Mal nicht ganz rangekommen, u.a. sicher weil neben Justus (viel Spaß in der Elternzeit, geht vorher nochmal alle Tschüss sagen!) auch Wolf und Johnny kurzfristig ausfielen, aber eine sehr unterhaltsame Sendung dürfte es auch in den 3h09m wieder geworden sein.

Viel Hörenswertes insbesondere im zweiten Teil, über Schulles Karriere, Gelbe Karten, seine Arbeit mit der U17 und seine Sichtweisen auf Training im Allgemeinen und Jugendfußball im Besonderen.

Das war großer Spaß, vielen Dank!

Themen:

  • Rückblick: FCSP – Karlsruher SC
  • Rückblick: TSV 1860 München – FCSP
  • Rückblick: FCSP – 1.FC Union Berlin
  • Wir gratulieren der VIVA zu Ausgabe 250
    (Christoph liest aus alten VIVAs)
  • Timo Schultz über
    • seine Karriere
    • Gelbe Karten
    • die U17
    • und vieles weitere in Bezug auf Jugendfußball

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24.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin 1:2 (0:1)
Tore: 0:1 Sebastian Polter (19.), 0:2 Damir Kreilach (48.), 1:2 Aziz Bouhaddouz (83.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.500 Unioner)

Das war ja dann doch irgendwie klar. Viel zu gute Serie unsererseits, noch nie(!) hatte Union bei uns gewonnen – und im Textilvergehen letzte Woche kündigte man an, genau dies noch Jens Keller zu stecken, der statistische Serien scheiße findet und sie alle brechen will. Außerdem waren wir bei den Wettanbietern Favorit – was immerhin die gut mitzunehmende Quote von 3,0 für den Auswärtssieg brachte, bekanntlich eine Art Schadenersatz, wenn es schon keine Punkte gibt.

Nun gut, volle Hütte, gefühlt gab es rund ums Millerntor noch etwa 5.000 Personen mit “Ich suche…”-Pappschildern  (in dem Zusammenhang sei nochmal auf die Hinweise des Vereins zum Ticketverkauf hingewiesen), voller und lautstarker Gästeblock und am Anfang auch noch Pyro.
(Disclaimer: Ja, ist gefährlich, verboten und es wird eine Strafe geben, die der DFB am Saisonende für soziale Projekte spendet. Aktuell sind ja 5.000€-Wochen.)

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin, Südkurve

Und dann war es sportlich durchaus das, was man sich von einem Spitzenspiel (Rückrunden-Dritter gegen Rückrunden-Spitzenreiter) versprechen konnte, ein Spiel auf durchaus hohem Zweitliganiveau.
Am Anfang ein Übergewicht für uns mit ein zwei guten Möglichkeiten, anschließend die Gästeführung nach dem Motto “Wer solche Tore schießt, steigt auch auf“. Als der Ball aus dem Kopfballduell unkontrolliert wegspringt, entdeckt ihn Polter kurz vor Buballa wieder, will mit links volley abschließen, dabei fällt ihm der Ball aber aufs rechte Knie und trudelt ins Tor.
Ein Tor wie unsere Hinrunde.

Danach verdiente sich Union bis zur Pause die Führung aber absolut, hätte noch 2-3 Tore nachlegen können, scheiterte aber wiederholt an Philipp Heerwagen.

In Hälfte zwei dann ein Auftakt nach Maß, der eigentlich mit dem Ausgleich durch Jeremy Dudziak gekrönt werden muss, nachdem dieser dank gutem Körpereinsatz von Bouhaddouz frei vorm Tor steht – aber Dudziak ist eben leider kein Stürmer und scheitert an Mesenhöler. Und wie es dann so ist – zack, Gegenangriff, noch ein Treffer aus der Kategorie Kacktor, 0:2 durch Kreilach.

Waren wir in der Vergangenheit dann oft auseinander gebrochen, so spielte man jetzt einfach weiter und erzielte schließlich auch noch durch Bouhaddouz nach Vorarbeit von Sobota den Anschlußtreffer – und mit ein bisschen Glück erzielt Thy in der Nachspielzeit sogar noch den Ausgleich.

Hat nicht sollen sein – und ist unterm Strich vielleicht auch ergebnistechnisch okay.
Wenn man sich aber die 13 Punkte aus den vorherigen fünf Spielen mal auf 3-5 runterdampft, was nach der Hinrunde ja absolut normal gewesen wäre, dann würde ich das jetzt auch deutlich weniger entspannt sehen.

Gästefans im Heimbereich

Es war ja (auch hier) ein großer Aufreger, und nachdem gegen den KSC und Dresden es keinen Gästetorjubel gab, so war dieses Mal ja doch wieder damit zu rechnen und so gab der Verein erneut die Devise aus, dass auf einem Teil des Heimbereichs (dieses Mal: nur die Süd) ein absolutes Gästefarbenverbot besteht.

Bei beiden Toren eskalierte der Gästeblock und direkt daran anschließend ein paar Leute auf der Haupttribüne und in der Nord, aber soweit alles normal.

Und da neben mir zwei Sitzplätze frei waren, kam es dann auch so, dass sich dort zwei Suchende Freunde mit getrennten Plätzen zusammen hinsetzten, von denen einer Union-Fan ist. Und es lief dann eben auch so, wie es laufen soll. Er jubelte natürlich bei beiden Toren, aber eben nicht wie “wilde Sau”, sondern mit einem lauten “Ja!” und gereckter Faust, so dass man wahrscheinlich schon 1-2 Reihen hinter uns dies gar nicht mehr mitbekam.
Wir unterhielten uns über beide Teams, über unser Stadion und den für Union geplanten Umbau und am Ende wünschte man sich gegenseitig viele Siege bis zum Saisonende.
Geht also.
Und nein, dies ist aus meiner Sicht absolut kein Widerspruch zu meinem Text vom Stuttgart-Spiel, es kommt halt immer auf das individuelle Verhalten an.

Zum Support allgemein:
Gästeblock sah gut aus, viel mehr kann ich aus der Gegengerade im Block 2 nicht sagen, da akustisch aufgrund der Entfernung kaum was ankam.
Bei uns war es im Rahmen, für den absoluten Existenzkampf wäre es sicher zuwenig gewesen, aber die letzten Wochen haben da eben auch wieder etwas Druck herausgenommen und man ergab sich daher vielleicht etwas zu früh in die Niederlage.

Ausblick

Am kommenden Wochenende kommt also Hannover 96. Und wenn man das “schlechte Omen” von bisher keiner Heimniederlage gegen Union mal umkehrt, so sieht es da für uns deutlich besser aus, denn die Bilanz in unseren Heimspielen gegen 96 ist ziemlich Bescheiden, sechs Heimsiegen und fünf Unentschieden stehen neun Niederlagen gegenüber, selbst in Hannover haben wir mit sieben Auswärtssiegen eine bessere Bilanz.
Der letzte Heimsieg… nun der liegt doch schon deutlich zurück, denn im April 1994 erzielten Leonardo Manzi und Martin Driller die Tore zum 2:1, welches uns auf am 28.Spieltag auf Platz 2 beließ, wo es am Ende aber dann (u.a. aufgrund einer gegen den Wuppertaler SV) doch nicht zum Aufstieg reichen sollte.

Es ist also durchaus Zeit, hier mal ein neues Kapitel hinzuzufügen und Philipp Tschauner (viele Grüße) die ein oder andere Bude einzuschenken.

Davon ab: Danach geht es nach Aue… und bei entsprechenden Ergebnissen würden wir dort im Falle einer Niederlage schon wieder mit dem Rücken an der Wand stehen. Das kann ja auch keiner wollen.

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