Peter Fischer, Sky, Babelsberg 03 und Hausdurchsuchungen

Ich schreibe zuletzt zu selten, sagen Einige.
Ja, aber im MillernTon lässt sich das doch alles viel besser aufarbeiten als im Geschriebenen!” antworte ich dann oft – zum Einen: weil es stimmt. Zum Anderen aber auch als Ausrede, weil mir zum Schreiben oft die Motivation fehlt – und auf Twitter oder Facebook eh schon meist alles gesagt wurde, nur eben noch nicht von Jedem.

Aber manchmal muss es dann doch raus – und sei es nur, um sich solidarisch zu erklären und Diskussionen (oder auch vermeintliche Selbstverständlichkeiten) nochmal zusammenzufassen.

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt

Peter Fischer hat zuletzt deutlich Stellung bezogen. Als Präsident eines Erstligisten, auf der Mitgliederversammlung, gegen die AfD. Leider ist dies nach wie vor einzigartig, öffentliche Solidaritätsbekundungen oder gar gleichlautende Statements sucht man im Oberhaus bisher vergeblich. Auf der Mitgliederversammlung der Eintracht wurde er (trotzdem oder gerade deshalb?) mit 99% der Stimmen im Amt bestätigt.

Immerhin unser Nachbar in Stellingen tut sich positiv hervor, auf der kommenden Mitgliederversammlung wird es einen Antrag geben, dass “AFD-Mitglieder oder gleichgesinnte Personen nicht Mitglied im Hamburger-Sport-Verein e.V. werden oder der HSV Fußball AG angehören” (hsv Live, Seite 113, pdf).
Die AfD schreit natürlich (gewohnt Öffentlichkeitswirksam) in beiden Fällen “Verrat!” und zieht die abstrusesten Vergleiche, denen hier sicher kein Platz eingeräumt wird.

Die Diskussion, ob Vereinsausschlüsse von Mitgliedern einer “demokratisch in den Bundestag gewählten Partei” denn so erstrebenswert ist, erspare ich mir an der Stelle mal, ohne sie deswegen für irrelevant zu halten. Darum geht es hier aber gerade nicht.
Die Toleranzkeule können sich zumindest AfD-Wähler und Sympathisanten mal gepflegt selbst über den Kopf ziehen, entsprechende Kommentare dazu hier werde ich entsprechend auch absolut intolerant nicht freischalten, spart Euch die Mühe.

Nun aber zum Punkt: Peter Fischer war am Samstag zu Gast im ZDF-Sportstudio. Grundsätzlich immer noch eines der angenehmsten Sportformate im Deutschen Fernsehen, leider durch den neuen TV-Vertrag der Bundesliga (durch vorgeschriebene Mindestsendezeiten der Bundesligaspiele, insbesondere des Abendspiels) und die späte Sendezeit sicher mit weniger Aufmerksamkeit ausgestattet als früher. Aber auch dies soll hier nicht Thema sein.
Thema hingegen soll sein, wie Moderator Sven Voss dieses Interview geführt hat. Ausführliche Kommentare dazu kann man von Ben in seinem Blog sowie von Philipp Köster im Stern nachlesen.
Von mir nur in Kürze: In einer Zeit, in der den öffentlich-rechtlichen Medien (zurecht) vorgeworfen wird für den Aufschwung der AfD (mit)verantwortlich zu sein, weil man ihr in Talkshows übermäßig viel Platz zur Verbreitung gegeben hat, wäre es hier mal möglich gewesen einen Menschen mit Haltung zu präsentieren und ihm entsprechenden Platz einzuräumen. Stattdessen versucht man, mit fast schon beeindruckender Hartnäckigkeit, ihn von Anfang an in eine Verteidigungshaltung zu zwängen.
Chance verpasst, sehr schade.

Womit wir dann endlich beim eigentlichen Grund für diesen Artikel sind:
Ewald Lienen äußerte sich in seiner Funktion als Sky-Experte Am Montag auch zum Thema:

Klare Kante, deutliche Worte.
Wenn man Ewalds Auftreten bei Sky auch insgesamt eher kritisch sehen mag, so sind doch eben solche Statements das, warum man ihn

  1. als TV-Sender Sky dorthin eingeladen hat (oder haben sollte) und
  2. als St.Pauli-Fan zähneknirschend dort gewähren lässt, ohne die ganz große “Sky macht unsern Fußball kaputt, warum sitzt Du da?!“-Keule rauszuholen.

Und dann greift eben Patrick Wasserziehr ein, schneidet ihm das Wort ab und macht sich selbst zum Löffel.
Denn natürlich darf Ewald Lienen als Einzelperson Journalisten kritisieren – und die “Ich hab es nicht in Gänze gesehen!“-Aussage von Wasserziehr ist eben entweder ein Armutszeugnis für seine Vorbereitung oder eine Schutzbehauptung, um das Thema abzuwürgen.
Möge jeder selbst entscheiden, was zutrifft und was es jeweils über die Beteiligten aussagt.

Ewald Lienen möchte man zurufen: “Schmeiß hin, den Scheiß!
Ein Platz am Tisch beim MillernTon-Podcast ist jedenfalls immer für ihn frei, er darf dann auch gerne wieder den Stone Island-Pulli tragen und “schelten” wen immer er will.

Babelsberg 03

Wir haben wohl grad “Lasst uns beweisen, dass Fußball und Politik sehr wohl zusammengehören“-Wochen.
Die Geschichte von Babelsberg 03 und dem NOFV spielt sich ja nun schon ein paar Monate ab – und wer dachte, Sportverbände hätten aktuell ein Imageproblem und müssten sich daher mal ein bisschen ins Zeug legen… nun ja, dem zeigt der NOFV, dass es immer noch etwas weiter gehen kann.
Oder auch: “Hold my beer!”, wie es im Internetsprech heissen würde.

Ob man jetzt bis August 2017 zurückgeht oder nur die aktuellen Geschehnisse versucht zu verstehen – es hinterlässt einen ziemlich ratlos.

Der Verein hat in den letzten Wochen und Monaten diverse Male seine Position sehr nachvollziehbar in der Öffentlichkeit dargestellt (aktuell nur mal die letzte Stellungnahme, mehr auf der Babelsberg Homepage) und zusätzlich jetzt auch um Unterstützung gebeten.
Spenden, Soli-Shirts, Soli-Mitgliedschaften – die Spanne ist sehr weit und für jeden Geldbeutel dürfte eine Möglichkeit dabei sein.
Tatsächlich steht weiterhin ein Ausschluss vom Spielbetrieb als Möglichkeit im Raum, ob ein entsprechender Antrag gestellt wird, will der Verband am Donnerstag bekannt geben.

Im Aufruf zur Unterstützung äußert der Verein die Hoffnung, ein Benefizspiel im KarLi gegen einen Erst- oder Zweitligisten austragen zu können.
Ich denke, da muss man auf den FC St.Pauli nicht sonderlich Druck aufbauen, die Gespräche hinter den Kulissen sind da sicher längst angelaufen. Wünschenswert wäre es aber natürlich auch, wenn hier ein “größeres Kaliber” wie der FC Bayern oder der BVB seine Bereitschaft erklären würde.
Dann spräche sicher nichts dagegen, selbst ein weiteres Spiel (zum Beispiel in der Sommervorbereitung) zusätzlich zu vereinbaren.

Hausdurchsuchungen

Kurz vorm Absenden dieses Artikels kam dann noch ein Hinweis der Braun-Weißen Hilfe zum Thema Hausdurchsuchungen, den sich jeder gerne durchlesen sollte.

So… und wenn ich mal noch mehr Zeit haben sollte, schreib ich auch noch was zu Hannover 96 und Martin Kind – muss aber auch nicht unbedingt sein. // Frodo

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MT050 – Kniet nieder, Ihr Bauern! Schach beim FCSP

Wir hatten Jörn Kreuzer zu Gast, seines Zeichens aktives Mitglied der Schachabteilung beim FC St.Pauli – der uns (neben Insiderinfos über seine zweite Liebe, den KSC) somit allerlei Wissenswertes über diesen Sport und die im Sommer stattfindenden St.Pauli-Open erzählen konnte.

Zuvor jedoch sprachen wir über die Spiele in Dresden und gegen Darmstadt sowie natürlich den Holocaust-Gedenktag.

Da dies unsere 50.Sendung war, gab es von Klaas Reese (Collinas Erben) und Max-Jacob Ost (Rasenfunk) zwischendurch auch noch ein paar Glückwünsche – uuuuuuuund:
EIN GEWINNSPIEL!
Dank der freundlichen Unterstützung durch die FC St.Pauli Merchandise GmbH und den Fanladen können wir Euch folgende Preise präsentieren:

  1. Ein aktuelles Trikot des FCSP
    (Heim- oder Auswärts- oder Sondertrikot und Größe nach Wahl, auf Wunsch auch mit Name und Nummer nach Wahl)
  2. Black Flag Mütze
  3. “Kein Fußball den Faschisten”-Beutel

Was Ihr dafür tun müsst ist sehr einfach:
Hört die Sendung, beantwortet möglichst viele der sechs(!) Fragen korrekt und schon könnt Ihr auf die Auslosung hinfiebern, die wir während der nächsten Sendung (wohl auch wieder live auf Facebook) durchführen werden.
Voraussetzung: Ihr habt die Antworten (formlos) an blog(at)uebersteiger.de geschickt. Betreff: MillernTon Gewinnspiel
(Der Rechtsweg ist ausgeschlossen, Einsendeschluss ist der 20.Februar 2018.)

Und jetzt viel Spaß!

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Bilder von Stefan Groenveld: Lautes Schweigen am Millerntor
FC St.Pauli Schachabteilung
FC St.Pauli Open

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20.Spieltag (H): SV Darmstadt 98

FC St.Pauli – SV Darmstadt 98 0:1 (0:1)
Tore: 0:1 Loevin Jones (7.)
Zuschauer: 29.005
(ca. 1.500 Gästefans)

Jo, ich schreibe Montag was über das Darmstadt-Spiel. Mach ich gerne!
Das waren die unbedachten Worte, die ich Frodo auf digitalem Wege zukommen ließ. Ebenso wie sich die Heimspiele des FCSP manchmal anfühlen, so begeben sich nun die Buchstaben eher schleppend auf den weißen Grund. Der Start der gestrigen Partie fühlte sich an wie eine Hommage an unsere Heimspiele der Hinrunde: Guter Start, verpasste Chancen, aus dem Nichts das frühe Gegentor und danach planloses Anrennen. War was? Winterpause? Trainerwechsel?

Vor dem Spiel

Viel wichtiger als jedes Fußballspiel auf der Welt war das Geschehen vor dem Anpfiff. Hier wurde ganz leise ein eindrucksvolles Zeichen gesetzt. Ich empfehle jedem, der es noch nicht getan hat das Interview mit Esther Bejarano auf der FCSP-Homepage zu lesen. Für die, die nicht im Stadion waren hat u.a. Edel Fan Nico dankenswerterweise ein Video vom Einlaufen der Mannschaften hochgeladen.

(c) @amhass on twitter

Sportliches

Das Spiel selbst ist schnell erzählt. Wir verpassen die frühe Führung und Darmstadt macht im Gegenzug das Tor. In dieser Situation hat die Übergabe der Spieler von Mittelfeld auf Abwehr mal so überhaupt nicht funktioniert. Danach laufen wir gegen eine Wand.

Meine persönliche Erwartung an ein Fußballspiel sinkt immer massiv, wenn Darmstadt 98 beteiligt ist. Das war vor allem unter Dirk Schuster im Aufstiegsjahr und dem ersten Jahr in der 1.Liga so. Norbert Meier und Thorsten Frings haben der Truppe aber auch den Teufel nicht austreiben können. Und nun ist Dirk Schuster sogar wieder Trainer. Noch bevor wir weiter darüber diskutieren, ob uns der schleichende Zerfall von 50+1 oder die zunehmende Kommerzialisierung den Fußball kaputt macht, müssen wir uns über den Fußball den Darmstadt 98 salonfähig gemacht hat, unterhalten. Das mag recht drastisch formuliert sein, aber das Interesse an dem Spiel Fußball als solches hat in der 2.Liga in den letzten Jahren massiv abgenommen. Es geht nur noch um Fehlervermeidung in der Liga und Darmstadt war ein Vorreiter dieser Entwicklung, die, nachdem sie einmal in Gang gebracht wurde, nicht mehr aufzuhalten war und ist. Inzwischen gibt es eigentlich kein Team mehr, das primär ein Offensivkonzept hat. Sämtliche Offensivkonzepte sind unterwandert von defensivem Denken. Es gilt meist immer in guter Position für das Gegenpressing und die Rückverteidigung zu sein. Dabei wird weniger riskiert, da ein Gegentor dazu führt, dass die mit diesen Konzepten ohnehin nur schwer bespielbaren Räume vom Gegner komplett verschlossen werden. So ist auch zu verstehen was Ewald Lienen damit meinte, als er im MillernTon sagte, dass ein Tor das Spiel viel mehr als früher beeinflusst. Darmstadt hat uns im Grunde einen Spiegel vorgehalten und uns aufgezeigt, wie destruktiv wir in Dresden nach der frühen Führung spielten. Da haben wir nach der Führung teilweise in einer 46-Formation gestanden.

Wirklich gefährlich wurde es gestern nur, wenn wir es schafften schnell und über die Außen zu spielen. Diese Räume waren vor allem dann vorhanden, wenn Darmstadt hoch presste, also im 433. Dann allerdings musste die erste Reihe erst einmal überspielt werden. Schoppenhauer versuchte das meist mit langen Bällen. Ich finde es immer beeindruckend, was auf dem Platz passiert, wenn es mal geschafft wird die erste Reihe zu überspielen und einen eigenen Spieler im Zentrum in Ballbesitz zu bringen. Die Dynamik die dann kurzzeitig, im Vergleich zum eher langsamen Ballgeschiebe vorher, einsetzt, ist bemerkenswert. Die verteidigende Mannschaft versucht so schnell wie möglich auf Mittelfeld- oder Abwehrpressing umzustellen und alle Spieler hinter den Ball zu bekommen. Meist bewegen sich die Spieler dazu im Vollsprint zurück. Der angreifenden Mannschaft bleibt also nur wenig Zeit um die freien Räume zu bespielen. Das führt natürlich zu Fehlern, seien es falsche Laufwege oder Fehlpässe. Gerade in der zweiten Liga ist in diesen Situationen die Fehlerquote sehr hoch. Jeder Offensiv-Spieler der in solchen Situationen unter höchstem Druck den Ball sinnvoll weiterleiten kann, landet früher oder später in einer höheren Liga. In Liga Zwei befinden sich also entweder Offensiv-Spieler, die unter diesem Druck (noch) nicht oder zu selten richtige Entscheidungen treffen und technisch umsetzen können.

Das Darmstädter 433. Viele Optionen im Aufbau blieben dem FCSP nicht. Es endete meist im langen Ball.

Darmstadt spielte dann ein absolut kompaktes Pressing im Zentrum, teilweise mit einer interessanten 424-Formation. Bemerkenswert war, dass hierbei die Außenbahnen teilweise nicht besetzt waren. Diese freien Räume wurden von uns aber eher selten bespielt. Warum? Hier kommt wieder die Rückverteidigung ins Spiel. Sollte man den Aufbau über die Außenbahn forcieren und versuchen dort eine Überzahl zu erschaffen (was unter Ewald Lienen häufig der Fall war), dann sieht man bei Ballverlust meist ganz alt aus, da die Raumaufteilung bei einem Konter absolut ungünstig ist. Somit wurde nur sehr selten über die Außen gespielt und das meist bei eigenen Umschaltsituationen. Und trotz einer Menge Ballverluste und mangelnder Passgenauigkeit gab es einige Chancen für uns. Dass Darmstadt mit einer Führung in die Pause ging lag vor allem an mangelnder Chancenverwertung lag und nicht an fehlenden Chancen.

Die zweite Hälfte kann durchweg als enttäuschend beschrieben werden. Symptomatisch für die Planlosigkeit, mit der angerannt wurde, ist die Einwechslung von Diamantakos. Ich bin mir sicher, dass wir an diesem Spieler noch viel Spaß haben werden. Allerdings frage ich mich, wie er uns gestern hätte helfen können, außer dass er als Stürmer eine Option mehr in vorderster Reihe darstellte. Die fehlende Abstimmung des Sturm-Trios war bis in den obersten Rang des Stadions zu spüren. Wenn solch eine Einwechslung möglich ist, dann stelle ich mir die Frage, ob es überhaupt einen ausgereiften Plan gab, wie man in der zweiten Halbzeit ein Tor gegen Darmstadt erzielen wollte. 15 Minuten nach Diamantakos‘ Einwechslung stellte der Wechsel von Allagui auf Neudecker dann wieder das vorher gespielte 442 her, welches mich dann komplett ratlos machte, was die Einwechslung von Diamantakos für Sahin bezwecken sollte. Die Phase zwischen den beiden Wechseln war auch deutlich unsere schwächste. Für mich kam die Einwechslung von Neudecker, für viele im Stadion die Auswechslung von Allagui zu spät. Selbst wenn man mal von den Ballverlusten und Fehlpässen absieht (zumal auch immer einige gute Aktionen dabei sind und ich bereits ausführte, wie hoch der Druck und die Geschwindigkeit sind), so ist auf jeden Fall die Körpersprache von Sami Allagui absolut ungenügend. Das spiegelt sich auch im Defensivverhalten wieder. Sorry, aber da helfen dann auch die paar Tore nicht viel. Hier muss was passieren!

Es bleibt festzuhalten, dass besonders bei Umschaltsituationen Darmstadt in der ersten Hälfte ziemlich schlecht aussah. Und das kann man auch andersrum betrachten: Markus Kauczinski sagte bereits bei Amtsantritt, dass der Kader des FCSP sich besonders gut im Umschaltspiel machen würde. Ich habe das durchaus als kleinen Seitenhieb gegen Olaf Janßen verstanden, da dieser versuchte spielerische Elemente wie Kombinationsfußball wieder mehr in den Vordergrund zu stellen. Der Fokus auf das Umschaltspiel ist aber keine Neuheit. Auch unter Lienen war das unser größter Trumpf. Bei diesem Fokus handelt es sich ganz klar um eine reine Fehlervermeidungs-Strategie. Damit werden wir die nötigen Punkte holen, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Mehr aber auch nicht. „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt“ möchte man meinen. In der 2.Liga ist es eher „Wer am wenigsten wagt, gewinnt“.

Und sonst so?

Nur kurz, weil es so lächerlich ist: Unser “Sicherheitsbeauftragter” hatte Kontakt mit der GdP. Anscheinend ist es nicht bis in die letzte Gehirnwindung durchgedrungen, dass man nicht auf jeder Party willkommen ist. Und man wundert sich noch, dass man an der Tür abgewiesen wird, wenn man vieles dafür tut, um mit den anderen Partygästen nicht befreundet zu sein…

//timbo

Links:
– Nice Guys St.Pauli: #senfdazu48
– Stefan Groenveld: Lautes Schweigen am Millerntor

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MT049 – Handball in Ruanda

Die letzte Folge unseres Podcasts für dieses Jahr beschäftigt sich im ersten Teil mit den zurückliegenden Spielen in Bielefeld, gegen Duisburg und Bochum sowie dem Trainerwechsel.

Nachdem Wilko aus Übersteiger Nr.29 vorgelesen hat, wie ein spanischer Fanclub damals auf den FCSP blickte, unterhalten wir uns mit unseren Gästen Arne und Ben, die beide für die 1.Mannschaft des FCSP in der Oberliga HH/SH Handball spielen. Wäre sicher alleine auch schon eine Einladung wert gewesen, allerdings gibt es aktuell noch ein besonderes Thema, welches es hervorzuheben lohnt:
Das Team war im Sommer in Ruanda und hat dort das Projekt “We’ll never play alone” ins Leben gerufen. (Reisebericht: Hier!)

(c) FC St.Pauli Handball

Wie es dazu kam, was für Eindrücke man vor Ort bekommen hat und wie es weitergehen soll: Hört es Euch an, ganz tolles Projekt.
Oder, wie Sebastian es auf Twitter formulierte:

Noch ein Wort zu unserem Test, die Sendung bei Facebook live zu streamen: Grundsätzlich ist dies gelungen, die Technik spielt mit. Die Audioqualität war grausam, wir wissen aber woran dies liegt und werden das schon beim nächsten Mal behoben haben, glaube wir. Die Bildqualität war zwar ab und an etwas pixelig, bei einer einzigen Kameraeinstellung für circa drei Stunden ist dies aber vielleicht auch vernachlässigenswert… aber auch da werden wir versuchen, dies noch zu verbessern.
Wenn das also beim nächsten Mal wie geplant klappt, werden wir das auch in der Zukunft etwas besser bewerben und dann endlich auch Eure Kommentare direkt in der Sendung einbinden.

Links:
Facebook-Seite “We’ll never play alone” (inkl. Teasern zum Film)
Reisebericht aus Ruanda
Lesung “Wir Wochenendrebellen” am 13.1.2018 (Fanräume)

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18.Spieltag (H): VfL Bochum

FC St.Pauli – VfL Bochum 2:1 (1:0)
Tore: 1:0 Lasse Sobiech (34.), 2:0 Jan-Marc Schneider (49.), 2:1 Lukas Hinterseer (75.)
Gelb-Rot: Anthony Losilla (90.)
Zuschauer: 29.005
(ca. 1.500 Gästefans)

Puh… Erleichterung, Winterpause, Akku aufladen.
[Artikel Ende]

(Halb)Jahresfazit

Das letzte Spiel im Kalenderjahr gibt ja auch immer die Möglichkeit, ein kleines Fazit zu ziehen und auf das Jahr zurückzuschauen – oder zumindest auf die abgelaufene Halbserie.
Im konkreten Fall des ruhmreichen FCSP lohnt sich natürlich mal der Blick auf das Große Ganze, denn letztes Jahr Weihnachten hatten wir auch gerade ein Heimspiel gegen den VfL Bochum zum Jahresabschluß hinter uns.

Es war der 17.Spieltag. Nach katastrophalem Beginn der Saison hatten wir durch einen 2:0-Sieg in Fürth (“Cenk ein das Ding!”) doch noch einen Funken Hoffnung und wollten mit einem Heimsieg diesen weiter glimmen lassen.
Bouhaddouz mit einem sehenswerten Heber an die Latte verpasste die frühe Führung, stattdessen musste Daniel Buballa mit einer Kopfverletzung schon nach einer guten Viertelstunde ausgewechselt werden. Mlapa erzielte dann in der 20.Minute das 0:1, ehe Bochums Perthel nach einem Tritt an den Kopf von Miyaichi nach einer knappen halben Stunde vom Feld musste.
Anrennen, Verzweiflung – und mehr als den Ausgleich durch Bouhaddouz in der 76.Minute gab es nicht mehr.
Elf Punkte nach 17 Spielen, damit exakt so viele wie “Die Region” sie nach 17 Spielen in dieser Saison hatte.

Der Rest ist bekannt: Dank der besten Rückrunde der Vereinsgeschichte konnten wir das Ruder noch herumreißen und die Saison auf Platz 7 beenden. Ewald Lienen wurde vom Trainer zum Technischen Direktor, Olaf Janßen übernahm den Cheftrainerposten und nach einem Sieg in Braunschweig am 11.Spieltag hielt man mit Platz 5 durchaus Anschluß an die Aufstiegsplätze.
Schon da hatte man sicher den ein oder anderen Punkt mehr, als es dem Spielverlauf nach angemessen gewesen wäre (Nürnberg und Braunschweig).
Doch dies sollte sich dann recht schnell umkehren, der unglückliche Niederlage gegen Düsseldorf folgten (nach dem Zwischenhoch in Braunschweig) unglückliche Unentschieden in Sandhausen, gegen Aue, die vielleicht beste Saisonleistung bei Union Berlin ohne Punkte und nach einem erneut eher unglücklichen Unentschieden gegen Regensburg die krachenden Pleiten in Fürth und Bielefeld – sowie die Entlassung von Olaf Janßen.

Ich tue mich bekanntlich schwer mit Trainerentlassungen, da dies auch immer das Eingestehen eines schweren Fehlers (des Vereins, des Präsidiums, der Mannschaft, whoever) ist. Im konkreten Fall aber war es wohl die richtige Entscheidung, da die Spiele in Fürth und Bielefeld die Entwicklung der bisherige Saison nur auf die Spitze trieben.
Vielleicht ist Olaf Janßen einfach der geborene Co-Trainer, so wie Michael Henke? Dass er sein Fach versteht, hat er in der letzten Saison bewiesen, wo er (meiner Meinung nach) einen erheblichen Anteil am Klassenerhalt hatte.
Ich wünsche ihm jedenfalls alles Gute, auf das er bald einen neuen Verein findet.

Nun also Markus Kauczinski.
Für eine fundierte Einschätzung ist es natürlich noch viel zu früh, wenn man so etwas (ohne täglich beim Training und in allen Besprechungen zu sein) überhaupt jemals kann. (Diese Einschätzung gilt natürlich auch für mein oben Geschriebenes zu Olaf Janßen.) Direkt nach der Verpflichtung kam von “Unsympath” bis “Sympathisch” in den sozialen Netzwerken auch gleich die ganze Bandbreite an Meinungen, ich persönlich fand seine Arbeit in Karlsruhe aus der Ferne betrachtet mehr als beachtlich.
Die Punkteausbeute ist mit vier Punkten aus zwei Heimspielen absolut im Soll, zumal beim aktuellen Verletzungspech.

Vor dem Spiel

Die Bochumer Fanszene macht bekanntlich seit der erfolgten Ausgliederung einen Supportboykott, was auch gestern deutlich zu merken war, leider.
Derjenige, den man (u.a.?) als Verantwortlichen ausgemacht hat, ist Christian Hochstätter, an den daher das “Verpiss Dich!”-Banner gerichtet war, bei dem das “CH” am Ende farblich hervorgehoben war.

Kaum hing dieses, marschierte die Hamburger Polizei auf und entfernte es, bzw. zumindest den “Dich”-Part. “Verpiss” durfte hängen bleiben…
Begründung? Keine Ahnung, dürfte rechtsstaatlich aber auch schwer fallen eine zu finden.
Ist ja auch nicht so, dass unverstädnliches Verhalten der Exekutive in Hamburg aktuell eine Ausnahme wäre.
Für das #G20Fahndung-Thema fehlt mir hier die Zeit, aber da gibt es auch deutlich qualifiziertere Seiten, die sich bereits fundiert geäußert haben, beispielsweise Patrick Gensing oder die Süddeutsche.

Dabei könnte man über die Polizei aktuell auch einfach nur permanent lachen, wenn das Ganze nicht so traurig wäre:

Oder auch: Der gut getarnte Undercover-Einsatz…

Ohne Worte…
Zum Glück kommt sie nicht mit allem durch. Die hier im Tweet gesendeten Grüße bzw. die diese nötig machenden Hintergründe sollte aber jeder im Hinterkopf behalten.

Und da hab ich jetzt noch nicht mal angefangen, die Ereignisse aus Bremen vom Samstag aufzuarbeiten…

Sportliches

Ach, wo ich grad so eifrig Tweets einbette, einen hab ich noch:


Ich muss aber schon zugeben, dass mir etwas mulmig wurde, als dann auch noch der Ausfall von Lasse Sobiech drohte.
Womit wir beim “Spieler des Spieltags” wären, völlig verdient. Ein Tor gemacht, zwei weitere wurden nur knapp vom Torwart und der Latte verhindert, hinten alles weggeschädelt – bärenstarker Auftritt.
Was man vom gesamten Team in der ersten Viertelstunde nicht behaupten konnte, da standen wir eher vogelwild und hatten Glück, dass Bochum uns nicht früh in Rückstand brachte.

Hervorheben muss man hier natürlich auch Yi-Young Park, der schon mit seinem ersten Pass einen rabenschwarzen Abend einleitete und über das gesamte Spiel nicht zu der souveränen Rolle fand, die er in der U23 ausfüllt.
Da hätte ihn mancher Trainer wohl spätestens zur Halbzeit “erlöst”, Kauczinski ließ ihn aber auf dem Feld und hatte damit auch Erfolg.
Park muss da jetzt schnell für sich das Positive draus ziehen und lernen.
Er kann das zweifellos deutlich besser und wird dies auch noch zeigen. Es gibt sicher auch dankbarere Aufgaben, als als junger Spieler in dieser Saisonpahse sein erstes Spiel in einer verunsicherten Mannschaft bestreiten zu dürfen.

Ansonsten war es ein Sieg des Willens.
Anfangs ins Spiel reingebissen, später dann auch spielerisch nach vorne Akzente gesetzt. Auch Sami Allagui gefällt mir immer besser… ja, das mag erstaunen, allerdings arbeitet er da vorne immens viel, erarbeitet sich die Chancen, holt sich auch mal Bälle – und hat einfach momentan die Seuche im Abschluß.
Auch da: Ich bleibe Optimist, das wird noch.

Weniger Optimismus ist bei der Bewertung der Torhüterleistung nötig: Starkes Spiel von Robin Himmelmann, in der 3. und 48.Minute jeweils einen Distanzschuß aus dem Winkel gefischt.
Und dann natürlich noch Cenk Sahin, der manches Mal eher abspielen müsste, andererseits dann einen Traumpass auf Jan-Marc Schneider zum 2:0 spielt, nachdem er sich vorher super durchgesetzt hat.

Winterpause

Bitter nötig. Wunden lecken, Trainerteam und Mannschaft müssen sich beschnuppern, hoffentlich viele Verletzte zurückkehren.
Und dann spielt man die Saison vernünftig zuende und schaut mal, ob man sich noch der Relegation nach oben oder unten annähert, denn eine Saison im Mittelmaß kennen wir bekanntlich seit Ewigkeiten nicht mehr.

Hier im Blog wird am Donnerstag noch die letzte Episode des MillernTon-Podcasts veröffentlicht. Zu Gast haben wir Arne und Ben von den St.Pauli-Handballern, die von ihrer Reise nach Ruanda berichten werden.

Hört rein, habt ansonsten ein paar ruhige Tage dann schauen wir mal, was uns 2018 alles so passiert. // Frodo

Links:
– Stefan Groenveld: “Langweiliger Heimsieg
– Magischer FC: “Lasse und Jan hoch 2
– Zaphod BeebleBlox: “Der Untergang findet nicht statt

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Buchrezension: “Wir Wochenendrebellen”

(Diese Rezension erschien in einer gekürzten Version im Print-Übersteiger 130.
Fotocredits: Sabrina Nagel, www.siesah.de)

Wir Wochenendrebellen: Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa

Wir Wochenendrebellen

Wenn man mal annimmt, dass der ÜS seit Erscheinen ca. fünf Bücher pro Ausgabe rezensiert, hat die geneigte Leserschaft alleine bei uns schon Empfehlungen für knapp 800 Fußballbücher erhalten. Da sollte man meinen, die Thematik sei abgegrast und zum größten Teil auserzählt. Auch das subjektive Schildern des eigenen Fan-Daseins ist nichts, was 2017 auch nur annähernd als „Alleinstellungsmerkmal“ durchgehen würde, im Gegenteil. Eine Schwemme dieses Genres in den letzten Jahren sorgte leider auch nicht immer für Qualität.

Ab und an aber gibt es Bücher, die einen neuen Blickwinkel auf unser aller Hobby bieten. Der Titel „Wir Wochenendrebellen“ erfüllt beides und ist trotzdem irgendwie kein Fußballbuch. Oder auch doch, aber anders. Oder vielleicht besser: Besonders.

Es geht um die reale Geschichte von Vater und Sohn, die gemeinsam Stadien abklappern, um den einen Verein zu finden, dem der Sohn sein Herz schenken will. Klingt merkwürdig, ist es auch. Allerdings liegt hier eine besondere Ausgangslage vor, denn besagter Sohn hat das Asperger-Syndrom – eine Form des Autismus – und eben deswegen eine besondere Sicht auf Herangehensweisen.
Diese Sicht auf die Welt im Allgemeinen und die Vereinssuche im Besonderen wird zwar eingangs beschrieben, gerät bei der absolut lesenswerten Schilderung der verschiedenen Touren beim Leser aber immer wieder in Vergessenheit – bis sie einem mit voller Wucht wieder vor Augen gehalten wird.

In den allermeisten Fällen ist dies einfach nur amüsant zu lesen, beispielsweise wenn die strikte Einhaltung von Regeln, die Teil dieser Sichtweise ist, dazu führt das sich der Vater im Pinkel-Container der alten Nordkurve am Millerntor in das Schlamm & Urin-Gemisch auf den Boden hocken muss, weil der Sohn sich sonst in die Hose machen würde. Warum genau? Lest selbst.

An anderen Stellen hingegen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man realisiert das diese besondere Sichtweise im Alltag eben keine Aneinanderreihung von lustigen Anekdoten ist, sondern Menschen an ihre Grenzen bringt und das Familienleben vor Herausforderungen stellt. Das Buch erscheint somit, wie auch die Touren generell, eine Art Therapie zu sein, an der man von außen teilhaben darf.

Wer ab und an meinen Twitter-Account verfolgt, dürfte über Mircos Account sicher schon mal gestolpert sein, auch sein Sohn twittert inzwischen selbst.
Darüberhinaus sei Euch noch der Facebook-Auftritt empfohlen, wo auch die regelmäßig erscheinenden Podcasts (Radiorebell) der beiden zu finden sind.

Ich lese wirklich viele Fußballblogs und -bücher. Und es stellt sich doch schnell heraus, ob der Blog oder das Buch etwas “besonderes” ist, und damit nicht im Sinne des Buchtitels. Es ist eben eine Qualität, erlebtes in geschriebenen Worten so zu vermitteln, dass man das Gefühl hat direkt dabei zu sein. Die hat nicht jeder, ist aber bei so banalen Themen wie Fußball und Fandasein wichtiger als alles andere (wie zum Beispiel Rechtschreibung). Wir reden hier ja nicht über das politische Weltgeschehen, wo fundierte Recherche nötig ist, sondern um den Alltag. Und der ist eben in den allermeisten Fällen furchtbar langweilig und banal, wie es auch viele Auswärtsberichte im Fußballkosmos sind.
Die Texte der Wochenendrebellen leben natürlich zum Einen von der speziellen Story dieser Touren, zum Anderen aber von eben dieser Qualität, das Erlebte erlebbar zu schildern und den Leser mitzunehmen. Im Guten, wie im Schlechten.
Und wer sich auch nur annähernd für unser aller Hobby interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben und am besten gleich auch noch zusätzlich verschenken. Meine wenig fußballaffinen Kollegen haben mir nach einem anfänglichen Nasenrümpfen über ein “Fußballbuch” jedenfalls nachträglich versichert, dass sie es sehr gerne gelesen haben.

Während sich das Buch sicher gut unterm Geschenkbaum macht, kann man den Autoren am 13.Januar 2017 um 19.10 Uhr in den Fanräumen treffen, wo er aus seinem Buch vorlesen wird. Der Eintritt ist frei, präsentiert von Fanräume und MillernTon.
Am letzten Wochenende waren die beiden bereits zu einer Lesung in Berlin, Eindrücke davon bekommt Ihr hier.
Wer mehr über die Touren und die Hintergründe erfahren will, kann dies generell unter www.wochenendrebell.de. Wer das Buch dort bestellt, unterstützt gleichzeitig auch noch die Neven-Subotic-Stiftung.

Mirco von Juterczenka: Wir Wochenendrebellen, Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa, Gebundene Ausgabe, Benevento, ISBN 978-3710900174, 244 Seiten, 20,00€ / e-Book 15,99€ // Frodo

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16.Spieltag (A) – Arminia Bielefeld

DSC Arminia Bielefeld – FC St.Pauli 5:0 (1:0)
Tore: Leck mich
Zuschauer: Auch

Es ist Samstag. Der Tag danach.
Rauch steigt auf in einer Umgebung die nur knapp über dem Gefrierpunkt liegt. Kanonenschüsse ertönen. Grimmig guckende Piraten schüchtern kleine Kinder ein, die dann doch schlußendlich lachen. Herrlich, diese Unbekümmertheit der Jugend.
Weniger unbekümmert, eher ebenfalls grimmig, die Blicke der Erwachsenen drumrum. Zumindest derer, die Totenkopf-Devotionalien oder Artverwandtes zum Schutz gegen die Kälte am Körper tragen.

Ich habe soeben Junior im Cinemaxx abgegeben, wo die Rabauken-Weihnachtsfeier stattfindet. Keine Ahnung, ob da später noch Spieler des Profikaders aufschlagen werden… Juniors Hoffnung, man mache das dieses Mal am Dammtor, damit die Spieler beim Aussteigen aus dem ICE direkt da hingehen könnten, teile ich zumindest nicht.

Ja, der Tag danach. Noch am Mittwoch einigten wir uns im aktuellen MillernTon darauf, eher von einer Ergebniskrise sprechen zu können, solange man Fürth als einmaligen Ausrutscher begreife.
Und das Floskel-Bingo in der Pressekonferenz vor dem Spiel? Naja, was soll man auf solchen Terminen schon auch sagen, abschaffen die Dinger…

Und jetzt? Wirkt das halt alles noch deprimierender als vorher schon und man könnte die Floskeln einfach copy&paste als Vorschau auf das Heimspiel gegen Duisburg übertragen.
Schlimm.

Schauen wir also nochmal auf gestern.

Die Hinfahrt:

Im Stadion:

Die Rückfahrt:

Ja, was soll man da auch groß zu schreiben?

  • Ich könnte erwähnen, dass die Besatzung unseres 9-Sitzers wirklich fantastisch ist und Auswärtsfahrten daher doch in aller Regel wirklich Spaß machen – man müsste halt nur den Fußball abschaffen.
  • Ich könnte die Reaktion des Auswärtsblockes schildern, als die Mannschaft nach dem Spiel geschlossen an den Zaun marschiert. Ja, direkt an den Zaun, nicht nur Alibimäßig bis 20 Meter davor, immerhin.
    Ein Fünftel Gepöbel (vornehmlich unten), drei Fünftel Anschweigen mit verschränkten Armen (ich zitiere Ralph Gunesch: “Das hat mich immer viel mehr erreicht als Pfiffe oder Gepöbel. Das trifft einen.“), ein Fünftel Applaus (wohl aufmunternd gemeint).
    Der Anschweigende Part bemerkte dann die beiden widersprüchlichen anderen Reaktionen und rief “Aufwachen! Aufwachen!”, was für mich dann die perfekte Reaktion war. Auch ein trotziges “St.Pauli! St.Pauli!” hinterher passt für mich sehr gut.
    Ein fröhliches “We love St.Pauli!” dazu, was dann von einigen angestimmt wurde, eher nicht, genausowenig aber wie dann auch hektisch von unten an den Rest des Blocks abgefeuerte Stinkefinger, weil man ja nur selbst so richtig sauer sei und meine anderen zeigen zu müssen, wie die zu reagieren haben.
    (Und auch von mir ist dies hier ja die sehr subjektive Verarbeitung des Geschehenen und Erlebten, ohne Anspruch auf die alleinige Wahrheit.)
  • Ich könnte erzählen, wie nervig es ist, wenn man nach dem Spiel auf dem Parkplatz vor der Heimtribüne steht und Bielefelder beim Anblick von Gästefans das erste Wort beim Gesang “Deutscher Sport Club” besonders laut, betont und triumphierend rufen, ehe dann einer “Deutsche, wehrt Euch, geht nicht zu St.Pauli!” anstimmt.
    Und was für feige Kackbratzen es sind, wenn man sich dann doch lieber schnell verpisst, weil drei Leute eine nonverbale Einladung aussprechen.
  • Ich könnte (eher nicht) hochtrabende taktische Analysen liefern und schreiben, warum ich Jan-Marc Schneider gar nicht so schlecht fand, ihn aber aktuell trotzdem als Einwechselspieler effektiver fände – auch auf die Gefahr hin, dass der Rückstand dann schon so hoch ist, dass die Einwechslung auch nichts mehr bringt.
  • Ich könnte die Hoffnung mit Euch teilen, dass es grundsätzlich im Deutschen Profifußball für den FC St.Pauli nicht gänzlich ausgeschlossen ist, Heimspiele gegen Bochum und Duisburg zu gewinnen und dann mit 26 Punkten gemütlich in die Winterpause zu gehen.

Ich hab aber irgendwie grad keinen Bock dazu und außerdem muss ich Junior gleich von der Weihnachtsfeier abholen. Mal gucken, ob doch noch Spieler abkommandiert wurden um gute Laune zu verbreiten.

Schönes Wochenende. // Frodo

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MT048 – Fußball in Trümmern

Haha… nee, der Episodentitel hat nichts mit den sportlichen Leistungen unserer Zweitligaprofis zu tun, sondern ist der Beiname einer Ausstellung im 1910eV-Museum in der Gegengeraden.

Und man mag es kaum glauben: Trotz der aktuellen Lage und den letzten drei “mäßigen” Spielen hatten wir genug Spaß, um insgesamt gut drei Stunden zu füllen.
In Teil zwei ging es dann eben um die Ausstellung, am Ende der Folge gibt es dann auch noch einen Auszug aus dem ganz frischen Audio-Guide des Museums, gelesen von Rainer Wulff.

Ein besonderes Dankeschön geht an Alle, die in der Vergangenheit unseren PayPal-Button gefunden und genutzt haben, damit wir zu den beiden Mikros, die Ihr auf dem Foto seht, endlich noch ein Drittes dazu bestellen konnten.

Und gerade als die Summe zusammen war, fragte der Fanclub “Frizzante St.Pauli” an, wie viel denn noch fehlen würde… und brachte dann statt Aufstockung der Spendensumme eine gut gekühlte Kiste Dithmarscher pünktlich zur Sendung vorbei, großartig, vielen Dank auch dafür!

Kiste Dithmarscher vom Fanclub “Frizzante St.Pauli”

Links:
Doppelsechs-Podcast
Fußball in Trümmern-Ausstellung
Mitglied werden bei 1910 e.V.
“Hooligans”-Lesung (6.12.2017)
Liga Terezin: Fußball im Konzentrationslager, Film- und Diskussionsabend (7.12.2017)
Tag der Offenen Tür im Fanladen
Lesung: “Wir Wochenendrebellen” (13.01.2018)
Bremer Nikolauslaufen
Goldenstedter Neujahrslied

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MT047 – Kackeckenentstehungsgeschichte

Die JHV beim FCSP steht an, das Präsidium ist jüngst zurückgetreten und tritt dann doch wieder neu an – Anlass genug, sich nach drei Jahren Amtszeit mal wieder mit unserem Vereinspräsidenten, Oke Göttlich, zu unterhalten.
Er war zuletzt vor zwei Jahren da, seitdem hat sich viel getan.
Darüber sprechen wir, ebenso über die beiden neuen Mitglieder im dann noch zu wählenden Präsidium. Und natürlich auch über die Spiele gegen Kaiserslautern, in Sandhausen und gegen Aue – die allesamt 1:1 endeten und uns ein Gegentor nach Ecke bescherten.

Viel Spaß!

(c) Ariane Gramelspacher // http://www.ariane-foto.de/

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West Ham, Millwall, Twickenham – Ein Wochenende in London

Dem Ein oder Anderen wird auf Twitter meine (wieder)gewonnene Begeisterung für American Football schon aufgefallen sein. Dies hatte zur Folge, dass wir recht früh ein Familienwochenende für diesen Oktober in London geplant hatten, direkt nachdem die NFL ihre diesjährigen London Games veröffentlichte.

(Kleiner Einschub: All das, was viele momentan an jenem “modernen” Fußball so sehr stört, größtenteils ja auch zurecht, ist natürlich im Football noch viel Extremer. Während im Fußball schon bei den aktuellen Werbetouren in Sommer- oder Winterpause die Nase gerümpft wird oder bzgl. einiger Eskapaden im Englischen Profifußball (Pokalauslosung für den asiatischen TV-Markt etc.) aufgestöhnt wird, ist die NFL hier natürlich schon einige Schritte oder gar Kilometer weiter.
Die “London Games” feierten dieses Jahr ihr Zehnjähriges Bestehen, wohlgemerkt für Pflichtspiele! Außerdem gibt es nun auch jährlich ein Spiel in Mexiko, eine Erweiterung auf Asien ist angedacht – und am Ende könnte es auch immer noch eine feste Verlegung  eines Teams nach London geben.
Aktuell baut Tottenham Hotspurs seine White Hart Lane neu – in Zusammenarbeit mit der NFL, um dort dann zukünftig die London Games dauerhaft auszurichten, die aktuell noch in Wembley und Twickenham (quasi das Wembley für Rugby) stattfinden.
Das Geld dabei keine Rolle spielt und man auch durchaus neue Wege geht, kann man u.a. in diesem Video sehen:

All dies steht natürlich in völligem Gegenspruch zu meiner Sicht auf den Fußball, speziell in Europa, konkret in Deutschland, insbesondere im Blick auf “meinen” FC St.Pauli.
Und diesen Widerspruch kann ich auch nicht wirklich auflösen, außer durch die Begründung: “Beim Football weiß ich vorher, dass es so ist.”
Einschub Ende.)

Der Hinflug wurde für Freitag früh gebucht, zurück am späten Montag – ideale Anpassung an die Schulferien.
Der Freitag stand dann im Zeichen des ersten groben Sightseeings, Junior war ja noch nie in London.
Dank OysterCard ist die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs in London auch tariftechnisch nochmal viel einfacher geworden als es bei meinen letzten Besuchen der Fall war, so wurden u.a. der Buckingham Palace, Picadilly Circus, Trafalgar Square, Big Ben und Hamley’s abgehakt.
Dementsprechend qualmten abends trotzdem ein bisschen die Füße und für die Gattin und Junior war klar, dass es nicht mehr viel Bewegung geben würde.

West Ham United – Brighton & Hove Albion

Ich selbst hatte noch mit dem Heimspiel von West Ham geliebäugelt, die ab dieser Saison bekanntlich im Olympiastadion bzw. “London Stadium” spielen.
Tagsüber gab es auf der Vereinshomepage noch Tickets für das 20.00h-Spiel über die Vereins-Tauschbörse ab ca. 40 Pfund – leider fiel meine Entscheidung erst um 18.06h und plötzlich ging da nichts mehr. Zwei Stunden vor Anpfiff wird der Verkauf komplett eingestellt – da war ich etwas zu spät.
Egal, trotzdem hingefahren. Und beim Verlassen der U-Bahn waren es dann zwar nicht die gleichen Gesichter an Schwarzmarkthändlern wie in Hamburg, aber schon der gleiche Schlag Mensch. Scheinheilig nach Tickets fragen, zwei Meter weiter steht der Kumpel und vertickt die soeben erworbenen Dokumente gegen ein Vielfaches. Überall das gleiche System – aber gerade in einer Stadt mit zig Tausenden von Touristen natürlich äußerst lukrativ – zumindest wenn diese nicht auf die Vereins-Tauschbörse schauen oder (wie ich) etwas zu schusselig bzw. zu spät dran sind.

Weitermarschiert, einen “Fan Liaison Officer” angesprochen, der mir jene Zwei-Stunden-Regel erläuterte und gleichzeitig mit auf den Weg gab, dass der Kauf / Verkauf von Tickets “strictly illegal” sein und ich mir nur dann noch Hoffnung machen dürfte, wenn ich rein zufällig in einem Gespräch von jemandem welche angeboten bekommen würde. Die Polizei würde dies auch sehr streng beobachten.
Gut, vielleicht sollte die mal zurück zur U-Bahn gehen…
Am Ticket Office (ca. 45 Minuten vor Anpfiff) lief dann auch tatsächlich niemand mit Tickets herum, zumindest nicht offen. Der suchende Blick führte dann doch dazu, dass ich von zwei Personen angesprochen wurde, allerdings ging das hier bei ca. 80 Pfund los. Einer der Beiden ging dann schnell auf 50 Pfund runter, allerdings wollte ich das dann aus Prinzip nicht bei diesen Jungs kaufen.

So stand ich also etwas unschlüssig kurz hinter der Sicherheitskontrolle (die hier vor dem eigentlichen Stadionumlauf und deutlich vor der Ticketkontrolle stattfindet), schaute mir die Personen an, die da so ankamen und fragte größere Gruppen, ob diese noch ein Ticket hätten.
Irgendwann kam dann eine Deutschsprachige Gruppe und diese hatte dann tatsächlich noch ein Ticket über. Vielen Dank und beste Grüße an die Jungs aus Münster.

Das Stadium selbst wirkt innen dann etwas merkwürdig, da die bei Olympia genutzte Laufbahn auf den Geraden mit grünem Teppich überdeckt ist, während die Kurven  näher ans Feld rangebaut wurden – wodurch die alten Kurvenplätzen (zumindest im Unterrang) dahinter noch im Dunklen zu erahnen sind.

London Stadium, WestHam FC – Brighton & Hove Albion

Erstaunlich auch die Getränke-Preispolitik. Kostet ein Bier vor dem Spiel 3,50 GBP, so ist es während des Spiels für 4,90 GBP zu erwerben. Finde ich gar nicht so schlecht, allerdings gilt dies auch für Softdrinks bzw. Wasser in ähnlichen Dimensionen, wo ich es eher sinnlos bzw. frech finde.
Grundsätzlich gilt, wie in allen Stadien der oberen englischen Ligen, dass man keinen Alkohol mit auf die Ränge nehmen darf.

Als Intro lief dann “I’m forever blowing bubbles“, dazu mehrere Seifenblasen-Maschinen im Innenraum. Auch hier wieder bemerkenswert, dass das Stadium sechs Minuten vor Anpfiff noch fast komplett leer, zum Anpfiff dann aber komplett gefüllt ist.

Das Spiel selbst verlief weniger eindeutig, als es das Ergebnis von 0:3 vermuten lässt.
West Ham (mit Arnautovic und Chicharito… wusstet Ihr eigentlich, dass letzteres… jaja, schon gut) war zwar durchweg feldüberlegen, wusste daraus aber zu wenig zu machen oder vergab die Chancen kläglich.
Brighton hingegen setzte seine Konter clever und gewann so auch nicht unverdient.

Ein weiteres Merkmal Englischer Stadionkultur ist ja, dass der Gästeblock auch wirklich ein Gästeblock ist. Will sagen: Gerade in größeren Stadien sieht man in Deutschland immer mal wieder kleinere Grüppchen oder zumindest Einzelpersonen auch außerhalb des Gästeblocks bei Auswärtstoren jubeln.
Hier eskaliert der Gästeblock zwar auch komplett, aber außerhalb dessen jubelt eben niemand. Wirklich niemand!
Und dies, obwohl es nun wirklich nicht unmöglich gewesen wäre, Tickets im Rest des Stadions zu bekommen und der Gästeblock komplett ausverkauft war.

Durch das klare Ergebnis aber war es dann doch vom Support her recht schnell unspektakulär, ab der 70.Minute leerte sich der Heimbereich immer schneller. Diejenigen, die geblieben waren, belohnten ihr Team dann zum Abpfiff mit einem gellenden Pfeifkonzert.

Millwall FC – Birmingham City FC

Samstag gab es zunächst Juniors persönlichen Wochenend-Höhepunkt, als er bei einer Autogrammstunde einen seiner drei Lieblingsspieler der Arizona Cardinals treffen durfte, Tyrann Mathieu.
Leuchtende Kinderaugen, als hätten mich damals Leonardo Manzi, Carsten Pröpper und Wynton Rufer gemeinsam zum Essen eingeladen.

Doch zurück zum Fußball: Junior sollte seinen nächsten Länderpunkt machen – und vom Termin her fiel Tottenham – Liverpool durch die Sonntagsansetzung leider raus, er “musste” also in der 2.Liga beginnen.
Ich hatte die besondere Historie von Millwall mit Birmingham nicht mehr so auf dem Zettel (basierend in jüngster Zeit insbesondere auf Ausschreitungen nach einem PlayOff-Spiel 2002), doch nachdem einige Personen bereits vor dem Spiel nicht etwa “Millwall? Oha!” sondern immer wieder “Ui, gegen Birmingham? Auhauerha!” antworteten, war schnell klar, dass es sich um ein besonderes Spiel handeln würde.

Die Anreise mit Tube und Bus verlief entspannt… und dann steht eben plötzlich “The Den” vor einem, bzw. in jener Seitenstraße.
Drumrum diverse (günstige) Verpflegungs- und Merchandise-Stände und in der Kurve dann im Ober- und Unterrang zwar weiterhin nur Sitzplätze, aber immerhin freie Platzwahl.
Unsere fiel auf den Unterrang und direkt hinterm Tor, wie sich später herausstellen sollte eine perfekte Wahl.

Millwall FC – Birmigham City FC

Let ’em come!” vor dem Spiel hörte sich schon mal ganz gut an, schnell wurde dann auch im Stadion die besondere Rivalität spürbar. Birmingham war in der gegenüberliegenden Kurve komplett im Oberrang untergebracht, der auch voll war, der Unterrang blieb leer.
Millwall hatte seine Erlebnisorientierte Fraktion hauptsächlich im Oberrang der Gegengerade untergebracht, nah an der Gästekurve.
Akustisch von Birmingham ziemlich okay, Millwall zunächst eher nur solide.
So konnte Junior seine Konzentration dem Herrn schräg hinter uns widmen, der permanent die Gästespieler mit Feedback beglückte. “Fuckin’ wanker!” war seine Standard-Begrüßung, was natürlich irgendwann von Junior übersetzt werden wollte. Zusätzlich machte der Herr dabei immer eine leicht wedelnde Handbewegung…
Nun ja, man lernt ja auch fürs Leben, also übersetzte ich zunächst den Begriff und erklärte dann auch auf Nachfrage ganz sachlich die Handbewegung: “Dies soll bedeuten, dass der Gegner andauernd an seinem Penis rumspielt.
Der Tag war gelaufen, Junior kam aus dem Lachen nicht mehr raus, insbesondere da jener Herr direkt danach ca. 20x ununterbrochen “Wanker! Wanker! Wanker!” rief.
Erst als ich Junior sanft darauf hinwies, doch bitte wieder nach vorne zu schauen, ehe der Herr auch noch zu uns näheren Kontakt aufnehmen würde, konnte es weitergehen.

Supporttechnisch war neben dem “No one likes us!” (und der Birminghamschen Erwiderung “No one likes you!”) für mich das langgezogene “Miiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiill” am beeindruckendsten. Wurde es in der ersten Halbzeit noch eher zögerlich eingesetzt (und bei uns auch fast ausschließlich vom Herrn hinter uns, wenn er nicht gerade damit beschäftigt war die Gegner als Wichser zu bezeichnen), so kam das in Hälfte 2 nach der Führung doch schon recht gut und laut an und steigerte sich dann eben immer wieder über die Tribünen, teilweise über 20-30 Sekunden, ohne Pause.
Mal was ganz anderes als das normalerweise übliche Stakkato-Anfeuern nach Torchancen.

Millwall gewann schließlich mit 2:0 und Junior hatte fortan Einiges zu erzählen, da beide Tore direkt vor unserer Nase fielen hatten wir auch beste Sicht.

Twickenham (Rams – Cardinals)

Am Sonntag dann schließlich der eigentliche Grund unseres Besuchs: Das NFL-Spiel der LA Rams gegen die Arizona Cardinals in Twickenham.
Wer jetzt vom Stadionnamen noch nie was gehört hat: Es ist das zweitgrößte Stadion Englands – und eben das weltgrößte Rugby-Stadion, quasi das Wembley für Rugby, in dem sonst die Englische Nationalmannschaft ihre Heimspiele austrägt und sich nebenbei auch noch das Rugbymuseum befindet.

Das Spiel sollte erst um 18.00h Ortszeit beginnen, es wurde aber allen dringend eine Anreise um und bei 12.00h – 14.00h empfohlen. So machten also auch wir uns zeitig auf den Weg und tatsächlich war das eine gute Idee.
Twickenham liegt ein gutes Stück südwestlich von London, mit dem Zug aber gut erreichbar. Rund ums Stadion hatte die NFL mehrere “Tailgates” aufgebaut, ein Begriff den ich so vorher auch noch nicht gehört hatte, was im amerikanischen Sport eben die Party vor dem eigentlichen Sportevent bezeichnet, dort in aller Regel auf den großen Parkplätzen stattfindend.
Hier war es  ein öffentliches Gebiet auf der einen Stadionseite, in dem man sich mit der Vince Lombardy-Trophy fotografieren lassen oder aber ein paar Wurf- oder Kick-Spiele absolvieren konnte, sowie ein abgezäuntes Areal mit Riesenleinwand, Fressständen und weiteren Aktivitäten, u.a. konnte man eine fast komplette Combine (Fitness-Test mit verschiedenen Disziplinen) absolvieren.
Und natürlich ein NFL-Store mit Merchandise sämtlicher Vereine, vor denen sich Endlos-Schlangen bildeten, obwohl das Zeug nicht günstiger war als sonst über die offizielle Website.
Alles flankiert mit der NFL UK-App, mit der man Scan-Codes an diversen Ständen einsammeln konnte, durch die man an Gewinnspielen teilnahm…
Moderner Fußball ist Kommerz und wir sind am Ende der Fahnenstange angekommen? Nicht mal annähernd.

Das Stadion selbst war dann von der Fan-Verteilung etwa 70/20/10 gefüllt. Soll heißen: Von den etwa 80.000 Fans waren gefühlt 70% für die Cardinals, 20% in Trikots anderer Vereine und 10% für die Rams.
Dummerweise hatten die Rams offiziell das Heimrecht, was der Stadionsprecher sehr ernst nahm und daher immer nur nach dem Rams-Fans und deren Stimmung fragte, ohne mal die Gegenprobe zu wagen.

Leider war das Spiel dann so einseitig, wie man es schon vorher erwarten musste und am Ende stand ein 33:0 für die Rams, was zur Folge hatte, dass sich das Stadion schon zum Ende des dritten Viertels zu leeren begann.
Sehr schade, ich hätte gerne einen Touchdown der Cardinals gesehen, zu einem Zeitpunkt als es noch um was ging. Dann hätte man mal gesehen, wie laut es in diesem Stadion werden kann.

Nach dem Spiel gab es dann u.a. einen kostenlosen Shuttle-Transfer zurück in die Innenstadt – wie diszipliniert man in England immer wieder in Schlangen ansteht, ist schon erstaunlich, hat aber eben sicher auch mit der sehr guten Organisation zu tun.
Jedenfalls lief der Abtransport der >80.000 erstaunlich reibungslos, sicher auch weil der Abmarsch sich durch das eindeutige Spiel und eine Öffnung des größeren Tailgates (inkl. RedZone-Übertragung auf Riesenleinwand) zum weiteren Verweilen sehr gut verteilte.

Insgesamt ein tolles Wochenende mit vielen Eindrücken – und es bleibt die Hoffnung, dass sich Juniors “Ich habe sehr viel Englisch gelernt!” nicht nur auf den späten Nachmittag in Millwall bezieht. // Frodo

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