Saison 2019/2020: Lage der Liga

Die beiden an sich durchaus unterschiedlichen Fußballbundesligisten HSV und FCSP verbindet eines, ihre notorische Erfolglosigkeit. Für das „Hamburger Dilemma“ muss es Gründe geben. Am mangelnden Geld kann es jedenfalls nicht liegen.

Von Hermannus Pfeiffer 

Die Sportindustrie nimmt als Teil der Unterhaltungsbranche rasant an wirtschaftlicher Bedeutung zu. Spaß muss schließlich sein, in der real existierenden Spaßgesellschaft.
Und wer als Verein oder Fußball-AG, als Verband oder Liga die Millionen Konsumenten („Fans“) erfolgreich binden will, muss eine moderne Infrastruktur anbieten. So werden seit Jahren im ganzen Land Abermillionen Euro in Stadien, Sportevents und Spieler investiert. So weit, so schlecht.

Investieren taten auch die beiden Hamburger Bundesligisten, Fußball-Club St.Pauli und Hamburger Sport-Verein. Der HSV machte dies jahrzehntelang als finanzieller Spitzenklub in der Bundesliga, üblicherweise platziert zwischen Rang sechs und drei der Geldrangliste.
Ebenfalls Sankt Pauli – wenngleich dies manche(r) in unserem Übersteiger-Biotop nicht gerne liest – gehört seit langem, langem zu den Krösussen in Liga zwei!

Das Piraten-Image des Möchtegern-Underdogs ist heute allerdings angestaubt. Und die gelegentlichen Medienkampagnen, die Andreas Rettig über „Kicker“ und „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ inszeniert („50 plus eins“), wirken mittlerweile verzweifelt bemüht.
Dennoch lässt der FC als „Marke“ selbst die meisten Bundesligisten immer noch hinter sich.
Was eigentlich mehr als Geld wert sein sollte, welches bekanntlich Tore schießt.
Im jüngsten „Vereinsmarkenranking“, das die TU Braunschweig alljährlich für alle Erst- und Zweitligisten erhebt, ist Sankt Pauli Vierter! Nur Freiburg, Mönchengladbach und Dortmund haben einen bessern Marken-Ruf in Deutschland.

Trotz ihrer großartigen wirtschaftlichen Möglichkeiten, zudem in einer der reichsten Städte Europas beheimatet, schneiden beide Klubs im Alltag notorisch erfolglos ab. Sportlich betrachtet.

Warum verharren HSV und St.Pauli dauerhaft unter ihrer, im Ökonomen-Jargon, Performance?  Das kann doch nun wirklich kein Zufall sein.

Lassen wir Pleiten, Pech und Klaus-Michael Kühne einmal beiseite, lassen sich tatsächlich einige Gründe nennen. Auch, wenn´s weh tut.

Lieber Bürgermeister oder Vorstand bei St.Pauli?

Hamburg ist als Stadt überaus attraktiv für Spieler. Egal, ob jung und ledig oder bereits braver Familienvater. Auch gelten beide Vereine in der Sportbusiness-Branche als eher großzügige Arbeitgeber, was die Höhe der Gehälter betrifft und den, sagen wir, Lifestyle.
Hinzu kommt der für Spieler und ihre Berater geile Medienrummel – selbst drittklassige Zweitligaspieler werden in Hamburg von Zeitungen, Rundfunk und Internetdiensten hofiert, wie es sonst nur an wenigen Fußballstandorten in der Republik passiert.
Dadurch steigt im Regelfall der Marktwert eines Spielers.
St.Pauli und noch mehr der HSV gelten daher in der Fußballkommerz-Szene als attraktiver Durchlauferhitzer für Ich-AGs, die zu rechnen wissen.
Im Ergebnis kommen nicht die Bestmöglichen, sondern … Nun, die gekauften Kicker lassen sich ja am Millerntor und im Volksparkstadion bewundern.
Das geht übrigens in der Praxis bei beiden Klubs auf Kosten des eigenen Nachwuchses. Hamburger müssen, kaum der Jugendmannschaft entwachsen, fast immer das Weite suchen. Nachzulesen regelmäßig in Ronnys Rubrik „Neues von den Alten“.

Folglich geben sich die Berater in den Geschäftsstellen die Klinke in die Hand.
Wie St. Pauli in den viereinhalb erfolgsarmen Jahren unter Präsident Oke Göttlich (davor war auch nicht alles besser) und der HSV seit der Ära Günter Netzer/Ernst Happel zeigen, schaffen es die Verantwortlichen nicht, hinreichend die Spreu vom Weizen zu trennen, um im Ergebnis eine Mannschaft zu formen, die leidenschaftlichen, schnellen und technisch ansprechenden Fußball spielt.

Aus meiner Erinnerung: Die letzte Saison, in der wir alle Heimspiele ungeschlagen bestritten, war 2006/07!

Was nicht zuletzt der Hamburger Situation geschuldet ist. Wer in einer Großstadt etwas Herausragendes werden möchte, könnte das Bürgermeisteramt anstreben.
Dazu bedarf es aber einer jahrelangen Ochsentour durch SPD und Kommunalpolitik. Angehende Bürgermeister müssen echt hart ackern. Selbst bei den Grünen wird es so sein.
Präsident beim HSV oder St.Pauli ist „Mann“ dagegen ratzfatz: Dazu genügt im Regelfall eine flotte Rede, die mit netten Versprechungen für die kommende Saison garniert wird, wahlweise noch mit Links-Gedöns oder alten Recken aufgepeppt. Im Ergebnis wirkt auch hier im Trend ein Negativ-Auswahlmechanismus unter den Akteuren – die, sagen wir, Mediengeilsten, nicht die für den Posten Fähigsten schwemmt es im Regelfall nach oben.

Damit zusammen hängen die häufigen Trainerentlassungen. Sie sind zugleich Folge des Beschriebenen, wie sie auch die negativen Auswirkungen dessen verstärken.
Der HSV dürfte dabei bundesweit Marktführer sein.
Aber auch der etwas andere Klub kann es nicht lassen: In der kurzen Zeit, die Göttlich residiert, versuchten sich am Millerntor sage und schreibe vier sportliche Leiter und fünf verschiedene Cheftrainer (Thomas Meggle, Ewald Lienen, Olaf Janßen, Markus Kauczinski, jetzt noch Jos Luhukay).


In der kurzen Zeit, die Göttlich residiert, versuchten sich am Millerntor sage und schreibe vier sportliche Leiter und fünf verschiedene Cheftrainer: Thomas Meggle, Ewald Lienen, Olaf Janßen, Markus Kauczinski, jetzt noch Jos Luhukay. Fotocredit: Witters

Eine unstetige Personalpolitik ist zwar durchaus branchentypisch (insofern wettbewerbsneutral), allerdings ist in Hamburg der Wilde Westen besonders stark ausgeprägt.
„Heuern und Feuern“, zweckmäßig ist eine solche Strategie nicht – wenn man sportliche Erfolge will.
So wird beispielsweise mit jeder Entlassung die Institution „Trainer“ weiter geschwächt. Die Autorität des Trainerteams und der sportlichen Leitung wird daher im Trend immer kleiner.
Und damit schwindet die Möglichkeit, eine Mannschaft und ihr Spielsystem nachhaltig zu formen.

Darauf sind aber Bundesligisten, die, wie unsere beiden Lieblinge, der sportlichen Entwicklung seit längerem hinterher stolpern, besonders angewiesen. Sie bedürfen einer nachholenden Modernisierung, um aus dem Tal des Rumpelfußballs und des Zuschauerfrustes herauszufinden

Wie könnte das Hamburger Dilemma beendet werden? Nun, was die Spitze der Klubs, sportliche Leiter und Trainer betrifft, bleibt wohl nur die Hoffnung auf einen Glückstreffer.
Was unsere Basis, die Kicker, angeht, dazu hier Vorschläge vom Hörensagen.
Mein liebster ist das Modell „Mindesteinkommen“: Nur ganz wenig Geld an die Spieler zahlen, damit nur diejenigen kommen, die wirklich Bock auf den FC St.Pauli haben.

Auch hübsch: Trainer und Spieler im „Start-up“-Modell: Kassiert wird erst nach Aufstieg, wahlweise Nichtabstieg – Profisportler sind halt Unternehmer und die müssen Risiko tragen.

Unlösbar erscheint auch ein anderes, wirklich grundsätzliches Problem des Liga-Alltags: Nur drei Klubs können aufsteigen. Alle anderen sind mehr oder weniger Nieten in kurzen Hosen.
Ein Problem, so viel Mathematik muss sein, welches sich in der ersten Liga noch verschärfen würde. Denn da gibt es bekanntlich nur einen Meister. Und das ist seit ewigen Zeiten nicht mehr der HSV – und über Sankt Pauli und sein Personal lasst uns den Mantel der Nächstenliebe decken.

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Investor Matzen geht beim Ausbau des Medienbunkers über Mieterinteressen rigoros hinweg

Der grüne Bunker – ein stadtteilverträgliches Highlight sollte er angeblich werden, doch wir berichteten bereits im Übersteiger 134 von den Schattenseiten dieses Projektes. Allein die Baugenehmigung hätte vom Bezirk überhaupt nicht erteilt werden dürfen.

Hier noch einmal zum nachlesen:
http://uebersteiger.de/ausgaben/134/text_4.html

Spätestens seit es den Clubs im Bunker reinregnet und die Außenbereiche nicht mehr betreten werden dürfen, ist klar, dass der Umbau auf Kosten der bisherigen Mieter stattfindet. Von den Folgen für den Stadtteil und die Anwohner ganz abgesehen.

Aktuell hat nun gerade der Linke Bürgerschaftsabgeordnete Norbert Hackbusch den Senat aufgefordert, die Mieter zu schützen. Im Vertrag zwischen Stadt und Investor wurde unter anderem festgelegt, dass die Wünsche der Mieter beim Umbau berücksichtigt werden sollten. https://www.elbe-wochenblatt.de/2019/07/17/der-charakter-des-viertels-wird-angegriffen-der-linkenpolitiker-norbert-hackbusch-fordert-den-senat-auf-die-mieter-des-bunkers-an-der-feldstrasse-zu-schuetzen

To be continued …

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Anne Reiche – Auf der Spur

In unserem FC St. Pauli-Museum läuft seit heute „Kiezbeben – die zweite Geburt des FC St. Pauli“. Die Ausstellung erzählt vom Umbruch in den achtziger Jahren, der den Grundstein legte für vieles, wofür der Verein heute steht. Mittendrin damals die Hafenstraße und ihre Bewohner, von denen einige begannen, regelmäßig die Spiele des FCSP zu besuchen. Die Interviews, die in der Ausstellung zu sehen sind, geben einen intensiven Eindruck von der Stimmung damals. Wer noch tiefer eintauchen möchte in die politischen Ereignisse der damaligen Zeit rund um die Hafenstraße, dem sei das Buch von Anne Reiche, die bis heute dort lebt, wärmstens empfohlen – von Sven Brux, der ja selbst einer der damaligen Protagonisten war. Seine Rezension des Buches erschien in Übersteiger 135.

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So ziemlich alle LeserInnen dieses Blatts dürften wissen, was es mit der Hafenstraße auf sich hat. Schon wesentlich weniger dürften schon einmal in einem der Häuser gewesen sein, schon gar nicht zur heißen Zeit damals in den 80ern, als das Ensemble zum europaweiten Symbol für autonomen, militanten Widerstand wurde. So hält sich  der Mythos des Hafenstraßen-Blocks, der ab Mitte der 80er  mit dafür sorgte, dass sich am Millerntor eine Fanszene neuer Ausrichtung etablierte, meist erzählt von Menschen, die damit wenig zu tun hatten. Umso erfreulicher, dass nun ein Buch erstaunlich direkte und ungefilterte Einblicke in die damaligen Geschehnisse bietet. Die Autorin Anne Reiche hat mit „Auf der Spur“ auf 271 Seiten einen Rückblick auf ihr bisheriges Leben abgeliefert, der es in sich hat.

Anne geht 1965 als junge Frau aus  dem  Schwabenland nach Berlin und taucht dort ein in die turbulenten Ereignisse, die dieses Land fortan prägen werden. Das Buch lässt einen hautnah miterleben, was damals passierte. Die Demos und wie diese sich entwickelten. Von anfänglich friedlichen Aktionen hin zur Debatte, ob man es sich immer gefallen lassen muss, von der Polizei zusammengeknüppelt zu werden. Am 4. November 1968 war es dann soweit: Zu ersten Mal wurde die heranrückende Polizei mit einem Steinhagel empfangen und zurückgeschlagen. Der Anfang von einer Menge mehr, was folgen sollte …

Der große Unterschied zu anderen Biographien damaliger Protagonisten ist der, dass hier kein altersmilder Professor einen amüsanten Rückblick auf seine Jugend bietet, die nur den Auftakt für seinen Marsch durch die Institutionen bildete. Nein, Anne hat sich für den konsequenten Weg entschieden, ganz oder gar nicht: Kommune, Bewegung 2. Juni, 10 Jahre Knast, nach der Entlassung 1982 nach Hamburg, ab 84 bis heute im Hafen wohnend. Ich war beim Lesen hin und her gerissen zwischen Bewunderung für den furchtlosen Gang, Entsetzen angesichts dessen, was der Staat an Schweinereien abzog und Erstaunen über Fakten, die mir bislang nicht bekannt waren.

Man muss die politische Denke von Anne und den anderen nicht teilen, fühlt jedoch dennoch ständig  mit und taucht ein in eine Welt, die nur wenigen offenstand. Etwas näher rückt diese Welt, wenn es um die Hafenstraße geht. Wir erfahren einiges aus dem Innenleben der Gemeinschaft, die so heterogen war, dass es eigentlich ein Wunder ist, dass daraus ein so entschlossenes gemeinsames Handeln erwuchs. Das Buch bietet aber auch die Gelegenheit, mitzufühlen: All die Zweifel, die Ängste, die Widersprüche, die Bedrohungen lassen einen nicht kalt. Wenn man dabei auch noch erfährt, was alles nur durch Zufälle geschah, kann man nur ungläubig mit dem Kopf schütteln. Doch es gibt auch lustige Szenen. Wie die, als in der Zeit des „Hönkelns“ beispielsweise ein vor den Häusern parkender LKW geknackt wurde, während sich der Fahrer auf dem Kiez amüsierte. Mit der Folge, dass kurz danach etliche Bewohner stolz ihre nagelneuen Cowboystiefel präsentierten …

Die schiere Wut packt einen angesichts der Schweinereien, die sich der Staat einfallen ließ, um den Hafen zu kriminalisieren, Stichwort „Da wohnt die RAF“. Nahezu thrillerartig stellen sich die Wochen in der zweiten Jahreshälfte 1987 dar, als der Konflikt zu eskalieren drohte. Festungsartig ausgebaute Häuser mitsamt einer europaweiten Unterstützerschar gegen einen Staat, der ebenso unbeirrt alles daran setzte, dieses Widerstandsnest auszulöschen. Anne schafft es, den Leser so mitzunehmen, als säße er auf dem Sofa daneben. Sie schildert die Ängste der Aktivisten so plastisch, dass einem fast schlecht wird. Die Einschätzung, dass es bei einer Räumung wahrscheinlich auch zu Toten kommen kann, beeinflusste damals sehr wohl die Gedanken. Wie wir wissen, ist es glücklicherweise nicht dazu gekommen und so können wir in der Folge nachlesen, wie beispielsweise das Viva-St. Pauli-Festival 1991 im Millerntor-Stadion geplant und durchgeführt wurde: So absolut herrlich dilettantisch, aber eben auch mit Liebe und Solidarität. Da kommen Erinnerungen hoch, die längst verdrängt waren.

Wie gesagt: Man muss die politischen Einstellungen nicht zur Gänze teilen. Aber „Auf der Spur“ bietet auf jeden Fall die Chance, einen unverstellten Blick zu erlangen auf das Innenleben einer Bewegung, die über Jahrzehnte die innenpolitische Diskussion prägte und den Boden bereitete für etliches, was auch heute noch in Hamburg präsent ist. Nicht zuletzt die Fanszene in unserem Stadion, deren damalige Entwicklung nicht losgelöst von den Häusern am Hafenrand betrachtet werden kann. Nach der Lektüre des Buches wird man die bunten Häuser in St. Pauli-Süd auf jeden Fall mit anderen Augen sehen. Absolute Leseempfehlung! //SB

Anne Reiche – Auf der Spur | Verlag: Edition Cimarron
ISBN 978-90-824465-2-4
€ 15,00 (auch im Fanladen erhältlich)  


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FISH e.V. Mitgliederdaten

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Magdeburger Spezialität

Vielen Dank an alle, die heute bei mir einen Übersteiger gekauft haben und mit mir ins Gespräch gekommen sind. Das hat Spaß gemacht!

Die 134 war am Ende so knackig voll, dass es zwei Beiträge nicht mehr ins Heft geschafft haben. Einer davon die wiederbelebte Rezept-Ecke. Da liegt es doch nahe, euch das Rezept hier nachträglich zur Verfügung zu stellen. Ein deftiger Schmaus, der umso besser mundet, je mehr man sich ein 4:1 dabei noch mal auf der Zunge zergehen lassen kann.

In diesem Sinne guten Appetit!

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Super Mario

Am 2. Oktober fand im Rahmen des Hamburger Filmfestes die Deutschlandpremiere von „Mario“ statt. Das Werk des Schweizer Regisseurs Marcel Gisler erzählt glaubwürdig und feinfühlig die Geschichte eines jungen Perspektivspielers, der sich in einen Teamkollegen verliebt. Schwule Fußballer – immer noch ein Tabu. Und das wird sich so schnell nicht ändern. Das zeigt dieser Film in seiner ganzen authentischen Härte. Sei gerne schwul, aber lass es niemanden wissen. Denn das passt nicht in das gesellschaftliche Bild vom Fußball als Männersport, wo du zwar viele „Buddies“ hast, es aber niemals mehr sein darf. Sonst bist du schnell eine „Schwuchtel“ – und weich darf man auf und neben dem Platz ja schon mal gar nicht sein.

Die Hauptdarsteller Max Hubacher (Mario) und Aaron Altaras (Leon) verkörpern die jungen Spieler absolut überzeugend – bis hin zu Fußballszenen, die laut dem Regisseur so lange wiederholt wurden, bis der Kopfball saß. Aber auch alle Nebenrollen sind sehr gut besetzt. Jessy Moravec spielt die beste Freundin von Mario und ist dafür zu recht mit dem Schweizer Filmpreis ausgezeichnet worden.

Nach seiner Zeit in Thun, wo der Film zu Beginn spielt, wechselt Mario nach Hamburg – und wo sollte er anders spielen als bei unserem FCSP. Im Film sind Aufnahmen aus dem Spiel gegen Sandhausen 2017 zu sehen, die geschickt mit einem fiktiven Spiel kombiniert wurden. Viele St. Paulianer*innen fungieren als Kompars*innen. Doch auch in diesem unseren Verein erwartet Mario kein Happy End.

Im Cinemaxx saßen auch unsere Profis und waren danach auch bei der Premierenfeier in einer Bar unter den Gleisen am Dammtorbahnhof. Ich hätte sehr gerne in einige der Köpfe hineingeschaut, fand es aber indiskret, direkt nachzufragen. Andreas Rettig brachte Marcel Gisler zur Premiere die St. Pauli-Regenbogenfahne mit. Wie schön wäre es, wenn sich in unserem Verein irgendwann in näherer Zukunft ein Profi outen könnte und alle nur – wie im Film die Mutter von Mario – sagen würden: „Und?“.

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This is the beginning… (Sportliches zum Derby)

Hamburger Sportverein A.G. – FC St.Pauli 0:0 (0:0)
Tore: –
Zuschauer: 57.000 (davon wohl um die 6000 St. Paulianerinnen und St. Paulianer, plus 15.000 beim Public Viewing am Millerntor)

„Ob und wie dieser Blog gegebenenfalls von anderen Personen aus der Redaktion fortgeführt wird, wird die Zeit zeigen.“  (Frodo, August 2018)

Beginning? Stimmt irgendwie. Zumindest für den ÜS-Blog in seiner neuen Form. Und auch für mich selbst als Mitglied beim Übersteiger. Zumindest für mich ist das eine ziemlich aufregende Sache, meine Gedanken hier zu virtuellem Papier bringen zu können. Große Fußstapfen, aber ich freu mich drauf und über Feedback und deswegen keine weitere Vorrede. Schließlich stand am Wochenende eines der bedeutenderen Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte auf dem Spielplan (auch wenn man zweifellos zu Recht einwenden könnte, dass das 1:0 gegen Bielefeld in der vergangenen Saison oder das 2:1 in Kaiserslautern die Spielzeit davor für den Verein selbst deutlich wichtiger waren). Aber, Stichwort Aufregung, zumindest bei vielen Personen in meinem Umfeld und auch bei mir selbst war die Anspannung dann doch einen Ticken größer als an einem beliebigen Spieltag.

Na gut, eines noch vorneweg: Ich werde mich in den folgenden Zeilen auf das Sportliche konzentrieren. Zu sämtlichen Derbybegleiterscheinungen, ob im Vorfeld, kurz vor Anpfiff, währenddessen und danach,  gibt es viele fantastische Blogs rund um den magischsten aller FCs, die einen bedeutend besseren Einblick in diese Thematik haben als ich und die sich bereits geäußert haben oder es sicherlich noch tun werden.

©Ariane Gramelspacher/arigrafie

Was also aus sportlicher Sicht tun mit diesem 0:0 im Volkspark? Kurzer Blick zurück auf den vergangenen Freitag, 21.9, 18:30. Der HSV steht mit 12 Zählern an der Spitze der Tabelle, St. Pauli hat sein letztes Spiel 1:3 in Aue verloren und darf seine Qualitäten als Aufbaugegner in Ingolstadt beweisen. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand ein Remis im Derby angeboten, ich hätte wohl ohne viel Zögern zugesagt. Zu löcherig damals unsere Abwehr, zu inkonstant unsere Offensive. Drei Spiele inklusive 90 Minuten gegen die Rauten später bleibt immerhin noch ein Gefühl der Zufriedenheit, den Titel des Stadtmeisters nicht aus der Hand gegeben zu haben. Aber dieses Gefühl ist gemischt mit einer gewissen Unzufriedenheit, mit einem was-wäre-wenn.

Die gesamte Spieldauer über war beiden Mannschaften anzusehen, dass sie ein Gegentor um jeden Preis verhindern wollten. In gewisser Weise setzten beide Mannschaften dadurch einen Trend fort: Der HSV kassierte zuvor fünf Gegentreffer gegen Regensburg, spielte danach 0:0 gegen Fürth und setzte erst mal auf defensive Stabilität. Markus Kauczinski hatte schon in den beiden Partien vor dem Derby einen eher passiveren Ansatz gewählt, auf das regelmäßige hohe Anlaufen des Gegners (wie noch in den Spielen gegen Köln und Aue zu sehen) wurde so gut wie komplett verzichtet, die Mannschaft zog sich bei gegnerischem Ballbesitz bis in die eigene Hälfte zurück. Sah zwar nicht schön aus, brachte aber sechs nicht vollkommen unverdiente Punkte. Bei aller offensiven Qualität, die der HSV mitbringt, eine für mich komplett nachvollziehbare Taktik. Und so entwickelte sich ein höhepunktarmes Derby, bei dem der HSV nicht viel mehr als Chancen auf Chancen hatte (der Kopfball Bates nach Ecke (25.) und die Chance von Hwang nach Konter in der zweiten Hälfte (60.) waren da noch das gefährlichste), und St. Pauli seine wenigen Möglichkeiten aufgrund von mangelnder Präzision nicht verwerten konnte. Sei es der Schulterkopfball von Flum (7.) oder die Möglichkeit von Diamantakos (59.).

Trotzdem hätten die Boys in Brown in den letzten Minuten die Partie noch für sich entscheiden können, vielleicht sogar müssen und genau deswegen bin ich sicherlich nicht der Einzige, der nach dem Spiel erst mal ein wenig hadern musste, bevor er sich freuen konnte. Zuerst der Schuss von Knoll, der von halblinks unglaublich viel Platz hat, vom Strafraum abzieht und das Ding vorbeihaut. Bei seinen Qualitäten im linken Fuß ist diese Situation eine richtig gute Chance und wenn er nicht schon ein ganzes Spiel plus englische Woche in den Knochen hat, macht er das Ding vielleicht eher rein. Und dann natürlich die Szene in der Nachspielzeit. Ja, das sah schön aus, was Sahin da fabrizierte (und der Ballgewinn war allererste Sahne), aber ich bin mir fast sicher, dass es noch gefährlicher geworden wäre, hätte Sahin Buchtmann bedient, der alleine auf das Tor von Pollersbeck hätte zulaufen können, anstatt ein Tor des Jahres zu versuchen.

Diese letzte Szene war so ein bisschen ein Spiegelbild von der Leistung Sahins im Derby: Defensiv hatte er viele richtig starke Szenen und hat mir sehr gut gefallen (trotz der unnötigen Gelben Karte). Offensiv kostet es einfach Nerven, dem Mann beim Spielen zuzuschauen. Wenn Kauczinski ihm beibringen kann, das Spiel besser zu lesen und schneller abzuspielen, kann er noch deutlich effektiver sein. Keine neuen Probleme, schon klar. Schade ist nur, dass es so leicht ist, sich bei ihm noch viel, viel mehr vorzustellen, besonders wenn er defensiv so abliefert wie in den vergangenen beiden Partien.

Wie also die englische Woche, die bisherige Saison und die momentane Situation der Braun-Weißen bewerten? Punktemäßig ist alles okay. Zwischen dem zweiten Platz (Fürth) und den 13. Platz (Darmstadt) liegen grade mal fünf Zähler, und irgendwo dazwischen tummelt sich momentan St. Pauli. Außerdem haben wir als derzeit sechster gegen drei der besten fünf Teams bereits gespielt. Unabhängig davon kann man feststellen, dass unsere Defensive seit dem Spiel gegen Ingolstadt wieder funktioniert. Nur ein kassiertes Gegentor in diesem Zeitraum ist ein schöner Beweis dieser Arbeit, wer die Spiele gesehen hat wird bestätigen, dass es schwer ist, sich gegen uns Torchancen herauszuspielen. Selbst mit einer komplett ausgetauschten Offensivreihe mit den für Zweitligaverhältnisse äußerst klangvollen Namen Ito, Narey und Lasogga brachte der HSV vor dem Tor von Himmelmann nicht viel zu Stande.

Die entscheidende Frage wird sein: Wie viel Offensivkraft können wir jetzt noch entwickeln, ohne unsere neu gewonnene Defensivstärke aufzugeben? Wir haben jetzt drei Mal gegen Gegner gespielt, bei denen wir uns ohne Weiteres hinten reinstellen konnten. Ingolstadt war unter Druck, hat einen teuren Kader und musste kommen. Paderborn ist spielerisch unglaublich stark und möchte selbst das Spiel machen. Der HSV hat mit seinen finanziellen Möglichkeiten selbstverständlich ebenfalls den Anspruch, dominant aufzutreten. Spannend wird deswegen das kommende Spiel gegen Sandhausen. Traditionell eine konterstarke, defensiv denkende Mannschaft, besonders wenn sie Auswärts spielt. St. Pauli wiederum steht nach sieben Punkten aus der englischen Woche und einer nach oben zeigenden Formkurve das erste Mal wieder unter dem Druck, selbst das Spiel machen zu müssen. Ich bin mir sicher, dass nicht nur die Fans sondern auch die Mannschaft selbst einen Sieg erwartet. Wie viel Risiko ist das Team dafür bereit zu gehen? Bekommen wir wieder ein offensiveres Anlaufen zu sehen? Kann die Mannschaft eine kompakte Defensive spielerisch knacken? Vielleicht können wir schon nach der Partie erkennen, ob das Ziel in dieser Saison (mal wieder) lauten muss, so schnell wie möglich auf 40 Punkte zu kommen, oder ob wir uns vielleicht noch ein wenig länger auf den einstelligen Tabellenplätzen wieder finden werden.

Forza! // Tim H.

 

Links:

Millernton: „Der HSV riecht scheiße“. Frodo und Timbo über das Drumherum und aufm Platz

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MT057 – Fan.Tastic Females – football her.story

Wir hatten mit Justus (Fortbildung), Tim (Elternzeit) und Johnny (Steine schmeißen) schmerzhafte Verluste, die durch Philip und Sven aber absolut ausgeglichen wurden. Und wir hatten Fan.Tastische Gäste: Antje und Dany waren da und sprachen mit uns über die am Samstag (8.September) beginnende „Fan.Tastic Females – football her.story“-Ausstellung.

In der Sendung wussten wir noch nicht, ob das mit der exklusiven Vorabveröffentlichung einer der Audio-/Videodateien hier klappt, inzwischen können wir sagen: Hat geklappt, bleibt also am Ende dran und hört fünf Minuten aus der Ausstellung, von Birgit. (Die heute Geburtstag hat, Happy Birthday!!!)

Wir konnten darüber in aller Ruhe und ausführlich sprechen, weil wir zur neuen Saison, einhergehend mit der neuen Internet-Präsenz, auch das Sendungskonzept umgestellt haben. Wir sprechen nicht mehr über alle zurückliegenden Spiele seit der letzten Sendung, sondern nur noch über das Letzte, in diesem Fall die Partie gegen den 1.FC Köln. Für alles andere verweisen wir auf die VdS/NdS-Gespräche. Und dadurch bleibt dann eben mehr Zeit für die Gäste.

Wie schon in der letzten Sendung bedanken wir uns wieder ganz herzlich bei der Kehrwieder Kreativbrauerei für die Ausstattung mit sehr leckeren Kaltgetränken!

Also, hört Euch die Sendung an, stimmt für Serdi beim Tor des Monats, geht am 29.9. zur Demo und dann gewinnen wir am 30.9. auch noch ein innerstädtisches Fußballspiel, ehe wir am 3.10. die nächste Sendung angehen werden, zu Gast werden wir Vertreter von USP haben.

P.S. +++BREAKING +++  Euer aller Lieblingspodcast ist nominiert!
Und zwar haben 45 Fußball-Podcasts ihren Hut in den Ring geworden, um „Fußball-Podcast des Jahres“ zu werden, die Jury der Akademie für Fußball-Kultur hat jetzt die neun Podcasts bekannt gegeben, die in der Endauswahl sind und „Yours truly“ ist dabei!
Wir freuen uns. Sehr.

 

On Air:

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This is the end…

… zumindest für den ÜS-Blog, wie er bisher geführt wurde.
Immerhin seit Juli 2009, wie ich gerade mal wieder feststellte. Bis zum zehnten Geburtstag schaffe ich es also doch nicht mehr ganz.

Ich war von 2001 an Teil der Redaktion, bis vor etwa drei Jahren auch ein aktiver Teil des Heftes.
Anschließend führte ich den Blog hier weiter, doch der MillernTon – Podcast nahm immer mehr Zeit ein und ersetzte dadurch auch so manch geschriebenes Wort.

Nun ist es Zeit weiterzuziehen, was ich hiermit tun werde.
Auf www.MillernTon.de werden ab sofort (hoffentlich regelmäßiger als zuletzt) Artikel erscheinen, gleiches gilt für den MillernTon-Podcast als solchen.
Ein Grund für diesen Wechsel ist auch, dass die VdS/NdS-Gespräche jetzt ebenfalls dort erscheinen können und wir eine konsolidierte Seite haben werden.

Der ÜBERSTEIGER wird dieses Jahr 25 Jahre alt, ich wünsche ihm alles Gute für die nächsten 25 Jahre.

Ob und wie dieser Blog gegebenenfalls von anderen Personen aus der Redaktion fortgeführt wird, wird die Zeit zeigen.

Tschüss! // Frodo

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MT056 – Magdeburg ist nicht Sandhausen

Wir haben uns nach 2017 (MT 43, mit Ralph Gunesch) erneut getraut, unsere Podcast-Gesichter der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und eine Folge mit Publikum aufzunehmen.

Dafür gilt es Danke zu sagen:

  • Fanräume, für das kostenlose überlassen des Saals
  • dem Fanladen, bei der unkomplizierten Hilfe der Getränkeabwicklung
  • Taina und Olli für die Hilfe hinterm Tresen
  • allen die da waren und sich bei den Temperaturen in einen geschlossenen Raum gesetzt haben, um sich das anzutun
  • und natürlich unserem Gast: Timo Schultz!

Ein ab sofort häufiger auftretendes Danke gilt es auch an die Kehrwieder Kreativbrauerei zu senden. Die unterstützen uns ab sofort mit Gratis-Getränken, so auch gestern mit einer extra großen Lieferung für den Saal.
Durch den Verkauf dieser gesponserten Biere konnten wir die Kosten, die am Sonntag vor Ort für die Getränkeversorgung der eingekesselten Fans in Magdeburg entstanden, bereits gestern Abend wieder reinholen. Mehr zu den Hintergründen in der Sendung von Justus sowie in dieser Stellungnahme des Fanladen.

Und jetzt viel Spaß!

(c) Taina

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MP3http://blog.uebersteiger.de/feed/mp3/
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(Bei iTunes freuen wir uns auch sehr über Eure Bewertung.)

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Links & Termine:

On Air:

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