Lampedusa: Flüchtlinge aus Libyen in Hamburg

Zugegeben, es gibt für dieses Thema kompetentere Seiten als uns, die in den letzten Wochen schon unglaublich viel tolles für die Gruppe geleistet haben und es weiterhin tun, exemplarisch seien hier der OSTBLOCK, der MagischeFC-Blog und die Facebook-Seite des Zeckensalon genannt.
(Und wer von dem ganzen Thema noch nichts mitbekommen hat, diese ganzen Fan-Seiten aber irgendwie obskur findet, dem sei mal ein zur Einführung ins Thema sehr guter Artikel in der Süddeutschen empfohlen.)

Heute morgen allerdings kam mir dann endgültig der Kaffee wieder hoch, als (ich gestehe, ich lese es sonst regelmäßig und auch mangels Alternative meist gerne) das Abendblatt, in der für andere Blätter des Verlags sehr typischen Manier, den bisherigen recht sachlichen Berichterstattungspfad verließ. Bisher fand ich die Artikel dort unaufgeregt und sachlich Fakten schildernd, ohne zu werten. Lediglich die Leserbriefe zu dem Thema musste man meiden.
Heute aber kam dann doch das Verlagshaus durch und man konnte dort (wenn auch im Artikel dann abgeschwächt und relativierend) in der Überschrift den gleichen Eindruck bekommen, den die BILD auf den Passanten-Stoppern heute in der ganzen Stadt zu vermitteln versucht: Endlich ist einer dieser Wilden durchgedreht, stoppt diese Kriminellen! Sie essen sonst bald unsere Kinder und verbrennen danach ihre Stofftiere, oder umgekehrt!

Im Artikel selber wird dann recht schnell klar, dass es sich eben nicht um einen der Flüchtlinge handelt, u.a. weil er schon vor einem Jahr bei der Hamburger Polizei auffiel, als die Lampedusa-Flüchtlinge ja noch gar nicht in Hamburg waren.
Gut, interessiert die BILD eh nicht, geschenkt. Vom Abendblatt hätte ich nach der richtigen Darstellung im Artikel dann auch eine etwas weniger reisserische Überschrift erwartet. Schade, sehr. (Und da es sich eh hinter einer Paywall versteckt spare ich mir hier auch den Link.)

Was uns zum Anlass dieses Artikels führt: Zum Einen die Richtigstellung der heutigen Berichterstattung.
Und zum Anderen die Ankündigung eines Solikonzerts am Donnerstag im Hafenklang:

Lampedusa Soli-Konzert im Hafenklang

// Frodo

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Ene mene miste, es rappelt in der Kiste

FC Kilia Kiel : FC St. Pauli 0:4 (0:0)
Tore:
0:1 Boll (54.), 0:2 Kurt (56.), 0:3 Buchtmann (88.), 0:4 Gregoritsch (89.)
Aufstellung: 1. Halbzeit: Pliquett – Nehrig, Ziereis, Kalla, Schachten – Kurt, Kringe, Thy, Maier, Rzatkowski – Nöthe
2. Halbzeit: Pliquett – Schindler, Gonther, Thorandt, Halstenberg – Boll, Kurt, Bartels, Daube, Buchtmann – Gregoritsch

Vorbereitungsspiele sind langweilig. Es fehlt ihnen der Wettkampfcharakter. Wie der Name „Testspiel“ eben sagt, wird einiges ausprobiert und die neuen Spieler sollen sich an einander gewöhnen. Warum ich mir dennoch vor jeder Saison ein bis zwei dieser Muster ohne Wert anschaue hat zweierlei Gründe. Zum ersten gilt es als Fußball-Junkie irgendwie die Sommerpause zu überbrücken. Zum zweiten bin ich jedes Jahr aufs Neue gespannt, einen ersten Eindruck der Neuzugänge zu erhaschen.

Gerade in diesem Jahr wecken unsere Neuzugänge eine lange nicht mehr dagewesene Euphorie. Schließlich schnüren mit Nehrig, Nöthe, Rzatkowski und Verhoek gestandene Profis für uns ihre Buffer. Dazu gesellen sich mit Halstenberg, Maier, Gregoritsch, Ziereis und Kurt einige hoffnungsvolle Talente.

Somit erforderte es keine große Überredungskunst meines Kumpels Björn, mich vom Besuch des ersten Auftritts unseres magischen FCs vor der Tür meiner mittlerweile nicht mehr ganz so neuen Heimat zu überzeugen.

Gestern Abend ging es also gegen den aktuellen Kreisligisten FC Kilia Kiel. Der Traditionsverein aus der Landeshauptstadt strebt mit kräftiger Unterstützung einer neu gegründeten Investorengruppe und einem Kooperationsvertrag mit den Footballern der Baltic Hurricanes zurück zu altem Glanze. Denn mittlerweile haben Vereine wie der TSV Kronshagen oder die TSG Concordia Schönkirchen aus den Randbezirken oder den umliegenden Dörfern dem ehrwürdigen Klub den Rang abgelaufen.

Auf dem Weg zurück zur Nummer 2 in Kiel soll auch ein rundumerneuertes Stadion helfen, das ca. 5.000 Zuschauern Platz bietet. Ob dieses Argument dann aber einen Eintrittspreis von 22,- (!) € für einen Sitzplatz rechtfertigt, scheint auch den Veranstaltern Zweifel bereitet zu haben. Somit wurden die Preise kurzerhand gesenkt und für im Vorverkauf erworbene Tickets gab es an der Abendkasse die Differenz zurück. Trotzdem fand ich auch die 16,- € für einen Sitz- beziehungsweise 11,- € für einen Stehplatz noch recht happig. Zumal die „neue“ Kampfbahn dann auch für die erste Ernüchterung des Abends sorgte. Denn neben der alten, denkmalgeschützten Tribüne, einem hässlichen Quader, der über keine besonders ästhetischen Applikationen verfügt, standen dort drei relativ lieblos drapierte Stahlrohrtribünen – ähnlich dem Provisorium, das fast zwei Dekaden unsere Gegengerade schmückte.

Die erste Darbietung auf dem Rasen boten dann die Cheerleader der Baltic Hurricanes, die dann noch einen weiteren Auftritt in der Halbzeitpause haben sollten. Unabhängig von jeglicher moralischer Diskussion, ob es sein muss, dass Frauen mit einer sportlichen Darbietung den eigentlichen Männerwettkampf einrahmen, geht mir dieses Puschelgeschwenke zu amerikanischer Jinglemusik einfach auf den Sack.

Aber dann rollte endlich der Ball. Und damit erlebte ich die zweite Ernüchterung. Unsere Halbgötter in Braun-Weiß schienen sich einen Wettstreit zu liefern, wer den spektakulärsten Fehlpass spielen konnte oder den ansehnlichsten Schienbeinroller hinbekommt. Einzig Schachten und Kringe konnte man so etwas wie Normalform attestieren. Exemplarisch sei eine Szene aus der zweiten Spielminute geschildert, als Schnecke Kalla völlig unbedrängt einen Ball auf die Tribüne zimmerte. Junge, das Ding ist wie oben erwähnt denkmalgeschützt! Nun will ich nicht zu streng sein, schließlich hatten die Jungs vorher erst zwei- oder dreimal miteinander trainiert, aber gewisse Grundfertigkeiten erwarte ich auch in dieser Situation von einem Profi. Zur Verdeutlichung ziehe ich mal einen hinkenden Vergleich heran. Man stelle sich einen Maurer vor, der sich schützend vor seinen Kollegen stellt, weil dieser nicht in der Lage ist, den Mörtel auf der Kelle zu halten: „Gib dem man noch `n büschen Zeit, der war gerade drei Wochen im Urlaub“. Alles klar? Folgerichtig kamen wir in der ersten Hälfte nicht über einen mageren Lattentreffer hinaus und gingen mit einem enttäuschenden 0:0 in die Pause.

Sebastian Schachten vor der Dorfidylle

Sebastian Schachten vor der Dorfidylle

In der Halbzeit wurde kräftig durchgewechselt und so standen zum Anpfiff der zweiten 45 Minuten neun neue Akteure auf dem Rasen. Besser wurde es indes nicht. Wieder waren es mit Boll und Buchtmann zwei „Alte“, die wenigstens ein bisschen was auf die Reihe bekamen. Da mittlerweile auch die Gastgeber eifrig getauscht hatten und nicht mehr mit der besten Mannschaft auf dem Feld standen, fiel nach dem ersten ansehnlichen Angriff in der 54. Minute tatsächlich das 0:1 durch Boller. Zwei Minuten später erhöhte der junge, bis dahin aber eher glücklos agierende Kurt durch eine Einzelaktion auf 0:2. Danach dauerte es fast bis zum Abpfiff, ehe Buchti, wie er liebevoll von Schindi gerufen wird, und Gregoritsch den 0:4 Endstand herstellten. Begleitet wurden alle Tore von kleinen Jingles, deren schönster zum 0:3 eingespielt wurde: „Ene meine miste, es rappelt in der Kiste.“

Es ist schon erstaunlich, wie der Fußball es schafft binnen anderthalb Stunden meine Euphorie in Ernüchterung zu wandeln. Gut, es war nur das erste Testspiel und die Realität wird irgendwo zwischen diesen 90 Minuten liegen. Dennoch bedarf es bis Mittwoch einer erheblichen Leistungssteigerung, um einer handfesten Blamage zu entkommen. Denn dann wartet mit dem Husumer SV gar ein Verbandsligist.  // Troll

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Noch fünf oder sechs Siege bis Reykjavik

Ihr erinnert Euch (oder auch nicht):
Burghausen, Bochum, Bremen, Berlin (Hertha) und schließlich die Bayern. Die berühmte Bokal-Saison 2005/2006, die uns rückblickend nicht nur die Existenz gesichert hat, sondern eben auch die Grundlage für spätere sportlich Erfolge und einen inzwischen zu 3/4 abgeschlossenen Stadionneubau mit (das sollte man sich immer wieder klar machen) in die Gegengerade integrierten Fanräumen war.

Wacker Burghausen in Runde 1, bei dem Sebastian Wojcik und Dennis Torniporth ein 2:0 herausschossen, welches der Zweitligist in der 79. und 81.Minute ausglich, ehe Felix Luz in der Verlängerung das 3:2 einköpfte.
Dann der VfL Bochum, zu jenem Zeitpunkt der Saison überragende Übermannschaft in Liga 2, die durch Tore von Michel Manzingu-Dinzey (der auch noch einen Elfer nebens Tor schoss), Luz, Florian Lechner und Khvicha Shubitidze(!) mit 4:0 aus dem Stadion gefegt wurde.
Dann dieses Hammerspiel gegen Hertha BSC, bei dem Pantelic und Gilberto den Bundesligisten sicher mit 2:0 in Führung brachten, ehe Mazingu-Dinzey kurz vor der Pause und Luz kurz vor Schluß die Verlängerung erzwangen, in der nach einem Freistoß von Marcelinho dann wieder alles vorbei schien… und dann kam Florian Lechner, mit einem der emotionalsten Treffer die ich am Millerntor erleben durfte, und der absolute Wahnsinn dann nach Robert Palikucas Kopfball zum 4:3!
Schließlich das Schneespiel gegen Werder, wo sich Miroslav Klose an der Hand der Schulter verletzte, was Klaus Allofs dazu brachte, dem FC St.Pauli schon mal vorab die Schuld dafür zu geben, wenn Deutschland nicht Weltmeister werden würde. Die Tore von (erneut) Mazingu-Dinzey, Fabian Boll (per Seitfallzieher) und (so oft traf der ja nun auch nicht) Timo Schultz zum 3:1-Sieg, bei dem Achim Hollerieth auch noch zwölf Minuten vor Schluß einen Elfmeter von Borowski hielt.
Naja, und dann das Halbfinale gegen Bayern, bei dem man bis kurz vor Schluß Chance um Chance zum Ausgleich vergab, um dann doch noch 0:3 zu verlieren.

Ganz ehrlich: Irgend sowas will ich wieder haben, wenn auch vielleicht nicht unbedingt ganz so dramatisch.

Ich war in der Jugend bekanntlich noch mit dem SV Werder verbunden und konnte daher schon mehrfach einem Pokalfinale beiwohnen. Mal abgesehen davon, dass es der bekanntlich kürzeste Weg nach Europa ist, ist so ein Spiel mit einer braun-weißen Kurve in Berlin einfach nur ein ganz großer Traum von mir und schon seit Ewigkeiten jedes Jahr wieder mein persönliches (unerreichtes) Saisonziel.

Dieses Jahr also ein neuer Anlauf, der morgen um 18.00h in der Sportschau mit der Auslosung der ersten Runde beginnt. Spötter werden zurecht behaupten, dass es in der Regel für den FC St.Pauli nicht die erste Runde ist, sondern morgen für uns bereits der gesamte Wettbewerb ausgelost wird. Nicht umsonst gilt der DFB-Pokal bei vielen St.Paulianern als der Wettbewerb, der nur von Juni (Auslosung) bis August (1.Runde) geht.
So nah wie damals waren wir nie wieder dran, was selten an der sportlichen Übermacht des Gegners lag. Ja, letztes Jahr gab es mit dem Auswärtsspiel beim VfB Stuttgart in Runde 2 ein Spiel, was man verlieren darf, aber sonst? Chemnitz, Werder II, Trier, Aue (als damaliger Drittligist), Darmstadt 98 und vieles mehr.

Doch, dieses Jahr wird alles anders! Ich schwör! Ich sehe deutlich vor mir, wie Lennart Thy mit seinem unnachahmlichen Laufstil im Halbfinale am Millerntor in der Nachspielzeit in den gegnerischen Strafraum eindringt, von Westermann gewohnt unglücklich zu Fall gebracht wird… der Schiri aber gibt keinen Elfer, sondern nur Ecke, und Tschauner nickt lässig in der 94.Minute zum 1:1 ein.

Danach noch zu acht die Verlängerung überstehen und van der Vaart dabei zusehen, wie er den entscheidenden Elfmeter in den Hamburger Abendhimmel jagt.

Dank des tags zuvor erfolgten Finaleinzugs des neuen Deutschen Meisters aus Mönchengladbach, durch einen Hattrick von Max Kruse, ist damit auch die erste Europapokalqualifikation der Vereinsgeschichte gesichert. Der Bus- und Fährfahrt nach Reykjavik steht nur noch die erneute Auslosung im Wege, doch das ist eine andere Geschichte.

Hier also die Liste derer, die uns bei Kapitel eins dieses Abenteuers als “Opfer” zur Verfügung stehen:

- Erzgebirge Aue/MSV Duisburg (“Mischkugel“)
- SV Sandhausen
- SSV Jahn Regensburg
- Karlsruher SC
- Arminia Bielefeld
- VfL Osnabrück
- SC Preußen Münster
- BFC Dynamo
- FC Nöttingen (Baden)
-TSV 1860 Rosenheim
- FV Illertissen (Bayern)
- Optik Rathenow (Brandenburg)
- SG Aumund-Vegesack (Bremen)
- SC Victoria
- SV Darmstadt 98
- TSG Neustrelitz
- Fortuna Köln
- Sportfreunde Baumberg (Niederrhein)
- SV Wilhelmshaven
- BSV Schwarz-Weiß Rehden
- Eintracht Trier
- 1. FC Saarbrücken
- RB Leipzig
- 1. FC Magdeburg
- VfR Neumünster
- Bahlinger SC (Südbaden)
- TSG Pfeddersheim (Südwest)
- SV Schott Jena
- SV Lippstadt 08 (Westfalen)
- SC Wiedenbrück (Westfalen)
- 1. FC Heidenheim
- Neckarsulmer Sport-Union (Württemberg).

Aus ganz einfachen und subjektiven Gründen würde ich mich über das Los der SG Aumund-Vegesack freuen, man muss sich danach ja langsam steigern. Klar ist aber auch: Die aktuellen Zweitligisten (Aue/Duisburg, als Mischkugel, s.o.) sowie die Ab- und Aufsteiger (Sandhausen (evtl. ja auch kein Absteiger, trotzdem in dem Topf), Regensburg, KSC, Bielefeld) sowie die Drittligisten (insbesondere Münster, Osnabrück, Heidenheim) sind sicher die sportlich schwierigen Aufgaben.
Klar ist aber auch: Wer nach Europa will, muss eh jeden schlagen!
Also, pack ma’s! (Kann ja nichts schlechtes sein, sich beim FC Bayern schon mal das Motto zu leihen.) // Frodo

P.S. Nachtrag 15.06., 19.10h: Preußen Münster also, nun denn!

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Cardiff City Fans bitten um Unterstützung

Ein paar Worte vorweg, bevor wir zum eigentlichen Thema kommen:
Es ist Sommerpause. Für einen reinen Fußballblog also sicher die beste Zeit im Jahr, um auch mal kreative Schaffenspause zu machen. Nun ist allerdings dieser Blog der eines FC St.Pauli – Fanzines, und da geht es bekanntlich nur “auch” um Fußball, nicht ausschließlich. Und beim FC St.Pauli geht es eben auch immer um Politik, so wie heute. Zur “wirklichen” Politik gibt es aktuell aus Frankfurt viel lesenwertes und aus der Türkei (u.a.) viele furchtbare und Hoffnung machende Bilder. Noch näher dran ist allerdings ein Vorfall in Hamburg, zu dem der Magische FC einen Text verfasst hat: “Hamburg – das Tor zur Welt, nicht die Festung Europas“, in dem es um die Situation der afrikanischen Flüchtlinge geht, die derzeit von der Politik der EU (zynischerweise ja bekanntlich Friedensnobelpreisträger) im Stich gelassen werden.

Alle Links befassen sich mit Politik und/oder politischen Themen. Dies wird bekanntlich gerne als Anlass genommen, zu betonen, dass es doch bitte nichts mit dem Fußball zu tun habe.
Wer dies immer noch ernsthaft glaubt, kann das gerne weiterhin tun, muss sich aber eben auch nicht wundern, wenn er in Gesprächen nicht ernst genommen wird.
Macht Euch Gedanken, bringt Euch ein, helft wo Ihr könnt. Als Menschen, nicht als Fußballfans. Wenn aber der Fußball als Themenkomplex Fans (und damit Menschen) zur Hilfe bringen kann, so ist dies nur zu begrüßen.
Nun aber zum eigentlichen Thema dieses Beitrags, der dann tatsächlich was mit Fußball (und Politik) zu tun hat. // Frodo

 

„We’re Cardiff City – we’ll always be BLUE“

Gastartikel von Hofmeister

Dass Fans etwas bewegen können ist uns, denke ich, schon öfters klar geworden. Mit Unterschriftsaktionen und Protesten haben Fußball-Fans immer wieder zu Änderungen beigetragen, die positiv und nachhaltig zu Gunsten der Fans bzw. ihrer Vereine waren.
Sorry, dass dieser Text etwas lang geworden ist, aber um die Hintergründe zu verstehen, musste ich etwas weiter ausholen.
Einige haben es vielleicht mitbekommen, CARDIFF CITY FC wurde vor einem Jahr vom malaysischen Clubbesitzer Vincent Tan umgekrempelt und “re-branded”. Aus den traditionellen Vereinsfarben Blau und Weiß wurde Rot (mit Schwarz), und aus dem einst stolzen “Bluebird” als Wappentier wurde ein Drache.

Gründe hierfür sind folgende: Rot bedeutet in Asien die Farbe des Glücks und Zufriedenheit und ein Drache ist das stärkste Symbol, welches andere Tiere beherrscht…
Ich kommentiere jetzt mal nicht, was ich von diesem Aberglauben halte…

Außerdem, so Vincent Tan, könne er den Club in Asien so besser vermarkten und zu einem Global Player machen, er hat seit dieser Woche auch Pläne vorgestellt den Verein an die Börse in Malaysia zu bringen.
Jetzt werden viele von Euch fragen: warum habt ihr Cardiff Fans nicht gleich dagegen protestiert und seid dem Bekloppten aufs Dach gestiegen?
Klar, damit habt Ihr recht, ich persönlich wäre dem Menschen am liebsten auch an die Gurgel gegangen, wenn ich ihn mal getroffen hätte. Es regte sich auch Widerstand in der Fanszene, jedoch nicht anhaltend genug um einen breiten Protest zu organisieren.

Dies hatte folgenden Grund: der Club wurde schon über Jahre fast hoffnungslos überschuldet, Vorgänger von Tan haben immer wieder investiert um den Verein attraktiv zu machen, damit man in die Premier League aufsteigt, um dort die Schulden abzutragen.
Vor 2 Jahren war der absolute Tiefpunkt erreicht; der Verein drohte komplett pleite zu gehen, hatte mehrere Millionen Steuerschulden und der gesamte Schuldenbetrag bezifferte sich auf über 90 Mio. Pfund. Ein Gerichtsbeschluss war vorhanden, den Verein komplett aufzulösen und alles zu verpfänden was der Verein hatte.

In diesem Moment kamen Vincent Tan und der mittlerweile zurückgetretene Tee Ghee mit an Bord, bezahlten die kurzfristigen Verbindlichkeiten, tilgten die Steuerschuld und übernahmen den Club. Also die Rettung…
Aus sportlicher Sicht lief es auch hervorragend, neue Spieler kamen, mit ex-Celtic Spieler Malky Mackay ein Trainer/Manager der es schaffte einen attraktiven, modernen und auch erfolgreichen Fußball spielen zu lassen, mit dem sich die Fans von Cardiff auch zu 100% identifizieren konnten.
Man zog ins Ligapokalfinale ein, unterlag dort dem Premier-League Giganten Liverpool erst nach Elfmeterschiessen. Der Aufstieg wurde wieder einmal knapp verpasst, das 4.Mal in Folge…

Genau hier kam Tan’s „Re-Branding“, er wolle den Verein neu vermarkten und attraktiv für den Asiatischen Markt machen. Deshalb der Quatsch mit Rot als Farbe und dem Drachen als Wappen. Im Zuge des „Re-Branding“ kämen ein neues Trainingszentrum hinzu, 100 Mio. Pfund und die komplette Schuldentilgung.
Nachdem es zunächst massive Unmutsbekenntnisse seitens der Fanszene gab, die klar ihre Ablehnung gegenüber des „Re-Branding“ bekundeten, zog Vincent Tan seine Pläne zurück und verkündete, dass er dies akzeptiere aber sein Investment in den Verein zunächst kürzen werde, um sich anschließen komplett zurückzuziehen.
Mit anderen Worten: wir waren ihm ausgeliefert!

Vor diesem Horror-Szenario, den Verein komplett zu verlieren, entstand ein heftiger Meinungs-Krieg innerhalb der zuvor geeinten Fanszene in Cardiff, welcher zur Splittung der gesamten Szene führte; die Einen wollten lieber die Farben behalten und riskieren ganz nach unten durchgereicht zu werden, die Anderen setzten auf die Karte Tan zu behalten um den sportlichen Erfolg zu haben, den Verein zu entschulden und dann, so hofften viele, einen anderen Käufer für den Club zu finden, der dann die traditionellen Farben wieder herstellt.

Die zweite Fraktion hatte Oberwasser, Tan zog seinen „Re-Brand“ durch, etliche alte Fans (u.A. auch ich selber) sind seither im Exil und boykottieren unseren eigenen Verein. Wir hatten zunächst Hoffnung, dass die Vereinsführung an den Zahlen merken würde, wenn etliche Fans nicht mehr ins Stadion gehen. Aber durch den unglaublichen sportlichen Erfolg dieser Saison, fanden immer mehr neue Fans den Weg ins Cardiff City Stadium, so dass dies nicht weiter auffiel.
Tan selber war es allerdings ein Dorn im Auge, dass die Mehrheit der Fans immer noch in Blau ins Stadion kam, es gab dann beim einem Heimspiel z. B. kostenlose rote Schals für die Fans, gepaart mit der Aktion, wer einen solchen Schal trägt und damit vom Clubfotografen fotografiert wird, bekommt eine Dauerkarte geschenkt.

Viele nahmen den Schal an, viele auch nicht, etliche dieser roten Schals landeten auf dem Spielfeld oder in den Latrinen…
Die „neuen roten Fans“ verstehen indes überhaupt nicht, dass es Traditionalisten gibt, die eine Rückkehr zu Blau und zum alten Wappen als essenziell betrachten, und dies weit vor den sportlichen Erfolg stellen. „Ist doch nur ne Farbe und ein Wappen, das ist doch egal“ bekamen wir zu hören.

Nun für mich sind das die Identität des Clubs, unsere Farben, unser Wappen. Damit identifiziere ich mich…
Man stelle sich vor Schalke in Rot mit einem Hengst als Wappen, oder Dortmund in Grün mit nem Hamster… Der FC Bayern in Weiß und Gelb, Offenbach in Blau und Schwarz oder St.Pauli in Gelb mit Rot…
So etwas ist ein No-Go für mich und für viele Andere auch, so etwas wünscht man nicht einmal seinem ärgsten Lokalrivalen.
Letzten Monat wurde endlich der seit Jahren ersehnte Aufstieg in die Premier-League klargemacht, als Meister zieht man ins Oberhaus ein und spielt jetzt gegen die ganz Großen: Chelsea, ManUtd, Liverpool, Arsenal, ManCity usw.

Tan hat es aber trotz des Erfolgs nicht geschafft die Fanszene hinter sich zu bringen, im Gegenteil: seit Wochen und Monaten schallt besonders der Schlachtruf der Blauen durchs Stadion, welches jetzt zum Motto der Opposition geworden ist: „We’re Cardiff City – we’ll always be BLUE
Dieser Ruf hallte auch durch den Saal, als Vincent Tan bei einem Gala-Dinner zur Mannschaft und einigen auserwählten Anhängern und Sponsoren des Clubs sprach, er war nicht sehr begeistert…

Der Verein ist JETZT in einer sehr guten Position: in einer der besten Ligen Europas, garantierte Fernsehgelder, selbst bei einem Abstieg gibt es ein Trostpflaster von mehreren Millionen Pfund.
Und JETZT ist auch die Zeit zum großen Protest gekommen, denn diese Woche hat Vincent Tan ein klassisches Eigentor geschossen: die neue Spielkleidung wurde vorgestellt, nicht nur dass jetzt alles Rot ist, es ist auch unsagbar hässlich. Gepaart mit lächerlichen, zu Kalauern anmutenden Floskeln wie „dieses Rot steht für die Emotionen und Loyalität der Fans“ oder mit einem lächerlichen, zur Einheit der Fans aufrufenden Motto.

Resultat ist, dass jetzt sogar die zuvor Rot als temporären Zustand akzeptierenden Fans aus ihren Löchern kommen, und mobil gemacht haben. Die Protestgruppe von „BLUEBIRDS UNITE“ hat Zulauf wie nie zuvor, und selbst alte Fans, die Tan noch vor Wochen als Heilsbringer gepriesen haben, laufen Sturm gegen Rot und sein Wappen.
Einen ersten Mini-Erfolg gab es schon, der Verein hat in einer Umfrage an die Dauerkarteninhaber gestartet, welche Farbe denn die Hosen der Spieler haben sollen. Allerdings wurden nur Rot, Weiß oder Schwarz als Optionen gegeben, Blau war Außen vor.

Dies ist jetzt zu einer Protestwelle gegen den kompletten „Re-Brand“ ausgeartet, wütende Mails erreichten Verein, „warum kein Blau?“ oder „warum wurden wir nie gefragt ob WIR Rot überhaupt wollen?

Ex-Cardiff City Stürmer und Nationalspieler Nathan Blake hat jetzt auch öffentlich Stellung bezogen und in seiner Zeitungskolumne im “South Wales Echo” das Problem angesprochen, welches ja von Seiten des Clubs ignoriert bzw dementiert wird.

Seit dem Wochenende gibt es eine Online Petition, nach 24 Stunden hatte sie bereits über 1.000 Einträge, inzwischen über 4.000. Und das ohne dass es großartig national oder gar international Publik gemacht wurde.

http://www.gopetition.com/petitions/blu … ntity.html

Und das ist der Grund, warum ich diesen Epos geschrieben habe, macht bitte mit.
Sicherlich hätte ich es einfach machen können; „da Petition.. unterschreiben“ aber man muss die Hintergründe sehen und verstehen warum es zu jetzigen Situation gekommen ist.

Ich bitte jeden Einzelnen von Euch mitzumachen. Jede Stimme zählt, es nimmt ca. 40 Sekunden Zeit in Anspruch.
Verbreitet meinen Text in anderen Foren oder sozialen Netzwerken, die Fans von Cardiff City kämpfen um ihre Identität, ihre Tradition und Herkunft. Unterstützt sie dabei, auch wer mit Inselfussball oder dem Verein selber nichts am Hut hat.
Vor Jahren habe ich etwas Ähnliches für Wrexham in Gang gesetzt, die Resonanz war überwältigend und der Verein wurde gerettet.

Vereinte FANPOWER von Anhängern sämtlicher Vereine wird benötigt, um einem rein Profit- und Marketingorientierten Vereinsbesitzer zu zeigen, dass ein Fußballverein mehr ist wie eine Marke, ein Produkt! Und dass wir Fans nicht einfach nur Kunden sind, sondern dass unsere Herzen an unseren Vereinen hängen, dass sie ein Teil unseres Lebens sind, dass man nicht einfach wegnehmen oder beliebig verändern kann.

Ich und alle anderen Bluebirds danken Euch von ganzen Herzen. // Gastartikel von Hofmeister

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Felgenralle: Biber in Wembley!

Gastartikel von Ralph Gunesch

Karten/Anreisevorbereitung:
Eigentlich waren die ersten Tage meiner Sommerpause ganz anders geplant, es sollten ein paar Tage Strand und Sonne werden, aber just nachdem sowohl der FC Bayern wie auch Borussia Dortmund das Finale erreichten, hatte ich irgendwie das ganz dringende Bedürfnis live vor Ort zu sein. Letztes Jahr war es mir verwehrt geblieben, das Spiel live zu sehen – Kartenpreise weit jenseits der 1000€ hatten mich davon abgehalten.  Da die Flugpreise nach London (ein Anreiseproblem hatte die Münchener Seite ja nicht letztes Jahr) dieses Jahr aber auch drastisch anzogen war die Nachfrage nicht so extrem hoch, so dass ich tatsächlich drei Karten zum Normalpreis bekam (An dieser Stelle ein ganz großes DANKE an die beiden Herren, die mir das ermöglichten)

Nun war die Frage: Wie kommen wir nach London? Auch ab HH lagen die Flugpreise bei ca. 750€ p.P. und aufwärts. Also erinnerte ich mich an meine Geographie-Skills und schaute was man denn noch so anfliegen könnte (Geographie-Skills bedeutet in dem Zusammenhang, mit google Maps umgehen zu können was so rund um London ist).

Als sinnvollste Alternative bot sich Birmingham an,  180km nördlich Londons mit guten Flugzeiten/-preisen. Noch schnell einen günstigen Mietwagen gebucht und die Reise war vorbereitet.

Anreise:
Sehr früh morgens (6:00Uhr) ging es zu zweit von Hamburg nach Düsseldorf, wo wir meinen Vater einsammelten und dann zu dritt weiterflogen nach Birmingham. Ab Hamburg saßen bereits einige im Flieger, die man wenig später auch in der Maschine nach Birmingham sah bzw. auch an den diversen Schaltern der Autovermietungen in Birmingham traf. Ab Frankfurt (8:00Uhr) waren es dann, an Trikots und Schals zu erkennen,  wesentlich mehr die die gleiche Maschine nutzten um zum Spiel zu kommen. Landung in Birmingham war um 8:15 bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 16 Grad. Schnell den kleinen Koffer eingesammelt und dann Mietwagen abholen. 

Über “die haben das Lenkrad falsch eingebaut” wurden ja schon genug Witze gemacht, trotzdem kann ich euch sagen, dass es komisch ist wenn man erste Mal auf der rechten Seite sitzt und auf der linken Seite fährt. Denn für mich war es das erste Mal als Fahrer in England. Ganz zu schweigen von “links rum im Kreisverkehr”. Für einige wären englische Autobahnen aber allerdings genau das Richtige: Hier darf/muss/soll man links fahren.

Nachdem wir noch eben im Hotel direkt am Flughafen in Birmingham eincheckten ging es los Richtung London. Die ersten Kilometer fühlten sich für mich wie Fahrschule an. Ich sprach mit mir selber, sagte mir “Jetzt auf die linke Seite einbiegen/links in den Kreisverkehr“ usw. Jeder Schritt wurde von mir kommentiert und laut angekündigt und meine Freundin und mein Vater fingen an, das ganze sehr witzig zu finden. Aber ich schaffte die Kreisverkehre und Kreuzungen ohne andere anzufahren oder den Verkehr zu gefährden so dass wir dann auf unserer “Road to Wembley” (die M1) Richtung London fuhren.

Dank “Yorkshire St.Pauli” wusste ich, dass die bestmögliche Variante aus dem Norden kommend die Anfahrt nach Stanmore im Norden Londons ist, wo direkt neben der U-Bahn-Station ein großer, öffentlicher Parkplatz ist und das Stadion nur drei Stationen entfernt liegt. Da wird aber schon um 12:30 in Stanmore ankamen, blieb noch genug Zeit um nach London reinzufahren und ein bisschen das Treiben zu beobachten. Die Tube führte uns direkt zum Piccadilly Circus. Direkt beim Aussteigen wurde es sehr laut, Massen an gelb-schwarz bekleideten sammelten sich am Piccadilly und stimmten sich mit Gesängen auf das Spiel ein, dass noch gut sechs Stunden entfernt war.  

Also ging es erst mal zu meinem Lieblingsdiner, wo es den besten Burger der Stadt gibt – immer ein Pflichtbesuch wenn ich in London bin.  Da man schon die Tage vorher bei Twitter raus lesen konnte, wer denn so alles in London sein wird ließen Rafanelli und ich es uns nicht nehmen, uns endlich mal live kennen zu lernen was sich aber als etwas schwierig gestaltete. Auf den Tweet “bin in 15 min da” folgten 15 + 15 + 15 Minuten Wartezeit am vereinbarten Treffpunkt. Nach gut 45 Minuten, einem Telefonat, der Feststellung dass es mindestens 3 “Café Italia” am Leicester Square gibt und whatsapp inkl. Standort schicken gelang es uns, das Treffen zu realisieren. Vielen Dank an dieser Stelle, war cool dich live kennen zu lernen und ein bisschen über Fussi und das Spiel zu quatschen (p.s.: Neymar wechselt sofort nach Barcelona, nicht erst 2014 :D ). Natürlich durfte ein kleines gemeinsames Foto nicht fehlen (pics or it didn’t happen) und dann musste der  gute Mann zum Essen.

Zwei Fanboys: @felgenralle und @rafanelli

Zwei Fanboys: @felgenralle und @rafanelli

Für meinen Vater war es das erste Mal London und es blieb glücklicherweise noch ein bisschen Zeit, also wollten wir die Queen besuchen. Sie war zu Hause, reagierte aber nicht auf SMS und es machte auch keiner das Tor auf so dass wir, wie alle anderen auch, draußen bleiben mussten und uns den Buckingham Palace und die beiden Wächter aus der Ferne anschauten. An dieser Stelle kommt dieser Job auf die Liste “nichts für mich” – mag ja eine große Ehre sein, da stehen zu dürfen, aber so wirklich begeistern kann ich mich dafür nicht.

Mit ein wenig spazieren noch die Zeit totgeschlagen und dann ab zum Stadion. Die Bahn war erwartungsgemäß drei Stunden vor dem Spiel schon voll Richtung Stadion. Gelb-schwarz und rot hielt sich die Waage und generell (zumindest das, was ich in der Stadt beobachten konnte) blieb es relativ ruhig. Neben den SKBs war auch Polizei aus NRW in Uniform präsent in der Stadt. Aber sowas wie Fantrennung etc. gab es weder in der Stadt, noch vor dem Stadion. Selbst am Piccadilly Circus konnte man sich im roten Trikot ohne Probleme durch die gelb-schwarzen Massen bewegen. Erst bei den Einlasstoren ging es für gelb-schwarz nach links und rot nach rechts. Ich hörte im Nachgang dass es wohl einmal zwischen ein paar Hools und der Polizei geknallt habe, aber in der Stadt selber und auch vor dem Stadion war in keinster Weise eine aggressive Stimmung zu spüren.

Das Stadion:
Von der U-Bahn-Station wurde man bis zum Stadion von den üblichen UEFA-bla-blubb Verkaufsständen begleitet und für uns ging es dann rechts rum Richtung unseres Eingangs. Von draußen ein beeindruckendes Stadion mit interessanter Architektur und einer langen Geschichte, auf die ich hier nicht näher eingehen muss. Aus irgendeinem Grunde fing es bei mir an zu kribbeln.

Auf dem Weg zum Spiel: Das Wembley-Stadion unter blauem Himmel

Auf dem Weg zum Spiel: Das Wembley-Stadion unter blauem Himmel

Ich schreibe das hier absolut als Fußballfan, nicht als Spieler – und muss eins gestehen: als ich durch das Tor ging und durch den Zugang in meinen Block (128) kam und mich umschaute bekam ich Gänsehaut wie noch nie beim Betreten eines Stadion als Zuschauer (als Spieler sind andere/mehrere Dinge verantwortlich für eine Gänsehaut).  Ich fühlte mich wie ein 6jähriger in der Schokoladenfabrik, es fühlte sich einfach gut und richtig an. Und ja, es gibt Stadien in denen ich mich als Zuschauer nie wohl gefühlt habe…

Wir können drüber diskutieren ob vielleicht ein paar Stehplätze dem Stadion gut tun würden (ja würden sie!) aber wir sind nun mal in England, da gibt es sowas nicht. Wobei bis auf die Haupttribühne die meisten sowieso standen. Meine vorherigen Besuche bei Premier League-Spielen zeigten dass die Ordner immer drauf bedacht waren alle schnellstmöglich zum Sitzen zu bewegen, an diesem Abend durfte man aber auch die ganze Zeit stehen.
Alles in allem ist das Stadion wie der beste Sonntagsanzug, den man zu Hause hat und nur zu ganz besonderen Anlässen anzieht – da reicht nicht mal Omas 80. Geburtstag, da muss der Geburtstag auf das Hochzeitsdatum der Schwester fallen – und das ganze am 16.2. sein – DANN zieht man diesen Anzug an. Und es ist einfach ein Stadion für besondere (Final-) Spiele – es mag Mythos sein, es mag Einbildung sein – aber dieses Gefühl vermittelt das Stadion.

Das Spiel:
Ich möchte mich nicht allzu lange mit dem Spiel aufhalten, ich denke die allermeisten haben es im TV gesehen. Dortmund die ersten 20 Minuten richtig aktiv, mit den besseren Chancen und erst so ab der 20./25. Minute haben es die Bayern geschafft, besser ins Spiel zu finden und das Spiel weiter aus ihrer Hälfte rauszutragen. Die ersten Minuten der 2. Halbzeit gehörten wieder den Dortmundern, bevor die Bayern dann besser ins Spiel fanden und in Führung gingen. Der Ausgleich für den BVB dann aus einem berechtigten Elfmeter, so sah es zumindest aus der Ferne aus und die TV Bilder bestätigten den Eindruck dann auch, daher gab es auch kaum Unmut über den Schiedsrichter um mich rum, da es alle so gesehen haben.

Bekanntermaßen sorgte dann Arjen Robben kurz vor Schluss, nachdem er im Laufe des Spiels einige Chancen vergab, für den 2:1-Siegtreffer und für grenzenlose Freude auf Seite der Bayern-Fans – wo wir auch schon bei einem wichtigen Punkt dieses Abends sind.

Die Fans:
Auf das Verhalten in der Stadt vor dem Spiel bin ich ja am Anfang des Textes schon eingegangen, möchte mich jetzt auf die Stimmung innerhalb des Stadions beziehen:
Da ich auf der Bayern-Seite saß, ist es schwer zu beurteilen was da im Dortmunder Block los war. Selbstverständlich waren auch die Dortmunder optisch  beeindruckend vertreten, allerdings wurde es während des Spiels selten laut bzw. man hörte die Dortmunder kaum. Genau das erzählte mir aber ein Freund, der im Dortmunder Block saß über die Bayern-Fans. Insofern kann das Nicht-Hören der gegnerischen Fans auf die Lautstärke im eigenen Block und auf die Entfernung im Stadion geschoben werden.

Bayern-Kurve in Wembley

Bayern-Kurve in Wembley

Auf Seiten der Münchener füllte die Schickeria 2-3 Blöcke im Oberrang und war auch akustisch  sehr präsent. Sie forderten bzw. animierten alle Bayern-Fans immer wieder auf, mitzumachen welche dann dieses „Anstiften“ auch dankend annahmen. Ich war auch gegen  den BVB im DFB-Pokal Viertelfinale und auch gegen Wolfsburg im Pokal-Halbfinale in der Allianz Arena und da war ein ähnliches Phänomen zu beobachten: sehr aktive Schickeria und Zuschauer die sich dann doch mitreißen lassen. In den von mir besuchten BL-Spielen sah das etwas anders aus – wenn die Schickeria überhaupt anwesend war. Aber über deren Probleme und Konflikte wird genug geschrieben, das möchte ich nicht kommentieren. An diesem Abend empfand ich das akustische Auftreten der Bayern-Fans durchaus als positiv.
Bei den Dortmunder wird es sicherlich ähnlich gewesen sein bis zum 1:2, aber wie bereits erwähnt: dafür war ich 1. zu weit weg und 2. war es um mich rum zu laut. Nach dem Spiel feierten die Dortmunder Fans verdientermaßen ihre Mannschaft noch bzw. verabschiedeten sie mit einem berechtigten und verdienten Applaus – was den Spieler aber sichtlich nicht weiterhalf. In solch einem Moment gibt es keinen wirklichen Trost von irgendeiner Seite, aber man bedankte sich auch als Spieler für die Unterstützung – nicht nur in diesem Spiel.

Auf Bayern-Seite natürlich grenzenlose Freude, Gesänge und Menschen die sich immer wieder umarmten und einfach nur glücklich waren. Auf Grund eines solchen Erfolges natürlich völlig verständlich.

Kleine Anekdote zum Thema Fans: In der Halbzeit sprach mich jemand an, ob ich nicht „der bin, der auch ein paar Jahre bei St.Pauli gespielt hat“ , also kamen wir ein bisschen ins Reden (er kannte sich ganz gut aus bei St.Pauli) und am Ende sagte er mit einem Lächeln: „Irgendwie gut, dass St.Pauli wahrscheinlich nie so weit kommen wird – da würden für die gegnerischen Fans nämlich gar keine Karten übrig bleiben“.
Sehen wir es ihm nach, er kennt „Operation 2030“ nicht.

Wembley bei Nacht

Wembley bei Nacht

Abreise:
Wir blieben relativ lange nach dem Spiel im Stadion, schauten uns die Feierei der Spieler mit den Fans an und machten uns dann auf den Weg zur Tube. Nachts sieht das Stadion ebenfalls sehr beeindruckend aus. Eine kurze Wartezeit vor der U-Bahn-Station und schon saßen wir im Auto auf dem Weg zurück nach Birmingham. Mein mit mir selbst reden und mir sagen was ich zu tun hatte war dann auch nicht mehr nötig – auch wenn mir vor der Rückfahrt der Klassiker passierte: Einsteigen wollen auf der falschen Seite. Man öffnet die Tür und fragt sich wo das Lenkrad ist und in dem Moment fällt einem ein, dass es an dem Abend anders läuft. Gegen 1 Uhr erreichten wir unser Hotel in Birmingham am Flughafen. Da unser Rückflug nach HH erst um kurz vor 12 ging, hätte man ausschlafen können – wenn ich da nicht den nächsten klassischen Fehler begangen hätte: Handy nicht umgestellt, Wecker nach deutscher Zeit gestellt und sich selbst eine Stunde Zeit geklaut – aber ok, lief dann doch alles reibungslos und wir kamen gesund in HH wieder an und natürlich fanden sich auf der Maschine auch einige wieder, die beim Hinflug mit dabei waren.

Der Text ist vielleicht etwas länger geworden, aber ich hab einfach drauf  losgeschrieben was mir zu diesem (für mich persönlich unvergesslichen) Abend einfällt. Ich hoffe, ich habe Euch nicht gelangweilt mit meinem Geschreibe und ihr hattet ein bisschen Spaß beim lesen.

Ich möchte mich bei den beiden Herren bedanken, die mir mit den drei Tickets diesen Abend überhaupt erst ermöglicht haben, aber an dieser Stelle anonym bleiben. Danke auch an die beiden wichtigsten Personen in meinem Leben, dass ihr dabei wart!! Der Abend bzw. das Spiel war aus diversen Gründen für mich ein ganz besonderes Erlebnis und es schlossen sich einige Kreise für mich – so dass da für mich eine persönliche Geschichte hinter steht – die aber auch vorerst persönlich bleibt :)
Vielleicht werdet ihr bei Gelegenheit nochmal was von mir lesen, wenn man mich lässt. (Lässt sich gerne einrichten, Anm.d.Frodo)

Bis dahin // Euer Ralle

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Michael Kutzop und die Sportschau-Konferenz – Ein Kindheitstrauma

Kürzlich gab es auf Twitter (und sicher auch woanders) die ein oder andere kritische Stimme bezüglich der ARD-Sportschau, weil diese an den letzten Spieltagen zum dramaturgischen Kniff greift, die Spiele zu einer Konferenzschaltung zusammenzuschneiden. (Und nur nebenbei: Sport1 macht dies bei Hattrick für die 2.Liga auch so.)
Ich habe jetzt mehrere Tage weinend unter dem Küchentisch verbracht, weil diese Geschichte bei mir längst verschlossen geglaubte Wunden meiner Kindheit wieder aufgerissen hat. In der festen Überzeugung, dass der Mitteilungsdrang vieler Internetschreiber ja in erster Linie den Psychiater ersetzt, möchte auch ich die jetzt folgenden Zeilen als Therapie verstanden wissen. Etwas, dass ich vielleicht viel früher hätte machen sollen.

Wir schreiben das Jahr 1986, die Saison nähert sich dem Ende. Ich bin zehn Jahre alt und spiele (mäßig erfolgreich) seit meinem sechsten Geburtstag in den Jugendmannschaften des SV Werder Bremen. Als aktives Vereinsmitglied haben Kinder und Jugendliche unter 18 zu dieser Zeit noch freien Eintritt in der (nicht überdachten und nur mit Stehplätzen ausgestatteten) Ostkurve. Ich bin alle zwei Wochen da, erfreu mich am Offensivfußball der Rehhagel-Ära mit Spielern wie Rudi Völler, Norbert Meier und Manni Burgsmüller, später noch Wynton Rufer, aber auch an Defensiv-Künstlern wie Thomas Schaaf und Mirko Votava oder (später) Rune Bratseth und Dieter Burdenski im Tor.

Große Aufregung im Hause gibt es vor dem 33.Spieltag. Der FC Bayern ist zu Gast, Werder kann mit einem Heimsieg die erste Meisterschaft seit 1965 eintüten, gleichzeitig also die erste Meisterschaft meines Lebens.
Der relativ neue Fernsehsender Sat1 holt sich ab und an ein Live-Spiel ins Haus, für die gut eine Million Haushalte die den Sender derzeit empfangen können. Unser gehört nicht dazu, und da das Spiel an einem Dienstag Abend stattfindet, ich aber mit zehn Jahren auch nicht um 20.00h ins Stadion darf, bleibt mir nur die Radioübertragung, während gleichzeitig auf dem Domshof so eine Art PublicViewing veranstaltet wird, welches damals noch “Übertragung des Spiels auf einem Riesen-Fernseher auf dem Domshof” heisst. Meine Eltern waren da sehr strikt, mit zehn Jahren ist man um die Uhrzeit weder im Stadion noch auf dem Domshof. “Sei froh, dass Du bis zum Ende Radio hören darfst!

Die Vorfreude war riesig, schließlich sollte auch mein Idol Rudi Völler endlich wieder fit sein, nachdem er im Hinspiel durch ein brutales Fouls von Klaus Augenthaler für Monate außer Gefecht gesetzt worden war (hier bei 2:00).
Das Spiel war spannend, aber es fielen keine Tore. Eine knappe Viertelstunde vor Schluß wurde dann endlich Rudi Völler für Norbert Meier eingewechselt, mein Herz schlug schneller. Ich hippelte vor dem Radio auf und ab, die Schreibtischlampe gab meinem Zimmer einen Hauch von schummriger Flutlichbeleuchtung.

Und dann: Die 88.Minute. Ruuuuudi im Zweikampf mit Sören Lerby an der Strafraumkante, ein tausendfaches “HAND!” gellt durchs Stadion und meine Radiolautsprecher, Völler reißt die Arme hoch, bleibt stehen, dreht sich zum Schiedsrichter… gefühlte Minuten verstreichen… und dann zeigt Schiedsrichter Volker Roth auf den Punkt! ELFMETER! (hier ab 1:50, und hier dann die Fortsetzung)
Ein zehnjähriger in seinem Zimmer kurz vorm Kollabieren. Allerdings auf der anderen Seite auch völlig cool, denn schließlich hatte Werder Michael Kutzop! Und der hat in seiner Karriere insgesamt vierzig Elfmeter geschossen… und nur einen verschossen. Und Ihr wisst es natürlich: Es war dieser eine, jetzt. 89.Minute im Weserstadion. Den eben noch reinmachen und Werder ist Meister! Erstmals in meinem Leben, nachdem es in den Jahren zuvor schon zwei Vize-Meisterschaften gegeben hatte, u.a. eine aufgrund der schlechtern Tordifferenz gegenüber einem Verein aus Hamburg.
Das stumpfe *PLONK* als der Ball am rechten Pfosten zerschellt, während Jean-Marie Pfaff bereits in der anderen Ecke liegt, verfolgt mich die gesamte Nacht im Schlaf.

Aber gut, noch ist nichts passiert, oder anders: Noch ist alles drin. Werder hat zwei Punkte Vorsprung (noch vor der Einführung der Drei-Punkte-Wertung) und das schlechtere Torverhältnis, spielt am letzten Spieltag beim VfB Stuttgart, welchen man im Heimspiel 6:0 aus dem Weserstadion gejagt hatte. Bayern empängt den Tabellenvierten, Borussia Mönchengladbach.
Und eine weitere Meldung elektrisiert mich: Die ARD-Sportschau kündigt an, erstmals in der Geschichte die entscheidenden Spiele zu einer Konferenz zusammenzuschneiden. Sowas gab es ja noch nie! Welch grandiose Idee! Wie cool!
Okay, eine Entscheidung musste her: Radio Bremen 1, die von mir abgöttisch geliebte Samstags-Radio-Konferenz, wie bei jedem Auswärtsspiel? Mit dem legendären Helmut Poppen, den ich Jahre später im Rahmen eines Schulpraktikums noch persönlich kennenlernen würde, in eben jener Samstags-Konferenz? Oder doch lieber den Nachmittag verstreichen lassen, und auf die ARD-Sportschau-Konferenz warten?

Ja, es soll die Sportschau werden, diese Entscheidung fiel am Samstag Morgen und wurde beim Familienfrühstück stolz und voller Inbrunst verkündet.
Es galt also den Tag zu überbrücken. Wie man das als Zehnjähriger eben so macht, wenn Fußball schon da das Leben bestimmt. Sportteil des Weser-Kurier lesen, langsam in Gedanken den Kader für die WM in Mexiko zusammenstellen und Panini-Bilder einkleben, Ihr kennt das.

Anpfiff. Ich sortiere meine doppelten Panini-Bilder.

Die Stunden kriechen dahin.

Der Minutenzeiger wandert, die Spannung steigt.
Hat Werder es geschafft? Deutscher Meister? Mein SV Werder? Endlich?
Irgendwie muss das doch klappen. Man darf nur nicht verlieren, ein Punkt reicht.
Und selbst wenn doch, darf Bayern eben nicht gewinnen…

Noch dreißig Minuten. Nochmal den Sportteil lesen.

Noch eine Viertelstunde bis zur Sportschau-Konferenz. Nochmal Pipi machen.

Noch fünf Minuten.
Meine Mutter öffnet die Tür. Sie schaut mich strahlend an und sagt die Worte, die unsere Beziehung nachhaltig über Wochen auf Eis legen werden. Sie schneiden in die gespannte Ruhe des Raumes wie ein Schwert:
Na, Vize-Meister?

Stille… ein paar Sekunden… und dann ein hysterischer Heul- und Schreikrampf, der seines Gleichen sucht.

 

Ich sprach zwei bis drei Wochen nicht mehr mit meiner Mutter. Mein Vater befreite mich aus dem hysterischen Heulen ungefähr eine Stunde später, indem er mich zum Kiosk schleppte, ein paar Panini-Tüten und das Kicker-Sonderheft zur WM kaufte.
Werder hatte 2:1 verloren (2x Karl Allgöwer), Bayern 6:0 gewonnen, ich hatte die Konferenz in der ARD nicht einmal mehr gesehen.

Und trotzdem: In Zeiten von Twitter und Facebook, Live-Tickern und (nicht zuletzt) sky, scheint sowas wie eine Konferenz-Schaltung Stunden nach der tatsächlichen Entscheidung überflüssig. Trotzdem hoffe ich, dass es irgendwo noch Zehnjährige gibt, die von ihren Müttern mit voreiligen Verkündungen verschont werden und sich auf eben diese “On-Tape-Konferenzen” freuen.
Und für die soll die Sportschau es dann auch gerne beibehalten. Wer die Ergebnisse schon kennt, dem kann es doch egal sein, ob die Spiele in einer Konferenz oder nacheinander gezeigt werden. // Frodo

P.S. Ich rede wieder mit meiner Mutter. Sogar über Fußball.

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33.Spieltag (H) – Eintracht Braunschweig

FC St.Pauli – Eintracht Braunschweig 5:1 (2:0)
Tore: 1:0, 2:0 Daniel Ginczek (7.Min, 11.Min), 3:0 Fin Bartels (68.), 4:0 Florian Bruns (70.), 5:0 Marius Ebbers (87.), 5:1 Gianluca Korte (89.)
Zuschauer: 29.063 (ausverkauft, ca. 2.500 Gäste)

Ja, hat etwas länger gedauert, dieses Mal, da musste man aber auch erst mal einiges sacken lassen.

Vor dem Spiel gab es doch einige Nervosität, selbst bei mir, obwohl ich doch eigentlich Relegations-Spiele so großartig finde. Aber runter in die dritte Liga? Je näher das Spiel rückte, desto kribbeliger wurde ich, ab Mittwoch steigerte es sich immer mehr.
Gleichzeitig stellte sich eine “Do or die”-Stimmung ein, wie es im Alles außer Sport-Blog genannt wurde. Dies war für mich der gefühlt letzte Spieltag der Saison. Entweder, wir packen das jetzt und hier, oder es geht in die Relegation… das Spiel in Lautern war komplett außen vor, da gibt es für uns nichts zu holen, schon gar nicht, wenn wir müssen. 14 Pflichtspiele bisher am Betzenberg, zwei Unentschieden, zwölf Niederlagen.  Nee, da kann man schön mit der Mottofahrt des Fanladens ne Zugfahrt hinmachen (aktuelle Uhrzeiten übrigens hier) und Saisonausklang feiern, aber doch bitte nicht noch auf Punkte angewiesen sein.

Der Übersteiger-Verkauf verlief bei recht gutem Wetter recht gut, viele wollten wohl ihre Nervosität noch mit einer Investition in irgendwas einigermaßen Sinnvolles kanalisieren und damit das Ganze zum Guten wenden.

Pünktlich um 13.00h waren dann die Tribünen aber voll, obwohl Anpfiff erst um 13.30h war. Es galt, zwei große St.Paulianer zu verabschieden, Marius Ebbers und Florian Bruns. Joy hatte im Vorbericht schon die richtigen Worte gefunden, mehr gibt es dazu auch nicht zu sagen. Christian Bönig hielt zu beiden eine kurze und, wie ich fand, sehr passende persönliche Rede, beiden wurden kurz aber gebührend gefeiert und dann erklang ein inbrünstiges “You’ll never walk alone”, ohne dieses einspielen zu müssen, sehr schön. An dieser Stelle sei mal wieder auf die Flimmerkiste hingewiesen, das Vereins-TV. Ja, ist kostenpflichtig, aber die Leute dahinter sind mit Herzblut dabei und aus meiner Sicht ist es jeden Cent wert, insbesondere für Auswärtige, die nicht eh alles vor Ort mitbekommen.

Dann ging das Spiel los, und es bewahrheitete sich, was ich vorher erhofft hatte: Braunschweig fand nicht statt. Im Gegensatz zur Hertha, die einfach aufgrund überragender Qualität aufsteigen, hat Braunschweig eher einen Kader für Platz 6-9, aber eben aufgrund eines wahnsinnigen Kollektivs und der Bereitschaft in jedem Spiel ans Limit zu gehen die nötigen Punkte geholt. Soll deren Leistung nicht schmälern, ist dann aber genau der Unterschied zur Hertha, die dann auch mit angezogener Handbremse bei uns noch gewinnen kann.

Unsere Jungs hingegen haben gebrannt. Und auch das schnelle Tor zu erzwingen war wichtig und hat sicherlich zum späteren Spielverlauf beigetragen, denn mit einem 0:0 zur Pause (womöglich bei gleichzeitiger Führung von Aue und Dresden) wäre die Unsicherheit sicher mit jeder Minute schlimmer geworden.
So aber stand es fix 2:0 und in der gesamten ersten Halbzeit hätte man auch Ebbers Junior in unser Tor stellen können, Braunschweig hätte trotzdem nicht getroffen, die hatten nicht eine einzige Torszene.
Als Fan von Dresden oder Aue sollte man Braunschweig wegen Arbeitsverweigerung verklagen, allerdings kam da auch schon der berechtigte Einwand, dass Braunschweig die Klage womöglich an die Vereine Aue und Dresden weiterreichen würde. Und es kann uns ja auch herrlich egal sein.

Der Rest war Jubel pur und natürlich ein kitschiges Hollywood-Drehbuch, denn Tore von Bruns und Ebbers… Nee, kannste Dir nicht ausdenken, sowas.
Mein Highlight der recht guten Stimmung während des Spiels war dann der Ruf an den Gästeblock in der 89.Minute: “Nur ein Jahr, dann seid Ihr wieder da!”
Ja, das hat der ein oder andere diesem Scheißverein wohl etwas zu sehr inbrünstig entgegengeschleudert, aber es kam von Herzen.
An dieser Stelle ein freundlicher Gruß an die Dame in Block 2 vor mir, die sich immer entrüstet umdreht, wenn man etwas weniger lustiges als “Hejajippiiieyeah!” mit ein bißchen emotionalem Ausbruch ruft: Ich bin da nächstes Jahr wieder, und meine Sitznachbarn auch, gewöhnen Sie sich dran, bitte.

Und nach dem Abpfiff dann großes Gefühlskino. Erneut sei auf die Flimmerkiste verwiesen, die insgesamt 20 Minuten zu den Verabschiedungen vor und nach dem Spiel hat, natürlich in sehr guter Qualität.
Allen anderen zu erzählen wie es war, wird der Situation nicht gerecht, daher nur zwei Highlights, die es auch auf YouTube geschafft haben:

Zum Einen: Der Dino. Bekanntlich hatte Marius Ebbers auf seiner Facebook-Seite zum Teddybären-Schmeißen aufgerufen, angelehnt an die NHL, wo das regelmäßig gemacht wird um die Dinger an Kinderheime zu übergeben.
Nun hatte ein Spaßvogel auf der Gegengeraden ein Maskottchen des Nachbarn mitgebracht, welches von Benedikt Pliquett (mit vor Ekel über die Hände gezogenen Ärmel) zum Mannschaftskreis getragen wurde. Mit dem Ding dann “Ball hochhalten” zu spielen war sicherlich Geschmackssache, großartig dann aber die Aktion danach, als Ebbers Junior den Dino am Mittelkreis unter die Plane packt. Vielen Dank!

Und dann nach der Ehrenrunde noch der großartige Wechselgesang zwischen Süd und Gegengeraden:

Apropos Bene: Als Bönig ihn am Anfang bei der Aufzählung der Spieler, deren Zukunft noch ungewiss sei, nicht aufzählte, befürchtete ich schon, dass nun auch er verabschiedet werden würde.
Kam aber, wie wir inzwischen wissen, dann doch nicht so, Bene bleibt ein weiteres Jahr im Kader. UND DAS IST AUCH GUT SO!
Wie man den Vorfall aus SocialMedia-Sicht bewerten kann hat übrigens sein Bruder hier festgehalten. Lesenswert, das Augenzwinkern dieser leicht geschönten Interpretation muss man sich dazudenken.

Und noch ein kleines Highlight, welches fast unterging: Sören Gonther! Erster Profieinsatz seit Februar 2012! Freut mich sehr für ihn, hoffentlich macht er jetzt endlich die komplette Vorbereitung auf die neue Saison Verletzungsfrei mit, dann ist er quasi ein weiterer Neuzugang, und kein Schlechter!

Nun also auf zum Betzenberg. Spaß haben im Zug, vielleicht jetzt ohne Druck doch mal drei Punkte mitnehmen (die Lauterer werden sich fünf Tage vorm Relegationsspiel nicht mehr verletzen wollen) und heile wieder nach Hause kommen –> Sommerpause! Die haben wir uns dann auch verdient!

Verein am Wochenende und sonstiges

Die U23 hat beim Aufstiegskandidaten Havelse ein 0:0 erzielt. Bei dem Chaos, was in der Regionalliga Nord grad herrscht (FC Oberneuland im Insolvenzverfahren, keiner weiß ob die Punkte anulliert werden oder nicht) ist jeder Punkt wichtig.
Derzeit sieht es so aus, als ob dann nur noch ein Absteiger gesucht wird. Und mit einem Sieg am Samstag (14.00h, Hoheluft) gegen SW Rehden kann man sich dann diese Sorgen auch von der Backe schaffen.

Die U19 ist mit der Liga bereits durch, am letzten Spieltag sicherte man sich mit einem 0:0 gegen Hertha BSC Platz 5 in der A-Jugend Bundesliga Nord. Deutlich vorm hsv, Gratulation!
Die Saison ist allerdings noch nicht durch, am 23.Mai steht man im Pokalhalbfinale (Gegner Bergstedt oder Niendorf) und im Finale wartet dann wahrscheinlich der hsv.

Die U17 ist auch noch im Pokal dabei, hat am vergangenen Wochenende aber erst mal den VfL Osnabrück in der Liga durch zwei treffer von Gillian Timothy Jurcher mit 2:0 besiegt.
Lt. einer Meldung des Abendblatts wurde der 4:0-Sieg gegen Norderstedt von Anfang Mai am grünen Tisch in eine Niederlage umgewandelt, da ein nicht einsatzberechtigter Spieler eingesetzt wurde. Ist auf kicker.de bereits in der Tabelle enthalten, auf fussball.de (die eigentlich etwas offizieller sind) aber noch nicht. Ist für unseren Klassenerhalt auch ziemlich unerheblich (auch wenn man sich schon fragt, wie das auf dem Niveau noch passieren kann), könnte aber Norderstedt evtl. noch zum Klassenerhalt helfen.

Die U15 gewann gegen den Tabellenletzten aus Hattstedt standesgemäß mit 8:0, Platz 6 in der Regionalliga ist sicher, den VfL Wolfsburg auf Platz 5 kann man aber noch überholen.

Die 4.Herren hat den direkten Aufstieg in die Kreisliga leider verpasst, da sich der bereits aufgestiegene Tabellenführer im Spiel gegen den direkten Konkurrenten leider anstellte wie Braunschweig und sich 7:1 abschlachten ließ. Vier Tore(!) fehlen daher jetzt für unser Team. Allerdings kann es hier durch Rückzüge und abhängig vom evtl. Abstieg von Vicky oder dem hsv II auch noch einen verspäteten Aufstieg geben.

Glückwünsche hingegen gibt es für die 1.Damen, die den Aufstieg in die höchste Hamburger Liga geschafft, die Landesliga wurde mit einem 6:0 gegen Schnelsen verlassen.

Ach, und auch, wenn es mit dem FC St.Pauli so gar nichts zu tun hat: Wenn ich denn endlich mal Relegation spielen darf, soll es ungefähr so ausgehen, wie hier im Playoff-Halbfinal-Rückspiel zum Aufstieg in die PremierLeague zwischen Watford und Leicester:
(Es steht nach Hin- und Rückspiel unentschieden, vier Minuten Nachspielzeit sind angezeigt und überschritten, ein Spieler vom Gast aus Leicester schwalbt sich zum Elfmeter, will selbst schießen… und dann:)

Weniger erfreulich: Nach wie vor ist Hossa mit den Folgen des Polizeiangriffs aufs Jolly aus 2009 noch nicht durch und benötigt weiterhin finanzielle Unterstützung für die notwendigen zahnärztlichen Behandlungen. Alle weiteren Infos und wie ihr helfen könnt findet Ihr hier. (Und ganz allgemein sei nochmal auf die Braun-Weiße Hilfe hingewiesen.)

Last but not least: Nächste Woche Samstag: Großkampftag! Alle hin da!

Wenn man sich nicht mehr sieht: Schöne Sommerpause!
Ich werd mich mal wieder an der Dauerkarten-Preisübersicht der ersten zwei Ligen versuchen, ansonsten wird es hier wohl mal nen graphischen Relaunch geben, aber sonderlich viel wird nicht passieren.

Freut Euch vorher noch auf den Bericht aus Kaiserslautern, Zwille berichtet knallhart! // Frodo

Links:
- Bericht Beebleblox: “Dreipunktehasen und Dinokicks
- Bericht moeliw: “Ebbefanten und Brunsinhos
- Bericht OSTBLOCK: “Manchmal fehlen einem die Worte” (Naja, solange man sie so schön durch Fotos ersetzt…)
- Bericht pathos93: “Zeit für eine neue Generation
- Bericht Gastspiel: “Wie buchstabiert man eigentlich Liebe” (Großartig, ich hoffe Du schreibst jetzt regelmäßig(er)!)
- Bericht BreitSeite: Wie immer knallhart… und kauft am Sonntag das DEDW!
- Bericht Sitz[blog]ade: “Solche Geschichten schreibt…
- Bericht MagischerFC: “Ein klasse Erhalt – Warum denn nicht gleich so
- Bericht MagischerFC: zur Dauerkartensituation (Seh ich vieles entspannter, schaden kann das Lesen und daraus Konsequenzen ziehen aber ganz sicher nicht)
- Bericht stpauli.nu: “Nichabstiegspartykater
- Fotos Stefan Groenveld: “Dreifache Torschützen
- Fotos Stefan Groenveld: “Tschüss Marius Ebbers, Tschüss Florian Bruns
- Fotos Stefan Groenveld: “Tschüss Fanladen
- Fotos AuxArmes auf Flickr
- Fotos USP
- Fotos und Bericht KleinerTod
- Fotos und Bericht GranAmor

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Vor dem Spiel gegen Eintracht Braunschweig

Schmerz und Trostpflaster

Gastartikel von Joy

Alle Jahre wieder  kommt es zu unschönen Vorkommnissen im Millerntor-Stadion. Am Ende einer jeden Saison werden Spieler, Trainer oder um es auf den Punkt zu bringen liebgewonnene Menschen verabschiedet. Um zu dies verarbeiten, gibt es die Sommerpause. Aber Zeit kann eben auch nicht alle Wunden heilen. Beim FC St. Pauli gibt es ehemalige Spieler, die nach wie vor gleichermaßen geschätzt und vermisst werden. Aufzählen braucht man sie nicht, denn sie gehören einfach dazu, zur großen Familie des FC St. Pauli, die in den vergangenen Jahren so viele Mitglieder hat ziehen lassen. Diejenigen, die von der Regional- bis in die Erste Liga treu waren, diejenigen, die bei Siegen und Niederlagen Tore erzielt und Knochen hingehalten haben.
Am Sonntag ist es nun wieder so weit und es macht einen tiefen Stich ins Herz, wenn man an die bevorstehenden Stunden denkt. Florian Bruns, Marius Ebbers und womöglich Benedikt Pliquett, die in den vergangenen Jahren das Gesicht des FC St. Pauli mitgeprägt haben, müssen gehen.

Ein Abschied, der weh tut und den Aufsteiger Braunschweig zu Gast. Vor drei Jahren konnte man selbst noch feiern und nun könnte der Verein noch in die Relegation stolpern. Emotional ist dieser Spieltag mindestens in der Top Ten einzuordnen.
Wäre es nicht so ein wichtiges Spiel, würde es wie in den Jahren zuvor schnell wieder in den Hintergrund rücken, aber es geht noch um etwas. Im Idealfall gewinnen die Braun-Weißen ihre Partie, Aue und/oder Dresden patzen. Ein anderes Szenario will man sich gar nicht erst vorstellen, wenn man annimmt, dass… Nein wirklich nicht – das will ich einfach mir nicht vorstellen.

Die Fakten indes sagen folgendes: Wir haben in den vergangenen fünf Heimspielen immer zwei Buden gemacht. Und nach dieser positiven Statistik hört es dann auch wieder auf. Man könnte jetzt noch anführen, dass Domi Kumbela (Oberschenkelverletzung) bekanntermaßen nicht zum Einsatz kommen wird oder dass wir gegen Braunschweig 2002 mit 7:1 gewonnen haben, aber das bringt uns jetzt auch nicht weiter. Nicht, dass die Gäste sich das noch irgendwo in die Kabine hängen und damit einen Motivationsschub rausholen. Und da sind wir doch schon genau an dem Punkt, der den Ausschlag geben könnte. Wie motiviert kann man einen Spieltag vor Schluss sein, wenn man bereits aufgestiegen ist? Auf der Gegenseite wird dies alles andere als ein Problem darstellen und auch bei den oben genannten Protagonisten wird es wohl der Wunsch sein, wenn es denn schon sein muss, wenigstens am Sonntag das allerletzte Heimspiel zu erleben und nicht in der Relegation am 28. Mai.

Vielleicht wäre dies zumindest ein kleines Trostpflaster für Bene, Flo, Ebbe und all diejenigen, die sie schmerzlich vermissen werden. // Joy

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Übersteiger 111 erscheint am Sonntag gegen Eintracht Braunschweig

Cover Übersteiger 111

Cover Übersteiger 111

Die Saison hat bald ein Ende, viele werden “ENDLICH!” brüllen.
Tja, in der Hoffnung, dass es tatsächlich das letzte Heimspiel der Saison sein wird, pilgern also Sonntag knapp 30.000 ans Millerntor… und zumindest einige von denen werden das Vergnügen haben können, die 111.Ausgabe unseres schnuckeligen Familienmagazins käuflich zu erwerben.

Wir garantieren:
- Kein Wort zu Uli Hoeneß!
- Kein Gesabbel über dieses Spiel zweier Bundesligisten in Wembley!
- Kein “Aber der Klassenerhalt wäre so wichtig für die ganze Region!“-Geheule

Stattdessen:
- Interview mit Fanräume e.V.
- Leeds – Huddersfield // Blackburn – Burnley
- Frodos Tagebuch
- Nachklapp 11mm-Filmfestival
- Sexismus-Debatten-Bullshit-Bingo
- Rezept: “Braunschweiger Mumme Braten aus Saitan mit Petersilienkartoffeln und Spitzkohl” (*yummie*)
- Statistik-Seite und Aktuelles zum Spiel
- KiezKick Projektreise zur WM 2014
- 4.Herren-News
- Ultras in Ägypten
- Trikotübergabe auf den Kapverden
- Reha Hochburg Bad Wildungen
- Fanzine-, Bücher- und Töne-Rezensionen
- Drei Seiten der beliebten “Döntjes”
- Comic (den Minimum drei Redaktionsmitglieder nicht kapiert haben)

Viel Spaß damit, wie immer für 1,60€ in Bar beim Dealer Eures Vertrauens rund ums Stadion. Wahrscheinlich gibt es das Heft am Freitag ab 15.00h auch im Fanladen (der schließt allerdings Freitag schon um 18.00h) und auch am Sonntag sollte man natürlich dem Fanladen zum letzten Heimspiel an alter Wirkungsstätte einen Besuch abstatten.

Ansonsten gibt es uns, wie gehabt, beim / in der:
- Jolly Roger
- AFM-Büro
- Le Kaschemme
- Kartencenter

Die Abos werden voraussichtlich am Freitag Nachmittag zur Post gehen und sind mit ein bißchen Glück dann schon am Samstag da. // Eure Übersteiger

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Verein am Wochenende (18/2013) inkl. MSV

MSV Duisburg – FC St.Pauli 0:0
Tore:
Zuschauer: Ja

Ein Punkt ist ein Punkt… und der kann eben auch noch wichtig werden (Phrasenschwein bitte selber aufstellen und füllen).

Bombenwetter, beste Stimmung, und endlich wieder mit zwei Leuten im Block, die seit Anfang 2012 schmerzlichst vermisst wurden. “Das Jahr war lang, das Jahr war hart - Andi und Alex wieder am Start!
Viel mehr muss ich zu dem Spiel nicht sagen, außer eben jenes Eingangsstatement.

Links:
- Fotos AuxArmes auf Flickr
- Fotos msv-Bilder.de

Gegen Braunschweig gilt jetzt dann eben, wie schon seit Wochen absehbar, nur ein Heimsieg. Ob es dabei hilft, dass Kumbela ausfällt und Kruppke und Vrancic angeschlagen sind? Zumindest schadet es nicht.
Und im Gegensatz zu Hertha BSC, die einfach aufgrund überragender Spieler zurecht da oben stehen und auch mit angezogener Handbremse noch nen Auswärtssieg holen, hat Braunschweig eine Saison am Limit hinter sich, in der sich Coach Lieberknecht jetzt zu Statements hinreissen lässt, dass es eben schwer sei die Spannung aufrecht zu erhalten, weil so viel Druck abgefallen sei (heute im Kicker).
Hilft uns das? Vielleicht. Ist das verzweifeltes Durchhalteparolen skandieren und nach Strohhalmen suchen unsererseits? Ganz sicher.

Ändert aber alles nicht, denn mit dem Heimsieg wäre man durch, wenn auch nur einer der beiden folgenden Punkte erfüllt wird:
- Erzgebirge Aue holt gegen den FC Ingolstadt (mit Ralph Gunesch), der seinerseits mit ner Niederlage auch wieder mitten in der Abstiegsverlosung wäre, maximal nen Punkt.
- Dynamo Dresden schafft beim VfR Aalen nicht den zweiten Auswärtssieg der Saison.

Sollten wir verlieren und beide genannten Punkte nicht eintreten, fahren wir mit Siegeszwang zum Betzenberg… die Fahrt könnte man sich angesichts unserer bisherigen Erfahrungen dort besser schenken und sich gleich auf die Relegationsspiele vorbereiten, selbst wenn Lautern Platz 3 bereits am kommenden Sonntag in Regensburg fix macht.

Und sonst so…

- Der großartige Schiedsrichter-Podcast “Collinas Erben” setzt sich in der aktuellen Folge mit vielen Fragen zur Leistung des Herrn Brych beim Hertha-Spiel auseinander (ab Min 43:45), unbedingte Hörempfehlung.

- Beim Heimspiel gegen Braunschweig erscheint auch unsere vierte Ausgabe der Saison, der ÜS 111. Für handgezählte 1,60€ wie immer beim Dealer Eures Vertrauens, mehr Details voraussichtlich in den nächsten 1-2 Tagen hier, auf Twitter, Facebook oder im Forum.

- Die U23 kann es gegen Hannover 96 diese Saison wohl nur spektakulär. Das Hinspiel fand vor 450 Zuschauern in der AWD-Arena statt, nach nem 1:0 Halbzeitrückstand ging man noch 7:0 baden.
Nun ging es am Samstag an der Hoheluft ins Rückspiel, vor nur 129 Zuschauern erzielte man beim 4:6 ein wunderbares Eishockey-Ergebnis, passend zur in dem Sport gerade beginnenden Weltmeisterschaft.
Sportlich ebenfalls nahezu egal, da der Klassenerhalt hier gesichert ist… es sei denn, die Profis steigen doch noch in Liga 3 ab, dann wird der neue Trainer Thomas Meggle seine Jungs notgedrungen nächste Saison in der Oberliga Hamburg auf Feld schicken, weil ein Drittligist keine Regionalliga-Mannschaft haben darf.
Worst case – Szenario aus der ganz tiefen Alptraum-Kiste: Wir steigen im Elfmeterschießen der Relegation am Millerntor gegen [Münster / Osnabrück / Bielefeld  Heidenheim] ab, was gleichzeitig den Abstieg der Zwoten bedeutet und retten damit die U23 des hsv, die derzeit immer noch einen Abstiegsplatz in der Regionalliga inne hat.
Allerdings ist dies am Wochenende etwas unrealistischer geworden, denn die punkten gerade sehr konstant und scheinen sich so noch aus eigener Kraft zu retten.

- Die U19 spielte bei Holstein Kiel und verlor 3:2, schon Donnerstag verlor man das Nachholspiel bei der Kogge. Klassenerhalt ist gesichert, Derby wurde gewonnen, also egal.
Der zwischendurch durchaus realistische Abstieg unseres Nachbarn ist nach einem Zwischenspurt dort inzwischen auch vom Tisch.

- Die U17 schoß beim 4:0 gegen Eintracht Norderstedt eben jene wohl aus der Bundesliga, die Rettungschancen für Norderstedt sind jetzt nur noch theoretischer Natur.

- Die U15 verlor beim SV Werder mit 3:2, schlechter als Platz 6 kann es aber in der Regionalliga kaum mehr werden und Derbysieger war man ja auch ohnehin schon.

- Die 4.Herren holte sich bei Eilbek III einen 3:2-Sieg und bleibt damit im Aufstiegsrennen der Kreisklasse 7 gut im Rennen.

Rugby
Unser Herren-Team, bekanntlich ja erst zu dieser Saison in die 1.Liga aufgestiegen, empfing am Samstag im Achtelfinale um die Deutsche Meisterschaft den SC Frankfurt 1880. Mit der 13:30-Niederlage ist die Saison dann leider auch zuende.

So, Kräfte sammeln, bis Sonntag! // Frodo

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