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Derby gegen die Rauten

Wir wollen diesmal keine vielen Worte verlieren. Der Magische FC ist jetzt seit 408 Tagen Derbysieger – Hamburg ist Braun-Weiß! Zur Einstimmung auf das morgige Derby gegen die Rothosen haben wir einige Impressionen aus den letzten Derbies gegen die Rauten zusammengestellt.

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This is the beginning… (Sportliches zum Derby)

©Ariane Gramelspacher/arigrafie

Hamburger Sportverein A.G. – FC St.Pauli 0:0 (0:0)
Tore: –
Zuschauer: 57.000 (davon wohl um die 6000 St. Paulianerinnen und St. Paulianer, plus 15.000 beim Public Viewing am Millerntor)

“Ob und wie dieser Blog gegebenenfalls von anderen Personen aus der Redaktion fortgeführt wird, wird die Zeit zeigen.”  (Frodo, August 2018)

Beginning? Stimmt irgendwie. Zumindest für den ÜS-Blog in seiner neuen Form. Und auch für mich selbst als Mitglied beim Übersteiger. Zumindest für mich ist das eine ziemlich aufregende Sache, meine Gedanken hier zu virtuellem Papier bringen zu können. Große Fußstapfen, aber ich freu mich drauf und über Feedback und deswegen keine weitere Vorrede. Schließlich stand am Wochenende eines der bedeutenderen Spiele der jüngeren Vereinsgeschichte auf dem Spielplan (auch wenn man zweifellos zu Recht einwenden könnte, dass das 1:0 gegen Bielefeld in der vergangenen Saison oder das 2:1 in Kaiserslautern die Spielzeit davor für den Verein selbst deutlich wichtiger waren). Aber, Stichwort Aufregung, zumindest bei vielen Personen in meinem Umfeld und auch bei mir selbst war die Anspannung dann doch einen Ticken größer als an einem beliebigen Spieltag.

Na gut, eines noch vorneweg: Ich werde mich in den folgenden Zeilen auf das Sportliche konzentrieren. Zu sämtlichen Derbybegleiterscheinungen, ob im Vorfeld, kurz vor Anpfiff, währenddessen und danach,  gibt es viele fantastische Blogs rund um den magischsten aller FCs, die einen bedeutend besseren Einblick in diese Thematik haben als ich und die sich bereits geäußert haben oder es sicherlich noch tun werden.

Was also aus sportlicher Sicht tun mit diesem 0:0 im Volkspark? Kurzer Blick zurück auf den vergangenen Freitag, 21.9, 18:30. Der HSV steht mit 12 Zählern an der Spitze der Tabelle, St. Pauli hat sein letztes Spiel 1:3 in Aue verloren und darf seine Qualitäten als Aufbaugegner in Ingolstadt beweisen. Hätte mir zu diesem Zeitpunkt jemand ein Remis im Derby angeboten, ich hätte wohl ohne viel Zögern zugesagt. Zu löcherig damals unsere Abwehr, zu inkonstant unsere Offensive. Drei Spiele inklusive 90 Minuten gegen die Rauten später bleibt immerhin noch ein Gefühl der Zufriedenheit, den Titel des Stadtmeisters nicht aus der Hand gegeben zu haben. Aber dieses Gefühl ist gemischt mit einer gewissen Unzufriedenheit, mit einem was-wäre-wenn.

Die gesamte Spieldauer über war beiden Mannschaften anzusehen, dass sie ein Gegentor um jeden Preis verhindern wollten. In gewisser Weise setzten beide Mannschaften dadurch einen Trend fort: Der HSV kassierte zuvor fünf Gegentreffer gegen Regensburg, spielte danach 0:0 gegen Fürth und setzte erst mal auf defensive Stabilität. Markus Kauczinski hatte schon in den beiden Partien vor dem Derby einen eher passiveren Ansatz gewählt, auf das regelmäßige hohe Anlaufen des Gegners (wie noch in den Spielen gegen Köln und Aue zu sehen) wurde so gut wie komplett verzichtet, die Mannschaft zog sich bei gegnerischem Ballbesitz bis in die eigene Hälfte zurück. Sah zwar nicht schön aus, brachte aber sechs nicht vollkommen unverdiente Punkte. Bei aller offensiven Qualität, die der HSV mitbringt, eine für mich komplett nachvollziehbare Taktik. Und so entwickelte sich ein höhepunktarmes Derby, bei dem der HSV nicht viel mehr als Chancen auf Chancen hatte (der Kopfball Bates nach Ecke (25.) und die Chance von Hwang nach Konter in der zweiten Hälfte (60.) waren da noch das gefährlichste), und St. Pauli seine wenigen Möglichkeiten aufgrund von mangelnder Präzision nicht verwerten konnte. Sei es der Schulterkopfball von Flum (7.) oder die Möglichkeit von Diamantakos (59.).

Trotzdem hätten die Boys in Brown in den letzten Minuten die Partie noch für sich entscheiden können, vielleicht sogar müssen und genau deswegen bin ich sicherlich nicht der Einzige, der nach dem Spiel erst mal ein wenig hadern musste, bevor er sich freuen konnte. Zuerst der Schuss von Knoll, der von halblinks unglaublich viel Platz hat, vom Strafraum abzieht und das Ding vorbeihaut. Bei seinen Qualitäten im linken Fuß ist diese Situation eine richtig gute Chance und wenn er nicht schon ein ganzes Spiel plus englische Woche in den Knochen hat, macht er das Ding vielleicht eher rein. Und dann natürlich die Szene in der Nachspielzeit. Ja, das sah schön aus, was Sahin da fabrizierte (und der Ballgewinn war allererste Sahne), aber ich bin mir fast sicher, dass es noch gefährlicher geworden wäre, hätte Sahin Buchtmann bedient, der alleine auf das Tor von Pollersbeck hätte zulaufen können, anstatt ein Tor des Jahres zu versuchen.

Diese letzte Szene war so ein bisschen ein Spiegelbild von der Leistung Sahins im Derby: Defensiv hatte er viele richtig starke Szenen und hat mir sehr gut gefallen (trotz der unnötigen Gelben Karte). Offensiv kostet es einfach Nerven, dem Mann beim Spielen zuzuschauen. Wenn Kauczinski ihm beibringen kann, das Spiel besser zu lesen und schneller abzuspielen, kann er noch deutlich effektiver sein. Keine neuen Probleme, schon klar. Schade ist nur, dass es so leicht ist, sich bei ihm noch viel, viel mehr vorzustellen, besonders wenn er defensiv so abliefert wie in den vergangenen beiden Partien.

Wie also die englische Woche, die bisherige Saison und die momentane Situation der Braun-Weißen bewerten? Punktemäßig ist alles okay. Zwischen dem zweiten Platz (Fürth) und den 13. Platz (Darmstadt) liegen grade mal fünf Zähler, und irgendwo dazwischen tummelt sich momentan St. Pauli. Außerdem haben wir als derzeit sechster gegen drei der besten fünf Teams bereits gespielt. Unabhängig davon kann man feststellen, dass unsere Defensive seit dem Spiel gegen Ingolstadt wieder funktioniert. Nur ein kassiertes Gegentor in diesem Zeitraum ist ein schöner Beweis dieser Arbeit, wer die Spiele gesehen hat wird bestätigen, dass es schwer ist, sich gegen uns Torchancen herauszuspielen. Selbst mit einer komplett ausgetauschten Offensivreihe mit den für Zweitligaverhältnisse äußerst klangvollen Namen Ito, Narey und Lasogga brachte der HSV vor dem Tor von Himmelmann nicht viel zu Stande.

Die entscheidende Frage wird sein: Wie viel Offensivkraft können wir jetzt noch entwickeln, ohne unsere neu gewonnene Defensivstärke aufzugeben? Wir haben jetzt drei Mal gegen Gegner gespielt, bei denen wir uns ohne Weiteres hinten reinstellen konnten. Ingolstadt war unter Druck, hat einen teuren Kader und musste kommen. Paderborn ist spielerisch unglaublich stark und möchte selbst das Spiel machen. Der HSV hat mit seinen finanziellen Möglichkeiten selbstverständlich ebenfalls den Anspruch, dominant aufzutreten. Spannend wird deswegen das kommende Spiel gegen Sandhausen. Traditionell eine konterstarke, defensiv denkende Mannschaft, besonders wenn sie Auswärts spielt. St. Pauli wiederum steht nach sieben Punkten aus der englischen Woche und einer nach oben zeigenden Formkurve das erste Mal wieder unter dem Druck, selbst das Spiel machen zu müssen. Ich bin mir sicher, dass nicht nur die Fans sondern auch die Mannschaft selbst einen Sieg erwartet. Wie viel Risiko ist das Team dafür bereit zu gehen? Bekommen wir wieder ein offensiveres Anlaufen zu sehen? Kann die Mannschaft eine kompakte Defensive spielerisch knacken? Vielleicht können wir schon nach der Partie erkennen, ob das Ziel in dieser Saison (mal wieder) lauten muss, so schnell wie möglich auf 40 Punkte zu kommen, oder ob wir uns vielleicht noch ein wenig länger auf den einstelligen Tabellenplätzen wieder finden werden.

Forza! // Tim H.

 

Links:

Millernton: “Der HSV riecht scheiße”. Frodo und Timbo über das Drumherum und aufm Platz

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21.Spieltag (A) – Derbysieger!

hsv – FC St.Pauli 0:1 (0:0)
Tor: 0:1 Gerald Asamoah (59.)
Zuschauer: 57.000, (ca. 7.000 Derbysieger)

Der 03.September 1977 hat ausgedient, der 16.Februar 2011 hat ihn er- und eine komplette Stadt in Aufruhr versetzt.
Was soll ich schreiben, Ihr wart sicher alle wahlweise in der Arena-der-vielen-Namen oder am Millerntor beim Public Viewing oder habt es sonst irgendwo auf Sky oder am AFM-Radio verfolgt.
Ihr habt sehr wahrscheinlich auch noch immer (es ist heute Dienstag, also Tag Sechs nach dem Derbysieg) ein leicht debil anmutendes Restgrinsen im Gesicht. Ihr habt eventuell vorhandene Avatare im St.Pauli Forum, auf Twitter oder Facebook oder in sonstigen Medien durch Bilder von Bene und der Eckfahne oder der Anzeigentafel oder wasweißichdenn ersetzt und die Arbeitskollegen durch permanentes Glücklichsein zur Weißglut getrieben. Und noch immer fühlt es sich gut an.

Ich kann es nicht verhehlen, dieser Sieg war der schönste meiner bisherigen Fankarriere. Kein Aufstieg, kein umjubelter Klassenerhalt, kein Sieg gegen Hansa Rostock war so emotional wie dieser 16.Februar 2011. Und es ist mir auch scheißegal, wenn die hsver jetzt Leserbriefe an die Mopo oder das Abendblatt schreiben, in dem sie versuchen uns zu bedauern, weil wir uns über einen Sieg so freuen und wie erbärmlich das denn für unsere Vereinsgeschichte sei.
Wir sind der Verein, der noch nie einen Titel geholt hat (Oddset-Cup und Hallenturniere mal außen vor) und der trotzdem in ganz Europa bekannt ist. Vielleicht nicht bei jedem Sportjournalisten oder Tribünenhocker, aber doch bei den meisten Leuten die mir wichtig sind, nämlich denen in den Kurven. Wir definieren uns (sportlich) über krude Fixpunkte wie einen Sieg 1977, der trotzdem mit einem Abstieg endete, oder einem Sieg am 6.Februar 2002, der unzählige T-Shirts produzierte aber auch in einem Abstieg endete. Und diese Reihe getoppt hat jetzt eben dieser Sieg in Bahrenfeld an diesem kalten Februarabend, der uns allen auf ewig unvergesslich sein wird.
(Nachtrag, Monate später: auch diese Saison endete mit einem Abstieg – so what?)

Und mal ehrlich: Wenn Ihr, liebe hsver, uns denn wirklich so mitleidig belächelt und wir Euch ja angeblich so furchtbar egal sind: Warum macht Ihr Euch dann vorab so eine Mühe um dieses Spiel, empfangt den Mannschaftsbus und bereitet so eine (durchaus beeindruckende) Choreo vor? Und warum kündigt CFHH dann nach dem Spiel jede Unterstützung vorerst auf? (By the way: Haben die auch nen Fanclub “Alte Schule” oder wurde da unterwandert?)
Nein, den “Irrelevanter Verein vom Hafenrand“-Part könnt Ihr Euch sparen, das glaubt Euch ab sofort keiner mehr. Und das wir Euch sogar so weit gebracht haben, am folgenden Wochenende einen durchaus imposanten 4:0-Sieg gegen Euren zweiten Lieblingsfeind aus Bremen nicht genießen zu können, freut uns natürlich auch sehr.
Und wo ich grad dabei bin: So ein schmutziger und auch ziemlich unverdienter 1:0 Deppensieg bei gefühlten zwanzig vergebenen Großchancen des Gegners ist doch auch viel schöner als ein ungefährdetes 3:0, das muss man ganz klar so sagen. Lediglich ein in der Nachspielzeit im Nachschuß verwandelter unberechtigter Handelfmeter zum Sieg wäre irgendwie noch runder gewesen.

Die vergangenen Tage hätte man sich eigentlich frei nehmen müssen, um den ganzen Tag auf YouTube, Facebook und im Forum stöbern zu können. Auch das Lesen im hsv-Forum war ein steter Genuß. (Nein, selber schreiben musste man da nicht, das Lesen reichte völlig.)
Auf dem Weg die Betonstufen der ehemaligen AOLA herunter sagte eine Person (Name dem Autoren bekannt): “Ich glaub morgen verschenke ich im Forum meine Dauerkarte! Was soll denn jetzt bitteschön noch kommen?” Der als Antwort sofort einsetzende “Oirobbaboggaaaaaaaaaal“-Gesang war zwar nicht ganz ernst gemeint und dürfte sich dieses Jahr auch nicht mehr erfüllen, aber unterm Strich ist es schon so.
Klar, es gibt noch ein paar Szenarien an denen man sich abarbeiten könnte (Heimsieg gegen den hsv am Millerntor, Abstieg des hsv, den hsv aus dem Pokalhalbfinale werfen, Pokalsieg in Berlin gegen den hsv oder Hansa Rostock, Europapokalsieg gegen wen auch immer), aber bis auf weiteres dürfte dieser Tag den größten Erfolg der Vereinsgeschichte darstellen.
Und ja, das mag aus Sicht des Stadtrivalen bemitleidenswert sein, aber solange dieser immer noch einen Pokalsieg gegen die Stuttgarter Kickers vor zig Jahren oder ein 4:4 gegen Juve abfeiert, können wir sicher ganz gut damit leben.

Wie schon beim Gladbach-Heimspiel gab es hinterher viel Theater um einen Spieler des FC und um Pyro, dann wollen wir mal:
Benedikt Pliquett
Groß – Ar – Tig!!!
Ich geb ja zu, ich war beim Warmmachen der Mannschaft gedanklich noch woanders und habe daher laut losgelacht, als die Videowand bei der Aufstellung Bene ins Tor setzte. “Nicht mal die Mannschaftsaufstellung vorlesen können die Spinner!” waren meine Worte. Kopfschüttelnd lächelte ich auf den Rasen hinunter und sah dort Kessler zwischen den Pfosten, beim Abschlussbolzen mit den Spielern, welches in der Regel der Ersatzkeeper über sich ergehen lassen muss/kann/darf. Großes Erstaunen, ungläubige Blicke um mich rum… aber dann:
“Natürlich… wenn hier einer heiß wie Frittenfett auf das Spiel ist, dann Bene! Großartig, Stani, geile Aktion! Wenn das gut geht, ist er der Held!”

Wie wir wissen, ging es gut und Bene hatte zwar nicht überragend viel zu halten, da die dicksten Chancen auf Mann (Oi oi oi) oder am Tor vorbei gingen (Ben-Hatira und Ze Roberto), aber auch dafür braucht es ja gutes Stellungsspiel. Und zwei-drei Dinger hat er eben doch auch sehr gut rausgefischt.
Das einzige, was man an dem Tag an Bene kritisieren konnte, war sein Oberlippenbärtchen… welche beschissene Wette hatte er da denn verloren? Aber das dürfte ihm sicher herzlich egal sein, ebenso wie die künstliche Empörung des MOPO hsv-Kolumnisten Sven Töllner, der doch mit der “Bogenschützen-Geste” und dem Umtreten der Eckfahne beim Jubeln den Rahmen des Erlaubten als gesprengt ansah.
Ist klar… da fordert man immer echte Typen, die sich mit ihrem Verein identifizieren und nicht so aalglatte abgelegte 08/15-Interviews von austauschbaren Söldnern, und wenn dann mal einer wirklich zeigt wie geil so ein Sieg sich für ihn anfühlt, ist es gleich wieder zuviel Emotion.
Nichts da, geile Sache Bene, we love you! Wäre doch gelacht, wenn Du es damit nicht auch zum zweiten Mal in der ÜS-Geschichte aufs Cover schaffst *hust*. Auch der ansonsten von mir doch recht geschätzte hsv-Blog von nedfuller bezeichnet diese Geste gegenüber Petric zunächst gar als asozial, einigt(?) sich dann später in den Kommentaren aber immerhin auf grob unsportlich. Hmmm… nee, trifft dann eben doch exakt mein Humorzentrum. Umgekehrt hätte ich es auch verstanden, wenn im Falle eines Heimsieges der Jarolim oder Frank Rost sich irgendwie “lustig” gefreut hätten, denn genau dies zeigt doch auch, dass man mit dem Herzen am Verein hängt und nicht nur Dienst nach Vorschrift leistet. Oder ärgert es die hsver deswegen so sehr, weil sie sich so schwer vorstellen können, dass sich in den eigenen Reihen jemand so sehr mit dem eigenen Klub identifiziert? Angenommen, ein CFHH oder Poptown-Mitglied schafft es irgendwann in den hsv-Profikader… soll der dann nach einem Sieg gegen uns nur kurz zur La Ola in die Kurve und dann brav vor den Mikros erzählen, dass das für ihn auch nur drei Punkte waren und die Konzentration ab sofort dem nächsten Spiel gilt? Nee, Leute… das war Benes Tag und sowohl das T-Shirt, Pfeil & Bogen als auch die umgetretene Eckfahne (in deren Loch Ebbers übrigens später noch die St.Pauli Fahne steckte), kamen 1:1 authentisch rüber und absolut vom Herzen, weil Bene eben auch wirklich Fan dieses Vereins ist und sich mit den Fans identifiziert.
Als “schönstes” Gegenbeispiel fällt mir übrigens grad noch Marinus Bester ein! Der schoß einst gegen unser Amateurteam ein Tor, trug aber unter dem Trikot seines damaligen Vereins ein hsv-Shirt und präsentierte das uns frustrierten Zuschauern. Klar, sorgte nicht für Beifall (sondern nur später für ne Bierdusche) aber ich fand das zumindest bemerkenswert, dass jemand da so zum Verein seines Herzens steht und eben nicht “asozial”.
Gleiches gilt für den “Praktikanten” Bastian Reinhardt. Sein sky-Interview, mit dem Wunderschönen Zitat “Wenn ich sehe, wie die St.Paulianer hier in unserem Stadion feiern, könnte ich kotzen!” dürfte den meisten echten hsv-Fans aus der Seele gesprochen haben. Meine Mutter hingegen war regelrecht empört, sowas dürfte man doch wohl bitte nicht sagen, wie unprofessionell sei denn das…
Ja, mag sein. Aber es kam von Herzen und war nicht durch einen Medienberater weichgespült, also ein ähnliches Ding wie bei Lehmann letzte Woche. Und solche Interviews sind mir eben wesentlich lieber, als ein “Ja, gut, äh… wir sind nach dem Treffer nicht mehr so ins Spiel gekommen. Glückwunsch an St.Pauli, freut mich, ist ja auch ein Hamburger Verein!”-Gelaber. Drecksgewäsch, ein bißchen Kotzen gehört zu so nem Derby eben auch dazu, ansonsten wären wir wieder bei den rosa Tütüs (schreibt man das so?) von Rost aus dem Hinspiel.
Aber gut, man muss das auch nicht totdiskutieren, ich habe meinen Standpunkt wohl vermitteln können.

Pyro und Polizei
Ich habe ja im Gladbach-Text schon einige grundsätzliche Gedanken meinerseits geäußert, die ich hier gerne nochmal zusammenfasse:
Meine Einstellung zu Pyros ist eher neutral. Ich mag die nicht besonders und würde sicher auch selber nie welche abbrennen, ich find die Geruchsentwicklung bei einigen eher scheiße und ich hasse es, wenn Leute damit hantieren, die davon keine Ahnung haben und dann womöglich auch noch andere damit in Gefahr bringen.
Auf der anderen Seite finde ich schon, dass es meistens geil aussieht (YouTube Beispiele aus Österreich, Schweiz, Ex-Jugoslawien und diversen anderen Ländern gibt es genug) und ich kann auch wunderbar damit leben, wenn es bei besonderen Anlässen (und ein Derby ist so einer, insbesondere wenn um 19.10h auch noch gespielt wird) zum Einsatz kommt. Voraussetzung ist natürlich, es machen Leute die damit einigermaßen umgehen können, auch dies sehe ich bei uns aber als gegeben an.
Klar ist auch: Egal ob man Pyros gut oder scheiße findet, derzeit sind sie nicht erlaubt, mit den Konsequenzen muss daher jede Einzelperson ggfs. leben. Und wie im Gladbach-Text erwähnt, muss man das dann auch nicht übertreiben, irgendwann sind Verein/Ordnungsdienst/Polizei eben leider auch gezwungen zu handeln. Andererseits erwarte ich hier, wie in allen Lebenslagen, von der Polizei auch ein den Umständen entsprechendes und angemessenes Verhalten.

Soweit meine leicht indifferente Haltung zum Gesamtkontext.

Konkret zum Mittwoch: Die Erfahrung zeigt, dass ein sinnloses durch den Block stürmen, wie von diversen Augenzeugen am Mittwoch Abend berichtet, selten hilfreich ist und zur sofortigen Gegenreaktion führt. Im oberen Bereich des Blocks ging es wohl noch, umso weiter man nach unten kam desto größer wurde die Gegenwehr, wenig überraschend. Solange also nicht übermäßig gezündelt wird (ich weiß, viel Ermessensspielraum), würde ich als “Polizei” immer draußen bleiben und die per “Videobeweis” identifizierten Leute bequem nach dem Spiel oder meinetwegen auch in der Halbzeit oder am Bierstand rausfischen, um eine Eskalation im Block selbst zu vermeiden.
Da dürften sich diejenigen aus meiner Sicht dann auch nicht mehr großartig drüber beschweren. Tun sie natürlich trotzdem und es kann immer noch zu einer leichten Eskalation kommen, aber zumindest sind weit weniger “Unbeteiligte” als bei dem Eindringen in den Block während des Spiels. Das die Hamburger Polizei dazu grundsätzlich bereit ist, hat deren Auftreten am Millerntor ja beim Gladbach Spiel gezeigt, wo man die Gäste zunächst gewähren ließ und erst nach dem dritten oder vierten Bengalo einschritt, als sich zudem auch noch Leute aus dem Block beschwert hatten. Und selbst da wurde, wie User “Stefan” (den ich persönlich kenne und der weit davon entfernt ist ein Ultra oder Pyromane zu sein) in den Kommentaren des letzten Blogs schrieb, verhältnismäßig ruhig rein gegangen, was am Mittwoch eben auch anders war. Klar ist dann “Deeskalation” auch kein Wort, was man für das Verhalten der Fans im Block verwenden kann, aber das darf wohl auch nicht erwartet werden.

Anders war übrigens die Situation im Sitplatzbereich von 14B. Die Polizei kam an den Gängen herunter, postierte sich und griff dann die entsprechende Person gezielt, kurz und knapp heraus, danach war Ruhe. Ich kann nicht beurteilen, ob die Person die Richtige (im Sinne von Verursacher) war, aber vom gesamten Ablauf her und in der Annahme, dass sie das Auswerten der Videobilder beherrschen, war dies eine Aktion, gegen die ich nicht viel einwenden kann. Klar ist aber auch, dass dies eben viel einfacher in einem von zwei Gängen umrahmten Sitzplatzbereich ist, als in diesem kleinen Schlauch von Stehplatzblock. Und da würde ich mir eben von der Polizei mehr Blick auf die Verhältnismäßigkeit wünschen… und bevor jemand fragt: Nein, ich glaube nicht mehr an den Weihnachtsmann.

Da ich aber auch keine Lust habe, diesen Beitrag über diesen wunderbaren Tag mit einem derart bescheidenen Thema abzuschließen, hier ein Video, welches ich in den letzten Tagen gefühlte Tausend Mal angesehen habe:
[youtube http://www.youtube.com/watch?v=829MsyOIUas]
Danke Thees, für diesen Song!
Danke Jungs, für diesen Abend!
Danke Trainerteam, für diese Jungs!
Danke, FC St.Pauli… und ich weiß, warum ich hier stehe! // Frodo

Links für die Ewigkeit:
Bildergalerie im Abendblatt
Bilder Stefan Groenveld von Bene
Bilder Stefan Groenveld allgemein
Bilder auf fcstpauli.com
Bilder von USP
Bilder und Bericht beim “kleiner Tod”
Bericht aus der Sicht eine Weintrinkers
Bericht bei pathos93
Bericht auf der BreitSeite, Best of hsv-Forum, was für eine Fleißarbeit, Danke!
Bericht beim Lichterkarussel
Bericht bei Neunzehnhundertzehn
Und weil es so schön ist:
Kicker Bericht

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Derbyfolgen und Wettbetrug

Es ist Dienstag! Und auch über ein stattgefundenes Derby hätte heute kaum mehr in den Zeitungen stehen können, als jetzt über das ins Wasser gefallene.

Die Mopo tat sich hier mal wieder besonders hervor und bewies, dass sie nichts anderes ist als die BILD mit geringerer Auflage und kleinerem Format. Gestern verneigte man sich noch ehrfurchtsvoll vor dem hsv und las dem vom hsv bestellten Gutachter jede Silbe von den Lippen ab, obwohl dieser auf seiner Homepage mit dem hsv bzw. der Arena mit den vielen Namen und dem dortigen Rasen explizit als Referenzkunden wirbt. Heißt natürlich noch lange nicht, dass er gelogen hat, nur “unabhängig” im Wortsinne dürfte er damit kaum sein, oder gucken wir zu viele schlechte Gerichtssendungen und sind generell zu misstrauisch? Zumindest werden wir dafür in einem hsv-Blog auf spox.com verteufelt. Aber kein Thema, der Autor “xxlhonk” hat sich selbst ja zumindest nicht als “unabhängiger Gutachter” tituliert. Sein Gedankensprung von zu viel Wasser hin zum Wettbetrug verdient trotzdem unsere Hochachtung.

Heute jedenfalls konnte die Mopo dann noch eins draufsetzen. Ein Cover, auf das an manchen Tagen selbst die BILD Redaktion neidisch gucken dürfte und ein Text der einen resignierend den Kopf schütteln lässt (zumindest online, die Print-Ausgabe hab ich noch nirgends kostenlos auftreiben können… und ja, auch das Anklicken online bringt denen was, aber man muss ja doch irgendwie wissen worüber man sich jetzt aufregt).
Mein persönliches Lowlight: “Die Hooligans des FC St. Pauli – laut Polizeiangaben sind es etwa 300 Menschen – verhielten sich am Wochenende ruhig. Ob sie Racheaktionen planen, ist unbekannt.” Ähm… ja, das hinterlässt sprachlos. Immerhin spricht man von “Menschen”. Ist das die gleiche Kategorie wie sonst “sogenannte Fans”?
Ach, und wo wir grad bei sinnlosen Aufzählungen mit schwer messbaren und schon gar nicht belegbaren Zahlen sind:
Die ausgebildeten Al Quaida-Kämpfer (nach Wikipedia-Angaben sind es ca. 70.000) verhielten sich am Wochenende ebenfalls ruhig. Ob sie evtl. Aktionen planen, ist ebenfalls unbekannt. Aber wenn es bekannt wird, kann man es sonst sicher in der Mopo nachlesen…
Auch die Aussage “Anstoß ist vermutlich um 18.00h – mitten im Berufsverkehr!” ist blanke Spekulation. Wir wollen diese Zeit nicht ausschließen, und die ebenfalls kursierende (und wahrscheinlichere) Zeit von 18.30h ändert an der Verkehrslage nur wenig, doch neben 18.30h ist auch ein Termin von ca. 20.00h durchaus möglich. Die frühere Zeit war bei ähnlichen Fällen meist ein Entgegenkommen an sky, die dann an jenem Abend erst die Bundesliga (bzw. meist eher 2.Liga, da in der 1.Liga kaum Spiele ausfallen) und danach die Champions League zeigen konnte. Wie viel Mitspracherecht die Polizei aber bei Ansetzungen des Hamburger Derbys hat, zeigte sich schon beim Hinspiel, als die Spieltagsregel “Donnerstag in der Europa League, dann Sonntag in der Bundesliga” für den VfB Stuttgart ausgehebelt wurde und stattdessen am Millerntor Sonntags angepfiffen wurde. Und neben der Entlastung des Berufsverkehrs ist ein Spielende nach 22.00h für Berufstätige vielleicht noch eher ein Grund schnell nach Hause zu gelangen, was der Polizei wahrscheinlich wesentlich lieber wäre. Zugegeben, alles Spekulation und die heutige(?) Ansetzung des Termins wird es ja zeigen, inwieweit die Mopo mit ihrem “vermutlich 18.00h” ins Schwarze getroffen hat.

Alles in allem: Boulevard at it’s best. Ängste schüren, reißerisches Titelfoto, ein Artikel ohne wirkliche Neuigkeiten und ganz viel Luft um gar nichts. Da fragt man sich wirklich, warum es neben der BILD noch ein Konkurrenzprodukt geben muss, als wenn ein derartiges Erzeugnis für Hamburg nicht ausreichen würde.

Wettskandal:
Ein weiterer Aufreger am gestrigen Tag war dann die Ankündigung des ARD Magazins “Fakt”, dass zum einen ein weiteres St.Pauli-Spiel unter Betrugsverdacht stehe (das 1:4 im September 2008 in Lautern) und neben dem bereits geständigen Rene Schnitzler weitere St.Pauli Spieler “unter Verdacht” stünden, darunter auch Spieler des aktuellen Kaders. Die Sendung war dann aber eher unspektakulär, und da die Namen ja nur einmalig von dem Verdächtigen genannt wurden, wolle man sie auch nicht öffentlich machen, prangerte aber an, dass der Verein sich dazu in den letzten Wochen nicht äußern wollte.
Tja, was soll man dazu auch sagen? Haben sie erwartet, dass der FC St.Pauli sich jetzt hinstellt und sagt: “Klar, Spieler XY steht da auch unter Verdacht, können sie gerne senden… wir glauben zwar an seine Unschuld, aber Unschuld beweisen geht gegen solche substanzlosen Vorwürfe schlecht, also ziehen sie die arme Sau gerne durch den Kakao. Irgendeine Sau muss man ja durchs Dorf treiben und Dschungel-Camp ist ja leider vorbei, verstehen wir schon!”

Hat der Verein verständlicherweise nicht getan, stattdessen gab es jetzt heute eine Pressemitteilung, die wir Euch gerne hier im Wortlaut abdrucken:
Seit einigen Wochen veröffentlichen verschiedene Medien Einzelheiten, Namen, Fakten und Analysen aus dem von der Staatsanwaltschaft Bochum untersuchten Wettskandal um Spielmanipulationen auch im deutschen Fußball.
Dabei ist verschiedentlich in der Vergangenheit auch der FC St. Pauli genannt worden, ins-besondere von Personen, die die Staatsanwaltschaft als Beschuldigte vernommen hat. Hierzu hat der Verein bereits in der Vergangenheit eine Stellungnahme abgegeben und sich ganz besonders auch schützend vor den namentlich genannten Spieler Mathias Hain gestellt. Und dies völlig zu Recht, denn die ohne Prüfung und unverantwortlich geäußerten Vorwürfe gegen Matthias Hain haben sich nach unserer Auffassung als völlig haltlos erwiesen.
Weiterhin haben Medien berichtet, dass eine Reihe weiterer Spieler aus dem aktuellen Kader zusammen mit dem früher für den FC St. Pauli spielenden René Schnitzler sogenannte „Wettpaten“ getroffen haben sollen. Indes hat einer dieser Wettpaten eingeräumt, die Spieler nie gesehen und dieses nur vom „Hörensagen“ erfahren zu haben. Der FC St. Pauli legt Wert auf die Feststellung, dass sowohl der Verein als auch alle in irgendeinem Zusammenhang genannten Spieler des aktuellen Kaders voll und ganz die Arbeit der Staatsanwaltschaft unterstützen. Dazu zählt insbesondere, dass kürzlich drei Spieler der Lizenzmannschaft der Staatsanwaltschaft als Zeugen Rede und Antwort gestanden haben. Dies ist ein völlig normaler Vorgang, er belegt einzig, dass beim FC St. Pauli alle Kräfte gebündelt werden, um die Fakten aufzuklären.
Der Verein legt weiterhin Wert auf die Feststellung, dass gegen keinen dieser drei Spieler in irgendeiner Weise ein Verdacht der Spielmanipulation vorliegt. Ebenso wird gegen keinen von ihnen, oder weitere Spieler aus dem aktuellen Kader, ermittelt.
Die Vereinsführung und die sportliche Leitung sind zu 100% davon überzeugt, dass die von den eigentlich Beschuldigten wahllos geäußerten Vorwürfe unter Nennung von Namen sich als das herausgestellt haben, was sie tatsächlich sind, nämlich Unwahrheiten. Verbunden mit der Absicht sich selbst zu entlasten oder noch mehr zu bereichern.
Deshalb ist es aus Sicht des Vereins auch eine besondere Verantwortung der Medien, genau zu differenzieren und nicht etwa auf eine bloße Namensnennung hin einzelne Spieler auch nur in den Dunstkreis der Manipulation zu rücken.
Der Unfallzeuge ist kein Unfallbeteiligter!
Der Verein wird sich mit rechtlichen Schritten gegen Darstellungen wehren, die den Eindruck erwecken, Spieler des aktuellen Kaders hätten an Manipulationen teilgenommen.

Gut gebrüllt, Löwe, und viel mehr wird man da als Verein tatsächlich derzeit nicht tun können. Um 12.30h ist für heute noch eine Pressekonferenz zum Thema angesetzt, sollte dabei noch etwas Weiteres erzählt werden, ergänzen wir dies hier.

Schließen wir daher den Blog bis hierhin mit den ehrlichen Worten von Ian Joy auf Twitter: “Wettskandal – WTF! Rene was a good guy but dumb. I honestly don’t believe any other player has taken money to throw a game when I was there.” // Frodo

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