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Tansania Tagebuch – Teil VI

Letzter Tag Sansibar und wieder Richtung Dar es Salaam zum Derby!

  1. März Sansibar → Dar es Salaam
    Vormittags besuchen wir in einem winzigen Dorf im Nirgendwo ein Frauenprojekt. Dort fertigen die Frauen des Dorfes ziemlich fancy Handtaschen und Fächer und Seife.
    Sie erzählen uns ihre Schwierigkeiten Absatzwege zu finden, da sie nicht mal einen Markt in der Nähe haben, um ihre Waren zu verkaufen. Sie verkaufen also im Grunde nur über Bestellungen aus den umliegenden Dörfern. Auf die Frage, wie die Männer sie dabei unterstützen erfahren wir, dass sie es ihnen immerhin erlauben, so lange sie Hausarbeit und Kindererziehung nicht vernachlässigen, die landwirtschaftlichen Aufgaben nicht liegen bleiben und das Essen pünktlich auf dem Tisch steht. Also Unterstützung null, eine winzige Akzeptanz kommt höchstens, wenn Geld rein kommt.

    Die Spielerinnen Aguila und Mwana halten eine flammende Rede um die Frauen zu ermutigen und zu bestärken weiterzumachen und sich nicht beirren zu lassen. Die beiden stechen sowieso sehr heraus in ihrem Engagement, fragen mehr, melden sich häufiger zu Wort. Übrigens begleitet uns bei allen Ausflügen immer unsere totale Rettung, unsere Dolmetscherin Pilli, die unermüdlich übersetzt und unsere Fragen zu allem beantwortet. Und verständnisvoll erträgt, dass wir immer wieder über Wartezeiten meckern.

    Danach noch kleiner Stadrundgang in Stone Town. Gewürze und eine Strohtasche gekauft. Abfahrt mit der Fähre von Sansibar. Nette Überraschung: Am Hafen liegt ein Containerschiff mit meinem Namen. Na ja fast. ARIANA. Zum ausreisen müssen wir schon wieder irgendwelche Formulare ausfüllen. Kommen zum Feierabendverkehr in Dar an und brauchen ewig bis zum Hotel.
Letzter Tag Sansibar auf dem Dorf, mit riesigen Achatschnecken auf Bananenstauden, Stone Town, Gassen, Hafen, Kätzchen, schöne alte Häuser, Fähre, Fischerboote
  1. März – Internationaler Frauentag, Daressalaam

    Bah war das ein langer Tag wieder. In Dar es Salaam zurück gab es als Programmpunkt eigentlich nur das Derby im Nationalstadion zwischen YANGA SC gg Simba SC. Also die Herrenmannschaften. Das ist wie HSV- FC St.Pauli. Also Rivalität bis hin zur Feindschaft. Nur halt Erste Liga.
    Vor dem Spiel aber waren wir in so einer Art Veranstaltungsort, wo wir zum Essen eingeladen waren von einer reichen Sponsorin. Es kam auch ein Fanklub, der mit Trommeln und Tanz ordentlich fürs Spiel eingeheizt hat. Wir kriegen jede noch einen traditionellen tansanischen Stoff geschenkt und ich konnte dadurch wieder was von der Zu-besorgen-Liste abhaken.
    Um kurz nach 13h geht es für uns dann auch schon los zum Stadion. Es folgen hitzige Diskussionen, denn die Ordner wollen unsere Busse nicht reinlassen, OBWOHL wir offizielle Gäste sind. Yanga SC hat heute Hausrecht. Es werden lange Verhandlungen geführt, bis wir endlich missgelaunt durchgewunken werden.
    Werden von Simba-Fans im Block nebenan frenetisch begrüßt und bejubelt, also wahrscheinlich nicht wir Hamburgerinnen, sondern natürlich die Simba Queens, die immer homogen in den Vereinsklamotten auftreten, aber es fühlte sich trotzdem toll an.
    Das riesige Stadion füllt sich bereits ab 14h zusehends. Als Vorprogramm spielen die U17 Mannschaften (wir waren auch erst im Gespräch, aber das zerschlug sich dann doch). Da gewinnen noch die Simbas. Vom rotgekleideten Publikum wird ihnen nach Abpfiff Geld hingeschmissen, was sie dankbar und lachend aufsammeln.
    Das Stadion ist nicht nur bis auf den letzten Platz besetzt sondern auch alle Aufgänge. Jetzt bloß keine Massenpanik. Die Händler mit Fanutensilien, Chips, Eis, Getränken schlängeln sich irgendwie trotzdem durch. Pssspss! Kssssksss! Machen sie. Ich kaufe mir eine rotgeringelte Simba-Bommelmütze, die trotz Hitze gut tragbar ist und mir ausgesprochen gut steht. Ich hab dazu aber auch den ziemlich pfiffigen Style der Mützenverkäuferin abgeschaut.
    Ein höchstwahrscheinlich chinesischer Mann spricht mich auf unsere St.Pauli Trikots an. Er kenne den FC St.Pauli.
Im Nationalstadion Tansanias. Linke Hälfte die roten Simba Fans, rechte Hälfte die gelbgrünen Yanga Fans. Im Vorprogramm gewinnt die U17-Mannschaft der Simbas.

Anpfiff 17 Uhr. Yanga gewinnt 1-0. Der Torschütze rennt nicht etwa zur eigenen Kurve, sondern zu den Simbafans und verhöhnt sie, indem er u.a. einen Hund nachahmt, der in ihre Richtung pisst. Da wär ich jetzt nicht so stolz drauf.
Tja, irgendwie doof so kur nach dem Hamburger Derbysieg hier auf der Verliererseite zu stehen, aber das Drumrum war irgendwie eh wichtiger.
Ansonsten vieles wie bei uns im Stadion. Ohne Ende Fanklubs mit Bannern überall. Der befürchtete Vuvuzelalärm hielt sich in Grenzen.

Nach dem Spiel sind die ein- bis dreispurigen Straßen plötzlich 4- bis 5-spurig und trotzdem komplett und unlösbar verstopft. Unser Busfahrerheld kennt zwar ein paar Tricks und Schleichwege, aber es ist klar, dass es im Hotel nichts mehr zu essen geben wird. Wir kehren daher in einem Areal ein, wo es verschiedene Bars und Imbisse gibt, wo man draußen sitzt und die Leute zum Ausgehen hinkommen. Während wir auf das Essen warten (lange), lerne ich einen tansanischen Stadtplaner kennen, der im Dezember noch in Hamburg war und begeistert von den Weihnachtsmärkten erzählt und dass der deutsche Professor, mit dem er zusammen gearbeitet hat, ein glühender St.Pauli Fan ist. Die Welt ist klein.
Morgen geht es in die Pampa und voraussichtlich gibt es da kein Internet und Telefonnetz. weiter

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Tansania Tagebuch – Teil V

Weiter geht die Reise der St.Pauli Frauen und den Simba Queens, wir sind noch in Sansibar und haben wieder mal einen vollgepackten Tag! Inklusive Mao Tse-tung Stadion!

  1. März – Sansibar
    Interneeeet! Kurzes Zeitfenster mit Internet weil in einem wunderschönen, großen Strandcafę. Den Nachmittag nutzt der Hauptteil von uns mal für einen relaxten Strandaufenthalt. Wir versuchen ein paar der Simbas das Schwimmen beizubringen (was nicht so kurzfristig klappt) und haben viel Spaß. Einzig störend: Männer, die uns vom Strand aus beobachten und scheinbar auch fotografieren. Dann kalte Biere im Strandcafé, das Internet nutzen, um mit der Heimat zu kommunizieren und die Welt ist gerade wieder in Ordnung (bis auf die merkwürdigen Nachrichten über Corona, etwas was hier gedanklich und geografisch völlig weit weg ist).

    Aber der Reihe nach: Heute Vormittag zunächst eine traditionelle Tanz- und Musikgruppe Sansibars angesehen. Ein Mann mit beeindruckenden Backenvolumen und einem Blasinstrument wird auf der Bühne begleitet von traditionell gekleideten Tänzerinnen und Tänzern und nach und nach der ganzen Simbas und St.Paulifrauen. Es wird viel gelacht und getanzt und getrommelt. Danach besuchen wir eine integrative Grundschule. Es ist irgendwie nicht so ganz klar, warum wir was machen und was genau es mit dem Oberbegriff des Projektes ‘Gender Equality’ zu tun hat. Interessant ist es natürlich trotzdem und ich sauge erstmal alles auf. Die Mädchen tragen alle Kopftuch, egal wie klein. Eine deutsche Lehrerin erzählt mir, dass das in Sansibar bei den muslimischen Mädchen teilweise schon im Babyalter anfängt, diese merkwürdigerweise gleichzeitig manchmal schon (als Babys) geschminkt würden. Die Zeit ist zu kurz das genauer zu ergründen.
    Uns wird die Klasse der Sehgeschädigten präsentiert. Die Schüler*innen singen uns ein Lied, über die sehr schlimme Diskriminierung, die sie erleben. Danach spielen sie für uns Blindenball im Sitzen, mit einem Ball, der innen Glöckchen hat. Der ehrgeizige Junge vorne hat seine Augenbinde etwas hochgeschoben und schummelt.

Traditionelle Tänze und eine integrative Grundschule Sansibars

Danach erstmal Essen. Und dann die erlösende Nachricht, dass es zum Strand geht. Das bringt so unendlich viel Entspannung. Einige der Frauen sind aber zum ‘Mao Tse-tung Stadion’ (Sansibar war mal hart sozialistisch), für ein Testspiel und einem ‘Workshop’. (‘Workshop’ in Anführungszeichen, weil wir etwas anderes unter Workshop verstehen als die. Hier bedeutet es eigentlich nur, dass jemand einen Vortrag hält und auf Fragen antwortet.) Woraus dieser Workshop genau bestand weiß ich nicht, wir Strandgängerinnen sind erst Abends dazugestoßen um die anderen abzuholen.

Abends durch die Altstadt Stone Towns spaziert, am Freddy Mercury Museum vorbei gelaufen, seitdem einen Dauerohrwurm – I Want It All!, Souvenirs gekauft mit teils zähen Verhandlungen und danach wieder Food Market. Kaum angekommen platzte auf einmal der Himmel auf und es goss auf einmal wie aus Schleusen. Die Händler spannten hektisch Planen auf, unter die wir und die restlichen Marktbesucherinnen sich dichtgedrängt unterstellen konnten. Es wurde gemeinsam ausgiebig gelacht und es herrschte eine ganz wunderbare solidarische Stimmung zwischen allen, egal ob Standbesitzer, Zanzibari oder Touristin. Trotzdem patschnass geworden und mit Bus zum Hostel. weiter

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