Buchvorstellung: „42,195 Kilometer“ von Amanal Petros und Mara Pfeiffer

„42,195 Kilometer – Mein langer Lauf in die Freiheit“ – Amanal Petros / Mara Pfeiffer

„Nach jedem Marathon fühle ich mich absolut frei. Für einen kurzen Moment gibt es nichts und niemanden auf der Welt. Nur mich und das Wissen: Ich habe es geschafft. Es ist das beste Gefühl der Welt.“

Amanal Petros ist Läufer. Er läuft Marathon. Langstrecke. Crossläufe. Er läuft immer und überall. Das Laufen ist nicht nur Teil seines Lebens. Laufen ist sein Leben. Er läuft für sich, für Deutschland und für seine Familie. Er ist Rekordhalter, Olympiamedaillensieger, Europameister, Vizeweltmeister. Nun hat er eine Autobiografie veröffentlicht, in der es um mehr als nur um Sport geht.

Aufgewachsen ist er in der Region Tigray. Seine Kindheit war geprägt vom Grenzkrieg zwischen Eritrea und Äthiopien. Nach seiner Flucht nach Deutschland im Jahr 2012 kam er in einem Wohnheim für Geflüchtete in Bielefeld unter. Anfänglich war er verwirrt von den Verhaltensweisen der Deutschen – beispielsweise davon, dass sich deutsche Männer zur Begrüßung nie küssen oder umarmen –, dennoch wurde Bielefeld schnell sein neues Zuhause und Sport ein wichtiger Zeitvertreib.

Bei seinen ersten sportlichen Ambitionen in einem Fußballverein zeigt sich seine beeindruckende Schnelligkeit. Sein erster Laufwettbewerb im ostwestfälischen Espelkamp, bei dem er endgültig seine Leidenschaft für den Laufsport entdeckt, wird der Beginn einer Karriere, die sowohl sportlich als auch menschlich beeindruckt.

Die Leser*innen erfahren nicht nur von den vielen Stationen seiner LAUFbahn (das Wortspiel konnte ich doch nicht liegen lassen), sondern bekommen in zahlreichen Rückblenden auch einen Eindruck von seiner Kindheit in Tigray. Die Geschichte seiner Flucht steht nie im Vordergrund – im Gegenteil. Man erfährt nur sehr wenig über die Umstände, unter denen er nach Deutschland kam. In seiner Erzählung konzentriert er sich auf sein Ankommen in seiner neuen Heimat und darauf, welche Rolle der Sport bei seinem Weg in die deutsche Gesellschaft gespielt hat.

Während Amanal Petros sich um seine Einbürgerung bemühte, wurde das Laufen mit seinen Rankings und Bestenlisten für ihn zu einer Methode, sich als Teil von etwas Ganzem zu fühlen. Dennoch durfte er zunächst nicht international für Deutschland antreten und seine Teilnahme an Wettkämpfen und Trainingslagern unterlag nervenzehrenden Auflagen. Dies änderte sich erst, als er schließlich im Jahr 2015 die deutsche Staatsbürgerschaft erhielt und sich bei seinem ersten Crosslauf im Nationaltrikot mit einer Bronzemedaille belohnte. Seine Liebe zu seiner Mutter und seinen Schwestern war bei all dem ein zusätzlicher Antrieb, denn seine sportlichen Erfolge erlaubten es ihm, seine Familie in Tigray finanziell zu unterstützen. Für ein Trainingslager im kenianischen Iten betrat er schließlich zum ersten Mal seit seiner Flucht wieder afrikanischen Boden.

Amanal Petros erzählt all das mit Ehrlichkeit und sehr viel Herz. Zwischen den Zeilen glühen seine Liebe und seine Leidenschaft für seinen Sport, seine Familie, seine neue und seine alte Heimat. Seine Geschichte lässt erahnen, wie viel Kraft und Disziplin ihn sein Weg gekostet hat.

Die Autorin und Sportjournalistin Mara Pfeiffer, die Anfang September 2026 auch mit der Tischfußball-Weltmeisterin Linh Tran einen Bestseller veröffentlicht hat, stand Amanal Petros beim Verfassen seiner beeindruckenden Autobiografie als Co-Autorin mit Wort und Tat zur Seite. Dank ihrer journalistischen Arbeit und ihres gradlinigen Schreibstils, ist seine Biografie eine spannende Lebensgeschichte, nach der man sich sogar als Laufmuffel am liebsten die verstaubten Joggingschuhe anziehen möchte.

PS.: Ich war nach diesem Buch tatsächlich mal wieder laufen, bin aber leider nicht über mickrige 5 km hinausgekommen – bis zu meinem Marathon ist es also noch ein weiter Weg. Amanal, lauf du ruhig schon mal vor, warte nicht auf mich.

Danke an Droemer Knaur für das Rezensionsexemplar.


„42,195 Kilometer – Mein langer Lauf in die Freiheit“ – Amanal Petros / Mara Pfeiffer
Droemer Knaur | ISBN 978-3-426-56722-7
24,00 € | 328 Seiten


Fotohintergrund: H&CO/Unsplash

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