Schlagwort-Archive: FC St.Pauli

Wehen wer?

Ausgangspunkt

Wehen wer? Eine lange „Tradition“ haben die Spiele gegen das Team aus Hessen nicht. Denn das Fußballunternehmen SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH mischt erst seit rund zehn Jahren im Profifußball mit. Zuvor firmierte das Team unter dem Namen „SV Wehen 1926 – Taunusstein e. V.“ und spielte, mehr oder weniger, unter ferner liefen im oberen Amateurbereich. Dann wurde das Unternehmen Brita (die mit der Wasseraufbereitung) auf den Verein aufmerksam und initiierte in der Folge den Umzug nach Wiesbaden in das neugebaute Stadion. Im Jahr 2007/2008 gelang dann erstmals der Aufstieg in die 2. Bundesliga. weiter

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Heute zu Gast am Millerntor: Holstein Kiel

Am Montag ist mit der Kieler Sportvereinigung Holstein von 1900 e. V. eine alte Bekannte zu Gast am Millerntor. Die Störche sind seit der Saison 2017/2018 wieder in der zweiten Liga und haben mit den Platzierungen 3 und 6 in den vergangenen beiden Saisons eine beachtliche Leistung gezeigt.

Der Saisonstart

In der noch jungen Spielzeit haben die Kieler bisher allerdings einen durchwachsenen Saisonstart hingelegt. Am ersten Spieltag gelang ein Unentschieden beim Heimspiel gegen den SV Sandhausen (1:1), gefolgt von einer 0:4 Auswärtsniederlage bei Darmstadt 98. In der ersten Pokalrunde beim FSV Salmrohr konnten die Störche dann einen ungefährdeten 6:0 Sieg einfahren, ehe am vergangenen Wochenende ein 2:1 Heimsieg gegen den Aufsteiger aus Karlsruhe gelang. weiter

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Rückblick auf die Prognose 2017 und neue Prophezeiung 2018

Hello again!
Wie schon in den letzten Jahren (2013201420152016 & 2017) hab ich es natürlich mal wieder nicht geschafft, die Saisonprognose pünktlich und noch während der Saison auszuwerten.
So laufe ich also mal wieder hinterher, was aber den angenehmen Nebeneffekt hat, dass die Auswertung gleich mit erfolgen kann.

Für die neuen Saisonprognose bitte einmal ans Ende scrollen und die Fragen in die Kommentarbox kopieren. weiter

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Preisübersicht: Dauerkarten 1. & 2. Fußball-Bundesliga 2018/2019

Hello again!

(Die letzten Jahre zum Zurückblättern: 201120122013201420152016 und 2017)

Wie immer gilt es, folgende Hintergründe zu den nackten Zahlen zu lesen, ehe man sich unnötig aufregt:

Am Wichtigsten: Es ist nur eine Zahlenspielerei.
Nicht mehr hineininterpretieren als meine Langeweile in der Sommerpause, gepaart mit einer kleinen Affinität zu Excel-Tabellen.

Es gibt drei Kategorien, aus Gründen der Vergleichbarkeit alle für Vollzahler, ohne Ermäßigung oder Mitgliederrabatt.
Neben dem Stehplatz (i.d.R. der Stehplatz der Ultrà-Gruppierung, am Millerntor also die Süd statt der Gegengerade) gibt es zwei Sitzplatzkategorien:
Der günstigste Sitzplatz überhaupt (ohne Familienbereich und Sichtbehinderung), sowie der Teuerste auf der Gegengerade, ohne Business-Seats und Logen. Wenn es auf der Gegengeraden keine Sitzplätze gibt (trifft nur auf wenige Vereine in Liga 2 zu), habe ich die (subjektiv) am ehesten vergleichbare Kategorie genommen, i.d.R. dann mittig auf der Haupttribüne.
Diese drei Kategorien zusammen ergeben eine Summe, nach der die Tabelle sortiert ist. Klar, könnte man anders lösen, aber auch nach sieben Jahren mit einigen Vorschlägen ist eben immer noch keine (praktikable) bessere Lösung in Sicht.
Ebenfalls klar: Der “billigste” Sitzplatz in den Arenen von München, Schalke oder Dortmund bietet eine immens schlechtere Sicht aufs Spielfeld, als die günstigsten Plätze in kleineren Stadien wie Freiburg, Sandhausen oder am Millerntor.
Und: ein Stadion mit hohem Stehplatzanteil muss über dieses Segment mehr Geld einbringen als ein Stadion mit fast nur Sitzplätzen, wo man die wenigen Stehplätze eben leicht sehr günstig abgeben kann. Außerdem gehen Vereine mit großem Stadion und geringerer Auslastung natürlich eher mit einem günstigen Preis an den Start, als es ständig ausverkaufte kleinere Stadien tun.
Einzig faire Variante wäre wohl eine Einzelplatzzählung mit jeweiligem Preis und am Ende die Teilung durch die Anzahl der Plätze… außerdem müsste dann irgendwie noch die Verteilung von Steh- und Sitzplätzen sowie besagte Stadiongröße einfließen.

Gerade letzteres sorgte auch in den letzten Jahren immer wieder für (teils hitzige) Diskussionen in den Kommentaren oder auch per e-mail, doch bis heute hat es, trotz vielfacher Aufforderung nach einem “Ey, ist doch ganz leicht, mach’ es einfach so und so!” noch niemand geschafft, zumindest für den eigenen Verein eine solche transparente “Preis-pro-Platz”-Vergleichszahl zu errechnen. Besonders erbost sind auch immer die Fans der Vereine, die oben stehen, doch auch von denen kam bisher noch nicht mal für den eigenen Verein eine Beispielrechnung, wie es “fairer” geht.

Insofern: nehmt die Statistik nicht ernster, als sie gemeint ist.

Es ist eine Spielerei, die dann am Ende nach einer völlig fiktiven Summe sortiert ist, nämlich der Summe dieser drei Kategorien. Und es gibt wohl niemanden auf der Welt, der genau je eine Karte dieser drei Kategorien erwirbt, es bleibt also lediglich ein Beispiel.
Sollte ich stattdessen nach einer der drei einzelnen Kategorien sortieren? Ja, könnte man auch machen, dann würden wieder andere meckern. Immerhin sind die drei jeweils teuersten und günstigsten Vereine pro Kategorie farblich hervorgehoben.

Kauft sich jetzt irgendjemand die Dauerkarte eines anderen Vereins, nur weil der günstiger ist?
Wohl kaum. Wie gesagt, es ist nur eine Spielerei.

Nicht berücksichtigt sind Rabatte für Mitglieder, auch wenn man in den meisten Vereinen inzwischen Mitglied sein muss, um an eine Dauerkarte ranzukommen.
Nur: Hat man dann erst mal eine Dauerkarte, könnte man auch wieder aus dem Verein austreten, würde sein Vorkaufsrecht aber trotzdem behalten.
Ausnahme 2018: Union Berlin, dazu später mehr.

Ebenso nicht berücksichtigt ist, ob der ÖPNV enthalten ist. Bei einigen Vereinen ist dies durch die Stadionlage durchaus ein Kostenfaktor. Nur geht es hier ja nicht um Gästefans, sondern um Heimfans, bei denen sicher oftmals bereits auch eine ÖPNV-Monats-/Jahreskarte vorliegt, auch dies ist also schwer transparent mit einzuberechnen.
Bei einigen Vereinen ist die U23 gratis mit drin, andere gewähren eine Ermäßigung, wieder andere haben keine U23 mehr, bieten dafür aber U19 und U17-Bundesliga gratis – die ist bei wieder anderen aber ohnehin für alle Gratis.
All diese Faktoren müssten also für den Einzelfall berücksichtig werden, fallen aus dieser Tabelle aber heraus.

Alle Zahlen sind manuell auf den einzelnen Websites der Vereine rausgesucht und nach bestem Wissen und Gewissen übertragen worden. Sollte sich da ein Fehler eingeschlichen haben, lasst es mich in den Kommentaren oder per Mail an blog(at)uebersteiger.de wissen.
Und natürlich freue ich mich generell über jede Form der Rückmeldung in den Kommentaren, zumindest wenn Ihr vorher die hier eben gemachten Anmerkungen gelesen habt.

So weit vorab die grundlegenden Infos, kommen wir zu den aktuellen Zahlen und Besonderheiten dieser Saison:

1.Bundesliga

Zur letzten Saison erhöhten nur drei der 16 verbleibenden Erstligisten die Preise (Frankfurt, Dortmund, Bremen), diese Saison sind es erneut drei Clubs.
Heißt aber auch: Bei den anderen 13 Vereinen bleiben die Preise stabil.
Mehr als im Vorjahr zahlt man in Dortmund (ca. 2% in allen Kategorien), Freiburg (ca. 6% in allen Kategorien) und in Stuttgart. Beim VfB ziehen Stehplatz und günstigster Sitzplatz um 17,-€ an, während die teureren Sitzplätze stabil bleiben. Das ist ja auch mal ein Statement. (Sollte es dafür einen tieferen Grund geben, diesen gerne in die Kommentare packen.) Nachtrag: Haha, Quatschkram erzählt, bin nur in der Spalte verrutscht. Der VfB Stuttgart erhöht in allen Kategorien gleichwertig um 17€.
Hannover 96 ist ein Sonderfall, da ich da bisher immer die 5% Rabatt für Vorjahres-Dauerkarteninhaber mit drin hatte, da dies nahezu einzigartig war. Nun fangen mehr Vereine damit an und es wird unübersichtlich, daher sind jetzt alle Daten ohne “Treuerabatt” und die Hannoveraner Preise eben 5% höher erfasst als letztes Jahr, auch wenn sich der Preis nicht verändert hat.
Wer gleichzeitig noch Mitglied und oder Kunde einer bestimmten Bank ist, kann diesen Rabatt sogar auf 10% oder 15% erhöhen. Mitgliederrabatt bieten allerdings auch fast alle Vereine an.

Der Deutsche Pokalsieger, Eintracht Frankfurt hat den “Titel” verteidigt und verkauft weiterhin die teuersten Tickets. Allerdings liegen die Stehplatztickets mit 180€ unterm Ligaschnitt, dafür sind 383€ für den billigsten Sitzplatz der drittteuerste Wert und mit 803€ für die beste Sicht ist man am Main sogar Ligaspitze. Die teuerste Karte in dem Segment hatte bisher der Hamburger SV, aber der folgt ja erst in der nächsten aufgezählten Liga.
Am günstigsten ist der Erstligafußball nach wie vor in Wolfsburg. 130€ für den Stehplatz sind ebenso wie 200€ für den günstigsten und 400€ für den teuersten Platz das preiswerteste, was die Liga zu bieten hat. Wer also gut gucken will, kann in Wolfsburg zwei Premiumsitze zum Preis von einem Frankfurter Sitz kaufen… wird sicher trotzdem niemand deswegen tun, schon klar.

Noch ein Blick auf die Aufsteiger:
Der 1.FC Nürnberg landet mit sehr günstigen Werten nur knapp oberhalb von Hoffenheim und Wolfsburg. Die Karten kosten 22% mehr als in der letzten Zweitligasaison. Hier lohnt natürlich auch der Blick auf das letzte Erstligajahr: Im Vergleich zur Saison 2013/14 sind die Preise um etwa 6,4% gestiegen. So weit sicher im Rahmen, allerdings auch hier ein Ungleichgewicht bei den Kategorien: Die Stehplatztickets kamen damals 165€ und jetzt 190€. Die teuersten Sitzplätze kosteten damals 519€… und jetzt immer noch.
Fortuna Düsseldorf hatte letztes Jahr die zweitteuersten 2.Ligatickets. Dementsprechend erhöht man jetzt nur um moderate 6%, schiebt sich damit aber auch noch die die obere Hälfte. Und wer auf diesen bunten Sitzschalen gut gucken möchte, zahlt mit 759€ sogar den dritthöchsten Preis der Liga.

Durchschnittlich zahlt der Erstligafan für seine Stehplatzdauerkarte 185€, am teuersten sind diese Tickets in Dortmund und Stuttgart (je 215€) sowie Freiburg (210€). Die günstigsten Steher gibt es wie schon erwähnt in Wolfsburg (130€) sowie bei den beiden Champions League-Teilnehmern Bayern (140€) und Hoffenheim (150€).

319€ kostet im Schnitt der

“billigste Sitzplatz” weiter

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Das untere Mittelmaß in Zahlen – Die Saison 2017/2018 in der Statistik-Rückschau

Es ist soweit: Ich habe einmal ganz tief durchgeatmet (vermutlich lag es an der Elternzeit, die ich zwischendurch hatte) und möchte nun die Saison des FCSP aus statistischer Sicht angehen. Wer ab und an mal den MillernTon hört, der hat vielleicht schon mitbekommen, dass ich unter anderem ‚deep in love‘ mit expected Goals bin. Deswegen werde ich diese Daten natürlich bis ins kleinste Detail auswerten. Aber ich nehme auch einige der „üblichen Verdächtigen“ Statistiken mit auf, da das Bild dann etwas runder wird.

Ich möchte vorwegnehmen, dass meine Vorliebe für Statistiken im Fußball leider nicht mit einer Vorliebe für statistische Methoden einhergeht. Ehrlichgesagt rufen Begriffe wie ANOVA, Normalverteilung, RMSE und Akaike information criterion eher Grausen bei mir hervor. Daher kann es durchaus sein, dass die hier präsentierten Statistiken es mit der Signifikanz nicht sonderlich genau nehmen, stattdessen aber mit ganz viel Herzblut gefüllt sind.

Platz 12 von 18 Teams bedeutet unteres Mittelmaß für den FCSP. Nimmt man die Ziele der Vereinsführung als Maßstab, dann müssten wir die Saison im oberen Drittel der Tabelle beendet haben. Warum das nicht passierte, ob wir diese Platzierung verdient haben und woran in der Vorbereitung dringend gearbeitet werden sollte, lässt sich auch ein wenig anhand verschiedener Statistiken zeigen.

Ein Blick auf die 2.Bundesliga

Im tiefen FCSP-Twitter-Kosmos existiert ein „nameless, genderless robot“ namens stpaulistats. Die Tweets sind zwar deutlich nicht so objektiv wie man es von einem Roboter erwarten würde, aber in steter Regelmäßigkeit wird die Internetseite von stpaulistats mit Daten aller Zweitligisten von football-data.co.uk und data.fivethirtyeight.com gefüllt. Da ich die Daten von fivethirtyeight ebenfalls gesammelt habe, möchte ich auf die Daten der sogenannten „shot table“ eingehen. Diese Tabelle beinhaltet alle Torschüsse der Saison 17/18 aber auch weitergehende Statistiken, die sich aus den Torschussverhältnissen errechnen lassen.

(Source: http://stpaulistats.blogspot.com/p/main-table.html)

Ob und wie aussagekräftig die in dieser Tabelle angeführten Statistiken sind, überlasse ich jedem selbst. Aus meiner Sicht wird vor allem eines mehr als deutlich: Der 1. FC Kaiserslautern hat den Abstieg verdient. Denn sowohl bei den eigenen als auch bei den gegnerischen Torschüssen (gesamt und nur Schüsse aufs Tor) belegen sie den letzten Platz. Da hilft dann auch der zweithöchste PDO wenig, da die total shot ratios deutlich die schwächsten der Liga sind (der PDO, auch Glücksfaktor genannt, ist übrigens das Verhältnis von eigener Chancenverwertung (Score %) vs. gegnerischer Chancenvernichtung (Save %) und die total shot ratios geben das Verhältnis eigener Torschüsse zu denen des Gegners an). Folgt man dieser Statistik, so wird ein zentrales Problem des FCSP deutlich: die Chancenverwertung lässt arg zu Wünschen übrig. Weniger als ¼ aller Torschüsse auf das gegnerische Gehäuse führten zu Toren, die zweitschlechteste Quote der Liga.

Für mich überraschend, da ich eigentlich der Meinung bin, dass solche Statistiken wenig Aussagekraft bezüglich des Erfolges eines Teams haben: Die Anzahl der Torschüsse auf des Gegners Tor korrelieren mit der Tabellenposition.

Anhand der Graphen wird deutlich, dass es einen Einfluss auf den Erfolg eines Teams gibt, wie oft man auf des Gegners Tor schießen kann. Ganz grundsätzlich ist das ja auch logisch, denn je häufiger man auf das Tor schießen darf, umso höher ist die Chance, dass man irgendwann auch mal die Kiste trifft. Bemerkenswert ist, dass dieser Einfluss signifikanter ist als die Anzahl der Torschüsse des Gegners auf das eigene Tor. Es ist also wichtiger eigene Torschüsse zu generieren als die des Gegners zu verhindern. Ein flammender Appell meinerseits ist die Folge dieser Feststellung: Spielt mutiger! Spielt offensiver! Dadurch erhöht ihr Eure Chancen erfolgreich zu sein mehr als wenn ihr versucht keine Gegentore zu kassieren.

Ob sich Ähnliches auch aus den expected Goals schließen lässt? Hier jedenfalls die Tabelle für die Saison 2017/2018:

(Source: http://fivethirtyeight.com/)

Nun ja, von den 9 Teams mit den höchsten eigenen xG-Werten befinden sich 7 auch in der oberen Tabellenhälfte und die Korrelation mit dem Tabellenplatz ist auch akzeptabel (R2 = 0.44). Das ist schon mal nicht schlecht. Eine Korrelation dieser Güte ist bei den xG-Werten gegen die Teams nicht zu finden. Der Zusammenhang der Tabellenplatzierung mit eigenen Torschüssen und nicht mit denen des Gegners ist also auch in den xG-Werten zu erkennen. Und das obwohl mit Fortuna Düsseldorf ein Team Meister geworden ist, welches komplett gegen den Strom der expected Goals geschwommen ist. Zeitweise hatte die Fortuna nach xG-Werten sogar den letzten Platz der Liga eingenommen, aber turnte trotzdem bei den Aufstiegsplätzen rum. So wirklich erklären konnten sich das nicht einmal die Fortuna-Anhänger selbst („Wir steigen auf, keiner weiß warum“). Immerhin haben sich die xG-Werte zum Ende der Saison noch etwas angepasst, sodass nach eigenem xG der 10.Platz erreicht wurde. Mit Eintracht Braunschweig und Dynamo Dresden haben sich zwei Teams in den Untiefen der Tabelle eingefunden, die zumindest anhand der xG-Werte nicht dorthin gehören. Im Fall von Braunschweig lässt sich diese Diskrepanz mit der schwächsten Chancenverwertung der Liga erklären (Score = 22,8%). Dynamo Dresden wiederum weist zwar den zweitniedrigsten xG gegen sich auf, hat davon jedoch nicht so viel, da die Quote der Chancenvernichtung (Save %) die drittschwächste der Liga ist (der FCI ist da ein noch krasseres Beispiel). Laut xG-Werten (xG sum) hätten die ersten drei Plätze deutlich an Holstein Kiel, FC Ingolstadt und Union Berlin gehen sollen. Dass Kiel es nicht geschafft hat, liegt vielleicht auch ein wenig an dessen Einzelspielern (später mehr dazu), Ingolstadt wurde die effiziente Chancenverwertung seiner Gegner zum Verhängnis. Bei Union Berlin zeigt sich die leichte Schwäche der Auswertung mit xG-Daten bei ‚nur‘ 34 Spielen: Eigentlich lieferte Union eine eher mittelprächtige Saison ab, die sich auch in den xG-Werten zeigte. Es gab mit den Spielen gegen Fortuna Düsseldorf (xG 3.7 – 0.2) und den VfL Bochum (xG 5.1 (!!!) – 0.8) aber zwei Ausreißer, die sich in erheblichen Maße auf die Gesamtwerte auswirken. Trotzdem: Ersetzt man bei diesen Spielen den eigentlichen xG-Wert mit dem durchschnittlichen xG (1.3), so belegt Union weiterhin den 3.Platz nach xG-Werten. Übrigens konnte nur Holstein Kiel einen ähnlich hohen xG-Wert erreichen (4.2 im Spiel gegen Düsseldorf). Und wo ist der FCSP? Genau da wo er hingehört. Sämtliche xG-Werte dümpeln im unteren Mittelmaß, wo wir ja letztlich auch gelandet sind. Wir haben uns den 12.Platz also redlich verdient.

Noch deutlicher als in der xG-Tabelle wird die Überperformance von Fortuna Düsseldorf, wenn man einen Blick in die Einzelspiele wirft und ausrechnet wie viele Spiele laut xG hätten verloren werden müssen (eigener xG ist um mind. 0.2 niedriger als xG des Gegners) und trotzdem gewonnen wurden und andersherum. Auch hier zeigt sich, dass Fortuna Düsseldorf überperformed hat: Satte 10 Spiele wurden gewonnen, obwohl das Chancenverhältnis eher für den Gegner sprach und nur zwei Spiele wurden nicht gewonnen bei eigener xG-Überlegenheit. Kein anderes Team kann ansatzweise eine solche Quote aufweisen. Teams wie Union, Dresden, Sandhausen, Kiel, Braunschweig und allen voran Ingolstadt haben sogar deutlich negative Quoten. Auch hier: Mittelmaß für den FCSP.

Wie fielen die Tore/Gegentore?

So. Hier wird es nun wirklich interessant. Ich habe einen tiefen Blick in die Daten von Stratabet gewagt. Stratabet listet alle Chancen sämtlicher Spiele u.a. auch die der 2.Bundesliga. Jede Chance wird dabei sowohl subjektiv, als auch objektiv klassifiziert und kategorisiert. So kann man mit Hilfe dieser Daten z.B. zeigen wie die Teams ihre Tore erzielt und Gegentore gefangen haben, also durch eine Ecke, einen Elfmeter, einen Pass, eine Flanke, etc. zum Tor kamen. So kann erkannt werden, wie der FCSP im Vergleich zur restlichen Liga seine Tore erzielt und Gegentore gefangen hat. Ich habe diese Statistik mal auf die wesentlichen Daten heruntergebrochen: Tore nach Standardsituationen (ohne Elfmeter), nach Ballverlusten und aus dem Spiel heraus.

Aus diesen Statistiken werden zwei Probleme des FCSP mehr als deutlich: 1. Der FCSP hat ein Problem mit Standardsituationen. Das war vielen schon vor dem Lesen dieser Zeilen bewusst, aber nun hat man es nochmal Schwarz auf Weiß – Wir haben uns acht Gegentore nach Standards gefangen und nur zwei erzielt, der Liga-Durchschnitt beträgt aber 5.2 Tore nach Standards. Es gibt also sowohl offensiv als auch defensiv Nachholbedarf in diesen Spielsituationen. Viel besorgniserregender finde ich jedoch die Statistik „Tore nach Ballverlusten“. Der FCSP hat sich satte 26 Gegentore (also 54% seiner Gegentore) nach Ballverlusten eingefangen, bei einem Liga-Durchschnitt von 17.3 Toren (38.2% aller Gegentore). Und es wurden nur 11 Tore nach Ballgewinnen erzielt. Für ein Team, das vom Trainer als „Umschaltmannschaft“ betitelt wurde, ist das bedenklich. Es scheint also für den FCSP auch in anderen Bereichen extremen Nachholbedarf zu geben. (Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass „Tore nach Ballverlust“ als „Tore nach weniger als drei aufeinanderfolgenden Pässen“ definiert ist. Viele, aber weit nicht jede Umschaltsituation ist nach drei aufeinanderfolgenden Pässen abgeschlossen, daher sind in dieser Statistik nicht alle Umschaltsituationen erfasst; Zusätzlich sind viele, aber auch nicht jeder Ballverlust gleichbedeutend mit einer Umschaltsituation).

Ein Blick auf einzelne Spieler des FCSP

Ein weiteres Attribut das Stratabet jeder Chance gibt, ist das sogenannte „chance rating“. Hierbei werden die Chancen subjektiv in Kategorien eingeteilt, je nach Größe der Chance, von ‚den muss man machen‘ (1) bis ‚Verzweiflungsschuss‘ (6). Stratabet hat mal zigtausende Chancen analysiert (es müssen in etwa 40.000 gewesen sein) und nachgeschaut, wie viele dieser Chancen aus jeder Kategorie tatsächlich zu Toren werden. Daraus ergab sich, dass Chancen aus der höchsten Kategorie eine conversion rate von 83% haben, während Chancen der niedrigsten Kategorie nur zu 3% in Tore umgemünzt werden. Es handelt sich also um eine Art xG-Modell, wenngleich keinerlei objektive Daten genutzt werden. Es ist also ein sehr einfaches xG-Modell und dient als Orientierungshilfe zur Einordnung der Abschlussqualitäten von einzelnen Spielern. Aus der Anzahl an Chancen und deren Einordnung lässt sich nun die Anzahl der Tore anhand der conversion rate berechnen (conv. Goals) und mit den tatsächlich erzielten Toren vergleichen. Zusätzlich wird von Stratabet jeder Torschuss noch qualitativ bewertet (Shot-Q.; Skala von 1 (schlechter Schuss) bis 5 (guter Schuss)). So ist z.B. ein direkter Freistoß vom „chance rating“ eher schwach, also zwischen 5 und 6, einzuordnen, aber die Schussqualität kann hoch sein. All diese Daten habe ich genutzt, um einen einigermaßen objektiven Vergleich der Torjäger der letzten Saison zu machen.

(Source: https://app.stratabet.com)

Aus der Tabelle wird deutlich, dass es Stürmer gibt, die aus viel wenig machen und andersherum. Marvin Ducksch gehört zur zweiten Kategorie. Der Top-Torjäger der vergangenen Saison hat mächtige 127 Torschüsse abgegeben und dabei beachtliche 18 Tore erzielt, hätte anhand der Klassifizierung aber etwa 22 Tore erzielen müssen. Ähnlich gelagert ist das Verhältnis von Marco Grüttner. Anders sieht es da bei Hanno Behrens und Steven Skrzybski aus, die in Hinblick auf die conversion rate deutlich überperformed haben. Und wie steht es um die Stürmer des FCSP? Nun, man konnte es sich vermutlich schon denken. Aziz Bouhaddouz und Sami Allagui hätten 7 bzw. 6 Tore mehr erzielen müssen, wenn man die conversion rate als Maßstab nimmt. Auch die Schussqualität sämtlicher Torschüsse ist eher unter dem Durchschnitt bei den beiden FCSP-Stürmern. Ganz grundsätzlich muss aber angemerkt werden, dass es bereits ein Qualitätsmerkmal von Stürmern ist, sich Chancen in guten Positionen zu erarbeiten (Hauptargument, warum Mario Gomez zur WM fährt).

Was brachte der Trainerwechsel beim FCSP?

Auf den ersten Blick nicht sonderlich viel. Unter Janßen gab es einen Punkteschnitt von 1.25 pro Spiel, unter Kauczinski wurde dieser Schnitt nur unbedeutend besser mit 1.28. Es gibt aber durchaus Änderungen in den xG-Werten. Unter Kauczinski hat der FCSP seinen eigenen xG um knapp 0.3 erhöht. Aber es erhöhte sich auch der xG des Gegners leicht (von 1.29 unter Janßen auf 1.35 unter Kauczinski, was aber nicht signifikant ist), wodurch die Summe der xG-Werte auch bei Kauczinski negativ blieb. Deutliche Verbesserungen gab bei der Anzahl der Tore und Gegentore (vor allem auf die herben Klatschen und die effektiven 1-0 Siege unter Janßen zurückzuführen). Es blieb also beim unteren Mittelmaß.

Der FCSP hat also waschechtes unteres Mittelmaß abgeliefert, mit schwacher Abschlussquote, auch dank Stürmern, die weniger Tore machen als der Durchschnitt es tut. Hinzu kommen Probleme beim defensiven Umschalten nach Ballverlusten und bei Standards.  So. Jetzt lasse ich Euch mit den Daten allein. Ihr dürft selbst entscheiden, ob und wie brauchbar und aussagekräftig ihr die findet.

//timbo

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Interview mit Uwe Stöver – die Suche nach der eierlegenden Wollmichsau

Dieses Interview erschien, in einer leicht gekürzten Fassung, zuerst im Print-Übersteiger 132, am 06.Mai 2018.
Alle Fotos: (c) Ariane Gramelspacher

Vor dem Spiel gegen Union Berlin hatte der Übersteiger die Gelegenheit, trotz der prekären sportlichen Situation ein Interview mit dem “Geschäftsleiter Sport” Uwe Stöver zu führen. Themen waren die aktuelle Saison, die Entwicklung im Fußball sowie ein Ausblick auf die Zukunft der Mannschaft.

Übersteiger: Oke Göttlich hat sie bei Ihrem Amtsantritt als Geschäftsleiter Sport als jemanden beschrieben, der in seiner Karriere schon alles erlebt hat. Welche Erlebnisse hat er damit wohl gemeint?

Uwe Stöver: Ich glaube er meinte meine Zeit als Spieler, als Trainer einer U-19, U-23, als Co-Trainer einer Mannschaft der 2. Bundesliga, als Leiter eines Nachwuchsleistungszentrums und als Verantwortlicher  Sport im Bereich 2. Bundesliga und Dritte Liga. In der Zeit gab es einen Aufstieg in die Bundesliga, einen DFB-Pokalsieg 1993 mit Bayer Leverkusen sowie Pokalsiege im Bereich U-19 und U-23 und über viele Jahre erfolgreiche Kämpfe um den Klassenerhalt. „Alles“ habe ich sicherlich nicht erlebt, aber sehr, sehr viel.

ÜS: Bevor Sie beim FCSP anfingen, haben Sie die sportlichen Geschicke in verschiedenen Funktionen beim SV Wehen-Wiesbaden, FSV Frankfurt und dem 1. FC Kaiserslautern geleitet. Die momentane Situation, zweigleisig planen zu müssen, sollte Ihnen also bekannt vorkommen…

US: Klar, der Kampf um den Klassenerhalt war sowohl als Spieler, als auch als Verantwortlicher im Bereich Sport ein ständiger Wegbegleiter. Ich kenne diese Situation also sehr gut.

ÜS: Dann stellen wir die These auf: Uwe Stöver in der jetzigen Situation beim FCSP zu haben, war von langer Hand geplant?

US (lacht): Ich denke, das ist nicht vorauszusehen. Wir hatten eine schwierige Phase in der Hinrunde. Nach dieser hat sich die Mannschaft in der unteren Tabellenregion wiedergefunden. Auch, wenn wir momentan eine Punktzahl haben, die in den letzten Jahren zum Klassenerhalt gereicht hat. Die Situation ist klar: wir befinden uns im Abstiegskampf und haben in den letzten Spielen die Dinge so umzusetzen, dass am Ende der Klassenerhalt als Ergebnis stimmt.

ÜS: Bei Ihren bisherigen Stationen ging es wie erwähnt auch häufig gegen den Abstieg. Was funktioniert beim FCSP diesbezüglich besser oder schlechter als bei anderen Vereinen?

US: Wir haben jetzt eine Situation, die sich durch fehlende Ergebnisse in den letzten Spielen konkretisiert hat und wir müssen deswegen im höchsten Maße die Antennen aktivieren. Abstiegskampf ist überall gleich. Es ist nun noch wichtiger in die Köpfe der Spieler zu kommen und sie zu erreichen. Die Spieler müssen sich der Situation auch selbst bewusst werden. Dann hat man eine sehr gute Grundlage, um die nächsten Spiele erfolgreich zu bestreiten.

ÜS: Kann man den Job eines Sportdirektors besser ausführen, wenn man auch vorher als Trainer tätig war, weil man z.B. Spielertypen, die zur Mannschaft passen besser einschätzen kann?

US: Es ist in meiner Position sehr hilfreich zu erkennen, was U-19 und U-23-Trainer sowie der Leiter des Nachwuchsleistungszentrums in diesem Bereich an Anforderungen und Bedürfnissen haben. Da ist eine solche Basis sicherlich hilfreich. Auch für die Kommunikation mit den Trainern hilft die vorherige Ausbildung zum Fußballlehrer.

ÜS: Nachdem der FCSP relativ glücklich zuhause gegen Holstein Kiel gewann? Mussten Sie bereits schon mal Fragen zur zweigleisigen Planung beantworten. Allerdings bezogen auf den möglichen Aufstieg. Was ist seitdem mit der Mannschaft passiert?

US: Das Ausbleiben von Ergebnissen und das Verkennen der eigenen Situation waren ein Faktor. Sie behaupten, dass man nach oben schauen musste – wir haben immer gesagt, auch im Winter, dass wir die Mannschaft stabilisieren und von den gefährlichen Plätzen fernhalten müssen. Das gelang zwischenzeitlich nur tabellarisch. Das war sehr trügerisch.

ÜS: Nehmen Sie uns mal mit! Welche konkreten Auswirkungen hätte ein Abstieg auf den sportlichen Bereich?

US: Das Bild der Mannschaft würde sich in weiten Teilen verändern. Stand heute haben 15 Spieler sowie zwei Talente laufende Verträge auch für Liga drei. Das Ziel müsste sein, dass die Mannschaft sportlich und qualitativ so ergänzt wird, dass ein direkter Wiederaufstieg erreicht werden kann. Demnach wäre ein personeller Einschnitt die Folge. Dazu käme ein wirtschaftlicher. Eine Reduzierung der Fernsehgelder zum Beispiel. In der dritten Liga bekommt man Fernsehgelder von ca. 750.000€ / 800.000€. Beides wäre ein sehr großer Einschnitt und würde den Verein in der positiven Entwicklung der letzten Jahre zurückwerfen.

ÜS: Wie kommt es dazu, dass so viele Mannschaften in Liga zwei sich auf einem ähnlichen Niveau befinden und nahezu punktgleich sind?

US: Dieses Jahr gab es keine Absteiger aus der 1. Bundesliga, die einen sofortigen Wiederaufstieg realisieren können – so wie Hannover 96 und der VfB Stuttgart in der Vorsaison. Dazu kamen mit Duisburg, Regensburg und Kiel drei Aufsteiger, die diese Liga sehr schnell durch Kaderstärke und Kontinuität adaptiert haben und sehr gut eingespielt sind. Auch ist die Diskrepanz zwischen zweiter und dritter Liga nicht mehr so groß wie früher – was die sehr guten Ergebnisse der Aufsteiger wie gegen Union Berlin, Darmstadt und Braunschweig belegen. Darüber hinaus haben wir viele Mannschaften, die sich auf gleichem Niveau bewegen. Das liegt daran, dass auch „kleine“ Vereine mittlerweile oft die Möglichkeit haben, mit einem vergleichbaren Etat wie die „größeren“ zu arbeiten.

ÜS: Sie erwähnten, dass ein Vorteil von Aufsteigern die „Eingespieltheit“ ist. Das müsste der Kader vom FCSP eigentlich auch sein, schließlich wurde Kader auch zusammengehalten. Hat St. Pauli überperformed in der letzten Rückrunde?

US: Das ist schwierig zu sagen. Ich sage, dass man über einen gewissen Zeitraum immer da steht, wo man es letztendlich auch verdient hat zu stehen. Gleichzeitig muss man aber auch sehen, dass diese Saison nicht reibungslos war. Wir hatten vom ersten Spieltag an außergewöhnliches Verletzungspech. Dies ist aber nicht der alleinige Grund. Wir haben uns durch viele andere Dinge nie in einen Rhythmus spielen können. Wir sind und waren problembehaftet und haben nicht zu einer Konstanz gefunden.

Man hat am Anfang der Saison immer eine Wunschmannschaft. Diese stand bis zum heutigen Tage nicht gleichzeitig auf dem Platz. Das verfolgt uns die gesamte Saison über. Es wäre für mich interessant zu sehen, wenn alle Spieler gesund wären und wir mit der gleichen Mannschaft 5 bis 6 Spiele bestreiten könnten. Diese Situation hatten wir, neben anderen Problemen unterschiedlicher Art, die ganze Saison lang nicht.

ÜS: Mario Gomez hat vor einem Jahr mit seinen Aussagen, dass viele Spiele in der Bundesliga von „Druck, Angst, Nervosität und Einfach-den-Arsch-retten-wollen“ geprägt seien und dass die geringen Punktabstände in der Tabelle keine Qualität darstellen, viel Aufsehen erregt. Wir finden, dass er damit den Nagel auf den Kopf getroffen hat. Sie auch?

US: Ich glaube, dass der Druck Fußballer zu sein durch das gestiegene Interesse von Fans und Medien gegenüber dem Zustand von vor 15 bis 25 Jahren deutlich zugenommen hat. Ich glaube auch, dass nicht jeder mit dem Druck so umgehen kann, dass ihn das nicht tangiert.

ÜS: Was haben Sie für einen Eindruck von unserer Mannschaft in Bezug auf den Umgang mit Druck?

US: Bisher war es immer so: Wenn die Mannschaft Druck verspürt hat, dann hat sie sich aus diesen Situationen befreien können. Unser Problem ist eher, dass zu schnell gedacht wurde, dass wir etwas erreicht hätten und uns in anderen Regionen der Tabelle bewegen. Es ist wichtig die Situation zu erkennen, anzunehmen, zu verarbeiten und sich den Dingen zu stellen. Darauf wird es in den nächsten Spielen ankommen.

ÜS: Es gibt einige Stimmen die behaupten, dass der Trainerwechsel aus spielerischer Sicht eher einen gegenteiligen Effekt hatte. Während unter Olaf Janßen versucht wurde Ballbesitzfußball zu spielen, wird unter Markus Kauczinski wieder vermehrt auf Umschaltfußball gesetzt (MK: „FCSP ist eine Umschaltmannschaft“), wie es auch unter Ewald Lienen der Fall war. Ist das die eigentliche Idee gewesen, wie Fußball am Millerntor gespielt werden soll?

US: Das, was man gerne spielen möchte, wird man nur sehr selten spielen können. Ballbesitzfußball und kreatives Spiel sind in der Regel Träume und Wunschvorstellungen. Die einzige Mannschaft in Deutschland, die fußballerisch in der Lage ist Mannschaften zu dominieren und auseinander zu nehmen, das ist der FC Bayern München. Es sind schon viele Vereine mit überzogenen Konzepten gescheitert.

In den meisten Spielen des FCSP lässt sich aus der Ballbesitzstatistik in dieser Saison sowieso ein gegenteiliges Muster erkennen. In Dresden haben wir bei 27 % Ballbesitz mit 3:1 gewonnen. Während wir in Darmstadt mit 67 % Ballbesitz spielen und 0:3 verlieren. Dieser Trend lässt sich in vielen weiteren Saisonspielen belegen. Da muss man sich die Frage stellen, was man spielen möchte. Und zwar mit der Mannschaft, die zur Verfügung steht und nicht in Zukunft. Das Ziel ist dabei der Klassenerhalt.

Mir ist wichtig, dass die Grundtugenden auf den Platz gebracht werden. Diese sind beim FCSP mehr denn je gefordert. Einsatz, Fleiß, Laufbereitschaft, Körperhaltung, Gestik, Mimik, Spektakel – das ist für mich wichtig. Liebend gerne kann das mit hohen Ballbesitzzeiten und Dominanz geschehen, wird aber schwierig zu realisieren sein.

ÜS: In der Hinrunde wurden gute Spiele der Mannschaft nicht gewonnen. Gab es unter Olaf Janßen eine fußballerische Krise oder eine Ergebniskrise?

US: Ohne da zu sehr ins Detail zu gehen: Wir hatten unter Olaf eine Situation, die sich über mehrere Spieltage entwickelt hat und in sieben Spielen ohne Sieg mit deutlichen Niederlagen gipfelte. Wir haben die Situation im Hinblick auf die Frage analysiert, ob wir diese Situation mit Olaf Janßen wieder ändern können und haben uns dagegen entschieden.

ÜS: Als Reaktion auf die anhaltende Flaute im Angriff wurde mit Dimitrios Diamantakos ein weiterer Stürmer ans Millerntor geholt. So richtig nachhaltig konnte er sich bisher jedoch nicht für Einsatzzeiten empfehlen. Wieso?

US: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass „Dima“ nach 3 Monaten noch nicht vollständig bewertet werden kann. Ein Spieler muss erstmal ankommen und Einsatzzeiten erhalten. Bei seinen bisherigen Einsätzen konnte er sich noch nicht entscheidend in den Fokus spielen. Der Konkurrenzkampf der vier Stürmer ist groß und wir werden sehen, was Dima noch beitragen kann. Es ist ein enger Wettbewerb.

ÜS: weiter

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34.Spieltag (A) – MSV Duisburg

MSV Duisburg – FC St.Pauli 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Moritz Stoppelkamp (45+2), 2:0 Christian Gartner (90+5)
Zuschauer: 25.324 (ca. 4.000 St.Paulianer)

Fertig. Die ganze Kacksaison endlich vorbei.
Ich hatte mir schon sehr früh vorgenommen, dass ein Klassenerhalt diese Saison kein Grund zum Feiern sei und ich daher auch keinerlei Lust verspürte nach Duisburg zu fahren.
Es sollte dann anders kommen, weil: Wettschulden sind Ehrenschulden.

Ein Klassiker aus dem “Ich und meine große Fresse”-Lehrbuch, welcher bekanntlich mit der Einleitung zum Regensburg-Bericht seinen Anfang nahm, falls noch jemand den Bezug zu Katzen sucht.
Andererseits: win/win, denn nach dem Spiel in Regensburg war mir eine rechnerische Rettung vor dem 34.Spieltag diesen Einsatz schon wert.

Um es auch klar zu sagen: Um nichts in der Welt hätte ich ähnliches als Wetteinsatz angeboten, wenn es noch um was gegangen wäre oder wir evtl. sogar schon rechnerisch abgestiegen wären.
Diese ganzen Junggesellen-Abschieds-Schabernack Geschichten gehen allen völlig zurecht auf die Nerven und wenn so ein Dödel mit so einem Kostüm in sportlicher kritischerer Situation durch den Sonderzug gewackelt wäre, dann… ich führe das hier nicht weiter aus.
Daher auch die klare Absprache, dass ich das Kostüm nur hinterm Tresen und nur auf der Hinfahrt tragen muss, da konnte ich dann auch jedem auf Nachfrage die Hintergründe erläutern, bevor es auf’s Maul geben konnte.

Und wenn die Fanszene des FC St.Pauli eins ist, dann geschäftstüchtig sobald es um den guten Zweck geht. Die Aufsichtsratsvorsitzende organisierte wie immer die beiden Partywagen mit und als es sich abzeichnete, dass der ein oder andere gerne ein Foto von oder gar mit mir machen wollen würde, wurde dies gleich in ein Spendenmodell für die Baui am Brunnenhof sowie die Gedenkstättenfahrt des Fanladen umgewandelt.
Danke, Sandra <3

Ansonsten eine Auswärtsfahrt wie so viele:
Hinfahrt super, Organisation von Polizei und gastgebendem Verein ne glatte Sechs, Fußball furchtbar, Rückfahrt super.

Die beiden Partywagen des Sonderzugs boten beste Stimmung, der ein oder andere Song der sich mit einem anderen Hamburger Zweitligisten beschäftigte soll auch gespielt worden sein und angeblich wurde teilweise leise mitgesummt.

Vor Ort dann ein Einsatzkonzept der Extraklasse… wobei, ich muss etwas ausholen.
Die Stadt Duisburg ist durch das Unglück der Love-Parade immer noch sehr ängstlich, was Großveranstaltungen angeht.
So hat auch der MSV lange Zeit keine zusätzlichen Tickets für den FCSP zur Verfügung gestellt, obwohl die Kurve groß genug ist und absehbar war, dass das Stadion nicht ausverkauft sein würde.
Erst, als der Duisburger Klassenerhalt fix war, gab es ein paar Tickets zusätzlich, die dann aber auch nicht mehr an der Tageskasse verkauft werden durften – was umgekehrt natürlich dazu führt, dass sich dann Gästefans vor Ort an der Tageskasse für den Heimbereich eindecken. Kein Kommentar.

Die Polizei hatte den Sonderzug zum Halt in Duisburg-Schlenk verdonnert, was der fußläufig erreichbare Bahnhof ist. Kann man grundsätzlich erst mal verstehen – bis man feststellt, dass dort null Infrastruktur vorhanden ist, keine Klos, keine Getränke- oder Essensversorgung.
Für 900 Leute die seit 08.00h unterwegs sind und erst gegen 19.30h wieder abfahren.
Nebenbei ist das Gleis so kurz, dass nur der halbe Zug dort am Gleis halten kann, aber dies nur als Randnotiz.
Und damit bei diesem Spiel auch absolut nichts passieren kann, fliegt dann schon lange vor Duisburger Stadtgebiet ein Polizeihubschrauber neben dem Sonderzug her. Man möge sich dies auf Wiedervorlage legen, wenn denn das nächste Mal über so viele Einsatzstunden gejammert wird oder die Frage der Finanzierung von Polizeieinsätzen bei Fußballspielen aufkommt.
Gut, für das Wetter kann dann die Polizei nichts, aber komplett durchnässt am Stadion anzukommen ist halt auch nur so halbgeil.

Es regnet hier weiterhin Hunde und Katzen. Apropos: Wie geht es dem @DerUebersteiger, #Sonderzug?! #msvfcsp pic.twitter.com/5zxW5dIGJq weiter

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33.Spieltag (H) – Arminia Bielefeld

Choreo auf der Haupt, von Edelfan Nico

FC St.Pauli – Arminia Bielefeld 1:0 (1:0)
Tor: 1:0 Yiyoung Park (39.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 2.900 Bielefelder)

“Einstellung schlägt Aufstellung.”
Sagten auch: Der MillernTon (in persona Sven, Fanladen) und Markus Kauczinski.

Damit ist eigentlich alles gesagt, was man über die beiden Heimspiele am 32. & 33.Spieltag wissen muss.
Eine Saison, die nun wirklich immer wieder mit Verletzungsproblemen aufwartete, nahm doch noch ein gutes Ende. Auch (und vielleicht sogar weil?) es dann eben auf diesem Niveau doch fußballerisch so ausgeglichen ist, dass die Qualität sicher wichtig ist, die emotionale Bereitschaft sich zu zerreißen aber eben doch die entscheidenden Prozentpunkte liefert.
Völlig unabhängig davon, wie die Aufstellung am Ende aussieht.

Das Stadion war (wie schon letzte Woche) früh gut gefüllt, um 14.45h fand bereits die Verabschiedung von Lasse Sobiech, Mats Møller Dæhli, Joel Keller und Thibaud Verlinden statt.
Bei Lasse bleibt einem nur, ihm alles erdenklich Gute zu wünschen. Danke für Deine Jahre hier, schade das wir es nicht geschafft haben Dir die nächsten Schritte der Karriere zu ermöglichen.
Bei Mats ist es eine ähnliche Situation wie letztes Jahr, als die “Hierbleiben!”-Rufe schlußendlich erhöhrt und die Ausleihe verlängert wurde. Dieses Mal könnte es ähnlich ausgehen, wobei dies sicher auch noch von der nicht ganz feststehenden Ligazugehörigkeit des SC Freiburg abhängt. Eine feste Verpflichtung wäre dann wohl dieses Mal das Mittel der Wahl und aus meiner Sicht ein absolut wichtiges Zeichen für die Ausrichtung der nächsten Saison. Dagegen kann man die Verletzungsanfälligkeit anführen – zum Glück muss ich derartige Entscheidungen nicht treffen und kann ganz emotional beim “Hierbleiben!” laut mitschreien.

Anschließend gab der Gästeblock mit “Scheiß St.Pauli“-Rufen die Stoßrichtung für deren Support am heutigen Tag vor, zumindest bei mir kam sonst nicht viel an.

Auf der Haupttribüne kamen dann eine Blockfahne und selbstgebastelte Schiffchen zum Einsatz, organisiert wurde dies von Edelfan Nico, unterstützt vom Support-Block. Großen Respekt für diesen Einsatz.

By the way: 15.30h!
Geile Anstoßzeit, liebe DFL.
Könnte man ja mal öfter machen…

Das Spiel.
Eine Mannschaftsaufstellung, wie es sie wohl vorher noch nie gab und nun auch kaum ein zweites Mal geben wird, durch den kurzfristigen Ausfall von Ziereis und Nehrig nochmals zugespitzter als ohnehin schon.
Aber, siehe oben: Einstellung schlägt Aufstellung.

Jan-Philipp Kalla-Fußballgott mit dem gewohnten Mentalitätsboost, dem es dann auch entgegen kommt, wenn ausgerechnet sein Gegenspieler von der Gegengeraden als Bad Boy des Spiels ausgemacht wird.
Yiyoung Park auf der Sechs, eine Rolle die er auch bei der U23 schon oft sehr gut ausgefüllt hat.
Und Brian Koglin außen in der Viererkette ebenfalls mit einem sehr souveränen Auftritt.

Als kongeniales Dribbel-Wusel-Duo: Neudecker und Møller Dæhli.
Ein Traum, wenn die beiden doch nur mal konstant fit gewesen wären.

Insgesamt ließ sich auf dem Rasen früh feststellen, dass Bielefeld zurecht einige Plätze höher in der Tabelle angesiedelt ist als Fürth. Da war schon deutlich mehr Gegenwehr als letzte Woche.
Und die theoretische Resthoffnung der Arminen auf Platz 3 ließ auch zu keinem Zeitpunkt den Verdacht aufkommen, dass die hier abschenken würden.
Was aber erneut klar wurde: Wenn es drauf ankommt, können wir uns auf die Defensive verlassen. Während es auf der Alm noch fünf Stück gab, kam die Arminia gestern eigentlich nur zu einem gefährlichen Schuss, den Robin Himmelmann mit dem Fuß entschärfen konnte.
Hier gilt es dann zur neuen Saison Lasse Sobiech zu ersetzen. Die Hoffnung, dass Philipp Ziereis dies kann, ist absolut gegeben. Auch hier wäre aber natürlich wichtig, dass er konstant gesund bleibt.

Vorne arbeitete sich Dimitrios Diamantakos wund, ohne wirklich zu vielen Abschlüssen zu kommen. Der Unterschied in der Einstellung zum später eingewechselten Aziz Bouhaddouz, der nach Ballverlust im Strafraum dann einfach stehen blieb, war trotzdem deutlich erkennbar.
Ich wünsche Aziz eine sehr erfolgreiche WM, dann schauen wir mal wie es kommende Saison weitergeht.

 

Und jetzt? Paadie? Klassenerhalt feiern?
Klar, man kann dann für den Moment mal glücklich sein und die Ehrenrunde des Teams war sicherlich für alle Anwesenden sehr befreiend.
Welcher Druck von jedem Einzelnen abfiel, wurde vielleicht mit dem aufs Feld stürmenden Uwe Stöver am eindrücklichsten deutlich. Auf der einen Seite leicht befremdlich, wie sehr er da eskalierte, auf der anderen Seite eben auch das Zeichen, was sich da alles aufgestaut hatte. Und lieber so, als wenn das dann jemand in der Rolle nur achselzuckend zur Kenntnis nimmt.

Jetzt gilt es die angekündigte kritische Bilanz zu ziehen.
Nach dieser Saison belegen also Nürnberg, Düsseldorf und Kiel die ersten drei Plätze – welche Chance wir als Verein da verpasst haben, wird uns wohl erst deutlich, wenn mit Köln und Wolfsburg nächste Saison zwei Schwergewichte runterkommen, die den Wiederaufstieg quasi bei Saisonbeginn schon gebucht haben dürften.
Wir haben aktuell bereits etwa 30 Spieler für die neue Saison unter Vertrag, aus der Startelf werden (Stand jetzt, Grüße nach Frankfurt) Lasse und Mats fehlen.
Marvin Ducksch’ Transfer sollte einen weitere Kaderplatz freimachen, weitere Abgänge wird es sicherlich geben, vielleicht (Litka, Choi, Koglin?) auch die ein oder andere Ausleihe.
Christopher Buchtmann wird hoffentlich bleiben (tut er!), dann braucht es noch mindestens einen Stürmer – und den natürlich mit eingebauter Torgarantie, die man sich ursprünglich von Sami Allagui erhofft hatte.

Nun denn, auch diese Entscheidungen muss zum Glück nicht ich treffen. Eine kritische Aufarbeitung der Saison wurde aber ja bereits angekündigt, diese ist sicher auch zwingend notwendig und auf die daraus resultierenden Ergebnisse darf man sicher gespannt sein.

Es geht nun nächsten Sonntag zum Glück recht entspannt mit dem Sonderzug nach Duisburg.
Wenn Ihr jemanden im Partywagen hinterm Tresen im Katzenkostüm seht, haut ihm bitte nicht gleich ansatzlos eine rein sondern lasst ihn erst erklären, warum er so bescheuert aussieht. Es ist kein Junggesellenabschied… // Frodo

Links:
– Bilder: Stefan Groenveld, “In die zweite Liga eingeparkt
– Magischer FC Blog: “Jubel, Trubel und anstehende Arbeit
– KleinerTod: “Klassenerhaltsparty…

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