31.Spieltag - (A) - Union Berlin

April 18th, 2010

1.FC Union Berlin - FC St.Pauli 2:1 (1:1)
Tore:
1:0 Torsten Mattuschka (10.), 1:1 Charles Takyi (19.), 2:1 Karim Benyamina (87.)
Zuschauer: 19.000 (ausverkauft, ca. 2.500 St.Paulianer)

Aaaaaach, was könnte man alles schreiben über diesen Samstag in Berlin:

  • eine entspannte Anreise mit dem ICE, inkl. “zänk yu for trewölling wiff Deutsche Bahn!”
  • nette Unioner Kollegen, die einen sogar am Hauptbahnhof abholen, eine Stadtrundfahrt mit einem machen und dann nach Köpenick kutschrieben, wo schon deren Kumpels mit gekühltem Berliner Pilsener warten
  • ein wirklich gigantisch toll gelungenes Stadion “An der alten Försterei”, in dem Fußball noch das wichtigste ist und man zu keiner Zeit den Kitsch der neuen Arenen vermisst
  • eine großartige Stimmung im Gästeblock, die dazu führte, dass man die Unioner kaum hörte
  • ein Spiel, welches leistungsgerecht 1:1 endete
  • einen entspannten “nach dem Spiel”-Nachmittag in einer großen Unioner Fankneipe, in der bunt gemischt die Bundesliga-Konferenz geguckt und die hsv-Niederlage bejubelt wurde
  • insgesamt ein Tag in Berlin, an dem es fast keinen Streß zwischen beiden Fangruppen gab (eine kleine Hauerei an der Tankstelle mal außen vor, deren Gründe ich aber nicht sehen konnte)

Und warum schreibe ich nichts darüber?
Weil ich mich über diese völlige Dummheit in der 87.Minute so sehr aufgeregt habe, dass ich weder dem Herrn Thorandt, der das Abseits aufhob, noch den Herren Morena oder Rothenbach, die sich in angemessener Entfernung zum Bestaunen entschlossen, einen angemessenen Bericht zukommen lassen könnte, ohne ausfallend zu werden.

Also erfreue ich mich lieber am schönen Sonntagswetter und vertage den nächsten längeren Spielbericht auf den Heimsieg gegen Koblenz am Freitag. // Frodo

P.S.
Fotos bei U.N.V.E.U.

Stellungnahme des Präsidiums zu den Vorfällen beim Spiel gegen Rostock

April 13th, 2010

Die Konsequenzen des Vereins sind veröffentlicht.

Die wichtigsten Sätze:

Eine Verweigerung der Unterstützung, sei es durch Fernbleiben oder durch Stillschweigen, also ein Boykott in diesem Sinne, ist ein für Mannschaft und Verein zwar nicht wünschenswertes, aber durchaus legitimes Mittel.

Die Vorfälle vor dem Beginn und bis wenige Minuten nach Spielbeginn in der Promenade der Südtribüne beim Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock waren jedoch kein Boykott im obigen Sinne, sondern ein erzwungener Boykott, der für diejenigen, die ihre Plätze einnehmen wollten und daran gehindert wurden, den Straftatbestand der Nötigung erfüllt und zudem einen eindeutigen Verstoß gegen unsere Stadionordnung darstellt. Hierzu liegen uns unzählige Berichte und Beschwerden vor.

Das Präsidium des FC St. Pauli verurteilt das Verhalten der Beteiligten und jede Art von Gewalt und jede damit einhergehende Beschimpfung, egal von welcher Seite, aufs Schärfste. Wir erkennen aber auch an, dass in den uns bekannten Stellungnahmen der beteiligten Fangruppen und des Fanladens diese Aktion auch selbstkritisch reflektiert wird. Aufgrund dieser Stellungnahmen, aber auch um in dieser für unseren Club sportlich so wichtigen Phase, die durch die Aktion gerissenen Gräben nicht weiter zu vertiefen, verzichtet das Präsidium sowohl auf die Erstattung von Strafanzeigen als auch auf die Erteilung von Stadionverboten.

 

Danach kommen dann die eigentlichen Konsequenzen, nämlich ein Entzug der Priviliegien für USP. Was das konkret heisst, wird wohl die Zukunft zeigen, insbesondere was die Vergabe der Süd-Stehplatzkarten in den nächsten Jahren anbelangt.
Da vieles hier (sicher auch bewusst) vage gehalten wird, scheint es so, als wäre USP fürs Erste auf Bewährung unterwegs… ein abschließendes Urteil über diese Stellungnahme ist daher sicher auch nicht möglich. Was genau die Kartenvergabe für die Süd mit der Blockade zu tun hat, ist sicher fragwürdig, aber vielleicht ist dies die durchaus elegante Art des Vereins, ein wenig die Spannung aus dieser Debatte zu nehmen, bis man das Stadion auf knapp 30.000 ausgebaut hat und wieder jeder eine wirklich freie Platzwahl haben wird und nicht gegen seinen Willen das “Konzept Süd” unterstützen muss, um überhaupt ins Stadion zu gelangen.

Der Verzicht auf Stadionverbote (sowohl für die “Blockierer”, als auch für die, die auf andere Art gegen die Stadionordnung verstoßen haben), ist aber sicherlich zu begrüßen. // Frodo

30.Spieltag - (H) - FC Augsburg (oder: Nie mehr Hansa Rostock!)

April 13th, 2010

FC St.Pauli - FC Augsburg 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Matthias Lehmann (51.), 2:0 Marius Ebbers (63.), 3:0 Marius Ebbers (83.)
Zuschauer: 19.901 (ausverkauft, ca. 1.000 Gästefans)

Welcome to the Hell of St.Pauli!
Diesen Song stimmte der Block 1, formerly known as Singing Area, gestern kurz vorm Einlaufen an, und schon da konnte man spüren, dass heute das Potential für einen ganz besonderen Abend vorhanden war.

Es war schon vor Anpfiff ein ganz merkwürdiges Gefühl im Stadtteil. Es war Dom, das Flutlicht war an, überall Spannung zum Anfassen und eine unfassbare Anzahl von Leuten mit selbst gebastelten “Suche Karten”-Kartons, wie ich sie in dieser Masse noch nie gesehen habe, größtenteils schon mit ziemlicher Verzweiflung im Gesicht. (Das Clubheim war übrigens während des Spiels prall gefüllt… allerdings hab ich da keinen Vergleich, ob das nicht sonst auch so ist.)

Das Vorgeplänkel der letzten Wochen dürften die meisten Leser dieses Blogs mitbekommen haben. Die Vorfälle rund ums Rostock-Heimspiel mit zig Stellungnahmen und einem großen Graben in der Fanszene. Anschließend die Diskussion um die Montagsproteste , mit der etwas überraschenden Last-Minute Änderung, eine andere Art des Protests als zwanzig Schweigeminuten zu wählen und damit Bahn frei für einen gemeinsamen großartigen Support zu schaffen. Dementsprechend waren auch die Tapeten von USP in Richtung Süd-Publikum, “Das Porzellan ist zerschlagen - Aber Scherben bringen Glück!” und “Gemeinsam für den Aufstieg!” eher nach vorne gerichtet, alles weitere war ja auch schon vorher in der langen Stellungnahme geschrieben worden.

Einen Flyer zum Rostock-Spiel gab es dann aber doch noch, und auch der soll nicht unerwähnt bleiben: Der Fanclub Skinheads St.Pauli äußerte sich darauf wie folgt:

“Du bist kein Linker, du Schwuchtel…”Nein, dies hier ist nicht die zehnte Stellungnahme zur Blockade an sich beim Rostock-Spiel. Dazu haben jetzt viele Gruppen ein Statement abgegeben, da braucht es nicht auch noch unsere Stellungnahme. Wir wollen an dieser Stelle einen Schritt weiter gehen, denn die Sprüche und Beleidigungen die uns zugetragen worden sind, als auch von Mitgliedern selbst erlebt wurden, sind für uns in keinem Fall akzeptabel. “Schwuchtel”, “Fotze”, “Nigger” u. ä. am laufenden Band…das waren nicht nur so genannte Ausrutscher! Was für Vollidioten laufen eigentlich in unserem Stadion herum?! Dies ist eine letzte Warnung an diese Leute. Verpisst euch vom Millerntor!

Sollte uns Derartiges auswärts oder am Millerntor zu Ohren kommen, könnt ihr euch eines verbalen oder auch non-verbalen Verweises sicher sein, versprochen! Mit rassistischen und sexistischen Arschlöchern wollen und werden wir unseren Verein auch in Zukunft nicht teilen. Wir gestehen grundsätzlich jedem zu, seine Vorstellunen vom Fan-Dasein auszuleben, aber hier hört der Spaß für uns auf!

Wer sich nicht angesprochen fühlt, und das wird hoffentlich die große Mehrheit sein, verarbeite diesenZettel einfach zu Konfetti.
Und jetzt gemeinsam auf 3 Punkte gegen Augsburg!

Mit sportlichen Grüßen

Eure Skinheads vom Block 1

Chapeau, treffend formuliert und Danke!

Nun konnte das Spiel aber beginnen und zumindest in der ersten Halbzeit entwickelte sich ein Spitzenspiel auf Augenhöhe… will sagen: Langweilig, mit wenig Torchancen, zwei Mannschaften neutralisieren sich gegenseitig. Es waren sogar leichte Vorteile für Augsburg zu erkennen. Aber mit dem 0:0 ging man unterm Strich verdient in die Kabinen.

Allerdings hatte sich da auch schon deutlich gezeigt, woher der Wind an diesem Abend wehen sollte: Von den Rängen in den Rücken der Heimmannschaft, voran zum wichtigen Sieg! Die Proteste gegen das DSF Sport1 traten bis auf einige wenige, aber prominent platzierte Tapeten in den Hintergrund und nicht zu unrecht stimmte der Block1 eben das “Welcome to the Hell of St.Pauli!” an, denn der Millerntor-Roar war seit langem mal wieder spürbar und ging durch alle Tribünen. Schon beim “Aux armes!” konnte man problemlos die Gänsehaut überstreifen.

Und in Halbzeit zwei kam der Mannschaft dann das Glück zugute, welches man schon bei den (vermeintlich ungefährdeten) Siegen in Aachen und Karlsruhe hatte: Dort retteten Hain und das Glück in der Anfangsphase gegen Großchancen, bevor man selbst die erste Chance nutzte. Gestern erzielte Thurk das 0:1… und der Linienrichter Schiedsrichterassistent hatte eine Abseitsposition erkannt, die nach den Fernsehbildern durchaus fragwürdig ist. Wer weiß, wie es dann gekommen wäre. Doch im direkten Gegenzug erzielt Lehmann mehr oder weniger aus dem Nichts das 1:0 für “die Guten” und der Rest war Party… oder besser gesagt: Marius Ebbers! Unfassbar großartig, wie er das zweite Tor nach Ballannahme mit der Brust erzielte, ebenso fantastisch sein Durchtanken gegen zwei Augsburger Fahnenstangen zum 3:0. Abfeiern von Einzelpersonen ist am Millerntor ja eher selten, aber die “Marius Ebbers - Fußballgott!” Sprechchöre gestern waren nicht zu überhören.

Die Stimmung in der zweiten Halbzeit war ebenso fantastisch, man könnte sie sogar als “Wiedergeburt der Singing Area” bezeichnen, die gestern Abend zu längst vergessener Hochform auflief und diverse Gesänge anstimmte, welche von der Gegengeraden und der Süd nur allzugerne übernommen wurden. Kleiner Einschub diesbezüglich: Wenn man jetzt im Forum schon wieder lesen muss, dass USP “endlich” auch mal die Gesänge der Gegengerade übernommen hätte, sollte man sich mal ehrlich hinterfragen, ob denn USP nicht gestern abend “endlich” erstmals überhaupt in dieser Vielzahl die Gelegenheit dazu hatte, Gesänge zu übernehmen, die sonst selten bis nie da sind.
Aber nicht schon wieder stressige Diskussionen, gestern Abend war einfach nur ein Ereignis zum Freuen!

Einziges Ärgernis waren aus meiner Sicht die Augsburger Gäste. Was für eine jämmerliche Schauspielertruppe… der Raffael läuft bei jedem langen Ball rückwärts mit voller Wucht in den Verteidiger um dann theatralisch zusammenzubrechen, und der Thurk jammert auch ständig am Boden liegend herum. Umso beschämender, wo doch beide es aufgrund ihrer fußballerischen Fähigkeiten gar nicht nötig haben. Ich war jedenfalls heilfroh, dass Lehmann in der einen Szene nicht mit gelb-rot vom Platz musste.
Aber wie sehr muss sich Hertha BSC eigentlich jede Woche in den Hintern beißen, diesen Ibrahima Traoré diese Saison an Augsburg verliehen zu haben? Der spielt ja so großartig, den hätten die Berliner sicher gut gebrauchen können…
Zu den Gästefans: Respekt für die Anreise an einem Montag Abend, auch wenn es dann eben nur zur Füllung der Stehplätze gereicht hat und die Sitzplatztickets an St.Pauli Fans verkauft werden konnten. Schade, dass aufgrund der Akkustik durch die fehlende Haupttribüne aber bereits in der Gegengeraden generell nichts mehr vom Gästeanhang ankommt und ebenso schade, dass es die Ausgburger nicht mal zu einer einzigen Tapete gegen den ÜbertragungsSpieltermin gebracht haben… oder nehmen die gerne ihren Urlaub für solche Ausflüge? Dann dürfen sie auch gerne noch ne Runde in der Liga bleiben und die Düsseldorfer mit uns hoch lassen. (P.S. Nach einem Hinweis in den Kommentaren vom User Holzei1910 möchte ich hierfür Abbitte leisten: Nach einem Zündeln der Ausgburger vor zwei Jahren waren ihnen Tapeten o.ä. verboten ;-))

Endlich ist die dusselige “Aber gegen Spitzenteams bla bla…” Diskussion vom Tisch, und während einige jetzt bei “nur vier Punkten Vorsprung” auf Augsburg immer noch nicht beruhigt schlafen, sage ich: Nur noch vier Punkte Rückstand auf Lautern, wir können diese häßliche Schale noch holen! Wer mir nicht glaubt, tippe mal das Restprogramm durch.

Und nach den Ergebnissen des Wochenendes könnten tatsächlich zwischen uns und Hansa Rostock im Sommer zwei Ligen Differenz sein, wie geil wäre das denn bitte? Dazu passend dann auch das lautstakre “Nie mehr Hansa Rostock!”gestern Abend nach dem dritten Tor.

Am Samstag geht es in die Hauptstadt, die aller Voraussicht nach nächste Saison zwei Zweitligisten hat, während die schönste Stadt der Welt sich wahrscheinlich ab dem Sommer zwei Erstligisten leisten darf. Bei einem Sieg in der Alten Försterei und gleichzeitiger Niederlage der Augsburger gegen die heranrückenden Duisburger könnten wir dann aus eigener Kraft schon gegen Koblenz mit einem Heimsieg den direkten Aufstieg sichern… ich wiederhole mich gerne: Wie geil wäre das denn bitte? // Frodo

Links:
Fotos von miles photography
Fotos von Stefan Groenveld
Fotos aus Augsburg (Burning Nuts)
Blog von pathos93

Doch kein 20minütiger Stimmungsboykott am Montag!

April 11th, 2010

Ach nee, so ein Hin und Her…

Mittwoch hatte USP noch beschlossen und am Donnerstag per Gazzetta Digital verkündet, es wird auch am morgigen Montag einen 20minütigen Support-Boykott geben. Dies hatte zwar zu etlicher Kritik geführt, war aber aus meiner Sicht nur konsequent, auch wenn man bereits eingestand, dass es zur neuen Saison ganz sicher neue Überlegungen geben müsse, wie man mit dem Protest weiter vorgeht, da der Stimmungsprotest wenig Sinn macht, wenn 17 andere Vereine kaum oder gar nicht bereit sind, diesen mitzutragen.

Nun kam heute folgende Korrektur:

Hallo Sankt Pauli Fans!

In den letzten Wochen wurde in der Fanszene viel über den 20-minütigen Schweigeprotest gegen die Anstoßzeiten diskutiert. Proteste gegen das DSF, die DFL und den DFB, ab jetzt unter dem neuen Namen Sport1, haben bei Sankt Pauli eine sehr lange Tradition. Von Beginn an haben sich Fans gegen die beschissenen Anstoßzeiten vor allem am Montagabend gewehrt, die die Interessen derer, die den Fußball vermarkten wollen, über die Interessen derer stellen, die den Fußball leben und zu dem Machen, was er ist – die Fans. Dabei wurden am Millerntor und Auswärts viele Protestformen genutzt. Sei es das Verhängen der Kameras mit Ballons, Boykottaufrufe für die werbenden Firmen, öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Unmutsrufe von tausenden Fans und manch ein DSF-Mitarbeiter hat in den letzten Jahren am Millerntor gar Angst um seine Gesundheit geäußert. Eine Protestform, die vor allem die Ultras genutzt haben war stets, die ersten zwanzig Minuten zu schweigen, um das Event, das übertragen wer den sollte, zu schädigen. Diese wurde in letzter Zeit auch innerhalb der Gruppe immer mehr in Frage gestellt, zumal mehrfach zu beobachten war, dass andere Protestformen eine bessere Wirkung entfalten können. Genannt seien die Spruchbänder der Düsseldorfer Fans letzte Woche oder die vielen Protestspruchbänder bei unseren Montags-Heimspielen. Da wurde es plötzlich zu einem Thema, mit dem sich das DSF auseinandersetzen musste. In der in der Folge anberaumten Diskussionsrunde äußerten die Vertreter des DSF dann auch, dass ihnen ein Schweigeprotest relativ gleich ist, sie nur die beleidigenden Spruchbänder gestört haben.

Wir sind der Meinung, dass der Protest immer ein Markenzeichen von Sankt Paulis Fans gewesen ist und wir denken auch, dass wir damit Erfolge erzielen konnten. Dennoch wurde intern schon oft diskutiert, ob die Protestform nicht überholt sei und etwas anderes, effektiveres her müsste. Warum sollte man so viel einsetzen, sich selber den Spaß nehmen und der Mannschaft die Unterstützung entziehen, wenn es kaum was bringt. In der letzten Woche wurde geplant, in der Sommerpause ausführlich über mögliche alternative Protestformen zu reden (auch wenn der direkte Gegner dann hoffentlich nicht mehr Sport1 heißt). Um es klar zu machen: würden wir weiterhin voll hinter einem Boykott stehen und dessen Erfolg sehen, dann dürfte auch ein sportlicher Erfolg nicht zum Abbruch führen, denn ein Boykott beweist sich erst dann wirklich, wenn es richtig schwer fällt ihn durchzuziehen. Es kommen nun aber viele Sachen zusammen. Zum ersten, dass die Form auch innerhalb der braun-weißen Ultra-Szene mittlerweile stark umstritten ist, desweiteren, dass die Mannschaft in den letzten Tagen mehrfach auf uns zugekommen ist und deutlich machte, dass sie die Unterstützung in diesem wichtigen Spiel von Anfang an braucht. Hinzu kommt, dass wir wissen, dass auch viele Fans in unserer Kurve ein Problem mit dem Schweigen haben und wir es mit dem „aufeinander zugehen“ ernst meinen. All das hat dazu geführt, dass wir die Mannschaft am Montag gegen Augsburg von Anfang an voll unterstützen werden und unserem Protest gegen das DSF anders Ausdruck verleihen werden. Wir wissen, dass wir auch dafür wieder Kritik ernten werden, es bleibt eine schwierige Geschichte und wir bedauern, wenn wir auch hiermit nicht allen gerecht werden können. Wir fordern euch alle auf, das Beste draus zu machen und den Protest nicht untergehen zu lassen, während wir – hoffentlich wieder mehr an einem Strang - unser Team in die erste Liga brüllen.

Ultrà Sankt Pauli im April 2010
Ich finde diese Entscheidung grundsätzlich richtig, da ja wie gesagt dieser Protest als Zeichen nur funktionieren kann, wenn er von beiden Fangruppen des Live-Spiels mitgetragen wird. Gerade bei Auswärtsspielen verkam der Protest so eher zur Farce, da sowohl in Aachen, Lautern und Düsseldorf die Heimfans genug Krach machten. Und so, wie Negation bei Menschen grundsätzlich nur schwer funktioniert (Denkt jetzt bitte NICHT an einen rosa Elefanten…) ist eben “nicht singen” nicht dazu geeignet, den Fernsehzuschauer darauf aufmerksam zu machen.
Schade find ich lediglich den Zeitpunkt, denn gerade in einem Heimspiel kann man als Schweigende Masse mit entsprechenden Tapeten und Transparenten immer noch etwas erreichen… da wäre dann die Entscheidung bereits vor dem letzten Spiel in Düsseldorf sinnvoller gewesen.

Aber egal, auch Fehleinschätzungen einzugestehen ist eine Stärke.

Also: 90 Minuten Vollgas und alles geben! Für drei Punkte, für den Aufstieg!
Und zur neuen Saison kann man dann über neue Protestformen nachdenken, auch wenn uns zumindest das DSF Sport1 Livespiel am Montag abend hoffentlich nicht mehr direkt betreffen wird. // Frodo

Letzte Stellungnahme, ich schwör!

April 7th, 2010

Es soll ja irgendwann auch mal gut sein, daher jetzt hier mein Versprechen, letztmalig eine Stellungnahme von extern zu bewerben… zumindest, bis sich der Verein bzgl. der Konsequenzen äußert, was gerüchteweise wohl am Freitag der Fall sein soll.

Hier also die Stellungnahme der G.A.S. St.Pauli, auch bekannt als “Gehirnamputierte Szene”. Die spricht für sich, keine weiteren Kommentare notwendig.

Und die nächste Problematik wirft ja bereits ihre Schatten voraus, denn am Montag kommt der FC Augsburg und NATÜRLICH wird auch an diesem Montag in den ersten zwanzig Minuten nicht supportet, weil es eben ein Montagabend-Spiel ist. Völlig egal, wie “wichtig” dieses Spiel ist, dass waren schließlich alle anderen auch… und wenn man sich erst mal auf die Argumentations-Schiene begiebt, kann man auch gleich jeden Protest sein lassen, wenn man nicht grade am 34.Spieltag zufällig mal Neunter ist.

Wird nicht langweilig bei diesem Verein… // Frodo

29.Spieltag (A) - Fortuna Düsseldorf

April 6th, 2010

Fortuna Düsseldorf - FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Sebastian Heidinger (48.)
Zuschauer: 47.200 (geschätzte 4.000 St.Pauli Fans)


Hätte ich nur auf Dorthe gehört…

 

Im Nachhinein bin ich eigentlich nur froh darüber, dass ich zumindest die Fahrt hin zum Spiel nach Düsseldorf im Auto eines alten Freundes hinter mich bringen konnte. Haar-sträubende, lange Zeit verdrängte Jugendsünden (der letzten 2 Wochen) wurden aus den verstaubten Gehirnwindungen hervor gekramt und dem Gegenüber nochmal peinlichst detailiert unter die Nase gerieben. Trotz Feiertags-Rückreiseverkehr und spontanen Umwegs, quer durch den idyllisch-tristen Ruhrpott, trafen wir sogar völlig entspannt eine halbe Stunde vor(!) dem Anpfiff an diesem abscheulichen, einst als WM-Spielstätte beworbenen Würfelkasten an.
Keine Ahnung was sich die Modestadt dabei gedacht hat, die authentischen Umrisse des schnuckeligen Stadions hinter einer abgehängten Werbe-Leinwand zu verstecken. Aber das ist deren Architektursünde, mir blieb jedenfalls genug Zeit meine Laptoptasche und den Gitarrenkoffer von einem der hintersten Parkplatzlücken aus bis zu den Fanladenbussen zu schleppen, in einem derer ich dann später 6,5 Stunden gefrustet zurück nach Hamburg juckeln durfte.

Zurück zum Stadioneingang. Der Schwarzmarkthandel scheint in NRW´s Landeshauptstadt ähnlich zu florieren wie in der Freien und Hansestadt. Gänzlich ungenierter wird dort allerdings die überteuerte Ware lautstark präsentiert. Zudem scheinen die Neongelb bejackten Ordner keinen blassen Schimmer davon zu haben, was denn heute in dem großen Kasten hinter ihnen auf dem Programm steht bzw. wie man dem Treiben innerhalb beiwohnen kann. Erst beim dritten Exemplar der Gattung Zeitarbeiter bekamen wir die viel versprechende Antwort: „Äh, da fragt ihr am besten die mit den grünen Jacken!“ Ah ja.

Wesentlich bessere Sprüche seitens der Düsseldorfer gab es dann im Stadion. Zum Anpfiff wurden entlang der kompletten Seitenlinie mehrere Tapeten über die Werbebanden geklebt, welche in bester Kameraposition Fakten wie „Scheiß sky“, „Pyro statt Popcorn“, „Stehplätze statt Couch“ oder „DFL/DFB TV macht unseren Sport kaputt“ präsentierten. Allerdings überdauerten diese nicht mal annähernd den 20-minütigen Stimmungsboykott unserseits, da gehorsame Ordner sie recht schnell herunterrissen.
Wie uns daheimgebliebene
Gehirn-Amputierten-Szenler (G.A.S.) berichteten, strickte das DSF sich aus unserem abermaligen 20-Minuten-Boykott in bester Springer-Manier einen abstrusen Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um die Südkurven-Blockade beim letzten Heimspiel. Dreist und frech gelogen, aber was will man von nem Sender der Sexy Sportclips im Programm hat anderes erwarten.
Bezüglich dem letzten Sonntag verurteilten die Ultras der Fortuna in den gegenüberliegenden 42er Blöcken mehrmals die gebaute Scheiße unseres Präsidenten und forderten ihn zum Rücktritt auf, was einige auf unserer Seite wiederum mit Applaus bedachten.
Die nun mehr seit x Jahren andauernde Bumserei zwischen den Feuchten Bibern und den Lost Boyz aus Flingern ging ebenfalls in die nächste Runde: „Bereitet euch schon mal vor!“ war neben einem überdimensionalem Cartman zu sehen und schaffte es (wenn auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen) heute immerhin ins Abendblatt.
Es folgte ein unspektakuläres Topspiel, nach dessen Verlauf meiner Meinung nach keine Mannschaft den Sieg verdient hatte. Mit nem Punkt wäre ich auch schon sehr zufrieden gewesen. Hätte, hätte, Herrentoilette.
Die Unterstützung der eigenen Mannschaft gestaltete sich aufgrund der schwammigen Akustik sicherlich ein wenig schwierig. Doch zu welchem Roar! man in der Lage wäre, wenn man nur einmal geschlossen supporten würde, dass machten uns die Gastgeber ein ums andere mal vor. Die Anstoßzeit trug ihren verdammten Teil dazu bei. Hoffentlich wird das beim nächsten Montagsspiel anders.

Für das größte Magengrummeln und permanentes Fremdschämen sorgten aber nicht diese vermeidbare Niederlage, der grottige Support oder die Pissplörre aus Warstein, sondern die Mitfahrer im Fanladen-Bus auf der Rückfahrt. Als Augen- und Ohrenzeuge unter den Bus-Insassen und gleichzeitiger Verfasser der Titelstory des ÜS#93 - welche sich zwar liest wie ein jämmerlicher Emosong, aber thematisch den Nagel auf den Kopf trifft - kam mir teilweise die Galle hoch. In etwa so wie dem Kollegen vor mir, wenn auch aus weniger alkoholisierten Gründen…
// Stemmen

Guerrero, Naki und ne Messerstecherei

April 5th, 2010

Also hier ist ja immer was los…

Ein Flaschenwurf und seine Folgen
Natürlich tritt man nicht auf am Boden liegende ein… dochbevor der hsv nicht mindestens in Liga zwei spielt sondern immer noch einen Platz belegt, der zur Teilnahme am Europapokal am UEFA-Cup an der Europa League (schönes “Denglish” übrigens) berechtig, liegen die auch noch nicht am Boden, auch wenn manch ein hsv-Fan dieses Gefühl beim Eier suchen sicher verspürt.
Was war geschehen? Gegen anfangs elf und nach einer Stunde nur noch zehn Hannoveraner hatte sich der Verein, der vor ein paar Wochen noch laut über die Champions League-Qualifikation nachdachte, ein unspektakuläres 0:0 erkämpft und schlottert nun vor den Fußballmächten aus Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg, die die Mindestanforderung Europa League auch noch zerstören können. Ein gellendes Pfeifkonzert des zahlenden Publikums war die Folge und “Jose Paolo Guerrero”, den Fachleute mit dem großen Denis Bergkamp auf eine Stufe stellen, begab sich mit einer Trinkflasche in der Hand zum Kabinengang. Dort muss ihm das ein oder andere unfreundliche Wort an den Kopf geflogen sein, woraufhin seine Trinkflasche zielstrebig an die Schulterpartie eines Zuschauers flog. (U.a. hier das sky Video, ab 3:50min). Darf nicht passieren und ist auch mit so ziemlich nichts zu rechtfertigen, schon gar nicht mit einem “Geh doch wieder nach Peru!”, wie es lt. sky wohl gefallen sein soll. Interessant dazu auch Aussagen von Matthias Sammer, Bruno Labbadia und Frank Rost auf sky90. (ab ca. 1:50min)
Spannend dürfte nun sein, wie es hier weitergeht bzw. was dies für Konsequenzen nach sich zieht. Ein paar Gedanken dazu:

  • Paolo Guerreros Vertrag läuft im Sommer aus, es sind noch 5 Bundesliga-Spiele (plus 1-5 Europa League Spiele)
  • Deniz Naki wurde für eine Geste, ohne tätlichen Angriff, für drei Spiele vom DFB gesperrt
  • Ein Fan, der mit einem Gegenstand einen Spieler oder Schiedsrichter trifft, bekommt ein Stadionverbot in einem deutlichen Umfang.

Wird der hsv ihn intern sperren? Damit wäre der Vertrag dann quasi vorzeitig beendet. Oder wartet man auf die Reaktion des DFB und hält ihn damit für den Europapokal spielberechtigt? Die Reaktionen im Rauten-Forum lassen einen jedenfalls genüßlich zurücklehnen. Eine schöne Abwechslung nachdem sich die braun-weißen inzwischen seit einer Woche tagtäglich zerfleischen und vielleicht die rechtzeitige Notbremse um den Blick auf das Spiel heute abend gegen Düsseldorf zu richten.

Für die Twitter-User unter Euch: “Flasche Guerrero” als neuer User wird Euch sicher gerne auf dem Laufenden halten.

Messerstecherei im Ballsaal
Tja, hätte man gestern abend mal ne anständige Blockade zugelassen, wäre einem einiges erspart geblieben.
So aber fand im Ballsaal der Südkurve eine Privatfeier statt, die es doch prompt in die Polizeimeldungen des Abendblatts (und diverser anderer Medien) geschafft hat. 50 Streifenwagen im Einsatz… wenn da mal nicht das ein oder andere Stadionverbot bei raus kommt.
Ob Paolo Guerrero vor Ort war, konnte der ÜS bisher nicht recherchieren.
// Frodo

Weitere Stellungnahmen zum letzten Sonntag

April 3rd, 2010

Und weiter gehts.

Inzwischen hat USP auch eine Stellungnahme veröffentlicht.
Meine Meinung: Differenziert, die eigene Aktion reflektierend, Fehler eingestehend… und trotzdem wird die eigene Meinung eben nicht alle drei Tage gewechselt sondern man steht dazu, auch wenn das einigen nicht passt. Insbesondere letzteres würde ich mir auch von Herrn Littmann mal wünschen, aber das ist sicher ein anderes Thema.
Und was zwei Boulevard-Zeitungen aus dieserStellungnahme heute machen, spottet ohnehin jeder Beschreibung. Aus den geschriebenen Sätzen ausschließlich eine Drohung an Corny Littmann herauslesen zu wollen, zeigt schon eine sehr große Fantasy und Interpretationsgabe.

Auch der Fanclub-Sprecherrat hat nachgelegt, in Ermangelung einer Verlinkung auf ihrer Homepage daher hier:

Liebe offizielle Fanclubs,
nach der Veröffentlichung unserer Erklärung zu den Vorkommnissen möchten wir auf diverse offene Fragen eingehen und einige Punkte erklären, die offensichtlich zu viel Interpretationsspielraum zuließen. Wir wollen uns in dem Zusammenhang bei allen Fanclubs bedanken, die uns kontaktiert haben. Die Mehrzahl dieser Mails war sachlich formuliert und nur so kann ein konstruktiver Meinungsaustausch stattfinden. Ebenso bedanken wir uns für die vielen Anrufe und die daraus resultierenden fruchtbaren Gespräche über die Deutung unserer Erklärung.
Der häufigste Kritikpunkt, der von euch vorgetragen wurde, war, dass wir uns nicht entschuldigt haben für die Vorgänge in der Südkurve. Kein Mitglied des Fanclubsprecherrates war an der Blockade aktiv beteiligt oder bei der Planung involviert. Einzelne Mitglieder des FCSR haben von der Blockade erst kurzfristig auf dem Weg zum Stadion bzw. beim morgendlichen Treff vor dem Fanladen erfahren. Eine wie auch immer geartete Reaktion auf die Blockade war so nicht mehr möglich. Wir waren und sind der Meinung, dass wir uns für nichts entschuldigen können, was wir nicht aktiv verschuldet haben. Allerdings tut uns weiterhin leid, dass sich die Situation am Sonntag so entwickelt hat und hoffen, dass sich sowas nicht wiederholt, dass Menschen sich in unserem Stadion unwohl fühlen. Aus alledem ergibt sich natürlich die Frage, weshalb wir diese Tatsache nicht deutlich in die erste Stellungnahme reingenommen haben? Wir wollten und wollen uns nicht aus der Verantwortung stehlen, vorallem weil auf beiden Seiten Fanclubs beteiligt waren. Wir sehen uns mit in der Verantwortung, daran mitzuwirken, dass es wieder ein Miteinander und gegenseitiges Verständnis zwischen allen Fans des FC Sankt Pauli gibt. Dabei hilft es nicht, nur mit dem Finger aufeinander zu zeigen und sich seine beiderseitigen Verfehlungen vorzuwerfen, sondern bei möglichen zukünftigen Protesten mehr Rücksicht aufeinander zu nehmen und den jeweils anderen, mit seinen Ansichten und seiner Art sein Fansein zu leben, zu akzeptieren.
Leider wurde und wird oftmals der Flyer zum Boykottaufruf gleichgesetzt mit der Blockade. Das ist falsch. Es gab nie einen Blockadeaufruf. Damit nochmal allen klar wird was wir in Eurem Namen unterschrieben haben - findet ihr hier die gescannte Version des Flyers: http://dl.dropbox.com/u/4018990/5minutenboykott.pdf. Wir haben immer noch die Auffassung, dass der Protest wichtig ist und wünschen uns, dass mehr Fans des FC Sankt Pauli sich mit dem Thema Fanrechte beschäftigen.
Trotz alledem stehen wir immer noch zu unserer Frage, ob wir noch die richtigen Vertreter für eure Faninteressen sind. Einige Fanclubs haben uns in ihren Mails ihr Vertrauen ausgesprochen, andere nicht. Dies ist auch legitim. Ihr habt uns gewählt und könnt uns entsprechend das Vertrauen auch wieder entziehen. Dies ist auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass wir mit dieser Erklärung nicht \”unseren Arsch\” retten wollen. Die nächste Delegiertenversammlung findet zu Beginn der neuen Saison statt. Dort stehen turnusmäßig Neuwahlen an.
Was wir Euch noch mit auf den weiteren Weg geben wollen ist, dass die Kommunikation zwischen euch und uns verbessert werden sollte. Wir bekommen auf unsere Mails, Aufrufe, Einladungen, Mithilfeanfragen keine bis sehr wenig Rückmeldung. Wir sind der Meinung, dass hier deutlich mehr Engagement erfolgen könnte und würden uns freuen, wenn sich mehr Fanclubs einbringen. Eine höhere Meinungsvielfalt in bestimmten - zum Teil strittigen Themen - kann dem FCSR nur gut tun.
no retreat!
Euer FCSR
kontakt@fanclubsprecherrat.de

Es zeigt sicher Größe, auf die Vorwürfe nach der ersten Stellungnahme mit diesem Text noch mal zu reagieren und sie weiter zu verdeutlichen.
Klar aber auch: Aus meiner Sicht waren die vorher geäußerten Vorwürfe mehr oder weniger unhaltbar und unberechtigt, von daher werde ich alle FCSR Mitglieder ab sofort nur noch mit “Verdammter Hippie!” anreden.  // Frodo

Die Südblockade - Three days after

März 31st, 2010

Mahlzeit! Es ist Mittwoch, der 31.03.2010. Seit den Vorfällen am Sonntag, beim Heimsieg gegen Hansa Rostock, seit dem ÜS-Blog vom Montag ist einige Zeit verstrichen. Und diese Zeit war gut und wichtig, um einiges zu überdenken und sacken zu lassen.

Zur erweiterten Meinungsbildung vorab mal vier Links:
- Stellungnahme von Sven Brux (Organisationsleiter FC St.Pauli) im St.Pauli Forum
- Interview mit Sven Brux, Björn Pahrmann und Ronny Galczynski (Übersteiger) auf 11FREUNDE (unten im Artikel kann man weiterblättern)
- Stellungnahme des Fanclub-Sprecherrates (FCSR)
- Blog von pathos93

Vorab:
Mit Svens Beitrag ist jetzt die Chance einer sachlichen Auseinandersetzung seitens des Vereins gegeben, die ich nach Littmanns Äußerungen („zweifelsohne Nötigung und evtl. Freiheitsberaubung“) zunächst nicht sah (dazu später mehr). Mit dem Fanclub-Sprecherrat hat auch „die andere Seite“ Fehler eingeräumt und damit die Basis für Gespräche gelegt. Die anderen beteiligten Gruppen werden sicher ähnliches in den nächsten Tagen tun. Für den ÜS ist dieser Blog erst mal Sprachrohr, bevor wir am 33.Spieltag mit der Nummer 99 sicherlich auch nochmal im Heft Stellung beziehen werden. Trotzdem bleibt dieser Blog-Eintrag namentlich von mir gekennzeichnet und ist nicht zwingenderweise Redaktionsmeinung, dies fürs Protokoll.
Alles Weitere wird man abwarten müssen. Beide Seiten (auch die Forumsuser) sollten zumindest versuchen, die Sichtweise des Anderen zu verstehen und in der Person Sven sehe ich da auch nicht das Problem. Ebenso sollte klar sein, dass „der Verein“ es von sich aus nicht akzeptieren kann, dass eine ganze Kurve abgesperrt wird. Es ist aber eben auch nicht Aufgabe der Fans, es dem Verein immer recht zu machen, zumindest war dies bisher mein Selbstverständnis als St.Pauli Fan.

Vorab dann auch: Ich distanziere mich sicher nicht von dem Blog-Eintrag vom Montag. Allerdings war dieser in seinen Ansichten bewusst provokant, was aus meiner Sicht aber auch dringend nötig war, um den doch sehr undifferenzierten, unfairen und unsachlichen Beiträgen gegenüber USP mal eine andere Meinung entgegenzusetzen. Das es daraufhin Prügel geben würde, war mir klar und ist auch völlig in Ordnung. Positiv überrascht hat mich (oder auch nicht), dass ich auf direkter persönlicher Ebene fast ausschließlich positive Rückmeldung erhielt, sowohl per Mail als auch über Anrufe, Gespräche und SMS. Lediglich eine Person aus meinem Bekanntenkreis (sei gegrüßt, Frank) wendete sich mit „Die Blockade ist nicht zu rechtfertigen, aber ich akzeptiere Deine Meinung!“ an mich. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich die falschen Leute kenne, aber auch damit kann ich leben.
Die Rückmeldung in den Kommentaren hier waren hingegen in der Mehrheit (2/3? 3/4? Egal…) negativ, auch das ist natürlich okay, dafür ist die Kommentar-Funktion ja auch da. Im Gegensatz zum Forum wurde aber hier in den Kommentaren fast ausschließlich ohne Beleidigungen und Bepöbelungen gearbeitet, sich konstruktiv mit dem Text auseinandergesetzt, auch dafür Danke. Ein besonderes Dankeschön daher stellvertretend für viele Kommentare (und auch beim ÜS eingegangene Leserbriefe!) hier an die Person hinter dem Nick „Ulli“; der sich für seinen Beitrag extrem viel Zeit genommen hat. Auch sein Kommentar im letzten Blog sei daher zur Meinungsbildung nochmal ausdrücklich empfohlen. Ebenso danke ich „ring2“ für ein sehr interessantes Telefonat, bei dem wir die unterschiedlichen Meinungen ebenfalls sachlich austauschen konnten. So sollte es unter Erwachsenen ja normalerweise auch möglich sein.

Zur Sache:
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es bei der Aktion am Sonntag Fehler gab, die aufgearbeitet werden müssen. Aus meiner Sicht gab es zwei große Fehler, ohne die wahrscheinlich die jetzige Situation hätte vermieden werden können.
Die Aussperrung der SitzplätzeMangelnde Kommunikation im VorfeldU.a. durch diese Fehler wurden dann leider auch Leute verprellt, die der eigentlichen Idee positiv gegenüber standen und stehen, sich an der Umsetzung aber störten. Auch dies ist schade und auch bei denen kann man sich entschuldigen bzw. versuchen die Gründe dafür darzulegen um wieder gemeinsam nach vorne blicken zu können. Ähnlich wie der FCSR bleibe ich (persönlich, subjektiv) aber bei der Überzeugung, dass ein Absperren einer gewissen Anzahl Plätze in einer Fankurve grundsätzlich ein völlig berechtigtes Mittel eines Fanprotestes ist. Dies gab es in der Vergangenheit schon oft und bei vielen Vereinen. Anzahl und Ort der Plätze sowie das Mittel der Umsetzung lasse ich bei dieser Aussage bewusst frei. Ich hoffe, zumindest hierbei besteht ein Konsens.
Die Frage ist jetzt, wie es im Einzelfall umzusetzen ist, (nur Teilsperrung, ausschließlich freiwillige Basis etc.) und hierbei wird es wahrscheinlich keinen Konsens geben, dass hat die Diskussion der letzten Tage gezeigt. Ich werde hier jetzt auch keine „Wenn man das so und so gelöst hätte…“ Debatte führen, denn das Kind liegt eh im Brunnen.
Unstrittig auch: Wie auch immer dieses Absperren erfolgt, dürfen dadurch keine Personen zu Schaden kommen. Das von Sven aufgeführte Beispiel des älteren Herren ist natürlich schon ein Beispiel zu viel, so etwas hätte nicht passieren dürfen. Bei diesem Herren (und ggfs. weiteren Personen) muss aus meiner Sicht eine persönliche Entschuldigung seitens der „Verantwortlichen“ erfolgen. Hier sei aber auch nochmal erwähnt: „Verantwortlich“ war nicht USP alleine, da standen mehrere Gruppen dahinter, u.a. auch der Übersteiger.

Es gibt nach wie vor die zwei Ansichten:
A) Eine komplette Absperrung der Stehplatz-Bereiche in der Süd ist rechtens.
B) Nein, ist sie nicht.

Ganz ehrlich, mit bleibt da beim Blick in die Zukunft nur ein resignierendes Schulterzucken. Ich persönlich stehe nach wie vor, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, zu Möglichkeit A).
Wer mir aufgrund dieser Meinung(!) aber jegliches Recht zur Diskussion abspricht, den werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen können, da ist der Graben dann offensichtlich zu tief.
Eine „Verurteilung der Blockade“, wie von einigen gefordert, wird es von mir (persönlich, subjektiv) nicht geben. Damit bin ich vielleicht nicht „Mehrheitsfähig“, aber genau das kann eben in einer Demokratie auch mal passieren und ich bitte zumindest darum, diese Meinung zu akzeptieren auch wenn man sie nicht teilt.
Erneut: Ich bestreite nicht, dass Fehler passiert sind. Auch Fehler, für die man sich entschuldigen muss. Nur: Viel von dem Wirbel, der jetzt im Nachhinein entstanden ist, mag zwar den Sonntag als Auslöser nehmen, liegt aber doch viel tiefer begründet. „Scheiß USP“-Rufe gab es auch schon am Sonntag von der Gegengeraden aus… von Leuten, die garantiert nicht alle über die Zustände in der Süd informiert waren, sondern denen es eine willkommene Gelegenheit war, mal wieder auf die verhassten Ultras einzuprügeln. Wer z.B. bei “Twitter” den “richtigen” Leuten folgt, konnte da schon am Sonntag morgen sehen, dass diese mit geschwilltem Kamm der Konfrontation mit USP entgegenfieberten und ihnen die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheißegal war.
Auch viele Beiträge im Forum deuten darauf hin, dass hier in erster Linie alte Rechnungen mit USP beglichen werden sollen. Dies ist auch deswegen schade, weil es die (durchaus berechtigte) Kritik an dieser Aktion verwässert und unnötigerweise zu einem „USP vs. Rest des FC St.Pauli“ Kampfes verkommen lässt… und da springen eben beide Seiten schnell zurück in die bekannten Gräben. Auch hierbei schließe ich mich ausdrücklich ein, obwohl ich nicht zu USP gehöre, ihnen aber eben deutlich näher stehe als denen, die am Sonntag zu ebenso unglaublichen Handlungen kamen, wie von Sven beschrieben.

Hier half mir dann ein Gespräch, welches ich gestern mit dem Schweizer Journalisten Daniel Ryser führen durfte, der zu einer Reportage zufällig an diesem Wochenende beim FC St.Pauli zu Gast war und der die Vorfälle in der Süd auch selbst mitbekommen hatte. Sein erster Satz war: „Ich leide unter extremer Platzangst!“ und mir schwante Böses. Allerdings folgte als nächstes: „Aber das war überhaupt kein Problem am Sonntag, man konnte ja jederzeit der Enge da entfliehen.“ Das soll nicht heißen, dass es nicht eben auch solche Situationen gab, wie von Sven beschrieben. Nur waren diese eben nicht die Regel, sondern die Ausnahme, auch wenn natürlich jede Ausnahme eine zu viel ist.
Ansonsten äußerte er seine Begeisterung darüber, dass es bei St.Pauli so etwas wie einen Kampf um Fanrechte überhaupt noch gibt. Wobei er hier übrigens erstaunliche Übereinkunft mit Sergej Barbarez hatte, der beim Verlassen des Platzes, wo er zum sky-Interview war, mit Blick auf die leeren Süd-Plätze sagte: “Ich find das toll!”. Da muss man sich schon Zustimmung zu Fanrechten bei Schweizern und hsvern holen…
Daniel erzählte auch von seinen Gesprächen mit USP Mitgliedern, die er als „außergewöhnlich selbstkritisch und sich selbst reflektierend“ wahr nahm. Irritiert zeigte er sich hingegen von der Heftigkeit der Proteste im Internet am Tag danach, für die er keine Erklärung fand. Ebenso schilderte er von Fans in der Süd, die Zitate brachten wie „Jetzt dürfen die Nazis mal nicht zum Spiel und jetzt beschweren sich die Ultras auch noch darüber!“, um im nächsten Satz USP selbst in Zusammenhang mit dem Dritten Reich zu bringen, was auch bei ihm nur erstauntes Kopfschütteln brachte.
Wie schon eingangs erwähnt, auch noch ein Wort zum Zitat unseres Präsidenten, welcher am Montag verlautbaren ließ: „Es handelt sich zweifelsohne um Nötigung und wir werden überprüfen, inwieweit es sich um den Tatbestand der Freiheitsberaubung handelt.“. Man kann ja gerne mal beide Begriffe (Nötigung und Freiheitsberaubung) bei Wikipedia eingeben und wird schnell erkennen, dass letzteres im juristischen Sinne geradezu lächerlich grotesk ist, da es sich um eine Blockade und nicht um ein Einsperren handelt. Ersteres (Nötigung) ist hingegen bei Blockaden juristisch mehr als umstritten, von daher ist sein „zweifelsohne“ mal wieder mit Vorsicht zu genießen und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie viele Prozesse der Verein denn diesbezüglich tatsächlich anstrengen und dann auch mit einer Verurteilung abschließen wird. Aber die öffentliche Wirkung hatte er natürlich mit dieser Äußerung zunächst und mehr war wohl auch nicht beabsichtigt. (Ist ja auch sein gutes Recht, keine Frage, das Spiel auf der Medienklaviatur beherrscht er.)

Interessant wäre sicher die Beantwortung folgender Frage: Wie viele Süd-Stehplatzbesucher hielten die Blockade am Sonntag für absolut unrechtmäßig und wollten sich ihr widersetzen?
Leider wird es dazu keine verbindliche Antwort geben, ich glaube aber schon, dass die absolut überwiegende Mehrheit der Stehplatz-Besucher diese Absperrung an dem Tag ertragen hätte. Sicher nicht alle, und im Zusammenhang mit den ebenfalls ausgesperrten Sitzplätzen hat genau das dann auch zu den Problemen geführt. Ich schmeiß jetzt mal die Zahl 150-200 in den Raum, also knapp 10% der Süd-Stehplatz-Besucher. Kann ich ebenso wenig belegen, wie man es mir widerlegen kann, insbesondere, da ja auch die Sitzplatz-Besucher noch dazukommen. Trotzdem entspricht dies meiner gefühlten Temperatur, aus den selbst erlebten Gesprächen in der Situation vorm Anpfiff in und vor der Süd, sowie den Gesprächen danach.

Und damit sind wir dann auch wieder bei der Frage, ob die Aussperrung dieser Fans gegen ihren Willen berechtigt war oder nicht… womit wir wieder bei den zwei oben angeführten Meinungen sind, die sich nicht vereinbaren lassen werden.

Es wird in den nächsten Tagen sicher noch Stellungnahmen und hoffentlich auch Gespräche geben, deren Ausgang man sicher gespannt erwarten darf. // Frodo

28.Spieltag - (H) - FC St.Pauli - Hansa Rostock

März 29th, 2010

FC St.Pauli – FC Hansa Rostock 2:0 (1:0)
Tore:
1:0 Marius Ebbers (41.), 2:0 Deniz Naki (54.)
Zuschauer: 19.146 (keine Gästefans)
Rote Karten: Martin Retov, Fabian Boll (beide 57.)
Oha, heute mache ich mich unbeliebt… und bevor ich mich verzettel unterteile ich den Bericht mal, für mich recht ungewöhnlich, in Kategorien.

Die Vorgeschichte
Ich will das nicht alles wieder aufwärmen, daher in Kürze: Das Präsidium und die Polizei entschlossen sich, nur 500 Gästefans zuzulassen. Rostock verzichtete konsequenterweise ganz auf die Karten, Fangruppen des FC St.Pauli kündigten gegen diese Beschneidung der Fanrechte Proteste an. Wer das noch mal nachlesen möchte, kann dies im Blog hier und hier tun oder die ÜS-Sonderausgabe lesen, die am Sonntag verteilt wurde.

Das Spiel
Kann man schnell abhaken. Unterm Strich verdienter Arbeitssieg in einem umkämpften Derby, in dem Hansa uns mit diesem unglaublichen Fehlpass von Schöneberg auf Ebbers natürlich einen großen Gefallen tat und Matze Hain erneut großartig hielt, wenn er gebraucht wurde. Ich hab vor der Saison viel über ihn geschimpft, aber er ist diese Saison genau der Rückhalt, den man für einen Bundesliga-Aufstieg braucht, ich leiste in aller Form Abbitte bei ihm.
Die Situation, die zum Tumult führte, war hingegen eindeutig: Böses Frustfoul des Hansa-Kapitäns Martin Retov an Deniz Naki, welches für sich bereits zwingend eine rote Karte nach sich zog. Anschließend stürmt Boll auf ihn zu, was Retov zu einer klar erkennbaren Zidane-Gedächtnis-Kopfnuss verleitet. Klassisches Doppel-Rot für ihn, maximal Gelb wegen ungestümen Anrennens für Boll, aber eigentlich nicht mal das. Warum Rafati beiden die rote Karte zeigte, erklärte er dann später, indem er Boll wahlweise eine Kopfnuss oder ein deutliches Schubsen nachsagte… wenn das seine Begründung ist, so muss man Boll eben nach den TV-Bildern freisprechen, Fehlentscheidungen passieren. Allerdings stand Rafati nur zwei Meter weg mit bester Sicht aufs Geschehen, also schon eine sehr unverständliche Entscheidung. Retov hingegen muss für Minimum sechs Spiele gesperrt werden, weil beide Szenen für sich mindestens drei Spiele Sperre bedeutet hätten. Ich bin gespannt, wie das Schiedsgericht das sieht. (Edit: P.S. Der DFB hat grad sieben Spiele Sperre verhängt… bleibt abzuwarten, was mit Boll passiert.)
Schönes Highlight nach dem Spiel war dann das kollektive Niederknien der Mannschaft vor dem großen Bild von Truller in der Jahr100Elf, während Stani und Truller feixend im Mittelkreis standen.

Rostocker Randale
Blieb, wie zu erwarten, aus. Zwar war klar, dass es genug Leute versuchen würden, Stress anzuzetteln, aber die in den Medien vorher genannten Zahlen waren einfach lächerlich. Allein das Kamera-Team-Aufgebot um kurz nach eins vorm Riesenrad hätte für drei Folgen der Lindenstraße gereicht. Was haben die erwartet? Dass die Hansa Fans da oben im Kreis fahren und Bengalos runter schmeißen? Noch dazu, wo der Dom um die Uhrzeit noch nicht mal auf hatte?

Der Boykott der Südkurve
So, fertig machen zum „Auf mich einprügeln“. Ich stehe voll und ganz hinter USP und dem kompletten Absperren der Süd! Und zumindest die anderen beiden ÜS-Redakteure, mit denen ich heute Morgen schon sprechen konnte, schließen sich der Meinung an. So viel vorweg.
Die Fangruppierungen des Ständigen Fanausschusses hatten sich auf diverse Proteste verständigt, um u.a. auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass einige davon scheitern. Eine davon war, dass USP versuchen sollte, die Süd für fünf Minuten frei zu halten. Es war also keine „USP-Aktion“, sondern eine Aktion von mehreren aktiven Gruppen, die in diesem Fall eben von USP ausgeführt wurde. Und um es auch klar zu sagen: Es ging hier doch nicht um den persönlichen Seelenfrieden und den selbstgerechten Blick am Abend in den Spiegel, dass man selbst für sich boykottiert hat, sondern es ging um mediale Aufmerksamkeit… und genau die ist sowohl auf Sky, als auch beim DSF und auf N3 dadurch erreicht worden, dass die GESAMTE Stehplatzkurve des FC St.Pauli beim absoluten Saisonhighlight für fünf Minuten frei blieb. Gegen den “Hassgegner”, den FC Hansa Rostock!
Hätte es stattdessen eine windelweiche „Naja, wir boykottieren zwar, aber wer rein will, soll halt rein gehen…“ Aktion gegeben, wäre es wahrscheinlich nach und nach immer mehr aufgeweicht worden, weil Richtung Anpfiff immer mehr Leute reingegangen wären, frei nach dem Motto: „Ey, super Boykott… aber ich als Einzelperson bin ja nicht so wichtig, also kann ich auch eben mit rein. Einer mehr oder weniger fällt ja auch nicht so doll auf.“ Und Schwupps hätten eben nur noch 500 konsequente Leute draußen gestanden und die Aktion wäre verpufft.
Bleibt also entscheidend die Frage: Hat USP (bzw. die ebenfalls hinter dem Boykott stehenden Fangruppen) das Recht, die Zugänge zur Süd so abzuschotten, dass es den Leuten nicht gelingt auf ihre Plätz zu gelangen? Und wenn ja: Wie soll man reagieren, wenn Leute trotzdem auf ihre Plätze wollen, eingedenk der vorhergehenden Argumentation, dass nur ein „kompletter“ Boykott erstrebenswert ist?
Hier werden sich die Geister scheiden, ich persönlich beantworte die Frage nach dem „Dürfen sie das?“ aber eindeutig mit: Ja, dürfen sie. Es handelt sich um eine von Fans/Ultras selbst verwaltete Kurve, dies unterschreibt jeder Besucher dieser Stehplätze beim Erwerb der Saisonkarte… ob ihm dies gefällt oder nicht (und jetzt bitte nicht mit „Aber die Uralt-Südler haben noch Dauerkarten von vor dem Konzept…“ kommen, denn die jetzigen Unmutsäußerungen kommen bei weitem nicht nur von denen, wenn überhaupt). Genau jenes Konzept, mit dem sich der Verein gerne brüstet, welches auch einen guten Teil des „Non established“-Krams ausmacht und welches beim Verkauf der Business-Seats und Logen gerne auch nach vorne gestellt wird. Letzteres führt doch dazu (siehe ÜS Blog vom Logen-Besuch) dazu, dass „da oben“ die besser situierten Damen und Herren sitzen, die fasziniert auf das „merkwürdige Wesen Fußballfan“ herabblicken und entzückt jauchzen, wenn es sowas wie Wechselgesänge oder kollektives Hüpfen im Gleichklang gibt. Angestimmt von eben jenen Ultras, die unfassbar viele Aktionen durchführen, die den FC St.Pauli zu dem machen was er (noch) immer ist: Etwas anders. Ich will jetzt nicht alles aufführen, aber Projekte, die es Flüchtlingen ermöglichen, Spiele am Millerntor zu besuchen, oder das Engagement bei zahlreichen anderen Projekten, werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil USP es eben „wegen der Sache“ macht, und nicht um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Und um es auch noch einmal deutlich zu betonen: Es ging um fünf Minuten! Fünf Minuten, die man zu etwas ganz Besonderen hätte machen können, wenn man beispielweise die Bereiche unter und außerhalb der Süd dazu genutzt hätte, sich einzusingen. Stattdessen wurde geschubst und gedrängelt, um auf den eigenen Platz zu gelangen, an dem man ja sonst auch immer steht. Muss jeder für sich selbst entscheiden ob er da freiwillig zu bereit ist? Ja, normal schon. Aber gestern ging es eben um mehr, zumindest aus Sicht der Gruppen, die im Ständigen Fanausschuss zusammengeschlossen sind. Und nochmal: Es handelt sich um eine von Fans verwaltete Kurve, für die eben auch andere Regeln gelten als für den Besuch eines Kinos oder des Zoos oder einer 08/15 Tribüne bei Hoffenheim. Hierbei spielt aber sicher auch das Problem rein, dass eben viele dort nicht aus Überzeugung zur Ultrakurve stehen, sondern einfach in Ermangelung einer anderen Möglichkeit. 
Ich gebe gerne zu, dass man hier unterschiedlicher Meinung sein kann, hätte mir hier aber eben nach dem ganzen Theater der letzten Wochen erhofft, dass die Solidarität der Fanszene untereinander greift und man bereit ist, auf diese fünf Minuten gemeinsam zu verzichten. Auf den zweiten Teil dieser Grundsatzfrage zurückkommend: Wenn man also der Meinung ist, sie dürfen und man will niemanden auf die Süd lassen… wie geht man dann mit Leuten um, die anderer Meinung sind? Es bleibt dann nur der Weg der kompletten Blockade, die muss man dann auch konsequent umsetzen, ohne gewalttätig zu werden. Letzteres war wohl auch so, zumindest haben die „Blockierer“ sich nur in den Weg gestellt. (Ich kann hier natürlich kein allumfassendes Urteil über die Situation an allen Eingängen abgeben, aber jeder, der hier behauptet ein USPler hätte Gewalt ausgeübt, möge sich dann bitte nochmal fragen, ob das zum einen wirklich so war und zum anderen wer denn damit angefangen hat) Und nochmal: Diese Blockade steht und fällt mit der Frage, ob es einer Fangruppierung wie USP erlaubt ist, die Blockade durchzuführen oder nicht… alles andere sind dann (leider) die Folgeerscheinungen.
Ein Satz noch zu den Sitzplätzen der Süd: Ja, auch diese waren zu großen Teilen davon betroffen. Und wenn ich es mir hätte persönlich aussuchen können, hätte ich die davon ausgenommen, weil hier vielleicht auch der unbescholtene Familienvater mit seinen drei Kindern erstmals am Millerntor auftauchen kann (theoretisch zumindest… praktisch nicht, wenn man sich die Kartenverteilung im Vorfeld in Erinnerung ruft). Allerdings scheiterte dies auch einfach an der praktischen Umsetzbarkeit, da Steh- und Sitzplätze die gleichen Zugänge haben, und nachdem diese verstopft waren, war eben auch keine Ausnahme mehr möglich.
Wenn man dann allerdings, wie in einer Hamburger Boulevard-Zeitung sinngemäß zu lesen ist, von „weinenden Kindern im beängstigenden Gedränge“ lesen muss, sollten sich auch die Eltern hierbei mal hinterfragen. Wer sich pro Tag auch nur zehn Sekunden mit dem FC St.Pauli beschäftigt, dem muss klar sein, dass ein Spiel gegen Hansa Rostock vielleicht sowieso schon nicht geeignet ist, sein Kind mitzunehmen. (Ich rede jetzt nicht von 17 jährigen Kindern, die werden aber auch eher nicht weinen.) Und wenn man sich nicht nur zehn Sekunden sondern eben auch drei Minuten vorher mit diesem Spiel beschäftigt hat, war klar, dass auch die Situation auf der Süd an diesem Tag eine besondere sein würde. Wer dann mit seinem Kind auf seinen Sitzplatz will, sollte recht schnell feststellen können, dass dies eben nicht geht… und dann wäre zumindest ich mit meinem Sohn wieder ein paar Meter zurückgegangen, hätte ihm die Situation erläutert und nichts wäre passiert. Das dies problemlos möglich gewesen wäre, habe ich mit eigenen Augen gesehen, denn zum Anpfiff war die Treppe von der Gegengeraden hinauf zur Süd zwar gut gefüllt, aber eben auch völlig entspannt und ohne jedes Gedränge. Gleiches gilt für den Eingangsbereich, wo sich das Fanladen-Büro befindet, wo auch einer Frau mit Platzangst problemlos geholfen werden konnte, indem man sie in das Büro ließ. Wer es hier also nicht auf Konfrontation anlegte, konnte sich ihr auch problemlos entziehen. Und ich wiederhole mich gerne: Es ging hier um mehr, als um fünf Minuten Zweitligafußball… diese Einschätzung kann man teilen oder eben auch nicht, aber wenn ich in dieser Kurve stehe, muss ich mit solchen Protestaktionen rechnen. Und wenn ich sie auch selbst nicht teile, darf ich sie eben zumindest auch nicht sabotieren, sondern muss sie (wenn auch in mich rein grummelnd) mit- und ertragen.

Sonstige Proteste
Dementsprechend gab es nach den fünf Minuten eben auch „Scheiß USP!“ Rufe, mehrheitlich von den Sitzplätzen der Süd. Wie gesagt, ich kann deren Unmut zum Teil nachvollziehen, nur fallen dann eben fiese „fünf nicht gesehenen Minuten“ für mich unter den unschönen Begriff des Kollateralschadens, auch hierfür stehe ich zur Steinigung nach Terminabsprache gerne bereit.
Das USP aber mit seiner Meinung bei weitem nicht alleine steht, zeigten die restlichen Proteste in Form von Tapeten. Ich bekomme sie nicht mal mehr annähernd alle zusammen und hab leider auch vergessen, die besten mitzuschreiben, daher nur meine beiden Highlight: „Auch Arschlöcher haben Rechte!“ und „CL + Ahlhaus: If the kids are united!“ Großartig, traf mein Humorzentrum. Gegenteilige Tapeten gab es übrigens nicht, nur fürs Protokoll.

Die Stimmung
Auch hier muss man USP zugestehen, alles richtig gemacht zu haben. Der ÜS hatte sich auf seinem Flyer ja dafür ausgesprochen, vom akustischen Support her alles zu geben, um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. USP hatte frühzeitig erklärt, dies natürlich nicht zu sabotieren, aber eben keinen organisierten Support zu machen. Will sagen: Keine Fahnen, keine Trommeln, keine Vorsänger… also quasi ein Paradies für all diejenigen, die USP immer das Übliche „Lalala“ vorwerfen. Und das wohlgemerkt bei DEM Spiel der Saison! Das Derby gegen Hansa, die Chance uns nach oben zu schießen und die Kogge zu versenken!
Und was passiert? Teilweise eine Stimmung wie bei der A-Jugend vom VSK Osterholz-Scharmbeck gegen Atlas Delmenhorst, komplettes Versagen der restlichen Besucher. Okayokay, natürlich gab es Gesänge und Anfeuerungen, aber das hielt sich doch alles sehr in Grenzen und passte viel eher zu nem lauen Sommerkick als zum eingangs beschriebenen Szenario, bei dem das Millerntor eigentlich hätte komplett brennen müssen! Wenn schon bei so einem Spiel, noch dazu nach den beiden roten Karten nur so wenig Stimmung bei rüber kommt, wie sollte das denn erst beim trüben Ligaalltag sein? Unvorstellbar. Und wohl gemerkt: USP hat ja nicht die Stimmung boykottiert, sondern bei Gesängen sehr wohl mitgemacht und teilweise auch eigenes gestartet… nur eben nicht so wie sonst. Und sonst meckern ja auch immer alle.

Fazit:
Das Kind liegt im Brunnen, und zweifelsohne ist gestern einiges in der Fanszene zerbrochen. Allerdings hat für mich nicht USP die Schuld an dem Bruch und das Kind liegt da auch schon einige Wochen, wenn nicht gar Monate.
Bis zu diesen Fronten war es ein langer Weg, an dem sicher viele Seiten ihre Schuld tragen. Und natürlich ist auch USP nicht völlig schuldlos, vielleicht hätte man vorher auch in der Kommunikation etwas anders lösen können. Nur die gestrige Situation entzündet sich eben an der Frage, ob alle Stehplatzbesucher das Konzept der Süd mittragen, oder eben nicht. So hart es klingt, aber der Verein und seine Fanszene stehen vor einer schwierigen Phase, die entscheiden wird, wie „non established“ wir wirklich sind, und wie lange dieser Verein noch von sich behaupten kann, „anders“ zu sein. Sollte der Verein tatsächlich Konsequenzen gegen USP aus den gestrigen Vorfällen ziehen, wäre für mich der Bruch mit diesem Präsidium noch stärker, als er nach den Lügen und Halbwahrheiten in persönlichen Gesprächen der letzten Wochen eh schon ist. Dummerweise werden einige es genau umgekehrt sehen und Konsequenzen gegen USP fordern bzw. haben dies bereits getan… und die Frage wird sein, welche Seite hier im Recht ist. Und damit meine ich nicht die juristische Seite, sondern die moralische. Und eben diese wird sich nur schwer beweisen lassen. Mir fehlt der Lösungsansatz, wie die verhärteten Fronten aufgeweicht werden können… die gestrigen Vorfälle haben diese sicherlich weiter verhärtet, nur liegt der Grund dafür eben nicht (alleinig) bei USP, sondern auch bei den anderen Gruppen, die diesen Protest mitgetragen haben und auf der anderen Seite bei denen, die diesen Protest eben nicht mitgetragen haben. // Frodo

P.S. Wer USPler als “Nazischwein”, “Fotze” oder ähnliches bezeichnet, hat damit dann auch schon genug über sich selbst preis gegeben, da geh ich gar nicht mehr drauf ein.

Links:
Fotos von miles-photo.net
Bericht eines Rostockers in der Ostsee-Zeitung
Ollis Tresen Thesen