Erfolg oder Entfolgen? – FC St.Pauli 2004 bis 2014

Dieser Artikel erschien zunächst im ÜS#115 und ist ein guter Beleg dafür, warum Print voraussichtlich noch lange nicht tot sein wird und warum Fanzines auch weiterhin “offline” ihre Berechtigung haben.
Da wir aber komplett ausverkauft sind und die Sommerpause vor der Tür steht: Druckt Euch den Text aus, nehmt ein Kaltgetränk Eurer Wahl zur Hand und nehmt Euch Zeit ihn in Ruhe zu lesen. Ein Rückblick von Mirco auf die letzten zehn Jahre des FC St.Pauli.
(Klarer Vorteil hingegen in der Online-Version: Man kann die entsprechenden Lieder aus den Zwischenüberschriften verlinken.)

Heart of Glass (Blondie)

Aufstieg in Liga zwei, Aufstieg in Liga eins, ein dreiviertel fertiges neues Stadion, alles seriös durchfinanziert, eine sportlich verheißungsvolle erste Mannschaft, ein Verein, der sich um Belange des Viertels wirklich aktiv bemüht (z.B. “Kiezhelden”), überwiegend bescheidene Sympathieträger in diversen offiziellen Ämtern, ein modernes Marketing und Stabilität, Fanräume, ein in Aussicht stehendes Museum. Endlich Stabilität! Und Kontinuität.

Ist wirklich alles gut?

Es liest sich – vielleicht auch gerade vor der Hintergrund des Chaos, in das der hsv gerade zu stürzen droht (oder bereits gestürzt ist?) – wie ein Tonikum für die Seele nach Jahren, ach was, Jahrzehnten des finanziellen, moralischen und sportlichen Chaos. Wo standen wir vor zehn Jahren, also 2004?

Misswirtschaft (Prollhead)

Die erste Mannschaft befand sich in der Regionalliga Nord. Am 25.04.2004 gewannen wir 2:0 gegen die zweite Mannschaft des BVB durch Tore von Akbel und Hanke. Ein 0:0 zu Hause gegen Sachsen Leipzig sollte folgen. Die Saison unter Cheftrainer Andreas Bergmann wird am 05.06.2004 mit einer Auswärtsniederlage gegen Braunschweig als Tabellenachter abgeschlossen sein. Erfolgreichster Torschütze mit elf Treffern ist Mourad Bounoua.

Die Gästefans stehen noch Süd, es gibt noch eine echte Meckerecke und wenn es regnet wird nicht nur die Mannschaft nass (und es hat, weiß Gott, viel geregnet in der RL). Bier bestellt man noch mit “mach mal zwölf auf acht” und festes Schuhwerk ist Pflicht, da man ansonsten im Morast der unbefestigten Treppenstufen versinkt.

Zwei weitere Jahre in der “Regio” sollen noch folgen, das erste wiederum wurde im Sommer 2003 ad acta gelegt und alle waren froh, dass es nicht noch schlimmer kam. Man erinnere sich an die Retterkampagne. Es war knapper als viele heute dachten. Der FC St.Pauli stand kurz vor dem Zwangsabstieg in die Oberliga. 1,95 Millionen EUR wurden benötigt und man war mit über 4 Mio EUR verschuldet.

Ich will nicht alle Elemente der Retter-Kampagne im Einzelnen ins Gedächtnis zurückrufen. Jeder wird seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit haben. Nur eines: Irgendwie war’s egal, wie das Geld reinkommt, Hauptsache, wir kommen durch. Ursache für den damals von Altona 93-Fans genüsslich kreierten Schlachtruf “St. Pauli, McDonalds und die CDU”. Haben wir damals ein Stück Seele verkauft? Oder heiligt der Zweck die Mittel? Ich will das nicht beantworten, aber ich will es fragen.

Mein letztes Geld geb ich für Fussball aus (Tony)

Corny Littman, einer der polarisierensten Präsidenten ever, legte den Grundstein für all das, was heute funktioniert. Die Strukturen wurden gestrafft, Menschen verlieren Jobs (ob zu recht oder unrecht kann und will ich nicht beurteilen), er verprofessionalisierte Verein, Prozesse, Mitarbeiter und das Umfeld. Manche seiner Ideen oder Initiativen (remember Millerntaler) wurden gestoppt oder zumindest kritisiert, den durch die finanziell immer bessere Ausgangslage einhergehenden sportlichen Erfolg mochte man aber auch nicht so recht missen.

Der Verein stand lange nicht derartig vor der Gretchenfrage seiner eigenen Existenz, wie in diesen damaligen Tagen.

Denn: Nach sportlichem Erfolg sehnten sich alle. Es lagen vier Jahre Arminia Bielefeld II und Wolfsburg II im Nieselregen mit 18 mitgereisten Gästefans hinter uns. Zudem wuchs eine durch Holger Stanislawski zusammengestellte, sympathietragende Mannschaft zusammen. Mit Protagonisten, die durch Charakter und Disziplin einiges an spielerischer Finesse vergessen ließen. Es war die Zeit der Heldengeneration und jeder Potentat dieser Welt weiß, dass man am einfachsten im Hintergrund Strukturen verändern kann, wenn im Vordergrund der Plebs mit Brot & Spielen beschäftigt ist.

Mit dem Aufstieg in Liga zwei 2007 veränderte sich… erst einmal nix. Die Mannschaft der ersten Herren war geil und spielte gleich gut mit. Als Fan durfte man zufrieden sein. Das Stadion war wieder voll und es kamen auch wieder Leute, die ja “schon immer im Stadion waren”, aber in den Jahren der Regionalliga einfach “die Schnauze voll” hatten und ihre Dauerkarte von 1991 mit dem Abstieg 2003 nicht mehr verlängert haben. Ein bis heute andauerndes Phänomen setzte ein: Die Jagd nach einer saisonübergreifenden Dauerkarte. St. Pauli wurde knappes Gut und das bedeutet Umsatz.

Its a long way to the top (AC/DC)

St. Pauli erlebte einen Boom. Man spielte ordentlich mit, Holger Stanislawski galt als Sympathieträger auch über den Verein hinaus und Corny Littmann – im eigenen Verein eigentlich nur von den zahlreicher werdenden “Erfolgsfans” unumwunden geschätzt – galt für Menschen außerhalb des Vereinsumfelds als “typisches” crazy Lokalkolorit. Die lustigen Paulis mit ihrem originellen Präsidenten, guck mal an. Das ist ja lustiger als beim hsv, die in der Saison 2010 unter Armin Veh im grauen Mittelfeld der ersten Bundesliga verschwanden. Bei St. Pauli geht’s um was. Bei jedem Spiel wird gesungen und gefeiert. St.Pauli wird (noch mehr) Eventverein.

Und sogar das Stadion wurde neu durchdacht. Nach etlichen Versuchen, Ideen und Entwürfen, die vor zwei Dekaden sogar zu Initiativen und der Gründung unserer Übersteiger-Keimzelle – des Millerntor Roar! – geführt haben, entstand nun ein Plan zum Bau eines neuen Stadions, der durchaus Konsens in vielen Teilen der Fanszene fand. Orientierte man sich doch an englischen Stadion und versprach, für reichlich Steher zu sorgen. Am 19. Dezember 2006 wird die Südtribüne abgerissen und der Grundstein für unser neues Stadion gelegt.

Our House (Madness)

Ich will nicht über Entwürfe, wie die “Welle” o.ä. sprechen. Ein neues Stadion musste sein, sonst hätten wir mittelfristig keine Lizenz zum Spielbetrieb in Profiligen erhalten. Das verstehe ich und die meisten von Euch haben das auch verstanden. Und da klugerweise als erstes die Süd abgerissen wurde, mit der sich 85 % der Stadiongänger durch den Gästeblock eh nicht allzu sehr identifizierten, riss die Schleifung der Südkurve keine allzu große emotionale Lücke. Man nahm es hin und ggf. wurden die Tränen von einigen langjährigen Südstehern von dem einen oder anderen als etwas wunderlich zur Kenntnis genommen. An dem Erdhügel neben dem Gästeblock hing das Herz nicht so eng. Ein zweiter, ebenso kluger Schachzug: Der organisierten Fanszene den Stehplatzbereich der neuen Süd zu versprechen. Als selbstorganisierte Kurve. Somit sind die kritischsten Sprachrohre ruhig. Lernt man in der Projektleitung am ersten Tag: Mache Gegner zu Beteiligten.

Insgesamt ging Neugier um. Neugier, ob “die da oben” das wirklich hinkriegen, eine Kurve zu bauen und wie diese wohl aussieht. Immerhin waren wir alle gedanklich immer noch Anhänger des “Chaos-Club” FC St. Pauli. Dass er das so langsam nicht mehr war, hatten wir noch nicht verstanden. Daher: Kritik? Nö, nicht laut. Alles gut. Es lief.

Success (Iggy Pop)

Und wie es lief. Zwei mal zweite Liga mit wirklich beachtlichem Ergebnissen und dann kam die Erstliga-Aufstiegssaison, die vielen noch mit einem furiosen One-Touch-Fussball in Erinnerung bleibt. Dass hier die eigene Vergangenheitsverklitterung auch für Mythen sorgen kann, versuchte ich im Trainerdiskussionsartikel in der letzten Ausgabe zu ergründen. Egal. Wir waren auf Aufstiegskurs. Was im Hintergrund lief, interessierte immer weniger. Die Südkurve stand und sah toll aus. Die alte Süd vermisste kaum jemand, nein, man freute sich auf das, was noch kommen sollte. Und nun klopfte man bei der ersten Bundesliga an und mit der Truppe und dem Trainer sah man die Chance… vielleicht wie Mainz… oder Freiburg… langfristig… Stabilität… etablieren…

Wir entwickelten Wünsche wie ein Endreihenhausbesitzer in Tornesch. Es sollte doch bitte jetzt mal ruhig und erfolgreich zugehen. Nun müsse man sich auch mal etablieren, forderten viele, während sie die “non established since…”-Fahne schwenkten…

Ich will nicht werden, was mein Alter ist (Ton Steine Scherben)

Und doch, viele erinnern es und beim Sichten von Joachim Bornemanns Film “Rausgehen! – Warmmachen” – Weghauen! – St.Pauli!”, der glücklicher Chronist des Aufstiegs 2006 in die zweite Liga wurde, sah man den Unterschied. 2006 war Herbeibangen, Hoffen, Angst und Abschütteln von vier Jahren Regionalliga, die man satt hatte. Es waren die treuen Regionalligabesucher, welche eben auch diesen Weg mitgingen. Dort war man unter sich. Es gibt nicht wenige, die heute sagen, die vier Jahre Regio waren für die Fanszene eine schöne Zeit. Aber trotzdem: Man wollte wieder Profi-Fußball erleben und Spieler der gegnerischen Mannschaft auch mal kennen, bei mehr als 4-6 Spielen im Jahr auch Gästefans in nennenswerter Anzahl am Millerntor begrüßen. Die Aufstiegspartys waren spontan, echt und sehr persönlich. Viele feierten im Rahmen ihrer Bezugsgruppen, unbekannte Menschen fielen sich auf den Straßen in die Arme, es war Rausch und ehrliche Fröhlichkeit.

Der Aufstieg 2010 dagegen war emotional seltsam. Natürlich Freude und auch Stolz, viele hatten aber die Ereignisse um 2001/2002, die im Durchmarsch zur Regionalliga endeten, nicht vergessen und so mischte sich auch Sorge in die Freude. Und: Das ganze war so unendlich groß. Bühnen mit Boss Hoss und anderem Mainstreamkokolores bevölkerten den Stadtteil. War das noch mein St. Pauli? War das noch Subkultur? War das nicht schon hsv? Egal. In alkoholgeschwängerter Luft vergaß sich vieles. Wir waren nun Erstligist und das zum 100-jährigen Vereinsjubiläum und mit Fertigstellung der neuen Haupttribüne.

Geht noch mehr?

All This and More (Mad Sin)

Ob es der Moment war, an dem wir unserer Unschuld verloren oder ob dieser schon Jahre vorher zurück lag oder eben sukzessive von statten ging, vermag ich nicht zu sagen. Ich möchte aber jetzt ganz subjektiv von meinem Erleben der Hinrunde der ersten Liga berichten.

Ich war heiß wie Frittenfett!! Meine Bezugsgruppe und ich (Fanclub Optimistische Fatalisten) standen damals in der Gegengrade noch ungefähr am Ende der Heimtrainerbank. Also alter Block E Richtung Nord. Ich freute mich auf die Saison und auf die großen Namen wie ein Kind. Ich war mir sicher, dass wir eine supportmäßig unfassbare Saison erleben werden. 34 Endspiele! Ein ganzes Stadion voller Hunger nach Erstligafussball. Die neue Haupttribüne. Wird sie genau so toll wie die Süd? Das erste Auswärtsspiel gegen Freiburg lief gut, also fertigmachen zur Gänsehaut beim ersten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim und nach dem Bierkauf die Treppen der Gegengraden hoch in den Block und ……..BÄNG!

Another Brick in the Wall (Pink Floyd)

Ich sagte irgendwas wie “Oh, dass sieht ja……. beeindruckend aus” im ersten Angesicht der riesigen Wand, die mich erschlug. Die neue Haupttribüne. Ich spürte in diesem winzigen Moment, dass sich bei meinem FC St. Pauli nun alles verändern würde und ich ahnte, dass es das schon die ganze Zeit tut, aber dass es nur wenige Momente gibt, wo es nicht schleichend passiert, sondern wo Du es siehst und spürst.

Ich war entsetzt. Wir hatten eine Betonschüssel, wie alle anderen Stadien eben auch. Wo war unsere Individualität angesichts einer 08/15-Arena geblieben? Was gab mir das recht, mich als Teil von etwas Besonderem zu fühlen, wenn ich den Abriss genau dessen selber mit bejubelt habe (und damit meine ich nicht nur Mauern und Steine).

Enjoy Yourself (The Specials)

Aber man fand sich ab und huschte ins Spielgeschehen. Die Hinrunde lief sportlich ganz gut, aber eine weitere Enttäuschung machte sich breit: Endspiele? Ein Stadion voller Hunger? Explodierende Stimmung? Nö! Sonntagnachmittagsatmosphäre im Sonnenlicht. Support aus den üblichen Ecken, aber nicht so, wie von mir erwartet. Nun wird jeder den Support so beurteilen, wie sein Standort es zulässt. In der Gegengrade Richtung Nord war nüscht. Nun war schon lange Zeit meine und eine benachbarte Bezugsgruppe, die einzigen, die in unserer Ecke konsequent supporteten, meist gelang uns jedoch, auch die Umgebung mitzureißen. Aber in dieser Saison sahen wir um uns herum fast nur neue Gesichter, die wohl auf der Suche nach der Erstliga-Pauli-Paaadie nicht schnallten, dass man diese nicht besucht, sondern selber veranstalten muss.

Das ganze gipfelte dann in einem Sonntagnachmittagsspiel, in welchem sich ein einzelner Zuschauer vor uns umdrehte und uns bat, etwas leiser zu singen, es sei nun schließlich schon sehr laut. Da blieb uns selbst das Zurückpöbeln im Halse stecken.

Lets lynch the Landlord (Dead Kennedys)

Und vereinspolitisch? Corny hat auch seinen Abgang klug gestaltet und zum Aufstieg hingeschmissen. Es folgte das aktuelle Präsidium um Stefan Orth. Ein völlig unbeschriebenes Blatt und in seiner Wirkung über den Verein hinaus quasi unter dem Radar fliegend. Eigentlich nach dem napoleonischen Corny Littmann vielleicht ja ganz erholsam. Das Vorstandsteam bestand aus vielen Menschen, die modernes Management verstehen und sich artikulieren können. Es übernahm die Generation der Manager, die für Subkulturelles und Wirtschaftskritisches nicht nur Verachtung über haben, sondern in den Dialog treten und versuchen, auch hieraus Wachstumschancen zu generieren. Die, die selber mal besoffen Gitarre gespielt haben und nun mit Verständnis und nicht mit Distanz versuchen, die Jugend zu braven Konsumenten zu konditionieren. Überzeugungstäter!

Es folgten die SMS-Videowände und Susis Showbar-Exzesse. Ich erspare uns allen eine Rekonstruktion der Ereignisse. Wer lesen will, tue dies in unserm Blog: blog.uebersteiger.de und dann mal ganz unten nach Dezember 2010 scrollen. Im Mainzspiel wird man fündig.

Zu kalt (Slime)

Bundespräsidial gesagt: Hier wurde der Rubikon mehrfach überschritten! Das Spiel gegen Mainz interessierte nicht mehr und es passierte ENDLICH etwas, was mir den Glauben an uns und dass wir überhaupt noch etwas Besonderes sind, zurückgab: Die Sozialromantiker-Initiative und the Birth of Jolly Rouge.

Langsam und ganz unbemerkt verprofessionalisierte sich unser Verein immer mehr und wir Fans, von Erfolg zu Erfolg taumelnd, begriffen dieses nicht. Erst jetzt wachten viele auf, rieben sich die Augen, sahen eine riesige Beton-Tribüne mit Stripteasetänzerinnen, SMS-Leinwänden und Konsumenten im Publikum. Das Geschrei nach Verstärkungen bei jeder Niederlage ist natürlich der unterschiedlichen Verteilung von kognitiven Fähigkeiten geschuldet und nach dem achten Bier und Spieltagsfrust auch sofort verziehen, aber Forumskultur und Erfolgsansprüche dieser Tage waren durch Erfahrungswelten geprägt, die eben seit nunmehr 2004 keinen Abstiegskampf mehr erlebt haben. Es ging immer bergauf, bzw. zumindest nie bergab. Identitätsstiftung und Verantwortung gegenüber dem Symbol FC St. Paul traten immer mehr hinter die Frage zurück, wann Ebbers endlich seine Form wieder findet.

Red Skies over Paradise (Fisher Z)

Rot! Alles Rot. Alle hatten gebastelt. Einer der unglaublichsten Momente im Dasein eines St.Pauli-Fans. Unser Blog hat damals viele Reaktionen zusammengefasst: blog.uebersteiger.de und dann im Januar 2011 das Freiburgspiel suchen. Das spricht für sich selber…

Nur soviel: Wäre unser Präsidium nicht so dusselig gewesen, diese Videowände zuzulassen, wer weiß… Wäre es auch bei weiterhin schleichender und unbemerkbarer Kommerzialisierung zum Jolly Rouge gekommen? Hätte Hätte Fahrradkette! Und doch zeigt sich immer wieder und immer mehr, dass die soziale und stadtteilige Komponente des FC St. Pauli auch zunehmend weniger Fans interessiert. Ich will es nicht dramatisieren, die deutliche Mehrheit ist wohl immer noch klar “auf Kurs” und doch fällt es auf.

Im Old (but I used to be young) (Klingonz)

Der Verein hat an (in Werberdeutsch) Sexappeal deutlich zugenommen, ist attraktiv, weil er nicht nur blanken Fußball bietet, sondern ein Spektakel Drumherum und – wohl am wichtigsten – ein Gefühl. Auch der SUV-Fahrer aus Nienstedten mit dem Jolly-Roger auf anthrazitmetallic kramt noch mal seine Lederjacke raus und ist beim Stadionbierchen ganz rebellisch unterwegs. Angesichts einer deutlich älter werdenden Fankultur speziell bei uns ggf. ein typisches Phänomen. Die Rebellen von einst sind bürgerlich geworden. Ich bin es selbst.  Und da verändern sich Denkprozesse. Man überträgt das Alltagsdenken, welches Erfolg gegen Invest und ggf. auch Verzicht abwägt, auf alles, und eben auch auf seinen Fußballclub, weil diese Prozesse in einem implementiert sind. Man wird Kunde!

Ever Fallen in Love (Buzzcocks)

Aber: Und das ist doch die Kernfrage, die immer wieder gestellt wird und jeder anders beantwortet:
Warum bin ich Fan des FC. St. Pauli?

Um für die Beantwortung als Prämisse mal kurz mit aus meiner Sicht absolutem Blödsinn aufzuräumen: Nick Hornby hatte nicht nur Unrecht, Hornby bedient reaktionär-romantische Klischees, weil sie sich hübsch lesen.

Nicht Du suchst Dir Deinen Verein aus, er sucht Dich aus!

Das ist bullshit. Hornby spricht uns damit die Fähigkeit zur freien Entscheidung ab. Natürlich ist es für viele Menschen ein prägendes Erlebnis gewesen, mit ihrem Papi als 5-jähriger zu Verein SV XYZ zu gehen. Und dass sich durch den Wunsch auf Repetieren und dessen Umsetzung eine emotionale Verbindung ergibt, kann man verstehen. Ist diese aber nicht eher an “Papi” als an den SV XYZ gerichtet? Sucht man nicht nach dem vermeintlichen Gefühl des ersten Kicks und verklären wir nicht unserer Erlebnisse, wenn wir mit Idiomen wie “mit großen Augen”, “wars um mich geschehen” und “Ursprung einer großen Liebe” beschrieben werden? Ich sehe vielerorts Kinder in Stadien, die sehr viel mehr mit Konsumieren von Dingen und dem Drumherum beschäftigt sind, als dass hier 90 Minuten konzentriert Fußball geschaut werden würde.

Ist es nicht vielmehr so, dass für viele von uns der FC St. Pauli der Verein “auf den zweiten Blick” war. Für viele Zugezogene nicht-gebürtige Hamburger sogar sehr häufig, aber auch für hier Geborene? War es so faszinierend, dass der FCSP bei den ersten von uns besuchten Spielen den Gegner mit 5:0 niederrang? Oder war es vielmehr das Gefühl, in einer antirassistischen, antifaschistischen, antisexistischen und gewaltfreien Atmosphäre Fußball leidenschaftlich aber auch mal n Happen intelligenter und selbstironischer zu supporten, als “Danke“…”Biiiittte“? Weil hier Gestaltungsspielräume waren und diese durch Fans belegt werden konnten? Weil Chaos, Mißwirtschaft und auch der Misserfolg Projektionsflächen zuließen und Räume gaben, Räume für uns selbst? Dem System “Fußball” ein Schnippchen schlagen, in dem man Erfolg haben will, aber nicht MUSS!

Wenn wir – nach Hornby – gar keine Wahl haben, wieso sind wir dann nicht alle automatisch Fans des Veriens unserer Geburtsstadt? Oder des DFB-Teams? Zumindest die, die hier in Deutschland geboren wurden? Ich bin es nicht, weil ich den DFB verachte, die Mannschaft nicht mag und mir die chauvinistischen Ballermann-Affen in den DFB-Shirts alle zwei Jahre im Sommer das Gefühl geben, da nicht reinzugehören. Weshalb habe ich also keine Wahl? Die habe ich sehr wohl….und zwar die Nationalmannschaft zu ignorieren.

Sind wir also alle wahllos und zufällig bei St. Pauli oder ist es eine sehr bewusst getroffene Entscheidung? Und kann diese dann nicht auch rückgängig gemacht werden? Und selbst, wenn wir den kleinbürgerlichen schicksalsgläubigen Gedanken an solch romantisierenden Firlefanz wie “einmal TuS Fleestedt, immer TuS Fleestedt” glauben wollen….. Wie viele Menschen heiraten aus tief empfundener Liebe und lassen sich hinterher scheiden? Bewusste Entscheidungen!

Cant help thinking about me (David Bowie)

Wenn wir also von der Prämisse ausgehen, dass wir aus bewusst gewählten Gründen hier stehen und diese im Nachgang mit emotionalen Erlebnissen unterfütterten, dann haben wir Wahl! Und Wahl macht frei und unglaublich mächtig. Und der Jolly Rouge hat das gezeigt. Versuch das mal woanders! Versuch das mal bei bedingungsloser (= willenloser) Liebe.

Und wenn die einstige Attraktivität, die uns hierher führte und immerhin dafür sorgte, dass wir geblieben sind, nicht vom Erfolg abhing, sondern im Gegenteil, vielleicht sogar vom Misserfolg, warum stellen wir dann den Erfolg immer mehr und viel zu häufig über die Identität? Denn nur darum dreht sich alles. Immer. Bei jedem Thema. Nun wenn Du weißt, wer Du bist, wirst Du glücklich. Erfolg alleine ist nicht sinnstiftend. Und warum gönnen wir uns nicht den Luxus, wenigstens mal beim Fußball unerfolgreich sein zu dürfen? Nicht zu müssen… Zu DÜRFEN! Erfolg gerne, aber immer in Abwägung des Preises! Und ist dieser zu hoch, dann halt nicht.

Hamburger Jungs (Eight Balls)

Und wäre es wirklich so toll, wenn der hsv absteigt? Die haben 100 Mio Verbindlichkeiten. Lass die mal durchgereicht werden. Die können schon mit der Einnahmesituation in der ersten Liga nicht umgehen, wie sollen sie das in der zwoten managen? Und das Stadion dürfte auch nur 1/3 voll werden, wenn Heidenheim dort aufspielt. Und dann? Hurra, wir sind die Nummer eins der Stadt? Wollen wir das? Wirklich? Auch 1860 war mal der große Verein in München, heute “dürfen” sie beim FCB im Stadion spielen und eine einst lebendige Fanszene ist an sich selber und den Erwartungen zerbrochen.

St. Pauli die Nummer eins der Stadt? Klar, mehr Aufmerksamkeit, mehr Kohle, mehr Zuschauer.. Aufstieg. In die BuLi. Dort etablieren. Und ab welchem Jahr in Liga eins wird der Gedanke aus Sponsorendruck zum ersten mal gedacht werden, das Spiel gegen die Bayern im (nun immer leeren) großen Hamburger Stadion in Stellingen auszutragen? Und wann wird er umgesetzt? Wann kommt der BVB hinzu, wann Schalke. Wann kommen die Erfolgsfans aus HH alle zu uns? Drei große Tageszeitungen und Sky, ARD und ASS, alle auf uns! Wann kommen die Eventies in doppelter oder dreifacher Anzahl? Kiezbummel, Fußball und Herbertstraße. Ihr Event für ihre Geschäftspartner. Titten, Bier und Fußball. Wann kommen die Touristen-Kombitickets “König der Löwen”, “Schmidt’s Tivoli” und “FC St. Pauli” für ein tolles Wochenende mit den lustigen Paulis?

Manchmal ist unterm Radar zu fliegen vielleicht doch nicht so schlecht.

Whats going On (Marvin Gaye)

Zurück zum Geschehen der letzten Jahre in und um den Verein. Da will ich nicht in Details verfallen, die wir alle noch präsent haben. Remember Schweinske-Cup, remember die daraus resultierenden Stadionverbote, remember Sicherheitspapier, wo unser Präsidium Täter und nicht Opfer wurde, remember Kiezhelden, remember Süd-Blockade, remember Kassenrolle, remember Kassenrollenhexenjagd, remember “Bullen aus der Kurve”, remember Abriss Gegengrade (Geheult wie ein Kind!!) und Neubau Gegengrade, remember Fanräume etc.pp.

Ein klares Bild? Nicht im geringsten. Tolle Aktionen der Geschäftsführung wechselten sich ab mit ziemlichem Murks. Ein Präsidium, was sich sehr professionell zu verkaufen weiß. Die können was. Will ich das? Ist das ggf. die größere Gefahr, als die paddeligen Frühstücksdirektoren von früher? War ich nicht in der Regio manchmal glücklicher, weil wir unter uns waren? Nein, ich will schon Profifußball, aber wie? So wie früher geht nicht mehr. Früher ist vorbei…

Und wir Fans?

Eine zunehmend kleinbürgerliche, wenn nicht reaktionäre Grundhaltung in vielen Ecken des Stadions und in vereinsnahen Social Media machen zudem seit Jahren nachdenklich, wenn die Drastik, mit der Strafen und Ablehnungen formuliert werden, Wutbürgerniveau annehmen und Gewaltphantasien aufgreifen, wenn der kleinste gemeinsame Nenner, so er denn noch existiert, nicht mehr gesucht, geschweige denn gefunden wird. Wenn USP an allem Schuld ist. Wenn der Erfolg alles rechtfertigt.

Wir werden immer mehr, ganz schleichend, so dass es nicht wirklich weh tut, zu dem, was viele beschreien: Eine Marke. Und die hat ein Image und das müssen wir erfüllen. Eine Marke muss funktionieren. Und mehr als anderswo ist der Fan Teil der Marke. Deshalb verspüren auch wir diesen Erfolgsdruck. Pfeifen wir deshalb und schreien erfolgreiche Spieler oder Trainer kaputt?

Willst Du Teil einer Marke sein? Gehst Du deswegen seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten dahin? Um eine Marke zu sein?

Das Herz von St. Pauli (Hans Albers)

Sollen die Business-Kasper bei uns Fußball gucken dürfen? Wenns ihnen Spass macht… Warum nicht? Aber WIR bestimmen die Konditionen, nicht die. Wir sind St. Pauli!! Und wenn wir deswegen Einnahmeverluste haben und deswegen einen Spieler weniger kaufen können? So what! Deshalb kamen wir mal hierher! Nicht wegen des Stürmers. Und wenn ich sehe, dass bei Susi immer noch getanzt wird, könnte ich kotzen. Und wenn ich sehe, dass bei uns sexistisch oder homophob gepöbelt wird, könnte ich kotzen, und wenn ich höre, dass die Mannschaft ausgepfiffen wird, könnte ich kotzen. Und wenn ich sehe, wie mit Urgesteinen wie Kalla umgegangen wird, könnte ich kotzen.

In den Momenten ist das nicht mein St. Pauli!

Und das Präsidium und auch die Menschen in den Rängen sollten sich darüber klar sein oder werden, dass der Schatz, den wir hier in den Händen halten, durch Markenprofessionalität, die anderenorts ihr Recht haben mag, gefährdend wirkt, dass Effektivität und Erfolg um jeden Preis den Kern, das Herz von St. Pauli beschädigt. Dass das Herz von St. Pauli wir sind und wir eine freie Entscheidung haben und auch entscheiden können, nicht mehr zu kommen, weil vielleicht die Gründe, die einst dafür sorgten, immer wieder zu kommen, gar nicht mehr da sind.

Sie war, sie ist, sie bleibt (but alive)

Lieber Vorstand des FC St. Pauli. Du hast wirklich viel richtig gemacht und dies auf vielen Ebenen. Und trotzdem werden Dich der Übersteiger und alle Fanzines, die Blogs, die Foren, die Fans und alle beobachten und wir werden aufschreien, wenn wir merken, dass ihr unseren Verein im Kern verändern wollt. Entweder wir wählen Euch ab oder wir wählen Wege außerhalb der offiziellen Gremien.

Wir sehen Euch!

Macht weiter und nehmt so viel Tempo aus der Professionalisierungsschiene, wie ihr nur könnt. Dann werden wir Euch lieben. Einen zweiten hsv wiederum braucht die Stadt nicht. Den hat sie schon!

Und das reaktionäre und gewaltphantasierende Volk in den Kurven und Graden und den Foren und Kommentarspalten, für die Schwule Sau “doch nur son Schimpfwort” ist und die mehrfach konziliant ihre tolle Oberweite positiv ins Rennen führen, wenn Bibiana Steinhaus schlecht pfeift und für die bei jedem Mist USP die Gesamtschuld trägt und die glauben, entscheiden zu können, wann, wie laut und mit welchem Rhythmus andere Fanclubs zu singen haben, selber aber nie supporten: Geht kacken. Wir wollen Euch nicht! Bleibt einfach weg!

Wir wollen offene und tolerante, diskursfreudige und kritische Kurven und einen Verein, der sich so langsam zum modernen Fussball wandelt, wie es nur geht. Je langsamer, desto besser! Wir wollen viele Meinungen, aber keine asozialen Beschimpfungen in der Kurve oder im Netz. Wir wollen eben NICHT so werden, wie andere Clubs, auch wenn wir dann weniger Erfolg haben. Erfolgreichen Fußball kann ich überall sehen, das bei uns, gibt’s nur hier.

Bewahrt unseren Schatz. Ihr Alle!

You got Yours an Ill get mine (The Delfonics)

Zu guter letzt: Mein Essay ist so subjektiv, wie etwas nur sein kann. Auch innerhalb der Übersteiger-Redaktion wird es nicht in allen Wahrnehmungen Übereinstimmung finden. Es sind eben meine Wahrnehmungen der letzten Jahre, die zu meinen Schlussfolgerungen führten. Sind diese zu dramatisiert? Gerade jetzt, wo alles toll ist? Vielleicht. Ich habe aber gelernt, in guten Phasen skeptisch und in schlechten optimistisch zu sein.

Hast Du andere Wahrnehmungen, Erfahrungen und Schlussfolgerungen? Das wundert mich nicht, freut mich sogar. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich schreibe nur, was mich bewegt. Ich habe einfach nur Angst, dass das, was mir so lieb geworden ist, irgendwann nicht mehr da ist und es keiner gemerkt hat.  Forza // Mirco

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MT Extra: Kein Millerntor dem DFB

Da wollten wir eigentlich nächste Woche mit dem Saisonrückblick unsere erste Podcast-Saison gemütlich ausklingen lassen und dann sowas.

Nun, Danke DFB, für diese Steilvorlage.

Ich war heute mittag um 13.00h zu Gast bei sport1.fm und sprach mit Oliver Faßnacht über den Vorfall. Da war der Offene Brief des Fanclub-Sprecherrate an den DFB gerade erschienen, die Stellungnahme des Vereins folgte etwas später.

Zu dem Zeitpunkt hoffte ich noch, der DFB würde seinen Fehler öffentlich eingestehen und damit Schadensbegrenzung betreiben. Der Pressesprecher des DFB, Jens Grittner, äußerte sich dann tatsächlich selbst auf Twitter, aber lest besser selbst, gerne inklusive der Antworten.

Danke auch an sport1.fm für das Überlassen der Audiodatei zur Veröffentlichung.

- Übersicht MillernTon-Folgen
- Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

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Kein Millerntor dem DFB

Hahaha, was hab ich heute morgen noch milde gelächelt, als mich der KleineTod fragte, ob mein “Der DFB trainiert gerüchteweise am Millerntor!” denn wohl ernst gemeint sei. Er würde dies schon problematisch finden, schließlich könnte (z.B.) bei einem öffentlichen Training ja unser Stadion mit Nazi-Stickern beklebt werden.

Da ich die typischen Event-Nationalmannschaftstraining-Besucher als diesbezüglich unverdächtig angesehen habe, hab ich das eher abgetan und gedacht: Lass uns doch ein bißchen gute Miene zum DFB machen, und vielleicht gibt es ja sogar ein wenig Miete.

Ernsthaft: Selten so Naiv gewesen, mea culpa.
Oder, je nach Sichtweise: Selten dem DFB so dankbar!

Der Reihe nach. Auf Facebook ging ein Foto online, welches Jogis Jungs beim Trainieren am Millerntor zeigte. Die Werbebanden mit dem DFB-Grün abgeklebt, wie es Usus ist, Werbebanden der üblichen DFB-Werbepartner gut erkennbar. So weit, so unkritisch. Aber: Auch der große Spruch, der die neue Gegengerade nun schon länger ziert, gemalt von Fans in Eigenregie, unterstützt vom Verein, war teilweise abgehangen. Statt “Kein Fussball den Faschisten!” stand dort nur noch: “Kein Fussball”.
Der Fanclub-Sprecherrat verlinkte dies als erste größere Gruppe auf Facebook (leider inzwischen gelöscht, siehe weiter unten), auch auf stpauli.nu wurde das Foto verlinkt, mit mehr als passendem Text dazu und los ging der Shitstorm.

Kein Fussball den Faschisten - Foto von Peter Boehmer

Kein Fussball [den Faschisten] – Foto mit freundlicher Genehmigung von Peter Boehmer

Auf Facebook und Twitter wurde das DFB-Team mit “höflichem Unverständnis” übergossen, mehr als zurecht. Den Vogel schoß dann der Twitter-Account der Nationalelf ab:

Klingt ein bißchen nach den Borg:
“Wir sind der DFB – Widerstand ist zwecklos – Sie werden assimiliert neutralisiert werden.”
Ja, wenn es nicht so traurig wäre. Passt natürlich super, so eine Neutralisierung von Faschismus. Klasse auch, dass “Kein Fussball” stehen zu lassen, schließlich befindet man sich ja grad in Hamburg…

Wie das ganze mit “Zeig Rassismus die Rote Karte!” oder ähnlichem vereinbar ist, ob die UEFA künftig auch nur noch “Say no” statt “Say no to racism!” sagen wird, all dies fragte sich nicht nur Ralph Gunesch:  

(Nachtrag, 22:45h: Auch zum Julius-Hirsch-Preis passt es nicht so richtig, oder, DFB? Danke an @JoaBothe für den Link)

Ernsthaft, lieber DFB. In Spanien fliegt eine Banane aufs Feld, der Spieler nimmt sie, isst sie auf, eine Solidaritätswelle ohne Gleichen schwappt durch Europa, überall lassen sich Fußballer mit Bananen fotografieren… und Ihr klebt eine Aussage ab, als Deutscher Sportverband, die sich von Faschismus distanziert?
Wie merkbefreit kann man denn sein?

Lt. publikative.org sind DFB-Veranstaltungen “ohne politische Statements” abzuhalten. Wenn man das doch nur 1978 in Argentinien auch schon so konsequent gehalten hätte.

Kritik kann man dann natürlich auch am FC St.Pauli üben, wenn dieser das tatenlos hin nimmt.
Ich gehe mal davon aus, dass im Vertrag mit dem DFB sinngemäß stand, dass Werbung zu überkleben sei, der Verein aber natürlich nicht davon ausging, dass das auch diesen Spruch betreffe. Ähnliches lässt sich ja aus oben verlinktem Text und den Kommentaren von stpauli.nu lesen, wenn dort erst mal bei den Überklebenden noch gerätselt wurde, ob der Spruch denn nun dazugehöre oder nicht.

Nun sind bei uns die Wege glücklicherweise immer noch recht kurz, daher erreichte auch ich Pressesprecher Christoph Pieper per SMS, der mir mitteilte, dass der Verein bereits dran sei. Mehr sehen wir dann hoffentlich morgen.
Der DFB mag von dem heftigen Gegenwind in seinem Wolkenkuckucksheim etwas überrascht worden sein, unserem Verein wäre dies sicher bewusst gewesen, wenn man davon bereits vorab gewusst hätte.
(Btw: Es muss ja nur bei uns trainiert werden, weil der hsv es nicht geschafft hat direkt abzusteigen, sonst müsste man den Rasen drüben ja nicht für die Relegation schonen.)
Insofern bin ich guter Dinge, dass dies spätestens morgen früh geklärt wird und man den Spruch dann auch wieder komplett lesen kann.

Es gibt so Dinge, die sind so bescheuert, die wird man kaum vorab besprechen bzw. vertraglich festhalten. Oder soll zukünftig in den Verträgen bei einer Vermietung auch stehen, dass man keine FreiWild-Fahnen in den Rasen rammen darf? Nein, einige Dinge verbietet der gesunde Menschenverstand. So dermaßen bekloppt kann man kaum denken, und insgeheim hoffe ich auch, dass selbst beim DFB ein überaus großer Teil dies so sieht und es lediglich die sinnlose Einzeltat von wenigen Vollpfosten war, ohne sich abzusprechen.

Doch vielleicht liege ich damit auch falsch, denn nach einigen Postings zum Thema begann der DFB wohl auszukreisen. Die Facebook-Postings, die besagtes Foto enthielten, wurden “nach Meldung” von Facebook gelöscht. Inzwischen sind zumindest einige davon wieder da, ein “Geschmäckle” bleibt.

In diesem Sinne, ein herzliches: Lautern & der Deutsche Fußball Bund! #FCKDFB // Frodo

Nachtrag, 13.5., 12.00h:
Der Schriftzug ist wieder vollständig sichtbar, der Verein hat eine Stellungnahme für heute angekündigt.

13.30h:
Der Fanclub-Sprecherrat hat sich in einem Offenen Brief an den DFB gewandt, den wir gerne 1:1 so unterzeichnen.

16:00h:
Wer sehen will, wie man sich als DFB-Pressesprecher so richtig zum Löffel macht, der folge Jens Grittner auf Twitter. Nicht mal richtig lesen kann er, denn da steht “den” statt “für”.
Daher ein umso größeres Danke an den FC St.Pauli für diese deutlichen Worte.

19.10h:
Mittags war ich bei sport1.fm zu Gast und sprach mit Oliver Faßnacht über das ganze Desaster. Den Mitschnitt des Gesprächs findet Ihr hier beim MillernTon.

Mittwoch, 19.00h
Tja, kaum wratet man zwei Tage, schon rührt sich der DFB. Immerhin, Fehler eingestehen kann auch nicht jeder.

Mehr zum Thema:
- Lichterkarussell: “DFB <neutralisiert> Millerntor
- Dinge, die da sind: “Troll Dich, DFB
- Süddeutsche: “DFB neutralisiert Protest
- Spiegel Online: “DFB neutralisiert antifaschistisches Banner
(Naja… “Banner” trifft es aber nicht so recht.)
- Tagesschau: “PR-Desaster am Millerntor

 

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34. Spieltag (H) – Erzgebirge Aue

FC St. Pauli – Erzgebirge Aue 2-2
Tore:
1-0 Christopher Nöthe (14.), 1-1 Guido Kocer (28.), 2-1 Sebastian Maier (38.), 2-2 Jakub Sylvestr (62.)
Zuschauer: 27.856 (davon ca. 2.000 Schachter)

Dieser Tag musste irgendwann kommen. Er kam nicht plötzlich, überrascht auch nicht und kam vielleicht sogar genau zur richtigen Zeit – trotzdem war es ein unheimliches Gefühl dem letzten Spieltag entgegen gehen zu müssen. Mit soviel Gewissheit und Wehmut, dass dies ein Abschied werden würde, der eine große Lücke im Herzen von St. Pauli zurücklässt. Seit fast genau drei Monaten durfte sich jede*r selbst auf diesen Abschied vorbereiten, leichter wurde es dadurch nicht unbedingt.

Und so stand der letzte Spieltag – das letzte Heimspiel der Saison 2013/14 – viel zu schnell vor der Tür. Wurde die Sonderzugtour nach Köln noch mit Sonne garniert, präsentierte sich das Wetter diesmal passenderweise unglaublich niederschlagend und baute nicht unbedingt eine gute bzw. bessere Stimmung auf. Vor dem Stadion war eigentlich alles wie immer, vielleicht mehr Menschen als sonst die Fahnen, Tapeten und Pappen mit sich rumschleppten; ebenso die gewohnten Fanzines-Verkäufer überall am rumwuseln. Obwohl ja eigentlich an vielen Stellen immer der Personenkult beim FC St. Pauli abgelehnt wird, zeigte sich die hiesige Fanzine-Presse nahezu identisch in der Wahl des Covers – einen Preis für Medienvielfalt wird dieser Spieltag nicht erhalten. Natürlich trotzdem die gewohnte Qualitätslektüre geschnappt und die letzten Regentropfen vor der Gegengerade genossen. Da der Verein die offizielle Verabschiedung „schon“ um 15:10 beginnen wollte, füllte sich das Millerntor sehr früh, so dass den Spielern ein vernünftiger Rahmen geboten werden konnte. Solche Verabschiedungen sind ja bei uns zum Glück ein wenig persönlicher gestaltet (hihi, er hat Orks gesagt), trotzdem fühlt sich so ein offizieller Kram immer ein wenig distanziert an. Es wurde geklatscht, es wurden Bilder überreicht und ein bisschen gesungen. Sehr nett, jedoch mussten für den wirklichen Abschied noch 90 Minuten Fußball gespielt werden.

Sportlich ging es ja um gar nichts mehr, weder für uns noch für Wismut Aue. Aus dieser sportlichen Sicht musste ja fast neidisch nach Dresden geschaut werden, spannender kann ein letzter Spieltag nicht sein. Bei uns einigten sich die Spieler in den ersten zwanzig Minuten auf ein ansehnliches Landesliga-Gekicke, jede Ballberührung von Boll wurde noch als Erinnerung aufgesogen und zwischenzeitlich das Tor von Nöthe bejubelt. Als hätte irgendjemand ein Filter über das Spiel gelegt, waren Tore zwar nett, aber nicht notwendig. Die Stimmung auf einMinimum gedrückt, die Gegengerade mit einem neuen Negativ-Rekord. Die Süd feierte sich (zurecht) ein wenig selber, probierte anscheinend ein oder zwei neue Sachen aus. In diese Richtung muss honoriert werden, dass die Süd diese Saison echt vernünftig auf die Gegengerade geachtet hat und gerne Gesänge übernommen hat; wie ein nicht-funktionierender Austausch aussieht, konnten wir gestern sehen.

Nach Ausgleich, erneuter Führung und dem Überstehen der Halbzeitpause wurde die Zeit für einen (oder siebzehn) Treffer von Boll immer dünner. Unnötigerweise glich Aue irgendwann aus, unfairerweise fischte Männel einen märchenhaften Schuss von Boller aus dem Eck. Um 17:00 Uhr war es dann soweit, eine Traube bildet sich im defensiven Mittelfeld und verabschiedet Fabian Boll aus dem letzten Halbprofi-Spiel seiner Karriere. Der ansonsten oft überforderte Schiri ließ dies zum Glück zu, auch die Aue-Spieler hätten wahrscheinlich lieber Feierabend gemacht. Eine Viertelstunde durften Schindler und Mohr nochmal Millerntor-Luft schnuppern, bevor pünktlich die Saison 13/14 beendet wurde.

Die Mannschaft kleidete sich geschlossen in Trikots mit der Nummer 17 (geschickt, gab nach dem Spiel bestimmt einiges an Freibier von kurzsichtigen Fans) und Boll schlüpfte in ein eigenes, weißes Shirt. Überall wurden Gesänge angestimmt, „Fabian Boll – Fußballgott“ setzte sich weitestgehend durch und dann kam der verdammte, verdammte Thees Uhlmann mit seiner blöden Gitarre. Puh, „Das hier ist Fußball“ ist ja an normalen Tagen schon für Gänsehaut gut, an diesem regnerischen Sonntag war es einmalig brutal. Boller mit Tränen, die Kurven und Geraden des Millerntors mit Tränen.

Die Süd hüllte sich in Rauch und Farbe, passte meiner Meinung nach wunderbar in die Stimmung (nur der BollerBöller natürlich super unnötig). Warme und liebe Worte von Boll zum Ende, aller-aller-spätestens wird hier bewusst, was für einen wichtigen Menschen und Spieler diese Mannschaft verliert.

Hier wird eine große Lücke hinterlassen, diese einmalige Biographie in unserer Vereinsgeschichte kann so nicht einfach nachbesetzt werden. Diese Verabschiedung sollte ein Plädoyer für die Spieler sein, sich auch einmal auf einen Verein und vor allem seine Fans einzulassen. Denn irgendwann, in einigen Jahren, werden wieder 75% der Fans Tränen in den Augen haben und den nächsten, persönlich unersetzbaren Spieler verabschieden (konkret vielleicht den Sohn von Schachten – sah ja sehr vielversprechend aus). // Daniel

P.S: Großes Lob an den Gästeblock, nahezu geschlossen bei der Verabschiedung dabei zu sein und „mitzufeiern“. Als Erinnerung hat der Zeugwart aus Aue auch gleich mal zwei Nivea-Wasserbälle eingesackt, landen bestimmt bald in der Bucht.

P.P.S: Nur noch zwei Spiele.

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Übersteiger #115 – Time to say GoodBoll!

Es wird feucht werden, in Fußballhamburg, wetterunabhängig.
Samstag, ab ca. 17.20h wird es wahlweise feuchtfröhlich in einem kleinen Hamburger Stadtteil und gleichzeitig feucht in manch anderem, oder es steigert sich langsam die Angstschweißproduktion rund um jenen komischen Dino, abwarten.

Sonntag Mittag/Nachmittag hingegen wird es dann wohl rund ums Millerntor feucht werden, wenn Fabian Boll zum letzten Mal als Fußballprofi den heiligen Rasen betritt.
Gleichzeitig werden wir wieder eine neue Ausgabe unseres beliebten Fashion- und Kochmagazins an den Start bringen, die Ihr für die seit Jahren konstanten 1,60€ beim Dealer Eures Vertrauens erwerben könnt:

Übersteiger Cover, Ausgabe 115 - Time to say GoodBoll

Übersteiger Cover, Ausgabe 115 – Time to say GoodBoll

Wir sind ja doch immer wieder selber erstaunt, dass am Ende dieses völligen Chaos, welches “kreativer Schaffungsprozess” genannt wird, ein Heft heraus kommt, aber für dieses Heft können wir uns tatsächlich mal wieder zurücklehnen und voller Inbrunst behaupten: “Und es war schön!” – Ist bei uns selbstkritischen Miesepetern auch nicht immer so.

Besonders freut es uns natürlich, dass Boller selbst einen sehr persönlichen ÜS-Abschiedstext verfasst hat, der auf zwei Seiten im Heft einen ziemlichen Knalleffekt als Überraschung bereit hält. Wir verraten nichts, aber Ihr werdet wohl alle schockiert sein. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass Ihr den ganzen “Pauli”-Kram danach mit gänzlich anderen Augen seht.

Ronny hat sich darüberhinaus zwei zentralen Aufreger-Themen gewidmet, die in den letzten Wochen auftraten: Der Umzug der U23 und der Wechsel beim Ordnungsdienst. Lesenswert und vielleicht auch mit einer Überraschung für den ein oder anderen.

Außerdem blicken wir (mit meist mäßigem Interesse) voraus auf die WM, ließen CF die Welt bereisen und Mirco blickt ausführlich und sehr musikalisch auf die letzten zehn Jahre des Vereins, seiner Führung und das sportliche Abschneiden zurück, absolut lesenswert.

Außerdem bieten wir ein Interview mit Daniela Wurbs (AFM & FSE), eins mit Yorkshire St.Pauli und einen Bericht zur Obdachlosen-WM, Babelsberg und die üblichen festen Rubriken.

An die Abonnenten: Mit viel Glück gehen die Hefte am Freitagabend noch zur Post, versprechen können wir dies aber noch nicht.

Viel Spaß! // Die Redaktion

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33. Spieltag (A) – 1.FC Köln

1.FC Köln – FC St. Pauli 3:0
Tore:
1-0 Anthony Ujah (14.), 2-0 Schnecke (ET, 39.), 3-0 Patrick Helmes (43.), 4-0 Sascha Bigalke (61.)
Zuschauer: 50.000 (5.500 von den Guten)

In einem gigantischen Anflug von Optimismus stellte sich mein Fußballsachverstand vor der Saison einen malerischen 33. Spieltag vor, der in der Nachbetrachtung nun gar nichts mit der Realität zu tun hat: ein gemeinsamer Aufstieg von Kölle und uns, heraus gespielt durch ein glanzloses 1:1 (Lehmann mit beiden Toren) im Gijón-Stil.
Dass dieses Szenario nicht eingetreten ist, zeigte sich relativ schnell in dieser Saison, genauer eigentlich schon beim letzten Spiel gegen die Kölner mit dem ersten 0-3 in dieser Saison im Millerntor. Seit diesem Spiel hat Köln kein Spiel mehr verloren, gewann 11 Spiele, trennte sich fünfmal unentschieden und mauerte sich auf dem ersten Platz ein. Unsere Mannschaft besuchte alle Platzierungen zwischen 3 und 7, gewann genauso häufig wie sie verloren hat (6x) und spielte 4 Unentschieden heraus. Vor diesem vorletzten Spieltag ging es also um nichts mehr, Köln sicher hoch und wir warten die Sommerpause Däumchen drehend auf die Vorstadt-Fossile.

Trotzdem natürlich große Aufregung vor dem Spiel, immerhin brachte der Fanladen wieder einen Sonderzug auf die Schiene. Danke dafür! 900 Glückliche bekamen die Zusage für einen Platz (bei 1600 Bestellungen) und durften sich mit dem Motto „Helden der Kindheit“ auseinandersetzen und dies wurde auch ganz gut angenommen soweit. Den Preis der Kostümhäufigkeit gewann mit ganz großem Abstand Pippi Langstrumpf, ansonsten sehr amüsant verteilt und teilweise mit richtig viel Mühe und Liebe gestaltete Verkleidungen.

Die Fahrt startete im Vergleich zu den letzten beiden Sonderzugfahrten nach Dresden und in die Region überaus human, durch die verschobene Anstoßzeit auf 15:30 ging es morgens um 8 hier in Hamburg los, die Fahrtzeit mit knappen 5 Stunden selbstverständlich viel zu kurz für einen Sonderzug. Nächste Saison bitte München oder so. Von Anfang an war der Partywagon voll, fast durchgängig eine richtig gute Stimmung bei schlechter Luft und durchwachsender Musik. Nach gefühlten 45 Minuten halt in Köln-Deutz angekommen, der Polizei hatte zum Glück nicht nur für Kampfmontur und schlecht gelaunte Einsatzkräfte gesorgt, sondern auch für ganz feines Wetter. Wieder mal unbegreiflich, wie Fans im Rahmen der Fantrennung in die Straßenbahnen gequetscht werden und bei praller Sonne mit 13 km/h durch die Stadt rasen, um dann vor dem Stadion auf einer Wiese mit Köln-Fans zu sitzen. So eine Wiese wäre vorm Millerntor auch mal ganz nett, in Kombination mit dem Wetter und fast zwei Stunden Zeit bis zum Anpfiff unschlagbar.
Im Stadion wartete ne gute Stunde vor Anpfiff bereits ein voller Block, optisch die Sonderzugfahrenden leicht zu entdecken.

Joa, das Spiel. Köln schießt drei Tore, Schnecke verwandelt vor dem eigenen Kasten eiskalt und Tschauner hält (mal wieder) einen Elfmeter (3 gehalten/ 4 kassiert laut Sky). Reicht eigentlich.

Die Stimmung bei uns im Block ganz okay, „Höhepunkt“ natürlich die musikalische Lobhudelei an die starke Saison der Stellinger, wo spontan das halbe Kölner Stadion eingestimmt hat. Ich bin eigentlich kein großer Freund vom Negativ-Support, aber hat ja wenigstens eine Relevanz dieser Tage und wird „normalerweise“ ja so nicht durchgezogen. Leider gab es in der zweite Hälfte zwei medizinische Notfälle (hoffe, ihr seid wieder auf den Beinen!), weswegen jeweils fast 10 Minuten der Support im Block eingestellt wurde.
So wurde akustisch dem Köln-Kalk-Düp-Düp-Düp-Anhang das Feld überlassen, am Ende nur noch die Mannschaft verabschiedet und rechtzeitig, bevor BAP die sechste Jahreszeit in Köln einläutete, in Richtung Bahnhof aufgemacht. Die Rückfahrt zum Sonderzug um einiges entspannter, und auch dessen Bereitstellung klappte. Kurze Verpflegung, danach den Partywagon aufgesucht und die letzte Raketenstufe gezündet. Die Fahrt mit der Ubahn ins gut-bürgerliche Barmbek dauerte gefühlt genauso lange wie die Fahrt von Köln nach Hamburg.

So, was bleibt? Für einen Jahresrückblick ist es ja noch zu früh, aber ich persönlich hänge die Ergebnisse der letzten drei Spieltage nicht sehr hoch. Die Wirkung in den Köpfen, wenn es um nichts mehr geht, sollte nicht unterschätzt werden. Aue wird in guter Tradition des letzten Spieltages vor heimischer Kulisse aus dem Stadion gehauen, Boller wird so seine 2-6 Tore dazu beitragen.

Eines bleibt garantiert: mehr Sonderzüge brauchen wir! // Daniel

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Die Kacke is’ am dampfen!

FC St.Pauli 4 - Altona 93 2

FC St.Pauli 4 – Altona 93 2

Ja ja, man soll den Tach nich vor’m Abend loben…
Wenn in den kommenden Tagen die neue Ausgabe des Blickpunkt in die Briefkästen der Vereinsmitgleider_innen schneit, wird unter der Überschrift „FC St.Pauli 4.Herren – Wir verlieren zusammen und wir verlieren zusammen“ leider doch recht positiv auf die erste Kreisliga-Spielzeit der 4.Herren-Fußballmannschaft zurück geblickt. „Leider“ deshalb, weil der Text schon zu Rückrundenbeginn im Februar für die letzte Ausgabe der Vereinszeitung verfasst wurde, als das vom Übersteiger seit Jahren tatkräftig unterstützte Team, nach einer längeren Erfolgsserie mit nur einer Niederlage, grad mutterseelenruhig auf dem 6.Tabellenplatz rumdümpelte und satte 9 Punkte Vorsprung auf die drei Abstiegsplätze genoss. Dass man „zum Saisonende hin nun noch auf den Derbysieg gegen die Zwote von Altona 93“ brennt, da „das Saisonziel Klassenerhalt (…) bereits so gut wie geschafft“ ist, wie es da noch in der leicht aktualisierten Einleitung heißt, entspricht mittlerweile aber so gar nicht mehr der Realität. Nachdem in diesem Jahr nur ein mickriger Kantersieg gegen das bereits längst abgestiegene Schlusslicht Vahdet und ein 2:2-Remis (nach verdienter 1:2-Halbzeitführung) gegen Tabellennachbar ETV2 am letzten Freitag gelang, kämpft die Kuschel-Truppe (Anm. d. Korr: Dies ist nicht zwingend eine Beschreibung des Innenlebens des Teams, Kuschel ist der Trainer) an den letzten beiden Spieltagen als Vorletzter nur noch ums nackte Überleben. Die Gründe für den katastrophalen Leistungsabfall sind bereits im Blickpunkt-Artikel aufgelistet: fahrlässige Chancenverwertung, eine beispiellos eklatante Abwehrschwäche, hohe gegnerische Glückstrefferquote und eine Dauerrotation aufgrund von Verletzungen, Sperren, oder anderweitiger Abwesenheit. Hinzu kommt eine quasi nicht vorhandene Vorbereitung in der Winterpause, gepaart mit dem Irrglauben, dass die Saison schon so weiter laufen wird und teils auch mangelnde Leidenschaft für das Team und diesen Club. Und nicht zu vergessen stellt man die mit Abstand älteste Truppe der Kreisliga 2, mit im Durchschnitt meist 6-10 Jahre höheren Jahrgängen als die jeweiligen Gegner. Damit verbundene Konditionschwächen werden allerspätestens in den Schlußviertelstunden deutlich sichtbar.
Die einst so erfolgsverwöhnte Vierte wird in der Spielzeit 2014/15 ein neues Gesicht zeigen müssen, allein schon weil sich mindestens sechs altgediente, Charakterstarke Spieler in die Alten Herren verabschieden werden. In welcher Liga sie den Neuanfang dann wagen darf, wird sich in den kommenden zwei Wochen zeigen.
Trotz alledem: Unterstützt unsere 4.Herrenmannschaft bei ihrem wahrscheinlich schon entscheidenden letzten Saison-Heimspiel am kommenden Samstag, dem 10.Mai um 16:45 Uhr an der Feldstraße 71, im Abstiegs-Derby gegen die Zwote von Altona 93! Das Hinspiel im November endete übrigens torlos.
Ab jetzt gewinnen immer wir, Mensch! // Stemmen

Die beiden Termine:
Sa.10.5.2014, 16:45 Uhr, FCSP4 – Altona 93 2,
So.18.5.2014, 15 Uhr Benfica 1 – FCSP4
Alle weiteren Infos gibt es unter: http://www.fcstpauli4.blogsport.de

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VdS – Sp33 – 1.FC Köln

Welch Ehre! Der designierte Champions League Sieger 2016 lässt sich am kommenden Sonntag dazu herab, uns an seiner Meisterfeier teilhaben zu lassen.

Während sich die Braun-Weißen Massen geistig auf die Sonderzug-Mottofahrt “Helden der Kindheit” vorbereiten, sprach ich mit Dominik, seines Zeichens Teil von effzeh.com und Sektion Twitter über den Effzeh, den FC St.Pauli, Helmes, positive Platzstürme, DöpDöDöDöp und natürlich Spiel und Drumherum am Sonntag.

Verwiesen sei hier auch noch auf den Kölner Bockcast, der mit Axel und Dominik heute Abend noch eine Sendung aufnehmen wird, bei der sicher auch nochmal auf den Sonntag geblickt wird, mit etwas mehr effzeh-Perspektive.
Außerdem machen wir nächste Woche kein “NdS”-Gespräch, stattdessen bin ich bei besagtem Bockcast zu Gast, was wir selbstverständlich dann auch auf den üblichen Kanälen (Forum, Twitter, Facebook) bewerben werden.

Viel Spaß, man sieht sich im Sonderzug! // Frodo

- Übersicht MillernTon-Folgen
- Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

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32.Spieltag (H) – VfR Aalen

FC St.Pauli – VfR Aalen 0:3 (0:1)
Tore: 0:1 Robert Lechleiter (3.), 0:2 Leandro (58.), 0:3 Manuel Junglas (68.)
Zuschauer: 27.497

Was es eigentlich nur zu sagen gegeben hätte, findet Ihr hier:

Hätte so einfach und kurz sein können, war es aber nicht. Und dies liegt eben an einer Personalie, die gar nicht auf dem Rasen war: Fabian Boll. Es begann gestern mit dem Unmut von Ralph Gunesch, den dieser auf Facebook äußerte und verbreitete sich dann doch wie ein Lauffeuer: Obwohl (nicht erst seit gestern) fit, wurde Boller für den Kader für das heutige Spiel nicht nominiert, was auch wir dann auf Facebook kommentierten.

Die Reaktionen heute im Stadion zeigten, dass wir mit unserem Unverständnis nicht alleine sind. Wie schon ein paar Male in der Vergangenheit wurde die Mannschaftsaufstellung genutzt um Meinung mitzuteilen. Alle (eigenen) Spieler hießen “Boll” mit Nachnamen, dazu gab es einige Tapeten.
(Und eine große Schwenkfahne mit der “17″ auf der Gegengeraden, die aber sicher nicht gestern erst gefertigt wurde, aber natürlich trotzdem gut passte).
(Bei Stefan Groenveld gibt es zur Mannschaftsaufstellung ein schönes Soundcloud-file.)

FC St.Pauli - VfR Aalen

FC St.Pauli – VfR Aalen

In den FB-Kommentaren finden sich dann auch einige “Vrabec raus!“-Statements, die ich persönlich für dann doch arg überzogen halte. Fehler passieren, auch wenn der aktuelle schwer nachzuvollziehen ist. Wahrscheinlich ist Vrabrec bisher davon ausgegangen, Trainer einer professionellen Fußballmannschaft zu sein, bei der die sportlichen Ergebnisse immer(!) im Vordergrund stehen. Tun sie auf dem grünen Rasen sicher auch oft, aber eben selten im Drumherum und manchmal eben nicht mal auf dem Rasen. Und genau dies sollte ihm mal schnell jemand beibringen und erklären, denn der FC St.Pauli ist keine “normale” professionelle Fußballmannschaft.

Natürlich muss ein Trainer auch mal unangenehme Entscheidungen treffen und kann nicht so aufstellen, wie die Fans es gerne hätten. Aber in einer Situation wie dieser, gelten nicht normale Parameter für die Kaderzusammensetzung, zumindest nicht aus meiner Sicht, nicht beim FC St.Pauli. Und es hat auch niemand gefordert ihn ins Tor zu stellen oder sonstwo in die Startelf, ein Kaderplatz wäre zumindest mal ein Anfang gewesen. Natürlich war dies dann auch Thema bei der Pressekonferenz, aus der Zitate ja auch schon veröffentlicht wurden.
Wer einen fcstpauli.tv-Account hat, kann sich die PK inzwischen auch ansehen. Bevor Ihr die verkürzten Zitate aus den Medien zusammensammeln müsst hier der komplette Wortlaut von Roland Vrabec:

Frage: “Es gab heut schon vor dem Spiel Transparente mit der Frage nach Fabian Boll. Drittletztes Spiel vor Karriereende, er war nicht im Kader. Wo war er?”

Also ich sag Ihnen ganz ehrlich, ich finde diese Frage absolut schwachsinnig. Ganz im Ernst, absolut schwachsinnig. Und diese Frage nervt mich jetzt. Die nervt mich wirklich. Weil es geht hier um den Kader, um die Mannschaft, um das Team – und nicht um einzelne Spieler. Fabian Boll war monatelang verletzt, hat vor zwei Wochen wieder einen Rückschritt erlitten mit einer Verletzung. Und wen sollte ich aus dem Kader streichen? Einen fitten Spieler? Damit Fabian Boll hier heute auf der Bank sitzt? Damit alle befriedigt sind, außenrum? Ist es das, was wir wollen? Deswegen kann ich die Frage nicht nachvollziehen. Wir haben einen 18-Mann Kader, da hat es jeder verdient im Kader zu sein, verlieren dieses Spiel 3:0 – und jetzt kommt ne Frage nach Fabian Boll!? Was hätte der ausrichten sollen heute?”

“Es hat doch ganz offensichtlich viele Fans interessiert.”

“Ist ja schön, dass es die Fans interessiert. Ich würde gern die Fans bitten, Interesse an den Spielern zu bekunden die auf dem Platz stehen, und nicht an Fabian Boll. Wir haben mit Fabian Boll ganz klar besprochen, wie wir mit ihm umgehen bis zum Saisonende und was mit ihm nach der Saison passieren wird. Und das muss dann auch reichen. Das muss reichen für Fabian Boll, für die Fans, und für uns als Team. Es geht um das Team und nicht um einzelne Spieler, und das ist der Grund. Und deswegen kann ich diese Frage nach Fabian Boll jetzt überhaupt nicht mehr nachvollziehen. Das ist respektlos gegenüber den anderen Spielern die heute im Kader standen, weil sich niemand mit denen beschäftigt. Das sind wichtige Spieler, die im Kader sind. Und nicht irgendeiner, der nicht dabei ist, ob Fabian Boll oder jemand anderes. Und das ist die Antwort darauf. Wir wissen, wie wir mit ihm umzugehen haben, wir haben ganz klar mit ihm besprochen wie es mit ihm bis Saisonende weitergehen wird und das bleibt stehen. Und nichts anderes hat hier etwas verloren, sondern das Spiel heute, was sicherlich katastrophal war, was schlecht war, wofür wir jetzt keine Erklärung haben, was teilweise sehr beschämend war, wo wir uns bei den Fans wahrscheinlich auch entschuldigen müssen für so eine Leistung, aber nicht die Frage nach Fabian Boll jetzt, bitte.”

Puh, harter Tobak. Die Emotion sei ihm nach der gezeigten Leistung des Teams gegönnt, immerhin etwas. Wenn man die nicht rausrechnen würde, wären wir schon wieder bei “Respektlos”. Widersprechen muss ich ihm trotzdem, in einigen Punkten. Warum es richtig gewesen wäre, Boller zumindest einen Bankplatz zuzugestehen, um ihm dann (z.B. bei einem 0:3 Rückstand) noch einwechseln zu können, haben wir bereits im FB-Statement geschrieben. Dass es beschworenen 0:3 – Rückstand dann tatsächlich gab, nun gut, lag nicht in unserer Absicht. Ändert am Statement nichts, im Gegenteil

Und zu dem “Die Fans sollen sich um ihren eigene Scheiß kümmern sich um die Spieler kümmern, die im Kader stehen!”: Oh, das haben wir. Die Stimmung heute hätte sicher nicht gereicht, um in die Geschichtsbücher einzugehen, aber es dürfte umgekehrt nur wenige Stadien in Deutschland geben, bei denen die Zuschauer eine 0:3-Heimniederlage des Tabellensechsten gegen einen Abstiegskandidaten nahezu klaglos entgegennehmen und die Spieler sogar noch auf einer Ehrenrunde mit Standing Ovations verabschieden. Um die haben wir uns nicht gekümmert? Ich glaub es hackt, der Satz hat mich richtig geärgert.

Für die Leistung wird man in Deutschlands Profiligen normalerweise vom Rasen gepfiffen, bei den gezeigten Heimleistungen dieses Kalenderjahres wären auch Trainerpositionsneubesetzungsforderungen an der ein oder anderen Stelle lautstark rhythmisch artikuliert worden. Passierte alles nicht, nein. Aber “wir haben uns nicht gekümmert?!” Oaaarrrr…

Nein, die “Vrabec raus!”-Forderungen kann ich auch nach der Pressekonferenz nicht unterstützen, zumindest, wenn ich mich jetzt wieder etwas beruhige. Aber ich hoffe stark, dass er sein Handeln bei der Kaderzusammensetzung und seine Worte auf der PK nochmal in einer stillen Minute überdenkt und vor dem 34.Spieltag zu einer anderen Entscheidung kommt.

Und: Wie es heute schon teilweise andernorts geschrieben wurde: Derart auf die Kacke zu hauen, kann man sich gerne erlauben, wenn man dies aus einer Position der sportlichen Stärke heraus tut. Schaut man sich die Leistungen in diesem Kalenderjahr an, so sind diese zwar okay und solide, aber ganz sicher nicht “stark”. Etwas “Ball flachhalten” und Demut gegenüber verdienten Leuten im Verein wäre da durchaus angebracht, so wie es Ralph Gunesch, Benedikt Pliquett und Marius Ebbers in FB-Beiträgen oder Kommentaren auch kund taten.

Auch viele andere handelnde Personen sind in diesem Verein schon angeeckt und mussten erst durch viel Gegenwind lernen, wie man bestimmte Themen hier sieht und behandelt. Sie haben teilweise daraus gelernt und sich durchaus durch viele kontroverse Diskussionen einem Lernprozess unterworfen (siehe Michael Meeske, der sich in seinen Ansichten und Statements in seiner Position sehr zum Guten verändert hat), oder haben eben irgendwann auf diese kritische Gegenöffentlichkeit keinen Boch mehr gehabt und sind oder wurden gegangen.

Ich habe bisher von der Arbeit von Roland Vrabec viel gehalten und hoffe, dass er den Weg des Michael Meeske geht. Ob er da auch Lust zu hat, wird dann ja vielleicht schon die Kaderzusammensetzung für die Spieltage 33 & 34 zeigen. // Frodo

P.S. – Montag, 15.00h: Geht doch.
Ich hoffe, dies ist auch innere Überzeugung. Gerade nach dem Spiel kann man gerne mal angepisst sein, Schwamm drüber. Wenn er daraus auch noch was lernt, kann dies für die Zukunft nur im Interesse aller sein. Und: Fehler eingestehen und zugeben, öffentlich, hat mir schon immer imponiert.

P.P.S.: Montag, 18.30h:
Und hier dann noch die Statements von Boller und Vrabec auf der Vereins-Homepage.

Links:
- Bilder USP
- Bilder und Worte Stefan Groenveld
- Bilder auxarmes
- Bericht FCSP ATHENS SOUTH END SCUM: “Matchday 32” (Englisch)
- Bericht BreitSeite: “Eine Frage des Respekts
- Bericht MagischerFC: “Boller wäre toller
- Bericht stpauli.nu: “Regionalligagedächtniskick
- Bericht BeebleBlox: “Mit 17 wär das nicht passiert
- Bericht Grenzenlos Sankt Pauli: “Drin: Ball. Draußen: Boll
- Bericht keep calm and follow: “Undank, des Bollers Lohn
- Bericht KleinerTod: “Ein unsichtbarer Boll überall…”

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NdS – SP31 – Energie Cottbus

Tja, das war es dann wohl endgültig… sowohl mit den letzten Aufstiegsträumereien bei uns, als auch mit den Klassenerhaltsrechnereien für die Lausitzer.

Clemens lässt die Hoffnung zwar auch zuletzt sterben, gibt aber zu, dass es inzwischen schon sehr schwer wird dies immer noch glaubhaft zu vertreten.

Viel Spaß! // Frodo

- Übersicht MillernTon-Folgen
- Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

Links:
- AFM Radio, 1.Halbzeit
- AFM-Radio, 2.Halbzeit
- AFM-Radio, Podcast
- Fotos USP
- Bericht der neuen Seite “Grenzenlos Sankt Pauli”: “In Cottbus sagt man Tschüssi!

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