Fahrstuhl fahren mit der BILD

Es begab sich am Donnerstag, dass der Verein folgenden Tweet absetzte:

Ehrlich gesagt rutschte der mir fast durch, da ich Herrn Diekmann (wie auch alle anderen mir bekannten BILD-Accounts auf Twitter) konsequent geblockt habe und mir daher der Zusammenhang fehlte.
Ja, diese Haltung sei mir auch kurz nach dem “Tag der Toleranz” weiterhin zugestanden, kann ja jeder gegebenenfalls doof finden oder anders handhaben, die Nutzung der Medien ist ja weiterhin sehr individuell einstellbar, zum Glück.

Der Wirbel um diesen Tweet nahm dann natürlich unter dem #FCSP-Hashtag recht schnell zu und wurde im Ton dann auch sehr hart, was mich zu dem Zeitpunkt noch die Augenbraue hochziehen ließ, denn ich empfand den Tweet als solchen eher als “Okay”, denn man nahm (in meiner Wahrnehmung) eher nochmal augenzwinkernd Bezug auf die damaligen Situation, in der Kai Diekmann sich bekanntlich nicht allzu sehr mit Honig Ruhm bekleckert hat. Eher also ein Schulterzucken meinerseits.

Jenes Max Goldt-Statement hat seitdem nichts von seiner Berechtigung verloren, trotzdem hatte ich das Ganze noch als “Naja, den einen Pott Honig, aus welchen Gründen auch immer… wird seine Gründe haben. Muss ich nicht gut finden, ist jetzt aber auch kein Grund für nen Shitstorm.” abgetan.

Nun hat sich der Verein ausführlicher geäußert.

Und… nun ja, mein anfängliches Schulterzucken hat sich inzwischen dann doch in ein “verärgertes Augenbrauen hochziehen mit kombiniertem nervösen Fingergetippe auf dem Schreibtisch” verwandelt, vorsichtig formuliert.

Um es klar zu sagen: Was unser Vizepräsident Joachim Pawlik in seiner Freizeit oder auch in seinem beruflichen Wirken macht, ist seine Sache. Das kann ich gut oder scheiße finden, hat mich aber (sofern gewisse Grenzen nicht überschritten werden) als St.Pauli-Fan nicht oder nur sehr begrenzt zu interessieren.
Ich würde auch eine Einladung Kai Diekmanns in beruflichen Zusammenhängen unter dieses Dach packen. Das kann ich doof finden und für eine eventuelle Wiederwahl im Hinterkopf abspeichern, grundsätzlich aber ist das noch etwas, was ich einem ehrenamtlich tätigen Präsidium in einem Land mit freien Medien absolut zugestehen muss, auch wenn ich persönlich die BILD noch so sehr als menschenverachtend und unzumutbar erachte.
Und auch wenn dann da ein Pott Honig und das RefugeesWelcome-Kochbuch verschenkt wird, gehe ich erstmal davon aus, dass dieses entsprechend von Pawlik oder seiner Firma gekauft und bezahlt wurde und dann darf er damit eben auch machen was er will.

Grenzwertig bzw. auch grenzüberschreitend wird es in meinen Augen dann, wenn hier Berufliches und das Amt des FCSP-Vizepräsidenten vermischt wird, denn wie anders ist es zu erklären, dass der Geschäftsführer Andreas Rettig überhaupt auf dieser Veranstaltung auftaucht und dann auch noch in ein Gespräch mit Diekmann gebracht wird?
Wer das Gespräch von Andreas Rettig im letzten MillernTon gehört hat, wird diesem (auch wenn wir dort das Thema BILD ausgeklammert hatten, weil es dazu alles schon mehrfach gesagt worden war) zweifellos abnehmen, dass er wenig Lust hat, hier auf Herrn Diekmann und Co. zuzugehen.
Wenn sich in einem solchen Rahmen, wie bei dieser Veranstaltung, aber eben dieses Gespräch “ergibt”, dann kann man sich zwar wünschen, dass Rettig Diekmann ansatzlos das Honigglas ins Gesicht pfeffert und ihn anschließend lächelnd ins UKE fährt oder zumindest den Inhalt des Glases lächelnd von oben auf ihn niederfließen lässt – einem normalen Verhalten zwischen erwachsenen Menschen in entsprechenden Funktionen auf solch einem Event entspricht dies aber natürlich nicht.
Es ist also schon nachvollziehbar, dass Rettig dann gute Miene zum Diekmannschen Spiel macht – welches dieser natürlich auch medial entsprechend bestens beherrscht.
Und ob die Einladung zum Spiel dann auf Rettigs oder Pawliks Bestreben hin erfolgte, ist dann auch ziemlich Wurst, denn da lag das Kind bereits mit gebrochenen Beinen im Brunnen.

Spätestens die Veröffentlichung über Diekmanns Twitter-Account brachte das Ganze dann in die Welt und der Verein versuchte mit dem Tweet eben (aus meiner Sicht) Schadensbegrenzung zu betreiben, in dem man zumindest das damalige Thema (und die damals auch eindeutig verteilten Rollen, s.o.) nochmals in Erinnerung rief. Ein “Diekmann, Du dummer Mensch mit kleinem Penis, geh Stuhlgang verrichten und habe Beischlaf mit Deinem Meniskus!” wäre vielleicht ein besserer Tweet gewesen… aber damit sind wir dann wieder bei vernunftgetriebenem Umgang unter Erwachsenen und es ist imho auch gut oder zumindest okay, dass dieser Tweet eben dann so lautete wie er lautete und nicht wie jetzt hier erdacht.
(Copyright ist aber hiermit freigegeben, wenn das jemand so tweeten will, nur zu.)

Das eigentlich Schlimme an dieser Geschichte ist doch folgendes:
Der Verein hat es damals geschafft, die BILD (und Kai Diekmann) medial zu bezwingen. Die Vielzahl an positiven Reaktionen zeigen dies ebenso wie die (immerhin) paar Vereine, die sich damals dem Protest angeschlossen haben.
Und ein Sieg gegen die BILD ist hierzulande für große Gruppen oder Vereine immer noch ähnlich selten wie ein Sieg gegen den FC Bayern in der Fußball-Bundesliga.
Das Ding war durch, das Spiel war abgepfiffen – und mit diesem Abend und der Einladung von Joachim Pawlik an Kai Diekmann UND Andreas Rettig wurde völlig unnötig noch eine Verlängerung eingeläutet, die Diekmann die Gelegenheit gab, doch noch den Ausgleich zu erzielen.

Und dies ist ihm gelungen, denn dass sich jetzt, in dieser sportlich durchaus prekären Situation, mehrere Leute überhaupt wieder mit diesem Herrn und diesem Print-Erzeugnis befassen, dass es innerhalb von Fanszene und Verein schon wieder einen völlig unnötigen und überflüssigen Ärger gibt – dies ist mehr als nur ärgerlich.

Insofern, Joachim Pawlik: Zukünftig bitte strikter zwischen Beruf und dem Amt des Vizepräsidenten trennen und den Verein und seine Angestellten aus Kungeleien mit der BILD heraushalten, Danke.
Ein völlig unnötig aufgemachtes Fass.

Damit der Artikel jetzt aber doch noch positiv endet:
Lest den Aufruf des MagischenFC-Blogs zum sportlichen Zusammenhalt und hört den aktuellen MillernTon.
Fazit bei beiden: Wir steigen nicht ab.

Und: Hört auf Max Goldt, weiterhin.

P.S.: Der MagischeFC-Blog hat sich auch zum Thema geäußert, ebenfalls lesenwert..

// Frodo

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MT035 – Alles Taktik

Die Pause seit der letzten Sendung war berufsbedingt etwas länger, dafür versuchen wir mal was total verrücktes: Wir reden tatsächlich über Fußball!
Inhaltlich!

Noch dazu: Wir haben jemanden eingeladen, der sich damit auskennt!
Und die anderen durften trotzdem mitreden…

Viel Spaß also in den knapp zwei Stunden mit uns (Justus, Johnny, Maik) und Tim, Taktik-Experte des Übersteigers. Die restlichen MillernTonis ließen sich entschuldigen.

Themen:

  • FCSP – Hertha
  • FCSP – 1.FC Nürnberg
  • Kickers Würzburg – FCSP
  • Julius-Hirsch-Preis

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Offener Brief von St.Depri an den FC St.Pauli

Wir veröffentlichen hier auf Wunsch von St.Depri gerne den Offenen Brief an den Verein und das Nachwuchsleistungszentrum:

Liebes Präsidium, Lieber Vereinsrat, Liebe Mitarbeiter des Nachwuchsleistungszentrums,

einigermaßen verwundert haben wir am 4. November 2016 davon erfahren, dass die Robert-Enke-Stiftung in die Kollaustraße geladen wurde, um über Depression im Profisport zu sprechen (https://www.fcstpauli.com/news/robert-enke-stiftung-zu-gast-im-nlz/). Verwundert hat es uns deswegen, weil wir als St. Depri dem NLZ bereits seit dem 13. März 2015 immer wieder das Angebot unterbreitet haben, eben diese Veranstaltung abzuhalten.

Die im Artikel erwähnte „offene Gesprächskultur“ wird von uns definitiv begrüßt, im vorliegenden Fall allerdings schmerzlich vermisst. So haben wir zwar in den vergangenen 1 ½ Jahren regelmäßig nachgefragt, was denn jetzt eigentlich mit unserem Angebot sei, darauf aber nie eine Antwort bekommen, die hätte vermuten lassen, dass das NLZ ein Interesse daran hat, eine solche Veranstaltung abzuhalten.

Unser Angebot beinhaltete: Experten aus den Bereichen Kinder- und Jugendpsychiatrie und Burnout und Depression im Profisport. Des Weiteren gibt es bei uns natürlich immer die Möglichkeit der Kontaktaufnahme, sei es über Mail, Facebook oder persönlich beim Stammtisch; außerdem sind bei St. Depri alle beteiligten Personen entweder aus der Fanszene des FC St. Pauli oder aus dem Viertel und haben somit von vornherein einen Bezug zu den Jugendlichen im NLZ. Somit wäre aus einer präventiven Maßnahme ganz automatisch auch eine Möglichkeit zur Interaktion im „Notfall“ geworden.
Das Angebot der Enke-Stiftung im NLZ hingegen beinhaltete einen ehemaligen Bundesliga-Profi und einen Buchautor und als die Veranstaltung fertig war, wurden noch Fotos für die Presse gemacht und alle sind wieder ihres Weges gegangen.

St. Depri ist in den vergangenen Jahren zu einer erfolgreichen Initiative geworden, die bereits hunderten St. PaulianerInnen mit praktischem Rat und effektiver Tat zur Seite gestanden hat. Wir helfen Betroffenen, unterstützen Angehörige und beraten Interessierte. Unsere Arbeit findet zwar nicht auf Titelseiten oder im Rampenlicht, sondern in den Toilettenkabinen des Millerntors, den Behandlungszimmern der Therapeuten unseres Netzwerks oder der Vertrautheit des Fanladens statt; aber eben genau so soll es auch sein. Die Depression ist meist eine leise Krankheit und darüber sind wir alle uns bewusst.
Die Aktion im NLZ allerdings hat uns von St. Depri ordentlich genervt – wir sind angepisst – und zwar richtig! Genau deshalb werden wir jetzt laut und schreiben diesen Brief: Aus einer präventiven Veranstaltung für Jugendliche, welche mit ihrer Berufswahl schon jetzt wissen müssen, dass sie immensen psychischen Druck werden aushalten müssen und diesem gewappnet sein müssen, um nicht daran zu zerbrechen, eine Imageveranstaltung zu machen, finden wir geschmacklos. Jemanden ausschließlich von außen zu holen, obwohl es innerhalb des Vereins qualifizierte und vor allem ausgebildete Experten gibt, ist stillos. Dann im Nachhinein noch von einer „offenen Gesprächskultur“ zu sprechen, klingt wenig glaubhaft.

Wir freuen uns darüber, dass das NLZ sich generell endlich mit dem Thema der Prävention von psychischen Krankheiten im Profisport beschäftigt – das ist wirklich wichtig. Es bleibt allerdings zu bemängeln, dass an dieser Stelle die Qualität dem Prestige geopfert wurde. Dabei gilt unsere Kritik ausdrücklich nicht der Enke-Stiftung.
Wir haben nicht den Anspruch, die Welt zu retten, aber „Wir sind immer für uns da!“ – dazu zählen auch diejenigen Jugendlichen, die im NLZ trainieren, denn auch diese gehören zu St. Pauli.

Wir sind St. Depri und wir sind offen für Gespräche. Ihr erreicht uns jederzeit per Mail oder über Facebook und persönlich an jedem dritten Donnerstag des Monats im Fanladen oder bei Heimspielen des FC St. Pauli verteilt über das Millerntor!

Herzlichst
Eure St. Deprianer

//
(Anm. der Redaktion: Eine Reaktion des Vereinspräsidenten Oke Göttlich gibt es bereits (FB), diese lässt hoffen das der Brief insgesamt zu einer konstruktiven Aufarbeitung führt und für die Zukunft hier gemeinsam das Thema in sinnvolle Bahnen gelenkt wird.)

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FC St.Pauli 2016/17 – Taktisch gesehen

timbo, neues Redaktionsmitglied des ÜBERSTEIGERs, hat sich erneut Gedanken zur taktischen Ausrichtung des FCSP in dieser Saison gemacht.
timbo bloggt zusammen mit flippa auch bei den Nice Guys St.Pauli.

Jeder, der ein Spiel von uns diese Saison wirklich gesehen hat (und nicht nur zum Party-machen im Stadion war), dem ist aufgefallen, dass es irgendwie nicht läuft aufm Spielfeld. Es scheint so, als würden wir es nicht schaffen das Spiel geordnet aufzubauen, geschweige denn offensiven Druck auf den Gegner zu erzeugen. Doch woran liegt das? Was hat sich im Vergleich zur letzten Saison geändert?

Zuallererst müssen wir einmal feststellen, dass die Probleme im Spielaufbau nicht erst diese Saison aufgetreten sind, sondern dass dies ein Problem ist mit dem sich Mannschaft und Trainerteam(s) seit Jahren auseinandersetzen. Letzte Saison wurden die Probleme im Offensivspiel mit einem 4‑2‑3‑1 durch sehr gut funktionierendes Konterspiel maskiert. Auffällig war aber bereits, dass wir eher gegen hoch verteidigende Teams wie Leipzig, Freiburg, Braunschweig und Fürth gut zurechtkamen. Stellte sich ein Gegner tief hinten rein und überließ uns das Spiel, wurde es schwierig (siehe 1:3 vs. Sandhausen oder 0:2 vs. 1860). Nach gutem Saisonstart sprach sich rum, wie man St. Pauli knacken kann, welches die immer noch gute, aber im Vergleich zur Hinrunde eher mäßige Rückrunde erklärt. Somit war eine Änderung der taktischen Ausrichtung, auch weil Leistungsträger den Verein verließen, zur neuen Saison unausweichlich.

fcsp_taktik1Das Offensivkonzept von Ewald und seinem Team beruht auf dem Versuch eine Überzahl auf den offensiven Außen zu schaffen, sogenannte Überladungen. Hierzu bewegten sich in der letzten Saison die Spieler auf eine Seite, um dort Situationen zu erzeugen, die es erlaubten einen gezielten Ball ins Sturmzentrum zu spielen. Dieses System funktionierte unter anderem wegen eines nicht oder zu gering besetzten Sturmzentrums nicht immer. Wie also die Präsenz im Sturmzentrum erhöhen? … Richtig! Ein zweiter Stürmer muss her! Zur neuen Saison wurde daher ein System mit zwei Stürmern entwickelt, also von einem 4‑2‑3‑1 auf ein 4‑4‑2 (oder 4‑2‑2‑2). Hierzu wurde der zentral offensive Mittelfeldspieler aufgegeben, der sonst immer bei den Überladungen mithalf, indem er den Ball in die Zone auf den offensiven Außen spielte oder trug und diese dann mitbesetzte. Stattdessen wurde diese Position nun in eine falsche Neun umgewandelt. Die Überladungen auf den Außen sollten nun durch einen der äußeren Mittelfeldspieler (Kalla, Sobota – Besetzungen der Positionen aus dem Heimspiel vs. Braunschweig), einen hoch stehenden Außenverteidiger (Hornschuh, Hedenstad) und durch horizontale Bewegungen eines Stürmers (meist Picault) übernommen werden. Das Sturmzentrum wurde durch den zweiten Stürmer und situativ durch den zweiten Außenverteidiger besetzt. Die beiden Sechser (Nehrig, Buchtmann) waren aufgrund der hohen Außenverteidiger gezwungen, sich defensiv zu halten, um mögliche Konter zu unterbinden. Somit wurde auch das Nachrücken eines Spielers, wenn der zentral offensive Mittelfelder das Zentrum verließ, wie es letzte Saison mit Rzatkowski gespielt wurde, zugunsten des besetzten Sturmzentrums seltener. Um die Überzahl auf den Außen zu erzeugen, muss der Ball möglichst kontrolliert in diese Zone gebracht werden, welches sich als Hauptproblem dieses System herausstellte. Hierfür werden sogenannte Nadelspieler benötigt, also Spieler, die Bälle unter hohem Druck behaupten und durch enge Passagen (wie im Mittelfeldzentrum) in die überladene Zone weiterleiten können. Diese Aufgabe kam in diesem System auf die äußeren Mittelfeldspieler Kalla und Sobota zu, welche sich bei offensiver Aufteilung ins Zentrum bewegten, um Bälle aus der Abwehr entgegenzunehmen und auf die Außen weiterzuleiten.

So weit, so gut. Das Weiterleiten der Bälle kann jedoch zu einer Mammutaufgabe werden, wenn der Gegner sich von der Präsenz der Außenverteidiger nicht beeindrucken lässt und stattdessen zentrumsfokussiert bleibt. Funktioniert diese Verbindung nicht, dann bleibt als weiteres Mittel nur noch der lange Ball in die überladene Zone, welches in unserem Fall aber oft mehr für Hektik, als für offensives Kombinationsspiel sorgte. Durch mangelhaftes Nachrücken und Positionsspiel entstanden unterbesetzte Räume im Zentrum (meist wurde dieses nur vom eingerücktem äußeren Mittelfelder besetzt). Daher konnten Abpraller und zweite Bälle selten gewonnen werden und Gegenpressing nach Ballverlusten fiel meist ganz aus. Hierdurch eröffneten sich Räume für Konter. Reaktionen auf den miesen Saisonstart und auf Verletzungen waren dann die schleichende Rückkehr zum 4‑2‑3‑1 (mit Choi im Zentrum statt Picault als falsche Neun), welches wieder vorsichtigeres Vorrücken der Außenverteidiger und einen höher stehenden Buchtmann zur Folge hatte. Das Problem des schlecht funktionierenden Verbindungsspiels blieb jedoch. Verunsicherung und mächtig Druck durch schlechte Ergebnisse taten ihr Übriges.

fcsp_taktik2Neben der fehlenden offensiven Durchschlagskraft, stottert es jedoch auch in der Defensive. An den ersten zehn Spieltagen haben wir uns immer mindestens ein Gegentor gefangen. Eine Situation die untragbar ist. Vor allem, wenn in der Vorsaison in ganzen 16 Spielen die ‚Null‘ gehalten wurde. Zu Beginn der Saison wurden aufgrund der hohen Außenverteidiger die Räume zwischen den Ketten im defensiven Umschaltmoment nicht immer schnell genug geschlossen. Dadurch konnten die gegnerischen Teams ihrerseits Überladungen auf den Außen erzeugen und immer wieder kontrolliert in Abschlussnähe kommen. Ohne eine funktionierende Defensive fehlte es auch an Kontersituationen, da es nur sehr wenige direkte Ballgewinne gab. Nach den taktischen Änderungen geht das Defensivkonzept grundsätzlich auf (Ausnahme Sandhausen). Wer das jetzige Defensivkonzept noch kritisiert, der kritisiert das System der letzten Saison, es ist nämlich identisch.

Es gab jedoch ganz andere Probleme, die letzte Saison nicht auftraten: Verletzungspech und reihenweise individuelle Fehler. Mit der viel zitierten ‚Kompaktheit‘ meint Ewald letztendlich nix anderes als enge Räume und das gemeinsame Ausbügeln der Fehler einzelner Spieler. Zusätzlich ist die, durch Sperren und Verletzungen notwendige, ständige Neuformierung der Viererkette ebenfalls nicht hilfreich, wenn es darum geht gemeinsam zu verschieben und im Raum zu verteidigen.

Was ist also zu tun? Eine Möglichkeit ist der Reset-Button, also die Rückkehr zum Fokus auf die Defensivarbeit und ausgereiftem Konterspiel, welches uns bereits vor zwei Jahren vorm Abstieg bewahrte. Bei eigenem Ballbesitz ist ein Sicherheitskonzept á la Darmstadt denkbar. Hierbei werden vornehmlich lange Bälle in die Spitze gespielt und auf Abpraller und zweite Bälle gepresst. Ein furchtbar hässliches System, aber eben extrem sicher, da Ballverluste in offenen Räumen nahezu unmöglich sind. Ein solches Sicherheitskonzept wird es jedoch eher nicht geben, vielmehr werden Ewald und sein Team versuchen, eine Mischung aus beiden Systemen zu erschaffen, die wieder zentrumsfokussierter ist, ohne Defensive und Strafraumbesetzung aufzugeben. Ein System mit einem offensiveren Sechser und nur situativ hohen Außenverteidigern wäre denkbar.

Ich persönlich finde, dass ein System mit mehreren Stürmern die richtige Antwort auf Mannschaften im 4‑2‑3‑1 ist, wie der Erfolg von Teams wie Köln und Hoffenheim zeigt, die ein ganz ähnliches System in der 1. Liga spielen lassen. Die Umstellung in der Sommerpause ist also keine falsche Entscheidung gewesen. Allerdings braucht so ein System sowohl Zeit, als auch Praxistests (und damit sind keine Testspiele gemeint). Zwei Dinge, die wir momentan nicht haben bzw. uns erlauben können. Was macht jetzt noch Mut? Zum Beispiel die Tatsache, dass wir nicht das einzige Team in Liga zwei sind, welches mit Problemen im Spielaufbau hadert. Allerdings sind wir die einzigen die zusätzlich mit erschreckender Konstanz Gegentore fangen. Hier bleibt festzuhalten, dass die Defensivprobleme nicht unlösbar sind, handelt es sich doch meist um individuelle Fehler von Spielern, die letzte Saison defensiv glänzen konnten. Es bleibt also Hoffnung. // timbo

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Veränderungen? Mag ich nicht.

Man muss momentan nicht lange suchen, um auf (mal mehr, meist weniger) “lustige” Sprüche oder Verweise auf die gemeinsame Talfahrt der beiden Hamburger Fußballvereinekonstrukte im Profifußball zu stoßen.
Tabelle drehen, in den Farben getrennt – und so weiter.

Was allerdings auffällt, ist der unterschiedliche Umgang mit den beiden sportlich sehr dürftigen Situationen.
Während der Nachbar den Trainer bereits entlassen hat, Spielerväter sich (auch danach noch) in die Aufstellung einmischen und sich Herr Gernandt nun auch noch meint, öffentlich äußern zu müssen, ist es bei uns Thomas Meggle, der allen ganz eventuell aufkeimenden Diskussionen einen Riegel vorschiebt.

Trainerdiskussion? Ham wa’ nich’, kriegen wa’ auch nich’ rein.

Nun ist dem geneigten Leser dieses Blogs meine fußballerische Bremer Vergangenheit geläufig, ab 1983 war ich als kleiner Junge regelmäßiger Besucher des Weserstadions und als solcher wurde ich mit der festen Überzeugung groß, dass der Trainer immer Rehhagel, der Papst immer Johannes Paul und der Kanzler immer Kohl heißt.
Bis heute sind Veränderungen etwas, mit denen ich mich schwer tue.
Nennt es Kindheitstrauma.

Seit 1994 pilgere ich aber ans Millerntor, seitdem gab es mehr Trainer(wechsel), als ich mir in Bremen in einem Jahrhundert hätte vorstellen können:

  • Seppo Eichkorn
  • Uli Maslo
  • KaPe Nemet
  • Eckhard Krautzun
  • Gerhard Kleppinger
  • Dietmar Demuth (2x)
  • Willi Reimann
  • Joachim Philipkowski
  • Franz Gerber
  • Andreas Bergmann
  • Holger Stanislawski / André Trulsen
  • Andre Schubert
  • Michael Frontzeck
  • Roland Vrabec
  • Thomas Meggle
  • Ewald Lienen

Und ja: Nahezu jeder dieser Wechsel verursachte mir körperliche Schwerzen, auch im Nachhinein würde ich lediglich bei Uli Maslo und Franz Gerber ein wutentbranntes “DIE HÄTTE MAN SCHON VIEL FRÜHER RAUSSCHMEISSEN SOLLEN!” hinterherflüstern.

(Unvergessen jene Sonderzugfahrt nach Bochum, als im Partywaggon “Steht auf, wenn Ihr Maslo wollt!” angestimmt wurde und der damalige Kapitän Carsten Pröpper sich als erster auf den versifften Boden schmiss.)

Veränderungen – mag ich nicht. Sagte ich schon.

Dementsprechend auch meine eher “verhaltene” Reaktion damals, im Dezember 2014, als Thomas Meggle vom Trainer- auf den Managerposten rotierte und Rachid Azzouzi gehen musste und (ausgerechnet) Ewald Lienen verpflichtet wurde.
Lienen? Ewald Lienen? Nie irgendwo länger als drei Jahre Trainer gewesen? Zuletzt in Griechenland(!) und Rumänien(!!) tätig? 61 Jahre alt? Ernsthaft?

Ich war “skeptisch”, vorsichtig formuliert.
Doch nach und nach sickerte durch, wie das (neue) Präsidium und der Aufsichtsrat zu diesem Wechsel gekommen war, dass es eben keine Kurzschlussreaktion war, sondern durchaus gründlich vorbereitet wurde.
Workshops und so’n neumodisches Zeug, man erinnert sich.

Und was soll ich sagen? Ewald belehrte mich eines Besseren.
Ein Mensch, der mit jeder Pore dieses Traineramt liebt, der diesen Verein und dessen Werte sowie die Fanszene mehr verinnerlicht hat als jeder andere zuvor auf obiger Liste (ausgenommen vielleicht André Trulsen) – und der im Team mit Matze Hain und Abder Ramdane es tatsächlich schaffte, in einer nahezu aussichtslosen Situation doch noch den Klassenerhalt zu sichern.
Dies gelang ihm durch das Gestalten einer bärenstarken Defensive, die in der Folgesaison auch die Basis für den 4.Platz war, der vielleicht, wenn man sich die einzelnen Spiele anschaut, auch etwas über dem war, was die tatsächlichen Leistungen in der 2.Liga widergespiegelt hätte.

Und jetzt? Saisonstart from Hell.
Marc Rzatkowski konnte nicht adäquat ersetzt werden, Sobiech und Ziereis mit mehr Fehl- als Einsatzminuten, darüberhinaus eine unfassbare Verletztenmisere und auch doch eine erkleckliche Anzahl an für uns zumindest unglücklichen Schiedsrichterentscheidungen.

10.Spieltag, Platz 18.
Fünf Punkte aus zehn Spielen.
Ein Sieg, gegen den 17. – errungen in der Nachspielzeit.

Und damit, ob Thomas Meggle die Diskussion nun im Keim erstickt oder nicht, muss man sich macht sich die Öffentlichkeit (inkl. Fanszene, und sei es hinter vorgehaltener Hand) eben auch Gedanken darüber, ob Ewald noch der Richtige ist.

Wer weiß das schon?
Welcher andere Trainer garantiert einem, dass es besser läuft?

Und hier wiederhole ich mich:
Veränderungen – mag ich nicht.

Ich zitiere einen heutigen REWE-Marktleiter, der einst den Cheftrainerposten bei uns inne hatte und damals sagte:

Mit der Unterschrift unter meinen Vertrag habe ich meine Entlassung unterzeichnet.

Gemeint war, zurecht: Ein Trainer im Profifußball ist schon seit Ewigkeiten immer nur ein temporärer Begleiter des Vereins, eine “Veränderung” auf diesem Posten ist nahezu zwangsläufig eine Frage von (oft kurzer, sehr viel öfter sogar sehr kurzer) Zeit innerhalb der deutlich längeren Laufzeit des Fan-Daseins.

Veränderungen – mag ich nicht.

Und so freute ich mich natürlich sehr, als Ewald anfing vor Heim- und Auswärtsspielen die Fans auf das Spiel einzustimmen, mittlerweile ja ein sehr lieb gewonnenes Ritual, beiderseits.
Doch sehr bald schon fragte ich mich: Was würde sein, wenn der Erfolg denn mal ausbleibt? Fliegen irgendwann Bierbecher auf ihn zurück? Oder hört er mit dem Ritual von sich aus irgendwann auf?
Beides durfte nicht passieren, das war klar. Dementsprechend schien der Weg vorgezeichnet:

  • 2015: Klassenerhalt
  • 2016: Konsolidierung 2.Liga, entspannte Saison
  • 2017: Aufstieg, mittels Relegation gegen den Nachbarn
    (Elfmeterschießen, 100:99, letzter Schuss mit aufgeschlitztem Oberschenkel von Ewald selbst gegen Bruno, da alle anderen schon im Sauerstoffzelt liegen)
  • 2018: Konsolidierung 1.Liga, DFB-Pokal gewinnen
  • 2019: Champions League erreichen, Europa League gewinnen
  • 2020: Meister, Champions League, DFB-Pokal –> Karriereende Ewald
  • Sommerpause 2020: Vereinsauflösung, alles erreicht

Tja – wenn man Tabellen nach zehn Spieltagen zwar auch nicht überbewerten sollte, so wird es doch eng mit dem hier skizzierten Plan. Und eben leider nicht nur, weil der Nachbar Schwierigkeiten bekommen könnte, die Relegation noch zu erreichen.

Halten wir kurz inne und machen eine musikalische Pause:

Reicht noch nicht?
Na dann:

Okay, ausgesungen.
Ja, auch Ewald mag die ein oder andere Fehlentscheidung getroffen haben, passiert.
Seine Statements in der Öffentlichkeit zuletzt (Fehlersuche beim Schiri, Siege des Gegners ausschließlich auf eigene Fehler herunterreden) entsprachen auch nicht immer dem, was ich gerne gehört hätte.
Aber, wie heißt es so schön: Fußball ist Fehlersport, ohne Fehler fallen keine Tore.
Dies sei dann auch mal dem Trainer zugestanden.

Qualitativ ist der Kader im Vergleich zum Vorjahr nicht so viel schlechter geworden, dass nach Platz 4 nun der Abstieg unausweichlich ist. Allerdings ist eben in der 2.Liga immer der Saisonstart ganz wichtig für den weiteren Saisonverlauf – und da war der unglückliche Auftakt in Stuttgart eben der Wegweise in die falsche Richtung.

Welche Art von Trainer braucht es denn in der aktuellen Situation?
Einen Trainer, der seine Spieler mitreißt. Der ihnen vor allem anderen erst mal wieder die defensive Stabilität verschafft, die vor knapp zwei Jahren der Weg aus der Krise war.
Und überhaupt: Ist “der Trainer” heutzutage überhaupt noch “der Trainer“? Ist es nicht vielmehr so, dass da ein komplettes Team wirkt, zu dem neben Meggle, Hain und Ramdane auch noch Athletikcoach Janosch Emonts oder Video-Analyst Andrew Meredith gehören?
Und die sollen jetzt plötzlich alle alles falsch machen, was letzte Saison noch so wunderbar geklappt hat?

Aber dann ist Fußball eben nicht nur Fehlersport sondern auch (und das noch viel mehr) Ergebnissport. Und die Ergebnisse stimmen aktuell nicht.
Dies gilt es zu beheben. Auch, damit ich mich nicht bald schon wieder mit einer “Veränderung” anfreunden abfinden muss.

Noch viel mehr aber, weil ich gerade entdeckt habe, dass eine Verschiebung des obigen Zeitplans um exakt ein Jahr nach hinten absolut gar kein Problem wäre.

Und noch ist mehr als genug Zeit, um am Ende souverän mit ‘nem Törchen Vorsprung auf den Relegationsplatz auf Platz 15 einzulaufen.
Und wer auch nur im Entferntesten geglaubt hat, Ewald sei vielleicht inzwischen doch nicht mehr in der Lage, jenes Feuer zu vermitteln, der schaue sich gerne den Clip der heutigen Pressekonferenz an, der sich gerade seinen Weg durch Social Media bahnt:

(Oder in voller Länge auf FCStPauli.tv)

Für immer mit Dir, CHEwald.
Wird schon.

*flötend ab*
Shalalalalala, shalalalalala – Eeeeewaaaaald Liiiiiiiiiiienen!

// Frodo

Weiterlesen: MagischerFC-Blog: “Zur Lage des FC St.Pauli”

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MT034 – The Jura Chronicles

cubqoneweaatzhqWas haben wir uns nur dabei gedacht.
“Komm, lass uns mal über juristische Dinge im Fußballzusammenhang sprechen!”
Haha, wir Scherzbolde.

Haben wir trotzdem gemacht, und es wurde dann auch wirklich interessant und (hoffentlich) gar nicht so dröge, wie es vielleicht klingt.
Dafür gilt es natürlich in erster Linie Norbert zu danken, der sich sehr detailliert vorbereitet hat und darüberhinaus in aller Seelenruhe ausführte, was uns Laien dann doch das ein oder andere mal zu kompliziert war.

Und so sprachen wir über:

  • das 0:2 bei Union
  • das 0:2 in Hannover
  • Grundlegendes über Recht im Sport
  • Sportgerichtsbarkeit allgemein
  • die Weitergabe von Verbandstrafen an Einzelpersonen
  • den SV Wilhelmshaven
  • die 50+1-Regel
  • die angedachte Auflösung des FC Bayern e.V.
  • Aussageverweigerungsrecht für Fanprojektler
  • die Klage von Heinz Müller auf Festeinstellung

Wie immer: Feedback ist sehr willkommen, gerne hier in den Kommentaren.

Und um auch der Außenwelt mehr Aufmerksamkeit auf den MillernTon zukommen zu lassen, bewertet uns doch bitte bei iTunes.

Links zur Sendung:

– Übersicht MillernTon-Folgen
AFM-Radio Portal
VdS/NdS-Folgen

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Gemeinsam finden wir den Weg aus dunklen Zeiten

(Dieser Artikel von slarti erschien bereits im Print-Übersteiger Nr. 125, 10.September 2016)

Als Ende Juli 2015 am 3. Spieltag der Regionalliga Nord über 80 Fans des FCSP beim Auswärtsspiel der U23 in Lübeck die Absperrungen am Stadioneinlass durchbrachen und sich danach in einem für das Spiel eigentlich nicht geöffneten Block wiederfanden, war die Presse mit den üblichen Phrasen schnell zur Hand: Von „Krawallen“ schrieb Sport 1 und das Abendblatt fabulierte über „Randale“ und „vermummte St. Pauli-Fans“, die das Spiel „für Gewalt nutzten“.
Am Ende stand eine der größten Herausforderungen für die aktive Fanszene des FCSP: Im Dezember 2015, kurz vor dem Auswärtsspiel in Kaiserslautern, wurden die meisten der in das Geschehen in Lübeck verwickelten St. Pauli-Fans mit bundesweiten Stadionverboten belegt. Hinzu kamen weitere Stadionverbote, die aus Ereignissen in Berlin und Braunschweig resultierten. Während die Fans des FCSP sonst in der Statistik der Stadionverbotler regelmässig weit unten platziert sind, hatten wir nun etwa 100 Diffidati, überwiegend aus dem USP-Umfeld.

Einige der Folgen dürften die meisten ÜS-Leser mitbekommen haben: Der akustische Gruß an die Verbannten zu Spielbeginn – ja, liebe Nörgler, es hat einen guten Grund, dass „Aux Armes“ jetzt etwas später angestimmt wird –, Blockfahne gegen Karlsruhe, das Feuerwerk und die Choreo gegen Frankfurt, von der sich dieser Artikel den Titel geliehen hat, der große Diffidati-Marsch nach dem Heimspiel gegen Paderborn, unzählige Plakate und Spruchbänder in allen Bereichen des Stadions. Worüber einige von euch vielleicht weniger wissen: Wie „lebt“ es sich eigentlich als Fan, wenn man nicht ins Stadion darf? Mir ging’s genauso. Und weil mich das interessierte und ich für mich irgendwie mal über das „Lippenbekenntnis“ des „Diffidati con noi“ hinauskommen wollte, hab’ ich mich zu Beginn der Saison mit einigen der Betroffenen unterhalten.

„Blöd gelaufen“

Da ich in einer Ecke des Stadions beheimatet bin, in der viele Leute USP gern platt kritisieren und mit „selbst schuld“ bei Repressionen schnell bei der Hand sind, zunächst einmal etwas platte Aufklärungsarbeit: Die Presse übertreibt gern – drei verletzte Ordner sind eine doch eher karge Bilanz dafür, dass 80 Leute auf „Gewalt“ ausgewesen sein sollen und von „zwei Hundertschaften der Polizei […] unter Kontrolle gebracht“ werden mussten, werte Kollegen vom Abendblatt. Mal ganz abgesehen davon, was genau mit „verletzt“ in Polizeiberichten gemeint sein mag.

Fragt man die eigenen Leute, so ergibt sich ein zumindest differenzierteres Bild: Ein Mix aus intuitiver Reaktion auf eine heranlaufende Hundertschaft in voller Montur, gar nicht so recht wissen, was eigentlich los ist, und irgendwie von der Masse mitgetrieben werden. Klar hat jemand aus der Situation heraus die Ordner und die Absperrungen aus dem Weg geräumt. Aber insgesamt kommt „blöd gelaufen“ dem Geschehen sicher deutlich näher als intendierte „Randale“. Dafür hätte man sich wohl auch ein anderes Ziel gesucht als einen leeren Block, in dem man leicht gekesselt werden kann und letztlich für nichts ein Stadionverbot riskiert.

Vieles ist Ermessenssache

Denn zur Verhängung eines Stadionverbots ist es nicht zwingend notwendig, ein konkretes, individuelles Fehlverhalten nachzuweisen. Sie werden vielfach quasi präventiv ausgesprochen, also nicht nach Beendigung eines Ermittlungsverfahrens, sondern bei dessen Einleitung – zu einem Zeitpunkt, an dem womöglich noch unklar ist, ob überhaupt ein Fehlverhalten vorlag. Wird das Ermittlungsverfahren dann eingestellt, kann man zwar in der Regel eine Aufhebung des Verbots erwirken – aber dann durfte man zwischendurch schon einige Monate nicht ins Stadion.

Überhaupt liegt vieles im Ermessen des verantwortlichen Vereins. Was in Dortmund oder München zu einem Stadionverbot führt, kann in Mainz oder auf St. Pauli durchaus anders geklärt werden. Spricht aber ein Verein ein Stadionverbot aus, gilt es per Selbstverpflichtung der Vereine, die das Lizenzierungsverfahren des DFB durchlaufen haben, von der Bundesliga bis in die Regionalliga. Also nicht für die Wettbewerbe der UEFA, weshalb beispielsweise der FC Bayern gleichzeitig ein Hausverbot für die Allianz-Arena erteilt, damit die Betroffenen nicht etwa beim Spiel gegen Real Madrid im Stadion stehen. Zugleich verliert man dort übrigens infolge eines Stadionverbots Dauerkarte, Auswärtsdauerkarte und Vereinsmitgliedschaft. Bei uns zum Glück nicht. Und während man als Stadionverbotler einem Spiel des FC Bayern nicht näher als zwei Kilometer kommen darf und in Kaiserslautern der ganze obere Teil des Betzenbergs Tabu ist, beginnt die Verbotszone am Millerntor erst am Drehkreuz – in den Fanräumen waren unsere Verbannten also immer willkommen. Überwacht wird die Einhaltung des Verbots übrigens nicht von den Ordnern am Einlass, wie manche offenbar glauben, sondern lediglich die „Szenekundigen Beamten“ (SKBs) der Polizei halten die Augen offen.

Teilweise geht mit der Aussprache eines Stadionverbots auch ein Stadtverbot einher. Tatsächlich kann man dazu sogar ohne Stadionverbot kommen, wenn die SKBs in anderen Städten einen bei einem bestimmten Spiel nicht dabei haben wollen. Gründe werden dabei nicht angegeben. Einige unserer Stadionverbotler durften also beispielweise nicht nach Düsseldorf oder Nürnberg rein, weshalb USP in diesen Fällen auch nicht per Sonderzug fahren konnte. Denn selbst die Durchfahrt durch die betreffende Stadt war am Tag des Spiels verboten und hätte Konsequenzen haben können. Daher fuhr man mit dem Bus und die Stadionverbotler stiegen in Ratingen bzw. Fürth aus und verbrachten dort den Tag – in Fürth neun Stunden –, bis sie nach dem Spiel wieder abgeholt wurden. Auch Freiburg und Bielefeld waren einigen verboten.

Fan ist man nicht nur 90 Minuten in der Woche

Trotzdem änderte sich für die Betroffenen zunächst weniger, als man vielleicht denkt: „Letztlich ändern sich nur 90 Minuten in der Woche, auch wenn die sehr schmerzhaft sind. Aber sonst arbeitet man weiter sechs Tage auf den Spieltag hin.“ Die Aufgaben innerhalb der Gruppe müssen ja weiter erledigt werden, zum Beispiel die Arbeit an den Choreos. Das Ergebnis verpasst man dann aber und muss in der Kneipe – auf St. Pauli oder mitten im Nichts – auf den Moment hoffen, in dem das Fernsehen die Choreo einblendet, um zu sehen, ob alles geklappt hat. Das hielt einen Großteil der Diffidati jedoch nicht davon ab, regelmäßig mit auf Auswärtsfahrt zu sein: „Ich lass mir doch meine Serie von, was weiß ich, 170 Spielen nicht durch sowas kaputtmachen.“ Außerdem ist das Spiel selbst ja nur ein Teil des Auswärtserlebnisses: „Auswärtsspiele hast Du auf der Fahrt und beim Drumherum noch die Leute, den Freundeskreis – beim Heimspiel bist Du am Arsch. Das schlimmste für mich waren tatsächlich die Heimspiel, das war das ätzendste überhaupt.
Vielleicht gerade weil man bei uns praktisch bis ans Drehkreuz mitgehen kann: „Das erste Spiel, das ich draußen sein musste, tat unendlich weh, alle Leute, die man kennt, gehen rein und man selbst bleibt mit den anderen Verbotlern draußen.

Nicht nur die Stadionverbotler selbst leiden unter der Situation – auch das Umfeld ist mitbetroffen: „Einer der härtesten Momente war für mich, als meine ständige Sitznachbarin mit Tränen in den Augen aus dem Bus ausstieg, weil ich nicht mitdurfte, zu sehen, wie nahe es ihr ging.
Ansonsten ist es vor allem die Dauer, die an den Nerven zehrt: „Anfangs war’s fast noch spannend und irgendwie neu, dann aber wurd’s schnell doof – die Spätzle schmecken überall gleich. Nach einem halben Jahr hast Du echt kein Bock mehr. Wenn ich mir vorstelle, dass ich das drei Jahre machen müsste, ich würde kaputt gehen.

Die Verbannten mit uns

In einer solchen Situation braucht es Solidarität. Die gab es zum Glück von vielen Seiten: „Die Unterstützung der Fanszene beim Diffidati-Marsch war für uns enorm und tat uns echt gut.“ Auch außerhalb Hamburgs dachte man an die Verbannten: „Babelsberg hat uns eine Blockfahne hingehängt und uns dann hinterher geschenkt und bei jedem Spiel eine „I love Diffidati“-Fahne gehabt. München hat eine ganze Choreo gemacht, Fürth hat für uns was hingehängt, jede irgendwie links orientierte Fanszene in Europa hat irgendwas für uns gemacht.“ Das hilft.
Vielfach waren es aber auch persönliche Gesten, die enorm wichtig wurden: „Jedes Spiel, das ich draußen war, hab’ ich immer gegen die 20. Minute eine SMS bekommen, in der mir jemand ein Herzchen geschickt hat. Das sind so die kleinen Dinge, die einen am Leben erhalten.“ Ähnliche Erfahrungen machten viele.
Daher auf diesem Wege der offizielle, herzliche Dank der Stadionverbots-Gruppe an alle, die ihre Solidarität bekundet haben, sei es auf dem Diffidati-Marsch oder durch alle anderen Formen der Unterstützung, und für die viele Kraft, die das gegeben hat! Uns hat auch das nochmal gezeigt, was für ein geiler Verein St. Pauli ist!

Trotz allem: „War im Nachhinein eine beschissene Zeit.
Für viele ist sie – hoffentlich nicht nur zunächst – seit Beginn der Saison vorbei: Seit dem 1. Juli hat Lübeck die Stadionverbote ausgesetzt, sozusagen auf Bewährung. Umso beschissener für die etwa zehn Diffidati, die immer noch nicht wieder rein dürfen und die Situation weiter ertragen müssen und dabei jetzt eher noch mehr Unterstützung brauchen.

Gleichwohl war das Spiel in Stuttgart nicht nur für diejenigen, die seit Dezember draußen bleiben mussten, bewegend: „Als man dann gegen Stuttgart wieder im Stadion war und das 1:0 fällt, da kommen einem schon die Tränen.
Und man traf sich wieder: „Die Leute, die zusammen auswärts gefahren sind und nicht ins Stadion durften, sind in der Zeit ein zusammengeschweißter Haufen geworden. Man ist nicht gemeinsam nach Stuttgart gefahren, auch nicht zusammen ins Stadion gegangen, aber am Ende standen alle gemeinsam ganz unten beieinander auf dem Zaun, das ist einfach so passiert.“ – „Ja, genau, ich konnte deswegen bestenfalls ein Drittel des Spielfelds sehen – aber ich hab’ mich dafür 90 Minuten über eure leuchtenden Augen gefreut.

Wie sich die Leute da unten am Zaun fühlten, als nach den Erfahrungen dieser Zeit der ganze Gästeblock den Diffidati-Gruß mit den gekreuzten Armen machte, müsst ihr sie selbst fragen. Auch zu vielen anderen bizarren, lustigen, unangenehmen Erlebnissen. Nachvollziehen kann man das alles auch dann sicher nur im Ansatz. Aber wenn man sie trifft, dann kann man auch selbst mal „Danke!“ sagen. Beispielsweise für eine Choreo beim ersten Heimspiel dieser Saison, für die praktisch die ganze Sommerpause gearbeitet wurde – und für die genauso hart gearbeitet 06worden wäre, wenn man selbst nicht hätte dabei sein dürfen. Dafür, dass die Verbannten an dem, was im Stadion gelaufen ist, stets ihren Anteil hatten – ohne selbst viel davon zu haben. Manchmal haben sie uns auch von außen etwas gegeben. „Diffidati con noi – Die Verbannten mit uns“ war und ist nicht nur Solidarität mit denen „draußen“ – sie ging und geht von draußen auch an die „drinnen“. Nicht nur „wir“ sind mit ihnen – sie sind auch „mit uns“.

Ende gut, alles gut?

Das hätte unter anderen Umständen auch ein schönes Schlusswort sein können. Aber leider gibt es, wie gesagt, noch immer einige, die weiter das Leben der Diffidati führen müssen, die unsere Solidarität noch immer brauchen. Und auch für die, die wieder dabei sein dürfen, ist Lübeck noch nicht vorbei. Die Stadionverbote sind zwar ausgesetzt, aber die Strafverfahren laufen weiter. Viele haben den Strafbescheid schon bekommen, Widerspruch eingelegt und warten jetzt auf die Nachricht, wie es weitergeht. Für die zu erwartenden Verhandlungen braucht es Anwälte, die Strafen müssen bezahlt werden – was bei dreißig Tagessätzen schnell auch mal 1000 Euro oder mehr werden. Es braucht also noch immer Unterstützung, und wenn es keinen direkten Weg gibt, gern auch durch eine Spende an die Braun-Weiße Hilfe. Oder, liebe Nörgler in meiner Ecke, indem ihr beim nächsten Spielbeginn einfach mitmacht:
„Allez, Allez, Allez, Allez, Allez … i diffidati, i diffidati, i diffidati, allez, allez!“ // slarti

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MT033 – Andreas Rettig

Andreas Rettig war zu Gast und wir sprachen mit ihm ausführlich über:

  • Dynamo Dresden – FCSP
  • FCSP – Arminia Bielefeld
  • Seinen Werdegang bis zum FCSP
  • TV-Gelder
  • 50+1 Regelung
  • und vieles mehr.

Gute zwei Stunden beste Unterhaltung, sicher nicht nur aus FCSP-Sicht sehr interessant.

Und auch an dieser Stelle nochmal:
Alles Gute für Justus und das neue Familienmitglied, herzlichen Glückwunsch und alles Gute für Euch vier!

Viel Spaß mit der Sendung!

Wie immer gilt: Besternt uns gerne bei iTunes, damit wir dort prominenter beworben werden.

Links zur Sendung:

Tor des Monats Januar 1985: Die Außenristflanke von Andreas Rettig
– Kontaktadresse Blindenfussball (Hilfe für den 24./25.9. gesucht): blindenfussball(ed)fcstpauli.com
Neues Buch: FC St.Pauli Album (Facebook)
Es kesselt wieder: “Ein Kessel Braun-Weißes 5” (Facebook)

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ÜBERSTEIGERIN 125 erscheint Samstag gegen Arminia Bielefeld

Skandal! Genderifizierung jetzt auch beim Übersteiger!

ÜBERSTEIGERIN 125

ÜBERSTEIGERIN 125

Zur 125. Ausgabe (Jubel! Trubel! Heiterkeit!) ist aus dem Übersteiger eine Übersteigerin geworden. Wurde aber auch mal Zeit! Fresse voll von dieser männerdominierten Berichterstattung. All eyes auf die Frauen, die rund um und beim Fußball Großes leisten und dennoch meist ignoriert werden. Selbst auf unserer Insel der Glückseligkeit ist da noch Luft nach oben. Aber es entwickelt sich auch vieles in die richtige Richtung. Man sieht es u.a. an der großartigen Arbeit unserer Fußballfrauen, nicht nur bei den Aufsteigerinnen, sondern quer durch alle Teams, und beim FC Lampedusa, der von den St.Pauli-Frauen gecoacht und organisiert wird. Man sieht es an der Arbeit von F_in, dem Netzwerk für Frauen im Fußball, am Aktionsbündnis gegen Sexismus und Homophobie. All das ist Thema der aktuellen Ausgabe.

Die bietet aber natürlich auch Saisonausblick und Lage der Liga, einen Bericht zur U23 und einen Artikel zur Situation unserer Stadionverbotler in der letzten Saison – Diffidati con noi! Neues von den Alten, Döntjes und Die anderen Seiten gibt’s sowieso und ein Interview mit Ole Plogstedt von der Roten Gourmet Fraktion. Außerdem, tatatataaa!, ein Poster vom heißgeliebtesten Stadion der Welt im Abendsonnenschein…

Wer das Heft nicht kauft, ist selber schuld!

Eure Übersteiger*innens

(P.S.: 1,60€, wie schon seit Jahren. Zum Abo (Print & PDF) hier entlang.)

 

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3.Spieltag (A) – Dynamo Dresden

SG Dynamo Dresden – FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Andreas Lambertz (7.)
Zuschauer: 29.350 (ca. 2.500 St.Paulianer)

Auswärtsberichte nach schmucklosen Niederlagen – auch so ‘ne Sache, die auf der Beliebtheitsskala nur kurz vor eitrigem Fußpilz steht.

Handeln wir kurz das Sportliche ab:
Lest den Kicker oder ähnliche Blätter für fundierte Kenntnisse. Als Laie bleibt mir nur, mich vom Braunschweig-Spiel zu wiederholen:

Kann nur besser werden.

Zum Drumherum:
Letztes Ferienwochenende, daher entschloss ich mich Junior mitzunehmen und für die Bahnanreise. “No Colours” als Kleidungskriterium und ein überzeugtes “Wir gehen jetzt die Semperoper angucken.” beim Aussteigen aus dem Zug sorgten dann auch für ein unbehelligtes freies Bewegen in Dresden selbst.
Allerdings war das vor dem Spiel wohl auch für alle anderen, selbst im Trikot, kein großes Problem.

Am Stadion angekommen stand man sich dann bei der Kontrolle die Beine in den Bauch, eine Ordnerin zog uns dann an der wartenden Schlange vorbei – wozu ein 8-jähriger doch alles gut ist.
Die Spürhunde am Einlass erinnerte ich noch vom letzten Auftritt hier, abgesehen von der recht langen Wartezeit verlief dies aber ziemlich entspannt und die Ordner hier waren auch allesamt freundlich.

Im Stadion selbst dann gefühlt auch deutlich weniger Nackendichte als bei den letzten Auftritten hier. Normalerweise sammelte sich da am Block links neben dem Stehplatzbereich doch ein ziemlicher Haufen des Thor Steinar-Fanclubs, da waren dieses Mal nur ein paar vereinzelte verlorene Gestalten zu sehen.
Viele Grüße an 1953 International. Es mag noch ein weiter Weg sein, aber man beschreitet ihn weiter und an solchen Kleinigkeiten sieht man ja auch, dass es vorwärts geht. Und dies eben in einem Umfeld, in dem diese Art der Arbeit weitaus unangenehmer ist als in unserer Wohlfühloase Millerntor.

Natürlich war noch nicht alles gut, siehe dazu auch den Eintrag bei Ultrapeinlich. Den Spruch bzgl. der Burka habe ich sogar noch mit einem gewissen Augezwinkern zur Kenntnis genommen, die folgende homophobe Tapete gegen USP und die Schickeria fand ich wesentlich “peinlicher” bzw. auch dümmer und niveauloser.
Davon ab traue ich den weiblichen USP-Fans durchaus eine passende Antwort zu, hat letztes Mal auch funktioniert.
Zur Halbzeit gab es dann noch eine akustische Wiederholung der “Wenn wir in die Elbe scheißen – gibt’s in Hamburg ws zu beißen!“-Tapete vom letzten Spiel. Immerhin kreativer als ein stumpfes “Scheiß St.Pauli”.

Wenn man die negativen Begleitumstände ausklammert ist der Support bei Dynamo aber nach wie vor beeindruckend. Mitmachquote in der Kurve bei nahezu allen Gesängen und Klatscheinlagen bei 95%, bis in die äußerste Ecke. Und wenn man die Gerade und die andere Kurve mitnimmt, versteht man im Gästeblock den eigenen Gesang fast nicht mehr.

Nach dem Spiel sind wir dann mit dem Shuttle zum Hauptbahnhof zurück, was ebenfalls relativ entspannt verlief.
Die mit dem Bus oder PKW angereisten Fans wurden dann zum neuen Sammelparkplatz ebenfalls mit Shuttle zurückgebracht, auch dies verlief wohl problemlos.Weniger gut verlief es für den aus Prag angereisten 9er-Barflies-Bus, der nach dem Spiel in Stadionnähe überfallen wurde. (Und die hier übernommene Pressemitteilung der Polizei stimmt inhaltlich auch.) Sich nach dem Spiel dann wegen der gestohlenen Rucksäcke noch mit der Deutschen Kripo unterhalten zu müssen, sorgte bei der Busbesatzung dann leider auch für einen unwürdigen Abschluß des Wochenendes.

Die weiteren im Artikel verlinkten Vorfälle habe ich nicht mitbekommen, sie zeigen aber, dass es natürlich auch weiterhin nicht sinnvoll ist, derartige Touren allzu sorglos (und in voller Montur) zu unternehmen.

Etwas ärgerlich war die Blocksperre dann für diejenigen, die den Stadionbereich zu Fuß (ohne Shuttle) verlassen wollten, denn nachdem es zunächst “Ja, gehen Sie bitte hier lang!” hieß, stand man dann recht sinnlos vorne am Zaun in der prallen Sonne und wartete, bis die Shuttle-Busse weg waren.
Das man dann mehr oder weniger alleine ein deutlich leichteres “Opfer” war, als wenn man sich hätte sofort und ohne Wartezeit aus dem Staub machen können, ehe die Dynamos feiernd aus dem Stadion kamen, ist ja leider auch kein neues Phänomen unerklärlicher Polizeitaktiken.

Unterm Strich: Für Junior und mich eine entspannte Tour und ein schöner Ferienabschluß.
Wenn nur der Fußball nicht wäre, wie so oft… // Frodo

Links:
– Bericht South End Scum: “Matchday 03” (English)
– Bericht Grenzenlos 1910: “Die Null steht
– Fotos USP
– Fotos Ultras Dynamo

Verein am Wochenende

Die U23 spielte bereits am Samstag an der Hoheluft gegen VfL Wolfsburg II und konnte einen Rückstand zweimal ausgleichen, am Ende stand es 2:2, beide Tore erzielte Kapitän Jan-Marc Schneider, den ersten nach Handelfmeter.
Mit sieben Punkten aus fünf Spielen steht man im gesicherten Mittelfeld, nächster Auftritt am Sonntag um 15.00h in Meppen.

Die Frauen starteten in die erste Regionalliga-Saison der Vereinsgeschichte gleich mal mit einem Ausrufezeichen, nämlich einem Spielabbruch.
Klingt spektakulärer als es ist, denn Schuld war (wie z.B. auch in zwei Spielen der Herren-Oberliga) das Hamburger Wetter bzw. ein Gewitter.
Bis dahin stand es nach einer guten Stunde gegen Mitaufsteiger VfL Jesteburg 1:1, die Führung hatte Nina Philipp erzielt.
Das Spiel wird wohl neu angesetzt.
Nächstes Spiel ist am Sonntag um 13.00h in Delmenhorst.

Die U19 verlor bei Hertha mit 6:3  (2:0) und hat nach vier (teils sehr unglücklichen) Spielen erst einen Punkt.
Weiter geht es erst am 11.9. gegen Hannover 96.

Die U17 holte bei Holstein Kiel im dritten Spiel das zweite Unentschieden (2:2), am Sonntag sollte dann um 12.00h (Königskinderweg) gegen Niendorf der erste Saisonsieg her.

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