Futbol vs. Alzheimer

In einer der letzten Rasenfunk-Episoden (ab 2h13m43s) sprach man am Ende über eine Aktion, die mir sehr gut gefällt und die vielleicht auch in Deutschland etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen würde.

Futbol vs Alzheimer, von der spanischen Zeitschrift Libero.

Kurz zusammengefasst: Man bringt bei Alzheimer-Patienten mit Fußball-Bildern aus ihrer Vergangenheit ein paar schöne oder zumindest interessante Erinnerungen zurück.
Etwas ausführlicher könnt Ihr das in diesem Video nachempfinden:

In jener Rasenfunk-Episode wurde anschließend nach den Momenten in der eigenen Fankarriere gefragt, an die man sich selbst vielleicht im Alter (im Idealfall: gerne) zurückerinnern würde. Und natürlich auch dann, wenn man nicht an Alzheimer erkrankt ist.

Vielleicht hilft dieser Artikel, das Projekt bekannter zu machen, vielleicht fand ich auch einfach nur die Idee schön, mir selbst meine eigenen Erinnerungen auszumalen.
Ich will hier auch keine Stöckchen verteilen, aber wenn der Ein oder Andere diesen Beitrag aufgreift und schreibt, an welche Momente er selbst sich einst erinnern möchte, so würde mich dies natürlich freuen.

Also: Hier meine Top 3 – Erinnerungen an Fußball-Momente.
(Stand März 2016)

Top 3) – Die magischen Minuten von Barcelona

Hier landet tatsächlich ein Moment außerhalb des Stadions.
Es geht um den 26.Mai 1999, der Ort des Spiels ist Barcelona, das Camp Nou. Es war das Finale der Champions League, Manchester United FC und der FC Bayern München trafen aufeinander.
Ich war zu dieser Zeit Fan/Sympathisant/wasauchimmer von Manchester United, da ich in den Jahren zuvor zweimal bei einem Austausch des Werder-Fanprojekts mit Leeds United teilgenommen hatte und in diesem Zusammenhang ein Heimspiel von ManUtd eben das erste Spiel war, welches ich live auf der Insel sehen durfte.
Coca-Cola Cup, irgendeine frühe Runde gegen Bright & Hove Albion. Old Trafford. Beeindruckend, bleibend.
Eric Cantona spielte noch bei Leeds, wechselte dann aber bald zu ManUtd. Ich las über die Busby Babes, besuchte das Vereinsmuseum und war zu dieser Zeit auch ziemlich beeindruckt von der in England schon damals vorhandenen Merchandise-Palette.
Die letzte Meisterschaft war Ewigkeiten her.

So wurde ich dann, aus meiner Sicht naheliegend, Mitglied beim “German Reds”-Fanclub, Vereinsmitglied, sammelte Loyalty Points (um an Tickets für Topspiele heranzukommen) bei Spielen wie bei Sturm Graz oder ähnlichen Touren.

Für das Finale in Barcelona bewarb ich mich natürlich auch um Karten, “Aussichtslosigkeit” war aber (zurecht) selten treffender definiert worden und mein Budget im 3.Lehrjahr ließ es dann auch nicht zu, einfach nur so dort hin zu fliegen.

Dementsprechend sammelte ich “Mit-Sympathisanten” um mich, beneidete die Fanclub-Mitglieder die Tickets bekamen und wählte als Ort der Spielverfolgung meinen damaligen Lieblings-Pub im Bremer Steintor.
Ich war früh genug da um zumindest noch einen mittelprächtigen Stehplatz zu erhalten, das Spiel wurde dann auf Riesen-Leinwänden übertragen.

Und natürlich sind es die letzten Minuten, die bei Bayern-Fans noch heute Schmerzen verursachen, bei mir damals aber natürlich ungläubigen Jubel auslösten. Um es mal vorsichtig zu formulieren: Der Pub explodierte.

Und auch, wenn Personenkult beim FCSP eher nicht so hoch gehalten wird und Fangesänge in England nicht mehr das Niveau von früher haben sollten, so sind es doch immer noch zwei eher profane Gesänge, die ich von diesem Abend in Erinnerung habe:

Who put the ball in the Germans net? Ole Gunnar Sjolskjaer!” und ein schriftlich eher langweiliges aber umso inbrünstiger vorgetragenes
Ooooooooooooooh, Teddyteddy – Teddyteddyteddyteddy SHERINGHAM!“.

Danach ereilte mich dann irgendwann das Schicksal des Erfolgs, denn United wurde erfolgreicher und erfolgreicher, doch mit Erfolg kann ich als Fan nicht so richtig umgehen.
Doch noch heute beobachte ich den Verein natürlich mit Sympathie, auch wenn mein Herz nicht mehr wirklich dran hängt.
Trotzdem waren diese wenigen in Minuten in Barcelona, die ich aus großer Entfernung verfolgte, ganz sicher ein Highlight meiner Fankarriere.

Top 2) Der Kutzop-Elfer & Die Sportschau-Konferenz

Wo Licht ist, ist auch Schatten, erneut ist der FC Bayern beteiligt.
Ja, jenes “Plock” an den Pfosten an einem Dienstag Abend im April 1986 im Bremer Weserstadion, als Michael Kutzop den SV Werder zur Meisterschaft schießen hätte können.

Tat er nicht – und bekanntlich kam es noch schlimmer, denn Werder verlor am 34.Spieltag dann doch noch die Meisterschaft. Ich war zehn Jahre alt, für eine Fahrt zum Auswärtsspiel nach Stuttgart noch zu klein und die Sportschau hatte eine Konferenzschaltung “re-live” angekündigt. Der neueste heiße Shice damals, nannte nur eben noch niemand so.
Und während ich den ganzen Tag in meinem Zimmer die Zeit totschlug und 18.00h herbeisehnte, betrat irgendwann nach 17.15h meine Mutter das Zimmer und begrüßte mich, wenig einfühlsam, mit den Worten “Na, Vizemeister?”
Selten war ein verzweifelter Schmerzensschrei meinerseits lauter und überraschter gewesen.
Aber: Aus Schmerzen lernt man, auch dieses Erlebnis war sicher prägend für meine Fankarriere.
(Übrigens habe ich dieses Trauma schon einmal etwas ausführlicher im Blog zu verarbeiten versucht.)

Top 1) UEFA-Cup Finale in Sevilla: FC Porto – Glasgow Celtic FC

Und abschließend ist auch mein Top 1 – Erlebnis (sportlich) ein eher trauriges, denn es endete mit einer Niederlage.

Und doch war diese Tour ganz sicher ein Erlebnis, welches so lange an Eins bleiben wird, bis der FC St.Pauli dann doch mal ein Europapokalspiel erreichen wird.

Wir hatten uns relativ früh im Wettbewerb um Finalkarten in Sevilla gekümmert, zu diesem Zeitpunkt noch im Glauben, Liverpool könnte es schaffen. Doch Liverpool scheiterte an Celtic und tatsächlich wurde dann wahr, was wir uns kaum zu erträumen gewagt hatten: Celtic kam ins Finale – und wir waren dabei.

Die Celtic-Fans bekamen für ihren Auftritt später sogar den Fair-Play-Award von UEFA und FIFA und “The Bhoys from Seville” wurde ein eigener Wikipedia-Eintrag und sogar ein eigener Film wurde darüber gedreht (Teil 1 auf YouTube).
80.000(!) sollen in Sevilla gewesen sein, wohl bis heute die größte Auswärtsfan-Zahl bei einem Vereinsspiel. Und es passten ja nur ca. 52.000 Zuschauer ins Stadion, einige davon ja auch für den FC Porto.

Es war einfach nur unglaublich.
Am Tag vor dem Spiel gaben “Charlie & the Bhoys” ein Konzert in einem Park und wir trafen ein paar ältere Herren, von denen einer ein Plastik-Känguru auf den Schultern trug. Wie sich herausstellte, kamen sie tatsächlich aus Australien und waren ohne Tickets angereist. Und wir… ja, wir hatten Tickets in der Tasche.
Doch für die Jungs war das auch gar kein Thema. Hier dabei zu sein, sagten sie, sei ein absolutes Highlight, ganz unabhängig von Tickets.

Das Erlebnis im Stadion war dann ebenfalls fantastisch, drei Viertel strahlten in grün-weißen Hoops, die Tore von Henrik Larsson lösten Gefühlsexplosionen aus – und am Ende hat es dann leider doch nicht gereicht.

Es gäbe noch tausend Dinge mehr, die man von diesen Tagen erzählen könnte – doch an dieser Stelle beende ich das, um auf ein Format hinzuweisen, was ein ganz ähnliches Ziel wie dieser Blogpost verfolgt und wo ich all dies zu diesem Spiel schon einmal in Worte gefasst habe, im Gespräch mit Andreas Thies bei “Das Spiel meines Lebens” auf meinsportradio.de. // Frodo

P.S. Es fehlen die St.Pauli-Momente?
Ja, natürlich.

  • Der Aufstieg gegen Homburg, inkl. Platzsturm und Angst den Aufstieg zu verlieren
  • Der Aufstieg in Nürnberg
  • Der Aufstieg in Fürth
  • Der Derbysieg am 16.Februar 2011
  • Weltpokalsiegerbesieger
  • Die Bokal-Serie

Ich hätte mich schwer getan, diese Erlebnisse in ein Ranking zu bringen.
Aber sollte ich mich im Alter irgendwann an Fußballmomente zurückerinnern wollen, so gehören auch diese ganz sicher dazu.

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Übersteiger 123 erscheint gegen den SC Paderborn

Übersteiger 123 - erscheint am 10.März 2016

Übersteiger 123 – erscheint am 10.März 2016

Heute, weltexklusiv!

Der Übersteiger #123 ist aber heute (Donnerstag) Nachmittag im Fanladen und ab morgen bei allen bekannten Verkaufsstellen sowie natürlich am Stadion erhältlich!

Wir haben ein Interview mit Deniz Naki geführt, Ronny hat sich die Umstände um die illegale Fandatei angeschaut, wir stellen die HandballerInnen vor und blicken auf die Aktivitäten rund um den Holocaust­ Gedenktag zurück.
Außerdem gibt es zwei Reiseberichte und politisches zu Griechenland.

Ansonsten alles wie gewohnt: Neues von den Alten, Rezis von Bild und Ton, Döntjes und die Fanladen­News.

Alles für 1,60 Euro beim Dealer eures Vertrauens.
Weil es der Fanmarsch, der am Freitagabend nach dem Spiel stattfinden wird, leider nicht mehr ins Heft geschafft hat, sei er an dieser Stelle trotzdem erwähnt:

Alle hin da, keine Ausreden, diffidati con noi! // Eure Übersteiger

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MT028 – Medienarbeit beim FCSP

Da sind wir wieder.
Da Christoph, Wolf und Justus kurzfristig verhindert waren, musste unser Gast mit einem Trio der Stammbesetzung vorlieb nehmen.

Und unser Gast war dann auch gleich Grund für den Episodentitel, denn mit Christoph Pieper war derjenige zu Gast, auf dessen Visitenkarte “Leitung Medien” beim FC St.Pauli steht.

Nachdem wir also die Spiele in Duisburg, gegen Braunschweig und in Heidenheim durchgearbeitet hatten, ging es noch gute neunzig Minuten weiter.
Über die Medienarbeit beim FC St.Pauli allgemein, seine Schalker Vergangenheit und vieles weitere rund um ihn oder den Verein und Medien im Allgemeinen.

Viel Spaß!

Links zur Episode:
Stellungnahme des Fanladens
Offener Brief des Fanclub-Sprecherrates
Aufruf zum Diffidati-Marsch am Freitag

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Fußball in den West Midlands – Teil 3 von 3

(Hier findet Ihr Teil 1, und hier Teil 2.)

West Bromwich Albion –  Newcastle United 3:1, 05. Dezember 2010

Es ist schon lange her, als ich im Rahmen des Auswärtsspiels der Spurs in Birmingham aufgrund der frühen Rückflugzeit nur Zeit für eine kurze Stippvisite bei den  Albions hatte. Das Stadion „The Hawthorns“ liegt gleich nahe der gleichnamigen Bahnstation, welche man nach kurzer Fahrt von Birmingham Snow Hill erreicht.

The Hawthorns ist ein komplett geschlossener Ground mit einer alten, erhaltenen Haupttribüne und fasst heute 26.200 Zuschauer. Dadurch ist er sehr kompakt, was sich direkt und positiv auf die Stimmung im Inneren des Bauwerks auswirkt. Jetzt sind die Magpies aus Newcastle ohnehin ein lustiger und lauter Haufen, aber auch die Heimfans gaben direkt neben dem Gästeblock auf der gleichen Hintertortribüne ihr Bestes. Als Pub für Auswärtsfans gilt das nahe dem Stadion gelegene „The Oak“, wo sich an jenem Tag auch außerhalb des Pubs die Nordengländer  unter Polizeiaufsicht die Kante gaben.  Weitere Pubs in direkter Stadionnähe habe ich bei der für mich üblichen Umrundung nicht ausmachen können, so dass ich ungewohnt früh mein Heil im Stadion suchte. Dort hatte ich meinen Platz auf der Haupttribüne, deren Boden im geschlossenen Umgang sogar mit Laminat ausgelegt war. Echt gepflegt!
Wie auch in den anderen Stadien in Birmingham ergab sich auch hier nettes Geplauder mit den Fans von WBA. Alles in allem blieb vom Stadion, Fans und Atmosphäre ein netter Eindruck hängen. Leider musste ich sicherheitshalber kurz vor Schluss den Weg zum Flughafen antreten, so dass ich die beiden kurz vor Ende der Begegnung hintereinander gefallenen Siegtreffer für die Albions nur auf dem Weg nach draußen genießen durfte. Die meist genannte Worte an den Anzeigetafeln am Bahnhof New Street hießen an jenem Tag wegen einer Minischneedecke im Land aber „delayed“ oder „cancelled“.  Einer dieser inseltypischen Widrigkeiten, die man bei seinen Reisen dort aber unbedingt ernst nehmen sollte: Immer schön einen Puffer einbauen!

 

West Bromwich Albion, auch The Baggies“ genannt, ist  eher ein Verein der zweiten Reihe. Größere Erfolge liegen schon Jahrzehnte zurück. 2002 stieg WBA erstmals seit den Achtzigern wieder in die Premierleague auf und kann sich seitdem in der höchsten Liga oder in der Spitze der 2. Liga behaupten. Lokaler Rivale sind hauptsächlich die Wanderers aus Wolverhampton.  Dieses „ Black Country Derby“ ist eines der am häufigsten gespielten Fußball- Derbys der Welt und garantiert, wie soll es auch sonst im ehemaligen Kohlenpott Englands auch anders sein, eine Menge Aufregung.

Vorm Anpfiff im Hawthorns

Vorm Anpfiff im Hawthorns

Was geht sonst so in Birmingham ?

Hotels gibt es in Birmingham reichlich und relativ preiswert. Das ETAP liegt nicht weit von der Innenstadt entfernt, aber an einer mehrspurigen Hauptstraße. Der Fußgängertunnel unter der großen Straße auf dem Weg aus der Stadt schafft es allerdings locker in einen Tatortvorspann.  Wesentlich besser erreicht man das ruhigere gelegene und komfortablere heutige IBIS Style (ehemals Holiday Inn Express) in der Lionel Street: Nämlich durch das Paradies, genauer gesagt dem Paradise Circus. So wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert eine Fläche von 7 Hektar in der Innenstadt von Birmingham benannt. Heute findet man dieser Stelle die zentrale Bibliothek, die Musikschule und irgendein mir unbekanntes Monument.  Der Name „Paradise“ prangt aber über dem Eingang einer Ende der sechziger/ Anfang der siebziger Jahre erbauten und dementsprechend  hässlichen Überbauung des innerstädtischen Verkehrsknotens. Außer dem unwirtlichen Weg zum Hotel und dem benachbarten, empfehlenswerten Pub „ The Shakespeare“  laden dort ein paar Lokale nur bedingt zum Verweilen ein. Besser aufgehoben ist der Besucher eher hier:  Im Pub „The Wellington“: Auf mehreren Etagen und einer Terrasse werden rund 16 verschiedene Biersorten (Ale) geboten. Wer hier nüchtern den Ort verlässt, ist selbst schuld. Im Pub „The Victoria“ in der John Bright Street: Hier findet man im Ausgehviertel angenehme Leute bei netter Musik (auch mal Ska und anderes). In Chinatown bekommt man gutes asiatisches Essen und im „Victoria Square Cafe“  gutes englisches Frühstück.

Ansonsten bietet Birmingham, nicht gerade eine Schönheit unter den Städten, ein großes Shopping Center (Bullring Center), ein paar Kirchen und Museen, mittlerweile einen nagelneuen Bahnhof mit integrierter Shopping Meile und eine besonders große Parade am St. Patricks Day, welche ich bei meinen ersten Besuch bestaunen durfte. Einige der größten Kolonien irischer Auswanderer sind nämlich in der Gegend um Birmingham beheimatet.

Alles in allem ist vor allen Dingen Birmingham, aber auch die Umgebung mit seiner Industriekultur, also durchaus eine Reise wert!

Zu nennen wären der Vollständigkeit halber noch die Vereine Coventry City und der Wallsall Football Club. Letzterer ein eher unterklassiger Club, der sich überwiegend in der dritten und vierten Liga aufhält. Coventry machte zuletzt auf sich aufmerksam, als der Clubbesitzer wegen Mietstreitigkeiten mit dem Eigner des Stadions die Spiele seines Clubs ausgerechnet im Sixfields Stadium von  Northampton austragen ließ und damit seine eigene Fans in Wallungen brachte. Viele streikten und besuchten die Spiele ihres Vereins in dieser Zeit nur bei Auswärtsspielen.  Legendär war daher auch die Party der „Sky Blues“ beim FA Cup Spiel beim FC Arsenal in London mit 9.000 Mitgereisten.

Beide Vereine habe ich aber noch nicht besucht, weswegen jetzt hier auch nichts weiter berichtet werden kann. // Christoph

 

 

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Fußball in den West Midlands – Teil 2 von 3

(Teil 1 findet Ihr hier.)

Der große Rivale von Birmingham City und Platzhirsch in der Stadt ist der Aston Villa  FC. Ein echter Traditionsverein, der sowohl zu den erfolgreichsten Vereinen Englands zählt , als auch Gründungsmitglied der  Football League im Jahre 1888 war. Die Erfolge allerdings liegen schon eine Weile zurück. Viele werden sich an den Sieg 1982 über den FC Bayern München im Europapokal der Landesmeister in Rotterdam erinnern. Damals spielten  „The Villans“ auf einer Ebene mit Teams wie dem FC Liverpool, Nottingham Forrest & Co.  Einen letzten Titel gewann Aston Villa 1996, den englischen Ligapokal. Seitdem rennt der gesamte Verein seinen Ansprüchen weit hinterher.

So ähnlich wie die Tottenham Hotspurs in den Neunzigern versuchte Aston Villa nach einem Besitzerwechsel in 2006 mit einem gewissen finanziellen Aufwand mit Verzweiflung in die Upper Class der Premier League aufzusteigen. Ein Ziel, welches momentan alles andere als möglich erscheint. Mit dem unerfahrenen Trainer Paul Lampert (schottischer Ex- Spieler von Borussia Dortmund), der mit drei Jahren Amtszeit noch eine gewisse Konstanz in den Verein gebracht hat, ging es zunächst noch ein bisschen bergauf. Vorher wäre Villa mit Unsympath Alex Mc Leish, der ausgerechnet vom Stadtrivalen verpflichtet wurde, vielleicht abgestiegen. Nach Paul Lampert wurde wieder ein Nobody verpflichtet: Tim Sherwood, der sich zwar vorher an den Spurs aus London versuchen durfte, aber ansonsten keinerlei Referenzen aufweisen konnte. Mit ihm schaffte es Villa im vergangenen Jahr zwar bis ins FA Cupfinale. Mehr aber auch nicht. Aktuell liegt die Mannschaft, die Abgänge guter Spieler, wie Benteke oder Cleverly, verkraften musste, auch mit ihrem neuen Trainer Remi Garde  abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz der ersten englischen Liga. Ein Abstieg scheint unvermeidbar. Der Clubeigner würde Aston Villa nun gerne veräußern.  Im Gegensatz zu den Fußballhochburgen London und Manchester ist es allerdings nicht gerade einfach für einen sportlich mittelmäßigen, in Birmingham beheimaten Verein einen reichen Investor zu finden.

Als erwähnenswerte Derbys gegen die Stadtrivalen in der jüngsten Zeit können u.a. zwei genannt werden: Im Ligapokalspiel 2010 bei Birmingham City kam es nach längerer Zeit und ziemlich unerwartet zu nennenswerten Krawallen, als die Bluesnoses nach ihrem Sieg den Platz stürmten und sich Richtung Gästeblock bewegten und dabei auch (in England bis dahin selten) Pyrotechnik zum Einsatz kam.

Mehr aus Freude als auf Krawall aus stürmten 2015 die Villians ihrerseits den Platz nach dem gewonnen Viertelfinalspiel im FA Cup gegen West Bromwich Albion. Aber auf der Insel gilt noch vielmehr als in unseren Landen auch ein „friendly“ Platzsturm als ein unglaubliches Vergehen, also Krawall.

Die schöne Fassade des Holte End

Die schöne Fassade des Holte End

The Holte End- die schönste Tribüne in den West Midlands

Was bleibt ist das Stadion, der Villa Park. Der, mangels sportlichen Erfolges, eigentliche Star des Vereins.  Schon 1897 wurde der Villa Park im heutigen Stadtteil  Aston auf dem Gelände eines viktorianischen Vergnügungspark eröffnet, damals noch unter dem Namen Aston Lower Ground und bis heute mehrmals umgebaut und modernisiert. Immerhin hat man bei der Modernisierung des Holte End 1996 die alte Fassade der  Ursprungstribüne in ihrem unverwechselbaren viktorianischen Stil einigermaßen nachgebildet. So ist die Südseite des Stadions sehr hübsch anzusehen, was man von der gegenüberliegenden Seite nicht gerade behaupten kann. Auf der Südseite befindet sich auch das berühmte „The Holte Hotel“ mit Gastronomie, welches mit dem Holte End im Hintergrund den Fotoklassiker schlecht hin am Villa Park abgibt. Im Inneren ergibt sich ein homogenes Bild mit vier gleich hohen Tribünen und offenen Ecken. Ein Klassiker in den Vereinsfarben weinrot und hellblau. Das Fassungsvermögen beträgt heute 42.600 Plätze. Vor der Eröffnung des neuen Wembley Stadion wurden auch deswegen im Villa Park diverse FA Cup –Halbfinale und Spiele der englischen Nationalmannschaft ausgetragen. Weil es dort tatsächlich schön ist, war ich in den vergangenen Jahren gleich zweimal dort.

 Aston Villa FC – Tottenham Hotspur 1:2, 02. November 2014

Beide Male konnte ich für das Spiel gegen Tottenham Hotspur Karten im Gästeblock ergattern, der sich auf dem Doug Ellis Stand längs des Spielfeldes befindet. Von dort aus hat man nicht nur eine äußerst gute Sicht auf das Geschehen, sondern bietet die voll überdachte Tribüne auch eine erstklassische Akustik für guten Gästesupport. Bis zu knapp 3.000 Plätze werden dort den Gästen angeboten und für die meisten Clubs ist ein Besuch im Villa Park auch ganz entspannt. Auch aus diesem Grunde, neben der zentralen Erreichbarkeit Birminghams und dem netten Auswärtspub, wird der Villa Park gerne von vielen Vereinen oft zahlreich angesteuert. Der Pub mit Namen „The Witton Arms“ befindet sich direkt am Stadion und lässt in getrennten Bereichen sowohl Gäste- als auch Heimfans hinein. Für die Gäste gibt es mittlerweile im rückwärtigen Bereich einen Zeltanbau, der das Fassungsvermögen des Pubs auf mindestens 200 Personen ansteigen lässt. Gute Stimmung ist dort also garantiert. Als der Pub noch  „The Cap and  Gown“ hieß (2009), erfolgte der Eintritt vorne und in den Räumlichkeiten getrennt, aber im hinten Garten stand man wieder zusammen. Englische Sicherheitslogik halt…
Wer vor dem Spiel gerne etwas schicker Speisen und Trinken möchte, ist im „Barton Arms“ gut aufgehoben. Dieses historische, im viktorianischen  Stil erbaute Haus an der High Street Aston (ca. fünfzehn Minuten Fußweg vom Stadion entfernt) ist auch im Innern entsprechend dekoriert und nicht nur sehenswert. Dieser Pub bietet nämlich neben verschiedenen Ales auch feine Speisen. Rustikaler, dafür günstiger bekommt man sein Essen im Cafe des nahegelegenen Einkaufsmarktes Tesco. Dort empfehle ich zum Nachmittag als Kontrast zu all den fettigen Burgern und Chips einen Scone mit Clotted Cream und Marmelade.  Kulinarisch ist man am Villa Park also ziemlich gut unterwegs.

Wie schon 2009 endete das Spiel zwischen den Villans und Spurs 1:2, auch wenn es zunächst  so gar nicht danach aussah. Aston Villa war das klar dominierende Team bis  der heutige Liverpooler Benteke  in der 65. Minute vom Platz gestellt wurde. Eine interessante Rudelbildung folgte. Tottenham gewann zwar so langsam die Oberhand, aber es dauerte bis zur 84. Minute bis der Ausgleich fiel. Erst in der letzten Minute erlöste kein geringerer als Harry Kane himself mit einem beherzten, aber abgefälschten Freistoß das 2:1-Siegtor. Die Party im Gästeblock war fantastisch.

Den Villa Park erreicht man übrigens aus der City heraus nur mit dem Bus. Dafür muss man in der Innenstadt den richtigen Abfahrtsbereich der betreffenden Buslinie (hier  Line 7 und 11 im violetten Abfahrtsbereich)  finden.  Diese Abfahrtsbereiche bestehen aus mehreren Haltestellen verschiedener Linien, von denen dann die aufgeführten Busse von dort aus in die jeweilige Richtung starten. Zur Orientierung wurden sie mit verschiedenen Farben ausgestattet. Was für Einheimische vielleicht vollkommen logisch erscheint, ist für Auswärtige zunächst eine knifflige Aufgabe.  Aber was wäre England ohne derartige Kuriositäten.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Beim ersten Besuch fragte ich zwei erkennbare Aston Villa-Fans an jenem violetten Abfahrtsbereich sicherheitshalber nach der richtigen Buslinie. Sie gaben die richtige Antwort mit der Bemerkung am Stadion aussteigen zu müssen.  Während der Busfahrt hatte ich allerdings das Gefühl, dass sie nicht wirklich wussten, wann und wo sie aussteigen mussten. Überstürzt verließen sie den Bus, als sie nur von weitem den Villa Park sahen.  Ich blieb (richtigerweise) sitzen. Am anderen Morgen traf ich beide (übrigens Iren) am Frühstücksbuffet im Hotel, als sich herausstellte, dass sie beide auch das erste Mal bei Villa waren…
Immer höflich die Leute!  Im letzten Teil geht es dann um West Bromwich Albion und ein paar Reisetipps. // Christoph

 

 

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MT027 – Deine Handynummer. Und die von Marc Hornschuh! Und die von Deiner Schwester!!!

Man hat ja vor den Sendungen, wenn man sich Gäste einlädt, immer schon so ‘ne Art Gefühl ob das passt oder nicht.
Und dieses Mal waren wir uns schon vorher ziemlich sicher, dass das ne runde Sache wird. Umso schöner, wenn dieses Gefühl nicht nur bestätigt, sondern auch noch übertroffen wird.

Wir hatten jedenfalls knapp 2 1/2 Stunden eine absolut unterhaltsame und interessante Folge mit Philipp Heerwagen, der auch abseits der rein sportlichen Fußballberichterstattung einiges zu erzählen hat.
Und der sich ganz offensichtlich bei unserem Verein mehr als nur wohl fühlt.

Wir besprachen also ausführlich die Spiele bei Greuther Fürth, gegen RB Leipzig und den FSV Frankfurt, bevor Wilko uns etwas vom Heiligengeistfeld vorlas und wir uns im zweiten Teil dann ausführlich unserem Gast widmeten.

Danke für Deine Zeit, Philipp, es war uns ein Fest!

Links:
Goldeimer
Sportauktion: Kein Fussball den Faschisten – Trikots
Facebook-Seite von Philipp Heerwagen

 

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21.Spieltag (H) – RB Leipzig

FC St.Pauli – RB Leipzig 1:0 (1:0)
Tor: Marc Rzatkowski (8.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Gästefans)

Yeah, kann man mal so machen!
Das dritte 1:0 in Folge also gegen den designierten Aufsteiger und souveränen Tabellenführer. Außer uns könnte damit nur noch Kaiserslautern in dieser Saison gegen Leipzig sechs Punkte holen. Läuft also, bei uns.

Vor dem Spiel gab es ja aber auch schon genug Ballyhoo. Ein Ansturm auf die (wunderbaren) “Kein Fussball den Faschisten”-Sondertrikots des Fanladen inkl. dem in 2016 wohl unerlässlichen Gemecker (wohl vor allem auf Facebook), so dass der Fanladen sich zu einer Erklärung genötigt sah. Mannmannmann…
Tatsächlich bildeten sich dann Freitag Mittag Schlangen, wie sonst nur beim freien Dauerkartenverkauf, aber es lief wohl relativ gesittet ab.
Die “match-worn” Trikots gehen dann die Tage noch über den Fanladen in die Versteigerung, also uffjepasst, wer noch eins will.

Dann gab es noch ein bißchen Verwirrung um eine Aussage von Lienen, der in einer Pressekonferenz irgendwie Faschismus und Kommerz in einem Satz nannte, dies wurde allerdings auch fix klargestellt und sowieso bleibt zu dem Thema nur zu sagen:

Und dann war endlich Spieltag!
Flutlicht, ausverkauft, voller Gästeblock – so soll das sein.

Die Verbannten mit uns

Die Verbannten mit uns

Und tatsächlich lief es auch auf dem Platz recht gut,anfangs ein munteres auf und ab in beide Richtungen und irgendwann dann dieser Konter, den Ewald doch exakt so vorher oft genug beschworen hatte. Schnelles Umschalten über die Außen, diagonale Bälle – Fußball kann so einfach sein!

Und irgendwie war danach klar: Wir stellen uns jetzt hinten rein und wenn nichts außergewöhnliches passiert geht das klar.
Tja, times are changing!
Ich habe jahrzentelang im Block 2 die Weisheit “Du darfst das entscheidende Tor nicht zu früh schießen!” wie ein Mantra vor mir hergetragen, Gröni wird sicher eines Tages dafür sorgen das es auf meinem Grabstein stehen wird.
Und natürlich hätte eine der Leipziger Chancen auch den Weg ins Netz finden können… aber während man in den letzten >20 Jahren einen hohen achstelligen Betrag ins Wettbüro geschleppt hätte, dass ein frühes 1:0 für uns in einem Spiel gegen eine auf dem Papier (deutlich) bessere Mannschaft nicht zum Sieg reicht, so hat sich dies seit Ewald drastisch verändert. Im Kopf des Teams, aber auch im Bewusstsein der Fans.
Wie gesagt, natürlich hätte sich niemand großartig gewundert, wenn RB das Spiel noch hätte drehen können. Aber es war eben auch in dieser 8.Minute schon nicht völlig unrealistisch, dass wir das Ding auch genau so nach Hause bringen können. Und zwar absichtlich, mit Bus vor dem Tor parken und so.
Sowas konnten wir nie, nie, nie, NIEMALS! Und plötzlich können wir das, die Abwehr ist ein Bollwerk – und wenn dann doch mal einer durchrutscht ist der Skyman da und rettet.

(Ich will damit nicht sagen, dass ich während der restlichen 80 Minuten die entspannteste Person im Universum war – aber ich war auch weit davon entfernt ein nervliches Wrack zu sein, in den letzten Jahren wäre das bei ähnlichem Spielverlauf oft anders gewesen. Ich glaube an die Jungs, und an die Defensive.
Zwar hatte das “Den Gegner durch permanentes Toreschießen zermürben” von Dietmar Demut einen anderen Entertainment-Faktor, aber so eine völlig neue Erfahrung von Fußball hat auch mal was.)

Und überhaupt: Der Fluch der Sondertrikots! Gebrochen!
Justus (Fanladen) sagte in einem Exklusiv-Interview nach dem Spiel zum ÜS-Blog:
War doch klaaaaa’, Digga! Wenn der Fanladen ein Sondertrikot veröffentlicht ist das ne ganz andere Nummer und NATÜRLICH gewinnen wir dann.
Schade, dass das nur einmal pro Halbserie geht.
Tja, Recht hat er. Sondertrikot ist nur zweimal im Jahr.

Noch ein paar Worte zur Stimmung:
Die war auf der Gegengerade irgendwie merkwürdig. In der ersten Stunde fand die Gegengerade kaum statt, es wurden auch nur wenig Gesänge aus der Süd übernommen.
Freitag, Flutlicht, dieser Gegner, frühe Führung… ja, was denn noch?
Immerhin erwachte in der letzten halben Stunde dann auch die Singing Area wieder zum Leben und gemeinsam mit dem Support Block wurde dann zumindest dieser Zeitraum dem Spiel angemessen.
Aber damit sind wir dann hoffentlich aus dem Winterschlaf erwacht und nächste Woche sieht das dann schon wieder ganz anders aus. Und natürlich ist all das immer noch Jammern auf hohem Niveau, aber von nichts kommt nichts.

Und dann war da noch Gunther, der meinen ÜS-Blog Mitschreiberling Christoph besuchte und folgendes übermittelte:

Zu Besuch war auch Gunther aus Solingen, ein sehbehinderter Anhänger des RB Leipzig. RB Leipzig, weil er dort zuletzt acht Jahres seines Lebens gewohnt und gearbeitet hat. Gunther fühlt und hört das Spiel auf dem Rasen mehr als das er es aufgrund seiner Behinderung eben sehen kann. Er kennt dadurch schon einige Hörplätze in hiesiegen Stadien. Am Millerntor war es seine Premiere und war voll des Lobes. “Im Vergleich zu anderen Übertragungen auf Hörplätzen ist die Qualität der Reportage außerordentlich gut: Ziemlich neutral, fair und vor allen Dingen für Sehbehinderte “erlebbar”. Man kann das Spielgeschehen auf dem Platz auch räumlich sehr gut nachvollziehen. Das hängt aus Sicht eines Sehbehinderten eben sehr stark von der Beschreibung der Spielzüge ab. Und die ist richtig gut.”
Obendrein war er begeistert von der Stimmung am Millerntor, die aus mehreren Ecken und nicht nur von einer Tribüne des Stadions herüberkommt. “Dafür war es natürlich auch gut, dass mein Team bei diesem tollen Spiel knapp verloren hat.” Und damit nicht genug: Auch die Grundstimmung im und um das Millerntor herum, empfand er als äußerst entspannt und angenehm. Für Sehbbehinderte eine wichtige Grundvorraussetzung, um sich auf fremden Terrain sicher und wohl zu fühlen.
Kurzum: Alles Dinge, die für uns Meisten selbstverständlich oder unwesentlich erscheinen, für andere aber einen wichtigen Baustein für ihr Leben bedeuten. Fazit: Er kommt wieder!

Sowas liest man doch gerne, viele Grüße nach Solingen.

Zwei Punkte Rückstand auf Freiburg, vor dem Nürnberger Heimspiel gegen Bochum punktgleich mit dem Relegationsplatz – wir sollten jetzt ganz schnell noch vier (oder sechs) Punkte holen, damit man den Rest der Saison entspannt genießen kann.

Weiter geht es dann ja schon nächsten Freitag gegen den FSV Frankfurt, wo man sehen wird, inwiefern uns jetzt auch etwas einfallen wird, wenn der Gegner keine Lust hat, mitzuspielen oder gar das Spiel zu machen. // Frodo

Links:
– Audio: “Vor dem Spiel“-Gespräch
– Audio: “Nach dem Spiel“-Gespräch
– Audio: Komplettreportage und Spielpodcast beim AFM-Radio
– Bilder Stefan Groenveld: “Dosengemüse
– Bilder USP
– Bilder Vereinshomepage
– Bericht SouthEndScum: “Matchday 21” (English)
– Bericht Nice Guys: “Six in a row
– Bericht BeebleBlox: “Dosen auf Kaperfahrt: Abgesoffen
– Bericht Fangirl1910: “Die Hymnenlosen Dosen
– Bericht GehKacken.de: “Himmelmann: ‘Not in my House, Rote Brause Leipzig’
– Bericht Rotebrauseblogger: “2.Bundesliga: FCSP – RBL 1:0

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Fußball in den West Midlands – Teil 1

von Christoph

Birmingham ist mit 1,2 Millionen Einwohnern Englands zweitgrößte Stadt und damit ein Anker in dem Midlands der Insel. Beheimatet sind dort gleich drei große Fußballclubs: Birmingham City, Aston Villa und West Bromwich Albion. Mit den Wanderers aus der Nachbarstadt Wolverhampton und Coventry City gesellen sich zwei weitere namhafte Teams in der unmittelbaren Nähe dazu und sorgen für einige regionale, interessante Begegnungen. Als die beiden erbittertsten Begegnungen gelten Aston Villa gegen Birmingham City und Wolverhampton Wanderers gegen West Bromwich Albion. Aber auch die anderen verbleibenden Derbys haben es in sich. Nur das Aufeinandertreffen zwischen City und Albion gilt eher als „friendly Derby“.

Die Region um Birmingham und Wolverhampton, einst stolze Bergbau- und Metallindustriegegend, befindet sich, vergleichbar mit dem deutschen Ruhrgebiet, nach dem Niedergang der verarbeitenden Industrie in einer strukturellen und damit schweren Findungsphase. An Bedeutung gewonnen hat auch hier der Finanzdienstleistungssektor und Tourismus. Er kann das entstandene Vakuum aber nicht vollständig stopfen. Der Region geht es nicht gerade rosig, auch wenn die Innenstadt von Birmingham mit ihrem neuen Bahnhof und den Einkaufszentren sich alten Glanz erarbeitet. Leider macht sich das auch für die ansässigen Vereine bemerkbar. Auch hier sind alle vier Clubs auf der Suche nach Stabilität.

Birmingham City, auch „The Bluesnoses“ genannt,  machte im Jahre 2014 Schlagzeilen, als sie nach schwachem Saisonstart auf dem vorletzten Platz der zweiten Liga (Championship) stehend zu Hause gegen Bournemouth mit 0:8 verloren. Trainer Lee Clark wurde entlassen, die Spieler wirkten sichtbar lustlos und verunsichert. Die Vereinsschatullen waren leer. Seitdem Geschäftsmann Carsen Yeung aus Hongkong mit seiner Firma 29%  Prozent der Clubaktien aufkaufte plagt sich der Club mit heftigen Turbulenzen herum. Carsen Yeung wurde nämlich 2011 wegen angeblicher Geldwäsche verhaftet, was sich unmittelbar auf die Finanzen des Vereins auswirkte. Birmingham wurde in den Jahren danach teilweise mit Transferverboten belegt. Es drohte sogar die Liquidation durch die Football League, dem zuständigen Verband für die Ligen Zwei bis Vier. Der Supporters Trust der Blauen tat alles, um zumindest Teile des Vereins, nämlich das Grundstück samt Stadion zu retten: Sie schafften es 2013 gemeinsam mit den örtlichen Behörden das Grundstück samt Stadion zu einem (übersetzt) „Vermögensgemeinschaftswert“ zu deklarieren. Werte, die das soziale Wohlergehen und soziale Interessen der örtlichen Gemeinschaft fördern und somit nicht so einfach verkauft oder anderweitig genutzt werden können.

Umso erstaunlicher gelang Birmingham City der Sieg im League Cup Final gegen den FC Arsenal im Jahre 2011, obwohl sie in jener Saison gleichzeitig aus der Premierleague abstiegen. Kapital vermochten sie daraus nicht zu schlagen. Als Zweitligist hielten sie sich zwar achtbar, überstanden die Europaleague- Gruppenphase gegen Braga, Maribor und FC Brügge aber nicht. Immerhin war es die erste Teilnahme an einem Internationalen Wettbewerb nach fünfzig Jahren. In den vergangenen Jahren hielten sie sich überwiegend in der Championship League auf, der Abstieg in die Football League One, der dritten englischen Liga, konnte aber 2013 nur so gerade eben vermieden werden. Dabei ließen die Machenschaften der Vereinsoberen die sowieso nicht mehr übermäßig zahlreichen Fans regelmäßig verzweifeln.

Doch konnte der Club nach dem schlechten Saisonstart in 2014 den als hoffnungsvoll geltenden Nachwuchstrainer Gary Rowett für sich gewinnen, der obendrein von 1998 bis 2000 seine Fußballschuhe im St. Andrews schnürte. Das weckte auch bei den Fans neue Hoffnung. Seiher geht es in Birmingham für die Citizens tatsächlich stetig nach oben. Momentan kratzt man sogar an den Relegationsplätzen für die Premier League. Rowett, der mit einem ziemlich geringen Budget auskommen muss, gilt auch deswegen als einer der besten Trainer der zweiten englischen Liga.

Wolverhampton Wanderers –Birmingham City 0:0, 01. November 2014, 25.000 Zuschauer

In jener schlechten Zeit besuchte ich Ende Oktober 2014 das Derby der Bluesnoses bei den Wolverhampton Wanderers. Ebenfalls ein Club, dessen Erfolge schon weit zurück liegen. In den fünfziger Jahren gelangen dem Gründungsmitglied der englischen Football League gleich  drei englische Meisterschaften. Danach folgten durchschnittliche bis schlechte Jahre bis die „Wolves“ (die Wölfe) sogar 1986 Bankrott gingen und komplett unter dem Namen „Wolverhampton Wanderers F.C. (1986) Limited“ neu gegründet wurden. Seither wird in der ehemaligen Industriestadt offensichtlich besser gewirtschaftet. Konnten die Schwarz- Goldenen seitdem sogar zweimal in die Premier League aufsteigen. Trotzdem gab es in der Saison 2012/13 einen kleinen Betriebsunfall, nämlich den Abstieg in die 3. Liga, der aber postwendend repariert werden konnte. Die Fans der Wolves gelten als treu und mitunter stimmungsvoll. So waren wir gespannt, was uns nach der kurzen, aber vollen Zugfahrt von Birmingham in die Nachbarstadt erwartete. Unsere Begleitung Chris Sanderson, Birmingham City- sowie St. Pauli Fan und Mitglied der Birmingham Boys in Brown, „wäre mit einem guten Spiel seiner Mannschaft und einem Unentschieden nach der schwierigen Zeit mehr als zufrieden“, erklärte er uns auf dem Weg zum Stadion. Ein paar Tage vorher klang das in diversen ausgetauschten Mails noch anders: „Sie haben vor Jahren unseren Clubbesitzer verhaftet, unser Club ist chronisch klamm, der Verband hat uns mit Strafen belegt, jetzt stehen wir auf einem Abstiegsrang und haben keinen Trainer mehr. Wir sind verzweifelt! Es muss dringend etwas passieren!

Durch die hügelige Topographie Wolverhamptons hat man vom Bahnhof kommend einen guten Blick  ins Molineux, der heute 30.000 Zuschauer fassenden Heimstätte der Wolves. Vor dem Umbau Anfang der Neunziger kamen regelmäßig bis zu 50.000 Fans in das bullig wirkende Stadion. Wer, wie wir, stehen und so etwas wie Stimmung erleben möchte, ist im Heimbereich auf dem Sir Jack Hayward Stand gut aufgehoben. Von dort hat man den besten Blick auf den Unterrang des Steve Bull Stand, der bei großem Fanaufkommen komplett als Gästebereich genutzt wird. Normalerwiese werden die auswärtigen Fans in der Ecke der gegenüberliegenden Tribüne untergebracht, die Fans aus „Brum“ (Birmingham) heute eben nicht. So steht gegenseitigen Verwünschungen und Beleidigungen nur ein Zaun im Wege. Die Stimmung war für ein Derby recht gut, auch die Gäste wagten sich aufgrund einer besseren Leistung auf dem Platz gesangstechnisch aus der Deckung. Vorher wurde, wie immer um diese Jahreszeit, mit irgendeinem Trompetensolo den gefallenen britischen Soldaten gedacht. Eine Zeremonie, die wir schon häufig erlebt haben, an die wir uns aber nie gewöhnen werden. Man stelle sich mal in Deutschland – und im speziellen bei St. Pauli – neben dem Stadion parkende Militärfahrzeuge mit anschließendem Einmarsch auf den Platz vor. Kann man nicht!

Das Spiel endete 0:0. Die Blauen waren damit ganz zufrieden. Die Fans der Wolves wurden nun zum Ende hin des Spiels deutlich herausfordernder und schmissen diverse Gegenstände bis hin zu mit  gelber und dreckiger Flüssigkeit gefüllten Plastikflaschen in Richtung des Rivalen. Irgendwann beruhigte sich die Lage aber wieder. Auf dem Weg zurück zum Stadion wurden die Brummies diesmal mit einem Polizeiaufgebot begleitet, waren jetzt doch diverse Rennereien und kleine Scharmützel zu beobachten. Nachdem wir Chris wiedergetroffen hatten, waren wir im Nu wieder im Zug.  Irgendwie ist es ja doch fast überall in England so, dass die Besucher  zum und vom Stadion regelrecht hetzen, als wäre man besonders ungern dort. Daran werde ich mich nie gewöhnen! Eigentlich in Aussicht auf ein gutes Essen in der Innenstadt von Birmingham landeten wir mit Chris und einem zwischenzeitlich dazugekommenen weiteren St. Pauli Fan aus Birmingham im Stadtbekannten Wellington Pub und kompensierten den Hunger landestypisch „auf die Schnelle“ mit ein paar Gläsern Flüssignahrung. Am nächsten Tag wartete dann Aston Villa auf uns. Dazu dann im zweiten Teil mehr.

Birmingham City- Tottenham Hotspur 1:1, 04. Dezember 2010, 25.700 Zuschauer

Das St. Andrews, Heimstätte von Birmingham City seit dem Jahre 1905 mit derzeit 30.000 Plätzen, besuchte ich beim Spiel gegen Tottenham Hotspur im Jahr 2010. Den Namen verdankt das Stadion der benachbarten Kirchengemeinde St. Andrews, dessen Kirchturm hinter der alten, erhaltenen Haupttribüne, hervorsticht. Auf dem Weg zum Stadion sind ein paar Höhemeter zu überwinden. Es sei denn man fährt mit dem Bus dorthin. Direkt am Bahnhof Bordesley, den man aus der Stadt von der Station Snow Hill erreicht, führte der Weg an einem Heimpub vorbei in und vor dem sich die für Gästefans eher unfreundlichen Genossen aufhalten. Deswegen genehmigen sich die Gästefans meist in der Innenstadt von Birmingham bereits ihr Pre-Match Bier und verhalten sich am Stadion weitestgehend unauffällig. Schließlich trieb früher eine bekannte Schlagkräftige Truppe namens „Zoulus“ dort ihr Unwesen.

Die beiden Teams trennten sich damals 1:1, obwohl nominell die Londoner u.a. mit Garet Bale, Luca Modric und Jermain Defoe als das Stärkere in die Midlands kam. In Folge dessen war auch die Stimmung beider Seiten dem nicht gerade aufregenden Spielverlauf angepasst. Lediglich mit ihrer Hymne konnten sich die Blues Fans auf sich aufmerksam machen: Keep right on at the end oft he road! Klingt wirklich gut, ist aber (typisch England) eine Hommage an einen gefallenen Soldaten.  Tottenham machte, wie so oft, mehr im Inneren der Tribüne Alarm als im Gästesektor des Railway Stands. Immerhin war er mit rund 2500 Mitgereisten gut besucht.

Zuende ging der Nachmittag damals bei Ska und Bier mit einigen der Birmingham Boys in Brown in einem coolen Pub in der Innenstadt, bevor ich in den Genuss des größten, deutschen Weihnachtsmarktes außerhalb Deutschlands in der City of Birmingham kam: German Bratwurst und „Gluehwine“ untermalt von „heimatlichem“  Liedgut: Die Engländer waren (und sind) verrückt danach. Der Markt muss sich nicht vor den Hiesigen verstecken. Es lassen sich dort nicht nur die gleichen Buden und Fahrgeschäfte finden, sondern auch das komplette kulinarische Angebot. Der Weihnachtsmarkt hat sich bis heute tatsächlich etabliert. // Christoph

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MT026 – Yussuf Poulsen spielt St.Pauli, auf PS4!

Da sind wir wieder!
Und wie es sich für den Einsteig nach der Winterpause gehört, weiß man nicht so recht wo man steht und wie das eigene Leistungsvermögen einzuschätzen ist. Außerdem gab es Abgänge und Neuverpflichtungen… Ihr kennt das.
Bei uns fehlten mit Christoph, Wolf und Justus gleich drei Stammspieler aus verschiedensten Gründen, lediglich für Justus hatten wir mit Maleen (mindestens) gleichwertigen Ersatz gefunden.

Immerhin: Zum ersten Mal seit 1910 (zumindest gefühlt) waren wir damit wieder zumindest annähernd in Schlagdistanz zu den eigentlich immer anvisierten neunzig Minuten und haben mit 1h42m nur hauchdünn überzogen.

Es ging, weil das ja auch alles schon furchtbar lange her ist, nur nochmal kurz über die vier Thy amo-Tore gegen Düsseldorf und den Auswärtssieg in Lautern, ehe wir uns unseren Saisonprognosen kritisch widmeten.
Wilko las aus alten ÜBERSTEIGERn dieses Mal aus der Nr.9 vor, vom damaligen Soli-Konzert der Ärzte und konnte ein Jugendtrauma mit der Terrorgruppe endlich öffentlich verarbeiten.

Und nachdem wir anfangs schon maleen als neue Mitarbeiterin des Fanladens vorgestellt hatten, brachte sie dann zumindest auch noch inhaltlich verwertbares in die Sendung ein und berichtete über die sogenannte “SKB-Datei”.

Viel Spaß!
(Und bewertet uns gerne bei iTunes, Danke!)

P.S.: Da uns nach dem Twitter-Foto von Sebastian viele Nachfragen erreichten:
Wir tranken 1312-Pils, erhältlich u.a. im Fanladen.

Links:
Der Fanladen zur Datei “Gruppen- und Szenegewalt” in Hamburg
Auskunftformular
Bericht des Magischen FC zum gleichen Thema

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Erinnern für die Zukunft – Holocaust Gedenktag 2016

Zum siebten Mal organisiert der St.Pauli-Fanladen eine Veranstaltung zum Holocaust-Gedenktag. Oder, um genauer zu sein, dieses Mal sind es sogar mehrere Veranstaltungen, wie Ihr dem Flyer entnehmen könnt.

Den Anfang macht morgen (27.1.) ein Vortrag von Dr. Vassilis Tsianos zum Thema “Flucht aus Nazideutschland”, gehalten ab 19.00h in den Fanräumen.
Dort finden auch die Veranstaltungen am 04. & 10.Februar statt, außerdem gibt es am 05.Februar noch eine Veranstaltung im Clubheim.
Mehr Details zu den einzelnen Terminen und zu den Veranstaltungen allgemein findet Ihr u.a. auf der AFM-Seite.

Und bei der Gelegenheit sei dann auch nochmal an die Ausstellung zu “Hamburger Fußball im Nationalsozialismus” im Hamburger Rathaus erinnert, bei der es heute (Dienstag, 26.Januar) eine Lesung mit Gregor Backes über die Rolle des FC St.Pauli geben wird, von 18.00h – 20.00h im Clubheim.

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