Rasenfunk Royal – Eine Huldigung

“Hallo, mein Name ist Maik und ich höre Fußball-Podcasts.”
“Hallo Maik.”

Ja, ich gestehe, bei einem Arbeitsweg von knapp zwei Stunden pro Tag und dem (zuletzt zu selten ausgeübten) Hobby “Laufen” gibt es als Fußballfan für mich kaum etwas Besseres, als Fußballpodcasts zu hören. Sei es das Textilvergehen, der Bockcast, Collinas Erben, die BigShow oder die diversen Formate bei MeinSportradio.
(Und ja, es gibt noch viele weitere, insbesondere Vereinsbezogen, aber die hier genannten höre ich wirklich regelmäßig, bei den anderen selektiv und je nach Zeit.)

Als wir mit dem MillernTon begonnen haben, war eine der ersten Aussagen: “Dat Ding muss 90 Minuten haben… länger ist schwierig, hört ja keiner!
Haha, guter Witz… bereits in der Nullnummer haben wir überzogen, in Folge 1 es dann tatsächlich einmal geschafft und in den bisher 18 Folgen danach aber sogar ab und an eher drei Stunden gefüllt. Und wenn man sich die anderen Formate so anschaut, ist es bei vielen ähnlich, lediglich MeinSportradio fällt da aufgrund des Programmzwangs etwas raus, die haben aber auch eine sehr regelmäßige Schlagzahl.
(Und nein, Podcasts (gerade in dieser Länge) sind nicht dazu gedacht, sie am PC sitzend zu hören. Kann man machen, empfehlenswerter sind sie aber eben unterwegs (Sport, Auto, ÖPNV) per Smartphone oder auch beim Hausputz.)

Nun hat sich aber zur letzten Saison ein neues Format auf den Weg gemacht, welches es binnen kürzester Zeit schaffte, zu der Sendung zu werden, die ich keine Woche verpasse, die ich auch immer unbedingt zeitnah hören will: Der Rasenfunk.
Oder, um es kurz zusammenzufassen: Der “DoPa, wie er in einer perfekten Welt sein sollte“. Ein Talk, der den kompletten Bundesliga-Spieltag abdeckt, ohne den ganzen Boulevard-Mist abzufrühstücken, in dem aber ab und an auch Platz für Fanthemen ist.
(Und wer jetzt zurecht anmerkt, dass dies mit dem DoPa nichts zu tun hat: Ja, schrieb ich doch…)

Und als wäre das nicht alles schon fantastisch genug, gibt es jetzt zum Saisonfinale auch noch den “Rasenfunk Royal“, eine Sendung in drei Teilen, mit je einem (Fan-)Vertreter aller 18 Erstligisten, zu der man sogar vorab noch die Hörerschaft um Fragen bat.
Und das Teil hat elf Stunden… Wahnsinn.

Und da diese Sendung nicht einfach so verklingen darf, hier eine total subjektive Zusammenfassung ohne Details, damit Ihr Appetit bekommt, sie dann aber eben doch noch komplett anhören müsst.

In Teil 1 (Tabellenplatz 1 – 7) gibt es zwei Gruppengespräche, zunächst die Top 4 mit Yalcin Imre (@fehlpass, FC Bayern), Lars Vollmering (VfL Wolfsburg), Peter Ahrens (@peter_ahrens, Gladbach) und Eric Brühl (@SchnixB04, Bayer 04).
Yalcin kommentiert gewohnt entspannt aus der komfortablen Situation des Ligaprimus heraus, wie man es vom Fehlpass-Podcast von ihm gewohnt ist. Böswillig könnte man ihm das als Arroganz auslegen, tatsächlich ist es lediglich die Gewissheit Fan des erfolgreichsten Vereins Deutschlands zu sein, den er immer weiter verbessern will. Ich höre ihm generell gerne zu, wenn er über Fußball redet… und auch, wenn ich ihm das nicht persönlich wünsche, würde ich es doch gerne mal erleben, wie er sich verhalten würde, wenn der FC Bayern mal die Quali zur Europa League verpasst. Werde ich aber wohl nicht mehr erleben.
Lars Vollmering war von allen 18 Teilnehmern der einzige ohne Twitter-Account – und komischerweise auch der Einzige, der bei mir keinen guten und sympathischen Eindruck hinterließ. Seine Selbstwahrnehmung des VfL Wolfsburg und seiner Fanszene… nun ja, ich wurde damit nicht warm, obwohl ich dies kurz nach meinem persönlichen Wolfsburg-Highlight beim Pokalfinale in Berlin hörte und dem VfL wohlwollend gegenüberstand.
Peter Ahrens hat es ja nun schon seit längerem geschafft, Twitter als Kunstform zu verstehen und das Ganze eher als Spaß zu interpretieren. Insofern zerstörte er sich in der Sendung sein komplettes Image, da er völlig sachlich und auch noch sympathisch und kompetent über seine Borussia sprach. Fang bloß auf Twitter nicht so an, ich würde Dir nicht mehr folgen können.
Und schließlich Eric, der als Fan eines Werksklub die dafür nötige Selbstironie und gesunde Selbsteinschätzung hatte, die ihn (neben seinem amerikanischen Akzent) absolut hörenswert machten. Gleichzeitig für mich dann auch die erste (von einigen) Neuentdeckungen auf Twitter.

Die zweite Konferenz wurde mein Liebling: Kristell (@kristaldo1907, FC Augsburg) bekam es mit Torsten Wieland (@TorstenWieland, Schalke 04) und Stefan Vogel (@Surfin_Bird, BVB) zu tun. Und während es einfach schön war, Kristell dabei zuzuhören wie sie offensichtlich selber immer noch nicht so ganz einordnen konnte, wieso ausgerechnet ihr FC Augsburg denn nun im Europapokal mitspielen darf, zeigten die beiden Vertreter des Ruhrpottderbies, was Gespräche über Fußball auszeichnen.
Man “verabscheut” den gegnerischen Verein gegebenenfalls wie die Pest (statt “Verabscheuung” wählt sonst auch gerne den für Euch passenderen Begriff), überträgt dies aber eben nicht auf die Einzelpersonen, die nun zufällig Fans des jeweils anderen Vereins sind, sondern frotzelt sich auf beste Art und Weise. Respektvoll, Humorvoll. Etwas, was auf Twitter ohnehin recht gut funktioniert, Ausnahmen bestätigen die Regel. Die unterschiedlichen Ausgangslagen (S04 endete im Chaos, der BVB begann dort) machten es umso interessanter.

Teil 2, das Niemandsland der Tabelle, Platz 8 – 12. Es begann mit zwei Einzelspielen. Zunächst Malte Kaja (@Salihovicic, TSG Hoffenheim), der anfangs Schwierigkeiten hatte, dieser Saison sportlich etwas interessantes abzugewinnen. Interessant und sehr hörenswert wurde es dann aber sehr schnell, als man das Sportliche ausklammerte und über die Fanszene der TSG sprach. Hat mir sehr gut gefallen.
Gleiches gilt für den zweiten Einzelgast, Marvin Mendel (@marv2punkt0, Eintracht Frankfurt). Es gibt ja Menschen, die können das Telefonbuch vorlesen und man hört ihnen trotzdem gerne zu. Bei Marvin ist das bei mir so gewesen, er versprüht mit seiner Art zu reden einfach permanent den Eindruck, er hat unfassbar viel Spaß dabei. Großartig. Dabei interssiert mich Eintracht Frankfurt eigentlich so gar nicht, abgesehen davon das Alex Meier mal bei uns war. Jedenfalls: Sehr hörenswert.

Es folgte dann wieder eine 3er-Gruppe, bestehend aus Sebastian (@vertblanc, SV Werder Bremen), Mara Braun (@Wortpiratin, FSV Mainz 05) und Ralf Friedrichs (@FC_Stammtisch, 1.FC Köln).
Bei Sebastian muss ich jetzt mal ein Geständnis vorbringen, welches ich ihm gegenüber jüngst auch beim 11Freunde-Jahresrückblick äußerte: Mir sind die Texte im dortigen Blog oft zu theoretisch und abstrakt. Ich habe inhaltlich/intellektuell Probleme zu folgen, ich bin vielleicht doch zu sehr Fußball-Asi. Daher hatte ich auch das Folgen auf Twitter irgendwann eingestellt. Hab ich nach dieser Sendung aber sofort repariert, denn Sebastian hat eine wunderbare ruhige Art, mit dem nötigen Augenzwinkern auf seinen Verein zu blicken und dies sympathisch zu verbalisieren.
Gleiches gilt für Mara, die ich bis dahin ebenfalls nicht kannte. Also “gleiches” im Sinne von hörenswert, denn ansonsten ist sie schon ziemlich anders als alle anderen 17 Teilnehmer. Bei niemandem hat man so lange Redeschwälle gehabt, ohne jede Atempause und (was mich immens beeindruckt hat) ohne jedes “Äh” oder andere Füllpausen. “Wortpiratin” als Twitternick ist also durchaus passend, “Wortakrobatin” wäre vielleicht sogar noch passender gewesen. Und selbstredend ist das, was dabei rauskommt auch noch fundiert, insbesondere ihre Sichtweisen auf das Mainzer Trainerkarussell fand ich sehr spannend.
Dann kam noch Ralf Friedrichs, seines Zeichens dann (ganz wertfrei) eher der Fußballpurist, dem man den Fußballsachverstand, insbesondere im Zusammenhang mit dem Effzeh, sehr wohl anhörte. Lediglich in Fandingen kommen wir zwei wohl nicht so richtig zusammen, aber muss ja auch nicht, dafür gibt es ja den Bockcast.

Last but not least: Teil 3, Platz 13 – 18.
Es gab zunächst einmal die Konferenz der “Geretteten”, mit Klaas Reese (@sportkultur, Hannover 96), Andreas Zweigle (@vertikalpass, VfB Stuttgart) und Uwe Bremer (@ubremer1, Hertha BSC).
Tja, Klaas, was soll man zu Dir noch sagen? Erst Frontzeck nichts zutrauen, dann unseren Neuzugang Andreas Rettig fast für Unzurechnungsfähig halten weil er endlich mal zu einem sympathischen Verein geht… unfassbar. Sei froh, dass ich nicht zum #tkschland kommen kann, die Kehlkopfgrätsche wäre Deine gewesen.
(Spaß, natürlich. Wer Collinas Erben und damit auch Klaas noch nie gehört hat, verpasst wirklich etwas und sollte diese Sendung als guten Einstieg nehmen. Auch wenn ich H96 aus rein regionalen Beweggründen den Abstieg schon gegönnt hätte.)
Andreas war mir bisher ebenfalls unbekannt, aber ähnlich wie oben schon bei Marvin höre ich ihm schon inhaltsunabhängig sehr gerne zu, weil es für das norddeutsche Ohr einfach super klingt wenn so ein Schwabe daherschwätzt. Davon ab auch interessante Inhalte zum VfB und dessen Entwicklung, Bobic, Stevens und allen anderen.
Und Uwe Bremer war dann der letzte mir gänzlich unbekannte Teilnehmer, der allerdings als gut informierter Journalist inhaltlich sehr stark punkten konnte. Auch, oder gerade weil ich die Hertha nun so gar nicht mag.

Und dann: Das Elend. Der hsv und die zwei Absteiger. Namentlich:
Florian (@nedfuller, hsv), Sven (@Zugzwang74, SC Freiburg) und Stephan (@schwarzundblau, SC Paderborn).
Florian hab ich ja nun schon sehr häufig beim Rautenradio gehört, insbesondere nach hsv-Niederlagen für einen St.Pauli-Fan immer ein Fest, in denen Florian seinem Zweitnamen “Rantfuller” oft genug alle Ehre machte. Darüberhinaus kenne ich ihn von einigen Treffen und kann daher auch ganz offen sagen: Ich fand die Besetzung unpassend.
Ich verstehe den Beweggrund, sich von Florian die Geschichte seiner inneren Abkehr von “der AG” nochmal erzählen zu lassen, allerdings hab ich die Geschichte jetzt vielleicht doch einfach einmal zu oft gehört, auch wenn Florian da nichts für kann.
Aber: Ich hätte mir eher jemanden gewünscht, der mit dem Bundesliga-Team des hsv noch nicht inhaltlich abgeschlossen hat und dann die Relegation sicher etwas emotionaler hätte schildern können.
(Nachtrag: Davon ab hat Florian natürlich auch inhaltlich immer etwas zu sagen und hat sich die Zeit genommen, alle Hörerfragen ausführlich zu beantworten, was hier nachgelesen werden kann.)
Es folgte Sven, der mit einer unfassbaren Gelassenheit den Abstieg des SC Freiburg zur Kenntniss nahm, aber derart innere Ruhe und Zuversicht ausstrahlte, dass eben der Wiederaufstieg nur Formsache sein kann. Hat er so nicht gesagt, im Gegenteil, aber gönnen würde ich es sowohl ihm als auch dem SCF. Auch hier ist allein die Stimme und der Akzent schon so hörenswert, dass ich mich sehr auf die Spiele gegen Freiburg freue und Sven unbedingt für den MillernTon gewinnen möchte.
Gleiches gilt dann auch für Stephan und den SC Paderborn, auch wenn er das Halbzeit-Lied als Kult bezeichnet hat. Auch wenn er sich selbst als eher “nüchtern” bezeichnet, sehr hörenswert und gelassen die Saison Revue passieren lässt und eben so ein kleines bißchen dann doch durchklingt, wie vermeidbar dieser Abstieg war.

So, und jetzt hab ich all das geschrieben und habe es bewusst vermieden, den Gastgeber dieser elf Stunden zu nennen, der das auch Woche für Woche ganz wunderbar macht: Max-Jakob Ost.
Wahnsinn, mit was für einer Mischung aus immenser inhaltlicher Vorbereitung, guter Gesprächsleitung, Augenzwinkern und sehr schönem Humor Du das machst, klasse.
Wer zu den Hintergründen der Sendung mehr wissen will, dem sei auf das Ende von Teil 3 sehr empfunden, wo es ab 3h36 noch ein paar Hintergründe zum Entstehen der Sendungen gibt. Chapeau, Max, ganz großes Tennis!
(Und an der Stelle dann auch ein Danke an Frank, der für die Technik im Hintergrund sorgt.)

Also, hört den Rasenfunk, insbesondere diese Royal-Edition, abonniert ihn, bewertet ihn auf iTunes. Haben sie sich verdient. // Frodo

Veröffentlicht unter MillernTon Podcast | Verschlagwortet mit , , | 8 Kommentare

Drei Titel in 26 1/2 Stunden

Papa… Pokalfinale ist sicher cool, oder?

Tja, Challenge accepted, natürlich völlig uneigennützig, nur für Junior, selbstredend.
Für die handvoll Tickets, die der DFB jedes Jahr verlost, bewerbe ich mich ja eh immer, aus alten Bremer Tagen strahlt das Pokalfinale in Berlin halt auch auf mich immer noch einen riesigen Reiz aus. Obwohl oder auch gerade weil ich genau weiß, dass der ruhmreiche FCSP hier wohl leider nie anzutreffen sein wird. Eher schafft es irgendwann mal die A-Jugend…

Es begann also die eher hoffnungslose Suche nach Tickets. Ohne Ticket nach Berlin fahren, wenn ein Verein wie der BVB dort spielt, aus dem Alter bin ich raus. Erst Recht mit Kind.
Und nachdem ich auf Twitter – eher augenzwinkernd – nach dem Ausscheiden der Bayern fragte, ob denn nicht jemand jetzt evtl. zwei Tickets über hätte, meldete sich mit Sascha tatsächlich jemand. Wolfsburg-Fan, St.Pauli-Sympathisant – und vor einiger Zeit hatte ich ihn beim Hamburger Fußball-Twitter-Stammtisch #tkhh kennengelernt. Da sage nochmal einer, Twitter sei sinnlos. An dieser Stelle also, auch im Namen von Junior, nochmals vielen Dank! (Und bei der Gelegenheit dann auch gleich Danke an Guido für die Übernachtungsmöglichkeit.)

In Berlin waren wir schon Freitag angekommen, Siegessäule und Brandenburger Tor als Touri-Pflichtprogramm abgehakt und abends die Relegation zwischen Holstein Kiel und 1860 im TV gesehen.
Papa – da hätten wir jetzt spielen können.
Tja, ein gequältes Lächeln war die Antwort.

Samstag dann in den Arkaden am Potsdamer Platz noch eine Ausstellung zu “25 Jahre nach dem Mauerfall” gesehen und etwas für den kulturellen Anspruch getan. Die Geschichte(!) einem Siebenjährigen zu erklären ist ansich schon nicht so leicht, vor Ort und mithilfe solche einer Ausstellung fällt es dann schon etwas leichter, auch wenn da sicher noch einiges zu klären sein wird in den nächsten Jahren.
Was ihm aber hier schon auffiel: “Papa, wo sind denn die Wolfsburger?
Ja, die nominelle Überzahl der Dortmunder ließ sich nicht wegdiskutieren, dürfte aber auch niemanden überraschen und wäre wahrscheinlich bei einem (völlig fiktiven) Pokalfinale gegen den FC St.Pauli kaum anders ausgefallen.

Und eben in jenen Arkaden klopfte dann auch das Schicksal erstmals kurz bei uns an:

Liebe Leser, merkt Euch dies. Ich komme später drauf zurück.

Titel 1: FC Internationale – Tennis Borussia Berlin

Zunächst aber ging es dann zum ersten Live-Spiel des Wochenendes um 13.00h, zur Monumentenstraße, wo der FC Internationale von 1980 den Aufstiegsaspiranten TeBe zum Heimspiel in der Berlin-Liga empfing. Bestes Wetter, günstiger Eintritt und die wohl schönste Eintrittskarte die ich seit langem bekommen habe, inkl. kostenlosem Programmheft:

Eintrittskarte und Programmheft

Die Ausgangslage war klar: FC International wollte an diesem vorletzten Spieltag als Aufsteiger die letzten Punkte für den Klassenerhalt einfahren, TeBe hingegen mit einem Sieg die Meisterschaft und den Aufstieg in die Oberliga klar machen. Da es gleichzeitig an diesem Tag das einzige Spiel in Berlin von der 6.Liga an aufwärts war, sammelte sich hier natürlich auch einiges an Fußballfans, die aufgrund des Pokalfinals in der Stadt waren – so wie wir ja auch.

Trotzdem: Eintrittskarten mit “Refugees Welcome” und “No Racism”-Aufdruck, “No Racism” auch statt eines Trikotsponsors – den FC Internationale dürft Ihr gerne mal besuchen, wenn Ihr in Berlin seid, grundsympathischer Klub. An diesem Tag waren die Sympathien auf den Rängen aber ebenso eindeutig verteilt, Lila-Weiß war optisch und akustisch das einzig wahrnehmbare. Auch auf dem Platz war es ähnlich, am Ende stand ein ungefährdeter 3:0 Auswärtssieg und damit verbunden eben die Rückkehr von TeBe in die 5.Liga.
Dicken Glückwunsch, auch an die Fanzine-Kollegen der Lila Laune, auch wenn die inzwischen noch seltener erscheinen als der ÜS…
Der Rest war Titel Nr.1, Platzsturm und feiern mit der Mannschaft.

Meisterfoto mit Fans

Der FC Internationale braucht nun (wenn ich denn die Abstiegsregelung richtig interpretiere und drei Vereine absteigen) noch einen Punkt kommenden Sonntag gegen Tasmania, um ganz sicher drin zu bleiben. Viel Glück!

 Titel 2: VfL Wolfsburg – Borussia Dortmund

Dann vorsichtig ab zum Olympiastadion. Auch hier, die S-Bahn komplett in Schwarz-Gelb. Rund ums Stadion tatsächlich sogar ein-zwei bekannte Nasen von der Millerntor-Schwarzmarkt-Gang, unfassbar.
Der Stadionvorplatz ist inzwischen auch komplett eventisiert. Alles gratis, mit Kind eine wahre Entertainment-Schlacht – als normaler Fan einer beteiligten Mannschaft wäre ich hier wohl eher mit gesenktem Blick schnell dran vorbeigegangen. So aber haben wir zwei jetzt ein Foto mit dem Pokal, auch schön.

Im Stadion dann das zu erwartende Bild: Drei Viertel in Schwarz-Gelb, immerhin ohne Farbtupfer in der Wolfsburg-Kurve.
Zeit, die Sympathien zu klären. Natürlich waren wir es dem Ticket-Organisator schuldig, nach außen für den VfL Wolfsburg zu sein. Junior war das ohnehin eher egal, mit sieben Jahren ist der FCSP auf der einen Seite des Olymps und der hsv auf der anderen, bei allem dazwischen kann er die Fahne noch bequem in den Wind hängen. Bei mir ist der BVB durch jahrelanges Versagen gegen den hsv in Ungnade gefallen, Wolfsburg ist aber nun auch nicht grade das, was man als sozialromantischer Fußballfan einen Sympathieträger nennt.
Da passte es aber ganz gut, dass mir eine Kollegin (ihres Zeichens Wolfsburg-Fan) vor ein paar Wochen nur Gutes über Kevin de Bruyne berichtet hatte, u.a. seine Aktion für die Special Olympics und Menschen mit Down-Syndrom. Den Rest schafft dann zunächst Twitter, mit zahllosen schlechten Witzen über das (nicht zu leugnende) Zahlenverhältnis beider Vereine in Berlin und schlußendlich: Norbert Dickel.
Das ist auch so ein Typ, den findet man nur dann großartig, wenn er beim eigenen Verein ist. Fußball-Asi durch und durch, das meine ich nicht mal negativ… aber wenn er eben bei einem anderen Verein ist, empfindet man ihn als nervig und störend, an diesem Abend eben auch noch mit einer unglaublichen Arroganz gesegnet.
Motto seines Monologs am Mikro: “Wenn wir hier nur laut genug singen, gibt’s morgen die Busfahrt für Kloppo! Und wir singen ja eh lauter, weil wir sind die geilsten!
Ich nehme ihm sogar ab, dass er das selbst so sieht… auf Außenstehende aber eben wirkt es zumindest befremdlich. Dazu dann der Hype um Klopp, der darin gipfelte das die Vornamen der Spieler bei der Mannschaftsaufstellung einmal aufgerufen wurden, der Trainer aber dreimal in die Kurve gebrüllt wurde.

Wie gesagt, wäre ich BVB – Fan, hätte ich das wahrscheinlich alles ganz klasse gefunden. Bin ich aber nicht, so erleichterte es mir die Entscheidung, mit Junior für einen Abend die Fahne in den Wind zu hängen und Wolfsburg anzufeuern. Bei Wolfsburg hingegen ruft der Stadionsprecher bei der Aufstellung wie selbstverständlich die Nummer 10 der Herzen auf, Krzystof Nowak, auch eine schöne Geste.

Zum Spiel verweise ich wie immer auf einschlägige Fachmagazine, ich beschränke mich aufs Drumherum.

Der BVB begann mit ordentlich Nebel und Rauch, sah imposant aus.
Wolfsburg hatte eine Fahnenchoreo vorbereitet, Fotos von beiden Aktionen gibt es auf den einschlägigen Portalen.

Dann kam die 19.Minute, die in Wolfsburg seit der Rückrunde immer mit dem “Junior Malanda!”-Song zelebriert wird. Da die 10 ja nun schon auf ewig an Nowak vergeben ist, wollte man wohl nicht noch eine symbolische Rückennummer erzeugen. Stattdessen gibt es nun eben die Riesenschwenkfahne mit Malandas Konterfei, die größtenteils ruht, aber eben zu jener 19.Minute geschwenkt wird, bei jedem Spiel, woraufhin der Gesang einsetzt. Gefiel mir sehr, wirkte auch sehr natürlich und nicht irgendwie aufgesetzt.

Die Stimmung sonst im Stadion war “okay”.  Sobald der Bereich des BVB sich einig war, war es natürlich beeindruckend laut, in Hälfte zwei habe ich aber ihre Kurve beispielsweise nur noch einmal hören können, sicherlich dem Ergebnis geschuldet.

Wolfsburg hatte im Unterrang mehrere Leute mit Megaphon postiert, die das alles auch sehr gut koordinierten aber auch immer mal Gesänge übernahmen, wenn sie aus dem Oberrang kamen. Keine Ahnung wie es am TV rüber kam, aber zumindest im Block selbst war permanent was los, sicherlich ab dem 3:1 dann auch schon im Gefühl des nahenden Sieges, aber eben auch vorher schon.

Irgendwann war das Spiel dann rum, die Feierlichkeiten konnten beginnen. Die BVB-Kurve war noch überraschend lange gut gefüllt, sicherlich dem Klopp-Abschied geschuldet. Und bei Wolfsburg? Nun ja, schwer als Außenstehender zu beurteilen. Die ganz große Ekstase sieht sicher anders aus, vorsichtig formuliert.
Aber vielleicht habe ich da auch zuviel erwartet, Junior hat es zumindest sehr gefallen.

In der Bahn dann viele Dortmunder, der absolut überwiegende Großteil absolut entspannt und die Niederlage tapfer ertragend. Ein etwas angetrunkener junger Herr meinte dann aber, sich ausgerechnet an einem Siebenjährigen abarbeiten zu müssen und ihn ständig mit “Na, Volkswagen? Feier doch mal, hä?” vollsabbeln zu müssen.
Größe zeigt sich halt auch in der Niederlage, war aber wie erwähnt absolut die Ausnahme.
Immerhin stellte sich im Gespräch mit seinem Kumpel dann noch heraus, dass er >400€ für die Eintrittskarte bezahlt hatte.
Kleine Sünden bestraft der liebe Gott offensichtlich manchmal sogar schon vorab.

Am nächsten Morgen ging es dann per Zug zurück, und am Bahnhof trafen wir… tatsächlich, Roy Präger! (siehe Tweet ganz oben)

Bescheuerte Geschichten, die so wohl nur der Fußball schreibt, oder so.

Tatsächlich fuhr auf dem Gleis neben unserem dann noch der Sonderzug der Wolfsburger ab (ICE, inkl. Mannschaft, dafür ohne versüfften Partywagen…), was Junior die Chance gab, zum Einen ein Foto mit Kevin de Bruyne zu ergattern, zum Anderen aber auch eins mit Vierinha und dem Original-Pokal!
Der alte Fanboy… aber das Familienalbum freut sich. Jetzt muss nur Ralle mit der 2.Liga-Felge nochmal vorbeischauen.

Titel 3: FCSP U19 – hsv U19, Pokalfinale

Zurück in Hamburg sollte das Wochenende dann auch standesgemäß beendet werden und so ging es noch schnell nach Jenfeld, wo auf dem Gelände des HFV die Pokalfinals der Jugendmannschaften ausgetragen werden.

Im U19-Bereich hat dies (neben feuchten Händedrücken und Urkunden) den angenehmen Nebeneffekt, dass der Sieger sich für den U19-DFB-Pokal der Folgesaison qualifiziert, wo der FCSP diese Saison ja nur knapp im Viertelfinale am späteren Pokalsieger Hertha gescheitert war.

Nach dem Abschneiden in der U19-Bundesliga galt Braun-Weiß wohl als leichter Favorit und ging dann am Ende auch als verdienter 3:1-Sieger vom Platz. Zwei Treffer durch Gillian Jurcher in seinem letzten Spiel für uns, bevor er jetzt (warum auch immer) zum Nachbarn wechselt, ein Tor durch Nico Empen, der als Torschützenkönig der Nord-Bundesliga nun vor seinem ersten Jahr im Herrenbereich steht und dem (nicht nur) ich dabei natürlich alles Gute wünsche.

Damit ist der DFB-Pokal für unsere Jungs also erreicht, in der 1.Runde soll es wohl zuhause gegen den Sieger aus dem Saarland gehen.

Dann waren wir irgendwann zuhause, freuten uns über ein tolles Wochenende mit drei Titeln und waren in gespannter Erwartung, was der Fußballgott wohl in der Relegation noch mit uns vorhaben würde.
Offensichtlich hat er den ganz großen Plan wohl erstmal auf 2016 verschoben, Junior und ich bleiben dran. // Frodo

Veröffentlicht unter Spielberichte | Verschlagwortet mit , , , , , | 1 Kommentar

34.Spieltag (A) – SV Darmstadt 98

SV Darmstadt 98 – FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Tobia Kempe (71.)
Zuschauer: 16.150 (ca. 2.000 St.Paulianer)

Wisst Ihr, was das besondere an den Saison 1979/80 – 1983/84 war?
Richtig, es war das letzte Mal, dass der FCSP einer Spielklasse mehr als vier Jahre in Folge angehörte. Mit dem gestrigen Klassenerhalt vom Sonntag ist dies aktuell für die 2.Liga auch wieder der Fall, fünf Jahre in Folge. Sollten wir dann auch 2016/2017 noch Zweitligist sein, so wäre dies (sechs Jahre oder mehr in Folge) sogar erstmals seit den elf Jahren in der damaligen Regionalliga Nord (2.Liga) von 1963 – 1974 der Fall.
Serien sind eben dazu da, gebrochen zu werden.
Wie ich drauf komme? Der @TeddyTria hat dies (neben vielen anderen Dingen) im Saisonverlauf immer wieder als ein stichhaltiges Argument für den Abstieg angeführt. Ebenso haltlos, wie ich mich immer wieder bemüht habe, positive Statistiken für den umgekehrten Fall, den Klassenerhalt, herbeizuzerren.
Am Ende gilt halt: Entscheidend ist auf dem Platz, und wir sind sicher beide froh, dass dieses Mal ich Recht behielt, war in den letzten Jahren auch schon oft genug andersrum.

Und auch, wenn man jetzt einfach mal glücklich sein und nach vorne schauen sollte: Ein Rückblick muss erlaubt sein.
Freitag, 20.März, 20.15h. Es läuft die 88.Minute des 26.Spieltags, es steht 0:0 an der Alten Försterei. Angesichts der Tabellensituation könnte ein Punkt für den FCSP zwar zuwenig sein, aber bei der bisherigen Auswärtsbilanz wäre der Punkt immerhin ein Achtungserfolg und ein Zeichen im Abstiegskampf.
Und dann: Sein Auftritt: Pauli, bekannt aus der Sendung mit der Maus. Der Maulwurf, sonst auch gerne vom ungeliebten Hamburger Boulevard als Kosenamen für unseren Verein benutzt, wahlweise in der eigenen Fanszene oftmals als abfälliger Begriff für Modefans, buddelte sich auf Höhe des Sechzehners vor der Gästekurve an die frische Luft, guckte sich fröhlich um und sah einen Ball auf sich zukommen, den Sören Gonther zu Robin Himmelmann zurückgespielt hatte und dieser ihn sich nochmal vorlegte. Pauli duckte sich weg, aber sein Hügel war noch da. Der Ball hoppelte, “Skyman” schlug ein Luftloch, Sebastian Polter erzielte das 1:0 für Union.
Der FCSP jetzt Tabellenletzter, vier Punkte Rückstand auf Platz 15. Von den verbleibenden acht Spielen tritt man sechs Mal gegen Teams an, die zu jenem Zeitpunkt noch aufsteigen wollen, u.a. Lautern, Darmstadt und den KSC, alle drei Spiele auswärts.
Wetten auf den direkten Klassenerhalt hätten wohl selbst kühne Optimisten wie ich nicht mehr abgeschlossen, den Relegationsplatz jeder mit Kusshand genommen.

Seit Sonntag wissen wir: Es sollte anders kommen.
Puuuuuh…

Die Anspannung war groß, Tickets für Sonderzug und den Gästeblock waren unfassbar begehrt und rar, ich selbst wurde am Sonntag um 4.45h dann sogar eine Viertelstunde vor dem Wecker wach.

Im Zug dann alles verhältnismäßig entspannt, auch wenn die Diskussionen natürlich in so ziemlich allen Abteilen nur um die diversen Konstellationen gingen.
Grundtenor, zumindest in den Diskussionen an denen ich teilnahm: Direkter Abstieg passiert nicht, Relegation ist möglich aber die Tendenz ging meist zum direkten Klassenerhalt. Wenn auch, zugegeben, selten einhergehend mit einer Niederlage, sondern zumeist mit einem Punktgewinn oder sogar einem Auswärtssieg.

In den beiden Partywagen (musikalisch unterteilt in 1x USP-Gewummse und 1x Trash/Sonstwas) herrschte auf der Hinfahrt auch noch vorsichtige Zurückhaltung.

In Darmstadt pünktlich angekommen empfing uns die Polizei. Und das “empfangen” ist dann wörtlich gemeint, denn da stand auf dem Platz ein Lautsprecherwagen, aus dem Hells Bells erklang und einem freundlich die Besonderheit des Tages, auch für Darmstadt, erklärt wurde und man überaus freundlich Willkommen geheißen wurde.
Ähm… ja, ich hab mal auf einer Podiumsdiskussion gesagt, dass ich mich freuen würde, wenn man als Fanszene gelassener auf die Polizei als solche reagieren würde, nicht immer gleich aggressiv, und dass ich mir Umgekehrtes natürlich erst recht von der Polizei erhoffen würde. Das Auftreten als solches der Darmstädter Polizei war also sicher angenehmer als ein “Helme auf, Anstarren, Filmen, in die Busse drängen“, aber irgendwie dann doch schon fast wieder too much.
Fußballfans, ey, denen kann man es auch echt nicht recht machen, ich weiß.

In den Bussen ging dann wegen Dummheit und zu viel Alkoholkonsum eine Scheibe zu Bruch und ich befürchtete Schlimmes, aber immerhin hielt sich auch hier die Polizei angenehm zurück, obwohl es sogar St.Paulianer gab, die sich der Polizei als Zeuge bereitwillig anboten. Manche Dinge… naja.

Am Stadion gab es dann den “Biergarten Lichtwiesn“, der extra für die Gästefans früher öffnete und so wohl einen Rekordumsatz verzeichnete, wohlgemerkt mit absolut fairen Preisen. Das dürfte sich dann in der Bundesliga schnell herumsprechen, allerdings haben die aktuell Samstags eigentlich geschlossen. Immerhin da haben wir uns dann offensichtlich auch ausnahmslos gut benommen:

Liebe St. Pauli-Fans, am letzten Sonntag waren viele von euch zu Gast in unserem Biergarten direkt am Stadion. Eure…

Posted by Studentenwerk Darmstadt on Dienstag, 26. Mai 2015

Hinein ins Stadion, um mich rum lauter “Hach, herrlich, so ein echtes Stadion. Wie früher!
Ja, schon richtig. War sicherlich hilfreich, dass wir Ende Mai hier spielten und nicht Mitte Februar im Schneesturm, sonst wäre die Begeisterung vielleicht verhaltener ausgefallen.
Aber: Natürlich, schickes Ding, das Böllenfalltor. Und bei dem Gedanken wer hier nächste Saison alles her will und sich um die knapp 1.700 Gästetickets prügeln darf, um dann auf eine Schotterlaufbahn zu gucken und mangels Dach bei noch so viel Lärm nicht wirklich gehört zu werden, musste ich schon lächeln.
Charme, wie am alten Millerntor. Aber ich werde alt, ich werde mich spätestens im Oktober dann doch wieder über unsere Überdachung freuen.

Zum Spiel muss ich nichts schreiben, zumindest die Highlights dürfte jeder gesehen haben. Die Gefühlswelten im Gästeblock hingegen… schon sehr speziell. Neben mir die Aufsichtsratschefin, hinter mir ein Aufsichtsrat – ich war als ruhender Pol mit einem gerüttelt Maß an Grundoptimismus sehr gefragt.
Aber als dann nach einigen Minuten Düsseldorf und Karlsruhe führten und ich ein fröhliches: “Na, dann können wir ja jetzt abschenken!” in die Runde schmiss, war das auch wieder nicht richtig.
Und die letzten Minuten, nachdem Männel zum 2:2 für Aue getroffen hatte… nun ja, Tiefenentspannung suchte man auf den Traversen des Böllenfalltors im Gästeblock da vergeblich, selbst ich transpirierte ganz leicht, Temperaturunabhängig.
Aber dann: Abpfiff bei uns, Abpfiff in Heidenheim (- Aue) und in Karlsruhe (- 1860) und endlich befreiter Jubel. Das Ende einer ganz schlimmen Saison, aus der man zwar mit einem blauen Auge, aber dann eben doch gestärkt hervorgehen kann, hoffentlich zumindest.

Der Verein hat heute im Vereins-TV die letzten Minuten auf der Bank veröffentlicht, die geben die Stimmung dort wohl auch ganz gut wieder, inkl. einem panischen “Aue führt, wir müssen ein Tor machen!“:

Der Sturm auf den Rasen war mir suspekt, “feiern” wollte ich in dem Sinne eigentlich nicht, auf Verbrüderungsszenen mit Fans anderer Vereine stehe ich auch nicht so, aber zugegebenermaßen gehören die Darmstädter ja schon zu den sympathischeren Fanszenen hierzulande. Muss und darf ja zum Glück auch jeder selbst entscheiden.
Als dann irgendwann unsere Spieler und das Team drumrum doch noch den Weg in die Kurve antreten konnten, zog es mich auch auf den Rasen, und wen man in diesen Minuten dann alles erleichtert umarmen konnte kann ich jetzt hier gar nicht mehr aufzählen. Zumindest bei einem fast nackten Jan-Philipp Kalla machte ich noch Halt und bedankte mich für sein gehaltenes Tor-Versprechen in Kaiserslautern, auch ihm war die Erleichterung deutlich anzusehen.

Zurück zum Bahnhof, ab in den Sonderzug und irgendwann auch in den Partywagen. Klar ist: Sollte die Playlist irgendwann veröffentlicht werden, können wir uns den Ruf eines Punkrock-Vereins mal ganz getrost abschminken.
Aber “hsv, Du bist meine Frau!” traf eben das Humorzentrum und spätestens bei L.A.K. konnte man den laut mitgröhlenden Reisenden die Erleichterung im Gesicht ablesen.
Und das trifft es wohl am Besten: Erleichterung.
Die Grenzen zu “Paaaaaaaadie!” sind sicherlich fließend, aber zumindest für mich stand in diesen Stunden der Rückfahrt im Vordergrund, einer ziemlichen Katastrophe für den Verein gerade noch mal entgangen zu sein. Die Gesichter der mitfahrenden Aufsichtsrats- und Präsidiums-Mitglieder erzählten ähnliches.
U23-Abstieg, TV-Millionen, Arbeitsplätze – Ihr kennt das.

Gegen 02.00h war der Sonderzug dann auch wieder in Altona angekommen, auf das Knust hatte ich da dann doch keine Lust mehr, es wäre wohl auch eh kaum noch jemand da gewesen.
Partywagen ausgeladen, ab nach Hause, Pfingstmontag noch das Hamburger Pokalfinale mitgenommen, fertig.

Was bleibt?
Danke!

Danke, Präsidium, Sportchef, Trainerteam.
Ich hab keine Ahnung, ob Ewald ein guter Trainer ist und Ahnung von Taktik und so weiter hat. Ich hab selbst überhaupt keine Ahnung davon, insofern glaube ich das jetzt einfach mal.
Ist aber auch völlig egal, denn neben der durch Ewald neu gewonnenen Sicherheit in der Defensive hat er es vor allem geschafft, dieser Mannschaft den Glaube zurückzugeben. Als Du, Ewald, vor Deinem ersten Heimspiel die Fans eingeschworen hast, in dem Du vor den Tribünen auf und abgelaufen bist und sie angeschrien hast, schrieb ein Bielefelder Fan auf Twitter: “Jaja, hat er bei uns beim ersten Spiel auch gemacht.
Hier hast Du weitergemacht, Du hast es bei jedem Spiel gemacht, Heim wie Auswärts. Du hast, ob nötig oder nicht, den Fans das Gefühl vermittelt, wichtig zu sein und Einfluss auf das Spielgeschehen zu haben. Hat uns geholfen, hat vielleicht auch der Mannschaft geholfen. Hat jedenfalls geklappt.
Und wenn man sich an jene Tage im Dezember zurückerinnert, wo das neue Präsidium mit dem neuen Aufsichtsrat jene sehr gewagte Personalrochade durchführte, so kann man jetzt eben rückblickend sagen: Wow, Monstermove, alles richtig gemacht.

Danke, Fanladen St.Pauli.
Danke für einen Sonderzug und sowieso die immerwährende Arbeit, die Ihr während der Saison leistet. Ich bin mir sicher, dass es ohne Euch nicht denkbar wäre, dass der Verein so aufgestellt ist, wie er es aktuell ist.
Die Aufsichtsratsvorsitzende organisiert (mit) den Partywagen und steht selbst hinterm Tresen, gleiches gilt für ein weiteres Mitglied des Aufsichtsrats. Das Präsidium fragt schon vorab mal an, ob denn Mitglieder der Mannschaft gegebenenfalls mit dem Sonderzug zurück fahren können und hoppst dann selbst fröhlich durch den Partywagen, gleiches gilt für Sportchef und Trainer.
Ehemalige Spieler wie Benedikt Pliquett stehen einfach so im Gästeblock und sagen auf Nachfrage, dass es ja wohl auch gar keine andere Möglichkeit gegeben hätte, als dabei zu sein. Dies tun sie dann aber eben nicht öffentlichkeitswirksam mit dem Kamerateam von sky, sondern einfach so. Weil sie es wollen, weil sie Bock drauf haben.
Und all das, weil St.Pauli eben die einzige Möglichkeit ist. Und der Fanladen ist das Herz des FC St.Pauli, auch und gerade im 25.Jahr seines Bestehens.

Danke, Mannschaft?
Nun ja… so weit will ich eigentlich nicht gehen, es bleibt eine ziemliche Scheißsaison, weit unter den Möglichkeiten mit teils unterirdischen Leistungen.
13 Punkte nach der Hinrunde. Dreizehn!!!
Allerdings gab es eben auch viele Gründe dafür, neben einer “nicht optimalen” Vorbereitung auch viel Verletzungspech. Und zumindest die Rückrunde habt Ihr Euch zerrissen und den Karren nochmal aus dem Dreck gerissen. Also: Danke dafür, zumindest.

Ein Thema welches dann nach dem Spiel hochkochte:
Sebastian Schachten hat noch keinen neuen Vertrag. So weit, so Fakt, nichts Neues.
Neu war nun ein Zitat, welches insbesondere im Boulevard natürlich gleich wieder hochgejazzt wurde. Kann man machen. Muss man im Boulevard vielleicht sogar.
Und dann kann man sich das als Fanszene aber auch mal entspannt anschauen ohne gleich die ganz schweren Geschütze aufzufahren und gleich wieder den Untergang aller St.Paulianischen Werte an die Wand zu malen.
Eine etwas ausführlichere Betrachtung dessen kann man bei stpauli.nu nachlesen, auch der Artikel heute im Abendblatt klingt schon wieder sehr viel sachlicher und lässt noch alle Möglichkeiten offen.
Klare Ansage: Ich würde mich sehr freuen, wenn Schachter bleibt. Allerdings ist der Klassenerhalt nun auch erst seit drei Tagen fix und ich bin guter Dinge, dass man sich jetzt nochmal in Ruhe zusammensetzen wird. Solange auf der Vereinshomepage der Abgang noch nicht vermeldet wurde, ist eben auch noch nichts fix. Und auf Boulevard-Spielereien habe ich auch keine Lust.

Feierei im Knust:
Im Abendblatt-Blog wurde von den Feierlichkeiten im Knust berichtet. “Tschauner, Du Zigeuner!” soll da lachend von der Mannschaft angestimmt worden sein. Ähnliches hatte sich die Darmstädter Mannschaft bei den Aufstiegsfeierlichkeiten geleistet.
Im Forum meldete sich aber zumindest ein User zu Wort, der das alles etwas anders darstellte, demnach sei es nur ein Spieler gewesen und der wäre (neben der erwähnten Reaktion der Fans) auch von Mitspielern schnell darauf hingewiesen worden, dass das weder witzig noch sonst irgendwie passend sei und soll dies dann auch sofort eingesehen haben.
Und der danach angeführte Vorfall mit Alushi sei auch völlig anders gewesen, von Bepöbeln der Mitspieler könne keine Rede sein.

Muss man generell überhaupt einen Klassenerhalt in der 2.Liga so feiern? Hätten die Spieler sich nicht lieber alle in den Sonderzug begeben sollen?
Ja, in einer perfekten Welt wäre das so. Die haben wir aber nicht, auch nicht beim FCSP, und dann feier ich lieber nur mit den Spielern, die das dann auch freiwillig und gerne tun, passt schon.

Wie geht es weiter?
Erst mal durchatmen, auch hier im Blog.
Am 10.Juni ist die Auslosung der 1.Runde im DFB-Pokal, wir werden Anfang August ein Heimspiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten haben.
Auftakt zur 2.Liga ist bereits am Wochenende um den 25.Juli, womit die 2.Liga wieder zwei Spieltage “exklusiv”, ohne die erste Liga hat. Nun denn.

Schöne Sommerpause! // Frodo

Links:
– MillernTon-Podcast Vor und Nach dem Spiel im Gespräch mit Boelle.org
– Bilder Aux Armes (auf Flickr)
– Bilder (und Bericht) Stefan Groenveld: “Verloren und doch gewonnen
– Bilder (und Bericht) Stefan Groenveld: “The Sonderzug Files
– Bilder USP
– Bericht FCSP South End Scum: “Matchday 34” (English)
– Bericht pathos93: “Erleichterung und Mahnung
– Bericht MagischerFC: “[Gastbeitrag] Der alte Mann und der Klassenerhalt
– Bericht Patrick Gensing: “Gekommen um zu bleiben…
– Bericht Fangirl1910: “Es ist geschafft
– Bericht BreitSeite: “Eine Überschrift gibt immer eine Richtung vor…
– Bericht Couchgepöbel: “Von Aufstiegen, Nichtabstiegen und…
– Bericht BLOCKNACHBARN: “Geschafft!
– Bericht KleinerTod: “In Darmstadt verloren, doch die Klasse gehalten…
– Bericht Hamburg ist Braun-Weiß: “Verloren und trotzdem gerettet…
– Video: Sören Gonther zum Klassenerhalt
– Video: Philipp Tschauner zum Klassenerhalt und zum Abschied
– Video: Robin Himmelmann zum Klassenerhalt

Veröffentlicht unter Spielberichte | Verschlagwortet mit , , , , , , , , | 2 Kommentare

NdS – Sp34 – SV Darmstadt 98

Everything will be okay in the end. If it’s not okay, it’s not the end.

Der FC St. Pauli hält trotz des 0-1 in Darmstadt die Klasse und wird auch in der nächsten Saison am Spielbetrieb der Zweiten Bundesliga teilnehmen. Thomas von boelle.org darf mit seinen Lilien in die Bundesliga aufsteigen. Und Fettes Brot setzt Trainer Ewald Lienen ein musikalisches Denkmal. Viel Spaß beim Anhören!

Viel Glück in der Bundesliga, Thomas! // Michael

– Übersicht MillernTon-Folgen
– Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

Feed-Links zum Abonnieren:
MP3: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp3/
MP4: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp4/
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/millernton/id676972164 (Bei iTunes freuen wir uns auch sehr über Eure Bewertung.)

MillernTon auf Twitter
MillernTon auf Facebook

Verschlagwortet mit , , , , , , , | Hinterlasse einen Kommentar

VdS – Sp34 – SV Darmstadt 98

Thomas von boelle.org will unbedingt mit Darmstadt 98 aufsteigen, damit sich der Verein sanieren kann. Ich will unbedingt mit dem FC St. Pauli nicht absteigen. Beste Vorraussetzungen für ein flottes Gespräch vor dem letzten Spieltag der Saison. Viel Spaß beim Anhören!

Bis nächste Woche, Thomas! // Michael

– Übersicht MillernTon-Folgen
– Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

Feed-Links zum Abonnieren:
MP3: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp3/
MP4: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp4/
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/millernton/id676972164 (Bei iTunes freuen wir uns auch sehr über Eure Bewertung.)

MillernTon auf Twitter
MillernTon auf Facebook

Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

NdS – Sp33 – VfL Bochum

Hach, was war das schön am Sonntag. Mit 5-1 im letzten Heimspiel der Saison den VfL Bochum niedergerungen. Und andererseits so verstörend. Noch immer sind wir nicht gerettet und der Ligaverbleib steht nach wie vor in den Sternen. Alle da unten wollen irgendwie drin bleiben – was verständlich ist. Nun müssen wir am Sonntag zum bärenstarken Aufsteiger nach Darmstadt, der immerhin noch direkt in die Bundesliga aufsteigen will und auch kann. Supportet, drückt die Daumen, dann schaffen wir das! Nach den letzten Spielen wäre ein direkter Abstieg oder die Relegation eine große Enttäuschung. Heute sprach ich wieder mit Marcel vom VfL Bochum. Viel Spaß beim Anhören!

Danke für deine Zeit und bis nächste Saison, Marcel! // Michael

– Übersicht MillernTon-Folgen
– Übersicht bisherige VdS/NdS – Gespräche

Feed-Links zum Abonnieren:
MP3: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp3/
MP4: http://blog.uebersteiger.de/feed/mp4/
iTunes: https://itunes.apple.com/de/podcast/millernton/id676972164 (Bei iTunes freuen wir uns auch sehr über Eure Bewertung.)

MillernTon auf Twitter
MillernTon auf Facebook

Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

33.Spieltag (H) – VfL Bochum

FC St.Pauli – VfL Bochum 5:1 (2:1)
Tore: 0:1 Michael Gregoritsch (4.), 1:1 Lennart Thy (34.), 2:1 Marcel Halstenberg (45. +1), 3:1 Christopher Buchtmann (49.), 4:1 Lennart Thy (52.), 5:1 Waldemar Sobota (83.)
Zuschauer: 23.584 (ca. 2.000 Gästefans)

Die Tabelle nach dem 30.Spieltag, an welchem wir bekanntlich in Heidenheim verloren hatten:

2.Liga-Tabelle nach dem 30.Spieltag - kicker.de

2.Liga-Tabelle nach dem 30.Spieltag – kicker.de

(Achtung: Der Punktabzug für Aalen (2) ist schon drin, der für Sandhausen (3) noch nicht.)

Und da gab es dann diesen Tweet, der für Belustigung sorgte:

Und nun? Wir haben die prophezeiten neun Punkte sogar schon nach den ersten drei Spielen, das Spiel in Darmstadt steht noch aus… und wir stehen gerade mal einen kümmerlichen Punkt über der Relegation, sogar nur zwei über dem direkten Abstiegsplatz.

Der FSV Frankfurt hat aus seinen acht(!) Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz in nur drei Spielen einen direkten Relegationsplatz gezaubert, St.Pauli hat trotz dreier Siege von Punktgleichheit mit dem Relegationsplatz jetzt lediglich einen Punkt Vorsprung auf diesen.
Die Punktausbeute aus den drei Spielen im Einzelnen:

  • FC St.Pauli: 9
  • Erzgebirge Aue: 7
  • SpVgg Greuther Fürth: 6
  • TSV 1860 München: 6
  • VfL Bochum: 6
  • SV Sandhausen: 4 (abzgl. 3 für Lizenzverstoß)
  • VfR Aalen: 3
  • FSV Frankfurt: 0

Zum Vergleich: Aufsteiger Ingolstadt holte vier Punkte, Darmstadt sechs, der KSC drei und die Region gerade mal einen Punkt.

Heißt auch: Die drei Punkte in Darmstadt werden dringend benötigt, wenn man denn die Relegation unbedingt vermeiden will (in der es nebenbei ja nun definitiv gegen Holstein Kiel gehen würde).
Wenn man „nur“ nicht direkt absteigen will, so ist immerhin noch ein Punkt Pflicht, was bei den aufstiegswilligen Darmstädtern ja nun auch noch lange nicht garantiert ist. Aber die Ausgangslage vor dem Spiel in der Region war ähnlich, das Ergebnis ist bekannt. Und Jan-Philipp Kalla schuldet dem MillernTon bekanntlich noch zwei Tore, eines davon per Fallrückzieher. Läuft bei uns…

Der Sonntag begann mit ÜBERSTEIGER-Verkauf. Ich hatte am Tag zuvor bereits meinen „Oh… Mist!“-Moment in Verbindung mit dem Heft, als Junior (7) mit seinem besten Kumpel spielte, dessen Mutter ihn dann abholte und Junior im Verabschieden zum Heft griff und ihm stolz: „Guck mal: Fick Dich, 3.Liga!“ vorlas.
Ähm… ja, bedröppeltes Schweigen, höfliches Weglächeln, Schulterzucken und „Jaha, Fußball und so… Tschühüs, bis nächste Woche!“. Und ein kurzes Vater/Sohn-Gespräch über günstige und weniger günstige Zeitpunkte für Vorlesen von Fußballmagazinen sowie eine Notiz an mich selbst, dass die Zeit doch ganz schön war, als er noch nicht lesen konnte.
Doch das war ja noch nichts im Vergleich zum Verkaufstag. Ein siebenjähriger, der fröhlich lächelnd ein „Fick Dich, 3.Liga!“-Cover zum Verkauf anbietet scheint ein unwiderstehliches Fotoobjekt zu sein. Hatte ich so vorher auch nicht bedacht. Da sieht man mal, in was für Situationen einen diese spielerischen Darbietungen unserer Jungs in dieser Saison gebracht haben… okayokay, ich gebe zu, es scheint auch potentiell dramatischere Folgen zu geben.
Ansonsten lief der Verkauf des Heftes dank eines größtenteils regenfreien Tages recht gut. Und dann war da noch der Herr, der mich mit „Scheiß Cover, hätte ich ja sonst gern gekauft.“ begrüßte. Nun ja, trotzdem ausverkauft.

Vor dem Spiel dann auch noch die üblichen Klönschnacks, unter anderem mit unserem ehemaligen Aufsichtsratsvorsitzenden:
F: „Und? Läuft?“
AR: „Boah, ich bin so nervös!“
F: „Echt? Nee, ich bin total tiefenentspannt. Ich gebe zu, ich hab nicht wirklich realisiert das wir nach dem Spiel 18.sein könnten, hihi!“
Ja, hihi, sehr witzig… wenn ich da mal schon die Blitztabelle nach zehn Spielminuten gekannt hätte.

Es kam dann noch die Verabschiedung der Spieler die uns verlassen, was insgesamt recht verhalten ablief. Lag zum Einen sicher daran, dass der Verein darauf verzichtet hatte vorher auf die zeitliche Planung hinzuweisen, so dass sich viele wohl darauf verlassen hatten, dass es direkt vor dem Anpfiff passieren würde. Dadurch fand das Ganze eine halbe Stunde vor Anpfiff vor halbleeren Rängen statt, sehr schade.

Zum Anderen lag es sicher auch an den zu verabschiedenden Personen:
Mach es gut, Dennis Daube! Einer, den man seit der Jugend verfolgt hat, der immer ein riesiges Talent hatte, der dann aber beim Durchbruch von Verletzungen zurückgeworfen wurde und jetzt den nächsten Schritt machte… um dann den Verein zu verlassen. Kein Abschied im Groll, im Gegenteil, ich wünsche ihm alles erdenklich Gute. Aber Dennis hat sich eben in all den Jahren auch immer sehr zurückgehalten, was die Fanszene anbelangt, war keiner der sich in der Öffentlichkeit nach vorne drängt – da fällt dann so ein Abschied vielleicht auch leiser aus, als es ihm ganz sicher zugestanden hätte. Viel Glück in der Alten Försterei!
Tja, und danach Philipp Tschauner. Wäre er in einer der beiden vorherigen Sommerpausen gewechselt, so wäre der Abschied sicherlich emotionaler geworden. So aber hatte er sportlich den Vergleich mit Robin Himmelmann verloren und der Wechsel nach Hannover erscheint von außen doch irgendwie merkwürdig. „Auf der Bank sitzen können hätte er doch auch bei uns“ mag man sich denken. Inwieweit da gekränkte Eitelkeit oder bessere Verdienstmöglichkeiten reinspielen, wissen nur die Beteiligten, zumindest nach außen hat immerhin keiner schmutzige Wäsche gewaschen und so wird es hoffentlich auch bleiben. Mach es gut, Tschauni, alles Gute auch für Dich! Das Foto von Dir und Junior beim Training wird ewig einer meiner Desktophintergründe bleiben, ebenso wie Grönis Hintertorfoto von jenem Kopfball gegen Paderborn.
Fast hoffe ich ja, dass es Hannover doch noch erwischt. Zum Einen, da das für Dich die Möglichkeit geben könnte, nächste Saison dort die Nr.1 zu sein, zum Anderen, weil es dann für uns eine weitere kurze Auswärtsfahrt gibt und Du auch nächste Saison wieder am Millerntor sein wirst (unseren Klassenerhalt mal vorausgesetzt).

Und dann: Die sportlich wohl erfolgreichste Karriere, die je beim FC St.Pauli endete:

„Wir brauchen keinen Ronaldinho, wir brauchen keinen Becks – wir ham den Florian Kringe, der Fette mit die 6.“

Florian Kringe. Deutscher Meister, Pokalsieger, BVB-Legende – und dann halbleere Ränge und ein Film auf der Videowall während der Regen einsetzt, so dass er ihn nicht mal auf dem Platz zuende schaut um danach im Applaus zu baden. Schade und irgendwie stellvertretend für diese Saison bei ihm, bei der die Hüfte einfach nicht mehr mitmachen wollte. Alles Gute auch Dir, Flo, wo auch immer es Dich jetzt beruflich hinzieht.

Zurück zu „Auffem Platz!“: Da war er plötzlich, der 18.Tabellenrang.
Katastrophenfehlpass von Christopher Buchtmann, Zweikampf bis zur Selbstaufgabe von Sören Gonther… und dann lässt Aytekin Vorteil laufen und Gregoritsch macht das Tor.
Echt, Deniz! Da machste einmal in Deiner Schiedsrichterkarriere was richtig, dann ist es natürlich gegen uns, pfff. Okay, zu seiner Ehrenrettung sei gesagt: An ihm lag es gestern nicht, dass wir… 5:1 gewonnen haben.
(Übrigens in meiner Erinnerung das erste Mal, dass ein Schiedsrichter am Millerntor bereits bei der Namensnennung mit Pfeifkonzert begrüßt wurde. Wer macht denn nur sowas, woher kommt dieser Hass? *hust*)

Und Gregoritsch: Wieder dieses demonstrative Nicht-Jubeln, wie ich sowas hasse. Da lobe ich mir Max Kruse, der bei seinem Assist gegen Werder aber mal alles rausschreit.
(Davon ab: Starker Auftritt vom „Gregerl“ gestern. Hatte ich ihm bei seinem Weggang im letzten Sommer nicht wirklich hinterhergetrauert, so hat er sich in Bochum offensichtlich zu einem guten bis sehr guten Zweitligastürmer entwickelt. Fußballerisch waren die Anlagen sowieso immer da, nun hat es wohl auch im Kopf Klick gemacht. Bin gespannt, wie weit sein Weg jetzt noch gehen wird, da ist sicher immer noch Luft nach oben in der Karriere.)

Also, bange Blicke, leichte Nervosität – und ich immer noch tiefenentspannt. Stubser von der Seite: „Aalen führt!“ – Schulterzucken – „Was bist Du denn so ruhig, verdammt?“ – „Wird schon…“
Herrlich, diese innere Überzeugung. Und eben auch die Gelassenheit, Gegebenheiten notfalls zu akzeptieren, auch wenn sie noch so doof sind, weil man eben weiß das dieser Verein auch in der 3.Liga weiterleben wird und nicht gleich durch einen Abstieg sein einziges Alleinstellungsmerkmal verliert. (Ja, wäre scheiße, wäre schlimm, will keiner… aber wenn es so weit käme, wird es trotzdem weitergehen.)

Aber dann kam es, wie es kommen musste: Freistoß Kalla, Kopfball/Rücken Gedengel Ziereis & Halstenberg, Volley Thy – Tor. TOOR! TOOOOOR! #ThyAmo!
Und weiter, immer weiter – Freistoß Kalla, Kopfballgedengel Sobiech, Verlängerung Thy, Halstenberg – BÄMM!!! Von zehn Versuchen gehen neun auf die nackte Nordkurve, aber dies war eben der Zehnte und der schlug ein. Und mal ehrlich: Auch wenn man noch so in sich ruht und optimistisch ist, so war das natürlich schon ein immenser Befreiungsschlag für das Nervenkostüm. Püschologisch wichtiger Zeitpunkt und so, ihr kennt das von Marcel Reif.
Halbzeit. Sacken lassen. Die restlichen ÜBERSTEIGER verkaufen.

Anpfiff, Buchti… Buchti… BUCHTI… BUCHTIIIIIIIII! 3:1, Deckel druff, wie geil! Erneut wie aus dem kleinen Ein-Mal-Eins des „Gegner zermüben“ abgemalt, bevor die Bochumer es auch nur wagen konnten zurückzuzucken. Ich hatte ja zwischendurch schon befürchtet, er wäre aus dubiosen Umständen bei Ewald in Ungnade gefallen, weil er doch recht lange an die U23 verliehen war und bei seinem Fehlpass zum 0:1 wäre er sicher selbst liebend gerne in ein Erdloch versunken, aber so kommt man dann eben zurück. Und wenn man in so einem Spiel 2:1 führt geht er Ball eben dank einer leichten Abfälschung rein, wenn es in der 91. 0:1 oder 1:1 gestanden hätte wäre er dank einem Zitterfuß vielleicht vorbei gegangen.
So ist Fußball, 1.910,-€ ins Phrasenschwein.

Dann ein Zuckerpass Daube, #ThyAmo Teil 2 und zu guter Letzt durfte auch Sobota noch zeigen, was er kann.

Aber: Schon beim 5:1 war es irgendwie eine verhaltene bis komische Stimmung im Stadion, auch nach dem Abpfiff feierte man eher mit angezogener Handbremse, dank Smartphones war der Sieg der Münchner Löwen eben den meisten schon bekannt. Zwar hatte die Kicker-App lange noch ein 2:2 vorgegaukelt (Nein, keine Diskussion über das Abseits-Tor, sowas passiert), aber wer stattdessen iLiga (oder neuerdings: OneFootball) vertraute, wusste Bescheid. Es war also klar: Wir müssen in Darmstadt noch was holen, selbst ein direkter Abstieg ist weiterhin möglich.
Sowas kann schon mal auf die Stimmung drücken. Auch wenn ich ja weiterhin tiefenentspannt bin…

Für Tschauni und Daube gab es dann zumindest noch eine kleine Extra-Verabschiedung, Held der Nach-Spielzeit war aber sicher die kleine Tochter von John Verhoek, ein echtes Feierbiest.

Tja, und nun ist man im Endeffekt so schlau wie zu zuvor. Alles drin am Sonntag.
Immerhin ist die Reise gesichert, der Sonderzug fährt unabhängig vom Streik bei der Bahn, Zug- und Eintrittskarten sind allerdings heiß begehrt.
Alle hin da, Böllenfalltor rocken, Sommerpause. Oder… naja, erzähl ich dann nächste Woche. // Frodo

Links:
– Fotos Stefan Groenveld “3 Punkte und doch nichts so richtig gewonnen.
– Fotos USP
– Bericht Grenzenlos St.Pauli: “Nichts genaues weiß man nicht.
– Bericht Schunino: “Statistisch gesehen…
– Bericht und Fotos BeebleBlox: “Rettungsring und Strohhalm
– Bericht South End Scum: “Matchday 33” (English)
– Bericht Yorkshire St.Pauli “Eins, zwei, drei, vier… Thümped!” (English)
– Bericht Sitz[blog]ade: “Der Heilige Ewald, Part II
– Bericht und Fotos Kleiner Tod: “Alles gegeben. Ob es reicht…
– Bericht Blocknachbarn: “Am Ende siegt immer König Ewald
– Bericht Hamburg ist Braun-Weiß: “Ein großer Schritt zum Klassenerhalt
– Bericht Fangirl 1910: “Thyamo
– Bericht St.Pauli Streets: “Matchball

Und sonst so:

Die U23 holte im vorletzten Punktspiel der Saison einen 3:0-Erfolg beim VfB Oldenburg, der aber immerhin nach einer durchwachsenen Saison auch nicht mehr absteigen kann. Saisonabschluss (und vorerst letztes Spiel in Norderstedt) ist dann am Freitag Abend um 19.30h gegen den Tabellenfünften, ETSV Weiche Flensburg.
Aktuell stehen unsere Jungs auf Platz 9, Flensburg hat aber auch nur zwei Punkte mehr, da könnte man sich also noch leicht verbessern und auch Meppen, Norderstedt und Lübeck ggf. noch überholen. Alle hin da, die Jungs haben sich das diese Saison echt verdient.
Im Aufstiegsrennen ist es jetzt übrigens ein Zweikampf zwischen Werder und Wolfsburg. Die Bremer spielen Samstag beim BV Cloppenburg, der nur einen Punkt über den Abstiegsplätzen steht, Wolfsburg gastiert in Rehden und hat einen Punkt (und neun Tore) Rückstand. Theoretisch ist auch der hsv noch im Rennen, bei drei Punkten und zehn toren Rückstand (Werder gewann am Wochenende 7:0 gegen den Tabellenletzten FT Braunschweig) ist es aber eben auch nur Theorie. Allerdings spielt der hsv gegen Gsloar, eben jenen Verein der nur einen Punkt Rückstand auf Cloppenburg hat und den ersten Abstiegsplatz belegt.

Die U15 spielt ja in der höchsten Spielklasse (Regionalliga Nord) eine super Saison, musste aber am letzten Wochenende die Tabellenführung nach einem überraschenden 2:5 bei Eintracht Norderstedt an Werder Bremen abgeben.
Bei eben jenen Bremern gelang am Samstag aber nun ein 2:1-Sieg (Tore: Kilian Ludewig und Lukas Krüger), mit dem man zwei Spieltage vor Schluß wieder von der Spitze winkt.
Nächster Spieltag ist am 30.Mai, ausgerechnet das Derby. Unser Nachbar liegt nur fünf Punkte hinter uns auf Platz 3, könnte also spannend werden.
Anstoß ist dann um 14.00h am Brummerskamp.

Nächster Termintipp: Direkt im Anschluss, um 16.00h, findet am 30.Mai ein besonderes Freundschaftsspiel statt: Die 2.Alte Herren des FCSP spielt gegen “Progressive Toumbas“, einem linken, selbstorganisiertem Team aus Griechenland.
Im Juni letzten Jahres gab es in Griechenland das “Hinspiel”, Berichte davon und ein Video findet Ihr hier:
http://www.fcstpauli.com/home/sporttreibende/news/5515
https://fcspsouthendscum.wordpress.com/2014/06/16/super-friendly-proodeftiki-toumbas-4-fc-sankt-pauli-2-alte-herren-1/
https://stpaulithess.wordpress.com/2014/06/16/
http://www.proodeutikitoumpas.gr/news1/836-report-proodeutiki-toumpas-st-pauli-2alte-herren.html
https://www.youtube.com/watch?v=0iKWFkzBqlk&feature=youtu.be

Und noch ein paar Tage länger hin, eine Veranstaltung zur Unterstützung der Roten Flora, die wir hier gerne verlinken:

Die sommerliche Flora Baustelle nehmen wir zum Anlass, am 11.07.15 ab 10:00 auf den Kunstrasenplätzen an der Feldstraße verschiedene Menschen aus unterschiedlichen Projekten zusammen zu bringen und gemeinsam auf einem Platz zum Kicken zu bewegen. Geplant ist ein Kleinfeldturnier mit Teams unterschiedlichster Couleur. Begleitet wird dieses wunderbare sportliche Ereignis durch Mucke vom Band; kühles Bier und feste Nahrung werden ebenso geboten. Abends wird es in den Fanräumen des Millerntorstadions noch die Möglichkeit geben, die geschundenen Beine zu den Klängen von Kein Hass Da, Arrested Denial und Jesus Skins zum Tanzen zu bringen.

Da wir keine Start- oder Teilnehmer_innengebühr nehmen wollen, werden das Turnier und der daraus resultierende Solibeitrag zur Baustelle ausschließlich durch die Getränke und den Essensverkauf finanziert. Kommt also ordentlich durstig und hungrig.

Für Anmeldungen oder Fragen wendet euch gern an folgende Emailadresse:
ffacup@gmx.de oder via facebook unter FloraFootball Alltogether

Wir freuen uns auf einen großartigen Tag mit tollen Menschen!

Flora Football Altogether

Flora Football Altogether

Veröffentlicht unter Spielberichte | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 1 Kommentar

Ohne Liebe keinen Fußball

Unter dem Titel „Fußballromantik – nichts als Nostalgie?“ trafen sich auf der Eröffnungsveranstaltung von Fußball und Liebe, das Festival von 1910 e.V. am Donnerstag hochkarätige Fußballfunktionäre und Fans zu einer Podiumsdiskussion.

Unter der souveränen Leitung von Christoph Nagel (1910 e.V., Viva St. Pauli-Schreiber und Buchautor) war sich das Podium aus Andreas Rettig (scheidender DFL-Geschäftsführer), Axel Hellmann (Finanzvorstand von Eintracht Frankfurt), Sandra Schwedler (FCSP-Aufsichtsratsvorsitzende), Michael Oenning (ehemals Trainer 1. FC Nürnberg und HSV), Stuart Dykes (FC United Manchester) und Wolfgang Niedecken (BAP und bekennender 1.FC Köln-Fan) schnell einig, dass Fußball ohne Romantik keinen Bestand hat. Oder in den Worten von Andreas Rettich, Fußball sei für ihn zu Beginn ein schöner Nachmittag mit Freunden im Stadion seines Lieblingsclubs, Pappbecher, Bratwurst und Bier gewesen. Für Wolfgang Niedecken geisterte Hans Schäfer durch sämtliche Radioberichte über Fußball, egal ob als Torschützenkönig der Oberliga West oder als Nationalspieler. Er war für Klein-Wolfgang wie Tarzan oder Elvis. Daher konnte der spätere Rockstar nur 1. FC Köln-Fan werden, obwohl sein Nachbar der berühmte Präsident von Fortuna Köln Jean Löring war.

Wolfgang Niedecken - (c) Arne Andersen

Wolfgang Niedecken – (c) Arne Andersen

Alle waren sich auch einig, dass eine Liebesbeziehung zu einem anderen Menschen zerbrechen kann, die Liebe zum Lieblingsverein aber ewig hält. Allerdings kann diese Liebe auch Risse bekommen, wie Stuart Dykes ausführte. „Sein“ Manchester United verwandelte unter dem US-amerikanischen Investor Glazer die Fans zu Kunden. Bier und Fahnen waren nicht mehr erlaubt, Sitzplätze Pflicht, die Dauerkarte wurde für den normalen Fan fast unerschwinglich.
Das Durchschnittsalter der Dauerkartenbesitzer liegt bei ManUtd bei 51 Jahren, Tendenz steigend. Junge Fans im Stadion – Fehlanzeige. Diese von Profitinteressen verschmähte Liebe führte dazu, dass Dykes mit Freunden einen neuen Fußballclub gründete: FC United Manchester. Der Bericht von Dykes war für mich der Höhepunkt der Veranstaltung. Als neu gegründeter fanbasierter Club griff er auf die Anfänge des Vereinswesen zurück. Über 300 Volunteers sorgten an den Spieltagen für einen reibungslosen Ablauf. Die Ticketpreise seien moderat und die Preise für die Dauerkarten könnten die Fans selbst festlegen (Als Minimum gelten 80 Pfund). Zwar sprachen in der Schlussrunde einige Diskutanten vom zunehmenden Einfluss von Fans auf die Vereine, doch was diese Fankultur für Deutschland und auch für den FC St. Pauli bedeutet, wurde leider nicht vertieft.

v.l.n.r.: Rettich, Oenning, Hellmann, Schwedler, Nagel, Niedecken, Dykes

v.l.n.r.: Rettig, Oenning, Hellmann, Schwedler, Nagel, Niedecken, Dykes – (c) Arne Andersen

In einem wichtigen Diskussionsbeitrag beklagte sich Oenning über den zunehmenden Druck gerade auch für die Trainer. Es gelte das hire and fire – Prinzip und häufig würden neue Trainer nicht nach der Philosophie – soweit sie denn eine haben – eines Clubs ausgesucht, sondern die Auswahl hafte einer gewissen Beliebigkeit an. Auch beklagte er, dass zu wenig für die Identifikation der Spieler mit den Vereinen getan werde.
Wolfgang Niedecken zeigte Verständnis für die jungen wechselwilligen Spieler, denn sie hätten häufig nur zehn Jahre in ihrem Beruf und müssten eben auf Vertrag und Geld schauen, dennoch sei er beeindruckt gewesen von Christian Springer, der 1995 -1998 neunzig Spiele beim FCSP bestritt und dann nach Köln wechselte. Obwohl er dort bis zum Karierende 2006 blieb, war er immer noch mit dem Herzen auf St. Pauli.

In der Schlussrunde ging es noch einmal ums Geld. Man würde sich auch nicht gegen Geldgeber – so Dykes – wenden, aber hier gelte: Jeder habe nur eine Stimme im Verein, egal ob er 200 oder 2 Mio. Pfund investiere. Unisono beklagten sich alle Podiumsgäste über den zunehmenden Kapitalisierungsdruck, Rettig machte sich noch einmal für die 50+1 Regelung stark, die die DFL auch gegenüber einer Klage von Hannover 96 Präsident Kind verteidigt habe. Hellmann (Eintracht Frankfurt) sprach davon, man dürfe nicht alles kapitalisieren. So würden erhöhte TV-Gelder bei ihnen z.T. den Fans für verbilligte Dauerkarten zurückgegeben. Zwar war man sich in der Ablehnung von dem Geschäftsmodell RB Leipzig (Fußballclub übernehmen/gründen, um ein Produkt zu protegieren) einig. Insgesamt blieb hier die Diskussion aber im Vagen. Dykes unterschied zwischen kapitalbasierten und fanbasierten Fußballclubs, ob auch erstere (gute Investoren) den Zwang zur Kapitalisierung aufhalten, blieb offen.

Wolfang Niedecken fasste die Diskussion an diesem Punkt treffend zusammen. „Kapitalismus ist Verdrängungswettbewerb. Jeder muss entscheiden, wie weit er das mitmachen will.“

Gerade der letzte Teil erinnerte mich an das durch Reich-Ranicki abgewandelte Brecht-Zitat: „Und so sehen wir betroffen / Den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ // arne

Link:
Bericht auf der Vereinshomepage

 

Veröffentlicht unter Fanszene | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 1 Kommentar

Kinonächte am Millerntor – in diesem Sommer ohne Kino 3001

Ich hatte in den letzten Tagen immer mal wieder Werbung auf Facebook für „Sommerkino am Millerntor“ gesehen und mich noch gewundert, dass es irgendwie anders aussah als sonst. Wirklich gestolpert darüber war ich aber auch nicht.

Heute kam dann die Aufklärung, gleichzeitig auch ein ziemliche Überraschung:
Der langjährige Partner, das 3001 Kino, wird die beliebten Filmnächte in diesem Jahr nicht anbieten, stattdessen wurde das Millerntor aus „wirtschaftlichen Gründen“ an einen Mitbewerber (die Outdoor Cine GmbH, die u.a. auch das Open Air Kino im Schanzenpark veranstaltet) vermietet.

Die Stellungnahme des 3001 Kino dazu, findet ihr hier.

Die Filmnächte am Millerntor wurden durch das 3001 Kino zehn Jahre lang veranstaltet, man war auch in der „RETTER“-Zeit für den Verein da. Darüber hinaus ist man ein im Stadtteil fest verwurzeltes und beliebtes Programm-Kino, welches sich seine Nische fernab des Mainstream gesucht und gefunden hat, was in Zeiten von SuperHD- und 3D-Kinos sicher nicht die einfachste Spielwiese ist.
Und nun kommt ausgerechnet der FC St.Pauli, bekanntlich „non established“, und ballert in bester Gentrifizierungsmanier wegen ein paar Euros eben diesen Partner aus dem Stadion, um ihn durch eine andere Firma zu ersetzen?

Simpel gesagt: Ja, so ungefähr zumindest.

Wie ich in einem Telefonat mit Vereinspräsident Oke Göttlich feststellen durfte, lässt es sich tatsächlich erst mal so zusammenfassen, auch wenn die Beweggründe dahinter natürlich um Einiges komplexer sind.
Und ob das Team bei besagter Outdoor Cine GmbH nun das personifizierte Böse ist, kann ich nicht beurteilen, in der Filmwelt stecke ich nun wahrlich nicht drin. Immerhin ist unter den Medienpartner auf der Website aber auch das Hinz&Kunz und das Open-Air Kino im Schanzenpark hatte ich bisher tendenziell eher positiv in Erinnerung.

Der zeitliche Ablauf gestaltete sich jedenfalls ungefähr wie folgt:
Der Verein (bzw. zunächst die Service GmbH) bekam von den Betreibern des Open Air Kino im Schanzenpark unaufgefordert ein Angebot zugeschickt, welches unterm Strich eine Mehreinnahme in Höhe eines fünfstelligen Betrages garantierte.

In der aktuellen Situation des Vereins, in der ein Abstieg in die 3.Liga ja nicht ausgeschlossen werden konnte (und kann), muss der Verein sich gegenüber dem Aufsichtsrat und dem Betriebsrat natürlich für seine finanziellen Entscheidungen rechtfertigen, ist seinen Mitarbeitern (und dem Erhalt derer Arbeitsplätze) gegenüber verpflichtet und muss nach Erlössteigerungen und Kostensenkungen suchen, so Göttlich.

Und nun kommt eben der Moment, wo man für sich entscheiden muss, in welcher Situation der Betrag aus Verpflichtung gegenüber dem Stadtteil (und in diesem Fall ja auch einem langjährigen Partner) wichtiger ist als das Geld, wo vielleicht auch die finanzielle Grenze für solche Entscheidungen liegt.
Wahrscheinlich wäre bei fast allen anderen Vereinen der ersten drei Ligen so eine Entscheidung genauso ausgefallen, es hätte nur danach sich niemand beschwert.
“That’s business!”, oder so.
Nun ist der FC St.Pauli eben nicht “jeder andere Verein” und daher ist es auch gut, wichtig und richtig, dass das 3001 Kino sich öffentlich geäußert hat. Und insbesondere ein Satz steht in der Äußerung, der einen aufhorchen lässt:

Trotz persönlichen Anschreibens von Vorstand, Präsidium, Aufsichtsrat und Ehrenrat haben wir bis heute keinerlei Reaktion auf unsere Briefe bekommen.

Das klingt allerdings sehr scheiße und passt gar nicht, insbesondere nach zehn erfolgreichen gemeinsamen Durchführungen. Damit konfrontiert gesteht Oke Göttlich dann auch unumwunden einen großen Fehler ein: Mitte April hatte man eine ausführliche Erklärung gegenüber dem 3001 Kino verfasst, abgestimmt… und, wie sich dann erst heute herausstellte, versehentlich nicht abgeschickt.
Darf nicht passieren, insbesondere in so einer sensiblen Sache? Ja, stimmt. Sieht auch der Verein so.
Ist trotzdem passiert.
Inzwischen ist der Brief dann wohl unterwegs, das Kind liegt aber natürlich schon im Brunnen.

Geändert an der sachlichen Entscheidung hätte es auch nichts, für mehr Verständnis beim langjährigen Partner hätte man so aber vielleicht zumindest sorgen können.

Und die Entscheidung an sich?
Tja, wer will das beurteilen? Ab welcher Summe ist so eine Entscheidung vertretbar, wenn unterm Strich Arbeitsplätze im Verein dadurch gesichert werden können, zumindest anteilig? Und mit dem großen Blick aufs Ganze, natürlich in Kombination mit vielen anderen Entscheidungen in ähnlicher Größenordnung, jede für sich vielleicht mit “Ach, sind doch nur xx.xxx €”? Wie viel Verantwortung trägt der Verein für Unternehmen im Stadtteil, wie existenziell ist die Veranstaltung für das Kino?

Unterm Strich bleibt, dass die Filmnächte des 3001 Kino eine liebgewonnene Einrichtung am Millerntor waren, die es in diesem Sommer so nicht mehr geben wird, bzw. von einem anderen Anbieter kommen.
Der Eintrittspreis für Vollzahler bleibt mit 8,-€ gleich, der Preis für Ermäßigte steigt allerdings von 5,-€ auf 7,-€.

Das konkrete Programm ist noch nicht veröffentlicht, bisher steht nur “Honig im Kopf” als erster Film an, der mit dem Thema Alzheimer zumindest nicht das Klischee des Popcorn-Kinos erfüllt, Til Schweiger hin oder her.

Es muss nun (wie jedes Jahr) jeder für sich entscheiden, ob und wie oft man das „Sommerkino am Millerntor“ besucht. Alternativ freut sich das 3001 Kino sicher über jeden Besucher, egal zu welcher Jahreszeit.
Und vielleicht bleiben wir ja drin, rocken nächstes Jahr Liga UND Pokal und in einer perfekten Welt würden sich beide Kinos dann im Sommer 2016 vielleicht sogar die Veranstaltung teilen.

Man wird ja noch träumen dürfen, gerade beim Thema Film. // Frodo

Links:
Kiezkicker
St.Pauli Blog im Abendblatt

Veröffentlicht unter Allgemein | Verschlagwortet mit , , , , , , | 4 Kommentare

ÜBERSTEIGER 120 erscheint am Sonntag gegen den VfL Bochum

Ich habe bis zuletzt darum gekämpft, das Erscheinen auf das Relegationsheimspiel zu legen, aber die Kolleginnen in der Redax können meine Faszination dafür nicht teilen und hoffen tatsächlich noch auf den direkten Klassenerhalt. Spielverderber.

Nun denn, hier wir gehen:

Eigentlich sollten wir ja schon zum Heimsieg gegen RB Leipzig erscheinen, dies allerdings verzögerte sich aufgrund von “Störungen im Betriebsablauf”, so dass wir jetzt aber auch zwei(!) Comics haben, denn der Kreativität unseres Zeichengottes sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. (Einen gibt es wie immer auf der Rückseite, einen dieses Mal auf der Seite 2.)

Außerdem findet Ihr im Heft ein längeres Interview mit unserem Vereinspräsidenten Oke Göttlich von Arne, eine Betrachtung der Gesamtlage des Vereins von Mirco, einen Blick auf die Zukunft der U23 von Ronny, einen Gastartikel zum Pokalhalbfinale des Frauenteams, ein Gastartikel der 3.Herren, Gastartikel zur Millerntor Gallery, einen Text von Nick Davidson zu einem seiner jüngsten Besuche am Millerntor, einen Überblick über die Schachabteilung von Marron Blanco, Gastartikel von Laut Gegen Nazis, einen Bericht aus England von Christoph, einen Gastartikel zum FC Lampedusa sowie die festen Rubriken wie Frodos Tagebuch, NvdA (Neues von den Alten), Statistik zum Spiel, Rezis, Hogs “Andere Seite” und die Döntjes.

Alles wie immer für 1,60€ rund ums Stadion.

Dieses Mal gibt es das Heft dann hoffentlich wie bereits letztes Mal versprochen auch wirklich vorab schon als PDF für die Abonnenten. Wenn Ihr jetzt Last-Minute noch ein Abo abschließen wollt, könnt Ihr dies hier tun. Alternativ geht es neuerdings ja auch als reines PDF-Abo für nur 1,60€ pro Ausgabe, dies ist zwar auf der Bestellseite noch nicht vermerkt, klappt aber genauso über das Formular, bitte dann eben nur “PDF only” oder ähnliches in der Kommentarbox vermerken. // Frodo

Veröffentlicht unter Fanszene | Verschlagwortet mit , , | Hinterlasse einen Kommentar