Rückblick auf die Prognose 2013 und neue Prophezeiung 2014

Die Sommerpause nähert sich ganz langsam dem Ende, Zeit den Motor auch hier im Blog schon mal langsam wieder auf Temperatur zu bringen.

Vor der letzten Saison hatte ich hier so einiges abgefragt und später auch die Prognose der “Schwarmintelligenz” gezeigt.

Es ging um folgende Fragen:

1)      Der FC St.Pauli beendet die Saison auf Tabellenplatz…
2)      Gegen die Absteiger Düsseldorf und Fürth holen wir insgesamt … Punkte.
3)      Gegen die Aufsteiger Karlsruhe und Bielefeld holen wir insgesamt … Punkte.
4)      Im DFB-Pokal wird der FC St.Pauli…
5)      Der erfolgreichste Torschütze des FC St.Pauli in der Liga wird…
6)      Die U23 beendet die Regionalliga Nord auf Platz…

Tja, mit einem Platz 4-5 waren die ca. 50 prophezeienden Personen im Schnitt als Erwartung in die Saison gegangen, lange Zeit sah es ja auch danach aus. Der Einbruch am Ende, als das große Ziel Aufstieg zerbrach und im Folgenden die Punkte liegen gelassen wurden, hat vielen hier ein beim Tipp auch paar Minuspunkte beschert. Glückwunsch an Michael Hein, der als Einziger den achten Platz auch tatsächlich vorhergesagt hatte.

Gegen Fürth und Düsseldorf holten wir sagenhafte acht Punkte… der Saison angemessen wurden nämlich beide Auswärtsspiele gewonnen, während es zuhause zwei Unentschieden gab. Im Schnitt hatte man auf sieben Punkte getippt, da lag der Schwarm also nahe dran.

Womit wir beim Gegenbeispiel wären: Die Spiele gegen Bielefeld und den KSC wurden zuhause(!) beide verloren, auswärts wurde jeweils ein Punkt ergattert. Macht in Summe zwei Zähler, damit deutlich weniger als die erwarteten acht.

Im DFB-Pokal kam das Aus (standesgemäß) in Runde eins, bei Preußen Münster. Getippt hatten dies Einige, im Schnitt hatte man dann aber doch auf Runde zwei gehofft.

Die Abschlußplatzierung der U23 war noch gefragt, im Schnitt war ein Platz 9-10 getippt worden, der mit Platz 9 dann auch ziemlich exakt eintrat.

Bei dem Tipp des erfolgreichsten Torschützen hatten Verhoek, Nöthe, Thy, Gregoritsch und Maier mehr Tipps auf sich vereint als derjenige, der es dann tatsächlich wurde:
Fin Bartels!
Immerhin drei Personen lagen dann doch richtig, Glückwunsch an Pete van Dusen, Norbert (MagischerFC) und Rollo. Ein besonderer Gruß noch an hmpf22, beim MagischenFC-Blog in den Kommentaren:
Ja genau, Fin Bartels 10 Tore… da müsste er ja schon jede hunderste Chance nutzen um das zu schaffen. Das ist für ihn nicht zu schaffen… Bin ich traurig deswegen? Nein, würde er auch noch Tore treffen wäre er längst weggekauft!
Zack… ich hatte ja schon mehrfach geschwärmt, dass Fin längst beim FC Barcelona wäre, wenn er denn auch noch treffen würde. Und nun hat er getroffen und ist tatsächlich weg, wenn auch “nur” beim SV Werder.

Ich habe dann mal eine “Auswertung” vorgenommen, in der jeder Punkt/Platz Abweichung von den getippten Werten quasi ein Minuspunkt ist. Für Fin Bartels als Torschützentipp gab es fünf Punkte Gutschrift.
Der Bestwert kommt von Birger, der lediglich auf acht Punkte Abweichung kommt, weil er (u.a.) das Pokalaus und den Platz der U23 exakt richtig tippte.
Bezüglich des Preises meld ich mich dann mal per e-mail.

Und damit starte ich dann auch gleich die neue Runde, damit Ihr auch jetzt wieder am Ende der Saison herausschreien könnt:
“ICH HAB ES NICHT NUR GEWUSST, ICH HAB ES AUCH SCHRIFTLICH!”

Zu gewinnen gibt es in erster Linie das tolle Gefühl, Recht gehabt zu haben, je nach meiner Kreativität zum Saisonende vielleicht aber auch etwas mehr.

Fragen gern per copy&paste in die Kommentare:

  1. Der FC St.Pauli beendet die Saison auf Platz…
  2. Im Pokal geht die Reise bis…
  3. Anzahl Heimsiege in der Saison 2014/2015 (ohne Pokal und Relegation):
  4. Anzahl Punkte aus den sechs Spielen gegen die Aufsteiger:
  5. Erfolgreichster Torschütze des FC St.Pauli wird … mit … Toren.
  6. Auf den Plätzen 1-3 landen:
  7. Auf den Plätzen 16-18 landen:

Und dann noch was zum kreativen Freischwimmen:

  1. Heimspiele, die wir in dieser Saison mit einer (zumindest teil-)gefüllten Nordkurve sehen werden (ohne Spiele vor dem Abriss, aber inkl. Pokal und Relegation):
  2. Anzahl der Spiele, die der Torwart des FCSP im “Hulk”- oder “Aquaman”-Trikot auflaufen wird.
  3. Motto, unter das der Fanladen die Abschlußfahrt nach Darmstadt stellen sollte:

Abgabeschluß: 02.August, 15.29h!

Viel Spaß! // Frodo

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FC St.Pauli goes Tickettauschbörse (Online)

Die Pressemitteilung kam (für mich) überraschend, die Augenbraue zuckte dann auch mal schnell in die Höhe. Online-Verkaufs-/Tauschplattform für Tickets? Etwa sowas wie ViaNogo? (Warum Viagogo scheiße ist: in Video und Text)

Nein, so schlimm ist es dann auch nicht, im Gegenteil, es wurde eine gute Alternative geschaffen. “FanSale” heißt das Ding, gehört zu Eventim, die ja bereits den normalen Ticketverkauf für den FC St.Pauli als Dienstleister abwickeln. Nun kommt mit dieser Plattform eine weitere Möglichkeit hinzu, die sich in einem wesentlichen Punkt von ebay oder anderen Tauschbörsen unterscheidet: Die Preise sind fix, man kann sich nicht gegenseitig überbieten und die Tickets als Verkäufer auch nicht über dem regulären Preis einstellen. Theoretisch wäre auch bei FanSale solch eine Auktionsform möglich, diese hat der Verein aber (natürlich) abgelehnt.

Als Käufer hat man die Garantie, eine Originalkarte zu erwerben, zum Originalpreis plus Gebühren. Sicher ein großer Vorteil gegenüber ebay und anderen Anbietern.

Besagte Gebühren sind dann natürlich auch der Knackpunkt. Das Angebot kommt nicht von Mutter Theresa, sondern ist eine Dienstleistung, die der FC St.Pauli im Zweifel gar nicht nötig hätte und dementsprechend sicher auch nicht draufzahlen will dabei, die der Anbieter aber eben auch nicht aus reiner Nächstenliebe macht, sondern daran verdienen will. In den Fansale-AGB sind es grundsätzlich 10%, in diesem Fall beim FC St.Pauli (wie auch bei anderen Vereinen, die mit FanSale zusammenarbeiten 15%.
Kann daran liegen, dass bei anderen Anbietern der Preis nach oben offen ist und weit höhere Verkaufssummen erzielt werden und und die 10% daher meist mehr abwerfen, aber da spekuliere ich. Für eine Stehplatzkarte auf der Gegengerade (Vollzahler, 14,-€) wären das dementsprechend 2,10€, für den Sitzplatz im Block 2 (32,-€) z.B. 4,80€.
In Anbetracht des bequemen Handlings und der Garantien, die man dafür erhält, sicher akzeptable Gebühren, die mit nichts zu vergleichen sind was an der U-Bahn St.Pauli von den dortigen Schwarzmarkt-Geiern kassiert wird. Außerdem spricht man mit dieser Tauschbörse sicher auch eher Gelegenheitsbesucher an, die sonst über ebay o.ä. gehen und mit diesen Gebühren sicher kein Problem haben werden.
Hinzu kommt noch der Versand, welcher mit 4,-€ dem normalen Kartencenterversand entspricht. Hier gab es anfangs Irritationen, weil oft ebenfalls die normalen FanSale AGB zitiert wurden, wo 6,95€ aufgeführt ist. Ein Anruf bei Daniel Bierhoff (Leiter Ticketing) sorgte aber auch hier für Klarheit, dies ist lediglich eine (noch) etwas unsaubere Darstellung zu Beginn, im eigentlichen Verkaufsprozess werden die 4,-€ korrekt angezeigt.
Unterm Strich ein Betrag, der einem nicht so furchtbar involvierten Gelegenheitsbesucher zu fairen und transparenten Konditionen die Möglichkeit bietet, an Karten zu kommen, wenn das Spiel oder der gewünschte Bereich ausverkauft ist.
Der Verein bekommt auch von den 15% einen Teil ab, was den vereinsseitigen Aufwand langfristig finanzieren soll. An den Spieltagen stellt das Kartencenter einen Mitarbeiter extra für die Abholung der kurzfristigen Käufe ab (es wird also eine FanSale-Kasse geben, daher fällt auch hier die 4,-€ Gebühr an, die sonst für den Versand fällig wäre), das kürzlich installierte elektronische Einlasssystem soll so ebenfalls refinanziert werden.
(Langfristig wäre auch Print@home für die Tauschbörse eine Option, aktuell ist dies über FanSale technisch noch nicht möglich.)

Auch Personen, die kurzfristig (bis einen Tag vor dem Spiel) in die Verlegenheit kommen, nicht zum Spiel zu erscheinen, können so ihre Karte noch schnell und sicher loswerden und jemand anderen glücklich machen, während man selbst immerhin sein Geld zurück bekommt. Dies gilt sowohl für Einzel- wie auch für Dauerkarten.

Alles schön und gut, auch wenn bei den Gebühren die ersten Aufschreie von Abzocke schon durchs Web hallten, wenn auch aus meiner Sicht zu Unrecht.
Nur, geht das nicht noch besser? Fanfreundlicher? So nach dem etwas abgedroschenen Motto “Auf St.Pauli regeln wir das unter uns?

Yepp.
Wie immer.
Wie seit Jahren schon.
Mit der großartigen AFM-Kartenbörse!

Mein erster Anruf ging daher auch an Tommy, ob denn da irgendwelche Änderungen zu erwarten seien. Antwort: Nein, alles bleibt wie gehabt. (Und im Forum hatte die AFM-Abteilungsleitung es auch schon bestätigt.) Auch Daniel Bierhoff bestätigte, dass die AFM-Kartenbörse weiterhin vom Verein absolut gewollt sei und unterstützt werde.
Bei jedem Spiel wechseln über Tommys Büro eine Anzahl Karten im niedrigen dreistelligen Bereich den Besitzer – Kaufpreis gleich Verkaufspreis, ohne Abwicklungsgebühr. So wie es sein soll, wie es aber eben nur über dieses Serviceangebot der AFM kostenlos abzuwickeln ist.
Insofern: Nutzt weiterhin so zahlreich und gerne besagte Tauschbörse, sie ist die einzige allerbeste Möglichkeit.

Unterm Strich bleibt also: Es ist ein Zusatzangebot, was sicher einigen Personen hilft, insbesondere denen, die sich nicht 24/7 im St.Pauli Fankosmos bewegen.
Niemand wird dazu gezwungen, es gibt die wunderbare Alternative der AFM-Kartenbörse. Gerade für Auswärtige war diese oft mit einer Logistik verbunden, die nicht jedem genehm oder immer möglich war, so dass auch mal die ein oder andere Karte schlicht verfiel. Wenn sowas durch diese neue Online-Variante vermieden werden kann, sollte es bei der ganzen Geschichte nur Gewinner geben.
Und ja, vielleicht zählt dann auch Eventim dazu. Wäre mir immer noch lieber als Viagogo oder andere Konsorten. // Frodo

Nachtrag - 18.Juli: Der FC Bayern hat heute eine sehr ähnliche Plattform installiert und damit Viagogo endlich auch abgelöst. Die 15% Gebühr auf den Normalpreis sind identisch zu unserer Version, statt 4,-€ Porto/Abholgebühr sind es 5,-€ HandlingFee, alle Tickets werden als Print@home ausgestellt.
Eine zusätzliche kostenlose offizielle Kartenbörse, wie sie bei uns die AFM bietet, gibt es beim FC Bayern allerdings nicht.

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Neue Tribüne – Neues Präsidium

Sie kam so unscheinbar daher, die Einladung zur Pressekonferenz. Verschickt am Tag des Achtelfinales der (ohne FC St.Pauli-Spieler angetretenen) Nationalelf, einladend für den Morgen danach.

Thema des Mediengespräches ist die aktuelle Situation im Präsidium des FC St. Pauli. Als Gesprächspartner steht Ihnen Präsident Stefan Orth zur Verfügung.

Tja, keine Verpflichtung von Lasogga & Calhanoglu, oder zumindest Lionel Messi, nicht mal Suarez.
Die Gerüchteküche ging dann trotzdem vorsichtig ins köcheln über.
Die Fakten: Auf der JHV im Herbst läuft die Amtszeit des aktuellen Präsidiums aus, es wird neu gewählt. Bernd-Georg Spies hat ja seinen Verzicht auf eine erneute Kandidatur aus beruflichen Gründen eh schon bekannt gegeben, Tjark Woydt ist es (satzungsbedingt) aus Altersgründen nicht erlaubt nochmal anzutreten.

Was würde also passieren? Tritt Orth (sowie die weiteren Präsidiumsmitglieder Stenger und Duve) jetzt auch zurück, weil ihm die Rückendeckung des Aufsichtsrats fehlt? Oder stellt er sein neues “Schattenkabinett” vor? Man durfte also gespannt sein.

Orth betrat den Raum, mit ihm das restliche Präsidium. Auf dem Podium nahm er allerdings (neben Christoph Pieper) alleine Platz.

Man hätte heute zwei wichtige Neuigkeiten für den FC St.Pauli, beginnt Orth.

1. Die Nordkurve wird nach dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt nun endgültig abgerissen und neu gebaut, dies wurde in den letzten Wochen mit der Stadt verhandelt. Dies gehe einher mit der endgültigen Entscheidung für eine externe Domwache und für den Bau des 1910 e.V. Vereinsmuseums in der Gegengerade.
Einschub: Muss man an der Stelle auch mal sagen: Nach den Fanräumen ein zweiter immenser Sieg für Verein und Fanszene, für den man ja nun schon über zwei Jahre gekämpft hat. 
Dafür ein großer Dank, an alle Beteiligten.

2. Der Aufsichtsrat hat Orth letzte Woche im persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass man das aktuelle Präsidium nicht erneut zur Wahl nominieren würde. Die Begründung, die inzwischen auch auf der Vereinshomepage nachzulesen ist:

Der Aufsichtsrat begründete seine Entscheidung damit, dass es dem FC St. Pauli an einem einmaligen Profil zwischen Vermarktung und Identität fehle. Außerdem müsse es eine stärkere Einbeziehung der Sporttreibenden Abteilungen sowie der Abteilung Fördernde Mitglieder geben. Zur Strategieentwicklung, Gestaltung und Durchsetzung werde daher nun ein neuer Präsident gesucht.

Zack.

Erst mal sacken lassen.
Ist das völlig überraschend? Nicht unbedingt, Kritik an Orth und seinem Team gab es in der Vergangenheit auch aus der Fanszene genug, wenn auch auf ganz anderem Level als in den Jahren zuvor. Insgesamt wurde die Arbeit von außen wohl als solide und ruhig betrachtet, aber vielleicht fehlten die positiven Ausreißer nach oben, was ja auch in der offiziellen Begründung durchklingt.
Hätte man so weitermachen können? Ja, sicher. Auch für die weitere Einbindung von Tjark Woydt als Finanzfachmann gab es Gedankenspiele.
Der Aufsichtsrat aber hat sich anders entschieden, auch in Ordnung.

Insgesamt war es für mich ein sehr gelungener Auftritt. Von Stefan Orth. Vom Verein. Und auch vom Aufsichtsrat.
Man sieht derzeit recht gut an anderen Beispielen, wie Öffentlichkeitsarbeit in Profivereinen  auch gehen kann, oder eben auch nicht. Ähnlich, wie es bei uns 2007 war, als man sich schlammschlachtend durch den Boulevard bewegte.
Hier hingegen wurde alles ruhig und sachlich hinter den Kulissen geklärt. Fristgemäß, ohne Aufregung.
Ich nehme Stefan Orth absolut ab, dass er enttäuscht ist und gerne weitergemacht hätte, und es ist auch absolut sein gutes Recht, dies so zu äußern. Ebenso ist es das gute Recht, wenn nicht sogar die Pflicht des AR, sich Gedanken zu machen, wen sie nominieren wollen und ob es Alternativen gibt.

Orth wirkte so, wie man ihn sich vielleicht im öffentlichen Auftreten öfter gewünscht hätte. Ruhig, sachlich, unaufgeregt, mit sich und seinem Amt im Reinen.
Und auch Nachfragen, die ggf. Gelegenheit gegeben hätten, populistisch Werbung in eigener Sache zu machen, ließ er mit Hinweis auf das Wohl des Vereins verstreichen. Die Verdienste des Präsidiums der letzten Jahre wurden aufgezählt, und da gibt es mit der finanziellen Konsolidierung und gleichzeitigem Durchführen der Bauprojekte Stadion, Kollaustraße und Brummerskamp ja auch genug.

Die Nachfrage, ob er sich jetzt nicht als “lame duck” fühle und dies gerade auch im Bezug auf das Projekt Nordtribüne gefährlich sei, verneinte er ebenfalls souverän. Man habe in den letzten Wochen und Monaten konzentriert und verlässlich gearbeitet, ebenso nach dem Gespräch letzte Woche mit dem AR, sonst sei ja auch die Verkündung des Nordtribünenumbaus nicht mehr möglich gewesen. Sein Team stehe nicht für Aufgeben, sondern werde konzentriert bis November weitermachen, dafür sei man ja auch gewählt worden.
Gefiel mir sehr. Ruhig, sachlich, verbindlich, ohne gekränkte Eitelkeit.

In den letzten Wochen gab es eine Trikotpräsentation, bei der das Trikot vorher nicht bekannt wurde, einen Trikotsponsor, der bis zum Morgen der Veröffentlichung geheim blieb, sowie eben heute eine brisante Pressekonferenz, bei der der Inhalt ebenfalls mehr oder weniger vorher unbekannt war, zumindest öffentlich.
Das Innenleben des Vereins (im Bezug auf Diskretion) funktioniert also, das hatten wir in den vergangenen Jahrzehnten in der Zeit vor diesem Präsidium und diesem AR nur selten bis nie.

Nun ist der Aufsichtsrat am Zug. Es ist noch genug Zeit bis zur JHV im November(?), der Zeitpunkt des Gesprächs mit Orth erscheint für mich absolut sauber und fair. Ich gehe davon aus, dass man sich in den nächsten Tagen ebenfalls äußern wird, was von der Reihenfolge her (nach Orth selbst) ebenfalls souverän und professionell aussieht. So sollte man miteinander umgehen, auch wenn man in der Sache dann eben auch mal unangenehme Dinge entscheiden muss.
Wenn dann, wenn man zeitnah an die Öffentlichkeit geht, auch noch bereits ein neues Team/neue Namen vorgestellt werden können, so wäre dies natürlich ebenfalls wünschenswert und dürfte dafür sorgen, dass auch eine saubere Übergabe gewährleistet ist.

Nachtrag, 2.Juli: Inzwischen ist Oke Göttlich als neuer Kandidat des AR vorgestellt worden. Die offizielle Verlautbarung des Vereins findet Ihr hier, einen lesenswerten Text zum Gesamtvorgang hier bei sportal.de.

Ich bin gespannt, aber insgesamt hat mich das heutige Geschehen mit viel Vertrauen in den Gesamtverein zurückgelassen. // Frodo

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Preisübersicht: Dauerkarten 1.&2. Fußball-Bundesliga 2014/2015

Nachtrag, 23.Juli: Zum Vergleich eine ähnliche Statistik für die Premier League.

Willkommen zur vierten Runde, nach 2011/2012, 2012/2013 und 2013/2014.

Praktischerweise kann ich daher auch die “Regeln” einfach kopieren, sie haben sich zur letzten Saison nicht verändert.

Es gibt drei Kategorien, alle für Vollzahler, ohne Ermäßigung oder Mitgliederrabatt. Neben dem Stehplatz (i.d.R. der Stehplatz der Ultrà-Gruppierung, am Millerntor also die Süd statt der Gegengerade) gibt es zwei Sitzplatzkategorien: Der günstigste Sitzplatz überhaupt, sowie der teuerste auf der Gegengerade, ohne Business-Seats und Logen. Wenn es auf der Gegengeraden keine Sitzplätze gibt (trifft nur auf Liga 2 zu), hab ich die (subjektiv) am ehesten vergleichbare Kategorie genommen, meist dann mittig auf der Haupttribüne.
Diese drei Kategorien zusammen ergeben eine Summe, nach der die Tabelle sortiert ist. Klar, könnte man anders lösen, aber auch nach zwei drei Jahren mit einigen Vorschlägen ist eben immer noch keine (praktikable) bessere Lösung in Sicht. Ebenfalls klar: Der “billigste” Sitzplatz in den Arenen von München, Schalke oder Dortmund bietet eine immens schlechtere Sicht aufs Spielfeld als die günstigsten Plätze in Freiburg, Sandhausen oder am Millerntor. Und: ein Stadion mit hohem Stehplatzanteil muss über dieses Segment mehr Geld einbringen als ein Stadion mit fast nur Sitzplätzen.
Einzig faire Variante wäre eine Einzelplatzzählung mit jeweiligem Preis und am Ende die Teilung durch die Anzahl der Plätze… außerdem müsste irgendwie die Verteilung von Steh- und Sitzplätzen ja auch noch einfließen.

Gerade letzteres sorgte auch in den letzten Jahren immer wieder für (teils hitzige) Diskussionen in den Kommentaren oder auch per e-mail, doch bis heute hat es, trotz vielfacher Aufforderung nach einem “Ey, ist doch ganz leicht, mach es einfach so und so!” noch niemand geschafft, zumindest für den eigenen Verein eine solche “Preis-pro-Platz”-Vergleichszahl zu errechnen. Besonders erbost sind auch immer die Fans der Vereine, die oben stehen, doch auch von denen kam bisher noch nicht mal für den eigenen Verein eine Beispielrechnung, wie es “fairer” geht.
Insofern: nehmt die Statistik nicht ernster, als sie gemeint ist. Es ist eine Spielerei, die dann am Ende nach einer völlig fiktiven Summe sortiert ist, nämlich der Summe dieser drei Kategorien. Und es gibt wohl niemanden auf der Welt, der genau je eine Karte dieser drei Kategorien erwirbt, es bleibt also lediglich ein Beispiel.
Sollte ich stattdessen nach einer der drei einzelnen Kategorien sortieren? Ja, könnte man auch machen, dann würden wieder andere meckern. Immerhin sind die drei jeweils teuersten und günstigsten Vereine pro Kategorie farblich hervorgehoben.

Kauft sich jetzt irgendjemand die Dauerkarte eines anderen Vereins, nur weil der günstiger ist? Wohl kaum. Wie gesagt, es ist nur eine Spielerei.

Und: In der wunderbaren Visualisierung könnt Ihr neben einigen Filtern  auch wunderbar die einzelnen Spalten sortieren, auch die vergangenen Jahre lassen sich ein- und ausblenden.
Für die Visualisierung vielen Dank an Marco Pöhler von Kontaktlinsen-Preisvergleich.de!

Nicht berücksichtigt sind Rabatte für Mitglieder, auch wenn man in den meisten Vereinen inzwischen Mitglied sein muss, um an eine Dauerkarte ranzukommen. Nur: Hat man dann erst mal eine Dauerkarte, könnte man auch wieder aus dem Verein austreten, würde sein Vorkaufsrecht aber trotzdem behalten.
Ebenso nicht berücksichtigt ist, ob der ÖPNV enthalten ist. Bein Vereinen wie dem FC Bayern ist dies, durch die Stadionlage, durchaus ein Kostenfaktor, nur geht es hier ja nicht um Gästefans, sondern um Heimfans, bei denen sicher oftmals bereits auch eine ÖPNV-Monats-/Jahreskarte vorliegt, auch dies ist also schwer transparent mit einzuberechnen.

Kleine Anmerkung zu den Vorjahren: Hier hatte ich wohl beim BVB in den letzten zwei Jahren in der teuersten Kategorie versehentlich den Preis inkl. Champions League genommen, was natürlich falsch ist. Umso erstaunlicher, dass es niemandem aufgefallen war. Ich hab die alten Artikel nicht angepasst, aber zumindest die Vergleichszahlen zu den Jahren bei mir intern verändert, so dass sich diese auch weiterhin vergleichen lassen.
Nachtrag: Ich hatte doch die richtigen Zahlen, allerdings hat der BVB diese Kategorie jetzt aus der öffentlichen Darstellung rausgenommen und ich hab die Zahl der “jetzt” höchsten Kategorie. Update folgt, wenn ich näheres habe.

Genug der Vorrede, auf ins Zahlenwerk:

1.Bundesliga

Dauerkarten Preisübersicht 1.Bundesliga 2014/2015

Dauerkarten Preisübersicht 1.Bundesliga 2014/2015

Wow, fulminanter Einstieg, SC Paderborn! Der Aufsteiger hat doch tatsächlich die absolut unangefochtene Spitzenposition inne. Dies nicht nur im Gesamtranking aller Plätze, sondern auch in jeder einzelnen Kategorie. Im Stehplatzbereich liegt man mit 255,-€ satte 51,-€ über dem nächstteuren Verein aus Dortmund, ein Wolfsburger Fan (130,-€) bekommt sogar fast zwei Dauerkarten zum gleichen Preis. Der günstigste Sitzplatz schlägt in Paderborn mit 595,-€ zu Buche, was satte 205,-€ mehr sind als beim Nächstplazierten in Freiburg (390,-€),  während man hier bei sechs Vereinen weniger als die Hälfte zahlt. Das günstigste Sitzplatzticket der Liga gibt es auch hier in Wolfsburg (200,-€).
Und im Premium-Bereich (Gegengerade, teuerster Platz außer VIP) nimmt man beim SCP stolze 850,-€, was Eintracht Frankfurt (790,-€) und den hsv (789,70€) auf die Plätze verweist, den günstigsten Platz in dieser Kategorie gibt es in Leverkusen (470,-€).
Nachdem der SCP in den drei zurückliegenden Zweitligajahren die Preise immer im Mittelfeld konstant gehalten hatte, hat man sie jetzt mal kurzerhand verdoppelt. Aufgrund der Nachfrage in der recht kleinen Benteler-Arena dürfte man aber wohl trotzdem stets so gut wie ausverkauft sein, außerdem auch einen starken Mitgliederzuwachs verzeichnen, da diese bei entsprechendem Eintrittsdatum ein Vorkaufsrecht genießen.
(Nachtrag: Danke an Facebook-User Lasse H. für den Hinweis, dass der Dauerkarten-Preis in Paderborn tatsächlich dem Gesamtpreis aller 17 Einzeltickets entspricht.)

Insgesamt haben zehn Vereine den Preis konstant gehalten, der VfL Wolfsburg hat sich (als ohnehin günstigster Verein) in der teuersten Kategorie sogar zu einer Senkung von 500,-€ auf 480€ entschlossen. (Beim hsv habe ich die 10 cent “Sportgroschen” pro Spiel jetzt mit drin, die hatte ich in den letzten Jahren wohl übersehen.)
Beim FC Augsburg wurden die Stehplätze um 10,-€ erhöht, die günstigsten Sitzplätze um 20,-€, an die teuerste Kategorie hingegen wagte man sich nicht heran. Was Uli Hoeneß wohl dazu sagen würde? Schließlich subventionieren diese doch die günstigen Plätze…

Der zweite Aufsteiger, der 1.FC Köln, hat seine Preise gegenüber der Vorsaison um knapp 30% erhöht, landet damit zwar noch nicht in der gefühlten Heimat des Effzeh, der Champions League, mit Platz 6 wäre aber immerhin die Europa League erreicht, Glückwunsch!
Hier lohnt aber natürlich auch der Vergleich zur letzten Erstligasaison 2011/2012, zu der die Preise um 5% angestiegen ist. Bei drei Jahren kann man dies wohl noch unter “Inflationsausgleich” verbuchen.

Im Schnitt kostet eine Stehplatzdauerkarte knapp 180,-€ und damit 5,-€ mehr als in der Vorsaison. Der günstigste Sitzplatz stieg im Schnitt von ca. 305,-€ auf ca. 326,-€, die beste Sicht kostet statt 615,-€ jetzt 653,-€.

Im Drei-Jahres-Vergleich (tatsächlich haben außer dem SCP und der Eintracht alle anderen 16 Vereine auch vor drei Jahren schon in Liga 1 gespielt) haben sich die Preise (ohne SCP und Eintracht) um 4% erhöht, wobei der hsv und der FC Bayern mit 15% hier am meisten zugeschlagen haben. Beide Vereine haben aber zu dieser Saison widerrum nicht erhöht. Bei Mainz, Hoffenheim und Wolfsburg ist der Preis sogar günstiger als in der Saison 2011/2012.
Ein Sonderfall ist weiterhin der FC Schalke, da man die Preise für Dauerkarteninhaber ja nun schon seit einigen Jahren sukzessive an die hier berücksichtigten Preise für “Neukunden” anpasst. De facto wird es dort also für den überwiegenden Teil jedes Jahr teurer, da es ja Neukunden durch die Verlängerung der bestehenden Tickets kaum gibt.

Betreffend der Preisentwicklung allgemein und beim BVB im Besonderen sei auch auf diesen Artikel bei schwatzgelb.de verwiesen.

2.Bundesliga

Dauerkarten Preisübersicht 2.Bundesliga 2014/2015

Dauerkarten Preisübersicht 2.Bundesliga 2014/2015

Der 1.FC Union Berlin behält seine Spitzenposition, gleichzeitig ist es (wie schon letzte Saison) der beste Beweis dafür, dass diese gewählte Sortierung im Einzelfall absolut ungerecht ist, ich verweise erneut auf die Sortierfunktion der einzelnen Spalten in der Visualisierung. Die Alte Försterei hat drei Tribünen mit Stehplätzen, was Union eigentlich zu einem hohen Preis in dieser Kategorie zwingen müsste, erst recht bei der gegebenen Auslastung. Hier allerdings liegt man nur an Position acht, also im gesunden Mittelfeld.
Die einzige Sitzplatztribüne allerdings langt dann ordentlich zu, mit 420,-€ für den günstigsten Sitzplatz zahlt man 42,-€ mehr als in Bochum und 102,50€ mehr als in Braunschweig auf den Plätzen 2&3, der günstigste Sitzplatz der Liga ist für 176,-€ in Aue zu erstehen.
Auch bei den teuersten Sitzplätzen liegt man mit 600,-€ weit vorne, wobei hier eben die Haupttribüne statt (wie bei den meisten andern Vereinen) die Gegengerade gewählt wurde, was durchaus bei manchem noch einen Unterschied ausmacht. Getoppt wird dies nur vom teuersten Platz der Liga, den man in Düsseldorf für 690,-€ erwerben kann, bevor Lautern mit 545,-€ schon einigen Abstand hat.
Am günstigsten gut schauen kann man in Sandhausen (250€), Aalen (280€) und Ingolstadt (288€).

Nur fünf Vereine hielten die Preise konstant (1860, Lautern, St.Pauli, Ingolstadt und Aalen), der Rest erhöhte moderat im Inflationsbereich (Union, KSC, Fürth, Aue), Umbaubedingt (FSV Frankfurt) oder selbstbewusst (Fortuna mit 8,88%, Aalen mit 9,38%).
Die Absteiger aus Braunschweig (-8,76%) und Nürnberg (-11,53%) haben die Preise stark gesenkt, wobei Braunschweig damit noch immer stolze 30% über der den Preisen aus der letzten Zweitligasaison liegt. Der Stehplatz ist seitdem 26€ teurer geworden, die Sitzplatzkategorien gar 75€ bzw 120€. Was so eine Erstligasaison doch ausmacht.

Im Langzeitvergleich gilt dies auch für zwei weitere “One-Year-Wonder”, Greuther Fürth hat die Preise seit 2011 um 22,3% angehoben, die Düsseldorfer Fortuna sogar um 28,8%. Die kommende Saison ist für den Fortuna-Fan durch die jüngste Erhöhung sogar wieder teurer als der Ausflug ins Oberhaus (4,2%), wobei der Stehplatz dort “nur” auf Erstliganiveau zurück angehoben wurde.
Die meisten anderen Vereine haben in dem Zeitraum sich eher im normalen Inflationsausgleichbereich bewegt, 1860 München hat sogar als einziger Verein die Preise (wenn auch auf extrem hohen Niveau) seit 2011 nicht angefasst. (Lautern war damals noch Erstligist, hat die Preise mit dem Abstieg gesenkt und liegt heute 14,42% unter dem damaligen Wert.
Auch der KSC hat den Aufstieg aus der 3.Liga zur Anpassung genutzt, gegenüber 2011 zahlt man heute im Wildpark 15,1% mehr.

Die Aufsteiger haben sich wild in der Liga verteilt. Während Darmstadt 98 mit 168€ für den Stehplatz und 280€/420€ für die Sitzplätze mal selbstbewusst auf Platz 7 springt, versucht sich RB Leipzig ausnahmsweise mal im Mittelmaß. 150,-€ für den Stehplatz (in der Fankurve, auch wenn es sich dort um Sitzplätze handelt), gleiche 150€ aber auch in der gegenüberliegenden Kurve, 450€ für die besseren Sitzen, Platz 11 Platz 15 im Ranking.
(Nachtrag: Danke an “mikestar”, der mich in den Kommentaren darauf hinwies, dass es eben auch diese sehr günstige Sitzplatzkategorie in der anderen Kurve gibt, ein ähnlicher Fall wie in Aue.)
Heidenheim ist ein Sonderfall, da der günstigste Sitzplatz auf der Gegengerade gleichzeitig auch der teuerste ist, so dass es bei der billigsten Kategorie fast zu ganz oben, in der teuersten aber fast zu ganz unten reicht. Insgesamt Platz 14, damit aber als Einsteiger gleich mal vor den nicht ganz so weit entfernten Klubs aus Aalen und Sandhausen platziert.
(Ergänzung: Ich habe die Preise für den Online-Verkauf genommen, die gegenüber den normalen Preisen deutlich günstiger sind, z.B. 155€ statt 185€ für den Stehplatz. Allerdings zahlen wohl, wie mir Leser und FCH-Fan Christian mitteilte, viele nicht einmal diesen Preis, sondern den “ermäßigten” Preis von (Stehplatz) 62€/72€ (On-/Offline), da dies nicht nur die gängigen Ermäßigungen für Schüler/Studenten/Arbeitslose/Rentner etc. umfasst, sondern zusätzlich auch noch für alle Mitarbeiter einiger Firmen in der Umgebung gilt, ebenso für alle Vereinsmitglieder. Da aber zumindest die Ermäßigung für die Firmen nicht öffentlich ausgeschrieben ist und ich bei den anderen Vereinen derartiges eh nicht berücksichtige, bleibt es für die Tabelle bei den aktuellen Zahlen, diese mögliche Ermäßigung sei aber natürlich erwähnt. Danke an Christian für den Hinweis.)

Im Schnitt zahlt man also in der Liga 160€ für eine Stehplatz-Dauerkarte, sitzt “billig” für 265€ und “gut” für 431€, was in etwa den Zahlen des Vorjahres entspricht.

Mit braun-weißer Brille sei noch der Blick auf den FC St.Pauli erlaubt: Das Stehplatz-Ticket in der Süd (und auch in der Nord) ist mit 143,-€ das viertgünstigste der Liga, die viel beschworene soziale Verantwortung kann man in diesem Punkt also durchaus zugestehen, insbesondere wenn man Angebot und Nachfrage auch nur annähernd einfließen lassen würde. Die Gegengerade ist mit 167,-€ zwar etwas teurer, liegt aber immer noch deutlich unter den Preisen von Düsseldorf, 1860 und Braunschweig, von der besseren Sicht auf einer Stehplatzgeraden ganz zu schweigen. Bei den Sitzplätzen liegt man mit 285,-€ für den Sitzplatz Nord sowie 417,-€ für die mittleren Blöcke 3&4 der Gegengeraden ebenfalls im Mittelfeld der Liga.

 

Wer es bis hierhin geschafft hat: Danke für’s Lesen!
Wie immer gilt: Wer konstruktives Feedback hat, darf dies sehr gerne in den Kommentaren loswerden, wahlweise auch an die Blog-e-mail Adresse im Impressum richten, insbesondere wenn es um jene oben genannte fiktive “Vergleichszahl pro Verein” geht und man da eine praktikable Lösung weiß. // Frodo

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The Modelabel strikes again!

Boah, wat ein HRummel!
Eigentlich wäre es ja Sache des MillernTon, als ausgewiesener Fashion-Podcast Nr.1 in diesem Land, das gestrige Geschehen zu bewerten und eine Style-Expertise anzufertigen, aber Sommerpause ist Sommerpause, daher bleib nur das geschriebene Wort und “ein paar heiße Pics”!

Okay, genug geflachst, schauen wir auf die Fakten.
Nach vielen Jahren “Do You Football” als Ausrüster, ziert also ab sofort Hummel die Ausrüstung des FC St.Pauli. Sicher aufgrund vielerlei Dinge ein Wechsel, der in der Fanszene tendenziell eher begrüßt wird.
Diese Vorschlußlorbeeren versuchte Hummel dann auch gleich auszuweiten, indem man das Trikot mit einer bisher nicht für möglich gehaltenen Kampagne an den Start brachte. Ein Bewerbungsverfahren für einen “Drei-Sekunden-Blick” auf die Trikots durch ein Guckloch, bei dem sich über 1.400 Fans bewarben und 50 von Ihnen als “Augenzeugen” ausgewählt wurden und anschließend Teil eines Imagefilms wurden:

Gleichzeitig schafften Hummel und der Verein etwas, was bei DYF in den letzten Jahren so gut wie nie gelang: Das Trikot blieb tatsächlich geheim, bis zum Veröffentlichungstag.
Besagter Tag war dann nicht, wie zuletzt, eine schlichte Präsentation mit 2-3 Spielern, sondern gleich ein “Trikot-Launch“. Für die gesamte Kampagne hatten sich “Verstärker, die” im “pitch” durchsetzen können, wie es wohl (so oder ähnlich) im Werberdeutsch heisst.
Gleichzeitig die Ankündigung, man hätte sich so einiges einfallen lassen, der Designer (Jason Lee) hätte die Atmosphäre des Viertels in sich aufgesogen und danach in enger Absprache “das Lebensgefühl eines Kiezhelden” in den Trikots widerspiegeln lassen.

Puh, harter Tobak, und Wasser auf die Mühlen derer, die uns eh als “Modelabel mit angeschlossener Fußballabteilung” sehen.
Aber gut, lieber das, als Teil der Betriebssportgruppe einer Spedition mit Exklusivanbindung an Boulevardmeldungen zu sein.
Und meinetwegen kann man das jetzt auch einmal(ig) so richtig rausballern, wenn man das in den nächsten Jahren dann bitte auch wieder etwas ruhiger angehen lässt.

Jedenfalls versammelten sich ab 18.30h ca. 800 Leute im Ballsaal der Süd und warteten bei einigem Vorgeplänkel darauf, dass pünktlich um 19.10h dann auch das neue Trikot präsentiert wird.
Vorhang auf:

Tja, was soll man sagen:
Zumindest die Versprechungen wurden gehalten, es gibt tatsächlich einige Dinge, die man so bei Trikots bisher noch nicht gesehen hatte. Ob die jetzt immer zwingend notwendig sind, steht dann mal auf einem anderen Blatt, aber zumindest hat man sich Gedanken gemacht.

Der Reihe nach: “Türkis!!!” machte als angsteinflößendes Gerücht ja spätestens nach dem ersten Trailer die Runde, und als Sören Gonther dann mit diesem… “Dings” auf die Bühne trat, dürften einige der Ohnmacht nahe gewesen sein.
Okay, kleiner Gag, er tauschte dann ja auch schnell mit Tschauner, was für Beruhigung sorgte.

FC St. Pauli Trikot Praesentation(Fotocredit: Stefan Groenveld, vielen Dank!)

Jenes “Türkis” sieht man hier also nur bei Neuzugang Daniel Buballa, der das Optik Rathenow Pokaltrikot trägt. Schwarze Sterne sind eingearbeitet, die Hummel-Insignien und das Vereinswappen sind in fluoreszierendem Türkis und können dementsprechend leuchten, wenn das Flutlicht ausfällt. Rathenow hat wohl gar kein Flutlicht, was für einen gewissen Grundoptimismus im Verein spricht, kann ja nie schaden.
Ehrlich: “Gut gemeinte” Idee, im Wortsinne von “Das Gegenteil von gut ist gut gemeint“, damit werde ich nicht warm. Als Vereins- und Trikotfarben stehen Braun, Weiß, Rot und Schwarz zur Verfügung, wenn man das Rot oder Weiß nicht “fluoreszierend” hinbekommt dann muss man es eben sein lassen.
Aber so oft werden wir es ja eh nicht sehen und von Eva Kalla habe ich beispielsweise gestern erfahren, dass es ihr sogar sehr gut gefällt. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

Und dann die Torwarttrikots…
Uwe Kamps hat angerufen – er will die Dinger zurück.
Insbesondere dieses grün/lila “Dings”… ich würde gerne eine Wette anbieten, dass Tschauni das Teil in weniger als fünf Pflichtspielen tragen wird.
Furchtbar… wenn da jetzt noch ein Quietschroter Sponsor drauf kommt… Ohgoddogodd. Damit könnte man ganze MillernTon-Fashionpodcast-Staffeln(!) füllen!
Zwille, übernehmen Sie!

Zum Schluß, das Wichtigste, gleichzeitig aber auch die Highlights:
Das braune Heimtrikot und das weiße Auswärtstrikot gefallen. Absolut, ohne jede Einschränkung!
Im Großen und Ganzen schlicht und einfach, trotzdem mit charmanten Ideen.

KiezHelden Kragen

KiezHelden Kragen

Im Kragen ist beispielsweise KiezHelden verewigt, gleichzeitig ist auch noch ein Totenkopf-QR-Code enthalten, welcher nicht zu Hummel oder zum Verein, sondern eben zu KiezHelden.com führt (für Euch getestet!). Wenn also ein Spieler mal verletzt am Boden liegt, der Schiri Langeweile hat und das zufällig grad sieht, weil der Kopf stark nach vorne geneigt ist… Zack, Handy gezückt, eingescannt, und schon weiß er Bescheid wie er sich sozial bei uns besser einbringen kann! Bämm!
Okayokay, nein wirklich, ich finde das sehr charmant. Nicht überlebensnotwendig, aber eben mit Liebe zum Detail und einem gewissen Augenzwinkern schön umgesetzt.

Gleiches gilt für diesen Gütelschnallen-ähnlichen Totenkopf auf den Hosen. Wenn das Trikot nicht in der Hose steckt, sicherlich bei den Spielern kaum zu sehen.
Aber stellt Euch den normalen Fan vor, der mit ein bißchen Bauch das Trikot vorne leicht baumeln lässt… sobald der beim Torjubel die Arme hochreisst und den Bauch freigibt, ZACK! ist der Totenkopf auf der Hose zu sehen.
Ja, auch hier: Nicht überlebensnotwendig, aber eben mit Liebe zum Detail und einem gewissen Augenzwinkern schön umgesetzt.

Fazit: Die beiden relevanten Trikots gefallen (mir) sehr gut, damit ist die größte Herausforderung für Hummel schon mal gemeistert. Beim Pokaltrikot und den Torwarttrikots besteht noch genügend Luft nach oben, um eine langjährige Partnerschaft auch in den nächsten Jahren noch mit Verbesserungen zu bereichern.

Noch ein Wort zu den Preisen: Die 59,95€ von DYF wurden dann mal flugs um 10,-€ angehoben, auf 69,95€, Kindertrikots schlagen mit 54,95€ zu Buche. Damit liegt man nur noch zehn Euro unter den Branchenriesen wie dem FC Bayern oder anderen Adidas-Klubs, auch die Hosen wurden mal eben 10,-€ teurer. Ich muss wohl mal wieder nen Trikot-Preisvergleich machen, das Mittelfeld der zweiten Liga dürften wir jedenfalls nach oben verlassen haben, zumindest preistechnisch. (Siehe dazu auch unten den Link zum Athens SouthEnd Scum.)

Gerne dann im nächsten Jahr auch mit weniger Wirbel. // Frodo

Weitere Links:
- Lichterkarussell: “Seegurken. Gewebehärtung. Abwehrmassnahmen…
- Stefan Groenveld: “Die Trikots vom FC St.Pauli in der Saison 2014/2015
- FCSP Athens SouthEnd Scum: Auskotzen über den Trikotpreis (english)
- Yorkshire St.Pauli: “Interview – Behind the kit
- FC St.Pauli-Shop

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ÜBERSTEIGER WM-Umfrage 2014

Der kleine charmante Fragebogen zu diesem Nationenturnier in Südamerika erschien in unserer Ausgabe 115. Da aber momentan alle drüber reden, meist sehr positiv und überschwänglich, wollen wir Euch unsere größtenteils vorherrschende Langeweile nicht vorenthalten. Es antworten (fast) alle Redaktionsmitglieder sowie zwei Gäste.
Zum Thema “Schland” sei dann noch dieser Text aus Düsseldorf empfohlen.

Die große Weltmeisterschafts Übersteiger - Umfrage

Nachdem wir dieses mal weder ein Sonderheft, noch ein Sonderblog oder irgendwas Besonderes zur WM rausbringen, soll wenigstens unsere kleine redaktionsinterne Umfrage entschädigen (die ggf. auch erklärt, warum wir nix rausbringen).
Und zur Freude aller haben wir am Ende auch noch zwei allseits bekannte und beliebte Gaststars befragen dürfen. Nun lesen büddeschön. Dann wissta bescheid.

1. Wie dolle freust Du Dich auf die WM in Brasilien?

CF: Gar nicht. Weltmeisterschaften berühren mich eher nicht.
Frodo: Och, nur sehr bedingt. Am meisten Spaß macht mir mein Panini… äh… das Sammeln der Panini-Bilder für Junior.
hog: Wird mit jeder WM weniger, aber wenn ich erst dabei bin, kommt doch langsam Fußball-Fieber durch. Ich finde auch durch die Kommerzialisierung und jeden Werbe-Euro einfahren wollen, wird es immer uninteressanter. Vielen geht es nicht mehr um Fußball.
Kriller: War schon mal mehr.
MacKozie: Geht so, angesichts der Bedenken/Anti-WM-Bewegung in Brasilien selbst. Wird wohl eh wieder eine Veranstaltung für einige wenige Bonzen, denen der Fußball als solcher ziemlich scheißegal ist, und Event-Touristen, während der “normale” Fußballfan mit diesen sog. Fan-Festen abgespeist wird. Und bei der lokalen Bevölkerung bleibt nichts davon hängen.
Mirco: Irgendwie gar nicht. Die letzten Jahre fand ich WM und EURO nur noch störend.
Rakete: Auf einer Skala von 0 (gar nicht) bis 10 (gaaanz dolle) sag ich mal so ‘ne 6. Das liegt weniger an der WM als Sportereignis an sich, sondern an den bis dahin damit einhergehenden Folgen für das Land. Vertreibung von Slumbewohnern, Abriss von Siedlungen, sogar von Schulen, Einsparungen, Verteuerungen usw. Von diesen Geschehnissen und den Protesten dagegen kriegt man in Deutschland nur leider kaum etwas mit. Auch dass bei den Stadion-Bauarbeiten Arbeiter umgekommen sind, nicht.
Ronny: Schon ein wenig, zumal ich bei den vergangenen WMs im geselligen Freundes-Beieinandersein beim gemeinsamen TVGucken meist der einzige gewesen bin, der nicht für Deutschland gewesen ist. War immer lustig. Und bei den WM-Tipps war ich auch meist vorne mit dabei – wenn nicht sogar Sieger…
Stemmen: Gar nicht! Ich werde sicherlich mal Spiele gucken, weil’s halt auch Fußball ist, aber mich interessiert und fasziniert nur Vereinsfußball.
sten: Trotz Blatter, Fifa, Kommerz, Korruption, irgendwie schon ein bißchen.
Troll: Aus ideologischen Gründen müsste man Blatters Spiele natürlich boykottieren, allerdings bringe ich es wohl nicht übers Herz, den Fernseher auszulassen. Denn in den geraden Jahren überbrückt ein großes Turnier die sonst allzu lange Sommerpause. Zudem muss ich in diesen Jahren keine kreativen Gedanken entwickeln, wie ich meinen Geburtstag feiere. Nämlich mit ein paar guten Freunden am Grill, viel Fleisch und noch mehr Bier.
Zwille: Überhaupt nicht.
Daniela Wurbs: Ich freu mich erstmal viel mehr auf das Antira Turnier Ende Mai am Millerntor Stadion.
Sven Brux: Auf einer Skala von 1-10 freue ich mich 3, da die 1 und 2 schon für den Klassenerhalt von Braunschweig und den Rauten reserviert sind. Nee, vielleicht kommt das Interesse noch, aber angesichts einer in meinen Augen dermaßen mit Korruption zusammen hängenden Veranstaltung, die wie immer auf Kosten der örtlichen Bevölkerung geht und immer nur den Konzernen und dem Weltverband die Gewinne zuschustert, kann ich da im Moment keine richtige Begeisterung aufbringen.

2. Wer ist Dein Wunschweltmeister?

CF: Irgendein ein Underdog.
Frodo: Irland. Ich weiß aber, dass das sehr schwer wird.
hog: Brasilien, Spanien oder Deutschland, ist mir eigentlich egal. Hauptsache
interessante spannende Spiele.
Kriller: Honduras, da habe ich schon einen GroundPoint.
MacKozie: Ich finde, die Niederlande wären endlich mal fällig… ;-). Aber da mir die “üblichen Verdächtigen” zum Halse raushängen – und mein Fave-Team Irland nicht dabei ist – drücke ich dieses Mal verstärkt Belgien die Daumen.
Mirco: Portugal. Immer Portugal. Seit 15 Jahren nur noch Portugal. Ich liebe Land, Kultur & Leute und freue mich für die mit.
Übrigens: Trotz CR7 und nicht wegen ihm. Das geht auch nicht wenigen Portugiesen so.
Rakete: England mit Steven Gerrard und Frank Lampard
Ronny: 
Völlig egal. Hauptsache geile Spiele und deftige Überraschungen…
Stemmen: Scheißegal, Hauptsache nicht die BRD.
sten: England
Troll: Die junge Mannschaft aus Belgien hat mich beeindruckt. Die jungen Wilden haben mittlerweile das Konspirative aus der Titulierung “Geheimfavorit” eliminiert. Und ansonsten hat die Heimat von Onkel Dutroux ja auch nix zu bieten, außer Fritten, Bier und voll beleuchtete Autobahnen.
Zwille: Der Weltfrieden
Daniela Wurbs: Ich schwanke zwischen Elfenbeinküste und Bosnien & Herzegovina.
Sven Brux: Sowas wie Costa Rica oder so wäre schön. Nicht, dass ich mir da Illusionen machen würde, das deren Verband so supi wäre, aber zu den Lütten zu halten, war doch schon immer nett. Tippspielmäßig muss ich aber wohl wider Schland eintragen ;-)

3. Und wer wird es tatsächlich?

CF: Belgien
Frodo: England
hog: Brasilien, Spanien oder Deutschland, ist mir eigentlich egal. Hauptsache
interessante spannende Spiele.
Kriller: Wer spielt nochmal mit?
MacKozie: Brasilien, weil die 1950 gut machen müssen, oder Spanien (falls die nicht schon alt bzw. satt sind). Meistens sind ab dem 1/4-Finale eh nur noch die, die man auch sonst nicht unbedingt unterstützt, da nehme ich den späteren Titelträger eh nur noch “zur Kenntnis”. Soll heißen: mirrrdochejall.
Mirco: Keinen Schimmer und ist mir irgendwie auch wurst. Hauptsache nicht Deutschland, weil diesem Land das nicht gut tut. Hier müssen noch viele Menschen verlieren lernen und das tut man am besten… mit Training!
Rakete: 
Argentinien
Ronny: Wieder Spanien. Wetten!?
Stemmen: Nicht die BRD.
sten: Spanien
Troll: Der Weg zum Titel führt nur über den Gastgeber. Ansonsten mischen die üblichen Verdächtigen um den Pott mit.
Zwille: Brasilien
Daniela Wurbs: Was für eine Frage…
Sven Brux: Siehe oben, Schland dürfte wie immer zum Favoritenkreis gehören.

4. Welches ist Dein Arschloch-Team?

CF: Weiß gar nicht so genau, welche Teams dort spielen. Wenn, Italien.
Frodo: Ehrlich gesagt ist mir der Wettbewerb zu egal, um ein Team derart emotional zu würdigen.
hog: Wird sich noch zeigen.
Kriller: Italien
MacKozie: Vom Stil her seit jeher Italien (deren Fußball konnte ich noch nie ausstehen) und – natürlich - Frankreich. Von den Fans her waren mir Kroatien, Russland, England immer ziemlich suspekt.
Mirco: Ich mag eigentlich viele der sog. Großen nicht so sehr: England, Frankreich, Deutschland, Holland etc. Allerdings bin ich wohl der einzige hier, der die mediterranen Mannschaften schätzt: Portugal (s.o.), Spanien und …ja…Italien! Ich finde Catenaccio geil!
Rakete: 
Seufz… Es gibt einige Teams, denen ich keinen Titel gönne, aber es gibt nicht DAS Arschloch-Team.
Ronny: Wer spielt denn alles mit? Nee, im Ernst: “Arrogante Arschlöcher”… ;-)
Stemmen: Die FIFA
sten: Argentinien
Troll: Ein echtes Anus-Team habe ich nicht. Adolf Putin würde ich es diesmal aber irgendwie nicht so recht gönnen…
Zwille: Der Ausrichter
Daniela Wurbs: Gehen auch mehrere? Dann ganz spontan: Rostock, Zenit St. Petersburg und Red Bull Salzburg.
Sven Brux: Kann ich jetzt noch nicht sagen, das stellt sich ja meist erst im Laufe des Turniers raus. Aber den Engländern gönne ich schon traditionell ein frühes und peinliches Ausscheiden, weil die immer so tief fallen und mich der Blick auf deren Medien dann so erfreut…

5. Welches ist Dein weltweiter Lieblingsspieler und warum?

CF: Gareth Bale, spielt fantastisch und schnell und hat bei Tottenham gespielt.
Frodo: Ryan Giggs, weil ich damals in seiner ersten Saison ein Spiel von ihm live im Old Trafford gesehen habe. Schade, dass er es mit Wales nie zu einer WM oder EM geschafft hat.
hog: Ändert sich immer.
Kriller: Wart mal, da muss ich erstmal ins Panini-Album meiner Tochter gucken…
MacKozie: Fußball ist immer noch ein Mannschaftssport ;-)
Mirco: Henning Bürger. Kam so spontan. Ich hab den immer gemocht.
Rakete: 
Steven Gerrard – weil er seit seiner Jugend für den gleichen Verein spielt, sich nicht für schnöden Mammon hat wegkaufen lassen und weiß wo sein Herz hingehört. Außerdem spielt er geilen Fußball, und freut sich immer so schön. Und außerdem kenne ich nur einen Bruchteil aller teilnehmenden WM-Spieler.
Ronny: Schachten – muss ich nicht erklären, oder?
Stemmen: International? Klaas-Jan Huntelaar! Seit ich vor ungefähr zehn Jahren einen größeren Bericht über ihn gelesen habe, verfolge ich seine atemberaubende Karriere. Dass er 2010 in die BL wechselte und dann auch noch zu Schalke war und ist für mich ein absolutes Highlight. So konnte ich ihn zumindest einmal sogar live gegen St.Pauli erleben. Im Rückspiel am Millerntor war er ja leider nicht dabei. Wenn die Menschen in ein paar Jahrzehnten mal von der legendären Bayern-Mannschaft dieser Tage schwärmen, werde ich stolz behaupten können, dass ich Huntelaar live spielen gesehen habe.
sten: Andrés Iniesta. Wie warum?
Troll: Zlatan Ibrahimovic, weil er einfach cooler ist als CR7.
Zwille: So tief beschäftige ich mich mit den Teams gar nicht.
Daniela Wurbs: Eigentlich mag ich keinen Starkult. Aber einen gibt es dann doch, der ist aber leider schon von uns gegangen: Günter Peine. Warum ist ja wohl klar.
Aktive Spieler: Der Namensgeber des litauischen Amateurvereins FC Vova aus Vilnius – die haben ihren Verein nach ihrem schlechtesten Spieler benannt.
Sven Brux: Sorry, hab ich keinen und mir fehlt da ehrlich gesagt auch der Überblick. Ich bin mir aber sicher, dass mir der Übersteiger in seinem WM-Extra einen Kandidaten präsentieren wird, der sich durch Empathie, Intelligenz und „über den Tellerrand schauen“ von der eher tumben Mehrheit absetzt. (Anm. der Redaktion: Uuupps)

6. Welches ist Dein weltweiter Arschlochspieler und warum?

CF: Kevin Großkreutz, warum sag ich nicht.
(Anm. d. Korr.: Notiert vor Dönerwurf und Hotelpinkeln.)
Frodo: Mich stört einiges am Auftreten von Ronaldo und Ibrahimovic, aber “Arschlochspieler” geht mir zu weit, sowas hab ich nicht.
hog: Ändert sich auch immer.
Kriller: Christiano Ronaldo - Bedarf keiner Erklärung.
MacKozie: CR7 halte ich für ‘nen ziemlich eingebildeten Fatzke und auch die meisten italienischen Spieler beäuge ich in der Regel mit ziemlichen Argwohn. Aber man hofft ja
doch, dass die außerhalb des Platzes ganz anders drauf sind.
Mirco: Das ganze Faschistengesocks wie Di Canio und so ne Typen wie „Prinz Poldi“. Aber mehr das, wofür er steht, als ihn selber. Ich finde die Verehrung von Idiotie einfach weder lustig noch hilfreich.
Rakete: 
Tja, auch hier das Problem, dass ich nur einen Bruchteil aller Spieler kenne. Die Frage kann ich eigentlich erst nach der WM beantworten. Aber gut. CR7 geht mir schon lang auf die Nerven wegen seiner Affektiertheit und Suarez wg seiner latent rassistischen Tendenzen.
Ronny: Michael Thurk. Absoluter Unsympath!
Stemmen: Nationalspieler (ha ha) Kevin Großkotz!
(Anm. d. Korr.: Notiert vor Dönerwurf und Hotelpinkeln.)
sten: Neymar, der Umfaller
Troll: Domagoj Vida, weil der im Panini Album echt übel aussieht…
Zwille: s.o.
Daniela Wurbs: Na guuuut, da gibt es einige… Wahrscheinlich ist die Liste uneinholbar angeführt von Di Canio, als er noch Spieler war. Warum? Ich zitiere nur „Ich bin Faschist und kein Rassist“. Der kroatische Spieler Simunic mit seinem faschistischen Ustashe - Gruß ist auch ein heißer aktueller Kandidat für den Preis. Oder Anelka für seinen Quenelle - Gruß in Anlehnung an einen antisemitischen Kabarettisten. To be continued….
Sven Brux: Da fällt mit spontan Ronaldo ein, der all das verkörpert, was ich an schwerstreichen jungen Schnöseln nicht mag.

7. Sag mal was zum Public Viewing…

CF: Grausam, wenn Deutschland spielt. War ansonsten bei der WM 2006 fantastisch!
Frodo: Schade, dass es nicht in Stellingen stattfindet. Hätte ich sowohl der Location als auch den Leuten gegönnt.
hog: Fand ich 2006 spannend, weil es auch etwas Neues war und Deutschland im Fußball Rausch gewesen ist. Mein Sohn Paul war damals vier Jahre alt und wir haben es genossen, zusammen Fußball zu gucken. Das Fanprojekt hatte tolle Angebote in und um die St.Pauli-Kirche, auch viel Geld investiert und wurde dann von der Stadt und dem DFB ziemlich allein gelassen damit. 2010, als Paul acht Jahre alt war, sind wir zum Heiligengeistfeld und es hat ihn sehr beeindruckt. Ich finde es sexy, wenn alle Nationalitäten zusammen fiebern, freuen und feiern.
Kriller: Toll, dass das Holy-Ghost-Feld jetzt auch nachts beschallt wird! So groß und weltoffen, wie Hamburg sich immer gibt, war es aber auch enorm wichtig, dass für dieses Event eine Ausnahme-Regelung gefunden werden konnte. Ansonsten hätte ich noch Zeitumstellung vorgeschlagen. Nun reichts aber auch mit Ausnahme-Regelungen! Da könnte ja glatt jeder kommen…
MacKozie: Ist meistens eher ein Event für den “Turnier-Fußballfan” oder Leute, die dabei sind, weil’s in der Zeit eben “chic” ist. Die – sagen wir mal – richtigen Fußballfans gehen da teilweise auch schon mal unter. Bin in den letzten Jahren mit meiner Verwandtschaft bei dem einen oder anderen “Wju’ing” gewesen und fand’s eigentlich gar nicht sooo schlecht zu sehen, wie z.B. Teens und deren Ellis – allesamt mit sog. Migrationshintergrund – in DFB-Sachen unterwegs waren und nirgendwo ein “aufrechter Doitscher” (sofern anwesend) rumspackte oder man mit Niederländern und Dänen zusammen am Bierstand steht und über’s Spiel schnackt oder – wie beim Eröffnungsspiel 2010 – im Südafrika-Trikot mit den Tänzern vom König der Löwen und der mexikanischen Gemeinde zu feiern. Wenn du Glück hast, erlebste tatsächlich den einen oder anderen Multi-Kulti-Moment. Kannst natürlich nicht für alle sprechen, die dort auftauchen, aber mir ist dieser Event-Charakter doch um einiges lieber, als später die “Sieg” rufenden Honks verfluchen zu müssen.
Mirco: 2006 war ich bei einigen Spielen ohne deutsche Beteiligung auf dem HGF und mochte es. In den Folgejahren wurde es immer schlimmer und ich meide so was, ob auf dem HGF oder sonst wo. Schwarmintelligenz halte ich für ein Gerücht.
Rakete: 
Interessant wird es, wenn Schlagermove auf Public Viewing auf dem Heiligengeistfeld aufeinandertreffen. Zum Glück spielt an dem Wochenende wenigstens Deutschland nicht.
Ronny: Würg!
Stemmen: “Stukas, Stukas, über’m Oberbayern!”
sten: Beerdigungen sind ein sehr private Sache.
Troll: Schwarz-Rot-Goldene Atze-Schröder-Perücken, Blumenketten, Rückspiegelschoner und hunderttausende Partywütiger, die von Fußball keinen blassen Schimmer haben. Ganz ehrlich, das ist brutaler als der Karneval in Kölle…
Zwille: Ich komme vom Land. Ich kenne Schützenfeste. Ich war noch nie bei einem Public Viewing.
Daniela Wurbs: Tschland?
Sven Brux: Wers mag, soll hingehen. Mein Ding ist es nicht. Zusammen mit Vielen Fußball zu gucken, kann ja echt geil sein, aber die Auswüchse in negativer Hinsicht, was Cateringpreise, Gedränge und Prolltum angeht, lassen mich von solchen Veranstaltungen Abstand halten. Bezeichnend ist jedoch, das hierfür geltende Gesetze bzgl. Lärmbelästigungen außer Kraft gesetzt werden, was bei anderen Veranstaltungen nicht möglich ist.

8. Und zum Sommermärchen…

CF: Ging klar, die vier Wochen waren eine schöne Zeit.
Frodo: Der Umgang mit “Deutschland” ist aus meiner Sicht durch 2006 tatsächlich entspannter geworden, sowohl im In- als auch im Ausland. Man muss halt weiterhin aufpassen, dass es nicht überreizt wird, wie leider ja auch 2006 ab und an geschehen.
hog: Marketing, Vermarktung, Kommerzialisierung, Ausschlachten jeder Nuance. Nein Danke. Es gibt kein Sommermärchen.
Kriller: Es war einmal…
MacKozie: Noch ein paar Jahre später, als ich zu Besuch in Glasgow war und wir uns im Pub über deutschen Fußball unterhielten, sagten noch viele der Anwesenden, dass es “ganz Deutschland verändert” hätte. Und mir ist lieber, im Ausland oder von Nicht-Deutschen auf die WM 2006 angesprochen zu werden als auf zwei Weltkriege oder die Nazi-Zeit. Hab seinerzeit natürlich auch die Nase gerümpft, aber die Atmo war da, wo ich mit am Start war, ziemlich peacig und happeningmäßig. Fand ich damals, ehrlich gesagt, gar nicht sooo verkehrt – aber da gab es auch noch nicht so die Attitüde des: “das wird man ja doch wohl noch sagen dürfen”.
Mirco: Mal ne Std. Zeit? Es fällt zu vielen Deutschen einfach schwer, mit so was umzugehen. Schade, aber das ist wohl die Natur von Patriotismus, der eben sehr schnell zum Nationalismus wird. Ingo Zamparoni, der vor zwei Jahren öffentlich für sein Lächeln in der Halbzeitpause ITA-GER am liebsten des Landes verwiesen wurde. Kleine Sparkassenangestellte und Douglasmädchen in Schwarz-rot-gold „sind wieder wer“. Und selbst das hat nicht nur was nerviges, sondern sogar was gefährliches. Siehe die Linkenjagd 1990 nach dem Titelgewinn. In HH nach Schlagermove und Deutschlandspiel ist Krieg! Und Krieg ist blöd.
Rakete: 
Das wird sich ja erst noch zeigen, ob der Sommer märchenhaft wird. Für mich bedeutet Sommermärchen alles, was länger als 6 Wochen über 25°C warm und sonnig ist.
Ronny: Kotz!
Stemmen: Kotz.
sten: Hänsel und Gretel?
Troll: Danke, es langt. Ich lasse mir doch von Dir jetzt nicht die Stimmung vermiesen!
Zwille: In Brasilien ist Winter…
Daniela Wurbs: …bitte nicht.
Sven Brux: Das 2006er? Ist mir Latte. Mein Sommermärchen 2014: Ich sitze am Finaltag bei bestem Wetter inmitten einer urigen Flusslandschaft in Polen und muss mir aus einem dort empfangbaren UKW-Sender den Verlauf des Spieles zusammenreimen.

9. Welches war Dein erstes WM-Erlebnis?

CF: Mit neun Jahren 1974 zum ersten Mal in meinem Leben ein Fußball Spiel im Farbfernsehen gesehen. Holland fand ich gut.
Frodo: Spanien, 1982, am TV. Ich erinnere mich an den weinenden Uli Stielike beim Elfmeterschießen im Halbfinale gegen Frankreich. Live dann 2006, als ich dank Thorsten L. mit ihm »Follow your Team«- Togo - Tickets hatte.
hog: 1970 Uwe Seeler in Mexiko mit seinem Hinterkopftor. Mit acht Jahren habe ich damals pausenlos vorm Fernseher gesessen und Fußball geschaut. Die Bilder dieser WM sind noch immer in meinem Kopf. Und dann 1974 in der alten Schüssel, das 0:1 von Sparwasser BRD vs. DDR, war schon ein Erlebnis.
Kriller: Die Hand Gottes.
MacKozie: Ahem, 1974, allerdings nicht vor’m Fernseher selbst. War in dem Jahr als kleiner Buttje im Familyurlaub in Polen und da in Masuren zu der Zeit nicht überall Fernseher standen, lief’s eben im Radio. Hab natürlich kein Wort verstanden, außer: “Diiisäss dieckäh Millerrr…”.
Mirco: Ich habe ca. 80 mal mit meinem Freud im Garten den Elfer von Uli Stielike nachgespielt. 1982 in dem sagenhaften Spiel gegen Frankreich in Sevilla. Ich war im Urlaub in Spanien. Da war für mich als lütten Jung noch alles so unschuldig.
Rakete: 
1990. Ich war zu der Zeit gerade nach Berlin gezogen und kannte noch nicht sehr viele Leute. Ich interessierte mich damals an sich nicht sonderlich – eigentlich nicht die Bohne für Fußball. Jedoch – es regnete dauernd und alle Leute die ich kannte schauten WM. Was blieb mir übrig, wollte ich nicht alleine in meinen 4 Wänden versauern, als mit den anderen in irgendwelchen besetzten Häusern und Punkschuppen zu public viewen. Und es hat Sauspaß gemacht und ich war für Kamerun, aber deswegen nicht gegen Deutschland. Bis zum Schlusspfiff, als von dem gegenüberliegenden Haus Leuchtgeschosse in unser Wohnzimmer flogen mit den dazu gebrüllten Kommentaren ‘Da habt ihr’s, ihr scheiß Zecken!’ und in der Stadt überall Männer mit verzerrten Fratzen vor lauter Stolz darauf Deutsche zu sein, Jagd auf Ausländer / Andersaussehende machten, und der Nationalstolz in Berlin absolut unerträgliche Ausmaße nahm.
Ronny: Bewusst das legendäre 3:4 Deutschlands gegen Italien 1970 in Mexiko. Hab sogar geheult…
Stemmen: Als meine Mutter nach dem verlorenen Finale 1986 bei einer befreundeten Familie namens Gomes in den Keller gekotzt hat.
sten: 1974, das Eis, im orangen-mit-dem-WMLogo- verzierten Plastikbecher.
Fußballmäßig, 1978, das 0:0 von der BRD gegen Tunesien. Gesehen im TV auf dem Campingplatz in Grömitz. Meine Schwester und ich waren für Tunesien.
Troll: Das war die WM ’82 in Spanien. Wir waren im Urlaub auf Korsika. Als Deutschland im Halbfinale das Spiel in der Verlängerung umbog – Schumacher hatte zuvor Battiston ausgeknockt – rüttelte ich vor Freude derart am Fernseher, dass das Bild weg war. Ich verfestigte damit das Bild, dass auch schon ein Elfjähriger den hässlichen Deutschen verkörpern kann. Wie zur Strafe verbrachte ich das Finale schmollend im Auto auf der Heimreise.
Wie kann man nur so den Urlaub planen, meine Fresse, Mutti!
Zwille: Eine unvollständige Sammlung von hanuta - Bildchen der WM-Recken von 1990.
Daniela Wurbs: Ganz bewusst? Der Schock als ich festgestellt habe, dass Rudi Völler bei der WM 1990 denselben Haarschnitt hatte wie mein Vater.
Sven Brux: Ich kann mich bewusst an die WM ’74 erinnern. Beim Finale saßen die Erwachsenen alle im Wohnzimmer, lecker mit Reval ohne Filter und viel Bier. Ich bin dann aber lieber in die Stadt gegangen, weil dort ein Hochseilartist auf einem Platz auftreten sollte. Fand ich mit 8 Jahren spannender. Und die Luft war besser.

10. “Nie, nie, nie wieder Doitschland” oder
“Fanclub Nationalmannschaft”?

CF: Weder noch. Berührt mich einfach nicht.
Frodo: Weder noch. Mir ist der Hype um die Nationalmannschaft deutlich zu Deutschtümelnd, in vielen Zusammenhängen, daher werde ich ganz sicher mich auch nie über einen Titel freuen können. Wenn der Sohn aber sechs Jahre alt ist und Manuel Neuer absolut toll findet, entwickelt man auch eine etwas entspanntere Sicht auf alles und kann sich das neutral anschauen.
hog: Wie gesagt Nationen nein danke, aber wenn es erst los geht, bin ich doch dabei und schlage mich auf eine Fußball-Nationen-Seite. Gegen die eigene Nationalmannschaft zu sein, finde ich genau so übertrieben wie für ein anderes Land zu sein, aus Prinzip gegen Deutschland, einfach Scheiße! Man hat Lieblinge, wegen besonderer Erlebnisse, Stars oder Herzensangelegenheiten, Begründung ist einfach alles.
Kriller: Schland? … Schloch!
MacKozie: Fanclub-Nationalmannschaft GANZ bestimmt nicht. Aber an der Uni hatte ich damals jede Menge französische, italienische oder spanische usw. Mitstudis gehabt, unter denen auch Linke/Anarchisten waren – und die haben sich bei den großen Turnieren das Trikot ihrer Auswahl übergezogen und “Forza Italia”, “Arriba” oder “Vive la France” gerufen.
Von daher meine ich, dass wir den “unpolitischen” oder den wirklichen Spacken, die mit exzessiven Nationalismus ihr eigenes danebengegangenes Leben kompensieren meinen zu müssen, nicht das Feld überlassen dürfen.
Mirco: Siehe Sommermärchen. Die Lust an der DFB-Elf haben mir vor allem seine Fans versaut. Deshalb steh ich bei St. Pauli und nicht woanders. Da kann ich mich mit den „Das wird man ja noch mal sagen dürfen“-Affen und Testosteron-Schlager-Move-Mario-Barth-Bratzen nicht plötzlich im Sommer freuen. Leider ticken ja auch vermeintlich ganz vernünftige Menschen aus bei Schwarz-Rot-Gold und beschimpfen die “Itacker” oder “Inselaffen”. Vielleicht gucke ich dieses mal auch gar nicht, weil ich mich eigentlich jedes mal streite.
Rakete: 
Nach diesem schlimmen Erlebnis nach dem WM-Sieg der Deutschen 1990 war ich lange Zeit absolut Anti. Mittlerweile ist mir Deutschland egal + wenn die Nationalmannschaft gut spielt, gönne ich ihr auch einen Sieg. Nur den deutschnationalen Spacken gönne ich das natürlich nach wie vor nicht. Deswegen darf Deutschland auch auf keinen Fall Weltmeister werden.
Ronny: Weder noch. Deutschland ist mir sowas von egal…
Stemmen: Ersteres. 
sten: Wenn die “Mannschaft” guten Fußball spielt, soll sie was auch immer werden Troll: Die schwierigste Frage zum Schluss, ich hab’s geahnt! Auf der einen Seite widerwärtige Deutschtümmelei in deren Schatten die Nazis vier Wochen lang ungeniert maschieren können, auf der anderen Seite moderner Hochgeschwindigkeitsfußball zelebriert von einer Mannschaft, die mittlerweile einen echten ethnischen und kulturellen Querschnitt durch die Gesellschaft darstellt. Ich kann’s dir wirklich nicht sagen!
Zwille: “Wer sonst gar nichts hat, der hat doch ein Vaterland. Patriotismus ist die Religion der ganz armen Schweine.” – Wiglaf Droste.
Daniela Wurbs: Was für eine Frage…
Sven Brux: Weder noch. Mit fortschreitendem Alter sollte man registriert haben, dass die Welt nicht in schwarz und weiß aufzuteilen ist. Ach ja, am bescheuertsten finde ich jedoch diejenigen, die sich ersterem zugehörig fühlen, dann jedoch Trikots/Fahnen o.ä. anderer Länder zur Schau tragen.

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Antira-Turnier 2014 und Millerntor Gallery #4

Vom Freitag bis Sonntag (30.Mai bis 01. Juni 2014) findet ja das diesjährige Antirassistische Turnier des Fanladen St.Pauli in Hamburg statt, erstmals am Millerntor. Einen Tag früher startet und endet jeweils die
MILLERNTOR GALLERY #4.
Also gleich zwei hervorragende Gründe, dem Millerntor auch in der Sommpause mehrfach einen Besuch abzustatten, nachdem ja letzten Samstag bereits das Fanclubturnier an gleicher Stelle stattfand.

Antira

Zum Antira findet Ihr die meisten Informationen auf der Facebook-Seite des Turniers, u.a. auch die Programm-Seiten 4 und 5, auf denen das vorläufige Programm gedruckt ist:

Antira-Turnier St.Pauli 2014 - Programm Teil 1

Antira-Turnier St.Pauli 2014 – Programm Teil 1

Antira-Turnier St.Pauli 2014 - Programm Teil 2

Antira-Turnier St.Pauli 2014 – Programm Teil 2

Neben dem Fußball an sich also gespickt mit interessanten Themen, z.B. dem Stadtteilrundgang zum Jüdischen Leben im Stadtteil zur Nazizeit (Fr. 14.00h), der Diskussionsrunde zur Rolle von Fußballfans in sozialen Protesten (Fr. 19.00h), dem Gespräch mit Zeitzeugen (Sa. 14.00h) und natürlich dem Gruppenfoto und dem gemeinsamen Marsch zur Roten Flora (Sa. 19.30h), bevor dort dann auch ein Konzert stattfindet.

Und ganz nebenbei werden wir auch die restlichen Exemplare unserer T-Shirts “Kein Fussball den Faschisten” verkaufen. Also: Alle hin da!

MILLERNTOR GALLERY #4

Gleiches gilt auch für die MILLERNTOR GALLERY #4. Seit drei Jahren bieten Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. und der FC St. Pauli Künstlern einmal im Jahr auf über 4.000 Quadratmetern Raum für bunte, künstlerische Entfaltung und kulturellen Dialog, auch hierfür gibt es natürlich eine Facebook-Seite.

Von Donnerstag bis Samstag (29. – 31.Mai) treffen national und international etablierte Künstler im Rahmen der vierten MILLERNTOR GALLERY auf vielversprechenden Nachwuchs sowie engagierte Bands und Musiker. Ein Großteil der Einnahmen fließt in die Wasser- und Bildungsprojekte von Viva con Agua de Sankt Pauli e.V..

Ein besonderes Highlight dürfte das Kunstprojekt “Inside Out – photographic truck” des international bekannten Street-Art-Künstlers JR sein. Hierbei handelt es sich um einen mobilen Fotoautomaten, mit dem innerhalb von Minuten Portraits in Plakatgröße ausgedruckt werden können. Durch die Teilnahme von Ausstellungsbesuchern und Fans des Vereins entsteht ein einzigartiges, großformatiges Kunstwerk, welches hoffentlich die besondere Fankultur des FC St.Pauli sichtbar macht.

Inhaltlich ist Vielfalt die Devise: Die „MILLERNTOR GALLERY“ umfasst zahlreiche kontemporäre Kunstformen wie Urban-Art, Videokunst, Fotografie, Installationen, interaktive Performance-Kunst, Malerei und Skulptur. Auch der Musik-Part könnte nicht unterschiedlicher sein – so trifft das nordische Trio vom Schwule Mädchen Soundsystem (keine Ahnung wer das sein soll, lässt sich auf Google auch nicht finden) auf eine Mischung aus Rockabilly und Schlager von Marla Blumenblatt, energetischen Indie-Rock von Vierkanttretlager und den Freak-Folk-Soul von Matteo Capreoli. Das DJ-Programm bietet weitere Highlights: DJ ViTO (Samy Deluxe) legt gemeinsam mit DJ Saint One auf.

Einen detaillierten Zeitplan mit den zahlreichen Aktionen findet Ihr hier.
Freunde von Casting-Shows werden sich über den Auftritt von Ivy Quainoo (Do., 18.45h) freuen, die Lesung von Nick Davidson (Sa. 14.30h) und “Frikadelle ans Ohr” von MillernTon-Mitstreiter Christoph Nagel (Sa. 16.30h) zeigen dann auch sehr schön die qualitative Vielfalt, auch ein Kinderprogramm ist am Donnerstag und Freitag von 15.00h – 18.00h sowie am Samstag von 13.00h – 18.00h geplant.

Zeiten:
Donnerstag, 29. Mai 2014: 14.00 – 24.00 Uhr
Freitag, 30. Mai 2014: 14.00 – 24.00 Uhr
Samstag, 31. Mai 2014: 12.00 – 24.00 Uhr

Pre-Opening & Auktion:
Mittwoch, 28. Mai 2014: 19.10 Uhr
(Anmeldung zum Pre-Opening über auction@millerntorgallery.org)

Eintritt: 5 Euro
Ermäßigt: 2 Euro
Kinder unter 12 Jahren: freier Eintritt

Also, man sieht sich am Millerntor!

Weitere Links:
- Hamburg ist Braun-Weiß: “Millerntor Gallery #4
- Lichterkarussell: “AntiRa und Millerntor Gallery #4
- Vereinshomepage: “Millerntor Gallery #4

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MT011 – U23, Relegation und “Kein Fussball den Faschisten”

Schön war’s, wie immer, und gar nicht mal so lang.

Thomas Meggle, Trainer unserer U23 war zu Gast und sprach über alle möglichen Themen, neben dem Sportlichen insbesondere über seinen Blick auf den Verein und die Werte, die dieser vertritt oder vertreten sollte, und wie man da als Trainer und Spieler zu beitragen kann.

Sehr hörenswert, hier im ersten Teil.

In der Pause lassen wir zwei Hörer zu Wort kommen, ehe es mit dem Rückblick auf Köln, Bollers Abschied, Relegationswahnsinn und die “Kein Fussball den Faschisten”-Posse des DFB weitergeht.

Viel Spaß, genießt die Sommerpause.

Links:
- Stellungnahme des Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus (FB)
- Kein Fussball den Faschisten (Story)
- Kein Fussball den Faschisten (T-Shirt)
- Kein Fussball den Faschisten (FC Bayern in Berlin)

Kapitel:

00:00:29 Begrüßung
00:01:35 Thomas Meggle: Sportliches Fazit der U23-SaisonSaison 
00:08:59 Wechsel von der A-Jugend in den Herrenbereich 
00:12:05 Highlightspiele der Saison
00:14:29 Zukunft der U23-Mannschaften generell und beim FCSP
00:22:19 Umzug der U23 nach Norderstedt und zur Waidmannstraße
00:28:59 Arbeit mit jungen Spielern
00:32:59 Zusammenarbeit mit der U19
00:34:59 Abgänge zur neuen Saison
00:36:14 Identifikation des Teams mit dem Verein
00:38:24 Abschlußfahrt der Profis und der Umgang damit
00:53:32 A-Jugend-Meister mit dem FC Augsburg
01:01:19 Auf- und Abstieg in der Regionalliga
01:06:29 Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis
01:10:29 Der Verein in den letzten zehn Jahren
01:14:44 Umgang mit sozialen Medien
01:30:04 Noch Kontakt zu Hansa Rostock?
01:35:59 Grußwort von Jonny Jonas
01:37:59 Grußwort von Toby Baier
01:41:04 Rückblick: 1.FC Köln - FCSP, Sonderzugfahrt
02:03:42 Rückblick: FCSP - Erzgebirge Aue, Boll-Abschied
02:20:14 Relegation
02:24:39 Rückblick auf unsere Saisonprognose
02:27:14 Kein Fussball den Faschisten
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“Kein Fussball den Faschisten” T-Shirt

Nochmals vielen Dank an den großartigen DFB für diese Steilvorlage.
Und was wären wir für ein Modelabel mit angeschlossener Fußballabteilung, wenn wir diese nicht souverän per Fallrückzieher ans Lattenkreuz nageln würden, um den zurückprallenden Ball lässig per Flugkopfball zu versenken.

Am kommenden Samstag findet am Millerntor das Fanclubturnier des FC St.Pauli statt (übrigens mit Videodreh für Marcus Wiebusch’ “Der Tag wird kommen”), am Wochenende drauf (Freitag bis Sonntag) das internationale Antira Turnier (FB), ebenfalls am Millerntor, beides vor jenem unverhüllten Schriftzug.

Pünktlich zu diesen beiden Turnieren wird es folgendes T-Shirt in hoffentlich ausreichender Stückzahl käuflich zu erwerben geben:

Kein Fussball den Faschisten

Kein Fussball den Faschisten
(Hintergrundfoto von Stefan Groenveld)

Die T-Shirts sind Schwarz und in den gängigen Größen (M – XL) erhältlich, auch als Girlie (Girlies sind ausverkauft, ebenso die”männliche” S & XXL-Variante).

Kostenpunkt: 15,-€ pro T-Shirt
Alles, was über die Produktionskosten hinausgeht, wird von uns zu gleichen Teilen an das Café Exil, AnDOCken und die Antirazzista Gruppe von USP gespendet, letztere wird das Geld für das Flüchtlingslager in Horst verwenden.

Einen Versand können wir derzeit nicht gewährleisten. Wenn Ihr an beiden Wochenenden nicht am Millerntor sein könnt, bittet also nach Möglichkeit Bekannte in Hamburg, Euch ein Shirt zu organisieren.

Wer das Shirt bestellen möchte, sende bitte eine Mail an frodo[at]uebersteiger.de, mit Größenangabe von M bis XL. Wir melden uns dann ganz fix mit den Zahlungsdetails und sagen, ob die gewünschte Größe dann noch da ist, da es teilweise schon knapp wird.

Sollten wir zu Saisonbeginn noch Shirts haben, wird es diese über den Fanladen zu kaufen geben.

Gleichzeitig mit uns entwickelte auch pinkmacabre die Idee eines solchen Shirts, die können dann aber auch noch in verschiedenen Farben herstellen und sogar liefern, auch dies sei den Auswärtigen herzlich empfohlen.

Vielen Dank für Idee, Hilfe, Anschubsen und recht kurzfristige, tatkräftige Unterstützung an den Fanladen, Klaas Reese von fokus-fussball.de und TexMen. //

Fanclub-Sprecherrat & Übersteiger

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Erfolg oder Entfolgen? – FC St.Pauli 2004 bis 2014

Dieser Artikel erschien zunächst im ÜS#115 und ist ein guter Beleg dafür, warum Print voraussichtlich noch lange nicht tot sein wird und warum Fanzines auch weiterhin “offline” ihre Berechtigung haben.
Da wir aber komplett ausverkauft sind und die Sommerpause vor der Tür steht: Druckt Euch den Text aus, nehmt ein Kaltgetränk Eurer Wahl zur Hand und nehmt Euch Zeit ihn in Ruhe zu lesen. Ein Rückblick von Mirco auf die letzten zehn Jahre des FC St.Pauli.
(Klarer Vorteil hingegen in der Online-Version: Man kann die entsprechenden Lieder aus den Zwischenüberschriften verlinken.)

Heart of Glass (Blondie)

Aufstieg in Liga zwei, Aufstieg in Liga eins, ein dreiviertel fertiges neues Stadion, alles seriös durchfinanziert, eine sportlich verheißungsvolle erste Mannschaft, ein Verein, der sich um Belange des Viertels wirklich aktiv bemüht (z.B. “Kiezhelden”), überwiegend bescheidene Sympathieträger in diversen offiziellen Ämtern, ein modernes Marketing und Stabilität, Fanräume, ein in Aussicht stehendes Museum. Endlich Stabilität! Und Kontinuität.

Ist wirklich alles gut?

Es liest sich – vielleicht auch gerade vor der Hintergrund des Chaos, in das der hsv gerade zu stürzen droht (oder bereits gestürzt ist?) – wie ein Tonikum für die Seele nach Jahren, ach was, Jahrzehnten des finanziellen, moralischen und sportlichen Chaos. Wo standen wir vor zehn Jahren, also 2004?

Misswirtschaft (Prollhead)

Die erste Mannschaft befand sich in der Regionalliga Nord. Am 25.04.2004 gewannen wir 2:0 gegen die zweite Mannschaft des BVB durch Tore von Akbel und Hanke. Ein 0:0 zu Hause gegen Sachsen Leipzig sollte folgen. Die Saison unter Cheftrainer Andreas Bergmann wird am 05.06.2004 mit einer Auswärtsniederlage gegen Braunschweig als Tabellenachter abgeschlossen sein. Erfolgreichster Torschütze mit elf Treffern ist Mourad Bounoua.

Die Gästefans stehen noch Süd, es gibt noch eine echte Meckerecke und wenn es regnet wird nicht nur die Mannschaft nass (und es hat, weiß Gott, viel geregnet in der RL). Bier bestellt man noch mit “mach mal zwölf auf acht” und festes Schuhwerk ist Pflicht, da man ansonsten im Morast der unbefestigten Treppenstufen versinkt.

Zwei weitere Jahre in der “Regio” sollen noch folgen, das erste wiederum wurde im Sommer 2003 ad acta gelegt und alle waren froh, dass es nicht noch schlimmer kam. Man erinnere sich an die Retterkampagne. Es war knapper als viele heute dachten. Der FC St.Pauli stand kurz vor dem Zwangsabstieg in die Oberliga. 1,95 Millionen EUR wurden benötigt und man war mit über 4 Mio EUR verschuldet.

Ich will nicht alle Elemente der Retter-Kampagne im Einzelnen ins Gedächtnis zurückrufen. Jeder wird seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit haben. Nur eines: Irgendwie war’s egal, wie das Geld reinkommt, Hauptsache, wir kommen durch. Ursache für den damals von Altona 93-Fans genüsslich kreierten Schlachtruf “St. Pauli, McDonalds und die CDU”. Haben wir damals ein Stück Seele verkauft? Oder heiligt der Zweck die Mittel? Ich will das nicht beantworten, aber ich will es fragen.

Mein letztes Geld geb ich für Fussball aus (Tony)

Corny Littman, einer der polarisierensten Präsidenten ever, legte den Grundstein für all das, was heute funktioniert. Die Strukturen wurden gestrafft, Menschen verlieren Jobs (ob zu recht oder unrecht kann und will ich nicht beurteilen), er verprofessionalisierte Verein, Prozesse, Mitarbeiter und das Umfeld. Manche seiner Ideen oder Initiativen (remember Millerntaler) wurden gestoppt oder zumindest kritisiert, den durch die finanziell immer bessere Ausgangslage einhergehenden sportlichen Erfolg mochte man aber auch nicht so recht missen.

Der Verein stand lange nicht derartig vor der Gretchenfrage seiner eigenen Existenz, wie in diesen damaligen Tagen.

Denn: Nach sportlichem Erfolg sehnten sich alle. Es lagen vier Jahre Arminia Bielefeld II und Wolfsburg II im Nieselregen mit 18 mitgereisten Gästefans hinter uns. Zudem wuchs eine durch Holger Stanislawski zusammengestellte, sympathietragende Mannschaft zusammen. Mit Protagonisten, die durch Charakter und Disziplin einiges an spielerischer Finesse vergessen ließen. Es war die Zeit der Heldengeneration und jeder Potentat dieser Welt weiß, dass man am einfachsten im Hintergrund Strukturen verändern kann, wenn im Vordergrund der Plebs mit Brot & Spielen beschäftigt ist.

Mit dem Aufstieg in Liga zwei 2007 veränderte sich… erst einmal nix. Die Mannschaft der ersten Herren war geil und spielte gleich gut mit. Als Fan durfte man zufrieden sein. Das Stadion war wieder voll und es kamen auch wieder Leute, die ja “schon immer im Stadion waren”, aber in den Jahren der Regionalliga einfach “die Schnauze voll” hatten und ihre Dauerkarte von 1991 mit dem Abstieg 2003 nicht mehr verlängert haben. Ein bis heute andauerndes Phänomen setzte ein: Die Jagd nach einer saisonübergreifenden Dauerkarte. St. Pauli wurde knappes Gut und das bedeutet Umsatz.

Its a long way to the top (AC/DC)

St. Pauli erlebte einen Boom. Man spielte ordentlich mit, Holger Stanislawski galt als Sympathieträger auch über den Verein hinaus und Corny Littmann – im eigenen Verein eigentlich nur von den zahlreicher werdenden “Erfolgsfans” unumwunden geschätzt – galt für Menschen außerhalb des Vereinsumfelds als “typisches” crazy Lokalkolorit. Die lustigen Paulis mit ihrem originellen Präsidenten, guck mal an. Das ist ja lustiger als beim hsv, die in der Saison 2010 unter Armin Veh im grauen Mittelfeld der ersten Bundesliga verschwanden. Bei St. Pauli geht’s um was. Bei jedem Spiel wird gesungen und gefeiert. St.Pauli wird (noch mehr) Eventverein.

Und sogar das Stadion wurde neu durchdacht. Nach etlichen Versuchen, Ideen und Entwürfen, die vor zwei Dekaden sogar zu Initiativen und der Gründung unserer Übersteiger-Keimzelle – des Millerntor Roar! – geführt haben, entstand nun ein Plan zum Bau eines neuen Stadions, der durchaus Konsens in vielen Teilen der Fanszene fand. Orientierte man sich doch an englischen Stadion und versprach, für reichlich Steher zu sorgen. Am 19. Dezember 2006 wird die Südtribüne abgerissen und der Grundstein für unser neues Stadion gelegt.

Our House (Madness)

Ich will nicht über Entwürfe, wie die “Welle” o.ä. sprechen. Ein neues Stadion musste sein, sonst hätten wir mittelfristig keine Lizenz zum Spielbetrieb in Profiligen erhalten. Das verstehe ich und die meisten von Euch haben das auch verstanden. Und da klugerweise als erstes die Süd abgerissen wurde, mit der sich 85 % der Stadiongänger durch den Gästeblock eh nicht allzu sehr identifizierten, riss die Schleifung der Südkurve keine allzu große emotionale Lücke. Man nahm es hin und ggf. wurden die Tränen von einigen langjährigen Südstehern von dem einen oder anderen als etwas wunderlich zur Kenntnis genommen. An dem Erdhügel neben dem Gästeblock hing das Herz nicht so eng. Ein zweiter, ebenso kluger Schachzug: Der organisierten Fanszene den Stehplatzbereich der neuen Süd zu versprechen. Als selbstorganisierte Kurve. Somit sind die kritischsten Sprachrohre ruhig. Lernt man in der Projektleitung am ersten Tag: Mache Gegner zu Beteiligten.

Insgesamt ging Neugier um. Neugier, ob “die da oben” das wirklich hinkriegen, eine Kurve zu bauen und wie diese wohl aussieht. Immerhin waren wir alle gedanklich immer noch Anhänger des “Chaos-Club” FC St. Pauli. Dass er das so langsam nicht mehr war, hatten wir noch nicht verstanden. Daher: Kritik? Nö, nicht laut. Alles gut. Es lief.

Success (Iggy Pop)

Und wie es lief. Zwei mal zweite Liga mit wirklich beachtlichem Ergebnissen und dann kam die Erstliga-Aufstiegssaison, die vielen noch mit einem furiosen One-Touch-Fussball in Erinnerung bleibt. Dass hier die eigene Vergangenheitsverklitterung auch für Mythen sorgen kann, versuchte ich im Trainerdiskussionsartikel in der letzten Ausgabe zu ergründen. Egal. Wir waren auf Aufstiegskurs. Was im Hintergrund lief, interessierte immer weniger. Die Südkurve stand und sah toll aus. Die alte Süd vermisste kaum jemand, nein, man freute sich auf das, was noch kommen sollte. Und nun klopfte man bei der ersten Bundesliga an und mit der Truppe und dem Trainer sah man die Chance… vielleicht wie Mainz… oder Freiburg… langfristig… Stabilität… etablieren…

Wir entwickelten Wünsche wie ein Endreihenhausbesitzer in Tornesch. Es sollte doch bitte jetzt mal ruhig und erfolgreich zugehen. Nun müsse man sich auch mal etablieren, forderten viele, während sie die “non established since…”-Fahne schwenkten…

Ich will nicht werden, was mein Alter ist (Ton Steine Scherben)

Und doch, viele erinnern es und beim Sichten von Joachim Bornemanns Film “Rausgehen! – Warmmachen” – Weghauen! – St.Pauli!”, der glücklicher Chronist des Aufstiegs 2006 in die zweite Liga wurde, sah man den Unterschied. 2006 war Herbeibangen, Hoffen, Angst und Abschütteln von vier Jahren Regionalliga, die man satt hatte. Es waren die treuen Regionalligabesucher, welche eben auch diesen Weg mitgingen. Dort war man unter sich. Es gibt nicht wenige, die heute sagen, die vier Jahre Regio waren für die Fanszene eine schöne Zeit. Aber trotzdem: Man wollte wieder Profi-Fußball erleben und Spieler der gegnerischen Mannschaft auch mal kennen, bei mehr als 4-6 Spielen im Jahr auch Gästefans in nennenswerter Anzahl am Millerntor begrüßen. Die Aufstiegspartys waren spontan, echt und sehr persönlich. Viele feierten im Rahmen ihrer Bezugsgruppen, unbekannte Menschen fielen sich auf den Straßen in die Arme, es war Rausch und ehrliche Fröhlichkeit.

Der Aufstieg 2010 dagegen war emotional seltsam. Natürlich Freude und auch Stolz, viele hatten aber die Ereignisse um 2001/2002, die im Durchmarsch zur Regionalliga endeten, nicht vergessen und so mischte sich auch Sorge in die Freude. Und: Das ganze war so unendlich groß. Bühnen mit Boss Hoss und anderem Mainstreamkokolores bevölkerten den Stadtteil. War das noch mein St. Pauli? War das noch Subkultur? War das nicht schon hsv? Egal. In alkoholgeschwängerter Luft vergaß sich vieles. Wir waren nun Erstligist und das zum 100-jährigen Vereinsjubiläum und mit Fertigstellung der neuen Haupttribüne.

Geht noch mehr?

All This and More (Mad Sin)

Ob es der Moment war, an dem wir unserer Unschuld verloren oder ob dieser schon Jahre vorher zurück lag oder eben sukzessive von statten ging, vermag ich nicht zu sagen. Ich möchte aber jetzt ganz subjektiv von meinem Erleben der Hinrunde der ersten Liga berichten.

Ich war heiß wie Frittenfett!! Meine Bezugsgruppe und ich (Fanclub Optimistische Fatalisten) standen damals in der Gegengrade noch ungefähr am Ende der Heimtrainerbank. Also alter Block E Richtung Nord. Ich freute mich auf die Saison und auf die großen Namen wie ein Kind. Ich war mir sicher, dass wir eine supportmäßig unfassbare Saison erleben werden. 34 Endspiele! Ein ganzes Stadion voller Hunger nach Erstligafussball. Die neue Haupttribüne. Wird sie genau so toll wie die Süd? Das erste Auswärtsspiel gegen Freiburg lief gut, also fertigmachen zur Gänsehaut beim ersten Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim und nach dem Bierkauf die Treppen der Gegengraden hoch in den Block und ……..BÄNG!

Another Brick in the Wall (Pink Floyd)

Ich sagte irgendwas wie “Oh, dass sieht ja……. beeindruckend aus” im ersten Angesicht der riesigen Wand, die mich erschlug. Die neue Haupttribüne. Ich spürte in diesem winzigen Moment, dass sich bei meinem FC St. Pauli nun alles verändern würde und ich ahnte, dass es das schon die ganze Zeit tut, aber dass es nur wenige Momente gibt, wo es nicht schleichend passiert, sondern wo Du es siehst und spürst.

Ich war entsetzt. Wir hatten eine Betonschüssel, wie alle anderen Stadien eben auch. Wo war unsere Individualität angesichts einer 08/15-Arena geblieben? Was gab mir das recht, mich als Teil von etwas Besonderem zu fühlen, wenn ich den Abriss genau dessen selber mit bejubelt habe (und damit meine ich nicht nur Mauern und Steine).

Enjoy Yourself (The Specials)

Aber man fand sich ab und huschte ins Spielgeschehen. Die Hinrunde lief sportlich ganz gut, aber eine weitere Enttäuschung machte sich breit: Endspiele? Ein Stadion voller Hunger? Explodierende Stimmung? Nö! Sonntagnachmittagsatmosphäre im Sonnenlicht. Support aus den üblichen Ecken, aber nicht so, wie von mir erwartet. Nun wird jeder den Support so beurteilen, wie sein Standort es zulässt. In der Gegengrade Richtung Nord war nüscht. Nun war schon lange Zeit meine und eine benachbarte Bezugsgruppe, die einzigen, die in unserer Ecke konsequent supporteten, meist gelang uns jedoch, auch die Umgebung mitzureißen. Aber in dieser Saison sahen wir um uns herum fast nur neue Gesichter, die wohl auf der Suche nach der Erstliga-Pauli-Paaadie nicht schnallten, dass man diese nicht besucht, sondern selber veranstalten muss.

Das ganze gipfelte dann in einem Sonntagnachmittagsspiel, in welchem sich ein einzelner Zuschauer vor uns umdrehte und uns bat, etwas leiser zu singen, es sei nun schließlich schon sehr laut. Da blieb uns selbst das Zurückpöbeln im Halse stecken.

Lets lynch the Landlord (Dead Kennedys)

Und vereinspolitisch? Corny hat auch seinen Abgang klug gestaltet und zum Aufstieg hingeschmissen. Es folgte das aktuelle Präsidium um Stefan Orth. Ein völlig unbeschriebenes Blatt und in seiner Wirkung über den Verein hinaus quasi unter dem Radar fliegend. Eigentlich nach dem napoleonischen Corny Littmann vielleicht ja ganz erholsam. Das Vorstandsteam bestand aus vielen Menschen, die modernes Management verstehen und sich artikulieren können. Es übernahm die Generation der Manager, die für Subkulturelles und Wirtschaftskritisches nicht nur Verachtung über haben, sondern in den Dialog treten und versuchen, auch hieraus Wachstumschancen zu generieren. Die, die selber mal besoffen Gitarre gespielt haben und nun mit Verständnis und nicht mit Distanz versuchen, die Jugend zu braven Konsumenten zu konditionieren. Überzeugungstäter!

Es folgten die SMS-Videowände und Susis Showbar-Exzesse. Ich erspare uns allen eine Rekonstruktion der Ereignisse. Wer lesen will, tue dies in unserm Blog: blog.uebersteiger.de und dann mal ganz unten nach Dezember 2010 scrollen. Im Mainzspiel wird man fündig.

Zu kalt (Slime)

Bundespräsidial gesagt: Hier wurde der Rubikon mehrfach überschritten! Das Spiel gegen Mainz interessierte nicht mehr und es passierte ENDLICH etwas, was mir den Glauben an uns und dass wir überhaupt noch etwas Besonderes sind, zurückgab: Die Sozialromantiker-Initiative und the Birth of Jolly Rouge.

Langsam und ganz unbemerkt verprofessionalisierte sich unser Verein immer mehr und wir Fans, von Erfolg zu Erfolg taumelnd, begriffen dieses nicht. Erst jetzt wachten viele auf, rieben sich die Augen, sahen eine riesige Beton-Tribüne mit Stripteasetänzerinnen, SMS-Leinwänden und Konsumenten im Publikum. Das Geschrei nach Verstärkungen bei jeder Niederlage ist natürlich der unterschiedlichen Verteilung von kognitiven Fähigkeiten geschuldet und nach dem achten Bier und Spieltagsfrust auch sofort verziehen, aber Forumskultur und Erfolgsansprüche dieser Tage waren durch Erfahrungswelten geprägt, die eben seit nunmehr 2004 keinen Abstiegskampf mehr erlebt haben. Es ging immer bergauf, bzw. zumindest nie bergab. Identitätsstiftung und Verantwortung gegenüber dem Symbol FC St. Paul traten immer mehr hinter die Frage zurück, wann Ebbers endlich seine Form wieder findet.

Red Skies over Paradise (Fisher Z)

Rot! Alles Rot. Alle hatten gebastelt. Einer der unglaublichsten Momente im Dasein eines St.Pauli-Fans. Unser Blog hat damals viele Reaktionen zusammengefasst: blog.uebersteiger.de und dann im Januar 2011 das Freiburgspiel suchen. Das spricht für sich selber…

Nur soviel: Wäre unser Präsidium nicht so dusselig gewesen, diese Videowände zuzulassen, wer weiß… Wäre es auch bei weiterhin schleichender und unbemerkbarer Kommerzialisierung zum Jolly Rouge gekommen? Hätte Hätte Fahrradkette! Und doch zeigt sich immer wieder und immer mehr, dass die soziale und stadtteilige Komponente des FC St. Pauli auch zunehmend weniger Fans interessiert. Ich will es nicht dramatisieren, die deutliche Mehrheit ist wohl immer noch klar “auf Kurs” und doch fällt es auf.

Im Old (but I used to be young) (Klingonz)

Der Verein hat an (in Werberdeutsch) Sexappeal deutlich zugenommen, ist attraktiv, weil er nicht nur blanken Fußball bietet, sondern ein Spektakel Drumherum und – wohl am wichtigsten – ein Gefühl. Auch der SUV-Fahrer aus Nienstedten mit dem Jolly-Roger auf anthrazitmetallic kramt noch mal seine Lederjacke raus und ist beim Stadionbierchen ganz rebellisch unterwegs. Angesichts einer deutlich älter werdenden Fankultur speziell bei uns ggf. ein typisches Phänomen. Die Rebellen von einst sind bürgerlich geworden. Ich bin es selbst.  Und da verändern sich Denkprozesse. Man überträgt das Alltagsdenken, welches Erfolg gegen Invest und ggf. auch Verzicht abwägt, auf alles, und eben auch auf seinen Fußballclub, weil diese Prozesse in einem implementiert sind. Man wird Kunde!

Ever Fallen in Love (Buzzcocks)

Aber: Und das ist doch die Kernfrage, die immer wieder gestellt wird und jeder anders beantwortet:
Warum bin ich Fan des FC. St. Pauli?

Um für die Beantwortung als Prämisse mal kurz mit aus meiner Sicht absolutem Blödsinn aufzuräumen: Nick Hornby hatte nicht nur Unrecht, Hornby bedient reaktionär-romantische Klischees, weil sie sich hübsch lesen.

Nicht Du suchst Dir Deinen Verein aus, er sucht Dich aus!

Das ist bullshit. Hornby spricht uns damit die Fähigkeit zur freien Entscheidung ab. Natürlich ist es für viele Menschen ein prägendes Erlebnis gewesen, mit ihrem Papi als 5-jähriger zu Verein SV XYZ zu gehen. Und dass sich durch den Wunsch auf Repetieren und dessen Umsetzung eine emotionale Verbindung ergibt, kann man verstehen. Ist diese aber nicht eher an “Papi” als an den SV XYZ gerichtet? Sucht man nicht nach dem vermeintlichen Gefühl des ersten Kicks und verklären wir nicht unserer Erlebnisse, wenn wir mit Idiomen wie “mit großen Augen”, “wars um mich geschehen” und “Ursprung einer großen Liebe” beschrieben werden? Ich sehe vielerorts Kinder in Stadien, die sehr viel mehr mit Konsumieren von Dingen und dem Drumherum beschäftigt sind, als dass hier 90 Minuten konzentriert Fußball geschaut werden würde.

Ist es nicht vielmehr so, dass für viele von uns der FC St. Pauli der Verein “auf den zweiten Blick” war. Für viele Zugezogene nicht-gebürtige Hamburger sogar sehr häufig, aber auch für hier Geborene? War es so faszinierend, dass der FCSP bei den ersten von uns besuchten Spielen den Gegner mit 5:0 niederrang? Oder war es vielmehr das Gefühl, in einer antirassistischen, antifaschistischen, antisexistischen und gewaltfreien Atmosphäre Fußball leidenschaftlich aber auch mal n Happen intelligenter und selbstironischer zu supporten, als “Danke“…”Biiiittte“? Weil hier Gestaltungsspielräume waren und diese durch Fans belegt werden konnten? Weil Chaos, Mißwirtschaft und auch der Misserfolg Projektionsflächen zuließen und Räume gaben, Räume für uns selbst? Dem System “Fußball” ein Schnippchen schlagen, in dem man Erfolg haben will, aber nicht MUSS!

Wenn wir – nach Hornby – gar keine Wahl haben, wieso sind wir dann nicht alle automatisch Fans des Veriens unserer Geburtsstadt? Oder des DFB-Teams? Zumindest die, die hier in Deutschland geboren wurden? Ich bin es nicht, weil ich den DFB verachte, die Mannschaft nicht mag und mir die chauvinistischen Ballermann-Affen in den DFB-Shirts alle zwei Jahre im Sommer das Gefühl geben, da nicht reinzugehören. Weshalb habe ich also keine Wahl? Die habe ich sehr wohl….und zwar die Nationalmannschaft zu ignorieren.

Sind wir also alle wahllos und zufällig bei St. Pauli oder ist es eine sehr bewusst getroffene Entscheidung? Und kann diese dann nicht auch rückgängig gemacht werden? Und selbst, wenn wir den kleinbürgerlichen schicksalsgläubigen Gedanken an solch romantisierenden Firlefanz wie “einmal TuS Fleestedt, immer TuS Fleestedt” glauben wollen….. Wie viele Menschen heiraten aus tief empfundener Liebe und lassen sich hinterher scheiden? Bewusste Entscheidungen!

Cant help thinking about me (David Bowie)

Wenn wir also von der Prämisse ausgehen, dass wir aus bewusst gewählten Gründen hier stehen und diese im Nachgang mit emotionalen Erlebnissen unterfütterten, dann haben wir Wahl! Und Wahl macht frei und unglaublich mächtig. Und der Jolly Rouge hat das gezeigt. Versuch das mal woanders! Versuch das mal bei bedingungsloser (= willenloser) Liebe.

Und wenn die einstige Attraktivität, die uns hierher führte und immerhin dafür sorgte, dass wir geblieben sind, nicht vom Erfolg abhing, sondern im Gegenteil, vielleicht sogar vom Misserfolg, warum stellen wir dann den Erfolg immer mehr und viel zu häufig über die Identität? Denn nur darum dreht sich alles. Immer. Bei jedem Thema. Nun wenn Du weißt, wer Du bist, wirst Du glücklich. Erfolg alleine ist nicht sinnstiftend. Und warum gönnen wir uns nicht den Luxus, wenigstens mal beim Fußball unerfolgreich sein zu dürfen? Nicht zu müssen… Zu DÜRFEN! Erfolg gerne, aber immer in Abwägung des Preises! Und ist dieser zu hoch, dann halt nicht.

Hamburger Jungs (Eight Balls)

Und wäre es wirklich so toll, wenn der hsv absteigt? Die haben 100 Mio Verbindlichkeiten. Lass die mal durchgereicht werden. Die können schon mit der Einnahmesituation in der ersten Liga nicht umgehen, wie sollen sie das in der zwoten managen? Und das Stadion dürfte auch nur 1/3 voll werden, wenn Heidenheim dort aufspielt. Und dann? Hurra, wir sind die Nummer eins der Stadt? Wollen wir das? Wirklich? Auch 1860 war mal der große Verein in München, heute “dürfen” sie beim FCB im Stadion spielen und eine einst lebendige Fanszene ist an sich selber und den Erwartungen zerbrochen.

St. Pauli die Nummer eins der Stadt? Klar, mehr Aufmerksamkeit, mehr Kohle, mehr Zuschauer.. Aufstieg. In die BuLi. Dort etablieren. Und ab welchem Jahr in Liga eins wird der Gedanke aus Sponsorendruck zum ersten mal gedacht werden, das Spiel gegen die Bayern im (nun immer leeren) großen Hamburger Stadion in Stellingen auszutragen? Und wann wird er umgesetzt? Wann kommt der BVB hinzu, wann Schalke. Wann kommen die Erfolgsfans aus HH alle zu uns? Drei große Tageszeitungen und Sky, ARD und ASS, alle auf uns! Wann kommen die Eventies in doppelter oder dreifacher Anzahl? Kiezbummel, Fußball und Herbertstraße. Ihr Event für ihre Geschäftspartner. Titten, Bier und Fußball. Wann kommen die Touristen-Kombitickets “König der Löwen”, “Schmidt’s Tivoli” und “FC St. Pauli” für ein tolles Wochenende mit den lustigen Paulis?

Manchmal ist unterm Radar zu fliegen vielleicht doch nicht so schlecht.

Whats going On (Marvin Gaye)

Zurück zum Geschehen der letzten Jahre in und um den Verein. Da will ich nicht in Details verfallen, die wir alle noch präsent haben. Remember Schweinske-Cup, remember die daraus resultierenden Stadionverbote, remember Sicherheitspapier, wo unser Präsidium Täter und nicht Opfer wurde, remember Kiezhelden, remember Süd-Blockade, remember Kassenrolle, remember Kassenrollenhexenjagd, remember “Bullen aus der Kurve”, remember Abriss Gegengrade (Geheult wie ein Kind!!) und Neubau Gegengrade, remember Fanräume etc.pp.

Ein klares Bild? Nicht im geringsten. Tolle Aktionen der Geschäftsführung wechselten sich ab mit ziemlichem Murks. Ein Präsidium, was sich sehr professionell zu verkaufen weiß. Die können was. Will ich das? Ist das ggf. die größere Gefahr, als die paddeligen Frühstücksdirektoren von früher? War ich nicht in der Regio manchmal glücklicher, weil wir unter uns waren? Nein, ich will schon Profifußball, aber wie? So wie früher geht nicht mehr. Früher ist vorbei…

Und wir Fans?

Eine zunehmend kleinbürgerliche, wenn nicht reaktionäre Grundhaltung in vielen Ecken des Stadions und in vereinsnahen Social Media machen zudem seit Jahren nachdenklich, wenn die Drastik, mit der Strafen und Ablehnungen formuliert werden, Wutbürgerniveau annehmen und Gewaltphantasien aufgreifen, wenn der kleinste gemeinsame Nenner, so er denn noch existiert, nicht mehr gesucht, geschweige denn gefunden wird. Wenn USP an allem Schuld ist. Wenn der Erfolg alles rechtfertigt.

Wir werden immer mehr, ganz schleichend, so dass es nicht wirklich weh tut, zu dem, was viele beschreien: Eine Marke. Und die hat ein Image und das müssen wir erfüllen. Eine Marke muss funktionieren. Und mehr als anderswo ist der Fan Teil der Marke. Deshalb verspüren auch wir diesen Erfolgsdruck. Pfeifen wir deshalb und schreien erfolgreiche Spieler oder Trainer kaputt?

Willst Du Teil einer Marke sein? Gehst Du deswegen seit Jahren, vielleicht Jahrzehnten dahin? Um eine Marke zu sein?

Das Herz von St. Pauli (Hans Albers)

Sollen die Business-Kasper bei uns Fußball gucken dürfen? Wenns ihnen Spass macht… Warum nicht? Aber WIR bestimmen die Konditionen, nicht die. Wir sind St. Pauli!! Und wenn wir deswegen Einnahmeverluste haben und deswegen einen Spieler weniger kaufen können? So what! Deshalb kamen wir mal hierher! Nicht wegen des Stürmers. Und wenn ich sehe, dass bei Susi immer noch getanzt wird, könnte ich kotzen. Und wenn ich sehe, dass bei uns sexistisch oder homophob gepöbelt wird, könnte ich kotzen, und wenn ich höre, dass die Mannschaft ausgepfiffen wird, könnte ich kotzen. Und wenn ich sehe, wie mit Urgesteinen wie Kalla umgegangen wird, könnte ich kotzen.

In den Momenten ist das nicht mein St. Pauli!

Und das Präsidium und auch die Menschen in den Rängen sollten sich darüber klar sein oder werden, dass der Schatz, den wir hier in den Händen halten, durch Markenprofessionalität, die anderenorts ihr Recht haben mag, gefährdend wirkt, dass Effektivität und Erfolg um jeden Preis den Kern, das Herz von St. Pauli beschädigt. Dass das Herz von St. Pauli wir sind und wir eine freie Entscheidung haben und auch entscheiden können, nicht mehr zu kommen, weil vielleicht die Gründe, die einst dafür sorgten, immer wieder zu kommen, gar nicht mehr da sind.

Sie war, sie ist, sie bleibt (but alive)

Lieber Vorstand des FC St. Pauli. Du hast wirklich viel richtig gemacht und dies auf vielen Ebenen. Und trotzdem werden Dich der Übersteiger und alle Fanzines, die Blogs, die Foren, die Fans und alle beobachten und wir werden aufschreien, wenn wir merken, dass ihr unseren Verein im Kern verändern wollt. Entweder wir wählen Euch ab oder wir wählen Wege außerhalb der offiziellen Gremien.

Wir sehen Euch!

Macht weiter und nehmt so viel Tempo aus der Professionalisierungsschiene, wie ihr nur könnt. Dann werden wir Euch lieben. Einen zweiten hsv wiederum braucht die Stadt nicht. Den hat sie schon!

Und das reaktionäre und gewaltphantasierende Volk in den Kurven und Graden und den Foren und Kommentarspalten, für die Schwule Sau “doch nur son Schimpfwort” ist und die mehrfach konziliant ihre tolle Oberweite positiv ins Rennen führen, wenn Bibiana Steinhaus schlecht pfeift und für die bei jedem Mist USP die Gesamtschuld trägt und die glauben, entscheiden zu können, wann, wie laut und mit welchem Rhythmus andere Fanclubs zu singen haben, selber aber nie supporten: Geht kacken. Wir wollen Euch nicht! Bleibt einfach weg!

Wir wollen offene und tolerante, diskursfreudige und kritische Kurven und einen Verein, der sich so langsam zum modernen Fussball wandelt, wie es nur geht. Je langsamer, desto besser! Wir wollen viele Meinungen, aber keine asozialen Beschimpfungen in der Kurve oder im Netz. Wir wollen eben NICHT so werden, wie andere Clubs, auch wenn wir dann weniger Erfolg haben. Erfolgreichen Fußball kann ich überall sehen, das bei uns, gibt’s nur hier.

Bewahrt unseren Schatz. Ihr Alle!

You got Yours an Ill get mine (The Delfonics)

Zu guter letzt: Mein Essay ist so subjektiv, wie etwas nur sein kann. Auch innerhalb der Übersteiger-Redaktion wird es nicht in allen Wahrnehmungen Übereinstimmung finden. Es sind eben meine Wahrnehmungen der letzten Jahre, die zu meinen Schlussfolgerungen führten. Sind diese zu dramatisiert? Gerade jetzt, wo alles toll ist? Vielleicht. Ich habe aber gelernt, in guten Phasen skeptisch und in schlechten optimistisch zu sein.

Hast Du andere Wahrnehmungen, Erfahrungen und Schlussfolgerungen? Das wundert mich nicht, freut mich sogar. Ich erhebe keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Ich schreibe nur, was mich bewegt. Ich habe einfach nur Angst, dass das, was mir so lieb geworden ist, irgendwann nicht mehr da ist und es keiner gemerkt hat.  Forza // Mirco

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