Kleinstes gemeinsames Schwein(ske)

Die Vorkommnisse rund um den Schweinske-Cup 2012 dürften den meisten Lesern noch weniger gut in Erinnerung sein, alle anderen können hier, hier, hier, oder hier nachlesen.

Nun wurde im vergangenen Jahr vom Hamburger Senat ein “Örtlicher Ausschuss Sport und Sicherheit” (ÖASS) eingesetzt, auf Anordnung von Innen- und Sportsenator Michael Neumann gab es zusätzlich aus den Mitgliedern des ÖASS heraus eine Arbeitsgruppe (AG) mit dem Namen “AG zur Aufarbeitung der Geschehnisse rund um den Schweinske-Cup 2012“, die nun heute ihren Abschlußbericht vorgestellt hat.
Mitglieder der AG waren:

  • FC St.Pauli (Stefan Orth und Sven Brux)
  • hsv (Vorstand und Sicherheitsbeauftragter)
  • Verein Jugend und Sport (Geschäftsführer und St.Pauli-Fanladen)
  • Hamburger Fußball-Verband (Geschäftsführer)
  • Polizei Hamburg
  • Behörde für Inneres und Sport (Abteilung Innere Sicherheit)

Dieser liegt in Kürze wohl auch jetzt auch online vor, zusätzlich gab es gestern für interessierte Journalisten ein “Hintergrundgespräch” im Sportamt, welches die Moderation dieser AG übernommen hatte, an dem u.a. auch publikative.org (wie immer lesenswert) und der Übersteiger teilnehmen durfte.
Die AG tagte zwischen November 2012 und Februar 2013 insgesamt vier Mal.

Das wichtigste vorweg, gleichzeitig die Erklärung für unsere Überschrift: Der Bericht wurde einstimmig von allen Beteiligten unterzeichnet, jeder steht hinter jedem Komma, wie betont wurde.
Damit ist auch der größte Makel dieses Berichts gleich benannt: Die Schuldfrage (ebenso wie einzelne polizeitaktische Erwägungen und Maßnahmen) wird im Bericht größtenteils ausgeklammert. Also all dies, was in der Erwartungshaltung der Öffentlichkeit (oder zumindest in der Fan-Öffentlichkeit) den wohl dringendsten Klärungsbedarf hatte. Wenn überhaupt, wird auf das Versagen des (inzwischen ja insolventen) Veranstalters an einigen Stellen verwiesen, der allerdings ja auch die einzige betroffene Partei war, die nicht in der AG vertreten war.
Stattdessen soll der Blick nach vorn gerichtet werden, nach Ansicht von Karl Schwinke, Staatsrat für Sport, will sich Hamburg als Vorzeigeobjekt für den konstruktiven Dialog zwischen Vereinen, Fans und Polizei hervortun und diese AG sei ein sehr guter erster Schritt dorthin gewesen.

Nun ja, konstruktiver Dialog kann sicher nie schaden und immerhin hat ja auch der Fanladen den Bericht unterzeichnet, was genau steht also drin?
Eine Zusammenfassung in Kürze, allen Interessierten empfehle ich natürlich trotzdem auch die komplette Version.

Grundlage der Arbeit in der AG waren neben dem eingangs verlinkten Feltes-Report auch der Lagebericht der Polizei. Auf Nachfrage an Thomas Beyer vom Sportamt, der die Moderation innerhalb der AG übernommen hatte, sind bereits hier durchaus verhärtete Fronten in der Bewertung dieser beiden Schriftstücke vorhanden gewesen, die auch innerhalb der AG nie ganz aufgelöst werden konnten. Allerdings, seien wir ehrlich, damit durfte wohl auch niemand rechnen.
Immerhin ist einer der ersten Punkte, die die AG als Ziel erklärt, “das in der Öffentlichkeit entstandene Bild von Akteuren zu korrigieren. So wurden in den unterschiedlichsten Medien und über einen langen Zeitraum “die” St.Pauli-Fans in nicht gerechtfertigtem Maß und vor allem pauschalisiert als gewaltorientiert und -bereit dargestellt. Eine öffentliche und notwendige Korrektur dieses Bildes ist nicht nur eine Frage der “Fan- und Vereinsehre”, sondern auch ein Schlüssel für den von der AG einhellig gewünschten veränderten Umgang innerhalb der Vereinsszene und mit der Polizei.
Im nächsten Absatz wird gleiches dann auch für das “öffentliche und in Teilen der der Fanszene “gepflegte” Bild der Polizei[...]” erbeten.

Die AG ermittelte in der Analyse sechs Themenbereiche, die es aufzuklären galt, als da wären:

  • Organisationsqualität / Veranstalterrolle
  • Sicherheitsbesprechungen, Sicherheitskonzept, Ordnerdienste
  • Ausbruch der Gewalttätigkeiten im Bereich der Sanitäranlagen
  • Auseinandersetzung im Bereich der Kopftribüne / sog. “Bannerklau”
  • Auseinandersetzung im Bereich von Hallenumlauf und Raucherbalkon
  • Ausschreitungen außerhalb der Halle

Diese Themen werden dann ausführlich beleuchtet, wobei hier erneut auffällt, dass es sich eher um Feststellungen auf Sachebene handelt, wertfrei, größtenteils ohne Schuldzuweisung.

Ich lasse die einzelnen Bereiche mal für sich stehen und gehe nur auf ein paar Auffälligkeiten ein:

Insgesamt wird der schwarze Peter, so er überhaupt schriftlich verteilt wird, wie erwähnt dem in der AG nicht beteiligten Veranstalter zugeschoben. Dies geschieht in vielen Fällen sicher auch zurecht, es bleibt aber der fahle Beigeschmack, hier ein willkommenes Opfer gefunden zu haben welches sich nicht mehr wehren konnte. Insbesondere, weil damit der Fokus natürlich von der Polizei abgewendet wird.
Hauptkritikpunkt ist hierbei, dass der Veranstalter die geforderte und abgesprochene Anzahl Ordner nicht gestellt habe, die Anzahl sei ohne Rücksprache heruntergeschraubt worden. Dieser wendet ein, dass durch den Pfefferspray-Einsatz der Polizei mehrere Ordner ausgefallen seien.
Die Polizei selbst empfand die Einlasssituation als normal, den beschriebenen Ausfall der Ordner ebenfalls. (Fürs Protokoll: Es gab offiziell 30 Verletzte, davon 14 Polizisten. Leider ist nicht festgehalten, wieviele davon auf das Pfefferspray zurückzuführen sind. Und dieZahl der tatsächlich Verletzten durch Pfefferspray, die dann aber kein Interesse mehr hatten dies offiziell den Beamten mitzuteilen, dürfte um ein Vielfaches höher liegen.)

Ein weiteres Zitat aus dem Bericht, welches sich auf die Phase vor der ersten Eskalation bezieht:
“Von Seiten des FC St.Pauli wurde in der Ausschussdiskussion darauf hingewiesen, dass sich bei beobachtung der Lage und Bewegungen der Fangruppen in der Halle hätte deutlich werden müssen, dass sich Ausschreitungen anbahnen könnten.
Dieser Hinweis (“anbahnen könnten”) ermächtigt die Polizei noch nicht, Eingriffsmaßnahmen durchzuführen. Zu diesem Zeitpunkt greift ausschließlich die “Ordnungsverpflichtung des Ausrichters mittels seines Hausrechtes.”
Da sitzt man als Fußballfan in diesem Hintergrundgespräch schon recht fassungslos, da man nun oft genug extreme Repressionen über sich ergehen lassen muss, ausschließlich weil sich “etwas anbahnen könnte“. Die gesamte Polizeitaktik rund um den Fußball dreht sich darum, was passieren könnte, aber ausgerechnet an diesem Abend war das irrelevant? Im Gegenteil, zum Einkesseln des St.Pauli-Blocks hatte es polizeitaktisch gereicht, zu “Eingriffsmaßnahmen” gegenüber der bereits vom Hauptbahnhof bis zur Halle randalierenden und sich dann den Einlass erprügelnden Lübecker reichte es aber nicht?
Aber polizeitaktische Maßnahmen waren ja leider “out of scope” für die AG, sehr schade.

Sehr wichtig ist allerdings folgende Feststellung: Die Ausschreitungen im Bereich der Sanitäranlagen, die durch fehlende Sicherheitsvorkehrungen begünstigt wurden, seien “mitbegründend” für die spätere Eskalation, die bedenkliche bauliche Situation an dieser Stelle der Halle sei Polizei und Vereinen bekannt, nur der Veranstalter habe dies eben unterschätzt.
Anschließend wird auch das Procedere rund um die Ausschreitungen an der Kopftribüne inklusive dem Bannerklau erläutert, inklusive einer Erklärung für in Fandingen nicht so bewanderte, was ein Bannerklau unter Fußballfans denn eigentlich sei und welche Symbolik dahintersteht. Etwas, was man in einem von Behörden und Polizei unterzeichneten Schriftstück sicher so nicht erwartete.
Erneut wird auf fehlende Ordner verwiesen, die es den Lübeckern leicht machten.
Aber: Auch ein “Bannerklau” (rein rechtlich ja aus meiner Laiensicht immer noch der Straftatbestand des Diebstahls) sei “für die Polizei kein Grund zur Ergreifung von Maßnahmen im Sinne der Gefahrenabwehr”.
Erneut sei der Hinweis erlaubt, dass ansonsten bei Fußballspielen viel nichtigere oder auch gar keine Anlässe Grund genug sind. Auch wird festgestellt, dass die Aktion von den Lübeckern ausging, was in den Medien damals ja auch eher unterging.
Anschließend wird beschrieben, dass die Polizei es als notwendig erachtete, auch in der Halle Pfefferspray einzusetzen, was dann (quasi als Kollateralschaden) auch unbeteiligte Zuschauer betraf.

Aus diesem komplexen Gemenge heraus wird dann auch die folgende Eskalation betrachtet, in der darauf hingeweisen wird, dass dies als “logische Folge” des vorangegangenen betrachtet werden muss, ohne damit die Härte und Art und Weise zu rechtfertigen, insbesondere nachdem die Polizei die Lübecker weggeschafft hatte und sich die “Wut” der St.Pauli-Fans damit nur noch auf die Polizei richtete.
Zentraler Kritikpunkt des Berichts ist, dass eine enge Abstimmung der an der Sicherheit beteiligten Partner nicht wirkunsgvoll genug erfolgte.

Der Blick nach vorne

Anschließend blickt man nach vorne und versucht, in der AG für die Zukunft einen “Kontakt auf Augenhöhe” herzustellen. Dies zwischen den Vereinen, den Fanprojekten und der Polizei zu schaffen, wäre dann tatsächlich ein Erfolg, da stimmt auch der Übersteiger zu und genau dies dürfte auch der Hauptbeweggrund für den Fanladen gewesen sein, dieses Schriftstück zu unterzeichnen.
Sicher ist die ausbleibende Beantwortung der Schuldfrage enttäuschend, allerdings durfte wohl auch niemand ernsthaft erwarten, dass die Polizei hier Fehler einräumt und dies dann noch unterschreibt. So ist der zwischen der mehr oder weniger Freispruch oder zumindest die Richtigstellung der Verantwortlichkeiten für die St.Pauli-Fans sicherlich schon als großer Erfolg zu werten, immerhin ja unterzeichnet von Polizei und Innenbehörde.

Wie ein derartiges Miteinander aussehen könnte, zeigte sich bei einer zentralen Streitfrage, nämlich zwei der Stadionverbote, die als besonders ungerechtfertigt angesehen werden. Hier gab es auf Initiative des Vereins die Bitte an die Polizei, diese doch beim DFB zurückzuziehen, was dann (nach ein bißchen Diskussion) auch tatsächlich in einem gemeinsamen Brief an den DFB geschah.
Leider zeigte sich der DFB daraufhin von seiner uneinsichtigen Seite und blockte das Ansinnen ab, obwohl es vorher sogar gegenteilige Signale gegeben hatte. Schlumpf Dich, DFB. Allerdings ist zumindest in Detailfragen das Verfahren auch noch schwebend.
(Nachtrag, 17:30h: Wie auf der Vereinshomepage nachzulesen ist, gab es da seit gestern wohl dann doch noch ein kleines Zugeständnis des DFB. Die Stadionverbote wurden zwar nicht sofort zum Zeitpunkt des Briefes aufgehoben, aber jetzt dann doch immerhin nach einigem Hin und Her zu Anfang Mai und damit vor dem letzten Heimspiel. Warum da der April jetzt noch zwingend “gebüßt” werden muss, müssen wir dann aber auch nicht verstehen.)

Die AG schließt mit Empfehlungen für die zukünftige Zusammenarbeit, Staatsrat Karl Schwinke ist sogar optimistisch, dass zukünftig innerhalb der Bundespolizei länderübergreifend besser zusammengearbeitet wird und der Hamburger Verantwortliche den Kollegen in München dann mitteilen wird, dass es bei Ankunft von Sonderzügen (wie am Wochenende bei der knappen Auswärtsniederlage des Nachbarn) zukünftig keine Kontrollen mehr bei der Ankunft geben muss.
Ein frommer Wunsch, wir bleiben skeptisch.
Auch Sportamtleiter Thomas Beyer äußerte eingangs die Vision, ein Hamburger Derby ohne Polizei genießen zu wollen, räumte aber auch gleich ein, nicht naiv genug zu sein, um ernsthaft dran zu glauben.

Für eine Zukunft von Hamburger Hallenturnieren werden auch noch Empfehlungen ausgesprochen, selbst die Alsterdorfer Halle wird unter bestimmten Voraussetzungen hierbei weiter in Erwägung gezogen.

Am 25.April wird dieser Bericht dem Innenausschuß der Bürgerschaft vorgestellt, eventuell wird es danach dann noch weitere Ergebnisse/Folgen geben. Wahrscheinlich aber eher nicht, so vermute ich.

Fazit

Ich bin zunächst mal enttäuscht.
Ich erinnere mich noch gut an den Auftritt von Innensenator Michael Neumann im Centro, wo dieser Aufklärung zusicherte. Diese ist bis heute nicht erfolgt und auch diese AG hat (zumindest nach außen) wenig an Aufklärung betrieben.

Trotzdem gibt es natürlich auch viele Punkte im Bericht, die einem etwas Wiedergutmachung geben, für die unfassbaren Berichte in den Massenmedien im Januar 2012. Ob diese allerdings aufgrund des Berichts ihre Darstellungen überdenken, oder es eher wie heute im Abendblatt (welches allerdings damals auch noch eher differenziert berichtete) in einem kleinen Nebenbericht abgehandelt wird, frage ich Euch nicht ernsthaft, das wisst Ihr selbst.

Es bleibt die Hoffnung, dass jenes “auf Augenhöhe” miteinander reden auch wirklich in die Tat umgesetzt wird und durch jenes neue “Miteinander” das Erlebnis Fußball in Hamburg zumindest für anreisende Auswärtsfans wieder erträglicher wird. Und ganz vielleicht hat dies dann ja tatsächlich Signalwirkung und irgendwann profitieren auch wir dann davon.
Ob es jemals wieder ein Hallenturnier mit Profimannschaften in Hamburg geben wird, wird die Zukunft zeigen müssen. Ob ich dies derzeit überhaupt wollen würde, weiß ich nicht. // Frodo

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27.Spieltag (H) – SC Paderborn

FC St.Pauli – SC Paderborn 2:2 (0:0)
Tore: 1:0 Marius Ebbers Fußballgott (53.), 1:1 Deniz Yilmaz (56.), 1:2 Mahir Saglik (84.) 2:2 Philipp Tschauner Fußballgott (90.)
Zuschauer: 28.278 (geschätzte 500 – 600 Gästefans)

That’s the way – We like it!
Seien wir ehrlich… wäre das Spiel nach 80 Minuten abgepfiffen worden, hätte sich ob der sehr dürftigen Vorstellung, der Punkteteilung und der niedrigen Außentemperatur kaum jemand beschwert und man wäre nach einem Höflichkeitsapplaus schnell nach Hause geeilt und dieses Heimspiel wäre wohl nur aufgrund der Alerta-Choreographie und der Wunderkerzen-Diskussion in Erinnerung geblieben.
Doch: Ein Spiel dauert nunmal (mindestens) 90 Minuten und gestern Abend konnte man mal wieder konstatieren: “Und das ist auch gut so!”

Der Reihe nach: Das Wunderkerzen-Verbot des DFB sorgte für einige Reaktionen (stellvertretend seien hier das Lichterkarussell und der Magische FC (Teil 1, Teil 2) erwähnt, sowie mein Beitrag vom Freitag), immerhin nahmen auch die meisten Medien die Mitteilung auf und stellten die Sinnhaftigkeit in Frage, wenn doch dieses pyrotechnische Erzeugnis für alle Kinder ab 3 Jahren das gesamte Jahr über frei verkäuflich und verwendbar ist.
Und wie zu erwarten war, erzeugte man eher das Gegenteil, denn natürlich brannten so erst recht viele Wunderkerzen.

Wunderkerzenverbot failed

Wunderkerzenverbot failed

Zu Spielbeginn aber stand die Choreographie anlässlich des Aktionstages gegen Homophobie (Flyertext) im Vordergrund, es gab neben dem verlinkten Flyer noch DIN A3-Zettel des Alerta-Netzwerks, der zum Anpfiff mit tausenden Luftballons und den riesigen Tapetenstreifen, welche das Alerta-Banner ergaben, hochgehalten wurden.

Wie schrieb ein Facebook-User so schön, der oben verlinktes Video von unserem FB-Account aus teilte: “Bei St.Pauli hat halt nicht nur der Torwart einen Kopf!
Ein großes Dankeschön an Alle, die zum Gelingen dieser Aktion beigetragen haben.

Danach folgte ein Spiel, welches nicht so recht mit der sonst gewohnten “Flutlicht / DOM / Millerntor”-Magie zu begeistern wusste, vorsichtig formuliert. Oder auch: Eine der wohl fußballerisch schlechtesten Halbzeiten zweier Mannschaften ever in diesem Stadion. Und das schreibe ich in dem Bewusstsein, hier auch schon Unentschieden gegen den VfR Neumünster und Heimniederlagen gegen Bundesliga-Zweitvertretungen genossen zu haben. Uninspiriertes Fehlpassfestival trifft es wohl ganz gut.

Die Stimmung war in Anbetracht des Gebotenen noch ganz okay, auch wenn von der Gegengeraden dieses Mal deutlich weniger kam als in den letzten Spielen.
Und so schaukelte das Spiel trotz des 101. Treffer von Marius Ebbers und einem Gegentor, bei dem der gegnerische Stürmer zunächst fünf Meter im Abseits stand, um eine Sekunde später angeblich in einer neuen Spielsituation zu sein, einem belanglosen Ende entgegen, an dem auch Sagliks Einwechslung, Nakis “Vorlage” (solche Dinger macht er eben einfach nicht rein, bezeichnenderweise) und Sagliks erster Treffer für Paderborn wenig geändert hätten… bis dann in der 90.Minute (und damit recht früh, denn es war ja noch keine Nachspielzeit) sich dieser verrückte Typ im türkisen Trikot aufmachte, den gegnerischen Strafraum zu besuchen. Sehr geil sieht dies übrigens in der Zusammenfassung aus, als die Hintertorkamera aus der Nord seinen Weg filmt, inkl. den hüpfenden USP im Hintergrund.
(Sky Spielbericht auf YouTube hier.)

Der Rest war Wahnsinn, wohl einer der Top5-Torjubel am Millerntor ever, vielleicht knapp hinter den 3:2-Treffern gegen Hansa Rostock 1996 (Kay Stysi!) sowie 2009 (Hoilett) und natürlich dem Treffer von Marcus Marin zum Klassenerhalt damals gegen RWO sowie dem (leider nur zwischenzeitlichen) 1:0 von Fabian Boll gegen den hsv.
100.Zeitligaspiel – erstes zweites ähm, fünftes Tor aus dem Spiel heraus in Liga 2 für einen Torwart – Mehr Saisontore als Ralph Gunesch. Okay, letzteres ist nicht schwer, aber viel mehr geht als Keeper dann auch nicht. Glückwunsch, Tschauni, Gänsehaut pur!

Nun sind es neun Punkte Vorsprung auf Dynamo Dresden und man sollte am nächsten Samstag ganz einfach dafür sorgen, dass es nicht weniger werden, dann kann die Saison wohl endgültig abgehakt werden.
Bei den Dynamos sieht man dies natürlich etwas anders, einen (wie immer) lesenswerten Vorbericht gibt es beim Ballsalat. // Frodo

Links:
- Foto Stefan Groenveld: “Der Moment
- Fotos Stefan Groenveld: “Lieb doch wen Du willst
- Fotos AuxArmes
- Bericht Keep calm and follow St.Pauli: “Nr.13
- Bericht pathos93: “Einmal im Leben
- Bericht Magischer FC: “Paderborn gegen das Kopfballungetschauner” (Welch Überschrift!)
- Bericht und Bilder BeebleBlox: “Choreositätenkabinett” (Mir gefällt Foto 7 besonders)

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Das Wunderkerzen-Massaker

Hach, was ein Spaß! Der DFB ist sich tatsächlich für nichts zu blöd und lässt sich jetzt mit Sätzen zitieren, die einen wirklich nur noch an der geistigen Fitness der Frankfurter Riege zweifeln lassen.

Doch der Reihe nach: Gestern (Donnerstag) machte eine Mitteilung des Vereins die Runde, die einen fassungslos hinterließ. Der Verein war vom DFB (wie sich später herausstellen sollte auf Initiative der Hamburger Feuerwehr hin) darauf hingewiesen worden, dass auch Wunderkerzen zur Gattung des Bösen, der Pyrotechnik (hier bitte das Einsetzen der Musik aus Psycho denken) gehören und dies im Zusammenspiel mit “entflammbaren Stoffen wie Fahnen etc.” eine “erhöhte Gefahr” darstelle.
Mehr noch: “Dies könne bei missbräuchlichem Einsatz zu Schäden führen. Das Spiel gegen Paderborn am Montag steht dementsprechend unter Beobachtung.

Ich hoffe, Ihr hattet alle die arbeitssicherheitstechnisch ideale Sitzposition inne, die die Unterarme im rechten Winkel zum Körper zielgenau auf der Schreibtischplatte platziert, ansonsten könnten beim Lesen dieser Zeilen jetzt einige Kieferorthopäden innerlich jubeln, da die ein oder andere Kinnlade sicher böse beim aufschlagen auf dem Tisch zerdeppert wurde.
Werden jetzt auch die Hausschlüssel verboten, weil diese ebenfalls bei missbräuchlichem Einsatz zu Schäden führen können, etwa wenn man sie dem DFB-Beobachter quer übers Gesicht zieht? Wird in irgendwelchen Stadien noch Erbseneintopf verkauft? Stichwort Entflammbarkeit und so…

Ernsthaft, liebe Jungs und Mädels in Frankfurt. What’s next?
Schoko-Osterhasen, die verboten werden, weil sie als Wurfgeschosse dienen könnten? Ach nee, gab es heute als verfrühten Aprilscherz ja schon.
Sogar die Tagesschau kam nicht umhin, das Thema aufzugreifen. Mit einem mehr als gelungenen Beitrag.
Auch die berechtigte Frage eines Journalisten auf der heutigen Pressekonferenz (gratis abrufbar), wie es denn um Einwegfeuerzeuge bestellt sei, erzeugte bei unserem Pressesprecher dann ein Lächeln, welches schon sehr gequält wirkte, weil er sich selbst bescheuert vorkam, sie beantworten zu müssen.

Womit wir beim Thema wären, welches uns wirklich betrifft. Denn das in Frankfurt beim DFB nicht ausschließlich die hellsten Leuchten aus dem Solarium eingebaut wurden, ist seit längerem bekannt.
Wie aber mit derlei geistigem Blödsinn umgehen? Wie sieht unser Verein bei der Nummer aus?
Zunächst mal ist es etwas undankbar für den Verein, vom DFB in diese Situation gebracht zu werden, in der man fast nur noch verlieren kann. Da sitzt man dann mit der kurzfristigen Info, dass man eben nicht aufgrund der sonst allgegenwärtigen Gewaltexzesse rund um die St.Pauli/Paderborn-Deathmatches unter fragwürdiger Beobachtung steht, sondern aufgrund von Wunderkerzen… ich kann mir förmlich vorstellen, wie Brux und Bönig mehrfach in Outlook versuchten, den Kalender zu aktualisieren, um irgendwie doch noch erleichtert feststellen zu können, dass der 1.April dieses Jahr vorgezogen worden war.
Dann gibt man eben eine Mitteilung raus (s.o.) um den Schaden zu begrenzen, lässt aber zwischen den Zeilen schon durchschimmern, dass es sich hierbei nicht um die eigene Auffassung handele, sondern eben um die weltfremde Ansicht von Schreibtischtätern, die Silvester wohl ausnahmslos im Bunker verbringen und bei Anwendung von Tischfeuerwerken die Waffe zücken.

Sven hat sich zum Zustandekommen des Textes heute nochmal im Forum geäußert, zumindest aus meiner Sicht ist damit alles gesagt.
Ich fasse mal sehr frei zitierend zusammen: Kauft die Restbestände an Wunderkerzen in Hamburg und Umland am Ostersamstag leer und zündet die Dinger am Montag um 20.10h an. Dieses geschieht (wie seit eh und je, also kaum der Rede wert) gesittet und vernünftig, die Dinger werden nicht geschmissen und auch nicht im Bündel angezündet.
Sollte es dann aufgrund des (sachgemäßen) Gebrauchs von Wunderkerzen anschließend eine Sanktion des DFB geben, kann man den Verein an dessen dann folgenden Taten messen und es erfolgt hoffentlich ein Einspruch und der Gang bis zum Obersten Gerichtshof auf dem Jupiter, falls notwendig.

Frohe Ostern, viele Kerzen!
Und dem Hinweis in der Vereinsmitteilung bzgl. der Choreo zum Thema “Homophobie beim Fußball” kann man natürlich nur zustimmen, hier nochmal der Text zum Aktionstag bei den Kollegen der BASCH. // Frodo

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Verein am Wochenende (12/2013)

Fußball

Kaum spielen die Profis mal nicht (das geplante Testspiel bei Bergedorf war frühzeitig abgesagt worden), schon glänzt die Abteilung von ihrer besten Seite! (Btw: Michael Frontzeck ist nach seinem dreifachen Rippenbruch mit anschließender Not-OP inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen worden, die Redaktion wünscht weiterhin Gute Besserung!)
Fangen wir an mit der U23, die in der Regionalliga Nord beim SV Meppen antreten musste, wo es bisher in sechs Spielen nur ein Unentschieden und fünf Niederlagen gegeben hatte. Aus dem Profikader machten sich Joseph-Claude Gyau, Dennis Daube und Lennart Thy mit auf den Weg ins Emsland, sowie Robin Himmelmann und Marcel Anrijanic, die ja aber ohnehin ihre Einsatzzeiten fast ausschließlich im Regionalliga-Kader bekommen.
Nach einem schnellen Rückstand erzielte Gyau noch vor der Pause den Ausgleich, ehe Thy in Hälfte zwei nach einem Lattenkopfball von Hauke Brückner zum Siegtreffer abstauben konnte.
Spannend ist es, hier mal die unterschiedlichen Wahrnehmungen der Spielberichte (Verlinkung weiter unten) zu vergleichen, denn während auf Meppener Seite der Ausgleich “der erste Angriff” unsererseits war, werden bei uns “zahlreiche Einschussmöglichkeiten” vorweg erwähnt, die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo dazwischen.
In der Nachspielzeit gab es dann noch eine rote Karte gegen einen Meppener wegen Tätlichkeit, bei der die Meppener Seite Hauke Brückner gerne einen Fair-Play-Preis angedeihen lassen würde, weil dieser den Schiri darum bat, nur gelb zu zeigen.
Unsere Vereinshomepage hatte gar nur eine gelb-rote Karte gesehen, da nehm ich aber den Kicker mal als schlichtende Instanz, der auch von glatt Rot berichtet.

In jedem Fall drei ganz wichtige Punkte, mit jetzt 24 Punkten hat man sich ein leichtes Polster auf die Abstiegsränge verschafft, von dem der Stadtrivale von der Hoheluft (18 Punkte) ebenso nur träumen kann, wie der Stadtrivale von der Müllverbrennungsanlage (16 Punkte).
Das nächste Spiel findet soll am Ostermontag stattfinden, Anstoß gegen den VfB Oldenburg wäre dann um 16.00h, also ideal zum “Warmgucken” für das Heimspiel der Profis um 20.15h gegen den SC Paderborn.

Spielbericht auf der Homepage des SV Meppen
Spielbericht auf der Homepage des FC St.Pauli

In der A-Jugend Bundesliga geht es bezüglich des Abstiegs auch sehr eng zu, mit zuletzt vier Punkten aus zwei Spielen hatte die U19 sich aber etwas Luft verschafft. Heute war der Hallesche FC zu Gast, derzeit Tabellenletzter, was selbstredend einen Dreier zur Folge haben musste, wenn man sich endgültig freischwimmen wollte.
Zur Halbzeit stand es noch 0:0, ehe dann die beiden Topscorer Theodoros Ganitis (49.) und Laurynas Kulikas (75.) ein 2:0 herausschossen, was normalerweise Ruhe hätte reinbringen müssen. Allerdings gab es im Gegenzug das 2:1, was zwar nochmal etwas zittern verursachte (von der Kälte mal abgesehen), aber eben auch der Endstand war.
28 Punkte aus 19 Spielen sind jetzt erst mal ein gutes Polster, auch wenn Kiel und Erfurt (beide 20 Punkte) noch zwei bzw. vier Nachholspiele haben. Auch in dieser Liga würde der hsv (18 Spiele, 21 Punkte) wohl gerne mit uns tauschen und hat den Klassenerhalt noch lange nicht sicher.

Die U17 hatte bereits gestern Dynamo Dresden zu Gast und konnte den Halbzeitrückstand gegen den Tabellennachbarn durch Tore von Tone Gabriel und den für den Torschützen eingewechselten Marian Kunze noch in einen 2:1-Sieg drehen.
Vierzehn Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge, so frühzeitig hatte eine Fußballmannschaft des FC St.Pauli den Klassenerhalt in der Bundesliga wohl noch nie gesichert, egal in welcher Altersklasse.
Nächste Woche geht es zu Rasenball Leipzig.

Handball

Die 1.Herren hatte ja am Donnerstag vielumjubelt den Einzug ins Hamburger Pokalfinale gefeiert. Dieses findet übrigens am 1.Mai in der Budapester Straße statt, den Termin solltet Ihr Euch also alle schon mal freihalten, Uhrzeit und Gegner stehen noch nicht fest.
Am Samstag ging es dann um Big Points für den Klassenerhalt, beim direkten Kontrahenten aus Herzhorn wäre ein Sieg fast gleichbedeutend mit dem Ligaverbleib gewesen. Tja, hat nicht sollen sein, denn wohl u.a. aufgrund einer sehr fragwürdigen Schiedsrichterleistung ging das Spiel mit 33:26 verloren.
Frohe Nachrichten gab es dann aber heute, denn die bereits abgestiegene HG Norderstedt siegte gegen die auf dem ersten Abstiegsplatz liegende HSG Hohn/Elsdorf, wodurch der Vorsprung unserer Jungs weiterhin drei Punkte (in einem 2-Punkte-pro-Sieg-System) beträgt, drei Spieltage vor Schluß.
Nach dem letzten Heimspiel gegen Wift (13.4.) dürfte es sich also durchaus lohnen, am 20.4. eine kleine Reise nach Hohn zu unternehmen, wo es dann zum großen Endspiel kommen könnte.

Auch ansonsten war das Wochenende für die Abteilung überaus wichtig: Während die 2.Herren dringend einen Sieg für den Klassenerhalt in der Landesliga brauchte, konnten 1.Damen, 3.Herren und 4.Herren jeweils durch einen Sieg den vorzeitigen Aufstieg klar machen.
Die 1.Damen hatte in der Landesliga bisher in 18 Spielen 18 Siege errungen, der 19. wäre dann gleichbedeutend mit dem Aufstieg. Es ging gegen den Tabellenzweiten vom Elmshorner HT. Am Ende stand ein 21:21, was zwar rechnerisch den Aufstieg noch nicht perfekt machte, bei fünf (Minus-)Punkten Vorsprung und lösbaren Aufgaben sowie noch drei Spielen bei gewonnenem Vergleich aber ganz sicher am de facto Klassenwechsel in die Hamburg-Liga nichts mehr ändern wird, da sie den Verfolger auf Distanz hielten.

Die 2.Herren hatte ebenfalls den Elmshorner HT zu Gast, es war ein “Vier-Punkte-Spiel” um den Verbleib in der Landesliga. Leider hatten die Gäste am Ende ein Tor mehr, wodurch man jetzt punktgleich in die letzten zwei Spiele geht und nur einen Punkt überm Strich ist.

Die 3.Herren wollte in eben diese (zweigeteilte) Landesliga aufsteigen und seit Samstag Abend ist es auch vollbracht. Das 21:17 bei der SG Altona reicht lt. der Abteilungsseite auf Facebook aus, um uneinholbar zu sein, auch wenn lt. Tabelle auf sis-handball.de zumindest Platz 1 noch nicht gesichert ist.

Die 4.Herren hingegen macht sich aus der Kreisliga nun auf in die Bezirksliga, eingetütet wurde dies durch ein 27:18 (oder so) gegen die HG Hamburg-Barmbek.

Last but no least noch eine Information zum kommenden Heimspiel der Profis gegen den SC Paderborn am Ostermontag:

Aktionstag gegen Homophobie!
In mitteleuropäischen Ländern kann seit längerem ein gesellschaftlicher Prozess festgestellt werden, der es homosexuellen Menschen mehr und mehr erlaubt, ihre sexuelle Orientierung nicht verbergen zu müssen, sondern offen leben zu können. Teile der Gesellschaft bleiben von dieser Entwicklung jedoch offenbar unberührt – Homophobie ist auch in Mitteleuropa immer noch ein großes Problem.
Ein Beispiel hierfür ist der Fußballsport, insbesondere da, wo er von Männern ausgeübt wird. Sowohl Fankurve als auch Mannschafts-, Vereins- oder Verbandsgefüge stellen weiterhin ein Reservat obsoleter Männlichkeitsvorstellungen dar. Mit Männern assoziierte Stereotype wie Härte, Kampfgeist oder Durchsetzungsvermögen, die für den Fußballer als unabdingbar gelten, werden exklusiv dem heterosexuellen Spieler zugeschrieben.
Schwulsein dient hierbei als Synonym für Schwäche. Das Resultat zeigt sich auf den Rängen, wo kollektiver Rausch und die Anonymität der Masse den Raum schaffen für Diskriminierung in unverhohlener und lautstarker Form. In den Vereinen hingegen prägt meist Tabuisierung das Bild, wenn auch hier nach wie vor mit Regelmäßigkeit homophobe Entgleisungen von Akteuren aller Ebenen zu vernehmen sind. Diesem Zustand entgegenwirken möchte die Aktion „Fußballfans gegen Homophobie“.
In Kooperation mit der Kampagne „Fußballfans gegen Homophobie“ führt das Alerta-Netzwerk bestehend aus 13 antifaschistischen, internationalen Fangruppen einen Aktionstag gegen Homophobie durch.
Im Millerntor wird es dazu heute (also gegen Paderborn) eine große Choreografie, bestehend aus Papiertafeln und Luftballons geben. Diese werden im ganzen Stadion verteilt und sollen zum Einlauf der Teams hochgehalten werden!
Zur inhaltlichen Auseinandersetzung wird ein Handzettel angeboten, haltet Ausschau!
Außerdem findet am 5.4.2013 ein Vortrag über Homophobie im Fußball statt.
Um 19:00 Uhr werden Dirk (Queerpass/QFF) und Jan (FfgH) im Fanladen referieren.

Eine schöne Woche inkl. Osterwochenende, am Montag dann bitte alle zunächst zur U23 (so es denn stattfindet) und dann Paderborn wegballern, allein schon als Strafe für ihren furchtbaren Stadion-Zombi-Song, “Paderborn – Erhebe Dich und lauf”.  // Frodo

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Der Übersteiger ist das erste Fanzine, das…

Das Finale des 10. Internationalen Fußballfilmfestivals „11mm“

Es ist mir nach wie vor noch nicht ganz klar, wie das Ding so viel Fahrt aufnehmen konnte. Die Rede ist von unserem kleinen Imagefilm „Aufstieg und Fall“, wegen dessen wir nun an diesem Montag bei katastrophalen Wetter- und Straßenverhältnissen zu viert im Auto saßen und der Einladung zum Finale des 10. Internationalen Fußballfilmfestival 11mm in Berlin folgten. Im Gepäck hatten wir einen Streifen, von dem wir alle überzeugt waren.

Klar war aber auch, dass wir etwas gänzlich anderes gemacht hatten, als die fünf weiteren Finalisten. Die klassischen Anforderungen an einen Film gab es bei uns nicht. Weder einen Regisseur noch Schauspieler oder gar ein Drehbuch im herkömmlichen Sinne hatten wir anzubieten. Vielmehr war es „mehr Performance als Film“, wie es die Berliner Morgenpost so treffend formulierte. Somit gab es eigentlich nur Hopp oder Topp. Entweder rocken wir das Festival und holen den Pokal ans Millerntor oder wir landen abgeschlagen unter ferner liefen.

Euphorisiert von den durchweg positiven Kritiken im Freundeskreis ging ich selbstredend von ersterem Szenario aus. Folglich bastelte ich in meinem Kopf schon fleißig an meiner Siegesrede. Allerdings gebe ich unumwunden zu, außer Acht gelassen zu haben, dass wir in Sachen St. Pauli unterwegs waren. Da fährt man nun mal nicht so einfach zu einem Finale und holt sich die Trophäe ab. Da ist erst einmal Leiden und Enttäuschung angesagt, ehe schlussendlich doch noch alles gut wird.

Es war eine Sekundenentscheidung, als vor uns eine schwarze Rauchsäule empor stieg.

Fahrer: „Was ist das da vorne?“
Stimme von der Rückbank: „Da brennt es.“
Fahrer: „Soll ich runter von der Bahn?“
Stimme von der Rückbank: „Nee, da kommen wir noch irgendwie rechts dran vorbei.“

Klassische Fehleinschätzung nennt man sowas wohl. Vor uns hatte sich dank der glatten Autobahn ein Gefahrguttransporter um einen Brückenpfeiler gewickelt und stand nun in Flammen. Vollsperrung vor uns, Vollsperrung hinter uns. Nun war unser Zeitpolster aber nicht so großzügig bemessen, als das ich wirklich locker hätte bleiben können. Also überlegten wir, ob wir nicht ein Franzbrötchen als Blaulichtimitat auf das Dach legen sollten, um dann perfekt als Zivibullen getarnt, rückwärts durch die Rettungsgasse zur Ausfahrt zurückzufahren. Da aber Ute zu diesem Zeitpunkt schon sämtliche Brötchen weggespachtelt hatte, blieb uns nichts als zu warten. Und nach einer knappen Stunde löste die Polizei dann tatsächlich den Stau von hinten (!) auf.

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Willkommen in Babylon

Irgendwie haben wir es dann doch noch geschafft und standen pünktlich um halb sieben im VIP-Bereich des Babylon-Kinos in Berlin-Mitte, wo wir bei Schnittchen und Champagner mit allerhand wichtigen Leuten bekannt gemacht und uns der Ablauf des Abends nahe gebracht wurde. Man kann vereinfacht sagen, uns wurde reichlich Puderzucker in den Arsch geblasen.

Dann ging es los. „Aufstieg und Fall“ lief im ersten von zwei Blöcken. Neben mir saß der Film- und Medienwissenschaftler Jan Tilman Schwab, der ein einzigartiges Archiv für Fußballfilme aufgebaut hat. Noch während der Vorstellung gratulierte er mir zu unserem „großartigen“ Machwerk.

Alsdann kam es zur Jurywertung. Zuerst waren die beiden langweiligen wie austauschbaren Berliner Profis Fabian Lustenberger (Hertha) und Michael Parensen (Union) an der Reihe. 0 Punkte! Dann kamen Elke Ritt (British Council) und Nick Howard (Teenieschwarm & Gewinner von „The Voice of Germany“) auf die Bühne. Jawoll, Nick dekorierte uns mit einem Sternchen! Ausgerechnet Nick Howard, über den wir im Vorfeld doch hier und da ein wenig gewitzelt hatten. Aber wahrscheinlich sind wir einfach nur noch nicht bereit für seine Art der Musik.

Alles hing jetzt am letzten Jurorenpaar. Die Schauspielerin Jasmin Tabatabai (Qualifikation: „Ich habe auch schon mal ein Spiel im Fernsehen gesehen“) und Thees Uhlmann (Teenieschwarm & ÜS-Kolumnist) schritten auf das Podest. Tilman neben mir rechnete eifrig mit. „Wenn ihr jetzt zwei Punkte von Jasmin bekommt und abschließend drei von Thees, seid ihr Zweiter und somit in der Publikumsabstimmung.“

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Ein Sternchen von Howie

Nun, wir erhielten keine zwei Punkte von Jasmin, geschweige denn eine Wertung von Thees…

Thees rechtfertigte sich anschließend, er könne keinen Film nach vorne wählen, in dessen Abspann ihm explizit gedankt wird. Kann ich verstehen. Mit einigem Abstand betrachtet, teile ich indes seine Meinung nicht, die Konkurrenz sei zu stark gewesen. Unser Film war mindestens so gut wie die anderen. Bloß bildete ein Filmfestival augenscheinlich nicht den richtigen Rahmen. Das beweisen die über 3.000 YouTube-Aufrufe binnen 24 Stunden, sowie all die Superlative, mit denen ihr uns in den sozialen Netzwerken überschüttet. Unser Film ist eben einfach anders. Trotzdem hat er fast alles, was auch ein klassischer Film braucht – emotionale Momente, eine Prise Humor, überwältigende Landschaftsaufnahmen, einen klasse Soundtrack und einen fantastischen Schnitt. Das einzige, was eventuell fehlt ist die weibliche Hauptrolle. Aber offensichtlich war weder diese Jury noch das Berliner Publikum an diesem Abend bereit für diesen Film. Somit teilen wir uns die Ränge vier bis sechs mit „Die Sprache des Rasens“ und „Halfline“.

Wer sich selbst ein Bild von den fünf anderen Finalisten machen möchte, findet die entsprechenden Filme respektive deren Trailer hier:

Halfline, KOR 2012 (zu diesem Film haben wir leider keine Bilder gefunden)
Home, Away, MAURITIUS 2011
Die Sprache des Rasens, DEU 2012
The Whistle, POL 2012
Meine Beschneidung, DEU 20113

Amüsiert haben wir uns trotzdem königlich und streben jetzt eine Fanfreundschaft mit den Fans von Nick Howard an. Und einen Erfolg können wir dann doch noch vermelden: Der Übersteiger ist das erste Fanzine, das ein Kino trocken getrunken hat!

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Fröhliche Übersteiger

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Fotos: Ute, Clara Köhler / 11mm

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Übersteiger goes Filmfestival – Unser Beitrag zu 11mm

In der (Print-)Ausgabe 109 unseres schnuckeligen Familienmagazins hatten wir die Story abgedruckt, im Blog wurde sie kürzlich auch veröffentlicht, am Montag Abend war dann endlich WELTPREMIERE unseres Kurzfilms “Aufstieg und Fall” auf dem 10.Internationalen Fußballfilmfestival “11mm”.

Und nun ist es soweit, der Film wird veröffentlicht, Ihr könnt ihn alle sehen.
Tut Euch selbst den Gefallen und liest vorher den oben im Blog verlinkten Text oder blättert nochmal in der 109, mit dem Hintergrundwissen macht der Film noch mehr Spaß.
Nehmt Euch zehn Minuten Zeit für den Film und dreht die Boxen auf, ohne Ton wäre es verschenkt.

Und nun: Viel Spaß!

 

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26.Spieltag (A) – 1.FC Union Berlin

1.FC Union Berlin – FC St.Pauli 4:2 (2:1)
Tore: 1:0 Simon Terodde (20.), 1:1 Marius Ebbers (37.), 2:1 Torsten Mattuschka (42.), 2:2 Sebastian Schachten (76.), 3:2 Adam Nemec (81.), 4:2 Simon Terodde (83.)
Zuschauer: 21.410 (geschätzte 2.500 St.Paulianer)

Da war es also wieder, eines meiner beiden Lieblingsauswärtsspiele in Liga 2, Union! Das Zweite wäre übrigens beim VfL Bochum, aber da das am Hamburg-Marathon-Wochenende ist, werd ich es wohl verpassen.

Die Reiseplanung war leicht, der Fanladen bot für schlanke 55,-€ eine ICE-Tour an, besser geht es kaum. Am Dammtor allerdings erblickte mein Auge dann Spannendes am Monitor: Dieser Zug verkehrt heute nur mit einem Zugteil, Wagen X-Y
Jahaha, großes Tennis, liebe Bahn! Der ICE Hamburg-Berlin ist Freitagmittag auch so schon immer gut voll, mit unserer 90-Personen-Gruppe wäre es eh sehr kuschelig geworden, und jetzt wird auch noch ausgerechnet der Zugteil weggelassen, in dem besagte 90er Gruppe ihre reservierten Plätze hat? Unbezahlbar…
Dank meines Einstiegs am Dammtor bekam ich den gefühlt letzten freien Sitzplatz, ab Hauptbahnhof war es dann so voll wie in einer S-Bahn zur Rushhour. Und jetzt wurde es spannend, denn die Schaffnerin (die da ja nun auch gar nichts für konnte und immerhin mit sympathischer Freundlichkeit trumpfen konnte) bat darum, dass doch bitte viele der in den Gängen Stehenden den Zug verlassen mögen und den Nächsten nehmen mögen, dafür gebe es am Service-Point dann auch einen 25,-€ Gutschein. So voll wie der Zug sei, könne/dürfe man jedenfalls nicht losfahren.
Dies hatte natürlich wahlweise amüsiertes Lächeln oder entnervtes Aufstöhnen zur Folge, je nach persönlicher Gemütslage. Die St.Pauli-Reisegruppe nahm es größtenteils mit Humor, aufgrund der eher knappen Ankunftszeit in Berlin entschieden sich aber (fast) alle zum Verweilen im Zug und irgendwann (obwohl noch immer genug im Zug standen) ging es dann auch los. Keine Ahnung, wie da die Vorschriften exakt sind.
Großartig die Reaktion eines Mitglieds des Fanclubs Chaoticker: “Guuuutschein? Dann muss ich ja NOCHMAL Bahn fahren!” [Denkpause] “Oder gilt der auch im Bistro?!
Letzteres war dann aber noch nicht mal nötig, denn besagte Schaffnerin entschied sich aufgrund des gesamten Generves die Parole “Freibier für die St.Pauli-Reisegruppe!” auszugeben, allein die Kommunikation dieses Angebots erreichte leider nicht alle Mitfahrer.
Ein anderer Fahrgast verließ bei der Erwähnung des Gutscheins schnell den Zug, lief hoch zum Service-Point… und kam dann schnell wieder zurück in den Zug, nachdem er die Schlange oben erblickt hatte.

In Berlin ging es dann fix gen Alte Försterei, wo die Einlasssituation nervig wie jedes Jahr war. Allerdings war ich da aus Turin ja noch schlimmeres gewohnt und konnte die Viertelstunde lässig über mich ergehen lassen.
Im Stadion dann die neue Haupttribüne in Augenschein genommen. Soweit ganz nett, ähnlich wie unsere, allerdings würde ich hier gerne noch abwarten, bis dann irgendwann alles fertig ist. Denn derzeit wirkt sie noch ein bißchen wie ein Fremdkörper, da ihr im Vergleich zu unserer jeweils außen noch ein Block an/hinter der Torlinie fehlt und der Anschluß an die anderen Tribünen nicht hergestellt ist.

Überhaupt, die Stimmung. Bisher war ich von jedem Spiel an der Alten Försterei (auch, als sie noch ohne Dach auskam) begeistert, ob der Inbrunst, Leidenschaft und Lautstärke und ertappte mich so manches Mal bei “Ach, so müsste das bei uns auch mal wieder sein!
Aber Freitag? Nee… das war ja mal so gar nichts, da ist ja bei uns inzwischen (seit der Fertigstellung der neuen Gegengerade) wieder deutlich mehr los. Wie sagte T. neben mir stehend in Hälfte zwei so treffend: “Die haben wohl ein Gegengeraden-Problem!
Denn während die Kurve meist beschäftigt war (wenn auch nicht zu hören, aber das dürfte umgekehrt wahrscheinlich ähnlich gewesen sein), war auf der Gegengeraden-Seite doch ziemliche Lethargie, das hatte ich definitiv in den letzten Jahren anders erlebt. Zumal, bei dem Spielverlauf. Naja, hat jeder mal nen schlechten Tag.

Und bei uns? 90 Minuten Dauersupport, made by USP. Müsst Ihr nicht verstehen, aber ich find das immer noch klasse, zumal die sich auch definitiv nicht zu schade sind, andere Gesänge zu übernehmen, so denn welche kommen. Und wer dann gesehen hat, mit wie viel Spaß die Beteiligten dabei abgehen, sollte zumindest akzeptieren, dass diese Art des Supports definitiv ihre Berechtigung hat und sollte sich die “Die mit ihrem Dauer-Lalala!“-Kommentare vielleicht einfach mal verkneifen und sich auf seine eigene Art des Supports konzentrieren, dann haben alle was davon.
Von berliner Seite wurde mir nach dem Spiel auch ein “Ihr kamt aber klasse rüber!” als Zeugnis für den Gästeblock ausgestellt.

Zum Spiel muss ich nicht viel schreiben, mit so viel Chaos geht das Ding dann eben auch 2:4 verloren, während man bei vernünftigem Defensivverhalten (und damit ist nicht nur die Abwehr gemeint) eben auch locker nen Punkt hätte holen können. Zum Glück waren die neun Punkte aus den drei Spielen vorher schon eingetütet, sonst wäre diese Niederlage noch deutlich schmerzhafter gewesen.

Besonders gefreut habe ich mich (wie wohl auch alle anderen) natürlich für Marius Ebbers. Weniger, weil er in seiner Vita jetzt die 100 Zweitligatore hat, als vielmehr, weil das Gelaber darüber jetzt endlich aufhört.
Nach dem Spiel kam er dann mit der Mannschaft zum Block und bewegte sich direkt an den Zaun ran. Da ich da ziemlich weit außen stand, hab ich gedacht, er würde sich eine der hochgehaltenen 100er-Pappen holen wollen und hab es nicht mehr näher verfolgt, tatsächlich soll er da wohl bepöbelt worden sein und er ging angepisst von dannen. Arschlöcher gibt es halt überall, auch bei uns.

Der Blick von außen im Gästeblock ersparte einem die Gegentore eins und zwei.

Der Blick von außen im Gästeblock ersparte einem die Gegentore eins und zwei.

Ich bin dann noch mit einem befreundeten Unioner in die “Abseitsfalle” gegangen und hatte einen sehr netten Abend, ehe es mit der S-Bahn zu weiteren netten Gesprächen mit Unionern kam und der ICE uns wieder nach Hamburg brachte, wo ich mir Grönis Reisebericht aus Cannes anhören durfte, was allein Flugtechnisch schon ein Genuß war.
Allerdings gab es in besagter Kneipe wohl leider auch einen Angriff auf St.Paulianer, von dem ich allerdings nichts mit bekam, wir sind so gegen 21.45h da raus.

Die Diskussion über das Verhältnis zwischen St.Pauli und Union ist ja nicht neu und ich will die hier auch nicht wieder aufwärmen, diese ganze “Blutsbrüder”-Scheiße nervt sicher genug Leute auf beiden Seiten, zurecht.
Ich selber kenne bei Union genug Leute, die ich sehr sympathisch finde und mit denen ich mich gerne treffe, denen ich auch vollends vertraue und mit denen ich dann eben auch in deren Kneipe gehe. Umgekehrt weiß ich leider auch, dass es bei Union einen durchaus vorhandenen Haufen gibt, dem man besser aus dem Weg geht, und bei dem man mit ein bißchen Pech eben auch gehörigen Ärger bekommen kann, dieses Risiko sollte jeder kennen, der dort hinfährt.
Ich bin kein Union-Fan und werde es nie werden, dies will sicher auch niemand, und diese von oben verordneten Fanfreundschaften sind nun wirklich das überflüssigste was es gibt. Nichts desto trotz freue ich mich ganz sicher auch nächstes Jahr wieder, dorthin zu fahren, hundert mal lieber als beispielsweise nach Braunschweig oder Osnabrück.

Dementsprechend empfehle ich Euch jetzt schon mal vorauseilend den textilvergehen-Podcast zum Spiel, der meist so zur Mitte der Woche veröffentlicht wird.

Und drückt uns bitte am Montag Abend beim 11mm-Fußballfilmfest die Daumen!
Und Dienstag spielt dann ja die 4.Herren gegen Partizan Minsk. // Frodo

Links:
- Bericht Magischer FC – “Wir sind die Mauer, das Volk muss weg
- Bericht Siamo Tutti FCSP – “Auswärts: Union Berlin
- Bericht Live-Notizen Gegengeraden-Gerd “Werkstattbericht
- Bericht bei Turus.net “Viele Tore und  gute Stimmung bei Rekordkulisse
- Bericht KleinerTod: “100 und kein bißchen leise
- Bericht Groundhopping etc (englisch): “United in Spirit and Friendship
- Fotos Stefan Groenveld: “Wechselbad der Gefühle
- Fotos UNVEU
- Fotos Aux Armes
- Fotos Union Foto Hupe

- Außerdem sehens- und lesenwertes aus Israel beim Magischen FC.

Der Verein am Wochenende:
Nur kurz, die Zeit rennt: Die U17 hat in der B-Jugend Bundesliga den erwarteten Pflichtsieg beim Tabellenletzten VfL Oldenburg mit 6:1 souverän eingefahren, die Abstiegsgefahr ist damit wohl endgültig gebannt.

Beim Handball haben sowohl 1.Herren als auch die 2.Damen am Mittwoch bzw. Donnerstag ihre Pokalhalbfinals, alle hin da!

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Champions League Achtelfinale: Juventus Turin – Celtic Glasgow

Champions League, Achtelfinale: Juve – Celtic! Wer will das nicht gerne live sehen? Und so war bereits dreißig Minuten nach der Auslosung der Flug mit Ryanair von Lübeck nach Bergamo gebucht, den die Airline bekanntlich selber gerne als „Hamburg – Mailand“ verkauft. Noch ein gemütliches und zentrales Hotel dazu und die Vorfreude konnte steigen.

Die Ticketfrage gestaltete sich unerwartet schwierig, da Juve seit letzter Saison in seiner neuen Arena spielt, die mit 41.000 Plätzen ausgestattet und im Gegensatz zu früher auch meist ausverkauft ist. Doch kurz vor dem Hinspiel gab es dann auch hier eine Erfolgsmeldung für uns. (Und nein, nach dem Hinspiel wurde es wider Erwarten auch nicht sonderlich einfacher, wie wir von anderen erfuhren.)

Am Dienstagmittag ging der Flieger ab Lübeck, an Bord eine knapp zweistellige Zahl St.Pauli-Fans, die sich in Bergamo dann je nach persönlicher Bezugsgruppe auf die Anreisemöglichkeiten Mietwagen, Kleinbus und Zug nach Turin verteilte. Unsere 4er-Gruppe hatte einen Fiat Punto gebucht (kreative Auslegung des Europcar Mitarbeiters: “Lamborghini Punto, Diesel!”) und die A4 führte dankenswerterweise direkt vom Flughafen bis kurz vor unser Hotel.
Übrigens zahlt man auf der Autobahn dort ja Maut, dafür ist in Raststätten die Toilettennutzung kostenlos… leider wollten sie meine gesammelten Toll-Collect-Bons aber  nicht zur Zahlung des Kaffee akzeptieren.

Für den weiteren Tagesverlauf mal ein Rollenspiel: Stellt Euch eines der ja mehr als zahlreichen St.Pauli Europapokal-Auswärtsspiele vor, sagen wir in Novosibirsk. Die angereisten Fans aus Berlin, Ruhrgebiet, Hamburg und sonstwo treffen sich alle im lokalen Löwenbräu-Stüberl, singen lauthals “Hejajippiehyeah, Hamburg, Hamburg, St.Pauli!” und schießen sich ganz gepflegt das Hirn weg. In etwa so pflegen es nach wie vor viele Celts in den jeweiligen Irish Pubs vor Ort zu tun und sorgen dort regelmäßig an den 2-3 Tagen rund ums Spiel für einen kompletten Jahresumsatz. Ist ja auch völlig okay und so ziemlich jeder, der Celtic auswärts begleitet, wird dies schon gemacht haben. Und es ist auch wirklich ein großer Spaß, sämtliche Songs aus dem riesigen Repertoire abzurufen und sich selbst zu feiern.
Aber: man wird älter und gelassener, und wenn sich gerade die Celtic-Fans um die 40 dann diesen Kram nicht mehr antun wollen, weil sie das nun oft genug gemacht haben, setzt man sich eben lieber in ein schönes Restaurant oder eine Kneipe, die nicht auf den Beinahmen Irish Pub hört. Die hat dann meist auch nicht extra für 2-3 Tage eine neue Preisliste eingeführt die jenseits von Gut und Böse ist.

Jeder wie er mag, wir entschieden uns dieses Mal für die ruhigere Variante und folgten einem Tipp ins Dama Dama. Thema der dabei dann eben auch entspannten (und leiseren) Gespräche waren dabei natürlich auch die jüngsten Vorfälle rund um die neuen Gesetze in Schottland, deren derzeitige Umsetzung einfach alles in den Schatten stellen, was man in Deutschland an Repression gegenüber Fußballfans eh schon unerträglich genug findet. Und leider macht auch der Verein selbst dabei nicht die beste Figur.
(Und eventuell gibt es dazu demnächst auch eine Infoveranstaltung/Diskussion in Hamburg mit der Green Brigade, die ja schon länger mal angedacht war. So es dazu kommt, wird dies sicher ausreichend angekündigt.)

Der Mittwoch stand zunächst im Zeichen des Sightseeings, auch wenn 40 Liter Regen pro Quadratmeter dafür auch in Turin nicht unbedingt förderlich sind, insbesondere in irgendwelchen Sneakern ohne Gummistiefel-Funktion. Trotzdem ist Turin nicht so hässlich, wie es mir vorher immer erzählt wurde und mit den ganzen Torbögen und Arkaden sogar durchaus sehenswert. Vielleicht liegt die Vorliebe dafür auch nur am Kleinen Latinum…
(Ha, Challenge gewonnen, einmal das Kleine Latinum in einem Fußballbericht unterzubringen! Mit wem hatte ich da nur vor zwanzig Jahren drüber gewettet?)

Gegen 19.00h waren wir am Stadion und “bewunderten” zunächst mal das Einkaufszentrum, welches den Vorplatz des Stadions beherrscht. Es wirkt schon so, als ob dies dazu gedacht ist, die holde Gattin beim Shopping zu parken, damit Mann in Ruhe ins Stadion gehen kann. Vielleicht tue ich dem Verein da ja furchtbar unrecht, und das Shopping Center ist nur da, weil man es zur Finanzierung des Neubaus brauchte, aber merkwürdig ist es schon, weil es eben optisch das Stadion schon sehr verdeckt.
Direkt dahinter ist das Juve-Museum untergebracht, welches wir aus Zeitgründen allerdings nicht mehr besuchten. Der Besuch im Juve-Store hingegen überraschte, denn die Hälfte der Mitarbeiter in Juve-Klamotten, die andere aber in Celtic-Trikots oder Shirts gepackt war, welche auch eifrig verkauft wurden. Sogar fünf Schaufensterpuppen in Celtic-Trikot inkl. Namensflock waren ausgestellt.

Um 19.20h betraten wir den abgezäunten Bereich zum Einlass in den Gästeblock, befestigt wie ein Hochsicherheitstrakt. Und damit wurde es nervig.
Bautechnisch ist der Zugang zum Gästeblock separiert von der Straße und dem restlichen Stadion, soweit alles noch normal. Allerdings gibt es nur zwei ca. 50cm breite Einlässe, der Weg dorthin wird immer weiter mit Geländern verengt, die am Ende sogar wie an der Flughafenkontrolle zu einem Zick-Zack-Gang zwingen. Und wenn diese zwei Winzig-Eingänge dann auch noch mit peniblen Körperkontrollen einhergehen, dann dauert es.
Hatte ich die 40 Liter pro Quadratmeter erwähnt? Davon sammelte sich in der Zwischenzeit ein weiterer Liter auf ca. 5-6 Personen, denn es ging einfach nicht vorwärts. Unfassbar, dass bei solchen Szenarien nicht viel öfter Leute ohnmächtig werden oder mit Kreislaufkollaps einfach tot umfallen. Unglaublich auch, wie entspannt die meisten dann doch noch blieben, obwohl die Uhr runtertickte. Sage und schreibe 55 Minuten(!), – remember Dauerregen - dauerte es, bis wir die Kontrolle passiert hatten, und dann war da ja noch die Sache mit den Namen auf den Tickets.

Der Vorbesitzer meiner Karte hatte den (per Stift vom Celtic-Ticketoffice manuell draufgeschriebenen) Namen auf der Karte mit nem handelsüblichen Baby-Feuchttuch entfernt und so konnte ich meinen Namen selber draufschreiben. Bei meinem Mitreisenden war mitsamt der Karte auch gleich der Reisepass des ursprünglichen Besitzers übergeben worden, und da dieser ebenfalls zwei Augen, eine Nase und nen Mund hatte, war die optische Übereinstimmung ausreichend.
Klar, sowas hatte man schon häufig, nicht zuletzt ja auch bei der WM 2006, aber so wirklich kontrolliert hatte den Namen auf der Karte zumindest bei mir noch nie jemand. Doch irgendwann ist immer das erste Mal, Juves Ordner kontrollierten, und wie!
Zum einen wurden Leute abgewiesen, deren Namen nicht mit dem auf der Karte übereinstimmte… überraschend zwar, dass überhaupt kontrolliert wurde, aber aufgrund der vorher deutlichen Ansage kaum zu ändern.
Nun hatten einige aber keinen Perso dabei, sondern bspw. “nur” einen Führerschein und kamen damit ebenfalls nicht rein, teilweise wurde sogar bei offensichtlich richtigen Namen, aber unterschiedlicher Schreibweise(!) der Zutritt verweigert. Letzteres ist gerade im Fall von gälischen Vornamen gar nicht so selten, hab ich mir sagen lassen. Dies klang dann doch schon sehr nach Schikane. Nun mag man diskutieren, warum man bei solch einer Tour keinen Perso dabei hat, sondern eben nur den Führerschein, aber vielleicht wurden da ja auch solch konspirativen Übergaben gemacht, in dem festen Glauben, der Führerschein würde reichen. Dies also auch explizit als Warnung an alle BVB und/oder Bayern-Fans, die eventuell in naher Zukunft ja auch nach Turin fahren können.
Die unfassbar zeitintensive Kontrolle wurde auch konsequent beibehalten, erst zwanzig Minuten nach Anpfiff(!) flutete dann ein größerer Pulk an Leuten den Block, da war der UEFA Sicherheitsbeauftragte dann offensichtlich in den VIP-Bereich verschwunden und man hatte die Leute schneller durchgelassen.

Das Stadion selber ist eine der typischen neuen Fußballarenen und könnte so auch in jeder Bundesligastadt stehen, die Akkustik ist gut und zumindest beim Intro und den Toren war Juve auch durchaus laut.


 

Celtic selbst hatte durch die 0:3 Heimspielniederlage sportlich selbstredend nicht mehr viel auszurichten, aber man merkte dem Team an, dass sie sich mit erhobenem Kopf aus der Champions League verabschieden wollten. Und ähnlich trotzig war auch die Stimmung im Gästeblock. Zumindest den Ehrentreffer wollte man unbedingt erzielen.

Trotzdem verlief das Spiel ähnlich wie zwei Wochen zuvor: Celtic mutig nach vorn und auch mit Chancen, aber nicht clever/glücklich genug. Und Juve im Gegenzug abgezockt genug, um immer dann ein Tor zu machen, wenn es grad passt und nötig ist, um den Gegner wieder zurechtzustutzen.
So lief das Spiel vor sich hin, Juve ging mit einem 1:0 Vorsprung in die Kabine und auch die zweite Halbzeit wäre vermutlich unspektakulär vorübergegangen, wenn nicht ungefähr in der 50.Minute jemand den “Here we go - ten in a row“-Gesang angestimmt hätte… und dieser sich dann für sage und schreibe 40 Minuten bis zum Spielende hielt!

(Dieses Video ist aus dem Oberrang gefilmt, darunter war ein ähnlich großer Block dann auch noch im Unterrang mit Gästefans gefüllt, siehe oberes Video.)
(Kurze Erklärung zu “Ten in a row”: Sowohl Celtic als auch die Rangers haben es in ihrer Vereinshistorie geschafft, je einmal neun Meisterschaften in Folge zu gewinnen. Das “Tell al the huns you know – You’ll never get ten in a row!” war beispielsweise beim Europapokalfinale in Sevilla einer der beliebteren Songs und beide Fanlager würden natürlich zu gerne eben diese zehn Meisterschaften in Folge holen. Und derzeit sieht es für Celtic strategisch ja ganz gut aus, auch wenn die Gründe dafür mit dem Zwangsabstieg der Rangers wenig ehrenhaft sind.) 

Doch zurück zum Gesang: Großartig, ich liebe sowas. Und da erzähle mir nochmal einer was von wegen “Situationsbezogenem englischen Support vs. Dauerbeschallung per Lalala”. Wenn einfach nur genug Leute mitmachen und Spaß daran haben, ist so etwas einfach nur klasse. Logisch aber auch, dass es sich bei einer sportlich so aussichtslosen Situation leichter so singen lässt, als wenn es noch um was gegangen wäre. Aber die Diskussion können wir gerne irgendwann mal führen.
Die Juve-Fans waren sogar so beeindruckt von dem Spaß, der aus dem Gästeblock herüberschwappte, dass es je zweimal Standing Ovations der Gerade und der Kurve neben uns gab. Ehrlich gemeinter Applaus für den Gästeblock, während des Spiels? Hatte ich so auch noch nicht erlebt.

Nach dem Spiel dann das Übliche: Kurzes Winke Winke des Teams von der Mittellinie und ab in die Kabine. Ich kenn das ja nun schon länger so, bin aber doch jedes Mal wieder überrascht, welch ein Unterschied dies zu Teams aus der Bundesliga ist.

Ebenso üblich in Italien ist die Blocksperre nach dem Spiel, die Gäste bleiben 30-45 Minuten im Block eingesperrt. Auch hier wieder ein Wunder, dass nichts schlimmeres passiert ist.
Kleiner Exkurs: Auf Celtics Europatouren ist auch immer ein recht großer Anteil an älteren Herren dabei, die einem zumeist dann auch noch wunderbare Geschichten von ihrer Reise damals nach Lissabon erzählen, wo sie die “Lisbon Lions” live gesehen haben.
Einer dieser älteren Herren hatte in dem Gewühl beim Warten dann schnell sichtliche Probleme mit dem Kreislauf. In so einem abgezäunten Käfig, mitten im Gedränge, bekommt man aber nur sehr schwer einen Ordner, geschweige denn einen Sanitäter zu greifen. Glücklicherweise befand sich unter den Fans ein Arzt und nach zehn Minuten kam dann tatsächlich auch ein Ordner und geleitete den sichtlich angeschlagenen Herren (und nein, dies hatte nichts mit Alkohol zu tun) durch die Massen zum Ausgang. Hier sei dann auch nochmal das abolut disziplinierte und vorbildliche Verhalten des gesamten Blocks erwähnt, sowohl bei der Suche nach Hilfe, als auch beim späteren Bilden einer Gasse, um ihn herauszulassen, ohne Streß.

Danach verabschiedeten wir uns von Allen, fuhren ins Hotel und beendeten die Reise am Folgetag mit dem Rückflug nach Lübeck. Es war mir ein Fest, gerne wieder!
Danke an Stefan, Michael, & Alan sowie Grüße an Alex, ToPö und Scotty. // Frodo

P.S. Die Sitz[BLOG]ade war ebenfalls vor Ort, neben einem lesenswerten Bericht gibt es auch noch ne Menge Fotos zu sehen.

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25.Spieltag (H) – SSV Jahn Regensburg

FC St.Pauli – SSV Jahn Regensburg 3:2 (1:1)
Tore: 1:0 Akaki Gogia (18.), 1:1 Koke (23.), 2:1 Daniel Ginczek (66.), 2:2 Wilson Kamavuaka (89.), 3:2 Florian Bruuuuuuns (90.)
Zuschauer: 27.074 (ca. 500 Gästefans)

Wie sagte ich zur Halbzeit so treffend: “Lockeres 8:1 hier heute!” – Jo, so kam es dann ja auch. Fast.
Begonnen hatte der Tag für mich (nach der Tour mit Celtic nach Turin, Bericht folgt) mit dem Eintüten der Abos und dem ersten Blick aufs fertige Heft, immer ein großartiger Moment. Am Stadion selbst war es wettertechnisch zum Verkaufen zwar kein Leckerbissen, aber immerhin um Längen besser als bei Ausgabe 109 gegen Aue, im grausamsten Eisregen.
Ein fettes Dankeschön auf jeden Fall an die 4.Herren, die uns aus einem “Anstoßzeitbedingten Verkäufermangel” half und das Heft mit unter die Zuschauer brachte, ganz stark!
Beim Spiel dann in etwa das, was ich erwartet hatte: eine enge Kiste mit letztendlich doch nem Heimsieg… auch, wenn es in meiner Planung etwas weniger dramatisch gewesen war.

Das Spiel muss ich drei Tage später sicher nicht mehr nacherzählen, ich beschränke mich daher auf die vermeintlich größten Aufreger:
Die ach so grobe Unsportlichkeit unsererseits rund ums 2:1, mit dem nicht geahndeten Foulspiel von Joseph-Claude Gyau und dem anschließenden Weiterspielen des Teams bis zum Torerfolg.
Für mich war das im Stadion (GG, Block 2) zunächst mal eine klare Schwalbe und anschließend wurde der Ball so schnell nach vorne gespielt, dass den meisten unserer Spieler kaum bewusst gewesen sein dürfte, dass da überhaupt jemand lag. Davon ab gilt nun schon seit längerer Zeit die Regel, dass die Spieler nicht mehr den Ball ins Aus spielen sollen, sondern ggfs. der Schiedsrichter das Spiel zu unterbrechen hat, wenn er es für richtig erachtet. Als Maßnahme gegen Zeitspiel absolut sinnvoll, wie ich finde.
Insofern fand ich das Tor im Stadion auch völlig korrekt und in Ordnung.
Nach Ansicht der Fernsehbilder muss man ebenso klar sagen, dass es ein Foul von Gyau war und eben alles andere als eine Schwalbe, der Nachreiner hatte sich da übel wehgetan. Ändert nichts daran, dass eben der Schiri über eine Unterbrechung entscheiden soll, wie mir auf Twitter auch vom kompetenten Schiedsrichter-Podcast Collinas Erben bestätigt wurde.
Warum sich der Sport1-Kommentator also so dermaßen echauffierte erschloß sich mir nicht, der Unmut von Christian Rahn hingegen als Unterlegenem ist wohl nachvollziehbar. Apropos Christian Rahn: Seine Ecken sind ja immer noch wie früher, hüfthoch auf den ersten Pfosten. *hach*

Die rote Karte für Ginczek war aus meiner Sicht absolut berechtigt, die muss man bei solch einem Einsteigen an der Mittellinie geben. Da mag Frontzeck mit “In meiner Zeit wäre das Gelb gewesen!” vielleicht recht haben, aber damals rannte Ginczek ja auch noch mit dem Trömmelchen um den Tannenbaum.
Bleibt einerseits zu hoffen, dass die Sperre nur zwei und nicht drei Spiele beträgt, andererseits ist jedes Spiel ohne ihn ein Spiel, in welchem er seinen eventuellen Kaufpreis nicht weiter nach oben schrauben kann.
(Nachtrag, 14.30h: Der DFB hat die Würfel fallen lassen, es sind zwei Spiele Sperre geworden, der Verein hat der Strafe zugestimmt.)

Florian Kringe, seines Zeichens ja in der Vergangenheit auch schon ab und an in größeren Stadien aktiv gewesen, meinte nach dem Spiel, er hätte beim 3:2 das Gefühl gehabt das Stadion würde explodieren. Kann man mal so stehen lassen.
Insgesamt war die Stimmung aus meiner Sicht gut, ohne Herausragend zu sein, aber ein Spiel gegen den Zweitligaletzten vor 27.074 Zuschauern muss man auch erst mal so stimmungsvoll hinkriegen, da ist jede Diskussion darüber schon jammern auf sehr hohem Niveau… auch wenn wir uns natürlich zurecht diesem hohen Niveau selber stellen wollen.
Die Gegengerade findet langsam zu altem Selbstbewusstsein zurück, der Supportblock wird besser und besser und selbst Block 1 stimmt ab und an mal was an.
Okay, “I just can’t get enough” wurde von einigen vor dem Spiel als neuer Song ausgegeben, den es umzusetzen gilt, dies ist mit Pauken und Trompeten gescheitert. Nun bin ich insgesamt kein Freund von solchen “Wir müssen jetzt dies und das unbedingt singen!“-Anweisungen, und als eingefleischter Depeche Mode-Fan empfand ich dies schon immer als ihren mit Abstand schlechtesten Song. Wer aber die Videos aus dem Celtic Park kennt, es selbst schon mal im Stadion gesungen hat oder auch bei den St.Pauli Handball-Spielen war, weiß, wieviel Spaß gerade dieser Song machen kann. Für ein spontanes “Ach komm, lass uns das mal singen!” ist es sicher zu komplex, um sich bei so vielen Zuschauern durchzusetzen, dies ginge maximal noch wenn USP es in der Süd versucht.
Umso ärgerlicher, dass es das Hallenturnier in Alsterdorf nicht mehr gibt, denn gerade für das “Einsingen” neuer Songs war dies immer bestens geeignet. Trotzdem geb ich die Hoffnung nicht auf, dass es sich irgendwann bei uns doch nochmal durchsetzen wird.

Tja… und sonst? Ich schrieb es in der neuen Rubrik im Heft, im Tagebuch, dass ich mir für Ebbers endlich seinen 100.Zweitligatreffer wünsche und für Florian Bruns noch viele “Bruuuuuuns”-Rufe bis zum Saisonende. Und an diesem Abend kam gleich beides. Denn nach dem Treffer durch Flo und diversen “Bruuuuuuuns”-Rufen holte Boller auf der Ehrenrunde einen Ball von einem Balljungen vor der Süd, rollte ihn elegant in den Fünfmeterraum und Ebbers vollendete souverän in die Maschen! Das Stadion jubelte, auf der Anzeigentafel wurde Ebbe zu seiner Nummer 100 gratuliert, großer Sport!

Ach, und um mal zu zeigen, wie sinnlos (und eben doch als Spielerei unverzichtbar) Statistiken oft sind, folgendes Fallbeispiel:
Fin Bartels ist mit vier Toren in 18 Einsätzen und einem Notenschnitt von 3,56 in eben diesen 18 Spielen definitiv einer der besseren Spieler unseres Kaders in dieser Saison. In diesen 18 Spielen erzielte das Team 15:20 Tore und holte nur 17 Punkte (0,94 pro Spiel).
In den nur sieben Spielen ohne ihn erzielte man 11:9 Tore und holte 15 Punkte (2,14 pro Spiel). Und trotzdem freue ich mich natürlich sehr, wenn Fin hoffentlich schnell wieder auf dem Platz steht. 

Abschließend noch ein trauriger Gruß und das Beileid im Namen der Redaktion an Freunde und Familie des 31jährigen, der am Freitagabend während des Spiels bei einem Verkehrsunfall auf der Glacischaussee ums Leben kam. 

Links:
- Bilder Philipp Szyza
- Bild Stefan Groenveld: “Nachspielzeit”
- Bilder Stefan Groenveld: “Phrasenschwein galore” (In einer Reihe mit Herberger und Beckenbauer… passt für uns, Danke!)
- Bilder Regensburg 1899.de
- Bilder Aux Armes
- Bilder Frittenbuddhist
- Bilder USP
- Bilder Ultras Regensburg
- Bilder Ratisbona Fanatica
- Bericht Gegengeraden-Gerd: “Bruuuuunszeit”
- Bericht BreitSeite: “Würdest Du als 16jähriger einen 4jährigen schlagen?”
- Bilder und Bericht BeebleBlox: “Wieder ein paar Jahre gealtert”
- Bericht MagischerFC: “Hicks!”
- Bericht Moeliw: “Das Glück der Tüchtigen”
- Bericht Kleiner Tod: “Bruuuuuuns, ein Name hallt durchs Viertel”
- Bericht OSTBLOCK: “Die sind Tabellenletzter, das wird ne Zitterpartie!”

Der Verein am Wochenende

Insgesamt ein sehr erfolgreiches Wochenende für die Fußballabteilung:
Die U23 holte in Goslar drei ganz wichtige Zähler für den Verbleib in der Regionalliga Nord. Den insgesamt wohl mehr als verdienten 1:0-Sieg sicherte Profileihgabe Lennart Thy in der 90.Minute.
Da der SC Victoria gegen Neumünster gewann und der hsv zuhause gegen Cloppenburg verlor, tauschten diese beiden Teams die Plätze und der Vorsprung unserer Jungs auf den eventuellen Abstiegsplatz 15 (Vicky) beträgt drei Punkte, auf den definitiven Abstiegsplatz 16 (Mordor) sind es fünf Punkte.
So es das Wetter zulässt, geht es nächsten Samstag um 14.00h gegen den Tabellenführer Holstein Kiel. Endlich mal ein Heimspiel gegen einen annähernd attraktiven Gegner, ohne gleichzeitige Profiansetzung. ALSO ALLE HIN DA! (Wobei, wenn ich so aus dem Fenster gucke… wird es wohl eh abgesagt.) 

Die U19 hatte in der A-Jugend-Bundesliga letzte Woche gegen den Deutschen Meister aus Wolfsburg ordentlich auf die Mütze bekommen, umso wichtiger der gestrige 4:1-Sieg in Chemnitz, mal ganz abgesehen davon, dass man dem Klub eh nichts gönnen sollte. Neben dem Doppelschlag von Okyere Wriedt in den Minuten 16 & 17 zur frühen Führung und dem 3:1 von Stegmann nach der Halbzeit, durfte sich auch Laurynas Kulikas mit dem 4:1 in der Schlußminute in die Torschützenliste eintragen. Ich würde mich ja sehr freuen, wenn er in den kommenden Spielen vielleicht auch mal in der 2.Liga eingewechselt wird, zumal Ginczek jetzt gesperrt sein wird.
Der Vorsprung nach unten sieht mit jetzt sechs Punkten wieder etwas komfortabler aus, bereits am Mittwoch könnte in Jena (12.00h) nachgelegt werden. Und am Sonntag steht dann der dritte Auftritt im Osten innerhalb einer Woche an, es geht um 13.00h zu unseren best buddies aus Rostock.

Die U17 musste, nach dem bitteren 0:3 gegen Holstein Kiel, gestern gegen den Tabellendritten Werder Bremen antreten. Und wer eine weitere Niederlage erwartet hatte, wurde angenehm überrascht: Das Team von Hansi Bargfrede holte am Brummerskamp ein verdientes 1:1 und baute den Vorsprung auf die Abstiegsplätze damit auf zehn Punkte aus. Samstag geht es zum Tabellenletzten VfL Oldenburg, mit einem Dreier dort sollte der Klassenerhalt dann auch frühzeitig gesichert sein.

Handball
Die 1.Herren hatte erneut spielfrei, dabei muss man zusehen wie der Vorsprung auf die Abstiegsplätze weiter schmilzt. Derzeit ist man nur noch einen Minuspunkt über dem Strich, von hinten rücken Herzhorn und Hohn/Elsdorf heran.
Bei eben diesem MTV Herzhorn (in Glückstadt) geht es am 23.3. um die nächsten Punkte, wohl sehr wichtige in der Frage des Klassenerhalts.
Vormerken könnt Ihr Euch allerdings auch den Donnerstag nächster Woche, den 21.März. Da geht es im Pokalhalbfinale um 20.45h gegen die Sympathen aus Ellerbek!

Die 1.Damen holte im 17.Spiel den 17.Sieg, Opfer war dieses Mal der Tabellenfünfte aus Uetersen, der mit 20:14 nach Hause geschickt wurde. Noch fünf Spiele, fünf Minuspunkte Vorsprung vor Elmshorn, sieht nach Aufstieg in die Hamburg-Liga aus. 

Die 2.Damen (siehe auch Artikel im aktuellen Übersteiger) konnte beim Tabellenletzten in Wellingsbüttel einen 21:11-Erfolg einfahren. Hier ist das Halbfinale ebenfalls erreicht, die Partie in Bramfeld ist allerdings noch nicht terminiert.

Und sonst so:
- Auszüge aus der aktuellen Ausgabe unseres gemütlichen Familienmagazins findet Ihr hier.

- Weniger schönes gibt es aus Österreich, wo unser Ex-Kicker Richard Sukuta-Pasu (Sturm Graz) von Fans des SV Ried rassistisch beleidigt wurde. Die Zitate des Schiedsrichters, der das Gehörte den Medien gegenüber leugnet, dem Spieler gegenüber während des Spiels sagt “Hab ich gehört, kann ich nicht ändern!” und der Teammanagerin nach dem Spiel gegenüber sagt, er könne ja nicht den Fans Gelb zeigen, sind ein mindestens ebenso großes Armutszeugnis. Mal gucken, wie die Liga reagiert. 

- Und wo wir schon bei weniger Schönem sind, wenn auch auf anderem Niveau: Hier nochmal der Offene Brief der Teilzeitbeschäftigten aus dem Fanshop Millerntor an Upsolut, der auch im ÜS und der BASCH veröffentlicht worden war. Auf eine Antwort darf man wohl gespannt sein.// Frodo

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Übersteiger goes Filmfestival – Das “Making of…”

Wie in Ausgabe 109 ausführlich erläutert, haben wir dank ÜS-Redakteur “Troll” den Weltraum erobert. Dies bringt uns jetzt sogar zum “10.Internationalen Fußballfilmfestival 11mm”, bei welchem wir in der Endausscheidung des Fußball-Kurzfilmwettbewerbs “11mm shortkicks” dabei sind. Der Film für sich ist schon großartig genug, sonst wäre er kaum in die Endausscheidung gelangt, allerdings wird er durch die Entstehungsgeschichte noch ein bißchen schöner, weswegen wir sie aus der Print-Ausgabe nun ins Licht der digitalen Öffentlichkeit zerren und Euch hier ungekürzt zugänglich machen. Viel Spaß, nehmt Euch etwas Zeit dafür!
P.S. Der Film erlebt beim Festival seine Welturaufführung, wir werden ihn aber anschließend selbstredend veröffentlichen.  

Aufstieg und Fall

Wie sich der Übersteiger aufmacht, die unendlichen Weiten des Weltraums zu erobern

In der Sommerpause sind die Präsidenten des FC St. Paulis, Stefan Orth und Bernd Spies, in die Offensive gegangen und haben mutig die mittelfristigen Klubziele korrigiert. Gerade mit dem neuen Stadion im Rücken müsse der Aufstieg in die Beletage her. Mit dem verpatzten Start in diese Saison scheint der vermeintliche Größenwahn zumindest vorerst ein wenig ausgebremst. Aber da springen wir selbstverständlich gerne in die Bresche. Wenn es in dieser Spielzeit schon sportlich nicht mit dem Aufstieg klappt, so soll wenigstens euer allseits beliebtes Fanzine dieses Ziel erreichen. Denn mangelnden Größenwahn wollen wir uns nun wahrlich nicht vorwerfen lassen. Selbstlos wagt deshalb der Übersteiger den Aufstieg in die Stratosphäre. Im Gegensatz zur Mannschaft haben wir unseren Start vom Anstoßpunkt des Millerntor-Stadions übrigens nicht verbaselt.

Die Idee

Da auch ich mittlerweile fast das Alter des durchschnittlichen Übersteiger-Lesers erreicht habe, gebe ich ohne Scham zu, nicht mehr jedes Wochenende auf den Pisten der Stadt durchzustarten. Und so verbringe ich jenen tristen Abend an einem Sonnabend im September 2012 damit, mich gelangweilt durch das dumpfe Programm der Fernsehsender zu zappen. Hängen bleibe ich schließlich bei den Galileo Big Pictures auf Pro7. Dort flimmern gerade die Bilder eines kleinen Lego-Männchens über die Mattscheibe, welches zwei Kanadier an einem Wetterballon in die Stratosphäre befördert haben. Postwendend entwickelt sich in meinem Kopf folgendes Bild. Wieso schicken wir nicht den guten alten Störtebeker, seines Zeichens Signet unseres kleinen Schmutzblattes, auf die gleiche Weise in den Kosmos? Laut Galileo sei so ein Projekt mit weniger als 200,- € zu realisieren. Da lach ich mir doch den Arsch ab, um mal einen langzeitarbeitslosen Ex-Bundesligatrainer zu zitieren. Genau genommen bringe ich heute sogar ein gewisses Verständnis dafür auf, wie Großprojekte – etwa die Elbphilharmonie oder der Berliner Flughafen – finanziell derart aus dem Ruder laufen können. Aber dazu später mehr. Zunächst analysiere ich, welche Probleme auf technischer, rechtlicher, finanzieller und logistischer Ebene auf uns zukämen.

Wenn ihr euch an dieser Stelle fragt, warum wir überhaupt so eine abstruse Idee in die Tat umsetzten wollen, das erste Fanzine der Welt im All zu sein, antworte ich euch schlichtweg: „Weil wir es können!“ Andersherum kann ich genauso gut fragen: „Was wollten die Amis auf dem Mond?“ Mal abgesehen davon, dass es seit jeher nicht abreißende Theorien gibt, die NASA sei niemals auf dem Erdtrabanten gelandet und die Bilder seien irgendwo in der Wüste Nevadas entstanden. Schließlich wird der Name „Armstrong“ nicht erst seit gestern mit Lug und Betrug in Verbindung gebracht. Lance und Neil, wir glauben euch nicht viel!
Häufig wird beispielsweise auf den fehlenden Schatten des Astronauten verwiesen. Klar, auch das Konterfei unseres Captain Klaus wirft keinen Schattenauf die Erde, aber der ist eben auch nur zweidimensional. Zugegebenermaßen begründet Zweidimensionalität keinen fehlenden Schattenwurf. Wohl aber erklärt sie das Anliegen meines werten Kollegen Stemmens. Der möchte nämlich jegliche Anspielung auf das Werbespektakel um den von einem unsympathischen Brausehersteller gesponserten Überschallsprung aus der Stratosphäre vermieden haben. Andersherum solle ich aber unbedingt darauf hinweisen, dass wir mit unseren Planungen schon weit vor diesem ganzen Rummel begonnen hätten. Um es vorweg zu nehmen, die Lösung dieses Paradoxons bleibt das einzige Problem, an dessen Lösung ich im Rahmen dieses Projekts scheitern werde.

Die erste Planungsphase

Vorab verschaffe ich mir einen groben Überblick, welche Komponenten wir benötigen. Darüber hinaus gilt es deren Verfügbarkeit und die ungefähren Kosten abzuklären. Überschlägig summiere ich die Preise für eine Kamera, einen Peilsender, einen Wetterballon, zehn Liter Helium, Benzin und Kleinmaterial auf. Hä, Galileo? Weniger als 200,- €? Nach meiner ersten Kalkulation lande ich locker beim Dreifachen. Conclusio: Projekt gestorben oder Kosten senken!

Ich erinnere mich an das Angebot des freundlichen Mitarbeiters des Hafendienstes. Sollte ich bei der Beschaffung des Wetterballons auf Probleme stoßen, möge ich mich erneut melden. Und so bekomme ich schlussendlich eine Handvoll Ballons geschenkt. Dankeschön! Meine favorisierte Kamera kann ich von einem Kumpel für `nen Appel und `n Ei ausleihen. Für den Peilsender nehme ich einfach mal an, ich könne ihn nach dem Projekt für annähernd den gleichen Preis weiterverscherbeln. An allen anderen Kosten ist nicht zu rütteln. Meine neue Überschlagrechnung ergibt ein finanzielles Gesamtvolumen von ungefähr 300,- €. Allerdings setzt sie natürlich voraus, dass wir alle Komponenten nach dem Projekt unversehrt zurück erhalten. Als ich dann mit BallKult noch einen potenziellen Sponsor präsentiere, der die Kosten zumindest teilweise mittragen wolle, sind alle Übersteiger sich einig: Wir steigen auf!

Die rechtliche Komponente

Bevor ich mit der technischen Detailplanung fortfahre, muss ich mich erst einmal um die rechtlichen Aspekte kümmern. Da unser Ballon vom Anstoßpunkt des Millerntorstadions aus starten soll, kontaktierte ich die Deutsche Flugsicherung in Hamburg. Dort wird mir gesagt, dass unser Vorhaben zwar prinzipiell möglich sei, aber einer Startfreigabe bedürfe. Aufgrund der Verkehrsdichte über dem Hamburger Stadtgebiet müssten wir aber mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einer Ablehnung rechnen. „Warum führen Sie Ihr Projekt denn nicht irgendwo im Umland durch?“, entgegnet mir der freundliche Herr am anderen Ende der Leitung. Also studiere ich ausführlich den entsprechenden Gesetzestext und versichere mich seiner Eindeutigkeit.

In der Luftverkehrsordnung heißt es nach §16a (1) 3: „Bei Inanspruchnahme des kontrollierten Luftraums ist von der zuständigen Flugverkehrskontrollstelle eine Flugverkehrskontrollfreigabe einzuholen für (…) Aufstiege von unbemannten Freiballonen mit einer Gesamtmasse von Ballonhülle und Ballast von mehr als 0,5 kg sowie Aufstiege von gebündelten unbemannten Freiballonen und Massenaufstiege von unbemannten Freiballonen.

Aufstieg01

Klaus Störtebeker im Blick der Südkurve und Gegengerade, vor dem Aufstieg.

Also konfrontiere ich den verehrten Mitarbeiter der Flugsicherung mit der Gesetzeslage. Dieser gibt dann zu bedenken, unser Ballon habe ja eine nicht unerhebliche Größe. Ab welchem Durchmesser denn ein Ballon eine „nicht unerhebliche Größe“ aufweise, will ich wissen. Dieser Punkt ist aber nun mal gesetzlich nicht definiert, da kann sich der Kollege auf den Kopf stellen. Nimmt man den Wortsinn mal genau, so muss ein Wetterballon sogar erheblich sein. Denn wenn er sich nicht erheben würde, fehlt doch wohl die Sinnhaftigkeit des Vorhabens. Also hake ich nach und frage, was denn passiere, wenn wir trotz fehlender Flugverkehrskontrollfreigabe aufsteigen würden. Schließlich sei diese ja unter den gegebenen Randbedingungen rechtlich nicht erforderlich. Nun, wenn man es mitbekomme, schicke man uns die Polizei vorbei. Da schrillen bei mir natürlich augenblicklich die Alarmglocken. Wir müssen hoch, bevor wir eine Goliath-Wache im Hause haben und uns die Beamten permanent auf die Finger schauen. Mal ehrlich, was bleibt uns unter diesen Umständen übrig, als den Querulanten der Hamburger Flugsicherung zu ignorieren und stocksteif zu behaupten, unser Fluggerät weise eine Gesamtmasse von exakt 499 Gramm auf? Allerdings ist spätestens jetzt klar, dass irgendwer Stemmen beibringen musste, dass er nun doch nicht der erste Sauerländer im Weltall werden würde.

Als nächstes rufe ich Sven Brux an und erläutere unsere Idee inklusive der entsprechenden Gesetzeslage. Sofern wir am Starttage keine Kräne bei den Bauarbeiten behinderten, können wir kurzfristig ins Stadion und die Aktion durchziehen – kein Problem, so bescheinigt es mir der Sicherheitschef unsers magischen FCs.

Die technische Umsetzung

Da jetzt sämtliche Bürokratie geklärt ist, widme ich mich endlich der eigentlichen Aufgabe. Die generelle Herausforderung besteht darin, eine laufende Digitalkamera möglichst hoch in die Stratosphäre zu befördern und sie anschließend wieder sicher landen zu lassen. Danach muss die Kamera geortet und wieder eingesammelt werden. Dabei dürfen wir die äußeren Witterungseinflüsse nicht außer Acht lassen. So können beispielsweise aufgrund des Jetstreams in der oberen Troposphäre Windgeschwindigkeiten von über 500 km/h auftreten. Des Weiteren erwarten uns in der Stratosphäre Temperaturen von -60° C.

Für den Aufstieg wählen wir einen mit Helium gefüllten Wetterballon mit integriertem Fallschirm. Über eine Schnur ist die Fessel des Ballons mit einer Gondel aus Styropor verbunden. Die Gondel ihrerseits trägt und schützt das technische Equipment. In ihr befindet sich neben der Kamera und dem Peilsender noch ein kleiner Taschenwärmer. Er soll die Temperatur im Inneren erhöhen und damit die Leistung der Akkus verlängern. Ein paar Körner Kieselgel sollen ein Beschlagen der Kameralinse verhindern.

Der Peilsender entpuppt sich schnell als mein größtes Sorgenkind. Schon erste Tests lassen mich an der Zuverlässigkeit zweifeln. Mal antwortet der Tracker verspätet oder gar nicht, mal liegen die gemeldeten Koordinaten bis zu 300m vom wahren Standort entfernt. Sowas kann beispielsweise auf einem nicht abgeernteten Maisfeld zu erheblichen Irritationen und einem deutlich erhöhten Schwierigkeitsgrad bei der Auffindung führen. Wegen eines unerschütterlichen Gottvertrauens schiebe ich meine Zweifel zunächst beiseite und mache einfach weiter.

Der Rest ist Kleinkram. Also gehe ich einkaufen. Neben dem Baumarkt trete ich noch im Drachenbauladen und im Angelgeschäft, beim Biobauern und im Outdoor-Laden, in der Apotheke und der Drogerie, beim Gashändler und dem meteorologischen Hafendienst, im Elektrofachmarkt und natürlich im Internet als Kunde auf. Dann wird geschnitten und gebohrt, geklebt und geknotet, gelötet und verkeilt – und ich sah, dass es gut war. Ach nein, das ist ein anderes Buch…

Der große Tag

Irgendwann habe ich dann das Gefühl, es gebe nichts mehr zu verbessern. Und ich glaube, für alle Eventualitäten auf das Möglichste gewappnet zu sein. Eine innere Unruhe macht sich breit. Ein sicheres Indiz, dass wir nun bald los müssen.

Am Freitag, den 26. Oktober 2012, ist es soweit. Verschiedene Wetterdienste prognostizieren unabhängig voneinander strahlenden Sonnenschein und Windstärken von ein bis zwei Beaufort – ideale Bedingungen also. Gegen Viertel nach Neun stehen wir zu viert in Geschäftsstelle auf der Matte und verlangen nach Brux. Die freundliche Empfangsdame fragt, wen sie denn melden dürfe. „Das Weltraumkommando des Übersteigers!“ lautet unsere klare Antwort. Kurze Zeit später stehen Frodo, Stemmen, Zwille und ich auf dem heiligen Rasen. Nachdem wir uns erst mal einen Einlauf vom Platzwart abgeholt haben, welcher Idiot uns eigentlich rein gelassen habe, beginnen wir mit den Vorbereitungen. Die Checkliste wird Punkt für Punkt abgehakt. Ballon befüllen, Schnüre verbinden, Kamera starten, Peilsender testen und so weiter und so fort. Um Punkt 10.00 Uhr läuft der Countdown. Unser Freiballon erhebt sich lautlos gen Himmel und zieht sanftmütig über die Südtribüne, bis er sich unseren Blicken in die endlosen Weiten entzieht.

Aufstieg02

Die ersten Meter sind gemacht, oben mittig das Millerntor.

Nach diesem kurzen, romantischen Augenblick rufe ich den GPS-Tracker an. Der Peilsender antwortet nicht. Ich habe doch geahnt, wo die technische Schwachstelle liegt. Wieso nur vertraue ich diesem Gerät, das auch schon bei den vorangegangenen Tests häufig durch Unzuverlässigkeit glänzte? Die ersten, aber gewiss nicht letzten Flüche dieses Tages hallen durch das weite Rund. Für den Moment können wir allerdings nichts weiter tun. Das Schicksal Störtebekers liegt in Gottes Hand. Während ich beim anschließenden Frühstück weiterhin ständig die Kontaktaufnahme suche, versucht Stemmen mich zu beruhigen. „Der wird schon noch antworten, da mache ich mir überhaupt keine Gedanken“, ist seine feste Überzeugung. Meine Fresse, deine Gelassenheit hätte ich gerne! Mit jeder Minute steigt meine Nervosität. Seit ich frisch in meine Frau verliebt war, habe ich nicht mehr so sehnsüchtig auf eine SMS gewartet. Fortwährend wählen wir uns die Finger wund. Kein Kontakt! Wir sind mittlerweile in Zwilles Büro umgezogen. Um 13.39 Uhr reißt uns plötzlich mein Handy aus der sich ausweitenden Ratlosigkeit. „Wir haben die Koordinaten“, schreie ich lauthals in die Runde. Tosender Jubel brandet auf! Google Maps verrät uns den Landeplatz unserer Gondel. Unsere Kamera liegt am Ufer des „Großen Gramzow Sees“, einen guten Kilometer von Buchholz entfernt. Buchholz im Oberhavelland übrigens, ca. 80 Kilometer von Berlin entfernt. Tiefste SBZ also…

Die Welt ist nicht genug...

Die Welt ist nicht genug…

Hobbyangler Brux, der sich auch sehr interessiert am Verlauf des Projekts zeigt, ist von der Gegend hellauf begeistert und kann sofort von verschiedenen tollen Hechten berichten, die er in diesem Landstrich schon aus dem Wasser gezogen hat. Mein Enthusiasmus dagegen hält sich angesichts der 271 zu bewältigenden Kilometer in Grenzen. Eigentlich will Stemmen mich bei der Bergung begleiten. Angesichts der fortgeschrittenen Uhrzeit muss er aber passen. Denn am Abend will er noch ein Konzert mit der „Notgemeinschaft Peter Pan“ spielen. So mache ich mich wohl oder übel allein auf den Weg. Nach einer knappen Stunde habe ich tatsächlich den Horner Kreisel erreicht und fahre auf die A24 in Richtung Berlin. Wer sagt’s denn? Eine halbe Stunde vor Einbruch der Dunkelheit biege ich dann von der letzten Straße in Buchholz in den Wald ein. Leider finde ich den verfluchten See nicht. Als ich einen kleinen Bachlauf entdecke, folge ich diesem in der Annahme, er könnte mich zum See führen. Nachdem ich bis zu den Knien im Morast versinke, kehre ich letztlich um und bin froh, dass ich in der einsetzenden Finsternis überhaupt mein Auto wieder finde. So kurz vor dem Ziel wieder nach Hause zu fahren, macht keinen Sinn. Wegen der mittlerweile recht langen und empfindlich kalten Nächte verwerfe ich rasch die Idee, im Auto zu nächtigen. Also suche ich mir erschöpft und völlig verdreckt eine Pension im nahegelegenen Fürstenberg. Als ich abends meine Geschichte erzähle, verspricht mir Malte, der 13-jährige Sohn meiner Gastwirtin, am nächsten Morgen bei der Suche zu helfen. Wie sich allerdings herausstellt, kennt er die Gegend weit weniger gut, als ich erhofft habe. Wenigstens aber finden wir den See. Vom gegenüberliegenden Ostufer aus meine ich sogar unsere Gondel identifizieren zu können, sofern dies eben mit bloßem Auge auf eine Distanz von gut hundert Metern möglich ist. Der Versuch den See zu umrunden scheitert an den sumpfigen Bodenverhältnissen und dem mannshohen Schilf. Malte verliert fast einen Schuh. Wir beschließen, mit dem Auto auf die andere Seeseite zu fahren. Rehe springen über den Weg. Wenigstens tauchen keine Wildschweine auf. In dem Gewirr aus Waldwegen weiß ich bald nicht mehr genau, wo ich bin. Ich habe Angst, mich festzufahren. Wir gehen zu Fuß weiter. An den Bäumen hängen Schilder, Gefährdungsgebiet, explosivstoffverseucht. Dennoch erreichen wir irgendwie das Westufer. Allerdings ist hier der Sumpfgürtel noch breiter. Abbruch. Malte kennt einen Förster in der Nähe. Wir fahren hin, ist aber nicht sein Revier. Wenigstens erhalten wir die Adresse und Telefonnummer, des zuständigen Revierförsters. Leider ist der gute Mann nicht zu Hause und weder über Festnetz noch über Handy erreichbar. Demoralisiert mache ich mich auf den Heimweg und komme geschätzte 20 Stunden später als geplant zu Hause an. Mittlerweile hat das Projekt über 700,- € und etliche Arbeitsstunden verschlungen. Präsentieren kann ich indes nichts. Leck mich am Arsch, Galileo.

Das Happy End

Da ich auch am Sonntag keine Telefonverbindung zum zuständigen Förster zustande bringe, schreibe ich einen konventionellen Brief und erkläre unsere Misere. Auch auf Facebook mache ich unseren potenziellen Retter ausfindig. Am Montag kriege ich ihn dann tatsächlich ans Telefon. Leider schaffe er es aufgrund des Reformationstages und zweier Urlaubstage erst in der nächsten Woche, sich um unser Anliegen zu kümmern. Gut, rottet unsere Kamera eben eine Woche im Sumpf. Was sollen wir machen? Abgesehen vom Wind kommt wenigstens auch kein anderer an die Überreste unseres Fluggerätes heran. Wenn aber der Wind tatsächlich unter den Fallschirm griffe und die Gondel nur ein paar Meter weiter triebe, dann wäre Zappenduster. Denn der Akku des Peilsenders hat mittlerweile selbstredend seine letzten Kraftreserven aufgebraucht. Um unser verstärktes Interesse an der Bergung unserer Gondel weiter zu unterstreichen, bieten wir dem Förster alternativ zu einem hübschen Finderlohn den Besuch eines Heimspiels unseres magischen FCs an. Selbstredend im Businessbereich mit Schnittchen und Kaltgetränken. Auch das zieht nicht. Ich bekomme auf Nachfrage lediglich zu hören, dass sich die Bergung relativ schwierig gestalten würde. Na wenigstens deckt sich die Einschätzung des Försters mit den Erfahrungen, die ich selbst vor Ort gesammelt habe. Zu allem Überfluss meldet sich mein Kumpel Richie, er bräuchte bald die Kamera für einen Dreh zurück. Leider muss ich beichten, dass dies momentan nicht möglich sei. Ganz ehrlich, langsam nervt das Projekt nicht nur, es wird auch richtig peinlich. Als ich nach vollen zwei Wochen auf wiederholte Nachfrage beim Förster immer noch keine positive Nachricht bekomme, bereiten wir die Bergung selbst vor. Wir sind fest entschlossen, die Sache zu Ende zu bringen – so oder so. Schade lieber Herr Revierförster, Sie hätten die Titel „Messias des Übersteigers“ und „Geilste Sau des Ostens“ auf sich vereinen können.

Wir organisieren einen Transporter und ein Kajak. Am Sonnabend, den 17. November 2012, mache ich mich mit Jean Eck Picard, Kapitän zum See, auf den Weg zu unserer letzten Mission. Am frühen Nachmittag stehen wir erneut am Ostufer des Sees. Nachdem wir unsere Gondel mit dem Fernglas lokalisiert haben, kämpfen wir uns durch den Schilfgürtel und versuchen das Kajak zu Wasser zu lassen. Leider haben die sibirischen Kälteausläufer bereits das Oberhavelland erreicht, und der See ist mit einer dünnen Eisschicht bedeckt. Weil unser leichtes Kajak aus Glasfasern gefertigt ist, weist es nicht eben die besten Eisbrecherqualitäten auf. Ich sehe uns schon wieder mit leeren Händen nach Hause fahren. Allerdings habe ich die Rechnung ohne den unerschütterlichen Wagemut Jean Ecks gemacht. „Logisch kommen wir da durch, kein Ding“, stellt er sich der Aufgabe. Während ich vom Ufer aus dirigiere, fightet er sich Paddelschlag für Paddelschlag durch das Eis. Kraaack, Kraaack, Kraaack. Nach einer guten Dreiviertelstunde hat es Jean Eck tatsächlich geschafft und erreicht mit der unversehrten Kabine völlig erschöpft den Schilfgürtel, wo ich ihn bereits sehnsüchtig erwarte. Vielleicht sind es noch fünf Meter, die es zu überbrücken gilt, bevor ich Jean meine rettende Hand reichen kann. Da passiert es. Platsch! Jean Eck kentert und landet der Länge nach im eisigen Wasser. Während unser Held mit lauten Flüchen die Stille der unberührten Natur erschüttert, huscht ein leises Grinsen über mein Antlitz.

22 Tage nach dem Start halten wir unser Baby wieder in den Armen. Es fühlt sich wunderbar an. Erinnert ihr euch noch an den 7. November 1997? Im Spiel gegen Jena sind wir die klar bessere Mannschaft. Trotzdem fangen wir uns ungerechterweise in der 75. Spielminute das 0-1. Weil aber bis zum Schluss weiterhin alle Vollgas geben und an den Erfolg glauben, drehen wir das Ding durch zwei Tore in der Nachspielzeit. Wisst ihr noch, wer damals knipste? Genauso wie an jenem Freitag vor 15 Jahren fühlen wir uns heute – vielleicht sogar noch ein wenig geiler… //Troll

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