Aufstiegsrunde zur Frauen-Regionalliga, TuS Schwachhausen – FCSP 0:4 (0:3)

Das Frauen-Team des FC St.Pauli hat bekanntlich die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte hinter sich, neben dem Erreichen des Pokalfinales wurde zusätzlich die Meisterschaft in der Verbandsliga Hamburg eingetütet.

Über dieser Liga spielt die Regionalliga – und nun sollte man meinen, dass man als Meister dann ja nächste Saison dort antritt.
Kann sein – muss aber nicht.

Die Aufstiegssituation ist ja auch im Herren-Bereich von Oberliga zu Regionalliga und Regionalliga zur 3.Liga eine… nun ja, eine Geschichte voller Ärgernisse.
Die Regularien für die Zulassung zur Regionalliga wurden zwar leicht gelockert, sind aber immer noch immens hoch und dementsprechend tritt für Hamburg “nur” der Tabellensechste (Altona 93) an. Dies tut er in einer 4er-Gruppe mit dem Meister Schleswig-Holsteins (SV Eichede) und Bremens (Bremer SV) sowie dem Zweiten aus Niedersachsen, 1.FC Germania Egersdorf-Langenreder(!).
Wer fehlt? Ach ja, der Meister aus Niedersachsen… USI Lupo Martini Wolfsburg(!!).

(Vereinsnamen aus Niedersachsen werden offensichtlich nur noch von Handball-Spielgemeinschaften aus Schleswig-Holstein besiegt. Ja, HG Owschlag/Kropp/Tetenhusen II und SG Oeversee/Jarplund-Weding, ich gucke auf Euch.)

Wollen die Lupos also auch nicht aufsteigen? Doch, schon – tun sie auch… aufgrund der Größe Niedersachsens bzw. der Anzahl an Mannschaften/Vereine dieses Verbandes, ist der Meister immer direkt aufgestiegen, die drei anderen Meister (HB/HH/SH) spielen eben mit dem NDS-Vizemeister diese Aufstiegsrunde.
Nun gut…

Im Aufstieg zur 3.Liga ist die Regelung mit drei Aufsteigern bei fünf Ligen und jenen drei Entscheidungsspielen (Hin- und Rückspiel) aus fünf Meistern und einem Vizemeister ja noch grotesker, man frage dieses Jahr bspw. nach beim VfL Wolfsburg II oder Waldhof Mannheim.

Der Aufstieg in die Regionalliga der Frauen verläuft in der öffentlichen Wahrnehmung natürlich deutlich geräuschloser, aber genau so ungerecht, wenn nicht noch ungerechter.
Niedersachsen besitzt zwei Oberligen, aus diesen spielen die beiden Meister in einem Spiel auf neutralem Platz einen Aufsteiger aus.
Puh… (es gewann übrigens SV Union Meppen gegen VfL Jesteburg mit 3:2.)
(P.S.: Meppen bekam keine Zulassung für die Regionalliga, also wird wohl Jesteburg aufsteigen, Danke an t in den Kommentaren. Es wird immer bescheuerter.)

Für die drei anderen Bundesländer der RL Nord, HB, HH, SH, kommt jetzt wieder eine Aufstiegsrunde ins Spiel.
Hier hat der erste aus Schleswig-Holstein, die SG-Ratekau-Strand schon mal nicht mitspielen dürfen, weil es eine Spielgemeinschaft ist. Zweiter wurde der SSC Hagen Ahrensburg, die wollten nicht. Also nimmt TuRa Meldorf teil.
Aus Bremen spielt Meister Vize-Meister TuS Schwachhausen mit (Meister TV Eiche-Horn verzichtete ebenfalls), aus Hamburg eben der FC St.Pauli.

Und der Modus will es nun, dass dies in einer einfachen 3er-Runde entschieden wird, aus der ein weiterer Aufsteiger ermittelt wird.
Das erste Spiel zwischen dem FCSP und TuRa Meldorf endete letzte Woche 1:1, gestern besiegte der FCSP den Bremer Meister aus Schwachhausen mit 4:0.
Sollte Meldorf jetzt am abschließenden Spieltag mit (bspw.) 5:0 gewinnen, so steigt Meldorf auf. Bei einem 4:0 hingegen wären ja Meldorf und St.Pauli Punkt- und Torgleich, bei einem Unentschieden im direkten Vergleich. Und dann?
Ja, dann würde St.Pauli aufsteigen, weil man im provisorisch durchgeführten Elfmeterschießen nach dem 1.Spieltag mit 5:4 gewonnen hatte.

JA SAGT MAL, HACKT`S?!?
Wer denkt sich denn derart bescheuerte Verfahren aus?

Meldorf hatte das Losglück, sich das gestrige Spiel ganz in Ruhe anschauen zu dürfen und jetzt zu wissen, dass nächste Woche jedes bessere Ergebnis als 4:0 (also auch 5:1 o.ä.) für den Aufstieg reicht, während Schwachhausen nun seit gestern schon gedanklich durch ist.
Da kann Meldorf nichts für, aber “fair” ist das nicht, oder?

Warum lässt man dann nicht den Sieger aus Niedersachsens Oberligen in einer 4er-Runde mitspielen und zwei aufsteigen?
Okay, wäre immer noch unfair.
5er-Liga, mit beiden Niedersachsen-Meistern? Dafür dann drei Aufsteiger?
Auch scheiße.

Ganz ehrlich, diese Ligen-Struktur mit den derzeit geltenden Auf- und Abstiegen braucht eine ziemliche Reform, um das ganze nachvollziehbarer und vor allem fairer für die beteiligten Teams zu machen.

Ab 2017 wird es eine eingleisige 2.Bundesliga geben, wodurch natürlich auch unter dieser Liga wieder munter gemischt werden dürfte, vielleicht ist ein verpasster Aufstieg diese Saison also gar nicht so schlimm.
Am Ende einer Saison aber ohne Niederlage Meister zu werden, aus zwei Spielen der Aufstiegsrunde dann weitere vier Punkte zu holen… und dann nicht aufsteigen?!
Ohne Niederlage durch die Saison, womöglich ohne Happy End, Wahnsinn.

Nun denn, das Spiel in Bremen war vor ca. 400 Zuschauern, von denen ca. 300 lautstark Braun-Weiß nach vorne trieben, jedenfalls geprägt von der Hitze.
Man merkte insbesondere in Hälfte zwei, dass ganz einfach die Kräfte (und dadurch die Konzentration) nachließen, selbst einfachste Pässe oder Ballannahmen klappte nicht mehr, Chancen wurden fahrlässigst vergeben, was auf der Tribüne zu zahlreichen grauen Haaren führte. Auch ein 8:0 wäre angemessen gewesen, kam aber nun mal leider nicht zustande.

Anschließend wurde die Saison aber angemessen gefeiert, inklusive einer wunderbaren Tapete des Teams (“Nur 2 Worte: Danke!”, siehe u.a. bei den Fotolinks unten), einer selbstgebastelten von den Fans organisierten Torjäger-Kanone für Nina Philipp von den Fans und der vielfach geäußerten Absicht, nächsten Sonntag nach Meldorf zu fahren.
15.00h, Promenade 20, 25704 Meldorf, alle hin da!

Links:
– Bericht und Fotos Stefan Groenveld
– Bericht und Fotos Torknipser.de
– Fotos “Ey, die Hunde” (FB)
– Bericht Weser-Kurier

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Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 4 von 4

Die Fünf-Jahres-Wertung, wörtlich genommen

(Die ersten drei Artikel dieser Serie erschienen im Print-ÜS 124.
Teil 1, Teil 2 und Teil 3 haben wir bereits veröffentlicht, heute kommt eine ergänzende Zahlenspielerei hinzu.

Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.
Außerdem sei ergänzend das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema TV-Rechte empfohlen.)

Letzter Teil dieser Serie, inhaltliches/argumentatives kommt heute nicht mehr hinzu, die bisherigen Artikel haben das Thema schon sehr kompetent und ausführlich aufgearbeitet, es gibt lediglich einen netten Nebenaspekt, der zu einer kleinen Zahlenspielerei führt.

Vor kurzem gab es einen Termin beim FC St.Pauli für “klassische” Medien, ebenso wie für Fan-Medien, wo etwas informell mit Andreas Rettig und Thomas Meggle geplaudert werden konnte. Rettig stellte hierbei einige Zahlen und Zusammenhänge dar, die erklären sollten, warum der FCSP entgegen landläufiger Meinung nicht in Geld schwimme und eben auch nicht auf Knopfdruck per übersichtlicher Investition den Aufstieg in Liga 1 in der nächsten Saison garantieren könne.

Ich will das gar nicht im Detail auseinanderpulen, in Internet-Diskussionen entwickeln sich “die Halstenberg-Millionen” ja inzwischen zu einem ähnlichen Mythos wie einst die “Häßler-Millionen” beim 1.FC Köln, aber zumindest einen Punkt würde ich als Zahlenspielerei gerne mal aufgreifen:

Die 5-Jahres-Wertung der TV-Gelder.

Die grobe Idee dahinter dürfte dem interessierten Leser einigermaßen deutlich sein, daher nur nochmal grob die Kurzform:
Es gibt einen großen Topf an Geld aus der Inlandsvermarktung, welcher anteilig ca. im Verhältnis 80:20 zwischen Liga 1 & 2 aufgeteilt wird. Den Schlüssel für diese Verteilung liefert jene 5-Jahres-Wertung, welche strikt getrennt für die Vereine beider Ligen ausgewertet wird. Hierbei gibt es für die Tabellenposition Punkte, welche für die letzten fünf Saisons mit absteigendem Faktor rückwirkend multipliziert werden.

Sehr viel ausführlicher und detaillierter kann man das auf fernsehgelder.de nachlesen, gleichzeitig die Quelle der gleich folgenden Zahlen.

Dem geneigten Fan ist grob bewusst, dass es in Liga 1 immens mehr Geld gibt als in Liga 2. Die sportlich erfolgreicheren Vereine bekommen natürlich ebenfalls mehr Geld, beides logisch und nachvollziehbar.

Andreas Rettig wählte an jenem Abend eine Darstellung, die dann doch etwas ungewohnt war: Er warf für die sportlichen Kontrahenten des FC St.Pauli mal die Einnahmen aus dieser Inlandsvermarktung, summiert aus den letzten fünf Jahren, an die Wand. Das sieht man so zusammengefasst sonst auch nicht.

  • Hannover 96: ca. 125 Mio €
  • VfB Stuttgart: ca. 108 Mio €
  • 1.FC Nürnberg: ca. 67 Mio €

Es folgen Braunschweig, Fürth, Düsseldorf und Kaiserslautern mit Werten zwischen 44 und 48 Mio €, ehe unser Verein auftaucht:

  • FC St.Pauli: ca. 37 Mio €

Nun ist natürlich jede Statistik nur so gut wie derjenige, der sie zu seinen Gunsten anwendet. Und natürlich bringt es Hannover 96 auch herzlich wenig für die kommende Saison, wenn man in der Vergangenheit jährlich das 3-4fache an TV-Geldern gegenüber dem FC St.Pauli bekam, da dieses Geld in großen Teilen durch höhere Gehälter und Kosten in Liga 1 auch gleich wieder investiert wurde.

Trotzdem haben Vereine, die volle fünf Jahre in Liga zwei gespielt haben, noch eine relativ geringe Streuung, wenn man dies beispielweise mit dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt vergleicht, die  beide fünf Jahre in Liga 1 kassierten und durch ca. 64 Mio € getrennt sind. Aus Sicht der Eintracht hat der FC Bayern also grob 50% mehr alleine aus der Inlandsvermarktung der TV-Gelder kassiert.
(Jaja, hier gerne gedanklich ein Louis de Funes-GIF einsetzen…)
Und da sind weitere Einnahmen aus der Champions League ja auch noch nicht enthalten. Natürlich soll dies keine Kritik an der Situation sein, der FC Bayern hat es sich ja auch absolut verdient mehr Geld zu bekommen als Eintracht Frankfurt.
Um daher etwas mehr auf Augenhöhe zu suchen: Auch Mainz 05 hat 28 Mio € mehr erhalten als die Eintracht.

Und da ja immer so viel Wert darauf gelegt wird, wie solidarisch die 1.Liga gegenüber der 2.Liga doch ist, muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass diese Solidarität vor Jahren nahezu eingefroren wurde: Die Einnahmen des VfL Wolfsburg sind in den letzten fünf Jahren von 16,7 Mio € auf aktuell 34 Mio € gestiegen. Bei Bayern ging es von 25,8 Mio € auf 39,8 Mio €.
Und sollte dies einer auf den gestiegenen Erfolg zurückführen: Auch der Nachbar aus Stellingen kann sich auf 26,9 Mio € statt 18,2 Mio € freuen.
Für Kaiserslautern ging es in der gleichen Zeit von 7,7 Mio € auf 9 Mio €, für den FC St.Pauli von 6,1 Mio € auf 7,6 Mio €, lediglich für damalige Liga-Neulinge wie Union oder Sandhausen sind deutlichere Zuwächse zu verzeichnen.

Und was hierbei nicht vergessen werden darf:
Es geht lediglich um die Einnahmen aus der Inlandsvermarktung, die sprunghaft gestiegenen Einnahmen aus der Auslandsvermarktung gehen (ob zurecht oder nicht sei dahingestellt) nahezu komplett an der 2.Liga vorbei und lassen die Schere immer weiter auseinander driften.

Bitte alles wertfrei nehmen, es ist lediglich die Beschreibung des Ist-Zustands.
Was bei diesen Zahlen noch beachtet werden muss:

  • Wichtigster Punkt, daher nochmal:
    Die Zahlen der Auslandsvermarktung sowie Einnahmen aus den UEFA-Wettbewerben fehlen, die Differenz zwischen 1. und 2.Liga ist de facto also noch wesentlich größer als es hier erscheint.
  • Einnahmen aus der 3.Liga und Regionalliga fehlen ebenfalls, sind aber tendenziell auch zu vernachlässigen, anteilig.
  • alle Zahlen gemäß fernsehgelder.de, manuell und nach bestem Wissen und Gewissen übertragen. Auf ähnlichen Seiten findet man ggf. auch leicht abweichende Beträge.
    Sollten Euch Fehler auffallen, Danke ich natürlich für jeden Hinweis.
  • Die unten drunter pro Saisonspalte aufgeführten Durchschnittswerte sind natürlich mit großer Vorsicht zu genießen, da hierbei die Vereine ja wild durch die Ligen gemischt werden.

Und nochmals: Dies ist lediglich eine nette Zahlenspielerei, um die Dimensionen der Abhängigkeit von TV-Geldern und der ziemlichen Kluft zwischen Liga 1 und 2 nochmals zu visualisieren.
Es ist eine Beschreibung des Ist-Zustands, ich will damit nichts großartig sensationelles aufdecken. Weder prangere ich die Verteilung an, noch fordere ich eine sofortige Verzehnfachung der TV-Gelder für den FC St.Pauli.
(Also… eigentlich schon, aber ich bin mir der geringen Erfolgsaussichten bewusst.)

Es ist Sommerpause, die Zeit der Langeweile.
Nehmt die Zahlen, geht’s raus und spielt’s Fußball. // Frodo

5-Jahres-Übersicht, 1.Liga 2016/2017

5-Jahres-Übersicht, 1.Liga 2016/2017 (zur Vergrößerung anklicken)

5-Jahres-Übersicht, 2.Liga 2016/2017 (zur Vergrößerung anklicken)

5-Jahres-Übersicht, 2.Liga 2016/2017 (zur Vergrößerung anklicken)

 

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Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 3 von 4

„Sollen sie doch Kuchen essen …“

TV-Gelder in der deutschen und englischen zweiten Liga im Vergleich

(Dieser Artikel erschien mit zwei weiteren im Print-ÜS 124. Teil 1 findet Ihr bereits hier, Teil 2 hier und eine ergänzende Zahlenspielerei werden wir in den nächsten Tagen im Blog veröffentlichen.
Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.
Außerdem sei ergänzend das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema TV-Rechte empfohlen.)

 

In der Diskussion um die Fernsehgeldverteilung argumentieren die großen Bundesligavereine ja gern damit, „international wettbewerbsfähig“ bleiben zu müssen, wozu sie den Anteil der 2. Liga an den TV-Geldern gern beschneiden würden. Nun hat sich aber bereits im Sommer 2015 gezeigt, dass die „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ der deutschen 2. Liga ebenfalls leiden könnte. Gegen die Finanzkraft der englischen Zweitligisten aus der Football League Championship war schon damals im Zweifel nichts zu machen: Rouwen Hennings ging zum FC Burnley, Uwe Hünemeier zu Brighton Hove & Albion und Sebastian Polter zog es zu den Queens Park Rangers. Ihre Gehälter dort liegen angeblich teilweise über dem, was deutsche Bundesligisten gezahlt hätten. Grund genug, sich die künftige Einnahmelage der Football League Championship genauer anzuschauen und zu überlegen, was das für die Diskussionen in Deutschland bedeutet.

Vergleicht man die TV-Einnahmen beider Ligen, so stellt man schnell fest, dass die Schere sowohl zwischen Ober- und Unterhaus als auch innerhalb der zweiten Liga selbst in England deutlich weiter auseinandergeht als bisher in Deutschland. Das liegt daran, dass die Premier League und die Football League, zu der neben der League Championship auch League One und League Two gehören, ihre TV-Rechte getrennt vermarkten. Die Football League erzielt dabei im Verhältnis verschwindend geringe Einnahmen: Etwa 125 Mio. EUR werden jährlich auf die 72 Klubs der drei Ligen verteilt. Die englischen Zweitligisten erhalten aus dieser Summe einen Sockelbetrag von etwas über 2 Mio. EUR und zusätzlich Geld für jedes von ihnen im TV übertragene Spiel. Eine Handvoll Vereine können ihre Einnahmen dadurch in etwa verdoppeln; die meisten erlösen so (deutlich) weniger als eine Million. Die Selbstvermarktung der Football League bringt den englischen Zweitligisten aktuell also jährlich zwischen 2,5 und 4 Mio. EUR. Daran wird sich in Zukunft zunächst nichts ändern.

Die Premier League – „solidarischer“ als die Bundesliga?

Nun aber kommen die sogenannten parachute bzw. solidarity payments der Premier League ins Spiel. Erstere gehen an die Absteiger aus der Premier League, letztere an den großen „Rest“ der Championship: Ungefähr zwei Drittel der Vereine erhielten bisher „Solidaritätszahlungen“ in Höhe von ca. 3 Mio. EUR. Rechnet man die Vermarktungseinnahmen der Football League hinzu, bewegten sich ihre TV-Einkünfte damit insgesamt ungefähr auf dem Niveau des deutschen 2. Ligadurchschnitts. Die Absteiger aus der Premier League waren bereits auf einem ganz anderen Level unterwegs: Sie erhielten im ersten Jahr nach dem Abstieg „Fallschirmzahlungen“ von mehr als 30 Mio. EUR, im zweiten etwa 25 Mio. EUR sowie im dritten und vierten Jahr jeweils etwa 12,5 Mio. EUR. Zählt man „Fallschirm-“ und „Solidaritätszahlungen“ zusammen, so flossen bspw. in der Saison 2014/15 ungefähr 250 Mio. EUR aus der Premier League in die englische zweite Liga. Insgesamt verfügten deren Vereine also über TV-Gelder in einer Höhe von deutlich über 300 Mio. EUR. Zum Vergleich: die deutsche 2. Liga teilte sich in derselben Saison 129 Mio. EUR aus Fernsehgeldern.

Angesichts der Summen, mit denen die Premier League die Championship unterstützte, wirkt es geradezu lächerlich, wenn der „Kicker“ vom 22.2.2016 vorrechnet, wie wenig die deutsche 2. Liga bei eigener Vermarktung hätte erlösen können und mit welchen Unsummen die Bundesliga ihren Unterbau subventioniert hätte. Nach Angaben des „Kicker“ hätte die deutsche 2. Liga in der oben betrachteten Saison 2014/15 bei eigener Vermarktung nur etwa 63 Mio. EUR erlöst, habe also sozusagen „unverdient“ noch einmal etwa die gleiche Summe obendrauf erhalten, quasi geschenkt. Auf der Basis dieser Rechnung spannt sich das Heft dann vor den Karren der Bundesligisten, die den gegenwärtigen 20 %-Anteil der Zweitligisten deutlich beschränken wollen. Dass im gleichen Jahr die Premier League etwa das Doppelte von deren eigenen Vermarktungserlösen zusätzlich in die Championship pumpte, in absoluten Zahlen das Vierfache dessen, womit die Bundesliga die 2. Liga „bezuschusste“, wird vom „Kicker“ in diesem Zusammenhang übersehen oder verschwiegen.

Künftig wird die englische zweite Liga sogar in noch größerem Umfang von ihrer großen Schwester unterstützt. Zwar fließen die „Fallschirmzahlungen“ ab nächster Saison nur noch max. drei Jahre, an direkte Wiederabsteiger sogar nur noch zwei Jahre. Dafür sind sie dann viel höher. Grundlage der Berechnung ist der „equal share“ der Premier League in Höhe von etwa 100 Mio. EUR. In Jahr 1 nach Abstieg werden 55 % davon gezahlt, also etwa 55 Mio. EUR. In Jahr 2 sind es 45 % und ggf. in Jahr 3 noch 20 %, bei entsprechenden Summen. Die „Solidaritätszahlungen“ für alle anderen Klubs der Championship werden auf 30 % der „Fallschirmzahlung“ im dritten Jahr angehoben und verdoppeln sich so auf etwa 6 Mio. EUR. So können selbst die „armen“ Vereine in der Championship in Zukunft mit TV-Einnahmen zwischen 8 und 10 Mio. EUR rechnen, etwa so viel, wie das obere Drittel der deutschen 2. Liga gegenwärtig erhält. Nach den neuen Regelungen wären in der Beispielsaison 2014/15 etwa 400 Mio. EUR aus der Premier League in die Championship geflossen, eine Zunahme um mehr als 50 %. Bezieht man die eigenen Vermarktungseinnahmen der Football League in die Berechnung mit ein, so erhöht sich die Summe der TV-Gelder, die die englischen Zweitligisten hätten ausgeben können, auf ca. 470 Mio. Euro. Da kann man ja fast neidisch werden …

Es sind nicht allein die Fernsehgelder …

Während also die deutschen Bundesligisten „ihren“ Zweitligisten die TV-Gelder wohl am liebsten kürzen würden, zumindest aber einfrieren wollen, geht die Premier League den entgegengesetzten Weg und gibt der Championship von ihrem eigenen Plus einen angemessenen Anteil ab. Ähnlich wie beim niedrigen Splittingfaktor zwischen „arm“ und „reich“ hinsichtlich der TV-Gelder in der Premier League hat das sicher weniger mit romantischem Idealismus oder Altruismus zu tun als vielmehr mit handfesten wirtschaftlichen Überlegungen. Die Premier League befestigt so die Stellung der Championship als umsatzstärkste Liga nach den „Big Five“ in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich und sorgt zugleich dafür, dass von unten weiter brauchbares „Vermarktungsfutter“ nachkommen kann. Noch ist die deutsche 2. Liga in diesem Ranking direkt hinter der Championship auf dem siebten Rang. Aber ein „Märchen“, wie es Kaiserlautern 1998 schrieb und wie es Leicester City jetzt von vielen Blättern angedichtet wird, wäre deutschen Zweitligisten schon jetzt nicht mehr möglich, auch im zweiten Jahr der Bundesligazugehörigkeit nicht.

Nun darf man aber sowieso nicht glauben, dass die Geschichte von Leicester City tatsächlich ein „Märchen“ wäre – sie wird nur als ein solches verkauft. Am Beispiel Leicester offenbart sich lediglich ein weiterer, wesentlicher Unterschied zwischen der englischen und der deutschen 2. Liga: Vichai Srivaddhanaprabha, thailändischer Milliardär und seit 2010 Eigentümer des Vereins, hat bis zum Aufstieg 2014 ungefähr 125 Mio. EUR in den Klub gesteckt. In der Aufstiegssaison hatte der Verein Personalkosten von fast 40 Mio. EUR, bei TV-Einnahmen von etwa 7 Mio. EUR. Und Leicester ist kein Einzelfall. Praktisch alle Championship-Vereine gehören reichen Konsortien oder Einzeleigentümern, die zusätzlich zu den TV-Einkünften jede Menge eigenes Geld in die Klubs pumpen, um eventuell irgendwann mal von den Geldtöpfen der Premier League naschen zu können. Nicht umsonst machten die Championship-Vereine 2014/15 Verluste von insgesamt über 250 Mio. EUR vor Steuern. Rechnet man die neuen Schulden aus der aktuellen Saison mit ein, wird die Gesamtverschuldung der Liga bei über 1,5 Mrd. EUR liegen. Das ist ungefähr zweimal soviel wie der Umsatz, den die Championship 2015 generierte – inklusive Solidaritäts- und Fallschirmzahlungen der Premier League.

Wenn es aber mit dem Aufstieg klappt, kann sich das für den einzelnen Verein schnell lohnen: Bereits im ersten Jahr in der Premier League erwirtschaftete Leicester einen Gewinn nach Steuern in Höhe von etwa 39 Mio. EUR. Es ist insofern kaum verwunderlich, dass schon in der Saison 2014/2015 die Summe der Gehaltszahlungen der Championship mit über 650 Mio. EUR ungefähr das Doppelte der TV-Einnahmen betrug, über die die Liga verfügen konnte. Es wird nicht weniger werden ….

Was bleibt

Sowohl Premier League wie auch Football League Championship haben ihre deutschen Gegenstücke finanziell schon lange komplett abgehängt. Insofern muss man über „internationale Wettbewerbsfähigkeit“ eigentlich nicht reden. Beiden deutschen Ligen bleibt letztlich nur der Versuch, sich als Nummer zwei oder drei auf dem europäischen Markt zu etablieren und dort langfristig zu halten. Das wird aber nicht funktionieren, wenn die Schere zwischen den Ligen und den Vereinen immer weiter aufgeht, sondern nur, indem man die Konkurrenzsituation innerhalb der Ligen möglichst hoch hält und die Anschlussfähigkeit der deutschen Zweitligisten an die Bundesliga wahrt. Geht die Schere innerhalb der Bundesliga noch weiter auf und hängt sie die 2. Liga weiter ab, wird auch das Marktinteresse an der Bundesliga mittelfristig abnehmen. Man muss noch nicht einmal viel mit „Solidarität“ am Hut haben, um das einzusehen … // Slarti

P.S.: Wer sich näher für die Finanzen der Football League Championship interessiert, der findet vieles dazu bei www.insidermedia.com. Erster Einstieg: www.insidermedia.com/insider/national/146216-championship-club-club.

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Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 2 von 4

Den Letzten beißen die Hunde…?

(Dieser Artikel erschien mit zwei weiteren im Print-ÜS 124. Teil 1 findet Ihr bereits hier, Teil 3 und eine ergänzende Zahlenspielerei werden wir in den nächsten Tagen im Blog veröffentlichen.
Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.
Außerdem sei ergänzend das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema TV-Rechte empfohlen.)

Die Reaktion der deutschen Vereine auf den Premier League-Deal ließ nicht lange auf sich warten. Über das letzte Jahr wurde mit allen möglichen Vorschlägen zur Verteilung der Fernsehgelder Politik gemacht: sportlicher Erfolg, Tradition, Marktwert, TV-Interesse, Einhaltung der 50+1-Regelung, wirtschaftliche Stabilität – kaum eine Kennziffer, die nicht als „gerechter“ als das bisherige System bezeichnet worden wäre. Was aber kann im Milliardengeschäft Fussball überhaupt als „gerecht“ gelten? Wie soll man Tabellenplätze gegen TV-Quoten, „Tradition“ – was immer das auch sein mag – gegen „Marktwert“ gewichten? Darüber haben wir uns ein paar Gedanken gemacht. Bevor wir darauf kommen, wollen wir zunächst die Entwicklung der Debatte und die unterschiedlichen Lager skizzieren.

Die „Traditionsvereine“ im „Team Marktwert“

Der erste Vorschlag zur Neuausrichtung der Fernsehgeldverteilung kam Anfang Mai 2015 und war in Teilen sogar ganz gut. Bremens Geschäftsführer Klaus Filbry vertrat nämlich im Deutschlandfunk den Standpunkt, dass man grundsätzlich zunächst den Sockelbetrag für alle Klubs erhöhen müsse und in die Verteilung der Restsumme neben dem sportlichen Erfolg auch „Nachfragekriterien“ einbeziehen sollte. Frankfurts scheidender Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen sprang den Bremern bei und brachte eine entsprechende Initiative in die DFL ein. Die Gründung des sogenannten „Team Marktwert“ Ende März dieses Jahres, zu dem neben Bremen und Frankfurt auch Köln, Stuttgart, Hertha und die Rauten gehören, geht im Kern auf diesen Vorstoß zurück. Die Pressemitteilung der Vereine macht nun jedoch vor allem die „Nachfragekriterien“ stark: „Fanbasis, Beliebtheit, Bekanntheit, TV-Reichweite und Interaktionsraten in Social Media“. Die Gruppe fordert, dass „eine große, leidenschaftliche Fangemeinde als Wert im TV-Ranking Berücksichtigung“ finden solle. Ein Verein, der „den Wert unseres gemeinsamen Produkts Bundesliga steigert“, müsse „bei der Verteilung der Einnahmen auch entsprechend berücksichtigt werden“, so das „Team Marktwert“.

Ob die richtige Idee, den Sockelbetrag für alle zu erhöhen, vom „Team Marktwert“ noch verfolgt wird, geht aus der Pressemitteilung nicht eindeutig hervor. Da das Thema darin allerdings gar nicht mehr auftaucht, muss man wohl davon ausgehen, dass diese „Traditionsvereine“ sich vor allem als Agenten der eigenen Sache begreifen. Der Mainz-Manager Christian Heidel hielt denn auch sofort dagegen: Er sieht nicht ein, warum eine „Tradition […], die 50 Jahre zurückliegt, aber nichts mit der Leistung des Vereins im Jahr 2016 zu tun hat“, noch vergütet werden solle (www.kicker.de, 1.4.2016). Worauf er zielte, ist klar: Die sechs Vereine, die das „Team Marktwert“ bilden, sind zugleich diejenigen, die in der für die Saison 2015/16 relevanten Fernsehgeldtabelle die Plätze 11–16 einnahmen – hinter ihnen lagen lediglich noch die Aufsteiger aus Ingolstadt und Darmstadt.

Gesund und erfolgreich – die Klubs, die die Massen bewegen …

Heidel schlug stattdessen vor, künftig „80 Prozent der Fernseheinnahmen nach sportlichen und 20 Prozent nach wirtschaftlichen Kriterien“ zu verteilen (ebd.). Damit vertrat er wohl nicht allein die Interessen seines Noch-Arbeitgebers Mainz, sondern dürfte mindestens ebenso sehr seine Aufgabe als künftiger Manager von Schalke 04 im Hinterkopf gehabt haben. Zwar würde auch Schalke von den ins Gespräch gebrachten „Nachfragekriterien“ durchaus profitieren, ebenso wie Gladbach. Doch mit den abgewrackten „Traditionsvereinen“ wollten sich beide Vereine offenbar nicht in ein Boot setzen. Solange bezüglich der Aufteilung der TV-Gelder die Logik des Verteilungskampfes herrscht, wäre das ja auch Unsinn: Warum sollte man langjährige Konkurrenten, die man sportlich und wirtschaftlich abgehängt hat, wieder aufpäppeln helfen und so die eigenen Pfründe und Perspektiven gefährden?

Die Bayern müssen sich um ihre Position innerhalb der Bundesliga keine Gedanken machen und interessieren sich nur dafür, wo sie im europaweiten TV-Geld-Ranking stehen: Darin durch den Premier League-Deal auf Platz 26 zurückzufallen, wie Rummenigge es auf der JHV des Vereins als Schreckgespenst an die Wand malte, ist für sie nicht akzeptabel. Die DFL müsse dafür Sorge tragen, dass „die deutschen Topclubs in Europa wettbewerbsfähig sein können und vor allem bleiben“. In dieser Frage herrscht zwischen Bayern und Dortmund sogar einmal Einigkeit, wie BVB-Chef Watzke kurz darauf betonte: „Wir – und damit meine ich vor allem Bayern und uns – erwarten von der Liga, dass wir uns auch international messen können“ (SportBild-online, 9.12.2015). Im gleichen Interview machte Watzke eine Unterscheidung zwischen „Traditionsklubs“, für die er sich nie „stark gemacht“ habe, und den „Klubs, die die Massen bewegen“, die man stärken müsse: „Wenn ein Klub eine Million Fans in Deutschland hat, 65000 Zuschauer im Schnitt zu Hause und 5000, die auswärts mitfahren, dann muss sich das auch wirtschaftlich niederschlagen.“
Wer die Zuschauertabelle der Bundesliga anführt, ist ja allgemein bekannt …

Wer braucht denn noch die Zecken aus der 2. Liga?

Der provokanteste Vorschlag war derjenige des FC St. Pauli, Vereinen, die sich nicht an die 50+1-Regel halten, die TV-Gelder zu kürzen. Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim schrien natürlich auf, Hannover lieber auch schon mal mit, und Völler begab sich in die Rolle des großen, bösen Wolfs, der das „Schweinchen Schlau“ Andreas Rettig am liebsten zerfleischen wollte. Auch Augsburg lehnte den Vorschlag ab. Dieser würde dazu führen, dass „sich alle vier Investorenklubs selbst vermarkten und wenn die das tun, werden Bayern und Dortmund nachziehen“ und die „Mehrheit der anderen Klubs wie der FCA würden massiv darunter leiden“, so Finanz-Geschäftsführer Peter Bircks (Augsburger Allgemeine, 1.12.2015). Dass ausgerechnet die langweiligen Werks- und Investorenklubs ihr Heil in der Direktvermarktung suchen und so das Ende der Zentralvermarktung einläuten könnten, ist natürlich völlig abwegig und das Argument nur vorgeschoben. Bircks geht es vielmehr darum, bei der „Verteilung nach sportlichen Kriterien“ zu bleiben, weil diese „die fairste“ sei – was soll man aber auch als 7. der Fernsehgeldtabelle sonst sagen, wenn alle alternativ diskutierten Kriterien dazu führen würden, dass man weniger bekäme?

Womit wir sie alle hätten, bis auf Ingolstadt und Darmstadt, die als Neuankömmlinge in der Bundesliga den noch ungewohnten Geldregen erst einmal genießen und sich ansonsten gepflegt zurückhalten. Bleibt festzuhalten: Alle Vereine versuchen, ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen, und den letzten beißen die Hunde. Wobei der letzte nicht nur der jeweils andere ist, dessen Interessen sich nicht mit den eigenen decken, sondern vor allem der Pöbel in der 2. Liga. Geht es gegen „die da unten“, fällt es den Bundesligisten plötzlich leicht, mit einer Stimme zu sprechen: Im „Strategiepapier“, das 16 von ihnen im Februar dieses Jahres vorlegten, war die gemeinsame Position: Deckelung des TV-Geld-Anteils der 2. Liga auf den aktuellen Stand von 142 Mio. EUR oder bestenfalls 15 % des Gesamttopfes. Um die Kluft noch größer werden zu lassen, diskutiert man zeitgleich darüber, für Absteiger aus der Bundesliga „Fallschirmzahlungen“ einzuführen, wie es sie in der Premier League gibt.

Abgesehen davon, dass es angesichts der Einhelligkeit der Bundesligisten fast sicher sein dürfte, dass die 2. Liga künftig weniger Geld bekommt und die Bundesliga immer mehr zum „Closed Shop“ wird, in den sich nur Investorenclubs wie Leipzig einkaufen können, werden die neuen Verteilungskriterien sicher auch auf die Zweitligisten angewandt, wenn die sich nicht vehement dagegen wehren. Deshalb bleiben zwei grundsätzliche Fragen: Wie „gerecht“ sind die Varianten, die diskutiert werden? Und wie würden sie sich auf den FC St. Pauli auswirken?

Was ist schon „gerecht“?

Bevor wir uns diesen Fragen widmen, wollen wir deutlich machen, welche Perspektive wir dabei einnehmen. Grundsätzlich finden wir vor allem aus sportlichen Gründen eine möglichst gleichmäßige Verteilung der TV-Gelder in beiden Ligen erstrebenswert. Daneben würde sie aber unserer Meinung nach auch die besten Vermarktungsperspektiven bieten. Daher sollte der Faktor, um den die TV-Einnahmen des Ersten diejenigen des Letzten übersteigen, möglichst gering sein, und zwar über die Gesamtbetrachtung von nationaler und internationaler Vermarktung hinweg. Denn wer im Ausland Bayern oder Dortmund sehen will, wird sich vor allem Spiele der Champions League anschauen und nicht Bayern gegen Hoffenheim. Wer aber wirklich und ernsthaft die Bundesliga sehen will, interessiert sich für alle Vereine gleichermaßen. Dann müssen die aber auch interessant und innerhalb der Liga konkurrenzfähig sein, um das „Produkt“ spannend und vermarktbar zu halten. Falls die Bayern darauf kein Bock haben, sollen sie doch nach Milton Keynes umziehen – dann würde es vielleicht sogar mal wieder spannend. Auch wenn sich diese Position sicher nicht durchsetzen wird, liegt sie unserer Sicht auf die diskutierten Kriterien zugrunde, an denen uns außerdem ihre jeweilige Steuerungswirkung interessiert.

Sportlicher Erfolg

Auf den ersten Blick sicher der kleinste gemeinsame Nenner: Sportlicher Erfolg ist ein klares Kriterium und Fussball am Ende nun einmal ein Ergebnissport. Allerdings wird der sportliche Erfolg sowieso bereits belohnt. Die Teilnahme an europäischen Wettbewerben spült den erfolgreichen Vereinen jede Menge Kohle in die Kassen. Umgekehrt zahlen die Absteiger für ihr sportliches Scheitern einen hohen Preis. Wer den Abstiegskampf allerdings besteht, profitiert weiter vom gemeinsamen Geld. Die Vereine haben also sowieso genug Grund, sich durch gute Arbeit um sportlichen Erfolg zu bemühen, auch in der 2. Liga. Ihn darüber hinaus noch zusätzlich zu vergüten, öffnet die Schere zwischen den Vereinen immer weiter, und zwar je schneller, je weiter sie schon offen ist. Das ist sie aber eh schon weit, zwischen den Vereinen und zwischen den Ligen: Schalke und Leverkusen werden nie mehr Meister werden können und die Chancen der Aufsteiger, sich zu behaupten, sind bereits jetzt gering, weil die einen wie die anderen finanziell nicht mithalten können. Die Erfolgreicheren kriegen mehr Geld, haben deswegen mehr Erfolg, und deswegen kriegen sie dann wieder mehr Geld. Kann es das sein? Wir meinen, eher nicht, weshalb der sportliche Erfolg gern weniger in die Verteilung einfließen darf als bisher. Dem FC St. Pauli wäre das sicher nicht zum Schaden …

Wirtschaftliche Gesundheit

Eine ganz schwierige Kategorie. Einerseits hat man den Eindruck, dass der FCSP zur Zeit gut wirtschaftet und man könnte zudem denken, dass dadurch den eher zahnlosen Regeln des Financial Fairplay mehr Nachdruck verliehen werden könnte. Andererseits: Was würde ein solches Kriterium mittelfristig bedeuten? Käme man nicht schnell in Nachteil, wenn man wie wir sagt, wir machen nicht alles mit, was Geld bringt, bspw. in Bezug auf den Stadionnamen? Die Gefahr, dadurch die Kommerzialisierung weiter anzuheizen, ist zumindest nicht von der Hand zu weisen, wenn mehr Einnahmen auch mehr Fernsehgelder bedeuten könnten. Abgesehen davon wäre es wohl sehr schwer, ein solches Kriterium auszugestalten: Wie mit Leverkusen, Wolfsburg, Leipzig und anderen umgehen? Wie mit Vorgängen wie bspw. in Kaiserslautern, wo die Stadt dem Verein massiv unter die Arme greift? Da nützen auch die Lizenzierungsunterlagen wenig, die Heidel als Basis vorschlug. Die Verlockung, die Regeln zum eigenen Vorteil zu umgehen, wäre groß und ein „echter“ Vergleich kaum möglich.

Kriterien des „Teams Marktwert“

Von der Einführung dieser Kriterien könnte der FC St. Pauli sicher nur profitieren. Zumindest in der 2. Liga sind wir mit Abstand Facebook-Meister, selbst unter allen 36 Vereinen der DFL sind wir noch bei den ersten Zehn dabei. Wir sind seit Fertigstellung des Stadions Zweiter in Sachen Zuschauerschnitt. Außerdem zählt der FCSP zu den beliebtesten und bekanntesten Vereinen beider Ligen, und ist entsprechend auch hinsichtlich des TV-Interesses in der Liga eher vorne mit dabei. Für die Bundesliga hat das Medienportal www.meedia.de Ende März testweise eine Tabelle erstellt, in die ein Mix aus sportlichem Erfolg, Erfolg im Fernsehen, bei nationalen Fans und internationalen Fans eingeflossen ist. Die großen Gewinner waren die Rauten und Köln, die neun Plätze nach oben rückten. Bremen, Stuttgart und Hertha legten fünf Plätze zu – das „Team Marktwert“ weiß also, was es tut. Größter Verlierer war Augsburg (-7). Leverkusen, Wolfsburg, Hannover und Hoffenheim verloren sechs Plätze, Mainz fünf. Der Rest blieb ungefähr da, wo sie in der aktuellen TV-Tabelle eh stehen: oben oder unten (www.meedia.de, 31.3.2016).

Im Endeffekt muss man sagen: Die Kriterien sind vergleichsweise objektiv messbar und haben Einfluss auf den Vermarktungserfolg der DFL. Man kann einwenden, dass die Spielansetzungen einen starken Einfluss auf die Zuschauerzahlen haben, aber andererseits erfolgen sie selbst wiederum zumindest teilweise auf Basis des Quoten-Interesses der Sender. Eine große Steuerungswirkung entfalten die Kriterien nicht; sie bilden eher die Lage ab und begünstigen die sogenannten „Traditionsvereine“, die sowieso schon bessere Karten im Rennen um Sponsoren haben. Wenn man solche Kriterien einführt, wäre es allerdings nur angemessen, die dafür vorgesehene Summe nicht innerhalb der Ligen, sondern auf Basis einer Rangliste aller 36 DFL-Vereine zu verteilen, da sie das „Produkt“ gemeinsam liefern. Dann allerdings könnte die Auswirkung irgendwann sein, dass eine „Operettenliga“ entsteht, in die kleinere Vereine schwer eindringen könnten. Wir würden mittelfristig wahrscheinlich als „Hofnarr“ mit hochgespült werden. Ob man das will, muss man wissen. Unsere Meinung: Wenn man den Anteil des Sockelbetrags erhöht, wäre es nicht unangemessen, in die Verteilung des Restes auch den „Marktwert“ einzubeziehen.

Einhaltung der 50+1-Regelung

Darauf, dass der Vorschlag, den Werks- und Investorenklubs die TV-Gelder zu kürzen, in dieser Verhandlungsrunde von uns kam, können wir immer noch stolz sein. Denn er war der einzige, der mit der allgemeinen Vermarktungslogik brach und ein sportpolitisches Kriterium in die Debatte einbrachte: Die Stärkung der „echten“ Vereine in Mitgliederhand gegenüber den Werks- und Investorenvereinen. Die Problematik ist allerdings ähnlich wie hinsichtlich des Einbezugs wirtschaftlicher Kriterien: Leipzig umgeht die Regelung einfach und auch bei anderen Vereinen bleibt die Frage, inwieweit die Interessen der Vereinsmitglieder denen der Investoren untergeordnet werden, selbst dort, wo diese offiziell nur Minderheitsbeteiligte sind. Im Endeffekt ist es aber egal, wie man dazu steht: Durchsetzen wird man sich damit nicht mehr, auch wenn Watzke 2010 noch praktisch die gleiche Forderung gestellt hatte (vgl. „Kicker“, 30.11.2015).

Wenn es doch so käme, würde der FC St. Pauli nicht sonderlich davon profitieren, außer in einer Hinsicht: Es ist abzusehen, dass die Entwicklung immer mehr dahin gehen wird, dass Vereine zum Vehikel von Investoreninteressen werden. In der Premier League und in der zweiten englischen Liga, der Football League Championship, ist diese Entwicklung schon abgeschlossen. Der Vorschlag, den unser Verein machte, wäre geeignet, die Entwicklung zumindest zu verzögern, und war insofern im Eigeninteresse des FCSP, der eine solche Entwicklung (hoffentlich) niemals mitmachen wird – was dann aber dazu führen würde, dass man immer mehr Schwierigkeiten hätte, sich in den oberen zwei Ligen zu halten.

Fazit

Unbenannt

Der Blick auf die bisherigen und aktuell diskutierten Kriterien zeigt: Eine „gerechte“ Verteilung ist nicht zu erreichen. Selbst wenn alles Geld zu gleichen Teilen aufgeteilt würde – wäre es „gerecht“, Werks- und Investorenvereinen, die per se alles Geld der Welt haben, dadurch noch mehr in den Rachen zu werfen? Irgendwie auch nicht. Zu etwas mehr „Gerechtigkeit“ könnte ein höherer Sockelbetrag allerdings beitragen – sich dafür einzusetzen, wäre unser Auftrag an die Vereinsführung. Wenn in der Verteilung des Restes der sportliche Erfolg eine geringere Rolle spielen sollte als bisher, wäre das einer ausgeglichenen Liga, in der spannender Sport statt nur die nächste Gala der Bayern Globetrotters geboten wird, sicher ebenfalls zuträglich. Der Einbezug des „Marktwertes“ könnte ein weiterer Baustein sein, der insofern angemessen scheint, als es zumindest einen engen Zusammenhang mit den potentiellen Erlösen gibt. Und warum sollte letztlich nicht auch eine Kürzung bei Nichteinhaltung der 50+1-Regelung ein Bestandteil des Gesamtmixes sein? Was auf der einen Seite einbehalten wird, könnte dann auf der anderen Seite unter den „echten“ Mitgliedervereinen aufgeteilt werden und so eine sportpolitische Komponente in den Mix eingehen, die zumindest unserer Meinung nach sinnvoll wäre. Die Vereinsführung sollte hier ihren ursprünglichen Ansatz weiterverfolgen.

Was den FC St. Pauli betrifft, so muss man als Fan dieses Vereins vor keinem der in der Debatte stehenden Kriterien „Angst“ haben. Letztlich würden wir in der Gesamtbetrachtung wohl eher zu den „Gewinnern“ zählen. Überhaupt würde jede „Entsolidarisierung“ der Vereine untereinander eher dazu führen, dass die Position des FC St. Pauli innerhalb der Liga zumindest kurz- und mittelfristig gestärkt wird. Langfristig mag das anders aussehen. Die größte Gefahr für den Verein und die gesamte 2. Liga ist die Zunahme der Kluft zur Bundesliga. Dass diese Entwicklung zu vermeiden ist, erscheint angesichts des scheinbar weitgehend einheitlichen Handelns der Bundesligisten allerdings höchst fraglich. Auch in dieser Frage wird übrigens mit teils falschen Argumenten Politik gemacht.

Unter anderem darauf geht der letzte Artikel unseres Schwerpunkts ein, der einen vergleichenden Blick auf die englische zweite Liga und den Umgang der Premier League mit ihr wirft. // Die Redaktion

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Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 1 von 4

Seid umschlungen, Milliarden …

Entwicklung und Verteilung der TV-Einnahmen im europäischen Vergleich

(Dieser Artikel erschien mit zwei weiteren im Print-ÜS 124. Die weiteren Artikel sowie eine ergänzende Zahlenspielerei werden wir in den nächsten Tagen hier veröffentlichen.
Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.
Außerdem sei ergänzend das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema TV-Rechte empfohlen.)

Über das letzte Jahr hinweg gab es wenige Themen, die öffentlich und DFL-intern so heiß diskutiert wurden wie die künftige Verteilung der TV-Einnahmen. Befeuert wurden die Debatten durch die Rekordsummen, die die Premier League aus der Vergabe ihrer TV-Rechte erzielen konnte. Seit die englischen Milliarden drohen und zugleich der nächste Geldregen im eigenen Hause lockt, haben sich tiefe Gräben aufgetan, nicht nur zwischen Bundesliga und 2. Liga, sondern auch innerhalb der Ligen selbst. Während die Sorge der Bayern vor allem ihrer eigenen „internationalen Wettbewerbsfähigkeit“ gilt, beschwören Vereine wie Eintracht Frankfurt, Werder Bremen oder die Relegationsmeister aus der Vorstadt die Bedeutung der von ihnen angeblich verkörperten „Tradition“ und wollen die in barer Münze vergütet wissen. Jeder Verein will ein möglichst großes Stück vom Kuchen haben – oder zumindest verhindern, dass die Stücke der anderen noch dicker werden …

Um die Hintergründe besser zu verstehen, lohnt der Blick in die Historie und das europäische Umfeld: Man mag es kaum glauben, aber direkt nach ihrer Gründung 1963 musste die Bundesliga für Fernsehberichte von ihren Spielen zunächst einmal bezahlen. Erst ab 1965 zahlten die Sender, anfangs knapp 650.000 DM. Bis vor dreißig Jahren hatte die Bundesliga – es gab in Deutschland noch kein Privatfernsehen – kaum nennenswerte TV-Einnahmen. Noch für die Saison 1987/88 lag der Betrag, den die öffentlich-rechtlichen Sender überwiesen, umgerechnet unter 10 Mio. EUR. Auch mit „Anpfiff“ und „ran“ dauerte es noch bis Mitte der 1990er-Jahre, bis die Schallmauer von 100 Mio. EUR pro Jahr durchbrochen wurde. Der nächste große Sprung erfolgte zur Saison 2000/01 durch den Deal mit der Kirch-Gruppe: Erstmals wurden alle Spiele im Pay-TV live übertragen und die Einnahmen stiegen auf weit über 300 Mio. EUR. Übrigens sicherten sich die Bayern schon damals mit der Drohung, aus der Zentralvermarktung auszusteigen, eine Extraportion. Kirch versprach ihnen per Geheimvertrag den Ausgleich der ihnen entgehenden, möglichen Erlöse aus der Direktvermarktung. Vereinbart war ein Gesamtvolumen von ca. 100 Mio. EUR bis 2005, von denen aufgrund der Kirch-Pleite letztlich nur etwa 20 Mio. flossen…
Ab 2006 nahm die Bundesliga dann über 400 Mio. EUR pro Saison ein und mit dem seit 2013 gültigen TV-Deal erhöhten sich die jährlichen Erlöse aus der nationalen TV-Vermarktung auf weit über 600 Mio. EUR.

Einnahmen und „Sozialgefälle“ der europäischen „Big Five“ im Vergleich

Damit lag die Bundesliga, was die Einnahmen aus der Inlandsvermarktung anging, zur Saison 2013/14 ungefähr auf einem Niveau mit der französischen Ligue 1 und der spanischen Primera División, aber deutlich hinter der italienischen Serie A oder gar der Premier League, die auf dem heimischen Markt fast das Doppelte an TV-Geldern erlöste. Zählt man die Auslandsvermarktung hinzu – traditionell die Achillesferse der Bundesliga –, so war es sogar das Dreifache. In der Gesamtbetrachtung hatte dann auch die spanische Liga rund 200 Mio. mehr, die Serie A etwa 300 Mio. EUR.

Wichtig ist ja aber nicht allein, wieviel Geld reinkommt, sondern vor allem, wie es aufgeteilt wird. Gemäß der immer sehr lesenswerten „Annual Review of Football Finance 2015“ des Beratungsunternehmens Deloitte lag das Verhältnis zwischen dem an TV-Geldern „reichsten“ bzw. „ärmsten“ Klub in der Saison 2013/14 in Italien bei 5,3:1, in Frankreich bei 3,4:1 und in der Premier League bei 1,6:1. Die Bundesliga arbeitete offiziell mit einem Schlüssel von 2:1. Das größte Gefälle zwischen den Klubs gab es bisher in Spanien, wo Real Madrid und der FC Barcelona extrem von der dortigen Einzelvermarktung profitierten und zuletzt jeweils ca. 140 Mio EUR pro Saison erlösten. Das Gefälle zwischen ihnen und den Klubs mit den geringsten TV-Einnahmen lag 2013/14 laut der erwähnten Studie bei 7,4:1.

Die sportlichen Ergebnisse der Saisons 2010/11–2014/15 in Spanien, Deutschland und England zeigen, dass es zumindest eine gewisse Relation zwischen diesen Verteilungen und dem Liga-Geschehen gibt. Der jeweilige spanische Meister machte in diesen Jahren im Durchschnitt 2,67 Punkte pro Spiel und hatte am Saisonende 3,51 mal so viele Punkte wie der Tabellenletzte. In der Bundesliga waren es nur 2,45 Punkte und ein Faktor von 3,15. Die Premier League war am engsten beieinander: 2,39 Punkte, bei einem Faktor von 3,01. In dieser Saison, in der viele englische Vereine schon im Vorgriff auf den neuen Deal agiert haben, hat Leicester City vier Spieltage vor Schluss einen Schnitt von nur 2,15 Punkten und nur 2,5 mal so viele Punkte wie der Vorletzte, Newcastle – das in Trümmern liegende Aston Villa muss man rausrechnen. Bayern: 2,6 Punkte, Faktor 2,9 auf den Vorletzten, 3,7 auf den Letzten. Während die Premier League also womöglich noch enger zusammenrückt, entwickelt sich die Bundesliga scheinbar in Richtung spanischer Verhältnisse. Maybe money matters …

Entwicklung ab der kommenden Saison

Zur nächsten Saison kehrt man in Spanien nun aber nach langen Verhandlungen zur Zentralvermarktung zurück, die sogar gesetzlich geregelt ist. Das Verhältnis zwischen „reich“ und „arm“ in Sachen TV-Gelder wird auf max. 3,5:1 oder sogar noch weniger gesenkt. Durch diesen Schritt steigen die Gesamteinnahmen aus der nationalen und internationalen Vermarktung deutlich: Für die nächste Saison kann La Liga mit 1,7 Mrd. EUR rechnen. Die französische Ligue 1 fällt weiter zurück: Sie erlöst von 2016 bis 2020 national „nur“ 726 Mio. EUR pro Saison und aktuell 32,5 Mio EUR für die internationalen Rechte (ab 2018 mind. 80 Mio. EUR). Die Serie A hat noch bis 2018 über die Summe von 943 Mio. EUR abgeschlossen, kommt aber mit 186 Mio. EUR aus der internationalen Vermarktung auf etwas über 1,1 Mrd. EUR pro Saison. Die Bundesliga erlöste in der Saison 2015/16 aus Inlands- und Auslandsvermarktung zusammen 850 Mio. EUR. Nun will man zumindest Italien überflügeln: Das Ziel ist, ab 2017 pro Saison eine Milliarde Euro für die nationalen Fernsehrechte zu kassieren und die 150 Mio. EUR, die man aktuell international erwirtschaftet, weiter zu steigern. Viel Geld, und auch im europäischen Vergleich nicht schlecht, könnte man meinen. Hinzu kommt, dass die Bundesliga durch ihre hohen Einnahmen insbesondere im Bereich Werbung und Sponsoring die Einnahmenachteile im TV-Bereich bisher noch immer einigermaßen ausgleichen konnte (siehe Abb.).

Unbenannt

Doch wie es immer so ist: Man guckt vor allem dorthin, wo die noch Reicheren sitzen, in diesem Fall also nach England. Im Februar 2015 gab die Premier League bekannt, dass sie aus der nationalen Vermarktung ihrer TV-Rechte für die drei Saisons 2016–19 etwa 5,1 Mrd. GBP einnehmen würde. Ein Jahr später wurden die englischen Erstligisten dann informiert, dass ihnen die internationale Vermarktung zusätzliche 3,2 Mrd. GBP einbringen würde. Zu aktuellen Kursen bedeutet das umgerechnet eine Gesamteinnahme von etwa 10,4 Mrd. EUR, also fast 3,5 Mrd. EUR pro Saison, mehr als doppelt soviel wie in Spanien und ungefähr dreimal mehr, als die deutschen Vereine ab 2017 erwarten können. Unabhängig vom sonstigen sportlichen Wert des englischen Fussballs: Besser als aktuell auf der Insel kann man das Milliardenspiel nicht spielen …

„Equal share“ oder „Einer gegen Alle“?

Kein Wunder also, dass die Verantwortlichen in den deutschen Klubs angesichts des Premier League-Deals schnell unruhig wurden und meinten, man müsse noch einmal darüber reden, wie die TV-Gelder in Deutschland verteilt werden. Die einen – insbesondere natürlich die Bayern – sorgen sich darum, den finanziellen Anschluss an die europäischen Top-Klubs zu verlieren. Die anderen, eh schon abgehängt, fürchten um die letzten Reste ihrer nationalen Wettbewerbsfähigkeit. Beide Positionen sind durchaus verständlich, denn wie man sie auch dreht und wendet: die Decke bleibt zu kurz. Das Glück des einen ist offenbar nur auf Kosten der anderen zu haben. Könnte man meinen.

Erstaunlicherweise ist es vor allem die Premier League selbst, die das Gegenteil vormacht. In den deutschen Medien wird die dortige Verteilung allgemein ungefähr so kommuniziert: gleichmäßige Verteilung von 50 % der Einnahmen, Vergabe von jeweils 25 % nach sportlichem Erfolg (Platzierung letzte Saison) und TV-Interesse (Anzahl der Live-Spiele letzte Saison). Diese Angaben machte bspw. auch der „Kicker“ (Ausgabe v. 22.2.2016), der die Verteilung innerhalb der Bundesliga mit 65 % Sockelbetrag und 35 % sportlicher Erfolg (letzte fünf Saisons) angab und den Sockelbetrag als den im europäischen Vergleich höchsten bezeichnete. Betrachtet man nur die Verteilung der TV-Gelder aus der Inlandsvermarktung, wäre das sogar richtig. Allerdings übersehen der „Kicker“ und andere Medien geflissentlich zwei wesentliche Aspekte: Erstens den hohen Anteil von fast 40 %, den die Erlöse aus der Auslandsvermarktung an den Gesamteinnahmen der Premier League ausmachen, und zweitens die Art, in der diese verteilt werden. Die Premier League verteilt nämlich die gesamten Einnahmen aus der Auslandsvermarktung gleichmäßig an ihre Mitglieder. Alles in allem gehen also über 69 % ihrer Gesamteinnahmen als „equal share“ zu gleichen Teilen an die teilnehmenden Vereine. Dieser „equal share“ liegt künftig bei ca. 100 Mio. EUR und sorgt dafür, dass die Höhe der an den Meister bzw. den Letzten der Tabelle ausgezahlten Fernsehgelder nur um einen Faktor von etwa 1,6 abweicht. In der Saison 2014/15 lag er sogar bei nur 1,53.

Schaut man nun noch einmal genauer in die Bundesliga, so wurde bpsw. für die Saison 2015/16 nur ca. ein Drittel der Einnahmen aus der internationalen Vermarktung gleichmäßig verteilt: Jeder Bundesligist erhielt 2,5 Mio. EUR. Der Rest ging an die Vereine, die in den letzten fünf Jahren an den Wettbewerben der UEFA teilgenommen hatten, wobei die Höhe der Zahlung vom Klub-Koeffizienten abhing. Resultat: Bayern München erhielt 31,5 Mio. EUR aus den internationalen Erlösen und damit insgesamt fast 72 Mio. EUR aus den Fernsehgeldtöpfen der DFL. Bezieht man die internationalen TV-Gelder mit in die Berechnung ein, so liegt der „equal share“ der Bundesliga eben nicht bei 65 %, sondern bei etwa 57 %, und das Verhältnis zwischen den Bayern und den Darmstädtern, die aktuell am wenigsten TV-Gelder erhalten, bei 3,2:1.

Die Bundesliga ist also bei genauer Betrachtung schon jetzt fast bei dem Faktor angelangt, der in Spanien künftig maximal erlaubt ist. Die Schere geht in Deutschland doppelt so weit auf wie in England und die Bayern genehmigen sich bereits jetzt ein wesentlich größeres Stück vom Kuchen, als in aller Regel suggeriert wird. Da erscheint es doch ein wenig unangemessen, wenn Rummenigge sich beschwert, dass die Interessen seines Vereins nicht genügend berücksichtigt würden, und mit der Aussage, dass die Bayern per Direktvermarktung 200 Mio. EUR erzielen könnten, die Kanonen gegen den Rest der Liga in Stellung bringt. Ob die Bayern einen solchen Schritt wirklich gehen würden, ist natürlich fraglich. Vor allem geht es ihnen – wie schon seinerzeit im Zusammenhang mit dem Kirch-Deal – wieder einmal darum, mithilfe dieser Drohung auch unter dem Dach der gemeinsamen Vermarktung soviel wie irgend möglich für sich selbst herauszuschlagen.

Womöglich müsste man allerdings auch in München vielmehr darüber nachdenken, ob die deutlich gleichmäßigere Verteilung innerhalb der Premier League eine der Ursachen für ihre enormen Vermarktungserfolge sein könnte. Offenbar war das die Erkenntnis, zu der die Analyse des Premier League-Deals in Spanien geführt hat: Gemeinsame Vermarktung und Solidarität mit den anderen Vereinen der eigenen Liga dient mittel- und langfristig den Interessen auch der reichen Klubs mehr als eine immer weiter aufgehende Kluft zwischen „arm“ und „reich“.

Eine Erkenntnis, die sich auch auf andere Felder als den Fussball übertragen ließe … // Slarti

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Berlin, Berlin, ein Wochenende in Berlin – 2016

Papa & Sohn-Tour zum Pokalfinale, ein schönes Ritual. Schon letzte Saison hatten wir den Trip auf uns genommen, da die Möglichkeit an Tickets zu kommen dank des Wolfsburger Finaleinzugs und eines privaten Kontakts günstig war.
Dieses Jahr erforderte es dank der beteiligten Vereine eine etwas weitreichendere Planung, aber am Ende klappte es auch hier, vielen Dank an die Beteiligten.

Und spätestens seit Junior seinen eigenen Account in der Groundhopper-App hat, steht einem exzessiven Fußball-Genuss nichts mehr im Wege. Das Touri-Programm für Berlin hatten wir letztes Jahr schon größtenteils abgehakt, dieses Jahr sollte eigentlich der Zoo folgen, auch wenn dies am Ende krankheitsbedingt ausfallen musste. So sollten es dann aber immerhin fünf Spiele in drei Tagen werden, darunter dann auch vier für uns neue Stadien.

Tennis Borussia Berlin – 1.FC Frankfurt/Oder 5:0 (1:0)

Ein angemessen entspannter Auftakt des Wochenendes im Mommsenstadion. TeBe hatten wir ja letztes Jahr noch bei der Aufstiegsfeier aus der Berlin-Liga beim FC International gesehen, umso erstaunlicher (zumindest für mich) die souveräne Platzierung als Tabellenvierter in der NOFV-Oberliga Nord.
Der Gegner aus Frankfurt/Oder war mit einer guten handvoll Gästefans angereist, wobei die Betonung hier auf Voll liegt und eine gehörige Portion Assitum und Homophobie nicht fehlen durfte. Jedenfalls kein Verlust, dass der Abstieg seit diesem Freitagabend dann auch rechnerisch feststeht.

Auf der Tribüne blieb mit @PatBorm und @Limpi1909 dann auch allerhand Zeit für Unterhaltungen zum Drumherum des Fußballs, u.a. konnten wir dank Reik dann auch für mich mal klären, warum es “TeBe” und nicht “TeBo” heisst. Ich störte mich hierbei insbesondere an der Kombination “TeBe Berlin”, die für mich keinen Sinn ergab.
Die Aufklärung in Kurzform: Bei “TeBe” steht es natürlich für “Tennis Borussia Berlin”, so weit, so klar.
Das von mir dagegen gestellte “TeBe Berlin” gibt es so (geschrieben) gar nicht, sondern dann wird es “TB Berlin” geschrieben… hört sich gleich an, ergibt dann aber aber natürlich auch Sinn. Wieder was gelernt.
Also meinetwegen: TeBe statt TeBo, akzeptiert.

TeBe Berlin, 20.Mai 2016

Zurück zum Spiel / Stadion:
Schöne OldSchool Tribüne im Mommsenstadion, mit einem Stehbereich drunter und einem Treppenhaus in der Mitte der Tribüne, nach hinten gelegen, welches einen dann unter dem Sitzplatzbereich vorne wieder auf die Stehtribüne bringt.
(Ja, ist ohne Skizze schwer zu verstehen, glaub ich.)

Wer was auf sich hält steht aber natürlich gegenüber, wo dann zu Beginn des Spiels auch eine große Regenbogenfahne und diverse Luftballons die Beteiligung am IDAHOT2016 zeigten.

Das Spiel war ziemlich einseitig, Frankfurt hatte bei noch drei ausstehenden Spielen neun Punkte Rückstand auf das rettende Ufer und es wurde früh klar, dass dieser heute wohl eher nicht verkürzt werden würde. Die offiziell 392 Zuschauer vergnügten sich hingegen mit Wechselgesängen und bei Toren mit Hans Rosenthals “Das war SPITZE!”.

Fußball, wie er sein sollte.
Danke, TeBe, wir kommen gerne wieder!

U19-Pokalfinale: Hertha BSC – Hannover 96 2:4 (2:2)

Schon letztes Jahr hatte ich mich geärgert, mich zu spät um Karten gekümmert zu haben, da damals Hertha gegen Cottbus spielte.
Da Hertha sich auch dieses Jahr wieder qualifiziert hatte, stand zu erwarten das es erneut schwierig werden würde, Tickets zu bekommen. Daher vielen Dank an @calcioelavita, der mir bei Hannover 96 zwei Karten für das “Amateurstadion” (Kapazität 4.500) besorgte.

Nach einem Frühstück mit @Nithiel im Schwarzen Cafe (Empfehlung!), ging es dann frühzeitig ans Olympiastadion, wo bereits weit vor dem eigentlichen Stadion eine Kartenkontrolle erfolgte und man dann ziemlich ungehindert über das weitläufige Gelände marschieren konnte.
Aber mal ehrlich: Hertha gegen Hannover… was hatte ich mir denn dabei gedacht?
Die eine Fanszene mit Aggro-Assis, die gegnerische Jugend-Spieler bei Toren mit Gegenständen bewerfen und mehr Schmäh-Gesänge auf den Gegner als Anfeuerung für den eigenen Verein darbietet (Hertha), die andere mit Gesängen über Ficken und das Rein/Raus-Spiel, “für den Verein”… erdet ja auch immer mal ganz gut, wenn man mal außerhalb der FCSP-Filterblase sowas hautnah mitbekommt.
Zum Glück hat Junior die Gesänge wohl akustisch nicht so gut verstanden.

Insgesamt für ein 4:2 mit wechselnden Führungen eine eher enttäuschende Stimmung auf beiden Seiten bei bestem Wetter, immerhin entschädigte das sehr unterhaltsame Spiel dafür und am Ende feierte (verdient) der Gast, der dann auch auf den Rängen leichte Vorteile gehabt hatte.

Während in der überregionalen Berichterstattung (Kicker) noch ein Bezug zum verunglückten 96-Spieler Niklas Feierabend hergestellt wurde, war dies auf den Rängen und auf dem Platz kein Thema, oder zumindest ging dies, wenn es anders war, an mir vorbei.

Nach dem Spiel schickte dann aber Daniel Stendel, der für dieses Spiel nochmal zu “seiner” U19 zurückgekehrt war, Grüße an Niklas, wie die Gala(!) berichtet.

Tasmania Berlin – Berliner SC 4:2 (1:2)

Der nächste Stop auf der Tour war dann im Werner-Seelenbinder-Sportpark, wo Tasmania in der Berlin-Liga seine Heimspiele austrägt.
Da dies (Samstag, 14.00h) das logistisch geeignetste Spiel für Fans war, die abends auch noch ins Olympiastadion wollten, hatten sich hier natürlich auch diverse BVB- und Bayern-Fans eingefunden. Der erste große Unterschied zum Vorjahr, denn da waren die BVB-Fans beim TeBe-Spiel nahezu alleine, was Auswärtige anbelangt, in Ermangelung von Wolfsburgern.

Hier saßen beide Fraktionen friedlich vereint auf den Stufen und genossen besten Amateurfußball, mit Diskussionen über Schiedsrichterentscheidungen ohne TV-Beweis, unfassbar schlechter Chancenverwertung (insb. seitens der Gäste), einem Platzverweis wecken Meckern und am Ende dann auch einem verdienten Heimsieg.
Leckeres Essen und Trinken, günstige Preise und ein Stadionsprecher, der sich schon während des Spiels bei beiden Fangruppen bedankt.

Borussia Dortmund – FC Bayern München 0:0 (3:4 n.E.)

Nach dem Tasmania-Spiel forderte mein tödlicher Männerschnupfen eine kurze Auszeit, so dass wir auf das Drumherum des Stadionvorplatzes mit allerlei “netten” Unterhaltungsspielen der Sponsoren “leider” verzichten mussten.

Hinein also ins Olympiastadion. Und auch, wenn es mir beim Anblick (z.B.) des schottischen Finals immer noch ein bisschen mehr Gänsehaut verpasst, wenn das Stadion wirklich einmal in der Mitte geteilt wird (Hibs – SevCo, Gratulation!), so ist es natürlich immer noch etwas Besonderes, wenn das Stadion zumindest in großen Teilen auf beide Fanlager verteilt wird.
Wir selbst saßen in der Kategorie 3 (von 4), auf der Haupttribüne, Höhe Torlinie, in der Nähe zur Bayern-Kurve. 95,-€, stolzer Preis, aber die Nachfrage rechtfertigt leider alles.
Lustig wäre es ja mal, wenn die KeinZwanni-Initiative bei diesem Spiel zum Boykott aufrufen würde, denn auch die günstigsten Karten lagen wohl bei ca. 50€.
Egal, anderes Thema.

UnbenanntDie Eröffnungsfeier des DFB erfüllt mich dann immer etwas mit Fremdscham, denn allein dieses künstlich künstlerische Einlaufen der Personen, die diese Riesenflagge auf dem Rasen entfalten, auf dem Weg dorthin unter dramatischer Musik eine große Runde um den Platz und/oder die Fahne drehen… nee, brauche ich nicht.
Aber da bin ich vielleicht auch einfach nicht Zielgruppe.
Dazu dann Damen in goldenen, roten und schwarzen Kleidern und die Bundeswehr-Kapelle mit der Nationalhymne.
Gleiches gilt im Übrigen auch für nach dem Spiel, wenn ein Haufen Volunteers am Ausgang mit einem riesigen “Schönen Heimweg!”-Banner steht. Neben uns sagte jemand passenderweise: “Na, Ihr macht Euch ja mal so richtig schön lächerlich.
Puh… naja, selbst Schuld, ich wollt da ja hin.

Das Spiel selbst war dann sicher wieder was für Taktikliebhaber und lebte von der Spannung, wirkliche Torchancen gab es hingegen eher wenig.
Von der Aufregung um Riberys Zutraulichkeit bekamen wir im Stadion nahezu nichts mit, die Rudelbildung war von der Tribüne aus mit Gelb für Beide korrekt bestraft worden. (Ja, nachher waren wir schlauer.)

Doch spätestens mit Beginn der Verlängerung schwenkte Junior von einer leichten “Der BVB soll gewinnen!“-Tendenz (getrieben von einer Gratis-BVB-Fahne, verteilt am Tag zuvor am Berliner HBF sowie von der Neugier, wie denn die Dortmunder Kurve auf einen Mats Hummels bei der Pokalübergabe reagieren würde [Papas Sohn!!!]) zu einem “Jetzt bloß kein Tor mehr, ich will Elfmeterschießen sehen!“.

Früher war weniger Lametta

Früher war weniger Lametta

Es sollte dann ja auch so kommen und die kleine Enttäuschung das die Wahl die andere Kurve als Ort des Geschehens ergab, wurde auch schnell überwunden.
Der Rest ist Geschichte, lediglich über Kimmichs Elfmeter lacht Junior noch heute.
Wie kann der den so schlecht schießen?! Wollte der auch Hummels bei der Pokalübergabe sehen?

Und sonst? Tja, die Stimmungsdiskussion und Pyro.
Zur Halbzeit echauffierte sich die Dame neben mir bereits darüber, dass im Dortmunder Block die Pyro-Aktion mittels übergezogenem Banner vorbereitet wurde.
Da muss man doch jetzt reingehen, worauf warten die denn?
Ich fragte, wie sie sich das denn genau vorstelle und was dann wohl passieren würde.
Hmmm… ja, stimmt auch wieder… die lassen sich das wohl nicht so einfach wegnehmen, was? Sie haben ja recht, aber man muss doch… irgendwie…
Zumindest waren wir uns dann einig, dass einfach sinnlos herausgeballerter schwarzer Rauch scheiße aussieht.
Mein “Aber sonst finde ich Pyro ganz okay und meist sieht es auch geil aus!” quittierte sie mit einem souverän, mitleidigem “Ach, Ihr jungen Leute!“-Blick und ließ es dabei bewenden.
So können Gespräche also auch enden, man muss nicht immer gleich eskalieren, wie in diesem Internet so oft.

Die Stimmung empfand ich als ganz okay. Für mehr hätte es vielleicht auch mal der ein oder anderen Torszene bedurft. So waren beide Kurven zwar immer wieder gut zu hören, aber die ganz große Show war es eben nicht.
In Anbetracht des Gesamt Kräfteverhältnisses im Stadion von ca. 60:40 zugunsten des BVB kann man die Bayern vielleicht als knappen Punktsieger betrachten, insbesondere in den Minuten nach der schwarzen Wolke war die Dortmunder Kurve überraschend ruhig.
Von “Die Bayern haben uns an die Wand gesungen!“, wie es vereinzelt im ersten Frust zu lesen war, kann aber sicher auch keine Rede sein.

Reinickendorfer Füchse Berlin – SD Croatia 0:0

Nächste Folge aus der “Wieder was gelernt”-Reihe:
Der Verein Reinickendorfer Füchse hat sich 2012 in “Füchse Berlin Reinickendorf” umbenannt, als Bob Hanning die Handballabteilung etwas universeller für Sponsoren aufstellen wollte. Seitdem fungieren die Handballer als “Füchse Berlin”.
Das Vereinswappen ist für alle Abteilungen gleich, “Reinickendorf” kommt dort nicht mehr vor.

Reinickendorfer Füchse - SD Croatia

Reinickendorfer Füchse – SD Croatia

Das Spiel am Friedensweg, wo vor einigen (vielen) Jahren auch Union noch zu Pflichtspielen antreten musste, lockte dann ca. 100 Zuschauer. Für den Gastgeber wie auch für SD Croatia ging es um nichts mehr, beide befinden sich im Mittelfeld der Berlin-Liga.
Trotzdem auch hier wieder zu beobachten, wie hitzig solche Spiele werden können.
Wer sich vom Profifußball (verständlicherweise) irgendwann verabschiedet, dürfte mit ein bisschen gutem Willen schnell eine neue Heimat im Amateurfußball finden, wenn er denn nur will… denn Emotionen gibt es auch hier genug.

Tore fielen leider keine, aber bestes Wetter und ein “ganz nah dran”-Gefühl am Platz sorgten für einen schönen Abschluss des Wochenendes.

Nächstes Jahr machen wir das dann wieder, sagte Junior auf dem Rückweg, “oder, Papa? Und vielleicht ist St.Pauli dann ja auch dabei!”

Die Hoffnung stirbt zuletzt. // Frodo

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MT030 – Saisonabschlußfolge 2015/2016

It’s all over now, Baby Blue.
Eine Saison, die wir uns entspannter kaum vorstellen konnten.

Wir entlassen Euch mit 2h44m in die wohl verdiente Sommerpause und “hauen nochmal alles raus”.
Viel Spaß, beglückt uns mit Feedback in den Kommentaren, bewertet uns bei iTunes mit mindestens sechs Sternen und schaut die Aufstiegsspiele der 1.Frauen.

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OUT NOW (bzw. Freitag)! – Übersteiger #124

Übersteiger Nr.124 - 15.Mai 2016

Übersteiger Nr.124 – 15.Mai 2016

Das letzte Heft der Saison hat’s noch einmal in sich: Wir mischen mit im Streit um die Fernsehgelder! Dazu schauen wir in die anderen großen Ligen, fragen, welche Verteilungskriterien „gerecht“ wären, und werfen einen vergleichenden Blick in die englische 2. Liga. Außerdem beschäftigen wir uns ausführlich mit der EM: Hermannus erklärt, wie das Schauspiel finanziert wird und wer davon profitiert. Ihr könnt lesen, was euch sportlich erwartet, und unsere EM-Experten aus dem Vereinsumfeld sagen euch, wer das Ding gewinnt und was da sonst noch passieren wird.

In der Players’ Corner kommt nach endlosen Jahren endlich Schnecke Kalla zu Wort und nach dem Interview mit Andrew Meredith, Spielanalyst des FCSP, wisst ihr auch, warum die Saison so war, wie sie war. Dazu ein Bericht von den Dart-Piraten, ein Interview mit Slime und alles, was man sich sonst noch wünscht: Neues von den Alten, Rezis und die Fanladen-News, diesmal mit Gesamtbewertung der Saison aus Fansicht. Das Ganze wird optisch angereichert durch unsere Lieblingsbilder der vergangenen Saison und die großartigen Illustrationen unserer neuen Kreativabteilung. Lasst Euch überraschen!

Das ganze Paket gibt’s ab Freitag, 13.5., im Fanladen und ab Sonnabend, 14.5., bei allen bekannten Verkaufsstellen – oder natürlich Sonntag am Stadion beim Dealer eures Vertrauens, für schlappe 1,60 Euro.

Ansonsten natürlich: Schöne Sommerpause!Und niemals vergessen: Diffidati con noi! // Eure Übersteiger

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Was macht eigentlich… Dirk Dammann

Gastartikel von Scheißegal St.Pauli.

Moin Dirk. Du hast vor St. Pauli beim VfL Stade gespielt – wer hat dich 1990 zu St. Pauli geholt?

Ich bin damals von Helmut Schulte zu St.Pauli geholt worden. Wir hatten mit Stade seinerzeit einen Mega-Lauf in der HH-Oberliga und eine bis heute, glaube ich, unerreichte Rekordsaison gespielt (Anm.d.Red: nur 5 Unentschieden und keine Niederlage in der Saison). Anschließend sind wir in der Aufstiegsrunde ebenfalls ungeschlagen in die Oberliga-Nord (damals die 3. Liga) aufgestiegen…

Erzähl mal von deinen ersten Jahren bei St. Pauli. Ich hab dich später als unglaublich geilen Libero erlebt, gibt es heute ja nicht mehr, wie hast du dich denn damals so gesehen? Ein Freund von mir nennt dich den Beckenbauer der 90er….

Die ersten Jahre waren für mich eine Findungsphase. Ich war als offensiver und eigentlich bis dato auch torgefährlicher Mittelfeldspieler gekommen. In den ersten Jahren habe ich dann glaube ich alle Positionen im Mittelfeld gespielt – links, rechts, zentral, offensiv, defensiv …

Durch viele Verletzungen der damals gestandenen Mitspieler wie Peter Knäbel, Jürgen Gronau, Michael Dahms usw. konnte ich in meiner ersten Saison zwar viel spielen, habe aber nie richtig MEINE Position gefunden. Und meine im Amateurbereich vorhandene Torgefährlichkeit hatte ich leider auch verloren…

So wurde ich immer weiter nach hinten geschoben und Seppo Eichkorn hat mich dann in meiner zweiten Saison bei St.Pauli das erste Mal auf der Libero-Position eingesetzt. Jan Kocian, damals tschechischer Nationalspieler, konnte verletzungsbedingt nicht spielen und ich musste ihn ersetzen. Ich glaube, ich habe es ganz ordentlich gemacht. Ich durfte anschließend sogar spielen, als Jan dann wieder fit war. Wenn ich mich recht erinnere, hat damals Papa Heinz Weisener beim Trainer sein Veto eingelegt und darauf gedrängt Jan wieder spielen zu lassen…

So habe ich aber damals meine Position gefunden. Eigentlich aus der Not heraus, aber im Nachhinein war es für mich der Beginn meiner besten Zeit bei St.Pauli. Zumindest habe ich mich auf der Position sehr wohl gefühlt…

Gerade dein erstes Jahr bei St. Pauli verlief ja recht enttäuschend. Eigentlich “Stammspieler” in der ersten Bundesliga und dann diese scheiß Relegation gegen die Stuttgarter Kickers, die nach zwei Unentschieden erst im dritten Spiel im neutralen Stadion in Gelsenkirchen entschieden wurde. Was hat dich damals am meisten geärgert?

 Dass wir abgestiegen sind natürlich! Wir haben an dem Tag nie zu unserem Spiel gefunden und es lief einfach nichts zusammen. Für mich war es damals wie ein falscher Film. Es folgten ja am selben Abend noch die Gespräche für die folgende Zweitligasaison.

Wie? Am Abend dieser Niederlage wurden die Spieler erst gefragt, ob sie nächste Saison weiterspielen oder wechseln? Oder wie soll ich mir das vorstellen?

 Ja, bei einigen war es wirklich so. An diesem Abend wurden mit vielen Spielern, da nur Verträge für die erste Liga bestanden, die abschließenden Gespräche geführt. Es gab ja auch Spieler, die damals nicht gewechselt wären, wenn wir die Klasse gehalten hätten.

As time goes by - Dirk Dammann

As time goes by – Dirk Dammann

Auffällig ist natürlich, dass du in deiner Karriere nie vom Platz geflogen bist. Auch 16 gelbe Karten in 316 Profispielen für St. Pauli sind aller Ehren wert. Wie viel Gegenspieler haben dich in all den Jahren auf dem Platz aus Frust beschimpft, weil sie selten gegen dich nen Stich auf dem Platz machen konnten? Oder wie hast du das geschafft?

Beschimpft hat mich nie wirklich ein Gegenspieler. Ich habe halt immer versucht über mein Stellungsspiel im richtigen Moment in einen Zweikampf zu gehen. Das ist mir meistens ganz gut gelungen. Jeder Spieler hat seine eigene Spielweise bzw. Spiel-Philosophie und meine ist es, durch gutes Stellungsspiel und vorausschauendes Erkennen von Spielsituationen die richtigen Entscheidungen zu treffen. Das ist heute noch so, wenn ich mal gegen den Ball trete…

Kommen wir mal zur Abstiegssaison 1996/97. Bis zur Winterpause lief eigentlich alles gut. Danach soll sich die Mannschaft mit Uli Maslo zerstritten haben und es ging bergab. In der Fanszene war Uli “Ich bin stolz ein Deutscher zu sein” Maslo ja sowieso nicht gerade gut angesehen. Was ist in der Saison passiert und schiefgelaufen?

 Unter Uli Maslo hatte ich meine beste Zeit, deshalb kann ich persönlich gar nicht so viel Schlechtes über ihn sagen. Er hatte, wie viele andere Trainer auch, seine Eigenarten mit der einige Spieler nicht klar kamen. Und wenn Erfolge ausbleiben, ist es so, wie überall im Fußball. Dann ist der Trainer schuld. Wahrscheinlich hatten wir ein zu gutes Wintertrainingslager in Qatar. Das war jedenfalls das beste Trainingslager, was ich je mitmachen durfte. Aber für St.Pauli-Verhältnisse wohl zu gut – danach lief jedenfalls nicht mehr viel zusammen. Ich persönlich habe mich die komplette Saison mit einer Kapselverletzung rumgeschlagen und konnte nur eingeschränkt trainieren und wurde zu den Spielen gespritzt, was meiner Leistung nicht förderlich war und dann irgendwann auch nicht mehr weiterging. So wurde ich dann kurz nach der Entlassung von Maslo operiert, was in der Öffentlichkeit leider dargestellt wurde, als würde ich die Mannschaft im Stich lassen und mich lieber um meine damals hochschwangere Frau kümmern. Das war nach Monaten der Quälerei mit Schmerzen im Spiel und Training natürlich schon bitter…

Was machst du heute so? Ich hab gesehen, dass du die U19 des JFV Stade trainierst. Hast du irgendwann nochmal höhere Ambitionen oder reicht dir das? Bist du froh raus aus der Öffentlichkeit zu sein?

 Ja, im Fußball trainiere ich noch bis Sommer die U19 des JFV Stade. Da wir in der Niedersachsenliga spielen, ist das ein enormer Aufwand mit 3 Trainingseinheiten pro Woche. Aber höhere Ambitionen habe ich überhaupt nicht. Die Mannschaft habe ich überhaupt nur übernommen, weil mein jüngerer Sohn Luca in der Mannschaft spielt und vor Jahren ein Trainer kurzfristig ausgefallen ist. Ich wollte eigentlich nie einen meiner Söhne trainieren, weil ich die Konstellation immer unglücklich finde, aber so wurde ich dann doch schwach. Im Sommer werde ich aber nicht mehr als Trainer tätig sein. In Stade entsteht durch die Verschmelzung der beiden Traditionsvereine VfL  Stade und TuS Güldenstern Stade ein neuer Fußballverein und hier engagiere ich mich bereits parallel im Herrenbereich. Wir wollen und müssen den Nachwuchsspielern aus der guten Jugendarbeit in Stade wieder bessere Perspektiven bieten und bündeln daher die Kräfte für eine hoffentlich bald wieder erfolgreichere Fußballzeit in Stade.

Was die Öffentlichkeit angeht, habe ich mir da nie große Gedanken gemacht. Ich habe mich damals ja auch nicht für den Profifußball entschieden, um in der Öffentlichkeit zu stehen, sondern weil mir der Fußball so viel Spaß gemacht hat und die Möglichkeit, sich mit den Besten zu messen, so faszinierend war. Das ganz große Fußballgeschäft muss man heutzutage mögen oder eben nicht. Ich finde den Profifußball einfach zu kurzlebig. Persönlich mag ich es lieber ruhiger und plane gerne langfristig. Das ist im Profifußball leider nicht möglich. Und raus aus der Öffentlichkeit bin ich durch meine Vergangenheit sowieso nie ganz, auch wenn es in einem kleineren Rahmen ist…

Was heißt das in Stade? Welche Aufgaben wirst du dann übernehmen?

Wenn man dem Kind einen Namen geben will, so kann man das wahrscheinlich am ehesten „Teammanager“ nennen. Ich stelle aktuell mit dem Trainerteam den Kader für die erste Mannschaft zusammen und werde in Zukunft Bindeglied zwischen erster und zweiter Mannschaft sowie der U19 sein. Und dann kommen da natürlich noch einige organisatorische Aufgaben hinzu. Also langweilig wird es mir nicht…

Wie oft besuchst du heute noch Spiele beim FCSP?

Durch meine aktive Zeit als Trainer bleibt mir nicht viel Zeit, daher sind es meist ein bis zwei Spiele in der Saison. Es wirkt jetzt natürlich alles weitaus professioneller. Nicht nur das Stadion, auch das Trainingszentrum und die damit verbundenen Möglichkeiten sind nicht zu vergleichen mit der damaligen Zeit. Wir hatten unseren Trainingsplatz am Steinwiesenweg in Niendorf und außer dem Trainingsplatz und einer Umkleidekabine war da nichts. Wenn man das heute betrachtet, sind die Rahmenbedingungen doch schon ganz andere. Aber dem trauere ich nicht nach, denn auch die damaligen Bedingungen hatten Ihren Charme und waren in vielerlei Hinsicht persönlicher…

Das klingt bisher alles recht harmonisch bei dir in deiner Beziehung zum FCSP. Gab es denn keine Momente, wo du mal gedacht hast: “Was macht der Verein denn jetzt für ne Scheiße? Was soll der Blödsinn”?

Insgesamt hatte ich eine schöne Zeit und ich habe mich auf die sportlichen Dinge konzentriert. Das klingt jetzt zwar etwas nüchtern, war aber so.

Enttäuscht war ich eigentlich nur über mein Ende beim FCSP. Dem Verein kann ich da aber nur begrenzt einen Vorwurf machen. Der damalige Trainer Willi Reimann hat nicht mit mir geplant – so hat man mir das vom Management mitgeteilt, der Trainer hat nämlich nie mit mir persönlich gesprochen – und im sportlichen Bereich hat der Trainer halt das sagen. Reimann hat damals seinen Wunschspieler Steffen Karl mitgebracht und wie das nun mal in dem Geschäft ist, werden diese Wunschspieler dann auch bevorzugt. Auch wenn mir damals von allen Seiten des Vereins (auch dem Management) gesagt wurde, dass man das nicht nachvollziehen könne. Als man mir nach der Saison doch noch ein Angebot unterbreitet hat, wollte ich nicht mehr, da ich nicht unter einem Trainer arbeiten möchte, der mich nicht will. Nach so langer Zeit bei einem Verein, der mir sehr an Herz gewachsen ist, war das kein schönes Ende.

Ein großes Dankeschön muss ich aber den Fans sagen, denn ohne diese wäre ich wahrscheinlich am letzten Spieltag nicht mal mehr zum Einsatz gekommen. Willi Reimann, an dem Tag krank und nicht anwesend, ließ die Spieler, mit denen er nicht mehr plante, nicht spielen. Und das bei einem Spiel, in dem es um nichts mehr ging… Doch die Fans haben mich in der zweiten Halbzeit so lautstark gefordert, dass der damalige Co-Trainer Didi Demuth nicht mehr anders konnte, als mich einzuwechseln.

Ich hörte schon, dass es mit Willi Reimann wohl so einige Probleme gab. Möchtest du das noch erläutern?

Über besagten Trainer möchte ich nicht mehr sprechen… würde nichts Gutes bei rum kommen.

Schade, aber kommen wir zur finalen und wichtigsten Frage: laut Transfermarkt.de hast du in deiner Karriere alle 1910 Minuten ein Tor erzielt. Das war doch von langer Hand geplant, oder?

 Du bist der Erste, dem aufgefallen ist, wie ich meine Tore geplant habe. Respekt….

Danke, Dirk, Dir für die Zukunft alles Gute! // Scheißegal St.Pauli

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Verein am Wochenende (17/2016)

FC St.Pauli – TSV 1860 München 0:2 (0:1)
Tore: 0:1 Daylon Claasen (8.), 0:2 Levent Aycicek (88.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Gäste)

Es dürfte bekannt sein: Ich mag die Löwen nicht.
Und dies ist eine ziemliche Untertreibung, denn tatsächlich sind auf der nach unten offenen Sympathieskala nur noch zwei Vereine vorhanden, denen ich einen Abstieg noch mehr gönnen würde, nämlich unser Nachbar und “die Region”.
Und wie schon im Mai 2008 hatten wir an einem 32.Spieltag mal wieder die Gelegenheit, einen dieser drei Klubs mit gewaltigem Schwung in Liga 3 zu schubsen… und vergaben diese mehr als kläglich.

Es brodelte in mir, schon die gesamte zweite Halbzeit pöbelte ich wie nur selten. Und wenn ich dann sehe, wie Sebastian Maier bei seiner Auswechslung (elf Minuten vor Schluß, ein Tor Rückstand) in aller Seelenruhe zur Seitenlinie schlendert, als würden wir führen und ablaufende Zeit unser bester Freund sein, dann… dann… argh!

Dieser Tweet wurde übrigens aus dem Umlauf der Gegengeraden geschrieben. Mit dem 0:2 platzte mir dann tatsächlich der Hals und ich musste weg. Zum zweiten Mal in meinem Leben verließ ich also meinen Platz auf den Rängen vorzeitig und in voller Absicht, bis zum Abpfiff nicht zurückzukehren.
Nicht, wie es oft in anderen Stadien schon frühzeitig passiert, um auf dem “Hamburger Weg” eine günstige Abfahrtmöglichkeit zu erwischen, natürlich blieb ich bis zum Abpfiff im Stadion, aber eben nicht mit Sicht auf das Feld, dazu war ich zu sauer. Immerhin lief dann draußen (gefühlt) der halbe Block 1 an mir vorbei.
Und drinnen wäre ich wohl auch ausfallend gegenüber dem eigenen Team geworden, dies wollte ich mir dann doch ersparen.
(Funfact: Das bisher einzige Mal (zumindest in meiner Erinnerung) vor Abpfiff ein Stadion verlassen, hatte ich im September 1998, als der ruhmreiche FCSP zur Halbzeit in Hannover durch einen Hattrick(!) von Dieter Hecking(!!) 3:0 zurücklag. Da machte ich mich in jener Halbzeit zurück per Wochenendticket nach Bremen.
Ich meine… ernsthaft: Dieter Hecking!?)

Und im Zweifel ist mir dieser stille Protest dann lieber, als ein Bepöbeln der eigenen Spieler. Ähnlichkeiten zu Vorkommnissen am Wochenende auf gelben Wänden sind natürlich rein zufällig.
Was natürlich umgekehrt nichts daran ändert, dass man das Stadion nicht vor Abpfiff verlassen sollte, schon gar nicht aus Langeweile oder Bequemlichkeit. Hier war dies lediglich eine Selbstschutzmaßnahme und aus dem Stadion ging ich dann natürlich auch erst nach Abpfiff.

All dieses Gesabbel vor dem Spiel, von wegen man sei den anderen Teams im Abstiegskampf die gleiche Einstellung schuldig wie sie beispielsweise Heidenheim letzte Saison gezeigt und uns damit gerettet hat – und dann erspielt man sich in einem Spiel gegen ein Team welches bisher sage und schreiben einen(!) Auswärtssieg errungen hat mal grade so ne halbe bis eine Torchance in 88 Minuten?

Nee, ich mecker echt selten gegen den eigenen Verein, auch in der letzten Saison wird man hier im Blog kaum bis keinen Text finden der in die Richtung geht… aber dieses Spiel am Freitag hat mich persönlich getroffen und verletzt.
Und Sebastian Maier wünsche ich alles Gute bei Hannover 96 oder zu welchem Weltverein auch immer er hingeht, man kann nur hoffen das er dies schneller tut als bei jener Auswechslung am Freitag.

Genug gemotzt, jetzt in den zwei Spielen sich noch irgendwie vernünftig verabschieden, insbesondere bitte mit einem Heimsieg am 34.Spieltag, Danke.

Links:
Bilder Stefan Groenveld: “All colours are beautiful”
Bericht und Bilder Beebleblox: “Die Luft ist raus”

U23:
Die Elf von Coach Ehlert machte sich zu einem ziemlich ungewöhnlichen Anstoßtermin (Samstag, 18.00h) auf nach Meppen, wo es eine saftige 0:5-Klatsche gab.
Umso wichtiger die beiden Siege in den Derbies zuvor gegen den Nachbarn und in Norderstedt, trotzdem ist das jetzt alles noch furchtbar eng da unten.
Die Plätze 9 (38 Pkt) bis 16 (34) spielen noch einen Absteiger aus, durch ein paar Nachholspiele ist das Tabellenbild auch noch leicht unrund.
Hinzu kam gestern dann auch noch die Absage des Spiel von Hannovers U23 in Hildesheim, nachdem in der Nacht zuvor ein Spieler der Hannoveraner bei einem Verkehrsunfall ums Leben kam.
Dies ordnet Empörungen wie meine oben geschilderte dann auch wieder etwas ein, es gibt natürlich immer noch wichtigere Dinge im Leben als die Tabelle.

Für unsere U23 gilt es natürlich trotzdem, in den letzten drei Spielen gegen Braunschweig (H, So., 8.5., 14.00h, Hoheluft), Hannover 96 (A) und TSV Havelse (H) den Vorsprung zumindest auf Goslar zu verteidigen, um auch nächste Saison in der Regionalliga spielen zu können.
Vor kurzem aufgetretene Gerüchte seitens des Abendblatts, der Etat der U23 würde gekürzt oder die Mannschaft gar abgemeldet werden, verwies der Verein in Person von Präsidium und sportlicher Leitung im persönlichen Gespräch übrigens ins Reich der Märchen, beides ist nicht der Fall.

U19:
Nach einem überragenden Saisonstart hatte die U19 zwischendurch etwas geschwächelt und eine mögliche bessere Platzierung daher verspielt.
Unterm Strich ist aber der Klassenerhalt eh jede Saison das Hauptziel und dieses wurde absolut souverän erreicht und wenn am Ende irgendwas um Platz 8 in der Nordstaffel dabei herausspringt, ist dies absolut im Soll.
Außerdem wurde in der vergangenen Woche im Derby das Pokalviertelfinale beim Nachbarn gewonnen, so dass der Weg in den DFB-Pokal vermeintlich frei ist. Tatsächlich geht es erst mal am 10.Mai zum Sieger der Partie Sperber – Buchholz, im anderen Halbfinale treffen der Harburger TB und Nienstedten aufeinander.

Am letzten Spieltag geht es zum Tabellendritten, der Hertha, am Tabellenplatz 8 wird dies aber Ergebnisunabhängig nichts mehr ändern.

Daher, abschließend: Gute Besserung, Joachim Philipkowski, komm schnell wieder auf die Beine!

1.Frauen:

Ein unterm Strich verdientes 2:1 beim Tabellenzweiten aus Wellingsbüttel sicherte gestern unter dem Jubel der zahlreich Mitgereisten Fans den Titel in Hamburgs höchster Liga.
Und bei einem etwas souveräner leitenden Schiedsrichtergespann wäre es vielleicht auch noch deutlicher geworden, denn das 3:0 pfiff man erst nach zahlreichen Diskussionen zurück, weil beim Zeitpunkt der Torerzielung ein Ball irgendwo auf dem Spielfeld war – ohne jemanden irritiert zu haben, ohne das die Schiedsrichterin das Spiel vorher unterbrochen hatte.
Klarer Fehler oder sogar Regelverstoß in meinen Augen, aber ich bin ja auch kein Verbandsliga-Schiri.

War am Ende aber ja auch egal, der Rest war Freude und viele sehenswerte Fotos dazu gibt es bei Stefan Groenveld und beim Torknipser.

Am kommenden Donnerstag geht es nun um 15.00h an der Hagenbeckstraße gegen den Regionalligisten (und Favoriten) Bergedorf 85 ins Pokalfinale, der Sieger darf am DFB-Pokal teilnehmen. Alle hin da!

Ende Mai / Anfang Juni geht es dann in einer Dreierrunde noch gegen die Vertreter aus Bremen und Schleswig-Holstein um den Aufstieg in die Regionalliga, die Saison ist also noch lange nicht vorbei.

Handball:
Die 1.Herren verlor zwar das letzte Saisonspiel mit 30:33 gegen die SG Hamburg-Nord, hat mit Platz 4 aber trotzdem die beste Platzierung der (mindestens jüngeren) Vereinsgeschichte geholt.
Danke, Jungs, auf ein Neues in der nächsten Saison. Und dann bitte auch mal den Pokal holen…

Die 1.Frauen machte es in der Oberliga “etwas” spannender, um nicht zu sagen dramatisch: Denn am letzten Spieltag brauchte es gegen den Sechsten, SC Alstertal-Langenhorn schon einen Heimsieg.
Dieser gelang dann mit 32:25 auch überraschend deutlich, so dass alle Rechenspiele um das Parallelspiel zwischen der SG Altona und der HG Owschlag/Kropp/Tetenhusen II (ich liebe Handball-Spielgemeinschafts-Namen) kreisten.
Hätte Altona gewonnen, wären alle drei Teams punktgleich gewesen und im Handball entscheidet dann der direkte Vergleich. Bei diesem hätten bei einem Sieg von Altona ebenfalls für alle Teams 4:4 Punkte gestanden.
Und wenn Altona dann mit elf Toren gewonnen hätte… haben sie aber nicht, sondern es ging 19:19 aus, so dass es auch für die Handball-Frauen in der Oberliga HH/SH nächste Saison weiterhin heisst:

“Schleswig-Holstein, Schleswig-Holstein,
Wir fahren jedes Jahr – nach Schleswig Holstein!

Und dann war da noch:
– Die Vertragsverlängerung mit Ewald Lienen bis 2018
– ProFans, die ich eigentlich super finde, die mich aber mit einer Pressemitteilung etwas verärgert haben:

Das bundesweite Bündnis ProFans ruft die aktiven Fußballfans des Landes dazu auf, gegen die nun beschlossene Einführung von Montagsspielen zu protestieren.

Ist sicher nicht so gemeint, klingt aber eben danach, als seien die plötzlich vom Himmel gefallen. Ähnlich wie es die aktuellen Proteste in Bremen, Stuttgart oder Dortmund erscheinen lassen.
Dabei wird nur leider vernachlässigt, dass nahezu sämtlichen Erstligakurven in den letzten 23 Jahren(!!!) die Montagsspiele in Liga 2 ziemlich scheißegal waren.

In diesem Sinne: Schönes Spiel, heute Abend.

"Montags gehört Vati mir!" - Übersteiger Cover Nr.29, Oktober 1997

“Montags gehört Vati mir!” – Übersteiger Cover Nr.29, Oktober 1997

// Frodo

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