Abschied vom Boleyn Ground – Frühjahrstour in London

Die Haupttribüne des Boleyn Ground

West Ham United – Tottenham Hotspur 1:0, 02.März 2016

In diesem Jahr gilt es mal wieder Abschied von einem traditionsreichen Stadion zu nehmen. Diesmal ist der alt ehrwürdige Boleyn Ground, so der eigentliche, richtige Name des Stadions von West Ham United dran. Manche nennen ihn aber auch Upton Park. Einfach abgerissen wird das inmitten eines Wohnviertels im Londoner East End liegende 1904 erbaute Stadion. Ein Jammer! Entstehen werden dort bis zum Jahre 2018 ein neues Wohngebiet mit rund 800 Wohnungen, Geschäften und Freizeiteinrichtungen. Angeblich sollen von den 800 Wohnungen sogar fünfundzwanzig Prozent „bezahlbar“ werden. Auch gibt es Initiativen im Stadtteil, die für eine Bereitstellung von sozialen Einrichtungen und Projekten kämpfen.

West Ham United, seit rund sechs Jahren im Mehrheitsbesitz der beiden schwerreichen Eigentümer David Sullivan und David Gold (der Waliser Sullivan kam vor allen Dingen in der Pornobranche zu seinem Reichtum und ist seit jeher West Ham Fan), möchte expandieren. Anders kann man das nicht nennen. Sie bewarben sich erfolgreich um die Nachnutzung des neu erbauten Olympiastadions in im Stadtteil Stratford gelegenen Queen Elisabeth Olympiapark, welches zur neuen Saison 2016/17 nach umfangreichen Umbaumaßnahmen als Heimstätte der Hammers eröffnet wird. Rund 60.000 Zuschauer wird die neue Heimstätte dann fassen und damit jede Menge neue und mehr Besucher als bisher im lediglich knapp 36.000 Personen fassenden Boleyn Ground anziehen. Ob und wie West Ham United als ein Stadtteilverein das ganze verkraftet und welche Auswirkungen die Größe der Schüssel auf die schon oft eher maue Stimmung im alten Ground hat, kann man sich ja ausmalen. Ich bin auf jeden Fall gespannt. Was garantiert fehlt, ist die traditionelle Umgebung des, sagen wir mal, nicht ganz so hübschen aber charakteristischen Londoner East End. Jeder an England interessierte Fußballfan kennt den Namen Green Street mit seinen Pubs und Flächen aus zahlreichen Publikationen, die über diesen Traditionsverein veröffentlicht wurden. Alles ist dort wie früher: Halb verfallene Reihenhäuser direkt gegenüber dem Stadion. Der samstägliche, pakistanisch / indische Markt auf der Freifläche des hässlichen sechziger Jahre Gebäudeensembles. Das Queens, der an für Raufereien strategisch günstiger Stelle gelegene Pub. Immer wieder erwähnt in allen einschlägigen Hooligan Büchern und wo man bis vor kurzem auch mal ein Bierchen mit Hooligan Legende Cass Pennant trinken konnte. Hinter dem Stadion auf der linken Seite der große Boleyn Pub, in dem auch mal bei guter Laune mit Bier gesudelt wird. Wenn Millwall kam, wurden die Fenster mit Brettern gesichert. Am Ende der Straße auf der Insel des Kreisverkehrs die Statue, die Bobby Moore in Jubelpose mit den Mannschaftskollegen Hurst, Peters und Wilson zeigt. Eines DER Fotomotive für Groundhopper am Boleyn Ground aus aller Welt. Die Green Street selbst, die durch die zahlreichen Besucher vor und nach dem Spiel heillos verstopft ist und auf dem schmalen Gehweg von den vielen typischen Fanartikelständen gesäumt wird.

Im Gegensatz dazu führt demnächst der Weg von der Stratford Bahnstation durch eine leblose Betonwüste zum Stadion. Das Boleyn versucht zu retten, was zu retten ist und bietet seinen Stammgästen für rund 170 Pfund eine Jahreskarte für einen Busshuttle zwischen dem Pub und dem ca. 4 Kilometer entfernt gelegenen Stadion.

Ich esse ein letztes Mal direkt an der erst besten „working class“ Fischbude traditionelle Fish and Chips und warte im Dunkeln auf die Ankunft der Tottenham Fans, die an dieser Kreuzung zum Gästeblock geleitet werden. Bei Derbys auch aufgrund der Enge dort immer ein mehr oder weniger großes Spektakel, denn die beiden Fangruppen mögen sich natürlich nicht. Heute bleibt das Spektakel eher unspektakulär, es sorgen vielleicht Einhundert Personen für etwas Unruhe und Schiebereien. Da ich keine Gästekarte bekommen konnte, mache ich mich mit den Hammers auf den Weg zum Bobby Moore Stand und lasse in Mitten der Heimfans all die Schmähungen und Songs gegen die Spurs kommentarlos über mich ergehen. Was mir bei den Hammers aber nicht allzu schwer fällt, war es doch bisher ein ziemlich cooler Verein. Die Stimmung war für den „Verein der drei Lieder“, wie ihn Cass Pennant in seinem Buch mal benannte, ziemlich gut. Das intensive Spiel und die frühe Führung gab das her. West Ham hat mit enormer Willenskraft und intensiven Tacklings dem normalerweise spielerisch überlegenden Team aus Tottenham komplett den Schneid abgekauft. Somit ließ Tottenham drei wichtige Punkte liegen, denn sie hätten an diesem Spieltag mit dem Tabellenführer Leicester gleichziehen können. So blieb mir nichts anderes übrig, als die aufsteigenden Seifenblasen zum Club- Evergreen „I`m forever blowing bubbles“ zu genießen.

(Hier eine Version aus Wembley, Anm. d. Layouters)

Als ich als einer der Letzten die Tribüne verlasse spricht ein einzelner Hammers Fan verklärt mit schweifendem Blick in das Rund: „What a great evening!“ Dem war bis auf das Ergebnis (aus meiner Sicht) nichts hinzuzufügen. Zwei Pints Lager mit zwei Hammers aus Oberschwaben im Boleyn nebenan rundeten den emotionalen Abend ab. Insgesamt ein recht würdiger Rahmen für einen persönlichen Abschied.

Tottenham Hotspur- Arsenal FC 2:2, 05.03.2016

Weil es der Spielplan diesmal sehr gut mit mir meinte, konnten ich auch noch das Nord London Derby drei Tage später „mitnehmen“. Die Ausgangsposition im Rennen um die Verfolgung des Spitzenreiters Leicester hätte für das Spiel des Jahres der Lillywhites nicht besser sein können: Zweiter und Dritter Tabellenplatz, die Gunners drei Punkte hinter den Spurs. Dementsprechend groß war die Euphorie vor dem Spiel. Schließlich könnte Tottenham – als in den letzten Jahrzehnten gemessen an ihren Ansprüchen eher erfolgloser Club – nach 55 Jahren erstmals wieder die englische Meisterschaft gewinnen. Als Nebeneffekt  hätte dann endlich mal die immer wieder von den Arsenal Fans in der Kurve vorgetragene Frage „Have you ever won the Premier League?“ sein Ende gefunden.

Wie immer warteten vor der White Hart Lane (von der man sich übrigens nächstes Jahr um diese Zeit ebenfalls verabschieden muss) eine Menge Fans der Heimmannschaft, um die auf der High Road ankommenden Rot-Weißen standesgemäß mindestens zu bepöbeln oder handfeste Meinungen auszusprechen. Die berittene Polizei hatte tatsächlich etwas mehr zu tun und sperrte nach dem Spiel sogar die Straße in Richtung Gästeblock. Wer sich dort ein wenig auskennt, weiß aber, dass die High Road bis zur U-Bahn Station ganz schön lang ist.

Das schnelle Kurzpassspiel beider Mannschaften verläuft rasant mit klaren Vorteilen der Spurs, aber Arsenal macht das erste Tor. Erst nach der Halbzeit gelingt es dem Team um den argentinischen Trainer Pochettino das Spiel zu drehen und innerhalb von zwei Minuten zwei Treffer durch Alderweireld und Harry Kane zu erzielen. Die White Hart Lane platzte förmlich. Leider gelang es den Gunners trotz Unterzahl durch einen sehenswerten Konter noch den Ausgleich zu erzielen. Die Spurs wurden wieder auf den Boden der Tatsachen geholt: 2:2 Unentschieden, der Abstand auf die Überraschung des Jahres aus Leicester wuchs auf fünf Punkte an.

Heidenheim – FC St. Pauli 2:0 06.03.2016

Nicht das hier jetzt einer glaubt, wir seien von London direkt zum Auswärtsspiel unseres magischen FC`s geflogen. In London gibt es dafür eine gute Alternative: Den Pub „Zeitgeist“ in der Black Prince Road, in der Nähe des Bahnhofs Vauxhall südlich der Themse. Das Zeitgeist ist der Treffpunkt der Londoner St. Pauli Fans. Ein großer Laden, zwar mit deutschem Bier und Essen, aber mit Sky Deutschland im Angebot. Eine Ecke gehört bei Spielen unserer Braun-Weißen den St. Paulianern, andere können sich, wie der einsame Bielefelder an jenem Tag, in der anderen Hälfte des Pubs die Zweite Liga Konferenz oder wahlweise guten englischen Fußball anschauen. Wir wurden gut aufgenommen  (Danke dafür!) und können den Laden als Treffpunkt zum „St.Pauli gucken in London“ nur empfehlen. Ich hätte zwar in Heidenheim in diesem Jahr endlich die Zweite Liga „vollmachen“ können, aber London war diesmal die eindeutig bessere Alternative. Wer mit den Londonern mal Kontakt aufnehmen möchte kann das am besten über Twitter. Übrigens bringen alle Besucher, soweit sie Anhänger von St. Pauli sind, zu jedem Spiel eine kleine Essensspende mit, die dann von der Küche des Pubs für Homeless people gekocht werden. Eine gute Idee!

 Bahnradweltmeisterschaft 2016 vom 02.03. bis 06.03.2016

Die war auch noch und der eigentliche Ursprung dieser Reise. Einmal jenseits vom 6-Tage-Rennen hochklassigen Bahnradsport und Sir Bradley Wiggins (mehrfacher Olympiasieger, Weltmeister und Gewinner der Tour de France 2012) live auf der Bahn sehen, war das Ziel. Es waren insgesamt spannende und kurzweilige Sessions während dieser ich sogar zu einem Patrioten wurde und den deutschen Fahrer und Fahrerinnen in Mitten der britischen Fangemeinde ungeniert zujubelte: Kristina Vogel (1 x Gold im Keirin, 1x Bronze im Teamsprint), Roger Kluge (holte als erster Deutscher überhaupt eine Medaille im Omnium, nämlich Silber) und Domenic Weinstein (Silber in der Einzelverfolgung) seien hier stellvertretend genannt. Eines der Highlights waren die Vierer-Mannschaftsverfolgung der Männer, als die Platzhirsche aus Großbritannien (mit Bradley Wiggins) und Australien im Finale gegeneinander antraten sowie das abschließende Punkte Fahren des Omnium Wettbewerbs, bei denen namhafte Fahrer wie Viviani, Gaviria, Cavendish & Co gegeneinander antraten. Die Goldmedaille des Bahn- Vierers war hart umkämpft. Mal führten die Australier, mal die Briten ein paar Zehntelsekunden. Gold holten schlussendlich ganz knapp die Jungs aus Down Under, weil der Dritte Fahrer der Briten (von ihm wird die Zeit genommen) dem Tempo von Wiggins in der Schlussrunde nicht ganz folgen konnte. Auch sonst gab es besonders bei den Sprintwettbewerben bei Geschwindigkeiten bis zu 70 Stundenkilometern Bahn typische Fotofinish Entscheidungen, wenn Millimeter auf der Ziellinie den Unterschied machen.

Die Stimmung beim überwiegenden Fachpublikum aus Großbritannien war großartig, die Wettbewerbe hochklassig.

Der zu Olympia erbaute Velopark fasst 6.400 Zuschauer, kann für viele Veranstaltungen und Trainingseinheiten auch von Hobbyfahrer und –fahrerinnen genutzt bzw. gebucht werden und besitzt natürlich eine erstklassige Holzbahn. Da würde man ja gerne mal mit einem glänzenden und sündhaft teuren Look Bahnrad seine Runden drehen.

// Christoph

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Was macht eigentlich… Marcel Eger

Auf der Seite Hamburg ist Braun-Weiß begann diese Serie von Gastautor “Scheissegal St.Pauli”, die wir jetzt hier mit Teil 1 nochmal neu beginnen lassen und dann auch fortführen werden. Vielen Dank an hhibw.

Moin Marcel, wie bist du überhaupt zum FCSP gekommen?

Nach meinem ersten “Profijahr” beim SC Feucht der Regionalliga Süd gab es mehrere Optionen. Lübeck, Union Berlin, HSV Amateure… Und über den Kontakt meines Beraters Henry Hennig zu Stani eben auch zum FC St. Pauli. Dann fiel mir die Entscheidung recht leicht, da ich als Jugendspieler beim 1. FC Nürnberg damals den Aufstieg unseres Vereins in 2001 miterlebt habe und mir schon immer das Umfeld auf St. Pauli spannend erschien.

Warum wurde dein Vertrag 2011 nicht verlängert?

Weil die sportliche Leitung des Vereins damals wohl meine sportliche Leistung für nicht mehr gut genug beurteilte.
(Anm.d.Red: Ein Interview mit Marcel von damals findet Ihr hier.)

Das klingt so, als wenn das vom Verein aus nicht so toll kommuniziert wurde? Ich erinnere mich an das Abschiedsspiel mit Lele….

Zu der Zeit war sehr vieles im Umbruch. Stani weg, Schubert wird kommen… Da kam evtl. das ein oder andere durcheinander. Herr Schulte hat Lele und mir dann in der Woche vor dem letzten Spiel in Mainz mitgeteilt, dass die Verträge nicht verlängert werden. Deswegen gab es dann eben keinen Blumenstrauß beim letzten Heimspiel, sondern das Abschiedsspiel in Altona. Insofern lief das alles sehr gut.

Warum hat das in Brentford nicht funktioniert und warum hast du danach mit dem Profifußball aufgehört?

Im Nachhinein war die Zeit in London, bei Brentford FC und mit allen Zusammenhängen, die sich daraus ergeben haben, sehr wertvoll. Dass mein Trainer und Manager, Uwe Rösler, andere Vorstellungen hatte und ich deswegen nicht zu seinem Stamm gehörte, konnte ich nicht ändern. Meine Statistik in der Saison ist nicht schlecht. Viele Spiele “zu null”, kein Training verpasst und so weiter. Als mir dann mal gesagt wurde, dass Fußball wichtiger sei als Familie, habe ich gemerkt, dass es Zeit wäre, mein Leben freier zu gestalten. Es war wirklich fast das Gegenteil von der Zeit beim FCSP. Es ging dort in England nur um Fußball. Neben dem Platz sollten wir Spieler uns gar nicht mir anderen Dingen beschäftigen. Und das war mir eben immer sehr wichtig. Die Entscheidung, aufzuhören, hat sich dann immer mehr ergeben. Ich wollte nie meinen Körper “herunterwirtschaften”, nicht immer noch eine Liga tiefer für das Geld und etwas Ruhm bis ins hohe Fußballeralter…

Was ist deine schönste Erinnerung beim FC St. Pauli?

Als Fan: Das letzte Mal im Stadion auf meinem Platz in Block 1.
Als Spieler: Aufstiegsspiel und -feier gegen Dynamo Dresden 2007.
Und natürlich das Abschiedsspiel in Altona.

Eger_astimegoesby

Wann war denn dein letztes Spiel im Stadion?

 Jetzt am letzten Spieltag vor der Winterpause. Nicht wegen des Ergebnisses natürlich, sondern einfach so, weil es immer schön ist am Millerntor. Ich treffe viele gute Menschen dort!

 Inwieweit hat St. Pauli dein politisches Bewußtsein verändert?

Mein soziales und politisches Verständnis hat sich durch den Umgang mit Leuten in dem und um den Verein natürlich weiterentwickelt – verändern musste es sich nicht. Meine Jugend habe ich viel auf dem Skateplatz verbracht, mein Gymnasium war eher so alternativ und meine Familie und Freunde sind glücklicherweise weltoffen. Ich durfte tolle Menschen aus dem Viertel kennenlernen, die mich inspirieren und klare Meinungen vertreten, zu denen meine Einstellung passt und/oder es sich gut diskutieren lässt.

Du bist ja bei Viva con Agua ziemlich involviert. Wie kam es dazu und was ziehst du aus deinen vielen Reisen für dich persönlich raus?

Es fing alles an, als ich im Juni 2004 beim Kaffee vor dem Training laut aus der Mopo von einem Konzert im Wagenbau vorlas und ein neuer Mannschaftskollege darauf reagiert hat: Benny Adrion. Seitdem verbindet uns eine großartige Freundschaft, hat sich und er so viel entwickelt… Die Idee, etwas Soziales zu machen und die Synergien des Vereins aufzunehmen, verfestigte sich bei Benny dann immer mehr. Was jetzt daraus geworden ist, kann ich nur als fantastisch beschreiben. Ein solch großes Netzwerk an Ehrenamtlichen, entstanden aus einer Idee mit der Unterstützung des FCSP, konnte man damals noch nicht ahnen. Als Person bin ich Stifter und “Projektbezogener Edelassistent”. Zweites bedeutet, dass mir immer wieder Projekte vorgestellt werden, bei denen ich mitwirken kann – zum Beispiel die “Millerntor Gallery” – und ich kann entscheiden, ob ich mitmache. Natürlich sind die Reisen in die Projektgebiete am bedeutendsten. Zu sehen, wie beispielsweise mehrere gespendete Pfandbecher zu einer Toilette werden im Feld, ist wunderbar. Irgendwie bin ich seit Beginn an dabei, fühle mich ständig verbunden und bleibe es – durch die materielle Stiftungseinlage – sogar noch über meinen eigenen Tod hinaus. Nur das Schöne ist, dass es auch bei VcA keinen Personenkult gibt.

Was machst du jetzt so?

Durch ein “Bedingungsloses Grundeinkommen” – die Folge meines Arbeitsunfalles (Kreuzbandriss 2005) – habe ich das große Glück, erst mal eine schöne Freiheit zu haben, die ich allen Menschen in diesem System gönnen würde. Ich kann arbeiten, wenn ich mehr Mittel brauche. Im Moment kümmere ich mich um meine Familie und das Haus auf Teneriffa. Die Möglichkeit, viel unterwegs zu sein, weiß ich sehr zu schätzen. Ich lebe irgendwie von Tag zu Tag, mit ein paar Aufgaben und viel Zeit zu lesen und zu schreiben.

Wie fühlt es sich 2016 an, wenn man drüber nachdenkt, sein einziges Bundesligator bei einer 1:8 Klatsche erzielt zu haben? 😉

Diese Ironie meines letzten Spiels am Millerntor nach sieben Jahren, Papa und viele Freunde anwesend, als Franke gegen die Bayern ein Tor, als Abwehrspieler acht Gegentore zu kriegen… Das lässt sich schwer vorher in einem Drehbuch einbinden. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke.

Wann gibt es endlich wieder ein Pub Quiz in der Amphore, wo ich mit Ariane meinen Titel verteidigen kann? Das ist ja etwas eingeschlafen….

Mit den Veranstaltungen und dem Tagesgeschäft der Amphore beschäftige ich mich gerade nicht. Wenn ich in Hamburg bin, schaue ich da immer gerne vorbei. Ein toller Ort im Süden St. Paulis!

Liebe Grüße an alle Leser!
Marcel Ralph Günter Eger // Scheissegal St.Pauli

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MT029 – Frauenfußball beim FC St.Pauli

In unserer 29.Folge widmen wir uns dem Team der 1.Frauen beim FC St.Pauli.
Spielführerin Inga Schlegel war zu Gast und sprach mit uns in Teil 1 über die letzten drei Spiele der Profimannschaft des FCSP (inkl. den Aprilscherzen um Zecki und die Blutsbrüder beim Union-Spiel), ehe wir uns in Teil 2 dann ausführlich mit ihr und dem Team der St.Pauli-Frauen in der Verbandsliga sowie dem Frauenfußball allgemein widmeten.
Zu besprechen gab es genug: Neben der sportlichen Situation in der Liga, in der das Team vor dem Aufstieg in die Regionalliga steht, fand ja letzte Woche das Pokalhalbfinale gegen den hsv statt, welches bekanntlich gewonnen wurde.

Vielen Dank an Inga für den sehr unterhaltsamen und interessanten Abend, viel Glück für den Saisonendpurt.

Und natürlich an alle: Kalender raus!
5.Mai, Himmelfahrt, 15.00h: Pokalfinale!

Viel Spaß!

Links zur Episode:
Facebook-Seite der 1.Frauen
Homepage der 1.Frauen
Textilvergehen-Podcast inkl. Aprilscherz-Diskussion
Vorbericht zum Derby
Nachbericht zum Derby
Persönliche Assistenz für Jonas gesucht
Auch St.Pauli Blindenfußball sucht Hilfe bei der Trainingsbegleitung, Kontakt hier.

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28.Spieltag (H) – 1.FC Union Berlin

FC St.Pauli – 1.FC Union Berlin 0:0
Tore: Möööp
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.500 Unioner)

Geburtstag haben, an einem Heimspieltag.
Klingt ganz cool? Naja… ist es auch, immerhin kann man sich die Party sparen und später trotzdem behaupten, man habe mit 30.000 Leute gefeiert.
Leidglich die “Happy Birthday – und das Geschenk gibts ja später vom Team!“-Grüße lassen mich immer etwas zusammenzucken, denn erfahrungsgemäß geht das meist schief.

Meine persönliche Bilanz am 1.April bisher:

  • 1.4.2013: SC Paderborn, 2:2 (das Tschauner-Tor)
  • 1.4.2011: FC Schalke 04 (Spielabbruch)
  • 1.4.2006: Chemnitzer FC, 3:2 nach Halbzeitrückstand, Shubititze und 2x Meggle.
  • 1.4.2005: Borussia Dortmund II, 0:0

Hinzu kommt ein 1:2 in Unterhaching 1999, bei dem ich allerdings nicht vor Ort war, weitere Spiele waren dann vor meiner Zeit.
Außer bei der “Premiere” gegen Dortmunds Nachwuchs also immer irgendwie was los, aber eben auch nur ein Sieg aus vier Heimspielen bzw. ein Sieg aus fünf Spielen wenn man das Spiel in Unterhaching mitzählt.

FC St.Pauli - Union Berlin, 1.4.2016

FC St.Pauli – Union Berlin, 1.4.2016

Nun also Union, pauschal ja eins der Heimspiele auf die man sich mehr freut als auf andere, insbesondere bei Flutlicht.
Irgendwie aber schon weit im Vorfeld dieses “Naja, es geht halt um nichts mehr.“-Gefühl, welches sich vor einem 28.Spieltag ja bei uns auch nicht allzu häufig einstellt, denn in aller Regel geht es da meist für uns noch um das Fahrstuhlticket nach oben oder unten.

Trotzdem natürlich bei bestem Fußballwetter allgemeine (entspannte) Vorfreude, ein voller Gästeblock, der DOM im Hintergrund, Nina Hagen in den Lautsprechern.

Und danach eigentlich nur noch drei Situationen, die sich lohnen hier erwähnt zu werden, denn über das Spiel sollte man möglichst schnell den Nebel des Vergessens schweben lassen, typisches 0:0 eben, mit leichten Vorteilen für Union.

Zum Einen war da das Abseitstor für Union, welches laut Zeitlupe wohl zurecht nicht gegeben wurde. Allerdings wollte St.Pauli dies schnell in einen Konter ummünzen, Himmelmann wollte den Freistoß schnell Richtung gegnerische Hälfte ausführen und ein St.Paulianer wäre dann wohl alleine auf das Tor zu gelaufen. Dies verhinderte Christopher Quiring ebenso unsportlich wie geistesgegenwärtig.
Und hier zeigte sich wieder die Kehrseite des Schiedsrichterwissens, denn während Junior völlig außer sich war und “Mindestens Rot!” für “Klares Tor verhindert!” forderte und die Tränen  nur mühsam zurückhalten konnte, musste ich ihm sanft beibringen, dass Bibiana Steinhaus hier mit Gelb durchaus die korrekte Farbe aus der rechten Hosentasche gezogen hatte.

Der zweite Aufreger ging an den meisten Besuchern wohl eher vorbei:
Irgendwann in Hälfte zwei präsentierte die Unioner Ultrafraktion ein “St.Pauli & Union: Blutsbrüder“-Banner… so weit, so unverständlich. Denn insbesondere in Ultra-Kreisen ist eine “gewisse” Abneigung beider Klubs nicht gerade ein Geheimnis und es kam hier in der jüngeren Vergangenheit auch zu Vorfällen auf beiden Seiten, die dies absolut erklärlich erscheinen lassen. Das Tischtuch ist zerschnitten, fertig.
Während ich also noch stutzte, kam dann Sekunden später auch schon die Aufklärung: Die 2-3 Reihen Ultras unten am Zaun gingen dann steil und freuten sich wie Bolle über 10-15 “erkämpfte” braun-weiße Fanutensilien, die stolz präsentiert wurden.
Den Blutsbrüder-Spruch verstehe ich dann zwar immer noch nicht, insgesamt ist dieser Teil von “Fankultur” einer der wenigen, der mir komplett fremd ist und den ich einfach nur affig und bescheuert finde. Insbesondere, wenn man sich die Geschichten von St.Paulianern anhört, denen in Berlin die Sachen abgezogen wurden, wo es in den allermeisten Fällen nämlich einfach nur normale Fans traf, die in ca. zehnfacher Unterzahl um ihre Utensilien gebracht wurden. Chapeau.
Pimmelfechten auf RTL2-Niveau.
Immerhin ignorierte das restliche Stadion diesen Kindergarten, völlig zurecht.
(P.S.: Danke für die Hinweise, es folgte nach “Blutsbrüder” noch ein “April, April!”-Banner. Genau mein Humor… wenn man es denn dabei belassen hätte.)

Schließen möchte ich dann aber mit dem emotionalen Highlight des Spiels, welches wohl die Minute 76 war. Zunächst wurde Benjamin Köhler eingewechselt, welches bereits am vorigen Spieltag an der Alten Försterei für Gänsehaut sorgte und nun auch am Millerntor von beiden Seiten mit viel Applaus bedacht wurde. Weiterhin alles Gute!
Und aus St.Paulianer-Sicht gab es dann unmittelbar darauf mit Ryo Miyaichi auch eine sehr lange ersehnte Einwechslung, denn bekanntlich hatte sich die Neuverpflichtung noch vor Saisonbeginn in einem Testspiel einen Kreuzbandriss zugezogen und lief damit jetzt zum ersten Mal in einem Pflichtspiel für Braun-Weiß auf.

Ansonsten gibt es, wie eingangs erwähnt, nicht viel zu berichten und ich schließe daher mit der Hoffnung, dass wir die Saison anständig zuende spielen und am Ende auch Platz 4 oder 5 dabei herausspringt.

Verein am Wochenende

Das Wochenende stand unter dem Motto “Derbysieger” und begann bereits am Donnerstag, mit dem Pokalhalbfinale im Oddset-Pokal der Frauen.
Verbandligaspitzenreiter FCSP empfing den in der Regionalliga im Abstiegskampf befindlichen hsv, einige lesenswerte Hintergründe zur Historie dieses Vergleichs findet Ihr hier.
Die “Feldarena” war schon seit Wochen “ausverschenkt”, die Stimmung dem Rahmen durchaus angemessen.St.Pauli begann energischer, der hsv zeigte sich spielerisch reifer und technisch etwas versierter, konnte dies aber nicht wirklich in eine Überlegenheit ummünzen, so dass es bei einer Feldüberlegenheit des FCSP blieb.
Als man dann langsam erwarten konnte, das sehr junge Team des Gastes würde nun langsam die Nervosität abschütteln, traf St.Pauli zwei Mal und ließ sich dann auch vom Gegentreffer kurz vor der Pause nicht mehr aus dem Konzept bringen.
Am Ende stand ein verdientes 4:1, welches wohl auch im Vorgriff auf die nächste Saison, bei der man dann ja hoffentlich in der Regionalliga antreten darf, einiges an Selbstbewusstsein gegeben haben dürfte.
Szenen vom Spiel gibt es bei elbkick.tv, einen ausführlichen Bericht mit Bildern beim Torknipser und Kapitänin Inga wird am Mittwoch zu Gast beim MillernTon sein.
P.S.: Auch bei Stefan Groenveld gibt es Text und (wie immer: großartige) Bilder, wie konnte mir das entgehen.
Das Finale gegen Regionalligist Bergedorf 85 findet wohl am 5.Mai in der Hagenbeckstraße (Wolfgang-Meyer-Sportanlage) statt.

Das nächste Derby stand bei der U19 an, die den Stellinger Nachwuchs heute am Königskinderweg empfing.
Insgesamt ein sehr ansehnliches Spiel mit viel Tempo, welches auch gut 2:2 oder ähnlich hätte enden können. Eine Unachtsamkeit nach wenigen Sekunden brachte unsere Jungs allerdings auf die Verliererstraße und Torschütze Bibie Njie konnte in der 63.Minute nochmal nachlegen und den 0:2-Endstand herstellen.
St.Pauli hingegen vergab auch beste Einschußmöglichkeiten und scheiterte wahlweise an Keeper Behrens oder dem Aluminium.
Beste Spieler auf unserer Seite waren aus meiner Sicht Marcell Sobotta und Irwin Pfeiffer.

Am Abend gab es dann im Handball Derby 3 und 4, beides in der “Hölle Budapester Straße”, wo sich zunächst die 2.Damen des FCSP und die 1.Damen des Nachbarn gegenüberstanden.
Der Tabellensituation entsprechend ging Braun-Weiß als krasser Außenseiter ins Rennen und aller Willen konnte dann auch nichts daran ändern, dass das Spiel mit 14:27 verloren ging.
Anschließend trafen die jeweils 1.Herren beider Vereine aufeinander, wobei es sich beim hsv genauer gesagt ja um die 2.Mannschaft jenes gescheiterten Konstrukts namens hsv Handball handelt und nicht um den eigentlichen Verein.
Da deren Lizenzspielerteam ja aber inzwischen erfolgreich abgewickelt wurde, soll mit diesem Team jetzt der Neuanfang beginnen, der Aufstieg in die 3.Liga ist so gut wie sicher und bisher gab es für den Spitzenreiter auch erst eine Saisonniederlage.
Da konnte der Tabellenvierte aus St.Pauli eigentlich kein Stolperstein sein… doch am Ende machte die “Buda” mal wieder den Unterschied und nach einem 7:12-Halbzeitrückstand gab es einen umjubelten 24:23-Sieg. Derbysieger, again!  // Frodo

Links:
– Fotos Stefan Groenveld
– Fotos UNVEU
– Vor dem Spiel-Gespräch mit Sebastian vom Textilvergehen
Nach dem Spiel-Gespräch mit Daniel von “Eiserne Ketten”
– Taktik-Blog “Eiserne Ketten
– Bericht MagischerFC: “Aufwachen, Loide!
– Bericht BREITSEITE: “こんばんは
– Bericht und Bilder Zaphod Beebleblox: “Aprilscherze
– Bericht Fangirl1910: “Ro(a)hrkrepierer
– Bericht Nice Guys St.Pauli: “Senfdazu#18
– Podcast zum Spiel beim Textilvergehen: “Der invertierte Tuschekreisel
– Grenzenlos 1910: “Kein Gold auf dem Weg zum Silber

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The great Vereinshymnen swindle

Der Ein oder Andere wird es auf Twitter bereits mal bemerkt haben: Ich habe eine kaum versteckte Vorliebe für Fußballlieder.
Und so war ich auch etwas irritiert, als der lokale Dorfverein bereits vor einiger Zeit einen neuen Vereins-Song veröffentlichte, der gar nicht so furchtbar peinlich war, wie man es von einem Oberligisten erwarten würde, sondern sogar melodisch einigermaßen ansprechend.
Okay, etwas viel Pathos für die Ligazugehörigkeit und Zuschauerzahl, aber was solls.

Leider gibt die Vereinshomepage das Lied aktuell nicht mehr als Audiodatei her, aber in Textform ist es kaum weniger schön:

SV Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein-Liga)

Nun poste ich ja zu Spielen der Profimannschaft des FCSP schon länger am Spieltag die jeweilige Hymne oder ein “besonders schönes” Lied des jeweiligen Gegners, so wie unser Verein dankenswerterweise einer der ganz wenigen ist, die vor Heimspielen immer das Lied des jeweiligen Gastes spielen.
Und als die Profis mal spielfrei hatten, stolperte ich so über den Song des Gegners der U23 in der Regionalliga, Aufsteiger VfV 06 Hildesheim.

Gleiche Melodie, gleicher Sänger, nahezu identischer Text, nur eben leicht angepasst bei Vereinsnamen und -farben sowie ggfs. geographischen Besonderheiten.

Aber “vor jedem Spiel pure Gänsehaut“, “eine lange [Ortsname]-Tradition“, “wir feiern [Vereinsfarbe]-Siege“, “unser Leben ist ein Fest, in [Ortsname]“.
Vereine, die den Swag voll audrehen.

Nun war ich neugierig geworden und fand schnell weitere Beispiele, wie zum Beispiel den SV Barver aus der 2.Kreisklasse Diepholz Süd:

Besonders Inbrünstig aber schmetterte dieser Vereinsvertreter des Friedenauer TSC (Landesliga Berlin) schon 2011 dem sichtlich bewegten Auditorium die Textzeilen um die Ohren, Ekstase war selten greifbarer:

Wenn Ihr noch weitere Versionen dieses wunderbaren Liedguts entdeckt, schreibt es gerne in die Kommentare.

Aber es gibt auch andere Doppelungen:

Wir sind der [Kürzel] (künstlerische Pause) [Ortsname]!

“[Farbe 1] und [Farbe 2] sind unsere Farben – wir sind so froh das wir Dich habe!”
“Wir [Vereinsfarben] Krieger aus [Ortsname] – für immer und immer!”
“Bei den [Kürzel]-Kriegern / Ja hier in [Ortsname] wird zuletzt gelacht!”

TSV Schöllbronn (Kreisklasse A2, Karlsruhe]

VfB St.Leon (bfv Landesliga Rhein-Neckar]

Auch beim SV Reher/Puls in der Schleswig-Holstein-Liga erklingt dieser Song, ich habe ihn nur leider bisher nicht online gefunden.

Und dann ist da noch folgende Reihe:

Wir wollen kämpfen, feiern siegen – Wir werden Dich immer lieben…

SC Ahle (Kreisliga B, Ahaus)

SpVgg Germania Ebing (Bezirksliga Oberfranken West)

Und wer es noch ein bißchen pathetischer mag, schaltet natürlich noch ein kurzes “You’ll never walk alone” davor:

Bis ans Ende der Welt:

ASV Undorf (Kreisliga Regensburg)

Spvgg Trier (Kreisliga C, Trier)

Und dann gibt es noch einige weitere Versionen, von denen ich bisher keine Duplikate entdecken konnte, die aber ebenso aus der Feder des “Dieter Bohlen der Fußballsongs” zu stammen scheinen:

TSV Heiligenhafen (Kreisklasse A, Ostholstein)

SC Peckeloh (Landesliga Westfalen)
(Schönster YouTube-Ankündigungstext:
Den Lautstärkeregler bis zum Anschlag aufdrehen, Play drücken und der Gänsehaut dabei zusehen, wie sieht wächst!“)

Bevor jetzt jemand denkt, ich mache mich über diese Vereine lustig: Im Gegenteil.
Ich finde es super, wenn ein Verein sich über einen Vereinssong versucht, eine Identität zu geben.
Und bevor das in irgendwelche furchtbaren Entblößungen von Mitgliedern an der Heimorgel endet, beauftragt man damit dann wohl lieber jemanden, der sich damit auskennt, wie z.B. www.vereinshymnen.de, aus deren Portfolio wohl die meisten dieser Songs stammen.

Zum Abschluß dann noch zwei Beispiele dafür, wie es enden kann wenn man sowas dann eben nicht professionell machen lässt.
Jeweils ein positives und ein negatives Beispiel.
Welches in welche Gattung gehört, könnt Ihr für Euch entscheiden:

Gano – Mein hsv
(hierzu gibt es übrigens auch die empfehlenswerte Antwort: “Dein hsv“)


(Und wem die Ohren jetzt noch nicht vollends bluten, dem sei als nächster Schritt Level 2 empfohlen, mit der besonderen Fähigkeit zwischen gesungenem Refrain und eingenommener Körperhaltung zu unterscheiden.)

Und dann das eben erwähnte Gegenbeispiel, als krönender Abschluß:
ESV Blau-Weiß Bremen, 5.Herren
(Und bevor Ihr Euch später ärgert es verpasst zu haben: gebt dem Lied mindestens bis 2m10s, denn erst dann entfaltet es seine ganze Magie).

Ihr habt andere Perlen an Fußballliedern (außer Klassikern wie dem Wattenscheid-Song) und wollt sie der Weltöffentlichkeit zur Verfügung stellen?
Dann ab damit in die Kommentare, vielleicht verfasse ich ja irgendwann einen zweiten Teil, mit den schönsten Fußballsongs. // Frodo

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“Als ob wir von einem anderen Planeten kommen…” – Interview mit Deniz Naki

Gastartikel von Jan van Aken

Dieses Interview erschien im Print-ÜBERSTEIGER Nr. 123 am 11.März 2016

Diyarbakir, 21. Januar 2016

Deniz, du spielst jetzt bei Amedspor. Erzähl mal, was ist das für ein Verein?

Amed SK ist vergleichbar mit St. Pauli. Also, St. Pauli hat vielleicht mehr Zuschauer, aber ist auch mehr links ausgerichtet. Amed SK ist ein kurdischer Verein, deswegen auch der Name Amed (Anm.: der kurdische Name für Diyarbakir). Da spielen zu 90 % Kurden, aber natürlich auch türkische Spieler. Wir sind in der 3. Liga der Türkei – die nennt sich zwar 2. Liga, ist aber die 3. Liga. Der Verein ist verbunden mit der Partei HDP und der Stadtverwaltung. Guter Verein.

Ich habe mich gewundert, dass das Amed SK heißt. Denn ihr seid ja offiziell in der türkischen Liga, aber der türkische Name für Amed ist ja Diyarbakir. Wieso haben die das überhaupt erlaubt, dass ihr Amed SK heißt?

Letztes Jahr hieß der Verein noch Diyarbakır Büyükşehir Belediyespor, und dann haben die sich dafür eingesetzt, dass der Name geändert wird, und haben beim türkischen Verband eine Anfrage gestellt und es dann irgendwie hinbekommen. Seit dieser Saison heißt der Verein Amed SK.

Und was ist, wenn ihr jetzt auswärts spielt, bei türkischen Vereinen, wie gehen die damit um? Die wissen doch gar nicht, was Amed ist, oder?

Doch, das wissen schon die meisten. Die meisten wissen auch, dass das ein Verein aus Diyarbakir ist. Aber meistens ist das so, wenn wir Auswärtsspiele haben, sind die Spiele, als ob wir gegen eine türkische Nationalmannschaft spielen. Dann sehen wir nur türkische Fahnen – als ob wir von einem anderen Planeten kommen, so werden wir immer empfangen.

Dann bekommen wir halt Zurufe wie „PKK raus!“, „Terroristen raus!“, so werden wir dann meistens empfangen. Ist halt schon ein bisschen schwierig.

Das ist ja hart. Wie geht es denn euren türkischen Mitspielern bei Amed SK, wie stehen die dazu?

Die türkischen Spieler, die bei uns sind, die sind in der Sache cooler drauf. Bevor die den Wechsel hierhin gemacht haben, wussten die ja schon, worauf die sich einstellen mussten, das ist nicht so ein Problem.

Deniz Naki - ©JanVanAken

Deniz Naki – ©JanVanAken

Um auf deine Tätowierung zu kommen. Was heißt das, Azadî?

Azadî ist kurdisch, das heißt Freiheit. Deswegen habe ich auch in den letzten Wochen ein bisschen Probleme gehabt, was auch in den Medien war. Ich wurde jetzt von dem türkischen Volk teilweise als Terrorist abgestempelt, weil das angeblich eine Propaganda für die PKK ist. Aber ich sag mal, das Problem, was die haben, ist, dass das da auf kurdisch steht. Wenn da jetzt „Freedom“ oder „Freiheit“ stehen würde, dann hätten die kein Problem damit gehabt. Aber da es da auf kurdisch steht, heißt es jetzt, dass ich ein Terrorist bin und ich Propaganda für die PKK mache.

Liest du das in Zeitungen, oder merkst du das im Stadion, dass du dann extra ausgepfiffen wirst?

Ja, wenn wir Auswärtsspiele haben, ist es so, dass ich meist bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen werde. Aber man bekommt das auch durch Internetseiten mit, dass die Fans außerhalb ein bisschen Probleme mit mir haben in der Türkei.

Und hast du zu Hause Stress mit deinem Verein bekommen, weil die meinten, das ist jetzt echt eine Provokation? Ich meine, du hattest damals ja auch Stress mit deinem Verein bekommen, wegen der Handbewegung in Rostock …

Also, wenn ich wegen meinem Tattoo Stress mit meinem Verein bekommen würde, dann wäre ich beim falschen Verein. Ich glaube, die Bedeutung ist was Schönes: Freiheit – für alle Völker! Das heißt ja nicht, dass das nur für das kurdische Volk ist. Es soll ein Symbol für alle unterdrückten Völker sein. Wenn das als Terrorpropaganda gesehen wird, dann kann ich den Menschen auch nicht weiterhelfen.

Das ist ja eine ziemlich klare Ansage, sich so zu tätowieren. Machst du denn außerhalb vom Fußballplatz noch was für die kurdische Sache, bist du politisch aktiv?

 Auf jeden Fall. Wenn man das politisch nennen darf, ich weiß nicht. Ich war in Cizre, da wo jetzt auch richtig was los ist – ich war vor knapp ein bis zwei Monaten da. Wir haben eine Kampagne gestartet und ich habe da 16 Familien besucht und denen geholfen, finanziell. Jetzt sind wir dabei für Sur, aber leider können wir halt nicht rein. Wir versuchen jetzt, bis die Ausgangssperre zu Ende ist, so viel zu sammeln wie möglich, damit wir den Familien dann helfen können, denen es nicht so gut geht.

Wo wohnst du eigentlich hier in Diyarbakir, so ungefähr?

 Ich wohne so 7 bis 8 km von hier.

Wenn du da draußen wohnst, kriegst du oder deine Nachbarn das überhaupt mit, was hier in Sur los ist, oder ist da draußen völlig normales Leben?

Es ist so, wenn man 10 km weiter draußen wohnt, dann sieht man vielleicht normales Leben, aber abends, wenn dann die Schüsse losgehen, dann bekommt man das schon mit. Und um acht, neun Uhr kann man sagen, dass Diyarbakir tot ist, weil die Menschen alle nach Hause gehen, weil die Angst haben, dass jeden Moment so eine Bombe platzen kann.

Und das ist eine Millionenstadt, eine echte Metropole, das ist unsere Hauptstadt in Kurdistan, sagen wir. Und für eine Hauptstadt, die so viele Einwohner hat, dass ab acht, neun Uhr nix mehr los ist, das ist schon schlimm. Letztes Jahr, wo ich mit den Leuten hier gesprochen hatte, war bis zwölf, eins, zwei Uhr nachts immer noch die Hölle los hier.

Noch mal zum Fußball: Wo steht Amed SK, wo wollt ihr hin?

Wir wollen auf jeden Fall aufsteigen, wir sind auf dem fünften Platz, die ersten fünf kommen in die Playoffs. Der erste steigt sofort auf. Zurzeit sieht es gut aus, wir wollen so hoch spielen wie wir können. Wir wollen den Verein in den oberen Ligen sehen. Das will auch unser Volk, die wollen einen Verein haben, aus Kurdistan, der was erreicht, wo die Menschen dann auch ein Lächeln bekommen, wo sie drauf stolz sein können. Unsere Aufgabe ist es, dass wir da unser Bestes geben und so hoch kommen wie möglich.

Deniz Naki

©JanVanAken

 

Wer steigt zuerst auf, Amed SK oder St. Pauli?

Ich hoffe beide (lacht) – beide gleichzeitig!

Und für dich – wo siehst du deine fußballerische Zukunft? Bei Amed SK? Könntest du bei einem anderen Verein in der Türkei überhaupt noch spielen?

 Also, in der Türkei, glaube ich, eher schwierig. Dadurch, dass ich jetzt immer in den Medien war aus politischen Gründen, haben es auch die Vereine schwer, mich zu verpflichten, weil viele Menschen sagen, dass ich ein Terrorist bin. Wenn mich dann ein Verein verpflichtet, dann muss der Mann, der mich verpflichtet, schon ein Harter sein, der damit auch umgehen kann. Deswegen sehe ich in der Türkei eher weniger die Chance, dass ich einen großen Transfer mache.

Das ist mir aber, ehrlich gesagt, auch gar nicht so wichtig. Ich hätte auch in der Zweiten Liga in Deutschland spielen können, in anderen Ländern, aber ich habe mich für mein Volk entschieden, ich habe mich dafür entschieden, dass ich hier spiele, weil ich mir gedacht habe, vielleicht kann ich mit dem Wechsel ein paar Menschen glücklich machen und denen ein Lächeln schenken. Das Lächeln für mein Volk ist mir viel mehr Wert als Ruhm und Geld und alles andere.

Den Ruhm hast du auf St. Pauli auf immer und ewig. Und – wann bist du mal wieder in St. Pauli?

 Also, die Saison geht bis zum fünften Monat, ich denke, dann haben wir zwei Monate frei, dann werde ich auf jeden Fall mal wieder nach St. Pauli kommen.

Super. Sag auf jeden Fall Bescheid. Hast du noch Kontakt zu Kollegen?

Ja, Fabian Boll. Er ist wie mein großer Bruder, ich liebe ihn über alles. Wir schreiben alle zwei, drei Wochen, ab und zu telefonieren wir auch. Ja, und Morike Sako und die alten Kollegen, Charles Takyi. Aber mit Fabian Boll habe ich noch richtig engen Kontakt.

Und mit denen, die jetzt noch spielen?

Hmm, das sind jetzt sehr viele neue Spieler. Ich glaube, mittlerweile ist nur noch Schnecke da. Und Drobo-Ampem ist jetzt wieder bei Pauli. Aber ich glaube, alle anderen sind jetzt neu dazu gekommen.

Was hältst du von Lienen?

Cooler Typ. Ich finde den cool. Er macht einen guten Eindruck.

Und letzte Frage: In der ganzen St. Pauli-Zeit, was war da der wichtigste Moment für dich?

 Aufstieg 2009, auf jeden Fall. Und die Fahnenaktion gegen Rostock. Mein Torjubel nicht, aber die Fahnenaktion!

// Gastartikel/-interview von Jan van Aken

Nachtrag:

Nach dem Pokalsieg von Amed SK bei Bursaspor am 31. Januar, bei dem Naki das entscheidende Tor zum 2:1 schoss, widmete er den Sieg auf seiner Facebook-Seite den Unterdrückten in den umkämpften Gebieten. Dafür wurde er vom Türkischen Fußballverband mit einer Sperre von 12 Spielen belegt.

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Futbol vs. Alzheimer

In einer der letzten Rasenfunk-Episoden (ab 2h13m43s) sprach man am Ende über eine Aktion, die mir sehr gut gefällt und die vielleicht auch in Deutschland etwas mehr Aufmerksamkeit verdienen würde.

Futbol vs Alzheimer, von der spanischen Zeitschrift Libero.

Kurz zusammengefasst: Man bringt bei Alzheimer-Patienten mit Fußball-Bildern aus ihrer Vergangenheit ein paar schöne oder zumindest interessante Erinnerungen zurück.
Etwas ausführlicher könnt Ihr das in diesem Video nachempfinden:

In jener Rasenfunk-Episode wurde anschließend nach den Momenten in der eigenen Fankarriere gefragt, an die man sich selbst vielleicht im Alter (im Idealfall: gerne) zurückerinnern würde. Und natürlich auch dann, wenn man nicht an Alzheimer erkrankt ist.

Vielleicht hilft dieser Artikel, das Projekt bekannter zu machen, vielleicht fand ich auch einfach nur die Idee schön, mir selbst meine eigenen Erinnerungen auszumalen.
Ich will hier auch keine Stöckchen verteilen, aber wenn der Ein oder Andere diesen Beitrag aufgreift und schreibt, an welche Momente er selbst sich einst erinnern möchte, so würde mich dies natürlich freuen.

Also: Hier meine Top 3 – Erinnerungen an Fußball-Momente.
(Stand März 2016)

Top 3) – Die magischen Minuten von Barcelona

Hier landet tatsächlich ein Moment außerhalb des Stadions.
Es geht um den 26.Mai 1999, der Ort des Spiels ist Barcelona, das Camp Nou. Es war das Finale der Champions League, Manchester United FC und der FC Bayern München trafen aufeinander.
Ich war zu dieser Zeit Fan/Sympathisant/wasauchimmer von Manchester United, da ich in den Jahren zuvor zweimal bei einem Austausch des Werder-Fanprojekts mit Leeds United teilgenommen hatte und in diesem Zusammenhang ein Heimspiel von ManUtd eben das erste Spiel war, welches ich live auf der Insel sehen durfte.
Coca-Cola Cup, irgendeine frühe Runde gegen Bright & Hove Albion. Old Trafford. Beeindruckend, bleibend.
Eric Cantona spielte noch bei Leeds, wechselte dann aber bald zu ManUtd. Ich las über die Busby Babes, besuchte das Vereinsmuseum und war zu dieser Zeit auch ziemlich beeindruckt von der in England schon damals vorhandenen Merchandise-Palette.
Die letzte Meisterschaft war Ewigkeiten her.

So wurde ich dann, aus meiner Sicht naheliegend, Mitglied beim “German Reds”-Fanclub, Vereinsmitglied, sammelte Loyalty Points (um an Tickets für Topspiele heranzukommen) bei Spielen wie bei Sturm Graz oder ähnlichen Touren.

Für das Finale in Barcelona bewarb ich mich natürlich auch um Karten, “Aussichtslosigkeit” war aber (zurecht) selten treffender definiert worden und mein Budget im 3.Lehrjahr ließ es dann auch nicht zu, einfach nur so dort hin zu fliegen.

Dementsprechend sammelte ich “Mit-Sympathisanten” um mich, beneidete die Fanclub-Mitglieder die Tickets bekamen und wählte als Ort der Spielverfolgung meinen damaligen Lieblings-Pub im Bremer Steintor.
Ich war früh genug da um zumindest noch einen mittelprächtigen Stehplatz zu erhalten, das Spiel wurde dann auf Riesen-Leinwänden übertragen.

Und natürlich sind es die letzten Minuten, die bei Bayern-Fans noch heute Schmerzen verursachen, bei mir damals aber natürlich ungläubigen Jubel auslösten. Um es mal vorsichtig zu formulieren: Der Pub explodierte.

Und auch, wenn Personenkult beim FCSP eher nicht so hoch gehalten wird und Fangesänge in England nicht mehr das Niveau von früher haben sollten, so sind es doch immer noch zwei eher profane Gesänge, die ich von diesem Abend in Erinnerung habe:

Who put the ball in the Germans net? Ole Gunnar Sjolskjaer!” und ein schriftlich eher langweiliges aber umso inbrünstiger vorgetragenes
Ooooooooooooooh, Teddyteddy – Teddyteddyteddyteddy SHERINGHAM!“.

Danach ereilte mich dann irgendwann das Schicksal des Erfolgs, denn United wurde erfolgreicher und erfolgreicher, doch mit Erfolg kann ich als Fan nicht so richtig umgehen.
Doch noch heute beobachte ich den Verein natürlich mit Sympathie, auch wenn mein Herz nicht mehr wirklich dran hängt.
Trotzdem waren diese wenigen in Minuten in Barcelona, die ich aus großer Entfernung verfolgte, ganz sicher ein Highlight meiner Fankarriere.

Top 2) Der Kutzop-Elfer & Die Sportschau-Konferenz

Wo Licht ist, ist auch Schatten, erneut ist der FC Bayern beteiligt.
Ja, jenes “Plock” an den Pfosten an einem Dienstag Abend im April 1986 im Bremer Weserstadion, als Michael Kutzop den SV Werder zur Meisterschaft schießen hätte können.

Tat er nicht – und bekanntlich kam es noch schlimmer, denn Werder verlor am 34.Spieltag dann doch noch die Meisterschaft. Ich war zehn Jahre alt, für eine Fahrt zum Auswärtsspiel nach Stuttgart noch zu klein und die Sportschau hatte eine Konferenzschaltung “re-live” angekündigt. Der neueste heiße Shice damals, nannte nur eben noch niemand so.
Und während ich den ganzen Tag in meinem Zimmer die Zeit totschlug und 18.00h herbeisehnte, betrat irgendwann nach 17.15h meine Mutter das Zimmer und begrüßte mich, wenig einfühlsam, mit den Worten “Na, Vizemeister?”
Selten war ein verzweifelter Schmerzensschrei meinerseits lauter und überraschter gewesen.
Aber: Aus Schmerzen lernt man, auch dieses Erlebnis war sicher prägend für meine Fankarriere.
(Übrigens habe ich dieses Trauma schon einmal etwas ausführlicher im Blog zu verarbeiten versucht.)

Top 1) UEFA-Cup Finale in Sevilla: FC Porto – Glasgow Celtic FC

Und abschließend ist auch mein Top 1 – Erlebnis (sportlich) ein eher trauriges, denn es endete mit einer Niederlage.

Und doch war diese Tour ganz sicher ein Erlebnis, welches so lange an Eins bleiben wird, bis der FC St.Pauli dann doch mal ein Europapokalspiel erreichen wird.

Wir hatten uns relativ früh im Wettbewerb um Finalkarten in Sevilla gekümmert, zu diesem Zeitpunkt noch im Glauben, Liverpool könnte es schaffen. Doch Liverpool scheiterte an Celtic und tatsächlich wurde dann wahr, was wir uns kaum zu erträumen gewagt hatten: Celtic kam ins Finale – und wir waren dabei.

Die Celtic-Fans bekamen für ihren Auftritt später sogar den Fair-Play-Award von UEFA und FIFA und “The Bhoys from Seville” wurde ein eigener Wikipedia-Eintrag und sogar ein eigener Film wurde darüber gedreht (Teil 1 auf YouTube).
80.000(!) sollen in Sevilla gewesen sein, wohl bis heute die größte Auswärtsfan-Zahl bei einem Vereinsspiel. Und es passten ja nur ca. 52.000 Zuschauer ins Stadion, einige davon ja auch für den FC Porto.

Es war einfach nur unglaublich.
Am Tag vor dem Spiel gaben “Charlie & the Bhoys” ein Konzert in einem Park und wir trafen ein paar ältere Herren, von denen einer ein Plastik-Känguru auf den Schultern trug. Wie sich herausstellte, kamen sie tatsächlich aus Australien und waren ohne Tickets angereist. Und wir… ja, wir hatten Tickets in der Tasche.
Doch für die Jungs war das auch gar kein Thema. Hier dabei zu sein, sagten sie, sei ein absolutes Highlight, ganz unabhängig von Tickets.

Das Erlebnis im Stadion war dann ebenfalls fantastisch, drei Viertel strahlten in grün-weißen Hoops, die Tore von Henrik Larsson lösten Gefühlsexplosionen aus – und am Ende hat es dann leider doch nicht gereicht.

Es gäbe noch tausend Dinge mehr, die man von diesen Tagen erzählen könnte – doch an dieser Stelle beende ich das, um auf ein Format hinzuweisen, was ein ganz ähnliches Ziel wie dieser Blogpost verfolgt und wo ich all dies zu diesem Spiel schon einmal in Worte gefasst habe, im Gespräch mit Andreas Thies bei “Das Spiel meines Lebens” auf meinsportradio.de. // Frodo

P.S. Es fehlen die St.Pauli-Momente?
Ja, natürlich.

  • Der Aufstieg gegen Homburg, inkl. Platzsturm und Angst den Aufstieg zu verlieren
  • Der Aufstieg in Nürnberg
  • Der Aufstieg in Fürth
  • Der Derbysieg am 16.Februar 2011
  • Weltpokalsiegerbesieger
  • Die Bokal-Serie

Ich hätte mich schwer getan, diese Erlebnisse in ein Ranking zu bringen.
Aber sollte ich mich im Alter irgendwann an Fußballmomente zurückerinnern wollen, so gehören auch diese ganz sicher dazu.

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Übersteiger 123 erscheint gegen den SC Paderborn

Übersteiger 123 - erscheint am 10.März 2016

Übersteiger 123 – erscheint am 10.März 2016

Heute, weltexklusiv!

Der Übersteiger #123 ist aber heute (Donnerstag) Nachmittag im Fanladen und ab morgen bei allen bekannten Verkaufsstellen sowie natürlich am Stadion erhältlich!

Wir haben ein Interview mit Deniz Naki geführt, Ronny hat sich die Umstände um die illegale Fandatei angeschaut, wir stellen die HandballerInnen vor und blicken auf die Aktivitäten rund um den Holocaust­ Gedenktag zurück.
Außerdem gibt es zwei Reiseberichte und politisches zu Griechenland.

Ansonsten alles wie gewohnt: Neues von den Alten, Rezis von Bild und Ton, Döntjes und die Fanladen­News.

Alles für 1,60 Euro beim Dealer eures Vertrauens.
Weil es der Fanmarsch, der am Freitagabend nach dem Spiel stattfinden wird, leider nicht mehr ins Heft geschafft hat, sei er an dieser Stelle trotzdem erwähnt:

Alle hin da, keine Ausreden, diffidati con noi! // Eure Übersteiger

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MT028 – Medienarbeit beim FCSP

Da sind wir wieder.
Da Christoph, Wolf und Justus kurzfristig verhindert waren, musste unser Gast mit einem Trio der Stammbesetzung vorlieb nehmen.

Und unser Gast war dann auch gleich Grund für den Episodentitel, denn mit Christoph Pieper war derjenige zu Gast, auf dessen Visitenkarte “Leitung Medien” beim FC St.Pauli steht.

Nachdem wir also die Spiele in Duisburg, gegen Braunschweig und in Heidenheim durchgearbeitet hatten, ging es noch gute neunzig Minuten weiter.
Über die Medienarbeit beim FC St.Pauli allgemein, seine Schalker Vergangenheit und vieles weitere rund um ihn oder den Verein und Medien im Allgemeinen.

Viel Spaß!

Links zur Episode:
Stellungnahme des Fanladens
Offener Brief des Fanclub-Sprecherrates
Aufruf zum Diffidati-Marsch am Freitag

– Übersicht MillernTon-Folgen
AFM-Radio Portal
VdS/NdS-Folgen

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Fußball in den West Midlands – Teil 3 von 3

(Hier findet Ihr Teil 1, und hier Teil 2.)

West Bromwich Albion –  Newcastle United 3:1, 05. Dezember 2010

Es ist schon lange her, als ich im Rahmen des Auswärtsspiels der Spurs in Birmingham aufgrund der frühen Rückflugzeit nur Zeit für eine kurze Stippvisite bei den  Albions hatte. Das Stadion „The Hawthorns“ liegt gleich nahe der gleichnamigen Bahnstation, welche man nach kurzer Fahrt von Birmingham Snow Hill erreicht.

The Hawthorns ist ein komplett geschlossener Ground mit einer alten, erhaltenen Haupttribüne und fasst heute 26.200 Zuschauer. Dadurch ist er sehr kompakt, was sich direkt und positiv auf die Stimmung im Inneren des Bauwerks auswirkt. Jetzt sind die Magpies aus Newcastle ohnehin ein lustiger und lauter Haufen, aber auch die Heimfans gaben direkt neben dem Gästeblock auf der gleichen Hintertortribüne ihr Bestes. Als Pub für Auswärtsfans gilt das nahe dem Stadion gelegene „The Oak“, wo sich an jenem Tag auch außerhalb des Pubs die Nordengländer  unter Polizeiaufsicht die Kante gaben.  Weitere Pubs in direkter Stadionnähe habe ich bei der für mich üblichen Umrundung nicht ausmachen können, so dass ich ungewohnt früh mein Heil im Stadion suchte. Dort hatte ich meinen Platz auf der Haupttribüne, deren Boden im geschlossenen Umgang sogar mit Laminat ausgelegt war. Echt gepflegt!
Wie auch in den anderen Stadien in Birmingham ergab sich auch hier nettes Geplauder mit den Fans von WBA. Alles in allem blieb vom Stadion, Fans und Atmosphäre ein netter Eindruck hängen. Leider musste ich sicherheitshalber kurz vor Schluss den Weg zum Flughafen antreten, so dass ich die beiden kurz vor Ende der Begegnung hintereinander gefallenen Siegtreffer für die Albions nur auf dem Weg nach draußen genießen durfte. Die meist genannte Worte an den Anzeigetafeln am Bahnhof New Street hießen an jenem Tag wegen einer Minischneedecke im Land aber „delayed“ oder „cancelled“.  Einer dieser inseltypischen Widrigkeiten, die man bei seinen Reisen dort aber unbedingt ernst nehmen sollte: Immer schön einen Puffer einbauen!

 

West Bromwich Albion, auch The Baggies“ genannt, ist  eher ein Verein der zweiten Reihe. Größere Erfolge liegen schon Jahrzehnte zurück. 2002 stieg WBA erstmals seit den Achtzigern wieder in die Premierleague auf und kann sich seitdem in der höchsten Liga oder in der Spitze der 2. Liga behaupten. Lokaler Rivale sind hauptsächlich die Wanderers aus Wolverhampton.  Dieses „ Black Country Derby“ ist eines der am häufigsten gespielten Fußball- Derbys der Welt und garantiert, wie soll es auch sonst im ehemaligen Kohlenpott Englands auch anders sein, eine Menge Aufregung.

Vorm Anpfiff im Hawthorns

Vorm Anpfiff im Hawthorns

Was geht sonst so in Birmingham ?

Hotels gibt es in Birmingham reichlich und relativ preiswert. Das ETAP liegt nicht weit von der Innenstadt entfernt, aber an einer mehrspurigen Hauptstraße. Der Fußgängertunnel unter der großen Straße auf dem Weg aus der Stadt schafft es allerdings locker in einen Tatortvorspann.  Wesentlich besser erreicht man das ruhigere gelegene und komfortablere heutige IBIS Style (ehemals Holiday Inn Express) in der Lionel Street: Nämlich durch das Paradies, genauer gesagt dem Paradise Circus. So wurde ursprünglich im 19. Jahrhundert eine Fläche von 7 Hektar in der Innenstadt von Birmingham benannt. Heute findet man dieser Stelle die zentrale Bibliothek, die Musikschule und irgendein mir unbekanntes Monument.  Der Name „Paradise“ prangt aber über dem Eingang einer Ende der sechziger/ Anfang der siebziger Jahre erbauten und dementsprechend  hässlichen Überbauung des innerstädtischen Verkehrsknotens. Außer dem unwirtlichen Weg zum Hotel und dem benachbarten, empfehlenswerten Pub „ The Shakespeare“  laden dort ein paar Lokale nur bedingt zum Verweilen ein. Besser aufgehoben ist der Besucher eher hier:  Im Pub „The Wellington“: Auf mehreren Etagen und einer Terrasse werden rund 16 verschiedene Biersorten (Ale) geboten. Wer hier nüchtern den Ort verlässt, ist selbst schuld. Im Pub „The Victoria“ in der John Bright Street: Hier findet man im Ausgehviertel angenehme Leute bei netter Musik (auch mal Ska und anderes). In Chinatown bekommt man gutes asiatisches Essen und im „Victoria Square Cafe“  gutes englisches Frühstück.

Ansonsten bietet Birmingham, nicht gerade eine Schönheit unter den Städten, ein großes Shopping Center (Bullring Center), ein paar Kirchen und Museen, mittlerweile einen nagelneuen Bahnhof mit integrierter Shopping Meile und eine besonders große Parade am St. Patricks Day, welche ich bei meinen ersten Besuch bestaunen durfte. Einige der größten Kolonien irischer Auswanderer sind nämlich in der Gegend um Birmingham beheimatet.

Alles in allem ist vor allen Dingen Birmingham, aber auch die Umgebung mit seiner Industriekultur, also durchaus eine Reise wert!

Zu nennen wären der Vollständigkeit halber noch die Vereine Coventry City und der Wallsall Football Club. Letzterer ein eher unterklassiger Club, der sich überwiegend in der dritten und vierten Liga aufhält. Coventry machte zuletzt auf sich aufmerksam, als der Clubbesitzer wegen Mietstreitigkeiten mit dem Eigner des Stadions die Spiele seines Clubs ausgerechnet im Sixfields Stadium von  Northampton austragen ließ und damit seine eigene Fans in Wallungen brachte. Viele streikten und besuchten die Spiele ihres Vereins in dieser Zeit nur bei Auswärtsspielen.  Legendär war daher auch die Party der „Sky Blues“ beim FA Cup Spiel beim FC Arsenal in London mit 9.000 Mitgereisten.

Beide Vereine habe ich aber noch nicht besucht, weswegen jetzt hier auch nichts weiter berichtet werden kann. // Christoph

 

 

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