Buchrezension: “Wir Wochenendrebellen”

(Diese Rezension erschien in einer gekürzten Version im Print-Übersteiger 130.
Fotocredits: Sabrina Nagel, www.siesah.de)

Wir Wochenendrebellen: Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa

Wir Wochenendrebellen

Wenn man mal annimmt, dass der ÜS seit Erscheinen ca. fünf Bücher pro Ausgabe rezensiert, hat die geneigte Leserschaft alleine bei uns schon Empfehlungen für knapp 800 Fußballbücher erhalten. Da sollte man meinen, die Thematik sei abgegrast und zum größten Teil auserzählt. Auch das subjektive Schildern des eigenen Fan-Daseins ist nichts, was 2017 auch nur annähernd als „Alleinstellungsmerkmal“ durchgehen würde, im Gegenteil. Eine Schwemme dieses Genres in den letzten Jahren sorgte leider auch nicht immer für Qualität.

Ab und an aber gibt es Bücher, die einen neuen Blickwinkel auf unser aller Hobby bieten. Der Titel „Wir Wochenendrebellen“ erfüllt beides und ist trotzdem irgendwie kein Fußballbuch. Oder auch doch, aber anders. Oder vielleicht besser: Besonders.

Es geht um die reale Geschichte von Vater und Sohn, die gemeinsam Stadien abklappern, um den einen Verein zu finden, dem der Sohn sein Herz schenken will. Klingt merkwürdig, ist es auch. Allerdings liegt hier eine besondere Ausgangslage vor, denn besagter Sohn hat das Asperger-Syndrom – eine Form des Autismus – und eben deswegen eine besondere Sicht auf Herangehensweisen.
Diese Sicht auf die Welt im Allgemeinen und die Vereinssuche im Besonderen wird zwar eingangs beschrieben, gerät bei der absolut lesenswerten Schilderung der verschiedenen Touren beim Leser aber immer wieder in Vergessenheit – bis sie einem mit voller Wucht wieder vor Augen gehalten wird.

In den allermeisten Fällen ist dies einfach nur amüsant zu lesen, beispielsweise wenn die strikte Einhaltung von Regeln, die Teil dieser Sichtweise ist, dazu führt das sich der Vater im Pinkel-Container der alten Nordkurve am Millerntor in das Schlamm & Urin-Gemisch auf den Boden hocken muss, weil der Sohn sich sonst in die Hose machen würde. Warum genau? Lest selbst.

An anderen Stellen hingegen bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil man realisiert das diese besondere Sichtweise im Alltag eben keine Aneinanderreihung von lustigen Anekdoten ist, sondern Menschen an ihre Grenzen bringt und das Familienleben vor Herausforderungen stellt. Das Buch erscheint somit, wie auch die Touren generell, eine Art Therapie zu sein, an der man von außen teilhaben darf.

Wer ab und an meinen Twitter-Account verfolgt, dürfte über Mircos Account sicher schon mal gestolpert sein, auch sein Sohn twittert inzwischen selbst.
Darüberhinaus sei Euch noch der Facebook-Auftritt empfohlen, wo auch die regelmäßig erscheinenden Podcasts (Radiorebell) der beiden zu finden sind.

Ich lese wirklich viele Fußballblogs und -bücher. Und es stellt sich doch schnell heraus, ob der Blog oder das Buch etwas “besonderes” ist, und damit nicht im Sinne des Buchtitels. Es ist eben eine Qualität, erlebtes in geschriebenen Worten so zu vermitteln, dass man das Gefühl hat direkt dabei zu sein. Die hat nicht jeder, ist aber bei so banalen Themen wie Fußball und Fandasein wichtiger als alles andere (wie zum Beispiel Rechtschreibung). Wir reden hier ja nicht über das politische Weltgeschehen, wo fundierte Recherche nötig ist, sondern um den Alltag. Und der ist eben in den allermeisten Fällen furchtbar langweilig und banal, wie es auch viele Auswärtsberichte im Fußballkosmos sind.
Die Texte der Wochenendrebellen leben natürlich zum Einen von der speziellen Story dieser Touren, zum Anderen aber von eben dieser Qualität, das Erlebte erlebbar zu schildern und den Leser mitzunehmen. Im Guten, wie im Schlechten.
Und wer sich auch nur annähernd für unser aller Hobby interessiert, sollte dieses Buch gelesen haben und am besten gleich auch noch zusätzlich verschenken. Meine wenig fußballaffinen Kollegen haben mir nach einem anfänglichen Nasenrümpfen über ein “Fußballbuch” jedenfalls nachträglich versichert, dass sie es sehr gerne gelesen haben.

Während sich das Buch sicher gut unterm Geschenkbaum macht, kann man den Autoren am 13.Januar 2017 um 19.10 Uhr in den Fanräumen treffen, wo er aus seinem Buch vorlesen wird. Der Eintritt ist frei, präsentiert von Fanräume und MillernTon.
Am letzten Wochenende waren die beiden bereits zu einer Lesung in Berlin, Eindrücke davon bekommt Ihr hier.
Wer mehr über die Touren und die Hintergründe erfahren will, kann dies generell unter www.wochenendrebell.de. Wer das Buch dort bestellt, unterstützt gleichzeitig auch noch die Neven-Subotic-Stiftung.

Mirco von Juterczenka: Wir Wochenendrebellen, Ein ganz besonderer Junge und sein Vater auf Stadiontour durch Europa, Gebundene Ausgabe, Benevento, ISBN 978-3710900174, 244 Seiten, 20,00€ / e-Book 15,99€ // Frodo

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Ein Kommentar zu Buchrezension: “Wir Wochenendrebellen”

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