Übersteiger 100

Einhundert Übersteiger! – Freude schöner Fanzinezauber!

Samstag, 28.August 1993. Der FC St.Pauli besiegt durch Tore von Martin Driller (zwei) und Holger Stanislawski vor 15.130 Zuschauern die Stuttgarter Kickers am Millerntor mit 3:0. Doch viel wichtiger als dieser Sieg gegen Fredi Bobic war an diesem Tag: Die erste Ausgabe des Übersteigers! 

Seit damals folgten vier Aufstiege (1995, 2001, 2007 und 2010) sowie drei Abstiege, mehrere Präsidenten und viele Dinge, über die man sich als weltbestes Redaktionskollektiv regelmäßig freuen oder echauffieren durfte. In Euren hoffentlich frisch gewaschenen Händen befindet sich die 100.Ausgabe des Übersteigers, erneut unter Schweiß und Tränen mit viel Herzblut von uns zusammengezimmert, mit der Absicht Euch zu informieren und zu unterhalten.

DieÜS Planung zur 100.Ausgabe lief seit Jahren auf vielen Ebenen und es war ein ständiger Tanz auf der Rasierklinge, ob die Rahmenbedingungen unserer Jubiläumsausgabe denn auch passen würden.
Der Verein stieg wie geplant pünktlich auf und die DFL legte nun auf unser Bitten hin sogar das Derby so günstig, dass anlässlich unseres Ehrentages das erste Bundesliga Derby überhaupt am Millerntor stattfindet! Dafür vielen Dank, sowohl an die Mannschaft als auch an die DFL!

Was könnten wir an Worten verlieren über all das, was uns in diesen mittlerweile 17 Jahren widerfahren ist. Wir wurden von einem Hamburger Boulevard-Blättchen verklagt, die beste Band der Welt spielte für uns ein Soli-Konzert, wir haben uns mit diversen Präsidenten angelegt, man verglich uns mit einem deutschlandweit erscheinenden Boulevard-Blatt, wir lösten eine ganz neue Art von Cuba-Krise aus, wir ersteigerten hsv-Fanutensilien, der von tausenden Groupies umschwärmte Sänger einer Weltklasse-Band schreibt für uns Kolumnen und selbst der Zusammenbau von IKEA-Regalen konnte in Artikel eingebracht werden. Aber am wichtigsten: Man wurde uns nicht los. Wir verloren über die Jahre treue Weggefährten wie den Offenbacher ERWIN oder unseren angetrauten Gatten, das Düsseldorfer COME BACK. Wir sahen dem Fanzinesterben ohnmächtig zu und erfreuen uns immer noch, wenn es weiterhin aufrechte Mitstreiter wie das SCHALKE UNSER oder das Frankfurter FAN GEHT VOR gibt, oder auch neue Projekte wie das Aachener IN DER PRATSCH.

RIPWir beobachten die Verlagerung von Diskussionen über den Fußball im Allgemeinen und den FC St.Pauli im Speziellen vom realen Gespräch ins Internet und tragen mit unserem Blog und unserer Internetpräsenz inzwischen auch selber einen Teil dazu bei. Und ja, es gab auch Stimmen, die eine große, fette Jubiläumsausgabe zur 100 forderten, um mit einem Knall abzutreten und den Internet-Foren dieser Welt die Meinungshoheit zu überlassen.
Wenn dann teilweise an unseren Redaktionssitzungen am Donnerstag (von denen es dann inzwischen über 700 gegeben haben müsste) nur noch drei Redaxler im Fanladen saßen, hielt uns oft auch nur das Ziel der 100 überhaupt noch am Leben. Doch wer von Euch heimlich gar auf ein Ende des ÜS gehofft hat, dem sei gesagt: Arsch lecken, wir sind noch da! Großartiger als je zuvor!
Das Tal ist durchschritten, wir leben noch, und wagen uns jetzt an die nächsten 100 Hefte!

Und zum Beweis haben wir die große fette Jubiläumsausgabe dann doch gebastelt, nur eben ohne den Schlussknall. Wir haben auch mal bei denen um einen Artikel gebeten, die uns naturgemäß eher nicht so mögen, wie die DFL, der DFB, die Polizei oder Chosen Few (sic!). Corny Littmann, der in der Sommerpause bekanntlich seine Mütze nahme und als Präsident den Verein verließ, wird seinen Artikel nachreichen.

Lieber Corny, wir haben es Dir sicher nicht leicht gemacht, Du uns aber auch nicht. Wir bedanken uns bei Dir für die finanzielle Konsolidierung des Vereins, für zwei neue Tribünen am Millerntor und für das Vertrauen in die richtigen Leute in der sportlichen Leitung. Es gibt auch genug Dinge, für die wir Dir nicht danken, aber dazu stand in den zurückliegenden 99 Ausgaben sicher genug. 

Genug auch der Worte, alles heute nur Schall und Rauch. Heute geht es nicht darum, die Bundesliga zu rocken, heute geht es um mehr. Das Stadion wird brodeln, Dezibel-Rekorde werden gebrochen, beim „Aux Armes“ wird das Dach der Nord wegfliegen. Heute ist ein Tag, an dem Legenden geboren werden. Rausgehen, warmmachen, weghauen! Forza St.Pauli!

Eure Übersteiger


Hundert Punkte x 0.5 im völligen Stream of Consciousness zum 100 jährigen Geburtstag des FC St Pauli und zur Hundertsten Übersteiger Ausgabe.

1.) Der Grund, warum man im steigenden Alter sich mehr für Fußball interessiert liegt darin begründet, dass das Leben komplizierter wird und sich die Anzahl der Niederlagen summiert, man beim Fußball aber genau weiß, was einen erwartet, was man machen muss und was passiert, und selbst bei einer Niederlage sich nichts mittelfristig an der Gefühlslage verändert.

2.) Ich habe den Kampf aufgegeben! Es wird in einem Verhältnis von 80 zu 20 von Pauli zu St. Pauli gesprochen. Ich werde nie mehr das Bon Mot „SANKT Pauli…! Soviel Zeit muss sein“ benutzen. (Berlin verdirbt, Anm.d.L.)

3.) Es gibt Menschen in meinem weiblichen Umfeld, die finden Holger Stanislawski attraktiver als jedes männliche Model, das ihnen bekannt ist.

4.) Ein Freund von mir, der Jude ist, spricht seit dem „Naki versus Rostock“ Vorfall nur noch von „My Man Naki“. Näher komme ich dem Film „Inglourious Basterds“ wahrscheinlich nicht mehr.

5.) Meinetwegen hätte Naki in Rostock auch eine Panzerfaust andeuten können oder mit einem imaginären Panzer über den Platz fahren können. Hätte ich alles gut gefunden.

Thees6.) Meine Tochter kann frei aus dem Kopf das Sankt Pauli Symbol erkennen und benennen. Allerdings sagt sie auch “Sankt Pauli“, wenn sie einen Kreis mit „was drinnen“ sieht. Mercedessterne, Wappen auf Ritterburgen etc.! Das führt dazu das ich pro tag ca. 20 mal „Sankt Pauli höre!“

7.) Nach dem Chemnitzspiel hatte ich mehr Angst als auf einem 40 stöckigem Haus ohne Balustrade. Nach dem Freiburg Spiel hatte ich mehr Hoffnung als wiedergeborene Christen.

8.) 100 Ausgaben so etwas wie den ÜBERSTEIGER durchzuziehen ist echt krank und KANN gar nicht hoch genug angerechnet werden. So was ist Ehrenamt in Reinform.

9.) Als ich bei der Lesung im Ballsaal spontanen Applaus für die neue Songzeile von „ Das hier ist Fußball“ bekommen habe, war das einer der schönsten musikalischen Momente meines Lebens! Danke!

10.) Als ich beim 100 Jahre Sankt Pauli Festival mit kettcar „Das hier ist Fußball“ auf der Bühne singen dufte, war das einer der schönsten musikalischen Momente meines Lebens! Danke!

11.) Das der Fanladen finanzielle Probleme hat ist nicht tolerierbar, so ist er doch das Frauenhoferinstitut der deutschen Fanprojekte! Und das hat immerhin mp3 erfunden.

12.) In Berlin gibt es jetzt 3 St. Pauli affine Kneipen in meiner näheren Nähe. Das finde ich wundervoll. Vielen Dank. Viel Glück von hier aus für die neu gegründeten Bars „Oberbaumeck“ und die „Astra Stube“. Im Franziskaner werden noch nach dem Atomkrieg St. Pauli Fans sitzen & aufs Spiel warten.

13.) Immer wenn ich Milch in meinem Kaffee schütte denke ich in meinem Hirn mantraartig „Hamburg ist braun und weiß!“

14.) Ich war nur einmal bei einer ÜS Redaktionssitzung. An die kann ich mich aber auch noch sekundengenau erinnern.

15.) Ich war aber schon zweimal bei einer Übersteiger Weihnachtsfeier. An die kann ich mich nicht mehr sekundengenau erinnern.

16.) Am Tag bevor ich nach Berlin zog saß ich auf dem Hamburger Berg mit (Ex-) Übersteiger Redakteuren. Sie sagten, dass ich bestimmt bald wieder da sei. Ich wünschte sie hätten Recht gehabt.

17.) Ich gucke vom Spieltag bis zum Tag vor dem nächsten Spiel, nicht ins Sankt Pauli Forum, Kicker und auf mopo.de, wenn Sankt Pauli verloren hat. 

18.) Das Fanladen Sankt Pauli Black Flag T Shirt ist so schön, dass mich schon 2 Frauen angesprochen haben ob sie das auch haben können. Sie interessieren sich beide nicht für Fußball!

19.) Nirgendwo in meinem Leben ist die Quote von „selten sehen und extrem gut verstehen“ so hoch wie bei Menschen, die ich durch Sankt Pauli kenne.

20.) Die Gazzetta d’Ultrà ist ein tolles Fanzine, hat aber ein 72 dpi Problem

21.) Vor der Lesung im Ballsaal konnte ich sehen, wie ein Bagger eine komplette Treppe in die Tribüne legt und sie sofort von emsigen Arbeitern eingeschraubt wurde. Gedanke 1: „Man, geht so etwas inzwischen schnell.“ Gedanke 2: „Männer werden noch in 2000 Jahren durch Astlöcher an Baustellen gucken, weil sie es irgendwie müssen.“

22.) Ich würde der Frau die auf der Mopo.de den Sankt Pauli Video Blog macht 500 Euro zahlen damit sie aufhört (und ich bin gerade knapp bei Kasse!).

23.) Sven Brux ist der Gandalf von St Pauli, sieht aber wie Aragon aus!

24.) Auf Berliner Spielplätzen liegt St. Pauli Merchandise auf Platz 1. Dahinter Barcelona (wegen dem Unicef Zeugs), Bayern (Gentrifizierung – oder wie Umzug von Leuten mit Kohle jetzt heißt) & Hertha (wegen Peter Fox)

25.) Meine Tochter hat ein Sankt Pauli Gedicht gedichtet. Es geht so: „Sankt Pauli, Sankt Pauli – ettedettedauli!“

26.) Der Anspruch des Trainers, dass die Mannschaft es sich verdient hat in der ersten Liga zu spielen, weil sie aufgestiegen ist, ist a) weise, b) empathisch c) so selten wie wundervoll in der heutigen Zeit.

27.) Menschen die „in der heutigen Zeit“ schreiben gehören zum alten Eisen oder wie man im Forum sagt „Alter Stamm Ultra“

28.) St. Pauli und das Umfeld funktioniert wie die Simpsons. Die meisten die Hirn haben mögen das. Und wer die Simpsons nicht mag, den finde ich obskur!

29.) Sankt Pauli ist auch deshalb so wichtig, weil hier Sachen für eine ganze Gesellschaft vorformuliert und ausprobiert und verhandelt werden.

30.) Die neuen Trikots sind die schönsten seit annodunnemal.

31.) T-Shirt Idee: Silhouette Fabian Boll! Darüber SANKT PAULI! Darunter: N.A.C.A.B.!

32.) Als wir vom Cottbus Spiel schnell zum Zug zurück gerannt sind, standen wir zwei Minuten vor Abfahrt des Zuges an einer roten Fußgängerampel, an einer Straße die aber eh beidseitig gesperrt war. Wir zu Polizist: „ Dürfen wir rüüüber? Wir müssen schnell zum Zug!“ Polizist geht auf die Mitte der Strasse guckt ob was kommt und sagt: „Rüber mit euch! Gute Fahrt!“

33.) Wer die Größe der Wahrscheinlichkeit ausrechnen kann, dass der Übersteiger seine Hundertste Ausgabe feiert im Jahr in dem der Verein 100 wird und das in dem Jahr in dem der Verein aufsteigt, dem schenke ich was

34.) Ich verstehe nicht wie man einem 50 jährigen ein Hörgerät aus dem Ohr schlagen kann, aber wegen mir müsste es noch nicht mal Fahrradschlösser geben.

35.) Das AFM Radio müsste all seine Radiosendungen auf Platte pressen und als Sankt Pauli Radio 100ter Vinyl Box verkaufen. Ich wäre der erste, der sich die zieht. Es sind so ca. 115 Sendungen. (Danke für die Info, Wolf) 

36.) Die Musikuntermalung der Halbzeitpause bei UNION BERLIN (Turbostaat, Gorillaz, Superpunk) ist besser, als die bei Sankt Pauli (schrummelschrummel, flötflöt, rummsrumms! Hahahahah)

37.) Wenn es im St Pauli Stadion vernünftigen Kaffee aus vernünftigen Bechern geben würde, müsste ich nicht immer so viel Bier trinken.

38.) Ich habe über ein Jahr keine Kolumne mehr geschrieben. Sankt Pauli ist aufgestiegen.

39.) Ich habe das Vorwort für die Stadionzeitung von Union beim Spiel gegen Sankt Pauli geschrieben. Sankt Pauli hat verloren. Muss ich mehr sagen?

40.) Was die Leute beim 100 Jahre Sankt Pauli Festival ehrenamtlich gestemmt haben ist übermenschlich. Vielen dank!

41.) In der Zeit zwischen dem Viva St Pauli und dem 100 Jahre Sankt Pauli Festival hat sich einmal die ganze Welt verändert.

42.) Es spricht für uns alle, wie schnell sich der Konflikt mit der 5 Minuten Aktion vor dem Rostockspiel gelegt hat und dabei sachlich argumentiert wurde.

43.) Wenn man in der Halbzeitpause auf Toilette geht muss man dieser Zeiten an die Loveparade denken, aber nach dem 9/11 musste man auch an das World Trade Center denken, wenn man die Flugzeuge sah, die in Fuhlsbüttel gestartet sind.

44.) Ich möchte, dass dies meine letzte Stehplatz Saison wird.

45.) Das Spiel gegen Hoffheim kommentierte Marcus Wiebusch so: „Ich bin enttäuscht, aber nicht traurig!“ Gut gesagt, Herr Wiebusch!

46.) Der USP Seidenschal kleidet mich perfekt zu jeder Jahreszeit. Im Winter perfekt zum Rad fahren weil das material gut isoliert nicht kratzt & im Sommer kann man sich den Schweiß damit abwischen und er trocknet schnell. Und er ist TOTSCHICK!

47.) Ich mag es wie Deniz Naki sich bewegt, denn es ist die totale Antithese zu dem wie mich bewegen kann.

48.) martialisches Sankt Pauli Gedicht:
Dieser Stoff ist kein Trikot, dies ist ein Panzer aus Bronze
Auch in der 90. Minute heißt die Hoffnung, Chance
Alle mit Euch & ihr für Alle
dies ist keine Abseits – sondern eine Bärenfalle.
Favoriten stürzen! Siege erringen!
In die Ruhmeshalle des Fußballs eindringen.
Ich habe eine Liebe & sie bleibt bestehen
FC Sankt Pauli von 1910!

49.) Der Schlagzeuger von Arcade Fire ist Sankt Pauli Fan.

50.) Vielen Dank mein Übersteiger. Ohne dich wäre mein Leben schlechter!

Thees


Finanznöte beim Fanladen

Ende Juli gab es eine Meldung, die für enormes Aufsehen in der Fanszene sorgte: Der Fanladen steckt in finanziellen Schwierig-keiten. Eine große Hilfewelle rollte an, es wurde auf vielen Wegen zu Spenden aufgerufen. Zwei Monate später schaut der ÜS auf Geschehenes, den Stand der Dinge und die Zukunft.

Liebe St. Pauli-Fans,
leider ist der Fanladen in finanziellen Problemen.In den letzten Jahren wurde unser Umsatz immer geringer, große Sonderzugfahrten können leider wegen kurzfristigen Ansetzungen und unattraktiven Anstoßzeiten kaum noch durchgeführt werden, so brachen wichtige Einnahmen weg.
Ebenso ist der Umsatz an Getränken dank Spielen am Mittag stark zurückgegangen, bis jetzt haben wir aber die Getränkepreise nicht erhöht. Der Fanladen wird auch nicht mehr so rege frequentiert und auch dadurch brach der Umsatz leider ein.
Wir wollen aber unser Angebot nicht einschränken, weder sollen (soziale) Projekte von uns beschnitten werden, noch wollen wir die Öffnungszeiten reduzieren.
Daher hoffen wir auf Eure Hilfe, um Euren und unseren Fanladen so zu erhalten wie er ist.
Durch den Aufstieg in die 1. Liga hoffen wir, dass der Umsatz wieder weiter nach oben geht, allerdings wird eine Erhöhung der Getränkepreise unausweichlich sein, ebenso fragen wir nach Spenden Eures Fanclubs, da in den letzten Jahren einfach zu wenig Geld reinkam:
Es wäre toll, wenn ihr als Fanclub spenden würdet. Als kleines Bonbon bekommt ihr ab einer Spende von 25€ eine Urkunde von uns, die ihr in euer Vereinsheim, eure Kneipe oder euer Wohnzimmer hängen könnt, so habt ihr immer ein Stück Fanladen zu Hause! Ab einer Spendensummer von 50,- Euro stellen wir auch absetzbare Spendenbescheinigungen aus.
Diese Spenden dienen dem Fortbestand des Fanladens in seiner Form!
Wir wissen, dass das gerade in diesen Zeiten alles andere als selbstverständlich ist und freuen uns über Euren Support jetzt, aber auch in den letzten Jahren und in der Zukunft!Nutzt Euren Fanladen!Ohne Euch wäre der Fanladen gar nichts!Spenden bitte an:
Kontoinh.: JUSP Fanladen St. Pauli,
Kontonr. 1045210935,
Hamburger Sparkasse, BLZ 20050550Solltet ihr die Urkunde haben wollen, dann bitte eine Mail an:
fanladen@gmx.de mit Namen unter dem ihr gespendet habt.Vielen Dank,
Euer Fanladen St. Pauli
(Carsten, Elin, Justus, Kolja und Stefan)

Schon kurze Zeit später kam folgende Ergänzung:

Hallo St. Pauli – Fans.
Erst einmal vielen Dank für Eure Unterstützung in den letzten Tagen nach unserem Spendenaufruf – das hat wieder einmal gezeigt, dass die St. Pauli Fanszene etwas ganz Besonderes ist! Es kamen aber auch sowohl in persönlichen Gesprächen als auch per Mail und im Forum viele Fragen auf, die wir mal versuchen, zu beantworten, um unsere Situation deutlicher zu machen:
Es ist nicht so, dass der Fanladen in akuter Gefahr ist, dass wir hier zumachen müssen, unsere Miete nicht mehr bezahlen können oder Ähnliches. Grundsätzlich ist unser Haushalt durch die Finanzierung als Fanprojekt nach dem NKSS (Nationales Konzept Sport und Sicherheit) gewährleistet. Näheres dazu unter Anderem hier: 
finanzierung-fanprojekte
Allerdings haben wir hier im Fanladen einige Kosten, die eben nicht durch diese Finanzierung bezahlt werden können. So haben wir einen Laden in Stadionnähe, der einiges an Miete kostet – früher konnte das durch den Umsatz des Fanladens (z.B. Getränkeverkauf, Fahrten, Fanartikel, etc.) bezahlt werden, inzwischen nicht mehr.
Wir haben in der Vergangenheit viele Projekte angeschoben, die wir auch nicht mehr missen wollen, die aber sehr arbeitsintensiv sind. Um die gesamte Arbeit zu leisten, haben wir inzwischen eine Arbeitsstundenanzahl, die leider nicht mehr vollständig durch die allgemeine Fanprojektfinanzierung bezahlt werden kann.
In den letzten Jahren (quasi seit Beginn des Fanladens) konnten wir also diese „zusätzlichen“ Kosten wie Miete usw. größtenteils aus dem „Geschäftsbetrieb“ bezahlen – gerade die beiden ausverkauften Sonderzüge in der Erstligasaison gegen Schalke wirkten da noch Jahre nach und halfen uns. Die 4 Jahre Regionalliga und die 3 Jahre 2. Liga waren da leider nicht so erfolgreich, daher kamen wir zu der Spendenaktion, um dieses Wegfallen auszugleichen.
Es sind also nicht die Projektmittel, die fehlen, und wir brauchen unserer Meinung nach auch kein neues Konzept, wie einige forderten, sondern eben einfach wieder höhere Einnahmen im „Geschäftsbetrieb“.
Also, kauft unser neues Tourshirt, unser Solishirt, fahrt mit uns auswärts und trinkt ein Bier oder einen Softdrink in Eurem Fanladen!
Nutzt Euren Fanladen!

   Fassen wir die beiden abgebildeten Texte des Fanladens zusammen, bleibt folgendes: Der Fanladen steht nicht vor dem unmittelbaren finanziellen Exodus und wird in irgendeiner Art und Weise auch ewig weiter existieren, solange Fanprojekte durch das oben erwähnte NKSS unterstützt werden. Die Miete für die Brigittenstraße wird gezahlt, auch Gehälter werden pünktlich überwiesen. Also viel Lärm um nichts? Oder doch ein Hilfeschrei, der grade noch rechtzeitig kam?

Die Ausgangslage 

    Der Fanladen ist ein sozialpädagogisches Projekt unter dem Dach des Jugend und Sport e.V., der gleichzeitig auch Träger des Fanprojekts beim hsv ist. Die Grundfinanzierung sieht eine Drittelfinanzierung durch Bundesland, Stadt und Verein vor. Darüber hinaus bekommt der Fanladen seit Jahren einen Betrag von Upsolut, als Gegenleistung dafür, dass man auf übermäßige Merchandise-Produktion verzichtet. Weitere potentiell feste Einnahmen sind Getränkeverkäufe und Auswärtsfahrten.

    Nun lässt sich aus dem Text des Fanladens bereits herauslesen, dass die beiden letzten Punkte deutlich eingebrochen sind, trotzdem bleibt die Frage offen, warum denn das ganze Geld nicht ausreicht? Salopp gesagt: Hinterm Tresen stehen, ein Bier rausreichen, mal ein T-Shirt beim Drucker ordern und ab und an mal einen Bus bestellen, der dann eh von den Mitfahrern bezahlt wird, wie kann es da einen „gut vierstelligen Fehlbetrag pro Monat“ geben, wie es aus dem Fanladen hieß? Bewahrheitet sich etwa doch der alte Running Gag, dass jeder Mitarbeiter (zur Zeit fünf) 30% vom Verkaufspreis an jedem T-Shirt erhält? Nein, sicher nicht, und für doofe Sprüche ist das Thema auch zu ernst.

    Auf der Kostenseite stehen zwei große Posten, die auch bei jedem Dienstleister oft oben stehen: Miete und Personal. Rechnet man die Drittelfinanzierung mal mit dem Höchstsatz aus (60.000,-€ mal drei) kommt man auf 180.000,-€, zzgl. der weiteren Posten wie z.B. der Upsolut-Zahlung und eben den regelmäßigen Einnahmen aus dem Ladengeschäft, wie T-Shirts, Getränken und den Eintrittskarten, wobei grade letztere ja fast 1:1 ein durchlaufender Posten sind.Das Dilemma 

    Der Fanladen und seine Strukturen sind ein lieb gewonnenes Gut, welches natürlich auch seinen Preis hat. Miete eines annehmbaren Ladens in beliebter Lage, fünf beschäftigte Personen (davon drei Vollzeitstellen) mit vielen Wochenend-Diensten, diverse Tätigkeiten rund um die normalen Öffnungszeiten. Dank des sportlichen Erfolges fährt dann eben meist nicht mehr nur ein Bus, sondern mehrere, dazu vielleicht noch eine Bahntour und ein Spiel der II.Mannschaft. 

    Auch was die normalen Öffnungszeiten des Fanladens anbelangt lohnt der Vergleich mit anderen Vereinen. So ein Ladengeschäft mit Tresendienst, Verkaufsraum und verlässlichen regelmäßigen Öffnungszeiten ist keineswegs Standard und wird in diesem Umfang auch nicht von den eigentlichen Zielen des NKSS gedeckt. Neben dem im Text erwähnten Einbruch bei den regelmäßigen Verkäufen durch die geringere Frequentierung des Fanladens, kam in der abgelaufenen Saison auch noch ein weiteres Ärgernis durch die Stadt hinzu: Zu allen Heimspielen der Regionalliga-Mannschaft fand ebenfalls eine Betreuung im Stadion durch einen Fanladen-Vertreter statt, was auch beim Stadtrivalen seit Jahren in der Liga der Fall ist. Auch für diese Fanbetreuung gab es von der Stadt bisher an den hsv immer einen bestimmten Betrag, mit dem auch in der Kalkulation für den Fanladen jetzt gerechnet wurde. Beim Verteilen der Töpfe erkannte Hamburg am Ende der Saison aber, dass nicht genug Geld für beide Projekte da war. Das Budget war alle und der hsv bekam das Geld ja schon länger, da könne man nicht streichen. Also wurde der Betrag dort beibehalten, für den Fanladen aber gab es kein Geld. Na, wenigstens steht die Elbphilharmonie bald.

    Kein Wunder jedenfalls, wenn bei den vielfältigen Aufgaben die eigentlichen Arbeitsstunden nicht ausreichen. Alle Projekte, die vom Fanladen ausgehen, wie z.B. Kiezkick, die U18, Ausschwitz-Gedenktag oder das Antira-Turnier will sicher niemand missen, alle fließen aber (zumindest personell) in die laufenden Kosten ein. Will man derlei Projekte behalten? Sollen die Öffnungszeiten so beibehalten werden? Will man weiterhin einen starken Fanladen als Fanvertretung gegenüber dem Verein, der auch Gewicht in der Fanszene hat? Nicht wie bei manch anderem Verein, wo die vom Verein installierten Fanbeauftragten (=Vereinsangestellte) nur Grüß-August-Status habe und selbst manches Fanprojekt um Anerkennung in der Fanszene kämpfen muss? Will man weiterhin die personelle Präsenz bei Heimspielen (Container in der Nord, Kiosk in der Süd) und insbesondere auch bei Auswärtsspielen, die die Fanladen-Mitarbeiter derzeit bieten? Soll es für Auswärtige Fans weiterhin die Bestellmöglichkeit von Tickets im Fanladen geben?

    Die meisten bis alle dieser Fragen dürfte der ÜS-Leser hoffentlich mit „Ja“ beantworten, und sehr wahrscheinlich wird es auch so geschehen. Allerdings sind diese Dinge nicht alle auch zwingend durch die normale Finanzierung gesichert. Sie sprengen den Rahmen dessen, was eine durch die Drittelfinanzierung abgesicherte 08/15 Fanbetreuung zu leisten im Stande sein muss. Da reicht dann (zugegebenermaßen überspitzt) auch eine Pinnwand in der Kurve mit der Abfahrtszeit des Busses zum Auswärtsspiel und eine Handynummer für die Anmeldung, während der Fanbeauftragte vor Ort angekommen dann schnell in die VIP-Räume verschwindet.

    Wenn der Fanladen also weiterhin „unser“ Fanladen bleiben soll, so muss sich etwas ändern, sonst ist ein Stellenabbau ebenso möglich wie verkürzte Öffnungszeiten oder eine personell deutlich abgespecktere Begleitung der Heim- und Auswärtsspiele.Stand der Dinge 

    Wenige Tage vor der Feier zum 20.Geburtstag sprachen wir mit Justus Peltzer (Fanladen) und Dieter Baenisch (Jugend und Sport e.V.) über die aktuelle Situation. Seit dem Aufruf ist einiges geschehen und die inzwischen eingegangenen Spenden haben auch für eine Entlastung gesorgt. Dieter zeigte sich besonders von der breiten Unterstützung der Fanszene beeindruckt, angefangen beim Präsidenten Dr. Spies, der 2.500,-€ Honorar für einen Vortrag spendete bis hin zum normalen Fan oder Fanclub, die im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten ebenfalls reichlich spendeten. Klar ist beiden aber auch: Es gibt ein strukturelles Problem, die regelmäßige Nutzung des Fanladens muss sich verbessern. Sonst sind die Spenden nach einiger Zeitaufgebraucht und man steht vor einer ähnlichen Situation. Und natürlich ist es nicht das Ziel, jetzt jedes Jahr einmal um Hilfe zu rufen. Aber auch für eine regelmäßigere Nutzung ist man auf einem guten Weg. 

    Mit USP (jeder 2.Montag im Monat, nächster Termin 11.10.) und dem Fanclub-Sprecherrat (jeder 2.Donnerstag im Monat, nächster Termin 14.10.) haben bereits zwei Gruppen einen neuen und regelmäßigen öffentlichen Termin, der im Fanladen stattfindet. Bei beiden Gruppen ist man auch als Neuling gerne gesehen um sich zu informieren, auszutauschen oder auch mal konstruktive Kritik zu äußern. Und wo wir grad dabei sind: Nach jedem Heft ist auch die erste Sitzung des Übersteigers immer öffentlich, inklusive Heftbesprechung, dieses Mal also am 23.09. um 20.00 Uhr in der Brigittenstraße 3. Wir stehen total auf Bepöbelungen, kommt vorbei, gebt uns Tiernamen und kauft nebenbei dann bitte eine Bionade.

    Sonderaktionen wie der von Fanräume durchgeführte Brunch vor dem Hoffenheim-Spiel sind ebenfalls zu verzeichnen, insgesamt lässt sich auch ein verstärkter Zulauf zu den Öffnungszeiten feststellen. Dieter und Justus räumten beide ein, dass man in der Vergangenheit teilweise das Gefühl bekommen musste, ein Kartencenter mit Getränkeverkauf zu sein, so sehr fokussierte sich die Nutzung auf reinen Eintrittskartenerwerb. Dieser Eintrittskartenverkauf (sowohl für Heim- als auch für Auswärtsspiele) bindet aber eben sowohl in der Reservierungs- als auch in der Verkaufsphase viel Arbeitszeit, die in dem eigentlichen sozialpädagogischem Auftrag eines Fanprojektes gar nicht vorgesehen ist. Natürlich will diesen Posten auch niemand aus dem Fanladen raushaben, nur muss eben auch dies in die Planungen der Arbeitszeit einbezogen werden und bindet Ressourcen. Allerdings ist hier beim ersten Heimspiel eine Verbesserung spürbar gewesen, den Fanladen wieder mehr als das zu begreifen, was er in erster Linie sein soll, nämlich eine soziale Einrichtung und insbesondere am Spieltag auch eine Begegnungsstätte.
An konkreten Neuerungen plant man zurzeit einen Flyer, um eine einfachere und bessere Möglichkeit der Außendarstellung zu haben.

    Die seit dem Schalke-Sonderzug im Raum stehende Aussage, dass es nicht mehr zwingend gewollt ist, Sonderzüge zu machen, gilt im Übrigen nicht mehr. Die Erfahrungen der Fahrten nach Mainz, Rostock und Fürth haben gezeigt, dass Sonderzüge beim FC St.Pauli wieder möglich sind, ohne eine einzige große Sauerei zu veranstalten und zu hinterlassen. Der Vorabverkauf an registrierte Fanclubs hat sich hierbei als absolut positiv herausgestellt und wird beibehalten werden, da hier offensichtlich in vielen Fällen durch die Gruppenzugehörigkeit auch ein höheres Verantwortungsgefühl bei den Einzelnen herrscht. Während für den Zulauf im Fanladen die erste Liga sicher positiv ist, ist die späte Terminierung der Spiele nach wie vor ein großes Ärgernis, da sich Sonderzüge eben besser mit einem längeren Vorlauf buchen lassen. Trotzdem dürfte die höhere Attraktivität der Gegner sicher für den einen oder anderen zusätzlichen Sonderzug sorgen, wenn denn auch bei Auswärtsspielen mal wieder am Samstag um 15.30 Uhr gespielt werden darf. Aktuell läuft übrigens bereits der Vorverkauf für den Sonderzug am 34.Spieltag nach Mainz, inkl. Liegewagen, meldet Euch an!
Neues (oder eben glücklicherweise auch nicht) gibt es auch im Bezug auf Eintrittskarten: Von der angedrohten Streichung der Privilegien nach dem Rostock-Spiel ist nichts geblieben. Auch für diese

    Saison verfügt der Fanladen also über gut 200 Karten für die Süd sowie zusammen knapp 100 Karten für die Steh- und Sitzplätze der Gegengeraden. Aber auch an die kann eben nur kommen, wer den Fanladen kennt und ihn auch nutzen will. Traut Euch, die beißen nicht sondern sind mindestens genauso nett wie die Mitarbeiter des Kartencenters.

    Kleine Werbung am Rande, wenn noch jemand Klamotten braucht: Sowohl vom Fanladen-Soli Shirt (10,-€) als auch vom diesjährigen Tour-Shirt (15,-€) sind noch lange nicht die jeweils 300 gedruckten Exemplare verkauft. (Zu Letzterem lohnt auch ein Blick in die Döntjes, der Trend geht zum Zweit-Tour-Shirt.)Die Vision 

    Gefragt nach dem Fanladen im Jahre 2015 führen beide natürlich zuerst Fanräume e.V. an. Die Brigittenstraße soll irgendwann Geschichte sein, die Zukunft des Fanladens liegt in der neuen Gegengeraden. Man bewirtschaftet den großen Raum zusammen mit der AFM und eventuell noch anderen dort beheimateten Gruppen.
Die Öffnungszeiten sind ähnlich wie heute aber es gibt im Schnitt auch an einem Abend der Woche Programm, seien es Lesungen oder Konzerte oder Diskussionsveranstaltungen. 

    Von den fünf Vollzeit Beschäftigten ist einer ganz allein für die Kartenvergabe bei Heim- und Auswärtsspielen freigestellt, das wäre übrigens eigentlich auch heute schon notwendig. Und selbstverständlich ist auch der Fanbeauftragte weiterhin beim Fanladen angesiedelt und nicht Angestellter des Vereins, egal was die DFL da derzeit in den Lizenzbedingungen zu verfasst. Ein sky-Abo wird der Fanladen dann selbstverständlich immer noch nicht haben, schließlich ist der Sender bis dahin eh schon pleite! Ganz im Gegensatz zum Fanladen, den wir Fans auch weiterhin als UNSEREN Fanladen begreifen, unterstützen und nutzen müssen, wollen und können. 

    „Nutzt Euren Fanladen!“ ist als Parole inzwischen zwar schon etwas abgenutzt, trifft es im Wortsinne aber immer noch sehr gut. Der Fanladen ist nicht für sich selber da, oder damit die fünf Mitarbeiter hinterm Tresen eine gute Figur machen, sondern er ist eine Institution in diesem Verein und diesem Stadtteil. Es gilt ihn zu bewahren, da er für uns alle da ist. Wenn wir ihn nicht mehr wollen, kann auch dort gerne Dienst nach Vorschrift geleistet werden. So weit ist es aber noch lange nicht und zumindest für den Autoren dieser Zeilen ist der Fanladen das Herz des FC St.Pauli. Sollte es irgendwann aufhören zu schlagen oder eben nur noch ein normales Fanprojekt sein wie so viele andere, so ist auch der FC St.Pauli komplett austauschbar geworden, und das kann niemand wollen.

    Es erwartet sicher niemand, dass über 20.000 Millerntor-Besucher pro Spieltag den Fanladen aufsuchen und ihr Kaltgetränk dort zu sich nehmen. Aber sollte zumindest jeder zweite ÜS-Leser pro Spiel eine Bionade, ein Vitamalz oder eine Afri-Cola im Fanladen genießen und der andere zweite Leser zwischen den beiden Heimspielen mal vorbeischauen, so wäre zumindest eine gesunde Basis gelegt.

Frodo


Das St. Pauli Jahr100:

Eine Ausstellung zwischen Innovation und Tradition 

Zum 100. Geburtstag leistet sich der FC St. Pauli eine Sonderausstellung, die Fan einfach gesehen haben muss. 

   Zugegeben, die Seecontainer sehen von außen nicht wirklich einladend aus, was vielleicht auch an den Bauzaun-Absperrungen liegt. Wer aber einmal in der Ausstellung mit ihrem überraschend großzügigen Eingangsbereich angekommen ist, kann verstehen, warum der Verein diese Lösung auf seiner Homepage in den Himmel lobt: Die Container bieten den optimalen Rahmen für die Jubiläumsausstellung, und zwar am bestmöglichen Ort. Dabei ist es den Architekten gelungen, ein wirklich überzeugendes Raumkonzept zu entwickeln, das sich der Ausstellung und ihren Themenbereichen optimal anpasst: abwechslungsreich, spannend, in ständigem Wechsel zwischen drinnen und draußen (Regenjacke einpacken!), mal kleinteilig, mal sehr großzügig, und vor allem: sehr offen. 

    Um es gleich vorweg zu sagen: Für einen Rundgang sollte man mehrere Stunden einplanen, am besten gleich den ganzen Nachmittag. Die Ausstellung ist so umfangreich, bis ins letzte Detail, bis hin zu den Bildunterschriften so sorgfältig ausgearbeitet, und vor allem so kurzweilig, dass belanglose Dinge wie die Uhrzeit einfach in Vergessenheit geraten. Dabei richtet sich das „Museum“ an ein sehr breites Publikum: für den Fan mit 50 Jahren Vereinsmitgliedschaft dürfte die Ausstellung genauso interessant sein wie für den Neu-St. Paulianer, und auch für Kinder gibt es einiges zu sehen. Nur Pokale gibt es nicht. 

   In der Ausstellung empfiehlt es sich, dem Rundgang zu folgen. Der ist zwar eher schlecht ausgeschildert, aber ein Blick in den (kostenlosen) Navigations-Faltplan hilft auf jeden Fall weiter. Los geht’s im Obergeschoss mit Schautafeln, –Kästen und Abbildungen zu Wappen und Farben (Warum braun-weiss?), vor denen allein man schon eine Stunde verbringen kann. Und dann erst der Saal (muss man direkt sagen) mit Mannschaftsfotos seit 1910, an drei Wänden rund um Vitrinen mit alter Spielkleidung dekoriert! Jersey und handgestrickte Stutzen aus den 50ern oder ein Originaltrikot von Ivan Klasnic, mal herrlich braun-weiß, mal schrecklich grün – alles dabei. Und schon hier am Anfang der Ausstellung besticht die Liebe zum Detail, z. B. bei den Namensbeischriften zu alten Mannschaftsfotos. Wer immer schon mal wissen wollte, seit wann es eigentlich Werbung auf Spielertrikots oder individuelle Rückennummern gibt – hier kann man all so was nachlesen. 

    Kurzer Gang über den Innenhof. Wo geht’s weiter? Was kommt jetzt? Ah, Stadiengeschichte. Dieser zweite Themenbereich wirkt im ersten Augenblick etwas trocken: Baupläne, alte Fotos. Doch dieser Eindruck täuscht: Auch hier viel Abwechslung, interessante historische Fotos neben Stadionmodellen, plötzlich Tageslicht: durch ein schmales Fenster öffnet sich der Blick auf die neue Südseite des Stadions – sehr passend. Dann weniger museale, aber nicht weniger sehenswerte Unterhaltung: Der Bau der Südkurve im Foto-Zeitraffer, Bild und Ton vom Volksparkboykott im März 1991, ein sehenswertes Riesenfoto vom Pokalsieg gegen Bremen und, nicht zuletzt, eine amüsant bebilderte Geschichte der Umkleidekabinen am Millerntor. Zurück über den Innenhof. Durch einen dunklen Tunnel, an dessen Ende eine besondere Attraktion wartet: 24 Stunden Spieltag, 24.000 Bilder in wenigen Minuten – und das je nach Lust und Laune mit Blick auf jede der vier Tribünen, im Stehen, auf der Holzbank oder im roten Plastikschalensitz. Aus dem dunklen und engen, aber hohen Raum führt der Weg dann auf eine größere Dachterrasse. Hier versteckt sich links eine (zu) kurze Darstellung der anderen Abteilungen im FC (bzw. eines Teils davon: Frauen- und Blindenfußball, Rugby, Boxen); rechts ein weiteres Räumchen zu Fußball bis 1933. Die Zeit zwischen 1933 und 1945 wird im nächsten Container (schlicht, eng, schwarz ausgemalt) thematisiert: viel zu lesen, viele Informationen auf engem Raum, und, sehr angenehm, ein gehöriges Maß Selbstkritik. 

    Weniger textlastig ist der nächste und größte Raum sicherlich das Herzstück der Ausstellung. Zeitungsberichte, liebevoll gemachte Collagen, alte Sammelbildchen, Filme, O-Töne und Trophäen der ganz besonderen Art: aus „jüngerer“ Zeit beispielsweise die Schuhe, mit denen Ralf Sievers anno 1991 St. Pauli zum legendären Sieg im Münchner Olympiastadion schoss (und das zugehörige T-Shirt!), Bilder und Berichte zum Aufstiegs-Auswärtssieg 2001 in Nürnberg, das Weltpokalsiegerbesiegertshirt und und und. Zwischendurch der Absturz ins Tal der Tränen: Lizenzentzug. Sportlicher Abstieg. Regionalliga. Die Tabelle vom 24. Spieltag der RL Nord, St. Pauli nur mit Mühe auf einem (dem letzten!) Nichtabstiegsplatz – hinter diversen Teams mit ’ner II dahinter. Ein wahres Wechselbad der Gefühle. Hier kann man in glorreichen – und grauenvollen – Erinnerungen an alte Zeiten schwelgen, sich an fast vergessene oder verdrängte Einzelheiten erinnern, und den Kindern oder Enkeln erzählen: Ich war dabei! Für die Nachgeborenen dagegen versucht die Ausstellung überall zu erklären, was eigentlich nicht erklärbar ist: wie der „Mythos St. Pauli“ entstanden ist, und wie sich die Fanszene zu dem entwickelt hat, was sie jetzt ist (oder eben auch nicht mehr ist). 

   Wenn die Aufsicht jetzt noch nicht ungeduldig mit dem Schlüssel klimpert, dann wäre da noch das Untergeschoss der Ausstellung. Und auch das hat einiges zu bieten, z. B. vier Minuten des legendären Auftritts von Volker Ippig im Aktuellen Sportstudio. Volker wer? Das wird in Zukunft hoffentlich kein St. Pauli-Fan mehr fragen. Nicaragua, Hafenstraße, Fußballprofi – toll, das mal wieder sehen und hören zu dürfen! Das ist allerdings erst Themenbereich 12, in den ich von der Treppe aus gleich erstmal reingestolpert bin. Also zurück zum Rundgang. Schon im nächsten Gang wartet ein weiteres Glanzlicht: Ein Zusammenschnitt mit drei Live-Reportagen aus den 60er Jahren aus – Liverpool. Was das mit St. Pauli zu tun hat? Einfach mal reinhören. So kann „You’ll never walk alone“ klingen! 

    Dies Gänsehaut-Erlebnis ist eine schöne Einstimmung auf den jetzt folgenden Bereich: Fans und ihre Aktivitäten. Auch hier wieder Trophäen, die kein anderer Verein ausstellen würde, und es wird deutlich, dass dies in erheblichem Umfang eine Ausstellung von Fans für Fans ist. Der Fanladen hat ebenso eine eigene Ecke wie das Antira-Turnier oder die Ultras, und der Blick geht weit über den eigenen Tellerrand hinaus: auch bundesweite Entwicklungen in der Fanszene (Fanzines!) und vereinsübergreifende Organisationen wie BAFF werden vorgestellt – nicht ohne einen gewissen Stolz, denn immerhin waren St. Pauli-Fans auch über Hamburg hinaus oft treibende Kraft oder Vorbild für politische und fanpolitische Aktivitäten. Auf gar keinen Fall sollte man übrigens an einem unscheinbaren Bildschirm mit Schwarz-Weiß-Film und Kopfhörer vorbeilaufen: Der Wochenschau-Ausschnitt vom 1:0 unseres FC gegen das Team vom Rothenbaum aus dem Jahr 1930 ist absolut sehenswert. 

   Was mir persönlich an der Ausstellung sehr gefällt, ist die bunte Mischung aus Schaustücken mit hohem emotionalem Wert, informativen Texten, historischen Dokumenten und moderner Technik: überall Bildschirme, Filmchen, Fotostrecken, O-Töne und die Möglichkeit, sich einfach über Telefon – sogar von zu Hause aus – mal was vorlesen zu lassen. Außerdem ist man den Ausstellungsstücken sehr nah, kann auch mal was anfassen oder ganz dicht ran gehen. Dass die O-Töne allerdings jeweils nur über einen einzigen Kopfhörer zu hören sind, könnte bei größerem Besucherandrang problematisch werden. Insgesamt jedoch kann man nur hoffen, dass der FC St. Pauli dauerhaft einen Platz für sein großartiges neues Museum finden wird, und dass diese beeindruckende Ausstellung den gebührenden Besucheransturm erlebt.

   Die Ausstellung „Das St. Pauli Jahr100“ ist noch bis zum 31. Oktober vor der Südkurve zu bewundern, täglich von 12-20 Uhr. Eintritt 7,- / erm. 5,- / Kinder 3,50. 

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Players Corner

Die Redaktion des Übersteigers gibt dem Spieler drei Stichwörter an die Hand, die dieser irgendwie im Text mit verarbeiten soll. Diesmal: Journalismus, Gentrifikation, Lena Meyer-Landrut

Heute:
Moritz Volz

   MoritzEigentlich beendete ich meine Karriere als Journalist schon als Sieben-Jähriger, als mein bester Kindergartenfreund Till mir völlig entnervt verbot, Ihm weiterhin Löcher in den Bauch zu fragen. Ich hatte mich anscheinend in der kindestypischen “Warum-Phase” nicht ausreichend an meinen Eltern und Geschwistern ausgelebt und mein neu-erweckter Informationsdrang stellte eine ernste Bedrohung für unsere Freundschaft dar. Mittlerweile versuche ich mich gelegentlich gerne als Journalist, wenn mich die Aufgabe reizt, so wie mit dieser 3 in 1 Überraschungs-Ei Geschichte für den Übersteiger. 

    Der Luxus, den ich als Hobby-Journalist genieße liegt zum einen darin, dass ich nie gezwungen bin einen Job anzunehmen, auf den ich keine Lust habe und zum anderen ist der Druck nicht so groß erstklassige Arbeit abzugeben, obwohl das natürlich immer mein Wunsch ist.
Wir Fußballprofis haben fast täglich mit Journalisten zu tun. Ständig beobachten Sie uns bei der Arbeit und berichten darüber wann, wo, wer, wie, was trainiert und kommentieren, analysieren und bewerten unsere Leistungen am Wochenende. Da unsere Branche sehr von der ausgeprägten Berichterstattung diverser Medien profitiert sind Interviews ein nicht unerheblicher Teil unseres Jobs. Leider ist die Zusammenarbeit mit den Reportern selten aufregend, denn viele Fragen und Themen wiederholen sich sehr oft und wir sind kaum in der Lage Tacheles zu reden und zu sagen, was wir wirklich denken. Öffentliche Kritik an Verein, Trainer, Mitspielern oder Fans sind richtigerweise mit Strafen verbunden. Wie in einer Familie werden Probleme intern geklärt und nicht über die Medien breit getreten. Das macht gerade den Sportjournalismus zu einem sehr zähen Geschäft.

    Durch die verschiedensten Aufgaben als Kolumnist, Reporter, Kommentator und Blogger habe ich einen breiten Einblick in die Arbeit der Journalisten erhalten, der es mir ermöglichte meine einstige Abneigung gegenüber Journalisten, die ich aufgrund sehr schlechter und einschneidender Erfahrungen im Hinblick auf meinen Wechsel als Jugendlicher ins Ausland hatte, ein Stück weit abzulegen.

    Zum Ende der Championship-Saison 2008, bin ich für den englischen Sportsender Sky als Reporter auf den Platz gegangen und habe die Spieler nach dem Spiel interviewt. Gerade an diesem Tag konnte ich spüren, wie undankbar dieser Job sein kann. Es war das letzte Spiel der Saison an der Loftus Road zwischen QPR und West Brom. Das Spiel hatte überhaupt keine Bedeutung für den Ausgang der Spielzeit. QPR war unbedeutend im Mittelfeld versunken und West Brom stand als Aufsteiger in die Premier League fest. Die angereisten West Brom Fans hatten sich in Anerkennung Ihres alten Stürmerfuchs Kevin Phillips, auch Super-Kev gennant, in Comic Helden verwandelt und die QPR Fans freuten sich, dass die erfolglose Saison ein Ende nahm und blickten der kommenden Saison entgegen, die man aufgrund der neuen Besitzer Briatore, Ecclestone und Mittal als Favorit angehen sollte. Die Stimmung auf den Rängen war völlig losgelöst und feierlich. Auch die Spieler, die sich auf Ihren Urlaub freuten, konnten ganz entspannt die Saison beenden und sich im Beisein Ihrer Familien mit der traditionellen “Lap of Honour” bei den Fans für deren Unterstützung bedanken. Unter diesen Voraussetzungen ist man als Reporter nur lästig und unerwünscht, weil man, egal wen man sich vorknüpft, nur vom Feiern abhält. Glücklicherweise kannte ich jeweils einen Spieler jeder Mannschaft so gut, als dass ich mich traute sie kurz zu unterbrechen und mit Fragen zu dem Verlauf der Spielzeit, den Plänen für den Sommer, oder zu den Wünschen für die kommende Saison zu durchlöchern. Ich merkte ganz deutlich, dass es nicht einfach ist, interessante und dennoch sachliche Fragen zu stellen. Seitdem bin ich etwas nachsichtiger gegenüber den Reportern.

    Nachsichtig bin ich auch bei Lena Meyer-Landrut in Bezug auf Ihre sehr eigenartige Interpretation der englischen Sprache. Sie hat Ihr ganz eigenes Englisch erfunden in dem Sie einen Mischmasch aller bisher bekannten Dialekte singt. Hauptsache sie spricht bzw. singt nicht in dem so gern verspotteten “Scherman-Englisch”. Saetz right, if you no wot I mien?

    Gleichermaßen wie die fast tadellos veranstaltete WM 2006 hat Sie mit Ihrem Sieg beim Grand-Prix dazu beigetragen, dass wir Deutschen wieder voller Stolz unsere Flaggen schwenken und in Schwarz-Rot-Gold auftreten können. Ich habe Ihrem Triumph aus dem Urlaub im französischen Fernsehen verfolgt und auch wenn mein Französisch sehr brüchig ist, konnte man erkennen, dass Lena bei unseren weinliebenden Nachbarn sehr gut angekommen ist. Vielleicht lag es auch ein wenig an der sehr bunten, allerdings auch in seltenem Maße unbegabten Konkurrenz, die wahrscheinlich selbst als Provinz-Zirkus mit Ihren schrillen Auftritten nur wenig Applaus geerntet hätten. Wenn Lena es jetzt noch hin bekommt mit Ihrer Werbekampagne für Opel den unspektakulären Autohersteller Hip zu machen, sollten wir Deutschen uns ernsthaft überlegen, die süße Lena, wenn nicht zur Kanzlerin, wenigstens zur Außenministerin zu wählen. 

    Den Posten als Innenministerin möchte ich Ihr nicht antun. Da müsste Sie sich neben den jüngsten Ereignissen um Sarrazin und Steinbrueck wahrscheinlich auch mit dem sehr schwierigen Thema der Gentrifizierung auseinander setzen. Ich habe selbst lange und gerne in Fulham, einem gentrifizierten Stadteil im Südwesten Londons, gelebt und muss gestehen, dass mir oftmals gerade diese umgewandelten Stadtteile sehr gut gefallen. Ich bin mir aber auch darüber im klaren, dass Gentrifizierung oft dazu führt, dass langjährige Ortsansässige aufgrund der steigenden Mieten und Lebenserhaltungskosten häufig aus Ihren Vierteln verdrängt werden. Ideal wäre es doch, wenn sich die alteingesessenen Bewohner an der Aufwertung Ihres Viertels so beteiligen könnten, dass Sie weiterhin die Möglichkeit haben in Ihrem Kiez zu bleiben. Das wünsche ich mir vor allem für den Stadtteil Sankt Pauli, da die Identität meines Vereins sehr von den Menschen des Bezirks geprägt ist und nicht verloren gehen soll.


NEUES VON DEN ALTEN

Was soll das nun eigentlich wieder? Da vermeldet der ÜS in seiner letzten Ausgabe in dieser Rubrik, dass Jahn Regensburg sich Ende Februar mit sofortiger Wirkung von Geschäftsführer FRANZ GERBER getrennt hätte, und dann kursieren unmittelbar nach Redaktionsschluss plötzlich Meldungen, dass man alles nicht so ernst gemeint hätte und Gerber wieder Jahn-Chef sei. Und das nach wiederum nur zwei Monaten, denn auch vor seinem Rauswurf im Februar waren es nicht einmal zwei Monate, dass Schlangen-Franz mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet wurde. Sachen gibt’s. Mehr Freude bereitete uns Sohnemann FABIAN GERBER, als er Mitte Mai im Rückspiel der Relegation beide Treffer für seinen Club FC Ingolstadt bei Hansa Rostock zum 2:0-Endstand erzielte und damit die Kogge nach dem 1:0 im Hinspiel endgültig versenkte und in die dritte Liga katapultierte. Überraschend auf den Trainerstuhl gehievt, wenn auch nur kommissarisch, wurde Mitte August PHILIP ALBRECHT beim Hamburger Landesligisten TSV Wandsetal, nachdem dort sowohl der Cheftrainer als auch dessen Assistent aus persönlichen Gründen das Handtuch warfen. Ebenfalls als Trainer arbeitet inzwischen MARKUS SAILER, der beim Kreisligisten SV Spiegelberg auf der Bank sitzt. KLAUS THOMFORDE, der zuletzt Torwartrainer bei Holstein Kiel war, kümmert sich inzwischen um den Nachwuchs: Bei St. Paulis U23-Ligakonkurrent Germania Schnelsen ehrenamtlich, hauptamtlich bei Deutschlands U16 als Torwartrainer. Auch ein anderer ehemaliger St.Pauli-Keeper agiert heute als Torwarttrainer. REINHARD RIETZKE nämlich tut dies im Jugendbereich des FC St. Pauli. Und wenn wir schon bei ehemaligen FC-Torhütern sind: Mit unbekanntem Ziel hat St. Paulis Ex-U23-Keeper FABIAN LUCASSEN die zweite Mannschaft des Hamburger SV verlassen. Auch noch keine neue Aufgabe hat PATRIK BORGER, den der FC St. Pauli im Zuge des Aufstiegs aussortiert hatte. Überraschend wurde zu Saisonbeginn zudem UDO BÖHS beim Kreisligisten FC Raunheim abgelöst. Ebenfalls nicht mehr am Start ist FRANK DRÖGE, der aus beruflichen Gründen 31-jährig zum Saisonende seine Karriere beim Hamburger Oberligisten USC Paloma beendete. Neu im Geschäft ist hingegen ACHIM HOLLERIETH, der den Trainerposten bei der A-Jugend des SV Meppen übernahm. Und auch der ehemalige U23-Keeper HAYKO KALAYCIOGLU, der zuletzt bei BU das Tor hütete, hat mit Hamm United einen neuen Verein gefunden. Neuer Übungsleiter beim VfB Oldenburg ist TORSTEN FRÖHLING, der zuletzt Holstein Kiel II coachte. Dorthin wechselte auch TIM PETERSEN, der zuvor beim FC Carl Zeiss Jena die Fußballschuhe schnürte. Als Spielertrainer fungierte MARKUS AERDKEN bis zum Saisonende beim Kreisligisten SV Sternburg Lütschena, nun verdingt er sich, inzwischen 38-jährig, als Spieler beim Kreisoberligisten TSV Elbe Aken. Nachdem Trainer ANDREAS „BOLLER“ JESCHKE beim Hamburger Kreisligisten KS Polonia gefeuert wurde, hat dieser nun im Kreisligaaufsteiger SV Friedrichsgabe einen neuen Arbeitgeber gefunden. Einen neuen Job hat ebenfalls HARTMUT WULFF, der seinerzeit St. Paulis B-Jugend trainierte: Vom Verbandsligisten Möllner SV kommend übernahm er nun den Bankjob beim Kreisligateam des VfL Oldesloe. Einen neuen Verein muss sich HORST WOHLERS suchen, nachdem ihn Sven Demandt bei der Zweiten Borussia Mönchengladbachs (Regionalliga) abgelöst hat. Ebenso erging es Co-Trainer HENNING BÜRGER, dem man beim FC Ingolstadt nahe legte, sich einen anderen Arbeitgeber zu suchen. Neu im Team im Trainerstab der braunweißen B-Jugend-Bundesligaelf ist neben Chefeinpeitscher HANSI BARGFREDE, als einer von zwei Assistenten, nun DIETER SCHILLER. Und THOMAS MEGGLE übernahm nach seinem Karriereende als Spieler bekanntlich einen Job im Trainerstab des FC St. Pauli. Was genau er dort nun machen soll, scheint nach den Medienberichten noch nicht ganz klar zu sein. (u.a. Videoanalyse und Scouting; Anm.d.L.) Klar ist allerdings, dass FRED KLAUS in Bayern bleibt: Von der SpVgg Greuther Fürth, wo er als B-Juniorentrainer aktiv war, wechselt er als U17-Coach zu 1860 München. Aus persönlichen Gründen beendete RALF SIEVERS seine Trainertätigkeit beim FC Hansa Lüneburg. Beendet hat auch BENJAMIN WEIGELT sein Engagement beim SV Wehen Wiesbaden – und zwar vorzeitig – um beim KSV Hessen Kassel anzuheuern. Vom BFC Dynamo Berlin zum FC Carl Zeiss Jena wechselte TOBIAS KURBJUWEIT. Von Kickers Offenbach zum Chemnitzer FC ging CHRISTIAN FRÖHLICH, und DENIZ BARIS wurde innerhalb der türkischen Beletage von Fenerbahce Istanbul zu Antalyaspor transferiert. In dieser Liga konnte ÖMER ERDOGAN als Kapitän von Bursaspor in der abgelaufenen Spielzeit überraschend den Meistertitel feiern (Nationalspieler ist jetzt auch noch; Anm.d.L.). Neuer Spielertrainer beim Bezirksligisten SuS Merklinde ist MARCO GRUSZKA, der von der Hammer SpVgg kam. Nicht mehr so ganz bei Rot-Weiß Oberhausen dabei ist der extrem verletzungsanfällige FELIX LUZ. Sollte er aber wieder fit werden, soll er dort angeblich doch noch einen stark leistungsbezogenen Vertrag bekommen. Einen neuen Kontrakt schon in der Tasche hat hingegen JONATHAN BEAULIEU-BOURGAULT, der sich Preußen Münster anschloss. Hier landete zu Saisonbeginn ebenfalls BABACAR N’DIAYE, der vom TSV Havelse dorthin wechselte. Zurück am Millerntor ist HAUKE BRÜCKNER (30), der der U23, nach dem Karriereende von FARAI MBIDZO, als Leitwolf vorstehen soll. Hauke kommt von Holstein Kiel. Beim TuS Bösinghoven spielt jetzt ROBERT PALIKUCA, der nach dem Laufbahnende bei Fortuna Düsseldorf und dem dortigen Beginn einer Geschäftsstellentätigkeit nun hauptsächlich spaßeshalber wieder gegen den Ball tritt. Weniger Spaß bereitet STEFFEN KARL, der jüngst wegen einer Spielmanipulation für ein Jahr gesperrt wurde. Als Präsident und Spieler des Kreisligisten Viktoria Einsiedeln soll er Drahtzieher des für 150 Euro und zwei Kisten Bier gekauften 9:2 gegen BSC Rapid Chemnitz II gewesen sein. Nachdem BERKAN ALGAN – wen wundert es noch? – im Mai bei Altona 93 suspendiert wurde, hat er nun eine neue Anstellung beim Oberligisten TSV Wedel gefunden. Ebenfalls zum TSV ging SASCHA KUZMANOV, St. Paulis ehemaliger U23-Spieler.  JETON ARIFI wechselte vom SV Elversberg zurück zum SC Verl. Ausgeliehen wurde hingegen FILIP TROJAN: Für zunächst ein Jahr spielt der bei Mainz 05 angestellte Mittelfeldmann beim MSV Duisburg. Der MSV soll keine Kaufoption besitzen. Noch ohne neuen Arbeitgeber ist MARVIN BRAUN, der nach dem Abstieg des Wuppertaler SV kurz sogar bei Altona 93 im Gespräch gewesen sein soll. Im Gespräch ist auch permanent MORIKE SAKO, den Arminia Bielefelds Trainer Ziege unter anderem wegen dessen Kopfballstärke (sic!) unbedingt haben möchte. Aber das Geld sei leider nicht da (Doch! Anm.d.L.). Wie aus dem Nichts aufgetaucht ist GUY ACOLATSE, der 1963 als erster Schwarzafrikaner im deutschen Profifußball überhaupt zum FC St. Pauli kam. Acolatse lebte die letzten 30 Jahre in Paris, und anlässlich der 100-Jahr-Feier konnte ein interessierter Fan den Ehemaligen nach aufwändiger Recherche ausfindig machen. Nachdem IVAN KLASNIC Ende Juli seinen Vertrag mit dem FC Nantes vorzeitig aufgelöst hatte, unterschrieb er ein paar Tage später einen neuen Kontrakt bei den Bolton Wanderers, zu denen er zuvor bereits ein Jahr ausgeliehen war. IAN JOY hat sich dem US-Club Portland Timbers angeschlossen, und CORY GIBBS tritt seit Anfang des Jahres beim Ami-Verein New England Revolution gegen den Ball. MICHEL MAZINGU-DINZEY arbeitet seit Juli für den türkischen Zweitligisten Diyarbakirspor als Scout und kümmert sich dabei um Afrika und Südamerika. Nachdem DENNIS TORNIEPORTH nach lauer Saison beim KSV Hessen Kassel keinen neuen Vertrag mehr bekommen hatte, landete er beim FC Hansa Lüneburg, für den er kicken will, bis er irgendwo einen neuen Profivertrag unterschreiben kann. Vom BFC Dynamo Berlin zurück zu Eintracht Trier, wo er bereits von 2003 bis 2005 gespielt hatte, zog es NICO PATSCHINSKI. Mit unbekanntem Ziel hat St. Paulis ehemaliger U23-Kicker KASPER VON WENSIERSKI Altona 93 verlassen. DENNIS THEISSENverließ die Großkopf-Truppe und schloss sich dem SC Victoria an, TIM HEYSEN hingegen aus der selben Elf wechselte zum TSV Niendorf. Auch die U23 verlassen haben ERMIR ZEKIRI, der beim VfB Lübeck unterschrieb, MARIUS BROWARCZYK (Eintracht Norderstedt), MARC LANGE ging zum SV Henstedt-Ulzburg und YASAR KOCA zum Oststeinbeker SV. Das Ziel von ZAFER LEVENT DEMIRBAGA ist unbekannt. Auch einige U23-Spieler aus vergangenen Spielzeiten haben die Seiten gewechselt: DENNIS GERSDORF wechselte von Eintracht Norderstedt zum FC Elmshorn, DAVIDE PEDROSO-BUSSU landete, nachdem er zuletzt beim SC Concordia gespielt hatte, beim Niendorfer TSV, LUKAS SOSNOWSKIverließ Germania Schnelsen, um sich dem Oststeinbeker SV anzuschließen, MARC ALBRECHT kam vom SC Concordia zum USC Paloma, ATA YAMRALI zog den TSV Sasel dem TSV Wedel vor und FREDERIC BÖSE(braunweißer Jugendkeeper) ging von Eintracht Norderstedt zum SV Curslack-Neuengamme. St. Paulis erfolgreicher B-Jugendcoach PATRICK WILLIAMS hat jetzt die U15 übernommen, nachdem er die in die Bundesliga geführte U17 an Hansi Bargfrede abgeben musste. Andere Ex-Jugendliche des FC St. Pauli haben sich auf ihrer Karriereleiter anderen Vereinen angeschlossen: ABDEL MONEEM ABOU KHALIL (U19) schloss sich dem Oberligisten Eintracht Norderstedt an, und U18-Nationalspieler LENNARD SOWAH wechselte vom FC Portsmouth zum Hamburger SV. Nicht mehr für den FC St. Pauli aktiv ist TERRY WRENN, Platzwart an der Kollaustraße, von dem sich der Club getrennt hat. Nicht mehr im alten Metier als Zeugwart tätig ist CLAUS BUBKE, der nun als Platzwart auf dem Heiligengeistfeld aktiv ist. Und was macht eigentlich FERDI GÜNTER? Der kickt inzwischen beim SV Lippstadt 08. Zum Schluss folgen wie immer die traurigsten Meldungen dieser Rubrik: Am 11. August verstarb WALTER SCHRÖDER, der ehemalige Reisemarschall und das Ex-Präsidiumsmitglied, 89-jährig in Wentorf. Schröder war über 60 Jahre Vereinsmitglied. Bereits in der Nacht vom 20. Auf den 21. Juli verstarb St. Paulis ehemaliger Sturm-Star HORST HAECKS an den Folgen einer Lungenentzündung.

Ronny

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