Übersteiger 108

Könnt ihr uns hören?

Das anfängliche Kribbeln, welches sich gegen Ende der Sommerpause einstellte, hat ja nicht lange vorgehalten. Einem überragenden Pokalerfolg in Offenburg folgte der triste Ligaalltag auf dem Fuße. Wir sind mit den zwei Dingern in der Lausitz noch gut bedient gewesen, allenthalben stellte sich ein gewisser Schockzustand über den längst überwunden geglaubten Rumpelfußball ein. Mannmannmann, Kinners! Gut, die Neuen sollen sich erst mal einspielen und zurechtfinden, außerdem ist der Sportchef neu. Aber SOWAS?

Wenigstens haben die Deerns und Jungs vom Übersteiger die gewohnten 110 Prozent Leistung abrufen können und ein fabulöses Heft produziert. Der Capitano soll ja schließlich wissen, dass nach seinem Weggang nicht alles zusammengebrochen ist. Wir kümmern uns in dieser Ausgabe schwerpunktmäßig um internationale Härte und unsere Zukunft. International sind die Berichte über die Celtics und die Rangers sowie das lange Interview mit den Leuten des Backpackers, hart die Bestandsaufnahme anlässlich der stattgefunden Sicherheitskonferenz und die Auseinandersetzung mit der Stadion- bzw. Domwache, welche ein dauerhaftes Heimspiel in der Gegengeraden haben will. Not in our name, dear Mr. President! Sehr wohl in unserem Namen wird der Zukunft in Form der Jugend auch weiterhin eine Chance gegeben und dabei sogar ein völlig neuer Weg beschritten. Mehr dazu im ausführlichen Interview zum Nachwuchsleistungszentrum sowie der F- und G-Jugend.

Nicht mehr an der Zukunft mitgestalten wird leider Günter Peine. Außer auf dem Cover würdigen wir ihn auch im Heft mit einem Nachruf.

Ansonsten gibt es viel Vereinsmeierei: Amateure, Rezis und Döntjes – ein echter Übersteiger eben. Lasst ihn euch schmecken, viel Spaß mit der 108,

Eure Übersteigers


»Bei St. Pauli muss man mit Herz und Seele spielen«

Diese Worte stammen von einem, der vielleicht wie kein Zweiter das Herz und die Seele des FC St. Pauli verkörperte. Andere hatten größere sportliche Karrieren als er, aber das hat ihn nie angefochten; nach seiner aktiven Zeit war er „nur“ Mitglied und Fan. 

Günter Peine wurde am 02.08.1920 in der Holstenstraße geboren. Mit neun zog er mit Mutter und Schwester ins Viertel (Annenstraße) und begann auf den Bolzplätzen hinter den Wallanlagen mit dem Kicken. Wie so viele der damaligen Zeit wurde er von Käptn Rudolf entdeckt und überredet, dem Verein beizutreten. Das geschah am 6. Juni 1930. 50 Pfennig Monatsbeitrag, verdammt viel Geld für eine alleinerziehende Mutter; damals konnte man für die Summe zwanzig Brötchen kaufen. Und am 8. Juni 1930 das erste Spiel für die 3. Knaben des FC St. Pauli gegen Vineta (dem heutigen SC Sternschanze). Über die Jugendmannschaften ging es bis in die Liga, die erste Mannschaft. Den Freiplatz für das Gymnasium „verkickt“, drangegeben für den Fußball. Mit 19 das Debüt an der Seite von Helmut Johannsen in einem „Gesellschaftsspiel“ gegen den Rothenburger FK, bestritt er über 40 Ligaspiele für den FC St. Pauli als linker oder rechter Verteidiger. Wenn nicht der Krieg gewesen wäre, wären es sicherlich ein paar mehr gewesen.

Nach dem Krieg kam dann die Zeit der Wunderelf und die „Alten“ mussten ins zweite Glied treten; am 6. Januar 1946 gegen Braunschweig (wieder ein Freundschaftsspiel) lief er das letzte Mal für die erste Mannschaft auf. Er hatte Angebote von anderen Vereinen aus Hamburg (Union, Vicky, ETV oder dem AFC), wo er 1.500 DM hätte verdienen können. Aber wann immer ihn seine Frau zu einem Wechsel bewegen wollte, sagte er nur: „Da will ich nicht hin, ich will Freunde um mich herum haben.“ „Bei mir“, so sagte er einmal, „dauert es lange, bis ich einen freundschaftlichen Kontakt habe – und den habe ich nur beim FC St. Pauli.“ So blieb er dem Verein treu, bis 1952 als Kapitän der Reservemannschaft, die dreimal in Folge Hamburger Meister der Reserverunde wurde. Als dann 1952 auch die Amateure des FC am normalen Ligenspielbetrieb teilnahmen, musste er seine Karriere beenden. Beruflich zu viel zu tun, um noch regelmäßig zu Training und Spielen zu gehen. „Ich war von eh und je der kleine Mann. Wer was will, setzt sich vorne in die erste Reihe. Ich setz mich in die letzte Reihe und wenn man was von mir will, kann man mich von dort wegholen.“ Hat man nach seiner aktiven Karriere dann auch noch einmal getan. In den 1980ern wurde er in den Ehrenrat gewählt. Nachdem Harald Stender aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr als Vorsitzender kandidierte, übernahm er für vier Jahre das Amt; kandidierte 2007 nach dem Tod seiner Frau dann nicht mehr.

Günter PeineSpätestens ins ganz große Licht der St.Pauli-Öffentlichkeit trat Günter Peine, als er anlässlich der 100-Jahre-Feier beim Jahr-100-Konzert einige seiner Gedichte vortragen durfte, die er über den Verein geschrieben hatte. Auch dazu hatte man den Mann aus der letzten Reihe eher drängen müssen. Aber das war sicherlich einer der Höhepunkte im Leben jenes Mannes. „Wünsche hat ja jeder, aber ich muss nicht darauf bestehen“ hatte er in einem Interview gesagt. 2009 äußerte er anlässlich des bevorstehenden Jubiläums aber dann doch einen: „Ich bin seit 79 Jahren durchgehend Mitglied. 100 Jahre FC St. Pauli, 90 Jahre Günter Peine, 80 Jahre Mitgliedschaft im Verein. Das wäre eine tolle Sache nächstes Jahr.“ Dieser Wunsch ist ihm erfüllt worden; es sind 92 Jahre Günter Peine geworden und 82 Jahre Vereinsmitgliedschaft; ein Rekord, der wohl nie mehr geknackt werden wird. Bis zum April 2012 war er bei jedem Heimspiel dabei, dann ging das leider gesundheitlich nicht mehr. Ein Hommage an Günter Peine wäre aber unvollständig, wenn nicht wenigstens eines seiner Gedichte zitiert werden würde. Und keines drückt Günters Credo und seine Beziehung zu diesem Verein besser aus, als dieses: 

„Sankt Pauli zieht die Herzen an,
egal woher sie kommen.
Sankt Pauli bietet Freundschaft an,
hier wird man aufgenommen.

Sankt Pauli bleibt der gute Geist,
der in die Herzen geht.
Sankt Pauli bleibt Sankt Pauli,
auch wenn mal Halbmast weht.“

Am 2. August 2012, seinem 92. Geburtstag, ist Günter Peine in seinem Wohnort Bönningstedt friedlich eingeschlafen. Damit hat der Verein viel Herz und viel Seele verloren. Mögen wir alle, die es mit dem FC St. Pauli halten, ein wenig Günter Peine sein.

// Fuisligo


Stell dir vor, es ist Sicherheitskonferenz und fast alle gehen hin

Es war schon ein mittelgroßer Aufreger, der da mitten in die Sommerpause platzte: magischerfc.de, lichterkarussel.net, Frodo bei uns im Blog, natürlich das Forum usw. usf. kannten (kurzzeitig) nur ein Thema. Bernd-Georg Spies, seines Zeichens Präsidiumsmitglied mit Titel „Vizepräsident“, hatte auf der Sicherheitskonferenz in Berin einen »Ehrenkodex« im Namen des FC St. Pauli unterschrieben. Die Aufregung war groß.

Worum geht es? Am 17. Juli 2012 versammelten sich auf Einladung des DFB und der DFL Vertreter von 53 Proficlubs zusammen mit Bundesinnenminister Friedrich, Hans-Peter und dem Vorsitzenden der Bundesinnenministerkonferenz Caffier, Lorenz um eine gemeinsame Linie im Umgang mit Gewalt in Stadien zu finden. FanvertreterInnen waren nicht eingeladen. Vielleicht waren die Räumlichkeiten zu klein, ich weiß es nicht. Wahrscheinlicher ist, dass sich die weißen alten Herren lieber nicht in die Niederungen deutscher Stehplätze begeben wollen. Business as usual eben. An eben jenem Dienstag in Berlin wurden die Vereinsvertreter dazu aufgefordert, einen »Ehrenkodex« zu unterschreiben. In diesem, großzügigerweise am Montag vor der Konferenz verteilten Kodex stehen Dinge wie:

»Die Fans sind ein wichtiger, zentraler Bestandteil unseres Sports. Ihre Unterstützung und ihre Leidenschaft sind Teil dieser einzigartigen, faszinierenden Fußballkultur, die es zu bewahren gilt«. Aber auch »Wir dulden keine Pyrotechnik« und »Wir stehen für eine konsequente Sanktionierung«. Überschieben ist das Papier mit »Verhaltensgrundsätze« und soll ein Zusammenstehen aller Vereine für einen nach DFB-Begrifflichkeiten »gewaltfreien« Fußball signalisieren.

Von Seiten des magischen FC waren Michael Meeske und, wie oben erwähnt, Bend-Georg Spies zur Konferenz gereist.

Und nun wird es ein wenig unübersichtlich. Zwei Faktoren haben zu dieser Unübersichtlichkeit maßgeblich beigetragen. Der erste Faktor war die Unterschrift unter einen Ehrenkodex, den bisher niemand außer den beiden Konferenzteilnehmern kannte (die Verhaltensgrundsätze als PDF unter: bundesliga.de), der zweite Faktor war eine gewiefte oder, je nach Standpunkt, katastrophale Informationspolitik von DFB und DFL. Die sprachen nämlich von einem gemeinsamen Maßnahmenpaket, welches »im Rahmen einer gemeinsamen Sicherheits-Konferenz« von den Clubs der »Bundesliga, 2. Bundesliga und 3. Liga heute in Berlin« zustande gekommen sei. Eine Lüge, wie sich in nachfolgenden Gesprächen zeigte. Denn zwar war der Maßnahmenkatalog, in dem hanebüchene Vorschläge wie »Ausweitung des Stadionverbots bis zu zehn Jahren möglich« stehen, eine Diskussionsgrundlage auf der Konferenz – verabschiedet wurde dieser nicht.

So genannte „Journalisten“

Dennoch fanden sich Tags darauf zahlreiche so genannte Journalisten, die mit Klickträchtigen Schlagzeilen aufwarten wollten. Ob die von den Verbänden gestreuten, nennen wir es wohlwollend gewagten Interpretationen der Konferenzergebnisse, einen Funken Substanz hatten, hatte sich offensichtlich keiner gefragt. Beispiel gefällig? Vielfach war zu lesen, Fanprojekte würden mehr Geld bekommen um die Präventionsarbeit zu stärken. Das ist nur bedingt richtig. Vielmehr wird die Finanzierung lediglich anders verteilt. Bisher war es so, dass sich Vereine, Kommunen und die Länder das Geld teilten. Zwar gibt es nun mehr Geld von den Vereinen, das ist schon richtig – dafür wird aber das Engagement der Kommunen zurückgefahren. Am Ende bleibt ein Nullsummenspiel, dass zu Gunsten der Kommunen und zu Lasten der Vereine geht. Wie genau nun die Verteilung der Mittel für Fanprojekte zwischen den drei Beteiligten geregelt sein mag: »Mehr Geld für Fanprojekte« gibt es jedenfalls nicht. (Wer es genau wissen will, den verweise ich hiermit freundlich an den Fanladen).

Als spontane Reaktion auf die Unterschrift von Spies und den von DFB/DFL vermittelten Halbwahrheiten kochte natürlich die Fanseele – insbesondere innerhalb der vitalen Internetpopulation unseres Vereins. Aber ebenso im Aufsichtsrat. Dieser lud spontan nach Ende der Sicherheitskonferenz zu einer »gremienübergreifenden« Austauschrunde ein, die auch tatsächlich zustande kam. Vertreter der Fans, einige Abteilungsleitungen, Aufsichtsrat und Präsidium saßen zusammen und erörterten die Situation. Spieß erklärte sich (bzw. die Unterschrift), ging auf die auf der Konferenz vorherrschenden Rahmenbedingungen ein und distanzierte sich zwar nicht vom unterschriebenen »Ehrenkodex«, wohl aber vom diskutierten Maßnahmenkatalog. In einem Brief, der uns vorliegt und den wir umseitig abgedruckt haben, äußert das Präsidium vielmehr deutlichen Unmut über die Informationspolitik des Verbandes.

Man hätte es natürlich auch wie Union Berlin machen und der Konferenz gänzlich fernbleiben können. Ganz dickes Ding, was die Berliner da geleistet haben! Ohne die Möglichkeit der Rückkopplung mit den Fans wird einfach nichts unterschrieben – fertig. Ich denke, da müssen wir auch hinkommen.

Der Maßnahmenkatalog gibt nämlich heute schon die Marschrichtung der Diskussionen der nächsten Zeit vor: 
1. Müssen Stehplätze wirklich sein? (Um mal das Statement von Michael Meeske wiederzugeben: »Die Vermarktung der englischen Liga funktioniert auch ganz wunderbar ohne Stehplätze«. Was man auch immer von Marktmechanismen halten mag: Als Fakt ist die Aussage erstmal nicht zu widerlegen.) Weiter: 
2. Stadionverbote in Extremfällen von bis zu zehn Jahren. 
3. Aufkündigung des Dialogs mit den Fanvertretern. 
4. Eine zunehmende als Gängelung empfundene Politik des DFB gegenüber kleinen Vereinen. 
5. Eine vollkommen irrationale Sportgerichtsbarkeit des DFB, die unterschiedliche Strafen für die gleichen »Vergehen« verteilt.

Die Liste ließe sich sicher noch fortführen, ich möchte an dieser Stelle nur stichpunktartig darauf verweisen, dass die Zeiten sicher nicht besser werden. Bleibt nur zu hoffen, dass die organisierte Anhängerschaft wach und agil bleibt – und es immer mehr werden. Fußball muss dreckig bleiben!

// Zwille


Bullenstress – und kein Ende in Sicht

Bullenstress

Es wird gebaut und gebaut. Doch was ist mit der immer noch ungeklärten Frage der »temporären Außenstelle des Polizeikommissariats 16«, welches gerne eine Stadion- und Domwache in der Gegengeraden beziehen möchte?

Im Übersteiger 106 haben wir der geplanten Polizeiwache im Millerntor die ganze Titelseite und einen langen Artikel gewidmet („Ein Neubau und ein ungeliebter Untermieter“ von Schiedel, siehe Übersteiger 106, Seite 4f, erschienen im Februar 2012). Für diejenigen, die noch nicht richtig im Film sind, fasse ich nochmal kurz zusammen: Die AG Stadionbau hat bereits früh in der Planungsphase der neuen Gegengerade (GG) auf die aus Fansicht suboptimale großflächige Unterbringung der Polizei hingewiesen. Nur gehört hat es keiner. Was auch nicht weiter verwundert, denn sauber nachzuvollziehen ist es nicht, wie die Hüter der Verfassung zu ihrer Annahme kamen, ihnen stünden fast 600 Quadratmeter in der neuen GG zu. Einzige dem Verein bekannte schriftliche Verlautbarung ist eine Senatsdrucksache (Drucksache18/5144 vom 17.06.2012). Erwähnt wird in diesem Dokument lediglich eine Stadionwache, von einer Domwache ist nicht die Rede. „In den Neubau der Osttribüne werden die erforderlichen Räumlichkeiten für die Polizei (Stadionwache mit Festnahme- und Verwahrräumen) sowie für die Rettungs-und Sicherheitsdienste gemäß Richtlinien des DFB integriert werden. Dies ist Bestandteil der Gesamtbaumaßnahme.“ 

Eine Stadionwache ist auch nicht das Problem. Diese wird im Stadionhandbuch des DFB für alle Proficlubs eingefordert, ist aber grundsätzlich gesetzlich nicht vorgeschrieben. Ihre Aufgabe ist es im wesentlichen, der Polizei während eines Spiels die Infrastruktur zur Wahrnehmung ihrer polizeilichen Aufgaben zu stellen. Darüber hinaus sind noch Arrestzellen und so weiter vorgesehen, das alles ist inzwischen Ligastandard und wird auch nicht weiter kritisiert. Es ist so eine Kröte, die man als Fußballverein mit Ambitionen offensichtlich zu schlucken hat. Augenblicklich ist unsere Stadionwache in der Domwache Ecke GG/Nord untergebracht. Daneben gibt es aktuell noch eine Einsatzzentrale. Sie befindet sich in der Ecke zwischen Süd- und Haupttribüne. Dort wird sie auch bleiben. Anders als eine Stadionwache ist die Einsatzzentrale im Stadion gesetzlich geregelt, nämlich durch die Versammlungsstätten-verordnung.

Eine Domwache hingegen ist etwas völlig anderes. Eine Domwache wäre nicht nur zu den Spielen besetzt und bräuchte sicherlich mehr Platz als ein kleines Kabuff für hoffentlich bald zu erwartende Bundesligaspiele. Um es noch einmal in aller Deutlichkeit zu sagen: Käme die Domwache in die GG hätte der Verein zu Domzeiten eine mehr oder weniger durchgehende Präsenz von Polizisten in seiner Spielstätte zu dulden! Ein Spiel, was der Verein nicht mitspielen muss. Zumal es bereits eine Domwache gibt, der Kasten Ecke GG/Nord (im Besitz der Sprinkenhof AG) wird zur Zeit als Domwache genutzt.

Wie also kommt es zu der jetzigen Situation, vor der Fans und Verein einigermaßen ratlos stehen? Zusätzlich zur schriftlichen Verlautbarung in der Senatsdrucksache soll eine mündliche Zusage von Ex-Präsident Corny Littmann, die Polizei könne eine für Dom- und Fußballspiele gemeinsam nutzbare Polizeiwache in der Gegengerade einrichten, zur aktuellen Unklarheit beigetragen haben. Vor wem und wann genau diese Zusage von Littmann getroffen worden ist, bleibt im Dunkeln. Sie taucht aber regelmäßig bei Gesprächen zwischen Verein und Polizei auf und muss als Indiz dafür herhalten, dass es jetzt eben so ist, wie es ist. Eine direkte “Gegenleistung” für die Zuschüsse und sonstige Unterstützung bei der Rekonstruktion des Stadions kann es jedoch nicht sein, da unseres Wissens sämtliche Verträge mit der Stadt mündliche Nebenabsprachen kategorisch ausschließen und die Littmann-Aussage nie schriftlich fixiert wurde.

Wer sich für die Detaildiskussion, was das Stadionhandbuch, die Versammlungsstättenverordnung usw. usf. zur Thematik hergeben, interessiert, dem sei eingangs erwähnter Artikel aus ÜS 106 ans Herz gelegt.

Verkompliziert wird die ganze Angelegenheit noch dadurch, dass die Polizei ursprünglich keinerlei Mietzahlungen an den Verein vorgesehen hatte. Sie sind jedenfalls in keinem Haushaltsplan eingeplant und die Polizei hat gegenüber Vereinsvertretern auch gar keinen Hehl daraus gemacht, dass man vorhabe, mietfrei einziehen zu können. Was uns in die Tiefen der Institutionen des FC St. Pauli führt. Sollten dem Verein aufgrund einer Polizeiwache mangels Mieteinnahmen Kosten entstehen, wäre dies eine Ausgabe, die die Zustimmung des Aufsichtsrates bedürfe. Und was man so hört, ist dieser tendenziell unwillig. Verringert sich die Fläche nicht großartig, reden wir von fehlenden Mieteinnahmen im Bereich von 50 bis 60.000 Euro pro Jahr. Um meinen Satz von oben nochmal aufzugreifen: Der Verein (und somit auch seine Mitglieder) müssten nicht nur eine Präsenz von Polizei während der und bei diversen Großveranstaltungen auf dem Heiligengeistfeld im Stadion dulden, nein, er würde dies sogar subventionieren. Ein für mich absolut untragbarer Zustand – abgesehen von allen politischen und juristischen Diskussionen, in denen Verein und Fans aktuell mit Polizei und Innenbehörde stehen.

Wer ebenfalls „heavy not amused“ ist, ist natürlich unser Fanladen. Aufsuchende Jugendarbeit, Auseinandersetzung mit Jugendlichen, die in Konflikten mit Justiz und Polizei stehen, Präventivarbeit, bieten eines Schutzraumes – das alles sehen die Hoschis in Gefahr. Ich bin zwar kein Experte, aber für mich ist das einsichtig. Jugendarbeit in diesem Umfeld lässt sich mit der Polizei als direkter Türnachbar einfach nicht machen. Hier sind auch wir Fans gefragt, was uns die Arbeit des Fanladens eigentlich bedeutet.

Haben wir einen Plan?

Ja, den haben wir. Wir haben einen Plan, der der Fläche, die wir durch den Neubau zur Verfügung haben, auch gerecht wird. „Wir brauchen ein Museum!“ Sagen die Fundamentalisten. „Wir brauchen ein Museum, dass sich wirtschaftlich selber trägt.“ Sagen die Realisten. „Wir haben ein Konzept, das beiden gerecht werden könnte“ sagt dazu die AG Stadionbau. TatsächlichIch muss leider draußen bleiben existiert ein Konzept, dass ein Museum in 950 Quadratmeter Größe vorsieht. Für eine Domwache wäre dann natürlich kein Platz mehr. Endgültig durchgerechnet und abschließend kalkuliert ist das Konzept noch nicht, auch weil sich in Sachen Polizeiwache lange nichts bewegt hat und gar nicht klar war, ob und wie der Verein Platz für ein Museum bereitstellen möchte. Platz, den im Moment die Domwache belegen würde. Größtes Manko dieses Planes ist, dass mindestens in der Anfangszeit ein Sponsor zur Seite stehen müsste. Dennoch sieht das Konzept eine realistische Perspektive, das Museum wirtschaftlich zu betreiben. Populistisch gefragt: Was ist uns Vereinsmitgliedern lieber? 60.000 Euro pro Jahr zur Subventionierung einer Polizeiwache Tür an Tür mit dem Fanladen? Oder ein Museum?

In letzter Zeit zeichnet sich ab, dass sich Polizei und Präsidium etappenweise annähern. Diskussionspunkte sind anscheinend die Größe der Wache in der Gegengeraden und die finanzielle Beteiligung der Polizei. Eine Einigung wäre aus meiner Sicht ein fatales Signal an die Mitgliedschaft. Die Hamburger Polizei, die in der jüngsten Vergangenheit eklatantes Fehlverhalten gegen die Fans an den Tag gelegt hat, wird offizieller Vertragspartner des FC St. Pauli. Nachdem man sie zu Mietzahlungen überreden musste. Und nachdem die Polizei einem niedrigeren Zaun vor der Gegengeraden (wie er Werder Bremen genehmigt wurde) ohne stichhaltige inhaltliche Begründung die Zustimmung verweigert hat.

Niemand möchte diese Wache, nicht einmal das Präsidium, das sich aber aufgrund mangelnden Drucks „von der Straße“ in einer schlechten Verhandlungsposition sieht. Es kann für uns als Fans jetzt nur darum gehen, nicht auf eine eventuelle Verkleinerung der Wache bei ausgleichenden Mietzahlungen hinzuwirken. Es gibt im Leben Haltelinien, zumindest in meinem. Eine dieser Haltelinien ist, dass die Polizei keinen Quadratmeter mehr bekommt, als sie benötigt. Ich will sie nicht in meinem Umfeld, in meinem Verein, nicht in meinem Stadion und nicht in meiner Kurve! DFB-Vorgaben schön und gut, aber wenn sie den Dom zu bewachen haben, soll sich die Stadt einfallen lassen, wie das gewährleistet wird. Der FC St. Pauli wird zwar manchmal vermarktet wie der Dom, aber er ist definitiv keiner. Deswegen bleibt mir zum Schluss nur der Appell: Zeigt euren Unmut, stärkt dem Präsidium für die laufenden Verhandlungen den Rücken, solidarisiert euch mit dem Fanladen. Keine Polizeiwache in der Gegengeraden!

// Zwille


St. Paulis Revolution im Jugend-Fussball

St.Paulis Revolution im Jugendfußball

Ein Bericht im Hamburg-Teil der taz Ende Juni wirkte zunächst eher wie ein schlechter Scherz: Unser FC wolle seine unteren Jugendmannschaften vom offiziellen Spielbetrieb des Hamburger Fußballverbandes abmelden. Stattdessen wolle man ein neues Trainingssystem einführen, um den Jungs das Fußballspielen noch besser beizubringen. Für den ÜS war dies natürlich Anlass genug, um mal etwas genauer nachzuhaken. Da es just das Nachwuchsleistungszentrum im Zuge einer aktuellen Zertifizierung schaffte, positiv in die Schlagzeilen zu gelangen, gab es Gesprächsstoff genug, und es entwickelte sich ein lebhafter Plausch mit den beiden Vereinsvertretern Alexander Eick (rechts im Bild) und Christian Klose (links).

ÜS: Stellt doch bitte euch selbst und eure Funktionen beim FC St. Pauli kurz vor.
Alexander Eick (AE): Ich bin seit vier Jahren organisatorischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums (NLZ). Andreas Bergmann hat mir 2001 das Angebot gemacht, Co-Trainer der U14 zu werden, darum bin ich direkt nach meinem Abi nach Hamburg gekommen und habe hier meinen Zivildienst gemacht. Der Kontakt entstand über einen Kollegen, der schon U14-Trainer bei St. Pauli war. Anschließend habe ich die U14 selbst übernommen und danach die U15. Schließlich wurde ich sportlicher Leiter für den Bereich bis zur U14. Als ich dann mit meinem Studium durch war – meine Diplomarbeit habe ich über die „St. Pauli Rabauken“ geschrieben – wollte ich eigentlich hier aufhören. Dann ist aber vor vier Jahren der Vollzeitjob im NLZ ausgeschrieben worden, und ich musste nicht zwei Mal überlegen, mich zu bewerben. Hier bin ich jetzt „Mädchen für alles“. Das geht vom Etat-Verantwortlichen bis zum strategischen Bereich, Schul- und Vereinskooperationen, Zertifizierungen, bis zur Organisation des Spiel- und Trainingsbetriebs.

ÜS: Warst du denn damals, zu Beginn deines Jobs bei St. Pauli, schon so eine Art Fan des Vereins?
AE: Ich war vorher zwar immer mal wieder am Millerntor, aber Fan war ich vom 1. FC Köln. Warum, weiß ich eigentlich selber nicht. Heute bin ich absoluter Anhänger St. Paulis und identifiziere mich mit diesem Club. Mein familiäres Umfeld waren komplett Rothosen, und allein deshalb musste ich ja schon was Anderes machen.

ÜS: Und bei Dir, Christian?
Christian Klose (CK): Ich bin seit zwei Jahren Jugendkoordinator, also das, was Alex vorher gemacht hat und als sportlicher Leiter für den Bereich von der U6 bis zur U13 zuständig. Vor gut fünf Jahren bin ich als ehrenamtlicher U14-Assistenzcoach in den Verein gekommen. Seit nunmehr vier Jahren verantworte ich als sportlicher Leiter die Fußballschule und habe die „Rabauken“ gemeinsam mit Jan-Oliver Hetze von Alex übernommen.

ÜS: Wie viele Leute arbeiten insgesamt hauptamtlich im Jugendbereich?
AE: Zwei Pädagogen, der U15- und U17-Trainer, Joachim Philipkowski in Doppelfunktion als Leiter des NLZ und Trainer der U19, sowie Christian eine halbe Stelle hier im NLZ, die andere für die „Rabauken“.

ÜS: Anlass für unser Gespräch heute ist ein Bericht aus dem Hamburg-Teil der „taz“ von Ende Juni, wo erstmals öffentlich gemacht wurde, dass der FC St. Pauli seine F- und G-Jugendmannschaften – also sechs- bis achtjährige Jungs – vom offiziellen Spielbetrieb im Hamburger Fußball Verband (HFV) abgemeldet haben soll. Ist das so korrekt, und warum ist das gemacht worden?
CK: Wir haben zwar niemanden abgemeldet, sondern für die neue Saison nur nicht mehr gemeldet, aber sonst ist das soweit richtig. Wir wollen die Kinder noch individueller fördern, ihnen noch mehr Erfolgserlebnisse vermitteln können und ihnen die Chance geben, mit dem Ball auch etwas zu kreieren und immer ins Spielgeschehen eingebunden zu werden. Aus unseren Erfahrungen heraus ist es da eine schon fast logische Überlegung gewesen, die Anzahl der Spieler zu reduzieren und das Spielfeld zu verkleinern. So hat jeder automatisch mehr Ballkontakte und Gelegenheit, mit der Kugel häufiger selbst in Aktion zu treten. Wir haben dann mit jedem Trainer Gespräche geführt, auch Joachim Philipkowski und dem alten Sportchef Helmut Schulte, und entschieden, einen eigenen Spielbetrieb auf die Beine zu stellen.

ÜS: Wer hat das vorgeschlagen?
CK: Der Impuls kam von mir, aber die Basis der ganzen Überlegungen kommt von Horst Wein…

ÜS: …ein Sporttheoretiker und früherer Hockeynationalspieler und -nationaltrainer, auf dessen Buch “Fußball kindgemäß trainieren” von 2009 ihr euch beruft…
AE: Ich habe Horst Wein vor einigen Jahren bei einem Freundschaftsspiel am Millerntor kennengelernt. Der hat in der Ära Johann Cruyffs beim FC Barcelona deren Hockeyteam betreut und ist so zum Fußball gekommen und war längere Zeit für den katalanischen Fußball tätig, der ein eigenes Forschungs- und Entwicklungszentrum besitzt. Später hat Wein sich dem Fußball für Kinder verschrieben und darüber auch Bücher geschrieben. Vor zwei bis drei Jahren haben wir ihn zu einer Fortbildung für uns eingeladen, auch um neue Impulse zu bekommen. Im vergangenen Februar sind Christian und ich dann nach Barcelona geflogen, um beim FC zu hospitieren. Da Wein dort lebt, hat er uns bei der Kontaktpflege geholfen, für uns übersetzt und wir haben uns auch mit ihm weiter intensiv ausgetauscht und sind zu dem Schluss gekommen: Wir müssen das jetzt machen.

ÜS: Wird dieses neue Jugendtrainingskonzept denn auch von Barca praktiziert?
AE: Nein. Aber es wird sehr viel im Training gemacht und ausprobiert und das Spielfeld ist auch deutlich kleiner. In Deutschland wird dieses Training bereits beim 1. FC Nürnberg und in Hoffenheim angewendet.

ÜS: Hat man euch denn dazu geraten, das Training umzustellen?
CK: Nicht direkt, aber im Konzept Horst Weins steckt so viel Gutes von Dingen drin, die wir auch schon kennen und im Training angewandt haben, dass wir auch noch einen Schritt weitergehen konnten. Wir wollten dann auch das Training, wo wir nur 3 gegen 3 auf kleine Tore und ohne Torwart spielen lassen, nicht völlig anders aussehen lassen, als das Kicken im normalen Spielbetrieb, wo bislang 7 gegen 7 auf halbem Platz und größerem Tor und Keeper gespielt wird. Wir wollen den Kindern die Möglichkeit bieten, sich mehr einzubringen. Keiner muss Angst haben, ins Spiel nicht eingebunden zu werden, und es kann und muss sich auch keiner verstecken. Alle Kids sind immer aktiv dabei. Im Mai/Juni haben wir schon mal als Pilotprojekt mehrere Turniere, auch mit anderen Vereinen, gespielt. Wir hatten danach den Eindruck, dass das sehr gut angenommen wurde: von den Eltern, den eigenen und den Gästespielern sowie auch von den Trainern. Ein positives Beispiel: Alle teilnehmenden Kinder haben jeweils mindestens ein Tor bei diesem Turnier geschossen und so alle ihr Erfolgserlebnis gehabt. Das haben wir sonst so nicht erlebt, wenn wir 7 gegen 7 gespielt haben.

ÜS: Die Trainingsintensität von zwei Mal die Woche bleibt, und an Wochenenden werden dann solche Turniere statt des früheren Spielbetriebs veranstaltet?
AE: Wir wollen schon Wettkampfcharakter in das ganze System hineinbekommen, auch mit anderen Vereinen; auch dass die Kinder in St.Pauli-Trikots auflaufen können. Obwohl: Manchmal weiß man gar nicht genau, ob eher die Jungs oder die Eltern stolz auf die Vereinsfarben sind. Wir hoffen natürlich, dass das alles irgendwann den Effekt hat, dass sich dann auch der Verband über solche neuen Dinge verstärkt Gedanken macht und sich der Sache stellt. Wir waren schon ein bisschen verwundert über das Zitat des HFV-Pressesprechers in der „taz“ („Das steht dem Club frei, doch es ist schade um jede Mannschaft, die nicht gemeldet ist.“), weil im Vorfeld mit allen möglichen Gremien des Verbandes Gespräche geführt wurden und uns signalisiert wurde, dass wir das ausprobieren sollen, es von Seiten des HFV gar kein Problem darstellt. Wir sind eher beglückwünscht worden, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie Herr Byernetzki zu so einer Aussage kommt.

ÜS: Zurück zum eigentlichen Konzept: Könnt ihr bitte kurz schildern, wie das mit vier Toren bei einem Spiel von drei gegen drei Kindern ohne Torwart funktionieren soll.
AE: Die Tore sind nur ungefähr 120 Zentimeter breit und einen Meter hoch, man muss also beim Torabschluss schon relativ genau zielen. Im Kern geht es darum, den Kindern beizubringen, möglichst früh auch Lösungen über die Flügel entwickeln zu lassen: Kann ich den rechten Weg zum rechten Tor nicht gehen, muss ich es eben über links versuchen und nicht immer über die Mitte.
CK: Das ist natürlich auch für die verteidigenden Spieler anspruchsvoller und komplexer, sich auf verschiedene Optionen einlassen zu müssen. Tore dürfen nur in einer Zone direkt vor dem Tor erzielt werden, was auch ein wildes Gebolze verhindert. Hauptsächlich wollen wir aber ohnehin das kreative, offensive Spiel fördern. Wir sind der festen Überzeugung, dass die Spieler mit dieser anderen Raumwahrnehmung deutlich besser geschult werden.

ÜS: Ist das jetzt eine Probesaison und wenn’s doof läuft, geht’s 2013 wieder weiter wie früher?
AE: Wir hätten damit nicht begonnen, wenn wir es als reines Experiment sehen würden. Dafür sind die Kinder auch nicht geeignet, mit ihnen Experimente durchzuführen. Wir machen das schon, weil wir absolut davon überzeugt sind. Aber natürlich wird es später auch eine Auswertung geben: Sind die Jungs tatsächlich fußballerisch besser geworden, indem beispielsweise mehr Spieler in die nächst höheren Altersklassen übernommen wurden. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir mit unseren Annahmen falsch liegen.
CK: Unser Konzept wird dazu führen, dass sich die Jugend fußballerisch noch schneller und besser entwickelt. Davon bin ich, und davon sind wir alle, die daran beteiligt sind, fest überzeugt.

ÜS: Die Position „Torwart“ findet in eurem Konzept nicht statt. Was soll da passieren?
CK: In diesem Alter wollen wir noch gar keine Spezialisierung. Es gibt sicher auch mal im Training Torschussübungen – wie schon immer. Da darf auch jeder mal selbst ins Tor. Erst ab der U10 gibt es klare Differenzierungen zwischen Feldspielern und dem Torwart.

ÜS: Gibt es für die drei Spieler auf dem Feld irgendwelche taktischen Vorgaben oder Positionen?
CK: Die Jungs sollen die Situation immer wieder neu aufnehmen und die Wahrnehmung schulen und so entsprechend Entscheidungen treffen können. Jeder soll und muss also alle Positionen einnehmen können, abhängig von der jeweiligen Spielsituation. Es gibt auch keinen Schiedsrichter, dass sollen die Jungs möglichst selbst klären, die Trainer greifen nur im Notfall ein.

ÜS: Ist bei Erfolg – wie immer man den definieren will – eine Ausweitung auf ältere Jahrgänge geplant?
CK: Es gibt ja jetzt schon eine entsprechende Staffelung. Ab der C-Regionalliga , also ab 14 Jahren, wird auf jeden Fall 11 gegen 11 gespielt. In Hamburg gibt es inzwischen eine Zwischenstufe, die ist 9 gegen 9 in der D-Jugend, davor spielt man 7 gegen 7 oder 5 gegen 5. Das sind aber alles Teamgrößen, über die man jetzt noch mal genauer nachdenken und die man gegebenenfalls anpassen sollte.

ÜS: Wie sieht es denn mit der winterlichen Hallensaison aus?
CK: Die werden wir ganz normal mitspielen. Zumal dort ja auch nur 4 gegen 4 plus Torwart gekickt wird.

ÜS: Ein Vorwurf bleibt: Der FC St. Pauli setzt beim Fußball heute ausschließlich nur noch auf den Leistungssport und hat mit Breitensport nichts mehr am Hut. Von der A- bis zur D-Jugend existiert zum Beispiel nur noch ein Team pro Jahrgang. Wie seht ihr das?
AE: Ich würde gerne mal wissen, was zu dieser Annahme führt. Seit ich hier bin, und das sind schon über zehn Jahre, gibt es die gleiche Anzahl Mannschaften. Während meiner Zeit ist weder mehr Leistungssport noch mehr Breitensport praktiziert worden. Die begrenzte Anzahl von Mannschaften hat einfach etwas mit Platzkapazitäten zu tun. Es ist leider nicht so, dass wir noch weitere sechs Teams aufnehmen könnten. Wir würden zusätzlichem Breitensport überhaupt nicht im Wege stehen, wenn es die entsprechende Infrastruktur gäbe.

ÜS: Wie nehmt ihr denn neue Spieler in den jüngeren Jahrgängen auf? Könnte jedes Kind einfach vorbeikommen und mitspielen?
AE: Wir haben zwar immer mal wieder „try outs“, aber es gilt in den jüngsten Mannschaften normal „first come, first serve“, bis die Kapazität erreicht ist.

ÜS: Der Hamburger SV soll seine Jugendspieler aus den Hamburger Auswahlmannschaften abgezogen hat, um sich besser auf die Ausbildung der Jugendlichen konzentrieren zu können.
AE: Das ist richtig, und das gilt auch für alle Jahrgänge (Anm. der Redaktion: Auswahlteams existieren ab der U13, ältere D-Jugend). Hintergrund: Der HFV ist einer der wenigen Verbände in Deutschland, wo die Auswahlspieler regelmäßig einmal die Woche zu einem Training zusammenkommen. Da hat der HSV gesagt: Das ist uns zu häufig, da geht uns zu viel eigene Ausbildungszeit verloren.

ÜS: Wäre das denn auch eine Option für St. Pauli?
AE: Unsere Trainer sagen auch: Ich hätte meine Spieler lieber vier satt drei Mal die Woche bei mir. Aber wir werden die Kooperation mit dem Verband auf keinen Fall aufkündigen.
CK: Gerade im Alter von C- und D-Jugend ist es für die Jungs ja auch eine wichtige Anerkennung, in die Auswahl berufen zu werden. Außerdem ist es für uns eine gute Möglichkeit, intensiv mit dem HFV zusammenzuarbeiten und natürlich auch die Vernetzung zu nutzen, bezüglich Spielern, die noch nicht beim Hamburger SV oder uns kicken.

ÜS: Gerade wurde das NLZ hier am Brummerskamp neutral geprüft und mit drei Sternen, der höchsten Bewertung, ausgezeichnet. Könnt ihr zunächst mal erläutern, was da alles überprüft wird, wer Auftraggeber, was das Ziel ist und was der FC St. Pauli eigentlich davon hat.
AE: Zur Historie: 2001 sind verpflichtend die Jugendleistungszentren als DFB-Lizenzauflage für alle Erst- und Zweitligisten eingeführt worden. Wir waren damals gerade in der 1.Liga. Um 2005 oder 2006 reichte dies DFL und DFB nicht mehr und sie haben, angeblich auf Initiative der NLZs ein Qualitätsmanagement entwickelt. Als dann tatsächlich die ersten Zertifizierungen stattfanden, sind wir gerade von der Regionalliga in die 2.Liga aufgestiegen. Der Verein hat sich, dank der AFM, den Luxus gegönnt das NLZ beizubehalten, obwohl es in der Regionalliga keine Auflage war. Sechs Wochen vor der ersten Zertifizierung wurde Dirk Zander damals durch Joachim Philipkowski als NLZ-Leiter abgelöst und der hat festgestellt, dass nichts vorbereitet war. Es war klar, dass dabei dann gar kein gutes Ergebnis herauskommen konnte.

ÜS: Bei den Checks 2007 und 2010 blieb St. Pauli mit nur 33 beziehungsweise 48,5 Prozent der möglichen Punktzahl enttäuschend noch ohne einen Stern. Nur zwei Jahre nach der letzten Zertifizierung sind jetzt plötzlich 69 Prozent der Kriterien erfüllt worden. Wie konnte es zu dieser starken Verbesserung kommen? (Anm. der Redaktion: ab 50% erhält man einen Stern, ab 65% derer drei)
AE: Wir haben ja zwei starke Anstiege geschafft, auch von 33 Prozent auf 48,5 Prozent war ein extremer Fortschritt. Von den damals zertifizierten 23 Vereinen hatten wir dort die größte Verbesserung. Jetzt nochmal 20 Prozent sind enorm, da haben wir natürlich auch auf Empfehlungen der Zertifizierung reagiert. Mir ist bei meiner ersten Zertifizierung 2010 klar geworden, dass dies nicht von einer Person getragen werden kann. Wir haben jetzt Arbeitsgruppen gebildet, Trainer haben bis nachts an ihrer Trainingsphilosophie gesessen und Pläne mit den sportlichen Leitern diskutiert, alles ist schriftlich festgehalten worden; der gesamte Aufwand wurde extrem erhöht. 2010 haben wir versucht, die Zertifizierung auf drei Personen zu verteilen, dieses Mal haben bis zu 60 Leute daran mitgearbeitet und wurden zu einem verschworenen Haufen. Bis auf die Durchlässigkeit haben wir uns in allen Bereichen verbessert. Diese hätte man wohl nur verbessern können, wenn das Präsidium noch schnell zehn Profiverträge verteilt hätte, aber das ist ja auch kaum im Sinne des Konzepts. In den Bereichen Strategie, Unterstützung und Finanzen haben wir annähernd 100 Prozent, bei der fußballerischen Ausbildung sind wir von 47 auf 72 Prozent gestiegen. Dazu kann man auch mal erwähnen, dass 2010 in dieser ja wichtigsten Kategorie der beste Wert aller Vereine auch bei 72 Prozent lag.

ÜS: Wie viel Geld kommt denn dabei insgesamt rum?
AE: Das Geld kommt aus dem Solidaritätsfonds der Champions League. Vereine, die selber an der CL teilnehmen, kriegen davon nichts. Es gibt einen festen Sockelbetrag, unabhängig von der Anzahl der Sterne; sowie einen weiteren Betrag in ähnlicher Höhe pro Stern, der aber aus diversen Faktoren (z.B. Anzahl Vereine und Sterne) jedes Jahr unterschiedlich hoch sein kann. Soweit ich weiß, haben übrigens in der 2.Liga nur Hertha und der 1. FC Köln ebenfalls drei Sterne.

ÜS: Ex-Sportchef Helmut Schulte wird bei allen Lobeshymnen auf die deutliche Verbesserung mit keiner Silbe erwähnt, obwohl diese genau in seine Amtszeit fiel und bei dessen Demission explizit auch seine mutmaßlichen Defizite für den Nachwuchsbereich thematisiert wurden.
AE: Die Zertifizierung fiel in seine Amtszeit und er war auch durch ein Interview mit den Zertifizierern beteiligt. Ansonsten hatten wir bei unserer Arbeit hier relativ freie Hand.

ÜS: Lässt sich denn die Intensität der Zusammenarbeit mit Rachid Azzouzi bereits abschätzen?
AE: Ich telefoniere derzeit zwei- bis dreimal täglich mit ihm. Zum neuen G-/F-Jugendkonzept haben wir auch schon kurz gesprochen und es ihm vorgestellt.

ÜS: Das „Hamburger Abendblatt“ schreibt neben den Defiziten im Bereich Durchlässigkeit auch von Nachholbedarf in der Infrastruktur.
AE: Wir haben am Brummerskamp den Kunstrasenplatz, dazu den an der Kollaustraße und teilweise auch noch Zeiten an der Feldstraße, also alles sehr dezentral, dies erschwert die Kommunikationswege. Darüber hinaus könnte auch hier mit den Containern einiges modernisiert werden. Langfristig wäre es ideal, ein zentrales gemeinsames Trainingsgelände zu bekommen, mit moderneren Gebäuden. Für den Leistungsbereich (U17, U19, U23) wird dies ja derzeit auch an der Kollaustraße umgesetzt.

ÜS: In den letzten Jahren schaffte lediglich Dennis Daube den Sprung zu den Profis. Dazu sagte Jens Duve: „Hier haben wir einen Strategiewechsel vorgenommen.“ Wie sieht der aus?
AE: Vielleicht weniger Ausleih-Geschäfte von anderen Vereinen, hin zu eigenem Nachwuchs.

ÜS: Davon ist ja aber aktuell nicht viel zu sehen.
AE: Naja, Nachwuchsarbeit ist natürlich immer langfristig zu sehen, „Strategie“ ist ja auch ein langfristiger Begriff. Und langfristig werden wir als Verein eben auf Nachwuchsarbeit setzen.

ÜS: Es soll die Überlegung gegeben haben, Joachim Philipkowski zur neuen Saison nur noch als A-Jugendtrainer agieren und das NLZ von einer anderen Person leiten zu lassen. Welche Ideen standen hinter dieser möglichen Personal-Rochade?
AE: Klar ist, dass die Doppelfunktion sehr zeitaufwändig ist, die Überlegung muss man sich also schon machen. In welcher Form dies geschehen kann, ist derzeit überhaupt nicht spruchreif, zumal wir ja auch gerade erst einen neuen Sportchef im Verein haben, der sich auch erst mal ein Bild machen will und muss. Aber es kann sich jeder ausrechnen, dass diese eigentlich sogar Dreifachfunktion (A-Jugend, Gesamtleitung NLZ und Sportlicher Leiter NLZ) extrem kräftezehrend ist.

ÜS: Die C-Jugend-Regionalligaelf unter Trainer Remigius Elert ist Vizemeister hinter Werder Bremen geworden – beide Derbys gegen den HSV wurden gewonnen. Ist es das, wofür man sich zwölf Monate den Arsch aufreißt?
AE: Vollkommen, ja. Wir wussten, dass wir einen sehr guten Jahrgang haben und der Trainer hat überragende Arbeit geleistet. Natürlich messen wir unseren Erfolg nicht an Titeln und Pokalen, sondern an der Ausbildung, aber eine gute Ausbildung führt dann eben automatisch auch zu Erfolgen.
Wie gut der Jahrgang ist, sieht man auch daran, dass sechs aus dem Team die U16 überspringen und direkt in die U17 (B-Jugend Bundesliga) gehen.

ÜS: Die A- und B-Jugend Bundesliga-Teams spielen ja doch eher Fahrstuhlmannschaft oder eben gegen den Abstieg. Hofft Ihr da dauerhaft auf Besserung?
AE: Klar, die Jahre der Etablierung sollten jetzt hoffentlich abgeschlossen sein, da will man irgendwann auch mal eine bessere Rolle spielen als beispielsweise in der abgelaufenen Saison. Dies erreicht man mit einer besseren Ausbildung, ist also auch eine langfristige Sache. Hierbei geht es ja neben der Ausbildung auch ums Scouting. Nicht nur „wie“ bildest du aus, sondern auch „wen“. Ab der C-Jugend ist der Markt in Deutschland brutal, da stehen am Tag nachdem ein Jugendlicher irgendwo Beachtung fand, zehn Bundesligisten vor der Tür. Für uns kann es daher nur darum gehen, in den jüngeren Jahrgängen möglichst schon die Jungs aus Hamburg zu kriegen, die wir ausbilden wollen und die Qualität mitbringen. Damit bilden wir die Basis, einen sicheren Verbleib in den beiden Ligen zu ermöglichen. Mit den 97er und 98er Jahrgängen, wo vier Spieler bei den Nationalmannschaftslehrgängen sind, sind wir auf einem sehr guten Weg.

ÜS: Wo seht Ihr beim Jugend-Talenthaus den Unterschied zu Internaten, die andere Vereine betreiben?
AE: Der Hauptunterschied ist die fehlende „Rund um die Uhr“-Betreuung. Wir haben eine Hauswirtschafterin, die direkt gegenüber wohnt und bei Problemen bereit steht. Aber da ist kein Schießhund der um 22 Uhr „Licht aus!“ befiehlt. Das Ziel ist aber natürlich ähnlich: Spielern die Möglichkeit zu geben hier zu trainieren, die es sonst räumlich nicht könnten.
CK: Wir haben ja neben dem Haus auch noch die Unterbringung in Privatfamilien. In der Kombination beider Wege ist das für mich werthaltiger, als ein großer Gebäudekomplex, wo man noch mit 28 anderen Jungs zusammen untergebracht ist.

ÜS: Wenn Ihr mal zehn Jahre in die Zukunft schaut: Was wären Eure Wünsche, Träume, Hoffnungen? Wo muss man da ansetzen?
AE: Zentralisierte bzw. besser vernetzte und auch mehr Trainingsplätze wären natürlich gut. Der komplette Leistungsbereich wird von Hauptamtlichen bestritten, denn das bedingt mehr Zeit für alles.
Mein persönlicher Traum wäre, dass wir 30 Prozent des Profikaders mit selber ausgebildeten Leuten bestücken.

ÜS: Vielen Dank für das sehr angenehme und interessante Gespräch und viel Erfolg für die Zukunft! 

// Ronny & Frodo


NEUES VON DEN ALTEN

Na, geht doch: Jetzt hat sogar St. Paulis ehemaliger Nationalspieler CHRISTIAN RAHN einen neuen Arbeitgeber gefunden. Für eine Saison unterschrieb der zuletzt bei Fürth Aussortierte bei Jahn Regensburg. Auch Brasilianer CHRIS hat nach kurzer Hängepartie einen neuen Club: Der 33-Jährige wechselte vom VfL Wolfsburg nach Hoffenheim, wo er sich zunächst für ein Jahr vertraglich gebunden hat. Mal wieder lange nichts gehört von BERTRAND BINGANA, nun ging der Globetrotter zur neuen Saison, nach nur wenigen Monaten beim FC Sylt, zum FC Oberneuland. Seit seinem Abschied von unserer U23 im Sommer 2004 macht Bingana somit dem zehnten Verein seine Aufwartung. Auch BERKAN ALGAN ist ein Spieler, der häufiger als der Durchschnittskicker seinen Arbeitgeber wechselt. Meist sind diese Transfers nicht geräuschlos über die Bühne gegangen. Nun geht Algan als Spielertrainer dorthin, wo ohnehin stets Halligalli angesagt ist – zum FC Sylt. Algan war zuletzt bei Germania Schnelsen aktiv, wo bis Saisonende KLAUS THOMFORDE als Coach tätig war. Thomforde übernahm zusätzliche Torwarttraineraufgaben für den DFB und wollte die Doppelbelastung auf Dauer nicht mehr auf sich nehmen. Co-Trainer dort bei der Germania bleibt JURI SAWITSCHEW. Verstärkung erhält Oberligist Schnelsen hingegen durch MATTHIAS HINZMANN, der vom SC Victoria in den Nordwesten Hamburgs wechselte. Hinzmanns ehemaliger braunweißer Mitspieler HEIKO ANSORGE schloss sich zur neuen Saison dem Oberligaaufsteiger FC Elmshorn an, wo ACHIM HOLLERIETH das Amt des Cheftrainers übernommen hat. Ansorge kam von Altona 93, Hollerieth vom SV Meppen, wo er als Jugendcoach agierte. Neuer Chef-Übungsleiter beim niedersächsischen Bezirksligisten SSV Diddersee wurde zum Saisonstart HOLGER WEHLAGE. Wehlage hatte den Club schon einmal von Anfang 2011 bis zum Sommer 2011 trainiert und löste nun seinen eigenen Nachfolger Nedeljko Subotic wieder ab. Einen neuen Coach erhielt auch die TSG Ehingen aus Baden-Württemberg: MICHAEL BOCHTLER übernahm den dortigen Verbandsligisten. Bochtler trainierte zuletzt TSF Ludwigsfeld. Zum VfL Bochum, wo noch immer ANDREAS BERGMANN auf der Trainerbank sitzt, wechselte für zunächst zwei Jahre CARSTEN ROTHENBACH. Bergmann kennt Calle noch aus gemeinsamen Millerntor-Tagen. Ebenfalls den braunweißen Kader verlassen hat endgültig ROUWEN HENNINGS, der nach seiner Ausleihe 2011/12 zum VfL Osnabrück nun die Fußballschuhe für den Zweitligaabsteiger Karlsruher SC schnürt. Sein Vertrag läuft dort bis 2014. Sogar für gleich vier Jahre hat DAVID HOILETbei den Queens Park Rangers unterschrieben. Hoilet kam ablösefrei vom englischen Premier-League-Absteiger Blackburn Rovers. Nur sehr kurz hielt es NICO PATSCHINSKI beim SC Victoria, nachdem er in der Winterpause 2011/12 von Borussia Neunkirchen an die Hoheluft gewechselt war. Nach nur einer Partie für die Gelb-Blauen in der laufenden Regionalligasaison löste Patsche seinen Vertrag dort auf und ging zu seinem ehemaligen Arbeitgeber BFC Dynamo Berlin (Oberliga Nordost) zurück. Dort wird er auf BJÖRN BRUNNEMANN treffen, der vom Berliner AK 07 zum beliebten Hauptstadtclub kam. Wenn wir schon in Berlin und Umgebung sind: Völlig überraschend beurlaubte der SV Babelsberg 03 Mitte Mai seinen Trainer DIETMAR DEMUTH, der mit einer Rumpftruppe gerade den Klassenerhalt in der 3. Liga geschafft hatte. Zum 1. FC Köln zog es bekanntlich HOLGER STANISLAWSKI und nahm seine Assistenten ANDRÉ TRULSEN sowie KLAUS-PETER NEMET gleich mit an den Rhein. Nicht an den Rhein, sondern an den Main zog es nicht nur aktuell CARLOS ZAMBRANO zur Frankfurter Eintracht, sondern auch der ehemals vom FC St. Pauli ausgeliehene und dann zum Stammverein Bayer Leverkusen zurückgekehrte BASTIAN OCZIPKA heuerte nun dort für die linke Außenbahn an – zunächst bis 2015. Eintracht Frankfurt verlassen hat hingegen MATTHIAS LEHMANN, der seinem Ziehvater Stanislawski nach Köln folgte. Genauso handhabte es Tormann THOMAS KESSLER, der es vorzog, von der Eintracht wieder zurück zum Club der ewigen Zwietracht zu gehen. Für zwei Jahre unterschrieb DAVIDSON DROBO-AMPEN beim dänischen Erstligisten Esbjerg fB. Dropo-Ampen war bereits eineinhalb Jahre lang an die aktuellen Aufsteiger ausgeliehen. Ebenfalls ausgeliehen war LASSE SOBIECH, der nach einem Jahr am Millerntor nun von seinem Stammverein Borussia Dortmund an Erstligaaufsteiger Greuther Fürth ausgeliehen wurde. Ebenfalls nur auf Leihbasis spielte PETAR SLISKOVICfür knapp eine Saison in braunweiß und wurde nun von Mainz 05 an Dynamo Dresden ausgeliehen. Keeper PHILIPP HEERWAGEN vom VfL Bochum war noch kürzer beim FC St. Pauli aktiv und kehrt nach nur einem halben Jahr Leihgeschäft und ohne Einsatzminute zurück in den Ruhrpott. Ebenfalls, nicht gänzlich unerwartet, verlassen hat uns MAX KRUSE, der sich für rund eine halbe Million Euro Ablöse dem SC Freiburg in der 1. Bundesliga anschloss. Auch unser Capitano FABIO MORENA verließ Hamburg – allerdings eher unfreiwillig, nachdem sein Vertrag beim FC St. Pauli nicht verlängert wurde. Morena ging zum Zweitligaaufsteiger SV Sandhausen. Bleiben sollte eigentlich MORITZ VOLZ, doch der Lockruf des Geldes spülte den Abwehrmann zum TSV 1860 München – viel Spaß. Für einige weniger amüsant: Bereits zum dritten Mal wurde nun HELMUT SCHULTE aus den Diensten des FC St. Pauli entlassen. Nach einem unsäglichen Hin und Her, bei dem es um die Frage gegangen sein soll, ob Trainer Schubert oder Schulte den Hut nehmen muss, entschied sich das Präsidium für den Rauswurf des Sportchefs und demontierte nebenher in aller Öffentlichkeit den Chefcoach. Nach dem Abgang von Co-Trainer JAN-MORITZ LICHTE, der zukünftig den Trainerstab von Bayer Leverkusen verstärkt, bilden nun THOMAS MEGGLE und TIMO SCHULTZ das Assistenzteam André Schuberts. Schultz war zuletzt Co-Trainer von Jörn Großkopf bei der U23-Auswahl. In dessen Rolle rutscht nun ZLATAN BAJRAMOVIC, der sich, so lange Großkopf gemeinsam mit Meggle seinen Fußballlehrerlehrgang absolviert, das Amt mit Alexander Eick (organisatorischer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums; s.a. Interview in diesem Heft) teilt. Bajramovic musste seine aktive Laufbahn verletzungsbedingt beenden und kickte zuletzt bei Eintracht Frankfurt, für die er seine letzte Partie am 5. Dezember 2009 bestritt. Von der „Region“ nach Österreich ausgeliehen wurde für ein Jahr RICHARD SUKUTA-PASU: Der 1. FC Kaiserslautern schickte seinen Stürmer zum dortigen Erstligisten Sturm Graz. Ein paar Etagen tiefer finden wir JETON ARIFI, der vom SC Verl zum Westfalenliga-Aufsteiger SV Rödinghausen in die 6. Liga wechselte. NILS PICHINOT hat sich für zwei Jahre dem Drittligaaufsteiger Hallescher FC angeschlossen; Pichinot kommt vom FC Carl Zeiss Jena. Ebenfalls in Halle ist PIERRE BECKEN (ehemals St. Paulis U23) gelandet, der zuvor ebenfalls in Jena unter Vertrag stand. Nach eineinhalb Jahren Eintracht Trier zog es JEREMY KARIKARI zur neuen Saison zum Ost-Regionalligisten RB Leipzig, wo er einen Zweijahreskontrakt unterzeichnete. Nur für zunächst knapp eine Spielzeit unterschrieb FELIX LUZ beim Drittligisten Wacker Burghausen. Lediglich eine halbe Spielzeit trat bei der SpVgg Unterhaching ROMAN PROKOPH gegen den Ball; nun hat er einen Vertrag beim West-Regionalligisten Sportfreunde Lotte unterschrieben. Schnell aus den Augen verliert man ja auch gerne Spieler, die schon seit einigen Jahren gar nicht mehr wirklich im Fokus des Interesses standen. Umso erfreulicher, dass unsererseits wieder die Fährte zu einem ehemaligen FC-Aktiven aufgenommen werden konnte, den wir zuletzt im ÜS #80 würdigten: JÖRN SCHWINKENDORF coachte damals von Januar bis Juni 2007 den Ost-Oberligisten VfB Pößneck. Danach trainierte er kurzzeitig den saarländischen Verbandsligisten SV Röchling Völklingen und übernahm zur Saison 2010/11 den 1. FC Gera 03 (Thüringenliga), dem „Schwinke“ den Wiederaufstieg in die NOFV-Oberliga bescherte. Mittlerweile hat Schwinkendorf beim Hamburger Bezirksligisten TSV Reinbek das Amt des Ligamanagers übernommen. Im gleichen Verein wirkt FRANK BÖSE nun als Torwarttrainer. Inzwischen beim VfB Oldenburg gelandet ist TIM PETERSEN, der bereits 2010 vom FC Carl Zeiss Jena nach Niedersachsen gewechselt war. Ebenfalls aus Jena kam jetzt zur neuen Saison unser ehemaliger U23-Kicker MARLON KRAUSE zu Holstein Kiel, wo er einen Zweijahresvertrag unterschrieb. Noch keinen neuen Arbeitgeber hingegen haben zu unserem Redaktionschlusstermin CHARLES TAKYIDENIZ NAKI (Anm. von mo: ist mittlerweile beim SC Paderborn unter Vertrag), PETAR FILIPOVIC und OLE SPRINGER gefunden, die alle vier im Sommer dem Millerntor adieu sagen mussten. Auch MARCEL EGER ist nach seiner kurzen England-Episode bei Drittligist Brentford FC noch ohne Club. Allerdings besitzt Eger, gemeinsam mit „Viva Con Agua“-Aktivist BENJAMIN ADRION, nun ein zweites Standbein auf St. Pauli: Beide haben mit zwei weiteren Gesellschaftern die „Amphore“ in der Hafenstraße übernommen. Verlassen hat den FC St. Pauli zum Saisonende Dr. PEDRO GONZALEZ der sich nun ausnahmslos seinem Unternehmen „Sports Performance Institute“ widmen will. Mittlerweile Cheftrainer der russischen U21-Nationalmannschaft ist NIKOLAI PISAREW, nachdem er zuvor von 2005 bis 2010 das nationale Beachsoccer-Team gecoacht hatte. Nach nur einem halben Jahr Retortenclub-Intermezzo mussten MORIKE SAKO und ABDOU SALL den FC Sylt im Sommer schon wieder verlassen und stehen beide momentan mal wieder ohne Kontrakt da. Kommen wir zu unseren ehemaligen U23- und Jugendakteuren: Torhüter FABIAN LUCASSEN wechselte für die laufende Saison vom TSV Havelse zum Regionalligisten SC Victoria, der erneut zu einer Art Sammelbecken ehemaliger Braunweißer geworden ist. Neben Lucassen gingen nämlich auch DAVID EYBÄCHER und KUTAY KEKLIKCI (kamen beide direkt von unserer zweiten Mannschaft), MARCEL MEYER (vom USC Paloma) sowie ABDEL MONEEM ABOU KHALIL (ehemals U19-Kicker bei St. Pauli), der vom FC Ingolstadt II zurück an die Hoheluft gekommen ist, zum Traditionsverein. St. Paulis EX-U17-Kicker TUNAY TORUN ging ablösefrei von Absteiger Hertha BSC zum VfB Stuttgart. KEVIN WEIDLICH verließ die Großkopf-Truppe bereits nach einem Jahr und schloss sich für die Spielzeit 2012/13 Nordost-Regionalligist TSG Neustrelitz an. In die USA verschlug es nun nach zwei Jahren U23 LARRY JONATHAN NDJOCK, der dort in Maryland ein Stipendium erhielt und für das dortige Uni-Team auflaufen wird. Beim VfL Wolfsburg II landete Tormann ARVID SCHENK, dessen Vertrag hier nicht verlängert wurde. Last but not least zog es MIKE EGLSEDER, der aktuell ebenfalls aussortiert wurde, zu Eintracht Norderstedt. Noch ohne neuen Verein stehen (Stichtag Redaktionsschluss) aus dem U23-Kader 2011/12 die Spieler VINCENT WACKERSEBASTIAN SPIEWAK sowie SELCUK TIDIM da. Weiter in Hamburg aktiv ist STEFAN WINKEL, der von der zweiten Mannschaft des Hamburger SV zu Altona 93 gewechselt ist. Winkel hatte zuvor ein Probetraining beim Zweitligisten FSV Frankfurt absolviert. Überraschend wieder in der Fußballszene aufgetaucht ist MOUHAMAN FOUSSENI ALASSANI: Der höchst talentierte aber auch schwierige Offensivspieler wurde vor einigen Monaten als mutmaßlicher Supermarkträuber in Wedel festgenommen, hat aber nun im Regionalligaclub SV Wilhelmshaven einen Quasi-Bewährungshelfer gefunden. Nutz die Chance, Fousseni! Vom FC Sylt zum Oberligisten Lüneburger SK Hansa ging Mittelfeldmann GÖKHAN ISCAN; zum Hamburger Oberligisten Germania Schnelsen zog es YUSUF AKBEL. Von Wacker Nordhausen zu Eintracht Norderstedt ging es für JAN-PHILIPP ROSE von Niedersachsen nach Schleswig-Holstein schnurstracks an seinem Geburtsort Hamburg vorbei, wo er schon für den FC St. Pauli, Altona 93 und den HSV aufgelaufen war. Die Hansestadt fast noch nie verlassen – zumindest was den Heimatclub anbelangt (der SV Wilhelmshaven war die einzige Halbjahres-Ausnahme) – hat DAVIDE PEDROSO-BUSSU. Jetzt wechselte er vom hanseatischen Oberligisten TSV Niendorf zum Landesligisten FC Teutonia 05 an die Ottenser Kreuzkirche. Noch erdverbundener scheint YASAR KOCA zu sein, der 2008 von GSK Bergedorf zu St. Pauli II wechselte, 2010 zum SV Oststeinbek ging, sich Anfang 2011 erneut GSK Bergedorf anschloss, zur Saison 2011/12 zu Bergedorf 85 wechselte und nun aktuell wieder für GSK aufläuft. Beim Hamburger Bezirksligisten Harburger SC ist LUKASZ SOSNOWSKI gelandet, der zuvor beim FC Türkiye kickte. Beim FK Nikola Tesla (Hamburger Kreisliga) steht inzwischen HAYKO KALAYCIOGLU zwischen den Pfosten. Beim selben Club spielt auch EUGEN HELMEL. Auch ehemalige Funktionäre haben ein Leben nach dem Fußball, und so möchten wir euch an dieser Stelle zwei entsprechende Personalien vermelden: Ex-Vizepräsident GUNTER PREUSSKER betreibt in Binz auf Rügen das Hotel Vier Jahreszeiten sowie das Strandhotel. Und Ex-Fanbeauftragter HEIKO SCHLESSELMANN übernahm, nachdem die Weinbar St. Pauli die Pforte schließen musste, die künstlerische Leitung auf dem Theaterschiff „Das Schiff“ (www.theaterschiff.de). Wie stets zum Ende dieser Rubrik, die traurigen Meldungen der vergangenen Monate: Am 2. August, seinem 92. Geburtstag, verstarb GÜNTER PEINE (Nachruf in diesem Heft an anderer Stelle), der so etwas wie die Seele des Vereins gewesen ist. Noch am 11. Mai habe ich ein längeres Gespräch mit Günter (für das demnächst erscheinende Millerntor-Fotobuch) in seiner Wohnung in Bönningstedt geführt, und er wirkte nach seiner frischen Herz-OP vital wie eh und je. Auch der Übersteiger trauert um einen ganz Großen der Vereinshistorie und wünscht sich in Zukunft noch mehr Vereinsangestellte dieses authentischen Kalibers mit Herz und Verstand… Auch vor unserem Ex-Präsidenten (1982-1990) Dr. OTTO PAULICK, der am 7. Mai 73-jährig aus dem Leben schied, ziehen wir den Hut und wünschen der Familie Paulick, trotz aller Trauer, ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl.

// Ronny

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