Tansania Tagebuch – Teil IV

Es geht nach Sansibar! Es kommen Strafgefangene, Militär und eine Fastmeuterei vor! Und natürlich geht es um Fußball und um Land und Leute.

Fischer am Hafen von Dar es Salaam

März – Dar es Salaam → Sansibar
5:30 Uhr! Früh raus, Abfahrt zum Hafen! Dort über eine Stunde ratlos im Bus warten, weil Hilal ‘kurz’ die Tickets oder was auch immer klarmacht. Dann aber ab nach Sansibar! Fähre fahren! Überraschend viele Muslim*innen auf der Fahrt, wobei überraschend weniger, da auf Sansibar prozentual mehr Muslim*innen leben als auf dem Festland. Und es ist wunderbar zu sehen, dass es keinerlei religiöse Konflikte zu geben scheint. Egal welcher Religion oder welchem Stamm die Leute hier angehören, es scheint null Animositäten oder Ablehnung zueinander zu geben. Sehr, sehr angenehm.

Bei Ankunft komische Einreisebestimmungen. Dauert wieder alles. Fieber wird auch noch mal gemessen.
Kein Telefonnetz und kein Internet in unserer Unterkunft, die in einem von Mauern umschlossenen Areal ist, in dem Militär ausgebildet wird und Strafgefangene arbeiten. Fotos machen verboten und alleine da rumlaufen auch. Seeehr, sehr strange. Wir sollten auch erst zu 36 in einem beengten Schlafsaal mit lauter Doppelstockbetten ohne Kissen, AC und Moskitonetze unterkommen. Ohne, dass das vorher in irgendeiner Weise angekündigt war. Es stand ehrlich kurz vor der Meuterei. Sechs von uns haben sich dem dann widersetzt und nach weiteren Stunden Diskussionen erwirkt, dass wir drei zusätzliche Doppelzimmer bekommen, die wir uns teilen. Ohne AC. Aber mit eigenem ‘Bad’, dass wir gern auch den anderen Frauen zur Verfügung stellen, die sich sonst zwei zu dreißig teilen müssten. Das Bett ist breiter als lang und erstaunlich komfortabel. Deckenventilator läuft auf Hochtouren. An der ‘Rezeption’ aus leider nicht nachvollziehbaren Gründen durchgehend unfreundliche Menschen, die barsch nach dem Zimmerschlüssel fragen, sobald man rausgeht. Immerhin haben sie dort einen Kühlschrank, wo man wirklich günstig Kaltgetränke (kein Alkohol) kaufen kann. Nicht der günstigste Einstand für Sansibar. Kann also nur besser werden.

Die Erklärung des Organisators Hilal für die Unterkunft war im übrigen dass wir hautnah den Alltag nacherleben sollten, den die Simba Queens bei Auswärtsspielen durchmachen. Das kann ich sogar akzeptieren. Eine Vorwarnung hätte es allerdings schon geben sollen.

Nachdem alles fürs erste geregelt war, fuhren wir nachmittags total JWD in die Pampa auf dem Olympiafrica-Gelände, welches keine Sraßenanbindung hat, auf dem Kinder und Jugendliche Sport machen und Fußball spielen können. Leider nutzen ihn vor allem Mädchen sehr wenig, da es im überwiegend muslimischen Sansibar nicht so gern gesehen wird, wenn Mädchen/Frauen Fußball spielen. Trotzdem gibt es ein offizielles sansibarisches Frauenteam, dass Teil der tansanischen Frauenliga ist. Wir trainieren auf dem Olympiafrica-Gelände unter dem kritischen Blick von einigen grasenden Kühen (und mir) und interessierten bis amüsierten Blicken vieler Kinder. Entspannte Stimmung gekrönt von einem schönen Abendhimmel.

Abends auf dem Foodmarket in Stone Town essen. Auf dem schönen, etwas parkähnlichem Gelände am Meer stehen mehrere Dutzend Essensstände, die unterm Strich aber nur drei Sachen verkaufen: Spießchen (immerhin in beeindruckender Auswahl), ‘Pizza’ (mehr so was wie Pfannkuchen) und Kebab (Sansibar ist geschichtlich sehr arabisch geprägt). Ich entscheide mich für Pizza bei ‘Mr. Lecker Lecker’, der u. a. auch eine ‘Thomas Müller Pizza’ anbietet. Ich wähle aber eine mit Avocado, Mango und Käse. Durchaus lecker, wenn auch eben nur entfernt mit einer echten Pizza verwandt. Einen Kebab auf die Hand nehme ich auch noch mit.

Auf dem insgesamt sehr entspannten Markt sind ein paar wenige Standbesitzer extrem aufdringlich. Man fragt sich warum. Haben sie dadurch ernsthaft je gute Erfahrungen gemacht? Und auch einige Bettler, die wahrhaft überteuert irgendwas verkaufen wollen und ganz hart auf Mitleidsnummer machen, nur nicht sehr überzeugend. Man möchte ihnen Nachhilfe geben, wie Touristen besser zu händeln sind. Die streunenden Straßenkatzen haben es besser drauf. Es ist schwierig, das als Tourist einzuschätzen wie diese Menschen dort leben, und wahrscheinlich ist es die pure Verzweiflung, die sie so aggressiv betteln lassen, aber es tut einem doppelt weh, weil es so kontraproduktiv ist und doch mag man sich natürlich nicht anmaßen ihnen vorschreiben zu wollen, wie sie zu betteln oder um Kundschaft zu werben haben. Und wir sind nicht wirklich vorbereitet worden. Es war lange nicht klar ob es überhaupt zu dem Ausflug nach Sansibar kommen wird und auch unsere tansanischen Begleiter waren selbst entweder vorher noch nicht auf der Insel um uns mehr darüber zu erzählen oder hielten es halt nicht für notwendig, man übersieht als Einheimischer ja gern, was man für selbstverständlich hält. Dabei hat das teilautonome Sansibar eine außerordentlich spannende Geschichte und Struktur. Da verweise ich euch mal entspannt auf Wikipedia.

Im nächsten Teil geht es dann weiter mit dem 3-Tagesauflug in Sansibar. Stay tuned!
P.S.: Die Bilder kann man übrigens vergrößern mit rechter Maustaste anklicken und ‘Grafik anzeigen’. Etwas umständlich, aber es geht.

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3 Antworten zu Tansania Tagebuch – Teil IV

  1. r. sagt:

    moin,

    ich hab da fragen, erstens erzähltet ihr, dass frauen für’s fußballspielen nur 200 dollar im monat kriegen, wie steht das in relation zu den dortigen monatsgehätern?
    und was ist das für eine “krumme tischtennisplatte”?

    • Ariane sagt:

      Beim Durschnittseinkommen gehen die Meinungen und Quellen stark auseinander. Von 50$/Monat pro Kopf bis 300$/Monat pro Kopf. Ist schwer einzuschätzen. Fakt ist, dass die Frauen mit ihren 200$ auch ein Stück weit ihre Familien unterstützen können, da sie auch zumindest kaum Ausgaben haben und sonst für alles gesorgt ist (inkl. Krankenversicherung). Und die krumme Tischtennisplatte ist eine Teqballplatte, eine Mischung zwischen Tischtennis und Fußball. Also man spielt sich den Ball mit den Füßen zu bei Tischtennisregeln.

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