Archive for März, 2010

Die Südblockade - Three days after

Mittwoch, März 31st, 2010

Mahlzeit! Es ist Mittwoch, der 31.03.2010. Seit den Vorfällen am Sonntag, beim Heimsieg gegen Hansa Rostock, seit dem ÜS-Blog vom Montag ist einige Zeit verstrichen. Und diese Zeit war gut und wichtig, um einiges zu überdenken und sacken zu lassen.

Zur erweiterten Meinungsbildung vorab mal vier Links:
- Stellungnahme von Sven Brux (Organisationsleiter FC St.Pauli) im St.Pauli Forum
- Interview mit Sven Brux, Björn Pahrmann und Ronny Galczynski (Übersteiger) auf 11FREUNDE (unten im Artikel kann man weiterblättern)
- Stellungnahme des Fanclub-Sprecherrates (FCSR)
- Blog von pathos93

Vorab:
Mit Svens Beitrag ist jetzt die Chance einer sachlichen Auseinandersetzung seitens des Vereins gegeben, die ich nach Littmanns Äußerungen („zweifelsohne Nötigung und evtl. Freiheitsberaubung“) zunächst nicht sah (dazu später mehr). Mit dem Fanclub-Sprecherrat hat auch „die andere Seite“ Fehler eingeräumt und damit die Basis für Gespräche gelegt. Die anderen beteiligten Gruppen werden sicher ähnliches in den nächsten Tagen tun. Für den ÜS ist dieser Blog erst mal Sprachrohr, bevor wir am 33.Spieltag mit der Nummer 99 sicherlich auch nochmal im Heft Stellung beziehen werden. Trotzdem bleibt dieser Blog-Eintrag namentlich von mir gekennzeichnet und ist nicht zwingenderweise Redaktionsmeinung, dies fürs Protokoll.
Alles Weitere wird man abwarten müssen. Beide Seiten (auch die Forumsuser) sollten zumindest versuchen, die Sichtweise des Anderen zu verstehen und in der Person Sven sehe ich da auch nicht das Problem. Ebenso sollte klar sein, dass „der Verein“ es von sich aus nicht akzeptieren kann, dass eine ganze Kurve abgesperrt wird. Es ist aber eben auch nicht Aufgabe der Fans, es dem Verein immer recht zu machen, zumindest war dies bisher mein Selbstverständnis als St.Pauli Fan.

Vorab dann auch: Ich distanziere mich sicher nicht von dem Blog-Eintrag vom Montag. Allerdings war dieser in seinen Ansichten bewusst provokant, was aus meiner Sicht aber auch dringend nötig war, um den doch sehr undifferenzierten, unfairen und unsachlichen Beiträgen gegenüber USP mal eine andere Meinung entgegenzusetzen. Das es daraufhin Prügel geben würde, war mir klar und ist auch völlig in Ordnung. Positiv überrascht hat mich (oder auch nicht), dass ich auf direkter persönlicher Ebene fast ausschließlich positive Rückmeldung erhielt, sowohl per Mail als auch über Anrufe, Gespräche und SMS. Lediglich eine Person aus meinem Bekanntenkreis (sei gegrüßt, Frank) wendete sich mit „Die Blockade ist nicht zu rechtfertigen, aber ich akzeptiere Deine Meinung!“ an mich. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, dass ich die falschen Leute kenne, aber auch damit kann ich leben.
Die Rückmeldung in den Kommentaren hier waren hingegen in der Mehrheit (2/3? 3/4? Egal…) negativ, auch das ist natürlich okay, dafür ist die Kommentar-Funktion ja auch da. Im Gegensatz zum Forum wurde aber hier in den Kommentaren fast ausschließlich ohne Beleidigungen und Bepöbelungen gearbeitet, sich konstruktiv mit dem Text auseinandergesetzt, auch dafür Danke. Ein besonderes Dankeschön daher stellvertretend für viele Kommentare (und auch beim ÜS eingegangene Leserbriefe!) hier an die Person hinter dem Nick „Ulli“; der sich für seinen Beitrag extrem viel Zeit genommen hat. Auch sein Kommentar im letzten Blog sei daher zur Meinungsbildung nochmal ausdrücklich empfohlen. Ebenso danke ich „ring2“ für ein sehr interessantes Telefonat, bei dem wir die unterschiedlichen Meinungen ebenfalls sachlich austauschen konnten. So sollte es unter Erwachsenen ja normalerweise auch möglich sein.

Zur Sache:
Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es bei der Aktion am Sonntag Fehler gab, die aufgearbeitet werden müssen. Aus meiner Sicht gab es zwei große Fehler, ohne die wahrscheinlich die jetzige Situation hätte vermieden werden können.
Die Aussperrung der SitzplätzeMangelnde Kommunikation im VorfeldU.a. durch diese Fehler wurden dann leider auch Leute verprellt, die der eigentlichen Idee positiv gegenüber standen und stehen, sich an der Umsetzung aber störten. Auch dies ist schade und auch bei denen kann man sich entschuldigen bzw. versuchen die Gründe dafür darzulegen um wieder gemeinsam nach vorne blicken zu können. Ähnlich wie der FCSR bleibe ich (persönlich, subjektiv) aber bei der Überzeugung, dass ein Absperren einer gewissen Anzahl Plätze in einer Fankurve grundsätzlich ein völlig berechtigtes Mittel eines Fanprotestes ist. Dies gab es in der Vergangenheit schon oft und bei vielen Vereinen. Anzahl und Ort der Plätze sowie das Mittel der Umsetzung lasse ich bei dieser Aussage bewusst frei. Ich hoffe, zumindest hierbei besteht ein Konsens.
Die Frage ist jetzt, wie es im Einzelfall umzusetzen ist, (nur Teilsperrung, ausschließlich freiwillige Basis etc.) und hierbei wird es wahrscheinlich keinen Konsens geben, dass hat die Diskussion der letzten Tage gezeigt. Ich werde hier jetzt auch keine „Wenn man das so und so gelöst hätte…“ Debatte führen, denn das Kind liegt eh im Brunnen.
Unstrittig auch: Wie auch immer dieses Absperren erfolgt, dürfen dadurch keine Personen zu Schaden kommen. Das von Sven aufgeführte Beispiel des älteren Herren ist natürlich schon ein Beispiel zu viel, so etwas hätte nicht passieren dürfen. Bei diesem Herren (und ggfs. weiteren Personen) muss aus meiner Sicht eine persönliche Entschuldigung seitens der „Verantwortlichen“ erfolgen. Hier sei aber auch nochmal erwähnt: „Verantwortlich“ war nicht USP alleine, da standen mehrere Gruppen dahinter, u.a. auch der Übersteiger.

Es gibt nach wie vor die zwei Ansichten:
A) Eine komplette Absperrung der Stehplatz-Bereiche in der Süd ist rechtens.
B) Nein, ist sie nicht.

Ganz ehrlich, mit bleibt da beim Blick in die Zukunft nur ein resignierendes Schulterzucken. Ich persönlich stehe nach wie vor, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind, zu Möglichkeit A).
Wer mir aufgrund dieser Meinung(!) aber jegliches Recht zur Diskussion abspricht, den werde ich in diesem Leben nicht mehr erreichen können, da ist der Graben dann offensichtlich zu tief.
Eine „Verurteilung der Blockade“, wie von einigen gefordert, wird es von mir (persönlich, subjektiv) nicht geben. Damit bin ich vielleicht nicht „Mehrheitsfähig“, aber genau das kann eben in einer Demokratie auch mal passieren und ich bitte zumindest darum, diese Meinung zu akzeptieren auch wenn man sie nicht teilt.
Erneut: Ich bestreite nicht, dass Fehler passiert sind. Auch Fehler, für die man sich entschuldigen muss. Nur: Viel von dem Wirbel, der jetzt im Nachhinein entstanden ist, mag zwar den Sonntag als Auslöser nehmen, liegt aber doch viel tiefer begründet. „Scheiß USP“-Rufe gab es auch schon am Sonntag von der Gegengeraden aus… von Leuten, die garantiert nicht alle über die Zustände in der Süd informiert waren, sondern denen es eine willkommene Gelegenheit war, mal wieder auf die verhassten Ultras einzuprügeln. Wer z.B. bei “Twitter” den “richtigen” Leuten folgt, konnte da schon am Sonntag morgen sehen, dass diese mit geschwilltem Kamm der Konfrontation mit USP entgegenfieberten und ihnen die sachliche Auseinandersetzung mit dem Thema scheißegal war.
Auch viele Beiträge im Forum deuten darauf hin, dass hier in erster Linie alte Rechnungen mit USP beglichen werden sollen. Dies ist auch deswegen schade, weil es die (durchaus berechtigte) Kritik an dieser Aktion verwässert und unnötigerweise zu einem „USP vs. Rest des FC St.Pauli“ Kampfes verkommen lässt… und da springen eben beide Seiten schnell zurück in die bekannten Gräben. Auch hierbei schließe ich mich ausdrücklich ein, obwohl ich nicht zu USP gehöre, ihnen aber eben deutlich näher stehe als denen, die am Sonntag zu ebenso unglaublichen Handlungen kamen, wie von Sven beschrieben.

Hier half mir dann ein Gespräch, welches ich gestern mit dem Schweizer Journalisten Daniel Ryser führen durfte, der zu einer Reportage zufällig an diesem Wochenende beim FC St.Pauli zu Gast war und der die Vorfälle in der Süd auch selbst mitbekommen hatte. Sein erster Satz war: „Ich leide unter extremer Platzangst!“ und mir schwante Böses. Allerdings folgte als nächstes: „Aber das war überhaupt kein Problem am Sonntag, man konnte ja jederzeit der Enge da entfliehen.“ Das soll nicht heißen, dass es nicht eben auch solche Situationen gab, wie von Sven beschrieben. Nur waren diese eben nicht die Regel, sondern die Ausnahme, auch wenn natürlich jede Ausnahme eine zu viel ist.
Ansonsten äußerte er seine Begeisterung darüber, dass es bei St.Pauli so etwas wie einen Kampf um Fanrechte überhaupt noch gibt. Wobei er hier übrigens erstaunliche Übereinkunft mit Sergej Barbarez hatte, der beim Verlassen des Platzes, wo er zum sky-Interview war, mit Blick auf die leeren Süd-Plätze sagte: “Ich find das toll!”. Da muss man sich schon Zustimmung zu Fanrechten bei Schweizern und hsvern holen…
Daniel erzählte auch von seinen Gesprächen mit USP Mitgliedern, die er als „außergewöhnlich selbstkritisch und sich selbst reflektierend“ wahr nahm. Irritiert zeigte er sich hingegen von der Heftigkeit der Proteste im Internet am Tag danach, für die er keine Erklärung fand. Ebenso schilderte er von Fans in der Süd, die Zitate brachten wie „Jetzt dürfen die Nazis mal nicht zum Spiel und jetzt beschweren sich die Ultras auch noch darüber!“, um im nächsten Satz USP selbst in Zusammenhang mit dem Dritten Reich zu bringen, was auch bei ihm nur erstauntes Kopfschütteln brachte.
Wie schon eingangs erwähnt, auch noch ein Wort zum Zitat unseres Präsidenten, welcher am Montag verlautbaren ließ: „Es handelt sich zweifelsohne um Nötigung und wir werden überprüfen, inwieweit es sich um den Tatbestand der Freiheitsberaubung handelt.“. Man kann ja gerne mal beide Begriffe (Nötigung und Freiheitsberaubung) bei Wikipedia eingeben und wird schnell erkennen, dass letzteres im juristischen Sinne geradezu lächerlich grotesk ist, da es sich um eine Blockade und nicht um ein Einsperren handelt. Ersteres (Nötigung) ist hingegen bei Blockaden juristisch mehr als umstritten, von daher ist sein „zweifelsohne“ mal wieder mit Vorsicht zu genießen und ich bin jetzt schon sehr gespannt, wie viele Prozesse der Verein denn diesbezüglich tatsächlich anstrengen und dann auch mit einer Verurteilung abschließen wird. Aber die öffentliche Wirkung hatte er natürlich mit dieser Äußerung zunächst und mehr war wohl auch nicht beabsichtigt. (Ist ja auch sein gutes Recht, keine Frage, das Spiel auf der Medienklaviatur beherrscht er.)

Interessant wäre sicher die Beantwortung folgender Frage: Wie viele Süd-Stehplatzbesucher hielten die Blockade am Sonntag für absolut unrechtmäßig und wollten sich ihr widersetzen?
Leider wird es dazu keine verbindliche Antwort geben, ich glaube aber schon, dass die absolut überwiegende Mehrheit der Stehplatz-Besucher diese Absperrung an dem Tag ertragen hätte. Sicher nicht alle, und im Zusammenhang mit den ebenfalls ausgesperrten Sitzplätzen hat genau das dann auch zu den Problemen geführt. Ich schmeiß jetzt mal die Zahl 150-200 in den Raum, also knapp 10% der Süd-Stehplatz-Besucher. Kann ich ebenso wenig belegen, wie man es mir widerlegen kann, insbesondere, da ja auch die Sitzplatz-Besucher noch dazukommen. Trotzdem entspricht dies meiner gefühlten Temperatur, aus den selbst erlebten Gesprächen in der Situation vorm Anpfiff in und vor der Süd, sowie den Gesprächen danach.

Und damit sind wir dann auch wieder bei der Frage, ob die Aussperrung dieser Fans gegen ihren Willen berechtigt war oder nicht… womit wir wieder bei den zwei oben angeführten Meinungen sind, die sich nicht vereinbaren lassen werden.

Es wird in den nächsten Tagen sicher noch Stellungnahmen und hoffentlich auch Gespräche geben, deren Ausgang man sicher gespannt erwarten darf. // Frodo

28.Spieltag - (H) - FC St.Pauli - Hansa Rostock

Montag, März 29th, 2010

FC St.Pauli – FC Hansa Rostock 2:0 (1:0)
Tore:
1:0 Marius Ebbers (41.), 2:0 Deniz Naki (54.)
Zuschauer: 19.146 (keine Gästefans)
Rote Karten: Martin Retov, Fabian Boll (beide 57.)
Oha, heute mache ich mich unbeliebt… und bevor ich mich verzettel unterteile ich den Bericht mal, für mich recht ungewöhnlich, in Kategorien.

Die Vorgeschichte
Ich will das nicht alles wieder aufwärmen, daher in Kürze: Das Präsidium und die Polizei entschlossen sich, nur 500 Gästefans zuzulassen. Rostock verzichtete konsequenterweise ganz auf die Karten, Fangruppen des FC St.Pauli kündigten gegen diese Beschneidung der Fanrechte Proteste an. Wer das noch mal nachlesen möchte, kann dies im Blog hier und hier tun oder die ÜS-Sonderausgabe lesen, die am Sonntag verteilt wurde.

Das Spiel
Kann man schnell abhaken. Unterm Strich verdienter Arbeitssieg in einem umkämpften Derby, in dem Hansa uns mit diesem unglaublichen Fehlpass von Schöneberg auf Ebbers natürlich einen großen Gefallen tat und Matze Hain erneut großartig hielt, wenn er gebraucht wurde. Ich hab vor der Saison viel über ihn geschimpft, aber er ist diese Saison genau der Rückhalt, den man für einen Bundesliga-Aufstieg braucht, ich leiste in aller Form Abbitte bei ihm.
Die Situation, die zum Tumult führte, war hingegen eindeutig: Böses Frustfoul des Hansa-Kapitäns Martin Retov an Deniz Naki, welches für sich bereits zwingend eine rote Karte nach sich zog. Anschließend stürmt Boll auf ihn zu, was Retov zu einer klar erkennbaren Zidane-Gedächtnis-Kopfnuss verleitet. Klassisches Doppel-Rot für ihn, maximal Gelb wegen ungestümen Anrennens für Boll, aber eigentlich nicht mal das. Warum Rafati beiden die rote Karte zeigte, erklärte er dann später, indem er Boll wahlweise eine Kopfnuss oder ein deutliches Schubsen nachsagte… wenn das seine Begründung ist, so muss man Boll eben nach den TV-Bildern freisprechen, Fehlentscheidungen passieren. Allerdings stand Rafati nur zwei Meter weg mit bester Sicht aufs Geschehen, also schon eine sehr unverständliche Entscheidung. Retov hingegen muss für Minimum sechs Spiele gesperrt werden, weil beide Szenen für sich mindestens drei Spiele Sperre bedeutet hätten. Ich bin gespannt, wie das Schiedsgericht das sieht. (Edit: P.S. Der DFB hat grad sieben Spiele Sperre verhängt… bleibt abzuwarten, was mit Boll passiert.)
Schönes Highlight nach dem Spiel war dann das kollektive Niederknien der Mannschaft vor dem großen Bild von Truller in der Jahr100Elf, während Stani und Truller feixend im Mittelkreis standen.

Rostocker Randale
Blieb, wie zu erwarten, aus. Zwar war klar, dass es genug Leute versuchen würden, Stress anzuzetteln, aber die in den Medien vorher genannten Zahlen waren einfach lächerlich. Allein das Kamera-Team-Aufgebot um kurz nach eins vorm Riesenrad hätte für drei Folgen der Lindenstraße gereicht. Was haben die erwartet? Dass die Hansa Fans da oben im Kreis fahren und Bengalos runter schmeißen? Noch dazu, wo der Dom um die Uhrzeit noch nicht mal auf hatte?

Der Boykott der Südkurve
So, fertig machen zum „Auf mich einprügeln“. Ich stehe voll und ganz hinter USP und dem kompletten Absperren der Süd! Und zumindest die anderen beiden ÜS-Redakteure, mit denen ich heute Morgen schon sprechen konnte, schließen sich der Meinung an. So viel vorweg.
Die Fangruppierungen des Ständigen Fanausschusses hatten sich auf diverse Proteste verständigt, um u.a. auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass einige davon scheitern. Eine davon war, dass USP versuchen sollte, die Süd für fünf Minuten frei zu halten. Es war also keine „USP-Aktion“, sondern eine Aktion von mehreren aktiven Gruppen, die in diesem Fall eben von USP ausgeführt wurde. Und um es auch klar zu sagen: Es ging hier doch nicht um den persönlichen Seelenfrieden und den selbstgerechten Blick am Abend in den Spiegel, dass man selbst für sich boykottiert hat, sondern es ging um mediale Aufmerksamkeit… und genau die ist sowohl auf Sky, als auch beim DSF und auf N3 dadurch erreicht worden, dass die GESAMTE Stehplatzkurve des FC St.Pauli beim absoluten Saisonhighlight für fünf Minuten frei blieb. Gegen den “Hassgegner”, den FC Hansa Rostock!
Hätte es stattdessen eine windelweiche „Naja, wir boykottieren zwar, aber wer rein will, soll halt rein gehen…“ Aktion gegeben, wäre es wahrscheinlich nach und nach immer mehr aufgeweicht worden, weil Richtung Anpfiff immer mehr Leute reingegangen wären, frei nach dem Motto: „Ey, super Boykott… aber ich als Einzelperson bin ja nicht so wichtig, also kann ich auch eben mit rein. Einer mehr oder weniger fällt ja auch nicht so doll auf.“ Und Schwupps hätten eben nur noch 500 konsequente Leute draußen gestanden und die Aktion wäre verpufft.
Bleibt also entscheidend die Frage: Hat USP (bzw. die ebenfalls hinter dem Boykott stehenden Fangruppen) das Recht, die Zugänge zur Süd so abzuschotten, dass es den Leuten nicht gelingt auf ihre Plätz zu gelangen? Und wenn ja: Wie soll man reagieren, wenn Leute trotzdem auf ihre Plätze wollen, eingedenk der vorhergehenden Argumentation, dass nur ein „kompletter“ Boykott erstrebenswert ist?
Hier werden sich die Geister scheiden, ich persönlich beantworte die Frage nach dem „Dürfen sie das?“ aber eindeutig mit: Ja, dürfen sie. Es handelt sich um eine von Fans/Ultras selbst verwaltete Kurve, dies unterschreibt jeder Besucher dieser Stehplätze beim Erwerb der Saisonkarte… ob ihm dies gefällt oder nicht (und jetzt bitte nicht mit „Aber die Uralt-Südler haben noch Dauerkarten von vor dem Konzept…“ kommen, denn die jetzigen Unmutsäußerungen kommen bei weitem nicht nur von denen, wenn überhaupt). Genau jenes Konzept, mit dem sich der Verein gerne brüstet, welches auch einen guten Teil des „Non established“-Krams ausmacht und welches beim Verkauf der Business-Seats und Logen gerne auch nach vorne gestellt wird. Letzteres führt doch dazu (siehe ÜS Blog vom Logen-Besuch) dazu, dass „da oben“ die besser situierten Damen und Herren sitzen, die fasziniert auf das „merkwürdige Wesen Fußballfan“ herabblicken und entzückt jauchzen, wenn es sowas wie Wechselgesänge oder kollektives Hüpfen im Gleichklang gibt. Angestimmt von eben jenen Ultras, die unfassbar viele Aktionen durchführen, die den FC St.Pauli zu dem machen was er (noch) immer ist: Etwas anders. Ich will jetzt nicht alles aufführen, aber Projekte, die es Flüchtlingen ermöglichen, Spiele am Millerntor zu besuchen, oder das Engagement bei zahlreichen anderen Projekten, werden in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen, weil USP es eben „wegen der Sache“ macht, und nicht um in der Öffentlichkeit gut dazustehen. Und um es auch noch einmal deutlich zu betonen: Es ging um fünf Minuten! Fünf Minuten, die man zu etwas ganz Besonderen hätte machen können, wenn man beispielweise die Bereiche unter und außerhalb der Süd dazu genutzt hätte, sich einzusingen. Stattdessen wurde geschubst und gedrängelt, um auf den eigenen Platz zu gelangen, an dem man ja sonst auch immer steht. Muss jeder für sich selbst entscheiden ob er da freiwillig zu bereit ist? Ja, normal schon. Aber gestern ging es eben um mehr, zumindest aus Sicht der Gruppen, die im Ständigen Fanausschuss zusammengeschlossen sind. Und nochmal: Es handelt sich um eine von Fans verwaltete Kurve, für die eben auch andere Regeln gelten als für den Besuch eines Kinos oder des Zoos oder einer 08/15 Tribüne bei Hoffenheim. Hierbei spielt aber sicher auch das Problem rein, dass eben viele dort nicht aus Überzeugung zur Ultrakurve stehen, sondern einfach in Ermangelung einer anderen Möglichkeit. 
Ich gebe gerne zu, dass man hier unterschiedlicher Meinung sein kann, hätte mir hier aber eben nach dem ganzen Theater der letzten Wochen erhofft, dass die Solidarität der Fanszene untereinander greift und man bereit ist, auf diese fünf Minuten gemeinsam zu verzichten. Auf den zweiten Teil dieser Grundsatzfrage zurückkommend: Wenn man also der Meinung ist, sie dürfen und man will niemanden auf die Süd lassen… wie geht man dann mit Leuten um, die anderer Meinung sind? Es bleibt dann nur der Weg der kompletten Blockade, die muss man dann auch konsequent umsetzen, ohne gewalttätig zu werden. Letzteres war wohl auch so, zumindest haben die „Blockierer“ sich nur in den Weg gestellt. (Ich kann hier natürlich kein allumfassendes Urteil über die Situation an allen Eingängen abgeben, aber jeder, der hier behauptet ein USPler hätte Gewalt ausgeübt, möge sich dann bitte nochmal fragen, ob das zum einen wirklich so war und zum anderen wer denn damit angefangen hat) Und nochmal: Diese Blockade steht und fällt mit der Frage, ob es einer Fangruppierung wie USP erlaubt ist, die Blockade durchzuführen oder nicht… alles andere sind dann (leider) die Folgeerscheinungen.
Ein Satz noch zu den Sitzplätzen der Süd: Ja, auch diese waren zu großen Teilen davon betroffen. Und wenn ich es mir hätte persönlich aussuchen können, hätte ich die davon ausgenommen, weil hier vielleicht auch der unbescholtene Familienvater mit seinen drei Kindern erstmals am Millerntor auftauchen kann (theoretisch zumindest… praktisch nicht, wenn man sich die Kartenverteilung im Vorfeld in Erinnerung ruft). Allerdings scheiterte dies auch einfach an der praktischen Umsetzbarkeit, da Steh- und Sitzplätze die gleichen Zugänge haben, und nachdem diese verstopft waren, war eben auch keine Ausnahme mehr möglich.
Wenn man dann allerdings, wie in einer Hamburger Boulevard-Zeitung sinngemäß zu lesen ist, von „weinenden Kindern im beängstigenden Gedränge“ lesen muss, sollten sich auch die Eltern hierbei mal hinterfragen. Wer sich pro Tag auch nur zehn Sekunden mit dem FC St.Pauli beschäftigt, dem muss klar sein, dass ein Spiel gegen Hansa Rostock vielleicht sowieso schon nicht geeignet ist, sein Kind mitzunehmen. (Ich rede jetzt nicht von 17 jährigen Kindern, die werden aber auch eher nicht weinen.) Und wenn man sich nicht nur zehn Sekunden sondern eben auch drei Minuten vorher mit diesem Spiel beschäftigt hat, war klar, dass auch die Situation auf der Süd an diesem Tag eine besondere sein würde. Wer dann mit seinem Kind auf seinen Sitzplatz will, sollte recht schnell feststellen können, dass dies eben nicht geht… und dann wäre zumindest ich mit meinem Sohn wieder ein paar Meter zurückgegangen, hätte ihm die Situation erläutert und nichts wäre passiert. Das dies problemlos möglich gewesen wäre, habe ich mit eigenen Augen gesehen, denn zum Anpfiff war die Treppe von der Gegengeraden hinauf zur Süd zwar gut gefüllt, aber eben auch völlig entspannt und ohne jedes Gedränge. Gleiches gilt für den Eingangsbereich, wo sich das Fanladen-Büro befindet, wo auch einer Frau mit Platzangst problemlos geholfen werden konnte, indem man sie in das Büro ließ. Wer es hier also nicht auf Konfrontation anlegte, konnte sich ihr auch problemlos entziehen. Und ich wiederhole mich gerne: Es ging hier um mehr, als um fünf Minuten Zweitligafußball… diese Einschätzung kann man teilen oder eben auch nicht, aber wenn ich in dieser Kurve stehe, muss ich mit solchen Protestaktionen rechnen. Und wenn ich sie auch selbst nicht teile, darf ich sie eben zumindest auch nicht sabotieren, sondern muss sie (wenn auch in mich rein grummelnd) mit- und ertragen.

Sonstige Proteste
Dementsprechend gab es nach den fünf Minuten eben auch „Scheiß USP!“ Rufe, mehrheitlich von den Sitzplätzen der Süd. Wie gesagt, ich kann deren Unmut zum Teil nachvollziehen, nur fallen dann eben fiese „fünf nicht gesehenen Minuten“ für mich unter den unschönen Begriff des Kollateralschadens, auch hierfür stehe ich zur Steinigung nach Terminabsprache gerne bereit.
Das USP aber mit seiner Meinung bei weitem nicht alleine steht, zeigten die restlichen Proteste in Form von Tapeten. Ich bekomme sie nicht mal mehr annähernd alle zusammen und hab leider auch vergessen, die besten mitzuschreiben, daher nur meine beiden Highlight: „Auch Arschlöcher haben Rechte!“ und „CL + Ahlhaus: If the kids are united!“ Großartig, traf mein Humorzentrum. Gegenteilige Tapeten gab es übrigens nicht, nur fürs Protokoll.

Die Stimmung
Auch hier muss man USP zugestehen, alles richtig gemacht zu haben. Der ÜS hatte sich auf seinem Flyer ja dafür ausgesprochen, vom akustischen Support her alles zu geben, um die Mannschaft nach vorne zu peitschen. USP hatte frühzeitig erklärt, dies natürlich nicht zu sabotieren, aber eben keinen organisierten Support zu machen. Will sagen: Keine Fahnen, keine Trommeln, keine Vorsänger… also quasi ein Paradies für all diejenigen, die USP immer das Übliche „Lalala“ vorwerfen. Und das wohlgemerkt bei DEM Spiel der Saison! Das Derby gegen Hansa, die Chance uns nach oben zu schießen und die Kogge zu versenken!
Und was passiert? Teilweise eine Stimmung wie bei der A-Jugend vom VSK Osterholz-Scharmbeck gegen Atlas Delmenhorst, komplettes Versagen der restlichen Besucher. Okayokay, natürlich gab es Gesänge und Anfeuerungen, aber das hielt sich doch alles sehr in Grenzen und passte viel eher zu nem lauen Sommerkick als zum eingangs beschriebenen Szenario, bei dem das Millerntor eigentlich hätte komplett brennen müssen! Wenn schon bei so einem Spiel, noch dazu nach den beiden roten Karten nur so wenig Stimmung bei rüber kommt, wie sollte das denn erst beim trüben Ligaalltag sein? Unvorstellbar. Und wohl gemerkt: USP hat ja nicht die Stimmung boykottiert, sondern bei Gesängen sehr wohl mitgemacht und teilweise auch eigenes gestartet… nur eben nicht so wie sonst. Und sonst meckern ja auch immer alle.

Fazit:
Das Kind liegt im Brunnen, und zweifelsohne ist gestern einiges in der Fanszene zerbrochen. Allerdings hat für mich nicht USP die Schuld an dem Bruch und das Kind liegt da auch schon einige Wochen, wenn nicht gar Monate.
Bis zu diesen Fronten war es ein langer Weg, an dem sicher viele Seiten ihre Schuld tragen. Und natürlich ist auch USP nicht völlig schuldlos, vielleicht hätte man vorher auch in der Kommunikation etwas anders lösen können. Nur die gestrige Situation entzündet sich eben an der Frage, ob alle Stehplatzbesucher das Konzept der Süd mittragen, oder eben nicht. So hart es klingt, aber der Verein und seine Fanszene stehen vor einer schwierigen Phase, die entscheiden wird, wie „non established“ wir wirklich sind, und wie lange dieser Verein noch von sich behaupten kann, „anders“ zu sein. Sollte der Verein tatsächlich Konsequenzen gegen USP aus den gestrigen Vorfällen ziehen, wäre für mich der Bruch mit diesem Präsidium noch stärker, als er nach den Lügen und Halbwahrheiten in persönlichen Gesprächen der letzten Wochen eh schon ist. Dummerweise werden einige es genau umgekehrt sehen und Konsequenzen gegen USP fordern bzw. haben dies bereits getan… und die Frage wird sein, welche Seite hier im Recht ist. Und damit meine ich nicht die juristische Seite, sondern die moralische. Und eben diese wird sich nur schwer beweisen lassen. Mir fehlt der Lösungsansatz, wie die verhärteten Fronten aufgeweicht werden können… die gestrigen Vorfälle haben diese sicherlich weiter verhärtet, nur liegt der Grund dafür eben nicht (alleinig) bei USP, sondern auch bei den anderen Gruppen, die diesen Protest mitgetragen haben und auf der anderen Seite bei denen, die diesen Protest eben nicht mitgetragen haben. // Frodo

P.S. Wer USPler als “Nazischwein”, “Fotze” oder ähnliches bezeichnet, hat damit dann auch schon genug über sich selbst preis gegeben, da geh ich gar nicht mehr drauf ein.

Links:
Fotos von miles-photo.net
Bericht eines Rostockers in der Ostsee-Zeitung
Ollis Tresen Thesen

Stellungnahme Ständiger Fanausschuß zur Kartenvergabe an Hansa

Donnerstag, März 18th, 2010

Stellungnahme des Ständigen Fanausschusses zur Reduzierung des Gästekartenkontingentes für das Spiel FC St. Pauli gegen Hansa RostockWir als Ständiger Fanausschuss, dem Zusammenschluss aktiver Fangruppen des FC St. Pauli, nehmen zu den Vorgängen um die Entscheidung zur Reduzierung des Kartenkontingentes für die Anhänger des FC Hansa Rostock und die entsprechende Pressemitteilung des FC St. Pauli wie folgt Stellung:

Nachdem der Ständige Fanausschuss von einem Antrag des Präsidiums des FC St. Pauli an die DFL Kenntnis erlangt hat, keine bzw. hilfsweise 500 Gästefans aus Rostock zuzulassen, und diese Antragstellung von der DFL bestätigt wurde, kam es auf unsere Initiative hin zu einem Gespräch zwischen Vertretern der organisierten Fanszene und dem Präsidium des FC St. Pauli. In diesem Gespräch wurde fanseitig eindringlich auf die Türöffnerfunktion für künftiges restriktives Vorgehen bei der Kartenvergabe für Auswärtsspiele hingewiesen. Daraufhin wurde ein Kompromiss gefunden, welcher einen Dialog mit Vertretern von Hansa Rostock mit dem Ziel eines friedlichen Spieles bei gleichzeitiger Abkehr von einer Reduzierung des Gästekontingentes vorsah.
Dieses Gespräch fand am 9. März unter Beteiligung der Vereinsführungen, Fanprojekte sowie von Vertretern der Fans beider Vereine statt. Ergebnis des Gesprächs war ein von allen Beteiligten getragener Kompromiss, welcher neben konkreten Regelungen zur An- und Abreise u.a. ein Gästekontingent von 1.400 Karten vorsah. Explizit angekündigt wurde vom Präsidium des FC St. Pauli, mit juristischen Mitteln gegen einen drohenden Ausschluss der Gästefans vorzugehen.

Mit großer Verwunderung mussten wir am Montag zur Kenntnis nehmen, dass das Präsidium des FC St. Pauli von dieser gemeinsam getroffenen Entscheidung abgerückt ist und sich stattdessen in einem „einvernehmlichen Gespräch“ mit der Hamburger Polizeiführung auf eine abweichende Regelung geeinigt hat: Statt der gemeinsam vereinbarten 1.400 Gästekarten sollen nunmehr nur noch 500 Karten verkauft werden, und auch diese nur nach Vorlage eines Personaldokumentes. Es ist nicht hinnehmbar, dass auf Druck der Hamburger Polizei von der mit der eigenen Fanszene und Vertretern des FC Hansa Rostock gemeinsam getroffenen Vereinbarung abgewichen wird. Geradezu skandalös ist es, eine solche Regelung noch als „weitestgehend mögliche Wahrung von Fanrechten“ zu bezeichnen.

Wir fordern das Präsidium des FC St. Pauli auf, unverzüglich zur gemeinsam beschlossenen Linie zurückzukehren und alle erforderlichen Rechtsmittel gegen die polizeiliche Verfügung einlegen.
Andernfalls werden wir auf verschiedenen Wegen deutlich machen, dass wir diese massive Einschränkung elementarer Fanrechte nicht unwidersprochen hinnehmen.

Hamburg, 17.03.2010

Ständiger Fanausschuss des FC St. Pauli

Dem ist wenig bis nichts hinzuzufügen.
Wem jetzt die Hintergründe fehlen, den verweise ich gerne auf die zurück liegenden Blog-Einträge, insbesondere diesen vom Montag abend, direkt nach der Entscheidung von Cornochio dem Präsidium des FC St.Pauli und der Polizei, sowie diesen Blog-Eintrag, in dem auch weiterführend ein Artikel aus dem aktuellen Übersteiger verlinkt ist.
Das Abendblatt nimmt in der Print-Ausgabe die Stellungnahme heute bereits kurz auf, inkl. leicht zickigem Kommentar unseres Fanpräsidenten, aber da dürfte es sicher in den nächsten Tagen noch etwas mehr Medienecho geben.
Weiterführende Diskussionen gerne hier als Kommentar oder auch direkt im Thread dazu im St.Pauli-Forum.de. // Frodo

“Heimspiel”, der Fan-Talk im DSF

Mittwoch, März 17th, 2010

Mannomann… bisher war dieses Kleinod deutscher Fernsehunterhaltung an mir vorbeigegangen, scheinbar zurecht. Doch gestern abend bin ich beim Zappen dann irgendwie da hängengeblieben, weil ich in meinen Bremer Zeiten mal Arndt Zeigler (”Zeiglers Wunderbare Welt des Fußballs” - Sonntags im WDR und öfters im Radio, außerdem Stadionsprecher beim SV Werder) mal persönlich kennenlernen durfte und ihn und seine Ansichten zum Fußball immer sehr geschätzt habe, und gestern dann eben sein Gesicht beim Zappen in die Kamera strahlte.

Zur Sendung: Starmoderator Frank Buschmann (seinerzeit von Wontorra aus dem “DSF Krombacher Stammtisch” gedrängt) und die Gäste Dunja Hayali (Heute-Journal, Gladbach Fanin) , Carsten Jancker, Peter Neururer und eben Arndt Zeigler sitzen bei gemütlich Bier in einer Kneipe und rund um sie rum diverse Fans unterschiedlichster Vereine in ebenso bierseeliger Atmosphäre. Hat durchaus Charme und Potential das Konzept, wichtigste Neuerung wäre aber definitiv, einen kompetenteren Moderator da hinzusetzen. Buschmann mag ein guter Stichwortgeber für betrunkene Experten wie Herrn Lattek gewesen sein, wenn diese Sendung aber wirklich ein “Fan-Talk” sein soll, ist er einfach viel zu weit weg vom Thema. Vielleicht sollte das DSF mal vorfühlen, ob nicht Arndt Zeigler bereit wäre, die Sendung zu übernehmen? Aber da wäre er sich im Zweifel wahrscheinlich (zurecht) zu schade für. Ansonsten war die Zusammensetzung der Gäste sicher interessant, mit verschiedenen Blickwinkeln, wobei insbesondere Carsten Jancker das Klischee vom tumben Fußballprofi durchaus gut auszufüllen wusste.
Dunja Hayali konnte hingegen durchaus glaubhaft ihr Fandasein darstellen und hatte interessante Statements, wenn sie auch sicher eher der “normale” Fußballzuschauer ist und natürlich nicht zwingend den Stehplatz in der Kurve besetzt.

Den spannendste Teil aus meiner Sicht gab es dann bei der Diskussion um die Vorfälle am Wochenende in Berlin, wo sich dann doch leider Abgründe auftaten. “Lebenslanges Stadionverbot für diese sogenannten Fans!” war noch eines der harmlosesten Statements, was erschreckenderweise auch aus dem Plenum der anwesenden Fans kam. Gehts noch? Ich saß mit heruntergeklapptem Unterkiefer staunend vor dem TV und stellte mir bildlich vor, wie unser Innensenator Ahlhaus gerade schenkelklopfend auf dem Sofa auf und ab springt und immer wieder “Ja, ja, genau, hihihihi!” schreit und vor Lachen gar nicht in den Schlaf kommt.
Es liegt mir fern, für die Vorkommnisse in Berlin Entschuldigungen zu suchen oder gar so abstruse Ausreden anzuführen wie den angeblich provozierenden Torjubel von Raphael Schäfer, aber kann hier mal irgendjemand die Verhältnismäßigkeit mit einbeziehen? Alleine die gestrige erste Lokalseite im Abendblatt bot vier Geschichten über Schlägereien und Messerstechereien, wo bei jeder einzelnen mehr passiert ist, als an jenem Samstag im Olympiastadion… mit dem Unterschied, dass die Geschichte es in die Tagesschau geschafft hat, weil es gerade trendy ist, über marodierende Horden von diesen “so genannten Fans” zu berichten.
Warum diese Fans immer nur “so genannt” sind, hat mir übrigens auch immer noch niemand erklären können. Weil man als Fan nur stumpf und dumpf sein Geld zu entrichten hat, aber gefälligst keien Widerworte leisten darf? Klar ist die Wahl der Mittel falsch… aber Fan ihres Vereins sind und bleiben ganz sicher auch und gerade die Leute, die da am Samstag in Berlin in den Innenraum gelaufen sind.

Dazu dann auch gleich ein paar Links zu der überraschend guten “Gewalt-im-Fußball” Serie des Hamburger Abendblatts: Ein sehr empfehlenswerter Artikel vom Montag von Ronny Blaschke, ein Interview mit Michael “Öri” Gabriel von der KOS sowie ein Interview von heute, mit Alexander Hoh, dem Autoren des hsv-Hooligan Buches “In kleinen Gruppen, ohne Gesänge”.

Das passendste und beste Statement zum Thema Stadionverbote fand sich dann aber heute im St.Pauli-Forum, von Sandra, auf die Frage, wie man denn den Beteiligten von Berlin sonst beikommen sollte:
“Wenn eine Straftat begangen worden ist, dann gehe ich davon aus, dass eine Anzeige erfolgt. Ganz normales Strafrecht halt, wie in allen anderen Bereichen des Lebens auch.
Die Anwendung der Stadionverbots-Richtlinien scheint immer mehr Richtung Ersatz-Strafrecht zu verkommen und das darf eigentlich nicht passieren. Wenn man präventiv tätig werden will, gibt es meiner Meinung nach noch sehr viel sinnvollere und wirksamere Alternativen als massenhaft, ungenügend geprüfte, lange andauernde Stadionverbote auszusprechen.”
Davon abgesehen verlagert man ja das Gewaltproblem sonst nur aus dem Stadion in andere Bereiche der Gesellschaft.

Da es ja doch irgendwie auch passt, auch noch ein paar aktuelle Gedanken zur Kartenvergabe an Hansa Rostock:
Für heute oder morgen wird vom FC Hansa eine Stellungnahme erwartet, wie sie die Vergabe der nur 500 Sitzplatzkarten zu bewerkstelligen gedenken. Ich bin sehr gespannt, ob es vielleicht sogar zur radikalsten Lösung kommt und man sagt: “Arschlecken, behaltet den Mist, unter diesen Umständen boykottieren wir das Spiel und machen ein Public Viewing in  der DKB-Arena!” Hätte meine volle Sympathie und wäre der Schritt, den ich mir in umgekehrter Situation auch von meinem Verein wünschen würde. Allerdings sollte man fairerweise dazu sagen, dass das Rostocker Präsidium in jüngster Vergangenheit noch wesentlich unzurechnungsfähiger handelte als unser Fanpräsident, von daher ist hier mit allem zu rechnen.

Die kurze Zeit angedachte Demo gemeinsam mit den Rostockern wird es ganz sicher nicht geben, und das ist auch gut so. Es soll eben auch keine falsche Solidarisierung zugunsten der Hansa-Fans geben, die es in Teilen auch wirklich nicht besser verdienen, sondern einen Aufschrei FÜR Fanrechte, da es ganz sicher auch uns demnächst erwischen wird, wenn dieses Beispiel Schule machen sollte. Was genau es da an Aktionen geben wird, wird im Moment noch besprochen und abgestimmt, aber kommentarlos hinnehmen kann man diesen Vorfall ganz sicher nicht. // Frodo

Polizei sperrt Hansa Fans aus, St.Pauli trägt das mit!

Montag, März 15th, 2010


Mini-Kartenkontingent für Hansa Rostock

Nun ist es raus… der FC Hansa Rostock bekommt für sein Gastspiel am Millerntor nur 500 Karten!!! Nur 500! Nur Sitzplatzkarten! Und die auch noch personalisiert! 2,5% statt der üblichen 10%!
Hier erst mal der Text des Vereins dazu.
Daraus:
“Corny Littmann: „Dadurch, dass wir weniger Karten verkaufen, verzichten wir im Interesse der Sicherheit auf Einnahmen in Höhe von rund 20.000 Euro. Aber in einem solchen Spiel steht die Sicherheit kombiniert mit einer weitestgehend möglichen Wahrung der Fanrechte im Vordergrund.“
Die Hamburger Polizei und der FC St. Pauli appellieren gemeinsam an die Fußballanhänger beider Klubs, von Gewalttätigkeiten Abstand zu nehmen und sich auf das sportliche Ereignis zu konzentrieren.“

Na super… „weitestgehend mögliche Wahrung der Fanrechte“! Hier sei dann mal daran erinnert, wer denn überhaupt mit der bescheuerten Idee aufkam, Gästefans auszusperren, das war unser allseits beliebter Fanpräsident himself. (Nachzulesen im aktuellen ÜBERSTEIGER oder hier online.)

Klar, nach eindringlicher Beratung u.a. von Fanvertretern ist er von dieser Meinung wieder abgewichen, nur der Stein war bereits im Rollen und es steht zu befürchten, dass die Polizei von alleine sich nicht getraut hätte, dieses Thema auch nur anzudenken.
Durch das “Mittragen” dieses Kompromisses, der ja im Text sogar noch als Erfolg zu verkaufen versucht wird, macht sich der Verein hier leider zum Erfüllungsgehilfen der Polizei. Natürlich ist esfraglich, was für Möglichkeiten man zu diesem Zeitpunkt der Verhandlungen noch hatte, aber vielleicht wäre es hier besser gewesen, auf die Barrikaden zu gehen und diesen juristischen Kampf mit der Polizei auszutragen. Ob die Glaubwürdigkeit des Präsidenten dabei gelitten hätte, nachdem er ja nun erst mal auf die Idee gekommen war, lass ich jetzt mal dahingestellt, wäre mir aber auch Wurst. So bleibt in jedem Fall der mehr als bittere Beigeschmack, dass die Entscheidung eben vom Verein akzeptiert und nach außen auch so kommuniziert wurde.

Das Kind liegt nun leider im Brunnen, ich will auch nicht alle Argumente, die bereits im Artikel genannt werden wiederholen, sondern nur noch mal kurz das wichtigste betonen:
Es handelt sich hier um einen Präzedenzfall im deutschen Fußball, ausgerechnet am Millerntor. Es gab in der letzten Woche durchaus erfolgreiche und sachliche Gespräche der beiden Vereine, die auch konstruktive Lösungsvorschläge präsentieren konnten (geschlossene und personalisierte Anreise der Hansa-Fans, Kartenvergabe dann erst direkt am Block, anschließend geschlossene Abreise). Nur leider will die Polizei (und womöglich auch der beliebte Herr Ahlhaus) hier eben jenen Präzedenzfall schaffen. Und mal ehrlich: Die Polizei kann dabei nur gewinnen, Fußball Fans in Deutschland haben bereits jetzt verloren.
Wenn alles friedlich bleiben sollte, wird es heißen: “Siehste, super Idee von uns…”

Gibt es doch Ausschreitungen (von uns innerhalb oder außerhalb des Stadions, von den Rostockern im Stadion, von Rostockern mit oder ohne Karten außerhalb des Stadions) wird es heißen: “Siehste, wir wollten die ja ganz aussperren, aber ihr habt uns ja nicht gelassen.”

Schöne Scheiße, Leid tragende werden die Fußballfans sein, denn derartige Kontingent-Beschneidungen werden dann Schule machen. Ganz lustige Vögel werden einwenden, dass wir ja nie wieder in Rostock spielen werden… aber auch bei zukünftigen Spielen beim hsv, Werder, Hannover, Hertha, Union oder gar Dresden oder sonst wo, wo sich seitens der Polizei ein Gefährdungspotential herbeikonstruieren lässt, wird es zu derartigen Maßnahmen kommen können. Und der erste derartige Fall von Negierung von Fanrechten kam ausgerechnet vom Millerntor, schönen Dank.
Im St.Pauli-Forum wird bereits über mögliche Maßnahmen diskutiert, von einer gemeinsamen Demo mit den Rostockern über einen Boykott des Spiel oder sonstiges… ich persönlich halte mich da jetzt erst mal bedeckt und schlaf ne Nacht drüber, aber hinnehmen wird man diese Entscheidung kaum können, so stay tuned. // Frodo

26.Spieltag (H) - Rot-Weiß Oberhausen

Montag, März 15th, 2010


FC St.Pauli – Rot-Weiß Oberhausen 5:3 (2:2)
Tore: 1:0 Marius Ebbers (5.), 1:1 Moritz Stoppelkamp (18.), 2:1 Matthias Lehmann (24.), 2:2 Daniel Gordon, 3:2 Bastian Oczipka (54.), 4:2 Florian Bruns (74.), 4:3 Marinko Miletic (77.), 5:3 Fabian Boll (85.)
Zuschauer: 19.901
Wetter: Hamburg

 

Och nö, Heimspielberichte, wie langweilig… eh immer das gleiche…
Nee nee, Mädels, heut ist alles anders! Denn dank einem Mitglied der FC St.Pauli Gruppe bei Xing.com (Philipp, sei gegrüßt und nochmals besten Dank!) durfte ich zum ersten (und voraussichtlich letztem Mal) ein Spiel des FC St.Pauli aus einer Loge einem Separee gucken bewundern. Wenn das mal nicht einen seitenlangen Erguss über den Niedergang der Fußballkultur wert ist.

Ähm, nee, ist es nicht, denn zum einen war alles nicht so dramatisch, zum anderen kam grad die Pressemitteilung, dass es für die Hansa-Fans bei deren Gastspiel am Millerntor nur 500 Tickets geben wird. Dazu dann gleich mehr in einem Extra-Blogeintrag und daher hier etwaskürzer als es sonst geworden wäre.

Loge Separee also, bei free-bwin.com. Der Eingang in der Süd ist in jedem Fall schon mal ein Paradies für Terroristen, selbst der dickste Rucksack wird nicht kontrolliert. Wenn also mal jemand ein Pyrofestival veranstalten oder gleich die ganze Tribüne in die Luft sprengen will, sei ihm ein Business-Seat Ticket empfohlen.

Ansonsten ist im großen Ballsaal dann erst mal ein großes (und durchaus leckeres) Buffett aufgebaut und gratis Getränke gibt es auch. Ich hatte das Glück, am Tisch unseres Aufsichtsrats noch einen Platz zu ergattern, an dem auch Angehörige des RWO-Vorstands saßen. Während man sich noch verwundert die kostenlose VIVA anschaute („Hmmm… steht ja aber alles drin was man braucht… und kost nüscht?“) stieg dann da auch schon merklich die Vorfreude: „Wir sitzen ja gleich direkt über den Pauli Fans, nech?“ Ja, Hammer so was…herrlich verrückt, dieses St.Pauli.
Ich ging dann die Stufen zur Loge zum Separee hoch und guckte erwartungsfroh, doch statt kirchlichem Ambiente oder rosa Plüsch ist die free-bwin Loge eher dezent gehalten, schwarzes Sofa, schwarzer Tisch, helle Wände, zwei Flachbildschirme. Hier gab es dann auch jederzeit Getränke und Essen, doch uns zog es dann zeitig raus an die frische Luft. Nach 16 Jahren Gegengerade war es zwar nicht das erste Mal, dass ich ein Spiel aus einer Kurve heraus betrachtete, aber der sehr steile Blickwinkel hat durchaus was für sich, man sieht ein Spiel doch ganz anders als vom Block 2 aus.
Ich hab letztens erst irgendwo gelesen, dass der Verein doch sehr erstaunt ist, dass viele Logen-Besitzer aus der Süd, denen ein Vorkaufsrecht für die Haupttribüne eingeräumt wurde, gar nicht wechseln von der Süd weg wollen… spätestens seit gestern ist mir auch klar warum: Die Stimmung in der Süd! Es hat durchaus was von dem Erlebnis im Zoo: Die Stehplätze unten sorgen für eine wirklich fantastische und lautstarke Stimmung, die ich im Block 2 nicht mal annähernd so intensiv mitbekomme, und genau das dürfte viel zum „Entertainment-Faktor“ beitragen. Bestes Beispiel ist eine Kollegin von mir, die gestern durch Zufall von einem Unternehmen auf einen Business-Seat eingeladen worden war und mir heute freudestrahlend berichtete: „Ach, mit Euren Fans da unten… das war ja so fantastisch, ich hab vom Spiel kaum was gesehen, ich hatte ja so viel da unten zu gucken.“
Traurig aber Fakt, und genauso dürfte es vielen Business-Seat und Logen-Besitzern gehen. Man begibt sich möglichst nah ran an „die Ultras“, diese faszinierenden Wesen, die in anderen Städten mit Fahnenstangen auf den Platz laufen und es in die Tagesschau schaffen, die doch bestimmt nach dem Spiel brandschatzend durchs Viertel laufen und die Stadt beim Heimspiel gegen Rostock sicher wieder in ein flammendes Inferno verwandeln werden. Sprich: Faszination bizarre Wesen… mittendran statt nur aus 100 Metern Entfernung. „Perverses Spannertum“ könnte man es böswillig bezeichnen, „großartiges Einbinden der besonderen Millerntor-Atmosphäre“ dürfte die Bezeichnung im Marketing-Bereich lauten.
Und nur fürs Protokoll: Die Stimmung kommt AUSSCHLIEßLICH von den Stehplätzen. Zwischen unseren Plätzen vor den Separees und den Stehplätzen lagen ca. 30 Meter Business-Seats und damit eine tote Fläche des Schweigens oder Staunens. Also eher irrtiertes Umdrehen, wenn wir uns auch lautstark am Support beteiligten. Man konnte förmlich das „Ach, toll, diese lustigen Paulis… so herrlich verrückt, die schreien sogar in den Logen!“ in den funkelnden Augen lesen.

Ansonsten das Übliche: Bier, Alster, sonstige Getränke, Currywurst, „Ben&Jerry’s“-Ice(sic!) wird ständig von freundlichen Damen unaufgefordert geliefert, strittige Szenen kann man durch einfaches Umdrehen in der Zeitlupe am Flachbildschirm noch mal näher betrachten und in der Halbzeit kann man der Kälte schnell durch die Glastür ins wärmende Innere entfliehen… um dann bei Wiederanpfiff fast alleine auf der gesamten Tribüne zu sein, da der Großteil des VIP Publikums sich noch um die Häppchen haut und erst nach und nach wieder eintrudelt.
Ich will Euch nicht langweilen, daher schnell das (zu erwartende) Fazit: Schön, dass mal gesehen zu haben und erneut vielen Dank an Philipp für die Gelegenheit… aber wie formulierte es Mirco so schön: „Wenn die Mannschaft nass wird, will ich auch nass werden!“ Okay, ich sitz schon gern überdacht auf der Gegengeraden, von daher unterschreib ich das inhaltlich nicht ganz, aber zumindest von der Symbolik her. Oder: Das hat mit Fuß, das hat mit Ball, das hat mit Fußball nichts zu tun! Sicher mag es bei anderen Vereinen noch weit schlimmer sein und natürlich versucht unser Verein sein möglichstes, den eigenen Charakter zu bewahren, aber mein Ding ist derartiges nicht.
Nach dem Spiel war der unscheinbare Tisch dann zu einem professionellen Poker-Tisch umgebaut worden und es gab für alle Anwesenden noch eine „Texas Hold’Em“ Partie. Diese konnte ich schlussendlich siegreich bestreiten, nachdem Ralph Gunesch sich zu mir gesetzt und das nötige Glück mitgebracht hatte. Feuchte Biber unter sich, konnte ja nur gut gehen, und Pokererfahrung brachte er ja auch mit. Ralph selbst war sich zu dem Zeitpunkt relativ sicher, dass die Saison für ihn beendet sei, befürchtete einen Riss am Innenband. Inzwischen weiß er, dass es „nur“ eine Innenbandzerrung ist und er hoffentlich zum Saisonende wieder dabei sein kann.

 

Das Spiel

Womit ich dann mal zum sportlichen überleite. 5:3 gewonnen, Reset-Taste erfolgreich betätigt, das Komplett-Versagen der anderen Teams erfolgreich ausgenutzt. Bielefeld, Düsseldorf, Augsburg und ganz aktuell auch Duisburg haben verloren und mir damit im Nachhinein auch Recht gegeben, als ich in den letzten Wochen schon immer zur Ruhe aufrief, denn auch die würden nicht alle Spiele gewinnen. Drei Gegentore sind natürlich zu viel, gerade wenn alle nach Standards fallen… allerdings kann man daran besser feilen und das Problem beheben, als wenn RWO drei Treffer aus dem Spiel heraus erzielt hätte.

Viel wichtiger ohnehin der sportliche Gesamteindruck, der bei aller Nervosität endlich wieder den Willen vermittelte, alles zu geben. Wir kamen in die Zweikämpfe, spielten gut nach vorne und erzielten eben auch fünf Tore… zugegebenermaßen waren zwei Treffer irregulär (Ebbers stand bei Lehmanns Freistoß im Abseits und irritierte Semmler und Eger rammte Semmler beim 4:2 den Ellenbogen im Fünf-Meter-Raum ins Gesicht) und das Tor von Oczipka darf natürlich oberhalb der E-Jugend von keinem Torwart durchgelassen werden, aber hätte hätte Herrentoilette, interessiert schon morgen keine Sau mehr, solche Buden müssen eben auch erst fallen.
Das einzige Ärgernis war der Auftritt von Sako. Bocklos und pomadig, noch dazu mal wieder ne gelbe Karte wegen Meckern… ist mir unbegreiflich, der müsste doch eigentlich brennen, kratzen und beißen, für seinen neuen Vertrag? So wird das jedenfalls nichts, und das unabhängig von der Ligazugehörigkeit.
Bleibt also die Hoffnung, dass Lehmann tatsächlich schon morgen wieder mittrainieren kann und dann am Freitag ganz gelassen in die Lausitz gereist werden kann. Die müssen nach den jüngsten Ergebnissen auch langsam was tun, um nicht noch unten reinzurutschen, wir können da hingegen völlig entspannt abwarten und kontern, ein Punkt wäre da notfalls ja auch okay. // Frodo

 

P.S. Suche interessierte zur Einweihung eines Poker-Koffers :)

P.P.S. Blog zur Kartenvergabe für Hansa folgt gleich noch…

 

Links zum Spieltag:
Fotos von mad
Fotos von Gröni

Südkurve, Stani und Hansa

Mittwoch, März 10th, 2010

Zur Südkurven-Dauer-/Saisonkarten Problematik:
Ich will mich da gar nicht in Details verlieren, meine grundsätzliche Sichtweise hatte ich ja beim Bielefeld-Bericht schon niedergeschrieben.
Die inzwischen knapp 100 Seiten im Forum spotten größtenteils jeder Beschreibung, leider gehen die (durchaus vorhandenen) konstruktiven Beiträge in dem Wust von Bullshit eher unter. Nichts desto trotz bin ich da guter Dinge, dass alle konstruktiven Vorschläge irgendwie auch bei der Orga-Gruppe landen, da diese sicher auch das Forum verfolgen wird, so leid sie mir dafür auch tut.
Warum ich das Thema hier überhaupt nochmal aufgreife: Es gibt zwei Stellungnahmen, die ich gerne hier festgehalten bzw. beworben haben möchte:
- Die Stellungnahme des Vereins
- Die Stellungnahme der Organisationsgruppe

Sportliches:
Jaja, lief alles schon mal besser und sah vor 4 Wochen auch noch deutlich hübscher aus, aber ein gutes Pferd springt eben nur so hoch wie es muss und zumindest ich persönlich werde ja auch lieber Dritter als Zweiter, denn so ein Relegationsspiel ist doch einfach klasse. (Wenn man es gewinnt, natürlich…)
Dank der Bielefelder Pleite gegen den KSC können wir ja nun am Sonntag auch ganz gelassen ins Match gegen RWO gehen, am Freitag bzw. Samstag müssen Bielefeld (in Aachen) und Düsseldorf (bei den erstarkten Frankfurtern) erst mal vorlegen und mit ein bißchen Glück schießen wir uns dann gegen RWO eben schon wieder ein kleines Polster heraus… nicht, dass wir damit dann schon durch wären, aber wenn man einige Gespräche in den letzten tagen verfolgte, musste man ja fast das Gefühl haben, dass es für uns mit dem Klassenerhalt noch eng werden könne. Noch neun Spiele, wir sind Dritter… also weitermachen und durchbeißen jetzt!
Zu dem Thema auch noch zwei Links:
- Restprogramm-Rechner
Funktioniert natürlich auch auf Kicker.de, aber der hier ist mit ein paar Klicks eben noch schneller zu bedienen, klasse Teil! 
- Stanis Pressekonferenz am Montag nach dem 1860-Spiel im Wortlaut
Großes rhetorisches Kino, besonders den “Wir trainieren auch bei Erdbeben, dann gibts Schutzhelme und los!”-Part fand ich sehr schick, dass ist wieder Stani wie man ihn kennt… und wie er die Mannschaft auch erreichen und heiß machen wird.

Karten für das Heimspiel gegen Rostock
Im letzten ÜS wurde es ja schon angekündigt, inzwischen hat auch das Abendblatt drüber berichtet:
Unser Präsidium machte keine sonderlich glückliche Figur bei der Überlegung, Hansa Rostock - Fans vom Spiel am Millerntor auszuschließen. Inzwischen ist die Kuh zumindest dahingehend vom Eis, dass der Verein in Zusammenarbeit mit Fangremien von dieser Sichtweise abgekommen ist und sich GEGEN ein Aussperren von Gästefans entschieden hat, auch um einen Präzedenzfall ausgerechnet am Millerntor zu vermeiden. Allerdings liegt der Ball wohl nun bei der Polizei, die unter Umständen immer noch einen Verkauf von Gästetickets komplett untersagen kann. Hierzu werden sich der FC St.Pauli und auch Hansa Rostock in Kürze noch offiziell äußern, man darf da auf jeden Fall gespannt sein, wie es weitergeht. Ganz klares Statement aus Sicht des Übersteiger: Ein Aussperren von Gästefans darf es beim Fußball nicht geben… schlimm genug, dass es in anderen Ländern teilweise bereits stattfindet, in Deutschland und erst recht am Millerntor muss dies mit allen Mitteln verhindert werden. Und da gilt es dann eben auch, über alle Feindseligkeiten hinweg, Solidarität mit den Hansa-Fans zu zeigen und gemeinsam für Fanrechte einzutreten. Schön und wichtig, dass auch der FC St.Pauli das inzwischen eingesehen hat.
Wer sich noch mit Sichtweisen der Hansa-Fans auseinandersetzen möchte, dem sei dieser Artikel auf der Hansa-Website empfohlen und insbesondere auch die Kommentare. Kann man sicher teilweise auch drüber schmunzeln (”Tickets nur für Hansa Fans ab 35 Jahre!”) oder gedanklich abhaken, aber enthält auch viel Wahrheit.

NACHTRAG:
Inzwischen ist die Stellungnahme des Vereins online. Die besprochenen Details zur Kartenvergabe sowie An- und Abreise bleiben zunächst intern und werden (gemeinsam von beiden Vereinen, mit einer Stimme) mit der Polizei besprochen. Bleibt zu hoffen, dass diese sich einsichtig zeigt und es zu einem Fußballspiel kommen kann, an dem beide Fangruppen teilnehmen können. Alternativen, wie z.B. hunderte Rostocker im Stadtteil die NICHT ins Stadion dürfen, kann sich jeder selbst ausmalen.
 // Frodo

25.Spieltag (A) - TSV 1860 München

Sonntag, März 7th, 2010

TSV 1860 München - FC St.Pauli 2:1 (1:0)
Tore: 1:0 Stefan Aigner (23.), 1:1 Marius Ebbers (51.), 2:1 Stefan Aigner (57.)
Rote Karte: Charilaos Pappas (8., sic!)
Zuschauer: 27.700 (ca. 3.000 Gästefans)

82 Minuten in Überzahl… da halte ich es mit Horst “The Brain” Hrubesch und sage nur ein Wort: Verfluchte Scheiße!

// Frodo

24.Spieltag (H) - Arminia Bielefeld und das Süd-Dilemma

Dienstag, März 2nd, 2010

FC St.Pauli - Arminia Bielefeld 0:1 (0:1)
Tor: 0:1 Giovanni Federico (33.)
Gelb-Rot: Florian Lechner (90. +3)
Zuschauer: 19.901 (ausverkauft)

Es ist Dienstagmittag, zwei Tage nach dem Spiel. Doch die Zeit zum sacken lassen wollte ich dem Wochenende erst mal geben. Nachdem ich ja für Kaiserslautern einen 3:0 Auswärtssieg voraus gesagt hatte, den ich mir mehr selbst einreden wollte als wirklich dran zu glauben, war ich hingegen wirklich absolut sicher, dass wir die Arminia besiegen werden und sich die Mannschaft für das mehr als unglückliche 0:1 im Hinspiel revanchiert.

Hat nicht sollen sein, stattdessen gab es nahezu eine Kopie des Hinspiels, doch dazu in ein paar Absätzen mehr.

Beginnen würde ich gerne mit dem eigentlichen Aufreger des Wochenendes: Dem Dauerkarten- Saisonkartenverkauf für die Südkurve. Wer jetzt fragend die Augenbrauen hoch zieht, kann hier noch mal alles zum Konzept der Süd nachlesen: http://www.ab-in-den-sueden.org/suedkurve.html
Und wer darüber nichts mehr lesen will, scrolle weiter bis zum nächsten Fettdruck.
Das wichtigste:

  • Es gibt kein Vorkaufsrecht (Ausnahme für DK-Besitzer aus der alten Süd)
  • Es gibt 2.000 Saisontickets (first come, first serve)
  • Um sich überhaupt anstellen zu können, muss man im Vorfeld einen Zettel aus dem Fanladen oder der Süd abgeholt haben
  • Dann gibt es einen Termin rund um ein Heimspiel, der früh genug bekannt gegeben wird, an dem dann jeder auftauchen muss, Bestellungen gibt’s nicht.
  • Wenn man an dem Termin nun unaufschiebbares vorhat (Australien-Urlaub, eigene Hochzeit, sonstiges) steht es natürlich jedem frei, einen Vertreter zu schicken, auf dessen Namen dann allerdings auch die Karte läuft. (Dieser Punkt steht so natürlich nirgends, ergibt sich aber logischerweise beim drüber nachdenken.)
  • Darüber hinaus gibt es dann zu jedem Heimspiel 600 Einzeltickets

 

Das System gibt es seit vorletzter Saison, der Vorverkauf damals konnte noch alle Interessenten befriedigen. Klar war, dass es dieses Jahr enger werden würde, nicht zuletzt dank dem sportlichen Erfolg der Mannschaft und der Chance auf die erste Liga. Man kann jetzt sicher den ein oder anderen Punkt an diesem System bemängeln, doch ein faireres System gibt es zumindest meiner Meinung nach nicht.
Der ein oder andere mag sich fragen, warum es kein Vorkaufsrecht für bisherige „Dauerkarten“inhaber gibt, daher ein kurzer Exkurs in meine Interpretation dieser Bedingung: Es handelt sich um eine „selbstverwaltete“ Kurve. Der Fanladen und USP verwalten die Kartenverteilung und haben daher auch das Recht, diese Bedingung aufzustellen. Mag wie gesagt komisch klingen, ist aber historisch gewachsen, denn hier sieht man die direkte Folge des Lerneffekts aus Block 1, formerly known as Singing Area. Dieser Block wurde anfangs auch vom Fanladen verwaltet, als vor zig Jahren einmal die Stimmung immer schlechter zu werden drohte. Es sammelte sich fortan ein sangesfreudiges Völkchen geballt dort oben und sorgte für immens besseren Support… ausgestattet mit Vorkaufsrecht. Ich habe selbst auf genug Block 1 Versammlungen gesessen und mitdiskutiert, schon nach 2-3 Jahren regte sich der erste Protest gegen immer mehr Schweiger, die da oben nur die Vorzüge der Sitzplätze genossen, sich aber (auch dank zunehmendem Alter oder Verlagerung des eigenen Blicks auf das Fandasein) eben mit der Zeit etwas ruhiger verhielten als am Anfang und den Support immer mehr wieder dem Stehplatzbereich der Gegengeraden überließen. Doch diese Einsicht hatten die wenigsten und selbst wenn, wollte man eben den eigenen Komfort (Stehen, überdacht, Gelegenheit kurz vor Anpfiff zu erscheinen oder auch jederzeit problemlos Bier holen oder aufs Klo gehen zu können. Folglich hatte sich die Singing Area irgendwann selbst überlebt, die Luft war raus, Support musste wieder von woanders her kommen.

Um gleiches zu vermeiden geht es nur ohne Vorkaufsrecht. Jedes Jahr wieder muss der-/diejenige an einem Tag im Jahr einen (gehörigen) Mehraufwand leisten und sich recht früh am Stadion einfinden, um die Karte für die neue Saison zu erhalten. Klar, damit ist nicht sichergestellt, dass es sich ausschließlich um MeistersängerInnen und Leute die „abgehen“, wie USP so gerne schreibt, aber es ist zumindest eine Möglichkeit, die diejenigen belohnt, die den größten Einsatzwillen zeigen. So weit, so gut.
Ich selbst habe für mich irgendwann die Konsequenzen aus Block 1 gezogen und sitze nun schon seit einigen Jahren bequem (und immer noch sangesfreudig) im Block 2 und werden dieses auch ganz sicher nicht mehr verlassen, solange die Gegengerade noch steht. Also kann ich relativ emotionslos einen Blick auf das werfen, was sich am Samstag dann zugetragen hat.

Die ersten völlig verrückten standen wohl schon am späten Freitagnachmittag an, der Startschuss sollte wohlgemerkt am Samstag um 12.00 Uhr erfolgen. Es sollte sich herausstellen, dass man bereits um spätestens 08.00 Uhr in der Schlange stehen musste, wenn man noch eine Karte bekommen wollte. Wäre ja okay, nur leider ist das nur die halbe Wahrheit, denn viele Leute hielten Plätze für Freunde oder gar ganze Freundeskreise frei, die sich dann mehr oder weniger schamlos in die Schlange reindrängelten. Das darf natürlich nicht passieren, doch die Frage ist ja, wie man das vermeiden will? Ein ähnliches Problem gab es ja bereits beim Verkauf der Karten für das Pokalspiel bei Werder. Und hier zeigt sich sicher auch, dass es sich bei der Fanszene St.Paulis eben nicht um die heile Welt handelt, sondern um ein Spiegelbild der Gesellschaft, die eine gewisse Ellenbogenmentalität erfordert und Dreistigkeit oft siegen lässt. Wünschenswert wäre sicher gewesen, die Schlange hätte hier sich selbst reguliert und die „Drängler“ rausgeschmissen, nur leider lässt sich das an der heimischen Tastatur dann sicher leichter formulieren als in der Realität umsetzen, je nach Gruppengröße.
Ich finde das Konzept der Süd und auch das komplette Procedere der Kartenvergabe nach wie vor richtig und gut, und ebenso bin ich mir sicher, dass es für diese Problematik im nächsten Jahr von der Organisationsgruppe eine Lösung geben wird. Sei es ein „Abstempeln“ der Zettel morgens um 09.00 Uhr oder etwas Ähnliches. Bitter und scheiße für die, die Samstag anstanden, keine Frage. Für die, die die Schuld daran aber alleine bei USP und Fanladen suchen, sei gesagt, dass auch genug USPler sich ganz brav anstellten und dann leider leer ausgingen. Und natürlich sind nicht alle 2.000 Neu-Südler jetzt drängelnde Unmenschen, wie man einigen Diskussionen auf Stammtischniveau bereits entnehmen konnte.
Nicht zu vergessen bei der ganzen Diskussion: Das Hauptproblem bei der ganzen Geschichte bleibt das mangelnde Kartenangebot bzw. die hohe Nachfrage… und da kann keiner was für.

Wer sich dazu einen Blog durchlesen möchte, in dem eine der vergeblich Anstehenden schreibt, dem sei der SantaPauli Blog empfohlen, auch wenn ich inhaltlich teilweise anderer Meinung bin. Eine andere (und mir inhaltlich nähere) Sichtweise gibt es am Anfang des Blogs des Fanclubs Breitseite. Alternativ kann man sich natürlich auch dem völligen Wahnsinn des St.Pauli Forums hingeben, wo es ab Seite 21 los geht und die Diskussion natürlich wie immer bei solchen Themen schnell aus dem Ruder läuft.

 Gut, dann wäre da noch das Spiel gegen Bielefeld. Wie schon gesagt, dumm gelaufen. In der ersten Hälfte eigentlich ein klassisches 0:0. Bielefeld mit ein-zwei kleinen Chancen, wir ebenso, mit dem Unterschied das deren Ding eben drin war. In Hälfte zwei dann ein deutliches Chancenplus bei uns und das gute alte „Der Schiri ist Schuld!“-Spiel.

Nach Ansicht der TV-Aufzeichnung muss ich zumindest teilweise Abbitte leisten, die Note 1,5 für den Schiri kann ich allerdings nicht teilen. Zum einen hätte ein Handspiel von Pavel Fort zum Elfer führen müssen (ein weiteres Handspiel war sicher keine Absicht) und zum anderen hätte Mijatovic nach dem Bodycheck an der Mittellinie gegen Sako zwingend Orange sehen müssen. Wie sagte doch mein geschätzter Kollege „Hollywood“: „Wenn der das mit Naki macht, steht der nie mehr auf… aber so ein Kickboxer wie Sako schüttelt sich eben einmal und dann geht’s weiter!“ Ob man da jetzt gelb oder rot ziehen muss, ist sicher diskutabel, aber gar keine Karte?! Unfassbar… und spätestens bei dem Foulspiel an der 16er-Linie gegen Richie Sukuta-Pasu, wo er dann wirklich die gelbe Karte bekommt, wäre er dann geflogen. Dieses Foul war übrigens wirklich außerhalb des Strafraums, also ebenfalls kein Elfer. Die gelb-rote gegen Lechner war dann lt. Kicker „hart, aber vertretbar“, wobei dann eine Oscar-Nominierung für den Bielefelder zwingend in die gleiche Einschätzung gehören müsste. Insbesondere für Lelle tut es mir furchtbar leid, denn neben Boll war er einer der Besten an diesem Tag, sehr schade. Aber ob nun vertretbar oder nicht: Es geht einfach gar nicht, dass nach dem Spiel Gegenstände auf den Schiri geschmissen werden. Umso schlimmer, wenn dies mehrheitlich aus der ach so erwachsenen Gegengeraden kommt, die sonst ja immer gern verächtlich die „USP Kiddies“ belächelt. Benedikt Pliquett lief vor dem Schiri und den Regenschirmen her, aber die lieben Herren Vollbesoffskis scheinen nicht mal ihn erkannt zu haben. Arschgeigen! Mal ehrlich, was soll so was? Wird er das Spiel noch mal anpfeifen, wenn er getroffen wird, weil ihm dann die Erleuchtung kommt? Kann man als erfolgreicher Werfer am Montag in der Schule / vor den Kollegen / in der Mensa / auf dem Arbeitsamt onanieren und zeigen, dass man den Größten hat, weil man den Schiri erwischt hat? Arm, ganz arm. Man kann nur diverse Dankesbotschaften an die Unfähigkeit guten Zielens und die Ordner mit den Regenschirmen schicken, dass da nichts Schlimmeres passiert ist. Und noch mal: Ich schreie auch gerne und laut und bepöbel den Schiri nach Kräften, dass gehört sicher zum Spiel dazu.., aber mit Gegenständen werfen ist nun echt Schwachmatentum hoch zehn, dass sollte inzwischen eigentlich jedeR begriffen haben.

Bleibt abschließend der Blick auf die sportliche Zukunft: Logga bleiben! Man kann nicht erwarten, dass wir da verlustpunktfrei durch die Saison marschieren. Unterm Strich hat die Mannschaft bisher zweimal klar die Grenzen aufgezeigt bekommen, beides Mal gegen Lautern. Alle anderen Spiele waren im Großen und Ganze okay, und genauso wenig wie wir nach den 5:0 und 4:0 Siegen in Aachen und Karlsruhe schon aufgestiegen waren, haben wir den Aufstieg jetzt durch die zwei Niederlagen verdaddelt. Es sind noch zehn Spiele, wir haben drei Punkte Vorsprung, da sollte man die Kirche mal im Dorf lassen.

Klar, neun Punkte auf Bielefeld nach dem Spiel wären schöner gewesen, aber ist halt nicht so. Sonntag bei den Löwen kann man den nächsten Schritt machen, doch selbst bei einer erneuten Niederlage wäre man immer noch Dritter… die Ausgangssituation würde man sich anderswo gerne wünschen, nachzufragen in Cottbus, Aachen, Karlsruhe und… genau, auch in Bielefeld! Der Verlust von Platz Zwei ist sicher schade, aber zum einen kann der Dusel von Ausgburg nicht ewig halten und zum anderen will ich eh lieber Relegation spielen, ich steh auf so was! // Frodo

P.S. Und bei der ganzen Aufregung fast vergessen: Scheiß Wetter zum ÜS-verkaufen!!! Hefte gibt es noch im Fanladen zu erwerben, eine kleine Vorschau ist hier online.

P.P.S. Ein Hamburger Boulevard-Blatt schrieb wohl davon, dass die eigenen Fans das Team ausgepfiffen hätte, sogar während des Spiels… keine Ahnung wo Stefan Krause (den ich ansonsten sehr schätze) das gehört haben will. Für mich war die Stimmung einigermaßen gut und von Pfiffen gegen das eigene Team hab ich nun wirklich gar nichts mitbekommen, höchstens gegen den Schiri und die zeit-schindenden Bielefelder.

 Links:
Fotos von Gröni
pathos Blog
Breitseite-Blog
Santa Pauli Blog
Ollis Thresen Thesen