Archive for April, 2010

Fürth, Fulham, Fröhlichkeit… fir follen faufsteigen!

Freitag, April 30th, 2010

Oirooooobbabooogaaaaaaaaaaaaal!
Also wirklich… da würde man dem hsv doch echt mal von Herzen nen Sieg gönnen (Nicht!), damit die Bundesliga in der Fünjahreswertung an Italien endgültig vorbeizieht und dem FC St.Pauli nächstes Jahr schon Platz 4 zur Champions League-Qualifikation reicht, und dann haben sie so ein Pech. Och Menno… aber egal, Kopf hoch, Jungs, ist doch nur Fußball! Alles nur ein Spiel! Und zwei Mal Halbfinale hintereinander im Europapokal schafft auch nicht jeder! Klasse! Respekt! Ganz tolle Leitung! Und auch nicht 1:5 wie am Sonntag, sondern nur 1:2 ist doch auch ne Verbesserung! Wenn das so weitergeht, holt Ihr morgen gegen den Glubb aus Nürnberg ja vielleicht auch mal wieder nen Punkt.
Polizeimeldungen, nach denen Bruno Labbadia gestern nacht onanierend über die Reeperbahn getorkelt sei und “Ohne Bruno, habt Ihr keine Chance!” gegröhlt hätte, konnten bisher übrigens noch nicht bestätigt werden. Allerdings ist die “Operation Rathausmarkt” für den 13.Mai wohl abgesagt, der Patient ist inzwischen verstorben.

Aber genug der Schadenfreude, blicken wir nach vorne: Am Sonntag erfolgt in Fürth wohl eine braun-weiße Invasion. Der Sonderzug ist inzwischen ausverkauft, der Gästeblock eh schon lange und langsam werden auch wie wenigen Resttickets des 15.000 Personen fassenden Ronhofs Playmobil-Stadions knapp, ca. 7.000 St.Paulianer werden erwartet. Da der Sonderzug schon lange geplant war und man damals noch von einer Anstoßzeit  um 13.30h ausging, gammeln die Zugfahrer also schon ab dem frühen vormittag in Franken rum. Die örtliche Polizei versuchte daher, die lokalen Lokale zum frühen Öffnen zu bewegen, was auch alle wohl sehr gerne machen. Insgesamt ist sowieso ein unheimliches Bemühen vor Ort zu spüren, sich als toller Gastgeber eines Fußballfestes zu geben, was auch in diesem Artikel der Fürther Nachrichten rüberkommt. Mein Lieblingszitat kommt vom Wirt des “Mephisto”: »Wenn es Rostocker wären, hätte ich extra zugesperrt, aber St. Pauli …« So soll es sein!

Auch die Mottofahrt des Fanladens wird von der Polizei und dem Ordnungsdienst vor Ort respektiert, Nietengürtel und Springerstiefel sind also ausdrücklich gestattet und führen zu keinerlei Problemen… sollte Franken doch was anderes sein als Bayern? Bei so viel echtem sympathischen Bemühen, sollte man dann auch ein netter Gast sein und folgende Bitte beherzigen, die Sven Brux im Forum und auf der Vereinshomepage neben weiteren Hinweisen veröffentlichte: “Unsere Kollegen von der SpVgg Greuther Fürth bitten die St. Pauli-Fans, nach dem Spiel eine Platzstürmung zu vermeiden. Im Ronhof finden noch Spiele der Regionalliga sowie ein Länderspiel statt.”  Find ich klasse, dass sie darum bitten, daher sollte man das dann auch respektieren.

Also, feiert alle schön in den Mai hinein, sorgt morgen für einen Nazifreien 1.Mai und man sieht sich dann am Sonntag in Franken! // Frodo
 
P.S. Wer für das Heimspiel gegen Paderborn noch ne Karte braucht, sollte Montag früh aufstehen oder abends erst gar nicht schlafen gehen.

32.Spieltag - (H) - TuS Koblenz und der Marathon

Montag, April 26th, 2010

FC St.Pauli - TuS Koblenz 6:1 (2:0)
Tore: 1:0 Charles Takyi (42.), 2:0 Deniz Naki (44.), 3:0 Charles Takyi (57.), 4:0 Marius Ebbers (59.), 5:0 Rouwen Hennings (69.), 6:0 Matthias Lehmann (74. Foulelfmeter), 6:1  Marvin Pourie (75.)
Zuschauer: 19.686 (geschätzt 600 Koblenzer)

Es war ein zähes Ringen mit den Koblenzern, wobei ihre fußballerische Limitierung schon sehr früh deutlich wurde. Aber man weiß ja, wie sowas laufen kann wenn die Zeit voranschreitet und das Runde einfach nicht ins Eckige will.  Als dann der (zweifelhafte, weil eher außerhalb verübte) Elfmeter gepfiffen wurde, wähnte sich Braun-Weiß endgültig auf der Siegerstraße, aber dann folgte unglaubliches: Bruns schießt neben das Tor und die zurecht gegebene Wiederholung schießt Lehmann platziert nach unten links, der Ball wird aber vom Koblenzer Torwart Paucken klasse pariert… warum hier kein Reporter das billige Wortspiel vom Paukenschlag brachte, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Doch was so ein echter Fußballexperte ist, der lehnt sich locker zurück und sagt zum Nebenmann: “Kein Thema… machen sie jetzt das erste Ding, fallen die anderen automatisch. Wäre aber hilfreich, wenn es vor der Pause passiert!” Gesägt, Tun, Getan, um es mit Onkel Hotte zu formulieren. An dieser Stelle dann auch noch das schnelle Schulterklopfen in Richtung Stani, für sein Festhalten am Sir, gegen alle kritischen Stimmen während der vergangenen Monate. Der Rest war dann gegen zusammenbrechende Koblenzer ein Selbstgänger.
Die Stimmung auf den Tribünen war zunächst auch sehr verhalten, es gab auch diverse kritische Tapeten gegen die Vorfälle der letzten Wochen, hierzu sei nochmals auf die Stellungnahme von USP und Fanladen verwiesen, in dem alles wesentliche steht. Der Verein hat logischerweise eine davon abweichende Sichtweise, die aber ähnlich vage und ausweichend bleibt, wie die ganzen letzten Wochen schon und die entscheidenden Antworten auf die Sommerpause verschieben will. Und wenn die Stellungnahmen der letzten Wochen tatsächlich als “fortwährenden Angriffen auf den Verein im Allgemeinen und das Präsidium im Besonderen” empfunden wird, fragt man sich natürlich, was die machen wenn mal tatsächlich heftigerer und vereinter Gegenwind kommt, denn momentan ist sich die Fanszene ja nicht mal einig. Merkwürdig aber auch, dass aus Fehlern immer noch nicht gelernt wird, denn in dem sehr lesenswerten Artikel der Times Online von heute wird Littmann in Bezug auf Fans im Jolly Roger wie folgt zitiert: “I’ve been president for seven years but a fan for 30, so I understand what they want.” Mag für Teile der Fanszene sogar noch stimmen, denen sportlicher Erfolg und finanzielle Sicherheitwichtiger sind als Ideale, aber so ein Satz ausgerechnet in der derzeitigen Diskussion ist doch reichlich unbedacht… und gerade den Leuten im Jolly dürfte da so manches Bier wieder bei hochkommen, wenn sie das lesen.
Aber spätestens nach den ersten beiden Toren war die Stimmung dann natürlich bestens, gegen Ende kam mit “Wir ham die Schnauze voll!”, “Stani raus!” und ähnlichen Gesängen sogar so etwas wie Volkspark-Stadion Feeling die gute alte Ironie des Millerntors hervor und es wurde wunderbar und lange gefeiert.
Einziger Wehrmutstropfen: Hansa Rostock gewann zeitgleich beim 1.FC Kaiserslautern… warum das einige im Stadion sogar zum Jubeln brachte, kann ich mir nach wie vor nicht erklären, denn die Meisterschaft dürfte bei weiterhin vier Punkten Rückstand normalerweise trotzdem an “die Region” gehen und wäre mir ehrlich gesagt auch völlig egal, eine Niederlage von Rostock hätte hingegen die Chance auf deren direkten Abstieg am Leben gehalten und den Relegationsplatz gefestigt… vielleicht lag das am Alkohol, aber vielleicht mag sich einer der Jubler ja mal in den Kommentaren erklären, ich würd mich freuen.
Anschließend brachte auch der Stuttgarter Sieg in Bochum noch die Gewissheit, dass es für den hsv in der Bundeliga eng werden würde, noch nach Europa zu kommen.

Samstag amüsierte ich mich dann über Herthas erneute Niederlage kurz vor Schluß… sollten wir also doch noch in die Relegation müssen, wird es kaum gegen die Hauptstadt gehen, die damit nächstes Jahr in der Bundesliga nicht vertreten sein wird.

Der Sonntag sollte im Zeichen des Marathons stehen. Fanräume hatte die Aktion “Kein Sprint” ins Leben gerufen und als einer von 16 LäuferInnen machte auch ich mich (zum insgesamt fünften Mal) auf den Weg. Über 9.000,-€ wurden so für Fanräume und Viva con Agua erlaufen, sicherlich ein toller Erfolg für beide Projekte und ebenso natürlich für jeden einzelnen Läufer, von denen viele ihren ersten Marathon überhaupt angingen. Außer dem krankheitsbedingten Ausfall von Stefan (Gute Besserung!) gab es eine 100% Erfolgsquote, alle kamen an! Wie im Ticker nachzulesen ist, war insbesondere das Abschneiden von Kaeser ein echtes Überwinden des inneren Schweinehundes… wer sowas schafft, der hat den Aufstieg auch verdient!
Womit wir beim Thema wären: Nach dem Lauf konnte man sich im JollyDayInn noch schnell frisch machen und im Raval dann lecker essen und die Augsburger beim FSV Frankfurt bewundern… und pünktlich zum Frankfurter Ausgleich durch Cidimar per Fallrückzieher hatte ich es auch ins Raval geschafft, großartig!
Nun geht es also nach Fürth und es wird zur Mottofahrt aufgerufen:
Nieten, Schnauz und Dosenbier oder auch Hippiematten, schlimme
Lederschnürhosen und Batikshirts. Wollen wir doch nicht so tun, als ob
der Autonomen-Chic damals regiert hätte.
Na, das kann ja nur ein großer Spaß werden.
Und wenn wir so viele Punkte holen wie Augsburg, steigen wir (dank der aktuell 14 Tore besseren Differenz) quasi schon im Frankenland auf. Holen wir mehr Punkte, ist es sogar schon rechnerisch durch… nicht ganz auszuschließen, aber selbst bei einer Niederlage und einem Augsburger Sieg gegen 1860 würde ein Heimsieg gegen Paderborn reichen. Man müsste also jetzt schon sehr viel falsch machen, um Platz 2 noch abzugeben. // Frodo

Ein Marathon ist Kein Sprint! Unterstützt Fanräume und VcA!

Montag, April 19th, 2010

Es gibt wenige Dinge, die derzeit in der Fanszene des FC St.Pauli unstrittig sind. Einer davon: Der Aufstieg soll jetzt gefälligst nach dieser bisher so tollen Saison auch eingetütet werden.

Ein weiterer: Sowohl Viva Con Agua als auch Fanräume e.V. sind Projekte, die absolut unterstützenwert sind.

Und an diesem Sonntag bietet sich allen Interessierten die Möglichkeit, auf einen Streich beide Projekte gleichzeitig zu unterstützen und das bereits mit Kleinstbeträgen oder aber tatktäftiger Hilfe.
Das Zauberwort dafür lautete: “Marathon!”

Nein, keine Angst… das “Im Laufschritt Überwinden von 42,195km” ist keine Voraussetzung für diese Hilfe, hierfür haben sich genug andere “Verrückte” gefunden. Für genau diese Personen aber kann man eine Art Patenschaft übernehmen, alles weitere darüber findet Ihr auf Kein Sprint!

Die Kurzfassung: Es laufen besagte Verrückte, und jeder kann sich eine dieser Personen aussuchen und Sponsor werden. Bezahlt wird dann nach dem Marathon pro absolviertem Kilometer dieser Person, bei einem Mindestbetrag von 20 cent also “im schlimmsten Fall” 8,40€, wenn derjenige das Ziel erreicht. Sollte man sich sogar für 2,-€ (oder noch mehr) als Betrag entscheiden, ließe sich auch noch ein Werbelogo auf der Seite platzieren. Auch der Autor dieser Zeilen ist dort zu finden und verspricht hiermit schon mal, alles dafür zu geben, Euch das Geld durch Zielankunft möglichst vollständig aus den Taschen zu ziehen.

Aktive Hilfe ohne Geld:
Wer stattdessen (oder zusätzlich) auch den Läufern am Sonntag hilfreich zur Seite stehen will, kann wahlweise hier eine Liste der Läufer inkl. Startnummern ausdrucken, um dann Zwischenzeiten an den Liveticker zu melden oder sich per mail an info@fanraeume.de noch als Helfer für die Projekteigenen Verpflegungsstellen am Schwanenwik, Saarlandstraße, Rathenaustraße, Alsterkrugchaussee, Lenhartzstraße oder Rothenbaumchaussee bewerben.
Auch ein aufmunternd gemeintes “Quäl Dich, Du Sau!” ab Kilometer 32 soll schon dem ein oder anderen Läufer geholfen haben… auch wenn hier mitunter ein “Halt die Fresse und lauf nächstes Mal selbst!” zurückgefeuert kommt, hat es zumindest einen kleinen Adrenalinschub gegeben, also lasst Euch davon nicht abbringen :)

Derzeit steht die Sponsorensumme bei 10,98€ pro Kilometer, wenn alle ankommen sollten, also bei weniger als 8.000,-€ im Idealfall für die Ankunft aller 17 LäuferInnen… da geht doch noch was! // Frodo

31.Spieltag - (A) - Union Berlin

Sonntag, April 18th, 2010

1.FC Union Berlin - FC St.Pauli 2:1 (1:1)
Tore:
1:0 Torsten Mattuschka (10.), 1:1 Charles Takyi (19.), 2:1 Karim Benyamina (87.)
Zuschauer: 19.000 (ausverkauft, ca. 2.500 St.Paulianer)

Aaaaaach, was könnte man alles schreiben über diesen Samstag in Berlin:

  • eine entspannte Anreise mit dem ICE, inkl. “zänk yu for trewölling wiff Deutsche Bahn!”
  • nette Unioner Kollegen, die einen sogar am Hauptbahnhof abholen, eine Stadtrundfahrt mit einem machen und dann nach Köpenick kutschrieben, wo schon deren Kumpels mit gekühltem Berliner Pilsener warten
  • ein wirklich gigantisch toll gelungenes Stadion “An der alten Försterei”, in dem Fußball noch das wichtigste ist und man zu keiner Zeit den Kitsch der neuen Arenen vermisst
  • eine großartige Stimmung im Gästeblock, die dazu führte, dass man die Unioner kaum hörte
  • ein Spiel, welches leistungsgerecht 1:1 endete
  • einen entspannten “nach dem Spiel”-Nachmittag in einer großen Unioner Fankneipe, in der bunt gemischt die Bundesliga-Konferenz geguckt und die hsv-Niederlage bejubelt wurde
  • insgesamt ein Tag in Berlin, an dem es fast keinen Streß zwischen beiden Fangruppen gab (eine kleine Hauerei an der Tankstelle mal außen vor, deren Gründe ich aber nicht sehen konnte)

Und warum schreibe ich nichts darüber?
Weil ich mich über diese völlige Dummheit in der 87.Minute so sehr aufgeregt habe, dass ich weder dem Herrn Thorandt, der das Abseits aufhob, noch den Herren Morena oder Rothenbach, die sich in angemessener Entfernung zum Bestaunen entschlossen, einen angemessenen Bericht zukommen lassen könnte, ohne ausfallend zu werden.

Also erfreue ich mich lieber am schönen Sonntagswetter und vertage den nächsten längeren Spielbericht auf den Heimsieg gegen Koblenz am Freitag. // Frodo

P.S.
Fotos bei U.N.V.E.U.

Stellungnahme des Präsidiums zu den Vorfällen beim Spiel gegen Rostock

Dienstag, April 13th, 2010

Die Konsequenzen des Vereins sind veröffentlicht.

Die wichtigsten Sätze:

Eine Verweigerung der Unterstützung, sei es durch Fernbleiben oder durch Stillschweigen, also ein Boykott in diesem Sinne, ist ein für Mannschaft und Verein zwar nicht wünschenswertes, aber durchaus legitimes Mittel.

Die Vorfälle vor dem Beginn und bis wenige Minuten nach Spielbeginn in der Promenade der Südtribüne beim Heimspiel gegen den FC Hansa Rostock waren jedoch kein Boykott im obigen Sinne, sondern ein erzwungener Boykott, der für diejenigen, die ihre Plätze einnehmen wollten und daran gehindert wurden, den Straftatbestand der Nötigung erfüllt und zudem einen eindeutigen Verstoß gegen unsere Stadionordnung darstellt. Hierzu liegen uns unzählige Berichte und Beschwerden vor.

Das Präsidium des FC St. Pauli verurteilt das Verhalten der Beteiligten und jede Art von Gewalt und jede damit einhergehende Beschimpfung, egal von welcher Seite, aufs Schärfste. Wir erkennen aber auch an, dass in den uns bekannten Stellungnahmen der beteiligten Fangruppen und des Fanladens diese Aktion auch selbstkritisch reflektiert wird. Aufgrund dieser Stellungnahmen, aber auch um in dieser für unseren Club sportlich so wichtigen Phase, die durch die Aktion gerissenen Gräben nicht weiter zu vertiefen, verzichtet das Präsidium sowohl auf die Erstattung von Strafanzeigen als auch auf die Erteilung von Stadionverboten.

 

Danach kommen dann die eigentlichen Konsequenzen, nämlich ein Entzug der Priviliegien für USP. Was das konkret heisst, wird wohl die Zukunft zeigen, insbesondere was die Vergabe der Süd-Stehplatzkarten in den nächsten Jahren anbelangt.
Da vieles hier (sicher auch bewusst) vage gehalten wird, scheint es so, als wäre USP fürs Erste auf Bewährung unterwegs… ein abschließendes Urteil über diese Stellungnahme ist daher sicher auch nicht möglich. Was genau die Kartenvergabe für die Süd mit der Blockade zu tun hat, ist sicher fragwürdig, aber vielleicht ist dies die durchaus elegante Art des Vereins, ein wenig die Spannung aus dieser Debatte zu nehmen, bis man das Stadion auf knapp 30.000 ausgebaut hat und wieder jeder eine wirklich freie Platzwahl haben wird und nicht gegen seinen Willen das “Konzept Süd” unterstützen muss, um überhaupt ins Stadion zu gelangen.

Der Verzicht auf Stadionverbote (sowohl für die “Blockierer”, als auch für die, die auf andere Art gegen die Stadionordnung verstoßen haben), ist aber sicherlich zu begrüßen. // Frodo

30.Spieltag - (H) - FC Augsburg (oder: Nie mehr Hansa Rostock!)

Dienstag, April 13th, 2010

FC St.Pauli - FC Augsburg 3:0 (0:0)
Tore: 1:0 Matthias Lehmann (51.), 2:0 Marius Ebbers (63.), 3:0 Marius Ebbers (83.)
Zuschauer: 19.901 (ausverkauft, ca. 1.000 Gästefans)

Welcome to the Hell of St.Pauli!
Diesen Song stimmte der Block 1, formerly known as Singing Area, gestern kurz vorm Einlaufen an, und schon da konnte man spüren, dass heute das Potential für einen ganz besonderen Abend vorhanden war.

Es war schon vor Anpfiff ein ganz merkwürdiges Gefühl im Stadtteil. Es war Dom, das Flutlicht war an, überall Spannung zum Anfassen und eine unfassbare Anzahl von Leuten mit selbst gebastelten “Suche Karten”-Kartons, wie ich sie in dieser Masse noch nie gesehen habe, größtenteils schon mit ziemlicher Verzweiflung im Gesicht. (Das Clubheim war übrigens während des Spiels prall gefüllt… allerdings hab ich da keinen Vergleich, ob das nicht sonst auch so ist.)

Das Vorgeplänkel der letzten Wochen dürften die meisten Leser dieses Blogs mitbekommen haben. Die Vorfälle rund ums Rostock-Heimspiel mit zig Stellungnahmen und einem großen Graben in der Fanszene. Anschließend die Diskussion um die Montagsproteste , mit der etwas überraschenden Last-Minute Änderung, eine andere Art des Protests als zwanzig Schweigeminuten zu wählen und damit Bahn frei für einen gemeinsamen großartigen Support zu schaffen. Dementsprechend waren auch die Tapeten von USP in Richtung Süd-Publikum, “Das Porzellan ist zerschlagen - Aber Scherben bringen Glück!” und “Gemeinsam für den Aufstieg!” eher nach vorne gerichtet, alles weitere war ja auch schon vorher in der langen Stellungnahme geschrieben worden.

Einen Flyer zum Rostock-Spiel gab es dann aber doch noch, und auch der soll nicht unerwähnt bleiben: Der Fanclub Skinheads St.Pauli äußerte sich darauf wie folgt:

“Du bist kein Linker, du Schwuchtel…”Nein, dies hier ist nicht die zehnte Stellungnahme zur Blockade an sich beim Rostock-Spiel. Dazu haben jetzt viele Gruppen ein Statement abgegeben, da braucht es nicht auch noch unsere Stellungnahme. Wir wollen an dieser Stelle einen Schritt weiter gehen, denn die Sprüche und Beleidigungen die uns zugetragen worden sind, als auch von Mitgliedern selbst erlebt wurden, sind für uns in keinem Fall akzeptabel. “Schwuchtel”, “Fotze”, “Nigger” u. ä. am laufenden Band…das waren nicht nur so genannte Ausrutscher! Was für Vollidioten laufen eigentlich in unserem Stadion herum?! Dies ist eine letzte Warnung an diese Leute. Verpisst euch vom Millerntor!

Sollte uns Derartiges auswärts oder am Millerntor zu Ohren kommen, könnt ihr euch eines verbalen oder auch non-verbalen Verweises sicher sein, versprochen! Mit rassistischen und sexistischen Arschlöchern wollen und werden wir unseren Verein auch in Zukunft nicht teilen. Wir gestehen grundsätzlich jedem zu, seine Vorstellunen vom Fan-Dasein auszuleben, aber hier hört der Spaß für uns auf!

Wer sich nicht angesprochen fühlt, und das wird hoffentlich die große Mehrheit sein, verarbeite diesenZettel einfach zu Konfetti.
Und jetzt gemeinsam auf 3 Punkte gegen Augsburg!

Mit sportlichen Grüßen

Eure Skinheads vom Block 1

Chapeau, treffend formuliert und Danke!

Nun konnte das Spiel aber beginnen und zumindest in der ersten Halbzeit entwickelte sich ein Spitzenspiel auf Augenhöhe… will sagen: Langweilig, mit wenig Torchancen, zwei Mannschaften neutralisieren sich gegenseitig. Es waren sogar leichte Vorteile für Augsburg zu erkennen. Aber mit dem 0:0 ging man unterm Strich verdient in die Kabinen.

Allerdings hatte sich da auch schon deutlich gezeigt, woher der Wind an diesem Abend wehen sollte: Von den Rängen in den Rücken der Heimmannschaft, voran zum wichtigen Sieg! Die Proteste gegen das DSF Sport1 traten bis auf einige wenige, aber prominent platzierte Tapeten in den Hintergrund und nicht zu unrecht stimmte der Block1 eben das “Welcome to the Hell of St.Pauli!” an, denn der Millerntor-Roar war seit langem mal wieder spürbar und ging durch alle Tribünen. Schon beim “Aux armes!” konnte man problemlos die Gänsehaut überstreifen.

Und in Halbzeit zwei kam der Mannschaft dann das Glück zugute, welches man schon bei den (vermeintlich ungefährdeten) Siegen in Aachen und Karlsruhe hatte: Dort retteten Hain und das Glück in der Anfangsphase gegen Großchancen, bevor man selbst die erste Chance nutzte. Gestern erzielte Thurk das 0:1… und der Linienrichter Schiedsrichterassistent hatte eine Abseitsposition erkannt, die nach den Fernsehbildern durchaus fragwürdig ist. Wer weiß, wie es dann gekommen wäre. Doch im direkten Gegenzug erzielt Lehmann mehr oder weniger aus dem Nichts das 1:0 für “die Guten” und der Rest war Party… oder besser gesagt: Marius Ebbers! Unfassbar großartig, wie er das zweite Tor nach Ballannahme mit der Brust erzielte, ebenso fantastisch sein Durchtanken gegen zwei Augsburger Fahnenstangen zum 3:0. Abfeiern von Einzelpersonen ist am Millerntor ja eher selten, aber die “Marius Ebbers - Fußballgott!” Sprechchöre gestern waren nicht zu überhören.

Die Stimmung in der zweiten Halbzeit war ebenso fantastisch, man könnte sie sogar als “Wiedergeburt der Singing Area” bezeichnen, die gestern Abend zu längst vergessener Hochform auflief und diverse Gesänge anstimmte, welche von der Gegengeraden und der Süd nur allzugerne übernommen wurden. Kleiner Einschub diesbezüglich: Wenn man jetzt im Forum schon wieder lesen muss, dass USP “endlich” auch mal die Gesänge der Gegengerade übernommen hätte, sollte man sich mal ehrlich hinterfragen, ob denn USP nicht gestern abend “endlich” erstmals überhaupt in dieser Vielzahl die Gelegenheit dazu hatte, Gesänge zu übernehmen, die sonst selten bis nie da sind.
Aber nicht schon wieder stressige Diskussionen, gestern Abend war einfach nur ein Ereignis zum Freuen!

Einziges Ärgernis waren aus meiner Sicht die Augsburger Gäste. Was für eine jämmerliche Schauspielertruppe… der Raffael läuft bei jedem langen Ball rückwärts mit voller Wucht in den Verteidiger um dann theatralisch zusammenzubrechen, und der Thurk jammert auch ständig am Boden liegend herum. Umso beschämender, wo doch beide es aufgrund ihrer fußballerischen Fähigkeiten gar nicht nötig haben. Ich war jedenfalls heilfroh, dass Lehmann in der einen Szene nicht mit gelb-rot vom Platz musste.
Aber wie sehr muss sich Hertha BSC eigentlich jede Woche in den Hintern beißen, diesen Ibrahima Traoré diese Saison an Augsburg verliehen zu haben? Der spielt ja so großartig, den hätten die Berliner sicher gut gebrauchen können…
Zu den Gästefans: Respekt für die Anreise an einem Montag Abend, auch wenn es dann eben nur zur Füllung der Stehplätze gereicht hat und die Sitzplatztickets an St.Pauli Fans verkauft werden konnten. Schade, dass aufgrund der Akkustik durch die fehlende Haupttribüne aber bereits in der Gegengeraden generell nichts mehr vom Gästeanhang ankommt und ebenso schade, dass es die Ausgburger nicht mal zu einer einzigen Tapete gegen den ÜbertragungsSpieltermin gebracht haben… oder nehmen die gerne ihren Urlaub für solche Ausflüge? Dann dürfen sie auch gerne noch ne Runde in der Liga bleiben und die Düsseldorfer mit uns hoch lassen. (P.S. Nach einem Hinweis in den Kommentaren vom User Holzei1910 möchte ich hierfür Abbitte leisten: Nach einem Zündeln der Ausgburger vor zwei Jahren waren ihnen Tapeten o.ä. verboten ;-))

Endlich ist die dusselige “Aber gegen Spitzenteams bla bla…” Diskussion vom Tisch, und während einige jetzt bei “nur vier Punkten Vorsprung” auf Augsburg immer noch nicht beruhigt schlafen, sage ich: Nur noch vier Punkte Rückstand auf Lautern, wir können diese häßliche Schale noch holen! Wer mir nicht glaubt, tippe mal das Restprogramm durch.

Und nach den Ergebnissen des Wochenendes könnten tatsächlich zwischen uns und Hansa Rostock im Sommer zwei Ligen Differenz sein, wie geil wäre das denn bitte? Dazu passend dann auch das lautstakre “Nie mehr Hansa Rostock!”gestern Abend nach dem dritten Tor.

Am Samstag geht es in die Hauptstadt, die aller Voraussicht nach nächste Saison zwei Zweitligisten hat, während die schönste Stadt der Welt sich wahrscheinlich ab dem Sommer zwei Erstligisten leisten darf. Bei einem Sieg in der Alten Försterei und gleichzeitiger Niederlage der Augsburger gegen die heranrückenden Duisburger könnten wir dann aus eigener Kraft schon gegen Koblenz mit einem Heimsieg den direkten Aufstieg sichern… ich wiederhole mich gerne: Wie geil wäre das denn bitte? // Frodo

Links:
Fotos von miles photography
Fotos von Stefan Groenveld
Fotos aus Augsburg (Burning Nuts)
Blog von pathos93

Doch kein 20minütiger Stimmungsboykott am Montag!

Sonntag, April 11th, 2010

Ach nee, so ein Hin und Her…

Mittwoch hatte USP noch beschlossen und am Donnerstag per Gazzetta Digital verkündet, es wird auch am morgigen Montag einen 20minütigen Support-Boykott geben. Dies hatte zwar zu etlicher Kritik geführt, war aber aus meiner Sicht nur konsequent, auch wenn man bereits eingestand, dass es zur neuen Saison ganz sicher neue Überlegungen geben müsse, wie man mit dem Protest weiter vorgeht, da der Stimmungsprotest wenig Sinn macht, wenn 17 andere Vereine kaum oder gar nicht bereit sind, diesen mitzutragen.

Nun kam heute folgende Korrektur:

Hallo Sankt Pauli Fans!

In den letzten Wochen wurde in der Fanszene viel über den 20-minütigen Schweigeprotest gegen die Anstoßzeiten diskutiert. Proteste gegen das DSF, die DFL und den DFB, ab jetzt unter dem neuen Namen Sport1, haben bei Sankt Pauli eine sehr lange Tradition. Von Beginn an haben sich Fans gegen die beschissenen Anstoßzeiten vor allem am Montagabend gewehrt, die die Interessen derer, die den Fußball vermarkten wollen, über die Interessen derer stellen, die den Fußball leben und zu dem Machen, was er ist – die Fans. Dabei wurden am Millerntor und Auswärts viele Protestformen genutzt. Sei es das Verhängen der Kameras mit Ballons, Boykottaufrufe für die werbenden Firmen, öffentlichkeitswirksame Kampagnen, Unmutsrufe von tausenden Fans und manch ein DSF-Mitarbeiter hat in den letzten Jahren am Millerntor gar Angst um seine Gesundheit geäußert. Eine Protestform, die vor allem die Ultras genutzt haben war stets, die ersten zwanzig Minuten zu schweigen, um das Event, das übertragen wer den sollte, zu schädigen. Diese wurde in letzter Zeit auch innerhalb der Gruppe immer mehr in Frage gestellt, zumal mehrfach zu beobachten war, dass andere Protestformen eine bessere Wirkung entfalten können. Genannt seien die Spruchbänder der Düsseldorfer Fans letzte Woche oder die vielen Protestspruchbänder bei unseren Montags-Heimspielen. Da wurde es plötzlich zu einem Thema, mit dem sich das DSF auseinandersetzen musste. In der in der Folge anberaumten Diskussionsrunde äußerten die Vertreter des DSF dann auch, dass ihnen ein Schweigeprotest relativ gleich ist, sie nur die beleidigenden Spruchbänder gestört haben.

Wir sind der Meinung, dass der Protest immer ein Markenzeichen von Sankt Paulis Fans gewesen ist und wir denken auch, dass wir damit Erfolge erzielen konnten. Dennoch wurde intern schon oft diskutiert, ob die Protestform nicht überholt sei und etwas anderes, effektiveres her müsste. Warum sollte man so viel einsetzen, sich selber den Spaß nehmen und der Mannschaft die Unterstützung entziehen, wenn es kaum was bringt. In der letzten Woche wurde geplant, in der Sommerpause ausführlich über mögliche alternative Protestformen zu reden (auch wenn der direkte Gegner dann hoffentlich nicht mehr Sport1 heißt). Um es klar zu machen: würden wir weiterhin voll hinter einem Boykott stehen und dessen Erfolg sehen, dann dürfte auch ein sportlicher Erfolg nicht zum Abbruch führen, denn ein Boykott beweist sich erst dann wirklich, wenn es richtig schwer fällt ihn durchzuziehen. Es kommen nun aber viele Sachen zusammen. Zum ersten, dass die Form auch innerhalb der braun-weißen Ultra-Szene mittlerweile stark umstritten ist, desweiteren, dass die Mannschaft in den letzten Tagen mehrfach auf uns zugekommen ist und deutlich machte, dass sie die Unterstützung in diesem wichtigen Spiel von Anfang an braucht. Hinzu kommt, dass wir wissen, dass auch viele Fans in unserer Kurve ein Problem mit dem Schweigen haben und wir es mit dem „aufeinander zugehen“ ernst meinen. All das hat dazu geführt, dass wir die Mannschaft am Montag gegen Augsburg von Anfang an voll unterstützen werden und unserem Protest gegen das DSF anders Ausdruck verleihen werden. Wir wissen, dass wir auch dafür wieder Kritik ernten werden, es bleibt eine schwierige Geschichte und wir bedauern, wenn wir auch hiermit nicht allen gerecht werden können. Wir fordern euch alle auf, das Beste draus zu machen und den Protest nicht untergehen zu lassen, während wir – hoffentlich wieder mehr an einem Strang - unser Team in die erste Liga brüllen.

Ultrà Sankt Pauli im April 2010
Ich finde diese Entscheidung grundsätzlich richtig, da ja wie gesagt dieser Protest als Zeichen nur funktionieren kann, wenn er von beiden Fangruppen des Live-Spiels mitgetragen wird. Gerade bei Auswärtsspielen verkam der Protest so eher zur Farce, da sowohl in Aachen, Lautern und Düsseldorf die Heimfans genug Krach machten. Und so, wie Negation bei Menschen grundsätzlich nur schwer funktioniert (Denkt jetzt bitte NICHT an einen rosa Elefanten…) ist eben “nicht singen” nicht dazu geeignet, den Fernsehzuschauer darauf aufmerksam zu machen.
Schade find ich lediglich den Zeitpunkt, denn gerade in einem Heimspiel kann man als Schweigende Masse mit entsprechenden Tapeten und Transparenten immer noch etwas erreichen… da wäre dann die Entscheidung bereits vor dem letzten Spiel in Düsseldorf sinnvoller gewesen.

Aber egal, auch Fehleinschätzungen einzugestehen ist eine Stärke.

Also: 90 Minuten Vollgas und alles geben! Für drei Punkte, für den Aufstieg!
Und zur neuen Saison kann man dann über neue Protestformen nachdenken, auch wenn uns zumindest das DSF Sport1 Livespiel am Montag abend hoffentlich nicht mehr direkt betreffen wird. // Frodo

Letzte Stellungnahme, ich schwör!

Mittwoch, April 7th, 2010

Es soll ja irgendwann auch mal gut sein, daher jetzt hier mein Versprechen, letztmalig eine Stellungnahme von extern zu bewerben… zumindest, bis sich der Verein bzgl. der Konsequenzen äußert, was gerüchteweise wohl am Freitag der Fall sein soll.

Hier also die Stellungnahme der G.A.S. St.Pauli, auch bekannt als “Gehirnamputierte Szene”. Die spricht für sich, keine weiteren Kommentare notwendig.

Und die nächste Problematik wirft ja bereits ihre Schatten voraus, denn am Montag kommt der FC Augsburg und NATÜRLICH wird auch an diesem Montag in den ersten zwanzig Minuten nicht supportet, weil es eben ein Montagabend-Spiel ist. Völlig egal, wie “wichtig” dieses Spiel ist, dass waren schließlich alle anderen auch… und wenn man sich erst mal auf die Argumentations-Schiene begiebt, kann man auch gleich jeden Protest sein lassen, wenn man nicht grade am 34.Spieltag zufällig mal Neunter ist.

Wird nicht langweilig bei diesem Verein… // Frodo

29.Spieltag (A) - Fortuna Düsseldorf

Dienstag, April 6th, 2010

Fortuna Düsseldorf - FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Sebastian Heidinger (48.)
Zuschauer: 47.200 (geschätzte 4.000 St.Pauli Fans)


Hätte ich nur auf Dorthe gehört…

 

Im Nachhinein bin ich eigentlich nur froh darüber, dass ich zumindest die Fahrt hin zum Spiel nach Düsseldorf im Auto eines alten Freundes hinter mich bringen konnte. Haar-sträubende, lange Zeit verdrängte Jugendsünden (der letzten 2 Wochen) wurden aus den verstaubten Gehirnwindungen hervor gekramt und dem Gegenüber nochmal peinlichst detailiert unter die Nase gerieben. Trotz Feiertags-Rückreiseverkehr und spontanen Umwegs, quer durch den idyllisch-tristen Ruhrpott, trafen wir sogar völlig entspannt eine halbe Stunde vor(!) dem Anpfiff an diesem abscheulichen, einst als WM-Spielstätte beworbenen Würfelkasten an.
Keine Ahnung was sich die Modestadt dabei gedacht hat, die authentischen Umrisse des schnuckeligen Stadions hinter einer abgehängten Werbe-Leinwand zu verstecken. Aber das ist deren Architektursünde, mir blieb jedenfalls genug Zeit meine Laptoptasche und den Gitarrenkoffer von einem der hintersten Parkplatzlücken aus bis zu den Fanladenbussen zu schleppen, in einem derer ich dann später 6,5 Stunden gefrustet zurück nach Hamburg juckeln durfte.

Zurück zum Stadioneingang. Der Schwarzmarkthandel scheint in NRW´s Landeshauptstadt ähnlich zu florieren wie in der Freien und Hansestadt. Gänzlich ungenierter wird dort allerdings die überteuerte Ware lautstark präsentiert. Zudem scheinen die Neongelb bejackten Ordner keinen blassen Schimmer davon zu haben, was denn heute in dem großen Kasten hinter ihnen auf dem Programm steht bzw. wie man dem Treiben innerhalb beiwohnen kann. Erst beim dritten Exemplar der Gattung Zeitarbeiter bekamen wir die viel versprechende Antwort: „Äh, da fragt ihr am besten die mit den grünen Jacken!“ Ah ja.

Wesentlich bessere Sprüche seitens der Düsseldorfer gab es dann im Stadion. Zum Anpfiff wurden entlang der kompletten Seitenlinie mehrere Tapeten über die Werbebanden geklebt, welche in bester Kameraposition Fakten wie „Scheiß sky“, „Pyro statt Popcorn“, „Stehplätze statt Couch“ oder „DFL/DFB TV macht unseren Sport kaputt“ präsentierten. Allerdings überdauerten diese nicht mal annähernd den 20-minütigen Stimmungsboykott unserseits, da gehorsame Ordner sie recht schnell herunterrissen.
Wie uns daheimgebliebene
Gehirn-Amputierten-Szenler (G.A.S.) berichteten, strickte das DSF sich aus unserem abermaligen 20-Minuten-Boykott in bester Springer-Manier einen abstrusen Zusammenhang mit den Vorkommnissen rund um die Südkurven-Blockade beim letzten Heimspiel. Dreist und frech gelogen, aber was will man von nem Sender der Sexy Sportclips im Programm hat anderes erwarten.
Bezüglich dem letzten Sonntag verurteilten die Ultras der Fortuna in den gegenüberliegenden 42er Blöcken mehrmals die gebaute Scheiße unseres Präsidenten und forderten ihn zum Rücktritt auf, was einige auf unserer Seite wiederum mit Applaus bedachten.
Die nun mehr seit x Jahren andauernde Bumserei zwischen den Feuchten Bibern und den Lost Boyz aus Flingern ging ebenfalls in die nächste Runde: „Bereitet euch schon mal vor!“ war neben einem überdimensionalem Cartman zu sehen und schaffte es (wenn auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen) heute immerhin ins Abendblatt.
Es folgte ein unspektakuläres Topspiel, nach dessen Verlauf meiner Meinung nach keine Mannschaft den Sieg verdient hatte. Mit nem Punkt wäre ich auch schon sehr zufrieden gewesen. Hätte, hätte, Herrentoilette.
Die Unterstützung der eigenen Mannschaft gestaltete sich aufgrund der schwammigen Akustik sicherlich ein wenig schwierig. Doch zu welchem Roar! man in der Lage wäre, wenn man nur einmal geschlossen supporten würde, dass machten uns die Gastgeber ein ums andere mal vor. Die Anstoßzeit trug ihren verdammten Teil dazu bei. Hoffentlich wird das beim nächsten Montagsspiel anders.

Für das größte Magengrummeln und permanentes Fremdschämen sorgten aber nicht diese vermeidbare Niederlage, der grottige Support oder die Pissplörre aus Warstein, sondern die Mitfahrer im Fanladen-Bus auf der Rückfahrt. Als Augen- und Ohrenzeuge unter den Bus-Insassen und gleichzeitiger Verfasser der Titelstory des ÜS#93 - welche sich zwar liest wie ein jämmerlicher Emosong, aber thematisch den Nagel auf den Kopf trifft - kam mir teilweise die Galle hoch. In etwa so wie dem Kollegen vor mir, wenn auch aus weniger alkoholisierten Gründen…
// Stemmen

Guerrero, Naki und ne Messerstecherei

Montag, April 5th, 2010

Also hier ist ja immer was los…

Ein Flaschenwurf und seine Folgen
Natürlich tritt man nicht auf am Boden liegende ein… dochbevor der hsv nicht mindestens in Liga zwei spielt sondern immer noch einen Platz belegt, der zur Teilnahme am Europapokal am UEFA-Cup an der Europa League (schönes “Denglish” übrigens) berechtig, liegen die auch noch nicht am Boden, auch wenn manch ein hsv-Fan dieses Gefühl beim Eier suchen sicher verspürt.
Was war geschehen? Gegen anfangs elf und nach einer Stunde nur noch zehn Hannoveraner hatte sich der Verein, der vor ein paar Wochen noch laut über die Champions League-Qualifikation nachdachte, ein unspektakuläres 0:0 erkämpft und schlottert nun vor den Fußballmächten aus Stuttgart, Frankfurt und Wolfsburg, die die Mindestanforderung Europa League auch noch zerstören können. Ein gellendes Pfeifkonzert des zahlenden Publikums war die Folge und “Jose Paolo Guerrero”, den Fachleute mit dem großen Denis Bergkamp auf eine Stufe stellen, begab sich mit einer Trinkflasche in der Hand zum Kabinengang. Dort muss ihm das ein oder andere unfreundliche Wort an den Kopf geflogen sein, woraufhin seine Trinkflasche zielstrebig an die Schulterpartie eines Zuschauers flog. (U.a. hier das sky Video, ab 3:50min). Darf nicht passieren und ist auch mit so ziemlich nichts zu rechtfertigen, schon gar nicht mit einem “Geh doch wieder nach Peru!”, wie es lt. sky wohl gefallen sein soll. Interessant dazu auch Aussagen von Matthias Sammer, Bruno Labbadia und Frank Rost auf sky90. (ab ca. 1:50min)
Spannend dürfte nun sein, wie es hier weitergeht bzw. was dies für Konsequenzen nach sich zieht. Ein paar Gedanken dazu:

  • Paolo Guerreros Vertrag läuft im Sommer aus, es sind noch 5 Bundesliga-Spiele (plus 1-5 Europa League Spiele)
  • Deniz Naki wurde für eine Geste, ohne tätlichen Angriff, für drei Spiele vom DFB gesperrt
  • Ein Fan, der mit einem Gegenstand einen Spieler oder Schiedsrichter trifft, bekommt ein Stadionverbot in einem deutlichen Umfang.

Wird der hsv ihn intern sperren? Damit wäre der Vertrag dann quasi vorzeitig beendet. Oder wartet man auf die Reaktion des DFB und hält ihn damit für den Europapokal spielberechtigt? Die Reaktionen im Rauten-Forum lassen einen jedenfalls genüßlich zurücklehnen. Eine schöne Abwechslung nachdem sich die braun-weißen inzwischen seit einer Woche tagtäglich zerfleischen und vielleicht die rechtzeitige Notbremse um den Blick auf das Spiel heute abend gegen Düsseldorf zu richten.

Für die Twitter-User unter Euch: “Flasche Guerrero” als neuer User wird Euch sicher gerne auf dem Laufenden halten.

Messerstecherei im Ballsaal
Tja, hätte man gestern abend mal ne anständige Blockade zugelassen, wäre einem einiges erspart geblieben.
So aber fand im Ballsaal der Südkurve eine Privatfeier statt, die es doch prompt in die Polizeimeldungen des Abendblatts (und diverser anderer Medien) geschafft hat. 50 Streifenwagen im Einsatz… wenn da mal nicht das ein oder andere Stadionverbot bei raus kommt.
Ob Paolo Guerrero vor Ort war, konnte der ÜS bisher nicht recherchieren.
// Frodo