32.Spieltag – (H) – TuS Koblenz und der Marathon

FC St.Pauli – TuS Koblenz 6:1 (2:0)
Tore: 1:0 Charles Takyi (42.), 2:0 Deniz Naki (44.), 3:0 Charles Takyi (57.), 4:0 Marius Ebbers (59.), 5:0 Rouwen Hennings (69.), 6:0 Matthias Lehmann (74. Foulelfmeter), 6:1  Marvin Pourie (75.)
Zuschauer: 19.686 (geschätzt 600 Koblenzer)

Es war ein zähes Ringen mit den Koblenzern, wobei ihre fußballerische Limitierung schon sehr früh deutlich wurde. Aber man weiß ja, wie sowas laufen kann wenn die Zeit voranschreitet und das Runde einfach nicht ins Eckige will.  Als dann der (zweifelhafte, weil eher außerhalb verübte) Elfmeter gepfiffen wurde, wähnte sich Braun-Weiß endgültig auf der Siegerstraße, aber dann folgte unglaubliches: Bruns schießt neben das Tor und die zurecht gegebene Wiederholung schießt Lehmann platziert nach unten links, der Ball wird aber vom Koblenzer Torwart Paucken klasse pariert… warum hier kein Reporter das billige Wortspiel vom Paukenschlag brachte, ist mir nach wie vor ein Rätsel.
Doch was so ein echter Fußballexperte ist, der lehnt sich locker zurück und sagt zum Nebenmann: “Kein Thema… machen sie jetzt das erste Ding, fallen die anderen automatisch. Wäre aber hilfreich, wenn es vor der Pause passiert!” Gesägt, Tun, Getan, um es mit Onkel Hotte zu formulieren. An dieser Stelle dann auch noch das schnelle Schulterklopfen in Richtung Stani, für sein Festhalten am Sir, gegen alle kritischen Stimmen während der vergangenen Monate. Der Rest war dann gegen zusammenbrechende Koblenzer ein Selbstgänger.
Die Stimmung auf den Tribünen war zunächst auch sehr verhalten, es gab auch diverse kritische Tapeten gegen die Vorfälle der letzten Wochen, hierzu sei nochmals auf die Stellungnahme von USP und Fanladen verwiesen, in dem alles wesentliche steht. Der Verein hat logischerweise eine davon abweichende Sichtweise, die aber ähnlich vage und ausweichend bleibt, wie die ganzen letzten Wochen schon und die entscheidenden Antworten auf die Sommerpause verschieben will. Und wenn die Stellungnahmen der letzten Wochen tatsächlich als “fortwährenden Angriffen auf den Verein im Allgemeinen und das Präsidium im Besonderen” empfunden wird, fragt man sich natürlich, was die machen wenn mal tatsächlich heftigerer und vereinter Gegenwind kommt, denn momentan ist sich die Fanszene ja nicht mal einig. Merkwürdig aber auch, dass aus Fehlern immer noch nicht gelernt wird, denn in dem sehr lesenswerten Artikel der Times Online von heute wird Littmann in Bezug auf Fans im Jolly Roger wie folgt zitiert: “I’ve been president for seven years but a fan for 30, so I understand what they want.” Mag für Teile der Fanszene sogar noch stimmen, denen sportlicher Erfolg und finanzielle Sicherheitwichtiger sind als Ideale, aber so ein Satz ausgerechnet in der derzeitigen Diskussion ist doch reichlich unbedacht… und gerade den Leuten im Jolly dürfte da so manches Bier wieder bei hochkommen, wenn sie das lesen.
Aber spätestens nach den ersten beiden Toren war die Stimmung dann natürlich bestens, gegen Ende kam mit “Wir ham die Schnauze voll!”, “Stani raus!” und ähnlichen Gesängen sogar so etwas wie Volkspark-Stadion Feeling die gute alte Ironie des Millerntors hervor und es wurde wunderbar und lange gefeiert.
Einziger Wehrmutstropfen: Hansa Rostock gewann zeitgleich beim 1.FC Kaiserslautern… warum das einige im Stadion sogar zum Jubeln brachte, kann ich mir nach wie vor nicht erklären, denn die Meisterschaft dürfte bei weiterhin vier Punkten Rückstand normalerweise trotzdem an “die Region” gehen und wäre mir ehrlich gesagt auch völlig egal, eine Niederlage von Rostock hätte hingegen die Chance auf deren direkten Abstieg am Leben gehalten und den Relegationsplatz gefestigt… vielleicht lag das am Alkohol, aber vielleicht mag sich einer der Jubler ja mal in den Kommentaren erklären, ich würd mich freuen.
Anschließend brachte auch der Stuttgarter Sieg in Bochum noch die Gewissheit, dass es für den hsv in der Bundeliga eng werden würde, noch nach Europa zu kommen.

Samstag amüsierte ich mich dann über Herthas erneute Niederlage kurz vor Schluß… sollten wir also doch noch in die Relegation müssen, wird es kaum gegen die Hauptstadt gehen, die damit nächstes Jahr in der Bundesliga nicht vertreten sein wird.

Der Sonntag sollte im Zeichen des Marathons stehen. Fanräume hatte die Aktion “Kein Sprint” ins Leben gerufen und als einer von 16 LäuferInnen machte auch ich mich (zum insgesamt fünften Mal) auf den Weg. Über 9.000,-€ wurden so für Fanräume und Viva con Agua erlaufen, sicherlich ein toller Erfolg für beide Projekte und ebenso natürlich für jeden einzelnen Läufer, von denen viele ihren ersten Marathon überhaupt angingen. Außer dem krankheitsbedingten Ausfall von Stefan (Gute Besserung!) gab es eine 100% Erfolgsquote, alle kamen an! Wie im Ticker nachzulesen ist, war insbesondere das Abschneiden von Kaeser ein echtes Überwinden des inneren Schweinehundes… wer sowas schafft, der hat den Aufstieg auch verdient!
Womit wir beim Thema wären: Nach dem Lauf konnte man sich im JollyDayInn noch schnell frisch machen und im Raval dann lecker essen und die Augsburger beim FSV Frankfurt bewundern… und pünktlich zum Frankfurter Ausgleich durch Cidimar per Fallrückzieher hatte ich es auch ins Raval geschafft, großartig!
Nun geht es also nach Fürth und es wird zur Mottofahrt aufgerufen:
Nieten, Schnauz und Dosenbier oder auch Hippiematten, schlimme
Lederschnürhosen und Batikshirts. Wollen wir doch nicht so tun, als ob
der Autonomen-Chic damals regiert hätte.
Na, das kann ja nur ein großer Spaß werden.
Und wenn wir so viele Punkte holen wie Augsburg, steigen wir (dank der aktuell 14 Tore besseren Differenz) quasi schon im Frankenland auf. Holen wir mehr Punkte, ist es sogar schon rechnerisch durch… nicht ganz auszuschließen, aber selbst bei einer Niederlage und einem Augsburger Sieg gegen 1860 würde ein Heimsieg gegen Paderborn reichen. Man müsste also jetzt schon sehr viel falsch machen, um Platz 2 noch abzugeben. // Frodo

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