Freundschaftsspiel (A) – FC Winterthur

FC Winterthur – FC St.Pauli 0:3 (0:1)
Tore: 0:1 Mahir Saglik (39.), 0:2 Sebastian Schachten (59.), 0:3 Mahir Saglik (86.)
Zuschauer: 6.600

Das Leben birgt die größten Zufälle und von einem profitierte ich an diesem Wochenende. Ein guter Freund aus Zürich, der schon seit Ewigkeiten trotz der Entfernung eine Dauerkarte hat und den ich einst bei einem Spiel der Zweiten Mannschaft in Göttingen kennenlernte, heiratete am Freitag auf einer Alm südlich von Zürich. Er hatte im Interesse der anreisenden Hamburger (und natürlich auch im eigenen) darauf geachtet, den Termin auf ein spielfreies Wochenende zu legen. Doch was er da noch nicht wusste, war der später fixierte Termin eines Freundschaftsspiel unserer Bhoys in Brown beim FC  Winterthur am Tag drauf, nur ein paar Kilometer nördlich von Zürich.

Glücklicherweise erfolgte die Veröffentlichung des Termins noch vor meiner Flugbuchung, so dass ich den Rückflug auf Sonntagmittag legte und mein erstes Spiel mit dem FC St.Pauli im Ausland erleben durfte.

Am Freitag fand also zunächst die kirchliche Hochzeit statt. Und wenn in einer kleinen Holzkapelle auf einem Schweizer Berg als erstes Lied “Balu” von Kettcar gespielt wird, muss diese Ehe unter guten Sternen stehen, keine Frage. Euch beiden jedenfalls auch hier und damit schriftlich nochmals alles erdenklich Gute für die Zukunft!

Samstag ging es dann mit dem PKW gen Winterthur (Danke an Fahrer, Fahrerin und Mitfahrer), wo ich mich dann erstmals mit dem dortigen FC  beschäftigte. Vereinfacht ausgedrückt eine Mischung aus der sympathischen Einfachheit und Bodenständigkeit sowie linker Grundausrichtung von Klubs wie Babelsberg und TeBe, sowie dem Versuch im Profifußball mit eben diesen Attitüden zu bestehen wie beim FC St.Pauli.

Das Stadion, die “Schützenwiese”,  fasst theoretisch 12.000 Zuschauer, ist derzeit aber nur für 8.500 zugelassen und besteht aus drei Stehtraversen und einer überdachten Sitzplatztribüne. Die Gegengerade bietet auch einen leicht erhöhten zweiten Stehrang und damit eine super Sicht. Die Heimkurve nennt sich “Bierkurve” und soll insbesondere auch auf Auswärtsfahrten diesem Namen alle Ehre machen.
Die Siurupkurve des FC WinterthurDiese Kurve hat dann auch noch eine großartige Besonderheit: über ihr steht in der einen Ecke eine kleine provisorische Tribüne mit ca. 50 Sitzen für den Nachwuchs: Die “Sirupkurve”. Stilecht mit einem Nichtraucherbereich vor ihr ausgestattet und mit festgeschraubten Trommeln vor der ersten Sitzreihe. Im Eingangsbereich des Stadions befindet sich eine Art Bar, die Bierkurve ist mit diversen Bierständen (ach was…) und anderem ausgestattet, Viva con Agua war mit einem eigenen Stand und Losverkauf vertreten und dadurch auch ins Halbzeitprogramm eingebunden.

Der Verein hatte explizit auf Fantrennung verzichtet und der Geschäftsführer Moesli sprach von einem langgehegten Wunsch, den FC St.Pauli auf der heimischen “Schützenwiese” begrüßen zu dürfen.  Es war eine rundum angenehme Atmosphäre, bei der man sich wirklich sehr willkommen fühlte, allein dafür schon mal ein großes Dankeschön an den FC Winterthur.

Während bei Ligaspielen im Schnitt ca. 2.500 Zuschauer erscheinen, war die Schützenwiese hier mit 6.600 Zuschauern mehr als gut gefüllt, davon gut ein Drittel mit Utensilien unseres Vereins ausgestattet, wenn auch mundartlich die meisten definitiv nicht aus Norddeutschland kamen. Zu Beginn gab es im “Gastsektor” ein bisschen Rauch, dies zieht in der Schweiz wohl auch bei Freundschaftsspielen eine automatische Geldstrafe für den Ausrichter nach sich, schade.

Weniger schade, eher amüsant war dann das Aufhängen einer kleinen hsv-Fahne in der Bierkurve, was wahrscheinlich von den dort Stehenden nicht mal bemerkt wurde. Ein paar St.Paulianer machten sich flugs auf den Weg und als sie dort waren und dezent nachfragten zuckten die Umstehenden allesamt unbeteiligt die Achseln und murmelten “Macht das ruhig weg.” Der eigentliche Eigentümer konnte nicht ausgemacht werden. Allerdings sorgte ein junger Mann mit einem etwas martialisch aussehenden “Deutschland”-Polo für Aufmerksamkeit, der auf Nachfrage was er denn mit dem Shirt hier wolle, nur ein “Ist doch ein Freundschaftsspiel!” von sich gab, obwohl er nicht zwingend nach Freundschaft aussah. Eben diese Freundschaft wurde dann auch von mehreren deutlich angezweifelt und ihm fiel dann gerade noch rechtzeitig ein, dass er heute ja noch andere Termine hatte. Vielleicht traf er da ja auch den Besitzer der Fahne wieder, schließlich spielte der hsv nur zwei Stunden nach unserem Schlusspfiff in Luzern (2:2 übrigens, wie ich am Tag drauf im Flieger erfahren sollte).

Sportlich bewegt sich der FC Winterthur im Mittelfeld der zweiten Schweizer Liga und die gezeigte Leistung dürfte bei uns so Pi mal Daumen zur Liga drei reichen. Unsere Jungs bekleckerten sich leistungstechnisch zwar nicht gerade mit Ruhm aber zu einem lockeren 3-0 durch Saglik (2x, erstes per Kopf und zweites per angeschossen werden) und Schachten (Distanzschuss) reichte es dann doch. Für einen “durchtrainierten” St.Pauli-Fan reichte es nach dem dritten Tor sogar für eine Flitzer-Einlage. Sehr clever angelegt, er sprang kurz über den Zaun, lief einmal jubelnd um das fünf Meter vor ihm stehende Tor und sprang schnell zurück in den Block, Ordner waren da eh kaum in der Nähe, war ja alles entspannt. Nicht mal der sich gerade über den Gegentreffer ärgernde Torwart bekam etwas davon mit.

Nach dem Spiel gab es im Stadion dann noch ein gemütliches Beisammensein mit einer Atmosphäre wie bei Spielen unserer Zweiten an der Waidmannstraße. Kinder spielten auf dem Rasen, beide Fangruppen standen buntgemischt herum und ließen den Tag gemütlich ausklingen, bevor es später für viele noch los ging, u.a. gab es noch ein Talco-Konzert in Winterthur.

Ich flog dann am Sonntagmittag wieder gen Hamburg, übrigens mit der selben Maschine wie die Spieler des hsv nach dem Spiel in Luzern. Insofern konnte ich die eine Stunde Verspätung auch verschmerzen, da ich permanent “Geschieht denen recht!” vor mich hinmurmelte. Geteiltes Leid war hier wirklich halbes Leid. Und da ich keinen Becher mit isotonischer Flüssigkeit dabei hatte, hab ich auch Guerrero in Ruhe gelassen.

Unterm Strich ein tolles Wochenende, vielen Dank an alle die dazu aus unterschiedlichen Gründen beigetragen haben. // Frodo

Links:
Fotos und Bericht auf der offiziellen Homepage
Fotos bei den Südzecken

Sonstige Ergebnisse:
– U23 in der Regionalliga mit erstem Sieg: 2:1 gegen Havelse vor 400 Zuschauern an der Hoheluft.
– U17 nach zwei Unentschieden in der B-Jugend-Bundesliga am 4.Spieltag mit dem ersten Sieg, 1:0 bei TeBe.
– 4.Herren im ersten Punktspiel souverän 3:1 gegen Sternschanze 3.
– Handball: Nach dem unglücklichen Aus im DHB-Pokal (29:28) hat die 1.Herren ihr erstes Punktspiel in der Oberliga HH/SH mit 31:30 gegen Bad Schwartau 2 gewonnen!

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6 Kommentare zu Freundschaftsspiel (A) – FC Winterthur

  1. M M sagt:

    Ich bleibe dabei, Marius wäre WM Torschützenkönig geworden und warum andere hochtalentierte Mittelfeldspieler ignoriert werden, das wissen wir ja alle. War ein cooles Wochenende in den Bergen und beim FC Winti. Gruss aus ZH.

    • Frodo sagt:

      Mein Angebot steht noch: Nicht mehr als sechs!
      Ja, war wirklich klasse… Wenn er nochmal heiratet, sollten wir das wiederholen 🙂

  2. Tommy sagt:

    winterthur scheint ja auch im sommer eine tour wert zu sein. gut, dass du den guerrero in ruhe gelassen hast, frodo, der hat doch schon genug gelitten – guckstu mal mopo (verlonken des käseplattes verkneiff ich mir hier)…^^

  3. jens sagt:

    schön zu lesen.
    schade daß man nicht dabei war.
    nun ja, dafür die u23 und auch die zweite damen handballmannschaft bei der sg wilhelmsburg mit 7:22 siegen gesehen.

    jens

  4. Prima dass der Kiez Hamburgs mal in Winterthur war. Und es stimmt, Winterthur ist so etwas wie der St. Pauli des Nordens (in der Schweiz). Geärgert hat mich nur Dein Kommentar “…linker Grundausrichtung von Klubs wie Babelsberg und TeBe, sowie dem Versuch im Profifußball mit eben diesen Attitüden zu bestehen wie beim FC St.Pauli.” Denn Babelsberg und TeBe uns Schweizern als “linke Vereine zu verkaufen, dass brachte mich dann doch zum Lachen. Hat es etwa System das St. Pauli des Ostens (nämlich UNION BERLIN) hier zu verchweigen? Schliesslich sind wir DER tradionelle Arbeiterclub Berlins, und Erbe aller Regimegegner und sicher mindestens so Links wie die anderen genannten Clubs zusammen. Also – niemals vergessen: UNION – PAULI Fanfreundschaft, denn “wir kamen aus der Hölle…”

    • Frodo sagt:

      “System” würde ich es nicht nennen, eher Realismus 😉
      Klar, Union hat einen großen Teil super korrekter Leute und das Spiel an der Alten Försterei ist definitiv eines meiner persönlichen Highlights in der Saison. Allerdings gibt es eben bei Union auch einen nicht unerheblichen Teil an Leuten, die sich deutlich in die rechte politische Ecke stellen, daher passen sie für mich nicht in eine Auflistung mit TeBe und Babelsberg (und St.Pauli).
      Spricht man Unioner darauf an, heisst es meist: “Hauptsache Union!”
      Klar, als St.Paulianer ist es leicht darüber die Nase zu rümpfen und derartiges zu verurteilen. Will ich gar nicht… aber die Auflistung oben lasse ich eben auch wie sie ist.

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