Übersteiger 135

Liebe Leser*innen!

Es ist soweit, ein neuer Übersteiger erblickt das Licht der Welt, nachdem die ‚Geburt‘ ein paar Mal verschoben werden musste. 

Es ist trotzdem nicht alles drin, was wir gern hineingenommen hätten. Beispiel: Weder ein Interview mit Alex Meier noch ein Player‘s Corner mit einem unserer Spieler kam zustande, weil entweder die Presseabteilung oder die Spieler oder beide nicht wollten. Seit geraumer Zeit stellen wir fest, dass sich zwar in Präsidium, Vorstand und Aufsichtsrat gefühlt nur noch Leute befinden, die nahe an der Fanszene sind, aber Spieler von der Fanszene eher ferngehalten werden. In Zeiten wie diesen wäre es allerdings gerade wichtig, dass Mannschaft und Fanszene wieder mehr zusammenrücken. Herzlich Willkommen Jos Luhukay! Wir freuen uns auf ein Interview mit dir. 

Was also werdet ihr vorfinden? Zunächst eine Selbstreflektion zur letzten Ausgabe, bzw. dem Teil, der den Ultras gewidmet war. Wir haben da einiges falsch gemacht, was schade ist, denn das Thema ist wichtig und spätestens seit dem Derby in aller Munde. Und das Bedürfnis miteinander zu reden ist da – sogar von Teilen der Ultras (nur nicht mit uns). 

Wir halten Rückschau auf die Diskussionsveranstaltung „(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli“, die ein guter Anfang für mehr Diskussion und Austausch zwischen den Fans, aber auch zwischen Verein und Fans war. Teile der – größtenteils aus losen Fangrüppchen bestehenden – Gegengerade sind auch schon dabei, Treffen zu organisieren, um sich besser kennenzulernen und zu vernetzen, Probleme anzusprechen und gemeinsame Aktionen zu starten. Haltet Augen und Ohren offen für weitere Treffen. Solltet ihr auch Lust haben euch aktiver einzubringen: Als erste Anlaufstelle ist immer der Fanladen richtig, der euch entweder direkt selbst unterstützt oder euch zumindest auf andere Stellen verweist (z.B. AgiM, Aktionsbündnis gegen Sexismus & Homophobie, Fanclubstprecherrat usw.). 

Ferner haben wir etliches rund um Verein und Viertel zusammengetragen und ein erstaunlich hohes Aufkommen an Buchrezensionen, rechtzeitig für die Zusammenstellung eurer Sommerurlaubslektüre. 

Ein Schwerpunkt liegt diesmal auch auf Afrika – einem Kontinent, dem viel zu wenig Beachtung in Europa geschenkt wird und der doch so kreativ ist. 

Zum Schluss noch in eigener Sache: Die Printabteilung des Übersteigers macht Pause. Unsere Redaktion ist in den letzten zwei Jahren dermaßen geschrumpft, dass wir euch nicht mehr das bieten können, was eigentlich unser Anspruch wäre. Für gut recherchierte, thematisch breit aufgestellte, spannende Themen fehlt uns schlicht das Personal, die Zeit, die Kraft, das Engagement, und manchmal auch die Vernetzung in der Fanszene. Viele, die noch im Impressum stehen, stehen da nur noch, da sie langjährige Kolleg*innen sind und einfach dazu gehören. Aus Zeitgründen (oder privaten Gründen) sind sie aber nicht mehr aktiv oder nur mehr sehr sporadisch am Redaktionsalltag und der Heftproduktion beteiligt.

Und nun müssen wir uns auch noch schweren Herzens von Ronny verabschieden, einem der letzten, die in den ganzen letzten 25 Jahren durchgehend Teil des ÜS waren. 

Wir wollen durchaus noch weitermachen. Allerdings klappt das nicht ohne eure Unterstützung! Redaktionssitzungen wird es weiterhin geben (jeden 2. Donnerstag im Monat im Fanladen) und wir hoffen auf eure Mitarbeit. Unsere Facebookseite bleibt und hoffentlich gibt es bald auch wieder regelmäßiger den Blog. 

Eure Übersteigers

Selbstkritisches zur 
#134 – der ‘Ultra-Ausgabe’

Ja, haben wir verkackt. Das Thema ist wichtig und richtig, das haben auch die Ereignisse rund ums Derby gezeigt. Aber so halbherzig, wie wir damit umgegangen sind, haben wir der Sache einen Bärendienst erwiesen: Es fiel schwer, mit dem von uns Dargebotenen eine unaufgeregte und konstruktive Auseinandersetzung mit dem Thema anzuschieben. 

Klar, es lag nicht alles in unserer Hand, denn bei der Heftproduktion ging ein bisschen arg viel schief. Doch tatsächlich haben wir nicht die Notbremse gezogen, sondern sind mit der halben Sache erschienen: 
• einem Cover, das unnötig reißerisch daherkam, 
• einem Titelspruch, der Erwartungen weckte, die nicht eingelöst wurden,
• einem Leserbrief, den wir unkommentiert abdruckten, 
• einem Kommentar, der die Brisanz der Ereignisse in Bielefeld schlicht unterschätzte, 
• und einer einordnenden Umrahmung, die völlig fehlte. 

Die Quittung kam prompt und von allen Seiten, wenn auch unterschiedlich differenziert. Den Schuh, dass wir blauäugig und unangemessen eine so gewichtige Thematik angegangen sind, ziehen wir uns an und können uns nur entschuldigen bei allen, die von uns eine gründliche Herangehensweise erwartet hatten. Daher schauen wir im Folgenden nun auf die einzelnen Kritikpunkte, erläutern unsere Intention und nehmen Stellung zu dem einen oder anderen Anwurf. 

Das Cover 

Die Bilder der Derbychoreo der Ultras im Volkspark waren einfach zu gut, um sie nicht zu benutzen. Sie waren schlicht eindrucksvoll. Höchstwahrscheinlich war das auch das Ziel der Choreo. Natürlich wollten wir ein Cover haben, welches Aufmerksamkeit erregt. Der Gedanke, dass uns das Cover als Sensationsgeilheit und Clickbaiting ausgelegt würde, kam uns gar nicht. 

„Wir müssen reden“ war der Titel, mit dem wir kurz vor Layoutende leben konnten. „Wir müssen reden“ war da auch passend, denn wir hatten noch nicht geredet und wollten die Diskussion damit anschieben. Eine Pyrokritik war damit im Übrigen auch nicht beabsichtigt. Was wir uns vorwerfen lassen müssen ist, dass wir mit dem Cover Erwartungen geweckt haben, die wir dann inhaltlich nicht erfüllen konnten. 

Das Vorwort 

Das Vorwort wird, um möglichst aktuell zu sein, i.d.R. immer ganz zum Schluss, am Ende des Layoutvorgangs geschrieben. Aktuell war zu dem Zeitpunkt, dass ein zentraler Beitrag zu USP nicht mehr kommen würde. Wie sind wir also damit umgegangen? Das Thema ganz streichen und innerhalb drei – vier Tagen ein neues Cover und neue Artikel finden? Aufgrund des Zeitmangels und der Layoutsituation nicht wirklich möglich. Heft ganz ausfallen lassen? Wir hatten ja abgesehen von den Beiträgen mit Ultrabezug doch interessante und schöne Artikel und Interviews und es schien nicht akzeptabel, diese aufgrund des verkorksten Ultrathemas zu begraben. Auch ein Herüberretten über die Winterpause wäre ihnen gegenüber nicht gerecht gewesen. Dachten wir. Heute denken wir anders.

Wir beschlossen also, es durchzuziehen und einen einleitenden, einordneten Text dazu zu schreiben. Und dann geschah das nächste Missverständnis. Der einrahmende Text wich einem persönlichen Kommentar von //kurzpass zu ihren Erlebnissen beim Auswärtsspiel in Bielefeld. Das war der Vorwortschreiberin //rakete nur nicht so ganz klar, während //kurzpass wiederum davon ausging, dass das Vorwort die Artikel in den richtigen Rahmen setzen würde. Ihr kennt das. Murphys Gesetz. Wenn es schief läuft, dann richtig. 

Nun also. Das Vorwort. Es ist zu kurz, um dem Thema gerecht zu werden. Es hat versucht, den Wunsch zu erklären, weswegen überhaupt geredet werden müsste. Es hat dazu oberflächlich ein paar Vorkommnisse angerissen. Es hat eins nicht geschafft: bei diesem absoluten Triggerthema sensibel genug ein-zuführen, sodass bei vielen Leser*innen direkt nur eins hängen geblieben ist: Bashing. Auf die angerissenen Vorkommnisse wurde in Kritiken gar nicht eingegangen. Ebenso wenig auf den Wunsch nach Dialog. Aber dazu unten mehr. 

Ultrà Sankt Pauli vs. “die normale Gegengeradenbesucherin” 

Wohl am meisten fehlinterpretiert wurde dieser persönliche Kommentar. Schon der Titel sorgte zu Recht für Verwirrung, denn es schien als wolle die Autorin hier für alle Gegengeradesteher*innen sprechen – und auch noch bestimmen, wer da ‚normal‘ sei. Der Ausdruck kam aber gar nicht von ihr, sondern war ein Zitat von USP (Christian) selber aus der Millernton-Folge 058, in der die Fans der Gegengerade verallgemeinert wurden (und dass man ihrer Meinung zu USP-Aktionen wenig Bedeutung beimäße). Hier wäre wichtig gewesen, das mindestens in einer Fußnote zu verdeutlichen, auch um welche Sendung und bestenfalls um welche Sendeminute es sich handelte. 

Dann kam wohl zu wenig zum Ausdruck, dass es sich NICHT um einen Artikel über die Vorkommnisse AM Bahnhof handelt, sondern einen persönlichen Erfahrungsbericht über die Situation IM Stadion WÄHREND die Lage am Bahnhof vollkommen unklar war, man aber sofort zu blinder Solidarität aufgerufen wurde, und das im Befehlston. Und dass diese Art der Einforderung eben nicht OK ist, wenn sie nur in eine Richtung funktioniert: Es wird von Leuten, deren Meinung einem explizit egal ist, blinde Solidarität eingefordert. Viele lasen daraus einen grundsätzlichen Unwillen, sich zu solidarisieren weil man sich lieber über das Konzert der letzten Woche unterhalten wolle. Das ist schade, wir haben unterschätzt, dass man bei diesem Thema nicht sorgfältig und genau genug formulieren kann und muss, um solche wilden Interpretationen zu vermeiden. Und wie auch beim folgenden Thema fehlte vor allem eine rahmende Einordnung.

Der Leserbrief 

Dieser war im Grunde die Initialzündung, sich des Themas nun doch anzunehmen. Weil wir das für wichtig genug befanden, veröffentlicht zu werden. Wir müssen das aushalten können zu diskutieren, dass es Leute in unserer Ultra-Szene gibt, die sich und ihre Aktionen nicht nur völlig selbstverständlich über die anderer Fans stellen, sondern dies leider auf zwischenmenschlich äußerst rüde Art durchsetzen wollen. Am Leserbrief gibt es eigentlich nix zu mäkeln, es ist ein Leserbrief, der eine persönliche Erfahrung schildert. Nur fehlte auch hier wieder die Einordnung, stattdessen landete er unkommentiert im Heft. 

Der Artikel mit Dieter Bänisch 

Haben wir uns ausreichend Gedanken gemacht, inwiefern D. Bänisch da der passende Gesprächspartner oder Experte für das Thema ist? Wäre nicht der Fanladen oder der neue Geschäftsführer Jugend und Sport richtiger gewesen? Oder der Fanclubsprecherrat? Nun, der Vorteil bei D. Bänisch war ein bestechender: Er hatte keine Neutralitätsverpflichtung und konnte freier reden. Der Fanladen ist ein Schutzraum und darf und soll sich natürlich auch nicht über andere Fangruppierungen äußern. Und D. Bänisch hat als ex-Geschäftsführer immerhin 27 Jahre Erfahrungen mit diversen Fangruppen des FCSP gemacht und schließlich ist der Verein Jugend und Sport e.V. Träger des Fanladens. Doch auch hier wieder: Es fehlte, dass der Artikel kommentiert eingeordnet wurde. 

Fazit 

Ja, wir hatten mit unserem Thema eigentlich den richtigen Riecher (nach dem Derby war wohl der häufigst zu lesende Satz ‚Wir müssen reden‘ und zu unserem Bedauern: Ja, wir haben uns ohne Frage teilweise unprofessionell angestellt. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Übersteiger nun mal zum ganz großen Teil von Menschen bespielt wird, die sich ehrenamtlich neben ihrem Berufs- und Familienleben, neben ihrem Alltag, ihren privaten Problemen, ihren Hobbys, ihrem Gesundheitszustand etc. den Arsch aufreißen um euch trotz aller Hindernisse ein möglichst interessantes Heft zu erarbeiten. Unsere Crew wird stetig kleiner, die Aufgaben darum für die Verbliebenen immer umfangreicher und unübersichtlicher und wir sind ehrlich an einem Punkt, den man kollektives Burnout nennen kann. Das soll aber keine Entschuldigung sein. Fehler wurden gemacht. Punkt. 

Wir hoffen, das passiert uns so nicht nochmal. Wir sind darum froh, dass es außer uns noch andere FC St. Pauli-nahen Medien wie diverse Blogs, Foren, Facebookgruppen, Twitterseiten und besonders den Millernton gibt, die informieren und für einen aktuelleren Austausch sorgen können. Wir maßen uns nicht an, immer und überall meinungsbildend sein zu wollen oder zu können und wir halten uns nicht für das relevanteste Medium im St.Pauli Universum (- obwohl sich dies mit dem Präsi-Zitat im Impressum beißt…), dazu sind wir zurzeit schlichtweg zu wenige. Auch beanspruchen wir für uns nicht, zu beurteilen, was St.Pauli ist und was nicht. Wir fassen den Begriff ‚Aktive St.Pauli Fans‘ sicher auch weiter als manch andere und versuchen deswegen u.a. auch die größere, aber ‚passivere‘ und weniger sicht- und hörbare Fanschaft anzusprechen, und auch zu hören. 

Zum Glück sind wir also nicht allein und wir finden, all die anderen Angebote ergänzen sich zu unserem ganz wunderbar. Wie auch immer es mit uns weitergeht, wir werden weiter versuchen unser Bestes zu geben und auch unbequeme Sachen anzusprechen (und das geschickter anzustellen) und ein Sprachrohr für möglichst viele zu sein. 

In diesem Sinne, 
aufrechte Grüße und bleibt uns wohlgesonnen!


Informieren, Austauschen und Diskutieren

(M)Ein Verein am 04.04. im Ballsaal

Einmal kurz zurück, denn es ist ja schon‘ne Weile her… 

Mi 06.03. Ankündigung Wertediskussionsabends am 04.04. Themen: „Marketing / Sponsoring und Werte“, „Frauen beim FC St. Pauli“ und das Problemfeld „Gewalt rund um den FC St. Pauli“ 

So 10.03. ‚gedrehte Quadrate‘ am Millerntor (Derby) 

Sa 16.03. Sandhausenklatsche 

Do 28.03. Veröffentlichung des Maßnahmenpaketes bzgl. Derby 

Fr 29.03. Duisburg (H) 0:0 

So 31.03. Änderungsankündigung Vereinshomepage zu „(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli“ – Schwerpunkt Derby-Aufarbeitung: 

Der FC St. Pauli und der Fanladen St. Pauli laden […] zu einem Diskussionsabend zum Thema „(M)Ein Verein – die Werte des FC St. Pauli“ […] ein. Entgegen der ursprünglichen Ankündigung und aufgrund der Vorkommnisse rund um das Spiel gegen den Hamburger SV haben die Veranstalter den thematischen Schwerpunkt geändert, da nach dem Derby im Verein und der Fanszene großer Redebedarf besteht. […] Bei der Veranstaltung […] eröffnet Präsident Oke Göttlich mit einem Statement zu den Werten des FC St. Pauli. Anschließend wird Sven Brux […] aus seiner Sicht zu den Vorkommnissen beim Derby Stellung nehmen. Danach wird Justus Peltzer vom Fanladen die Geschehnisse aus Sicht des Fanladens einordnen. Im Anschluss daran ist eine offene Aussprache geplant. […] 

Dreieinhalb Wochen nach dem Derby und eine Woche nach der Veröffentlichung des Maßnahmenpaketes also. Und schon beim Warten bis zur Öffnung um 19:00 Uhr und beim Betreten des Ballsaals wird ziemlich schnell klar, dass der Andrang sehr hoch ist und die Emotionen vielleicht noch nicht gänzlich runtergekühlt sind. Vermeintlich schwierige Voraussetzungen für einen konstruktiven Austausch. 

Da die aufgestellten Stühle beileibe nicht ausreichen, fassen alle mit an, um weitere aufzustellen und letztendlich kann pünktlich begonnen werden. Von unkompliziertem und vor allem gemeinsamem Krisenmanagement (ohne zu murren!) zu sprechen, wäre zwar übertrieben, trotzdem für mich bemerkenswert. 

Im Publikum können Uwe Stöver und Andreas Rettig gesichtet werden. Viele Menschen stehen neben und hinter den Stühlen und selbst am Eingang zum Flur hat sich eine stehende Menschentraube gebildet. Proppevoll also. Oke Göttlich spricht später von ca. 800 Menschen und der Überraschung hinsichtlich dieser hohen Anzahl. 

19:30 Uhr, alles ist bereit. Einleitung, Vorstellung, Ausblick und Rahmen des Abends schon mal absolut TOP. Eine unaufgeregte Präsentation und damit sehr gute Voraussetzungen für diesen relativ nah an den Ereignissen stattfindenden Diskussionsabend. Dazu auch noch kompetent und hochrangig besetzt. Zwei gut platzierte Standmikrofone für Wortmeldungen, die der Reihe nach möglich sind und auch das Reinreichen der Mikrofone ins Publikum ist möglich und wird genutzt. Dazu zwei Gebärdendolmetscherinnen, die prominent vor der kleinen Bühne platziert sind. Was wollen wir mehr?! 

Es geht los 

Nach der Einleitung durch Michi Thomsen und Maleen Schero beginnen die Beiträge und Informationen von Präsidium (Oke Göttlich), Leiter Veranstaltung und Sicherheit (Sven Brux) und Fanladen (Maleen und Justus). Es gibt keine Unterbrechungen und der Input wird sehr interessiert aufgenommen. Im Anschluss an die Darstellung der Geschehnisse aus der jeweiligen Perspektive ist die Runde für Fragen und Wortmeldungen aus dem Publikum eröffnet. Sie werden gesammelt und von Präsi, Fanladen oder Brux beantwortet. 

Der erste freie Wortbeitrag weist darauf hin, dass Pressevertreter im Raum sind, weshalb ja nicht allzu frei gesprochen werden könne – konkret handelt es sich um den Wunsch, diese auszuschließen, dem aber nach kurzer Irritation m.E. verständlicherweise (und einigermaßen begründet) nicht stattgegeben wird. Damit ist dann auch klar, dass es direkt aus dem Inneren der Südtribüne wohl keine Wortmeldungen geben wird. Schade, aber für mich eben auch ein Stück weit verständlich in Zeiten von starker Fanrepression. Wer hat schon Lust, auf eine scheinbar wahllos geführte Liste der Strafverfolgungsbehörden zu kommen?! Der offene Teil der Veranstaltung beginnt… 

Fragen und Beiträge 

Insbesondere am Anfang gibt es ab und an seltsam anmutende Beiträge und für mein Empfinden auch etwas undifferenzierten Quark. Geschenkt. Es ist auch nicht jede*r gewohnt vor 800 Menschen in ein Mikrofon zu sprechen. Einige lassen sich vielleicht im Überschwang der Emotionen das Mikro reichen und teilen dann der Menge ihre Befindlichkeiten mit. Andere haben scheinbar wohlüberlegte (Detail-)Fragen, deren Beantwortung auch versucht wird – mal schlechter und mal besser, aber insgesamt sehr gut. Je länger der Abend, desto unaufgeregter, sachlicher und konstruktiver empfinde ich die Beiträge und Fragen. 

Aber auch aus dem nicht allzu professionell Vorgetragenen kann ich zumindest für mich, durch die direkten Reaktionen im Raum, einiges mitnehmen. So war der Ärger beim Derby wohl tatsächlich nicht komplett gegen die Südtribüne, bzw. USP gerichtet, sondern bezog sich vielmehr auf die Auslöser der zu beobachtenden Geschehnisse. 

Darüber hinaus gibt es Infos, wie z.B., dass das Kartenkontingent von 300 auf 200 Karten reduziert wurde. Hinsichtlich der Dauer äußern sich die Verantwortlichen dahingehend, dass hier die Wiedererlangung von verlorenem Vertrauen im Vordergrund steht. 

Andreas Rettig meldet sich zum Thema Pyro und wie es bislang bei St.Pauli gehandhabt wurde. Die Bemühungen von Vereinsseite haben sich immer auf die gefahrlose und kontrollierte Nutzung konzentriert. Er schließt mit einem kämpferischen Appell an die Anwesenden, den Zusammenhalt zu stärken und die noch vorhandene Chance zum Aufstieg zu nutzen. 

Die Bühnenmenschen haben auf mich einen durchgehend aufgeschlossenen, konzentrierten, informierten und interessierten Eindruck gemacht. Da kam bei mir nicht nur inhaltlich etwas rüber, sondern auch Betroffenheit und Ernsthaftigkeit; ein Dank geht von mir hier insbesondere an das ehrenamtliche und ggf. persönlich haftende Präsidium und die Organisator*innen! 

Abschließend 

Noch lange nach Schluss des Abends wurde viel diskutiert. Neben den neuen Informationen habe ich für mich von der Veranstaltung mitgenommen, 
– dass wir auch bei emotionalen Themen miteinander reden können,
– die Südtribüne und die Vorkommnisse auch von einer breiteren Masse durchaus differenziert gesehen werden, 
– es auf der Veranstaltung einen direkten Austausch mit dem Kern der Südtribüne leider (aus mir aber verständlichen Gründen) nicht gab, 
– das Thema von allen Beteiligten ernst genommen, intern diskutiert und angegangen wird, 
– es ein sehr gutes Format zum Austausch ist, das noch wesentlich länger hätte gehen können. 

Es gab letztendlich für mich kein richtiges Ergebnis, zwar gute und nachvollziehbare Antworten, auch Antworten, die weitere Fragen aufwerfen, aber sehr vieles bleibt bei mir diffus. Letztendlich war dies aus meiner Sicht zwar nur ein erster und unvollständiger, aber ein sehr wichtiger, konstruktiver und guter erster Schritt in die richtige Richtung! 

//ratzfatz

FC Lampedusa – 5 Years FCLSP

FC Lampedusa,  
Happy birthday to me, 
happy birthday to meeeeee, 
happy birthday, happy birthday, 
happy birthday to meeeeeeee! 

5 Jahre! Oops! Alle zu bescheiden, niemand will das abfeiern. Da sitz ich nun: die alte Lampe Dusa. 🙂 
So gar nichts zu sagen, wo ich jetzt doch schon 5 (FÜNF!) Jahre alt bin, finde ich auch irgendwie doof. Wenn man nicht alles selbst macht!

Coaching Crew Meeting am 5. Februar 2019. Chinese New Year. Viel war los 2018, privat bei jeder einzelnen Coaching Crew Lady. Aber auch im Team hatte fast jeder Umbrüche durchlebt. Viele wurden volljährig, ein neues Leben begann, arbeiten, Schule, Ausbildung oder alles gleichzeitig. Dass es eigentlich verboten ist, eine Ausbildung zu machen, gleichzeitig zu arbeiten und die Schulbank zu drücken, interessiert nur große Unternehmen, die einen Betriebsrat haben. Genau die Unternehmen, die erst gar nicht geflüchteten Menschen einen Zugang zu einem Ausbildungsplatz bieten. 60 bis 80 Stunden-Wochen wurden gerockt. Ankommen, sich einbringen, so called ‚Integration‘. Willkommen in Deutschland! 

Keine Zeit für einen gemütlichen Jahresausklang, Silvestersausen oder Neujahrstreffen.

Ein Nikolaus-Saisonabschiedsfreundschaftsspiel gegen SC Hansa von 1911 e.V. im Dezember schloss unser Jahr 2018 ab und unsere Coaching Crew feiert dieses Jahr lieber Chinese New Year. 

2019, neues Jahr, neues Glück, neue Herausforderungen. 2019, im chinesischen Horoskop das Jahr des Schweins. 

Glücksschwein oder ‚haram‘? Sie waren schon immer speziell unsere Ladies. 

Das Bio-Apfel-Schweinchen schmort sich in der Pfanne, sie feiern unser drittes Coaching Crew Baby Luzie und wundern sich, wie schnell doch fünf Jahre vergangen sind. 

5 Jahre! Ca. 200 geflüchtete und migrierte Menschen haben wir kommen und gehen sehen. Wir haben viel geweint und viel gelacht. Und immer waren sie da, diese Frauen, auch wenn es noch so schwierig war. Lange wusste ich nicht, dass sie das in ihrer Freizeit machen. Während ihre Freundinnen irgendwo „das Leben genießen“, sitzen sie zusammen, schmieden neue Pläne, überlegen sich die nächsten Schritte. Dabei haben sie, oder zumindest immer eine, ein offenes Ohr für mich. Egal, ob als Team, als Projekt oder für meine persönlichen Bedürfnisse oder Befindlichkeiten. Manchmal waren sie auch einfach nur der ‚donkey‘ oder die Wäschewäscherin. 

Keine Ahnung, was diese Ladies antreibt. Sie haben den ‚boys‘ und ‚Burschen‘ viel beigebracht, manchmal waren sie Trainerinnen, manchmal Mami oder Papi oder auch ‚Frau Sowieso‘. Fußball ist ihr Hobby und das der Spieler. Fußball kennt für sie keinerlei Grenzen, auch sprachlich nicht. ‚We speak football‘. Eine ganz eigene Sprache haben wir entwickelt in den letzten fünf Jahren. Wir ziehen uns in Zimmer 3 um, alle anderen Turnierteilnehmenden sitzen in ihren Kabinen. Wir sind alle Alabana! Und wir haben Grenzen getestet. Ein großes Highlight war, 2015 das Land zu verlassen und in die Schweiz zu fahren. Was haben wir geschwitzt an der Grenze! Und als wir es alle geschafft hatten, ‚einzureisen‘, gab es kein Halten mehr. Sicherlich einer unserer ersten Höhepunkte! Ein Jahr später dachten wir, wir testen das Ganze mal auf dem Luftweg. Cool. Fuhlsbüttel, eine Stunde später holen uns meine Freund*innen vom Flughafen Zürich ab. Niemand kann glauben, dass wir tatsächlich da sind. Wir selbst am wenigsten. 

2016 wird uns unser trashiger, aber umso mehr geliebter Fußballplatz genommen. Das ‚Projekt‘ steht kurz vor dem Aus. Ich, der FC Lampedusa Hamburg, erinnere mich noch ganz genau, wie verzweifelt die Coaching Crew im Backboard sitzt und genau weiß, sie brauchen JETZT eine zündende Idee. Diverse Bierchen später realisieren sie in ihrer St. Pauli Hood, dass es nur eine einzige Möglichkeit gibt: wir lassen uns adoptieren, wir geben uns zur Adoption frei. Wir kennen auch unsere Wunscheltern schon: Papa Sankt und Mama Pauli, den FC bringen wir selbst mit. Die ersten Gespräche mit dem FC St. Pauli finden statt, und ich habe von Anfang an ein sehr gutes Gefühl. Oke nimmt mich in den Arm. Er strahlt Wärme aus und ich fühle mich sofort wohl, zuhause und aufgehoben, da am Millerntor. Da wo alles anfing, wo mich die Ultras als ich noch im ‚Kirchen-Asyl‘ war, Tag und Nacht beschützten, da wo meine Coaching Crew herkommt. Die Ladies, die vor Jahrzehnten Fußball für alle, gefälligst auch für Frauen durchsetzten und hartnäckig und ‚penetrant‘ immer am Ball blieben. Fußballsachverstand! Sie haben bei uns von Anfang an zu verstehen gegeben, dass eigentlich nur Frauen Fußball spielen können. Messi hin, Ronaldo her. Die 7 und die 10 haben sie aus dem Trikotsatz verbannt. Bewusst! Fußball braucht keine Stars. Gewinnen tun wir nur gemeinsam und Mann kann auch mal ganz gockelbefreit den Ball abgeben. Easy! 

September 2016, ein paar Monate später in Barcelona – ja, wir haben einen Preis gewonnen – sehen wir es mit eigenen Augen beim Training des FC Barcelona, warum diese Frauen in der Champions League spielen. Großartig. Niemand vermisst das Männerteam. 

We made it. 

Wer hätte das gedacht? Wir schaffen es tatsächlich mit 11 Spielern und drei Ladies aus der Coaching Crew nach Barcelona zu fliegen, zum City to City Award des FAD. Ada Colau, die Bürgermeisterin von Barcelona überreicht uns den Preis. Der FC Barcelona bucht unsere Flugtickets. 

FC Lampedusa goes Champions League 

Wir genießen jeden Moment in vollen Zügen und lieben es, dass die ganze Stadt gelb-rot geflaggt ist, wie unseren gelb-rot-gestreiften Trikots. 🙂

Wäre da nur nicht das Drama kurz vor der Preisverleihung, als wir erfahren, dass einer unserer Spieler auf der Ausländerbehörde direkt in Handschellen als Nummer 5 im nagelneuen Hamburger Flughafen-Abschiebeknast zwangseingecheckt wurde. Das war der Abend, an dem ich die Coaches das erste Mal in aller Öffentlichkeit weinen sah. Wie sie da standen, in ihren Abendkleidern und das Make-up den Tränen wich. Da dachte ich, besser kann man uns, den FC Lampedusa St. Pauli eigentlich nicht auf den Punkt bringen. Gerade noch voller Freude, völlig zu Recht einen Preis für großartige Arbeit zu gewinnen und gleichzeitig einen Spieler zu verlieren. 

Wir hatten das halbe Jahr davor schon genug Kummer. Ständig mussten wir uns von Spielern verabschieden, von Freunden, Geschwistern. Manchmal wurden sie einfach mitten in der Nacht abgeholt, ohne dass wir ‚Tschüss‘ sagen konnten. Tapfer standen sie dann immer da, unsere Coaches und teilten uns mit, was passiert war. Sie wollten uns allen ein bisschen die Angst nehmen, davor, wer wohl die nächsten sein könnten. Ich habe mich oft gefragt, woher sie eigentlich die Energie nehmen. Wenn wir dann auf Turnieren unsere befreundeten Teams treffen und abends mit deren Coaches rumhängen, wirken sie sehr entspannt und man sieht, dass ihnen das anscheinend auch Kraft gibt. Kraft, nicht alleine zu kämpfen, Freund*innen zu haben, Freund*innen mit roten Sternen oder auch ohne. Und wenn sie mit uns allen im Fanladen sind, der uns auch so krass unterstützt hat in all den Jahren. Da merkt man, dass ihr Zuhause nicht an einen Ort gebunden ist, sondern an Menschen. Und da haben wir ganz viele um uns herum, die uns unterstützen, die wir schätzen und mit denen wir gemeinsam lachen und versuchen die Welt jeden Tag, ein büschen besser zu machen. Sei es bei Bauarbeiten in unserem Museum, wo wir auch gerne öfter mal den Brandalarm auslösen oder auch mal auf Rauten-Decken in Flensburg schlafen und morgens Kaffee aus HSV-Bechern trinken, mit Freund*innen, die erst politisch denken, bevor sie Fan von irgendeinem Club sind. 

Dieses Jahr haben wir uns aber schön mit unseren Totenkopfdecken in Tonis Haus in Flensburg zugedeckt. Einem Geschenk des Fanshops. 

Es ist kein Zufall, dass wir, der FC Lampedusa St. Pauli vor dem Derby Geburtstag haben. Ich glaube, das bringt Glück und ich glaube auch, dass wir dieses Jahr ein Schweineglück haben werden. In jeglicher Hinsicht.

Aber Grenzen müssen wir schon selber wegkicken, das wird uns niemand abnehmen. Leider. 

Danke allen, die uns unterstützt haben und immer bei uns sind. Danke Fanladen, danke FCSP, danke allen Freund*innen mit dem Herz an der richtigen Stelle. 

We fucking love you! Deine alte Lampe Dusa!


Neues von den Alten

Winterzeit ist Wechselzeit – so naturgemäß auch in dieser wechsel-affinen Transferperiode. Zu ALEXANDER „ALEX“ MEIER (36) beispielsweise, der in der Winterpause zu uns stieß (von 2001 bis 2003 bereits beim FC St. Pauli) und zuvor bei Eintracht Frankfurt nach fast eineinhalb Jahrzehnten dort ausgemustert wurde, anschließend ein halbes Jahr ohne einen Arbeitgeber in der Jobwelt umhergeisterte, muss nicht wirklich mehr viel gesagt werden. Allein der Umstand, dass es in der Hessenmetropole ob seines Abgangs seinerzeit eine kleine Demo gab, spricht ja schon Bände. Warum DIETMAR DEMUTH (64) Ende Dezember beim Fünftligisten Sachsen Leipzig nach knapp drei Jahren Trainertätigkeit seine Papiere bekam, wissen wir auch: Der Ex-Regionalligist büßte seinerzeit nach sechs sieglosen Partien die Tabellenführung der Oberliga Süd ein, und die Vereinsführung war „absolut unzufrieden“ mit dieser Entwicklung. Heißt: und tschüs! Wieder in Amt und Würden war hingegen – zumindest für ein paar Wochen – der 62-jährige JOSEF „SEPPO“ EICHKORN, der von Januar an bei Schalke 04 als zweiter Co-Trainer von Domenico Tedesco fungierte. Dann wurde Tedesco bekanntlich Mitte März entlassen, und Eichkorn übernahm wieder seine ehemalige Funktion als Chefscout der Knappen. Im Zuge dieser Rochade wurde GERALD ASAMOAH (40) dort zum Teammanager befördert. Als Trainerassistent ist PATRICK MÖLZL(38) eingestiegen: seit Ende Februar unterstützt er bei Dynamo Dresden Chefcoach Cristian Fiel, mit dem er gemeinsam die Ausbildung zum Fußballlehrer absolviert hatte. Mölzl war zuletzt von April 2017 bis April 2018 Cheftrainer bei Wacker Burghausen. Neben Mölzl und Fiel nahm übrigens auch ARNE BAREZ (41) erfolgreich am 65. Fußball-Lehrer-Lehrgang teil, der bis Sommer 1997 in St. Paulis Jugend und unserer U23 aktiv war und aktuell die U17 Preußen Münsters als Chefcoach betreut. Wieder gut im Geschäft sind seit Jahresbeginn FABIAN BOLL (39) und MARIUS EBBERS (41), die beim inzwischen wieder aufstiegsambitionierten Hamburger Oberligisten SC Victoria das Zepter schwingen. Boll, der erst im Dezember beim Ligakonkurrenten SC Condor als Co-Trainer entlassen worden war, als Cheftrainer; Ebbers, der schon bis Mitte 2018 zunächst als Spieler und dann als Co-Trainer an der Hoheluft auffällig geworden war, als dessen Assistent. Die Verträge sollen bis 2020 Gültigkeit besitzen. Bolls vormaliger Chef bei Condor, der 40-jährige „Schlag den Raab“-Gewinner OLUFEMI SMITH, ist seit April ebenfalls wieder im Rennen: Im Zuge der Entlassung Dirk Heynes beim abstiegsbedrohten Regionalligisten Eintracht Norderstedt wurde er zum Assistenten von Neutrainer Jens Martens bestellt; ebenso wie Norderstedts Linksverteidiger JAN-PHILIPP ROSE (33) übrigens, der seine Buffer von 2002 bis 2006 für die Braunweißen (Jugend und U23) geschnürt hatte, und zur Not auch weiterhin als Spieler zur Verfügung stehen soll. Auch der 60-jährige NORBERT MEIER saß kurzzeitig wieder auf der Trainerbank: vom 3. Februar bis zum 15. März coachte er den Drittligisten KFC Uerdingen, der zwar deutliche Ambitionen nach oben hatte, aber seit geraumer Zeit unter Coach Stefan Krämer und auch mit den Ex-St.-Paulianern DENNIS DAUBEund MAURICE LITKA deutlich schwächelt(e). Das änderte sich allerdings auch unter Meier nicht, und nach sieben nicht gewonnenen Ligapartien am Stück (davon vier Niederlagen) war auch für ihn Feierabend in Krefeld. Auch der SV Darmstadt 98 zeigte sich zuletzt nicht von seiner stärksten Seite, entließ darum Übungsleiter Dirk Schuster und beförderte in diesem Zusammenhang CARSTEN WEHLMANN (46), der gerade erst im September von Holstein Kiel als Sportkoordinator an den Darmbach gewechselt war, zum Sportlichen Leiter. Theoretisch hätte auch JAN KOCIAN (61) neuer Trainer in Darmstadt werden können, denn der hatte zuvor das Amt als Nationaltrainer des Jemen, das er vom November an innehatte, bereits nach zweieinhalb Monaten wieder abgegeben – ohne jemals den Fuß in das Bürgerkriegsland gesetzt zu haben. Kocian hatte den Job lediglich für die Vorbereitung auf und die Teilnahme am Asiencup in Katar übernommen. In dieser Winterpause verlassen bzw. teilzeitverlassen haben uns bekanntlich diese Akteure: CLEMENS „SCHOPPE“ SCHOPPENHAUER (27), der bei seinem neuen Verein VfR Aalen auch gleich zum Kapitän ernannt wurde – und dort auf Neuzugang PETAR SLISKOVIC (28 / von Viktoria Berlin) traf. Auch BERND NEHRIG wird uns irgendwie fehlen. Der 32-Jährige wollte den Drittligisten Eintracht Braunschweig beim Unternehmen Klassenerhalt unterstützen und unterschrieb deshalb in der Winterpause gleich einen Vertrag bis 2021 – ist nun allerdings seit Mitte April wegen Achillessehnenverletzung bis Saisonende außer Gefecht. Flügelflitzer CENK SAHIN (24) ist hingegen (zunächst) nur ausgeliehen und möchte St. Paulis Liga-konkurrenten SV Ingolstadt dabei helfen, den Abstieg zu vermeiden. Auch Keeper PHILIPP TSCHAUNER (33), der bis Jahresende noch bei Hannover 96 aktiv war, heuerte zum Jahreswechsel bei den Oberbayern an. Auf Leihbasis soll der gebürtige Schwabacher den Kasten des Zweitligisten möglichst sauber halten. Ein großer Abstieg muss der Wechsel von einem Zweitligisten zu einem anderen Zweitligisten erst einmal formal nicht sein. Wenn es allerdings von einem deutschen Zweitligaklub zu einem chinesischen Unterhaus-Protagonisten geht, wird man schon stutzig. RICHARD SUKUTA-PASU (28) hat diesen Schritt im Februar unternommen und sich vom MSV Duisburg zu den Guangdong Southern Tigers transferieren lassen. Wegen des coolen Namens wird „Richy“, der in den vergangenen neun Jahren bei zehn verschiedenen Vereinen in vier Ländern gespielt hat, den Wechsel sicherlich nicht vollzogen haben. Apropos coole Namen: zum SV Rot-Weiss Trinwillershagen wechselte im Januar CLEMENS LANGE (32), der bis dahin bei Dynamo Schwerin angestellt war. Allerdings hat sich die Offensivkraft bei der dortigen Ü-35-Elf angemeldet, und nur wenn „Not am Mann ist“, kann sich Lange einen Einsatz in der 1. Mannschaft des Mecklenburg-Vorpommerschen Achtligisten vorstellen. Nur eine Liga höher ist inzwischen JEREMY OPOKU-KARIKARI (31) gelandet. Vom Hamburger Oberligisten TuS Dassendorf wechselte der Abwehrmann in der Winterpause – mutmaßlich hauptberuflich bedingt – zum Osnabrücker Bezirksliga-Aufsteiger SV Hellern. Ein bisschen aus den Augen verloren hatte ich zuletzt JACOB RASMUSSEN (21), ARMANDO COOPER (31) und MAHIR SAGLIK (36). Hier das Update: Rasmussen wechselte im Januar für sieben Millionen Euro Ablösesumme (!) vom FC Empoli zum AC Florenz, wurde aber zunächst gleich bis zum Saisonende an Empoli ausgeliehen. Cooper durchlebte seit 2017 diese Stationen: Toronto FC, Club Universidad de Chile, Dynamo Bukarest und ist aktuell im Januar beim israelischen Erstligisten Maccabi Petah Tikva untergekommen. Ein paar Staffeln tiefer kickt nun Stürmer Saglik, der seit Jahresbeginn für den hessischen Fünftligisten KSV Hessen Kassel gegen den Ball tritt. Noch bis Ende November stand der gebürtige Paderborner beim türkischen Drittligisten Eyüpspor unter Vertrag, war seither aber vereinslos. Nun nicht mehr ohne Klub ist der 32-jährige MICHAEL GÖRLITZ, da er seit Ende Januar beim SC 04 Schwabach (sechstklassige Landesliga Nord-Ost in Bayern) mitkickt. Bis dahin hatte sich Görlitz beim SV Wacker Burghausen fitgehalten. Fest steht aber auch schon, dass Görlitz im Sommer zum ASV Neumarkt (zum Redaktionsschluss noch Bayernliga Nord) wechseln wird. Vom Regionalligisten Eintracht Norderstedt zum Zweitligisten SC Paderborn (Vertrag bis Juni 2021) zog es im Januar FELIX DRINKUTH. Gleichwohl liehen die Ostwestfalen den 24-Jährigen Allrounder bis Saisonschluss umgehend an die Sportfreunde Lotte (3. Liga) aus. Ende Januar Lotte verlassen hat hingegen DENNIS ROSIN (22), den es zum Regionalligisten SV Elversberg zog. Weiterhin erstklassig wird MARC RZATKOWSKI (29) am Start sein, zumal der in Bochum geborene Wirbelwind, nach vorheriger Ausleihe durch RB Salzburg an die New York Red Bulls, nun fest vom MLS-Klub verpflichtet wurde. Nicht MLS, sondern PEC heißt die neue Heimat des 27-jährigen LENNART THY. Nachdem Thys Kontrakt mit dem türkischen Erstligisten Büyüksehir Belediye Erzurumspor nach nur fünf Monaten im Dezember betreits wider aufgelöst wurde, schloss sich der Offensivmann Mitte Januar dem abstiegsbedrohten Erstdivisionär PEC Zwolle in den Niederlanden an. Die Liga, die Thy nun bereichern will, wurde für St. Paulis ehemaliges U23-Talent CHRISTOPHER BRAUN (27) allerdings zur Sackgasse. Zum Jahreswechsel schied der gebürtige Hamburger beim Aufsteiger Fortuna Sittard aus und unterschrieb dafür beim griechischen Abstiegskandidaten OFI Kreta der dortigen Beletage bis 2020. Nicht Kreta, sondern Mallorca hieß das Ziel von ANTE BUDIMIR (27), der seit Mitte Januar und bis zum Saisonende vom italienischen Zweitligisten FC Crotone an Spaniens Zweitligisten Real (RCD) Mallorca ausgeliehen wurde. Zwote Liga hat einstmals auch GÖKHAN ISCAN gekickt, nämlich eine Spielzeit bei Altay Izmir in der Türkei, nachdem er St. Paulis U23 2008 nach zwei Jahren verlassen hatte. Jetzt im Winter wechselte der 31-Jährige innerhalb der Hamburger Oberliga vom SC Condor zum SV Curslack-Neuengamme. In der gleichen Staffel landete mit KERIM CAROLUS (24) zum 1. Februar ein weiterer Ex-U23-Spieler St. Paulis: nach gut einem halben Jahr Vereinslosigkeit (USA-Aufenthalt) verpflichtete ihn TuS Dassendorf. Nach Hamburg zurück kehrt ERDOGAN PINI (27), dereinst mein Lieblingsakteur bei St. Paulis U23, weil er nach zwei Spielzeiten den Viertligisten SV Drochtersen-Assel verlassen und sich zur neuen Saison Hamburgs Oberligisten Altona 93 anschließen wird – ob Pini dann weiterhin in der vierten oder nur in der fünften Liga aufläuft, wird der weitere Saisonverlauf der West-Hamburger entscheiden. Auch die zukünftige Ligazugehörigkeit von NICO EMPEN (23) und JOEL KELLER (24) steht momentan noch in den Sternen. Klar war bei Redaktionsschluss nur: beide müssen Drochtersens Ligakonkurenten SC Weiche Flensburg 08 zum Saisonende verlassen. Den Verein verlassen – und zwar nach immerhin 12 Jahren – muss auch der 50-jährige HARALD GÄRTNER. Mit sofortiger Wirkung trennten sich Ende März die gemeinsamen Wege des im Abstiegsstrudel befindlichen Zweitligisten FC Ingolstadt und dessen Geschäftsführer wegen unterschiedlicher Auffassungen über die „Ausrichtung des Vereins für die Zukunft“. Eine solche sieht für ROBERT PALIKUCA vielleicht nicht rosig, aber immerhin doch anders aus. Seit dem 15. April nämlich arbeitet der 40-Jährige, der von 2004 bis 2006 am Millerntor als Defensiver am Start gewesen war, als neuer Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg und hatte dafür seinen Posten beim (Noch-)Ligakonkurrenten Fortuna Düsseldorf als Manager der Lizenzmannschaft aufgegeben. Palikuca wolle „nach 13 Jahren bei Fortuna … eine neue Herausforderung annehmen.“ Eine solche muss sich zur neuen Saison auch VfL Wolfsburgs aktueller Co-Coach OLAF JANSSEN (52) suchen, denn beim Erstligisten wird dessen Tätigkeit nicht über das Saisonende hinausgehen. Ebenso wie Chefrainer Bruno Labbadia wird Janßen seinen Vertrag bei den Niedersachsen nicht verlängern. Bereits zum April-Beginn schied beim FC Ingolstadt Individualtrainer FABIAN GERBER (39) aus, der im Schlepptau des bis dahin amtierenden Cheftrainers Jens Keller aus dem Klub gekickt wurde. Im Trainermilieu tummelt sich seit 2015 auch St. Paulis ehemaliger U23-Kicker (2006-2007) SVEN TEPSIC (37), der nun als DFB-B-Lizenzler, zur neuen Saison 2019/20, beim Hamburger Bezirksligisten TBS Pinneberg als Chefcoach anheuerte. Eine solche alleinige Chefposition will sicherlich auch RALPH GUNESCH (35) einmal einnehmen, der Anfang April erfolgreich die Prüfung für die Trainer-A-Lizenz abgelegt hatte und bereits ein paar Tage darauf, neben Sabrina Wittmann und Fabian Reichler, zum Übungsleiter für die U19 des FC Ingolstadt 04 ernannt wurde. Der Chronistenpflicht gerecht werdend sei hier abschließend ad 1 an den anstehenden Wechsel des 23-jährigen JEREMY DUDZIAK zum Hamburger SV erinnert (Drecks-Transparent in Kiel!) und ad 2 an die umfänglichen jüngsten Veränderungen auf Funktionsebene: Cheftrainer MARKUS KAUCZINSKI (49) ebenso weg, wie Sportchef UWE STÖVER (52), dafür JOS LUKUHAY (55) als Cheftrainer neu im Team, und unser kaufmännischer Geschäftsleiter ANDREAS RETTIG (56), der zum 30. September „aus persönlichen Gründen“ den Verein verlässt, wird bis Saisonende Stövers Job „interimistisch“ mitübernehmen. 

In eigener Sache: Mit der heutigen Ausgabe beende ich als Gründungsmitglied aus familiären und beruflichen Gründen meine ÜS-Mitarbeit nach fast 26 Jahren. Diese Rubrik werdet ihr zukünftig auf der Homepage der MillernTon-Macher lesen können, weil ich diese dort ohne festen Redaktionsschluss und somit ohne Termindruck publizieren kann. Tschüs! 

//Ronny
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