Übersteiger 110

Vorwort

Da isser, euer Übersteiger 110. Da es auch der erste Übersteiger nach der Winterpause ist, kommen wir erst jetzt dazu, der guten alten Gegengeraden zu ihrem neuen Gewand zu gratulieren. Das ist echt ein fettes Ding geworden! Hoffen wir mal, dass sich das auch im Support bemerkbar macht.

Sportlich befinden wir uns ja gerade in einer, sagen wir mal: durchwachsenen Phase. Dazu kommt, dass das letzte Drittel der Tabelle schön kuschelig beieinander hockt und so der Relegationsplatz nicht so recht aus dem unmittelbaren Blickfeld rutschen will. Gegen den FSV aus Frankfurt gab es die richtige Reaktion: Willkommen im Abschießkampf! Mit dem dann verdienten Quentchen Glück klappt es auch in Aalen mit einem Dreier.

Heute also Regensburg vor der Brust und den Übersteiger in der Hosentasche. Wir können euch nicht sagen, was das Spiel bringen wird, was im Übersteiger steht, hingegen schon. Neben altbewährtem wie „Neues von den Alten“, die Mittelseite und Statistiken haben wir uns Gedanken zum Sicherheitspapier gemacht, es gibt einen Text über die 2. Damen der Handballerinnen und die Braun-weisse Hilfe stellt sich vor. Nachdem wir jüngst die Ehre hatten, deren Fanzine ein Interview geben zu dürfen, haben sie heute Platz bei uns im Heft genommen: Yorkshire St.Pauli (YSP). Ferner gedenken wir Herbert Müller.

Frodo, den viele als unseren Blogschreiber kennen, hat nach langem quengeln eine eigene Kategorie bekommen. Er schreibt nun Tagebuch und wir alle dürfen mitlesen.

Eure Übersteigers


Endlich wieder sicher ins Stadion?

Endlich wieder sicher ins Stadion?

Die Aufregung rund um das im letzten Quartal 2012 von der DFL/ DFB erarbeitete „Papier für ein sicheres Stadionerlebnis“ war groß. Auch ein Vertreter unseres Vereins mischte anfangs mit. Auf Druck der Innenminister (und nach Aussage der Vertreter der DFL war das der entscheidende auslösende Faktor) wurde in kürzester Zeit ein Repressionspapier gestrickt, welches sich selbstredend den Unmut der aktiven Fanszenen zuzog. 

Die Innenminister des Landes haben ein Problem. Gerne würden sie alles und jeden in diesem Lande kontrollieren. Was in der Regel durch unseren heutzutage weichgespülten, gleichgeschalteten und überwiegend protestlosen Bevölkerungsanteil ganz gut funktioniert, klappt beim Fußball so mal gar nicht. Mit den Ultras und deren Umfeld hat sich in den letzten Jahren doch eine ziemlich unangepasste Szene junger Leute entwickelt, die neben einen großen Zulauf auch noch eine im Ernstfall gute Vernetzung zu verzeichnen hat. Im Gegensatz zu unorganisierten Fanszenen früherer Zeiten sind diese Gruppierungen nicht nur in den Stadien omipräsent, sondern entwickeln auch außerhalb der Spiele ein enormes Aktivitätspotential. Sie betätigen sich politisch und sozial durch Teilnahmen an Demos, durch Öffentlichkeitsarbeit, in sozialen Netzwerken und organisieren finanzielle und tatkräftige Hilfestellungen. Ein voll umfassendes und sachlich gutes Bild vermittelt das Buch „Ultras im Abseits“, welches ich jedem als seriöse Informationsquelle empfehle. 

Hier nur ganz kurz die Frage:Wo liegt dann eigentlich das Problem? Gegenüber vergangenen Zeiten, das weiß jeder aktive und reisende Fußballfan, ist das allgemeine Gewaltproblem (Ausnahmen wird es natürlich immer wieder geben), der Rassismus und die Diskriminierung in den Stadien erheblich zurückgegangen.Die Stimmung (optisch wie akustisch) hat sich mitunter verbessert. Auch wenn einige gelegentlich meinen, dass früher alles besser war- vielleicht anders, aber nicht unbedingt besser. In unzähligen Reportagen, Berichten und Interviews wurde zwar von bestimmter Seite (z.B. Polizeigewerkschaft, DFL, Politikern) immer wieder ein Bild der Gewalt gezeichnet, aber Belege dafür fehlten gänzlich. Letztendlich reduzierten sich alle Kommentare und dazugehörige bewegte Bilder mehr oder weniger auf den Einsatz von Pyrotechnik. Immerhin haben einige Medien erkannt, dass eine ausschließlich reißerische und verzerrte Darstellung der Problematik im Sinn der Polizei und DFL nicht zielführend ist. Vertreter der aktiven Fanszenen und Bündnisse positionieren sich in der Öffentlichkeit zunehmend sachlich und eloquent. Sie und Experten wie Prof. Feltes von der Ruhr Universität Bochum korrigieren die zunehmend unsachlichen Beiträge mit Fakten und Zahlen (z.B. durch die Analyse von undurchsichtigen Polizeistatistiken) und finden Gehör.


Der Vater kann also nicht mehr 
mit seinem Kind ohne Angst
ins Stadion gehen?

So gibt es pro Spieltag z.B. im Schnitt nur 1,37 Verletzte. Bei rund einer halben Millionen Zuschauern in Liga 1 und 2. In der Statistik erfasst werden überdies auch Verletzte durch den Einsatz von Pfefferspray der Polizei sowie auch solche, die nur „ausgerutscht“ sind. Das die Quote weit unter jeder anderen Großveranstaltung wie dem Hamburger Hafengeburtstag oder dem Münchener Oktoberfest angesiedelt ist, liegt auf der Hand. Der Vater kann also nicht mehr mit seinem Kind ohne Angst ins Stadion gehen? Lächerlich und absurd. Ehrlich! Fakt ist doch: So sicher, wie in der heutigen Zeit ist der Weg zum und vom Stadion und die Situation im Stadion seit rund 25 Jahren nicht mehr. So lange jemand nicht gerade den Streit und die Gefahr sucht, bleibt er im Normalfall völlig unbehelligt. So mal stark vereinfacht zusammengefasst. Was bleibt ist die Diskussion über die Anwendung der Pyrotechnik. 

Das spaltet die Fans. Denn der völlige Normalo oder Gelegenheitsfan, interessiert die Fankultur im allgemeinen herzlich wenig (auch, wenn er die ein oder andere Choreo supi findet) und lässt sich dadurch (manipuliert durch einseitige Meinungsmache) von den Vereinen und der DFL vor den Karren spannen. Auch, wenn er noch nie in einem Fanblock gestanden und meistens rund 50- 100 Meter vom Geschehen entfernt sein Fan da sein frönt. Anmerkung: Ich rede hier jetzt selbstverständlich von einem halbwegs sachgemäßen Umgang mit Pyro. Das Werfen, der Einsatz von Böllern oder Abschießen von Raketen usw. gehört aus meiner Sicht nicht dazu! Es war ganz offensichtlich, dass mit den Diskussionen und dem dazugehörigen Fokus auf die Pyrotechnik (= Gewalt) und der medialen Verbreitung rund um das Sicherheitspapier ein Keil zwischen den aktiven Fanszenen und der, sagen wir mal, anderen Kundschaft getrieben werden sollte. Wie wir jetzt wissen, ist wenigstens dieses nicht gelungen. Zumindest nur in Einzelfällen. 

Das Papier

Das Sicherheitspapier an sich besitzt also nur eine einzige Zielgruppe: Die Ultras und als kollektive Nebenwirkung all diejenigen, die in den Kurven zu Hause und insbesondere Auswärts dabei sind. Die wichtigsten Punkte aus diesem Papier sind neben zahlreichen organisatorischen Maßnahmen, wie verstärkter Videoüberwachung, „verbesserte“ Ordnerdienste oder intensivere Vorbereitungen mit den Verantwortlichen hauptsächlich: die Möglichkeit von Körpervollkontrollen oder von einer normalen Kontrolle abweichenden Umfang, insbesondere bei Risikospielen. Die Entscheidung darüber liegt zwar bei den Vereinen selbst. Das Thema wird aber durch das Sicherheitspapier präsenter und legitimierter gemacht. Angewandt wurden derartige Kontrollen auch schon in der Vergangenheit des Öfteren. 
Die Begrenzung der Anzahl von Steh- und Sitzplatzkontingenten bei so genannten Risikospielen (ein wesentlicher, wenn nicht gar der Punkt überhaupt), Verbot des Mitführens von Gegenständen, die dazu bestimmt sind, die Feststellung der Identität einer Person zu verhindern. In der Begründung wird zwar aufgeführt, dass es sich um Sturmhauben und ähnliche Dinge handelt. Im Richtlinientext finden sich aber keine Hinweise, welche Dinge denn nun konkret gemeint sind. Das können dann auch im Zweifelsfall Schals, Mützen und Fahnen sein.

Es gibt zum verabschiedeten Stand des Sicherheitspapiers zu fast allen Punkten Protokollerklärungen, die das Ganze ziemlich unübersichtlich gestalten. Wer Lust hat, kann sich das Papier bei Bundesliga.de ergooglen und gern mal durcharbeiten.

Insbesondere das ziemlich willkürliche erklären von Begegnungen zu Risikospielen und damit zu entsprechenden fanfeindlichen Maßnahmen ist unabhängig vom aktuellen Sicherheitspapier ein Thema, welches nicht aus den Augen verloren werden darf.

Gestrichen wurde der Passus über die Einführung eines Fankodex. Sowieso unabhängig von allem verboten bleibt der Einsatz von Pyrotechnik. Da viele Formulierungen bewusst schwammig formuliert wurden, gibt es einen (bewussten) Spielraum allein schon beim Verständnis der einzelnen Punkte bzw. wird die Umsetzung zur Auslegungssache. Zusätzlich werden weite Teile der Verantwortung in die Hände der Vereine gelegt. Damit ist nichts klar geregelt. Kann gut, aber auch schlecht für uns Fans sein. Immerhin besteht so die Möglichkeit sich mit dem eigenen Verein oder gezielt dem Gastverein anzulegen.

Interessant zu Beobachten war auch, welcher Verein welche Schlüsse aus dem Papier gezogen hat. Wo die Fanbeauftragten Angestellte des Vereins sind (z.B. in Dortmund) oder die Fanvertretungen verdammt vereinsnah organisiert sind (z.B. auf Schalke) fanden die Fanvertretungen die Inhalte gar nicht so schlimm, die Vereinsverantwortlichen sowieso gut oder gab es außerhalb der Ultraszene schlicht keine Kommentare. Das war aber bei vielen anderen Vereinen, z.B. bei unserem Nachbarn hsv (sowieso eine treibende Kraft in den Fanvereinigungen) oder bei uns gottlob anders.

Es gibt auch diverse Stellungnahmen oder Erklärungen von den Vereinen dazu. U.a. haben die Fanbeauftragten von Borussia Dortmund einen umfänglichen Kommentar erarbeitet, der auch von unserem Sicherheitsbeauftragten Sven Brux gelobt wurde. Bei der persönlichen Meinungsbildung sollte man allerdings darauf achten, dass die beiden Angestellte des Vereins sind und somit natürlich eine ggf. eigenwillige Auslegung der Auswirkungen auf den Fan vorgenommen haben.

Die Fanproteste

Vor der entscheidenden Sitzung der DFL im Dezember organisierten die aktiven Fanszenen einen Vereins übergreifenden Protest. Die so genannten 12:12 Aktionen: 12 Minuten schweigen. Das Online Fanmagazin schwatzgelb schreibt dazu:

Die bundesweiten 12:12-Aktionen waren in vielerlei Hinsicht ein Erfolg. Fußballfans aus ganz Deutschland und von unterschiedlichster Coleur haben es geschafft, zusammen für die eigenen Interessen einzustehen. Sie haben sich der breiten Öffentlichkeit als eine kritische und mündige Gruppe präsentiert, deren Belange es zu berücksichtigen gilt. Nie war das Bild von Fußballanhängern in den Medien positiver besetzt als in diesen Tagen. Auch weil die persönlichen Differenzen unter den Gruppen dem gemeinsamen Ziel untergeordnet wurden. Der Protest war so stark, dass die DFL mit dem verbindlichen Fankodex „von oben” (inklusive Kollektivstrafen für Fanlcubs), der Erhöhung der maximalen Stadionverbotsdauer auf zehn Jahre und der Weitergabe polizeilicher Ermittlungen an die Vereine bereits im Vorfeld ihrer Mitgliederversammlung einige kritische Punkte entfernt hat. Ohne 12:12 wäre am Mittwoch wahrscheinlich der erste Entwurf des „Sicheren Stadionerlebnisses” von den Vereinen verabschiedet worden – nicht auszudenken!

Richtiger Protest sieht zwar aus meiner Sicht etwas anders aus, aber immerhin war es in fast allen Arenen Deutschlands bis hinunter in die 4. oder 5. Liga 12 Minuten lang (erstaunlich) gespenstisch leise. Mehr ist wohl aus zweierlei Gründen auch nicht drin: 1. Die Ultras feiern sich zu gerne alleine und halten länger als 12 Minuten selbst nicht durch und 2. wäre vor allen Dingen der Rest der Besucher kaum mehr als 12 Minuten unter Kontrolle zu bekommen gewesen. Trotzdem war die Stille dermaßen beeindruckt (man bekomme erst einmal 80.00 Zuschauer wie in Dortmund zum Schweigen!), dass vor allen Dingen über die Medien Bewegung in Sachen Kommunikation entstand. Die besseren Argumente lagen dabei oft auf Seiten der Fanvertreter, teilweise unterstützt von dem ein oder anderen Pressevertreter und natürlich Prof. Feltes, der übrigens einen klaren Punktsieg gegen seinen Kollegen Prof. Pilz landen konnte.

Jetzt werden also gemeinsame Gespräche geführt. Die Verantwortlichen für die Ware Fußball teilt wohl doch die Erkenntnis, dass sich eine leise und nicht bunte Kurve mehr schlecht als recht vermarkten lässt. Man fragt sich zwar, warum erst jetzt? Aber auch das ist klar: Gespräche auf Augenhöhe möchte man nicht. Dann hätte die DFL mit den Fanorganisationen gleich gemeinsame Sache machen können. Da wurde lieber erst einmal ein Papier mit überzogenen Forderungen verabschiedet und Ressentiments („Verbot von Pyro ist nicht verhandelbar“) gesetzt. Eigentlich ein Grund unbefristet und stärker weiter zu streiken, aber… siehe oben. So finden nun Verhandlungen auf ungleichen Ebenen statt. Auch, weil sich die verschiedenen Ultragruppierungen (z.B. aufgrund der politischen Grundeinstellung) bzw. Fanvereinigungen (Unsere Kurve, Pro Fans, BAFF usw.) nicht in allen Dingen einig sind. Man darf auf die (ich schätze weichgespülten) Ergebnisse gespannt sein.

Die Auswirkungen

Fakt ist aber auch, viele Ultragruppen werden entsprechend ihrer Unabhängigkeit und Eigenständigkeit (das ist schließlich ein Manifest der Ultras) eigene Protestformen zum Ausdruck bringen. War es vor der Einführung des Sicherheitspapiers aufgrund der einseitig abgebrochenen Gespräche über die Legalisierung der Pyrotechnik ein vermehrter Einsatz dieser, ist nun ein Anstieg von gewalttätigen Auseinandersetzungen außerhalb der Stadien zu verzeichnen. Oder, wie jüngst in Frankfurt, eine resolute Räumung des ganzen Fanblockes durch die Nürnberger wegen des Verbots von Bannern. Da wäre die, wie auch immer geartete, Lösung über eine (Teil-) Legalisierung der Pyrotechnik aus Sicht der Sicherheitsfanatiker vermutlich das kleinere Übel.

Was auch immer dabei jetzt herauskommt, es wird sich etwas verändern. Haben sich die verschiedenen Fankulturen sowieso nach rund 10 Jahren immer gewandelt (die Dekade der Ultras dürfte demnach nicht unbedingt enden, aber sich ändern), hat der junge Nachwuchs wieder andere Flausen im Kopf. Dazu hält sich mehr und mehr das Gerücht, dass sich auch eher Altgediente oder eher gewaltbereite Fans ein Stück an die Ultras verlorene Fankultur wieder zurück erobern möchten. Was da also auf uns zu kommen kann, wenn die Ultras in der heutigen Form vom Sicherheitsapparat bekämpft und von dem Rest der Zuschauer verdrängt werden, vermag ich nicht zu sagen, kann aber ganz schön Scheiße sein. Von Gewalt (auch außerhalb der Stadien) bis hin zum rechten Gedankengut kann alles wieder dabei sein. Und genau das wäre für die Liga und für den „Normalo Fan“ eine weitaus schlechtere Situation als im Moment. Die Herrn „da oben“ sollten sich ihre Vorgehensweise also gut überlegen.

Wer oder was bewegte sich bei unserem FC St. Pauli in den vergangenen Wochen zu diesem Thema? Zunächst einmal Vizepräsident Gernot Stenger. Ausgerechnet jemand aus unserem Verein stellte sich freiwillig und ohne Rücksprache mit den Fanvertretungen von Anfang an für das Gremium „Sicherheitspapier“ zur Verfügung. Unglaublich! Angeblich um Schlimmeres zu verhindern. Keine gute Ausrede! Aber wer weiß, vielleicht wollte er auch nur der DFL und/oder dem DFB als ein von Strafen gebeutelter Verein in den Hintern kriechen… Immerhin ist er nach entsprechenden Protesten sofort aus dem Gremium ausgetreten. Allerdings nicht ohne in der Presseerklärung darauf hinzuweisen, dass er das auf Forderung der Fanszene tue. Also nicht aus eigener Überzeugung und abweichend von der mit der Fanvertretung getroffenen Vereinbarung eine gemeinsame Erklärung zu formulieren. Wir hätten ihn auf der Mitgliederversammlung abwählen sollen. Das Mehrheitspotential war durchaus gegeben. Auch, um mal ein eindeutiges Zeichen zu setzen. Da er aber außerhalb von Fanthemen sonst keine schlechte Figur als Vorstand abgibt und deswegen dann doch in Amt und Würden bleiben durfte, hat er also nun die Chance, mit uns Fans das Handeln unseres Vereins zum Papier „Sicheres Stadionerlebnis“ abzustimmen. Hierfür hat sich aus verschiedenen Fangruppierungen eine Arbeitsgruppe gebildet, die einen Vorschlag für eine gemeinsame Presseerklärung (Vorstand und Fans) zum Papier an sich (auch mit Änderungsvorschlägen) und zum generellen Standpunkt des FC St. Pauli erarbeitet. 

Wir Fans vom FCSP unterstützten den 12:12 Protest zwar und blieben still, gleichwohl Ultra St. Pauli aufgrund verständlicher Differenzen gegenüber einigen anderen politisch nach rechts offenen Ultra Gruppen sich nicht aktiv an der Vernetzung und Organisation der Kampagne beteiligte. Mal sehen, wie es weiter geht! 

// CF


Yorkshire St.Pauli
Non-established since Friday 13th!

Ihr habt sicher schon mal von ihnen gehört oder Ihr Banner im Stadion gesehen. Wir freuen uns sehr, Euch heute einen Text vom Fanclub Yorkshire St.Pauli (YSP) präsentieren zu können.

YSPHier im nordenglischen Leedssitzen (und stehen!) jede zweite Woche etwa 40 Leute in einer politisch links-orientierten Oase (Wharf Chambers Workers’ Co-operative Club) mitten in der Stadt, um Zweitligaspiele aus Deutschland zusammen zu sehen. Manchmal kommt auch ein braun-weißer Hund namens ‘Pauli’! An der Wand hängen selbstgemachte Flaggen mit Mottos wie “Yorkshire ist Braun-Weiss” oder das Zeichen der “International Brigades” darauf. Yorkshire St.Pauli hat eine eigene Website, unsere Mitglieder-Innen engagieren sich in den sozialen Medien und wir sind stolz drauf, eine monatliches englischsprachiges Fanzine namens “Weisse Rose” zu verbreiten, welches Ihr gratis als pdf herunterladen könnt. Auch YSP T-Shirts könnt Ihr im Internet kaufen! 

Das alles existierte vor zwei Jahren noch nicht. Also wie fing das an? Mein persönliches Interesse am FC geht zurück an den Anfang der 90er. Als Germanistikstudent fand ich Ausgaben des legendären Fanzine “Millerntor Roar!”, dem Vorläufer des heutigen Übersteiger, in dem noch heute existierenden Leedser Indie-Schallplattenladen “Jumbo”. Der zweiten Bundesliga von weitem zu folgen war damals unmöglich und St.Pauli blieb für mich daher als Unbekannte Größe interessant. 

Ein Fanclub in Yorkshire – Wie kam es dazu?

Dann besuchte ich endlich Anfang des Jahrhunderts das Millerntorstadion. Es war Februar… im Schnee… auf der alten Nordkurve… umgeben von Punks und fast jeder anderen Sekte der alternativen Szene. Ich fragte mich, warum es so lange gedauert hatte! Beim zweiten und eventuell dritten Mal im neugebauten Stadion hatte ich das Gefühl, endlich zu Hause zu sein. Aber ich war sicherlich der einzige St.Pauli Fan in Yorkshire, oder? Springen wir zu 2010, zum Musikfest in meinem Wohnort am Leedser Stadtrand. Im Schulhof findet jedes Jahr ein Fest statt, wo in der Vergangenheit Leute wie Billy Bragg, Chumbawamba, sowie Punkhelden wie die Buzzcocks spielten. Ich saß auf einem Hügel mit meiner Familie… in St.Pauli Klamotten. 

Plötzlich näherte sich mir jemand, sogar mit braunem Stani-Tee. Ich würde nie mehr alleine sein! Der Mick, ein Lokführer, hatte auf anarchistischen Websites rumgeklickt und St.Pauli gefunden. Auf der Internetseite stpaulifansuk.forumup.co.uk fragte ich, ob es noch andere FCSP Fans in der Yorkshire Gegend gebe, und: Wir waren nicht wenige. Danach habe ich Ian kennengelernt. Er hatte St.Pauli Ende der 80er im alten „Elfmeter“ (ein englische Fanzine über Deutschem Fußball in den 80er&90ern) gefunden und während eines Schulaustausches im Südwesten hatte circa 1991 das Spiel VfB Stuttgart gegen St.Pauli gesehen. In der Zwischenzeit hatte Ian ungefähr 13 FCSP Spiele (und 13 Niederlagen!) miterlebt. Wir hatten also unseren Glücksbringer gefunden! Das erste Treffen (ich, Ian und drei Freunde) fand in einer Kneipe in der Leedser Stadtmitte statt. Wir sahen das Erstligaspiel FCSP gegen Schalke live im Fernsehen in einer Ecke, aber der Rest der Kneipe guckte auf verschiedenen Bildschirmen ein Spiel des Leedser Rugbyvereins (Leeds war häufig Rugby League Weltmeister). St.Pauli verlor natürlich (danke Ian!) im Spiel des Becherwurfs!! Im Internetforum ging es doch schnell weiter und am Freitag, den 13. Mai 2011, trafen sich einige Leute außerhalb einer Kneipe am Leedser Hauptbahnhof. Ich war dabei, unser Lokführer Mick auch. Wir lernten Scott kennen, der den FC St.Pauli an einem Bundesliga-Wochenende im Ruhrpott für sich entdeckt hatte. Als Sonntagsspiel sah er RW Oberhausen gegen St.Pauli und es war zwar Liebe auf dem ersten Blick! Dann George, ein tätowierter Hardcore-Punk Fan, der das Millerntor regelmäßig besucht und einen Totenkopf-Tattoo besitzt, der den Club durch die Punkszene kennengelernt hatte und seinen 40.Geburtstag mitten auf der Südkurve gefeiert hatte. 

Und Steve, Schlagzeuger bei „The Dauntless Elite“, der in seiner Musikkarriere Kontakte mit St.Pauli Fans aus Deutschland stammenden Punkbands gehabt hatte. Und Luke, ein Abiturient, der die Totenkopf-Flagge auf einem „Gaslight Anthem“-Konzert gesehen hatte – der Rest ist Geschichte. Dazu kamen auch Vanessa und Dom, die während Vanessas Geburtstagsreise nach Berlin „St.Pauli Fans gegen Rechts“-Aufkleber in der Friedrichshainer Supamolli Szenenkneipe gesehen hatten. Daraufhin recherchierten sie über den Club und hatten schon 2009 ein Spiel am Millerntor miterlebt.

Und das ist erst der Anfang

Also, da waren wir, circa 9 interessierte Leute in Yorkshire, die einen offiziellen Fanclub bilden wollten! Für mich wäre schon genug gewesen (Punkrockstyle!), einmal ein Spiel in irgendeiner Leedser Kneipe zusammen zu gucken. Doch, wir fanden eine Kneipe als festen Treffpunkt – „The Well“ – einen Punkclub, der leider am Ende der ersten Saison geschlossen wurde. Aber YSP gibt doch nicht auf! Wir fanden danach die wundervollen „Wharf Chambers“, wo es eine echte DIY-Stimmung der alternativen Szene gibt. Sam Smiths Bier wartet hinter der Theke, die Spiele werden auf einer großen Leinwand gezeigt und hier in unserer linken Oase besitzt der FCSP die Herzen einer kleinen Ecke Nordenglands. Und wir haben schon mehr als 70 Mitglieder-Innen! 

www.yorkshirestpauli.com
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From Yorkshire with love!

// Gastartikel von Rob, YSP


Neues von den Alten

Als Winterneuzugang absolvierte er in der Zweitligasaison 1991/92 zwar nur drei Partien – alle über 90 Minuten – für den FC St. Pauli, eher er sich schon wieder verabschiedete. Doch ein Ehemaliger ist somit auch STEFFEN MENZE, Sportdirektor bei Dynamo Dresden. Menze übernahm Anfang Dezember 2012 für nur eine Partie interimsmäßig das Traineramt für den gefeuerten Chefcoach Ralf Loose, ehe mit Peter Pacult bereits eine Woche später ein neuer Übungsleiter gefunden wurde. Die Auswärtspartie bei 1860 München endete für die Elbstädter unter Cheftrainer Steffen Menze mit einem 1:1. Ebenfalls Sportchef ist HELMUT SCHULTE geblieben, der nach seiner Trennung vom FC St. Pauli seit dem 1. Januar für den Traditions-Erstligisten Rapid Wien als Sportdirektor tätig ist. Auch wieder zurück in sein altes Amt rutschte FRANZ GERBER, Sportchef bei Jahn Regensburg, nachdem dieser bis zur Verpflichtung von Neutrainer Franciszek Smuda im Januar für sieben Spiele (kein Sieg) von November bis Dezember letzten Jahres als Interimscoach eingesprungen war. Für die Restsaison wollte Gerber übrigens MARCEL EGER verpflichten, der aber dem Profifußball inzwischen quasi abgeschworen hat und darum absagte. Weiterhin den Rasen beackert hingegen MAHIR SAGLIK, der in der Winterpause auf eigenen Wunsch von unserem FC zum SC Paderborn transferiert wurde. Dessen dritte Rückkehr zu seinem Heimatverein – zuvor schon einmal von LR Ahlen und vom Karlsruher SC – wird dann wohl auch die letzte sein, zumal der 30-jährige Angreifer bis 2016 unterschrieben hat. Sagliks Ex-Mannschaftskollegen MARIUS EBBERS (35) und FLORIAN BRUNS (32) müssen sich zur neuen Saison ebenfalls einen neuen Verein suchen, nachdem der FC St. Pauli ihre Verträge nicht über das Vertragsende hinaus verlängern wollte. Einen neuen Arbeitgeber hat nun denn endlich auch CHARLES TAKYI gefunden. Er unterschrieb im Februar – zunächst bis Saisonende – beim dänischen Erstligisten AC Horsens. Takyi war zuvor mehr als ein halbes Jahr ohne Verein. Einen solchen wird auch FLORIAN LECHNER vermissen, der bereits Ende November 2012, nach neun Einsätzen (eine Torvorlage) seit März 2012, beim US-Club „New England Revolution“ entlassen wurde. Ebenfalls vorzeitig die Papiere durfte sich im Januar PETAR SLISKOVIC bei Dynamo Dresden abholen. Der Stürmer war erneut von seinem Stammverein Mainz 05 (eigentlich bis Saisonende) ausgeliehen worden, konnte dort aber – ebenso wie zuvor am Millerntor – kaum Akzente setzen. Für die Rückrunde soll Sliskovic, der in Dresden auf nur neun Einwechslungen mit insgesamt 175 Spielminuten kam, im Regionalligateam des FSV eingesetzt werden. Noch einmal versuchen will es MATTHIAS SCHERZ („Ich will meinen Körper nochmal richtig quälen“): Bis zum Saisonende hat der 41-Jährige beim West-Regionalligisten Fortuna Köln unterschrieben, der als Herbstmeister und momentan Tabellendritter (Stand: 19. Februar) noch Ambitionen für den Aufstieg in die 3. Liga hegt. Eigentlich wollte der frühere Millerntor-Sympath dort nur hospitieren, doch dann packte es den Offensivmann erneut. Scherz lief zuletzt am 23. Mai 2009 für den 1. FC Köln in der Bundesliga auf. Nachdem STEFAN STUDER im vergangenen November zum 31. Dezember 2012 vorzeitig beim FC St. Pauli seinen Chefscout-Posten (Vertrag bis 2015) gekündigt hatte, schloss er sich nach einigen Wochen öffentlichen Rätselratens, wo’s denn nun hingehen könne, mit Beginn des laufenden Jahres der Scoutingabteilung Bayer Leverkusens an. Seine Profikarriere verletzungsbedingt (ein Meniskusriss im April 2012) beendet hat Ende November 2012 der 19-fache US-Nationalspieler CORY GIBBS (32), der zuletzt beim MLS-Proficlub „Chicago Fire SC“ seine Buffer geschnürt hatte. Dem „Stadtpark-Club“ VfL 93 (inzwischen in der Hamburger Bezirksliga / 7. Liga angekommen) hat sich OLUFEMI SMITH angeschlossen und trifft dort auf St. Paulis ehemaligen U23-Cotrainer MICHAEL RICHTER, der dort nun das Zepter schwingt. Smith ist zudem neuer Verkaufsleiter bei der „Klitschko Management Group“. Kommen wir zu unseren ehemaligen braunweißen U23- und Jugendteam-Protagonisten, die sich in den vergangenen Monaten in sehr vielfältiger Art und Weise präsentieren konnten – vom Erstligatrainer bis zum A-Nationalspieler: FRANK BERNHARDTbeispielsweise, ehemals Cheftrainer unserer U23, übernahm in Estland die Hauptstadt-Erstligamannschaft von „JK Tallinna Kalev“. Im Zuge dessen holte Bernhardt auch zwei Ex-Braunweiße ins Baltikum – YASAR KOCA von Bergedorf 85 sowie SERHAT YAPICI, der zuletzt in der 3. türkischen Liga aktiv war. Stichwort „Bergedorf 85“: Was mit BERKAN ALGAN in den vergangenen Jahren und speziell Monaten passiert ist (der ÜS berichtete an dieser Stelle regelmäßig), kann man als Außenstehender nicht mehr wirklich begreifen. Entweder hat der Mann einfach scheiße Pech, ist für viele Menschen inzwischen per se eine Reizfigur oder hat doch irgendwie charakterliche Defizite. Auch bei Oberligist Bergedorf 85 musste Algan schon nach wenigen Wochen im Dezember 2012 schon wieder seinen Trainerhut nehmen. Auf jeden Fall „alles Gute“ an dieser Stelle. Glück hingegen war Keeper OLE SPRINGER beschieden, der seit Februarbeginn für den FC Elmshorn (Oberliga Hamburg) spielberechtigt ist. Von Altona 93 zum USC Paloma (beide Oberliga HH) ging ZAFER LEVENT DEMIRBAGA, und LUKASZ SOSNOWSKI vom Harburger SC schloss sich dem Hamburger Landesligisten VfL Lohbrügge an. Seit November 2012 spielt SELCUK TIDIM in Mordor bei Hansa Rostock II. Weder in Mordor, noch in Norderstedt wird fortan MARIUS BROWARCZYK (24) gegen den Ball treten. Der frühere U23-Recke von der Waidmannstraße macht sich beruflich selbstständig und meint, den Leistungsfußball bei der Eintracht nicht mehr mit seinem Job und dem Privatleben in Einklang bringen zu können. Auch rund um den Hamburger Oberligisten SC Victoria hat sich in der Winterpause einiges getan, was ehemalige Spieler des FC St. Pauli anbelangt: Auf der Torwartposition gab es beispielsweise mit FABIAN LUCASSEN (Ex-U23) einen Abgang Richtung SV Eichede (fünftklassige Schleswig-Holstein-Liga), dafür aber mit TOBIAS GRUBBA eine Neuverpflichtung, die noch zu Saisonbeginn zum Kader unserer Regionalligaelf unter Coach Jörn Großkopf zählte. Neu im Team von Trainer Lutz Göttling ist seit dem Winter auch CONRAD AZONG, der von Hannover 96 kam und bis zum Sommer 2011 in der A-Jugend des FC St. Pauli gespielt hatte. Ebenfalls aus St. Paulis Jugend kommt ursprünglich ABDEL MONEEM ABOU KHALIL, der nun von der Hoheluft zum abstiegsgefährdeten FC Eintracht Bamberg (Regionalliga Bayern) gewechselt ist. Apropos Jugend: Der ebenfalls 2011 von St. Pauli nach Hannover gewechselte Stürmer FEIZ SHAMSIN , wo er zuletzt in der U23 spielte, kickt seit Ende September 2012 beim libanesischen Erstligisten Al-Ijtimai Tripoli und hat auch schon zwei A-Länderspiele (ein Tor bei seinem Debüt am 16. Oktober 2012 gegen Jemen) für den Libanon absolviert. Für die kommende Saison 2013/14 hat Shamsin bereits beim derzeitigen Tabellenzweiten (Stand: 19.2.) der „Lebanese Premier League“ Safa Beirut SC unterschrieben. Abschied nehmen wir zum Schluss trauernd von HERBERT MÜLLER, der am 31. Dezember 2012 92-jährig verstarb. Müller gehörte seit 1931 dem Verein an und war neben Günter Peine und Karl Kunert einer der prägenden Ligaspieler der Vorkriegszeit beim FC St. Pauli. Schon mit 17 debütierte er in der ersten Mannschaft und absolvierte seine letzte Partie 1944. Mach’s gut, Herbert…

// Ronny

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