Schlagwort-Archive: Marc Rzatkowski

Auswärts in Sandhausen

© Arigrafie

Am heutigen Freitag spielt der Magische FC gegen den Sportverein aus Sandhausen. Wie gewohnt wollen wir uns ein Spiel gegen die Sandhäuser aus der Vergangenheit anschauen. Diesmal ist es die gleichnamige Partie aus der Saison 2013/2014, die beiden Teams trafen am 29. Spieltag aufeinander.

Vor dem Spiel

Der FCSP hatte in der Saison 2012/2013 eine Berg- und Talfahrt hinter sich und schloß die Saison mit dem 10. Tabellenplatz ab. Trainer Frontzeck wollte mit der Mannschaft in der anstehenden Saison 2013/2014 den nächsten Schritt gehen, doch zunächst waren einige namhafte Abgänge zu ersetzen. Neben dem Abschied von Florian Bruns und Marius Ebbers verließ auch Daniel Ginczek den Verein. Neu hinzu kamen unter anderem Bernd Nehrig, Christopher Nöthe, Marc Rzatkowski und John Verhoek. Der Saisonbeginn war dann auch vielversprechend. weiter

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21.Spieltag (H) – RB Leipzig

Die Verbannten mit uns

Die Verbannten mit uns

FC St.Pauli – RB Leipzig 1:0 (1:0)
Tor: Marc Rzatkowski (8.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Gästefans)

Yeah, kann man mal so machen!
Das dritte 1:0 in Folge also gegen den designierten Aufsteiger und souveränen Tabellenführer. Außer uns könnte damit nur noch Kaiserslautern in dieser Saison gegen Leipzig sechs Punkte holen. Läuft also, bei uns.

Vor dem Spiel gab es ja aber auch schon genug Ballyhoo. Ein Ansturm auf die (wunderbaren) “Kein Fussball den Faschisten”-Sondertrikots des Fanladen inkl. dem in 2016 wohl unerlässlichen Gemecker (wohl vor allem auf Facebook), so dass der Fanladen sich zu einer Erklärung genötigt sah. Mannmannmann…
Tatsächlich bildeten sich dann Freitag Mittag Schlangen, wie sonst nur beim freien Dauerkartenverkauf, aber es lief wohl relativ gesittet ab.
Die “match-worn” Trikots gehen dann die Tage noch über den Fanladen in die Versteigerung, also uffjepasst, wer noch eins will.

Dann gab es noch ein bißchen Verwirrung um eine Aussage von Lienen, der in einer Pressekonferenz irgendwie Faschismus und Kommerz in einem Satz nannte, dies wurde allerdings auch fix klargestellt und sowieso bleibt zu dem Thema nur zu sagen:

Und dann war endlich Spieltag!
Flutlicht, ausverkauft, voller Gästeblock – so soll das sein.

Und tatsächlich lief es auch auf dem Platz recht gut,anfangs ein munteres auf und ab in beide Richtungen und irgendwann dann dieser Konter, den Ewald doch exakt so vorher oft genug beschworen hatte. Schnelles Umschalten über die Außen, diagonale Bälle – Fußball kann so einfach sein!

Und irgendwie war danach klar: Wir stellen uns jetzt hinten rein und wenn nichts außergewöhnliches passiert geht das klar.
Tja, times are changing!
Ich habe jahrzentelang im Block 2 die Weisheit “Du darfst das entscheidende Tor nicht zu früh schießen!” wie ein Mantra vor mir hergetragen, Gröni wird sicher eines Tages dafür sorgen das es auf meinem Grabstein stehen wird.
Und natürlich hätte eine der Leipziger Chancen auch den Weg ins Netz finden können… aber während man in den letzten >20 Jahren einen hohen achstelligen Betrag ins Wettbüro geschleppt hätte, dass ein frühes 1:0 für uns in einem Spiel gegen eine auf dem Papier (deutlich) bessere Mannschaft nicht zum Sieg reicht, so hat sich dies seit Ewald drastisch verändert. Im Kopf des Teams, aber auch im Bewusstsein der Fans.
Wie gesagt, natürlich hätte sich niemand großartig gewundert, wenn RB das Spiel noch hätte drehen können. Aber es war eben auch in dieser 8.Minute schon nicht völlig unrealistisch, dass wir das Ding auch genau so nach Hause bringen können. Und zwar absichtlich, mit Bus vor dem Tor parken und so.
Sowas konnten wir nie, nie, nie, NIEMALS! Und plötzlich können wir das, die Abwehr ist ein Bollwerk – und wenn dann doch mal einer durchrutscht ist der Skyman da und rettet.

(Ich will damit nicht sagen, dass ich während der restlichen 80 Minuten die entspannteste Person im Universum war – aber ich war auch weit davon entfernt ein nervliches Wrack zu sein, in den letzten Jahren wäre das bei ähnlichem Spielverlauf oft anders gewesen. Ich glaube an die Jungs, und an die Defensive.
Zwar hatte das “Den Gegner durch permanentes Toreschießen zermürben” von Dietmar Demut einen anderen Entertainment-Faktor, aber so eine völlig neue Erfahrung von Fußball hat auch mal was.)

Und überhaupt: Der Fluch der Sondertrikots! Gebrochen!
Justus (Fanladen) sagte in einem Exklusiv-Interview nach dem Spiel zum ÜS-Blog:
“War doch klaaaaa’, Digga! Wenn der Fanladen ein Sondertrikot veröffentlicht ist das ne ganz andere Nummer und NATÜRLICH gewinnen wir dann.
Schade, dass das nur einmal pro Halbserie geht.”
Tja, Recht hat er. Sondertrikot ist nur zweimal im Jahr.

Noch ein paar Worte zur Stimmung:
Die war auf der Gegengerade irgendwie merkwürdig. In der ersten Stunde fand die Gegengerade kaum statt, es wurden auch nur wenig Gesänge aus der Süd übernommen.
Freitag, Flutlicht, dieser Gegner, frühe Führung… ja, was denn noch?
Immerhin erwachte in der letzten halben Stunde dann auch die Singing Area wieder zum Leben und gemeinsam mit dem Support Block wurde dann zumindest dieser Zeitraum dem Spiel angemessen.
Aber damit sind wir dann hoffentlich aus dem Winterschlaf erwacht und nächste Woche sieht das dann schon wieder ganz anders aus. Und natürlich ist all das immer noch Jammern auf hohem Niveau, aber von nichts kommt nichts.

Und dann war da noch Gunther, der meinen ÜS-Blog Mitschreiberling Christoph besuchte und folgendes übermittelte:

Zu Besuch war auch Gunther aus Solingen, ein sehbehinderter Anhänger des RB Leipzig. RB Leipzig, weil er dort zuletzt acht Jahres seines Lebens gewohnt und gearbeitet hat. Gunther fühlt und hört das Spiel auf dem Rasen mehr als das er es aufgrund seiner Behinderung eben sehen kann. Er kennt dadurch schon einige Hörplätze in hiesiegen Stadien. Am Millerntor war es seine Premiere und war voll des Lobes. “Im Vergleich zu anderen Übertragungen auf Hörplätzen ist die Qualität der Reportage außerordentlich gut: Ziemlich neutral, fair und vor allen Dingen für Sehbehinderte “erlebbar”. Man kann das Spielgeschehen auf dem Platz auch räumlich sehr gut nachvollziehen. Das hängt aus Sicht eines Sehbehinderten eben sehr stark von der Beschreibung der Spielzüge ab. Und die ist richtig gut.”
Obendrein war er begeistert von der Stimmung am Millerntor, die aus mehreren Ecken und nicht nur von einer Tribüne des Stadions herüberkommt. “Dafür war es natürlich auch gut, dass mein Team bei diesem tollen Spiel knapp verloren hat.” Und damit nicht genug: Auch die Grundstimmung im und um das Millerntor herum, empfand er als äußerst entspannt und angenehm. Für Sehbbehinderte eine wichtige Grundvorraussetzung, um sich auf fremden Terrain sicher und wohl zu fühlen.
Kurzum: Alles Dinge, die für uns Meisten selbstverständlich oder unwesentlich erscheinen, für andere aber einen wichtigen Baustein für ihr Leben bedeuten. Fazit: Er kommt wieder!

Sowas liest man doch gerne, viele Grüße nach Solingen.

Zwei Punkte Rückstand auf Freiburg, vor dem Nürnberger Heimspiel gegen Bochum punktgleich mit dem Relegationsplatz – wir sollten jetzt ganz schnell noch vier (oder sechs) Punkte holen, damit man den Rest der Saison entspannt genießen kann.

Weiter geht es dann ja schon nächsten Freitag gegen den FSV Frankfurt, wo man sehen wird, inwiefern uns jetzt auch etwas einfallen wird, wenn der Gegner keine Lust hat, mitzuspielen oder gar das Spiel zu machen. // Frodo

Links: weiter

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12.Spieltag (H) – SC Freiburg

FC St.Pauli – SC Freiburg 1:0 (0:0)
Tor: Marc Rzatkowski (90. +1)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 3.000 Gästefans)

Fußballphrasen-Bullshit-Bingo:

1.) Im Fußball gleicht sich alles irgendwann aus.
2.) Du darfst das entscheidende Tor nicht zu früh schießen.

Als Beleg für diese Thesen liegen vor: Die Spiele des FC St.Pauli bei Union und gegen Freiburg.

Joah, kann man mal so machen. In der Vorwoche noch am Boden zerstört, weil man in beiden Halbzeiten Gegentore in der Nachspielzeit fing und schlußendlich den verdienten Auswärtssieg verdaddelte. Diese Woche hingegen in einem Musterkapitel bei “0:0-Spiele für Dummies” zugeschlagen, als wohl schon lange keiner mehr mit einem Tor rechnete.

Ansonsten alles super, an diesem Sonntag. Okay, abgesehen von der Anstoßzeit, mit 13.30h werde ich einfach nicht warm, auch wenn man sich langsam dran gewöhnt haben sollte. Jedenfalls ausverkauftes Haus, endlich auch mal wieder ein prall gefüllter Gästeblock in Liga 2.

Und in Hälfte eins ein FCSP, der wohl den merklich größten Unterschied zur Hinrunde der letzten Saison plastisch auf den Rasen zauberte: Defensive Ordnung.
Gegen die vermeintliche “Übermannschaft mit der Torfabrik” ließ man überhaupt nichts zu. Gerade mal eine gute Schußchance, die kläglich in den Himmel gejagt wurde, ansonsten panzerten Sobiech & Ziereis alles weg. Sehr stark, beide zurecht auch mit einer glatten 2 im Kicker.
Umgekehrt war das eigene offensive Rezept lediglich darauf ausgelegt lange Bälle nach vorne zu dreschen, meist direkt von Himmelmann, unter Umgehung des Mittelfeldes. Wirkte plan- und einfallslos, wäre aber ein-, zweimal sogar fast aufgegangen und war am Ende vielleicht die kraftsparende Variante, die uns das Übergewicht in der letzten halbe Stunde zusicherte.

Ansonsten hinterließ in Hälfte eins nur noch Nils Petersen einen bleibenden Eindruck.

Da wohl viele vor dem Spiel eine Niederlage zumindest einkalkuliert hatten, herrschte verhaltener Optimismus auf den Rängen, mit wohlwollendem Applaus ging es in die Kabine.
Und am Tage der HoGeSa-Demonstration des HoGeSa-Demonstratiönchens war es auch wieder mal eine große Freude, “Antifa Hooligans” als Einstimmungsmusik für die zweite Halbzeit zu hören.

Und zur zweiten Hälfte wurde es dann auch gleich besser.
Zunächst gab es leichten Unmut des restlichen Stadions aufgrund der Pyro-Aktion der Süd. Sah schick aus, auch wenn ich zugeben muss, schon schönere Rauch- und Pyro-Aktionen in der Süd gesehen zu haben. Allerdings war hier die Message zwischen den Schwaden (“1312” und “Scheiß auf Eure Stadionverbote – wir bleiben auf Zündung”) wohl wichtiger als die reine Optik.
Zur Pyro- und der “Aber das kostet den Verein doch unnötig Geld!“-Diskussion dann bitte direkt ins Forum, meine Position dürfte bekannt sein.
(Nachtrag: Und vorher am besten noch dies hier lesen.)

Und irgendwann wurden unsere Jungs dann sogar das spielbestimmende Team, mit Chancen, mit schönem Kombinationsspiel, mit Marc Rzatkowski als Antreiber, der ja in Hälfte eins dank der über ihn hinwegfliegenden Bälle die Kräfte für die Offensivbemühungen sparen konnte. Und eben auch mit Jeremy Dudziak und Jan-Philipp Kalla als kämpferisches und/oder spielerisches Duo über die Außen.

Trotzdem, siehe oben, schrie das Spiel permanent “Ich gehe 0:0 aus!” ins Rund und es hatten sich wohl auch alle bereits damit arrangiert.
Die Stimmung war größtenteils dem “taktischen Hochgenuß” entsprechend: eher konsumierend. Der Gästeblock schaffte mangels Inspiration vom Feld akustisch auch kaum den Weg in die Gehörgänge der Gegengerade.

Und als Daggi dann die Nachspielzeit durchsagte, unterbrach sie plötzlich der Torjubel. Ein Einwurf, Verlängerung per Rückzieher über Dudziak, Volleyabnahme Thy – und den von Schwolow zur Seite abgewehrten Ball kann Rzatkowski dann in aller Ruhe reindreschen, wunderbar. Der Rest war Jubel.

Auf der Pressekonferenz arbeitete sich Christian Streich nochmal am ausbleibenden Elfmeterpfiff beim Zweikampf zwischen Hornschuh und Maximilian Philipp ab. Wenn er selbst sagt, dass es ein absolut klarer Elfer war, andere hingegen von einer zweifelsfrei richtigen Entscheidung sprechen, so liegt die Wahrheit wohl in der Mitte, ähnlich wie der Kicker es bewertet. Kann man pfeifen, muss man nicht. Glücklich für uns, aber keine Fehlentscheidung.

 

Nach der Heimniederlage gegen Sandhausen vor der Länderspielpause erwarteten viele, dass man jetzt “durchgereicht” werde, die Spiele bei Union, gegen Freiburg, in Bochum, gegen Düsseldorf, bei 1860, gegen Nürnberg und in Lautern hatten einige schon mit sieben Niederlagen am Stück verbucht. Nun stehen nach zwei Begegnungen vier Punkte und die Rückkehr auf Platz 3, mal gucken was dann am Freitag in Bochum so möglich ist.

Junior und ich machen uns dahin übrigens wieder auf den Weg und sind ja auswärts diese Saison noch ungeschlagen. Ich weiß nur noch nicht, wie wir (bei positivem Ausgang) Mama dann von den Reisen zu den restlichen Spielen überzeugen… // Frodo

Links:
– Bericht und Bilder bei BeebleBlox: “Beinahe Bundesligafeeling
– Bericht Province Fanatics: “Last Minute Sieg
– Bericht Grenzenlos Sankt Pauli: “Oben auf und oben dran
– Bericht South End Scum: “Killers on the loose”” (English)
– Bericht Hamburg ist Braun-Weiß: “Last-Minute-Sieg gegen Freiburg
– Bericht Millerntor.Hamburg: “I’ve got this strange feeling of dèjá vu
– Bericht Nice Guys: “Senf dazu #9
– Bericht Fangirl1910: “10 (zum Glück nicht) nackte Friseusen
– Bericht pathos93: “Du darfst Dich auch freuen
– Bericht Schuninio: “

It’s like s story of love weiter

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3.Spieltag (H) – SpVgg Greuther Fürth

FC St.Pauli – SpVgg Greuther Fürth 3:2 (2:1)
Tore: 1:0 Marc Rzatkowski (19.), 2:0 Marcel Halstenberg (34.), 2:1 Sebastian Freis (42.), 3:1 Marc Rzatkowski (74.), 3:2 Robert Zulj (79.)
Zuschauer: 28.421 (ca. 1.000 Gästefans)

Es dürfte bekannt sein: Ich liebe Statistiken und Quervergleiche zu vergangenen Saisons oder Spielen.
Die naheliegendste Zahlenspielerei zu gestrigen Spiel: Seit 17 Jahren hatte der FC St.Pauli kein Heimspiel gegen Fürth mehr gewonnen. Am 13.Februar 1998 hatte André Trulsen unter Coach Gerhard Kleppinger in der 88.Minute für einen 1:0-Heimsieg gesorgt.

Die für gestern aber viel packendere und dramatischere Szene, die ich trotzdem in keinem Medienbericht (apropos, dazu später mehr) finden konnte, geschah am 13.12.(sic) im Jahre 2009.
Der FCSP empfing als Tabellenzweiter am 16.Spieltag die Kleeblätter, die ihrerseits im unteren Tabellendrittel rumliefen. Es war bekanntlich die Aufstiegssaison, Offensivfußball am Millerntor war Trumpf und durch Tore von Charles Takyi und Rouwen Hennings (viel Erfolg in Burnley) führte man mit 2:0.
In der 82.Minute flankte der eingewechselte Christopher Nöthe auf Sami Allagui und dieser verkürzte auf 1:2 – immer noch alles okay.
Und dann kam die Nachspielzeit: Keeper Lobouè war bereits mit nach vorne geeilt. Unsere Verteidigung konnte klären, schlug lang nach vorne auf Deniz Naki, der frei durch war und mit dem Ball ins leere Tor lief! 3:1, Deckel druff…
Ah, doch nicht, Abseits… wir feiern zu lange, Fürth schaltet schnell, greift an – Ausgleich, 2:2! Lange Gesichter.

Im Fußball gleicht sich alles aus? Scheint so – und wenn es dann auch mal fast sechs Jahre dauert.
(Übrigens flogen damals Gegenstände – nach dem Spiel. Zu einer Zeit, als dies noch deutlich häufiger der Fall war als heute. Ich würde meine Worte inzwischen aber wohl auch deutlich schärfer wählen, als ich sie damals gewählt habe, es war bekanntlich ja auch noch vor dem Spielabbruch gegen Schalke.)
(P.S. Ich war doch nicht alleine mit der Verbindung zu jenem Spiel: Auch bei StPauli.nu findet sich diese Erinnerung. Und bei Stefan Groenveld findet man die Fotos von damals.)

Okay, zurück in die Gegenwart.
Als wäre da nicht schon genug Verletzungspech, folgende Meldung schon vorm Anpfiff:

(Inzwischen ist ein Muskelbündelriss diagnostiziert worden. Gute Besserung, Käpt’n!)

Deichmann war fleißigen U23-Zuschauern der letzten Saison zwar ein Begriff, hatte aber bisher noch keine Zweitligaminute absolviert.
Und genau so fing er auch an: Übermotiviert, schlecht zum Ball stehend, ein Risiko – und früh mit Gelb belastet. Kein Wunder, wenn man wahrscheinlich schon die Nominierung für den Kader als Erfolg wertet und dann plötzlich in der Anfangsformation steht.
Doch nach zehn bis fünfzehn Minuten hatte er seinen Weg ins Spiel gefunden, stand besser zu Ball und Gegner, gewann die Zweikämpfe. Und das alles an einem Tag, an dem Philipp Ziereis auch nicht führen konnte sondern genug mit sich selbst zu tun hatte. Gerade in der Schlußphase des Spiels hatte Deichmann dann auch noch einige starke Szenen und sicherte so (mit) den Sieg.
Sauber, Yannick, weiter so!

Fürth am Anfang besser, doch mit der ersten Chance gehen wir durch Marc Rzatkowski (Kicker-Note 1, Elf des Tages) in Führung. Wahrscheinlich klappen solche Dinge jetzt einfach, die in der letzten Saison noch gegen uns gelaufen wären. Und auch das 2:0 durch Marcel Halstenberg (Note 2, ebenfalls Elf des Tages) passte – solche Schüsse aus der Distanz hatte er schon häufiger versucht, nach dem Ding in Karlsruhe war es jetzt schon der zweite Treffer. Es folgte der Fürther Anschlußtreffer, gefühlte zehn Sekunden nachdem ich meinem Sitznachbarn mitgeteilt hatte, dass es doch ganz gut wäre wenn wir das 2:0 mit in die Kabine nehmen würde.

Und dann eben jene Szene, die wohl spielentscheidend war: Der vermeintliche Fürther Ausgleich, Gästejubel vor der Gästekurve… und Marc Rzatkowski schaltet am schnellsten, wirft den Ball vom 16er aus (nachdem Kumbela ihn dort freudig hingeschossen hatte) zurück zu Himmelmann, der den Freistoß schnell ausführt und mit einem Zuckerpass in die gegnerische Hälfte Sobota losschickt – und dann stolpert Ratsche den Ball eben nach Luftloch ins Netz. Auch wieder so eine Szene, die letzte Saison wohl nicht mit einem Torerfolg abgeschlossen worden wäre.
Und ein Beweis, wie fußballerische Fähigkeiten bei Torhütern eben auch spielentscheidend sein können.

Jubel, abhaken, auf Leipzig vorbereiten.

Das Drumherum:

Begonnen hatte der Tag mit dem USP-Frühstück auf den Michelwiesen und einem gemeinsamen Marsch zum Stadion.

Alles Weitere zum 12.09. gibt es u.a. hier (Forum) oder hier (Zeckensalon, FB, inkl. Flyer).
Auch in der Halbzeit war der 12.September Thema, großflächige Tapeten in der Süd (“St.Pauli muss tun, was St.Pauli tun muss – 12.09. Nazis wegscheppern“) und vor der Gegengeraden (“Wehret den Anfängen – 12.09. – Naziaufmarsch verhindern“) , sogar eine kleine Choreo plus Tapete in der Nord (“12.09.15 – Platzverweis für Nazis – Alle hin da!“) und auch im Gästeblock gab es eine zweiteilige Tapete (“Gegen jeden Tag der Deutschen Patrioten“). Danke und Grüße für letzteres nach Fürth.
Schön, dass auch der Verein mit inhaltlichen Durchsagen (über eine bloße Terminverkündung hinaus) und Einblendungen auf der Anzeigetafel sich klar positionierte.
Schön, dass so etwas bei uns immer noch eine derartige Selbstverständlichkeit ist, dass es in den Medien kaum Erwähnung findet.
Schade, dass es immer noch nötig ist.

Als ich dann irgendwann aufs Sofa fiel, lächelte mich die sport1-Übertragung an und… ja, ich wurde schwach. Ich ignoriere den “DoPa” seit Jahren sehr erfolgreich (und möchte auch an dieser Stelle Allen nochmals stattdessen den Rasenfunk als Audioformat empfehlen) und schaffe es zumeist auch, dank Vereins-TV ohne die “xy-igste 2.Liga aller Zeiten” auszukommen.
Aber solch emotionalen Heimsiege sind ja doch immer mal wieder ein Grund, Prinzipien über Bord zu werfen. Ach, hätte ich es doch bloß gelassen… ich müsste jetzt nicht drüber schreiben.
Also, es kommentierte Carsten Fuß, es folgte ein bunter Mix an Erwähnenswertem:

  • [Situation zum 1:0, zweite Wiederholung]
    Schauen sie auf Trybull! Er zieht zwei Franken auf sich!”
    “Nur weil zwei Abwehrspieler bei Trybull sind…
    Tja… wäre Trybull noch bei uns, wäre die Verwechslung mit Lennart Thy auf dem Spielfeld ja sogar theoretisch noch möglich gewesen. Bei einem einmaligen Versprecher hätte ich auch drüber hinweg gesehen. Aber gleich zweimal? Puh…
    Lustigerweise ist Trybull zudem ja auch noch aktuell beim Gegner, auch wenn er gestern mal wieder nicht im Kader stand.
  • [Situation beim 2:0, Halsternberg mit rechts]
    Dabei hatte er doch gesagt, er hat den rechten Fuß nur, um nicht umzufallen.
    Ähm… nein, exakt das Gegenteil hatte er gesagt.
  • [Halbzeit, eingeblendet eine Frau mit Totenkopf-Halstuch]
    Eine schöne – eine beeindruckende – eine Totenkopfhalbzeit!
    Wer kennt sie nicht, die Totenkopfhalbzeit…
  • [Parade Himmelmann]
    Der heißt zwar Himmelmann, ist aber ein extrem geerdeter Typ.
    Was ist nur aus dem guten alten “No jokes with names” geworden? Da zieht es einem ja die Schuhe aus, Herr Fuß…
  • Der Knaller dann in der 70.Minute, Carsten Fuß war unschuldig:
    WERBUNG!!!
    Ich glaub es hackt! Ich hatte es ja schon mal gesehen, dass zur Halbzeit unterbrochen wurde… aber eine Zusammenfassung eines Spiels in der 70.Minute zu unterbrechen?
  • Last but not least:
    Es wäre der 333. Sieg des FC St.Pauli in der 2.Liga. Eine Schnapszahl.
    Und die Schnaps-Spezialität hier auf dem Kiez ist ja der Orgasmus!
    No comment…

Und dann war da noch…
… die Hamburger Polizei. Wie überall im Land auch hier von Überstunden geplagt. Was macht man also bei einem vorhersehbar unspektakulären und friedlichem Spiel wie FC St.Pauli – Greuther Fürth? Pferdestaffel und Wasserwerfer vorbeischicken. Na dann.
… die U23, die leider parallel zum Profispiel den VfB Oldenburg empfing. Das Spiel ging ohne Profiunterstützung mit 2:3 verloren, 212 Zuschauer waren an der Hoheluft. Für eine Parallelansetzung wohl ganz okay, sicherlich aber dann in erster Linie den Gästefans geschuldet.
Nach vier Spielen steht man damit in der Tabelle mit nur einem Punkt nicht sonderlich gut da, nächster Versuch zu punkten am kommenden Sonntag in Lüneburg.
… die U19, die nach der 1:3 Pokalpleite in Saarbrücken in der Vorwoche nun auch mit dem Liga-Alltag beginnen durfte. Und wie!
7:0 Auswärtssieg beim Aufsteiger Energie Cottbus, davon eine knappe Stunde sogar in Unterzahl.
Die Tabellenführung sichern will man nun am kommenden Mittwoch, um 18.00h geht es am Königskinderweg gegen den SV Werder, die am ersten Spieltag Holstein Kiel mit 5:2 besiegten.
(Alle Tore der A-Jugend-Bundesliga Nord gibt es bei DFB-TV.)
… die U17, die ebenfalls mit einem Auswärtsspiel bei einem Aufsteiger startete. Bei Union Berlin sah es lange nach einem Auftakterfolg aus, kurz vor Schluß gelang den Eisernen allerdings noch der 1:1-Ausgleich. (Auch hier die Tore bei DFB.TV)
Weiter geht es am kommenden Samstag um 11.00h am Königskinderweg dann gleich mit dem Derby.

// Frodo

Links:
AFM-Radio
– Fotos Stefan Groenveld: “Millernroar
– Fotos USP
– Fotos Vereinshomepage
– Bericht Grenzenlos St.Pauli: “Vier Schritte weiter
– Bericht und Fotos BeebleBlox: “

Schwül mit kalten Duschen weiter

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