Übersteiger 126

Es ist bald geschafft.
Eine Hinrunde des Grauens.


In welchen Haufen sind wir eigentlich alle getreten, um so viel Scheiße am Fuß zu haben?! Wenn man es schafft, zweimal in Folge 0-1 durch ein Slapstick-Eigentor zu verlieren, dann kannst du das Team eigentlich nur noch abmelden. Aber so läuft das hier glücklicherweise nicht.

Hier läuft einiges anders. So vieles richtig. Trotzdem nimmt sich der vorliegende Übersteiger die Frechheit raus und poltert gegen Dinge, die ihm stinken. Das be- zieht sich neben der sportlichen Leistung auf die Vereinspolitik. Flippa wachsen die Macht der Marke St. Pauli und deren Auswüchse über den Kopf, Ronny und Marron Blanco keilen gegen die Veränderungen des Mitgliedermagazins „Im Blickpunkt“ aus und die Paadie-Seite keift rum, wie sonst nur Ewald im Sky-Interview.

Im Interview mit Til vom FCSR geht es um die Kritikfähigkeit beim FC St. Pauli. Der Verein mag es wie Oscar Wilde nehmen; Lieber von den Richtigen kritisiert, als von den Falschen gelobt werden, und mit Blick auf Herrn Dieckmann die Richtigen von den Falschen unterscheiden.

Ein Lichtblick der Hinrunde war definitiv der Freispruch von Deniz Naki. Cansu Özdemir und Jan van Aken liefern uns hierzu Infos aus erster Hand. Zudem hat der DFB nach 26 Jahren mal gemerkt, wie toll der Fanladen ist. Marius Müller Westernhagen stand leider nicht zum Interview bereit 😉

Timbos kleine Taktikschule klärt uns zum Thema Pressing auf. Die hohe Kunst der Balleroberung. Nie am Millerntor zu sehen oder einfach nur verkannt? Entscheidet selbst.

Dazu noch die üblichen Verdächtigen: NVDA, Rezis und Döntjes. Nichts benötigt man mehr, um nach dem kolossalen Heimsieg gegen die Blau-Weissen vom VfL, die lange dunkle Winterpause zu überbrücken.

Die kann direkt genutzt werden, um Energie zu sammeln für eine grandiose Rückrunde. Denn die braucht es, will man auch im nächsten Jahr die Provinzen Süddeutschlands bereisen. Außerdem wäre es doch zu ärgerlich, die beiden Derby- siege nächste Saison in Liga zwei zu verpassen.

Unser Rückrundenstart ist am 29. Januar gegen den VfB Stuttgart (jetzt ist die Chance, den Termin in den Kalender einzutragen). Bis dahin wünschen wir frohe Feiertage, einen guten Rutsch und hoffen, dass die Hinrunde from Hell bald vergessen sein wird.

Es ist bald geschafft.
Eine Hinrunde des Grauens.


In welchen Haufen sind wir eigentlich alle getreten, um so viel Scheiße am Fuß zu haben?! Wenn man es schafft, zweimal in Folge 0-1 durch ein Slapstick-Eigentor zu verlieren, dann kannst du das Team eigentlich nur noch abmelden. Aber so läuft das hier glücklicherweise nicht.

Hier läuft einiges anders. So vieles richtig. Trotzdem nimmt sich der vorliegende Übersteiger die Frechheit raus und poltert gegen Dinge, die ihm stinken. Das be- zieht sich neben der sportlichen Leistung auf die Vereinspolitik. Flippa wachsen die Macht der Marke St. Pauli und deren Auswüchse über den Kopf, Ronny und Marron Blanco keilen gegen die Veränderungen des Mitgliedermagazins „Im Blickpunkt“ aus und die Paadie-Seite keift rum, wie sonst nur Ewald im Sky-Interview.

Im Interview mit Til vom FCSR geht es um die Kritikfähigkeit beim FC St. Pauli. Der Verein mag es wie Oscar Wilde nehmen; Lieber von den Richtigen kritisiert, als von den Falschen gelobt werden, und mit Blick auf Herrn Dieckmann die Richtigen von den Falschen unterscheiden.

Ein Lichtblick der Hinrunde war definitiv der Freispruch von Deniz Naki. Cansu Özdemir und Jan van Aken liefern uns hierzu Infos aus erster Hand. Zudem hat der DFB nach 26 Jahren mal gemerkt, wie toll der Fanladen ist. Marius Müller Westernhagen stand leider nicht zum Interview bereit 😉

Timbos kleine Taktikschule klärt uns zum Thema Pressing auf. Die hohe Kunst der Balleroberung. Nie am Millerntor zu sehen oder einfach nur verkannt? Entscheidet selbst.

Dazu noch die üblichen Verdächtigen: NVDA, Rezis und Döntjes. Nichts benötigt man mehr, um nach dem kolossalen Heimsieg gegen die Blau-Weissen vom VfL, die lange dunkle Winterpause zu überbrücken.

Die kann direkt genutzt werden, um Energie zu sammeln für eine grandiose Rückrunde. Denn die braucht es, will man auch im nächsten Jahr die Provinzen Süddeutschlands bereisen. Außerdem wäre es doch zu ärgerlich, die beiden Derby- siege nächste Saison in Liga zwei zu verpassen.

Unser Rückrundenstart ist am 29. Januar gegen den VfB Stuttgart (jetzt ist die Chance, den Termin in den Kalender einzutragen). Bis dahin wünschen wir frohe Feiertage, einen guten Rutsch und hoffen, dass die Hinrunde from Hell bald vergessen sein wird.

Es ist bald geschafft.
Eine Hinrunde des Grauens.


In welchen Haufen sind wir eigentlich alle getreten, um so viel Scheiße am Fuß zu haben?! Wenn man es schafft, zweimal in Folge 0-1 durch ein Slapstick-Eigentor zu verlieren, dann kannst du das Team eigentlich nur noch abmelden. Aber so läuft das hier glücklicherweise nicht.

Hier läuft einiges anders. So vieles richtig. Trotzdem nimmt sich der vorliegende Übersteiger die Frechheit raus und poltert gegen Dinge, die ihm stinken. Das be- zieht sich neben der sportlichen Leistung auf die Vereinspolitik. Flippa wachsen die Macht der Marke St. Pauli und deren Auswüchse über den Kopf, Ronny und Marron Blanco keilen gegen die Veränderungen des Mitgliedermagazins „Im Blickpunkt“ aus und die Paadie-Seite keift rum, wie sonst nur Ewald im Sky-Interview.

Im Interview mit Til vom FCSR geht es um die Kritikfähigkeit beim FC St. Pauli. Der Verein mag es wie Oscar Wilde nehmen; Lieber von den Richtigen kritisiert, als von den Falschen gelobt werden, und mit Blick auf Herrn Dieckmann die Richtigen von den Falschen unterscheiden.

Ein Lichtblick der Hinrunde war definitiv der Freispruch von Deniz Naki. Cansu Özdemir und Jan van Aken liefern uns hierzu Infos aus erster Hand. Zudem hat der DFB nach 26 Jahren mal gemerkt, wie toll der Fanladen ist. Marius Müller Westernhagen stand leider nicht zum Interview bereit 😉

Timbos kleine Taktikschule klärt uns zum Thema Pressing auf. Die hohe Kunst der Balleroberung. Nie am Millerntor zu sehen oder einfach nur verkannt? Entscheidet selbst.

Dazu noch die üblichen Verdächtigen: NVDA, Rezis und Döntjes. Nichts benötigt man mehr, um nach dem kolossalen Heimsieg gegen die Blau-Weissen vom VfL, die lange dunkle Winterpause zu überbrücken.

Die kann direkt genutzt werden, um Energie zu sammeln für eine grandiose Rückrunde. Denn die braucht es, will man auch im nächsten Jahr die Provinzen Süddeutschlands bereisen. Außerdem wäre es doch zu ärgerlich, die beiden Derby- siege nächste Saison in Liga zwei zu verpassen.

Unser Rückrundenstart ist am 29. Januar gegen den VfB Stuttgart (jetzt ist die Chance, den Termin in den Kalender einzutragen). Bis dahin wünschen wir frohe Feiertage, einen guten Rutsch und hoffen, dass die Hinrunde from Hell bald vergessen sein wird.

Eure Übersteigers


Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!?

Fußballfans sind ein eigenes Völkchen, dem man es eigentlich nie wirklich recht machen kann. Das fängt bei den jährlichen Trikotvorstellungen an („Das sind die hässlichsten/schönsten Trikots aller Zeiten!“), geht weiter mit der Position zu Pyrotechnik („Die sollten eingesperrt/in Frieden gelassen werden!“) und macht natürlich auch nicht vor der Vereinspolitik Halt. Manche tun lauter und manche leiser ihre Meinung kund, doch gerade bei unserem Herzensverein zeichnet sich die Fanszene durch aktiven und häufig sichtbaren Protest bei Differenzen mit Entscheidungen der Vereinsoberen aus.

Das jahrzehntelange Protestieren und Einmischen hat sich ausgezahlt. Entgegen der Standards vielerorts im Profifußball spielen wir immer noch in einem Stadion ohne Sponsorentitel und werden bei den Spielen nicht durchgehend über die Lautsprecher mit Werbung zugeballert. Darüber hinaus vertritt der FC St. Pauli seit Jahren auch nach außen entschieden und konsequent die politisch linke Einstellung, die (zumindest der Großteil) der Fanszene lebt und vom Verein fordert. Spätestens mit dem neuen Präsidium ist die Außendarstellung des Vereins so, wie man sie sich immer gewünscht hat. Beispiele? – Schweinske-Cup, Kein Fußball den Faschisten, #Bildnotwelcome, Fernsehgeldverteilung…

Das sind alles paradiesische Zustände. Zumal dieser Status Quo von der Fanszene hart erarbeitet wurde. Auch die Einbeziehung der aktiven Fans in die Gestaltung und Entwicklung über verschiedene Kanäle (und sei es der bloße Buschfunk – mit entsprechender Reaktion darauf) hat im Umfeld der deutschen Profifußballvereine nicht viel Vergleichbares aufzuweisen.

So oft ich meinen Verein für Aktionen und Vereinspolitik still für mich oder auch stark kommunizierend in letzter Zeit gelobt habe – es gibt auch immer wieder Momente, in denen man den Kopf schüttelt. Liebte man die Vereinsoberen für die professionelle Art und Weise, mit der Kai Dieckmann abserviert und lächerlich gemacht wurde, hatte man für die inszenierte Wiedervereinigung via Twitter nur Stirnrunzeln übrig. Nur weil so vieles richtig läuft, kann und muss man also trotzdem immer wieder unerträglich nerven, wenn etwas falsch angepackt wird. Sonst wird man nämlich dick und träge in diesem Schlaraffenland. 

Neue Fans müssen weiterhin immer wieder eingenordet werden. Das kann ermüdend sein. Der FC St. Pauli hat scheinbar so eine Anziehungskraft, dass immer wieder neue Gesichter im Stadion zu sehen sind. Obwohl offensichtlich auch die Attitüde des FC diese Leute angelockt hat, ist das Verhalten nicht immer so, wie es sein sollte. Wenn gegnerische Spieler auf der Gegengerade als Fo*** beschimpft werden, dann liegt viel Arbeit vor uns. Es muss ständig klargemacht werden, welche Werte hier vertreten werden und wie die Fankultur hier gelebt wird. Auch auf administrativer Ebene gibt es Menschen, die noch ein paar Sachen über den Verein lernen müssen. Nur so lässt sich erklären, dass in das Nachwuchsleistungszentrum die Robert-Enke-Stiftung zum Thema Depression im Leistungssport eingeladen wurde und nicht, trotz mehrmaliger Nachfrage, die lieben Menschen von St. Depri. 

Die Sponsoren müssen kritischer hinterfragt werden. Der FC St. Pauli ist für Sponsoren eine tolle Marke. Häufig beschleicht einen das Gefühl, dass sich doch sehr mit dem Image dieses Vereins geschmückt wird. Ich erwarte mehr von den Sponsoren als standardmäßige Spenden an die (sehr, sehr tollen) Kiezhelden-Projekte. Sponsoren des FC St. Pauli sollten tatsächlich soziale Verantwortung übernehmen und nicht bloß über Spendenaktionen das Gewissen rein waschen, sich bei Fans einschmeicheln und die Eintrittskarte zur Sponsorentafel erhalten. Auch wenn das nur eine Wunschvorstellung sein wird. Es ist offensichtlich, dass es bereits ungewöhnlich ist, wie viel Sponsoren hier vergleichsweise leisten. Das wäre anderswo wahrscheinlich nicht denkbar. Trotzdem kommt einem bei manchen Aussagen die Galle hoch. „ok.-“ ist laut eigener Aussage ein Sponsor, der zum FC St. Pauli passt, denn gemeinsame Werte würden verbinden. Welche Gemeinsamkeiten hat denn bitte der FC St. Pauli mit einer multinationalen Holding, welche frei nach den Grundsätzen des Kapitalismus immer weitere Unternehmen schluckt und sich vergrößert? „Deezer“ hat als Musikstreamingdienst eine wunderschöne und notwendige Aktion gegen Rechtsrock gestartet. Von einem Sponsor des FC St. Pauli sollte man so eine Aktion allerdings VOR einer Partnerschaft erwarten können und nicht erst, nachdem sich aus St. Pauli-Kreisen die Beschwerden gemehrt haben. Zu “Under Armour“ ist wohl alles gesagt. 

Wenn die Marke des FC St. Pauli angeblich so attraktiv für Sponsoren ist, dann kann man schon ein wenig mehr erwarten.

Die Marke St. Pauli kann auch erdrücken. In einem Youtube-Beitrag von Martin Drust (Leitung Marketing&Vertrieb des FC St. Pauli) mit der Überschrift „Mit Phantasie an die Spitze – der FC St. Pauli 2018“, zu der es im Rahmen der Online-Marketing-Konferenz 2016 (OMK) in Lüneburg auch einen Vortrag gab, wird ganz passend erwähnt, dass die „Marke St. Pauli“ sich nicht führen lässt, sondern selbst führt. Das kann einen ganz schön erdrücken. Durch diese selbst geschaffene Marke sind Reaktionen des FC St. Pauli häufig vorherbestimmt. Wenn nun Verantwortliche des FC St. Pauli quer schießen, dann hat die Reaktion häufig einen belächelnden Charakter nach dem Motto „Ach, die kleinen lustigen Querköpfe! Lass die mal reden, machen die immer so.“ Das vormalige Anderssein ist mittlerweile in sehr zu berechenbare Bahnen gedrängt worden. Das schränkt ein. Ist es lohnenswert, diesen Zustand durch exzessives Marketing noch weiter zu verschärfen?

Im Marketing-Magazin W&V (Werben und Verkaufen) erschien Anfang 2016 ein Interview mit Martin Drust, in dem er sagte, dass man, was digitale Reichweiten angeht, auf Erstliga-Niveau mitspielen will. Das tue man teilweise heute schon, aber da hätte man noch ganz viel Potential, um sich dauerhaft in einer Top-5-Liga zu etablieren. Und diese Reichweiten könne man, so Drust, dann wieder kapitalisieren. Da schaudert es einen…

Preise im Stadion und Fanshop. Wer schon einmal vier Bier geholt hat und mit Schrecken feststellte, dass der Zwanziger zur Bezahlung nicht ausreichte, der wird sich sicherlich im Stillen schon darüber beschwert haben. 4€ für einen halben Liter sind schon echt nicht billig, aber wenn man dann noch 1,50€ Pfand für einen Plastikbecher bezahlt, auf dem das Konterfei von Andre Schubert auf verschiedenen Ebenen Abscheu hervorruft, dann stellt sich die Frage: Wann ist das eigentlich passiert? Zu viel Pfand und ein Bierpreis im oberen Drittel verglichen mit allen anderen Bundesligisten, obwohl Astra weltweit untersten Preiskategorie-Status „genießt“. Wenn man dann noch weiter in den Fanshop schaut, wird einem bei manchen Preisen dort ganz schwindelig. Und das ist (noch) keine Fair-Trade-Ware. 

Immer wieder fordern und forderten wir als Fans von unserem Verein mehr als das, was anderswo geleistet wird. Und es wird so vieles richtig gemacht hier. Meckern auf hohem Niveau. Die Art und Weise, wie in diesem Verein agiert und entschieden wird, hat so oft Herzen verdient. Wenn dann mal etwas nicht richtig läuft, dann zeichnet es diesen Verein aus, dass so etwas intern geklärt und beim nächsten Mal tatsächlich besser umgesetzt wird. Eine gigantische Stärke, welche dafür sorgt, dass auch unpopuläre Entscheidungen des Vereins zähneknirschend hingenommen werden. Doch müssen wir auch bissig bleiben und uns nicht zufrieden geben. Wir arbeiten mit unserer konstruktiven Kritik stetig daran, dass die “Marke St. Pauli” ein Herz hat und nicht zur leeren Hülle verkommt. 

//flippa


“Im Moment gibt es wenig Anlass, öffentlich zu protestieren.”

Kollege Flippa hat es im Leitartikel angesprochen: Die Marke FC St. Pauli ist Fluch und Segen zugleich. Wir müssen hart daran arbeiten, dass sie weiter für eine kritische Fanszene steht, die die Entwicklung des Vereins und seines Images begleitet und sich wehrt, wenn Marketing wichtiger zu werden droht als Authentizität.

Jemand, der von jeher für diese Ehrlichkeit steht, ist Sozialromantiker und FCSR-Mitglied Tilman M. Brauns. Wie fühlt er sich eigentlich momentan als Teil der St. Pauli-Familie? Wir haben uns vor dem Kaiserslautern-Spiel mit ihm unterhalten.

FCSR

ÜS: Die Jahresmitgliederversammlung war zumindest gefühlt die kürzeste und kuscheligste, die ich in 16 Jahren Mitgliedschaft erlebt habe. Der einzige Antrag, der Spannungspotenzial bot (Fair-Trade im Fanshop), wurde im Vorwege abgeändert, so dass das Präsidium dann voll dahinter stand. Das FC St. Pauli als Rundum-Wohlfühl-Paket?

Scheinbar ist es so. Gemessen an der engen sportlichen Situation war das ganze geprägt von den guten Bilanzzahlen und der Feststellung, dass unser Club in allen Bereichen, außer dem sportlichen der ersten Mannschaft Fußball, deutlich an Qualität und Kommunikationseffektivität zugenommen hat. Man möchte meinen, dass die anwesenden Mitglieder damit zunächst zufrieden sind. Sonst wäre ja eine Debatte entstanden, denn den Tagesordnungspunkt „Verschiedenes“ gab es ja. Die, die zu Hause blieben, hatten vermutlich auch nichts zu sagen … Die Änderung des Antrags fand ich vernünftig, um den entsprechenden Vorlauf zur Umsetzung des Antrags zu erhalten. Der Wechsel ist längst überfällig und ich bin nun sehr gespannt, ob die Fans als Verbraucher den Mehraufwand tragen werden oder ob sich upsolut/Verein und Verbraucher die Investition in ein besseres Label mindestens teilen.

ÜS: Auf der Fanclub-Delegierten-Versammlung war es ähnlich. Alles ging glatt durch, die gute Kommunikation im Verein wurde gelobt, kritische Punkte kamen weder aus dem Plenum noch aus dem FCSR. Das hat mich ein wenig gewundert, gab es doch durchaus in letzter Zeit Strittiges in der Fanszene, z. B. den Angriff auf den Zivi nach dem Nürnberg-Spiel. War das denn überhaupt kein Thema?

Tatsächlich muss man konstatieren, dass die Arbeit des FCSR viel umfangreicher geworden ist, als sie es vor Jahren war, eben auch, weil man persönlicher, zuverlässiger und durchaus different mit anderen Verantwortungsebenen oder Abteilungen der Geschäftsstelle umgeht. Das hat zur Folge, dass es im Moment wenig öffentlich zu „protestieren“ gibt. Im Grundsatz doch eine gute Voraussetzung, den Club mitzugestalten. Durch unser „Verwaltungssystem“ mit den Regionalverantwortlichen werden auch viele Dinge mit den Fanclubs im Laufe der Saison besprochen, gelöst, angestoßen oder eben auch angemahnt, ohne dass es Bedarf gibt, Einzelfälle noch einmal im großen Kreis zu besprechen.
Dein Beispiel mit dem Angriff auf den Zivi ist sicher berechtigt, wurde aber im Plenum nicht als Punkt gefordert. Der ganze Bereich „Gewalt im Viertel“ hat sich ja durchaus verändert. Wir finden dass auch sehr bedenklich, verlassen uns da aber sicher auf die Arbeit des Fanladens. Die kennen die Gruppen und Personen, arbeiten mit dem Verein und dem OL zusammen an Lösungen und haben vor allem die pädagogische Ausbildung, damit umzugehen. Das ist also nicht direkt nur ein „Fanclubproblem“. Wenn die Fanclubs mehr gegen die Entwicklung tun wollen, dann erwarte ich persönlich auch mehr Engagement gegen Gewalt.
Vor allem im Bereich der verbalen Gewalt und Äußerung von sexistischen und homophoben Sprüche nutzen Flyer nun schon länger nix mehr. Da heißt es in der Kurve etwas gegen Gleichgültigkeit und Duldung zu unternehmen.

ÜS: Allgemein wird ja intern wie extern gelobt, dass Streitigkeiten beim FC St. Pauli immer intern geklärt werden und nicht in den Medien ausgetragen werden. Der Verein bemüht sich anscheinend sehr darum, nach außen harmonisch rüberzukommen und wenig Angriffsfläche zu bieten. Wie geht es dir damit?

Lustige Frage, mit der ich mich schon lange beschäftige und die ich selbst auch in Gesprächen immer wieder gestellt habe. Was ist denn Angriffsfläche, was ist Reibungsqualität und wie soll der Verein sein kritisches, lautes Image denn in vielen Jahren „vermarkten“ wenn wir nur noch Flüsterpost spielen. Wir müssen uns also klar werden, wieviel öffentliches Zeigefingerheben und welche Stärke an Kritik wir miteinander auszuhalten bereit sind, um der wichtigen Meinung der Fanszene Gehör zu geben. Die Konstellation mit dem jetzigen Präsidium und Aufsichtsrat ist ja nicht per se ein „Kuschelkurs“, nur weil wir keine roten Fähnchen basteln.

ÜS: Ich vermisse in der letzten Zeit ein wenig den Mut zur offenen Debatte, z. B. auch darüber, wie wir Fans eigentlich sein wollen, jetzt wo wir vom Wohnzimmer zur gehobenen Party-Location Millerntor gewachsen sind und aus Welcome to the Hell of St. Pauli irgendwie Welcome Hell geworden ist. Kommt bei dir nicht manchmal auch wieder der alte Sozialromantiker hoch?

Ich glaube sogar, dass die Kritikpunkte, die der FCSR ja auch in Teilen öffentlich angeprangert hat, sehr deutlich und mit viel Wut vertreten werden, tatsächlich aber in vielen Aspekten zunächst nach innen. Vielleicht sind wir als FCSR deswegen gerade verlässlicher Pol sowohl der Fanclubs mit Meinung als auch für die Clubführung und Geschäftstellenmitarbeiter. Auch der StFa (Ständiger Fanausschuss) ist hier ja als Mitdenker unterwegs. Und ja, manchmal denk’ ich schon daran, aus der mitunter anstrengenden Diplomatie zu fliehen. Man ertappt sich, wenn man ehrlich ist, doch auch dabei, Kompromisse zu schließen die man vor Jahren nicht eingegangen wäre. Altersgerecht? Vielleicht. Weiser? Nicht unbedingt. Mein Ziel ist in erster Linie ein Vereinsfrieden bei maximaler Schnittmenge für eine Idee. In der Heterogenität unserer Mitglieder und Fans nicht einfach. Petitionen zu formulieren ist im Vergleich Kinderflöte.
Sozialromantische Aktivität war nun aber in den letzten beiden Jahren scheinbar noch nicht gefragt, die Kräfte sind aber ,wenn es drauf ankäme, sicher noch in jeder einzelnen Kurve vorhanden, auch wenn das Marketing mittlerweile die Jolly-Rouge-Färbung für sich entdeckt hat. Wenn’s drauf ankommt, schafft irgendwer, irgendwo, irgendwann zum nötigen Zeitpunkt eben eine neue Symbolik, ob das dann auch meine ist? Wer weiß…

ÜS: Vielen Dank für diese spannenden Einblicke!

Die Fragen stellte 

//kurzpass


Ein Sonnabend im Oktober
Szenen einer VerAbschieBung

Zentraler Busbahnhof der „Freien“ und Hansestadt Hamburg. Busdrehkreuz am ‚Tor zur Welt‘. Eine ältere Dame beobachtet das Geschehen, seit zwei Stunden steht sie da jetzt schon. Bewegt sich die Gruppe, bewegt sie sich mit ihr, wie ein Schatten. Sie versucht herauszufinden, worum es hier geht, was das für eine Konstellation von Menschen ist. Fragen tut sie nicht. Das haben andere Passagiere schon getan. So konnte sie ein paar Information ergattern. „Ah, ein Fußballteam? Das ist ja toll! Und wo fahren Sie hin?“ fragen uns die AIDA-Kreuzfahrtgäste, die in langer Schlange auf ihren Bus warten.

Wir, also unser WIR fährt heute nirgendwo hin. Leider!

Wir würden jetzt auch lieber woanders hinfahren, zu einem schönen Freundschaftsspiel zum Beispiel oder einem Turnier mit und bei FreundInnen. „Nein, wir müssen uns heute leider schon wieder von zwei Spielern verabschieden, zwei unserer Brüder und deren Familie müssen das Land verlassen!“, erklärt einer unserer Spieler. „Oh nein, das ist ja schrecklich“, sagt eine Lady. „Warum?“, fragt eine andere. Die Spieler des FC Lampedusa St. Pauli erzählen den wartenden Menschen die Geschichte der letzten zwei Jahre, die Geschichte von Hoffnung und Warten, von Panik und der ständigen Angst davor, mitten in der Nacht von der Polizei – wie ein anderer unserer Mitspieler und seine Familie – abgeholt zu werden, obwohl der juristische Beistand sagte, die Familie brauche sich keine Sorgen zu machen.

Die Leute merken, dass es den Spielern nicht leicht fällt, darüber zu reden, sie sehen in ihren Gesichtern die Angst, die Angst davor, dass sie die nächsten sein könnten. Viele der wartenden TouristInnen haben Kinder, Kinder im gleichen Alter. Es sind ja Herbstferien in Hamburg, noch mal schnell raus aus dem Hamburger Schmuddel, noch einmal Sonne tanken, ein paar Tage faulenzen an Deck, jenseits von Schulstress und Notendruck.

Diese beiden Jungs und ihre drei kleineren Geschwister, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in einer Stunde Hamburg und ihre Fußballfamilie verlassen müssen, würden nichts lieber tun, als sofort mit ihnen zu tauschen, Schulstress und Notendruck inklusive. Sie müssen weg. RAUS. Mitten im Schuljahr, mitten in den Ferien, ohne sich von ihren SchulfreundInnen und LehrerInnen verabschieden zu können, ohne Zeugnisse ausgehändigt zu bekommen, die die Voraussetzung dafür sind, in ihrem sogenannten “sicheren Herkunftsland” die Schule besuchen zu können. Vorausgesetzt, man hat das nötige Kleingeld und gehört nicht zu einer ethnischen Minderheit, versteht sich.

Immer mehr Spieler kommen zum ZOB (Zentraler Omnibusbahnhof), begrüßen ihre ‚Bros‘, und wüsste man nicht, worum es hier gerade geht, könnte es wirklich wie ein ganz normales Wochenende im Leben des FC Lampedusa St. Pauli aussehen.

Sie unterschreiben alle auf einem nagelneuen Ball, der sie sich leise und ohne den Boden zu berühren zuwerfen. Er soll ja nicht schmutzig werden. Der deutsche Dreck soll gefälligst hier bleiben, sagt einer der Spieler sinngemäß. Ablenkung. Das Gefühl haben, zusammen zu sein in dieser harten Zeit.

Zum Glück scheint wenigstens die Sonne. In der “Heimat”, die die Größeren nur “Zurück” nennen und unter der sich die kleinen Geschwister so rein gar nichts vorstellen können, ist der Winter schon im Anmarsch. Gestern wurden noch schnell neue Winterjacken gekauft, erzählt uns R., der nette Rentner, der sich die letzten Jahre so herzlich um die Familie gekümmert hat. Er ist dann auch derjenige, der mit dem Busunternehmen im Büro das Gespräch sucht, als sich die Busfahrer aus der „neuen alten Heimat“ weigern, das viele Gepäck mitzunehmen. Zwei Jahre Leben in Hamburg liegen auf dem Bahnsteig, eine große, buntkarierte Plastiktasche pro Person. Die Frage der Mutter, wie hoch der Aufpreis sei, dass sie ja gerne dafür bezahle, wird nicht beantwortet. Erste Eindrücke für Außenstehende, wie sich das Schicksal dieser Familie in ca. 21 Stunden fortsetzen wird. Dazu muss man nicht die gleiche Sprache sprechen, um zu sehen und zu verstehen, wie rassistisch und diskriminierend die Zukunft dieser Roma-Familie aussehen wird.

Die ältere Lady beobachtet weiterhin das Geschehen, man hat sie schon fast mit aufgenommen in unsere Trauergemeinde. Einer der Spieler und seine große Liebe müssen sich verabschieden, das wahrscheinlich größte und herzzerreißendste Drama an diesem sonnigen Vormittag. Sie darf bleiben, er muss RAUS. Alles, was diesen beiden Menschen im letzten Jahr ihr extrem schwieriges, junges Leben versüßt hat, wird ihnen jetzt genommen. Für Menschen in diesem Alter sind 9 Monate – so lange gilt die Einreisesperre für die gesamte Familie – verdammt lang. Zum Heiraten sind sie noch zu jung, sonst hätte man diese wundervolle Liebe nicht so einfach auseinander reißen können.

Während das Team immer noch auf die Busfahrer einredet, bricht immer wieder eine/r in Tränen aus. R., die gute alte Seele, kommt mit der positiven Nachricht zurück, dass das Gepäck gegen Aufpreis nun tatsächlich doch mit dürfe. Alle helfen, das Gepäck so platzsparend wie möglich zu verstauen, die Spieler vom FC Lampedusa St. Pauli klettern in den Bauch des Busses und packen und stapeln Taschen und Koffer. Es werden ja noch weitere Leute auf der langen Reise zusteigen, Einige wahrscheinlich mit ähnlichen Schicksalen.

Während wir im Tränenmeer versinken, mit den inzwischen wohl gestimmten, fast schon verbrüderten Busfahrern letzte Fotos machen, fragt sich die ältere Dame sicherlich, ob es bei dem älteren Herrn, der sich so warmherzig um alles kümmert, wohl auch so angefangen hat wie bei ihr, an diesem Sonnabend im Oktober. Vielleicht sollte sie sich auch eine Familie suchen und sie unterstützen?

Wir wissen nicht, wie sie sich entscheiden wird. Was wir allerdings wissen, ist, dass wir das emotional nicht jedes Wochenende aushalten können und wollen.

Deswegen machen wir weiter und hoffen, dass wir noch mehr Aufmerksamkeit schaffen werden, noch mehr Kräfte bündeln und mit unserer Fußballfamilie unseren Teil dazu beitragen, eine bessere Welt zu schaffen, eine Welt in der jeder Mensch ihren oder seinen selbst auserwählten Platz findet, egal, wo das auch immer ist. Eine Welt, in der alle Menschen leben können, wo sie wollen, wo sie sich zuhause fühlen, wo sie sein dürfen, wie sie sind und wo es keine Rolle spielt, in welcher Region dieser einen Welt man das Licht der Welt erblickte, bzw. die Eltern geboren wurden.

Alle bleiben – wo sie wollen!
Here to play – here to stay!
FC Lampedusa St. Pauli


Timbos Kleine Taktikschule

Heute: Wie funktioniert eigentlich Pressing?

Beim Pressing geht es darum, Druck auf den Gegner zu erzeugen um den Ball zu erobern. Generell werden vier Arten des Pressing unterschieden: Abwehr-, Mittelfeld-, Angriff- und Gegenpressing. Zusätzlich gibt es auch noch false pressing, welches aber, wie der Name bereits sagt, kein wirkliches, sondern nur ein angetäuschtes Pressen ist, um den Gegner zu verunsichern. Hierbei läuft ein Stürmer kurzfristig die Abwehrspieler an, allerdings ohne nachrückende Spieler. False pressing wird häufig genutzt, um das Spiel des Gegners auf eine Seite des Spielfelds zu lenken oder um der eigenen Mannschaft Zeit zum Sortieren zu verschaffen. 

Beim Abwehrpressing wird ebenfalls versucht den Ball auf eine Seite des Spielfelds zu verlagern. Dann wird weit hinter der Mittellinie eine Überzahl in Ballnähe erzeugt, welche bei guter Ausführung auch gute Aussichten auf einen Ballgewinn mit sich bringt. Der Nachteil ist, dass bei ausbleibendem Ballgewinn aufgrund der Nähe zum eigenen Tor keinerlei Absicherung vorhanden ist. Erfolgreiche Beispiele sind sämtliche von Jose Mourinho geleitete Teams, die bei spielerischer Unterlegenheit ihr Heil in dieser Formation suchen. Ein furchtbar hässliches System. 

Beim Mittelfeldpressing ist eine Absicherung durch die Abwehrspieler vorhanden. Hierbei werden die Gegenspieler um die Mittellinie herum attackiert und bei Ballgewinn geht es schnell nach vorne, ohne zu viel Risiko einzugehen. Diese Pressing-Art ist sehr fordernd für sämtliche Mannschaftsteile, da die Abstände zwischen den Ketten nicht zu groß werden dürfen. Es gibt mehrere Varianten, die sich vor allem in der Deckungsweise (mann- oder raumorientiert) unterscheiden. Richtig angewendet ist sie äußerst effektiv und verlangt immer eine Reaktion des Gegners. So wurden z.B. neue Positionen erfunden: Zum einen der Achter, der sich vor und hinter der gegnerischen Mittelfeldkette bewegt. Zum anderen die falsche Neun, die sich aus der gegnerischen Abwehrkette löst, wenn sie freie Räume erkennt (Stichwort „Raumdeuter“). Da unterlegene Teams gegen Spitzenteams häufig eine Kombination aus Abwehr- und Mittelfeldpressing wählen, ist die falsche Neun inzwischen zum absoluten Schlüsselspieler einiger Top-Teams geworden (wie z. B. Messi, Müller, Ibrahimovic). Lionel Messi ist auch im Zusammenhang mit Angriffspressing zu nennen, welches der FC Barcelona praktiziert. Diese Art beinhaltet das direkte Anlaufen der gegnerischen Verteidiger bereits am gegnerischen Strafraum. Kurze Zuspiele werden zugestellt, lange Bälle durch Druck auf den Gegenspieler im Ballbesitz verhindert. Es geht nicht um den direkten Ballgewinn, sondern um das Erzwingen eines Fehlpasses. 

Passwegorientiertes Gegenpressing des FC Barcelona zu Pep’s Zeiten. Dem ballführenden Spieler werden mehrere Optionen vermeintlich angeboten, während andere im Deckungsschatten der angreifenden Spieler verschwinden.

Eine Lehrstunde im Angriffspressing lieferte der FC Barcelona im Halbfinal-Hinspiel der Champions League 14/15 gegen den FC Bayern München. Hierzulande ist vor allem RB Leipzig zu nennen, wenn es um das körperlich megamäßig anstrengende Angriffspressing geht. Die meisten Teams in Liga zwei spielen mit Mittelfeld- und Abwehrpressing (auch wir). Wird die Mittelfeldreihe überspielt, dann lässt sich die Mannschaft hinten reinfallen, verliert jedoch die Option auf vielversprechende Konter. Weiterhin sind Ballgewinne im Abwehrpressing auch immer eine Gefahr, da es sofort zum Gegenpressing im eigenen Drittel kommt.

Das Gegenpressing ist im Grunde auch ein Angriffspressing, jedoch im Gegensatz dazu zeitlich begrenzt. Bei Ballverlust wird direkt wieder gepresst, um den Ball im letzten Drittel zu gewinnen. Wird der Ball gewonnen, ist der Gegner unsortiert, da eine Umstellung von Defensive auf Offensive stattfand. Auch hier gibt es verschiedene Arten der Umsetzung. Das passwegorientierte Gegenpressing wurde unter Pep Guardiola beim FC Barcelona erfolgreich praktiziert. Hierbei werden Passwege in für den Gegner ungünstige Räume bewusst offengelassen um dort zugreifen zu können. Das spielraumorientierte Gegenpressing, das Meistersystem der Dortmunder unter Klopp, ist eine Weiterentwicklung von Guardiolas System und erinnert an eine Treibjagd. Ziel ist es, den ballführenden Gegenspieler zu isolieren, indem Pass- und Laufwege zugestellt werden. Nach der Isolierung erfolgt der direkte Zugriff mehrerer Spieler, sodass sofort eine Überzahlsituation in Ballnähe entsteht. Beim zugriffsorietiertem Gegenpressing wird der Gegenspieler im Ballbesitz nur so bedrängt, dass er einen Pass spielen muss. Alle anderen Spieler werden in Manndeckung genommen, sodass direkt ein Zweikampf entsteht. Dieses System entwickelte der FC Bayern München als Reaktion auf die erfolgreiche Dortmunder Zeit und dadurch wird auch klar, warum in Arturo Vidal und Javi Martinez zweikampfstarke Spieler auf der Sechs eingesetzt werden. 

Allen gemeinsam ist, dass für eine erfolgreiche Anwendung die Raumaufteilung bereits bei eigenem Ballbesitz passen muss. Es müssen sich bei Ballverlust möglichst viele Spieler in Ballnähe befinden. Gegenpressing erfordert eine enorme Laufbereitschaft und die Fähigkeit bei Ballverlust mental sofort umzuschalten. Der Frust, der aus eigenem Ballverlust entsteht, wird den Spielern teilweise durch psychologische Betreuung abgewöhnt. Ganz allgemein gilt die 5-Sekunden-Regel, die besagt, dass man sich nach fünf Sekunden ohne Ballgewinn in seine eigentliche Defensivformation zurückzieht. Natürlich wird Gegenpressing auch immer situativ angewendet, weshalb diese Regel zeitlich variabel sein kann und auch die verschiedenen Systeme verschmelzen häufig. Als Reaktion auf das Gegenpressing wuchs der Druck auf Innenverteidiger, saubere lange Bälle spielen zu können. Hieraus entstanden Pass-Monster wie Boateng und Hummels. Teilweise spielen Teams ausschließlich mit Gegenpressing. Es geht also nicht primär darum, den Ball über Pass-Stafetten nach vorne zu bringen, stattdessen wird ein langer Ball gespielt und direkt das Gegenpressing eingeleitet. Das ist nicht schön anzusehen, aber einige Teams in Liga zwei spielen mit dieser Ausrichtung. Wirkliche Lösungen, um gegen solche Teams zu bestehen wurden noch nicht präsentiert, weshalb Darmstadt weiterhin in der 1.Liga spielt. Aus dem eigentlich defensiven Pressingkonzept ist also inzwischen eine offensive Philosophie erwachsen.

Mittelfeldpressing im 4-2-3-1. Das Zentrum steht dicht, ein Ball auf die Außen wird ‘angeboten’. Sobald dies geschieht erfolgt das Verschieben der gesamten Mannschaft, die ballferne Seite wird aufgegeben. Bei erfolgreicher Anwendung bleibt nur der Pass nach hinten oder ein riskanter Diagonalball als Option für den ballführenden Spieler.

Natürlich klingen die Konzepte des Gegenpressing vielversprechend. Man muss aber bedenken, dass ein Ballgewinn im Gegenpressing eher selten gelingt. Das liegt daran, dass die Konzepte nur funktionieren, wenn es der Gegner nicht schafft, den Ball aus der Zone befördern, welches inzwischen die erste Handlung eines Spielers bei eigenem Ballgewinn sein sollte. Weiterhin müssen die entsprechenden Zweikämpfe auch gewonnen bzw. Pässe auch abgefangen werden. Bei dem Aufwand, der betrieben wird, scheint Gegenpressing eine ziemliche Misswirtschaft zu sein. Allerdings besteht die Aussicht auf einen Ballgewinn im letzten Drittel gegen einen Gegner im defensiven Umschaltmoment bei eigener Überzahl. Eine Situation, die fast zwingend zu einer Torchance führt. Es lohnt sich also.

// timbo


NEUES VON DEN ALTEN

Sein letztes Spiel hatte er am 26. September 2015 gemacht und wurde nun, nach über einem Jahr Verletzungspause, am 21. Oktober in der 82. Spielminute für seinen Stuttgarter Sturmkollegen Simon Terodde eingewechselt: Der vom Pech verfolgte DANIEL GINCZEK (25) ist wieder dabei, und man darf ihm an dieser Stelle wünschen, zukünftig von weiteren schweren Verletzungen verschont zu bleiben. Verschont blieb auch DENIZ NAKI (27), nachdem am 8. November eine Anklage gegen ihn wegen angeblicher „Terror-Propaganda“ für die PKK vom Staatsanwalt fallengelassen wurde. Der vom Hamburger SV im Mai fallengelassene ehemalige Sportchef PETER KNÄBEL (50) ist nun wieder zunächst temporär in Amt und Würden: Beim FC Zürich soll er in den kommenden Monaten die Nachwuchsabteilung des schweizer Zweitligisten durchleuchten. Ob es danach eine weitere Zusammenarbeit geben wird, ließen beide Seiten offen. Hingegen nicht mehr ganz so offen ist die Trainerkarriere von HORST FRÖHLICH beim FC St. Pauli, der hier 16 Jahre im Verein als Coach tätig war – zunächst im Jugendbereich und seit 2006 erfolgreich für die dritte Mannschaft des FC (momentan Bezirksliga). Im Oktober nun beendete der 57-Jährige seinen Job bei der Dritten, die zurzeit in Richtung Abstieg in die Kreisliga taumelt. Die Entscheidung soll allerdings nicht nur sportliche, sondern vornehmlich private Gründe haben, wie Fröhlich selbst betont. Betont fröhlich gaben sich Ende Oktober GERALD ASAMOAH (38, Manager der U23 von Schalke) und PATRICK MÖLZL (35, Coach beim Süd-Bayernligisten SV Kirchanschöring), die beide nun die Trainer-A-Lizenz (zweithöchste Stufe der Trainerausbildung) erwerben konnten. Glückwunsch! Eine Uniform erwerben durfte neulich TIM PETERSEN (30), der seine Fußballerlaufbahn (u.a. von 2007-2008 vier Liga- und 27 U23-Partien beim FC St. Pauli) an den Nagel hängte (zuletzt Eintracht Norderstedt) und sich fortan als Hamburger Polizist verdingt. Als was sich in nächster Zeit THOMAS MEGGLE (41) verdingen wird, wissen wir zwar nicht, aber auf jeden Fall möchten wir unserem Jahrhundertelf-Mitstreiter nach seiner Freistellung Anfang November alle guten Wünsche mit auf den Weg geben. Auch Meggles Ex-Mitspieler IVAN KLASNIC (36) sei an dieser Stelle nur das Allerbeste hinterhergerufen und Erfolg bei der aktuellen Suche nach einem neuen Nierenspender gewünscht. MARKUS AERDKEN (45) ist seit Mitte Oktober Cheftrainer beim Nordsachsenligisten Radefelder SV. Nicht mehr als Übungsleiter im Amt ist seit Anfang Oktober hingegen der 50-jährige THOMAS SEELIGER, der von seinem arbeitgebenden Regionalligaverein Eintracht Norderstedt nach anhaltender Erfolglosigkeit beurlaubt wurde. Zurück im Job ist ULI SCHULZ (69, von 1971-1974 erfolgreicher Goalgetter beim FC St. Pauli) beim Hamburger Landesligisten Hamm United, nachdem dieser erst zum Saisonende die Cheftrainerrolle an seinen Nachfolger Ayhan Türkkan übergeben hatte, um selbst Sportchef im Verein zu werden. Nun wurde Türkkan aber bereits wieder geschasst und Schulz übernahm erneut. Schon eine Weile nicht mehr als Übungsleiter aktiv ist Supermarkt-Geschäftsführer HOLGER STANISLAWSKI (47), der sich nun aber anschickt, zur kommenden Handelskammer-Wahl Anfang 2017 für die CDU-lastige Liste „Unternehmer für Hamburg“ zu kandidieren. „Als gebürtiger Hamburger und Kaufmann ist es mir eine Herzens- angelegenheit, unsere Stadt weiter aktiv zu gestalten und für uns alle nach vorne zu bringen“, lässt sich Stani auf der Homepage der Wahlliste zu seinen Beweggründen zitieren. Nach hinreichend Beweggründen für die Entlassung ihres Trainers mussten die Verantwortlichen beim Neu-Nord-Regionalligisten SV Eichede auch nicht lange suchen: Sechs Punkte nach 16 Partien bei 9:43 Toren sind nicht eben eine Bilanz, die zu ungehemmter Freude Anlass gibt. Und eben deshalb wurde Coach JÖRN GROSSKOPF (50), nach der 0:5-Pleite bei Eintracht Norderstedt, am 21. November von seinen Aufgaben entbunden. FLORIAN BRUNS (37) wiederum wurde vom temporären Interims-Co-Trainer zum echten Co-Trainer unter Chefanleiter Alexander Nouri befördert (beide waren bis dahin in selber Funktion beim U23-Team engagiert) und bestritt witzigerweise seine erste Partie in dieser Funktion gegen den FC St. Pauli, als es am 6. Oktober am Millerntor zum Freundschaftsspiel zwischen unserem FC und Werder Bremen kam. Ebenfalls als Assistenzcoach agiert weiterhin BABACAR N’DIAYE (43), der diese Position zuletzt bei Preußen Münster einnahm, nun jedoch Anfang September beim Regionalliga-Südwest-Aufsteiger SC Teutonia Watzenborn-Steinberg neben Neu-Trainer Francisco Copado agiert. Und auch noch einen dritten Co-Coach haben wir zu bieten: CHEN YANG (42) ist seit dem 12. Januar 2015 Manager und Assistenztrainer beim Pekinger Hauptstadt-Klub und chinesischen Zweitligisten Beijing Beikong. In Nordrhein-Westfalens Landeshauptstadt Düsseldorf hat im Sommer ROUWEN HENNINGS (29) angeheuert: Die dort ansässige Fortuna lieh den Offensivmann für ein Jahr vom englischen Erstligaaufsteiger FC Burnley aus. Weiterhin im englischen Ligasystem kickt JUNIOR HOILETT (26), dessen Vertrag bei den Queens Park Rangers nicht verlängert wurde, einige Monate ohne einen solchen dastand und nun im Oktober beim Zweitligisten Cardiff City einen Kontrakt bis zum Saisonende unterschrieb. Vom holländischen Erstligisten Roda Kerkrade zum türkischen Erstligaabsteiger Eskisehirspor zog es den mittlerweile auch schon 35-jährigen UGUR INCEMAN. Nachdem er zwischenzeitlich an Antalyasporspor ausgeliehen war, ist ÖMER SISMANOGLU (27) seit dem Sommer wieder für seinem Stammverein Besiktas Istanbul aktiv. Inzwischen auch wieder im Einsatz, nachdem er einige Wochen ohne Arbeitgeber dastand, ist der 22-jährige ANDREJ STARTSEV, der Anfang September eine neue Bleibe beim TSV Havelse fand. Zur ungefähr selben Zeit auch wieder untergekommen ist mittlerweile DAVIDSON EDEN (28) – allerdings zunächst nur bis zum Jahresende – beim dänischen Erstligaabsteiger Hobro IK. Für einen möglichen Absteiger arbeitet jetzt HEIKO ANSORGE (32) – nein, nicht für unseren FC: Der ehemalige Braun-Weiße (2001-2006) ist seit dem Juni als Erzieher im Nachwuchsleistungszentrum des HSV tätig. Vom Regionalligisten Wacker Burghausen zum Wismarer Oberligisten FC Anker wechselte ERDOGAN PINI (24), der seinen Vertrag mit den Bayern vorzeitig aufgelöst hatte. Ebenfalls nach Mecklenburg-Vorpommern zog es CHRISTOPH GORKOW(20), der sich im September dem Oberligsiten FC Mecklenburg Schwerin anschloss. So kam es gleich am 10. September in Schwerin zu einem direkten Aufeinandertreffen unserer beiden ehemaligen U23-Kicker, bei dem Pini beide Treffer zum 2:1-Erfolg seiner Anker-Elf beisteuerte. St. Paulis Ex-Aufsichtsratsmitglied und Ex-Vizepräsident CHRISTIAN POTHE (50) wurde im September beim DFB-Bundesjugendtag als Vorsitzender des DFB-Jugendausschusses wiedergewählt. Um zwei andere Ehemalige trauert die braun-weiße Gemeinde: HERBERT LIEDTKE verstarb am 13. September nach kurzer schwerer Krankheit 65-jährig in einem Hamburger Krankenhaus. Der Offensivakteur absolvierte von 1969 bis 1971 55 Ligapartien für den FC St. Pauli und erzielte dabei 17 Tore. Von August 1990 bis Ende 1991 war Liedtke zudem Manager in unserem Klub. Auch einer der besten Fußballer, den wir jemals in unseren Reihen hatten, segnete unlängst 78-jährig das Zeitliche: Mittelfeldspieler ROLF BERGEEST, aus der eigenen A-Jugend kommend und von 1956 bis 1966 in 214 Pflichtspielen (67 Tore) für St. Pauli auf dem Platz, starb Anfang November in Hamburg. Bergeest zählt zu den ersten Fußballern überhaupt, die den sogenannten Übersteiger perfekt beherrschten. Macht’s beide gut da oben… 

// Ronny

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