Übersteiger 129

„Gewinne werden privatisiert – Verluste sozialisiert.“

Ein einfaches und einprägsames Statement zu Kapitalismus von Karl Marx fasst (immer noch) zusammen, in was für einer Welt wir leben. Sicherlich ist das nicht überall anwendbar, doch in Zeiten der Mäzene und dem offensichtlich nicht funktionierendem Financial Fairplay lohnt sich der kritische Blick auf den aktuellen Wahnsinn. Empört wurde sich bestimmt auch schon 1973, als ein gewisser Johann Cruyff für umgerechnet 1,9 Millionen Euro Ajax Amsterdam in Richtung Barcelona verließ. Geändert haben sich seitdem nur die Namen der Spieler und Nullen hinter den Transfersummen.

Kapitalismus im Fußball beginnt aber nicht erst bei abnormen Ablösen. Vermarktung ist der erste Schritt auf dem Weg zum großen Geld. Und genau das braucht man, will man im Geschäft mitspielen. Der deutsche Markt scheint dafür nicht ausreichend, sodass die Sommer- und Winterpause von vielen Vereinen genutzt wird, um die weltweite Vermarktung voranzutreiben. 

Der Übersteiger hinterfragt nicht nur, wo diese Auswüchse noch hinführen können, sondern schaut auch darauf, was der Ach-so-andere-Verein (Bild-Rhetorik) davon alles mitmacht. Denn es ist sicher, dass – zwar auf andere Art und Weise – aber leider auch in unserem Wohnzimmer die Mechanismen des Kapitalismus greifen (müssen), um dauerhaft Profifußball spielen zu können. 

Gar nicht lange ist es her, dass in genau diesem Wohnzimmer im Rahmen des G20-Gipfels die weltweit führenden Vertreter des Kapitalismus zusammenkamen, um, wie Ewald es so schön zusammenfasste, ohne Legitimation über Probleme zu diskutieren, für die sie selbst verantwortlich sind. Wir haben mit Sven Brux und Reinher Karl zu den Aktivitäten rund um den G20-Gipfel im Verein und um das Stadion gesprochen. Mehr als interessante Eindrücke, die wir euch natürlich nicht vorenthalten wollen.

Verwirrende Zeiten sind das. Da hilft es, sich an ein paar stetige Dinge zu klammern. Liefern wir natürlich gern: unter anderem mit dem dritten Teil der Lampedusa-Trilogie, Timbo’s Taktik-Schule, Döntjes und Neues von den Alten. Fühlt sich hoffentlich ein wenig nach einem warmen Wohnzimmer an, während draußen der Sturm tobt.

Bei allem Schwermut und aller Kapitalismuskritik: Gewinne in einem Verein mit aktiven kritischen Mitgliedern zu privatisieren, wird schwer. Verluste im Sinne von Niederlagen wurden hier sowieso schon immer sozialisiert. Forza Sankt Pauli!

Viel Spaß mit der Nummer 129!

Eure Übersteigers


Nichts bleibt wie es bei Uwe Seeler war

Fußball wird kapitalistischer – doch nur wenige Ligen in der Welt dürfen mitspielen. Hoffnungsschimmer kommt aus Rot-China

Von Hermannus Pfeiffer 

Neymars Transfer “hat alles verändert”. Das sagt der deutsche Auswahlspieler Mats Hummels. Seit dem 200-Millionen-Deal des Brasilianers sei nichts mehr ausgeschlossen. Doch Auszuschließen war bereits vorher nichts. Die Geschichte des Fußballs wird seit langem vom Finanzkapital und seinen Interessen mitgeschrieben.

Blicken wir kurz zurück. Anfang der achtziger Jahre. Die “Eiserne Lady” Margaret Thatcher ist gerade einige Jahre in London im Amt und es gelingt ihr, die britischen Gewerkschaften zu schleifen. In den Vereinigten Staaten wird der Schauspieler und kalte Krieger Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt. Die beiden rechts-konservativen Regierungschefs deregulieren und liberalisieren Wirtschaft und Finanzmärkte. Bald springt der Geist der Gier auch im Fußball aus der Flasche. 1983 wird der erste Klub, Tottenham Hotspur, an einer Börse gelistet. Damals glaubten die Verantwortlich möglicherweise noch, Kapital für “ihren” Fußball zu akquirieren. Man muss die Börse nicht mögen, aber durch sie kann das Kapital breit gestreut werden. Selbst unter Fans.

Aber, fängt einer mit dem Finanz-Doping an, folgen andere nach. Bis Mitte der 1990er Jahre entscheiden sich viele Klubs, ihr Glück an einer Börse zu suchen. Nicht allein in England, dem Vaterland des Kapitalismus, sondern auch in Italien und Spanien, Schweiz, Österreich und der Türkei. Im Jahr 2000 sprang noch Borussia Dortmund auf den bereits abgefahrenen Zug. Als bis heute einziger Ex-Verein in Deutschland ging der BVB an die Börse. Das spülte einige Millionen D-Mark in die Kasse des Klubs. Aber am Aktienkurs der Dortmunder wird beispielhaft deutlich, wie die Träume der Bosse und ihrer Fans platzten. Die frischen BVB-Aktien kosteten vor siebzehn Jahren umgerechnet 11 Euro – heute liegt der Kurs bei nicht einmal 7 Euro. Für Aktionäre ein verdammt schlechter Deal. Andere Börsenklubs wie Grasshopper Zürich gingen Pleite; und viele Kicker-Aktiengesellschaften sind inzwischen vom Kurszettel wieder verschwunden. Das Kursbarometer “Stoxx Europa Football Index” dümpelt seither jahrelang vor sich hin. Klubs aus Großbritannien und Spanien fehlen ohnehin darin ganz.

Dies alles zeigt uns, dass die Beteiligung an einem Fußballklub unmittelbar ein schlechtes Geschäft ist. Bestenfalls eine Liebhaberei. In Deutschland beschritt man ohnehin einen Sonderweg. Die zuletzt lautstärker in Frage gestellte 50-plus-1-Regel des Deutschen Fußballbundes (DFB) verhinderte feindliche und freundliche Übernahmen durch reine Finanzinvestoren. Dennoch erlaubt der DFB seit 1999 Kapitalgesellschaften. Bayer 04 Leverkusen machte den Anfang. Im Jahr 2016 waren dann 14 der 18 Fußballfirmen in der 1. Liga Aktiengesellschaften, Kommanditgesellschaften auf Aktien oder Gesellschaften mit beschränkter Haftung. 

Warum kaufen Oligarchen Klubs?

Als die Ära der quasi noch demokratischen Aktiengesellschaften endete, mit denen sich Vereine Geld für ihren Spielbetrieb verschafften, kamen Oligarchen und Finanzinvestoren. 2003 kaufte der russische Milliardär Roman Abramowitsch den englischen Traditionsklub FC Chelsea. Manchester United – heute Spitzenreiter im Marktwert-Ranking der europäischen Fußballunternehmen – ging zwei Jahre darauf an Malcolm Glazer aus den USA, einer “Heuschrecke”. Faktisch fraß Glazer den Klub und ließ diesen für seine eigene feindliche Übernahme bezahlen. ManU ist heute eine “Public Limited Company”, die auf den Kaiman-Inseln beheimatet ist, einer berüchtigten Steuerfluchtburg.

Doch warum steigen Investoren in ein Business ein, das eigentlich nur Verluste produziert? Sehen wir von persönlichen Aspekten ab – Abramowitsch wollte sich offenkundig zu einer öffentlichen Person machen, um sich gegen Anfeindungen des russischern Staates zu schützen – geht es im Kern um “Inhalte” und private, profitorientierte Medien! Zuschauereinnahmen sowie der Verkauf von Trikots und Werbeflächen sind aus Sicht der Investoren zwar fürs Image wichtig, tragen aber zum Gewinn unterm Strich zu wenig bei.

Ein Vorreiter war der multinationale Medien-Zar Rupert Murdoch. Er setzte mit Sky TV den ersten Bezahlsender auf dem britischen Fernsehmarkt durch. In der Bundesrepublik begann das Privatfernsehen auch mit einem großen, heute weltweit führenden Spieler: Bertelsmann. 1988 startet der Bertelsmann-Sender RTL aus Köln mit seiner Bundesliga-Berichterstattung. Als Rampensau unterhielt uns Ulli Potofski durchaus achtbar. Umgerechnet 20 Millionen Euro kosteten die Senderechte damals. Später holt sich die “Sportschau” der ARD das Spiel zurück. Die Vollversorgung übernimmt die Nachfolgerin der 1991 von Leo Kirch gegründeten Premiere AG, heute Sky Deutschland. Das Internet schuf seit den 1990er-Jahren weitere Vermarktungsmöglichkeiten für Fußball-Inhalte. In dieser Saison sind Spieltage und Berichterstattung in den Medien daher zerfasert wie nie zuvor. Ähnliche Entwicklungen machten andere große Medienmärkte durch, in Westeuropa, in den USA, in Kanada und seit jüngster Zeit auch in Südostasien und China. Überall dort müssen aberhunderte Kanäle mit Quiz-Sendungen, Love-Storys und Sport gefüllt werden. Die riesige und immer noch schnell wachsende Nachfrage nach TV-Gebolze hat die Preise rasant nach oben getrieben. Aus den Millionen wurden Milliarden Euro, Dollar und Renminbi, die für den Inhalt “Fußball” gezahlt werden. Das Spiel beginnt, sich für die Investoren auszuzahlen. 

Das Casino bebt wieder

In den 1990ern internationalisierten sich Finanzen und Fußball. Galt früher das Interesse der meist männlichen Anhänger einem lokalen Verein und der nationalen Liga, gewannen nun Ligen aus anderen (europäischen) Ländern größere Aufmerksamkeit. Mittlerweile reisen ManU, Bayern oder Real wie selbstverständlich nach Dubai, Japan oder China, um für sich und ihre Produkte zu werben.

Inzwischen scheint sich der Fußball-Kapitalismus für die Investoren zu “rechnen”. Der Gewinn von Manchester United betrug im Spieljahr 2016/17 etwa 200 Millionen Euro. Und der Fußballaktienindex “Euro Stoxx” steigt seit 2016 an – das Casino bebt endlich wieder. Der internationale Profifußball konnte im Geschäftsjahr 2015/16 den Umsatzrekord aus dem Vorjahr erneut übertreffen. So stiegen die Gesamtumsätze des europäischen Fußballmarktes (ohne Transfererlöse) von 21,8 auf 24,6 Milliarden Euro. Dies geht aus dem neuen „Annual Review of Football Finance“ hervor, den die Unternehmensberatung Deloitte im Juli veröffentlichte. Gewinner sind die großen Ligen. Genauer: Einige große Klubs in großen Ligen. Mit einem Umsatz von rund 13,4 Milliarden Euro kommen die 1. Ligen in England, Deutschland, Spanien, Italien und Frankreich zusammen auf einen Marktanteil von 54 Prozent! Zwar gibt es erste Anzeichen einer Übersättigung unter den heimischen Konsumenten der Top-Five-Ligen. Doch die mediale Ausdehnung vor allem nach Asien, mit seinem wachsenden, kaufkräftigen Mittelstand, kann dies bislang locker übertrumpfen.

Im internationalen Vergleich rangiert dann selbst die 2. Bundesliga noch beispielsweise vor der niederländischen Eredivisie mit früheren internationalen Giganten wie Ajax, Feyenoord oder PSV und verzeichnet den dreifachen Umsatz der schottischen Premier League oder der Bundesliga in Österreich. Dabei ist die Austria-Liga reich im Verhältnis zu Ligen in Südamerika, Afrika oder Mittel- und Osteuropa. Deren gute Spieler sind lediglich noch Rohstoffware für den Fußballkapitalismus in den Top-Ligen Westeuropas.

In den meisten Ländern verdorrt der Fußball, wie der weit gereiste Berliner Lektor Stephan Lahrem in einem Vortrag für “Die Neue Gesellschaft” in Hamburg eindrücklich zeigte. Leider ist Stephan für diese Ausgabe des “Übersteigers” verhindert. Hier nur soviel: Selbst Spitzenspiele locken kaum noch Zuschauer an; Hooligans und “Nazis” machen Krawall; und Korruption durchzieht die Branche in vielen, auch traditionsreichen Fußball-Ländern wie Griechenland. Verzerrt wird der Spielbetrieb durch “Farmteams”, die Investoren-Klubs in finanzschwachen europäischen Ligen, in Südamerika oder Afrika unterhalten, um für preiswerten Nachschub an Spielern zu sorgen. Ein anderer Auswuchs ist der Kinder-Handel. Shane, der Sohn des niederländischen Altstars Patrick Kluivert, hat nun einen Vertrag mit dem Sportartikelkonzern “Nike”. Shane ist neun. 

Ende in Sicht

Neu ist das verstärkte Engagement von (staatlichen) Akteuren ohne Profitinteressen. Das große China versucht über seine vielfältigen Aktivitäten wie dem Kooperationsvertrag mit dem DFB international sportlichen Anschluss zu finden. Das kleine Katar – umringt von größeren Nachbarn wie Iran und Saudi-Arabien, die miteinander streiten – verschafft sich global Aufmerksamkeit etwa durch die Ausrichtung der Weltmeisterschaft und den Kauf des französischen Hauptstadtklubs.

Davon haben die vielen FußballfreundInnen nicht wirklich was. Immer noch wird gespielt, gibt es Gewinner und Verlierer und nur einer kann Meister werden, andere Klubs steigen halt ab. Der Kommerz nutzt fast ausschließlich einem überschaubaren Kreis von Akteuren: Investoren, der werbenden Industrie, dem Management der großen Klubs, ein paar Spielern weltweit und ihren sogenannten Beratern.

Früher, zu Adolf Jägers und Uwe Seelers Zeiten, war nicht alles besser, aber vieles war gut (frei nach Uwe Steimle). Heute geht es nicht um “Fairplay”, auch nicht um das “Financial Fairplay” des europäischen Fußballverbandes Uefa – mit solchen moralinsauren Überhöhungen werden in der aktuellen Wirklichkeit vor allem die bestehenden Verhältnisse zementiert oder sie werden, wie im Fall Neymar, unterlaufen.

Immerhin suchen und finden Fußballfreunde in aller Welt noch alternative Ansätze. So werden hierzulande Stadionnamen entkommerzialisiert wie in Nürnberg und Hamburg (mit finanzieller Unterstützung von “Sponsoren”). Chinas Sportministerium deckelt die Gier seiner privaten Klubs, in dem es die Zahl der ausländischen Spieler, welche auflaufen dürfen, auf drei begrenzt. Zudem müssen die Klubs die Summen, die in Spielertransfers fließen, nochmals in die Jugendarbeit investieren. Würde Chinas Modell Schule machen, hätten die Zuschauer in finanzschwachen Ligen wie in Brasilien, Polen oder Ghana wieder eine Chance, heimische Talente spielen zu sehen.

// Hermannus


Geld verdienen beim FCSP

Die Marke FC St.Pauli ist eine der wertvollsten unter deutschen Fußballvereinen. Die Entwicklung dahin hat etwas mit einfühlsamer Vereinsführung, aber vor allem mit kluger Marketing-Strategie zu tun. Wie schafft unser FCSP den Spagat zwischen Kommerzialisierung und Beibehaltung der eigenen Werte?

Sind wir mal ehrlich: Wir könnten uns kurz vor Anpfiff alle gemeinsam Werbung anschauen, das Eckenverhältnis von „Autohaus Müller“ präsentiert bekommen, bei Toren jubelnd mit unserer, von „Herrenausstatter Meier“ bedruckten Klatschpappe Lärm machen, während uns „Elektronik Schmidt“ die verbleibende Spielzeit in den Kopf hämmert und wir Bier mit Plastik-Jetons bezahlen. 

Daraufhin würden (noch mehr) Fans sagen „Das ist nicht mehr mein St.Pauli“, da ihnen die fortschreitende Kommerzialisierung des Vereins und die Kapitalisierung seiner Werte ein Dorn im Auge sind, und nicht mehr ins Stadion gehen oder gar ganz mit dem Verein brechen. So ist es aber größtenteils nicht. Die handelnden Personen im Verein wissen genau, dass eben diese Fans für die Vermarktung des FCSP unabdingbar sind. Sie sind sozusagen das Kapital des Vereins. Das bedeutet für die Vereinsführung, dass sie einen Spagat zwischen der Kritik an der Kommerzialisierung und dem Schritt-Halten mit anderen Vereinen bei der fortschreitenden Kommerzialisierung aushalten und moderieren muss. Dies macht sie aus Unternehmersicht mit Erfolg. 

Doch wie kann man in einem kommerzialisierten Umfeld für solche Werte einstehen, ohne sich den prall gefüllten Geldtöpfen zu entziehen? Sicher ist, dass der FCSP nicht am High-End-Produkt Bundesliga beteiligt wäre, wenn er sich den Einkünften aus Sponsoring und Merchandising komplett verweigern würde. Es wurde lange Zeit ein Kompromiss gewählt: So wurde z.B. auf hohe Einnahmen durch den Verkauf der Namensrechte des Stadions verzichtet. Das stellte zwar die eigenen Fans zufrieden, führte aber zu einem klaren Wettbewerbsnachteil im Vergleich zu anderen Klubs. Dieser Nachteil scheint sich nun in einen Vorteil umgewandelt zu haben. Denn die scheinbar ins Unendliche wachsenden Einkünfte führen allgemein zu einer Entfremdung des Profi-Fußballs u.a. durch mit Geld zugeschissene Spieler, die dem „wahren“ Leben so weit entrückt sind, dass eine Identifikation mit ihnen für Fans immer schwieriger wird. Vor diesem Hintergrund erscheint es völlig surreal, dass Schalke 04 weiterhin das Image des Kumpel-Klubs aufrechterhalten will und Bayer Leverkusen sich ernsthaft die Rechte am Namen „Werkself“ sichern ließ.

Es sind vielmehr personenunabhängige Marketing-Strategien vonnöten und während andere Vereine verzweifelt versuchen, sich ein Image zuzulegen oder dieses aufrechtzuerhalten, sind die Werte des FCSP klar durch seine Fanszene definiert. Diese hat mit ihrer deutlichen Haltung gegen Faschismus, Sexismus, Homophobie und Rassismus unweigerlich eine starke Markenidentität geschaffen. Zusätzlich führt der geringe Personen- und Starkult beim FCSP (Ewald Lienen sei hier explizit ausgenommen) dazu, dass die von der Fanszene gelebten Werte eine noch schärfere Kontur bekommen. Dass diese Markenidentität unabhängig vom Erfolg oder Misserfolg der Mannschaft und deren Zusammensetzung vorhanden ist, macht den FCSP als potenzielle Werbefläche nun äußerst attraktiv.

Die meisten Vereine nutzen ihre Spieler als Zugpferde im Marketing, durch seine starke Markenidentität kann der FCSP ganz andere Wege gehen. Während z. B. der FC Bayern München den fliegenden Holländer auf Reisen durch Asien schickt und die Spieler von Manchester United und Real Madrid mit Ronald McDonald an der Hand in US-Stadien einlaufen müssen, um ihre Marke zu präsentieren, kann der FCSP sein Image auf die Reise schicken, oder besser gesagt auf Tour: Zur Eröffnung des FCSP-US-Shops wurden die Bands Less than Jake und Pepper auf Promo-Konzerte-Tour für den FCSP geschickt; Verbindung zum Fußball: Fehlanzeige. In den USA soll die Marke des FCSP losgelöst vom dort zwar wachsenden, aber weiterhin eher unbedeutendem Produkt Fußball funktionieren. Das Zugpferd ist der Mythos, erschaffen durch uns Fans.

Wie erfolgreich die Marke FC St.Pauli ist, zeigt die alljährliche „Fußball-Studie“ der TU Braunschweig. Im dort aufgestellten Vereinsmarken-Ranking aller Profiklubs der 1. und 2.Bundesliga rangiert der FCSP auf Rang vier. Der Wert der Marke FCSP beruht laut der Studie auf den Faktoren „Sympathie“, „Attraktivität“ und weniger auf „Sportlich erfolgreich“. Der FCSP ist sogar Spitzenreiter bei den Vereinsattributen „emotional, „authentisch“ und „einzigartig“. Die Autoren der Studie schreiben hierzu: „Im Hinblick auf die Entwicklung einer starken und unverwechselbaren Vereinsmarke gilt der Kiez-Club für viele Fußball-Bundesligisten als ein Vorbild. Weitgehend unabhängig vom sportlichen Geschehen (…) verzeichnet der FC St.Pauli stetig ein positives Vereinsimage.“. Um den enormen Markenwert des FCSP aufrecht zu erhalten, ist es also notwendig, die Faktoren Sympathie und Attraktivität konstant hoch zu halten. Daraus ergibt sich eine günstige Situation: Es ist davon auszugehen, dass die Beliebtheit des FCSP auf seiner Andersartigkeit und Authentizität beruht. Die Festigung und Steigerung des Markenwerts wird also durch das Einstehen für die von den Fans vorgelebten Werte erreicht. Es ist eine Situation, die sich andere Vereine nur wünschen können: Der FCSP steigert seinen Markenwert indem er die Wünsche und Belange der eigenen Fans berücksichtigt. 

Diese Umstände führen den FCSP nun in die komfortable Situation, den potenziellen Sponsoren Bedingungen für eine Zusammenarbeit stellen zu können. So wurden bei Deezer erst rechte Inhalte entfernt, bevor man als Sponsor des FCSP auftrat und Under Armour verzichtet auf eine Positionierung zum Thema „Jagd“ im europäischen Markt. Doch ist die Marke FC St.Pauli wirklich so attraktiv, dass die Sponsoren solche Umstände in Kauf nehmen? Nein, das ist sie nicht. Es ist eher so, dass die Unternehmen diese Umstände nicht zähneknirschend in Kauf nehmen, sondern forcieren, um die eigene Bekanntheit und Beliebtheit weiter zu steigern. Der FCSP fungiert dadurch, dass sich die Fans mit den potenziellen Sponsoren befassen und kritisch beleuchten, als „Green-Washer“, da dieser Prozess des Image-Wandels eines Unternehmens unter medialer Beobachtung stattfindet. Doch kann es Ziel des FCSP sein, wenn Unternehmen diesen als Fläche nutzen, um sich mithilfe kleinerer Änderungen besser darzustellen, im Großen und Ganzen aber weiter so bleiben wie sie sind? Nun, wenn man im Konzert der Bundesliga mitmischen möchte, dann muss man Kompromisse im Sponsoring eingehen. Dieses Rad darf allerdings nicht überdreht werden. Ansonsten ginge es auf Kosten der Glaubwürdigkeit und somit zu Lasten des Markenwerts. Vor allem aber ginge es zu Lasten der eigenen Fanszene. Hier erscheint der jetzige Weg besser, als wenn jede Sponsoring-Anfrage dankend angenommen wird. Diese Kompromisse stellen aber einen schmalen Grat zwischen der Kapitalisierung und Aufrechterhaltung der eigenen Werte dar. Es bleibt zu hoffen, dass die Vereinsführung diesen klug beschreitet, damit die Marke FC St.Pauli nicht irgendwann zu einer leeren Hülle verkommt, weil keiner mehr im Stadion ist, der für die Werte einsteht.

// timbo


Kiez-Kicker steigen in die Bundesliga auf

Freitagabend. Im hinteren Raum des Clubheims herrscht reges Treiben. Knapp 40 Leute sind heute zum „KiezKickerKing“-Turnier gekommen. Die Tischfußball-Abteilung hat sieben ihrer Tische aufgebaut. Diese Turnierserie ist offen für alle. Abteilungsmitglieder, Gäste, Ligaspieler und auch Anfänger. Es melden sich feste Paare an und spielen um den Titel, wie an jedem Freitag. Manchmal sind sogar bis zu 40 Paare am Start.

Überhaupt ist die Schwelle, Kontakt zur Kicker-Abteilung aufzunehmen, recht gering. Ein weiteres Jedermann/frau-Turnier findet immer mittwochs statt. Mittwochs zum „Absolute Giganten“-Turnier melden sich keine Paare, sondern Einzelspieler*innen an. Im „DYP-Modus“ (Draw Your Partner) wird jeder Anfängerin und jedem Anfänger ein/e erfahrene/r Ligaspieler*in zugelost. So haben hier auch weniger erfahrene Akteure Chancen auf einen Turniersieg.

Kickern in der Liga

Diese offenen Turnierserien im Clubheim sind wichtige Bestandteile des Abteilungslebens, kommen hier doch Spieler*innen aus allen Teams regelmäßig zusammen. Dennoch machen sie nur einen kleinen Teil aus, denn wie in anderen Sportarten gibt es auch im Tischfußball einen regelmäßigen Ligabetrieb und der ist in Hamburg besonders ausgeprägt. Über 100 Teams treten hier in verschiedenen Ligen an. Allein 27 Teams stellt der FC St. Pauli. Inzwischen hat die 2009 gegründete Abteilung über 300 Mitglieder, davon etwa 40 Frauen. 

Während in der 1. und 2. Bundeliga Frauen und Männer in getrennten Ligen spielen, wird in Hamburg in gemischten Teams gekickert. So wie in St. Paulis Team „Fivebar“, neben dem Team „Fightclub“ eines von zwei FCSP-Teams in Hamburgs 1. Liga. „Fivebar“ besteht aus fünf Frauen und sieben Männern. „Vielleicht werden Frauen eher mal unterschätzt“, erzählt Spielerin Nele, „ aber beim Kickern werden Spieler sowieso vorab in Schubladen gepackt, je nach Leistung. Das ist kein Geschlechterding. Nur wenn wir aufsteigen würden, dürften wir nicht als gemischtes Team weiterspielen. Diese Schnittstelle ist ungünstig.“

Mindestens vier Leute sind für ein Team nötig, im Durchschnitt bilden sechs bis sieben Spieler*innen ein Team. Ein Ligaspiel setzt sich (in Hamburg) i.d.R. aus acht Einzeln mit je einem Satz und vier Doppeln mit je zwei Sätzen zusammen. Jedes Team stellt zunächst geheim auf, woraus sich die Paarungen ergeben. 

Pro Satz werden maximal zehn Bälle gespielt. Der höchstmögliche Sieg ist demnach ein 6:0, der knappste Sieg ein 6:4. Für einen Sieg gibt es zwei Punkte. Auch ein 5:5 Unentschieden ist möglich, hier wird jeweils ein Punkt vergeben. Insgesamt werden bei einem Ligaspiel 32 Satzpunkte vergeben.

Der Bundesligaaufstieg

Überregional gibt es die 1. und 2. Bundesliga. Diese werden an einem Vorrunden- und einem Final-Wochenende gemeinsam und zentral ausgespielt. Im restlichen Jahr spielen die Teams zusätzlich in Ligen ihres Landesverbands. Wer dort oben mitspielt, kann an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen. Dort spielte in dieser Saison auch St. Paulis Team „Fightclub“, welches hier offiziell als FC St. Pauli unsere Vereinsfarben an den Stangen vertritt.

Am vorletzten Augustwochenende fand in Düsseldorf der Finalspieltag der Bundesligen statt. St. Pauli war als Vierter der Vorrunde fürs Viertelfinale der 2. Liga qualifiziert. Und hier stand gleich ein Stadtteilderby an. Gegen die „Gadgettos“ vom Nobistor wurde das Halbfinale erreicht. Dort wartete der ASC Göttingen. Da es drei Aufsteiger gibt, war das knappe 8:6 im Halbfinale gleichbedeutend mit dem Aufstieg in die 1. Bundesliga. Mit dem gleichen Ergebnis gegen Gehlenberg holten sich die St. Paulianer im Finale schließlich auch die 2. Liga-Meisterschaft. Nun warten in 2018 so prominente Namen wie Hannover 96 und Eintracht Frankfurt, welche in diesem Jahr das Finale um die Deutsche Meisterschaft ausspielten. Diese holten sich die Niedersachsen.

Kurbeln, Anschlagen und andere Fouls

Tischfußball ist ein sehr fairer Sport. Meist kommt man ohne Schiedsrichter aus, auch in Ligaspielen. Dennoch können Schiris angefordert werden, was bei erwartet brisanten Partien passiert. „Anschlagen und Zeitfouls passieren verhältnismäßig oft“, erzählt Oliver Schlancke, Hamburgs Schiedsrichterobmann im Tischfußball. „Sowas wird dann je nach Vergehen mit Freistößen bestraft, der Regelkatalog ist recht dick.“ Das Foul „Anschlagen“ bedeutet, die eigene Stange etwas ruckartig an den Tischrand zu ziehen und durch diese Erschütterung den Gegner bei der Ballannahme zu stören. Zeitfouls sind zu langes Halten des Balles. Eine am Kneipenkicker recht unbekannte Regel: Pässe dürfen, außer aus der Deckung heraus, nur mit bewegten Bällen gespielt werden. Der Pass eines ruhenden Balls von der Mittelreihe in den Sturm ist ein Foul.

Ein bekanntes Foulspiel hingegen ist die verlorene Stange, im Volksmund als „Kurbeln“ bekannt. Erlaubt ist tatsächlich eine Rotation von 720 Grad, also zwei Umdrehungen. Die Füße der Puppe, wie die Spielfigur genannt wird, stehen vor dem Ball. Dann macht die Puppe eine Umdrehung, trifft den Ball und darf regelkonform noch eine weitere Umdrehung nach dem Schuss machen (siehe auch „Leser*innen-Service: So gelingt Dir der perfekte Übersteiger“). Erst wenn die Umdrehung nochmal über die Stelle hinausgeht, an der der Ball lag, liegt ein Vergehen vor. Dies als etwas ausführlichere Erklärung, um der allgemeinen Kurbeln-oder-nicht-Diskussion vorzubeugen. Damit aber auch genug der Regelkunde.

Ist Kickern ein Sport?

„Sport ist Sport, wenn es jeder machen und durch Training besser werden kann“, sagt der Schiri-Obmann und fügt hinzu: „Beim Tischfußball sind 25% Können, 75% sind Entscheidungen. Erfahrung und Wissen müssen da sein, der Kopf muss trainiert werden.“ Dem pflichtet St. Paulis Abteilungsleiter Luciano Auria bei: „Es ist ein sehr schneller Sport und man muss sehr schnell viele Entscheidungen treffen. Jeder kann diesen Sport betreiben. Größe und Kraft spielen keine Rolle, mentale Stärke ist wichtiger.“

Welt-Kicker-Hauptstadt St. Pauli

Der FC St. Pauli ist inzwischen der größte Tischfußball-Verein der Welt. Der Stadtteil ist natürlich prädestiniert. Auf etwa 50 öffentliche Tische schätzt Luciano die Kickerdichte im Viertel. Die Community wird größer, doch auch die Hemmschwelle für Anfänger wird höher. Am Hamburger Berg trifft man immer öfter auf Ligaspieler. Das Niveau in den Kneipen macht den Einstieg schwer. Allerdings wollte früher niemand seine Tricks verraten. Heute gibt es Trainer. Tricks werden gezeigt und geübt und alle profitieren. Auch beim FCSP sind Neulinge im Training willkommen. Außer im Clubheim finden Training und Ligaspiele im Ex-Sparr am Hamburger Berg und im Kixx am Nobistor statt. 

Barrierefreies Kickern

Im FC St. Pauli gibt es zwei inklusive Teams. Geistig behinderte Menschen trainieren hier u.a. Koordination. Und schon sehr früh hat die Abteilung einen Rollstuhl-Kickertisch angeschafft. Rollis können drunter fahren und die Spieler haben über die etwas niedrigere Bande eine gute Sicht. So können stehende Spieler zusammen mit Rollstuhlfahrern spielen. Beide Inklusionsteams spielen im regulären Hamburger Ligabetrieb.

KiezKickerKing und Meister

An diesem Freitagabend im Clubheim hatten alle Sanktpaulianer*innen das klare Nachsehen gegen ein auswärtiges Team. Den Titel „KiezKickerKing“ holte sich ein Duo bestehend aus der dänischen Nationalspielerin Nathalie Saltz und dem für Hannover 96 spielenden Minyoung Bai, frisch gebackener Deutscher Meister. Die beiden boten ein Niveau, bei dem es dem Laien schon schwer fällt, überhaupt den Ball zu verfolgen. Ihn zu verteidigen ist auch für Ligacracks kaum möglich. 

Website: fcstpauli-tischfussball.de
Facebook: www.facebook.com/fcsp.kickern
Bundesligatabellen: www.dtfl.de
Hamburger Tabellen: www.kickern-hamburg.de

Training im Clubheim:
mittwochs 18-19.30h, freitags 18.30–20h

Training Inklusionsteams (mit Rollstuhlkicker): 
jeden zweiten Mittwoch 18-20h im Clubheim

Jugendtraining: 
In Kooperation mit der Kicker Academy im Haus der Jugend Lattenkamp (dienstags 17-20h)

Offene Turniere: 
„Absolute Giganten“ immer mittwochs im Clubheim (Doppelturnier für Einzelspieler*innen), „KiezKickerKing“ immer freitags im Clubheim (feste Doppel)

Marron Blanco


Timbos kleine Taktikschule

Heute: Nicht denken, sondern machen – Interview mit Ulrich Oldehaver, Mental-Trainer

Ulrich Oldehaver ist Geschäftsführer und Coach der MindVisory GmbH. Neben seiner Tätigkeit als Coach für Manager und Führungskräfte liegen seine Schwerpunkte im Sport-Mental-Training und mentaler Leistungsdiagnostik. Hierbei betreut er auch Teile der deutschen Olympiamannschaft.

Herr Oldehaver, in den USA ist Mental-Training ein fester Bestandteil im Profi-Sport, in Deutschland hingegen eher ein Nischenbereich. Warum ist das so?

Das hat mit der Kultur und Erziehung zu tun. Jeder Sportler weiß, dass der Körper nur die eine Seite ist, aber die Bereitschaft sich mental und geistig weiterzuentwickeln, hat in den USA eine andere Kultur. Das ist sozusagen schon lange amerikanisches Grunddenken, in Deutschland hingegen herrscht eher die Einstellung „Ich bin ein ganzer Kerl, ich habe kein Problem mit meinem Kopf“. Kanada zum Beispiel hat vor den olympischen Spielen in Vancouver etwa 13 Millionen Euro für Mental-Training seiner Athleten ausgegeben. In Deutschland ist man davon wahnsinnig weit entfernt, obwohl man durch Mental-Training in der Regel acht von zehn Athleten besser machen kann.

Wie entwickelt man bei Sportlern „mentale Stärke“?

Das ist nicht pauschal zu beantworten, es kommt auf den Einzelfall an. Eine der wesentlichen Fähigkeiten, die trainiert werden, ist die sogenannte „Ablenkungsresistenz“ oder „emotionale Freiheit“, also die Fähigkeit, die Aufmerksamkeit auf etwas zu richten, das es dem Athleten ermöglicht, sein Leistungsmaximum zu bringen. Für manche ist es dabei wichtig, die Aufmerksamkeit an etwas zu binden, das sie aggressiv macht und motiviert. Mein Klient Markus Deibler antwortete mal auf die Frage, was ihn motivieren würde: „Ein Blick auf die Starterliste. Wenn ich links Phelps und rechts Lochte habe (Michael Phelps und Ryan Lochte, US-amerikanische Schwimmer, Anm. d. R.), dann bin ich voll da.“ Für jemand anderen könnte das eine absolute Katastrophe sein, der stellt sich besser vor, es sei ein Trainingsspiel. Mentale Stärke bedeutet, dass die Athleten in jeder Lage das abrufen, was sie maximal können. Und es ist traurig zu sehen, wie häufig das nicht klappt.

Fußballer stehen in vielen Situationen auf dem Spielfeld unter enormen Druck. Wie kann ein Spieler damit am besten umgehen?

Der beste Weg ist, den Spieler dahin zu trainieren, dass er die Situationen auf dem Platz freudvoll erfährt. Es ist ja nicht so, dass die Situation an sich das Problem darstellt, sondern seine Interpretation von „Was bedeutet das für mich persönlich?“. Ich habe mal einen PET-Scan der Spieler Honda (Keisuke, Anm.d.R.) und Neymar miterleben dürfen. Das ist ein Test, bei dem man dem Gehirn beim Arbeiten zuschaut. Hierbei wurde beiden Spielern ein Ball gegeben und sie sollten ihn in ein leeres Tor schießen. Danach wurden ihnen schrittweise mehr und mehr Gegenspieler in den Weg gestellt. Bei Neymar hat man gesehen, dass während seiner Aktionen das ganze Gehirn aufflammte. Das war der Wahnsinn. Auf die Frage nach seinem Empfinden antwortete er, dass die Situation für ihn spannender wurde, je mehr Gegenspieler auf dem Platz waren. Bei Honda hingegen hat das Gehirn bei mehr Gegenspielern immer weiter abgeschaltet. Am Ende war nur noch in der Amygdala Aktivität zu sehen, also dem Bereich im Gehirn in dem sich Panik breitmacht. Der übrige Teil des Gehirns war inaktiv. Und er meinte, dass er Panik bekommt, wenn er auf so viele Gegenspieler trifft. Das ist der Unterschied. Nicht die Gegenspieler, sondern die Frage, was ich darüber denke. Das ist, was wir im Mental-Training trainieren, weil bei einigen das Gehirn schlichtweg inaktiv wird. Das wirkt sich dann auch neuromuskulär aus, d.h. die Athleten sprinten langsamer, weil das Gehirn in Panik viele sinnlose Muskelgruppen aktiviert, sodass diese Antagonisten den Bewegungsablauf gefühlt anstrengender, aber tatsächlich langsamer machen. Wenn ich jedoch in die Spielfreude komme, dann bin ich im „Flow“. Wenn ich mir aber Gedanken mache was passiert, wenn wir heute verlieren, dann kann es nicht funktionieren.

Sie haben den Begriff „Flow“ verwendet. Im Fußball wird auch der Begriff „Momentum“ für starke Phasen einer Mannschaft genutzt…

…genau, plötzlich passt alles: Jeder Pass kommt an und der unmöglichste Ball wird plötzlich sauber gestoppt. Timothy Gallwey hat in einer Buchreihe („The inner Game of…“, Anm. d. R.) das Selbst-1 und das Selbst-2 beschrieben. Das Selbst-1 ist der logische, der bewusste Verstand, also der Teil, mit dem wir uns fragen: „Was passiert, wenn wir heute verlieren“. Das Selbst-2 ist der Teil, der dafür sorgt, dass wir das tun, was wir können, wenn man uns lässt. Laut Gallwey ist das Problem, dass wir zu oft meinen, und das ist eben auch sehr deutsch, mit dem Selbst-1 Situationen kontrollieren zu können. Wenn ich als Fußballer nun versuche, mir selbst zu erklären, wie ich den Elfmeter schießen muss, damit er reingeht, dann wird es schwierig, weil der Teil, der versucht, es uns zu erklären, nicht der Teil ist, der es kann. Das Selbst-2 ist nun der Teil, der zum Tragen kommt, wenn eine Mannschaft im „Flow“ ist, bzw. das „Momentum“ da ist. Wenn die Spieler also vergessen zu denken und einfach nur noch machen und damit auch das Beste, was sie draufhaben, abrufen, dann kann man diesen Zustand erreichen.

Wie bringt man Spieler in diesen „Flow“?

Anders herum: Was uns aus diesem „Flow“ bringen kann, sind zwei Dinge: 1. Wenn die Aufmerksamkeit nicht bei dem Spiel oder dem Wettkampf ist und 2. Wenn man körperlich in einer Haltung oder einem Zustand ist, der die mentale Fähigkeit minimiert, also, wenn man die Schultern hängen lässt, nach unten schaut oder flach atmet. Diese beiden Dinge muss man immer wieder auftrainieren, d.h. ich trainiere die Athleten darin, dass sie in der Lage sind, ihren Fokus auf das zu richten, was in dem Moment für sie relevant ist. Und ich lehre sie, ihre Haltung zu bewahren, den Blick horizontal zu richten, tiefer ins Zwerchfell zu atmen. Diese kleinen, einfachen Dinge haben eine riesige Rückkopplung auf das Mentale. Wenn ich also manche Spieler über den Platz schleichen sehe, dann weiß ich, dass das nix werden kann, da kann kein „Flow“ entstehen.
Der FC St.Pauli spielte letzte Saison gegen den Abstieg und hat diesen durch eine starke Rückrunde vermieden. 

Inwiefern gehen Spieler und Mannschaften aus solchen Ereignissen gestärkt hervor?

Klar, so etwas kann helfen. Der HSV dient aber als Gegenbeispiel. Da hat es eben nicht geholfen, mehrfach durch die Relegation zu kommen. Aber da ist natürlich auch mehr Fluktuation auf allen Ebenen, also viel weniger Konstanz als bei St.Pauli, was sicherlich nicht hilfreich ist. Beim FC St.Pauli kann ich mir gut vorstellen kann, dass so etwas stärkt, weil sich die Mannschaft auch als Mannschaft begreift und mit Herz dabei ist. Je mehr es um die Frage geht: „Was wird nächste Saison aus mir?“ und nicht aus der Mannschaft, desto weniger hilft das. Das erleben Menschen auch außerhalb des Sports, wenn man etwas zusammen geschafft hat, was schwer aussah, dann gibt es einen Kick, aber nur wenn die Menschen zusammenbleiben und auch zusammenbleiben wollen. Insofern bin ich bei St.Pauli recht zuversichtlich, dass der gemeinsam erreichte Klassenerhalt einen nachhaltigen Kick gegeben hat.

// timbo


Neues von den Alten

Beim letzten Saisonheimspiel des SC Victoria wurde er verabschiedet – jetzt bleibt er doch: MARIUS EBBERS (39) wird beim Hoheluft-Oberligisten Co-Trainer. Aufgeben musste er allerdings seinen Klamottenladen „Ebb & Flow“ in der Schanzenstraße; „das Geschäft lief nicht mehr“, so der 39-Jährige. ANDRÉ TRULSEN (52) hat es wieder zum Co-Trainer geschafft: „Truller“ unterschrieb als Assistent von Marc Fascher bei den Sportfreunden aus Lotte. Fast schon ein alter Hase im Trainergeschäft ist DANIEL SAGER. Der 38-Jährige unterschrieb für die neue Spielzeit beim Oberliga-Absteiger Klub Kosova. Ebenfalls im Trainer-Genre ist JENS MATTHIES (40) aktiv, der beim SC Germania Amberg als Chefcoach anheuerte – einem Kreisligisten aus der Oberpfalz. YUSUF AKBEL (33) agiert ebenfalls als Übungsleiter. Seit dieser Saison leitet er die Geschicke von Inter 2000 in der Bezirksliga Süd. Auch FLORIAN BRUNS (37) wechselte den Klub: Statt als Co-Trainer von Werder-Chefcoach Alexander Nouri Hütchen aufzustellen, zählt Bruuuuns nun zum Trainerstab des SC Freiburg. Noch ohne neue Anstellung ist der 47-jährige BERND HOLLERBACH. Nach dem Abstieg seiner Würzburger Kickers zog „HoHoHo…“ die Konsequenz und trat zurück. Was er nach eigener Aussage aber auch beim Klassenerhalt getan hätte. Genauso ohne neuen Verein ist ABDER RAMDANE (43), nachdem sich Lienens Assistent und der FC St. Pauli Anfang Juni offiziell getrennt hatten. EWALD LIENEN (63) selbst wechselte bekanntlich vom Trainersessel auf den bei St.Pauli neu geschaffenen Posten des Technischen Direktors. Verlassen hat den FC St. Pauli ROLAND KROOS (57), der lediglich ein halbes Jahr in der Scouting-Abteilung arbeitete. Der Vater von Real-Madrid-Toni kehrt in seine alte Heimat zurück, als Cheftrainer des Verbandsligisten Greifswalder FC. Von der Leine an den Rhein trieb es JAN-MORITZ LICHTE (37), nachdem ihn die Verantwortlichen von Hannover 96 nicht länger als Leiter des dortigen Nachwuchsleistungszentrums sehen wollten. Nun fungiert der lizenzierte Fußballehrer bei Mainz 05 als Co-Trainer. Ebenfalls als Assistent arbeitet seit mehr als zehn Jahren in diversen Vereinen THOMAS STICKROTH (52), der von 2014 bis 2015 bei unserem FC als Mentaltrainer engagiert war. Jetzt holte ihn der Liechtensteiner Klub FC Vaduz, der mit Cheftrainer ROLAND VRABEC (43) gerade in die zweite Schweizer Liga abgestiegen ist, als Vize. Aufgestiegen mit ihren Vereinen sind hingegen die Trainer BERKAN ALGAN (40), der Altona 93 in die Regionalliga Nord führte, und HANS-FRIEDRICH „MECKI“ BRUNNER(57), der es mit Eutin 08 in diese Liga schaffte. Brunner kickte 1980/81 als Stürmer (11 Tore in 29 Spielen) für den FC St. Pauli. Mit dem Düneberger SV gelang Trainer DENNIS TORNIEPORTH (34) der Aufstieg von der Kreisliga in die Hamburger Bezirksliga (Ost). Auch der 62-jährige DIETMAR DEMUTH durfte als Aufstiegscoach jubeln, weil der BSG Chemie Leipzig mit ihm als Chef der Sprung in die Regionalliga Nordost gelungen ist. Auch gelingen möge TIMO SCHULTZ (40) das erfolgreiche Abschneiden des 64. Fußballlehrer-Lehrgangs. Neu im Übungsleiter-geschäft ist FELIX LUZ (35), der mit Trainer-A-Lizenz jetzt als Assistent bei der U16 VfB Stuttgarts angetreten ist. Nicht mehr nur Nachwuchs-Leiter, sondern zusätzlich Chefcoach der U19 des VfL Bochum ist JENS RASIEJEWSKI (42). Übergangsweise übernahm beim FC Ingolstadt HARALD GÄRTNER (48) neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer die Position des Sportdirektors, nachdem Thomas Linke gekündigt hatte. Im Zuge einer „strukturellen Neuausrichtung“ (was immer dies heißen mag) hat sich der Chemnitzer FC von seinem Geschäftsführer Sport STEPHAN BEUTEL (51) getrennt. Weiterhin voll im Geschäft ist hingegen BABACAR N’DIAYE (43), der zuletzt als Co-Trainer beim Südwest-Regionalligisten SC Teutonia Watzenborn-Steinberg agierte und inzwischen als Teammanager bei RB Leipzig arbeitet. Auch PETER KNÄBEL wird nicht langweilig: Als Champions-League-Experte ist der 50-Jährige beim Schweizer TV-Sender SRF eingestiegen. Weder ein- noch ausgestiegen, sondern auf dem Abstellgleis befindet sich der Noch-Nürnberger ENIS ALUSHI (31), der nach einer Ausleihe an Maccabi Haifa zurück ins Frankenland gekehrt ist, dort aber lediglich zur Weiterveräußerung fit gehalten wird. Erst war er ausgeliehen, dann hat man ihn gekauft – und nun an einen Drittverein weiterveräußert: Die Rede ist AKAKI GOGIA (25), der vom englischen Zweitligisten FC Brentford an Dynamo Dresden ausgeliehen war, von diesen zwar nun gekauft, dann aber an den 1. FC Union Berlin weiterverkauft wurde. Auch ROUWEN HENNINGS (29) war ausgeliehen und sollte, nach einem Jahr bei Düsseldorfs Fortuna, zurück zum britischen Erstligaverein FC Burnley. Dann allerdings die Kehrtwende: Hennings wurde ablösefrei von Burnley an die Rheinländer transferiert. SÖREN GONTHER (30) unterschrieb bis 2020 ausgerechnet bei „unseren Dynamo-Freunden“ aus Dresden, wo rechte und rechtsoffene Gruppen – Respekt für alle, die sich dort anders positionieren – in der Regel den Ton angeben; viel Spaß. Ebenfalls „nicht ganz ohne“ ist die Fanszene des FC Energie Cottbus, wo für die neue Saison ANDREJ STARTSEV (23) in den Ring gestiegen ist. Mit neuem Arbeitgeber kann auch ALEXANDER LUDWIG (33) aufwarten, der vom fünftklassigen Oberligisten BSG Stahl Riesa zum Drittligisten Rot-Weiß Erfurt wechselte. Neuen Unterschlupf fand auch KEVIN SCHINDLER (29), der sich für die kommende Spielzeit dem US-Zweitligisten FC Cincinnati anschloss. Abermals vom SV Werder Bremen verliehen wurde LENNART THY (25), der nun in Diensten des holländischen Erstligisten VVV-Venlo steht. Und auch der 26-jährige ANTE BUDIMIR kickt auf Leihbasis: Von Sampdoria Genua geht’s versuchsweise wieder zurück zum FC Crotone. Die Eintracht aus Frankfurt für mich überraschend verlassen hat BASTIAN OCZIPKA (28), der nun in Gelsenkirchen bei den Schalker Knappen seine Brötchen verdient. Auch von FILIP TROJAN (34) war kürzlich wieder zu lesen: Unser Ehemaliger avancierte im Sommer 2016 zum Trainer der dortigen U14 und assistiert aktuell dem Cheftrainer der Dynamo-U17. Nach einem offensichtlich erfolgreichen Probetraining beim englischen Zweitligisten Norwich City hat der 24-jährige TOM TRYBULL einen Einjahresvertrag erhalten. Schon 2012 hatte CATALIN RACANEL seine aktive Laufbahn als Spieler bei Borussia Neunkirchen eigentlich beendet. Dann hat er es sich doch anders überlegt, stieg Anfang 2014 wieder ein und kickt als heute 40-Jähriger beim saarländischen Achtligisten (Landesliga Ost) FV Oberbexbach. Der 29-jährige DAVIDSON EDEN (früher DROBO-AMPEN) ist zurück aus Dänemark. Der Abwehrmann schloss sich unserem U23-Konkurrenten Lüneburger SK an. Vom Landesligisten BW 96 Schenefeld zum Bezirksligisten SV Lurup wechselte MATHIAS HINZMANN(33), und vom Südwest-Regionalligisten TSV Steinbach zum Schleswig-Holstein-Ligisten VfR Neumünster zog es LAURYNAS KULIKAS (23). Ebenfalls in Deutschlands nördlichstem Bundesland ist NICO EMPEN (21) gelandet, den der FC St. Pauli zum ambitionierten Regionalligisten SC Weiche Flensburg 08 (bislang als ETSV Weiche Flensburg bekannt) transferierte. Allerdings behält sich der FC vertraglich die Option offen, den Stürmer wieder ans Millerntor zu holen. Klingt nach Leihgeschäft, wird aber nicht so genannt. Ganz im Gegenteil zum Kontrakt bei MARVIN DUCKSCH(23), dessen Ausleihvertrag an Zweitliga-Neuling Holstein Kiel um ein Jahr bis 2018 verlängert wurde. Auch das Leihgeschäft mit dem 22-jährigen MATS MØLLER DÆHLI wurde verlängert: ein weiteres Jahr schickt ihn der SC Freiburg freundlicherweise ans Millerntor. Ein weiteres Ausleihgeschäft ist hingegen beendet: Für kolportierte 1,0-1,3 Millionen Euro kaufte der FC St. Pauli CENK SAHIN (22). Der 23-jährige MICHAEL GREGORITSCH, den der FC St. Pauli 2013/14 aus Hoffenheim ausgeliehen hatte, unterschrieb beim FC Augsburg und verließ damit den Hamburger SV. Von der Landes- in die Bezirksliga ging DENIZ KACAN (33), der Dersimspor verließ, um sich Zonguldakspor in der Südstaffel anzuschließen. Zurück in Hamburgs Ligen ist LUKASZ SOSNOWSKI (30), der zuletzt beim WSV Tangstedt (Kreisliga Stormarn/Lauenburg in Schleswig-Holstein) kickte. Nun landete Sosnowski in der Landesliga Hansa beim Klub Kosova, wo ihn DANIEL SAGER (s.o.) trainieren wird. Schon vor zwei Jahren hat ADOLPHUS OFODILE (37) seine Karriere beim SC Herford (sechstklassige Westfalenliga) beendet, doch erst jetzt wurde ich wieder auf ihn aufmerksam. Der Nigerianer lebt heute in der Hansestadt(!) Herford. Noch länger nichts gelesen oder gehört hatte ich vom ehemaligen St.Pauli-Abwehrmann ACHIM GRÜN (50), der in der Saison 1991/92 in fünf Pflichtpartien eingesetzt worden war. Grün ist heute, so lehrt mich die „Westfalenpost“, Unfallchirurg und Orthopäde in Warstein. Ein Wiedersehen wird es in der laufenden Regionalligasaison mit ERDOGAN PINI (25) undMARCEL ANDRIJANIC (24) geben. Beide ehemaligen U23-Kicker haben aktuell beim SV Drochtersen/Assel unterschrieben. Stürmer Pini kommt vom Oberligisten Anker Wismar, Mittelfeldmann Andrijanic vom Regionalligisten TuS Erndtebrück. Zunächst nicht mehr hier sehen werden wir den 21-jährigen Nachwuchskicker DENNIS ROSIN, der sich an Werder Bremens U23 (3. Liga) gebunden hat. MARLON KRAUSE (26) verließ den Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach, um sich dem Traditionsverein 1. FC Saarbrücken an den Hals zu schmeißen. Hals über Kopf verließ FURKAN PINARLIK (21) nach nur einem halben Jahr wieder überraschend den TSV Wedel, um zum Saisonanfang beim Landesligisten Meiendorfer SV einen neuen Kontrakt zu unterzeichnen, obgleich es Angebote aus Regional- und Oberliga gegeben haben soll. Komisch auch mal wieder, was mit MARC-KEMO KRANICH (25) passiert(e): Meldete ich in der vergangenen Ausgabe noch den Wechsel von Altona 93 zu BU (offizielle Pressemitteilung von Barmbek-Uhlenhorst!), tauchte der Stürmer im April wieder im AFC-Kader auf, wurde bei den restlichen fünf Liga- sowie den Aufstiegsspielen eingesetzt – und verschwand erneut in der Versenkung: fortan doch kein AFC mehr, aber auch (noch) kein anderer Verein. Sehr merkwürdig das Ganze. Apropos AFC: Dort kickt nun auch der Regionalliga- und abstiegserfahrene Moorburger WILLIAM WACHOWSKI (24, 2007-2013 beim FC St. Pauli), der sich vom RL-Absteiger SV Eichede zum RL-Aufsteiger veränderte. Zum VfB Lübeck zog es YANNICK DEICHMANN (22), der sich nach einer Saison beim VfR Aalen dem Klub aus der hübschen Stadt mit den hässlichen Fans verschrieben hat. Beim SV Elversberg ist TJORBEN UPHOFF (22) gelandet, der zuvor bei der zweiten Mannschaft von Schalke 04 gegen den Ball getreten hat. PETER IWOSA (31) wechselte innerhalb Hamburgs von V/W Billstedt zum Landesligisten USC Paloma, und Tormann YANNICK JONAS (25), erst 2016 vom USC Paloma zur U23 FC St. Paulis gestoßen, verlässt die Hoheluft schon wieder in Richtung Oberligist FC Türkiye. Ebenfalls adieu sagt nach nur einem Jahr bei St. Paulis Zweiter EMRE COSKUN (20), der 2016 vom SC Condor zur U23 gewechselt war. Coskun zog es zum Oberligisten FC Teutonia 05, wo bereits ehemalige St.-Pauli-Spieler auf seine Mitarbeit warten: FREDERIC BÖSEDAVID EYBÄCHERJETON ARIFISTEFAN WINKEL und DENNIS DUVE. Auch die 21-jährige Offensivkraft MARIAN KUNZE musste unsere U23 verlassen, hat im Lüneburger SK allerdings einen neuen Arbeitgeber gefunden. Das gilt auch für den 20-jährigen MARVIN KEHL, der ebenfalls an die Illmenau wechselte. Wieder zurück in Hamburg ist Tormann FABIAN LUCASSEN(30), der beim Oberligisten SV Curslack-Neuengamme das Gehäuse sauber halten will. Inzwischen bei Energie Cottbus ist unser Ex-Viertligakicker LASSE SCHLÜTER (25) gelandet, der 2014 aus Hamburg zu Wacker Nordhausen gewechselt war. Aus persönlichen und beruflichen Gründen ging EDIN TANOVIC (20) nach einem Jahr bei St. Paulis Zwoter zurück zum Oberligisten TSV Sasel. FC St. Pauli II, Hallescher FC, Carl Zeiss Jena und Wacker Nordhausen hießen die letzten Stationen von PIERRE BECKEN(29), ehe er zur laufenden Saison zum West-Regionalligisten Wuppertaler SV changierte. Ebenfalls im Westen, aber eine Liga höher, kickt OKAN KURT (22), der sich der Fortuna aus Köln angeschlossen hat. Höchst überraschend kam die Verkündung des Wechsels von KWASI OKYERE WRIEDT (23) vom Drittligisten VfL Osnabrück zum FC Bayern München, wo der ehemalige braunweiße U23-Kicker für die zweite Elf aufläuft. Leider St. Paulis U19 verlassen hat Stürmer RASMUS TOBINSKI (19), der sich dem neuen Nord-Regionalligisten Eutin 08 angeschlossen hat. Der 28-jährige ERIC MAXIM CHOUPO-MOTING, der in der Saison 2003/04 in St. Paulis Jugend kickte, wechselte nun ablösefrei von Schalke 04 zu St. Paulis Kooperationspartner Stoke City. LARS MROSKO (40), Ex-Topscout nicht nur beim FC St. Pauli, hat’s inzwischen beschaulicher und coacht in der Berliner Landesliga Türkiyemspor und berät zudem den englischen Klub Bradford City. Ein alter Bekannter in der Hamburger Fußballszene ist ANDREAS „BOLLER“ JESCHKE (50), der als Trainer zum TBS Pinneberg (Hamburger Bezirksliga West) zurückkehrte, wo er bereits 2014 ein fünfmonatiges Intermezzo eingelegt hatte. Das ist erstaunlich, weil Jeschke Ende Juni bereits bei Grün-Weiß Eimsbüttel II anheuerte. St. Paulis Mannschaftsarzt Prof. Dr. HAUKE MOMMSEN (48) bat aus beruflichen Gründen (U19-Nationalelf-Teamarzt, Hochschultätigkeit in Kiel) zum Saisonende um Vertragsauflösung. Noch ohne neuen Verein sind zum Zeitpunkt unseres Redaktionsschlusses die Spieler MICHAEL GÖRLITZ(30), zuletzt bei Arminia Bielefeld, FABIAN GRAUDENZ (25, zuletzt FSV Frankfurt), unser Ex-U23-Akteur PATRICK SMEREKA (31), der beim Klub Kosova aussortiert wurde, sowie die beiden 21-jährigen U23-Kicker der abgelaufenen Saison, TIM-JULIAN PAHL und ERNESTO KEISEF. Tschüss sagen wir an dieser Stelle auch in Richtung unseres Stadionsprechers RAINER WULFF (74), der jetzt ablösefrei in den mutmaßlichen Ruhestand wechselte, und unserem Vereinsfaktotum HERMANN KLAUCK (82), der nach 44 Jahren ehrenamtlicher Vereinstätigkeit nun endgültig alle offiziellen Ämter ruhen lässt und sich nur noch – verdientermaßen, möchten wir hinterherzwitschern – einem geruhsamen Lebensabend widmen will. Hermann und Rainer, alles Gute von der gesamten Redaktion! Alles Gute, und vor allem gute Genesung, geht an dieser Stelle und abschließend an GEORG VOLKERT (71), der von 1986-1990 Manager am MiIlerntor war und an DIRK ZANDER. Volkert erlitt Mitte Juni einen schweren Herzinfarkt, Zander vier Tage vor seinem 52. Geburtstag einen leichten Schlaganfall.

// Ronny

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