Übersteiger 129a

Glaube, Liebe, Halbzeitsong … 

Mit dem Glauben ist das so eine Sache. Gerade heute am Tag eins nach Bielefeld. Da glauben wir erst mal gar nichts mehr. Die Liebe zu unserem FCSP ist allerdings noch da. Aber sie tut ganz schön weh. Nicht glauben konnten wir es übrigens, als wir erfuhren, dass irgend so ein Volldepp die komplette Übersteiger-Kollektion aus dem Fanräume-Archiv entwendet hat. Da fällt uns tatsächlich nur der sprichwörtliche Mittelfinger ein. In your face, du Egoist*in! – beim Gendern muss man ja konsequent sein, auch wenn man sich‘s nicht vorstellen kann. Apropos Gendern: Sehr schmerzlich werden wir Elin vermissen. Mit ihr geht ein Stück vom Herzen des Fanladens, das immer besonders für Frauen und gegen Diskriminierung schlug. 

Kaum glauben können wir auch, dass das Ewald-Interview nun tatsächlich da ist. Pünktlich zu Weihnachten sozusagen auf dem Gabentisch, gemeinsam mit vielen weiteren Perlen rundum Verein, Viddel, Fußball und Politik. Neben diesem Interview-Klassiker gehen wir auch ganz aktuell da hin, wo‘s wehtut, nämlich zu der Frage, ob der neue Einlaufsong zur 2. Halbzeit nun besser, schlechter oder einfach nur anders ist. 

Nicht ganz so brennend, aber trotzdem heiß ist der sogenannte Goalimpact, den eine Hamburger Firma gleichen Namens entwickelt hat. Legt man diesen zugrunde, ist Florian Kringe einer der besten Feldspieler, die unser FC St. Pauli je hatte. Wir wussten es doch schon immer, konnten es nur nicht mit Fakten belegen. Wie der Goalimpact funktioniert, erklärt Timbos kleine Taktikschule. 

Abseits des Fußballs tut sich auch so einiges beim und mit dem FCSP: Eine neue Abteilung hisst bald die Segel; die Handballer waren auf Projektreise beim Gorillas Handball Club in Kigali, Ruanda, und Kollege hog ist gerade zum Water!Walk mit Viva con Agua in Uganda. Heute am Erscheinungstag des Übersteigers ist die großartige Ausstellung „Fußball in Trümmern“ den letzten Tag im 1910-Museum geöffnet. Wer das nicht mehr schafft, kann mit Kurator Christoph Nagel hinter die Kulissen blicken. 

Wenn ihr euch dann auch noch durch einen Haufen Rubriken gelesen habt, geht es euch wieder gut. Denn die Welt des FC St. Pauli ist wunderbar und so viel mehr als neun Gegentore. 

Forza! Eure Übersteigers


Wer sind wir und wo wollen wir hin?

In der zweiten Liga zu spielen ist eine große Herausforderung für jeden Verein, wandelt man doch ständig zwischen zwei Welten. Circa zwei Drittel aller Mannschaften peilen – offen ausgesprochen oder nicht – den Aufstieg an. Für den Rest ist Platz 15 die Ziellinie. Dabei ist eine Einschätzung dazu, wie gut ein Kader tatsächlich ist, oft nur schwer möglich. Ein Indikator für gehobene Ansprüche ist dabei immer die Vorsaison. Ob der unfassbaren Rückrunde der letzten Saison, waren diese im Umfeld des FCSP recht hoch. So richtig klar wird nicht, warum die letzten Leistungen nicht mit denen vor der Sommerpause konkurrieren können. Manche wähnen den Grund in der Systemstellung auf zwei Spitzen. Doch ganz ehrlich: War es in dieser Saison mit nur einer Spitze besser?! Oder haben sich andere Vereine einfach „besser“ auf den braun-weißen Gegner einstellen können und uns austaktiert? Sind die Spieler nicht genügend motiviert? 

Wenn ich ehrlich bin, kann ich nicht so recht sagen, woran es liegt. Wie Ewald im Übersteiger-Interview erwähnt: Eine Fußballmannschaft ist ein lebendiges Gebilde, in dem viele Räder ineinander greifen müssen, wenn sie erfolgreich sein will. Dass man außer einer unglaublichen Schwäche bei Standards nicht so richtig ausmachen kann, wo es denn nun hakt, macht noch unzufriedener. Das führt dann dazu, dass sich jedes kleinste Detail vom Wochenende misstrauisch angeschaut wird. Mats Moeller Daehli auf außen? Buchtmann weiter vorne auf der 10? Flum gar direkt auf der Bank und das auch noch gemeinsam mit Sahin? In Krisenzeiten wird all diesen Entscheidungen von Trainerseite nicht mehr vertraut. Dabei haben die wenigsten einen kompletten Überblick zu Trainingsleistungen und Innenleben einer Mannschaft. Zudem gehen wir alle – auch das stammt von Ewald – viel kritischer mit den eigenen Spielern um, weil wir diesen Profis jedes Wochenende zuschauen und dadurch Leistungen strenger bewerten. Nur wenige bewerten die Leistungen von Spielern außerhalb dieses Vereins. Wahrscheinlich sind die meisten Fußballfans mit den Leistungen „Ihrer“ Spieler in der zweiten Liga selten zufrieden. Schließlich wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit das gesteckte Ziel verfehlt. 

Viele Kleinigkeiten bescheren uns diese bisher durchwachsene Saison. Im Hinblick auf das Spielerpotenzial ginge sicherlich mehr, doch wann hatten wir das volle Potenzial denn mal zur Verfügung? Nahezu jedes Wochenende ist das Trainerteam dazu gezwungen, eine andere Startelf auf das Feld zu schicken. Zudem wurde in der Sommerpause beschlossen, auf zwei Spitze umzustellen. Zu oft fehlte es im letzten Jahr an Durchschlagskraft. Ein Unterfangen, welches mit der Verpflichtung von Sami Allagui angegangen wurde und (noch) nicht erfolgreich ist. Wer daran nun Schuld trägt, ist dabei schwer zu sagen. Ob Allagui und Bouhaddouz auf dem Platz dann tatsächlich harmonieren, ist immer eine Lotterie. Doch nicht nur im Sturm wurden Änderungen vollzogen. Wichtige Posten im Trainerteam sind neu besetzt worden und eben auch an dieser Stelle muss Vieles von Anfang an passen, um direkt Erfolg zu haben. Häufig braucht es etwas Zeit, bis sich alles eingegrooved hat. 

Zeit. Die hat man im Profifußball auf und neben dem Platz eher selten. Besonders in Liga zwei. Erfolge müssen her. Am besten noch in den letzten beiden Spielen vor der Winterpause. Sonst werden die kritischen Stimmen immer lauter. Danach wird sich zeigen, welche Form der Winterpause das Trainerteam erwartet. Passend zu dieser wegweisenden Woche haben wir zwei blau-weiße Gegner zu Gast. 

Der MSV Duisburg ist neu in der Liga. Zwar gehören die Meidericher gefühlt zum Inventar im Unterhaus, doch sind sie in der (glücklichen) Lage mit Platz 15 durchaus zufrieden zu sein. Schlechte Leistungen sind kein Genickbruch, schließlich ist man Aufsteiger. Nach einem durchwachsenen Start, konnten in den letzten Partien einige Punkte mit Minimalisten-Fußball erhamstert werden. Ähnlich wie bei uns setzte es aber gerade eine 0-4 Klatsche (gegen Jahn Regensburg). Cheftrainer Ilia Gruev kennt das Leben in Liga zwei mit Stationen als Co-Trainer in Kaiserslautern und Duisburg (auch als Co-Trainer) schon gut genug, um sich dadurch nicht aus der Bahn werfen zu lassen. Die Leistungen der Mannschaft sind schwankend. Auf einen starken 4-0 Erfolg in Bielefeld folgte eine Schlachtung mit einem 1-6 zuhause gegen Nürnberg. Duisburg kommt also als Wundertüte ans Millerntor, wird aber trotzdem wohlwollend empfangen. Schließlich haben wir das letzte Mal 1992 verloren, wenn wir dem „Zebra-Twist“ zuhause lauschen durften. Wir hätten sowieso nichts dagegen, wenn wir den Spielverlauf vom 22. August 2011 wiederholen und nach einem 2-1 in der Nachspielzeit kräftig im Bier duschen. 

Mit dem zweiten blau-weißen Gegner wird dann bereits die Rückrunde eingeläutet. Spätestens, wenn sich die Rauchschwaden der Wunderkerzen am Montagabend verzogen haben, dürften wir alle den VfL Bochum erkennen. Sofern nicht Herbert Grönemeyer schon vorab als ausreichender Hinweis gedeutet wurde. Wenn wir momentan schon kritisch mit unserer Mannschaft umgehen, müssen wir uns fragen, was aktuell in Bochum abgeht. Nach zwischenzeitlichem Auf und Ab ging es die letzten Wochen nur noch nach unten. Nun hält man sich mit Ach und Krach knapp vor den Plätzen auf, die zum Abstieg berechtigen. Während bei uns das Trainerteam zumindest die ganze Sommerpause Zeit hatte, um sich auf die Spielzeit samt Mannschaft einzustellen, wurde im Ruhrpott zwei Wochen vor Saisonstart von Gertjan Veerbek auf Ismail Atalan gewechselt. Was auch immer die Intention dahinter war, geklappt hat es nicht. Nach der Heimniederlage zum Auftakt gegen den FCSP war acht Spiele später auch schon wieder Schluss für den Neuling. Mit dem neuen Trainer, Jens Rasiejewski, läuft es nicht wirklich besser. Bis zur Winterpause geben die Vereinsverantwortlichen dem Interimstrainer, um dann für oder gegen ihn zu entscheiden. Wohlgemerkt, auf Basis von Ergebnissen mit einer Mannschaft, die ein anderer Coach zusammengestellt und noch ein anderer in den Mist geritten hat. Eine faire Chance sieht anders aus. Es kann also erwartet werden, dass Jens Rasiejewski um seinen Job spielt und dementsprechend viel Risiko eingehen wird. Hoffen wir mal auf ein offenes Spiel mit dem besseren Ende für uns. Das wäre dann der dritte Sieg gegen die Bochumer im Kalenderjahr 2018. Habe ich ausdrücklich kein Problem mit. 

Noch ist nicht ganz deutlich, was man aus dieser Saison mitnehmen kann. Die Leichtigkeit der letzten Rückrunde und Torgefahr sind auf jeden Fall kein Teil davon. Geht man zurück zu den Wurzeln, dann erinnert man sich, dass in grauer Vorzeit die Mannschaft in braun-weiß, technisch häufig unterlegen, die Gegner aus dem eigenen Stadion gebissen hat. Die Heimstärke vergangener Zeiten wiederzufinden, wäre doch schon mal ein Anfang! Forza! 

//flippa


„Es war sehr intensiv, 
sehr harte Arbeit, 
aber auch sehr schön.“

Im Frühsommer 2016 tummelten wir uns auf dem Trainingsgelände des FCSP an der Kollaustraße um ein paar Stimmen für unsere EM-Umfrage einzusammeln. Auch Ewald Lienen stand uns damals Rede und Antwort. Statt der erwarteten kurzen und knackigen Antworten gab es mehr als 30 Minuten feinste Ausführungen zu den Machenschaften von Fußball-Organisationen, dem Gebaren von Zlatan Ibrahimovic und der eigenen Erfahrung mit Nationalmannschaften. Hinterher wurde uns sinngemäß mitgeteilt, dass nicht nur Jan Böhmermann, sondern auch Ewald Lienen die Fähigkeit besitzt, mit Worten schwere diplomatische Krisen auszulösen. Deshalb durften wir dieses Interview nicht einmal stark gekürzt und entschärft abdrucken. Wir durften allerdings ein längeres Interview mit ihm führen, auch wenn es sich mehr als ein Jahr hinzog bis wir endlich den Termin hinbekommen haben. Herausgekommen ist ein Rückblick auf das Trainer-Dasein. 

ÜS: Herr Lienen, wir würden uns heute gerne mit Ihrer Trainertätigkeit beim FC St. Pauli befassen. Insgesamt waren das 88 Spiele. Überfall zu ersten Frage: Können Sie Ihre Zeit beim FCSP in einem Satz zusammenfassen? 
Ewald Lienen (schmunzelnd): Wenn wir danach fertig wären, ist das in Ordnung. Also Erstens; 88 Spiele. Das halte ich für ein Gerücht. Man verkürzt solche Engagements immer auf Meisterschaftsspiele. Pokalspiele haben wir nicht viele gehabt, aber es gibt zusätzlich die Vorbereitungs- und Freundschaftsspiele. Da kommt immer einiges zusammen, wie oft man vor einer Mannschaft steht und wie oft man mit ihnen gespielt hat. Dazu das Spiel vorbereiten, coachen und die Nachbereitung. Mir fällt es schwer, die Zeit auf Spiele zu reduzieren, weil die Spiele im Grunde genommen das sind, was du am Wochenende ablieferst, auf der Basis von dem, was du dir erarbeitest, was du trainierst und besprichst. Also spielen die Spiele für mich keine übergeordnete Rolle. Es war sehr intensiv, sehr harte Arbeit, aber auch sehr schön. Reicht das? 

ÜS: Das ist eine formidable Antwort. Hat die Mannschaft eine Handschrift von Ewald Lienen bekommen, die auch heute noch zu sehen ist? 
EL: Ich hoffe es. Aber lassen wir die Kirche im Dorf. Diese Handschrift, von der immer geredet wird, das ist ein großes Wort. Es maßen sich auch einige Leute an zu sagen „Es ist keine Handschrift zu erkennen“. Das könnte aber auch am Beobachter liegen, weil der nicht im Stande ist zu sehen, wovon wir reden. Erstmal ist es so, dass eine Mannschaft ein lebendiges Gebilde ist und keine Armee, die ich aufs Feld schicke. Es gibt zudem noch einen Gegner. Ich finde diese Art und Weise, wie sich einige Leute anmaßen, die Arbeit eines Trainers zu beurteilen, oberflächlich. 

Es gibt fast keinen interessanteren Job, weil er so viele Facetten mit sich bringt. Die Entwicklung von jungen Menschen zu begleiten, zu fördern und das nicht nur im fußballerischen, sondern auch im charakterlichen und menschlichen Bereich – das gehört für mich dazu. Außerdem kommen die Spieler mit völlig unterschiedlichen Voraussetzungen in den Verein. Neue Spieler werden ja deshalb verpflichtet, weil einem etwas Positives aufgefallen ist. Eigene Spieler, auch im Nachwuchsbereich, werden oft viel negativer beurteilt, weil man alles von den Spielern kennt – eben auch die negativen Seiten. Gerade deswegen werden neue Spieler als Heilsbringer betrachtet und anschließend teilweise sogar besser bezahlt.

Ich würde gerne einige sogenannte Spitzentrainer sehen, wie sie in der zweiten Liga oder in unteren Ligen arbeiten – ohne sich die Spieler aus dem Regal holen zu können. Dann wird man sehen, inwieweit sie in der Lage sind, diese Spieler entsprechend auszubilden. Ich war und bin immer stolz drauf, dass ich allen Spielern, mit denen ich gearbeitet habe, auch Jahre später in die Augen schauen kann, weil ich sie respektiert habe und sie mich umgekehrt auch. Ich habe versucht, den Menschen in ihnen zu sehen und nicht nur irgendeinen Fußballer der funktioniert oder nicht funktioniert. Es gibt auch Kollegen, die sich anders verhalten, weil sie nur an den Erfolg denken. Wenn ich so egoistisch gewesen wäre, dann hätte ich vielleicht in dem einen oder anderen Club länger überlebt. 

ÜS. Wie viel Fußball- und wieviel Mentaltrainer ist man heutzutage? 
EL: Man kann das nicht trennen. So wie Sport und Fußball auch politisch sind, ist jedes Training auch ein mentales Training. So wenig wie ich Kondition und Technik voneinander trennen kann, kann ich Taktik und Mentalität voneinander trennen. Das ist ja gerade das Spannende am Fußball, dass alle Facetten gleichzeitig da sein müssen. Wenn ich ein Taktiktraining mache, dann gehört dazu auch die Intelligenz, das zu verstehen. Aber auch die Mentalität, leidenschaftlich für den Kollegen und die Mannschaft zu arbeiten. Das ist ein lebendiges Gebilde. Dazu muss ich als Spieler mitdenken können, verstehen, um was es geht, und ich muss die richtige Mentalität mitbringen. Wenn ich das im Training nicht zeige, mache ich das im Spiel auch nicht. 

Zu Aussagen von Spielern, dass der Trainer ihnen Selbstvertrauen gegeben habe, muss ich sagen: Wäre schön, wenn ich das könnte. Ich kann nur jemandem dabei helfen, selbst an sich zu glauben. Aber ich kann niemanden dazu bringen, dass er plötzlich denkt, er wäre ein Großer. Wenn ich Bayern München sehe – das ist für mich armselig. Das ist für mich das Weggeben der Verantwortung an Ancelotti. Plötzlich rennt Robben zum eigenen Strafraum und grätscht alles nieder. Weil der Jupp es ihm gesagt hat? Das hat er vor einigen Jahren auch schon gewusst und getan. Und nun zu sagen, dass der Trainer sie wieder richtig eingenordet hat. Das würde ja bedeuten, dass sie unselbstständige Befehlsempfänger sind. Das sehen wir im Profifußball leider häufig, dass die Verantwortung für die eigene Leistung dem Trainer zugeschoben wird und damit oft Trainerwechsel begründet werden.

ÜS: Es gab in Ihrer Zeit als Trainer am Millerntor zwei Situationen in denen man, zumindest tabellarisch, am Boden war. An welchen Stellschrauben haben Sie gedreht, damit der Bock da umgestoßen wurde? 
EL (lächelnd): Das habe ich auch öfters gehört, dass wir in Abstiegsgefahr gewesen sein sollen. Hat mich sehr gewundert im Nachhinein, weil wir immer gewusst haben, dass wir das hinkriegen. Nein, also: Ich bin nun schon ein paar Jahre dabei und ich glaube einfach daran, dass man kritische Situationen bewältigen kann. Als Erstes kann ich nicht jemanden hinstellen, der an der Qualität des eigenen Kaders zweifelt, daran, dass die Spieler das leisten können und dass wir es als Mannschaft schaffen können. Das wäre eine Totgeburt. Spieler spüren das. 

Der Glaube ist also das Erste. Das Zweite ist das eigene Verhalten. Ich kann mich nicht anders verhalten, wenn wir an letzter Stelle oder zweiter Stelle stehen. Es geht immer darum, einer Mannschaft dabei zu helfen, in allen Bereichen besser zu werden. Das ist sehr viel Arbeit. Es war kein Zufall, dass wir in dem letzten halben Jahr so erfolgreich waren. Olaf hat eine neue Qualität ins Trainerteam gebracht. Wir haben sehr gut zusammengearbeitet, aber das auch fast rund um die Uhr. Das hat sich gelohnt. Wir haben zudem in all den Jahren versucht, den Spielern das Gefühl zu vermitteln, dass ein Misserfolg in einem Spiel, ein persönlicher Fehler in einer Szene oder eine nicht so gute Leistung, im Grunde nur eine Rückmeldung ist, und nichts mit dir als Mensch zu tun hat. Wenn ich einfach jeden Spieler sofort rasiere, der eine schlechte Leistung bringt, dann geht eine Mannschaft den Bach runter. Es müssen die Dinge positiv sanktioniert werden, die wir wollen: Teamarbeit, Teamwork, positiv sein. Das Spiel am Wochenende ist dann immer ein Spiegelbild von dem, was du unter der Woche machst. Wenn du nicht darauf achtest, dass die Spieler die Dinge, die wichtig sind tun, dann hast du schon verloren. 

ÜS: Wie kam es denn in der letzten Saison zu der Ergebniskrise?  
EL: Wir haben vier Stammspieler verloren, alle im Zentrum der Mannschaft und als fünften mit John Verhoek eine sehr gute Alternative. Damit haben wir 80% unserer Tore und Assists verloren. Das kann keine Mannschaft der Welt kompensieren. Es sei denn, du kannst dir im Regal die Leute aussuchen. Ich hätte mir gewünscht, dass zwei von den vier Stammspielern hiergeblieben wären. Außerdem waren viele Spieler, die neu kamen, nicht sofort wettbewerbsfähig und dazu häufig verletzt. Wenn Müller und Lewandowski für ein paar Monate bei Bayern München ausfallen, dann müssen die froh sein, wenn sie die Hütte treffen. Bei uns wird direkt gefragt, was denn da los ist. Dazu kamen noch weitere Verletzungen, sodass dann von der erfolgreichen Mannschaft vom Vorjahr manchmal nur noch zwei oder drei Mann auf dem Platz gestanden haben. Wenn ich nur an das Spiel in Würzburg denke, das war Wahnsinn. Wir haben im Winter reagiert. Marvin (Duksch anm. d. R.) war willig, aber war noch nicht so weit. Deshalb haben wir ihn an Kiel verliehen und nach den zusätzlichen Abgängen von Vegar Eggen Hedenstad, Jacob Rasmussen und Fafa Picault neue Verpflichtungen getätigt. Johannes Flum hat eine überragende Persönlichkeit und ist technisch klasse. Wenn er Platz und Raum hat, dann spielt Flumi einzigartige Pässe. Darüberhinaus hat er an seiner Torgefährlichkeit gearbeitet. Er hat der Mannschaft in jeder Hinsicht gutgetan, selbst wenn er nicht auf dem Platz stand. Und das ist manchmal wichtiger, wenn es in der Kabine stimmt. Lenny Thy hat durch seine Leistung im Training Aziz Bouhaddouz so Beine gemacht, dass auch der ans Limit gehen musste. Vorher gab es einfach keine Konkurrenz für ihn. Und natürlich Mats Möller Daehli, der uns richtig geholfen hat mit seiner tollen Technik. 

ÜS: Sind Sie eigentlich während Ihrer Zeit als Trainer des FCSP von den Leistungen einzelner Spieler positiv überrascht worden? 
EL: Wenn mich die positive Entwicklung eines Spielers überrascht hätte, dann muss ich ja vorher der Ansicht gewesen sein, dass er es nicht hinkriegt. 

ÜS: …vielleicht gab es ja Spieler, die eine Entwicklung auf einer anderen Position gemacht haben, die ihm nicht unbedingt zuzutrauen war. 
EL: Ich beurteile die Spieler grundsätzlich nicht vorab. Und ich glaube daran, dass sich Spieler über Gespräche, intensives Training und Coaching verbessern können. Diese Erfahrung habe ich immer wieder gemacht. Traue ich einem Spieler etwas nicht zu, dann werde ich ihm auch nicht helfen können. Ich habe mich sehr gefreut über die Entwicklung von vielen Spielern. Zum Beispiel über Marc Rzatkowski, der immer schon eine gute Rolle bei uns hatte, aber im 2. Jahr eine tolle Entwicklung genommen und viele Tore gemacht hat. So ähnlich wie bei Christopher Buchtmann jetzt in diesem Jahr. Bei ihm haben wir auch viele Gespräche geführt und er hat viel gearbeitet. Und über die Entwicklung von Philipp Ziereis habe ich mich gefreut, Lasse Sobiech sowieso. Es macht einfach Spaß zu sehen, wenn Spieler sich entwickeln und man dabei helfen kann. 

ÜS: Wie geht man als Trainer in schwierigen Phasen mit den kritischen, aber sich ständig gleichenden Fragen von Journalisten um? 
EL: Es kommt auf die Erfahrung an. Vor 15 oder 20 Jahren hätte ich schneller die Geduld verloren und hätte dem Journalisten gesagt: „Was ist das für eine lächerliche Frage?! Stell dir mal selbst die Frage“. Die permanenten Fragen, ob man nächste Woche noch auf der Bank sitzen würde, habe ich auch mal „off the record“ mit Gegenfragen beantwortet: „Meinen Sie, dass Sie hier nächste Woche noch stehen? Ihre Leistung hat in den letzten Wochen auch nachgelassen.“ Diese Journalisten meinen, sie könnten sich damit in eine bessere Position bringen, weil sie ja so schön frech sind. Natürlich kann ich nicht einfach sagen, dass sich alle lockermachen sollen, wenn nach 14 Spielen nur sechs Punkte geholt wurden. Wenn du als Trainer nervös wirst und anfängst, um dich zu beißen, dann bist du ein leichtes Opfer. Als ich Trainer in Rumänien war, haben wir jedes Spiel dominiert und standen trotzdem fünf Spieltage vor Schluss an letzter Stelle. Dann haben wir von den letzten fünf Spielen vier gewonnen und sind noch Zehnter geworden. Daher sage ich immer, dass man ruhig bleiben muss. 

Krisen kommen nicht von alleine, da ist immer irgendetwas, das nicht stimmt. Die Mentalität war ein Problem. Wie in Sandhausen. Das war unwürdig. Wir hatten das Konto in Sachen Mentalität überzogen. Gegenüber dem Verein und unseren Fans. Wenn es nicht funktioniert, muss ich dann die Verantwortung übernehmen und alles dafür tun, dass es besser läuft. Das erwarte ich von den Spielern ebenso. 

ÜS: Wird den Trainern heutzutage zu viel zugemutet, speziell in der Premier League, wo die Trainer auch noch für die Kaderplanung zuständig sind? 
EL: Es geht nur noch über Teamwork. Häufig wird vergessen, dass es sich um ein ganzes Trainerteam handelt. Wenn ich mich als Verein für einen Trainer entscheide, dann sollte ich auch mit ihm gemeinsam versuchen, eine Krise zu bewältigen. Dazu muss ich aber in der Lage sein, das beurteilen zu können, was auf dem Trainingsplatz passiert. Ich glaube, dass es Sinn macht, in den Klubs Leute zu haben, die in der Lage sind, dem Trainer in Krisensituationen zu helfen. Oft stehen Trainer völlig alleine da. Bei Erfolg klopfen ihm alle auf die Schulter und bei Misserfolg ist er auf sich alleine gestellt. Ständig fliegt der Trainer, aber der Sportdirektor bleibt sitzen, ohne dessen Rolle zu hinterfragen. 

ÜS: Betrachteten Sie die trainierten Mannschaften denn auch abseits vom Spielfeld oder waren Sie zu sehr fokussiert auf den Fußball? 
EL: Wenn du auf dieser Ebene miteinander umgehst, dann muss immer Respekt vor dem Menschen vorhanden sein. Das kann man nicht auf Fußball reduzieren. Die aktuelle Mannschaft verbringt viel Freizeit miteinander und hat einen tollen Zusammenhalt. Für mich kann man das ohnehin nicht trennen. Die Leute, die ihre Arbeit nur als Arbeit betrachten, sind arme Wichte, denn der Großteil des Tages besteht aus Arbeit. Und wenn ich da nur hingehe, um mein Geld abzuholen und ansonsten keine Lust habe, dann habe ich verloren. Ich sehe das immer an der Supermarktkasse in Spanien, Portugal oder Griechenland. Der normale Deutsche würde schon mal einen Nervenzusammenbruch kriegen, weil die plötzlich einige Minuten quatschen, anstatt zu kassieren. Aber in dem Moment respektiere ich das, weil es ein Teil des Lebens ist und man sollte versuchen, während der Arbeitszeit gute Kontakte zu halten. Im Fußball ist es ähnlich. Ob es läuft, oder nicht: Ich habe grundsätzlich die Spieler miteinbezogen. Ich habe öfters in kritischen Situationen gesagt „Das ist der Moment, in dem ihr die Chance habt, etwas zu sagen.“ Nur dann, wenn du eine vertrauensvolle Atmosphäre schaffst, bekommst du Antworten. Diese Atmosphäre musst du herstellen. 

ÜS: Hätten Sie gerne weitergemacht als Trainer des FCSP? 
EL: Ja. 

ÜS: Auch in der Konstellation zusammen mit Olaf Janßen? 
EL: Eben gerade in der Konstellation mit Olaf. Das hat mir sehr viel Freude gemacht und ich glaube, dass es auch sehr erfolgreich war. 

ÜS: Warum haben Sie sich dagegen entschieden? 
EL: Weil der Wunsch des Vereins, die Position eines Technischen Direktors mit mir zu besetzen, seit drei Jahren im Raum stand und wir bereits bei der allerersten Kontaktaufnahme 2014 darüber gesprochen haben. Bei dem Leistungsstand der Mannschaft gab es keinen günstigeren Zeitpunkt, diesen Schritt zu vollziehen. Das ist eine andere Situation, als wenn du eine schlechte Saison absolviert hättest. Es hätte mir auch Spaß gemacht, mit Olaf zusammen weiterzumachen, weil wir eine top Zusammenarbeit hatten, wie auch mit dem gesamten Trainerteam. Ich habe den Wunsch des Vereins respektiert und das, was ich jetzt mache, bereitet mir auch große Freude. 

ÜS: Brauchte der FCSP so einen Posten? 
EL: Absolut. Die Nachwuchstrainer des Vereins zu coachen, der sportlichen Leitung zur Seite zu stehen, oder den Vorstand bzw. die Entscheidungsträger in langfristigen Entwicklungsfragen zu beraten und vieles mehr, sind absolut lohnend und wichtige Aufgabenbereiche, die von einem erfahrenen Trainer oder Sportdirektor in der neuen Position sehr gut wahrgenommen werden können. Du kannst eben auch zur Entwicklung des Nachwuchsleistungszentrums beitragen. Roger Stilz macht einen super Job hier, ist aber auch für alles verantwortlich. Da macht es eben Sinn, wenn du jemanden mit Erfahrung hast, der ihm zur Seite steht und bei der langfristigen Entwicklung hilft. Nehmen wir zum Beispiel Erich Rutemöller (Sportvorstand bei Fortuna Düsseldorf, Anm. d. R.). Den hatte keiner mehr auf dem Schirm. Dabei ist es kein Zufall, dass die jetzt oben stehen, weil sie erfahrene Leute in allen Positionen haben. Natürlich geht es nicht darum, einen alten erfahrenen Fußballer hinzustellen. Die entsprechenden Kompetenzen und Qualifikationen müssen auch vorhanden sein. 

ÜS: Ewald Lienen, vielen Dank!
EL: Bitteschön! 

Die Fragen stellten flippa, timbo und rakete.


Timbos kleine Taktikschule

Heute: Goalimpact 

Die Anzahl statistischer Analysen von Fußballspielen und –spielern hat in den letzten Jahren rasant zugenommen. Und diese Analysen gehen weit über das obligatorische Zweikampfverhältnis und die Laufleistung hinaus, da sich nahezu alle Experten einig sind, dass diese Werte rein gar nichts über die Qualität von Spielern aussagen. Eine Firma aus Hamburg hat einen Wert entwickelt, der die Stärke von Spielern angeben soll. In ihrer Datenbank befinden sich über 500.000 Fußballer und natürlich auch die Spieler des FCSP. Ein Interview mit Thorsten Wittmütz von Goalimpact.

(Der kursive Text soll eine Infobox werden. Hierzu bitte noch Bild1_Goalimpact_TkT verwenden!) Goalimpact basiert auf einem Algorithmus, der die Stärken von Spielern ermittelt. Grundlage für die Ermittlung sind übliche Spielberichte mit den Inhalten Aufstellung, Tore, Ein- und Auswechslungen, sowie Karten. Goalimpact setzt alle Spieler zueinander in Vergleich, daraus ergibt sich eine Erwartungshaltung an ein Spiel bzw. an einen Spieler. Der Goalimpact wird in verschiedenen Werten dargestellt: dem aktuellen Goalimpact, dem maximalen Goalimpact und dem Goalimpact berechnet über die letzten zwei Jahre.

Übersteiger (ÜS): Wie wurde der Goalimpact entwickelt? 
Thorsten Wittmütz (TW): Im Jahr 2004 hat Jörg, der Gründer und Erfinder von Goalimpact, bei einem EM-Tippspiel teilgenommen und hierfür einen kleinen Algorithmus entwickelt, der ihm Griechenland als Geheimfavoriten ausspuckte. Eigentlich kommt er aus dem Bereich Risiko-Controlling und er hat einfach die Sichtweisen aus dem Bereich angewendet. 

ÜS: Und was sind die Sichtweisen aus dem Bereich Risiko-Controlling auf den Fußball? 
TW: Es ging darum herauszufinden, was beim Fußball relevant ist. Das sind natürlich Tore. Also schaut man, wer auf dem Platz steht, wenn die Tore fallen. Goalimpact setzt daher alle Spieler zueinander in Vergleich, also die Spieler die miteinander auf dem Platz stehen, aber auch welche Spieler auf der anderen Seite stehen. Da wurde dann irgendwann festgestellt, dass das Alter eines Spielers entscheidend ist. Der Karriere-Höhepunkt liegt rein statistisch gesehen bei 26 Jahren. Da gibt es natürlich Ausnahmen wie Ibrahimovic oder Ronaldo, aber über alle Spieler in unserer Datenbank ist das der Höhepunkt. Im Regelfall ist danach der Einfluss eines einzelnen Spielers auf einen Spielausgang nicht mehr so hoch. Allerdings nimmt dieser Karriere-Höhepunkt langsamer ab als er steigt. 

ÜS: Im Eishockey gibt es ja eine ähnliche Statistik, die Spieler mit einer +/- Bilanz bewertet, je nachdem ob sie bei Toren oder Gegentoren auf dem Eis waren. Ist diese Art der Bilanzierung bei Goalimpact ähnlich?
TW: Das kann man schon machen, aber man bekommt aus unserer Sicht verfälschte Ergebnisse. Wir machen es etwas anders: Wir stellen an jede Partie und an jeden Spieler für jedes Spiel eine Erwartungshaltung. Dann schauen wir inwiefern diese Prognose eintrifft. Das passiert in den seltensten Fällen und wir arbeiten da auch im Nachkomma-Bereich. Wenn unsere Prognose einen deutlichen Sieg von Mannschaft A ergibt und das Spiel letztendlich nur 1-0 endet, dann wirkt sich das positiv auf den GI der unterlegenen Mannschaft bzw. deren Spieler aus. 

ÜS: Welche weiteren Parameter machen den GI der Spieler aus? 
TW: Als Daten-Input nutzen wir den klassischen Spielberichtsbogen. Datenpunkte sind für uns dabei die gefallenen Tore, Ein- und Auswechslungen und rote Karten. Anhand dieser Datenpunkte bewerten wir die Spieler. Dadurch, dass wir nur den Spielberichtsbogen benötigen können wir enorme Mengen an Daten produzieren und bereits zu Jugendspielern Prognosen abgeben. Und dadurch können wir auch von Spielern außerhalb Europas, wie zum Beispiel in China, dem arabischen Raum und den USA, den GI ermitteln. 

ÜS: Wer nutzt diese Daten? 
TW: Wir haben 2016 begonnen, Goalimpact zu kommerzialisieren. Wir bieten unsere Leistungen in zweifacher Form Vereinen an: Erstens auf Management- und auf Scouting-Ebene. Uns nutzen Vereine aus der Premier League, Vereine aus der Chinese Super League, in Ost-Europa, aber auch Teams aus den 2. Ligen in Europa. Zweitens bieten wir unsere Leistungen Spieler-Beratern an. Die können dann z. B. eine Portfolio-Betrachtung ihrer Spieler machen und anhand dessen entscheiden, was die logischen nächsten Karriere-Schritte sind. 

ÜS: Was liefert ihr den Vereinen? 
TW: Die Vereine fragen uns an, wenn sie Spieler für gewisse Positionen brauchen. In der Winter-Transferperiode sind das dann eher Transfers, die den Verein direkt verstärken, also Spieler, die meist einen höheren Goalimpact haben als der Rest der Mannschaft. Wir schmeißen anhand der gewünschten Daten, da gehört auch der Marktwert dazu, unsere Datenbank an und liefern den Vereinen dann eine Liste mit potenziellen Spielern. 

ÜS: Kommen wir mal zum Wert selbst. Ab wann ist ein Spieler denn in der Weltklasse einzuordnen? 
TW: Wir zählen Spieler mit einem Goalimpact von mehr als 160 zur Weltklasse. Da gibt es weltweit etwa noch 200 Spieler, die solch einen hohen Wert haben. Der Durchschnitt in der 1.Bundesliga liegt bei 135. 

ÜS: Und welcher Spieler hat momentan den höchsten Goalimpact? 
TW: Paul Pogba mit 200. In der 1. Liga ist es Thomas Müller mit einem Goalimpact von 196. 

ÜS: Das sind ja bekannte Weltklasse-Spieler. Gibt es auch Spieler, die einen hohen Goalimpact haben, aber vielleicht nicht die Wertschätzung erhalten, die ihnen nach ihrem Goalimpact zustehen müsste? 
TW: Ja, hierfür sind Stefan Ilsanker von RB Leipzig und Tony Jantschke von Borussia Mönchengladbach gute Beispiele. Das sind beides Spieler, die in der Weltklasse zu verordnen sind, aber dies spiegelt sich weder im Marktwert noch medial wider. Aus unserer Sicht machen beide Spieler einen entscheidenden Unterschied, wenn sie auf dem Platz stehen. 

ÜS: Anhand der Werte für die einzelnen Spieler gebt ihr auch Tabellen-Prognosen ab. Für die 2. Liga hattet ihr hier, im Gegensatz zu allen anderen Vorhersagen, Holstein Kiel ganz vorne und Ingolstadt weit hinten gesehen. Wie kam es dazu? 
TW: Zunächst einmal muss man festhalten, dass der Unterschied zwischen 2. und 3. Liga nicht sonderlich groß sind. Kiel hat eine herausragende erste Elf mit absoluten Top-Spielern, wenn man ihren Goalimpact berücksichtigt. Im Gegensatz zu vielen anderen Vereinen hat Kiel es geschafft, die Mannschaft nach dem Aufstieg zusammen zu halten. Gerade der Aufsteiger aus der 3. Liga verliert häufig seine besten Spieler, trotz Aufstieg. Bei Ingolstadt ist das Gegenteil der Fall. Hier gab es einige namenhafte Abgänge, sodass der Goalimpact eben stark runterging. Wir haben da eine reine Kader-Betrachtung gemacht. In der letzten Saison haben wir z.B. Hannover und Stuttgart nicht so schlecht bewertet, weil die eben ihren Kader gut zusammengehalten haben. 

ÜS: Ich möchte gerne einen Tipp abgeben, wer der beste Spieler der 2.Liga ist. 
TW: Gerne. 

ÜS: Ich tippe auf Dominic Drexler von Holstein Kiel. 
TW: Tut mir leid, er ist es nicht. Es ist (projiziert ein Spielerbild auf die Leinwand)… 

ÜS: …Fabian Klos hat einen Goalimpact von 175?! 
TW: Ja, der ist zwar statistisch gesehen über dem Zenit, aber zählt momentan zu den besten 100 Spielern der Welt und hat den höchsten Goalimpact der 2. Liga. 

ÜS: Wie steht es um den FCSP? Wer ist da historisch der Spieler mit dem höchsten Goalimpact? 
TW: (projiziert eine Tabelle auf die Leinwand) Lasse Sobiech. Mit einem Goalimpact von 163. Damit ist er der beste FCSP-Spieler aller Zeiten, wenn man die Torhüter von der Wertung mal ausnimmt, da diese etwas anders bewertet werden. Zweitbester Feldspieler aller Zeiten ist übrigens Jens Duve, dicht gefolgt von Johannes Flum und Florian Kringe. Von den aktuellen Spielern befinden sich auch Bernd Nehrig und Marc Hornschuh unter den Besten. 

ÜS: Timo Schultz hat ja nen Goalimpact von 147! 
TW: Ja, bemerkenswert. Damit gehört er zu den Top 10 der FCSP-Feldspieler. 

ÜS: Und wie steht es um den aktuellen Kader? 
TW: (projiziert weitere Tabelle auf die Leinwand) 

ÜS: Sami Allagui hat einen Goalimpact von nur 96?! 
TW: Ja, der fällt tatsächlich weit ab. Und wenn man das im Vergleich zu den 141 von Aziz Bouhaddouz betrachtet, dann hat der FCSP ein Stürmer-Problem, sobald Aziz ausfällt. Zumal Marvin Duksch mit einem Goalimpact von aktuell 154 verliehen ist. Nico Empen hat übrigens einen Goalimpact von 121. 

ÜS: Was würdest Du dem FCSP jetzt anhand dieser Daten empfehlen?
TW: In der 2. Liga haben wir momentan einen durchschnittlichen Goalimpact von 116 bis 118. Wenn man ganz strikt vorgehen würde, dann müsste man bei diesem Wert eine Linie ziehen und alle Spieler, die sich unterhalb der Linie befinden und älter als 26 Jahre sind, noch einmal genau betrachten. Da müsste man dann überlegen, inwiefern einen diese Spieler noch weiterbringen. Auf einer reinen datengetriebenen Goalimpact-Analyse müsste man sich dann sicherlich über die Weiterbeschäftigung von Sobota, Kalla und Allagui Gedanken machen, da diese drei Spieler ihren Zenit überschritten haben und das Level der 2. Liga nicht erreichen. Auch Maurice Litka, Mats Möller Daehli und Philipp Ziereis werden nach jetzigem Stand dieses Level nicht erreichen. 

ÜS: Gerade bei Litka war ich mir sicher, dass der sich entwickeln würde.
TW: Das kann ja durchaus noch der Fall sein. Die Prognose von Paul Pogba musste zum Beispiel immer wieder nach oben korrigiert werden. Allerdings haben wir bereits über 100 Spiele von ihm in die Datenbank aufgenommen. Die Daten sind also relativ verlässlich. 

ÜS: Welche Spieler im aktuellen Kader haben denn das höchste Entwicklungspotenzial? 
TW: Das sind auf jeden Fall Richard Neudecker, Luca Zander und Jeremy Dudziak. Diese Drei haben das Potenzial einen Goalimpact von mehr als 130 zu erreichen, welches dann fast der Durchschnitt in der 1. Liga ist.

ÜS: Wie bewertet man diesen Kader denn nun im Vergleich zu anderen Teams aus der 2. Liga? 
TW: Der Goalimpact fällt sehr schnell nach unten ab beim FCSP. Im Team befinden sich einige Leistungsträger. Ob diese gehalten werden können, wenn man nicht aufsteigt ist mindestens unsicher. Es geht eben darum sich um den Nachbau zu sorgen. Aus unserer Sicht macht der Verein das momentan mit Spielern wie Neudecker und Zander. 

ÜS: Beim Nachbau fällt mir unsere U23 ein. Wie steht es um die? 
TW: Die U23 hat momentan einen Goalimpact von 91. Das ist zwar der niedrigste Wert in der Regionalliga Nord, aber liegt vor allem daran, dass der Altersdurchschnitt der Mannschaft sehr niedrig ist und wir den aktuellen Goalimpact und nicht den Peak nehmen. Der Peak der aktuellen Mannschaft liegt bei 118 – das ist guter Durchschnitt. Es ist einigen Spielern aus der U23 zuzutrauen, dass sie gehobenes Zweitliga-Niveau erreichen. Allen voran sind hier Keisef, Sobotta, Carstens, Conteh, Keller und Tanovic zu nennen. Besonders gut ist der FCSP auf der Torhüter-Position aufgestellt. Die Arbeit beim FCSP ist also insgesamt als gut zu bewerten. 

ÜS: Vielen Dank für das Interview!


„Fußball in Trümmern“: Hinter den Kulissen einer Ausstellung

Hallo, liebe Übersteiger-Leser*innen – wenn diese Ausgabe erscheint, neigt sich unsere Ausstellung „Fußball in Trümmern. FC St. Pauli im ‚Dritten Reich’“ dem Ende zu. Wir „Museums-Hoschis“ von 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. hoffen natürlich, dass viele von euch da waren (oder in letzter Minute noch kommen – Öffnungszeiten am Heimspieltag siehe www.fcstpauli-drittes-reich.de). Und nutzen die Gelegenheit zu einem kleinen Rückblick samt „Blick hinter die Kulissen“. 

Zeitsprung zurück: Wer beim „Pre-Opening“ für Mitglieder von 1910 – Museum für den FC St. Pauli e.V. am 2. November dabei war (samt hochinteressantem Vortrag von Ronny Blaschke, dessen Forderung nach mehr aktiver Gesellschaftspolitik im Fußball auf großes Interesse stieß), der oder die wird eine Woche später bei der internen und dann auch der öffentlichen Vernissage sein oder ihr braun-weißes Wunder erlebt haben.

Was hat sich da nicht alles getan: Stellwände streichen, Hunderte von Bildern und Tafeln aufhängen (immer schön mit Laser, damit das Bild nicht loriotmäßig schief hängt!), Videos und Slideshows samt Beamer installieren, Vitrinen bestücken, Bauschutt drapieren, Archivstücke aus der braun-weißen „Schatzkammer“ holen, natürlich nicht die Tresenbesetzung an der Weinbar vergessen, Fläche aufräumen, fegen und zwischendurch noch Presse und Fernsehen „bespaßen“: Team 1910 e.V., verstärkt durch Mitglieder von USP, Supportblock Gegengerade und die Profis von bontempo production + performance hatte gut zu tun. Ein riesengroßes Dankeschön an alle Helfer*innen! 

Auch Gregor Backes gebührt ein großer Dank: Ohne seine akribische Forschungsarbeit zum FC St. Pauli im „Dritten Reich“ wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen. Wir legen die Neuauflage seines Buches „Mit deutschem Sportgruß. Der FC St. Pauli im Nationalsozialismus“ auch jenen sehr ans Herz, die unsere Ausstellung schon gesehen haben! Denn natürlich können wir nicht alle Details des Buches umsetzen – das kann auch nicht das Ziel einer Ausstellung sein.

Wichtig dagegen war uns (hier muss ich vielleicht kurz einschieben, dass der Schreiber dieser Zeilen zugleich Kurator und Texter der Ausstellung ist), den Raum zu nutzen, um Verknüpfungen und Kontraste nicht nur herzustellen, sondern spürbar zu machen. Ein Beispiel: Das älteste erhaltene FCSP-Trikot von 1939, das mit dem Wehrmachtsaufmarsch in der Tschechoslowakei und Fußballbildern der 30er- und 40er-Jahre räumlich erlebbar im Raum steht, stellt auch ohne Worte, auf intuitiver Ebene einen Zusammenhang her. Das ist in der sequentiellen Darstellung eines Texts so nicht ohne weiteres möglich. (Umgekehrt können Bücher eben mehr in die inhaltliche Tiefe gehen, es ist also nicht das eine oder andere Medium „besser“.) 

Ein weiteres Beispiel erwähnen die lieben Autor*innen des „Magischer FC Blog“, über deren Rezension wir uns sehr gefreut haben: Unter Verweis auf die großen „Jahrestafeln“ an den Außenwänden der Ausstellung heißt es dort: „Es ist die ganz große Stärke der Ausstellung, die belanglose Alltäglichkeit des Hamburger Fußballs in schockierender Weise mit den Ereignissen auf europäischer oder globaler Ebene in Verbindung zu setzen. … Dringende Besuchsempfehlung!“ 

Tatsächlich war das ein wichtiges Ziel: Während der Kern des Hauptteils sich auch räumlich in der Mitte des Ausstellungssaales befindet – es sind die Lebenswege von acht St. Paulianern – wird dieser Kern umschlossen von den Ereignissen, die diese Leben geprägt, berührt, zum Teil sogar dramatisch verändert haben. Wer also zwischen Innensicht (Personen) und Außensicht (Welt) wechselt, wird immer neue Verknüpfungen herstellen können. Wir freuen uns, dass diese Idee von den Ausstellungsbesucher*innen positiv aufgenommen wurde! 

An dieser Stelle noch eine wichtige Anmerkung zu den acht St. Paulianern im Mittelpunkt unserer Ausstellung: Es sind leider wirklich nur Männer, und dass das eine wesentliche Einengung der Erzählperspektive darstellt, ist uns schmerzlich bewusst. Der Grund liegt im Quellenmaterial: Um die Lebenswege hinreichend detailliert beschreiben zu können, braucht es schon eine Menge Daten und Informationen. Die aber hatten wir – über die Arbeit von Gregor Backes sowie die Recherchen von Michael Pahl für den 1933-45-Teil von „FC St. Pauli. Das Buch“ – leider nur für die hier gezeigten männlichen Mitglieder des FC St. Pauli. 

Sehr gern hätten wir auch das Schicksal einer Damen-Handballerin (diese Abteilung gab es damals schon) oder auch z.B. einer Aktiven der Gymnastik- oder Leichtathletik-Abteilung gezeigt – es gab zwar nicht sehr viele weibliche Mitglieder damals, aber es gab sie! Doch mangels Quellenmaterial und ohne die Möglichkeit, nochmal richtig tief in die Forschung einzusteigen, mussten wir mit der Beschränkung auf die Männer leben. 

An anderen Stellen konnten wir den erzählerischen Rahmen bewusst erweitern und sind bewusst über die Zeit von 1933-45 hinausgegangen. Etwa, indem wir auch die Vorgeschichte des FC St. Pauli erzählen und so mit dem oft verbreiteten Mythos vom „Arbeiterverein“ aufräumen: Klar, es gab auch viele Arbeiter unter den Mitgliedern. Aber der FC St. Pauli kommt nicht aus der Arbeitersportbewegung, sondern aus der „frisch, fromm, fröhlich, freien“ (und politisch oft nationalistisch ausgerichteten) Turnerschaft. Das zeigen wir mit bis zu 120 Jahre alten Exponaten. 

Auch hat es manche Besucher*innen zunächst erstaunt, dass die Ausstellung nicht 1933 beginnt, sondern beinahe im „Jetzt“ – also mit dem FC St. Pauli mit „klarer Kante gegen Rechts“, wie wir ihn heute kennen. Es war uns wichtig, gleich zu Beginn der Ausstellung zu zeigen: Das ist keine Selbstverständlichkeit – sondern eine Entwicklung, die von vielen engagierten St. Paulianer*innen ermöglicht wurde. Und es ist eine Entwicklung, auf der wir uns nicht ausruhen dürfen. 

„’FC St. Pauli gegen Rechts’: Das ist keine Selbstverständlichkeit“, heißt es in der Eröffnungstafel der Ausstellung: „Sondern ein Prozess, an dem alle beteiligt sind, die der ‚Magische FC’ interessiert. Schweigen oder Mundaufmachen, Handeln oder Ignorieren? Wenn es gilt, Position zu beziehen, hat jeder und jede die Wahl. Im Kleinen und im Großen; im Verein, in der Gesellschaft, in der Politik. Wer diese Wahl nicht nutzt, riskiert, dass es eines Tages keine Wahl mehr gibt.“ 

Was erkämpft wurde, kann auch wieder verloren werden – im Verein wie auch in Gesellschaft und Politik. Welche dramatischen Folgen der Verlust an Grundrechten und Freiheit sowie staatlich organisierte Diskriminierung, Verfolgung und Mord haben, daran erinnert dann ja der Hauptteil unserer Ausstellung. Wenn es uns – zusätzlich zur Information über das Thema selbst – gelingt, den oder die eine/n oder andere/n zu mehr Engagement zu ermutigen, dann haben wir sehr viel gewonnen. 

Hoffnung macht uns hier auch der Erfolg unserer Workshops für Schulklassen und Jugendgruppen: Nach kurzer Zeit waren sie praktisch ausgebucht, weit über 20 Gruppen waren da. Und die – das konnte der Schreiber dieser Zeilen mit eigenen Augen sehen – waren sogar schon vor der offiziellen Eröffnung mit großem Engagement dabei. Gruppenarbeit, Recherche in der Ausstellung, zwischendurch ein Blick ins Stadion mit den deutlich sichtbaren Zeichen des antifaschistischen Fan-Engagements darin: Die Kids waren mit großem Engagement dabei. Hut ab also auch für unser pädagogisches Team um Juliane Deppe und Fabian Fritz für das tolle Lernkonzept! Hut ab aber auch an alle, die das Millerntor zu dem gemacht haben, was es heute ist, und die es weiter prägen – ein Stadion, das auch als Ausstellungs- und Lernort fasziniert und längst nicht mehr nur an Heimspieltagen erfüllt ist mit Leben, Debatten und Engagement. 

// Christoph, 1910 e.V. 

P.S. Ein ganz großes Dankeschön auch unseren Aufsichten, die es durch ihren großen Einsatz möglich gemacht haben, diese Ausstellung einen ganzen Monat lang Tag für Tag offen zu halten! Ihr seid toll! Wer Lust hat, sich bei zukünftigen Ausstellungen zu engagieren (ob als Aufsicht, hinterm Weinbar-Tresen oder im Archiv): Wir suchen immer neue Helfer*innen, und schon ein paar Stunden im Monat können viel bedeuten! Meldet euch einfach bei unserer Ehrenamtlichen-Koordinatorin Andrea.Plagemann (et) 1910-Museum (punkt) de, wenn ihr Zeit und Lust habt.


NEUES VON DEN ALTEN

Irgendwie hatte man bereits in der vergangenen Spielzeit den Eindruck, dass das nicht mehr lange gut gehen könne. Und dann, nach elf Partien der laufenden Saison, kam tatsächlich der Bruch: Als Tabellenvorletzter mit zehn Pluspunkten auf dem Konto wollte es der VfL Osnabrück nicht weiter wagen, mit seinem Rekordspieler JOE ENOCHS (46) als Cheftrainer weiterzumachen. Anfang Oktober übernahm stattdessen Daniel Thioune und schickte den gebürtigen Kalifornier zwar nicht in die Arbeitslosigkeit – zumal der hochsympathische Ex-St.-Pauli-Kicker im Altstadtviertel von Niedersachsens Oberzentrum eine sogenannte Sportsbar betreibt –, aber immerhin aufs (temporär) sportliche Abstellgleis. Neu im Profi-Cheftrainergeschäft ist, seit der Entlassung Ismail Atalans beim VfL Bochum, JENS RASIEJEWSKI (42), der dort bis Mitte Oktober die Trainingseinheiten der U19 geleitet hatte. Nun übernahm der gebürtige Marburger beim abstiegsgefährdeten Ruhrpott-Klub, wo er bereits 2016 ein Jahr als Co-Trainer gewirkt hatte, die Übungsleitung. Das muss man als Verein auch erst einmal schaffen: Die Hinrunde ist noch nicht einmal beendet und bereits der vierte Cheftrainer agiert in der laufenden Saison an der Linie. Vielleicht sollte man den Drittligisten „Sportfreunde Lotte“ nach der Demission von Marc Fascher und dessen Co-Trainer ANDRÉ TRULSEN(52) Ende Oktober in „Trainerverträge – mir doch Latte“ umbenennen. „Truller“ hatte erst Mitte August bei den Kumpels aus dem Tecklenburger Land unterschrieben. Mitgefangen, mitgehangen… Auch nicht mehr als Chefcoach aktiv ist NORBERT MEIER (59), nachdem ihm der Zweitligaletzte 1. FC Kaiserslautern Mitte September den Laufpass gab. Auch beim Drittligaletzten Rot-Weiß Erfurt wurde einer unserer Ehemaligen geschasst: Sportmanager TORSTEN TRAUB (42) bekam am 21. November bei den Thüringern die Papiere. Neu im Amt ist dagegen RACHID AZZOUZI (46), der einen Tag später neuer Sportdirektor bei der abstiegsgefährdeten SpVgg Greuther Fürth wurde. Freiwillig schmiss hingegen Mitte Oktober der zwei Jahre jüngere HANS-FRIEDRICH „MECKI“ BRUNNER beim Regionalliga-Aufsteiger Eutin 08 hin, nachdem dieser kein Vertrauen mehr seitens seiner Mannschaft und der Vereinssführung gespürt hatte. Eine Etage tiefer kickt die dritte Mannschaft des Hamburger SV, und genau dort verstärkt nun ein ehemaliger Nationalspieler das Trainerteam: Der 38-jährige CHRISTIAN RAHN ist seit eineinhalb Monaten neben Marcus Rabenhorst gleichberechtigter Cheftrainer beim akut abstiegsbedrohten Oberligisten. Nach dem Trainerkarussell beim SV Werder Bremen war RAFAEL KAZIOR (34) kurzzeitig als Interimslösung im Übungsleiterteam bei Werders Drittligavertretung aktiv. Für längere Zeit nicht mehr aktiv auf dem Platz sein wird SÖREN GONTHER (30), der sich bei Dynamo Dresden zwei Kreuzband-Operationen unterziehen muss und damit mindestens bis zum Sommer 2018 stillgelegt ist. Drücken wir ihm mal die Daumen, dass die Heilungsprozesse optimal verlaufen. Ebenfalls alles gesundheitlich Gute sei IVAN KLASNIC (37) auf diesem Wege übermittelt, der Mitte Oktober seine dritte Nierentransplantation offenbar gut überstanden hat. Zum Jahresende gibt St. Paulis ehemaliger Teammanager und Ex-Medienchef CHRISTIAN BÖNIG (40) seinen Job als Leiter der Medien- und Kommunilkationsabteilung bei Hannover 96 auf, wo er seit Anfang 2016 tätig war. Die Leinestädter sollen Bönig zwar ein Angebot für einen neuen Kontrakt gemacht haben, der sich wohl aber beruflich anderweitig in Hamburg orientieren will und darum abwinkte. Der Hamburg-Wilhelmsburger Jung ÖMER SISMANOGLU (28) kickt seit dem Sommer beim türkischen Erstligaaufsteiger Göztepe Izmir. Der 28-Jährige kam von Besiktas Istanbul, das ihn aber seit 2013 permanent an andere türkische Erstligisten ausgeliehen hatte. Nicht ausgeliehen, sondern 2015 teuer verkauft hatte St. Pauli MARCEL HALSTENBERG (26) nach Leipzig. Am 10. November feierte der Niedersachse nun seine ordentliche Länderspielpremiere im Wembleystadion beim 0:0-Friendly gegen die Engländer. Ebenfalls debütieren durfte St. Paulis ehemaliger U23-Stürmer KWASI OKYERE WRIEDT (23): Der im Sommer vom VfL Osnabrück zu Bayern Münchens U23-Elf gewechselte Spieler wurde von Jupp Heynckes in der Verlängerung der Pokalpartie des Rekordmeisters bei RB Leipzig eingewechselt. Wriedt trainiert regelmäßig bei den Profis mit. Verletzungsbedingt schon lange nicht mehr im Profieinsatz ist Arminia Bielefelds Stürmer CHRSTOPHER NÖTHE; hat sich aber, oder vielleicht gerade deswegen, zum Restaurantbesitzer gemausert: im Stadtbezirk Brackwede hat der 29-Jährige jetzt ein griechisches Lokal übernommen. Beruflich umorientiert hat sich inzwischen auch schon wieder NICO PATSCHINSKI (41). Postbote und Bestatter hatten wir in dieser Rubrik ja bereits vermeldet, am 1. November begann „Patsche“ nun beim VHH (Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein) eine Ausbildung zum Busfahrer. Interessant: Die VHH sind auch für den Fan-Shuttleservice an HSV-Heimspieltagen ins Volksparkstadion zuständig. Beim Hamburger Oberligisten FC Süderelbe untergekommen ist inzwischen ERNESTO KEISEF (21), der in der vergangenen Spielzeit für St. Paulis U23 aufgelaufen war. Derzeit immer noch ohne gültigen Vertrag sind u.a. MICHAEL GÖRLITZ (30, zuletzt Arminia Bielefeld), SEBASTIAN SCHACHTEN (33, FSV Frankfurt) und FABIAN GRAUDENZ (25, FSV Frankfurt). 

// Ronny

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