Sportlich ess(en)bar, fanszenenmäßig eher zum…

Während ein Großteil der Welt schon an die nächste Woche beginnende WM denkt, richtete sich unsere Aufmerksamkeit gestern (nach dem Motto „Vereinsliebe statt Heimatliebe“) erst einmal auf die Auslosung zur 1. Runde im DFB-Pokal. In der Sommerpause können die Nachmittage bis zur Sportschau zuweilen recht lang werden, was sich mit dem (Kult-)Film „The Big Lebowski“ von 1998 mit Jeff Bridges immerhin halbwegs überbrücken ließ – wobei es nach dem gefühlten 20. „White Russian“ (also, im Film) aber auch wieder gut war. Und dann waren es immer noch 35 Minuten (fast eine Halbzeit!) bis zur (mittlerweile) Pokal-Show. Dann war es aber endlich soweit.
Kaum angefangen, galt es zunächst aber erst einmal, die Spannung auf „unser Los“ aufrechtzuerhalten – denn das Gelaber, mit dem der Spannungsbogen wohl „aufgebaut“ werden sollte, war echt schwer zu ertragen. (Tatsächlich kamen schlimme Erinnerungen an den 11. Dezember 2025 hoch, siehe hierzu unseren Beitrag zur WM-Auslosung). Immerhin wurde kein „DFB-Friedenspreis“ verliehen… „Aaaalter, mach hinne!“ drängte die innere Stimme derweil wie eine volle Blase auf mehr Tempo. Dennoch sollte es noch weitere 15 Minuten dauern, bis es dann tatsächlich noch losging mit der Zeremonie.
Als Losfee fungierte Deniz Aytekin, der, wie er sagte, seine nach dem Schiri-Karriereende frei gewordene Zeit noch nicht sinnvoll strukturieren könne. Und er machte seine Sache gut – bis er „unseren“ Gegner zog: Rot-Weiß Essen… ein eher unangenehmer Gegner (dazu gleich noch mehr). Es geht zwar an die Hafenstraße – allerdings die, an der eher keine Piratenflaggen wehen.
Danach ging es plötzlich sehr zügig weiter. Der etwas hektisch wirkende Moderator Malte Völz (möchte bestimmt mal „Wetten, dass…?“ oder „Der Preis ist heiß“ moderieren) brachte es noch halbwegs über die Bühne. Wann die Partie stattfindet, steht noch nicht fest, das Datum sollte aber um den 22. August herum liegen.
Rot-Weiß Essen also, der Tabellendritte der gerade abgelaufenen 3. Liga-Saison. Diese schloss der deutsche Meister von 1955 mit zehn Punkten Rückstand zu Ligameister Osnabrück ab, wobei mit 78 erzielten und 66 kassierten Toren jeweils die Höchstmarken aufgestellt wurden. In der Relegation scheiterten die Ruhrpottler dann nach zunächst einem 1:0-Heimsieg im Rückspiel (0:2) gegen Fürth, sodass es im Stadion an der bekannt klingenden Straße auch in der nächsten Saison lediglich Drittligafußball zu sehen geben wird.
Dass RWE nicht gerade unser Wunschgegner sein dürfte, ist die eine Sache – dass dessen Fans zumindest in Teilen – gelinde gesagt – „fragwürdig“ sind, die andere. Seitdem diese vor rund 25 Jahren vorm Millerntor noch (TW: gewaltverherrlichender, frauenverachtender Text): „Hamburger Frauen – f*cken und verhauen“ sangen, hat sich leider nicht viel zum Besseren gewendet. Noch im letzten November verteilten „Fans“ beim Spiel gegen Schweinfurt Flyer mit dem Text: „Keine Weiber in den ersten Reihen“. Neben dem frauenfeindlichen Verhalten fällt zudem ein nicht unerheblicher Teil der Fanszene mit rechtsradikalen Gesängen, Parolen und Gesten auf.
In der Sendung „Monitor“ vom 21. Mai 2026 widmet sich der Beitrag „Wie Rechte (wieder) die Fußballkurven erobern“ u. a. viel der Essener Fanszene. Was da zu sehen ist, ist ziemlich unschön. Aber wie schon damals gegen Atlas Delmenhorst wird die antifaschistische Fanszene St. Paulis dies auch beim Pokalspiel an der anderen Hafenstraße sicher zu thematisieren wissen.
// Hossa + ari
