Schlagwort-Archive: Ralph Gunesch

Wehen wer?

Ausgangspunkt

Wehen wer? Eine lange „Tradition“ haben die Spiele gegen das Team aus Hessen nicht. Denn das Fußballunternehmen SV Wehen 1926 Wiesbaden GmbH mischt erst seit rund zehn Jahren im Profifußball mit. Zuvor firmierte das Team unter dem Namen „SV Wehen 1926 – Taunusstein e. V.“ und spielte, mehr oder weniger, unter ferner liefen im oberen Amateurbereich. Dann wurde das Unternehmen Brita (die mit der Wasseraufbereitung) auf den Verein aufmerksam und initiierte in der Folge den Umzug nach Wiesbaden in das neugebaute Stadion. Im Jahr 2007/2008 gelang dann erstmals der Aufstieg in die 2. Bundesliga. weiter

Teilen:
Veröffentlicht unter Allgemein, Vor dem Spiel | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | Schreib einen Kommentar

2x Champions League an zwei Tagen

Gästeblock, FC Arsenal – FC Bayern: “Without Fans Football is not worth a penny”

Gastartikel von Ralph Gunesch

(Nachtrag: Das Erlebte in Audio mit Ralph gibt es auch bei MeinSportradio.de (ca. 20min))

Zwei CL-Spiele in zwei Tagen, da könnte man ja mal drüber schreiben.
Also versuchen wir das mal, wobei ich mich weniger auf das Sportliche stürzen werden. Viele/die Meisten von Euch werden genug Bilder, Analysen und Zusammenschnitte gesehen haben.

Los ging es am Dienstag Morgen Richtung London. Nach einem angenehmen Nachmittag (ich brauch Camden-Verbot!) ging es rüber ins Tollington. Ein an Spieltagen hoch frequentiertes Pub direkt am Emirates. Das große Schild am Eingang, dass keine Gästefans an Spieltagen erlaubt sind, hängt da auch nicht nur aus Spaß. An jedem Eingang stand Sicherheitspersonal und ohne Ticket fürs Spiel gab es auch keinen Zutritt ins Pub. Da ich aber ein Ticket hatte (für den Heimbereich) und neutral gekleidet war, wurde ich durchgewunken. Es war jetzt nicht das erste Mal in einem britischen Pub, aber es ist immer interessant und irgendwie dann auch genau so, wie man es aus Film und TV kennt.

Dann machten wir uns eine gute Stunde vor Anpfiff auf dem Weg zum Stadion und trafen dann auf die “Protestgruppe” gegen Arsene Wenger. Drumherum und mittendrin jede Menge Journalisten und Kamerateams und da war mir klar, dass das natürlich in der Berichterstattung ein Thema werden wird. Geschätzt waren es ca 80-100 Protestierende. Das interessante an der Gruppe war, dass 2/3 davon bei der letzten Meisterschaft noch nicht über die Werbebande gucken konnte. Per se sagt das natürlich erstmal gar nichts aus, denn Mitbestimmung und Meinung ist keine Frage des Alters (Kleinkinder ausgenommen). Aber in der Bewertung einer Person wie Arsene Wenger und seiner Bedeutung für Mannschaft und Verein sollte man das vielleicht im größeren (zeitlichen) Kontext sehen und dann bin ich mir sicher, dass sich vieles relativiert. Die generelle Meinung wird sich wahrscheinlich nicht ändern und ich möchte hier auch kein Plädoyer Pro-Wenger halten, das soll bitte jeder für sich entscheiden. Aber die Rufe und Plakate (“bring back our Arsenal“, wo wir wieder bei der Altersfrage wären) hätten möglicherweise einen anderen Ton gehabt.

So, nun aber ab ins Stadion und es war schon am Zuschauerzuspruch zu erkennen, dass irgendwie keiner dran glaubt. Viele leere Lücken auf den Tribünen, welche nach dem 1:2 und 1:3 dann deutlich größer wurden und kurz vor Schluß waren noch ca 50% der Leute da.

Zwischendurch in der Drangphase der 1. Halbzeit war es mal ansatzweise punktuell etwas lauter, ansonsten hörte man, vor allem in der 2. Halbzeit, nur die Bayern Fans.
Alles in allem ja eine sehr deutliche Geschichte und da ein großer Teil das Stadion schon frühzeitig verließ, war es auch nach Abpfiff kein Problem ohne Verzögerung in die Bahn Richtung Hotel zu kommen.

Am nächsten Mittag ging es dann weiter nach Barcelona. An dieser Stelle ein Lob an Norwegian. Mein erster Flug und ich war begeistert – könnte daran liegen, dass ich einen Sitzplan mit viel Beinfreiheit (1. Reihe) zugewiesen bekommen – oder am kostenlosen, wunderbar funktionierenden(!) Wifi während des Fluges. Wahrscheinlich eine Kombination aus beidem.

Im Hotel eingecheckt und direkt los das Ticket abholen. Hat Barcelona in den letzten Jahren sehr, sehr viel Geld in die Modernisierung ihrer U-Bahnen und der Stationen investiert? Das ist schon großes ÖPNV-Kino. Auch wenn ich da sicher kein Experte bin – irgendwoher muss mein Spitzname ja kommen.

Da ich ein Ticket für den Gästeblock hatte, schloss ich mich dem französisch sprechenden Teil der Fans an. Dann ging es auf einmal nicht mehr weiter. Aus einem 15m breiten Zugangsweg wurde trichterförmig eine erste Kontrolle mit 1-2 Personen gleichzeitig – folglich dauerte es. Dann ging es schleusenmäßig weiter und alle 100-150 Personen wurde gestoppt, bis die vordere Gruppe alle Kontrollen passiert hatte.
In diesem Zusammenhang muss ich feststellen, dass sich die PSG sehr, sehr diszipliniert und höflich verhielten. Ein paar Gesänge, ein bisschen gute Laune und hüpfen aber null Aggressivität. Davon war auch rund um das Stadion überhaupt nichts zu erkennen bzw. ich habe bei meinem Weg um das Stadion rum nichts bemerkt.
Die letzte Kontrolle war dann geprägt von viel Körperkontakt mit dem Sicherheitsbeamten, aber alles noch im Rahmen und harmlos, meinem Empfinden nach.

Im Block dann angekommen (den Weg dahin gibts auf meiner Facebook-Seite 🙂 ) konnte ich “Gästeblock aus Google Earth Perspektive” auch von meiner Liste streichen. Ich war schon einige Male in dem Stadion, aber immer relativ weit unten und ich ich hab mich immer gefragt, wir es wohl da oben ist. Jetzt weiß ich es. Jeder der mal im Gästebereich bei Barca stand, wird wissen wovon ich rede. Für ein Fußballstadion schon ziemlich hoch. Von der Perspektive her (Höhe Mittellinie) aber ein ziemlich guter Platz. Mein eigentlicher Platz wäre direkt an der Plexiglasscheibe gewesen. Das wollte ich dann doch nicht, also zog ich ein paar Plätze nach außen und in eine der obersten Reihen.

Im Auswärtsblock herrschte Lockerheit, Vorfreude und das Gefühl des sicheren Weiterkommens. So ein 4:0 Hinspiel-Sieg ist ja schon mal ne gute Vorraussetzung.

Dass Barca von Anfang an Gas geben würde, war jetzt keine Überraschung. So kam es ja auch früh zum 1:0 Führungstreffer, der aber der Stimmung im Auswärtsblock keinen Abbruch tat. “Kribbelig” wurde es bzw. die Minen änderten sich schlagartig beim 3:0 und das Nou Camp wurde wirklich laut – also wirklich wirklich laut. Als Cavani das 1:3 erzielte wurde es schlagartig ruhig auf den Plätzen außerhalb des Gästeblocks. Selten Fans gesehen, die bei einem 1:3 Anschlusstreffer so durchdrehen (Ja, ich weiß. Hinspiel und Auswärtstore und so). Jetzt kommt auch mein spezieller Freund mit dem Verrati-Trikot ins Spiel. Bis zum 1:3 eigentlich nicht existent bestand seine Aufgabe in den nächsten Minuten darin, vor der Trennscheibe mit den Barca-Fans zu stehen. Winken, auslachen, Snapchat höhnisch befüttern, provozieren, beschimpfen. Alles in Perfektion – Respekt an die Barca-Fans die ihn zwar registrierten, sich aber zu nichts hinreißen ließen. Nach einigen Minuten wurde es einem Ober-Ordner (die beiden um ihn rum hatten schon aufgegeben) zu bunt und er machte eine ziemlich deutliche Ansage.

Dann fiel das 4:1 und unser Freund stand auf, drehte sich wieder Richtung Barca-Fans und applaudierte um gleichzeitig immer wieder aufzuzeigen “Ja ist toll, aber ihr braucht noch 2 Tore“. Er hätte Farsi sprechen können und dennoch hätte jeder gewusst, was er sagen will.

Es kam wie es kommen musste. Das Stadion glaubte wieder an seine Spieler und dann kamen die Minuten, die ich noch nie so erlebt habe. Sportlich und auch drumherum.
Elfmeter wurde gepfiffen. Hinter mir stand eine deutsche Familie. Der Vater sagte nur “wenn der reingeht, fliegen wir raus“. Tor, 5:1 und wenn es nach dem 3:0 laut war, war es jetzt sehr laut. Außer in meinem Block.

Wir wissen alle, was dann passiert ist.
Das 6. Tor – und wenn es eben sehr laut war, war es jetzt sehr, sehr unfassbar laut. Wobei “laut” eigentlich das falsche Wort ist. Solch eine Eskalation und Ekstase habe ich in einem
Stadion noch nie erlebt. Mir fällt mir in Ansätzen nur der CL-Siegtreffer von Robben gegen den BVB ein, als ich Menschen übereinander hab herfallen sehen, völlig ohne Kontrolle.
Ich hatte ja einen guten Blick von oben auf den Heimblock. Keiner wusste wohin mit sich, seinen Gefühlen und seinen Emotionen. Es war eine wilde Menschenmenge, Klamotten flogen und alle taten unkontrollierte Dinge.

JA, DAS ist für mich Eskalation und Ekstase ohne bewusstseinserweiternde Mittel. Wir können alle drüber diskutieren, streiten und beschreiben, nachempfinden werden wir es nie können, da in solchen Momenten wahrscheinlich Dinge im Körper passieren, die sich nicht ohne solch eine Dramaturgie erzeugen lassen. Es fällt mir wirklich schwer, das richtig zu beschreiben weil einfach alles in diesen Momenten seinen absoluten Höhepunkt erreicht hat. Es gibt keine Superlative, die diesen Eindrücken von gestern Abend gerecht werden.

Aber da war ja noch unser Freund. Gefühlt stand der komplette angrenzende Block auf ein Mal an der Trennscheibe und er bekam jetzt alles, wirklich alles, zurück. Und dann muss ich sagen, reagierte er mega cool: Er stand auf, verbeugte sich, entschuldigte sich, applaudierte, entschuldigte sich wieder und ging zur Trennscheibe um mit einem Barca-Fan abzuklatschen. Das war ziemlich groß von ihm. Und nahm der ganzen Sache auch das Feuer. Während rechts von mir einfach nur Euphorie und auch Ungläubigkeit herrschte, war die Reaktion der PSG-Fans auch spannend zu sehen.

Keine Wut, kein Ärger. Nur fassungslose Resignation. Dieser Abend war so unglaublich, dass auch die unterlegenen Fans einfach nur ungläubig auf ihren Plätzen sitzen blieben. Es wurde kaum gesprochen. Aber es war keine Trauer wie nach einem verlorenen Finale – ich glaube, sie wussten noch gar nicht wirklich was da eben passiert ist. Ja, man ist raus. Aber wieso? Warum? Wie konnte das passieren? Da war kein Platz für weiter Gefühle außer “WTF?”.

Wir mussten ca 30 Minuten warten bis wir langsam den Block verlassen durften. Im Umlauf wurde dann langsam angefangen, das Spiel zu analysieren. Mein Schulfranzösisch reicht noch aus um ein bisschen was zu verstehen. Viel Kopfschütteln, weiterhin viel Ungläubigkeit aber nicht mehr und auch nicht weniger.

Als Letzte dann raus aus dem Stadion und wie ich dann leider feststellen musste, fuhr keine Bahn mehr Richtung Flughafen, also mit dem Taxi ins Hotel.

Beim kleinen Mitternachtssnack war ich immer noch sehr perplex ob der ganzen Eindrücke. Ich war eigentlich relativ neutral bei dem Spiel. Aber wenn man als Fußball-Fan sowas miterlebt, sind das sehr intensive Eindrücke, egal welche Vereinsfarben man trägt. Zum Einen freute ich mich, diese Emotionen (das Wort ist eigentlich viel zu schwach um das zu beschreiben) der Barca-Fans zu sehen. Zum Anderen reicht ein Blick nach links um zu denken “Wow Leute, ich will nicht wissen wie ihr euch fühlt.”

Bitte fangt keine “es ist nur Fußball”-Diskussion an. In dem Kosmos “Barca – PSG, CL-Rückspiel” ist jede dieser Reaktionen nachvollziehbar und verständlich.

Alles in allem zwei sehr spannende und aufregende Tage. Gerade dieses Erlebnis in Barcelona war absolut einzigartig und ich glaube, in vielen Jahren wird man von einem historischen Abend sprechen.
Das sind Spiele für die Vereinschroniken. // Ralph Gunesch

P.S. (mit einem Tag Abstand):
Ich würde mich eher als pragmatisch-sachlichen Menschen beschreiben. Dennoch versuche ich das Erlebte auch etwas einzuordnen. Ich suche keine neuen Superlativen, keins würde dem gerecht werden.

Und sowieso werden die Protagonisten Barcelonas auf Grund der letzten Jahre ihren festen Platz in der Vereinschronik haben neben Namen wie Cruyff, Zubizarreta, Segarra und Co. Aber dieses eine Spiel? Von diesem einen Spiel werden all die aktuellen und zukünftigen Eltern ihren Kindern und Enkeln erzählen. Jeder Barca-Fan, der in den nächsten 50 Jahren geboren wird lernt zu allererst das Wort „Messi“ und bekommt dann den Spielverlauf und das Ergebnis des 8.3.2017 beigebracht – noch bevor es die Zahl 2017 überhaupt einordnen kann.

In 50 Jahren wird jede/r 20jährige Barca-Fan cooler als die anderen sein, wenn er/sie jmd kennt, der an diesem Abend persönlich im Stadion war. Man wird zusammensitzen und nach dem 3. Bier in 30 Jahren war „sowieso klar, dass wir das schaffen“ um sich dann lachend einzugestehen, dass es das Verrückteste war, was man je im Stadion erlebt hat. Ja, es wurde Vereins- wenn nicht sogar Sportgeschichte geschrieben. Sie haben dafür (noch) keinen Pokal bekommen – aber das war größer als jeder eiskalt gewonnene Pokal mit 2:0 Hin- und 3:1 Rückspiel-Sieg.

Teilen:
Veröffentlicht unter Und sonst so | Verschlagwortet mit , , , , , | 5 Kommentare

Don’t mess with Ebbers!

Wie alles begann - Ebbers erstes Statement zum Spiel.

Wer die Beiträge hier häufiger liest, der weiß, dass ich ein Freund des ausgeglichenen Optimismus bin und mir insbesondere Spieler-Bashing eher fremd ist.
Lediglich über die Strafraumbeherrschung von Mathias Hain hab ich mich seinerseits ab und an echauffiert, er möge es mir heute hoffentlich verzeihen.

Am Wochenende nahm die Aufregung dann mal wieder zu, die 0:1-Niederlage gegen Bielefeld und damit nur ein erzielter Treffer in vier Pflichtspiele brachte den Internet-Mob zum Rasen. Und Marius Ebbers bringt ihn jetzt auf den Rasen, für den guten Zweck.

Es begann am Montag Morgen mit einem Statement von Ebbe auf seiner Facebook-Seite:

Zack, der hatte dann schon mal gesessen.
Man kann viel erwidern, u.a. das natürlich ein Fan auch nicht zwingend die gleichen Fähigkeiten haben muss, wie ein Profi. Aber ein bißchen mehr Verständnis dafür, dass auch was daneben (oder drüber) gehen kann, sollte eben vorhanden sein, bei aller verständlichen Enttäuschung.

Auf Twitter wurde dies von einem Kölner Fan aufgegriffen, insbesondere die Verwunderung darüber, dass Ebbe noch immer von “unsere” Stürmer schreibt, wo doch gar kein Vertrag mehr bestehen würde.
Tja, was soll man darauf antworten?

 

Aus Spaß wurde ernst, die Idee wurde verfeinert.

Und auch Christopher Nöthe schaltete sich jetzt ein, wenn auch weniger ausführlich:

Die Sache nahm ihren Lauf, schnell hatten sich fünf Freiwillige gemeldet:

Ob jetzt auch SocialMedia erfahrene St.Paulianer eingreifen werden, die derzeit bei anderen Vereinen beschäftigt sind, bleibt abzuwarten:

Großer Spaß, vielen Dank an alle Beteiligten. Und wenn am Ende mehr gegenseitiges Verständnis und auch noch Geld für die Gute Sache dabei herauskommen, ist sicher Allen geholfen.

Über Zeit und Ort wird sicher ausführlich auf vielen Kanälen informiert werden. // Frodo

P.S., 29.August:
Inzwischen hat das Event stattgefunden und es war ein großer Erfolg, auch wenn die “mutigen” Internetpöbler leider allesamt gekniffen haben und keiner der eigentlich abgesprochenen vor Ort zum Schuß antrat.
4.500,-€ kamen zusammen, ein schönes Video dazu findet Ihr (kostenlos) bei fcstpauli.tv.

Teilen:
Veröffentlicht unter Und sonst so | Verschlagwortet mit , , , , , | 16 Kommentare

Felgenralle: Biber in Wembley!

Zwei Fanboys: @felgenralle und @rafanelli

Zwei Fanboys: @felgenralle und @rafanelli

Gastartikel von Ralph Gunesch

Karten/Anreisevorbereitung:
Eigentlich waren die ersten Tage meiner Sommerpause ganz anders geplant, es sollten ein paar Tage Strand und Sonne werden, aber just nachdem sowohl der FC Bayern wie auch Borussia Dortmund das Finale erreichten, hatte ich irgendwie das ganz dringende Bedürfnis live vor Ort zu sein. Letztes Jahr war es mir verwehrt geblieben, das Spiel live zu sehen – Kartenpreise weit jenseits der 1000€ hatten mich davon abgehalten.  Da die Flugpreise nach London (ein Anreiseproblem hatte die Münchener Seite ja nicht letztes Jahr) dieses Jahr aber auch drastisch anzogen war die Nachfrage nicht so extrem hoch, so dass ich tatsächlich drei Karten zum Normalpreis bekam (An dieser Stelle ein ganz großes DANKE an die beiden Herren, die mir das ermöglichten)

Nun war die Frage: Wie kommen wir nach London? Auch ab HH lagen die Flugpreise bei ca. 750€ p.P. und aufwärts. Also erinnerte ich mich an meine Geographie-Skills und schaute was man denn noch so anfliegen könnte (Geographie-Skills bedeutet in dem Zusammenhang, mit google Maps umgehen zu können was so rund um London ist).

Als sinnvollste Alternative bot sich Birmingham an,  180km nördlich Londons mit guten Flugzeiten/-preisen. Noch schnell einen günstigen Mietwagen gebucht und die Reise war vorbereitet.

Anreise:
Sehr früh morgens (6:00Uhr) ging es zu zweit von Hamburg nach Düsseldorf, wo wir meinen Vater einsammelten und dann zu dritt weiterflogen nach Birmingham. Ab Hamburg saßen bereits einige im Flieger, die man wenig später auch in der Maschine nach Birmingham sah bzw. auch an den diversen Schaltern der Autovermietungen in Birmingham traf. Ab Frankfurt (8:00Uhr) waren es dann, an Trikots und Schals zu erkennen,  wesentlich mehr die die gleiche Maschine nutzten um zum Spiel zu kommen. Landung in Birmingham war um 8:15 bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen 16 Grad. Schnell den kleinen Koffer eingesammelt und dann Mietwagen abholen. 

Über “die haben das Lenkrad falsch eingebaut” wurden ja schon genug Witze gemacht, trotzdem kann ich euch sagen, dass es komisch ist wenn man erste Mal auf der rechten Seite sitzt und auf der linken Seite fährt. Denn für mich war es das erste Mal als Fahrer in England. Ganz zu schweigen von “links rum im Kreisverkehr”. Für einige wären englische Autobahnen aber allerdings genau das Richtige: Hier darf/muss/soll man links fahren.

Nachdem wir noch eben im Hotel direkt am Flughafen in Birmingham eincheckten ging es los Richtung London. Die ersten Kilometer fühlten sich für mich wie Fahrschule an. Ich sprach mit mir selber, sagte mir “Jetzt auf die linke Seite einbiegen/links in den Kreisverkehr“ usw. Jeder Schritt wurde von mir kommentiert und laut angekündigt und meine Freundin und mein Vater fingen an, das ganze sehr witzig zu finden. Aber ich schaffte die Kreisverkehre und Kreuzungen ohne andere anzufahren oder den Verkehr zu gefährden so dass wir dann auf unserer “Road to Wembley” (die M1) Richtung London fuhren.

Dank “Yorkshire St.Pauli” wusste ich, dass die bestmögliche Variante aus dem Norden kommend die Anfahrt nach Stanmore im Norden Londons ist, wo direkt neben der U-Bahn-Station ein großer, öffentlicher Parkplatz ist und das Stadion nur drei Stationen entfernt liegt. Da wird aber schon um 12:30 in Stanmore ankamen, blieb noch genug Zeit um nach London reinzufahren und ein bisschen das Treiben zu beobachten. Die Tube führte uns direkt zum Piccadilly Circus. Direkt beim Aussteigen wurde es sehr laut, Massen an gelb-schwarz bekleideten sammelten sich am Piccadilly und stimmten sich mit Gesängen auf das Spiel ein, dass noch gut sechs Stunden entfernt war.  

Also ging es erst mal zu meinem Lieblingsdiner, wo es den besten Burger der Stadt gibt – immer ein Pflichtbesuch wenn ich in London bin.  Da man schon die Tage vorher bei Twitter raus lesen konnte, wer denn so alles in London sein wird ließen Rafanelli und ich es uns nicht nehmen, uns endlich mal live kennen zu lernen was sich aber als etwas schwierig gestaltete. Auf den Tweet “bin in 15 min da” folgten 15 + 15 + 15 Minuten Wartezeit am vereinbarten Treffpunkt. Nach gut 45 Minuten, einem Telefonat, der Feststellung dass es mindestens 3 “Café Italia” am Leicester Square gibt und whatsapp inkl. Standort schicken gelang es uns, das Treffen zu realisieren. Vielen Dank an dieser Stelle, war cool dich live kennen zu lernen und ein bisschen über Fussi und das Spiel zu quatschen (p.s.: Neymar wechselt sofort nach Barcelona, nicht erst 2014 :D). Natürlich durfte ein kleines gemeinsames Foto nicht fehlen (pics or it didn’t happen) und dann musste der  gute Mann zum Essen.

Für meinen Vater war es das erste Mal London und es blieb glücklicherweise noch ein bisschen Zeit, also wollten wir die Queen besuchen. Sie war zu Hause, reagierte aber nicht auf SMS und es machte auch keiner das Tor auf so dass wir, wie alle anderen auch, draußen bleiben mussten und uns den Buckingham Palace und die beiden Wächter aus der Ferne anschauten. An dieser Stelle kommt dieser Job auf die Liste “nichts für mich” – mag ja eine große Ehre sein, da stehen zu dürfen, aber so wirklich begeistern kann ich mich dafür nicht.

Mit ein wenig spazieren noch die Zeit totgeschlagen und dann ab zum Stadion. Die Bahn war erwartungsgemäß drei Stunden vor dem Spiel schon voll Richtung Stadion. Gelb-schwarz und rot hielt sich die Waage und generell (zumindest das, was ich in der Stadt beobachten konnte) blieb es relativ ruhig. Neben den SKBs war auch Polizei aus NRW in Uniform präsent in der Stadt. Aber sowas wie Fantrennung etc. gab es weder in der Stadt, noch vor dem Stadion. Selbst am Piccadilly Circus konnte man sich im roten Trikot ohne Probleme durch die gelb-schwarzen Massen bewegen. Erst bei den Einlasstoren ging es für gelb-schwarz nach links und rot nach rechts. Ich hörte im=&0=&Nachgang dass es wohl einmal zwischen ein paar Hools und der Polizei geknallt habe, aber in der Stadt selber und auch vor dem Stadion war in keinster Weise eine aggressive Stimmung zu spüren.

Das Stadion: weiter

Teilen:
Veröffentlicht unter Spielberichte | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 3 Kommentare