BLECHREIZ – Live & Loud

In Berlin und Greiz! & Interview

Live sind Blechreiz immer ’ne Wucht. Aber auch so eine Live-Scheibe der Berliner kann zu Hause zu ungeahnten Wunderheilungen führen, zumindest was Bein & Knie betrifft. Keiner der Songs lässt einen auch nur eine Sekunde still stehen, geschweige denn auf dem Sofa sitzen! Mega-Chapeau!

Sieben Songs von einem Gig in Greiz, sechs von einem Konzert in Berlin. Neben den zum Tanzen benötigten Körperregionen, kommen auch die Hirnwindungen bei den Texten nicht zu kurz. Musikalisch natürlich auch wieder ganz weit oben, wenn nicht sogar weiter gereift. Tempi-Wechsel und Bläser-Einsätze sind perfekt punktiert. So liebe ich das.

Allein der Song „James Bond“ – schon tausend Mal gecovert – ist weder geschüttelt noch gerührt, sondern einfach nur genial gemischt und gespielt! Bei einigen Songs bin ich mir manchmal nicht sicher, ob da nicht Tim von „The NØ“ (Ex-No Life Lost) am Mikro zu hören ist (Track „Zwei zum Preis von Einem“). Auch egal.

Songs wie „Those were the days“, „Guns of Navarone“ und „Tequila“ werden mit viel Power interpretiert und stillstehen ist keine Option! Klasse auch die Ankündigung des Songs „Gewalt regiert“. Der Sänger sagt kurz und knapp: „Ein Song gegen Nazi-Glatzen“, und los geht’s!

Die Songs des Gigs in Berlin sind etwas Reggae-lastiger und instrumentaler, in Greiz wurde dagegen mehr auf Tempo gesetzt. Aber eines ist sicher: Wann immer du einen Tonträger von Blechreiz siehst: Kaufen! Wann und wo auch immer du eine Konzertankündigung siehst: Hin da! Ich hör’ die Scheibe jetzt nochmals von der ersten Rille an. Und dann nochmals!

Und hier dann noch ein Interview mit zwei Band-Mitgliedern

Wie lange gibt es die Band eigentlich inzwischen?
Wir wurden ursprünglich 1983 als dreiköpfige Schülerband – Gitarre, Bass, Schlagzeug – im Süden von West-Berlin gegründet. 1985 kamen Keyboards und Saxofon dazu, seitdem heißt das Ganze “Blechreiz”. 1988 erschien unsere erste Kassette, “Out tonight?”, und 1990 unsere erste LP, “Who napped JP Beat?”.

Ist das eigentlich noch die Original-Besetzung bei euch?
Immerhin sind noch Teile davon da! Unser einziger echte Bassist, Bonjer, ist tatsächlich seit 1983 dabei, Keyboarder JP Beat und Saxofonist Michael “Don Tango” Rühl seit 1984. Prüfer kam 1987 dazu, Rütze ist seit 1990 an der Gitarre und Oli kam 2012 dazu. Das ist doch ne ganze Menge Original!

Warum habt ihr 1996 eine so lange Pause gemacht… und startet nun wieder durch?
Blechreiz wurde 1996 erstmalig in die Mittagspause geschickt, vor allem, weil fast alle damaligen Mitglieder nach sechs Jahren mit mehr als 50 Gigs pro Jahr und vier LPs nicht mehr konnten. 12 Jahre später haben wir dann tatsächlich alle gleichzeitig festgestellt, dass ein Leben ohne Blechreiz möglich ist – aber sinnlos. Daher spielen wir seit 2008 wieder. Und damals haben wir auch gleich ein paar Songs aufgenommen. Those Where the Days, Zwei zum Preis von Einem und so. Dann verließ uns nach eine paar Jahren unser Sänger Markus, eine Zeit lang sah’s wieder so aus, als wär’s das gewesen – aber dann haben wir doch weitergemacht, seitdem mit Prüfer, der ja auch vorher schon sang, und Rütze an den Vocals. Und mit der Zeit immer mehr auch mit Oli als Backing-Stimme.

Wie kommen neue Musiker*innen zur Band?
Wieso neue Musiker? Wir haben genug Alte, die zurückkommen. Rütze war 1993-96 nicht dabei, unser Trompeter Hannes 1990 schon mal und jetzt seit 2020 wieder… Zudem lassen wir gelegentlich Kinder bei uns arbeiten (wozu hat man die denn sonst?!?), z.B. spielt Olis Sohn Nils Altsaxophon auf unserer neuen Platte. Und da wir relativ viele Kinder haben, ist da noch ne Menge Luft nach oben.

Skapunk, Two Tone oder wo würdest du euch einordnen?
Ganz klar kein Skapunk. Aber gerne Punky Ska. Wir hören vor allem Early und Skinhead-Reggae aus den 60ies und 70ies. Und natürlich Two Tone. Und Soul, R & B…

Eure Homepage scheint ja ziemlich veraltet…? 2010… Oder seit ihr nur noch auf Facebook und Co unterwegs?
Wir kommen nicht zum Überabeiten. Und ja, das meiste läuft via Facebook, Instagram und Youtube.

Die neue Live-Scheibe mit je einer Seite aus Greiz und Berlin – wie kamt ihr auf die Idee oder habt ihr aus zwei Gigs einfach die jeweils besten Versionen genommen? Oder habt ihr eine besondere Verbindung zu den beiden Orten?
Das SO36 ist unser Wohnzimmer seit 1990, als wir dort unsere erste (und einzige) DDR-Tour beendet haben. In Greiz haben wir tatsächlich erst zweimal gespielt – aber bereits beim ersten Mal die Platte aufgenommen, das hatten uns die Jungs und Mädels, die die Alt Papierfabrik betreiben, angeboten. Dass das Material so geil ausfallen würde, hatten wir nicht erwartet. War dann aber so. Wir haben also beschlossen, beim nächsten Gig im SO36 – konkret war der zum Geburtstag von Smith & Miller Records-Eigner Mirko Schmidt – noch ein paar Songs aufzunehmen und daraus ein Live-Album zum machen. Muss man unbedingt sehr laut hören.

Stichwort Live: Seid ihr bald auf Tour? Macht ihr auch in Hamburg Station?
Wir waren gerade in St. Pauli (auf !!! St. Pauli! Anm. d. Interviewers) und lieben Hamburg. 2026 wird bestimmt wieder was gehen.

Seid ihr eigentlich Fußballfans? Und wenn ja, von welchem Verein?
Bei sovielen Musikern in der Band bleibt es nicht aus, dass da auch ein paar Fußballfans dabei sind. Einige haben keine Ahnung von diesem Sport, andere streiten sich immer wieder im Bandbus. Muss wohl spannend sein. Wenn sie sich schlagen, greifen die anderen ein.

Die Antworten gaben Oli (Git) und Rütze (Git. & Voc.)
// Hossa

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