Dank (Electric-) Kaars keine Verkohlung in der Lausitz!

Wenn ein Team auswärts und in 70-minütiger Unterzahl nach einem Rückstand noch ausgleicht und damit zum Schluss einen Zähler holt, sprechen sog. Experten wahlweise von einem energiegeladenen Auftritt – oder einem „Reststrom-„, also Dusel-Punkt“. Sucht es euch aus, denn wir hier in der Redaktion leben klar in der absoluten Komfortzone. Denn was wir schreiben, ist die einzig wahre Wahrheit und stimmt einfach immer! Jawohl!

Sagen wir mal so: Es war deutlich mehr drin für unsere Kiezkicker, doch irgendwie fanden sie zunächst nicht die Steckdose für die eigene Stromversorgung und anschließend suchten sie vergeblich den Stecker, der den Energiekern gezogen hätte werden müssen.
Aber am Ende kackt bekanntlich die Ente und da kann man diesmal nur sagen: Dank (Electric-) Kaars sind wir dann doch nicht im ehemaligen Braunkohlegebiet verschütt gegangen.

„Alle Mann haben die Akkus voll“, vermeldete Trainer Marcel Rapp bereits Tage vor der Partie in der Lausitz. Nur die Langzeitverletzten Mathias Pereira Lage und Gísli Thordarson fehlten, ansonsten konnte Rappo „aus dem Vollen schöpfen“. Und das tat er.

Heute hätte ich mir gerne je zwei echte 6er, 8er und 10er gewünscht. Den Rest des Teams hätte man als Landschaftsgärtner irgendwo aufs Feld stellen können – sie wären arbeitslos geblieben. Denn fast alles lief heute durch die Mitte. Der Trainer hatte sich offensichtlich etwas anderes überlegt.
Die Anordnung mit Viererkette und dem logischen Dreieck führte zuletzt zum 1:0-Erfolg. Die taktische Ausrichtung, erklärte unser Coach, sei zwar auf Wolfsburg zugeschnitten gewesen, aber: „Das kann auch ein Modell für uns sein“. Doch nun waren wir in Cottbus und nicht in VauWehburg.

Die Kiezkicker zeigten sich von Beginn an extrem variabel. Abwechselnd mit Gleich- sowie Wechselstrom wurde der zunächst kaum vorhandene Energie-Fluss stetig unterbrochen. Dementsprechend saft- und kraftlos präsentierten sich die einheimischen Strippenzieher.
Unsere Highspeed-Elektriker hingegen verlegten gleich zwei mustergültige glühende Steil-Drähte, doch zunächst gab es wohl einen Wackelkontakt im Winkelement des Schiri-Assis (Ceesay schloss dennoch zum vermeintlichen 1:0 ab) und dann hatte Niang beim E-Flankenversuch einen Kurzschluss in der rechten Wade. Nach 17 Minuten griff Andō zu einem beherzten Trick seines Meisters und sah dafür das Gelbe Kabel. Nur drei Zeigerumdrehungen später wandte er den gleichen Kniff erneut an – und nun flog die 15er-Sicherung raus!

Fazit nach zwanzig Minuten: Zwei schnelle Konter, einer davon Abseits und dann war die Flanke nix. Dazu zwei kleine – nahezu identische – taktische Fouls und fortan für 70 Minuten in Unterzahl. Da sprühen die Funken der Freundschaft!
Unser Kabel-Keeper hielt sich genau an den Plan („Die 0-Phase muss stehen!“) und zeigte teils reflexartige Zuckungen, als stünde er in einem Schaltschrank. Beim explosiven Drehmoment-Schuss in Minute 37 fand Voll aber keine Isolierung und so funkte es gewaltig: Cottbus’ Butler hatte soeben elegant das 1:0 serviert. Da verging einem der weitere Appetit auf Kartoffel-Kabelsalat mit gefüllten Lüsterklemmen vom Elektrogrill. Dann lieber einen energetischen Pausentee, Sorte E(arl) Grey.
Nach dem Spannungs-Wechsel ließen unsere Jungs dem Spiel zunächst freien Stromfluss, ohne dabei wirklich gefährliche (Geistes-)Blitze hernieder zu lassen. Nach einer Stunde war Ceesays elektro-magnetische Spüle dann aber mehr als heiß gelaufen und für ihn kam Martjin in einem seiner solarbetriebenen Electric-Kaars.
Hinten gab (es) Voll den Widerstand und im Zentrum schnappte sich Jones den Plus-Pol. Mit Hyperantrieb schwirrte er links aus und verkabelte butterweich in die Mitte. Lautlos war inzwischen (Electric-) Kaars vorgefahren und schraubte die Kugellampe mit der Abrissbirne ins Energie-Häuschen. Die kalte Lötstelle war gefunden!
Die Atom-Uhr tickte lautlos vor sich hin und nach einer weiteren E-Ecke gab es nochmals Voll(e) Zuckungen, dann war es geschafft! Ein (Strom-)Zähler ist auch ein Punkt ist ein Punkt. E(h)-Chapeau!

Bild: Hossa
Und nun? Drei Wochen kein Fußball. Nach Sommer- und Winterpause nun noch eine neue Unterbrechung des Ligaallags. Öffnet die Wechselbörse jetzt nochmals? Wird es demnächst Vereinswechsel auch in der Hydro-Pause geben? „Dieser Wechsel wird Ihnen präsentiert von…“!
Lieber nicht, also machen wir das Beste mit und aus der Zeit. Viel wird aber nicht geboten. Allein Kloppo spielt in den nächsten Wochen das brandneue
„Kloppo-Lotto 11 aus 44“…

Grafik: Kriller & Hossa
Der Übersteiger macht im Übrigen keine Pause und versorgt euch weiterhin mit Beiträgen wie Rezessionen zu Musikproduktionen, Neuerscheinungen bei Büchern, Filmen und Interessantem aus der wunderbaren Welt des Fußballs (Moin Arnd!) sowie der Politik und einem Quiz. Kein Bock auf die fußballlose Zeit? Dann kommt (mit uns) gut durch die freie Zeit, nutzt diese gut und räumt mal wieder eure Bude auf! (Wenn ihr fertig seid, könnt ihr bei mir weitermachen). // Hossa

<<< ÜS-Vorbericht gelesen. Der Verein holt sich die Inspiration beim einzig relevanten Fanzine DER ÜBERSTEIGER
P.S.: Auf Bluesky schrieb User Bathamster zum Wolfsburg-Nachbericht: „Manchmal frage ich mich ja, was Hossa eigentlich einwirft, bevor er die Spielberichte schreibt, und wie ich da dran komme“. Ich ließ die Antwort ausrichten: „Die eingeworfene Sache nennt sich: Kreative Nüchternheit„. Kurz daraufhin Bathamster nochmals: „Das ist ein wenig beunruhigend“. Da kannste mal sehen, wie tief das Klischee sitzt, dass man offenbar nur mit irgendwelchen Substanzen kreativ sein kann.

Während in München das größte Alkoholikertreffen der Welt stattfindet und man mit Grauen nach MeckPomm blickt, freuen wir uns auf eine Ausfahrt im nagelneu restaurierten Redaktions-E-Bus sowie eine rege Teilnahme am Quiz, viele Kommentare und vielleicht doch nicht ganz so schlimme Wahlergebnisse.
