Archive for Januar, 2010

20.Spieltag - MSV Duisburg (A)

Samstag, Januar 30th, 2010

MSV Duisburg - FC St.Pauli 0:2 (0:2)
Tore: 0:1 Marius Ebbers (6.), 0:2 Deniz Naki (20.)
Zuschauer: 16.446 (geschätzt 3.000 St.Pauli-Fans)

Fanladen-Tours bat zur gepflegten ICE-Tour und immerhin knapp 40 Leute entschieden sich zu dieser Anreise statt stressiger Bustour bei bedenklichen Straßenverhältnissen. Die Abfahrt verzögerte sich zwar schon mal um ne halbe Stunde, aber der Twitter-Kommentar “Fanladen Tours im ICE startet mit 30 Min. Verspätung, aber was tut man nicht alles für 3 Pkt.” sollte sich ja dann später als treffend beweisen.

Gegen 15.00h traf man in Duisburg ein, und die Stadt ist… tja, wie schreibt man das, ohne unhöflich zu sein… ungefähr so prickelnd wie ein WalMart am Sonntag nachmittag. Immerhin traf sich die halbe Zugbesatzung unabgesprochen bei “Familie Willers” zu landestypischer Küche wieder, da sonst nur McDoof und ähnliches zum Essen einluden. Jägerschnitzel kann ich da jedenfalls nur empfehlen, wenn von Euch mal jemand unfreiwillig in dieser Stadt bleiben muss, denn freiwillig wird das ja sicher keiner.

Der Weg zum Stadion ist auch irgendwie merkwürdig, dass könnte allerdings auch am “Ruhrpott” ansich und nicht zwingend an Duisburg selber liegen. Denn die beste Verbindung bietet die S-Bahn, und als Hamburger ist man natürlich gewohnt, dass diese einigermaßen regelmäßig fährt. War hin auch noch alles problemlos, nach drei Minuten steigt man aus und wenn einen die Polizei nicht noch einmal quer durch den Stadtteil jagen würde, wäre man auch nach weiteren knapp zehn Minuten am Stadion. Blöd ist nur, dass diese S-Bahn nur alle 30 Minuten fährt, was dann für die ICE-Gruppe nicht praktikabel war, da wir nach Abpfiff nen straffen Zeitplan einzuhalten hatten, um pünktlich wieder am Bahnhof zu sein, doch dazu später mehr.
Im Stadion (für mich der erste Besuch in der Arena) fiel zunächst mal auf, dass es am Gästeeingang getrennte Eingänge für Steh- und Sitzplätze gibt, die dann “innen” auch keinen Wechsel mehr erlauben. Ansonsten halt ein normales “neues” Fußballstadion, wie sie überall aus dem Boden schießen… nicht mehr, nicht weniger, und immerhin mit Stehplätzen, wenn man was gutes finden möchte.

Das Spiel war natürlich der Wahnsinn. Zu Pause muss(!) es eigentlich 6:0 für uns stehen, mindestens aber mit dem dritten Tor wäre spätestens der Ofen für den MSV aus gewesen. Für mich die beste erste Halbzeit, die ich je auswärts gesehen habe, selbst in Aachen waren wir nicht so stark gewesen. Klar, die Chancenverwertung war komplette Grütze, aber auf dem Niveau jammer ich gerne, insbesondere bei acht Punkten Vorsprung auf Platz 4 und der gewonnenen Tabellenführung.
Negativ fiel lediglich eine Gruppe Holländer vor dem Spiel auf, die direkt beim Einlaufen der Mannschaften vor dem Spiel in der ersten Reihe des Sitzplatzblockes einen Bengalo in die Luft (und die Überwachungs-Kameras) hielten. Eine Diskussion darüber, ob das vielleicht hübsch aussieht oder wieviel Schuld die Medien an der Verherrlichung haben, erspare ich mir an dieser Stelle. Fakt aber ist: Die Dinger sind verboten, und wer bei der heute herrschenden Überwachung derart offen “zündelt”, muss sich nicht wundern, wenn zehn Minuten später die Staatsmacht kommt und ihn aus dem Block zieht. Kann man doof finden, aber wundern muss man sich nicht. Empfanden in diesem Fall wohl auch alle anderen im Sitzplatzbereich so, denn selten fiel es der Polizei wohl so leicht, Fans aus ein St.Pauli Fan-Block zu ziehen.

Die Halbzeitpause begeisterte zum einen mit der örtlichen Karnevals-Gang und zum anderen mit einem Stadionsprecher, der den erwartungsfrohen Zuschauer mit folgenden Worten desillusioniert: “Aus gegebenem Anlass gibt es heute keine Highlights auf der Videowand!” Wenigstens im Gästeblock wurde gelacht.

Hälfte zwei war dann gemütliches Eier-Schaukeln ohne weitere Aufreger. Zwar dachte ich die ganze Zeit “Wenn die jetzt ein Tor machen, wirds eng…” aber das Tor fiel eben nicht. Zum einen, weil Gunesch und Morena momentan einfach ne großartige Leistung abliefern und zum anderen, weil der von mir ja oft kritisierte Matze Hain ebenfalls eine sehr starke Leitung zeigte.

Die Stimmung war im Grunde das ganze Spiel über hervorragend, auch wenn nach wie vor bei derartigen Leistungen der ein oder andere Anfeuerungsruf ausbleibt.  Denn die potentiell Rufenden sind einfach mit herunterhängendem Unterkiefer fassungslos mit “in den Arm zwicken” beschäftigt, “das ist nicht mehr mein St.Pauli!” ist eben immer noch ein oft gehörter Satz, man traut dem Zauberfußball nicht. Aber es ist wahr, wir sind tatsächlich so gut!

Nach dem Spiel ging es also zurück zum Bahnhof. Die Shuttle Busse waren eine Fehplanung deluxe… viel zu wenig, viel zu voll. Und zumindest in unserem Bus gab es doch extrem aggressive Duisburger, die offensichtlich schlechte Verlierer sind. “Du verdammte Scheiß-Zecke, Du Wichser, Du Scheiß Kommunistensau!” waren so ziemlich genau die Worte, die ein Trikotträger stakkatoartig einem in der Tür stehenden St.Pauli Fan an den Kopf schleuderte, weil dieser nun angeblich die Abfahrt verzögerte. Tat er zwar nicht, aber die Wortwahl ließ schon aufmerken. Als der Vollpfosten dann auch noch ein Frau schubste, war es auch um unsere Contenance geschehen und er wurde (wenn auch nur verbal) deutlich in die Schranken gewiesen, was zu einer Wiederholung der eben genannten Schimpftirade führte, ihn aber schließlich schmollend in der Ecke zurückließ. Beim Aussteigen am Bahnhof hatten wir dann allerdings nochmal einen großen Lacher, denn hinten auf seinem Trikot prangte sein Name: “Schimanski”! Na denn…

Zurück hatte die Bahn dann ne 3/4 Stunde Verspätung, aber was macht man nicht alles für drei Punkte, wie schon gesagt. Die Fahrt verlief verhältnismäßig entspannt, auch wenn einige deutlich zuviel Alkohol intus hatten. Aber solange unser Präsident “Wir saufen sechs Monate durch!” auf Pressekonferenzen  von sich gibt und angesprochene Alkoholprobleme auf Diskussionsveranstaltungen mit polemischen Vergleichen ins Lächerliche zieht, verbietet sich daran wohl jede Kritik von selbst. Saufen ist halt voll Pauli, ey. (Und ja, nicht alle volltrunkenen sind Alkoholkrank oder verhalten sich scheiße, aber einige eben doch.)

Drei Spiele in der Rückrunde, drei Siege, fünf Punkte vor Platz 3, 8 Punkte auf Platz 4, Spitzenreiter, zwei Freitags-Heimspiele vor der Brust… was will man mehr? Schönes Wochenende! // Frodo

P.S. Stanis Kritik an den “Aufwachen” Rufen hatte ich ja letzte Woche schon jur müde belächelt, inzwischen hat er sie auch relativiert und für mich ist das Thema durch, verbunden mit seinem Wunsch, dass ab sofort alle alles geben. Hier Auszüge aus seiner Rede auf Youtube.

100 Jahre FC St.Pauli - Die Pressekonferenz

Dienstag, Januar 26th, 2010

Die Spatzen pfiffen es zwar schon in den letzten Tagen von den Dächern, aber jetzt ist es offiziell und die Vorfreude steigt:
Bei der heutigen Pressekonferenz präsentierte der Verein ein hübsches Paket an “Geburtstagsgeschenken”, aus dem drei Highlights sicher hervorstechen:

  • 15. Mai - St.Pauli All Star Team - FC United of Manchester, nicht zu verwechseln mit dem großen Bruder, dafür umso sympathischer
  • 18. Mai - FC St.Pauli - Glasgow Celtic FC, kein weiterer Kommentar nötig
  • 29. Mai - Konzert am Millerntor

Der Geburtstag wird abgerundet durch zahlreiche kleinere aber umso hübschere Ideen, die allesamt unter dem Motto “Our world is braunweiß” stehen. So soll am Geburtstag selber (dem 15.Mai, dem Tag des Spiels gegen FCUM) “die Welt braun-weiß geschmückt” werden. Wohniertel, Fassaden, Gartenzaun, Gesichter… was auch immer.
Ab dem 1.März wird man auf www.fcstpauli100.com ein Statement abgeben können, warum und wo man den Verein nun besonders liebt, wahlweise als Foto oder Video.
Am 17.Mai gibt es dann im Rathaus von Karin von Welck die “Sportplakette des Bundespräsidenten” und am 18.Mai kommt es dann eben zu dem heiß und sehnlichst herbeigesehnten Spiel gegen Celtic am Millerntor.
Am 23.Mai (Pfingstsonntag) findet auf dem Heiligengeistfeld ein Tag des Breitensports statt, auch “St.Pauli Dorf” genannt, wo sich alle Abteilungen des Vereins präsentieren.
Am 29.Mai gibt es dann das große Konzert am Millerntor, von dem Bela B.  als Pate immerhin schon mal vermelden konnte, dass neben ihm noch Kettcar, Slime, Panteon Roccoco und Talco auftreten werden. Insgesamt soll es ca. 10 Bands geben, die allesamt 30-45 Minuten Gigs mit einem St.Pauli-affinen Set spielen werden. 18.000 Zuschauer dürfen rein, die Bühne steht vor der Nordkurve. Tickets gibt es vom 27.1. bis 6.2. vorab und exklusiv für Mitglieder zu je 26,-€ (max. zwei pro Person) und danach für 31,-€ dann auch für alle. Die Erlöse gehen an (noch zu benennende) soziale Einrichtungen aus dem Stadtteil.
Ab Juni gibt es dann die große Ausstellung zum Geburtstag, Details hierzu werden sicher noch folgen.

Um es mit Horst Hrubesch zu sagen, nur ein Wort: “Vielen Dank!” // Frodo

19.Spieltag (H) FC St.Pauli - Alemannia Aachen

Sonntag, Januar 24th, 2010

FC St.Pauli - Alemannia Aachen 1:0 (1:0)
Tor:
Max Kruse (31.)
Zuschauer:
19.630

Brrrrrrrrrrrr… kalt! Arschkalt!
Viel mehr gibt es nicht zu sagen, daher fasse ich mich diese Woche extrem kurz: Bier gefroren, Glühwein früh ausverkauft, drei glückliche Punkte, Verfolger auf Abstand gehalten und auf Lautern noch aufgeholt.

Den emotionalsten Moment gab es eh schon vor Anpfiff, als Mini sich auf dem Platz bei den St.Pauli- und Aachen-Fans sowie dem Vereinsarzt, dem Krankenhaus und vermutlich noch vielen mehr bedanken wollte, allerdings von den Gefühlen so überwältigt wurde, dass ihm die Stimme versagte. Das Stadion half ihm mit “You’ll never walk alone” darüber hinweg und so konnte er wenigstens noch eine Ehrenrunde drehen, bei der er auch aus der Aachener Kurve beklatscht wurde, sehr schöne Geste. Wer hätte das damals gedacht, dass diese Geschichte so enigermaßen glimpflich ausgeht. Weiterhin gute Besserung, Mini! Wer ein Interview mit Mini anhören möchte, der findet das irgendwann ab heute Abend im Gravis St.Pauli-Podcast.

USP hatte als Protest gegen die bes… onderen Anstoßzeiten der zweiten Liga eine “13.00 Uhr, Mittagszeit - Heut’ wird unser Essen kalt” - Choreo vorbereitet, mit riesen Tapete und zig Papptellern, sah sehr schön aus.

Das Spiel war dann eher zum abgewöhnen, aber bei den Temperaturen und den Platzverhältnissen war wohl auch nicht wirklich ein technisches Feuerwerk zu erwarten. Mund abputzen, Weitermachen, denn dass man an solchen Tagen auch schlechter abschneiden kann, hat man ja in Lautern gesehen, die gegen den Tabellenletzten zuhause nur ein 0:0 erreichten.
Stani regte sich dann nach dem Spiel wohl noch über die “Aufwachen! Aufwachen!” Rufe auf, aber das würde ich nicht zu ernst nehmen. Sicher ist das “Jammern auf hohem Niveau”, sowohl was das Rufen an sich anbelangt, wenn man fünf Punkte Vorsprung hat, als auch was das Beschweren von Stani über die Stimmung anbelangt. Ich gehe aber mal davon aus, dass es am Freitag beim 3:0 Sieg in Duisburg von beiden Seiten noch weniger zu jammern gibt.

Insgesamt ein Fußball-Wochenende für die Geschichtsbücher: St.Pauli gewinnt, der hsv verliert, Lautern verliert zwei Punkte zuhause gegen den Tabellenletzten, Rangers nur Unentschieden, Celtic gewinnt… da fallen die Siege von Düsseldorf, Augsburg und Bielefeld nur unwesentlich ins Gewicht, schließlich sind die ja fünf Punkte hinter uns und das soll ja auch so bleiben. // Frodo

Links:
Ollis Thresen Thesen
Blog “Gerechtigkeit für St.Pauli”
Blog “We love St.Pauli”
Fotos von mad
Bericht und Fotos auf der Vereinspage
Fotos “Magischer FC”
Thread im Alemannia Forum zum Spiel

Wir sind Berg! St.Pauli Forums User spenden über 7.000,-€ für Haiti

Freitag, Januar 22nd, 2010

Es gibt Momente, da bekommt man als St.Pauli Fan eine Gänsehaut und weiß wieder einmal, warum man “hier” steht. Äußerst selten bis nie hat das mit sportlichen Momenten zu tun, meist geht es um Geschehnisse auf den Rängen oder auch komplett abseits des Stadions, und gestern war wieder so einer. Genauer gesagt, um 20.10 Uhr, als Frederik Braun vom Miniatur Wunderland sich im St.Pauli Forum wie folgt äußerte:

“Herzlichen Glückwunsch zum Sieg. Wir haben mit Euch allen mitgefiebert und sind stolz den Mount Saint Pauli im Wunderland zu haben. Auf das es so weiter geht und Ihr schon in der nächsten Saison um den Gipfel des deutschen Fußballs mitspielt!
Wir finden Eure Idee und das leidenschaftliche Engagement großartig. Ihr schreibt, dass es in die Geschichte des Forums eingeht. Seid Euch sicher, dass es auch in unsere Geschichte eingeht.
Wir haben alle ein bisschen feuchte Augen und haben kurz gezittert, als es am Frühabend immer höher ging.
Tausend Dank für alles und auf das es den Menschen Haitis schon bald spürbar besser geht!
Alles weitere bespreche ich mal mit Euren Trainern wink.gif
Liebe Grüße aus dem Wunderland, Frederik Braun”

Doch um die Gänsehaut in Gänze zu spüren, spulen wir mal etwas zurück und erzählen von vorne: Die ganze Geschichte entwickelte sich, als der User “Pavel11″ sich im Unterforum “Unpaulitisch” seine Gedanken über die schrecklichen Geschehnisse auf Haiti machte und überlegte, wie man vielleicht auch vom St.Pauli-Forum aus Leute zum spenden animieren kann.
Er war über eine ebay Auktion des Miniatur-Wunderlandes gestolpert, die folgendes versprach: “Der Gewinner dieser Auktion kann das Gipfelkreuz auf den Klosterberg im Harzabschnitt setzen und den Berg auf seinen eigenen Namen taufen. Auch die am Fuße des Berges liegende Burg können Sie auf Ihren Namen taufen.”
Der Berg sollte als zum “Mount St. Pauli” werden und im Idealfall auch noch noch Deniz Naki und einer in den Boden gerammten Fahne beglückt werden. Und mit diesem Eintrag begann eine Lawine Fahrt aufzunehmen, die nicht nur ”pavel11″ ganz sicher niemals so erwartet hat.

Binnen kürzester Zeit war die Logistik geklärt (Spendenkonto lief über den Fanladen) und die User posteten ihre Spendenbeträge. Bei der am Montag abend stattfindenden Diskussionsveranstaltung konnte auch bar bezahlt werden, alle anderen nutzten Banküberweisungen oder gar derlei “neumodischen Krams” wie PayPal. Das Thema breitete sich aus, soziale Netzwerke wie Facebook, StudiVZ, Twitter oder XING wurden informiert, immer mehr Spenden wurden gesammelt und die Forums-Betreiber stellten zur weiteren Absprache und Organisation sogar schnell ein (internes) Unterforum zur Verfügung, in der die Spender Details besprechen konnten. (Was mit überzähligem Geld passieren solle, welchem unterstützenswertem Projekt man die Freikarte zukommen lassen solle etc.)

Auch der Verein unterstützte die Aktion nicht nur mit Werbung auf der Vereins-Homepage sondern auch mit 500,-€, nach der Pressemitteilung berichteten auch die Hamburger Zeitungen darüber.

Schlußendlich meldeten sich über 200 Forums-User mit einem Spenden-Betrag und es kamen so ca. 7.250,-€ zusammen (auch wenn die eigentliche Auktion bereits mit 5.605,-€ gewonnen wurde).

Ganz großes Deniz, Aktion Deutschland hilft e.V. freut sich sicher ebenso wie das Miniatur-Wunderland.

Bleibt zu hoffen, dass es den Menschen auf Haiti bald wieder ein wenig besser geht, unabhängig davon, wer wieviel und auf welchem Wege gespendet hat. Sollte jemand noch etwas spenden wollen, so gibt es sicher Mittel und Wege, dies immer noch zu tun. // Frodo

Podiumsdiskussion - 18.01.2010

Dienstag, Januar 19th, 2010

Der Fanladen hatte eingeladen und doch sehr viele kamen. Zumindest weit mehr als geplant und weit mehr, als in den alten Ballsaal gepasst hätten. Schätzungen sind sicher schwer, aber so Pi mal Daumen 350 Leute werden es gewesen sein.

Auf dem Podium saßen neben dem als Moderator fungierenden Justus (Fanladen) noch (von links nach rechts) Roger (Aufsichtsrat), Sven (OL), Kaeser (Skins), Jano (Alte Schule), Gerrit (USP), Corny (Präsident), ich (ÜS), Karsten (Fanclub-Sprecherrat und Rene (AGiM).

In Ermangelung der Möglichkeit, auf dem Podium groß mitzuschreiben, fasse ich hier einfach mal subjektiv zusammen, was bei mir hängen blieb, ergänzt durch den ein oder anderen Gedanken, der mir seitdem noch kam.

Es begann mit der Einstiegsfrage, die vorab an die Teilnehmer auf dem Podium verschickt worden war, die da lautete:
“Müssen wir als St.Pauli Fans etwas ändern, damit das Zusammengehörigkeitsgefühl besser wird und die Probleme mit außen (Polizei, Ordner) besser werden?”

Jeder Teilnehmer sollte hierzu ca. 2-3 Minuten lang seine Einschätzung geben, ich schreibe hier der Einfachheit halber mal mein Eingangsstatement auf, welches ich gestern aufgrund der Zeitvorgabe stark verkürzt abgegeben habe:

***
Wir sind sicher als FC St.Pauli schon mal einen Schritt weiter als die meisten anderen Vereine, dadurch, dass es bei uns überhaupt so eine Veranstaltung gibt. Wir haben eine Organisation wie den Fanladen, der dazu anstößt, organisiert und einlädt. Der Verein stellt dankenswerterweise die Räumlichkeiten und ist auch bereit, auf dem Podium selbst vertreten zu sein. Und last but not least erscheinen dann auch noch so viele Leute… mit der Anzahl hatte wohl wirklich keiner vorab gerechnet.
Nur: Das ist bestenfalls der erste Schritt, es müssen nach diesem Abend noch einige weitere folgen, wie auch immer diese aussehen.

Aus meiner Sicht gibt es derzeit drei Hauptbereiche, in denen derzeit etwas im Argen liegt:

1. Aggressivität gegen andere Fangruppen und Vereine
Wir waren immer ein guter Gastgeber. Gästefans kamen (und kommen) gerne zu uns, weil sie auch die Atmosphäre rund ums Millerntor schätzen, wo man einfach sich in eine Kneipe begiebt und (auch als Gästefan) nett mit anderen über Fußball und die Welt schnacken kann, ohne doof angemacht zu werden. (Solange man sich auch als Gast benimmt, selbstverständlich)
Bei uns wird das Fanlied der Gäste gespielt, bei der Mannschaftsaufstellung des Gegners nicht “Arschloch” gerufen und der Torwart beim Abschlag nicht als “Arschloch, Wichser und Hurensohn” bezeichnet.
Alles Dinge, die Selbstverständlich sind, die man aber meist erst immer dann zu schätzen weiß, wenn man mal mehr oder weniger neutral in einem “normalen” Bundesligastadion zu Gast war, bei einem Spiel ohne unsere Beteiligung. Das ist ein hohes Gut, und ich möchte es nicht missen.
In letzter Zeit häufen sich aber Vorfälle, wo diese Andersartigkeit verloren geht oder zumindest abnimmt. Das äußert sich im “abziehen” von Schals oder blödsinnigem Revierverhalten, aber auch in solch simplen und vermeintlich unwichtigen Dingen, wie z.B. einem Pfeifkonzert beim Einlaufen der gegnerischen Mannschaft. (Und ich meine nicht Hansa Rostock, sondern Teams die einem eigentlich egal sein sollten.)
Aktuelles Beispiel, was ich als völlig unnötig empfand: Das Auspfeifen von RW Ahlen bei der Vorstellung der Mannschaften in Alsterdorf. Das kann mir auch keiner mit “Aber da spielt doch der Kirschstein!” begründen, der Typ fühlt sich durch sowas doch nur aufgewertet, den sollte man komplett ignorieren. Insgesamt ne Kleinigkeit, klar, aber genau mit solchen Sachen fängt es doch an.

2. Asoziales Verhalten auf Auswärtsfahrten
Das Thema ist uralt und leider doch immer wieder aktuell. Plakativ fällt mir bei dem Thema immer das ÜS Cover 93 ein, auch der damalige Titelartikel hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt und ist immer noch sehr lesenswert.
Diese Fanszene hat (in Teilen) ein schweres Alkoholproblem, und mit höherem Pegel fallen eben auch die Hemmschwellen. Diese äußern sich schnell in homophoben oder sexistischen Äußerungen, teilweise auch in rassistischen.
Aber auch Leute die zu besoffen sind um derartiges noch zu äußern und stattdessen vollgepisst oder vollgekotzt im Block liegen oder mit ner vollgeschissenen Leggings herumlaufen, will hier sicher keiner.
Auch der gern genommene Hinweis auf die “Südzecken” (womit nicht der Fanclub gemeint ist) oder die “Westpunks” greift zu kurz. Klar gibt es in beiden Gruppen solche Leute, aber wenn man die “Munition” betrachtet, mit der die Busse und Züge in Hamburg bestiegen werden, kann man auch nur zu der Auffassung kommen, dass es ab drei Promille auf den Elbbrücken (auf der Hinfahrt) irgendeinen Bonus gibt.
Um es auch klar zu sagen: Es gibt auch Leute, die viel trinken und sich trotzdem im Griff haben… nur leider ist das eher die Ausnahme.

3. Aggressivität gegenüber Polizei und Ordnern
“ACAB” ist ein schön plakativer Slogan, den man sicher auch mal raushauen kann, wenn die Cops oder der Ordnungsdienst (mal wieder) über die Strenge schlägt. Das dies oft genug geschieht, wird keiner ernsthaft bezweifeln, der regelmäßig (und organisiert, also nicht per PKW) auswärts fährt. Traurige Highlights wie das Relegationsspiel unserer U23 in Kiel oder der Angriff auf das Jolly beim Schanzenfest ragen heraus, doch auch die “alltägliche Repression” ist nicht nur nervig sondern auch in der Durchsetzung durch die Staatsmacht allzuoft fragwürdig bis grenzwertig.
Nichts desto trotz, hoffe ich, dass niemand diese vier Buchstaben für die absolute Wahrheit hält, denn genausowenig wie alle St.Pauli Fans Engel sind, sind ALLE Polizisten Arschlöcher oder ALLE Ordner scheiße.
Ich will auch nicht, dass man die andere Wange hin hält, wenn besagte Scheiße durch Team Green passiert, da muss man versuchen alle erdenklichen Möglichkeiten zu ergreifen, sich zu solidarisieren und nach Möglichkeit auch zu wehren.
Aber: Es gibt auch oft genug Situationen, in denen wir froh sein dürften, dass die Polizei da ist und ihren Job macht. Beispielweise nach Rostock würde sonst sicher keiner mehr fahren.
Was ich schön fände: Wenn wir auf Polizisten treffen, die einfach nur da sind, weil sie ihren Job machen, und sich dadrüberhinaus so verhalten, wie man es von Polizisten in einem Rechtsstaat erwarten sollte, so sollten wir denen auch normal und gelassen gegenübertreten.
Normalerweise sollte man natürlich von der “ausführenden Staatsgewalt” erwarten dürfen, dass diese souveräner und intelligenter ist als “Fußballfans”. Und in den meisten Fällen dürfte dies auch tatsächlich so sein. Nur erhoffe ich mir, dass wir St.Pauli Fans es schaffen, dies umzukehren und zu zeigen, dass wir die intelligenteren sind und dann eben auch dementsprechend auftreten und uns nicht von jeder kleinen Provokation einfangen lassen. Denn genau das ist doch auch das Ziel solcher Aktionen, dadurch rechtfertigen sie ihre eigenen Einsätze und letztlich ihre Existenzberechtigung. Und dass die Medien im Zweifel eher der Pressemitteilung der Polizei glauben, sollte inzwischen auch keinen mehr überraschen.
In diesem Sinne: ich hoffe auf eine Mottofahrt oder was ähnliches, wo bei der Ankunft in der Stadt des Spiels alle St.Paulli Fans lächelnd den Bus oder den Zug verlassen und dem anwesenden Team Green jeweils freundlich eine Blume überreichen. Das ist die Form von Ironie, die uns seit Jahrzehnten auszeichnet.
Abschließend nochmal: Polizeigewalt ist vorhanden und nicht hinnehmbar, aber nicht jeder Polizeieinsatz ist auch gleich gewalttätig.

Leider führt diese vorherrschende Grundaggression gegen die Polizei dazu, dass bei eventuell sogar berechtigten Aktionen im Gästeblock (wie beim Pokalspiel in Bremen) im Zweifel eine falsche Solidarität mit Leuten gezeigt wird, die es nicht verdient haben, und stattdessen die Polizei angegriffen wird, obwohl diese in dem Fall vielleicht wirklich mal zurecht eingreifen wollte. Dies führt dann dazu, dass man auch bei den unter 1. und 2. beschrieben Punkten den Ordnungsdienst eigentlich nicht einschalten kann, weil sonst durch Punkt 3 die Situation noch weiter eskaliert.
Niemand will Polizei in unserem Block, aber wenn wir diesen Teufelskreis nicht langsam mal durchbrechen, dreht sich die Spirale der Gewalt eben immer weiter, und besser wird es definitiv nicht.

All das würde ich gerne ändern, aber die goldene Lösung dürfte es nicht geben, zu der wird man auch an diesem Abend nicht kommen.
Aus meiner Sicht müssen wir versuchen, weiterhin eine Fan-Öffentlichkeit zu schaffen und die Leute für diese Themen zu sensibilisieren, sei es durch Flyer, Fanzines oder über das Internet.
Fehlverhalten (welcher Art auch immer) muss konsequent angesprochen werden, hierfür muss wieder ein Klima herrschen, in dem man sich traut dieses anzusprechen. Ohne gleich Angst haben zu müssen, dass man am Ende selber auf die Fresse bekommt oder gar per Stadionverbot rausfliegt.
Mittelfristig wünsche ich mir einen runden Tisch mit Vertretern von Verein, Fanszene und der Polizei, denn nur durch offene Gespräche kann die Spirale der Gewalt langfristig durchbrochen werden.
***

Die weiteren Eingangsstatements waren vom Grundtenor meist ähnlich, alle waren sich einig dass es NICHT NUR um das Thema Gewalt gehen darf.

Einziger konkreter Lösungsansatz war eine Idee des Fanclub Sprecherrates, so etwas wie “Ansprechpartner” im Block zu etablieren, die bei Problemen helfen, wenn man sich alleine eine Lösung nicht zutraut. Die Idee ist nicht ganz neu, in den Sonderzügen des Fanladens gab es ähnliches schon, und natürlich ist dies ein schmaler Grat zur Fanpolizei und damit dem oftmals bereits angesprochenen Machtmissbrauch, der mit so einer Position einhergeht. Ich will das jetzt auch nicht als Allheilmittel verkaufen, aber ich denke zumindest, dass dies eine Möglichkeit wäre, über die es sich lohnt nachzudenken.

Die folgende Diskussion hier wiederzugeben würde den Rahmen sprengen und mir fehlte auch die Möglichkeit mitzuschreiben, aber insgesamt lässt sich aus meiner Sicht als Fazit festhalten:
Der Abend verlief (bis auf einen Redner und sehr wenige Zwischenrufe) sehr diszipliniert und konstruktiv, wenn auch in Teilen kontrovers, auch wenn kein konkretes Ergebnis erarbeitet wurde, was allerdings auch niemand vorab erwartet haben dürfte.

Der erste Schritt ist getan, weitere werden sicher nötig sein. // Frodo

Links:
Granamor-Blog
Thread zum Abend im St.Pauli-Forum
Erstes Resümee des Vereins

18.Spieltag - RW Ahlen (A)

Sonntag, Januar 17th, 2010

Rot-Weiß Ahlen - FC St.Pauli 0:2 (0:0)
Tore:
0:1 Marius Ebbers (77.), 0:2 Richard Sukuta-Pasu (86.)
Zuschauer: 6.322 (geschätzt 2.500 St.Paulianer)

Ach, war das schön gestern.
Erinnert sich noch jemand an das Spiel in Ahlen in der Zweitliga-Abstiegssaison?
Im März 2003 war es, das Wasser stand uns bereits bis zum Hals, vor diesem 19.Spieltag hatten wir erst zehn Punkte gesammelt, der Abstand zum rettenden 14.Platz (den der KSC inne hatte) betrug sieben Punkte und auch Ahlen war mit 16 Punkten tief im Abstiegsstrudel. Nach einer halben Stunde lag man 2:0 hinten und der Abstieg wurde immer greifbarer. Doch nach Toren von “Patsche” und “Baba” stand es plötzlich doch wieder 2:2 und Hoffnung keimte auf, schließlich hatte das 1:1 gegen die Frankfurter Eintracht in der Woche zuvor auch schon auf eine bessere Rückrunde hoffen lassen. Doch in der 88.Minute traf ein gewisser Zeljko Sopic zum 3:2 Siegtreffer und das zarte Pflänzchen der Hoffnung verwelkte. Warum von allen furchtbaren Erlebnissen in der Saison mir ausgerechnet dieses Spiel so in Erinnerung blieb, lag am Weg zurück zum Ahlener Provinzbahnhof: Ständig klopfte einem ungefragt ein Ahlener aufmunternd auf die Schulter und sprach von “Ey, Ihr seid ja so sympathisch und dufte und kultig, ihr düft nicht absteigen… aber die Punkte heute brauchten wir dringender, ihr könnt die ja noch in den nächsten Spielen holen!” Ich stand wohl noch nie so knapp davor, einen körperlichen Verweis zu verteilen, wie an diesem Spätnachmittag… hätten noch 2-3 Leute mehr (als die ohnehin schon gefühlten 20) diese Form des Mitleids geäußert, hätte ich für nichts mehr garantieren können.

Aber zurück ins hier und jetzt. Ich hab ja letzte Woche nicht unbedingt gejubelt über den 2:0 Sieg gegen Schalke, ein klares 0:8 wäre mir deutlich lieber gewesen, denn Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Und den sportlichen Wert solcher Testspiele erkennt man z.B. auch daran, dass die Ahlener in der Woche gegen den BVB ein 1:1 erzielten.
So dürfte also ein gesunder Grundoptimismus bei den meisten in der Gästekurve geherrscht haben, die nun wirklich nicht zu meinen Favoriten gehört und durch diese unförmige Podest im Mittelblock auch nur unwesentlich aufgewertet wurde, während die andere Kurve inzwischen mit dem Dach recht ansehnlich ist… allerdings eben meist auch leer.

Und das Spiel erfüllte dann leider meine Befürchtungen: Ahlen insgesamt mit mehr Willen und Engagement, unsere spielerische Überlegenheit konnte auf dem Platz Acker kaum greifen, also Gewürge ohne Ende mit Chancenplus für Ahlen. Am Ende standen gar 10:0 Ecken für die Gastgeber sowas gab es wohl auch schon lange nicht mehr, weder für Ahlen noch gegen uns. Takyi ein Totalausfall, Boll fehl am Platz, Bruns von der Rolle, Rothenbach nach vorne grottig, Kruse uninspiriert, Lehmann ebenfalls neben der Spur, Thorandt ein Sicherheitsrisiko… wenigstens erreichte Hain Normalform und rettete 2-3 Mal vor dem Rückstand. Doch meine Halbzeit-SMS mit “Sicheres 1:0 für uns am Ende, wer so scheiße spielt und gewinnt, steigt auch auf!” sollte sich zumindest tendenziell bewahrheiten.

Während ich Stani noch innerlich bepöbelte, dass er mit den Wechseln so lange wartete, schmiedete dieser mal wieder den Masterplan und machte alles richtig. In der 65. kam Rouwen Hennings,  in der 73. Naki und in der 77. gewann Bruns erstmals einen Zweikampf, passte großartig zu Hennings und dessen platzierte Flanke erlief Ebbers durch geschickte Körpertäuschung vor dem Verteidiger… und wie es eben so ist, wenn man oben steht, geht der Kopfball durch die Finger von Kirschstein rein, der vielleicht bei umgekehrter Tabellenplatzierung diesen Ball pariert hätte. Der Rest war Klischee pur: Richard “Super Richie” Sukuta Pasu, mit der Rückennummer 19, U19 Europameister, kommt rein und macht 19 Sekunden nach seiner Einwechslung das 2:0, nachdem er zunächst einen Schuß von Naki abfälschte, den Kirschstein deswegen nicht festhalten konnte und ihn dann eben einnetzte.
Und dementsprechend lautete dann auch meine Twitter Meldung:  “Dank Ebbers und Super Richie 2:0 gewonnen, wer so ein schlechtes Spiel gewinnt, steigt auch auf!”

Und auch, wenn ich dieses Mal nicht die Gelegenheit hatte, Ahlener auf dem Weg zum Bahnhof zu trösten, so sprach ich doch gedanklich hunderte von ihnen an und sagte immer wieder: “Ey, Ihr seid ja so sympathisch und dufte und kultig egal, ihr düft nicht absteigen… aber die Punkte heute brauchten wir dringender, ihr könnt die ja noch in den nächsten Spielen holen!” // Frodo

P.S. Ansonsten  amüsiert mich momentan großartig unser Lokalrivale: Während das Abendblatt bereits seit Tagen einen Finger nach dem anderen in diverse Wunden steckt und regelmäßig von “Walachei” oder “fernab der Stadt” spricht, wenn es um die (inzwischen wieder zurückgenommene) Verlegung des WM Fanfestes vom Heiligengeistfeld in die Wasauchimmer-Arena im Volkspark ging, konnte man dann gestern auch noch bewundern, wie gut die Rasenpflege dort funktioniert. Dagegen war der Ahlener Acker ja ein Teppich!

 

Doppelhallenturnieraneinemtagsieger

Montag, Januar 4th, 2010

Oh, was werden das für schöne neue T-Shirts… naja, oder auch nicht, so wichtig sind Hallenturniere auch wieder nicht. Aber erfolgreichste Mannschaft des Jahrzehnts weltweit dürften wir damit zurzeit ganz sicher auch sein.Die Fakten lassen sich schnell erzählen: Sowohl der Schweinske Cup in Hamburg-Alsterdorf (Samstag/Sonntag, Finale 6:4 gegen Holstein Kiel) als auch der Hessen Cup in Frankfurt (Sonntag, Finale 2:0 gegen Arminia Bielefeld) wurden vom FC St.Pauli gewonnen, Jan-Philipp Kalla (Hamburg) und der Neuzugang Richard Sukuta-Pasu (Frankfurt) wurden zum besten Spieler des jeweiligen Turniers gewählt, außerdem gewann Benedikt Pliquett auch noch die Wahl zum besten Torhüter der Hamburger Auflage.

Friede, Freude, Eierkuchen – so kann das Jahr weitergehen.

Naja, leider doch nicht, denn zumindest zum Schweinske-Cup gibt es dann doch noch einiges, was aufgearbeitet werden muss.

Die Geschichte beginnt mit den Hamburger Hallenmeisterschaften letzte Woche, wo sich der Sieger dieses Turniers für  Amateurteams seit Jahren ein Startrecht für das „große“ Turnier erspielt. Unsere Zweite Mannschaft nahm teil und traf dann im Neunmeterschießen um Platz 3 auf Altona 93. Bereits während des Turniers hatte es verbale Scharmützel zwischen beide Gruppen gegeben. Während es sicher eine große Schnittmenge beider Fangruppen gibt, gibt es eben auch auf beiden Seiten einige, die den jeweils anderen nun gar nicht mögen, und dies entlud sich dann in einem albernen und überflüssigem Gerangel bei besagtem Anlass. Wer angefangen hat, wer Schuld hat… nicht aufzuklären und wohl auch mehr oder weniger egal, weil eigentlich wäre es kaum einen Dreizeiler wert, da aus der Kategorie Kindergarten. Blöd sind solche überflüssigen Gerangel aber insbesondere immer dann, wenn Unbeteiligte dadurch in Mitleidenschaft gezogen werden, und so war es eben auch hier. Guntram Uhlig, langjähriges Präsidiumsmitglied unseres Vereins, war in der Nähe und erlitt in diesem Zusammenhang gesundheitliche Beeinträchtigungen. Details darüber lassen sich im Internet nachlesen und bleiben daher hier außen vor, völlig überflüssig und bescheuert ist dies aber zweifellos. Bleibt also nicht viel mehr zu sagen als: Gute Besserung, Guntram!

Danach machte noch ein Turnier in Niendorf von sich reden, wo ebenfalls unsere Zweite antrat, allerdings auch die Dritte Mannschaft des hsv, was Chosen Few zum Anlass nahm, Hallensupport zu machen. Da gab es dann wohl auch den ein oder anderen körperlichen Verweis oder zumindest wenig nett gemeinte deutliche Ansagen in Richtung braun-weiß. Überflüssig und peinlich, gerade wenn man dermaßen in der Überzahl ist. Aber auch dies Wasser auf die Mühlen derer, die in Fußballfans inzwischen eine ähnliche Gefahr sehen wie bei den Taliban.

Diese Gemengelage (und sicher auch insgesamt die Vorfälle des Jahres 2009, vom Schanzenfest im Allgemeinen, dem Angriff der Polizei aufs Jolly im Besonderen, den Vorfällen bei den Spielen gegen und in Rostock bis hin zu den Angriffen auf die Polizeiwachen in den jüngsten Wochen) brachte einen ungeahnt großen Polizeieinsatz beim Schweinske-Cup zutage. Über 20 Mannschaftswagen standen an der Straße als ich (verspätet) an der Halle eintraf.

Für das folgende muss man vielleicht folgenden Hintergrund wissen: USP macht seit Jahren einen Marsch von der Haltestelle Lattenkamp zur Halle, bei dem (ähnlich wie beim Marsch von der Süd zum Fanladen) dann gerne auch mal der ein oder andere Bengalo oder ähnliches gezündelt wird. Für dieses Jahr war der Marsch erneut geplant, USP hatte aber über die Website und den Newsletter deutlich drauf hingewiesen, Geballer dieses Mal bitte zu unterlassen, was leider nicht bei allen angekommen war und eben auch nicht verhindert wurde. Ob dies von der Verhältnismäßigkeit her rechtfertigt, den Marsch der sonst zehn Minuten dauert, per Kessel bei Minusgraden auf eineinhalb Stunden zu strecken und Pfefferspray einzusetzen, überlasse ich mal dem geneigten Leser. Hinzu kam der Stress bei der Wahl des Weges. Eine derart große Zahl an Leuten lässt sich einfach und schnell über die Straße zur Halle schaffen, ganz problemlos. Und bei einer solch großen Zahl an Mannschaftswagen ist eine kurze Sperrung der Straße sicher auch kein Ding. Wenn man nun aber versucht, diese Masse auf den drei Meter breiten Fußweg zu pressen, von hinten dabei von der Polizei andere “Befehle” kommen als von vorne, muss man sich nicht wundern wenn das alles in die Hose geht. Kleiner Augenzeugenbericht aus dem Forum dazu, falls jemand mehr Details möchte.

In der Halle ging das Chaos dann weiter, Leute wurden grobstmöglich rausgezogen und abgeführt. Mag ja sogar sein, dass die sich alle was zu schulden haben kommen lassen (mag auch sein, dass nicht…), aber die Verhältnismäßigkeit wurde hier dann doch arg vernachlässigt, was auch von eher neutralen Personen bestätigt wurde. Als ein ÜS Redakteur einen Polizisten im ruhigen und sachlichen Ton(!) darauf hinwies, dass hier übertriebene Gewalt eingesetzt werde, hielt dieser ihm das Pfefferspray Zentimeter vor die Augen und gab ihm zu verstehen, dass beim nächsten Wort was auf ihn zukommt. Deeskalation pur…

Ähnliches erfolgte dann auch auf dem Weg von der Halle zurück, wo die Polizei nun der Meinung war, unbedingt in der gleichen U-Bahn mitfahren zu wollen. Klar, ist legitim und wird bei anderen Vereinen auch gemacht. Und Herr Innensenator Ahlhaus ist ja auch weiterhin der Meinung, dass Polizisten unmöglich durch ihre bloße Anwesenheit provozieren können… nur genau das bewahrheitete sich eben nicht nur bei 99% der zweiten Auflage des Schanzenfestes 2009 (bis dann leider die Wache angegriffen wurde) sondern auch am Sonntag, als An- und Abmarsch ohne Kessel deutlich entspannter lief.

Übrigens: Auf dem riesigen Plastikplanen-Bauzaun auf dem Weg zur Halle hatte jemand „Boxen – 18.00h“ und einen Pfeil Richtung Halle gesprayt. Unfreiwillige Komik oder ne Einladung?

Doch genug des Polizeibashings, auch ein kritischer Blick auf die eigenen Leute sei erlaubt. Die Spirale der Gewalt schaukelt sich gegenseitig hoch, wahrscheinlich muss es tatsächlich erst zu Schwerstverletzten oder Toten kommen, bevor ein Nachdenken einsetzt, wohlgemerkt auf beiden Seiten. Auf der einen Seite schreit man ständig „ACAB“, auf der anderen ist man heilfroh, wenn einem die Bullen in Rostock den Arsch frei halten und würde wahrscheinlich Zeter und Mordio schreien, wenn die an dem Tag frei gemacht hätten. Polizisten mit Böllern oder Steinen zu beschmeißen ist ebenfalls nicht akzeptabel, auch hier muss dringend bei uns ein Nachdenken einsetzen, auch im eigenen Interesse. Denn mal ganz abgesehen davon, dass ich niemandem ein Gerichtsverfahren wünsche, in dem er nach schwerer Körperverletzung (oder Mordversuch) gegen einen Polizisten angeklagt wird, sollte einem auch klar sein, dass die Polizei über ihre Pressestelle einfach die Medienhoheit besitzt und die breite öffentliche Meinung darüber beherrscht. Für diese Erkenntnis reicht alleine heute schon ein Blick in Mopo und Abendblatt, wo doch per Copy&Paste und 2-3 Ausschmückungen der Polizeibericht übernommen wird nach knallharter investigativer Recherche wieder sehr einseitig berichtet wird. Und über diese gefühlte öffentliche Meinung rechtfertigt die Polizei dann noch drastischere Einsätze, summa summarum auch bekannt als „Teufelskreis“. Vielleicht ist die geplante Diskussionsveranstaltung am 18.01. eine Möglichkeit, grundsätzliches zu klären. Vielleicht auch nicht, weil die “Richtigen” dann wieder nicht da sind (auch hier sind beide Seiten angesprochen), aber besser als sich im Forum gegenseitig die Augen auszukratzen sind solche Gespräche allemal, zumal sie auch einfach eine Akzeptanz und Verständniss untereinander schaffen können. Also, Alle hin da!

Genug der schlechten Laune, es gab in Alsterdorf ansonsten viel Spaß. USP hatte „All in white“ als Motto ausgegeben, und so sah es dann auch aus. Ein komplettes Viertel der Halle war ein weißer Supportblock, und es machte bei der Akkustik einfach riesigen Spaß mitzusingen und „abzugehen“, wie USP es ja immer so gerne nennt. Großer Sangessport, vielen Dank an alle. In der gegenüberliegenden Ecke hatten sich ca. 70 sangesfreudige Polen in gelb-blau versammelt und supporteten Arka Gdynia sehr lautstark. Schön auch, als ihr „Arka Gdynia“ Gesang mit gleicher Melodie vom St.Pauli Block mit „Scheiß Polizei“ übernommen wurde und die Polen nach kurzer Irritation dann ebenfalls „Scheiß Polizei“ sangen. (Man setze das jetzt nicht als Widerspruch zu oben, ein bißchen verbale Frotzelei gehört sicherzum Fußball dazu… und “Scheiß” darf man ja wohl mal sagen.)

Das Highlight des zweiten Tages war dann sicherlich die Feier mit der Mannschaft nach dem Sieg, als diese dann auch in den Supportblock kam und im Block mitsang. Insgesamt eine rundum positive Veranstaltung, die komplett ohne Polizei sicher noch entspannter abgelaufen wäre, aber das hatten wir ja schon und es ist auch müßig. Bleibt die Frage, wie das Turnier in den nächsten Jahren weiter existieren kann. Der Veranstalter hatte dieses Jahr wohl 600 vergünstigte Karten an USP gegeben, auch als Dank für die Unterstützung der letzten Jahre und die stets gute Stimmung. Dass es dann insgesamt nur gut 5.000 Zuschauer waren, liegt dann eben sicher auch an den stolzen Preisen für die Tageskarten (ab 17,-€) und den doch eher unbekannten anderen Mannschaften. Und ganze ehrlich: Ohne den FC St.Pauli wäre das Turnier eh tot, zumindest was die Atmosphäre anbelangt. Kleine Indiz dafür: Bei allen Spielen wurden die letzten zwei Minuten per Musikjingle untermalt, um künstlich Stimmung oder Spannung zu erzeugen. Dankenswerter Weise wurde zumindest bei unseren Spielen darauf verzichtet, wäre auch albern gewesen, da zumindest da ja auch so super Stimmung war.

Also, kaum ist man im Jahr des Hundertsten Geburtstages, schon klappt das mit den Pokalen! Und wenn das in knapp zwei Wochen auch wieder ein 5:0 gegen Ahlen gibt, dürfte niemand was dagegen haben. // Frodo

Links:
Grönis Fotos Tag 1
Grönis Fotos Tag 2
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We Love St.Pauli – Blog
Fotos “Magischer FC”
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