FC St.Pauli goes Tickettauschbörse (Online)

Die Pressemitteilung kam (für mich) überraschend, die Augenbraue zuckte dann auch mal schnell in die Höhe. Online-Verkaufs-/Tauschplattform für Tickets? Etwa sowas wie ViaNogo? (Warum Viagogo scheiße ist: in Video und Text)

Nein, so schlimm ist es dann auch nicht, im Gegenteil, es wurde eine gute Alternative geschaffen. “FanSale” heißt das Ding, gehört zu Eventim, die ja bereits den normalen Ticketverkauf für den FC St.Pauli als Dienstleister abwickeln. Nun kommt mit dieser Plattform eine weitere Möglichkeit hinzu, die sich in einem wesentlichen Punkt von ebay oder anderen Tauschbörsen unterscheidet: Die Preise sind fix, man kann sich nicht gegenseitig überbieten und die Tickets als Verkäufer auch nicht über dem regulären Preis einstellen. Theoretisch wäre auch bei FanSale solch eine Auktionsform möglich, diese hat der Verein aber (natürlich) abgelehnt.

Als Käufer hat man die Garantie, eine Originalkarte zu erwerben, zum Originalpreis plus Gebühren. Sicher ein großer Vorteil gegenüber ebay und anderen Anbietern.

Besagte Gebühren sind dann natürlich auch der Knackpunkt. Das Angebot kommt nicht von Mutter Theresa, sondern ist eine Dienstleistung, die der FC St.Pauli im Zweifel gar nicht nötig hätte und dementsprechend sicher auch nicht draufzahlen will dabei, die der Anbieter aber eben auch nicht aus reiner Nächstenliebe macht, sondern daran verdienen will. In den Fansale-AGB sind es grundsätzlich 10%, in diesem Fall beim FC St.Pauli (wie auch bei anderen Vereinen, die mit FanSale zusammenarbeiten 15%.
Kann daran liegen, dass bei anderen Anbietern der Preis nach oben offen ist und weit höhere Verkaufssummen erzielt werden und und die 10% daher meist mehr abwerfen, aber da spekuliere ich. Für eine Stehplatzkarte auf der Gegengerade (Vollzahler, 14,-€) wären das dementsprechend 2,10€, für den Sitzplatz im Block 2 (32,-€) z.B. 4,80€.
In Anbetracht des bequemen Handlings und der Garantien, die man dafür erhält, sicher akzeptable Gebühren, die mit nichts zu vergleichen sind was an der U-Bahn St.Pauli von den dortigen Schwarzmarkt-Geiern kassiert wird. Außerdem spricht man mit dieser Tauschbörse sicher auch eher Gelegenheitsbesucher an, die sonst über ebay o.ä. gehen und mit diesen Gebühren sicher kein Problem haben werden.
Hinzu kommt noch der Versand, welcher mit 4,-€ dem normalen Kartencenterversand entspricht. Hier gab es anfangs Irritationen, weil oft ebenfalls die normalen FanSale AGB zitiert wurden, wo 6,95€ aufgeführt ist. Ein Anruf bei Daniel Bierhoff (Leiter Ticketing) sorgte aber auch hier für Klarheit, dies ist lediglich eine (noch) etwas unsaubere Darstellung zu Beginn, im eigentlichen Verkaufsprozess werden die 4,-€ korrekt angezeigt.
Unterm Strich ein Betrag, der einem nicht so furchtbar involvierten Gelegenheitsbesucher zu fairen und transparenten Konditionen die Möglichkeit bietet, an Karten zu kommen, wenn das Spiel oder der gewünschte Bereich ausverkauft ist.
Der Verein bekommt auch von den 15% einen Teil ab, was den vereinsseitigen Aufwand langfristig finanzieren soll. An den Spieltagen stellt das Kartencenter einen Mitarbeiter extra für die Abholung der kurzfristigen Käufe ab (es wird also eine FanSale-Kasse geben, daher fällt auch hier die 4,-€ Gebühr an, die sonst für den Versand fällig wäre), das kürzlich installierte elektronische Einlasssystem soll so ebenfalls refinanziert werden.
(Langfristig wäre auch Print@home für die Tauschbörse eine Option, aktuell ist dies über FanSale technisch noch nicht möglich.)

Auch Personen, die kurzfristig (bis einen Tag vor dem Spiel) in die Verlegenheit kommen, nicht zum Spiel zu erscheinen, können so ihre Karte noch schnell und sicher loswerden und jemand anderen glücklich machen, während man selbst immerhin sein Geld zurück bekommt. Dies gilt sowohl für Einzel- wie auch für Dauerkarten.

Alles schön und gut, auch wenn bei den Gebühren die ersten Aufschreie von Abzocke schon durchs Web hallten, wenn auch aus meiner Sicht zu Unrecht.
Nur, geht das nicht noch besser? Fanfreundlicher? So nach dem etwas abgedroschenen Motto “Auf St.Pauli regeln wir das unter uns?

Yepp.
Wie immer.
Wie seit Jahren schon.
Mit der großartigen AFM-Kartenbörse!

Mein erster Anruf ging daher auch an Tommy, ob denn da irgendwelche Änderungen zu erwarten seien. Antwort: Nein, alles bleibt wie gehabt. (Und im Forum hatte die AFM-Abteilungsleitung es auch schon bestätigt.) Auch Daniel Bierhoff bestätigte, dass die AFM-Kartenbörse weiterhin vom Verein absolut gewollt sei und unterstützt werde.
Bei jedem Spiel wechseln über Tommys Büro eine Anzahl Karten im niedrigen dreistelligen Bereich den Besitzer – Kaufpreis gleich Verkaufspreis, ohne Abwicklungsgebühr. So wie es sein soll, wie es aber eben nur über dieses Serviceangebot der AFM kostenlos abzuwickeln ist.
Insofern: Nutzt weiterhin so zahlreich und gerne besagte Tauschbörse, sie ist die einzige allerbeste Möglichkeit.

Unterm Strich bleibt also: Es ist ein Zusatzangebot, was sicher einigen Personen hilft, insbesondere denen, die sich nicht 24/7 im St.Pauli Fankosmos bewegen.
Niemand wird dazu gezwungen, es gibt die wunderbare Alternative der AFM-Kartenbörse. Gerade für Auswärtige war diese oft mit einer Logistik verbunden, die nicht jedem genehm oder immer möglich war, so dass auch mal die ein oder andere Karte schlicht verfiel. Wenn sowas durch diese neue Online-Variante vermieden werden kann, sollte es bei der ganzen Geschichte nur Gewinner geben.
Und ja, vielleicht zählt dann auch Eventim dazu. Wäre mir immer noch lieber als Viagogo oder andere Konsorten. // Frodo

Nachtrag – 18.Juli: Der FC Bayern hat heute eine sehr ähnliche Plattform installiert und damit Viagogo endlich auch abgelöst. Die 15% Gebühr auf den Normalpreis sind identisch zu unserer Version, statt 4,-€ Porto/Abholgebühr sind es 5,-€ HandlingFee, alle Tickets werden als Print@home ausgestellt.
Eine zusätzliche kostenlose offizielle Kartenbörse, wie sie bei uns die AFM bietet, gibt es beim FC Bayern allerdings nicht.

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Ein Kommentar zu FC St.Pauli goes Tickettauschbörse (Online)

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