Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 4 von 4

Die Fünf-Jahres-Wertung, wörtlich genommen

(Die ersten drei Artikel dieser Serie erschienen im Print-ÜS 124.
Teil 1, Teil 2 und Teil 3 haben wir bereits veröffentlicht, heute kommt eine ergänzende Zahlenspielerei hinzu.

Wer den ÜS gedruckt oder als PDF bestellen möchte, findet hier alles Wissenswerte.
Außerdem sei ergänzend das Rasenfunk-Tribünengespräch zum Thema TV-Rechte empfohlen.)

Letzter Teil dieser Serie, inhaltliches/argumentatives kommt heute nicht mehr hinzu, die bisherigen Artikel haben das Thema schon sehr kompetent und ausführlich aufgearbeitet, es gibt lediglich einen netten Nebenaspekt, der zu einer kleinen Zahlenspielerei führt.

Vor kurzem gab es einen Termin beim FC St.Pauli für “klassische” Medien, ebenso wie für Fan-Medien, wo etwas informell mit Andreas Rettig und Thomas Meggle geplaudert werden konnte. Rettig stellte hierbei einige Zahlen und Zusammenhänge dar, die erklären sollten, warum der FCSP entgegen landläufiger Meinung nicht in Geld schwimme und eben auch nicht auf Knopfdruck per übersichtlicher Investition den Aufstieg in Liga 1 in der nächsten Saison garantieren könne.

Ich will das gar nicht im Detail auseinanderpulen, in Internet-Diskussionen entwickeln sich “die Halstenberg-Millionen” ja inzwischen zu einem ähnlichen Mythos wie einst die “Häßler-Millionen” beim 1.FC Köln, aber zumindest einen Punkt würde ich als Zahlenspielerei gerne mal aufgreifen:

Die 5-Jahres-Wertung der TV-Gelder.

Die grobe Idee dahinter dürfte dem interessierten Leser einigermaßen deutlich sein, daher nur nochmal grob die Kurzform:
Es gibt einen großen Topf an Geld aus der Inlandsvermarktung, welcher anteilig ca. im Verhältnis 80:20 zwischen Liga 1 & 2 aufgeteilt wird. Den Schlüssel für diese Verteilung liefert jene 5-Jahres-Wertung, welche strikt getrennt für die Vereine beider Ligen ausgewertet wird. Hierbei gibt es für die Tabellenposition Punkte, welche für die letzten fünf Saisons mit absteigendem Faktor rückwirkend multipliziert werden.

Sehr viel ausführlicher und detaillierter kann man das auf fernsehgelder.de nachlesen, gleichzeitig die Quelle der gleich folgenden Zahlen.

Dem geneigten Fan ist grob bewusst, dass es in Liga 1 immens mehr Geld gibt als in Liga 2. Die sportlich erfolgreicheren Vereine bekommen natürlich ebenfalls mehr Geld, beides logisch und nachvollziehbar.

Andreas Rettig wählte an jenem Abend eine Darstellung, die dann doch etwas ungewohnt war: Er warf für die sportlichen Kontrahenten des FC St.Pauli mal die Einnahmen aus dieser Inlandsvermarktung, summiert aus den letzten fünf Jahren, an die Wand. Das sieht man so zusammengefasst sonst auch nicht.

  • Hannover 96: ca. 125 Mio €
  • VfB Stuttgart: ca. 108 Mio €
  • 1.FC Nürnberg: ca. 67 Mio €

Es folgen Braunschweig, Fürth, Düsseldorf und Kaiserslautern mit Werten zwischen 44 und 48 Mio €, ehe unser Verein auftaucht:

  • FC St.Pauli: ca. 37 Mio €

Nun ist natürlich jede Statistik nur so gut wie derjenige, der sie zu seinen Gunsten anwendet. Und natürlich bringt es Hannover 96 auch herzlich wenig für die kommende Saison, wenn man in der Vergangenheit jährlich das 3-4fache an TV-Geldern gegenüber dem FC St.Pauli bekam, da dieses Geld in großen Teilen durch höhere Gehälter und Kosten in Liga 1 auch gleich wieder investiert wurde.

Trotzdem haben Vereine, die volle fünf Jahre in Liga zwei gespielt haben, noch eine relativ geringe Streuung, wenn man dies beispielweise mit dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt vergleicht, die  beide fünf Jahre in Liga 1 kassierten und durch ca. 64 Mio € getrennt sind. Aus Sicht der Eintracht hat der FC Bayern also grob 50% mehr alleine aus der Inlandsvermarktung der TV-Gelder kassiert.
(Jaja, hier gerne gedanklich ein Louis de Funes-GIF einsetzen…)
Und da sind weitere Einnahmen aus der Champions League ja auch noch nicht enthalten. Natürlich soll dies keine Kritik an der Situation sein, der FC Bayern hat es sich ja auch absolut verdient mehr Geld zu bekommen als Eintracht Frankfurt.
Um daher etwas mehr auf Augenhöhe zu suchen: Auch Mainz 05 hat 28 Mio € mehr erhalten als die Eintracht.

Und da ja immer so viel Wert darauf gelegt wird, wie solidarisch die 1.Liga gegenüber der 2.Liga doch ist, muss man sich immer wieder vor Augen halten, dass diese Solidarität vor Jahren nahezu eingefroren wurde: Die Einnahmen des VfL Wolfsburg sind in den letzten fünf Jahren von 16,7 Mio € auf aktuell 34 Mio € gestiegen. Bei Bayern ging es von 25,8 Mio € auf 39,8 Mio €.
Und sollte dies einer auf den gestiegenen Erfolg zurückführen: Auch der Nachbar aus Stellingen kann sich auf 26,9 Mio € statt 18,2 Mio € freuen.
Für Kaiserslautern ging es in der gleichen Zeit von 7,7 Mio € auf 9 Mio €, für den FC St.Pauli von 6,1 Mio € auf 7,6 Mio €, lediglich für damalige Liga-Neulinge wie Union oder Sandhausen sind deutlichere Zuwächse zu verzeichnen.

Und was hierbei nicht vergessen werden darf:
Es geht lediglich um die Einnahmen aus der Inlandsvermarktung, die sprunghaft gestiegenen Einnahmen aus der Auslandsvermarktung gehen (ob zurecht oder nicht sei dahingestellt) nahezu komplett an der 2.Liga vorbei und lassen die Schere immer weiter auseinander driften.

Bitte alles wertfrei nehmen, es ist lediglich die Beschreibung des Ist-Zustands.
Was bei diesen Zahlen noch beachtet werden muss:

  • Wichtigster Punkt, daher nochmal:
    Die Zahlen der Auslandsvermarktung sowie Einnahmen aus den UEFA-Wettbewerben fehlen, die Differenz zwischen 1. und 2.Liga ist de facto also noch wesentlich größer als es hier erscheint.
  • Einnahmen aus der 3.Liga und Regionalliga fehlen ebenfalls, sind aber tendenziell auch zu vernachlässigen, anteilig.
  • alle Zahlen gemäß fernsehgelder.de, manuell und nach bestem Wissen und Gewissen übertragen. Auf ähnlichen Seiten findet man ggf. auch leicht abweichende Beträge.
    Sollten Euch Fehler auffallen, Danke ich natürlich für jeden Hinweis.
  • Die unten drunter pro Saisonspalte aufgeführten Durchschnittswerte sind natürlich mit großer Vorsicht zu genießen, da hierbei die Vereine ja wild durch die Ligen gemischt werden.

Und nochmals: Dies ist lediglich eine nette Zahlenspielerei, um die Dimensionen der Abhängigkeit von TV-Geldern und der ziemlichen Kluft zwischen Liga 1 und 2 nochmals zu visualisieren.
Es ist eine Beschreibung des Ist-Zustands, ich will damit nichts großartig sensationelles aufdecken. Weder prangere ich die Verteilung an, noch fordere ich eine sofortige Verzehnfachung der TV-Gelder für den FC St.Pauli.
(Also… eigentlich schon, aber ich bin mir der geringen Erfolgsaussichten bewusst.)

Es ist Sommerpause, die Zeit der Langeweile.
Nehmt die Zahlen, geht’s raus und spielt’s Fußball. // Frodo

5-Jahres-Übersicht, 1.Liga 2016/2017

5-Jahres-Übersicht, 1.Liga 2016/2017 (zur Vergrößerung anklicken)

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2 Kommentare zu Serie: Die TV – Gelder im Deutschen Fußball, Teil 4 von 4

  1. Teddytria sagt:

    “Und natürlich bringt es Hannover 96 auch herzlich wenig für die kommende Saison, wenn man in der Vergangenheit jährlich das 3-4fache an TV-Geldern gegenüber dem FC St.Pauli bekam, da dieses Geld in großen Teilen durch höhere Gehälter und Kosten in Liga 1 auch gleich wieder investiert wurde.”

    Da muss ich dir ein bisschen widersprechen. Denn die Personalkostenquote vs. Gesamteinnahmen ist in Liga 2 und 1 wohl relativ konstant. Sprich in beiden Ligen wird ca. 2/3 des reinkommenden Geldes für das kickende Personal ausgegeben. 2/3 von 30 Mio sind aber deutlich weniger als 2/3 von 100 Mio. Damit kann ich mir als 100 Mio Verein im Bereich “nicht kickenden Dinge” ganz andere Dinge leisten, als der 30 Mio Verein. Z.B. mein Stadion schneller abbezahlen und damit wieder einen anderen Vorteil erkaufen. Oder das Geld für die Verpflichtungen von van der Vaart zum Fenster rausblasen. Aber das ist eine andere Geschichte. Aber dieser Rückblick macht schon Sinn. Insbesondere wenn man es mit dem FCSP vergleicht, der keine Bundesligajahre hat und sein Stadion von 1/3 von 30 Mio bezahlen muss, soll, darf.

    Ansonsten aber ganz viele Herzchen für die ganze Reihe von Artikeln.

    • Frodo sagt:

      Die Betonung im Satz sollte auf “für die kommende Saison” liegen.
      Das es grundsätzlich von Vorteil ist, in den vergangenen Jahren in Steine und Beine investiert zu haben und es immer vorteilhafter ist, mehr Geld zu haben, ist natürlich klar. Es ging mir bei dem Satz eher darum, dass Hannover jetzt nicht automatisch 100 Mio € mehr für die nächste Saison hat.
      Dein Hinweis ist natürlich trotzdem richtig, insbesondere der “mehr für nicht kickende Dinge”-Vergleich ist sehr hilfreich, Danke.

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