Trinkt Leitungswasser!“

Ein Interview mit Benny Adrion

Das Ende der Sommerpause für das ZDF Magazin Royale läutete Böhmermann mit einer Rundumkritik an Viva con Agua. Nun sind wir sowohl VcA eng verbunden als auch üblicherweise von der Recherchequalität des Magazin-Royale-Teams überzeugt. Wir konfrontierten Benny Adrion mit den Vorwürfen. Das Interview führte hog.

ÜS: Lieber Benny, schönen Dank, dass du in diesen turbulenten Zeiten unsere Fragen beantwortest. Turbulente Zeiten, wie Nach- und möglicherweise Vor-Pandemie, turbulente Zeiten für NGO und Supporter*innen allgemein, turbulente Zeiten, weil Böhmermann nach Kliemann nun auch Viva con Agua (VcA) unter Beschuss genommen hat.

Das ZDF Magazin Royale hat das Thema Wasser und Viva con Agua nach deren Sommerpause am 2. September 2022 aufgegriffen. Wir finden es wichtig, wenn Wasser die Aufmerksamkeit erfährt, die es verdient. Wasser ist Leben! Und Wasser verdient Wertschätzung. Aber wie versuchte Böhmermann VcA anzupieksen? Wollte er die VcA-Family wachrütteln, oder steckt da mehr dahinter? Was meinst du dazu?

Benny Adrion: Wasser ist einfach ein wichtiges Thema. Es ist wichtig, dass es dieses Jahr in Deutschland auch nochmal in die breite Öffentlichkeit gekommen ist. Daran arbeitet Viva con Agua schon jahrelang – aber eben mit einem Fokus auf die globale Wasserperspektive. Wasser ist nicht erst seit diesem Sommer ein spannendes Thema sondern für mich schon seit 17 Jahren. Ich weiß nicht, worauf die Redaktion des ZDF Magazin Royale hinauswill, wenn sie Viva con Agua portraitiert ohne unseren jahrelangen Einsatz und die Ergebnisse für die Vision „Wasser für alle – alle für Wasser“ auch nur anzusprechen. Wir freuen uns jedenfalls, wenn wir die zusätzliche Aufmerksamkeit nutzen können, um unsere Ansätze, Ideen und Geschäftsmodelle zu erklären.

VcA und seine Gmbhs und Beteiligungen

ÜS: Was entgegnest du, wenn die VcA-Family und deren NGOs als intransparent dargestellt werden, mit den vielen gGmbHs? Kannst du das entkräften?

BA: Es wurde ja nicht gesagt, dass wir intransparent sind. Das wäre in meinen Augen auch falsch. Wir machen transparent wo unsere Gelder hinfließen, wie Spenden verwendet werden und wie unsere Geschäftsmodelle aufgebaut sind. Natürlich ist VcA seit unserer Kubareise in 2005 organisch immer weitergewachsen und ist mittlerweile wie ein Ökosystem aufgebaut – ein Netzwerk von Organisationen eben. Was soll daran denn verkehrt sein? Die meisten Organisationen sind gemeinnützig. Es gibt Vereine in Ländern in denen wir aktiv sind. Es gibt die Stiftung und dann noch gemeinnützige GmbHs. Nur unser Mineralwasser und die Villa Viva sind in normale GmbHs in unserem Kosmos eingegliedert – eben, weil wir es hier mit wirtschaftlichem Geschäftsbetrieb zu tun haben, der nicht an gemeinnützige Organisationen gekoppelt werden soll. Was uns aber immer wichtig ist: alle operativ tätigen VcA-Akteure sind mehrheitlich gehalten von gemeinnützigen Organisationen und nicht Privatpersonen – echtes Social Business eben. Mir gehört kein Prozent einer VcA-Organisation obwohl ich mein Leben seit 17 Jahren mit VcA verbringe – das ist auch immer wichtig zu betonen!

Ja, VcA und seine Family ist stetig gewachsen. Aber das hat sich immer organisch ergeben. Jeden Wachstumsschritt sind wir nach bestem Wissen für die Gemeinnützigkeit gegangen. Und natürlich haben wir über die gewachsene Struktur auch Verantwortung geteilt: Wer kann sich denn ernsthaft wünschen mit einem deutschen Verein in Uganda, Südafrika, Österreich oder in der Schweiz aktiv zu sein – da haben wir ja wohl die Lehren aus der Vergangenheit gezogen. Dominante deutsche Organisationen, die sich in anderen Ländern breit machen ist nicht so unser Ding. Dann lieber dezentrale Strukturen, die ihre Arbeit machen können – angepasst an ihre Region und ihre Bedürfnisse. Am Ende zahlt alles auf die gemeinnützigen Zwecke ein, das ist doch das allerwichtigste.

ÜS: Wie viele Festangestellte hat den jetzt der VcA-Kosmos?

BA: Gute Frage. Wenn man alle Organisationen zusammenzählt, inkl. alle internationalen Vereine dann sind es bestimmt bald 80 Personen, die in Vollzeit oder Teilzeit für VcA aktiv sind. Wenn man dann engagierte SupporterInnen dazunimmt, dann sind es natürlich noch viel mehr. VcA wird gemacht von den Menschen, die VcA unterstützen – VcA is eben dieses Netzwerk und alles was auf dieser Plattform der Zusammenarbeit entsteht. In diesem Sinne ist schon jeder Mensch der einen Pfandbecher am Millerntor spendet ein Teil der Community.

ÜS: Was teilst du/VcA den rund 10.000 Supporter*innen weltweit mit, wenn sie von Böhmermann als „Stille Gesellschafter“ tituliert werden und viele die ich kenne, sehr empört gewesen sind?

BA: So ein Vergleich funktioniert eben gut in einer Fernsehsendung. Aber für mich persönlich ist der Vergleich zwischen stillen Gesellschaftern und Engagierten etwas an den Haaren herbeigezogen und wird den Menschen, die sich seit Jahren immer wieder engagieren nicht gerecht. Wir brauchen mehr Ehrenamt und soziales Engagement in diesem Land. Darum finde ich, wir sollten es nicht in einer öffentlichen Auseinandersetzung abwerten. Da sollten wir uns alle unserer Verantwortung bewusst sein und engagierten Menschen Wertschätzung entgegenbringen. Wir sind froh, dass wir seit so vielen Jahren in einem so aktiven und freudvollen Netzwerk unterwegs sind und schätzen das sehr. Und der Vollständigkeit halber: Bei Viva con Agua de Sankt Pauli e.V. haben unsere lokalen Crews aus Engagierten ein Mitspracherecht bei unserer Mitgliederversammlung als Verein. Außerdem bekommen wir über unterschiedlichste Kanäle viel konstruktives Feedback aus unserem Netzwerk. Still ist unser Netzwerk nicht – zum Glück!

Viva con Agua Stand beim Lauf gegen Rechts an der Alster
VcA Stand beim Lauf gegen Rechts an der Alster. Foto (c) hog

ÜS: Böhmermann hat auch den Bau der Villa Viva im Münzviertel kritisiert, was auch bei anderen für Diskussionsstoff sorgt. Auch die zwei teuren Suiten zu 299 Euro bemängelt Böhmermann. Das der Rest der Betten/Zimmer ab 19,10 Euro zu haben ist, verschwieg er. Taktik, schlechte Sommerrecherche?

BA: Gute Frage. Ich möchte der Redaktion ehrlicherweise nichts unterstellen. Dass ein Sachverhalt sehr kurz dargestellt wird und dadurch mehr Aufmerksamkeit bekommt, ist nicht unüblich. Das kennen wir doch von Social Media genauso. Aber natürlich war ich verwundert, dass die Redaktion sich auf eine derartige Darstellung einlässt. Villa Viva ist für alle da – egal wie groß der Geldbeutel ist. Wir schließen niemanden aus, das ist eben unsere Art bei VcA. Es geht bei 19,10€ für eine Übernachtung los und auch für Menschen mit mehr Platzbedarf ist was dabei. Dazwischen gibt es alle Kategorien. Eben etwas für Alle.

Aber natürlich kann ich verstehen, dass Menschen Fragen zu Villa Viva haben. Hätte ich auch – wenn ich nicht wissen würde wie das alles entstanden ist. Wir wollten doch selber nie ein Haus bauen, geschweige denn ein Hotel eröffnen. Der Prozess wurde vor 5 Jahren sehr spontan angestoßen, ist Stück für Stück größer geworden und hat Gestalt angenommen. Es sind so viele Dinge zusammengekommen, die dies möglich gemacht haben. Die Stadt hat uns das Grundstück für ca. 30% des Marktpreises überlassen. Wir haben professionelle Planung machen können bis zur Planungsreife ohne dafür Geld zu bezahlen. Wir haben eine nachhaltige Bank gefunden, die uns super Konditionen bietet.  Für die Finanzierung haben wir befreundete InvestorInnen gefunden, die sich darauf einlassen das gesamte Eigenkapital zu stellen, dabei nur ein Drittel am Unternehmen bekommen und darüber hinaus erst in 18 (!) Jahren ihren Anteil verkaufen dürfen. Das sind alles Dinge die gibt es im echten Leben eigentlich nicht. Daher kann ich verstehen, dass Leute sich fragen wie das wohl alles abgelaufen ist. Wir freuen uns genau deswegen alles genau zu erklären – weil es für uns eine Benchmark sein kann für soziale Stadtentwicklung und Social Business. 

VcA investiert keinen einzigen Spendencent in die Villa Viva und hat jetzt 67% der Anteile an einem Hochhaus am Hamburger Hauptbahnhof – ein Haus das immer noch Brunnen baut, wenn wir alle nicht mehr am Leben sind. Sollen wir eine solche Möglichkeit ausschlagen und Stadtentwicklung stattdessen lieber Investmentgesellschaften und Hedgefonds überlassen? Nein! Weil wir unsere Vision “Wasser für Alle” ernst nehmen, mussten wir eine solche Chance einfach ergreifen. Ich freue mich über jede sachliche Frage und Debatte zu diesem Thema. Es ist einfach eine unwahrscheinliche Geschichte, die ich nicht müde werde zu erzählen. Ich finde wir sollten Stadtentwicklung selber in die Hand nehmen, wenn wir können. Genau das haben wir mit der Villa Viva getan.

ÜS: Inwiefern landet mit der Villa Viva ein Ufo im Münzviertel und trägt zur Gentrifizierung bei, wie wir das bei vielen anderen Hotels auch gesehen haben.

BA: Wir sind ab sofort auch Teil des Münzviertels und werden seine Interessen vertreten. Seit Beginn stehen wir im Austausch mit der aktiven Szene vor Ort. Mittlerweile sind wir fester Bestandteil des Münzviertelbeirates. Mit der Villa Viva bekommt das Viertel eine zusätzliche Stimme in der Stadt – das ist ja wohl klar! Das Münzviertel ist der Stadtteil mit der größten Dichte sozialer Einrichtungen pro EinwohnerIn in Deutschland – trauriger Spitzenreiter. Es gibt also viel zu tun und wir werden unseren Beitrag leisten. auch in das Viertel hinein zu wirken. Ab Ende 2023 gehen bei uns die Türen auf. Diese Türen stehen auch dem Viertel offen für Kooperationen und alle verrückten Ideen. 

ÜS: VcA betreibt seit zwei Jahren die Villa Viva Capetown, selbst renoviert mit 33 Zimmernundimmer ordentlich belegt. In Südafrika gibt es täglich mindestens zwei Stunden geplanter Stromausfall. Wie gehst du als Guesthouse damit um? Kann ja auch in Deutschland kommen, wenn es ganz blöd läuft. Was rätst du uns verwöhnten Deutschen?

BA:  In Südafrika gehört es ganz normal dazu. Es geht ständig der Strom aus, das gehört einfach zum Alltag. Menschen nehmen das eher mit Humor als daraus ein großes Ding zu machen. In vielen Townships gibt es sowieso kein Strom in einigen Bereichen. Die Menschen in Südafrika sind sicherlich ein wenig leiderprobter als in Deutschland – das konnte man auch im Rahmen der Pandemie sehen.

ÜS: Werden in der Villa Viva CPT auch die FCSP-Spiele geguckt?

BA: Klar! Wir zeigen immer wieder Fußball oder gucken selber. FCSP gibt’s da manchmal auch aber eben auch viel Premier League – die ja hier in Südafrika noch viel beliebter ist als die Bundesliga.

ÜS:  Zurück zu den Vorwürfen des ZDF-Magazins: Was hat es mit dem Betriebsrat und der Tarifbindung Eures Abfüllers in Husum auf sich?

BA: Der Husumer Mineralbrunnen orientiert sich laut eigener Aussage an einem Tarifvertrag für Mineralbrunnen in Niedersachsen und Bremen. In Schleswig-Holstein existiert ein solcher Mineralbrunnen-spezifischer Tarifvertrag nicht, sondern nur ein Tarifvertrag für Erfrischungsgetränke. Soweit ich das einschätzen kann, wünscht sich die lokale Gewerkschaft, dass sich der Husumer Mineralbrunnen am Tarifvertrag für Erfrischungsgetränke in Schleswig Holstein orientiert –  auch weil sich Mineralbrunnen wie die Fürst Bismarck-Quelle und Hella Mineralbrunnen daran orientieren. Der Unterschied ist jedoch: die beiden sind um ein Vielfaches größer und gehören mittlerweile zu einem der größten Getränkekonzerne Europas namens Refresco. Vorher gehörte die Fürst Bismarck-Quelle übrigens zu Nestle. Einen mittelständischen Mineralbrunnen aus einer strukturschwachen Region mit zwei solchen Playern zu vergleichen und die gleichen Standards einzufordern, das ist in meinen Augen nicht ganz so einfach. Ich habe Verständnis für die Interessen der Gewerkschaft, gerade in Zeiten wo Gewerkschaftsmitglieder rückläufig sind im bundesweiten Trend – wir sind ja auch grundlegende Verfechter von Mitarbeiterpartizipation. Wir stehen in Kontakt mit der Gewerkschaft NGG in Schleswig-Holstein. Unsere Verantwortung als Partnerunternehmen des Husumer Mineralbrunnen liegt darin, einzufordern, dass die Interessen der MitarbeiterInnen von Partnerunternehmen berücksichtigt werden und MitarbeiterInnenorganisationen nicht behindert werden. Wir müssen aber auch akzeptieren, wenn nicht genügend MitarbeiterInnen einer Gewerkschaft beitreten, um einen Tarifvertrag auszuhandeln. Man darf nicht vergessen: etwa 50% der Unternehmen bis zu 200 MitarbeiterInnen – dazu gehört auch Husumer Mineralbrunnen – haben keinen Betriebsrat. Ähnliches gilt für eine Tarifvertragsbindung. Für uns sind Betriebsrat und Tarifvertrag alleine also kein Ausschlusskriterium für eine Partnerschaft. 

ÜS: Hat Böhmermann dafür gesorgt, dass VcA nun noch genauer hinguckt, mit welchen Gesellschaften zusammengearbeitet wird? Werden die zurzeit bestehenden Zusammenarbeiten kritisch überprüft?

BA: Ich würde behaupten, unsere Ansprüche gegenüber möglichen Partnerunternehmen waren und sind bereits hoch. Die Ereignisse der vergangenen Wochen und Monate haben aber natürlich dazu geführt, dass wir uns und unsere Standards auch nochmal selbst hinterfragen. Sicherlich wird unser Anspruch an uns selbst und an Partner dadurch nochmals höher. Man sollte aber auch nicht so tun als wäre man als Organisation perfekt oder als müsste jeder Partner perfekt sein, denn dann würde man gar keine Partnerschaften mehr eingehen können. Wichtig ist es, gute gemeinsame und nachhaltige Entwicklung im Rahmen einer Partnerschaft voranzubringen. Wir haben uns in dem Prozess alle kritischen Fragen gestellt, die uns selber zu VcA einfallen. Zusätzlich haben wir einen Compliance Prozess mit externer Begleitung angestoßen und setzen einige Schritte um, damit wir noch transparenter sind. Wir gehen aus dieser Phase also gestärkt hervor. Wie gesagt: Endlich fragen die Leute nach Erklärungen unserer Modelle und Ideen für gemeinwohlorientiertes Arbeiten.

Hier geht’s lang! Orientierungshilfe zur Millerntor Gallery. Foto (c) hog

ÜS: Zur Millerntor Gallery (MTG), die 2022 ihr 10-jähriges Jubiläum hatte, eigentlich im 12. Jahr wäre, wenn es die Corona-Pandemie nicht gegeben hätte: Sie ist ein weiteres Puzzleteil im VcA-Kosmos und mit ihrer Gesellschaft, der Viva con Agua ARTS gGmbH sorgt sie für einen erheblichen Umsatz im VcA-Konglomerat. Magst du uns erzählen, mit welchem Umsatz und welchem Gewinn ihr dieses Jahr abgeschlossen habt? Und wie die Gelder verteilt werden?

BA: VcA Arts ist eine gemeinnützige GmbH. Es gibt keine privaten Interessen in der Organisation – alles was die Organisation tut, steht im Sinne der Gemeinnützigkeit. Natürlich hat die Millerntor Gallery sehr gelitten in den vergangenen Jahren. Wir sind froh, dass wir überhaupt die pandemische Phase überstanden haben und in diesem Jahr das 10-jährige Jubiläum mit Verspätung gelungen ist. Alles was bei VcA Arts am Ende des Jahres übrig bleibt fließt dann in die gemeinnützige Arbeit von Viva con Agua – und somit eben auch in Wasserprojekte. Wie viel das dann genau sein wird, sehen wir am Ende des Jahres. Man muss dazu aber klar sagen: Die Millerntor Gallery ist für uns keine Cashcow, sondern verfolgt ganz viele gemeinnützige Ziele: zum Beispiel die Förderung der Kunst, Wissensvermittlung rund um das Thema Wasser etc. 

ÜS: Mir ist aufgefallen, dass sehr viel weniger Fußballfans und auch Organisationen rund um den FC St. Pauli vertreten waren. Das merkten wir, vom Übersteiger direkt an den vergriffenen ÜS-Exemplaren, die wir zu jeder MTG zur Verfügung stellen und den Spendentopf direkt an VcA weitergeben. Wurden feststehende Institutionen, wie die Weinbar, der Fanladen, die Sporttreibenden Abteilungen, oder auch das Viertel zu wenig einbezogen?

BA: Ich finde auch man sollte das immer weiter miteinander vernetzen. Leider lebe ich aktuell in Südafrika und kann daher nicht soviel persönlich an der zusätzlichen Vernetzung mitwirken. Dieses Jahr haben FanvertreterInnen ja große Teile der Südtribüne gestaltet – ein gutes und richtiges Signal, denn immerhin ist die Süd für diese Gruppen ein wichtiger Bezugspunkt. Darüber hinaus habe ich viele Fans und FCSP UnterstützerInnen auf der Veranstaltung gesehen. Da gibt es schon auch eine große Überschneidung. Aber klar: die Millerntor Gallery sollte immer auch als gemeinsame Veranstaltung und Plattform durch VcA und den FCSP genutzt werden.

ÜS: Der Eintritt bei der MTG ist für einige schon fast unerschwinglich geworden. Denkt ihr daran, den Eintrittspreis mal wieder zu reduzieren und damit für Alle zugänglich zu machen?

BA:  Die Veranstaltungsbranche sieht sich dieses Jahr einfach einer extremen Entwicklung ausgesetzt. Da kommt nach 2 Jahren Pause einfach einiges zusammen. Höhere Eintrittspreise findest du ja nicht nur bei der Millerntor Gallery, sondern bei fast allen Kulturveranstaltungen inklusive Konzerten. Die erhöhten Preise in diesem Jahr müssen wir also in einem größeren Kontext sehen. Was das für die Preisgestaltung 2023 heißt, kann ich nicht abschätzen. Ich freue mich aber, dass wir sagen: Niemand muss draußen bleiben! Wenn man sich das nicht leisten kann und dennoch rein will kann man das einfach an der Kasse mitteilen und dann gibt es die Möglichkeit gegen einen freiwilligen Beitrag reinzukommen.

ÜS: Die Unterstützung seitens ehrenamtlicher Supporter*innen hat allgemein nachgelassen, nicht nur bei VcA oder der MTG. Wie können neue Supporter*innen gewonnen werden? Ist es angedacht, diese tolle Unterstützung zusammen zu legen?

BA: VcA und MTG gehören zusammen. Beide schöpfen aus einem Pool für Engagierte. Wir haben natürlich gesehen, dass in der Pandemie viele Aktionen, die Menschen miteinander verbinden und für Engagement motivieren, weggebrochen sind. Nun stärken wir die Crews und unser Netzwerk wieder langsam und organisch. Wenn es wieder Aktionen gibt die Freude bereiten, dann kommen auch wieder Engagierte zusammen – ich mache mir da keine Sorgen. Natürlich sind die Zeiten auch ein wenig schwieriger geworden und Menschen haben teilweise andere Sorgen – was auch OK ist. Es geht ja auch nicht immer um höher, schneller, weiter. Wir sind froh, dass es VcA insgesamt recht gut geht in diesen schwierigen Zeiten und wenn wir mal einen Schritt zurückgehen, um später wieder nach vorne zu kommen, dann ist das unter Umständen auch ein gesunder Prozess.

Benny Adrion auf der MTG 10 im Gespräch mit Sanelisiwe Singaphi und Pheliza Magoqoza bei der Vorstellung der Villa Viva Captetown. Foto: (c) hog

ÜS: Es wird öfter mal die Kritik geäußert, dass VcA Supporter*innen etwas hochnäsig, eingebildet sind, wenn sie in der Öffentlichkeit auftreten. Werden die Ehrenamtlichen ausreichend gebrieft? Wenn ja, wie?

BA: Das höre ich zum ersten Mal. Klar werden Engagierte gebrieft im Rahmen von Onboardings und Crewtreffen etc. – bislang nehme ich VcA da als ganz guten Arschlochfilter wahr. Die Leute, die ich in den Crews kennengelernt habe, sind keineswegs arrogant oder hochnäsig.

ÜS: Müsste VcA nicht politischer werden? Sollte ein Benny Adrion auch mal auf der Bühne bei Fridays 4 Future reden, dass rund 800 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben und es eher mehr Menschen werden, die darunter leiden, als weniger?

BA: Ich habe schon mehrfach auf der Fridays For Future Bühne gestanden und zum Beispiel die Menschen aufgefordert Leitungswasser statt Mineralwasser zu trinken, da gibt es Videos davon. Wenn wir alle auf Mineralwasser verzichten, dann können wir ganz schön viel CO2 einsparen! Ansonsten steht VcA eher für Friede, Liebe, Neugier. Das wollen wir uns bewahren. Natürlich kann man sagen: Alles ist politisch. Aber unser ExpertInnengebiet ist eben auch besonders klar: Wasser. Zu vielen anderen Themen gibt es eben andere ExpertInnen. Wir verstehen uns als AktivistInnen eines positiven Wandels – und eben mit einem sehr gezielten Thema. Nichtsdestotrotz ist eine klare Haltung natürlich wichtig!

ÜS: Wie stehst du zur Winter-WM in Qatar 2022?

BA: Da gibt es viel zu sagen. In meinen Augen war die Vergabe komplett gekauft – aber das ist vielleicht ein generelles FIFA-Ding, wenn wir neben Katar auch an die WM 2006 in Deutschland denken. Ansonsten in Richtung Katar ganz klar: Menschenrechte müssen berücksichtigt werden – das ist nicht verhandelbar! Darüber hinaus könnte ich dazu einen ganzen Übersteiger füllen, denn ich habe gerade eine Doku gedreht zu dem Thema. (Anm. der Redaktion: Lief am 07.11. auf Pro7, kann man sich noch anschauen unter: Das Milliardenspiel – Die verkaufte WM. Mehr dazu auch in unserem aktuellen Heft.)

ÜS: Fettes Brot war dein erstes Hip-Hop Konzert in Stuttgart, nun verkünden sie ihren Rücktritt von der Bühne. 2023 wird es wohl noch eine Abschlusstournee geben, dann ist Schluss. König Boris hat auch schon mal Becher am Millerntor für VcA gesammelt. Möchtest du etwas zu Fettes Brot erzählen? Und welche „VIPs“wünschst du dir, die VcA supporten könnten?

BA: Fettes Brot ist eine Legende. Für mich und für VcA! Ich bin Fan seit Teenagertagen und seit dem Beginn von VcA haben die Jungs uns unterstützt. Ich wüsche ihnen alles Gute und hoffe auf der Abschiedstour mindestens einmal dabei sein zu können. Ich sage DANKE für alles was sie für uns getan haben und finde sie haben ihr Ende mit Würde und Stil in die Wege geleitet. Hut ab! Wenn ich mir Supporter wünschen könnte, dann wünsche ich mir mehr Fettes Brot.

ÜS: Bist du schon mit Marcel Eger im Südatlantik schwimmen gewesen, wie im Interview ÜS#137 in der Hochzeit der Pandemie als Wunsch von dir geäußert wurde?

BA: Einmal hab ich ihn in Teneriffa besucht, das ist Atlantik oder? Zuletzt hab ich ihn in Berlin getroffen, wir haben aber ausnahmsweise darauf verzichtet in die Spree zu springen an dem Tag.

ÜS: Wo steht unser Verein am Ende der Saison?

BA: Ich fürchte im Mittelfeld der Liga 2. Es ist doch einiges an Qualität verloren gegangen und die Mannschaft befindet sich aus meiner Sicht in einem Übergangsjahr. Ich drücke jedoch in jedem Spiel die Daumen!

ÜS: Vielen Dank und weiterhin viel Erfolg bei den ganzen Vorhaben, die in den kommenden Jahren anstehen. //hog

Wer noch mehr über Böhmermann vs VcA lesen mag, hier ein paar Links dazu:

https://www.zdf.de/comedy/zdf-magazin-royale/zdf-magazin-royale-vom-2-september-2022-100.html

https://www.stern.de/gesellschaft/viva-con-agua–kritik-von-jan-boehmermann—der-gruender-im-interview-32696298.html?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE

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3 Kommentare

  1. Moin,
    da hat sich leider ein Druckfehler eingeschlichen: Die erwähnte Doku mit Benny Adrion lief bereits am 07.11.2022 auf Pro7. Aber vllt gibt’s ja ‘ne Wiederholung…

    VG Rita

    1. Hallo Rita!
      Danke für den Hinweis! Als wir damals das Interview gemacht hatten, war der Termin noch auf den 14.11. angesetzt. Im Heft steht es immerhin richtig und hier nun auch mit Link zur Mediathek.

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