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Wieder 4 gegen Karlsruhe?

Zum Heimspiel gegen den Karlsruher SC blicken wir heute auf die Partie aus der Saison 2009/2010 zurück.

Vor dem Spiel

Zu Beginn der Saison verließen mit Trojan und Ludwig zwei starke Offensivkräfte den Verein und rißen ein empfindliches Loch im Mittelfeld. Allerdings wurden mit Takyi, Lehmann , Kruse und Naki gute Neuzugänge geholt, welche die Abgänge mehr als kompensieren sollten. Die Vorbereitung auf die Saison war dann auch vielversprechend, da die meisten Testspiele siegreich bestritten werden konnten. Ohnehin galt der Magische FC als einer der spielstärksten Teams der Liga. Traditionell holprig war dann jedoch das Auftreten im DFB-Pokal. Die Braun-Weißen setzten sich nur mühsam mit 2:0 in der Verlängerung gegen den Oberligisten FC Villingen durch. Warnung genug also vor dem Saisonauftakt gegen RW Ahlen, doch die Mannschaft meisterte diese Aufgabe und sorgte mit dem 2:1 Heimsieg für die ersten Punkte der Saison, allerdings wahrlich in letzter Sekunde. Der Siegtreffer zum 2:1 gelang erst in der 92. Minute. Es folgte die Auswärtspartie bei Alemannia Aachen, welche gleichzeitig das Eröffnungsspiel des dortigen neuen Stadions war. Doch die Kiezkicker ließen sich davon nicht beeindrucken und schossen die Aachener mit 5:0 aus dem eigenen Stadion. Beim anschließenden Heimspiel gegen Duisburg holte das Team um Trainer Stanislawski dann ein 2:2 unentschieden, damit lagen die Kiezkicker vor dem Spiel gegen Karlsruhe auf dem zweiten Tabellenplatz. Der KSC hingegen belegte den 16. Tabellenplatz, eine vergleichsweise enttäuschende Platzierung für den Bundesliga-Absteiger. weiter

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“Als ob wir von einem anderen Planeten kommen…” – Interview mit Deniz Naki

Deniz Naki - ©JanVanAken

Deniz Naki – ©JanVanAken

Gastartikel von Jan van Aken

Dieses Interview erschien im Print-ÜBERSTEIGER Nr. 123 am 11.März 2016

Diyarbakir, 21. Januar 2016

Deniz, du spielst jetzt bei Amedspor. Erzähl mal, was ist das für ein Verein?

Amed SK ist vergleichbar mit St. Pauli. Also, St. Pauli hat vielleicht mehr Zuschauer, aber ist auch mehr links ausgerichtet. Amed SK ist ein kurdischer Verein, deswegen auch der Name Amed (Anm.: der kurdische Name für Diyarbakir). Da spielen zu 90 % Kurden, aber natürlich auch türkische Spieler. Wir sind in der 3. Liga der Türkei – die nennt sich zwar 2. Liga, ist aber die 3. Liga. Der Verein ist verbunden mit der Partei HDP und der Stadtverwaltung. Guter Verein.

Ich habe mich gewundert, dass das Amed SK heißt. Denn ihr seid ja offiziell in der türkischen Liga, aber der türkische Name für Amed ist ja Diyarbakir. Wieso haben die das überhaupt erlaubt, dass ihr Amed SK heißt?

Letztes Jahr hieß der Verein noch Diyarbakır Büyükşehir Belediyespor, und dann haben die sich dafür eingesetzt, dass der Name geändert wird, und haben beim türkischen Verband eine Anfrage gestellt und es dann irgendwie hinbekommen. Seit dieser Saison heißt der Verein Amed SK.

Und was ist, wenn ihr jetzt auswärts spielt, bei türkischen Vereinen, wie gehen die damit um? Die wissen doch gar nicht, was Amed ist, oder?

Doch, das wissen schon die meisten. Die meisten wissen auch, dass das ein Verein aus Diyarbakir ist. Aber meistens ist das so, wenn wir Auswärtsspiele haben, sind die Spiele, als ob wir gegen eine türkische Nationalmannschaft spielen. Dann sehen wir nur türkische Fahnen – als ob wir von einem anderen Planeten kommen, so werden wir immer empfangen.

Dann bekommen wir halt Zurufe wie „PKK raus!“, „Terroristen raus!“, so werden wir dann meistens empfangen. Ist halt schon ein bisschen schwierig.

Das ist ja hart. Wie geht es denn euren türkischen Mitspielern bei Amed SK, wie stehen die dazu?

Die türkischen Spieler, die bei uns sind, die sind in der Sache cooler drauf. Bevor die den Wechsel hierhin gemacht haben, wussten die ja schon, worauf die sich einstellen mussten, das ist nicht so ein Problem.

Um auf deine Tätowierung zu kommen. Was heißt das, Azadî?

Azadî ist kurdisch, das heißt Freiheit. Deswegen habe ich auch in den letzten Wochen ein bisschen Probleme gehabt, was auch in den Medien war. Ich wurde jetzt von dem türkischen Volk teilweise als Terrorist abgestempelt, weil das angeblich eine Propaganda für die PKK ist. Aber ich sag mal, das Problem, was die haben, ist, dass das da auf kurdisch steht. Wenn da jetzt „Freedom“ oder „Freiheit“ stehen würde, dann hätten die kein Problem damit gehabt. Aber da es da auf kurdisch steht, heißt es jetzt, dass ich ein Terrorist bin und ich Propaganda für die PKK mache.

Liest du das in Zeitungen, oder merkst du das im Stadion, dass du dann extra ausgepfiffen wirst?

Ja, wenn wir Auswärtsspiele haben, ist es so, dass ich meist bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen werde. Aber man bekommt das auch durch Internetseiten mit, dass die Fans außerhalb ein bisschen Probleme mit mir haben in der Türkei.

Und hast du zu Hause Stress mit deinem Verein bekommen, weil die meinten, das ist jetzt echt eine Provokation? Ich meine, du hattest damals ja auch Stress mit deinem Verein bekommen, wegen der Handbewegung in Rostock …

Also, wenn ich wegen meinem Tattoo Stress mit meinem Verein bekommen würde, dann wäre ich beim falschen Verein. Ich glaube, die Bedeutung ist was Schönes: Freiheit – für alle Völker! Das heißt ja nicht, dass das nur für das kurdische Volk ist. Es soll ein Symbol für alle unterdrückten Völker sein. Wenn das als Terrorpropaganda gesehen wird, dann kann ich den Menschen auch nicht weiterhelfen.

Das ist ja eine ziemlich klare Ansage, sich so zu tätowieren. Machst du denn außerhalb vom Fußballplatz noch was für die kurdische Sache, bist du politisch aktiv?

 Auf jeden Fall. Wenn man das politisch nennen darf, ich weiß nicht. Ich war in Cizre, da wo jetzt auch richtig was los ist – ich war vor knapp ein bis zwei Monaten da. Wir haben eine Kampagne gestartet und ich habe da 16 Familien besucht und denen geholfen, finanziell. Jetzt sind wir dabei für Sur, aber leider können wir halt nicht rein. Wir versuchen jetzt, bis die Ausgangssperre zu Ende ist, so viel zu sammeln wie möglich, damit wir den Familien dann helfen können, denen es nicht so gut geht.

Wo wohnst du eigentlich hier in Diyarbakir, so ungefähr?

 Ich wohne so 7 bis 8 km von hier.

Wenn du da draußen wohnst, kriegst du oder deine Nachbarn das überhaupt mit, was hier in Sur los ist, oder ist da draußen völlig normales Leben?

Es ist so, wenn man 10 km weiter draußen wohnt, dann sieht man vielleicht normales Leben, aber abends, wenn dann die Schüsse losgehen, dann bekommt man das schon mit. Und um acht, neun Uhr kann man sagen, dass Diyarbakir tot ist, weil die Menschen alle nach Hause gehen, weil die Angst haben, dass jeden Moment so eine Bombe platzen kann.

Und das ist eine Millionenstadt, eine echte Metropole, das ist unsere Hauptstadt in Kurdistan, sagen wir. Und für eine Hauptstadt, die so viele Einwohner hat, dass ab acht, neun Uhr nix mehr los ist, das ist schon schlimm. Letztes Jahr, wo ich mit den Leuten hier gesprochen hatte, war bis zwölf, eins, zwei Uhr nachts immer noch die Hölle los hier.

Noch mal zum Fußball: Wo steht Amed SK, wo wollt ihr hin?

Wir wollen auf jeden Fall aufsteigen, wir sind auf dem fünften Platz, die ersten fünf kommen in die Playoffs. Der erste steigt sofort auf. Zurzeit sieht es gut aus, wir wollen so hoch spielen wie wir können. Wir wollen den Verein in den oberen Ligen sehen. Das will auch unser Volk, die wollen einen Verein haben, aus Kurdistan, der was erreicht, wo die Menschen dann auch ein Lächeln bekommen, wo sie drauf stolz sein können. Unsere Aufgabe ist es, dass wir da unser Bestes geben und so hoch kommen wie möglich.

 

Wer steigt zuerst auf, Amed SK oder St. Pauli?

Ich hoffe beide (lacht) – beide gleichzeitig!

Und für dich – wo siehst du deine fußballerische Zukunft? Bei Amed SK? Könntest du bei einem anderen Verein in der Türkei überhaupt noch spielen?

 Also, in der Türkei, glaube ich, eher schwierig. Dadurch, dass ich jetzt immer in den Medien war aus politischen Gründen, haben es auch die Vereine schwer, mich zu verpflichten, weil viele Menschen sagen, dass ich ein Terrorist bin. Wenn mich dann ein Verein verpflichtet, dann muss der Mann, der mich verpflichtet, schon ein Harter sein, der damit auch umgehen kann. Deswegen sehe ich in der Türkei eher weniger die Chance, dass ich einen großen Transfer mache.

Das ist mir aber, ehrlich gesagt, auch gar nicht so wichtig. Ich hätte auch in der Zweiten Liga in Deutschland spielen können, in anderen Ländern, aber ich habe mich für mein Volk entschieden, ich habe mich dafür entschieden, dass ich hier spiele, weil ich mir gedacht habe, vielleicht kann ich mit dem Wechsel ein paar Menschen glücklich machen und denen ein Lächeln schenken. Das Lächeln für mein Volk ist mir viel mehr Wert als Ruhm und Geld und alles andere.

Den Ruhm hast du auf St. Pauli auf immer und ewig. Und – wann bist du mal wieder in St. Pauli?

 Also, die Saison geht bis zum fünften Monat, ich denke, dann haben wir zwei Monate frei, dann werde ich auf jeden Fall mal wieder nach St. Pauli kommen.

Super. Sag auf jeden Fall Bescheid. Hast du noch Kontakt zu Kollegen?

Ja, Fabian Boll. Er ist wie mein großer Bruder, ich liebe ihn über alles. Wir schreiben alle zwei, drei Wochen, ab und zu telefonieren wir auch. Ja, und Morike Sako und die alten Kollegen, Charles Takyi. Aber mit Fabian Boll habe ich noch richtig engen Kontakt.

Und mit denen, die jetzt noch spielen?

Hmm, das sind jetzt sehr viele neue Spieler. Ich glaube, mittlerweile ist nur noch Schnecke da. Und Drobo-Ampem ist jetzt wieder bei Pauli. Aber ich glaube, alle anderen sind jetzt neu dazu gekommen.

Was hältst du von Lienen?

Cooler Typ. Ich finde den cool. Er macht einen guten Eindruck.

Und letzte Frage: In der ganzen St. Pauli-Zeit, was war da der wichtigste Moment für dich?

 Aufstieg 2009, auf jeden Fall. Und die Fahnenaktion gegen Rostock. Mein Torjubel nicht, aber die Fahnenaktion!

// Gastartikel/-interview von Jan van Aken

Nachtrag:

Nach dem Pokalsieg von Amed SK bei Bursaspor am 31. Januar, bei dem Naki das entscheidende Tor zum 2:1 schoss, widmete er den Sieg auf seiner Facebook-Seite den Unterdrückten in den umkämpften Gebieten. Dafür wurde er vom Türkischen Fußballverband mit einer Sperre von 12 Spielen belegt.

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6 Stunden, 3 Spiele, 2x St.Pauli, 2x hsv – 5 Tore gefallen, 2 gesehen – 5 Punkte!

Der Sonntag hielt für mich, dank günstiger Zeitplanung der Familie, gleich drei Spiele bereit, wobei ersteres aus logistischen Gründen nur via TV verfolgt werden konnte.

SC Paderborn – FC St.Pauli 1:1 (0:0)
Tore: 0:1 Daniel Ginczek, 1:1 Deniz Naki
Zuschauer: 15.000 (geschätzte 3.000 St.Paulianer)

Die Victoria-Klause war das Ziel meiner Wahl für eine gepflegte sky-Liveübertragung, da es von dort nur ca. 25 Meter bis zu den Steinstufen war, auf denen ich danach das Spiel der U23 gegen den hsv verfolgen wollte.

Als Fan von Spielen zu berichten, die man nur am TV gesehen hat, ist relativ albern, daher lest zum Drumherum lieber die Berichte der vor Ort gewesenen, beispielsweise bei “siamo tutti FC St.Pauli” und beim Magischen FC ist (insbesondere auch zum Team Green) einiges zu lesen.

Ich persönlich befand mich einen Großteil des Spiels sogar außerhalb der Klause im entspannten Plausch mit S.&S., u.a. diskutierte man über das DFL-Sicherheitspapier, die Rolle des eigenen Vereins und die Frage, ob denn die verstärkten “Unruhemeldungen” des Spieltags nun eine Folge des DFL-Papiers seien, quasi ziviler Ungehorsam. Und ob das die richtige Entscheidung sei, wenn dem denn so ist.
Ich persönlich würde die erste Frage bejahen (Motto: “Verarschen können wir uns alleine!”) und die zweite mit “Irrelevant” zurückgeben, denn auch “keine Ausschreitungen” an diesem Wochenende hätten an der Gesamtsituation nichts zum Positiven verändert. Ob es andersrum jetzt negative Folgen gibt? Viel negativer kann es ja eh nicht mehr werden.

Auf jeden Fall verpasste ich so auch das Tor durch Ginczek und hörte nur von drinnen den Jubel. Es sollte nicht das letzte verpasste Tor an diesem Tag sein.

Bleibt also nur kurz der Blick aufs Sportliche, der durchaus Anlass zur Hoffnung gibt. Ein überragendes Chancenplus und ein gegnerischer Keeper, der einen Sahnetag erwischte… manchmal ist Fußball so einfach und ungerecht.
Macht nichts, Mund abwischen und weiter, nächste Woche gegen Dynamo Dresden (das dann auf die Rotgesperrten Robert Koch und Romain Bregerie verzichten muss) wird das dann in drei Punkte umgewandelt, sicheres Ding.

FC St.Pauli U23 – hsv U23 1:1 (0:0)
Tore: 0:1 Manuel Farrona Pulido (61.), 1:1 Christopher Braun (87.)
Zuschauer: 570 (ca. 50 Gästefans) + ca. 200 Polizisten

Mit Abpfiff in Paderborn ging es dann wieder raus auf die sonnenüberfluteten Traversen der Hoheluft. Und ich zitiere hier gerne mal den U23-Trainer Jörn Großkopf, der im Vorfeld des Spiels sehr bedauerte, dass die Hamburger Polizei sich mit der Verlegung von Samstag auf Sonntag durchgesetzt hatte. Zurecht führte er das Spiel der Zweiten Mannschaften von Dortmund und Schalke aus der letzten Saison an, als 8.000 Zuschauer da waren. In Hamburg hingegen wird alles versucht, es beiden Fangruppen möglichst unmöglich zu machen, das Spiel zu sehen.
Insofern waren die geschätzten “nur” 50 Gästefans auch nicht verwunderlich, denn schließlich war nur wenige Minuten nach dem Abpfiff hier schon Anstoß in der Arena der vielen Namen. Hätte im umgekehrten Fall bei uns kaum anders ausgesehen bzw. war ja in der vergangenen Saison auch so, als unsere Profis, zeitgleich zum Amateurderby in Stellingen, am Millerntor antraten.
Und auch bei uns wären sicher deutlich mehr Leute vor Ort gewesen, wenn nicht zeitgleich 3.000 in Paderborn gewesen wären.

Das Spiel sah ein Chancenplus auf unserer Seite, doch in Führung ging durch einen sehenswerten Distanzschuß an den Innenpfosten der Gast. Und wie es so ist, wenn gar nichts mehr hilft, muss man persönliche Opfer bringen. Mit der mutigen Aussage: “Ich geh dann mal ein Tor pinkeln!” machte ich mich auf den Weg in die Klo-Container und pünktlich zur Betätigung der Spülung kam dann von draußen auch der Jubel…
1:1 durch Christopher Braun, der für den angeschlagenen Hauke Brückner eingewechselt worden war. Jawollja!

Der Spielverlauf war also ähnlich wie in Paderborn:
– Gast geht in Führung
– Gastgeber gleicht aus
– ich verpasse das Tor für uns

Mit nem Sieg wäre man am Rivalen vorbei gewesen, so bleibt man vorerst nur einen Rang über dem Strich. Am Mittwoch um 19.30h gibt es die nächste Chance an der Hoheluft zu punkten, dann allerdings “auswärts”, denn wir gastieren beim SC Victoria.
Laut Ansage gestern soll wohl tatsächlich der Gästeblock für uns geöffnet werden, Eingang über die Martinistraße. Karten dafür ab sofort am Kartencenter. Ob und wie das vor Ort großartig kontrolliert wird, entzieht sich meiner Kenntnis.

hsv – VfB Stuttgart 0:1 (0:1)
Tor: 0:1 Vedad Ibisevic (30.)

Nach Abpfiff ging es dann mit den Metrobuslinien 5 und 22 zur Arena in Stellingen zur Pokalgegnerbeobachtung, da ich zwei Freikarten für Block 7b bekommen hatte. Erik von StPauli.nu begleitete mich.
Nach dem dann noch folgenden Gewaltmarsch zur Arena waren wir gerade unten am Treppenhaus zu unserem Block angekommen, um noch den dezenten Gästetorjubel zu hören.
Siehe bereits zweifach oben: Gästeteam geht in Führung, ich verpasse erneut das Tor für die Mannschaft für die ich bin… ich hätte spontan nen Hunderter auf ein 1:1-Endergebnis gesetzt, wenn mein Telefon so ne Live-Wette hinkriegen würde. Glücklicherweise bin ich medial noch nicht so weit.
Es ging sogar so weit, dass wir uns überlegten, ein 1:1 noch akzeptieren zu können, schließlich sei das “für die Story” besser. Dies wurde aber dann doch recht schnell kategorisch ausgeschlossen, die Prioritäten lagen anders.

Mit zunehmender Spieldauer war es dann wie immer: Man bemerkt bei anderen Vereinen (gerade dann, wenn man nicht mit dem eigenen Verein da ist, sondern sich das relativ unbeteiligt anschaut) immer mehr Dinge, die eben anders sind als am Millerntor. Präsentierte Eckenverhältnisse, mit lautem BING! angekündigte Statistiken, eine mit viel Brimborium durchgeführte “NDR2-Halbzeit-Fanshow”, extrem teilnahmslose Zuschauer (Kurve und CFHH-Block mal ausgenommen) und ab 15 Minuten vor Schluß eine starke Abreisewelle.
Als ich fünf Minuten vor Schluß von der Toilette wiederkam (ich konnte das ruhigen Gewissens tun, schließlich hatte ich ja an diesem Tag noch kein Gegentor verpasst) sah ich einen ca. fünfjährigen, der herzzerreissend heulte, als sein Vater ihn die Treppenstufen herunterschleifte. Nicht etwa, weil der hsv zurücklag, sondern weil er schon kurz vor Schluß gehen musste. Was für ein Rabenvater…
Das Pfeifkonzert am Ende hielt sich in engen Grenzen, 25% der Zuschauer erlebten den Schlußpfiff aber auch schon nicht mehr im Stadion.

Insgesamt eine ziemlich blutleere Veranstaltung des hsv, die wohl (in Kombination mit den drei Siegen vorher, die ja auch eher glücklich waren) den Meisten auch die Europapokal-Träume ausgetrieben haben dürfte.
Umgekehrt hat der VfB ziemlich gut gespielt, da dürfte uns im Pokal eine hohe Hürde erwarten.

Der Verein am Wochenende (42/2012)

Die U19 konnte in der A-Jugend-Bundesliga erneut gewinnen, mit 3-1 verließ man Cottbus siegreich. Nach einem frühen Rückstand (7.Min) drehten Kwasi Okyere Wriedt (17.) und Theodoros Ganitis (35.) das Spiel noch vor der Pause, Laurynas Kulikas (48.)stellte dann kurz nach der Pause den Endstand her. Tore wird es, wie immer, sicher in Kürze auf dfb-tv geben.
Platz 3 ist damit (hinter Wolfsburg und Werder) gefestigt, die nächsten Punkte könnte man dann am nächsten Sonntag um 11.00h in Chemnitz holen.

Die U17 in der B-Jugend-Bundesliga musste ebenfalls in Cottbus antreten, dort war Energie als Tabellenvierter allerdings Favorit. Um so schöner, dass die Jungs von Hansi Bargfrede sich beim 5:0 in einen Rausch spielten und sich somit erst mal etwas Luft im Abstiegskampf und gehörig Selbstvertrauen verschafften.
Am kommenden Samstag geht es um 13.00h in Norderstedt im Edmund-Plambeck-Stadion gegen die dortige Eintracht, die derzeit Tabellenletzter ist aber beispielsweise am ersten Spieltag dem hsv beim 2:3 einen ziemlich harten Kampf lieferte.

In der C-Jugend-Regionalliga verlor die U15 knapp mit 1:2 gegen den SV Werder, was weiterhin einen Platz nur knapp über dem Strich bedeutet.
Nächsten Samstag geht es um 15.00h am Brummerskamp gegen den Eimsbütteler TV.

Die 4.Herren gewann an der Feldstraße 2:0 gegen den SC Alsterbrüder II und liegt damit inzwischen auf Platz 4 der Kreisliga 7. Termintechnisch ungünstig gastieren die Jungs nächsten Sonntag (afst parallel zum Dresden-Heimspiel) um 15.00h bei SC Polonia Hamburg II.

Handball

Am Donnerstag spielte die 1.Herren in Ellerbek, was erneut reisefreudig begleitet wurde. Trotz Führung und teilweise deutlicher Überzahl wurde am Ende etwas unglücklich beim neuen Tabellenführer verloren, allerdings läuft aufgrund einiger Unklarheiten bzgl. der Überzahl noch ein Protest gegen die Spielwertung. Näheres u.a. im Abendblatt.
P.S. 23.Oktober: Launiger Spielbericht bei den 1.Herren selbst.

Die 2.Damen eilte bisher von Sieg zu Sieg und trat gestern gegen das ebenfalls verlustpunktfreie Ahrensburg an. Leider ging das Spiel am Ende 18:19 verloren, immerhin gibt es davon einige schöne Action-Fotos bei Stefan Grönveld.

Und sonst so…

Da wären noch ein Link:
Ein lesenswertes Interview mit Thomas Feltes in der ZEIT, in der er sich des Themas “Polizeigewalt” anhand eines konkreten Beispiels annimmt. Die Gegendarstellung von Herrn Wendt ist sicher nur eine Frage der Zeit.

Und ein Termin:
Am Freitag, dem 26.10. kommt es ab 20.00h im Fanladen zum nächsten “Zeckensalon“. Thema ist das allseits beliebte DFL-Sicherheitspapier, was dem geneigten Leser dieses Blogs bekannt sein sollte. Ansonsten fassen es die 11FREUNDE sehr gut zusammen. // Frodo

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34.Spieltag (H) – SC Paderborn

FC St.Pauli – SC Paderborn 5:0 (2:0)
Tore: 1:0 Lasse Sobiech (30.), 2:0 Max Kruse (36.), 3:0 Florian Bruns (60.), 4:0 Moritz Volz (65.), 5:0 Deniz Naki (90. +1)
Zuschauer: 24.487 (ausverkauft, ca. 2.400 Gästefans)

Ja, nee, is’ klar… genug Stoff für drei Berichte und ich fang schon um 21.45h an zu schreiben… fällt wohl unter “selbstgemachte Leiden”. Also, der Reihe nach, heute mit Kapitelüberschriften, damit ich selbst die Orientierung behalte. Und ich fange natürlich mit den weniger brisanten Themen an und arbeite mich langsam vor… oder wahlweise auch ab.

Verpasste Relegation / Sportliches (Spielbezogen)

Abgedroschene Phrase Nr.1, ich befürchte da folgen gleich noch einige, aber: Wir haben den Aufstieg nicht in diesem Spiel verspielt. Im Gegenteil, die eher geringe Wahrscheinlichkeit auf die Relegation schien dem Team den Druck zu nehmen, während Paderborn mit jedem Gegentor mehr zu begreifen schien, welche Chance sie da heute verpassten und immer mehr unter dem Druck zerbrach.
Wenn wir doch nur in den beiden Spielen gegen Aue, in Aachen, in Ingolstadt oder in Dresden auch so aufgetreten wären… aber die diversen WENNs führen eh zu nichts und passen vielleicht besser in einen eventuell noch zu verfassenden Saisonrückblick.

Und mal ernsthaft: Eine weitere Saison in Liga Zwo bedeutet ein weiteres Jahr ungefährdeter Derbysieger! (Es sei denn, wir kommen im DFB-Pokal in Runde zwei und… hahaha, okayokay, kleiner Spaß, ich hör schon auf, ab hier wäre es unrealistisch.)

Gegengeraden Choreo

Schön war sie, von der Gegengeraden selber aus auch sehr stimmungsvoll. Schwarze Tücher, Wunderkerzen, riesige Pappfiguren die zum Abschied ein bedröppeltes Gesich machen.
Leider sind die schwarzen Tücher auf den Fotos kaum zu sehen, aber im Kopf bleiben sie. Danke an die Alte Schule und Ostblock Sankt Pauli für die Mühe und Vorbereitung.
Großartige Panorama-Fotos davon gibt es beim MagischenFC und bei Stefan Groenveld.

Verabschiedung Deniz Naki & Carsten Rothenbach

Man möge mir verzeihen, dass ich Petar Sliskovic und Philipp Heerwagen in dieser Zwischenüberschrift verschweige, einzig Petar Filipovic hätte als Starstürmer unserer Zwoten da eventuell noch reingehört, kommt gegen die beiden aber eben nicht an. Daher an die Drei ein einfaches: Macht es gut und viel Glück bei Eurer nächsten Station.

So leicht kann man es sich bei den anderen beiden natürlich nicht machen. Aufgrund des Übersteiger-Verkaufs war ich bei Carsten Rothenbachs Verabschiedung noch an der Einlasskontrolle und der Ordner muss mir meinen verzweifelten Blick angesehen haben, so schnell hat der mich mit nem Beutel Münzgeld noch nie durchgewunken.
Zum Glück wurde Beiden dann ja nach dem Spiel noch genug Gelegenheit zum Verabschieden gegeben und ich bin ganz ehrlich: Einen Carsten Rothenbach zu verabschieden fällt mir genauso schwer wie es bei Lelle, Eger und Ralph Gunesch war, schließlich ist man mit Calle durch die ersten drei Ligen marschiert und er war es, der damals gegen Dynamo Dresden das Tor zum Zweitliga-Aufstieg schoß, sowas vergisst man natürlich nicht.
Nie wieder werden wir einen so zuverlässigen Typen da hinten drin stehen haben, der so souverän bei eigenem Ballbesitz mit dem Rücken zum Gegner einen Freistoß durch langsames nach vorne fallen herbeiführt, und dabei so angenehm ruhig und sympathisch ist, ohne sich ständig in den Medien wiederfinden zu müssen. Wie passend auch, das verschwitzte Unterziehshirt in die Massen zu schmeissen, nachdem das Trikot fein säuberlich ausgebreitet wurde, großartig!
Carsten, mach es gut, Du wirst mir fehlen, ich hoffe man sieht Dich in der nächsten Saison nochmal am Millerntor auf dem Platz, mit welchem Verein auch immer.
Und wenn es wirklich zu einem “Calle vs. Ralle”-Abschiedsspiel kommt, hoffe ich auf eine prall gefüllte Hütte, wo auch immer die dann sein mag.

Und Naki? Ganz andere Nummer, aber natürlich durch seine Art und insbesondere durch seine Fahnennummer in Rostock mit einem Geschichtseintrag in diesem Verein. Wo auch immer Dein Weg Dich hinführt, man nimmt Dir ab, dass Du den Verein weiter im Herzen tragen wirst, Danke für die Zeit bei uns! Zu den kolportierten Vertragsgesprächen und nicht erfolgten Angeboten beteilige ich mich mal nicht an Spekulationen, der geneigte Leser dieses Blogs mag sich aber ja vielleicht an ähnliche Vorgänge der Vergangenheit erinnern.
Und wehe, Deniz, Du wechselst zum FC Hansa! (Just kidding)

Nachtrag: Und durch meinen Aufenthalt an den Kontrollen während der Verabschiedung, hab ich glatt Charles Takyi vergessen… sorry, Sir, hätte nicht passieren dürfen. Ich hab immer viel von Dir gehalten und bis zuletzt hab ich drauf gehofft, dass Deine Zeit wieder kommt.
Wo auch immer Du nächste Saison spielen wirst, alles erdenklich Gute und schieß bitte gegen uns kein Tor…

Aux Armes

Oh, wir nähern uns den undankbareren Themen. USP stimmt bekanntlich bei JEDEM Spiel das “Aux Armes” an, ein festes Ritual, ebenso wie Hells Bells und Song2. Bereits in der Vergangenheit war öfters (immer?) schon zu Spielbeginn ein “Diffidati con noi” (Die Verbannten mit uns) angestimmt worden, teilweise auch kurz vor Spielbeginn, als Solidaritätszeichen mit denjenigen, die ein Stadionverbot haben und nicht im Block sein können.
Nun mag auch ein Großteil der Stadionbesucher am Millerntor gar nicht so genau wissen, wie schnell man ein Stadionverbot bekommt, geschweige denn, welche nun grade ausgesprochen wurden, aber es gab nun mal vor dem Spiel in Dresden hanebüchene Stadionverbote im Zusammenhang mit dem Schweinske-Cup, die diese Problematik nochmal besonders ins Bewusstsein (gerade auch von USP) gebracht haben, so dass sowohl in Dresden als auch gegen Paderborn “Diffidati” pünktlich zum Anpfiff, noch vor “Aux Armes” angestimmt wurde, eben jener Gesang mit den gekreuzten Handgelenken.
Wer nun als Außenstehender der Meinung ist, beim FC St.Pauli wäre sowas selbstredend für alle Stadiongänger okay, sah sich getäuscht, denn als ein paar Sekunden nach Anpfiff USP sich immer noch erdreistete. “mit sich selbst” beschäftigt zu sein, stimmte der südliche Teil der GG sowie der zur GG zeigende Bereich der Süd das eigene “Aux Armes” an, offenbar erbost darüber, das Heilige Ritual zerstört zu sehen.
Mag sein, dass es bei vielen wirklich einfach nur Unwissenheit ob der Geschehnisse war, zumal mit den Stadionverboten auch Fanmedial (aus sicher nachvollziehbaren Gründen) nicht sonderlich offensiv umgegangen wird, trotzdem zeigte es aus meiner Sicht leider erneut, wie verbohrt gerade auch die USP-Kritiker sind. Ständig wird USP für ihr “Dauerlalala” kritisiert und ist sowieso an allem Schuld, sobald USP aber mal von eben diesem “Gesang nach Vorschrift” abweicht, sieht man gleich wahlweise seine Chance es “denen” jetzt endlich mal zu zeigen oder erlebt subjektiv für sich wahlweise den Untergang des Abendlandes und muss dann eben sein eigenes “Aux armes” anstimmen. So wie in einigen Gegenden eben um Punkt 12.00h das Essen auf dem Tisch zu stehen hat. Darüber hat man sich dann so sehr gefreut, dass man das eigentliche “Aux Armes” von USP (welches eben mit der Verzögerung von einer Minute noch kam) dann auch noch geflissentlich ignorierte bzw. (auch mit ein bißchen Pech) dieses durch einen anderen, eigenen Gesang auch kaum zu vernehmen war. Dumm gelaufen, teilweise, die vorhandenen Gräben werden so aber sicher nicht kleiner, und das lag in dieser Situation erneut nicht an USP.
(Da schreibe ich jetzt schon meterweise über einen nicht geglückten Wechselgesang… da können wir ja sonst keine großen Probleme habe, wa? Denkste…)

Kleine Diebe, fehlender Verhältnismäßigkeit

Nachdem sich Calle und Naki verabschiedet hatten und Naki inzwischen vor der Süd mit Mikro seine bewegenden und authentisch klingenden Abschiedsworte sprach, sprintete plötzlich (edit) ein Junge namens Paul über den Rasen, griff sich die von den Beiden liegengelassenen Trikots und lief wieder zurück, durchaus begleitet von wohlmeinendem Schmunzeln vieler Gegengeraden-Besucher.
An der Mittellinie aber wurde er von einem Ordner gestoppt und recht harsch von den beiden Trikots getrennt, was völlig zurecht mehrere Pöbeleien und kürzere Pfeifkonzerte von der Gegengeraden verursachte. Besonders blöd und unglücklich, weil dies auch Deniz Naki in seiner Ansprache sichtlich irritierte und im Zweifel die Süd dachte, jetzt pfeift die GG auch noch den Naki aus… war natürlich nicht auf ihn bezogen.
Liebe Ordner, (und insbesondere lieber Fiete, der da auch in der Nähe war,) da kann man doch auch mal Fünfe grade sein lassen und den Jungen an diesem emotionalen Tag mit den beiden Trikots abhauen lassen, vielleicht mit einem verschmitzten “Dududu”-Finger und gut is’.
So aber war es ein weiterer Unmutspunkt an diesem Tag, leider nicht der Letzte.

Sitzschalen

Langsam wird es heikel. Der Verein hatte (aufmerksame ÜS-Twitter-Leser wurden darüber informiert) am Donnerstag bekannt gegeben, dass nach dem Spiel die Sitzschalen abmontiert und gegen den kultigen Vereinsstandard-Preis von 19,10€ dann zuhause entsorgt werden können.
Problem: Wir haben nur gut 1.700 Follower auf Twitter und von denen waren die Allermeisten wahrscheinlich nicht im Stadion, geschweige denn im GG-Sitzplatzbereich. Und auch sonst dürften geschätzte 80% der GG-Sitzler von der Bezahlpflicht nichts mitbekommen haben, weil Vereins-HP lesen eben immer noch keine Voraussetzung für den Stadionbesuch ist.
Als der Block 1 dann kurz nach Abpfiff gesammelt die roten Plastikteile in die Luft reckte, entwickelte sich der übliche Gruppenzwang und fast alle hatten plötzlich das Ding in der Hand. Wie gesagt, die Meisten in dem guten Glauben, dem Verein nen Gefallen zu tun und das Schrottding selber zu entsorgen, damit der Verein das nicht machen muss.
Am Ausgang dann für viele das böse Erwachen, denn (wie zwar ebenfalls vorher angekündigt, aber eben nicht wirklich bekannt) war auch nur der eine Ausgang zur Süd für den Verkauf geöffnet, was natürlich in dem eh schon dichten Gedränge unter der GG zu noch mehr genervtem Hin und Her führte.
Überforderte Ordner / Kassierer holten dann in Anbetracht des steigenden Unmuts zur Rettungskeule aus und sagten, alles ginge an Fanräume e.V., was eben nicht der Wahrheit entsprach und auch nicht mit Fanräume selbst abgesprochen war, was dann im Nachhinein (völlig zurecht) die nächste Welle der Entrüstung verursachte.
Bei Publikative.org ist auch noch ein unschöner Vorfall aufgeführt und das Ganze in den Gesamtkontext einer ganz peinlichen Nummer eingebettet. Der Verein hat immerhin heute Nachmittag dann noch eine Stellungnahme veröffentlicht und will sich mit Fanräume e.V. über die weitere Verwendung der Gelder unterhalten, es bleibt mal wieder mindestens eine mehr als unglückliche Kommunikation und Außendarstellung.

Dann kam noch zusätzlich das Gerücht auf, Thorsten Vierkant hätte versucht, die Kamerateams dazu zu bringen, die “Sitzschalenausreißer” (wär das nicht ein gutes neues T-Shirt?) aus Beweisgründen zu filmen… wäre dann tatsächlich völliger Blödsinn, schließlich war das Rausreißen ansich ja nicht verboten, man sollte eben nur später beim Rausgehen auch bezahlen, das wäre auf den Fotos/Videos ja aber gar nicht vereinbar gewesen.
Die wahrscheinlichere Variante, die wir hier im Zweifel für den Angeklagten auch mal so als gegeben ansehen ist die, dass sich seine Gesten darauf bezogen, die Fläche auf dem Rasen und vor der Tribüne von Kamerateams und den sky-Aufbauten zu befreien, da das “Erinnerungsfoto” der Gegengeraden geschossen werden sollte und die einfach im Weg standen.

Fazit der Nummer: Beschissen kommuniziert (wenn es denn durchgesagt wurde, rächte sich mal wieder die bescheidene Sprecheranlage auf der GG, hoffentlich dann zum Letzten Mal) und auch viel zu teuer angesetzt. Einen symbolischen Fünfer für Fanräume hätten sicher fast alle entrichtet, wäre aber wahrscheinlich dann den Aufwand für den Verein nicht wert gewesen. Aber hier mal wieder aus Scheiße Geld machen zu wollen, auf Kosten der Fans, ist einfach nur eine peinliche Nummer, denn wer so einen Sitz mal aus der Nähe gesehen hat, würde dafür auf dem Flohmarkt keine 50cent mehr ausgeben.
Und die 19,10€ Nummer ist langsam dann auch mal totgeritten. Wenn man sie dann aber schon zieht, sollte zumindest auch gewechselt werden können. Der ÜS ist mit seinem Preis von 1,60€ natürlich auch gerne bereit, 2,-€ zu kassieren und erhält dies von vielen auch, allerdings bieten wir das Wechselgeld zumindest immer an.

(Nachtrag, 08.Mai, Abends: Fanräume hat auf das Geld verzichtet, der Verein gibt es jetzt immerhin an das Repressionskonto.)

Schubert

Juhu, 23.30h und “schon” beim eigentlichen Aufreger des Tages angekommen. Seit Freitag war es für die Hamburger Medien ausgemachte Sache, dass Andre Schubert nach dem Paderborn-Spiel gehen muss, aufgemacht in der BILD und im Abendblatt.
Am Sonntag nach dem Spiel (die meisten waren noch nicht mal zuhause) vermeldete dann die Sport-Bild, dass die Trennung fix sei. Jenes Blatt also, welches auch bei der Schweinske-Cup Berichterstattung den Begriff “Journalismus” von allen am meisten mit Füßen getreten hatte.
Im Einzelnen mögen da durchaus sympathische Menschen arbeiten, im Ganzen hat das Blatt damit gleich zweimal dafür gesorgt, dass man im Bereich der Fanszene des FC St.Pauli wohl nicht mit steigendem Abverkauf rechnen muss. Bei der BILD hört man ja oft dieses “Aber der Sportteil…”-Scheinargument, das kann dann bei der Tochter wohl auch kaum noch gelten. (Die “Mutter” hat im Sportbereich allerdings auch kein Glück, denn nachdem Robbens “ganz sicherer” Abgang durch dessen Vertragsverlängerung entgegen der gebildeten Meinung torpediert wurde, lag man nun auch mit seinen Insiderinfos über Löws Kadernominierung daneben.)

Heute war dann bei fast allen Medien nicht einmal mehr vom Konjunktiv zu lesen (als positive Ausnahme sei mal das Sport-Mikrofon erwähnt), sondern die Trennung stand fest. Als dann auch noch für 14.00h eine Pressekonferenz angesetzt wurde, bei der im Einladungstext nur von Stefan Orth und Helmut Schulte auf dem Podium zu lesen war, war eh alles klar, auch im Forum wurde nur noch über den Namen des Nachfolgers spekuliert.
Da wir selber über Twitter ja auch “Nachrichten verbreiten“, klopfen wir uns jetzt einfach mal selbst auf die Schulter, dass wir der Versuchung nicht nachgaben und uns brav zurückhielten, bis wir dann um 13.07h das reuige Dementi der Sport-Bild vermelden konnten und ich mich mit einem leichten Schmunzeln zur Pressekonferenz bewegte. Sollte der Verein tatsächlich dem Boulevard den fest durchgestreckten Fuckfinger zeigen?

Ja, sollte er… neben Stefan Orth, Bernd-Georg Spieß und Jens Duve saß neben Pressesprecher Christian Bönig doch auch der “Ex-Entlassene”Andre Schubert auf dem Podium.
Einzelheiten und Zitate entnehmt Ihr gerne der Pressemitteilung des Vereins, Fragen bleiben natürlich trotzdem offen.

Bei aller berechtigten Häme über die Medien, die diese auch gerne mal aushalten dürfen: Glaubt wirklich irgendjemand, dass die sich das völlig aus den Fingern gesogen haben? Ohne, dass es da jemanden aus dem Verein gab, der dafür auch Gründe lieferte?
Wohl kaum.

Die Gerüchte über die vielzitierten “atmosphärischen Störungen” konnte man schon nach wenigen Trainingseinheiten im Sommer 2011 vernehmen, die am Freitag aufgetischten Geschichten waren ausnahmslos olle Kamellen, die längst offene Geheimnisse aber eben auch alle geklärt waren (siehe auch Rouwen Hennings Stellungnahme).
Wenn gewollt, hätte das schon im Herbst, Winter oder Frühjahr ein “dicker” Aufmacher mit aktuellerem Bezug sein können, warum wird das wenige Tage vor dem letzten Spiel lanciert? Wohl kaum weil die Presse Langeweile hat.
Mindestens eine Person muss der Sport-Bild ja die Trennung zumindest unter der Hand bestätigt haben, ebenso wie irgendjemand die Artikel für Freitag befüttert haben wird und ausnahmsweise glaube ich hier mal nicht an den Sportdirektor als Bösen Mann.

Bleibt zu hoffen, dass das gesamte Präsidium sich besagte Artikel nochmal genau anschaut und es gelingt, den Frieden im Verein dann wieder herzustellen.

Zur Person Schubert mal mein ganz subjektiver Eindruck:
Man muss nicht jede seiner sportlichen Entscheidungen verstehen oder richtig finden, dies wird bei einem so emotionalen und eben auch vielseitigem Sport wie Fußball nie gelingen. Doch rein sportlich hat ihm weder aus der Mannschaft noch aus dem restlichen Verein bisher irgendjemand etwas vorgeworfen, die Mannschaft dreht Rückstände und kann auch durchaus Fußball spielen.
Kritikpunkte wie mangelhafte Heranführung/Aufbau von jüngeren Spielern gibt es in diesem Verein seit ich ihm folge und da wäre mir ein Jahr Zeit zu früh für ein Fazit. Wer sich das Interview mit Jan-Moritz Lichte im aktuellen Übersteiger durchliest, merkt schnell, wieviel Fußballsachverstand dort (bei beiden) vorhanden ist.
Ich bin nicht der große Fußballtaktiker (20 Jahre im Tor stumpfen da etwas ab), aber mal ein ganz profanes Beispiel: Das Zurückziehen bei gegnerischen Freistößen von der Mittellinie oder knapp in unserer Hälfte bis an den Fünfmeterraum sorgt immer wieder für großes Staunen, sehe ich so auch bei keiner anderen Mannschaft. Wenn man aber das entsprechende Personal dafür hat, funktioniert es wunderbar, diese Saison ist es eigentlich nur beim 2:1 für Aue in der Nachspielzeit in die Hose gegangen. Da haben wir in den vergangenen Jahren deutlich mehr dumme Treffer nach solchen Situationen kassiert. Neue Ideen, neue Wege… diese brauchen vielleicht (bei etwas komplexeren Zusammenhängen als so einem Freistoß) auch einfach einen längeren Reifeprozess.
Das Sportliche ist nun aber eben in einem Verein wie dem FC St.Pauli nur die halbe Miete, gerade auch für den Übersteiger. Nur hat Schubert in den vergangenen Monaten sich schon merklich verändert, auch aus der Mannschaft kamen in den letzten Wochen immer wieder völlig unaufgefordert sehr positive Stimmen zu Schubert, obwohl gar nicht nach ihm gefragt wurde. Da ist er also offenbar auf einem guten Weg.
Ich hoffe, dass er aus dieser Nummer gestärkt hervorgeht und wir in der neuen Saison dann sehen, dass es mit ihm und der Mannschaft wirklich stimmt.

Und sonst so…

Der Rest war Jubel und Derbysieg!
Beim Handball platzte Am Samstag Abend eine ausverkaufte Halle an der Budapester Straße aus allen Nähten, als die 1.Handball-Herren durch ein großartiges 29:24 gegen den hsv II am letzten Spieltag die Abstiegsränge doch noch verlassen konnte. Insgesamt kann man wirklich nur jedem empfehlen, da nächste Saison regelmäßiger vorbeizuschauen Mich erinnert dort die gesamte Atmosphäre stark an die Spiele der Amateure Anfang/Mitte der 90er und das Feiern mit dem Team kommt beiderseitig von Herzen.
Wie knapp es war, zeigt auch ein Blick auf die Tabelle. Die letzten Drei steigen ab, die Plätze 9, 10 und 11 haben allesamt das letzte Spiel gewonnen und so den jetzigen 12. noch überholt. Bei Punktgleichheit zählt dort der direkte Vergleich.
Und mal unter uns: Klassenerhalt durch einen Derbysieg am letzten Spieltag… kann es schönere Geschichten geben?

Außerdem noch ein Glückwunsch an die 1. und 2.Damen, die jeweils die Aufstiegsrelegation für sich entschieden.
Besonderen Aufwand betrieb dabei die 2.Damen, die um 12.00h das erste Spiel gewann, dann schnell ans Millerntor fuhr, um die erste Halbzeit zu sehen und dann nach der hektischen Rückfahrt um 16.00h auch das zweite Spiel noch für sich entschied, Glückwunsch!

Fußball – Junioren Bundesliga

Die A-Jugend hat eine Woche nach der bitteren Pleite bei Hertha Zehlendorf drei ganz wichtige Punkte eingesackt, nach dem 4:1 beim VfL Oldenburg zwei Spieltage vor Schluß nun vier Punkte überm Strich und könnte am Sonntag durch einen Heimsieg gegen Erfurt den Klassenerhalt sichern.
Die B-Jugend hingegen hat ebenfalls einen wichtigen Derbysieg errungen und nach dem 2:0 gegen den hsv nun drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Dank der Tordifferenz würde auch hier ein Heimsieg (gg Dynamo Dresden) den Klassenerhalt vorzeitig sichern. // Frodo

P.S. Nummer 1: Wichtiges, Richtiges zum Sitzschalen-Desaster aus dem St.Pauli-Forum
P.S. Nummer 2: Infos von der Stadionbau AG zur neuen Gegengerade (PDF)

Links:
Foto Stefan Groenveld “Danke”
Fotos Stefan Groenveld “Tschüss”
Fotos USP

Fotos Aux Armes weiter

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