Das Derby! Oder: Jeder blamiert sich so gut er kann

Man weiß gar nicht, ob man lachen oder weinen soll. Da bereitet sich eine ganze Stadt wochenlang auf so ein Ereignis wie ein Stadtderby in der ersten Liga vor, was in London zwar Alltag, in Deutschland aber eben absolute Ausnahme ist.

  • Public Viewing wird
    • angefragt
    • genehmigt und
    • organisiert
  • Eintrittskartenverkauf wird abgewickelt
  • Zeitungen bauen Artikelserien über mehrere Ausgaben
  • Auswärtige (Schottland, Schweiz, so ziemlich alle Bundesländer Deutschlands) reisen größtenteils schon am Tag zuvor an
  • Ein Marsch vom Millerntor zum/zur Volkspark, AOL-, HSH-Nordbank-, Imtech-Arena wird organisiert
  •  etc. usw. usf.

Und dann fällt das alles (Achtung, Kalauer) ins Wasser. Nicht aber, weil es (zur totalen Überraschung aller) mal in Hamburg an ein paar aufeinanderfolgenden Tagen nieselt, sondern weil der Verein vom Stadtrand es nicht hinbekam, den Rasen rechtzeitig zu verlegen!
Keine Frage, das Geläuf sah extremst scheiße aus und ein Austausch war durchaus vertretbar. Aber bitte: Das letzte Heimspiel war am Freitag Abend vor inzwischen 16 Tagen gegen die Frankfurter Eintracht… warum also wartet man danach eineinhalb Wochen, bevor man mit dem Rasentausch beginnt? Das will mir nicht in den Kopf und ist absoluter Dilettantismus pur. Klar, der muss erst mal bestellt und dann aus den Niederlanden geliefert werden. Aber musste dafür wirklich das Frankfurt-Spiel abgewartet werden? Das war schon weit vor dem Spiel absehbar, dass auf dem Acker kein Zauberfußball zelebriert werden würde, da muss man doch nicht noch ewig mit der Bestellung warten? Vollpfosten, unfassbar.

Die Situation gestern Abend war jedenfalls schon sehr skuril: Ich tauschte gerade noch SMS mit einem Spieler, um mit ihm die Denkmal-Möglichkeiten für den zu erwartenden Sieg zu skizzieren, als auf sky in der Übertragung des Spiels Gladbach – Stuttgart plötzlich ein Laufband mit “Hamburger Derby abgesagt!” durchlief. Aus dem SMS-Tausch wurde schnell ein Telefonat und es begann mit den Worten, mit denen ich auch die folgenden ca. fünf Anrufe in den nächsten zwanzig Minuten anstelle einer Namensnennung oder einem “Hallo?” beginnen sollte: “Ja, es stimmt, unfassbar…”. Die vielfältigen Sonntagsplanungen waren damit über den Haufen geworfen, und ein extrem dicker Hals bahnte sich seinen Weg.

An dem, was dann nachts folgen sollte, mag die Absage ihren Anteil gehabt haben, muss aber nicht. Zur Erinnerung: CFHH hatte zum Warm-Up Bier auf den Hans-Albers-Platz geladen, Samstag Abend um 21.00h. Ob die da friedlich ihr Bierchen getrunken hätten, wenn es bis dahin keine Absage gegeben hätte? Nicht auszuschließen, aber auch egal. So jedenfalls kam was kommen musste, irgendwann nämlich ein Angriff auf das glücklicherweise gut besuchte Jolly Roger. (Und vielleicht lernen die Medien ja irgendwann auch noch, dass es nicht “Jolly Rogers” heisst.) Und bevor dies in Verlinkung von “Wer hat den Längsten!”-Berichten a la “Wir sind mit vier Leuten (darunter meine Mama und mein 3 Monate alter Säugling!) auf die 846 mit Äxten bewaffneten Mutanten gestürmt und haben uns lange gut gehalten, bis die sich dann nur noch mit dem Werfen von Molotow-Cocktails helfen konnten und wir uns auf Unentschieden einigten!” endet, oder in solch einem schwachsinnigem Scheiß wie dem Abendblatt, welches durch simples Weglassen die Verursacherfrage umdrehte, verlinke ich einfach mal direkt das Böse, die Polizei. Denn es dürfte wohl keiner ernsthaft behaupten, dass diese unter einem Bürgermeister Ahlhaus (noch!) uns auch nur einen Deut besser darstellt, als unbedingt nötig: Bitteschön, dürfe wohl für lange Zeit auch die letzte Verlinkung dorthin sein.

Bevor wir eine Sammlung der Häme starten, noch schnell ein paar Gedanken zum neuen Termin: Ich schließe mich hier der Theorie der Mopo an, die diese Woche wg. dem Länderspiel ausschließt, die Folgewoche (in der Champions- und Europa-League, bekanntlich ohne Gesamt-Hamburger-Beteiligung, stattfindet) hingegen mehr als wahrscheinlich scheint. Die DFL wird zur Reparatur der Tabelle auf eine schnelle Wiederholung drängen, beide Clubs spielen an den nächsten beiden Wochenenden jeweils Samstags und haben dementsprechend dazwischen gleiche Vorbereitungs- und Regenerationsphasen, würde also bestens passen, sowohl für Dienstag als auch für Mittwoch Abend. (Mir ist vorher noch nie so präsent gewesen, dass in Regeneration das Wort Regen versteckt ist… verrückte Welt!) Wie ein Abendspiel in das Konzept der Polizei passt, ob es auch da ein Public Viewing geben wird, wie die Anreise per Marsch organisiert wird… all dies wird man sehen. Um auch gleich mal das Unwort des letzten Jahres hier einzubinden: Ein “In-der-Woche”-Termin dürfte jedenfalls “alternativlos” sein.
Jedenfalls hat der hsv es geschafft, sich nach der Posse um Mathias Sammer, der Charakterdiskussion der letzten Monate und dem Fax-Desaster um Choupo-Mouting (wofür ja eher sein Berater/Vater was kann, aber passt eben in die Außendarstellung so wunderbar, da ohne das ewige Zaudern des hsv die Sache schon Tage vorher gesichert gewesen wäre) jetzt erneut vor der Öffentlichkeit komplett zum Löffel zu machen.
(Nachtrag, 16.36h: Der BallKult Vorstand hat eine Stellungnahme veröffentlicht: Klick)

Wir starten jetzt hier also die Sammlung der Häme, Ihr seid in den Kommentaren gerne dazu aufgerufen, sie zu ergänzen und zu vervollständigen:

Und zu guter Letzt:

In diesem Sinne, Hamburg ist Braun-Weiß und nass, der hsv ist ein Club der sich  so gut blamiert wie eben machbar. Schönen Sonntag, genießt den 3sat Thementag oder einfach den freien Sonntag. // Frodo

P.S. Und in diesen Sekunden hätte Fabian Boll eigentlich grade das 1:0 schießen sollen…

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