6.Spieltag (A) – Eintracht Braunschweig

Eintracht Braunschweig – FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Dennis Kruppke (65.)
Zuschauer: 23.510 (ausverkauft, ca. 2.500 St.Paulianer)

Ich weiß jetzt wieder, warum ich “Die Leiden des jungen Bibers” seinerzeit eingestampft bzw. nicht weiter fortgeführt hatte. Es sind diese doofen Auswärtsspiele, bei denen die Hin- und Rückfahrt zwar dank der Mitfahrer äußerst angenehm und mit interessanten Gesprächen verläuft, aber auch mangels Besonderheiten (Busfahrer mit “lustigen” Durchsagen oder “ausgefallenem” Musikgeschmack, Bahnstreik, Begegnung mit anderen Fangruppen am Bahnhof, Autobahnvollsperrung, Entführung durch Außerirdische oder irgendwelche Sonderzugbesonderheiten) absolut unspektakulär ist und das Spiel eigentlich ebenfalls so vor sich hin plätschert und sicher 0-0 endet. Was soll man da schon groß zu schreiben?

Den wahrscheinlich größten Aufreger, jenes mysteriöse Ackermatch am Uelzener Bahnhof verpassten wir, da wir “erst” um 07.57h mit dem Niedersachsen-Ticket losfuhren, so dass wir schon um kurz nach elf im idyllischen Braunschweig waren. Wer die amüsanten reisserischen Berichte einer Hamburger Boulevardzeitung verfolgt hat, dürfte spannende Bilde von einem derben 200 gegen 50 Schlachtfest im Kopf haben… War wohl eher ein Zehntel der ersten Zahl auf unserer Seite gegen ein Fünftel der zweiten Zahl auf Magdeburger Seite, zumindest wenn man die eher amüsiert/gelangweilt zuschauenden abzieht, wie mir andere Frühausteher berichteten. Den größten Spaß besorgte aber ja eh besagtes Boulevardblatt mit folgender Formulierung “Die Fangruppen gaben nach den Auseinandersetzungen bekannt, dass ohne das Eingreifen der Polizei noch massivere Ausschreitungen geplant waren.” Tja… da standen sie dann wohl, die Rädelsführer der beiden Gruppen, nachdem die Polizei sie gewaltsam auseinandergebracht hatte und sprachen deprimiert ob der verpassten Eskalation in die Mikrofone. Oder haben die sogar eine Pressemitteilung verfasst? Oder stammt diese Info gar von der Bundespolizei selbst, weil einer der Streithähne enttäuscht ein “Och Menno, wenn Ihr nicht gewesen wärt, dann wäre es hier so richtig abgegangen, Digga, ich schwör!” von sich gab? Würd ich gern mal wissen, mir fehlt aber die Zeit das auf ultras.ws gewissenhaft zu recherchieren.
Andererseits gab es noch ein weiteres bemerkenswertes Zitat: “Bisher ist noch unklar, wo die Gruppen unbemerkt von der Polizei in die Züge eingestiegen sind.” Wahnsinn, diese Ultras… 200 USPler, in kleinen Gruppe, ohne Gesänge… und getreu dem Motto “Jeder nur ein Kreuz!” haben sie sich brav mit PKWs vorher aufgemacht, um sich gleichmäßig auf die Milchkannen zu verteilen, an denen der Zug zwischen Hamburg und Uelzen so hält.
Da es sich hier kaum um ein Reporterzitat handeln dürfte, sondern eher um einen Satz der so oder ähnlich von der Polizei gekommen sein muss, wäre das doch mal eine willkommene Gelegenheit über Sinn und Zweck von Zivis nachzudenken… wenn die es nicht mal schaffen, 200 brandschatzende Terroristen am zerstören des Uelzener Hundertwasser-Bahnhofs zu hindern, weil sie einfach nicht mitbekommen, dass die (und mit welchem) Zug fahren!
Als wir ankamen, war jedenfalls schon alles vorbei.

Ich find ja Hannover schon ausgesprochen häßlich, aber wer bitte wohnt denn freiwillig in Braunschweig? Aus Hannover kommt man wenigstens noch schnell weg (Danke an Christian für den Hinweis). Den Gefängnistransport per Gäste-Shuttle ersparten wir uns zumindest auf dem Weg zum Stadion und fuhren nach einem verspäteten Frühstück mit der Straßenbahn zum Stadion.

Die Gästekurve hat durch das Dach natürlich deutlich gegenüber früher gewonnen, trotzdem leidet das Stadion (und insbesondere die Heimkurve) natürlich unter der Laufbahn. So konnte man von uns aus recht regelmäßig Anfeuerung der Heimkurve (und ab und an auch der Gegengeraden) optisch ausmachen, zu hören war jedoch über 90 Minuten nichts… und auch wenn wir permanent laut waren, dürfte es umgekehrt genauso gewesen sein. Support bei uns war acuh ganz gut, Hit des Tages war das “Wir hol’n die Meisterschaft – Und schießen Rostock ab…”-Lied, welches es mir schon in Bochum angetan hatte, feine Sache.

Das Spiel war okay und endet normalerweise unentschieden, wobei die Braunschweiger in Anbetracht der Chancen den Sieg selbstverständlich deutlich mehr verdient hatten als wir. Tschauners Fehlgriff sei ihm gestattet, passiert anderen auch. Und ob man uns da jetzt den ein oder anderen Elfer geben muss oder nicht, schau ich mir nochmal im Fernsehen an, ist aber schlußendlich auch egal. (Nachtrag: Über den Handelfmeter kann man zumindest diskutieren.)

Die sieben Teams, die da jetzt oben stehen, werden sicher den Aufstieg unter sich aus machen, wobei bei Braunschweig sicher momentan immer noch die Aufstiegseuphorie mit punktet, andererseits hat ein guter Start schon anderen Teams zu unerwarteten Platzierungen verholfen. Für Duisburg und Bochum scheint der Weg schon jetzt sehr weit zu werden.

Die Rückfahrt ließ mich das Ergebnis unserer Zweiten gegen Magdeburg hören (0-2) und dann aus Zeitgründen in Hannover in den ICE umsteigen.

Solche Spieltage braucht kein Mensch, dafür kann man sich jetzt zwei Wochen an den Tabellen der ersten beiden Ligen erfreuen. Und nächstes Wochenende sehe ich dann tatsächlich mein erstes St.Pauli-Spiel im Ausland, wenn ich wegen einer Hochzeit in Zürich weile und die Jungs beim FC Winterthur antreten. Da gibt es dann sicher auch wieder mehr zu berichten. // Frodo

Und sonst so:

– Gleich zwei Lesetipps im heutigen Abendblatt:
Erstens ist unser Lieblingskolumnist Thees da heute auf ner ganzen Seite zu bewundern und es liest sich sehr gut… nicht nur, weil er uns so lieb grüßt.
Zum zweiten gibt es einen Artikel über das “Thinghaus” in Grevesmühlen. So kurz vor der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern absolut lesenswert. Bei der Gelegenheit dann einfach nochmal der sowieso ständig zu empfehlene Link zum NPD-Blog.

– Save the Date – 17.September – Old Firm an der Waidmannstraße!
Weitere Infos folgen sicher noch.

– Scheiß Wochenende
Die Profis verlieren 0:1 in Braunschweig, die II. 0:2 gegen Magdeburg, die A-Jugend gar 0:4 gegen den hsv (mit drei Toren und einem Assist eines Spielers, der letzte Saison noch für uns kickkte), die B-Jugend verliert 1:0 in Osnabrück. Da kann man fast froh sein, dass die C-Jugend spielfrei hatte.
Und da kann es dann auch niemanden mehr wundern, dass unsere Handball-Männer trotz großartigem Kampf im DHB-Pokal in der 1.Runde mit 28:29 beim Ludwigsfelder HC ausschieden. Trotzdem Gratulation, Jungs, auf eine tolle Saison! Und wer da diese Saison ab und zu mal vorbei schauen will, dem sei dann schon mal dieser Samstag empfohlen, da kann man sich ab 14.15h in der Halle an der Budapester Straße aufhalten und am Abend dann das erste Oberliga-Spiel gegen Bad Schwartau II sehen.

– hsv
Ja, geht momentan ja nicht anders, man kommt nicht drum rum über den putzigen Dino aus Stellingen zu reden. Neben dem ohnehin schon großartigen Spielverlauf des Samstags erfreute mich dann auch die Nachberichterstattung.
In der Sportschau redete sich Steffen Simon dann mal so richtig schön in Rage und lederte gegen Jarolim. Es fing mit einem “Jarolim… den kann man ja auch umpusten!” an und steigerte sich über ein “Man sieht was er denkt: Will mich denn keiner berühren? Dann streck ich halt mein Bein raus!” bis hin zu einem erstaunten “Jarolim… und hier fällt er mal NICHT!“.
Im Abendblatt stand dann heute, dass Oenning nicht sonderlich viel Rückendeckung im Fanlager hätte. Stimmt so natürlich überhaupt nicht, zumindest bei uns und im Fanlager des SV Werder ist der Mann absolut beliebt! Würde mich nicht wundern, wenn der in zwei Wochen im Weserstadion mit Standing Ovations begrüßt wird.
Zum Abschluß (weil es so schön passt) dann noch der Comic der Woche unseres Comicgotts Guido Schröter. (Unten weiter klicken…)

– Lesung
Unser Redaktionsmitglied Markus Flohr liest am nächsten Dienstag aus seinem Buch “Wo Samstag immer Sonntag ist” über seine Zeit als Student in Israel.

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4 Kommentare zu 6.Spieltag (A) – Eintracht Braunschweig

  1. janni sagt:

    Zur Situation in Uelzen ist der Link unten ganz hilfreich. Die Ausgangsthesen stammen tatsächlich von der Bundespolizei – das Zentralorgan der Hamburger Kleinbürger hat das Rad wie gewohnt ein wenig weiter gedreht…

    Lustig finde ich, dass die Bundespolizisten scheinbar wirklich davon ausgehen, Auswärtsfahrern genüge eine Zeitspanne von 20 min zwischen der Ankunft am jeweiligen Hauptbahnhof (HH/BS) und dem Anpfiff des Spiels: “Denn auch die Hamburger Fans auf dem Weg nach Braunschweig hätten ursprünglich erst um 09:56 Uhr im Hamburg Hauptbahnhof abfahren sollen. Noch ist unklar, wo die Gruppen in die Züge eingestiegen sind. ”

    Die haben aber Ihre Hausaufgaben gemacht. 🙂

    http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/70255/2102477/bpol-hb-auseinandersetzungen-von-fussballfans-im-bahnhof-uelzen

    • Frodo sagt:

      Danke. Ja, da fragt man sich wirklich wie realitätsnah dort noch gearbeitet wird.
      Mit dem genannten Zug wäre man um kurz vor eins in Braunschweig, da wäre es selbst mit dem Viehtransporter eng geworden bis zum Anpfiff, von den Einlasskontrollen ganz zu schweigen.

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