Und sonst so… (XVII)

Kleine Ansammlung von Lesenswertem zwischendurch, hatte ich ja auch lange nicht mehr:

Erinnern
Heute vor dreißig Jahren fand ein Pokalspiel zwischen dem hsv und dem SV Werder statt, bei dem (bzw. vor dem) der Bremer Fan Adrian Maleika getötet wurde.
Unvergessen, weil es einen doch immer wieder daran erinnert, wie unwichtig der Fußball doch eigentlich ist.
Hintergründe inklusive einer ca. achtminütigen Reportage aus August 2012 gibt es beim NDR, beide Vereine erinnern auch auf ihrer Homepage an diesen Tag.

DFL-Sicherheitspapier
Das Papier an sich dürfte sich inzwischen herumgesprochen haben, nun mehren sich die “Widerreden”. Eine Sammlung an Links, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

Zunächst mal zur Ausgangslage:
– Dinge die da sind – “Non established
– Magischer FC – “DFL contra Rechtsstaat
– Basch – Vorwort #19
– Lichterkarussell – “Nix Sicherheit – it’s Vermarktung, stupid!
– Publikative.org – “Sicherheitsleak: das DFL-Papier “Sicheres Stadionerlebnis

Und nun die Dokumente von diesen sogenannten “Fans”, die doch tatsächlich meinen, sich dem heiligen DFB/DFL widersetzen zu wollen (in chronological order):
BreitSeite (pdf)
Last Minute Sankt Pauli (pdf)
OSTBLOCK Sankt Pauli
Desorganisierte Sankt Pauli
Fanclub Die Spinner (Forum)

Nachtrag, 18.Oktober, 19.10h:
Bereits gestern hatte es der 1.FC Union Berlin vorgemacht, heute zog der FC St.Pauli nach und distanzierte sich von diesem Papier. Gleichzeitig beendete Dr.Stenger seine Mitarbeit in der “Kommission Sicherheit”.
Die Distanzierung erfolgt zwischen den Zeilen deutlich lediglich aufgrund des Drucks der “relevanten Vereins- und Fangremien“, zumindest besagten Druck kann ich auch durchaus bestätigen, damit fehlt dann eben auch etwas die Macht der Überzeugung, wie sie Union vermittelt.
Aber ich will nicht meckern, immerhin ist überhaupt etwas passiert… und weil ich nicht meckern will, verweise ich dazu gerne auf den sehr guten Kommentar bei “Und ich war jung!”

Nachtrag, 19.10h, 14.00h
Und jetzt gibt es auch eine “offizielle” Antwort auf diese Stellungnahme, und zwar vom Ständigen Fanausschuß, zum dem auch die ÜS-Redaktion gehört und den wir daher hier gerne veröffentlichen:

Stellungnahme
Am 17.10. fand auf Einladung des Präsidiums ein Gespräch über den von der DFL unter dem Titel “sicheres Stadionerlebnis” vorgelegten Maßnahmenkatalog statt. Vertreter des Ständigen Fanausschusses waren hierzu zunächst nicht eingeladen, dies erfolgte nachträglich nach Intervention von Fanladen, Aufsichtsrat und AFM.
Bei diesem Gespräch haben mit Ausnahme von Präsidium und Geschäftsführung alle Beteiligten ihre klare Ablehnung des DFL-Papiers zum Ausdruck gebracht. Diese erfolgt jedoch keineswegs aufgrund mangelnder empirischer Daten über Gewalt im Fußball, wie die Stellungnahme des Präsidiums glauben machen kann, sondern aus grundsätzlichen Erwägungen. Die geplanten Maßnahmen der DFL sind für uns nichts anderes als eine Kriegserklärung an alle organisierten Fans in den deutschen Fußballstadien. Dieser Meinung sind auch die offiziellen Fanclubs des FC St. Pauli, die sich auf ihrer jährlichen Delegiertenversammlung am 06.10. ebenfalls einstimmig gegen das DFL-Papier ausgesprochen haben.
Eine hervorragende inhaltliche Begründung findet sich in der Erklärung von Union Berlin zum Thema, auf welche wir an dieser Stelle verweisen und die wir uns in ähnlicher Form auch vom FC St. Pauli erhofft haben. Hierfür liegen aber offenbar die Ansichten von Präsidium und organisierter Fanszene zu weit auseinander.
Das Angebot aller am Treffen beteiligten Gremien, mit dem Präsidium gemeinsam eine Stellungnahme abzugeben, wurde von diesem abgelehnt und statt dessen eine nur vom Präsidium getragene Erklärung veröffentlicht. Daher sehen wir uns gezwungen, mit einer eigenen Stellungnahme die Tragweite der Diskussion öffentlich zu machen und unsere Position klarzustellen.
Selbstverständlich sind wir bereit, an Gesprächen über die Zukunft des Fußballs als Zuschauersport teilzunehmen und hierfür Konzepte mit zu entwickeln. Solche Gespräche können aber nicht von oben verordnete Bedingungen zur Grundlage haben, sondern müssen mit einer Bestandsaufnahme beginnen, alle Beteiligten einbinden, auf Augenhöhe stattfinden und ergebnisoffen sein.
Ständiger Fanausschuss

Erschütterndes aus England
Begonnen habe ich mit der Feststellung, dass es wichtigeres gibt als Fußball. Der zweite Punkt war dann das, was uns den Fußball gerade vermiesen will.
Und der jetzt folgende Punkt vermengt irgendwie beides.

Kennt Ihr Duncan Jenkins? Nicht? Ich bis vor kurzem auch nicht. Um genau zu sein, gibt es ihn auch gar nicht, denn er ist ein fiktives Alter Ego, welches über einen Twitter Account für einigen Wirbel beim Liverpool FC gesorgt hat. Danach sah sich die Person hinter diesem erdachten Charakter Bedrohungen seitens des Vereins (oder zumindest eines führenden Mitarbeiters) ausgesetzt, sowohl gegen sich selbst als auch gegen sein Familie.
Wer ein bißchen Zeit hat, sollte sich diesen Artikel durchlesen, und sich selbst ein Bild machen.
Stark verkürzt zusammengefasst: Eine Fake-Identität “bedroht/schädigt” angeblich einen Verein wie den FC Liverpool, woraufhin ein Angestellter des Vereins Privatdetektive engagiert, um die Hintergründe zu beleuchten und den Maulwurf im Klub ausfindig zu machen. Als das alles nichts bringt (laut “Duncan” in erster Linie, weil es keinen Maulwurf gibt) bedroht man ihn und seine Familie, droht mit Entzug der Dauerkarte und einer Schmutzkampagne in der Presse, die auch Folgen für das Geschäft des Vaters haben wird?!
Ich bin sprachlos. Ist es schon so weit gekommen? Ist das “Business Fußball” es inzwischen wert, Existenzen zu vernichten und Familien zu bedrohen?

Die Story ist längst in den überregionalen Zeitungen angekommen, inzwischen ist auch ein (Überwachungs-)Video aufgetaucht, welches zumindest die Echtheit des Treffens belegt und somit die zunächst von vielen bezweifelte Glaubwürdigkeit des Textes erhöht.

Gruselig bleibt es, ich bin sehr gespannt wie die Nummer ausgeht und ob Mr. Chang seinen Job noch lange behalten wird.

“Es gibt eine externe Wache”
Last but not least, eine schöne Meldung bzw.  ein Interview aus der taz. Den am Ende genannten Prognosen will ich jetzt einfach mal beipflichten und dran glauben. // Frodo

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