Der “Flankengott von Fehmarn” – Ein launiges Gespräch mit St.Paulis U23-Manager Hermann Klauck

(Dieses Interview erschien bereits im ÜBERSTEIGER 119.)

Am 16. Januar feierte Hermann Klauck, den Thomas Meggle als die “Seele des Vereins” bezeichnet, seinen 80. Geburtstag. Die Hälfte seiner Lebenszeit widmete der heutige U23-Obmann dabei dem FC St. Pauli. Dem Übersteiger erzählt der gebürtige Hamburger von seinen Anfängen am Millerntor, redet über den unangenehmsten Zeitgenossen seiner St.-Pauli-Vita, seine Dispute mit Heinz Weisener, wie es mit dem Fußball an der Waidmannstraße weitergehen soll und was man sonst noch so alles in einem annähernd halben Jahrhundert Vereinsleben miterlebt.

Hermann Klauck - Team-Manager FCSP U23

Hermann Klauck – Team-Manager FCSP U23

Übersteiger: Hermann, die braun-weißen Farben begleiten dich nicht erst, seit du beim FC St. Pauli mitmischst…

Hermann Klauck: Richtig. Ich habe mit neun Jahren bei Komet Blankenese mit dem Fußballspielen begonnen und dort bis zur A-Jugend gespielt; und die haben ja bekannntlich die gleichen Vereinsfarben wie wir. Dann hat mich die SpVgg Blankenese geholt, wo ich betreits als 17-Jähriger in der Ligamannschaft auflief. Unter anderem zusammen mit Hermann Michael, der später von 1945 bis 1949 bei St.Pauli erfolgreich als Linksaußen gespielt hat (Anm. des Autors: 20 Tore in 39 Oberligapartien). Ich selbst hatte dann leider zwei Knöchelbrüche und konnte später nur noch bei den Alten Herren von Urania 03 kicken.

Hattest du eine feste Position?

Früher hieß das mal Mittelläufer, heute Innenverteidiger; die Rechtsaußen-Position habe ich aber auch eingenommen und wurde zum Flankengott von Fehmarn. Den Titel bekam ich deshalb, weil die Ligaelf St. Paulis oft ihr Trainingslager beim damaligen Präsidenten Otto Paulick auf Fehmarn absolvierte und ich dann manchmal mitkicken und die Ecken schießen durfte, wenn Spieler fehlten. Das muss Mitte der 1980er Jahre gewesen sein.

Bist du eigentlich auch in Blankenese aufgewachsen? Ich las auch was von Iserbrook – und geboren worden sein sollst du sogar auf St. Pauli. Und: In was für Verhältnissen war das?

Aufgewachsen bin ich in Isebrook in der Andersenstraße, aber in der Lerchenstraße geboren. Dort wohnte eine Tante von mir und meine Mutter war dort zu Besuch und brachte mich darum dort auf die Welt. Das Schicksal wollte es wohl so, dass in meine Gene auch der FC St. Pauli eingepflanzt wurde. In der Andersenstraße gab es eine Siedlung von der Deutschen Werft, wo mein Vater arbeitete. Ich hatte noch zwei jüngere und einen älteren Bruder, und mein Vater starb mit 46 Jahren; deshalb musste meine Mutter quasi Tag und Nacht arbeiten, um für uns vier Jungs zu sorgen. Ich habe auch geholfen und nach der Schule zum Beispiel auf einem Bauernhof gearbeitet oder morgens Zeitungen ausgetragen. Das war damals eine schon sehr harte Jugendzeit. Eigentlich wollte ich Lehrer werden, das ging aber leider nicht. Aber: Es war eine sehr lehrreiche Phase, in der ich fürs weitere Leben so Einiges mitgenommen habe.

Zum FC St. Pauli bist du 1972 über deinen Sohn Torsten gekommen, seit 1974 übst du diverse Funktionen im Verein aus, seit 1976 bist du Vereinsmitglied. Kannst du dazu was erzählen…

Torsten war Stürmer und Linksfuß und ist zehnjährig zum FC St. Pauli gewechselt. Wir haben in Bramfeld gewohnt – wo ich bis heute lebe – und weil das so weit weg war vom Millerntor, hat der FC St. Pauli meinen Lütten zwei Jahre lang zu jedem Training abgeholt und wieder nach Hause gebracht. Seit ich dann beruflich am Mittelweg zu tun hatte, habe ich Torsten selbst nach St. Pauli kutschiert und wieder abgeholt. Ich wurde dann Betreuer meines Sohnes und habe dessen 62er-Jahrgang von der E- bis zur A-Jugend begleitet. Als die A-Jugend-Zeit 1981 vorbei war und mein Sohn in den erweiterten Kader der Ligaelf gewechselt war, habe ich zusammen mit “Reisemarschall” Walter Schröder St. Paulis Ligamannschaft als Betreuer übernommen. Eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt aufhören, aber die Vereinsführung kam dann auf mich zu und bat mich inständig, doch bitte das Amateuroberliga-Team (Anm. des Autors: damals 3. Liga) zu managen. Als wir dann 1988 in die 1. Bundesliga aufgestiegen waren, stieg der Zeitaufwand deutlich, und ich konnte das ganze Ehrenamt mit meinem Beruf leider nicht mehr vereinbaren. Obwohl das Ganze bis dahin sehr viel Spaß gemacht hatte. Mein Nachfolger wurde dann Georg Volkert. Letztlich habe ich die Amateure wieder als Betreuer übernommen. Seinerzeit hatte ich wöchentlich bis zu 60 Stunden in die Firma und bis zu 40 Stunden in den Verein investiert. Auch das hat mir, neben meinem Zigarillo-Paffen – ich habe allerdings nie “richtig” geraucht – irgendwann Bypässe eingebracht.

 Hast du immer nur ehrenamtlich für den Klub gearbeitet?

Die ersten 34 Jahre war meine Tätigkeit ohne Zuwendungen seitens des Vereins. Im Gegenteil: Der Verein war ja lange klamm, und wenn beispielsweise mal der Bus zur Auswärtsfahrt vorab bar bezahlt werden musste, dann haben Schröder oder auch ich das kurzerhand aus eigener Tasche übernommen. Mal haben wir das Geld wiederbekommen, mal aber auch nicht. Mittlerweile bekomme ich aber im Rahmen eines kleinen Vertrages als Angestellter eine Art Aufwandsentschädigung.

Dein Sohn, der übrigens bis heute einen 1987 mit fünf Treffern nach 18 Spielminuten aufgestellten Torrekord für St. Paulis Amateurelf hält, ist dann anschließend zum HSV gegangen, wo er bei den Amateuren gespielt hat. Warum bist du denn damals eigentlich nicht mitgegangen, zumal du ja sogar mal Dauerkartenbesitzer bei den Rothosen warst?

Ja, Mitte der 1960er Jahre hatte ich zwei Jahre lang eine Dauerkarte für den Hamburger SV. Es hatte mir bei St. Pauli dann aber so gut gefallen, dass das für mich gar nicht in Frage kam. Der Verein wirkte auf mich wie eine große Familie, und ich empfinde das auch heute noch so. Hier fragt dich beispielsweise keiner, wenn du neu zum FC kommst, wer du bist oder wo du herkommst. Mir hat das Umfeld des FC St. Pauli immer sehr gut gefallen, die Fankultur, kaum jemand nimmt sich zu wichtig. Ich bin ein Typ, der gerne in der zweiten Reihe arbeitet, und das kannst du hier auch ganz gut – und wirst trotzdem ernst genommen.

Am 16. Januar bist du 80 Jahre jung geworden. Nun entdeckte ich zufällig, dass du somit am selben Tag und im selben Jahr wie Udo Latteck geboren wurdest. Hast du den mal persönlich kennengelernt?

Ja, einmal. Aber nicht direkt im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als Vereinsmanager. Das war auf einer Sportveranstaltung Mitte der 80er in einem Hotel am Dammmtor, wo wir zufällig beim Büfett nebeneinander standen und ins Gespräch kamen. Ich habe ihn dann gefragt, ob er wüsste, das wir was gemeinsam haben. Konnte er natürlich nicht, er kannte ja nicht einmal mich. Ich habe seine Vita immer verfolgt und dann natürlich auch mitbekommen, dass es ihm in den letzten Jahren nicht mehr so gut ging. Wie das Leben eben so spielt. Ich glaube, mich selbst hält fit, dass ich immer mit jungen Leuten zu tun hatte und auch noch habe. Und so lange ich meine, dass Alles noch gesundheitlich packen zu können, will ich auch weitermachen. Soweit der Verein das auch will.

Du bist nun seit über 40 Spielzeiten am Millerntor aktiv; welche waren währenddessen deine angenehmsten und/oder interessantesten Begegnungen mit Trainern, Spielern oder Funkktionären und warum?

Schwierig. Natürlich gab es da einige; aber wenn ich jetzt Namen nenne und jemanden vielleicht bei so einer Aufzählung vergesse, gibt es nur böses Blut. Darum möchte ich an dieser Stelle auch keine Personen besonders herausstellen. Auf jeden Fall waren aber alle Präsidenten, die ich erlebt habe, Charaktere, die den Verein positiv geprägt oder beeinflusst haben. Bei jedem kann der eine oder andere Kritikpunkt angebracht werden, aber sie haben es stets geschafft, den Verein am Leben zu erhalten. Mit welchen Mitteln auch immer. Ob sie immer legal waren oder eher nicht, darüber kann man nun im Nachhinein natürlich streiten oder anderer Meinung sein. Allergrößten Respekt habe ich vor Corny Littmann. Wenn er mit seinem Mut nicht für den Verein eingestanden wäre, dann hätten wir heute sicherlich kein Stadion in dieser Form.

Was sagst du denn zu Littmanns Nachfolgern?

Ich war tendenziell auch mit dem Präsidium um Stefan Orth sehr zufrieden, und das heutige Präsidium muss beweisen, dass es es auch kann. Wie ich die ersten Ansätze erkenne, bin ich aber guter Dinge, trotz der momentanen sportlichen Situation. Aber ich glaube, dass es kein Zufall ist, dass der FC St. Pauli seine Heimat direkt an der Elbe hat: Der Verein lebt mit Ebbe, Flut und Tide – mal geht’s rauf und mal geht’s runter. Jetzt müssen wir aber sehen, dass wir da untern rauskommen und in der 2. Liga bleiben. Das wird ein verdammt harter Weg, weil die Liga in dieser Saison sehr ausgeglichen ist. Ich bin aber immer ein optimistisch und positiv gestimmter Mensch. Außerdem halte ich es da auch mit Ewald Lienen, der kürzlich meinte, dass Hoffnung etwas mit Arbeit zu tun habe.

Zurückkommend auf deine Wegbegleiter in deinem Lebenslauf: Gab es auch Menschen, mit denen du so gar nichts anfangen konntest?

Uli Maslo. Das war ein sehr merkwürdiger Typ, mit dem ich nie klargekommen bin.

Das U23-Fanmagazin “Der Amateur” schrieb 2007 über dich: “Seine Ohren sind allzeit für jeden offen und doch kann er zum richtigen Zeitpunkt so wunderbar weghören.” Was meinten die Kollegen denn wohl mit dem zweiten Teil ihrer Einschätzung genau?

Das soll wohl nur bedeuten, dass man nicht alles, was gesprochen wird, auf die Goldwaage legen sollte. Ja, das passt charakterlich zu mir.

Hermann, man erlebt dich normalerweise als sehr ruhigen und ausgeglichenen Zeitgenossen. Was bringt dich denn dennoch auf die Palme?

Wenn eigene Fußballspiele durch ungerechte Entscheidungen entschieden werden. Oder auch Ungerechtigkeiten im “normalen, wirklichen” Leben. Aber mit meinem Privileg des Alters bin ich mittlerweile schon sehr abgeklärt und ruhig geworden.

Welches sind denn für dich diejenigen Ereignisse rund um den FC St. Pauli, die dir am prägendsten in Erinnerung geblieben sind?

Der Aufstieg in Ulm 1988 durch den 1:0-Sieg mit dem Zander-Tor. Das war ich als Betreuer dabei und habe alles mierlebt: Das Spiel und die Feierlichkeiten in Hamburg: Empfang am Flughafen, mit dem Bus von dort zur Reeperbahn – dabei zwei Runden um den Rothenbaum-Sportplatz herum –, die Nacht durchgefeiert. Das war schon klasse. Aber auch die Ostafrika-Tour 1982/83, wo wir als Nationalelf angekündigt waren und gegen diverse Nationalmannschaften gespielt haben – witzig, interessant und lehrreich.

Welche später bekannter gewordenen Akteure konntest du im Laufe deiner Manager-Aktivitäten überzeugen, zu den Braunweißen zu wechseln?

Deniz Baris, den wir von Este 06/07 geholt haben, Matthias Scherz aus Scheeßel, Jens Scharping vom ETV, Joe Enochs, Berkan Algan – um nur einige zu nennen. Und natürlich Fabian Boll aus Norderstedt, der, wie sich später herausstellte, wie die Faust aufs Auge zu diesem Verein passt. Aber um eines klarzustellen: Ich war nicht dazu da, um die Spieler zu entdecken, sondern um sie zu verpflichten. Entdeckt haben diese Spieler andere…

Im Oktober 1991 bist du, nachdem du bereits seit 1982 dem Vorstand anngehört hattest, für zwei Jahre zum Vizepräsidenten beim FC St. Pauli unter Vereinschef Heinz Weisener gewählt worden. 1994 hast du dann nach zwölf Jahren auch den Vorstand verlassen. Wie sehen deine Erfahrungen aus diesen bewegten Zeiten aus? Und warum hast du dir das seinerzeit überhaupt angetan?

Weisener war damals ja bekanntlich nicht der allergrößte Fußballlsachverständige und darum wollte ich mich, auch um die Amateursparte würdig zu vetreten, mit meinem sportlichen Wissen ein wenig nützlich machen. Meine Berufung als Vizepräsident stellte sich aber schnell als Fehlentscheidung heraus, zumal mir Weisener bei Präsidiumsentscheidungen, wo ich anderer Meinung war als er, deutlich durch die Blume zu verstehen gab, dass ich doch bitte nicht über seine investierten Millionen mitentscheiden solle. Wenn ich aber nur abnicken sollte, dann war das Ganze nichts für mich, und ich habe diese Episode deshalb nach zwei Jahren beendet.

Der FC St. Pauli hat sich in den vergangenen Jahren sehr stark verändert – nicht nur durch die Stadion-Rekonstruktion. Insbesondere fällt auch auf, dass das Faninteresse an der zweiten Mannschaft merklich nachgelassen hat und das einst nahezu untrennbare Band zwischen U23 (damals Amateure) heute quasi nicht mehr existiert. Wir schätzt du die heutige Situation ein? War früher alles schöner?

Wir versuchen nachwievor, unsere Amateur-Heimat an die Waidmannstraße zu bringen. Wir sind weiterhin im Gespräch mit Union 03 sowie der Stadt; das Problem ist aber immer noch der dort geplante Kunstrasenplatz (der den Grandplatz ersetzen soll), auf dem dann all jene Teams kicken sollen, die momentan noch auf dem Rasenareal ihre Kreise ziehen, für den es aber noch kein Okay der Stadtverantwortlichen gibt.

Wer entscheidet das denn jetzt wann?

Das Sportamt. Und sobald die Genehmigung da und der neue Platz gebaut ist, ist Union bereit – das haben wir auch schriftlich –, uns den Platz zur Verfügung zu stellen. Beim SC Victoria ging das leider nicht mehr: Wir haben da zwar sehr viel Geld bezahlt, aber der Platz war in einem schlechten Zustand. In Norderstedt haben wir diesbezüglich zwar ideale Bedingungen, aber der Weg dorthin ist für viele Fans natürlich viel zu weit. Ich bin da weiterhin am Ball und frage ständig nach. Man muss aber auch wissen, dass der Bau eines Kunstrasenplatzes nach der Genehmigung noch ca. ein halbes Jahr dauern wird.

Zum Derby gegen HSV II, das neulich leider ausgefallen ist, wären wohl schon noch ein paar Hanseln mehr gekommen, als es momentan in Norderstedt der Fall ist. Aber warum findet dieses Saisonhighlight nicht ohnehin am Millerntor statt?

Tja, das ist eine lange Geschichte. Den Termin für dieses Derby beeinflusst die Polizei sehr stark durch für mich nicht nachvollziehbare unnötige erhöhte Sicherheitsauflagen. Ich habe gefragt, wie es sein kann, dass in München die zweiten Mannschaften des FC und von 1860 vor 8.000 Zuschauern spielen können, wir es aber nicht schaffen sollen, ein solches Spiel am Millerntor stattfinden zu lassen. Die Antwort war: ein erhöhtes Sicherheitsrisiko. Wir müssen aber weiterhin alle Hebel in Bewegung setzten und sehr viel Überzeugungsarbeit leisten beim NFV und der Polizei, um nächste Saison wieder vor einer großen Kulisse am Millerntor zu spielen zu können. Das hat vergangene Saison doch auch geklappt.

Aber nochmal zurück zum Vergleich zu früher: Ich finde, dass sich seit zwei bis zweieinhalb Jahren die Zusammenarbeit zwischen U23 und Profis wirklich sehr gut darstellt. Es gab Zeiten, wo wir das fünfte Rad am Wagen waren. Ich freue mich, dass der Durchlass von U19 und U23 zu den Profis sehr positiv geworden ist.
Aber wirklich durchgesetzt hat sich noch keiner, weder Startsev, noch Kurt, noch Empen, noch Litka – Bantley Baxter Bahn ist bei Kickers Stuttgart gelandet, Kulikas bei VfL Bochums Zweiter.

Das sind aber alles gute Jungs, die den Sprung ins Profitum schaffen können. Und ob Litka, Empen & Co. damit geholfen wäre, sie in so einem Abstiegskampf, wie wir ihn jetzt haben, ins kalte Wasser zu schmeißen, wage ich zu bezweifeln.

Deine offizielle Funktion beim FC St. Pauli schimpft sich heute “Team-Manager U23”. Kannst du unseren Lesern mal kurz umreißen, was das im Alltag heutzutage an Arbeit für dich bedeutet…

Vom Zeitaufwand bin ich 3-4 Mal pro Woche beim Training hier an der Kollaustraße, bin 1-2 Mal wöchentlich stundenweise auf der Geschäftsstelle für unter anderem Vertragsverhandlungen, Gehaltsabrechnungen, anfallende Nebenkosten, organisiere die Auswärtsfahrten, kümmere mich nach Bedarf auch um die einzelnen Spieler und so weiter. Zuletzt hat mich Andreas Kreft beim Organisatorischen allerdings kräftig (sic!) unterstützt. Auch beide Trainer unterstützen mich in meiner Arbeit. Wir sind ein gutes Team – einer hilft dem Anderen. Alles in allem komme ich wöchentlich wohl auf 30 Stunden – plus der Bürozeit, die ich zu Hause mache. Aber: So lange aber mehr als 50 Prozent dieser Arbeit Freude macht, ist das keine Belastung für mich.

Und was sagt eigentlich deine Gattin Uschi dazu, mit der du am 6. März den 56. Hochzeitstag gefeiert hast und die drei Viertel eurer Ehe mit dem FC St. Pauli hat teilen müssen?

Sie hat mich, so weit es ging, immer unterstützt und anfangs auch begleitet, und zu den Heimspielen unserer Ersten sitzen wir zusammen in der Südkurve. Und beim “Alten Stamm”, wo ich ja auch seit geraumer Zeit aktiv bin, ist sie meistens auch dabei. Heute fragt sie mich allerdings schon mal: Hermann, du bist jetzt 80. SWie lange willst du das eigentlich noch machen?

In einem Interview hast du selber einmal formuliert, dass du bis 2022 weitermachen wollest, dann wären die “50 Jahre voll”. Hat das noch Bestand? Sind ja nur noch sieben Jahre…

Da muss der Körper natürlich auch mitmachen. Aber: So lange ich fit bin und das gut schaffe und der FC St. Pauli das will, bleibe ich dabei. Ich setze mir da weder Ziele noch Grenzen. Wenn es nächstes Jahr vorbei ist, dann ist es halt so; und wenn ich merke, es geht nicht mehr, bin ich wohl ehrlich genug zu mir selbst, dies zu erkennen und selbst die Konsequenz zu ziehen.

Welche Ziele habt ihr euch mit der U23 für die kommenden Jahre gesetzt? Sollten wir in die 3. Liga aufsteigen und/oder in jedem Jahr mindestens zwei Nachwuchskicker in die Erste schicken?

Wir sind ja eine reine Ausbildungsmannschaft und deshalb ist es wichtig, dass wir die Regionalliga halten und dort eine vernüsftige Rolle spielen und nicht absteigen, um den einen oder anderen Kicker weiterzuentwickeln, damit er Chancen nach oben hat. Zum Fußball gehört eben nicht nur Können und Ausbildung, sondern auch Glück. Du musst mit den jungen Spielern Geduld haben und sie nicht zu sehr unter Druck setzen.

Der Aufstieg in die 3. Liga ist mittelfristig keine Option?

Nein, das geht allein finanziell für uns schon gar nicht und ist auch rein sportlich kein entscheidender Vorteil gegenüber der Viertklassigkeit.

Hermann, herzlichen Dank für die angenehme Unterhaltung. // Ronny

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