Was macht eigentlich… Dirk Zander

Auf der Seite Hamburg ist Braun-Weiß begann diese Serie von Gastautor “Scheissegal St.Pauli”, die wir jetzt hier mit Teil 2 wiederholen und dann auch fortführen werden. Vielen Dank an hhibw.
(Teil 1 mit Marcel Eger findet Ihr hier.)

Hallo Dirk, du bist gerade in Florida. Was machst du da und was machst du überhaupt so nach deinem Karriereende?

 Wir wohnen zurzeit in Florida. Unsere drei erwachsenen Kinder Lisa, Philipp und Alexander sind in Deutschland.
Meine Frau Conny, unsere Tochter Antonella und ich genießen das Klima hier.
Vielleicht werde ich in Florida etwas im Trainerbereich machen, aber zurzeit sitze ich am Beach und trinke Bier.

Wie bist du damals zum FC St. Pauli gekommen?

Willi Reimann hat mich damals zu St.Pauli geholt, 1986. Ich habe bei Viktoria Wilhelmsburg in der Verbandsliga gespielt.
Ich bin in Wilhelmsburg aufgewachsen und habe schon immer für Viktoria gespielt, bin also waschechter Wilhelmsburger.

Den Rekord für die schnellsten zwei Tore in der Bundesligageschichte hast du ja immer noch. Aber nicht mehr für das Schnellste. Was hast du damals gedacht, als deine zwölf Sekunden unterboten wurden?

Der Rekord mit den beiden schnellsten Toren wird wohl noch länger Bestand haben.
Alleine schon deswegen weil die Mannschaften erst mal nach der Führung Ballkontrolle über alles stellen. Wir haben früher mit mehr Herz und weniger taktischen Zwängen gespielt.

Das schnellste Tor kann ich mir leider nicht wiederholen, ich würde es nicht in 12 Sekunden von der Mittellinie in den Strafraum schaffen….

Erinnere dich an dein Tor gegen Ulm. Was hast du da gefühlt und was fühlst du heute, wenn du daran denkst?

In Ulm wollte ich gewinnen um in die Bundesliga aufzusteigen – dass ich so ein Tor schieße und dann noch das Entscheidende zum Aufstieg ist natürlich im Rückblick gesehen eine Sache auf die man immer wieder angesprochen wird.

Und damals gab es ja schon Farbfernsehen!

Danach habe ich mich riesig über den Aufstieg gefreut und die Wochen danach dann auf die neue Aufgabe: Bundesliga.

As time goes by - Dirk Zander

As time goes by – Dirk Zander

Ich kenne einige Leute, die dir deinen Wechsel nach Dresden bis heute übelnehmen. Was war der Grund zu Dynamo zu gehen?

Ganz wichtig: ich ging zu Dresden, weil mich die beiden Experten Wohlers und Liedtke (Trainer und Manager) nicht mehr haben wollten und mir nicht mal ein Vertragsangebot gemacht haben. Ich wollte nie weg – ich habe mich dann aber gefreut das ich weiterhin 1. Liga spielen konnte.

Ich war damals halt sehr ehrgeizig und wollte immer das Bestmögliche erreichen.

Was hat den Charme bei uns damals ausgemacht und was hat sich verändert? Wie siehst du St.Pauli heute?

Damals war es ehrlicher Fußball von Spielern und Funktionären, weil wir alles Hamburger waren.
Die sprichwörtliche „eine große Familie“, damit meine ich natürlich auch die Fans, stimmte wirklich und wurde nicht nur kommerziell ausgeschlachtet.

Heute ist St.Pauli ein Verein wie jeder andere auch – was ich nicht schlimm finde. Natürlich sind die Fans etwas Besonderes, aber auch da laufen leider mittlerweile ein paar Idioten rum.

Also Idioten gab es bei St. Pauli immer. Ich erinnere da nur an den tollen Fanclub United mit der Reichskriegsflagge. Aber worauf ich hinaus will: hat diese linke Szene damals in den 80ern auch dein politisches Denken beeinflusst?
Und wen meinst du mit den “Idioten mittlerweile”?

Ich meine keine Fans speziell. Ich mag keinen Krawall, Schlägereien usw. und ich mag keine Modefans, die erzählen: „Ich gehe schon seit 30 Jahren zu Pauli!“.
Das erzählen alle – aber 1986, als ich anfing, waren immer nur 9.000 Leute da.
Oder, um genau zu sein: 9.987 – ab 10.000 hätten wir 200,- DM mehr Siegprämie gekriegt. Aber handgezählt waren es immer nur 9.987, das hat der Schatzmeister clever gezählt.

Und nein, ich habe mich in meinem politischen Denken nicht beeinflussen lassen – allerdings lasse ich mich auch auf allen anderen Gebieten nicht beeinflussen.
Für mich ist und war wichtig das ich morgens nach dem Aufstehen in den Spiegel gucken kann – und das liegt nicht an meiner tollen Frisur…

Was ist dein wildestes, intensivstes, schönstes Erlebnis im alten Klubheim?

Ich habe kein besonderes Erlebnis im Klubheim. Wir haben uns den Weg zur Küche freigekämpft und Bier getrunken bis wir keinen Durst mehr hatten – die Küche war der schönste Platz im Clubheim…

Es gab wohl etwas Dissonanzen mit dir und dem Verein in der Zeit als Jugendtrainer. Magst du da was erzählen und hat deine Liebe darunter gelitten?

Ich habe 11 Jahre als Jugendtrainer bzw. dann als Jugend-Koordinator im Verein gearbeitet.
Irgendwann wollte man mich loswerden….
Da wurde dann wissentlich vorm Arbeitsgericht gelogen. Kündigungsgrund war, dass ich nicht den Fußballlehrer in Köln machen wollte. Das ging gar nicht , da ich der einzige Angestellte in der Jugend war, natürlich kann ich nicht die ganze Woche in Köln sein, ohne Vertretung.
Wenn man dann mitbekommt wie der Verein wissentlich lügt um jemanden loszuwerden und sich damit rühmt der etwas andere Verein zu sein – das passt nicht.

Das ist für mich aber nur eine Momentaufnahme des damaligen Präsidiums und Aufsichtsrates, ich glaube Schulz und Pröpper waren damals dabei.
Witzfigur Pröpper war damals beim Arbeitsgericht und hat gelogen – wenn ich jetzt noch erzähle das er die Gardinen im Plaza Hotel geklaut hat vorm Heimspiel – aber das hat nichts mit meinem Verein St. Pauli zu tun.

Das waren keine St.Paulianer von unserer Zeit damals, allerdings stören mich die Leute, die sich ständig selbst auf die Schulter klopfen.
Solch ein Umgang mit Ex-Spielern, und ich bin da kein Einzelfall wie man weiß, hätte es z.B. bei Bayern nicht gegeben.

Du warst dann mit 30 Sportinvalide, weil deine Knie im Arsch waren. Mit 30 ist das recht früh. Was war der Grund? Wie kam das?

Ich hatte 1990 meinen ersten Kreuzbandriss, linkes Knie. Im Volksparkstadion gegen den HSV, ich glaube so in der 65 Minute. Ich habe dann allerdings weitergespielt, war ja Derby.
Ich hätte vielleicht rausgehen sollen aber es stand Unentschieden und ging glaube ich auch so aus.
Dann 1992 den zweiten, diesmal rechts, mit Dresden in Saarbrücken.
1994 den dritten, wieder links mit St.Pauli in Mainz.

Ich habe danach versucht ohne OP mit kaputtem Kreuzband die Saison weiter zu spielen, wir hatten 6 Punkte Vorsprung (damals noch zwei Punkte bei Sieg).
Das ging trotz guter Muskulatur nur noch ein weiteres Spiel, ich habe mir immer wieder das Knie verdreht und wir sind dann nicht aufgestiegen, letztes Spiel ging in Wolfsburg verloren.

Ich habe mir dann ein drittes Mal das Kreuzband neu machen lassen, dann habe ich den Entschluss gefasst, dass ich aufhöre.

Ich habe Kinder und mit denen wollte ich noch im Garten Fußball spielen können.

Du hast danach noch bei Maschen gespielt und spielst auch ab und an in der Traditionsmannschaft. Als Laie gefragt: Inwiefern ging das noch mit dem Fußball als Sportinvalider?

Ich war berufsunfähig als Fußballprofi. Natürlich konnte ich noch auf unterem Level spielen, aber halt nicht mehr Leistungssport bzw. Bundesliga.

Aber halt noch ein wenig just for fun und etwas mit der Familie und den Kindern.

Unvergessen: Die Zanderstruck Gesänge. Ich hatte da immer Tränen in den Augen. Wie hast du das empfunden?

Thunderstruck war und ist geil – da würde ich am liebsten nochmal auflaufen.
Vielen Dank nochmal an alle Fans die damals mitgesungen haben…

Danke Dir, Dirk, alles Gute! // Scheissegal St.Pauli

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2 Kommentare zu Was macht eigentlich… Dirk Zander

  1. Andrey Zaitsew sagt:

    Vielen Dank für das Interview, Genossen! Ich lese mit Interesse!

  2. Pingback: Was macht eigentlich… Dieter Schiller | Übersteiger-Blog

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