Was macht eigentlich… Marcel Eger

Auf der Seite Hamburg ist Braun-Weiß begann diese Serie von Gastautor “Scheissegal St.Pauli”, die wir jetzt hier mit Teil 1 nochmal neu beginnen lassen und dann auch fortführen werden. Vielen Dank an hhibw.

Moin Marcel, wie bist du überhaupt zum FCSP gekommen?

Nach meinem ersten “Profijahr” beim SC Feucht der Regionalliga Süd gab es mehrere Optionen. Lübeck, Union Berlin, HSV Amateure… Und über den Kontakt meines Beraters Henry Hennig zu Stani eben auch zum FC St. Pauli. Dann fiel mir die Entscheidung recht leicht, da ich als Jugendspieler beim 1. FC Nürnberg damals den Aufstieg unseres Vereins in 2001 miterlebt habe und mir schon immer das Umfeld auf St. Pauli spannend erschien.

Warum wurde dein Vertrag 2011 nicht verlängert?

Weil die sportliche Leitung des Vereins damals wohl meine sportliche Leistung für nicht mehr gut genug beurteilte.
(Anm.d.Red: Ein Interview mit Marcel von damals findet Ihr hier.)

Das klingt so, als wenn das vom Verein aus nicht so toll kommuniziert wurde? Ich erinnere mich an das Abschiedsspiel mit Lele….

Zu der Zeit war sehr vieles im Umbruch. Stani weg, Schubert wird kommen… Da kam evtl. das ein oder andere durcheinander. Herr Schulte hat Lele und mir dann in der Woche vor dem letzten Spiel in Mainz mitgeteilt, dass die Verträge nicht verlängert werden. Deswegen gab es dann eben keinen Blumenstrauß beim letzten Heimspiel, sondern das Abschiedsspiel in Altona. Insofern lief das alles sehr gut.

Warum hat das in Brentford nicht funktioniert und warum hast du danach mit dem Profifußball aufgehört?

Im Nachhinein war die Zeit in London, bei Brentford FC und mit allen Zusammenhängen, die sich daraus ergeben haben, sehr wertvoll. Dass mein Trainer und Manager, Uwe Rösler, andere Vorstellungen hatte und ich deswegen nicht zu seinem Stamm gehörte, konnte ich nicht ändern. Meine Statistik in der Saison ist nicht schlecht. Viele Spiele “zu null”, kein Training verpasst und so weiter. Als mir dann mal gesagt wurde, dass Fußball wichtiger sei als Familie, habe ich gemerkt, dass es Zeit wäre, mein Leben freier zu gestalten. Es war wirklich fast das Gegenteil von der Zeit beim FCSP. Es ging dort in England nur um Fußball. Neben dem Platz sollten wir Spieler uns gar nicht mir anderen Dingen beschäftigen. Und das war mir eben immer sehr wichtig. Die Entscheidung, aufzuhören, hat sich dann immer mehr ergeben. Ich wollte nie meinen Körper “herunterwirtschaften”, nicht immer noch eine Liga tiefer für das Geld und etwas Ruhm bis ins hohe Fußballeralter…

Was ist deine schönste Erinnerung beim FC St. Pauli?

Als Fan: Das letzte Mal im Stadion auf meinem Platz in Block 1.
Als Spieler: Aufstiegsspiel und -feier gegen Dynamo Dresden 2007.
Und natürlich das Abschiedsspiel in Altona.

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Wann war denn dein letztes Spiel im Stadion?

 Jetzt am letzten Spieltag vor der Winterpause. Nicht wegen des Ergebnisses natürlich, sondern einfach so, weil es immer schön ist am Millerntor. Ich treffe viele gute Menschen dort!

 Inwieweit hat St. Pauli dein politisches Bewußtsein verändert?

Mein soziales und politisches Verständnis hat sich durch den Umgang mit Leuten in dem und um den Verein natürlich weiterentwickelt – verändern musste es sich nicht. Meine Jugend habe ich viel auf dem Skateplatz verbracht, mein Gymnasium war eher so alternativ und meine Familie und Freunde sind glücklicherweise weltoffen. Ich durfte tolle Menschen aus dem Viertel kennenlernen, die mich inspirieren und klare Meinungen vertreten, zu denen meine Einstellung passt und/oder es sich gut diskutieren lässt.

Du bist ja bei Viva con Agua ziemlich involviert. Wie kam es dazu und was ziehst du aus deinen vielen Reisen für dich persönlich raus?

Es fing alles an, als ich im Juni 2004 beim Kaffee vor dem Training laut aus der Mopo von einem Konzert im Wagenbau vorlas und ein neuer Mannschaftskollege darauf reagiert hat: Benny Adrion. Seitdem verbindet uns eine großartige Freundschaft, hat sich und er so viel entwickelt… Die Idee, etwas Soziales zu machen und die Synergien des Vereins aufzunehmen, verfestigte sich bei Benny dann immer mehr. Was jetzt daraus geworden ist, kann ich nur als fantastisch beschreiben. Ein solch großes Netzwerk an Ehrenamtlichen, entstanden aus einer Idee mit der Unterstützung des FCSP, konnte man damals noch nicht ahnen. Als Person bin ich Stifter und “Projektbezogener Edelassistent”. Zweites bedeutet, dass mir immer wieder Projekte vorgestellt werden, bei denen ich mitwirken kann – zum Beispiel die “Millerntor Gallery” – und ich kann entscheiden, ob ich mitmache. Natürlich sind die Reisen in die Projektgebiete am bedeutendsten. Zu sehen, wie beispielsweise mehrere gespendete Pfandbecher zu einer Toilette werden im Feld, ist wunderbar. Irgendwie bin ich seit Beginn an dabei, fühle mich ständig verbunden und bleibe es – durch die materielle Stiftungseinlage – sogar noch über meinen eigenen Tod hinaus. Nur das Schöne ist, dass es auch bei VcA keinen Personenkult gibt.

Was machst du jetzt so?

Durch ein “Bedingungsloses Grundeinkommen” – die Folge meines Arbeitsunfalles (Kreuzbandriss 2005) – habe ich das große Glück, erst mal eine schöne Freiheit zu haben, die ich allen Menschen in diesem System gönnen würde. Ich kann arbeiten, wenn ich mehr Mittel brauche. Im Moment kümmere ich mich um meine Familie und das Haus auf Teneriffa. Die Möglichkeit, viel unterwegs zu sein, weiß ich sehr zu schätzen. Ich lebe irgendwie von Tag zu Tag, mit ein paar Aufgaben und viel Zeit zu lesen und zu schreiben.

Wie fühlt es sich 2016 an, wenn man drüber nachdenkt, sein einziges Bundesligator bei einer 1:8 Klatsche erzielt zu haben? 😉

Diese Ironie meines letzten Spiels am Millerntor nach sieben Jahren, Papa und viele Freunde anwesend, als Franke gegen die Bayern ein Tor, als Abwehrspieler acht Gegentore zu kriegen… Das lässt sich schwer vorher in einem Drehbuch einbinden. Ich muss immer schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke.

Wann gibt es endlich wieder ein Pub Quiz in der Amphore, wo ich mit Ariane meinen Titel verteidigen kann? Das ist ja etwas eingeschlafen….

Mit den Veranstaltungen und dem Tagesgeschäft der Amphore beschäftige ich mich gerade nicht. Wenn ich in Hamburg bin, schaue ich da immer gerne vorbei. Ein toller Ort im Süden St. Paulis!

Liebe Grüße an alle Leser!
Marcel Ralph Günter Eger // Scheissegal St.Pauli

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4 Kommentare zu Was macht eigentlich… Marcel Eger

  1. Andrey Zaitsew sagt:

    Guten Morgen, Genossen! Großen Respekt für den Verein und seine glorreiche Tradition! PishiteE Ich bin froh, zu antworten!

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