14.Spieltag (A): 1.FC Heidenheim (Papa&Sohn-Tour)

1.FC Heidenheim – FC St.Pauli 2:0 (1:0)
Tore: 1:0 Marc Schnatterer (20.), 2:0 Marc Schnatterer (81., Foulelfmeter)
Zuschauer: 13.000 (ca. 1.500 St.Paulianer)

(frei nach Udo Jürgens)
Es gibt kein’ Fußball ohne Leiden
wenn Du ein St.Paulianer bist.
Ich glaub so wird es immer bleiben,
dass man nur zweiter Sieger ist.
Doch wir woll’n Fußball ohne Leiden,
auch wenn wir zu St.Pauli steh’n.
Und trotzdem werden wir stets bleiben,
zu keiner ander’n Mannschaft geh’n!
Dudududududu, dudu…

 

(weniger frei nach Thees Uhlmann)
Tragik ist wie Liebe, ohne Happy- End,
und eines ist wirklich sicher, dass die Tragik St.Pauli kennt.
[…]
Manche hängen ihre Fahnen in den erstbesten Wind.
Doch die Liebe beweist sich erst, wenn der Wind zunimmt.
Und Liebe ohne Leiden hat noch niemand geseh’n.
Man kann ein Lied davon singen, man kann sich selbst nicht versteh’n.

Drama, Baby.

“Du fährst mit Deinem achtjährigen Sohn auswärts? Mit St.Pauli?!? In dieser Saison?!?!?
Wo ist das Jugendamt, wenn man es mal braucht?”

Tja, man hat es nicht leicht als St.Pauli-Fan, aktuell.
Okay, die BVB-Fan haben es (wenn man Twitter-Usern glaubt) aktuell noch viel schwerer, schließlich haben die am Wochenende sogar verloren, aber gleich danach kommen wir. Zumindest gleichauf mit anderen Hamburger Fußballfans.
United we schäm, oder so.

Die 2.Liga ist in dieser Saison für Auswärtsfahrten aus Hamburg immer noch nicht so richtig super geeignet, wenn man Kinder mitnehmen will.
Nach wie vor ist es eher eine “2.Liga-Süd”.
Dementsprechend wollen Fahrten mit Junior von langer Hand geplant sein und außer Berlin (Danke, Montag), Hannover, Bochum, Düsseldorf und Braunschweig braucht man für alles andere meist schon eine Übernachtung.
Da mir die Voith-Arena in meiner Sammlung bisher noch fehlte, ging die Planung bei Terminbekanntgabe auch schnell los und es ergab sich, dass eine Kombination mit dem Spiel des FC Bayern gegen Bayer Leverkusen im Bereich des Möglichen lag.
Flüge gebucht, Hotel gebucht, Mietwagen gebucht, Karten organisiert. Kurz aufgrund des LH-Streiks nochmal organisatorisch ins Schwitzen gekommen, aber am Ende lief reisetechnisch alles glatt.

Womit wir wieder beim Ausgangspunkt sind: Muss man / Darf man seinem Kind in der aktuellen sportlichen Situation Auswärtsfahrten mit St.Pauli überhaupt antun oder ist das eher FSK18?
Nun, Junior ist als St.Pauli-Fan und Dauerkartenbesitzer abgehärtet genug und es gibt aktuell nicht wohl viele Fußballfans in seinem Alter, die schon von einem Auswärtssieg bei RB Leipzig(!) berichten können, gleichzeitig aber auch von einer Niederlage bei Dynamo Dresden.

Will sagen: Er ist für sein Alter in das Braun-Weiße Stahlbad der Gefühle bereits recht gut eingetaucht, quasi bis zum Seepferdchen. Ein Abstieg wäre dann wohl das Gold-Abzeichen, mal gucken ob wir das dann am Ende der Saison auf die Badehose bügeln müssen.

Voith-Arena Heidenheim, Blick aus dem Gästeblock

Voith-Arena Heidenheim, Blick aus dem Gästeblock

Jedenfalls lief die Tour bis Heidenheim schon mal sehr vielversprechend. Parkplatz gefunden, ein paar Meter gelaufen, rein in den Gästeblock.
Das Stadion liegt in so einer Art Kessel und ist im Sommer bestimmt nochmal viel hübscher anzusehen, bei Nebel im November entspricht es aber eher der Tristesse des FCSP im Allgemeinen.
Die Stimmung im Heimbereich entspricht größtenteils unserer Tabellenregion und man fragt sich schon so ab und an, warum wir eigentlich momentan da stehen wo wir stehen und andere Vereine so viel besser.
Die einfache Antwort darauf gab es dann im Spiel, nachzulesen im Fachmagazin Eurer Wahl.

Die Verletzung von Christopher Buchtmann (Teilanriss Innenband, Gute Besserung!) passt dann eben perfekt in diese Saison, immerhin war der für ihn eingewechselte Dennis Rosin ein echter Lichtblick. Und ich bleibe langfristig dabei, dass dies einer ist, der irgendwann internationale Pflichtspiele bestreiten wird.
Womöglich nicht für uns…

Rosins Alleingang in Hälfte eins, ein Flugkopfball von Bouhaddouz in Hälfte zwei… naja, ob dann noch der Ausgleich gefallen wäre, wenn es den (eher unberechtigten) Elfmeter gegen uns nicht gegeben hätte, sei mal dahingestellt.

Und jetzt?
Abmelden vom Spielbetrieb?
Nee, immer noch nicht. Freitag Kaiserslautern weghauen, dann sehen wir weiter.
Mit den 60 noch zu vergebenen Punkten könnten wir ganz evtl. ja sogar noch auf Platz 3 klettern…

(Für ernsthafte Analysen bitte das Qualitätsmedium Eurer Wahl ansteuern, mir ist aktuell nicht danach und Junior kann noch nicht so schnell tippen.
Oder Ihr wartet auf den nächsten MillernTon, voraussichtlich am 14.12.)

Links:
MagischerFC Blog

FC Bayern München – Bayer Leverkusen 2:1 (1:1)

Abpfiff in Heidenheim, auf zur Allianz-Arena. Schließlich stand sie schon seit Jahren auf Juniors Wunschliste und die erbärmlichen Veranstaltungen des TSV 1860 dort wollte ich ihm nicht antun, wir wären sonst wieder bei FSK18, insbesondere gepaart mit der aktuellen Auswärtsform des FC St.Pauli.
Also die Bayern! Rechtzeitiges Kümmern brachte uns zwei Sitzplatzkarten im Mittelrang der Bayernkurve (Danke an @JoelinhoMUC) und über den P&R-Parklatz Garching waren wir dann auch rechtzeitig an der Arena angekommen. Auch eine Vollsperrung auf der A8 hatte uns nicht ernsthaft aufhalten können.

Junior war dann doch sichtlich beeindruckt. Unfassbare Menschenmassen, ein Riesen-“Berni” vor der Arena, diese strahlend Rot beleuchtet, Video-Walls schon an den Eingängen, eine Bezahlkarte statt Bargeld, rote Knicklichter auf den Plätzen… schöne, neue Fußballwelt. Oder so ähnlich.
Ich erfreute mich immerhin am freien WLan, als einigermaßen neutraler Besucher eine nette Annehmlichkeit.
(Und nein, brauche ich am Millerntor nicht, Danke.)

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Nach 3-4 Minuten fragte Junior dann: “Wo sind denn eigentlich die Leverkusener?”.
Tja, ist halt schon alles ne Nummer größer und tatsächlich fiel der Gästeblock auch optisch kaum auf, die paar Banner im Oberrang gingen von unseren Plätzen aus fast unter.

Fußballerisch bleibt festzuhalten, dass Bayern von der Dominanz der Pep-Jahre aktuell weit entfernt ist, aber auch für diese Erkenntnis gibt es sicher bessere Quellen als diesen Blog.
(Btw: Ihr hört alle eh den Rasenfunk und spendet dort auch, oder?)

Stimmungstechnisch hört man ja oft genug, dass in der Allianz-Arena eher Totentanz herrscht. Nun saßen wir fast direkt über den Ultras der Bayern und zumindest denen kann man nicht den Vorwurf machen, leise zu sein.
Ziemlich durchgehender 90-Minuten-Support, wie man ihn eben kennt.
Allerdings: Das restliche Stadion schweigt dazu einstimmig. Nun kann man die Henne/Ei-Diskussion führen und sich fragen, ob das restliche Stadion schweigt weil die Gesänge eher selten bis nie etwas mit dem Spiel zu tun haben oder ob die Schickeria ihr Ding durchzieht weil der Rest eh nicht mitmacht.
Fakt ist, dass hier im gesamten Spiel nur drei Mal “gemeinsam” supportet wurde. Nämlich 2x bei “Steht auf, wenn Ihr Bayern seid…” und kurz vor Schluss bei “Super-Bayern!“.
Ansonsten singen eben die Ultras und der Rest des Stadions grantelt Fußball guckend vor sich hin.

Exemplarisch dafür vielleicht folgende Szene: Douglas Costa schießt Mitte der 2.Hälfte zum zweiten Mal binnen kurzer Zeit eine Flanke in die Arme von Leno, was den Herrn vor uns zu einem emotionalen “JETZT NIMM DEN ENDLICH RAUS!”-Ausbruch bringt.

Trockener Kommentar von Junior: “Das ist aber Jammern auf ganz schön hohem Niveau, der sollte sich mal ein Jahr lang nur Spiele am Millerntor anschauen!

Wohl wahr.
Kurze Zeit später aber ist jener Costa frei durch und holt zumindest die Ecke raus, die dann zum 2:1-Siegtreffer führt.
Dies erfreut dann auch den Herrn vor uns.

Erstaunlich dann, wie früh hier teilweise das Stadion verlassen wurde, denn das 2:1 war ja alles andere als in Stein gemeißelt. Insbesondere Eltern mit Kindern “mussten” dies aber wohl tun, wenn sie nicht noch stundenlang im Parkhaus auf die Abreise warten wollten. Prioritäten und so…

Für uns ging es nach einem kurzen Mini-Twitter-Treffen dann auch ins Hotel, ausruhen für die letzte Etappe.

SpVgg Unterhaching – FC Bayern München Amateure 2:1 (1:0)

Gefühlt war dies dann das Highlight der Tour.
Wir trafen uns am Sonntag zum Brunch im White Rabbit’s Room mit Stefan, Felix und Jasper, was allgemein einen schönen Rundumblick über den Münchner Fußball ermöglichte, größtenteils aber zum Leidwesen des Letztgenannten wenig Gutes am TSV 1860 ließ… völlig zurecht, natürlich.
Selbst Juniors anstehendes Referat in der 3.Klasse über “Weihnachten in den USA” konnte erfolgreich besprochen werden.

Anschließend ging es dann für Stefan, Felix, Junior und mich weiter in den Hachinger Sportpark, wo wir dank Stefan beste Plätze auf der Haupttribüne hatten und vorher sogar noch eine exklusive Führung durch die Hachinger Räumlichkeiten bekamen, inklusive einem Fototermin mit dem Hallenmasters-Pokal des DFB, welchen Haching bekanntlich als letzter Verein gewann, ehe der Hallenfußball für Profivereine in Deutschland quasi abgeschafft wurde.

Die Spielvereinigung lag vor dem Spiel mit 16(!) Punkten Vorsprung auf Platz 1, die Bayern waren Zweiter.

"Der Klausi"

“Der Klausi”

Ein besonderes Highlight war dann noch “der Klausi”, der vor dem Spiel mit der Trompete die “Hymne des Freistaats Bayern” zum Beste gab, sieht man ja auch nicht oft.
5.000 Zuschauer hatten sich schlussendlich eingefunden und es gab ein Spiel auf durchaus ansehnlichem Niveau… okay, wenn man das als St.Pauli-Fan aktuell sagt, hat das nicht ganz so viel Relevanz, aber was soll ich machen.
Der Gästeblock war auch gut gefüllt und – zurecht angemerkt von Felix – der Support war ähnlich intensiv wie der Support der Schickeria am Tag zuvor, allerdings deutlich situationsbezogener.

Zur Pause führte Haching durchaus verdient mit 1:0, nach der Pause war es ausgeglichener, auch wenn die Gastgeber einen Strafstoß verschossen. Und nach knapp einer Stunde prophezeite Junior voller Inbrunst, dass Bayern kurz vor Schluss den Ausgleich schiessen, Haching aber in der 93. den Sieg per Handelfmeter erzielen würde.
Tatsächlich erzielte Bayern den Ausgleich nur eine Minute nach seiner Prophezeiung, aber der Ex-Kölner Sascha Bigalke erfüllt Juniors Vorhersage dann buchstäblich mit der letzten Sekunde des Spiels, wenn auch nicht per Strafstoß.
2:1 für Haching, 19 Punkte Vorsprung.
Ratet mal, welche Geschichte einer prophetischen Gabe ich mir seit gestern Nachmittag ungefähr 100x anhören durfte…?

An der Stelle sei nochmals auf die schwachsinnige Aufstiegsregelung aus der Regionalliga verwiesen – denn die 19 Punkte Vorsprung helfen den Hachingern gar nichts, wenn sie dann in der Relegation scheitern. Beispielsweise an Carl-Zeiss Jena oder dem SV Meppen, die beide eine ähnlich beeindruckende Saison spielen.
Wie gestern mehrfach besprochen: Aus fünf Regionalligen sollte es doch problemlos möglich sein auf vier Regionalligen zu verschlanken, dafür hat dann jeder Meister auch einen Aufstiegsplatz sicher.
Bitte übernehmen, DFB, Danke.
(Und bei der Gelegenheit dann auch noch gleich diese unsinnige Regel abschaffen, dass ein Drittligist keine Regionalliga-Mannschaft haben darf, sondern diese bei einem Abstieg aus der 2.Liga zwangsabsteigen muss. Fällt mir grad so ein, völlig uneigennützig natürlich.)

Nun denn, am Abend waren wir dann auch wieder in Hamburg und es war wie so oft, wenn man mit dem FC St.Pauli auswärts unterwegs ist: Ein super Tour, wenn man den braun-weißen Fußball ausklammert. // Frodo

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