18.Spieltag (H): VfB Stuttgart

FC St.Pauli – VfB Stuttgart 0:1 (0:0)
Tor: 0:1 Carlos Mané (84.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 4.000 Gästefans)

Die Spiele werden weniger, der Abstand größer.
Andreas Rettig

Tja, so in etwa trifft die Aussage das gesamte Dilemma, insbesondere in der Kombination mit den Siegen von 1860, KSC und Aue.
Aber: Dies war auch vorm Start der Rückrunde schon klar, der Auftakt mit den Partien gegen Stuttgart und Braunschweig taugt nicht als Beginn einer wundervollen Serie, hier ging es nur um Schadensbegrenzung – und die wäre mit einem Punktgewinn durchaus möglich gewesen.

„Wir stehen hinter Euch!“ // (c) Stefan Groenveld

 

Es hat nicht gereicht – was also macht Mut, dass (bei einer nicht auszuschließenden) Niederlage auch in Braunschweig die Aufholjagd in den restlichen 15 Spielen noch gelingen könnte?
Und sei es eben auch nur auf den Relegationsplatz, um dann gegen Magdeburg, Chemnitz, Osnabrück oder Halle mal so richtig Spaß zu haben?

Nun, in erster Linie die sichtlich gewonnene Qualität im Zentrum. Sowohl Johannes Flum als auch Mats Møller Dæhli wussten zu gefallen, fungierten in unterschiedlichen Rollen sowohl als Balleroberer als auch -verteiler.
Lennart Thy blieb den Beweis der Erstligatauglichkeit schuldig, könnte aber in einer anderen Rolle, wenn Aziz Bouhaddouz nach dem gestrigen Aus im Africa Cup wieder da ist, ebenfalls noch wichtig werden.
Und in der Defensive konnte Yi Young Park (wie zuvor in der Saison schon Brian Koglin oder Joel Keller) zeigen, dass es hier durchaus Talente in der U23 gibt, die auf Sicht in die 2.Liga aufrutschen könnten.

Reicht aber natürlich alles nicht, wenn am Ende die Punkte fehlen.
Trotzdem war es ein Auftritt, der einen zumindest die Flinte nicht ins Korn schmeissen lässt, es gab ja vorher durchaus auch die Befürchtung man würde in diesem Spiel ähnlich untergehen wie tags zuvor Darmstadt gegen Köln.
Doch der Worte sind genug gewechselt, es müssen jetzt Taten bzw. Punkte folgen, und natürlich wäre es durchaus willkommen, wenn man trotz Außenseiterrolle damit schon in Braunschweig beginnt.

Das Drumherum

Die Stimmung war eher jenem „es müssen Taten folgen“ angemessen, eine große Angespanntheit die eben nicht zu permanentem Dauersupport führt, eher ein nervöses akustisches Begleiten der Aktionen auf dem Rasen in Form von Aufschrei oder Aufstöhnen, während die Süd unerbittlich versuchte mit Gesängen den Lärmpegel hoch zu halten – was vom restlichen Stadion eben nur sehr selten unterstützt wurde.
Der Gästeblock war von meinem Platz aus (Block 1, Gegengerade) nicht wahrzunehmen, dies mag aber durchaus an der Entfernung gelegen haben.

Eine Werbebande sorgte für berechtigten „Unmut“ (vorsichtig formuliert), denn mit dem Spruch „Nix für Pussies“ kann man vielleicht bei 30-35 anderen Profivereinen ungestraft werben, trifft beim FC St.Pauli aber völlig zurecht auf vehemente Gegenwehr.
Immerhin erfolgte eine zeitnahe Entschuldigung des zuständigen Vermarktungspartners, wieso so etwas allerdings nach den durchaus vorhandenen Fällen der letzten Jahre überhaupt passieren lassen kann, erscheint unerklärlich.
Da gibt es auch nicht viel zu diskutieren. Dies hätte so schon nicht passieren dürfen und wird sich hoffentlich jetzt auch nicht mehr wiederholen.

Last but not least: Ärger auf den Business Seats in der Süd.
Eine Entwicklung, die so absehbar wie überflüssig ist und auf Sicht vielleicht der einzige Vorteil eines eventuellen Abstiegs, denn nur dann wäre sie aus meiner Sicht lösbar.
Was war geschehen? Ich habe es nicht gesehen und kann mich daher nur auf Berichte aus erster Hand beziehen.
Fakt: In der für uns sportlich mehr als angespannten Situation schießt der Gast ein spätes Tor, was auch im Bereich Buisiness Seats der Südkurve (=direkt hinter den Stehplätzen unserer Ultras) Stuttgarter Fans jubeln lässt.

Ab jetzt geht es in den interpretierbaren Bereich:
Die einen sagen, der Jubel wäre über ein normales Maß (wobei selbst dies schon schwer anzulegen sein dürfte) hinausgegangen und es seien auch Getränke auf den Stehplatzbereich geworfen worden, was zu einem „Besuch“ aus dem Stehplatzbereich geführt hätte.
Die anderen sagen, selbst ältere VfB-Fans seien mit Bier beworfen worden, auch Unbeteiligte (und sich vernünftig verhaltende) VfB-Fans seien aufgefordert worden, den Schal abzunehmen.

Tja, Gästefans in Heimbereichen, Quell steter Freude und Diskussionen.
Ich habe ähnliches beim Pokalspiel 2015 gegen Mönchengladbach erlebt und dabei beschrieben, wie es sich für mich anfühlte in meinem „Zuhause“ neben einem mir Fremden zu sitzen, der (aus meiner Sicht unangemessen, für einen Heimbereich) gejubelt hatte.
Der Fußballfan ist ein emotionales Wrack, insbesondere im Abstiegskampf – und wenn dann kurz vor Schluss ein entscheidendes Gegentor fällt, ist die Lunte kurz.
Dafür gibt es Auswärtsblöcke, um hier „schlimmeres“ zu verhindern.
Und wer in den entsprechenden Heimbereichen (und dazu zähle ich die komplette Gegengerade, die Nord Stehplätze und die komplette Süd) sich als Gästefan aufhält, der muss dann eben mit der Faust in der Tasche jubeln oder ein entsprechendes Echo abkönnen. Wie dies im Einzelfall ausfällt, hält sicher von seinem Verhalten ab und zu einem Großteil davon, auf welche Leute er trifft, im Zweifel also auch von ziemlich viel Glück.
Solange es bei einer Bierdusche oder einem „Pack den Schal unter die Jacke. Jetzt!“ bleibt, ist dies aus meiner Sicht absolut gerechtfertigt. Kann hier jeder gerne anders sehen und dies in den Kommentaren ausführen, ich habe dies wie erwähnt im Gladbach-Artikel oben genauer ausgeführt.

Nun haben wir in der Süd eben jene besondere (und wohl in Deutschland auch einzigartige) Situation, dass sich direkt hinter den Stehplätzen der Ultras ein großer Business-Seat Bereich befindet, welcher naturgemäß ab und an auch Gästefans beherbergt, insbesondere bei größeren Fanszenen, wie die des VfB sicher unstrittig eine ist.
Und wer sich noch an die letzte Erstligasaison erinnert: Da war dies durchaus öfter  der Fall, was mich zu meiner „ein Vorteil eines Abstiegs“-These zurückbringt:
Auf Dauer kann dies nur gelöst werden, in dem man den Sitzplatzbereich der Süd klar als Heimbereich deklariert. Dies allerdings dürfte nur mit „normalen“ Sitzplätzen möglich sein, nicht mit Business-Seats. Und vielleicht ist die Notwendigkeit zum Verkauf normaler Sitzplätze bzw. die Nachfrage nach Business-Seats in der 3.Liga eben eine grundsätzlich andere und kann hier zur Problemlösung beitragen.
Ich erinnere mich aber auch an die Worte von Michael Meeske auf einer JHV, in der die Einnahmen der Business Seats eben zwingend für die Darlehns-Rückzahlung benötigt werden – ein Teufelskreis.
Ansonsten bleibt es leider dabei, dass man sich hier baulich eine mehr als unbefriedigende Lösung erschaffen hat, die auch auf Sicht immer wieder zu Problemen führen wird.

P.S. Eine (durchaus ähnliche) Stuttgarter Sichtweise dazu gibt es bei Rund um den Brustring. // Frodo

Links:
– „Vor dem Spiel„-Gespräch (MillernTon-Podcast)
– Interview vor dem Spiel mit St.Pauli-Fan Alex auf „Rund um den Brustring
– Fotos Stefan Groenveld: „Keine Punkte gegen Stuttgart
– Bericht Magischer FC: „Das Drehbuch hat seine Schwächen
– Bericht Beebleblox: „Auf Augenhöhe ist nicht hoch genug
– Bericht FCSP Athens South End Scum „Matchday 18“ (English)
– Bericht Grenzenlos 1910: „Hold your head up high
– Spielbericht Vertikalpass (VfB): „Die Bayern der 2.Liga
– Fotos „vfb-bilder.de

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