18.Spieltag (H): VfB Stuttgart

FC St.Pauli – VfB Stuttgart 0:1 (0:0)
Tor: 0:1 Carlos Mané (84.)
Zuschauer: 29.546 (ausverkauft, ca. 4.000 Gästefans)

Die Spiele werden weniger, der Abstand größer.
Andreas Rettig

Tja, so in etwa trifft die Aussage das gesamte Dilemma, insbesondere in der Kombination mit den Siegen von 1860, KSC und Aue.
Aber: Dies war auch vorm Start der Rückrunde schon klar, der Auftakt mit den Partien gegen Stuttgart und Braunschweig taugt nicht als Beginn einer wundervollen Serie, hier ging es nur um Schadensbegrenzung – und die wäre mit einem Punktgewinn durchaus möglich gewesen.

“Wir stehen hinter Euch!” // (c) Stefan Groenveld

 

Es hat nicht gereicht – was also macht Mut, dass (bei einer nicht auszuschließenden) Niederlage auch in Braunschweig die Aufholjagd in den restlichen 15 Spielen noch gelingen könnte?
Und sei es eben auch nur auf den Relegationsplatz, um dann gegen Magdeburg, Chemnitz, Osnabrück oder Halle mal so richtig Spaß zu haben?

Nun, in erster Linie die sichtlich gewonnene Qualität im Zentrum. Sowohl Johannes Flum als auch Mats Møller Dæhli wussten zu gefallen, fungierten in unterschiedlichen Rollen sowohl als Balleroberer als auch -verteiler.
Lennart Thy blieb den Beweis der Erstligatauglichkeit schuldig, könnte aber in einer anderen Rolle, wenn Aziz Bouhaddouz nach dem gestrigen Aus im Africa Cup wieder da ist, ebenfalls noch wichtig werden.
Und in der Defensive konnte Yi Young Park (wie zuvor in der Saison schon Brian Koglin oder Joel Keller) zeigen, dass es hier durchaus Talente in der U23 gibt, die auf Sicht in die 2.Liga aufrutschen könnten.

Reicht aber natürlich alles nicht, wenn am Ende die Punkte fehlen.
Trotzdem war es ein Auftritt, der einen zumindest die Flinte nicht ins Korn schmeissen lässt, es gab ja vorher durchaus auch die Befürchtung man würde in diesem Spiel ähnlich untergehen wie tags zuvor Darmstadt gegen Köln.
Doch der Worte sind genug gewechselt, es müssen jetzt Taten bzw. Punkte folgen, und natürlich wäre es durchaus willkommen, wenn man trotz Außenseiterrolle damit schon in Braunschweig beginnt.

Das Drumherum

Die Stimmung war eher jenem “es müssen Taten folgen” angemessen, eine große Angespanntheit die eben nicht zu permanentem Dauersupport führt, eher ein nervöses akustisches Begleiten der Aktionen auf dem Rasen in Form von Aufschrei oder Aufstöhnen, während die Süd unerbittlich versuchte mit Gesängen den Lärmpegel hoch zu halten – was vom restlichen Stadion eben nur sehr selten unterstützt wurde.
Der Gästeblock war von meinem Platz aus (Block 1, Gegengerade) nicht wahrzunehmen, dies mag aber durchaus an der Entfernung gelegen haben.

Eine Werbebande sorgte für berechtigten “Unmut” (vorsichtig formuliert), denn mit dem Spruch “Nix für Pussies” kann man vielleicht bei 30-35 anderen Profivereinen ungestraft werben, trifft beim FC St.Pauli aber völlig zurecht auf vehemente Gegenwehr.
Immerhin erfolgte eine zeitnahe Entschuldigung des zuständigen Vermarktungspartners, wieso so etwas allerdings nach den durchaus vorhandenen Fällen der letzten Jahre überhaupt passieren lassen kann, erscheint unerklärlich.
Da gibt es auch nicht viel zu diskutieren. Dies hätte so schon nicht passieren dürfen und wird sich hoffentlich jetzt auch nicht mehr wiederholen.

Last but not least: Ärger auf den Business Seats in der Süd.
Eine Entwicklung, die so absehbar wie überflüssig ist und auf Sicht vielleicht der einzige Vorteil eines eventuellen Abstiegs, denn nur dann wäre sie aus meiner Sicht lösbar.
Was war geschehen? Ich habe es nicht gesehen und kann mich daher nur auf Berichte aus erster Hand beziehen.
Fakt: In der für uns sportlich mehr als angespannten Situation schießt der Gast ein spätes Tor, was auch im Bereich Buisiness Seats der Südkurve (=direkt hinter den Stehplätzen unserer Ultras) Stuttgarter Fans jubeln lässt.

Ab jetzt geht es in den interpretierbaren Bereich:
Die einen sagen, der Jubel wäre über ein normales Maß (wobei selbst dies schon schwer anzulegen sein dürfte) hinausgegangen und es seien auch Getränke auf den Stehplatzbereich geworfen worden, was zu einem “Besuch” aus dem Stehplatzbereich geführt hätte.
Die anderen sagen, selbst ältere VfB-Fans seien mit Bier beworfen worden, auch Unbeteiligte (und sich vernünftig verhaltende) VfB-Fans seien aufgefordert worden, den Schal abzunehmen.

Tja, Gästefans in Heimbereichen, Quell steter Freude und Diskussionen.
Ich habe ähnliches beim Pokalspiel 2015 gegen Mönchengladbach erlebt und dabei beschrieben, wie es sich für mich anfühlte in meinem “Zuhause” neben einem mir Fremden zu sitzen, der (aus meiner Sicht unangemessen, für einen Heimbereich) gejubelt hatte.
Der Fußballfan ist ein emotionales Wrack, insbesondere im Abstiegskampf – und wenn dann kurz vor Schluss ein entscheidendes Gegentor fällt, ist die Lunte kurz.
Dafür gibt es Auswärtsblöcke, um hier “schlimmeres” zu verhindern.
Und wer in den entsprechenden Heimbereichen (und dazu zähle ich die komplette Gegengerade, die Nord Stehplätze und die komplette Süd) sich als Gästefan aufhält, der muss dann eben mit der Faust in der Tasche jubeln oder ein entsprechendes Echo abkönnen. Wie dies im Einzelfall ausfällt, hält sicher von seinem Verhalten ab und zu einem Großteil davon, auf welche Leute er trifft, im Zweifel also auch von ziemlich viel Glück.
Solange es bei einer Bierdusche oder einem “Pack den Schal unter die Jacke. Jetzt!” bleibt, ist dies aus meiner Sicht absolut gerechtfertigt. Kann hier jeder gerne anders sehen und dies in den Kommentaren ausführen, ich habe dies wie erwähnt im Gladbach-Artikel oben genauer ausgeführt.

Nun haben wir in der Süd eben jene besondere (und wohl in Deutschland auch einzigartige) Situation, dass sich direkt hinter den Stehplätzen der Ultras ein großer Business-Seat Bereich befindet, welcher naturgemäß ab und an auch Gästefans beherbergt, insbesondere bei größeren Fanszenen, wie die des VfB sicher unstrittig eine ist.
Und wer sich noch an die letzte Erstligasaison erinnert: Da war dies durchaus öfter  der Fall, was mich zu meiner “ein Vorteil eines Abstiegs”-These zurückbringt:
Auf Dauer kann dies nur gelöst werden, in dem man den Sitzplatzbereich der Süd klar als Heimbereich deklariert. Dies allerdings dürfte nur mit “normalen” Sitzplätzen möglich sein, nicht mit Business-Seats. Und vielleicht ist die Notwendigkeit zum Verkauf normaler Sitzplätze bzw. die Nachfrage nach Business-Seats in der 3.Liga eben eine grundsätzlich andere und kann hier zur Problemlösung beitragen.
Ich erinnere mich aber auch an die Worte von Michael Meeske auf einer JHV, in der die Einnahmen der Business Seats eben zwingend für die Darlehns-Rückzahlung benötigt werden – ein Teufelskreis.
Ansonsten bleibt es leider dabei, dass man sich hier baulich eine mehr als unbefriedigende Lösung erschaffen hat, die auch auf Sicht immer wieder zu Problemen führen wird.

P.S. Eine (durchaus ähnliche) Stuttgarter Sichtweise dazu gibt es bei Rund um den Brustring. // Frodo

Links:
– “Vor dem Spiel“-Gespräch (MillernTon-Podcast)
– Interview vor dem Spiel mit St.Pauli-Fan Alex auf “Rund um den Brustring
– Fotos Stefan Groenveld: “Keine Punkte gegen Stuttgart
– Bericht Magischer FC: “Das Drehbuch hat seine Schwächen
– Bericht Beebleblox: “Auf Augenhöhe ist nicht hoch genug
– Bericht FCSP Athens South End Scum “Matchday 18” (English)
– Bericht Grenzenlos 1910: “Hold your head up high
– Spielbericht Vertikalpass (VfB): “Die Bayern der 2.Liga
– Fotos “vfb-bilder.de

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46 Kommentare zu 18.Spieltag (H): VfB Stuttgart

  1. marko sagt:

    Ich halte nichts von einer strikten Trennung zwischen Heim- und Gästefans. In anderen Vereinen gibt es ja sogar Regeln, dass in gewissen Bereichen keine Gästetrikots und ähnliches getragen werden dürfen und ich bin _sehr_ froh, dass wir bei uns am Millerntor so rücksichtsvoll miteinander umgehen, dass das nicht nötig ist, sondern überall auch Klamotten aller Vereine getragen werden dürfen.

    Und wenn es für uns scheiße läuft und die Gäste kurz vor Ende uns noch einen einschenken und darüber deren Gäste fett jubeln: Ich finde es verständlich, wenn es da aus Groll zu einigen Kurzschlußreaktionen kommt, wie (möglicherweise) Bierduschen oder „Pack den Schal weg“. Richtig oder gar gerechtfertigt finde ich solches Verhalten von uns nicht und wünsche mir, es würde ausbleiben.

  2. Pingback: Matchday 18: FC Sankt Pauli – VfB Stuttgart 0-1 | FCSP Athens South End Scum

  3. André sagt:

    Moin Frodo.
    Spielbericht – check.
    Werbebande – für’n Arsch.
    Gästefans – und da möchte ich gerne einmal einsteigen.
    Zuerst einmal kommt mein Bericht aus meiner Hand da ich einer dieser vermaledeiten Business Seats-Inhaber bin und damit Augen- und Ohrenzeuge der Situation werden “durfte”, gefolgt von meiner Meinung.
    Vorwegschicken möchte ich, das ich zwei Freunde mit im Stadion hatte die Stuttgart-Fans sind (was auch immer in der kindlich-fußballerischen Domestizierung da falsch gelaufen ist…) und die eben auch mit auf diesen Sitzen Platz genommen haben. Sie waren jedoch nicht betroffen – wahrscheinlich haben sie sich “benommen”.
    Richtig ist das sich die betroffenen Stuttgart-Fans über das Tor ihrer Mannschaft gefreut haben, aus meiner Sicht nicht über die Maßen hinaus. Falsch ist, das diese den Ultras eine Bierdusche vermacht haben. So weit – so gut. Denn wenn es nicht möglich sein kann das sich ein gegnerischer Fan – auch an diesem Ort – über ein Tor seiner Mannschaft freuen kann, dann habe ich irgendetwas nicht so ganz verstanden an diesem Sport Fußball. Abstiegsbedrohung hin oder her, Lunte kurz oder lang. Denn mein bleibender und signifikanter Eindruck von gestern ist der – leider muss ich es so sagen – Hass in den Augen der “Rädelsführer” aus dem Ultra-Block die sich berufen fühlten den Gang auf die Sitztribüne zu beschreiten. DAS war negativ beeindruckend und hatte mit Kicken mal so gar nichts zu tun.
    Wenn jetzt also der Abstieg die Lösung dieses Problems sein soll, so halte ich das für eine steile, nicht ganz risikolose These. Aber die finanziellen Auswirkungen usw. sollen hier jetzt mal nicht thematisiert sein…
    Seit 31 Jahren die ich meinem Verein die Daumen drücke eine für mich ziemlich skurrile Aufführung von Platzhirschgehabe mit einem Faden Beigeschmack.
    Aber nun gut, wir sind ja nicht alleine – in dem Sinne: Forza Sankt Pauli.

    • Frodo sagt:

      Danke für die Schilderung.
      Wie gesagt, ich halte es für grundlegend unglücklich, dass diese Plätze direkt hinter den Ultras sind. Man kann sich hier zwar die heile Welt wünschen und glauben, dass “wir” über dem Torjubel drüber stehen sollten – dies wird aber auch auf Sicht eben nicht funktionieren.
      Und natürlich ist nicht “der Abstieg” die Lösung (von allen anderen negativen Dingen mal ganz ab, siehe u.a. auch die U23), sondern der Rückbau dieser Plätze zu “normalen” Sitzplätzen.
      Aber, klar: wirtschaftliche Zwänge und so.

  4. His Dudeness sagt:

    Nun ja die Thematik mit den Gästefans ist nicht so einfach, auch als Fan des FCSP saß und stand ich schon mal im Heimbereich bei Auswärtsspielen. Allerdings dann eben komplett neutral und ja sogar bei Torerfolg (bei den Spielen fiel das Tore schiessen noch nicht so schwer wie zuletzt) habe ich in mich hinein gejubelt. Das funktioniert, obwohl ich im Heimbereich bei Torerfolg auch komplett eskaliere, aber wenn man eben in einem Bereich sitzt der für Heimfans ist sollte man sich dementsprechend auch benehmen.

    Ich fände eine Regelung wie es die meisten Teams haben auch gar nicht so dramatisch. Keine offensichtliche Fankleidung im Heimbereich… Dadurch sollte doch jedem klar sein, dass man im Heimbereich sich auch dementsprechend Verhalten sollte.

    Falls nicht wird man eben vom Ordnungsdienst nach draußen begleitet oder es kann auch zu Konflikten mit den Heimfans kommen. Ist zwar nicht wünschenswert und mir wäre es auch lieber wenn sich alle Vertragen und alles friedlich abläuft, aber es ist doch Utopie zu glauben dass Hunderte von Heimfans ihre Emotionen so schön im Griff haben um jegliche Provokation (und das interpretieren die Fans natürlich auch komplett unterschiedlich) runterzuschlucken

  5. ulrike sagt:

    sehr interessanter spielbericht – auch für mich als stuttgarterin, die das spiel im gästeblock verfolgt hat.
    ich kann euren unmut über den eventuell an manchen stellen übertriebenen torjubel der vfb anhänger sehr gut nachvollziehen. eigentlich sollten das alle vfb fans nachvollziehen können, denn dass sich die schlinge um den hals mit jedem unglücklich verlorenen spiel immer mehr zuzieht, das kennen wir nur zu gut. und gestern wäre für euch ein punkt sicherlich drin gewesen und das auch verdient.
    ich hoffe, ihr packt das noch! denn wenn man sieht, dass die mannschaft, die auf dem letzten platz steht und unglücklich verloren hat, am schluss noch eine ehrenrunde im stadion dreht und von allen seiten applaus bekommt, dann kann man euch nur wünschen, dass ihr die klasse haltet! respekt!

    • Frodo sagt:

      Vielen Dank und Grüße zurück.
      Und wenn es “nur” in an den Gästeblock angrenzenden Bereichen passiert wäre, gäbe es die Diskussion sicher auch nicht, aber die Business-Seats in der eigenen Fankurve sind eben ein ziemliches (und leider selbst verursachtes) Problem.

  6. Christoph sagt:

    Ich schließe mich dem obigen Kommentar von Marko an. Ich finde jegliche Deklarierung von “Heimbereichen und dazu gehöriger Verbote oder Verhaltensmaßregeln völlig unangebracht (auch woanders, wo es schon “verschärfter” angewandt wird). Wir können froh sein, dass unsere Fankultur in Deutschland es eigentlich zulässt ohne diese Einschränkungen auszukommen. In vielen unserer Nachbarländer ist die Gängelung eines Fußballfans weit fortgeschrittener. Ich finde sie schlicht- scheiße.
    Ich finde es super, dass vor allen bei unserem FC bisher Gästefans in der Regel ein großer Respekt gezollt wurde, sie auch im Heimbereich ohne Ängste sich aufhalten können und auch vorher und nachher im Kiez und den Kneipen. Das hat St. Pauli mal ausgemacht. Viele positive Rückmeldungen belegen dies. Ich möchte es nicht missen.

    Ich verstehe überhaupt nicht, warum man Gästefarben am Trikot oder Schal nicht aushalten kann. Klar, es gibt Grenzen im “Benehmen”, keine Frage. Aber ein Torjubel gehört bestimmt nicht zu dieser Grenze. Meine Meinung! Dass natürlich aber auch ein Gast außerhalb des Gästeblocks mit seiner Situation umgehen können muss, ist auch klar: Schwierigkeiten bei Grenzüberschreitung nicht ausgeschlossen!
    Ob es jetzt in diesem konkreten Fall eine gegeben hat, weiß ich nicht. Nach den bisherigen Schilderungen anscheinend eher nicht.

    Ausgerechnet wir St. Paulianer predigen Toleranz und sind nicht in der Lage sie zu zeigen? Hey, es geht hier nur um Fußball!

    Warum müssen auch wir auf die ” Welt der Verbote” aufspringen und (fast) alle Tribünen zu Heimbereichen erklären und mit Verhaltensmaßregeln belegen? Brauch` ich nicht. Auch nicht, wenn ich als Gast mal in ähnlicher Situation bin. Schade, dass immer Menschen nach klaren Regeln und Verboten schreien. Wirklich genützt hat meistens weder das eine noch das andere.

    Klar ist auf jeden Fall: Die bauliche Situation in der Süd ist völlig unzulänglich. Allein die Anordnung von Business Seats an sich (auch ohne Gefahr von Gästen) über der Süd Steh ist schlecht. Ein bezahlbarer, normaler Sitzplatzbereich würde mit Sicherheit das Problem nicht nur lösen, sondern aus der Süd auch eine echte “Kurve” machen. Zumindest ansatzweise.

    • Frodo sagt:

      Yepp, ich glaub so furchtbar weit liegen wir da gar nicht auseinander, es liegt halt dann oftmals am subjektiven Empfinden was “aushaltbar” ist.
      Und Dein letzter Absatz trifft eben genau den Punkt.

      • Christoph sagt:

        Nein, wir liegen nicht furchtbar weit auseinander. Nur ein bisschen 🙂

      • Kiezkickerde sagt:

        Zwei Minuten langer Torjubel mit wildem Schalhochgehalte und in den Heimbereich hineingefeixe, wie gestern von diesen Typen auf den Süd – Sitzplätzen geschehen ist für mich jedenfalls nicht aushaltbar. Und ich bin trotzdem nicht der Typ, der da dann hoch geht, und habe auch jemanden zurück gehalten, der seinerseits wohl gerade am explodieren war, aber hatte auch kein Problem damit, dass andere dann wohl doch da hochgegangen sind und das dann eben nen Stuttgartschal in den Umlauf geflogen ist…

        Jetzt mal ganz ernsthaft, so wie diese Typen da gestern sehr ausgiebig und ausdauernd herumgejubelt haben, geht so einfach nicht. Und schon gar nicht, wie die dann auch noch feixend sich über den Stehplatzbereich unter ihnen lustig gemacht haben.
        Da heiße ich dann auch Massnahmen für gut, die denen klar macht, dass deren Verhalten einfach nur scheiße ist. Und wenn die dort dann anwesenden Ordner denen das dann offendig nicht klar machen wollen oder können, dass deren Verhalten mal so gar nicht klar geht, müssen das eben andere übernehmen.

  7. Peter sagt:

    Moin Moin erstmal nen gut geschriebener Bericht,aber was das Thema Süd und Gästefans angeht,in anderen Stadien wird am Einlass wohl etwas gründlicher nach fremdfanbekleidung geschaut.kenn es aus einende Erfahrung,Berlin,Dortmund,Hsv und Rb.beim letzteren kommst du nicht einmal mit Klamotten vom kreisligisten rein.also sollte man bei uns einfach nur genauer hinschauen oder an die Schnittchenfresser appellieren das sie im Vorfeld selbst darauf achten,ansonsten nicht wundern wenn die Nase blutet.forza Fcsp

    • Christoph sagt:

      Warum bei uns genauer hinschauen? Lieber dafür stark machen, dass woanders das Rad ein wenig zurück gedreht wird!

  8. Jan sagt:

    Moin, keine Ahnung, ob Business Seats auch über den grassierenden Schwarzmarkt angeboten werden, aber das ist aus meiner Sicht das Hauptproblem in allen Heimbereichen. Gästefans kommen mittlerweile ungehindert in größeren Gruppen in die Stehplatzbereiche und werden noch toleriert. Besagte Lunte wird aber bei allen kürzer. Forza Jan

    • Christoph sagt:

      Mit Schwarzmarkt hat das nix zu tun. Du kannst als Gästefan ganz normal im Onlineshop im freien Verkauf oder Fansale Karten kaufen.

      Nein, die Lunte wird nicht bei ALLEN kürzer.

  9. Roland sagt:

    Die bauliche Situation mal außen vor gelassen (die wird sich so schnell nicht ändern) und ebenso die fragwürdige Entscheidung sich in VfB Klamotten hinter die aktive Fanszene zu setzen, um dort den Siegtreffer zu bejubeln; warum muss da dann gleich ein “auf die Fresse Szenario” draus gemacht werden? Ist mir zu viel Testosteron…

    • Frodo sagt:

      Fußball –> Emotionen –> Frustabbau

      Siehe meinen Bericht vom Gladbach-Spiel. Ich bin sicher nicht der Typ, der anderen auf die Fresse haut, aber eine deutliche Ansage muss es da eben schon geben. Und andere Menschen reagieren eben auch anders…
      Und vielleicht hätte ich vor 20 Jahren auch anders reagiert.

      • Roland sagt:

        Ich bin da eigentlich bei Dir. Und betrunkene Trottel, die sich dumm verhalten, verdienen vermutlich einen auf die Backen. Trotzdem ist das Szenario dann irgendwo zwischen Nötigung und Körperverletzung. Das ganze dann im Stadion unter CCTV. Das halte ich für ebenso blöde. Und ich wünsche mir halt das mit solchen Problemen eher Dynamo Dresden in Verbindung gebracht wird als der FCSP. Schließlich sind wir die guten.

        • Frodo sagt:

          Tja, auch wir sind aber eben keine kompletten Engel… das Spiel gegen Dynamo sowie gegen Hannover könnten in der Hinsicht aber auch noch “imteressant” werden.

          • Kiezkickerde sagt:

            Ach, iwoh. In Braunschweig wird es die üblichen Stadionverbote hageln, und insofern ist Dresden dann gar nicht mehr so spannend.
            Nein, will ich nicht, rechne ich aber mit…

  10. Carsten sagt:

    Moin Frodo,

    dass die Businessplätze direkt hinter den Ultras angesiedelt sind und koexistieren können, habe ich eigentlich bisher als typisch FCSP empfunden. Die Mischung aus der Wir-sind-Zecken-Mentalität und einem im kommerziellen Umfeld bestehen könnenden Fußball in Liga Zwei, manchmal sogar Eins und ab und zu schlechtestenfalls Drei – das interessiert mich an diesem Verein und auch am Stadionbesuch. Das ist der Drahtseilakt, der fast genauso spannend ist wie der Sport.

    Klar, es gibt etliche Dinge, die im Stadion richtig nerven, aber dazu gehört weniger der folkloristische Bierbecherwurf bei Tor, Gegentor oder schlechtem Schiri. Das ist schon ok, auch wenn mir das schon manche Dusche beschert hat. Neben der komplett überflüssigen Raucherei im Stadion finde ich Mackergehabe aller Art aber am unerfreulichsten.

    Besonders dann, wenn sich während desselben Spiels in vollendeter Bigotterie über eine fiese Werbebande aufgeregt wird, gleichzeitig aber einige Ultas der Meinung sind, mit primitiven männlichen Drohgebärden (“Ich hau dir gleich auf die Fresse…”-alike) auf zwei Stuttgart-Fans im Businessbereich losgehen zu müssen. Ich find’s ja ok, wenn man Nazis verhaut, aber hier geht es um Fußball und zwei doofe Schwaben, sonst nix.

    Womit wir beim Augenzeugenteil wären: Die beiden Herren saßen nämlich exakt neben mir. Ja, die Businesskunden werden vor dem Spiel immer aufgefordert, ihre Gäste anzuhalten, keine Kluft des Gastvereins zu tragen. Sie trugen aber je einen Schal. Ja, die beiden waren gut angeschickert. Nein, die haben garantiert kein Bier auf die Stehränge geworfen, die haben es brav und in Mengen getrunken. Ihr Verbrechen war auch weniger, dass sie “unangemessen gejubelt” haben, so ein Quatsch, die haben halt ihren Schal hochgehalten und ein bisschen rumgebölkt (normales Jubel eben), sondern dass sie beim Jubeln im Businessblock gesessen haben.

    Aus dem Ultrablock kamen Mittelfinger. Finde ich ok. Dann kam Bier. Finde ich auch ok, auch wenn das Bier mich und meine Gäste getroffen hat und die Stuttgarter trocken blieben – gut, das entspricht irgendwie dem Geschehen auf dem Platz 😉 Zählt außerdem unter Stadionfolklore, ist in Ordnung. Dann flog aus den Stehrängen eine volle Wasserflasche in den Businessbereich. Die sollte wohl jemandem wehtun. Irgendjemandem. Trifft schon irgendeinen Business-Arsch. Hier wir die argumentative Luft schon dünner.

    Tja, und dann kamen die USP-Jungmänner, die mal so richtig zeigen wollten, was für harte Kerle sie sind. Mit Stirn-an-Stirn-Gepose und Spucke vorm Mund beim Schreien. Entlarvend, was die Herren so an Kommunikationsstrategie zu bieten hatten. Besonders bemerkenswertes Zitat: “Verzieh dich mit deiner Scheiß-Ehrenkarte!” (“Ehrenkarte”, tatsächlich.) Irgendwie war es wohl doch nicht so wichtig, dass der Kollege einen Stuttgart-Schal um den Hals hatte. Da ging es wohl um etwas anderes.

    Mal so als Idee: Es gibt gerade auf der Süd ‘ne ganze Menge Hardcorefans unter den Businessseatinhabern. Da sind reichlich Leute darunter, die es gewohnt sind, ihren Kopf zu benutzen und nicht nur am Millerntor gelandet sind, weil der Volkspark ÖPNV-technisch ungünstig gelegen ist. Wie wäre es mal mit einem Kommunikationsversuch über das gegenseitige Leben und Leben lassen, wenn’s denn offenbar keine Selbstverständlichkeit (mehr) ist?

    • Frodo sagt:

      Moin Carsten,
      Danke für die Schilderung.
      Diese unterscheidet sich von der von “Kiezkicker” wahrscheinlich in erster Linie durch das, was man subjektiv so ertragen kann. Da ist der eine gelassener und entspannter, der andere eben weniger.

      Natürlich wäre ich auch dafür, dass man dies alles über sich ergehen lassen sollte, solange es “nur” Jubel ist. Ob da jetzt der Bogen überspannt wurde (Augenzeuge Kiezkicker: “hineingefeixe” in den Stehbereich) oder eben nicht, wird sich wohl nicht klären lassen und selbst wenn man dies auf Video mit Ton sehen würde, gäbe es da wohl jene die es so und jene die es anders sehen.

      Wo ich komplett bei Dir bin: Spätestens mit der Wasserflasche und damit einer möglichen Körperverletzung Unbeteiligter ist der Bogen überspannt.

      Auf Dauer sehe ich aber nicht, dass man dieses Minenfeld durch Gespräche entschärfen kann, dafür ist (imho) die Süd zu emotional aufgeladen, um derartiges zu ertragen. Kann man gut finden, kann man scheiße finden, dürfte aber so der Realität entsprechen.
      Und die BS auf der Süd sind ja kein Erzeugnis des herrlich verrückten bei uns, dass wir solche Widersprüche gerne anziehen, sondern schlicht der zeitlichen Abfolge des damaligen Umbaus geschuldet, als die Süd möglichst schnell möglichst viel Geld abwerfen musste und es eben auf den anderen Tribünen weder Logen noch Business Seats gab.
      Will sagen: Man kann das natürlich so lassen, läuft dann aber sehenden Auges in Wiederholungen. Ob wir das gut und angemessen finden oder nicht.

    • sternburg sagt:

      Ich kann die gesamte Diskussion nicht nachvollziehen.

      Für mich gehört zum schönsten, was den Fußball ausmacht, das gegenseitige Frotzeln und freundliche Beleidigen verschiedener Fans. Das macht doch Spaß.

      Beleidigen, danach gemeinsam Bier trinken, dann weiter beleidigen und dabei Bier trinken. So sieht für mich ein gelungener Nachmittag aus. Klar ist eine Heimtribüne eine Heimtribüne und irgendwelche Auswärtsrotten will man da nicht zwingend haben. Aber wenn jemand seinen Kumpel mitbringt und beide verfolgen gemeinsam das Spiel, dann stehe (oder sitze) ich gerne neben den beiden. Und wenn man es als “Provokation” empfindet, weil sich jemand über das Siegtor für seinen Verein freut, dann ist im emotionalen Verhältnis zum Fußball doch ohnehin schon einiges schief gelaufen.

      Ich muss zugeben, mittlerweile genau deswegen eigentlich lieber den Nachmittag in der Kneipe zu verbringen, wo sich Fans verschiedenster Vereine bei der Konferenz (igitt) gegenseitig “provozieren”. Mir macht das Spaß.

      Ich war erst ein paar Mal bei St. Pauli (Profis und Blindenfußball). Ich war jedes Mal davon beeindruckt, wie gastfreundlich man dort als Gast behandelt wird. Und habe mir jedes Mal gewünscht, bei meinem Verein würde man sich davon eine Scheibe abschneiden. Es ist schade zu hören, dass man sich auch in diesem Bereich an “normale” Vereine immer mehr anzunähern scheint. Aber vielleicht war mein Eindruck auch idealisiert, wer weiß.

      • Frodo sagt:

        Ich glaube schon, dass es grundsätzlich bei uns immer noch ausgesprochen Gastfreundlich zugeht, insbesondere auch rund ums Stadion.
        Allerdings ist eben der Business-Seat-Bereich direkt über den Ultras einfach eine derart hinderliche Bausünde (die historisch durchaus ihre Gründe hat), dass man da schon schneller der Geduldsfaden überspannen kann.
        Es ist eben ein Unterschied, ob man bei Tor ein “Ja!” in sich hinein(und ein bißchen heraus-)ruft, oder ob man direkt hinter den Ultras stehend mit dem Schal wedelt und den Mittelfinger reckt, während sich die Heimfans gerade gedanklich wieder mit einem weiteren Bein in Richtung 3.Liga bewegen.
        Es wird hier (wie so oft) sehr subjektiv sein, was man bereit ist zu ertragen – und je nach persönlichem Leidensdruck ist die Schwelle dann eben auch bei uns mal überschritten.

        Das man dann nach dem Spiel hoffentlich wieder gemeinsam und friedlich ein Getränk einnehmen kann, steht auf einem anderen Blatt. Aber selbst hierfür ist ein gegenseitiger Respekt eben nötig.

        • sternburg sagt:

          Erst einmal Danke für die Antwort.

          Aber ich fürchte, da kommen wir nicht zusammen.

          Klar ist vieles sehr subjektiv. Zum Beispiel hat auch jeder seine eigene Grenze, ab der er das Gefühl hat, sich selber wie ein Arschloch aufzuführen.

          Soweit ich das verstanden habe, befanden sich diese Menschen legitim und legal als Stuttgarter in diesem Block (und haben dafür wohl auch ganz gut Kohle abgedrückt, wenn ich den Namen des Blocks richtig verstehe; aber das nur am Rande). Dann gehört es für mich zum normalen und auszuhaltenden Verhalten als Fußballfan, sich über ein spätes Siegtor des eigenen Vereins ekstatisch zu freuen und dieser Freude auch durch dumme Rufe und Gestiken Ausdruck zu verleihen (deswegen geht man doch dahin). Schal wedeln ist ja wohl das Selbstverständlichste und selbst der Mittelfinger muss aus meiner Sicht – wenn mit einem Lachen vorgetragen – nicht völlig unangebracht sein.

          Wessen Lunte zu kurz ist, um deswegen in einen anderen Block zu stiefeln und diesen Gästen das Lachen aus ihrem Gästegesicht wegschieben zu wollen, der sollte aus meiner Sicht eher mal über seine Lunte nachdenken.

          Zur Klarstellung. Wofür ich hingegen jedes Verständnis hätte: Wenn der Heimblock darauf in gleicher Münze reagiert. Also mit Rufen oder Gesängen oder Gesten. Gerne auch beleidigend. Warum auch nicht?

          Du sprichst die ganze Zeit davon, wie unglücklich das gelöst ist, dass sich diese Sitze unmittelbar hinter den Ultras befinden. Mit Verlaub: Mir scheint das Problem eher zu sein, dass sich die Ultras unmittelbar vor diesen Sitzen befinden.

          Aber im Grunde lässt sich das Ganze recht einfach lösen. Ihr seid doch ein Verein mit halbwegs funktionierender Binnendemokratie (oder?) und für solche Interessenabwägungen wurde doch die Demokratie erfunden. Bringt das doch bei der nächsten JHV mal zur Sprache: Wir wollen ab sofort auf die Kohle aus dem Business-Seat-Bereich in der Süd verzichten, damit die dortigen Ultras diese Unverschämtheit, Gästefans und ihrer Emotionen gewahr zu werden, nicht mehr ertragen müssen. Auf der einen Seite. Und auf der anderen Seite: Wir verlangen von den Ultras eine gewisse Grundtoleranz gegenüber der Existenz von zahlenden Gästefans im Nachbarblock.

          Ich meine, eines von beidem geht nur. Aber das auf den Schultern von Menschen abzuladen, die ganz normal für ihren Platz bezahlt haben und sich ganz normal als Fußballfans benehmen, das finde ich unredlich.

          Und ich bin bestimmt kein Freund des VfB Stuttgart.

          • Frodo sagt:

            Wahrscheinlich kommen wir da tatsächlich nicht zusammen, darf ja auch mal sein.
            Ein letzter Versuch, meine Position nochmal auf eine andere Art und Weise darzustellen:
            In meinem Wohnzimmer darf ich meine Füße auf den Tisch legen, wenn mir danach ist (und alle anderen Familienmitglieder einverstanden sind).
            Woanders darf ich dies aber natürlich noch lange nicht.

            Ja, der Vergleich mag hinken, übertragen ist jetzt hier die Definitionsfrage, ob die direkt an unseren Ultra-Bereich angrenzenden Business-Seats eben “Mein Wohnzimmer” sind.
            In 99% aller Stadien stellt sich die Frage gar nicht, weil die eben in einem neutralen Bereich (i.d.R. Haupttribüne) gebaut sind.

            Deine Spitzen gegen die Ultras übersehe ich mal, das dürfte zu einer anderen Diskussion führen 🙂
            Und nein, was Du hier etwas polemisch als “Unverschämtheit” abtust, ist aus meiner Sicht in keinem Fall einfach so akzeptabel, wenn man sich im “Heimbereich” befindet, dafür gibt es Auswärtsblöcke oder eben im Notfall den direkt daran angrenzenden Bereich.
            (Und ja: Wahrscheinlich kommen wir da einfach nicht zusammen, ich wollte es nur nochmal anders schildern.)

          • sternburg sagt:

            Ein Wort vorweg: Ich finde das sehr angenehm, mich mit jemanden zu streiten, der einen Streit nicht zwingend gewinnen will (ich glaube, “diskutieren” war mal das Wort dafür).

            Ich glaube, ich verstehe jetzt, wo wir auseinander liegen. Ich möchte mal in Deinem Beispiel bleiben: Das beschriebene Verhalten passt für mich nicht zum Bild “Füße auf den Wohnzimmertisch legen” (nicht, dass ich das nicht machen würde). Bei einem Fußballfan, dessen Mannschaft gerade nach zähem Spiel glücklich das späte Siegtor geschossen hat, ist das eher etwas, was absolut normal, was erwartbar ist. So erwartbar, wie es in einem Wohnzimmer erwartbar ist, dass ich mich auf das Sofa setze. Und vielleicht den Fernseher anmache.

            Jetzt komme ich nicht einfach so in Dein Wohnzimmer, pflanze mich auf das Sofa und mache den Fernseher an. Schon gar nicht, wenn Du gerade schlecht drauf bist. Und selbst wenn ich zu Gast bin, weil mich einer Deiner Freunde mitgebracht hast, schaue ich vorher, ob das cool ist. Ich verscheuche also nicht Deine Katze vom Sofa und schalte um, was Du gerade siehst. Jedenfalls nicht, ohne Dich vorher zu fragen. So passt für mich das Bild besser.

            Wenn ich aber legal und legitim Geld dafür bezahlt habe, genau dieses Wohnzimmer zu mieten (weil es z.B. mein Zimmer in einem Hotel ist), dann setze ich mich. Und dann mache ich auch den Fernseher an. Und wenn das den Typen in der Nachbarwohnung stört, weil die Wände untypisch dünn sind und er meine Sendung nicht leiden kann, dann müsste er mich schon sehr höflich fragen, damit ich darauf Rücksicht nehme. Wenn der aber plötzlich und ungefragt in meinem Zimmer steht, mich anbrüllt und wütend das Kabel aus der Wand reißt, dann hätte ich da kein Verständnis für.

            So kommt mir das vor. Passt das Bild für Dich? Wenn nein, habe ich vielleicht irgendetwas an den Schilderungen falsch verstanden? Ich war – als einziger hier – nicht dabei, ich mag das nicht ausschließen.

            Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen, dass einen das stört. Und ja, ich mache mich darüber lustig. Weil ich es lächerlich finde. Aber das ist meine Meinung und mein Empfinden, die muss man nicht teilen. Aber dann muss man bitte sein Hotel umbauen oder diese Zimmer nicht vermieten. Das kann man dann nicht einfach an dem Gast auslassen. An dem Gast, der aus sich aus meiner Sicht in der Situation völlig normal und sozialadäquat verhalten hat.

            Jetzt mal unabhängig davon, ob Du meine Sicht teilst: Verstehst Du sie jetzt? Habe ich das jetzt besser erklärt?

          • Frodo sagt:

            Ja, die gute alte “Diskussion” mit gegenseitigem Respekt für die Meinung anderer… ein hohes Gut 🙂

            Ich denke, was unsere Diskussion zu einem “toten Rennen” werden lässt, ist folgendes.
            Wenn wir 1a-Videomaterial von der Situation hätten und sie gemeinsam schauen würden, würden einige danach sagen:
            “Siehste… der kommt rein und fragt ganz höflich, ob er umschalten darf.”
            Andere antworten: “Bist Du blind?! Die Sau reisst das Kabel raus und verbrennt anschließend noch meine Katze?!?”

            Will sagen: Das subjektive Empfinden dessen, was aushaltbar sein sollte, ist sehr unterschiedlich.
            Und wahrscheinlich ist es auch nochmal anders, wenn besagtes Verhalten am 34.Spieltag passiert, bei dem es für meinen Verein um nichts mehr geht und ich es in der 3.Minute erlebe, als wenn es im absoluten Existenzkampf eben kurz vor Abpfiff passiert.

            Wo ich aber natürlich bei Dir bin: Es muss baulich verändert werden, wenn man das dauerhaft lösen will. Ansonsten wird man diese subjektiv unterschiedlichen Wahrnehmungen leider immer wieder haben und damit ähnliche Folgen wie Sonntag immer wieder auslösen.
            Wir haben dazu gestern Abend auch länger beim MillernTon drüber gesprochen, Veröffentlichung irgendwann heute Abend 🙂

    • Kiezkickerde sagt:

      Ihr Verbrechen war auch weniger, dass sie “unangemessen gejubelt” haben, so ein Quatsch, die haben halt ihren Schal hochgehalten und ein bisschen rumgebölkt (normales Jubel eben), sondern dass sie beim Jubeln im Businessblock gesessen haben.

      Quatsch. Auslöser vom Stress war doch nicht, dass man “es den Businessseats- Leuten endlich mal zeigen wollte“, sondern auf was für eine Art die da ihr Jubeltänzchen aufgeführt haben. Das die sich auf den Business,Seats befanden dürfte genau Null dazu beigetragen haben, wie sich das entwickelte- jedenfalls was die Reaktion anging. Allenfalls hat es dazu beigetragen, _dass_ sie so provoziert haben, weil sie sich da oben wohl sehr sicher fühlten. Nun, kleine Fehleinschätzung möglicherweise, vielleicht hätten die sich in anderen Stadionbereichen nicht so selbst produziert. Aber um “scheiß Businessseats da oben“ ging es sicher nicht, lol, die Reaktion auf die wäre in anderen Stadionbereichen ähnlich gewesen, nur wäre sie da vielleicht nicht so auffällig gewesen.

  11. Pingback: Glücklich im Schietwetter

  12. Uwe sagt:

    Moin,
    Ich muss sagen ich bin VfB Fan und mit drei Kumpels in dem Stehbereich D gewessen… wir haben uns eigentlich sehr wohl gefühlt und uns mit Pauli Fans unterhalten. Beim Tor haben wir uns nur kurz abgeklatscht und uns innerlich gefreut … was jeder machen würde.
    Wir hatten diese Karten von einem Freund bekommen von St. Pauli, der setzte alle Hebel in Bewegung das wir ins Stadion gehen könnten, da wir am November 2016 schon Bahn und Hotel gebucht hatten und leider keine Karten über den VfB Stuttgart bekommen haben (da es zum Losverfahren kommt wie in der Saison bei jedem Spiel). Das macht eigentlich diesen Verein aus.
    Es gibt in allen Vereinen idioten da kann man einfach nichts ändern…

    @Carsten: ich beleidige keine Kitzkicker dann du bitte auch keine Schwaben…

    War ein schönes Wochenende in Hamburg, nicht nur wegen Fußball ⚽️ auch weil wir einfach Spaß hatten im Norden.

    Herzliche Grüße
    Uwe

    • Frodo sagt:

      Moin Uwe,
      So soll es ja grundsätzlich auch sein und ist es am Millerntor schon ewig die Regel.

    • sternburg sagt:

      BTW: Ich persönlich bin jederzeit bereit, sowohl Kietzkicker als auch Schwaben zu beleidigen.

      Nur falls jemand auf den Gedanken kommen sollte, ich würde glauben, hier aus einer moralisch überlegenen Position heraus zu argumentieren.

      Tue ich nicht.

  13. Clemens sagt:

    Mein Sohn und ich sind die von André oben genannten Freunde, die direkt nach der Kartenkontrolle im Stadionbereich von drei St.Pauli Fans vehement aufgefordert worden sind, sofort die Schals abzunehmen (inklusive Gezerre an selbigen). Ich war zunächst ziemlich perplex, habe dann allerdings recht energisch darauf bestanden, meinen Schal zu tragen. Komischer Weise hat dies weder die Ordner am Einlass 1 Meter hinter uns, noch die unbeteiligt umstehenden St. Pauli Fans interessiert.

    Den Eklat nach dem Tor habe ich nur aus der Entfernung mitbekommen. Beim Tor selbst haben wir uns dezent mit der Becker-Faust in der Jackentasche gefreut, aber selbstverständlich keinen Tanz aufgeführt, sondern nur kurz abgeklatscht.

    Ich reise mit meinem Sohn bereits seit mehreren Jahren durch Deutschlands Stadien und noch NIE habe ich so etwas erlebt. Selbst bei euren Stellinger Nachbarn sitzen wir mit VfB-Trikot oder Schal entspannt auf der Tribüne und können uns stressfrei mit HSV-Fans unterhalten oder auch mal frozzeln. Alles entspannt. Darüber sollte man als St.Paulianer auch mal nachdenken.

    Ich bin derweil fernab davon, die St.Pauli Fans aufgrund dieser Erfahrung generell zu stigmatisieren, aber die Entwicklung hin zu einem “normalen” Verein ist in solchen Momenten leider unverkennbar. Man sollte Werte wie Toleranz nicht nur predigen, sondern auch leben können. Und wenn die Toleranz bei einem Sitznachbarn mit weiß-rotem Schal bereits aufhört …, schade.

    • Frodo sagt:

      Moin Clemens,
      Danke für die Schilderung. Und ich bin da ganz bei Dir, das Tragen eines Schals alleine sollte noch bei niemandem die Stimmung kippen lassen.
      Wenn allerdings andere dann beim Jubeln eine (wie bereits mehrfach ausgeführt: sehr subjektive) Grenze überschreiten, werden andere mit Schal (o.ä.) eben auch schnell in Sippenhaft genommen.

      Aber nach Eurem Abklatschen ist doch auch nichts passiert, oder?
      So soll es dann ja auch sein.

      • Clemens sagt:

        Moin Frodo,

        nein, nach unserem dezenten Jubel ist natürlich nichts passiert. Das Gros der Fans reagiert in einer solchen Situation i.d.R. auch angemessen. Aber das von mir Geschilderte ist VOR Spielbeginn passiert und da hätte die Stimmung noch auf Null stehen müssen. Aber es handelte sich hier um – von Carsten so charamant mit “USP-Jungmänner” – titulierte Fans, die endlich auch mal Bestimmer sein wollten.

        Ich gehe seit ’81 ins Stadion. Und ja, ich bin gelegentlich auch schon mal auf dem Weg dorthin blöd von der Seite angelabert worden. Aber das war am Sonntag eine wirklich neue Erfahrung für mich, auf die ich gerne verzichtet hätte. In anderen Stadien (z.B. H96) wird bereits in den AGB beim Kauf des Tickets darauf hingewiesen, dass einen die Ordner bei “ungebührlichem Verhalten” oder Auftreten mit Gästefan-Utensilien im Fan-Heimbereich des Stadions verweisen dürfen. Dort gehen wir auch nicht mehr hin. Dass einen aber die Fans der Heimmannschaft ohne derartige Regelungen bereits auffordern dürfen, Fan-Equipment abzulegen, ist mir neu. Da ich trotz Mitgliedschaft beim VfB nur selten Tickets für das Gästekartenkontingent erhalte (Losverfahren und nur Anspruch auf max. 1 Ticket), bin ich auch weiterhin darauf angewiesen, bei VfB-Auswärtsspielen im Bereich der Heimmannschaft zu sitzen. Ich hoffe daher, die Erfahrung von Sonntag bleibt eine Ausnahme.

        Grüße,
        Clemens

        • Frodo sagt:

          Nun, “Süd” und “Gegengerade” sind eben originärer Heimbereich, die besondere Situation bzgl. Süd und Business-Seats wurde hier ja schon mehrfach diskutiert.
          Das es insbesondere unter jüngeren Fans bei jedem Verein auch welche gibt, die über das Ziel hinausschießen, sollte uns nicht glücklich machen, aber eben auch nicht wundern… und umgekehrt eben auch jedem klar sein, dass im expliziten Heimbereich jederzeit im Einzelfall sowas passieren kann, auch wenn es nicht wünschenswert ist.

          Will sagen: Als jemand, der auch regelmäßig mit seinem Sohn auswärts fährt, kann ich Dich gut verstehen.
          Ich behalte allerdings auswärts die “Farben” schon meist so lange versteckt, bis ich mich im/am Gästebereich befinde… im Stadion habe ich dann natürlich gegenüber Dir den Vorteil, immer Karten auch für den Gästebereich zu haben.
          Und wenn es keine Karten für den Gastbereich gibt, sollte eben (aus meiner Sicht) ein Block direkt in der Nähe gesucht werden – und dies ist eben weder die Süd noch die GG. Kein Vorwurf an Dich, eher eine Zustandbeschreibung / Empfehlung.
          Das dies durchaus auch die Schuld unseres Vereins ist, mit der besonderen Ticketsituation und insbesondere den Business-Seats: Völlig klar, daher sollte dies auf Sicht auch irgendwie anders gelöst werden.

          • Frodo sagt:

            Nachtrag: Siehe hierzu auch eine Stuttgarter Sichtweise, die ähnliche Vorfälle auch beim VfB benennt.
            http://rundumdenbrustring.de/gluecklich-im-schietwetter

          • Clemens sagt:

            Vollkommen richtig, in die Cannstatter Kurve sollte man sich als St.Pauli Fan vielleicht auch nicht unbedingt mit braunem Trikot stellen. Aber auf der Haupttribüne sollte man damit eigentlich ungeschoren davon kommen.

            Egal, ich drücke euch in jedem Fall die Daumen im Abstiegskampf. Schließlich will ich ein Hamburger Derby in Liga 2 sehen 😉

          • Frodo sagt:

            Und da sind wir wieder bei dem baulichen Problem, denn die Süd ist eben unsere “Canstatter Kurve”. Und die Business Seats dort sollten nicht dort sein, sondern eben auf der Haupttribüne. (Und natürlich kann man als Gästefan nichts für diesen Umstand.)
            Dort sind zwar auch welche, aber eben nicht alle.

            Wahrscheinlich liegen wir in unseren Ansichten gar nicht weit auseinander… und bei dem Derbywunsch bin ich natürlich ohnehin bei Dir 🙂

    • sternburg sagt:

      Als Gladbach-Fan nehme ich ich Deine Schilderung ambivalent auf.

      Einerseits ist das natürlich das Allerletzte. Und ich persönlich habe das so auch noch nicht erlebt.

      Andererseits gehört es zur Lebensrealität zwar nicht meines Fandaseins, aber doch von dem vieler anderer, dass Menschen, die sich an den Merch von Menschen mit abweichendem Lieblingsclub stören, dass die diesen Menschen nicht nur nahelegen, ihren Kram abzulegen, sondern auch abzugeben. Und zwar jetzt und zwar an sie.

      Insofern möchte ich bei aller Empörung, die man mir vielleicht anmerkt, Deine Wortmeldung kurz nutzen, um darauf aufmerksam zu machen, dass wir uns hier nicht über das Schlimmste unterhalten, was einem als Fußballfan auf Reisen so passieren kann. Aber trotzdem finde ich das sinnvoll sich unter Freunden (und als solchen empfinde ich diesen Ort) darüber zu unterhalten, wenn Gehabe in die falsche Richtung geht und Leute unangenehm werden. Und wenn man das nicht haben will.

      Und ich will das nicht haben. Weder bei meine Verein noch anderswo.

  14. Janni sagt:

    Ohne auf die konkrete Situation eingehen zu wollen.

    Im Stadion gibt es für mich grob 3 Bereiche:
    – Heimkurve: absolutes Tabu für Gästefans oder Fans von anderen Vereinen
    – Haupttribüne, Gegengerade: als Gästefan verhält man sich ruhig, Fan von anderen Vereinen: man kommt erst recht ohne Schal/Trikot
    – Gästeblock: Tabu für Heimfans und Fans anderer Vereine

    Frage an alle die rufen, FCSP ist so tolerant:
    Wärd ihr auch so tolerant gewesen, wenn es nicht Stuttgarter sondern HSV’ler wären?

    Umso mehr ich über das Thema nachdenke, komme ich zur Erkenntnis: Wir sollten uns das Leben nicht zu schwer machen und “Leben und Leben lassen”. 🙂 Im Stadion ist das aber manchmal nicht so einfach…

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