Allerdings: Die Hoffnung ist bekanntlich die kleine Schwester der Illusion.

Da war sie wieder, die Melange aus Abendspiel und Flutlicht (obwohl die Sonne auch am Abend noch freudig strahlte) – und eben… Dom. (Der Dom muss weg!) Es wurde wirklich alles versucht: Der Tisch diente als Trommel, das Sofa wurde zur Hüpf-Tribüne, die braun-weiße Fahne bekam einen Ventilator zur Seite gestellt, damit sie wenigstens etwas wehte und gezündelt wurde im Minutentakt. Nichts davon brachte jedoch die gewünschte Wirkung und so muss man mit dieser üblen 1:2-Pleite einfach leben. Ja, einfach mal traurig sein. Aber nicht wütend, denn unsere Jungs haben eigentlich ordentlich mitgespielt. Aber eben wieder nur „eigentlich“ und vor allem während der zweiten 45 Minuten nur noch „mit“gespielt.

Die medizinische Abteilung des SC Freiburg scheint einen Wunderheiler in ihren Reihen zu haben, anders lässt sich die schnelle Genesung des Igor Matanovic nicht erklären. Am Sonntag davor noch mit einer scheinbar schweren Verletzung ausgewechselt, stand er am Donnerstag im Europapokal bereits wieder auf dem Platz und zählte beim 5:1-Sieg über Genk auch zu den Torschützen. Heute traf er gegen seinen Ex-Club gleich doppelt.
Die erste Hälfte ging ganz klar an unsere Kiezkicker. Der feurige Empfang des Teambusses zeigte Wirkung. Von Beginn an herrschte in den Breisgauer Reihen so etwas wie „geordnete Sorglosigkeit“, die alsbald bestraft werden sollte. Selbst das langsamste Kinderkarussell und das Riesenrad nebenan auf dem Dom (der weg muss!) legten mehr Tempo vor als die Freiburger. Zwischendurch meldet Kollegin Svenja: „Schöner Wechselgesang zwischen beiden Fangruppen mit ‚Scheiß DFB!‘ und ‚Scheiß DFL!!‘“. Chapeau!

Plötzlich entwickelte sich die Partie zu einer wilden Achterbahnfahrt in Braun und Weiß und nach etlichen guten Chancen in den Anfangsminuten war es in der 24. Minute dann soweit: Danel Sinani erzielte im Fallen das 1:0! Ganz großes Kino! Chapeau!
Nur zwei Minuten später hatte Arkadiusz Pyrka die Chance auf das 2:0, doch sein Schlenzer verfehlte das lange obere Eck knapp. Bis zur Pause passierte auf beiden Seiten dann nicht mehr viel.

In der zweiten Hälfte wandelte sich die bis dahin gezeigte Leichtigkeit plötzlich in Schlafmützigkeit. Nichts lief mehr wirklich zusammen und unsere Jungs meist nur dem Ball und Gegner hinterher.
Ausgerechnet Igor Matanović, der lange 13 Jahre das St. Pauli-Trikot trug, erzielte den Ausgleich (65.), nachdem er angeschossen wurde und die Kugel irgendwie von seinem Schienbein ins Netz ging. Zuvor hatte FCSP-Schlussmann Nikola Vasilj binnen fünf Minuten drei Weltklasse-Paraden gezeigt! Chapeau für jede einzelne davon!

Zwei Minuten nach dem Ausgleich wurde ein Freiburger Treffer nach ewig langen VAR-Minuten zu Recht wegen Abseits zurückgenommen. Doch nur 180 Sekunden darauf war Matanović erneut zur Stelle und drückte das Spielgerät über die Linie (77.).

Es blieb den Kiezkickern also noch genügend Zeit, zumal es satte sieben Minuten Nachlag gab. Doch es half alles nichts und so steht der FCSP wieder auf dem Relegationsplatz.
Ein sichtlich angefressener Alex Blessin nach dem Abpfiff: „Wir haben nicht gegen elf Gegner, sondern gegen zwölf gespielt. Und der Zwölfte war der Schiri. Keine Ahnung, weshalb er mir Gelb gezeigt hat und auch sonst waren einige Entscheidungen zweifelhaft“.
P.S.: Rund ums Spiel:

Die Sondertrikots zum Aktionstag gegen Rechts fanden reißenden Absatz. Auch bei ebay wurden bereits reichlich überteuerte Angebote gesichtet.
Der feurige Empfang der Mannschaft am Busparkplatz sorgte zumindest 45 Minuten lang für reichlich Feuer – dass allerdings ebenso verpuffte wie der Qualm der Bengalos.
Ein fettes Nicht-Danke geht an Eintracht Frankfurt, die uns mit ihrer Niederlage in Mainz einen Bärendienst erwiesen haben.
// Hossa
