Rostock - Nachtrag II

Ooooooh, ich muss Abbitte leisten!

Gestern, am späten nachmittag hat sich der weltoffene FC Hansa Rostock doch noch zu einer Stellungnahme hinreissen lassen! Wer aber hier eine ähnlich deutliche Wortwahl wie bei den Entschuldigungen des Vereins, von Deniz Naki, dem Fanladen oder dem Fanclub-Sprecherrat erwartet hatte, sieht sich… ähm… nun ja… leicht enttäuscht.

Sinngemäß lässt sich das Geschriebene wie folgt zusammenfassen:

  1. Beide Seiten waren schuld, auch die Fans des FC St.Pauli
  2. Die Bahn ist auch schuld, weil der zweite Sonderzug verspätet war.
  3. Jemand anderes, völlig fremdes, war auch schuld, weil (Zitat) “dieses Spiel lockt immer wieder Personen an, die die vermeintlich politische Einstellung der Anhängerschaft als Vorwand für ihre Gewalt nutzen.”
  4. Immerhin: Für den Angriff auf den Rollstuhlfahrer entschuldigt man sich ohne jede Einschränkung.
  5. Abschließend nochmal der Hinweis, dass sich auch St.Pauli Fans daneben benommen haben, man aber natürlich nicht mit dem Finger darauf zeigen wolle, weil das ja unterstes Niveau sei.

Tja, klingt anders als unsere o.a. offiziellen Stellungnahmen, in denen man nur auf seine eigenen Fehler schaute und diese vorbehaltlos zugab und verurteilte… kein Wort von den Bannern und Aktionen im Stadion, keine Entschuldigung für die Krawalle nach dem Spiel (außer einer Alibi-Distanzierung). Aber, und damit schließe ich dann auch das Zitieren:
“Der F.C. Hansa Rostock ist ein freundlicher, offener und toleranter Fußballverein.”
Ich wünsche mir dann jetzt einfach mal ganz wertfrei, dass sich diese Freundlichkeit, Offenheit und Toleranz auch vom DFB im Bezug auf das Spiel vom Montag nochmal angeschaut wird und man sie ab der nächsten Saison sportlich dann in Liga 3 unter Beweis stellen darf. // Frodo

P.S. Da ich ein paar Kommentaren hier und auch sonstigen Gesprächen entnehme, dass auch meine Worte im Bericht nicht deutlich genug waren, hier auch nochmal von mir ohne jede Umschweife: Ich hätte mich über den Sieg noch mehr gefreut, wenn im Stadion kein Böller und kein Bengalo gezündet worden wäre. Diese dann sogar noch auf andere Menschen zu schmeissen ist scheiße und unverzeihlich, jedes dafür (aufgrund der Videoüberwachung) noch auszusprechende Stadionverbot ist berechtigt und findet meine Zustimmung.

3 Responses to “Rostock - Nachtrag II”

  1. Johnny Says:

    Mit reichlich Verspätung hat der FC Hansa jetzt auch eine Stellungnahme abgegeben.
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=154&oid=10069
    Banner sind in der Regel pauschalisierend, politisch inkorrekt, sofern sie überhaupt was mit Politik am Hut haben sollten und in Derbys gerne auch beleidigend.
    Wer sich selber “Follow your leader, do it like Rieger” in den Block hängt und damit die Rostocker zum fröhlichen Tod durch Schlaganfall auffordert sollte nicht mit dem Finger auf andere zeigen.
    Die rassistischen Beschimpfungen gegenüber Deniz Naki sind zumindest umstritten. Nach dem Spiel hat er davon nichts erwähnt.
    Sollte was dran sein wären die einzige Lösung Geisterspiele. Auf beiden Seiten tauchen zu diesen Spielen, ob in Hamburg oder Rostock, Menschen auf, die sonst kaum ein Stadion von innen sehen und sich einen Dreck um das Spiel kümmern. Da hilft weder die hundertste Anti-Gewalt Kampagne von Theo Zwanziger noch die Aktionen vom FC Hansa Rostock, die es durchaus gibt.
    Hier mal 3 Beispiele:
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=297&site=2&oid=7303
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=297&site=2&oid=7689
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=297&site=2&oid=7508

  2. Johnny Says:

    Das geht ja wohl noch munter bis zum Rückspiel hin und her.
    Erst mal sehe ich als Rostocker Anhänger die Sperre für Deniz Naki auch als absolut lächerlich und unverhältnismäßig an, mangelte es bei Asamoah damals angeblich an Beweismaterial, reicht bei Naki eine kurze Handbewegung. Geldstrafe und gut ist, mit einer Sperre hätte ich im Leben nicht gerechnet und dann gleich 3 Spiele.
    Inzwischen steht ja auch das Strafmaß fest, Corny Littmann ist mit seinen Forderungen aber ein bisschen übers Ziel hinausgeschossen. Er forderte ja direkt Stadionverbote für die Bannermaler, dann muss er aber auch bei St.Pauli Leute wegsperren. Ein gesunder verbaler Schlagabtausch gehört einfach dazu, bei den letzten Derbys sind beide Seiten übers Ziel hinaus geschossen, aber mit Stadionverbot und ähnlichen Dingen würde ich bei verfassungsfeindlichen Sprüchen kommen.
    Außerdem flog der erste Böller schon nach 4 Spielminuten aus dem Gästeblock genau in die Ordner, bevor irgendwelche Banner hochgehalten wurden. Und genau bei dem Böller dürfte es auch mindestens einen Verletzten gegeben haben, weil niemand damit gerechnet hat, nach dem Tor gingen sofort Bengalos an und die Leute konnten sich “drauf einstellen”, dass gleich was geflogen kommt. Beim ersten Wurf war das einfach nicht möglich.
    http://www.abendblatt.de/sport/fussball/st-pauli/article1273724/St-Pauli-Beleidigende-Spruchbaender-verboten.html
    Und inzwischen kann der FC Hansa wohl auch schnell Stellung nehmen. Zu Corny Littmanns Aussagen kam diese Antwort:
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=154&oid=10172
    Auch der angegriffene Rollstuhlfahrer hat dem FC Hansa keine Ruhe gelassen. Was am Ende rauskam stellt eher den Rollstuhlfahrer in ein schlechtes Licht.
    http://www.fc-hansa.de/index.php?id=154&oid=10173
    Man kann da natürlich an eine interne Verschwörung der Ordner glauben, aber ich halte es da eher mit einem Songtext der Toten Hosen, “Auch Lesbische, Schwarze, Behinderte können ätzend sein”.
    Solche Meckerheinis, die nur auf Provokation aus sind trifft man leider an fast jedem Dorfacker, der hier musste sich dann wohl noch besonders wichtig machen. Sowas stört mich persönlich immer, weil die Glaubwürdigkeit aller Fußballfans unter solchen Selbstdarstellern leidet und die Bildzeitung und Konsorten solche reißerischen Stories nur zu gerne abdrucken.
    Unterm Strich bleibts für mich dabei. Beide Lager ziehen zu diesem Spiel Abschaum an, der sich sonst nicht im Stadion blicken lässt. Beide Fangruppen haben böse Banner hochgehalten. Beide Fanszenen können auch anders, ob ihr zusammen mit Celtic oder Hansa bei Stefan Beinlichs Abschiedsspiel. Im Rückspiel wird davon aber nichts mehr zu sehen sein.

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