33.Spieltag (A) – Dynamo Dresden

SG Dynamo Dresden – FC St.Pauli 1:0 (0:0)
Tor: 1:0 Robert Koch (54.)
Zuschauer: 29.184 (ca. 3.000 St.Paulianer)

Es ist Sonntag, 21.00h, der Sonderzug Weiß stand soeben einige Minuten sinnlos in Stendal herum und die Tresenschicht ist auch beendet: Zeit, den Blog-Bericht zu schreiben. Da ich soeben auch schon die Mittelseite für den am Sonntag gegen Paderborn erscheinenden ÜBERSTEIGER Nr.107 ins Handy gehackt habe, um den Redaktionsschluß irgendwie noch einzuhalten, beschränke ich mich mal auf mehr oder weniger geordnete Spiegelstriche meiner Gedanken und Erlebnisse.

  • Sonderzug Hinweg: Alles entspannt, sauberer Zug, genug Toiletten. Man merkt, dass die Bahn die Dinger nicht mehr selber stellt, sondern diese von einem privaten Dienstleister kommen. Die Züge sind zwar keine ICEs, aber um Längen besser als die Schrottdinger von der Bahn aus der Vergangenheit.
  • Ankunft Dresden: Klar, ein romantischer Stadtbummel mit Elbblick und gemütlichem Schlendern in der Sonne sieht anders aus und wäre in einer perfekten Welt natürlich vorzuziehen.
    In dieser Welt leben wir nun leider schon viele Jahre nicht mehr, wenn es sie denn je gab, und so ist man bei derlei Repressionen seitens der Polizei auf der Anreise ja schon froh darüber, wenn diese einen wenigstens größtenteils in Ruhe lassen und einfach nur ihren Job machen. Nämlich, dich schnell und sicher zum Stadion zu bringen, ohne über Gebühr zu nerven. Dies hat heute sowohl auf Hin- als auch auf Rückweg geklappt, von leichter Wartezeit in übervollen und zu warmen Shuttle-Bussen mal abgesehen. 
    Wobei: Der Etat für das Polizeiaufgebot an diesem Tag würde wohl den 10-Jahres-Haushaltsplan so mancher Kleinstadt arg belasten, der Fuhrpark am Bahnhof zur Evakuierung Paderborns ausreichen und die zahlreichen Posten entlang der Strecke die durchschnittlichen Zuschauerzahlen der Oberliga toppen, aber: Kein “Feindkontakt“, Ziel erreicht.
    Schon traurig, dass sowas wie ein gemeinsamer Marsch zum Stadion verboten wird und man es inzwischen einfach nur noch seufzend zur Kenntniss nimmt und vom Gegenteil eher überrascht gewesen wäre.
    Repression ist als Fußballfan inzwischen Alltag, und ich merke an mir selbst, dass ich sie einfach nur noch resigniert hinnehme, Schade.
  • Sportlich: Hätte, wenn und aber, wie so oft in der Rückrunde. Die Chancen waren da (Schachtens Lattenschuß, Schachten völlig frei am Fünfer, Ebbers 2-3x mit Großchance, Schindler per Kopf und so weiter) wurden aber eben nicht genutzt und Dresden hat das durchaus clever gespielt und dürfte, wenn man das Team so zusammenhält, in absehbarer Zeit oben anklopfen.
    Von uns war es einfach zu wenig. 15 starke Minuten pro Halbzeit sind in so einem Endspiel dann auch nicht ausreichend.
  • Stimmung: Beeindruckend, was Dynamo an Heimsupport auf die Beine stellt, dürfte derzeit in Puncto Lautstärke und Mitmach-Faktor des gesamten Stadions in unseren Ligen weit vorne dabei sein. (edit: Zu ein paar weiterführenden Gedanken und Ausführungen zu dem Thema gerne auch in die Kommentare gucken.)
    (Und wehe es bringt jetzt jemand den Vergleich zu dieser angeblichen “Gelben Wand” in Dortmund, die immer nur dann laut wird, wenn man grad mal wieder nen Titel holt oder gegen Stuttgart 4:4 spielt, die können dagegen mal ganz gepflegt einpacken.)
    Wenn man jetzt noch auf diese typische “Wer hat den Längsten?“-Macker-Attitüde  verzichten würde (“Solange wir in die Elbe scheißen, gibt’s in Hamburg was zu beißen” und diverse “Scheiß St.Pauli“-Gesänge) könnte man Dynamo sogar was positives abgewinnen.
    (edit: Das Anbringen von erhängten Gummipuppen mit USP-Klamotten und Anti-Antifatransparente hab ich im Stadion nicht mitbekommen, sondern erst heute, Montag, auf Bildern gesehen. Jeglicher “positiver” Eindruck wird dadurch natürlich hinfortgewischt, ebenso von diversen Jagdszenen in Dresden auf die St.Paulianer, die nicht mit den Sonderzügen angereist waren und damit den Schutz des Polizei-Kokons verlassen mussten.
    Den “Stiernacken”-Faktor mit Thor Steinar Sympathie bei den Ordnern ist man bei vielen Vereinen ja inzwischen gewöhnt, die Faschos am Rande des Heimbereichs zum Gästeblock mit Shakehands zum Ordnungspersonal leider ja auch.  

    Aber der DFB bestraft eben auch lieber gezeichnete Figuren mit “Bullenschweine”-Schal als nen Hitlergruß, Bild dazu bei Inside Pictures)
    Die Stimmung bei uns war okay, allerdings war am Wochenende ja einiges “drumrum” vorgefallen, was Einigen das Mitmachen wohl zurecht verdorben hat. Zum Thema “Stadionverbote Schweinske-Cup” verweise ich einfach mal auf das Statement von Sven Brux im Forum und warte ab, was da auch vom Präsidium noch zu kommen wird. Das Thema ist seitens Polizei und DFB eine unfassbare Unverschämtheit und bleibt selbstverständlich im Blickfeld, nur sollte da jetzt aus meiner Sicht erst mal in Ruhe miteinander (Fans und Verein) gesprochen und Möglichkeiten diskutiert werden, bevor es in der Öffentlichkeit bis ins Detail diskutiert wird. 
  • Sonderzug zurück: Thees Uhlmann, Mike Krüger, Roxette, Madonna und Lokalmatadore bestimmten die Playlist… Ich kann mir vorstellen, lieber Thees, mit den Namen wolltest Du immer schon mal in einer Aufzählung stehen.
    Um 21.00h vermeldete der Partywagen “Bier alle!”. Gegen 23.00h waren wir dann wieder in Hamburg, viele machten sich dann gleich zum vorbereitenden Tanzen in den Mai auf.
    Insgesamt Danke für eine tolle Tour an den Fanladen und die ganzen Organisatoren des Partywagens, schade das da immer diese 90 Minuten Fußball sind, die einem den schönen Sonntag vermiesen. // Frodo

P.S.: Montag morgen: Inzwischen glaube ich auch wieder an die Relegation 😉

P.P.S.: Wer morgen am Mittag/Nachmittag noch nichts vor hat, kann die 2.Handballdamen beim Titelsammeln begleiten:

Handball, 2.Damen des FC St.Pauli, Pokalfinale 2012

Dieser Beitrag wurde unter Fanszene, Spielberichte abgelegt und mit , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Kommentare zu 33.Spieltag (A) – Dynamo Dresden

  1. fuerdieteilung sagt:

    komisch, als hätten wir verschiedene spiele besucht.

    – während die cops vor allem viele waren, waren die ordner ekelhafteste gestalten. gepaart mit einem sicherheitskonzept mit 3 kontrollen, so dass ins stadion kommen ernsthaft über eine stunde zeit beanspruchte. dazugehörig kontrollen durch spürhunde, denen sich viele aussetzen mussten und skandalöse rausschmisse durch die ordner u.a. wegen beschweren übers angefasst werden.

    – 5x laut sein und sonst die fresse halten ist für mich sicher nicht heimsupport der marke “nummer 1 in deutschland”. wer dazu noch so dümmlich gegen frauen und ein linkes bündnis hetzt zeigt sehr gut, wie die geisteshaltung in der ultragruppe so aussieht. die anzahl der nazis am zaun fand ich ebenfalls wesentlich höher als anderswo, deren hitlergrußrate war ebenfalls rekordverdächtig.

    – zug braun hatte offensichtlich bessere musik 😉

    • Frodo sagt:

      Bei den Ordnern, Polizisten und Faschos sind wir wohl sogar fast einer Meinung, das fällt bei mir nur eben schon unter “Man gewöhnt sich dran, so scheiße das auch ist.”, Stichwort Resignation. Die Anzahl der Nasen im nebenblock hätte ich aber wirklich schlimmer erwartet.

      Beim (akustischen) Support hingegen kommen wir wohl nicht zusammen, aber muss ja auch nicht.
      Die von Dir genannten Ausfälle hab ich im Stadion gar nicht mitbekommen und eben erst auf den Bildern gesehen, da stimme ich Dir natürlich völlig zu. Gehört dann (auf unterstem Niveau) sicherlich auch zu dem genannten typischen aber unnötigen Dingen, die sie eigentlich nicht nötig hätten.

      Und bei der Musik: Naja, die Meinungen dürften geteilt sein 😉

  2. fuerdieteilung sagt:

    wenn, dann waren die brachial laut. aber eben so selten, dass ich ehrlich gesagt enttäuscht war. ich hätte nach den letzten besuchen im alten stadion dort die hölle erwartet.

    fotos gucken ist dann sehr vielsagend:
    http://fotos.ultras-dynamo.de/2011-2012/33-dynamo-pauli/32.jpg

    • Frodo sagt:

      Die Fotos sprechen für sich, völlig richtig, da stimme ich Dir zu.

    • Frodo sagt:

      Nachdem ich nochmal kurz drüber nachgedacht habe, ein paar Gedanken hinterher:
      Natürlich ist mir die Art des Supports von USP deutlich lieber als die von UD, gar keine Frage, und ich bin auch weit davon entfernt in irgendeiner Art und Weise USP zu kritisieren, weil ich von gestern so beeindruckt bin. Sowohl die Vielzahl der Gesänge als auch die Dauerhaftigkeit ist bei unseren Heimspielen imposanter.
      ABER: Während eben bei uns oft “nur” USP und ein paar versprengte Restbereiche im Stadion singen, hat gestern bei nahezu jeder Aktion von UD die gesamte Stehkurve mit gemacht, bis in die äußerste Ecke, was bei uns leider nicht einmal auf der Süd im Stehbereich klappt. Und bei vielen Szenen hat sogar das komplette restliche Stadion mitgemacht, wo bei uns schon lange tote Hose ist. Will sagen: Der Gesamtsupport von Dresden hat es mir angetan, ganz sicher nicht deren Ultra-Gruppierung.
      Das ist im Text sicher missverständlich.

  3. Christian S. sagt:

    Hat der DFB denn inzwischen schon verlauten lassen, wie er Lübeck (und Stellingen?) für den Zauber in der Halle bestrafen will? Interessiert sich eigentlich überhaupt noch jemand für die unabhängige Untersuchungskomission? Gibt es die überhaupt noch? Hat der DFB Interesse an deren Ergebnissen? Oder folgt er eher Vorgaben der Polizei? Wäre schön, wenn das Kapitel dieser Tage nochmal aufgerollt wird und das Präsidium die Stärke hat, weiter dagegen zu halten und gegen die SVs zu klagen.

  4. Spieleguru sagt:

    “Während eben bei uns oft “nur” USP und ein paar versprengte Restbereiche im Stadion singen, hat gestern bei nahezu jeder Aktion von UD die gesamte Stehkurve mit gemacht, bis in die äußerste Ecke, was bei uns leider nicht einmal auf der Süd im Stehbereich klappt.”

    Dazu muss ich noch etwas ergänzen: Von Bekannten ist mir zu Ohren gekommen das es auch schon mal Stress, auch physisch, im K-Block (sprich von UD) gibt wenn nicht mitgemacht wird. Das hab ich bei uns so auch noch nie mitbekommen. So kann man eigentlich alles, was an Dynamo respektieren könnte, durch viele viele Gegenbeispiele widerlegen. Für mich ist und bleibt es eine FAST (sehr wenige Ausnahmen) duchgängig ekelhafte Fanszene.

    • goodsoul sagt:

      „Von Bekannten ist mir zu Ohren gekommen…..“

      „So kann man eigentlich alles,…….. durch viele viele Gegenbeispiele widerlegen.“

      Na lieber Spieleguru! Wenn das Deine Beweisaufnahme ist, um Dinge zu widerlegen dann Prost Mahlzeit! Hast Du mal bei der Mopo gearbeitet? 🙂

      Hamburg ist braun-weiß!

  5. schnatterinchen66 sagt:

    Ein gut geschriebener, weil respektvoller Artikel, der für meinen Geschmack die Balance zwischen Anerkennung gegenüber dem Gegner (gemeint sind dabei nicht nur die 11 Spieler) und den Erwartungshaltungen aus den eigenen Reihen hervorragend hält. Schade, wenn ein Enttäuschter die fußballfanatischen Sticheleien aus dem K-Block (das sind die, die mind. 5 mal brachial laut waren) auf die Goldwaage legt und die beleidigte Leberwurst spielt. Wenn “fuerdieteilung” (Was willst Du eigentlich teilen? Und mit wem? In wieviel Teile?) die Dynamofans nur 5 mal im Spiel gehört hat, sollte er/sie in sich gehen und fragen, ob es ein Astra auf der Anreise zuviel war.. ;o) Leider hab ich genau gegenüber vom Gästeblock (VIP-Bereich) Euch Paulianer zwar viel mit Fahnen winken sehen – aber in der Tat gar nicht so oft akustisch vernommen. Waren die Dynamos wohl doch zu laut? *grins*
    Schlussendlich wünsche ich Euch zum Klassenerhalt alles Gute. (Zu früh?) Denn Eure Fußballbegeisterung ist mir weitaus lieber, als z.B. die der 50 Auswärtsfans aus Paderborn. Ganz zu schweigen davon, was man erleben muss, wenn`s zum Auswärtsspiel dorthin geht geht. Aber noch hat der Zweitligist die Reli nicht gewonnen.. Und schaut mal: Lautern und Berlin sind doch auch ganz interessante Gegner.
    Sportlich dynamische Grüsse elbabwärts. Frodo – mach weiter so.
    schnatterinchen66
    PS: Die Hundeschnüffelei ist unterirdisch!
    Ordner haben i.d.R. die körperliche Schwerpunktsubstanz im Oberarm (Erwartungshaltung?!).
    (Polit.) Druck schafft Gegendruck. Auch auf der Tribüne. Keine Wertung, nur Feststellung.
    Was soll ein Verein wie Dynamo machen, auf den ständig medial und seitens eines gewissen DFB rumgedroschen wird? Oder findet Ihr Paulianer es besser, wenn Fußballfans untereinander zur “Selbstjustiz” greifen? (So, wie das viele Schlaumeier z.B. nach dem Pokalspiel in Dortmund verlangt haben..)

    • fred sagt:

      Hey, so lange bei uns im K solche Tapeten hochgehalten werden und Leute auf der Tribüne ‘nen Hitlergruß machen, ist es für mich vollkommen nebensächlich, ob wir 5 oder 50 mal gehört wurden. Das ist einfach zum kotzen und läßt sich auch nicht mit Gegendruck rechtfertigen.

      Grüße aus DD, schöner Artikel

  6. schnatterinchen66 sagt:

    Nachtrag:
    Redaktionelle Beiträge nachträglich ändern (auf Leserdruck): nicht gut.
    Meinungsfreiheit wird wohl offenbar in allen polit. “Randgruppen” nicht sooo groß geschrieben.

  7. Basti sagt:

    Ich kann mich Schnatterinchen nur anschließen, ein sehr gelungener Spielrückblick, dem ich als Dresdner absolut zustimmen kann. Wenn ihr das 1:0 macht, fahrt ihr mit den 3 Punkten nach Hause und damit hätte ich gestern mit ein paar Bauchschmerzen leben können. So wars für uns natürlich mal wieder ein Feiertag zum letzten Heimspiel dieser Saison und ich würde nächste Saison auch lieber euch als die Paderborner in Dresden begrüßen… das dein/euer positives Gesamtbild im Nachhinein etwas gedrübt wurde, ist schade, da ich das gestrige Aufeinandertreffen beider Mannschaften/Fangruppen als absolutes Highlight dieser Saison empfunden habe. Ich saß bei euch in der Nähe und was den dauerhaften, lautstarken und von allen mitgetragenen Support (gerade in der 1. HZ) angeht, hat sich diese Saison in Dresden kaum jemand so vorgestellt (außer Rostock vielleicht)… der K-Block hat erst in der zweiten Halbzeit richtig Gas gegeben und ich denke, dass sich da beide Lager nicht viel geschenkt haben! Die Grüße der leichtbekleideten Gummidamen auf den Zäunen ordne ich jetzt mal unter Ultrascharmützeln ein und bin der Meinung, dass sowas zu so einem Spiel dazugehört und eher unter der Rubrik “Subtiles” einzuordnen ist. Dass für so einen Gegner verschiedene Aktionen geplant werden, kann man auch unter Respekt einordnen und ich denke, dass dem Verein St. Pauli auch im Sachsenland einige Sympathien entgegenkommen.
    Das da wieder mal einige wenige “leichte Gemüter” unterwegs waren und nach dem 5. Bier ihre fehlende politische Bildung zur Schau stellen mussten, ist nicht nur euch aufgefallen, sondern macht auch uns immer wieder betroffen. Ich möchte dazu aber anmerken, dass wir da in Dresden schon viel dunklere Zeiten erlebt haben und sich da in den letzten Jahren aufgrund verschiedener Faninitiativen unglaublich viel getan hat. Wenn wir das asoziale Ordnerpack und paar Verblendete vernachlässigen, ist die Sportgemeinschaft Dynamo international geworden und und wenn das Stadion jedes zweite Wochenende voll ist, fallen die paar Spackos auch nicht mehr so auf…

    In diesem sinne nochmal Respekt für den starken Auftritt in Dresden und vielleicht gibts nächsten Sonntag ja doch noch ein kleines Wunder… Nur die SGD!

    • Frodo sagt:

      Danke, die Grenze zwischen “subtil und gehört zum Fußball” und “nicht akzeptabel” ist sicher schwer zu ziehen bzw. zieht jeder für sich woanders.
      Danke für das Lob unseres Supports, den haben ja nicht mal bei uns alle so positiv wahrgenommen.

      Viel Erfolg weiterhin dabei, Dynamo “internationaler” zu machen und die Fanprojektarbeit zu unterstützen.

  8. Schwedisches Fahrrad sagt:

    Nu Hallo,

    schicker Artikel. Vielleicht kann ich hier nochmal ein paar Gedanken zu meiner Sichtweise aus dem K-Block bringen. Seit ungefähr 3-4 Jahren hab ich nun eine Jahreskarte im Stehplatz-Block im Rudolf-Harbig-Stadion. Weithin bekannt sind die Dresdner-Fans als Nazis, mhm deckt sich nicht wirklich mit meinen Erfahrungen. Man sieht jedes Spiel über vom Uni-Professor bis zum völlig-umnachteten Alki alles rumstiefeln. Genau, das macht für mich auch den Reiz aus es ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Bekanntermaßen gibt es in der Dresdner Umgebung viele rechte, offen gewalttätige Strömungen. Das ein Teil davon Dynamo für sich vereinnahmen will ist im Sinne der jeglicher extremer Ideologie nur folgerichtig.

    Nun St. Pauli ist als politisch linker Verein bekannt, folglich gibt es keine Nazis im Stadion. Faschos etc. bleiben draußen und frönen weiter ihrer Geisteshaltung. Kommen sie jedoch als “Fan” ins RHS, merken sie eventuell, dass ihre Haltung nicht erwünscht ist. Durch häufige Aufkleber/Aktionen von 1953International beispielsweise. Ein Umdenken findet Einzelner findet eventuell statt, gab mal ein paar Aussteiger Berichte diesbezüglich.
    Ausgrenzen, wie in St. Paulis-Fall ist daher keinen Deut besser. Das macht die Klugen nicht klüger und die Dummen bleiben dumm.
    Der “K” hat sich gegen die Herren mit “weniger Grips als ein Spatz Fleisch an der Kniescheibe” bereits im Heimspiel nach dem Eintracht Frankfurt entschieden gegen jegliche Idiotenrufe (Juden..blabla) positioniert. Capo Lehmi, hängt Mikro an Nagel, wer sowas brüllt fliegt aus und kommt sicher auch die nächsten Spiele nicht mehr rein.

    Was ich euch eigentlich sagen wollte, es ist nicht alles braun was brüllt. Ein Umdenken hat stattgefunden. Es wird jedoch Jahre dauern um alle Spinner umzupolen. Und das gelingt nur mit Fanarbeit, Integration etc.
    Ausschließen ist wie bei den Geisterspielen kein Weg. Ein Großteil der Arbeit in Dresden findet recht unbeachtet statt.

    PS. Schaut euch mal den Brustsponsor der zweiten Mannschaft an.

    • Frodo sagt:

      Danke für Deinen Beitrag.
      Wie Du schon schreibst, ist es als St.Pauli-Fan natürlich immer leicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen, da “wir” solche Probleme ja nicht haben und bei uns eben auch in den letzten Jahren (Jahrzehnten) nicht wirklich jemand was gegen Nazis in den eigenen Reihen machen musste.
      Umso eklatanter dann eben alle zwei Wochen die Eindrücke auswärts, wenn man bereits an der Einlasskontrolle Leuten gegenübersteht, die wahrscheinlich die CDU schon als Linksextrem bezeichnen würden.

      Ich bin überzeugt, dass es bei Euch viele korrekte Leute gibt, die intern sich auch gegen Faschos grade machen. Schade, dass dann ausgerechnet im Heimbereich zum Gästeblock hin Ordner stehen, die Leuten lächelnd beim Hitlergruß zusehen und demjenigen dann auch noch die Hand schütteln, sowas bleibt dann natürlich als “Außenwirkung” haften, gerade auch bei uns, die einfach bei dem Thema auch besonders aufmerksam sind.

      Alles Gute weiterhin für Euren Weg!

  9. schnick-schnack sagt:

    Als erstes muss ich mal ein Lob elb-abwärts senden. Für mich ein guter Mob. Ich weiß ja nicht, was andere in den oder mit den Ohren haben, aber für mich ward ihr fast ständig akustisch präsent. Euer kurzer Wechselgesang zwischen eurem Steh- und Sitzbereich kam schon gut. Und ich stand im K-Block. Ich spreche hier aber nur für mich.
    Meine Meinung zu UD: sie haben viel aufgebaut (leider haben sie in der Vergangenheit auch viel mit dem eigenen Hintern wieder eingerissen). Siehe Blockfahne. Nebenbei die derzeit größte exsizierende in deutschen Stadien. Diese wurde in Eigenregie und mit eigenen Mitteln (auch Spenden) hergestellt. Und nein @8.5.45… damit meine ich nicht die Kopie. ;o) Oder siehe die Stadionchoreo gegen Uranistan (für nicht-eingeweihte: A*e). Der ganze Stehbereich mit angrenzendem Sitzbereich Richtung Gästeblock (einfach mal bei deinertube unter elbkaidatv schauen). Sind nur 2 Beispiele für die Kreativität von UD.
    Sprachliche und bildliche Scharmützel zwischen Heim- und Gästeblock gehören für mich in gewissen Rahmen zum Fussball dazu. Die Gumipuppen… kommt schon. Ihr seid Paulianer. Das sowas in der Art kommt, war klar. Das mit der Scheiße und den Scheiß-St.-Pauli-Rufen: seit der Spende eurerseits bzw eures Vereins habt ihr zumindest bei mir ein Stein im Brett. Daher hab ich da ein bisl Magenschmerzen gehabt. Hätte vllt nicht sein müssen… Aber UD ist streitbar. Und ich hoffe, das sie es positiv bleiben. Denn sonst hätte ich Angst, das auch sie sich anpassen würden.

    @fürdieteilung: lass uns das Brot brechen und unter den Armen verTEILEN. (kleines Späßle) 5x brachial laut??? Du warst IM Stadion und nicht am Stadtrand von DD?

    @Spieleguru: deine Ohren haben fast richtig gehört. Es gab sowas mal. Aber mal ganz ehrlich.. dazu gehören immer 2. Einer der es macht. Und einer, der sowas mit sich machen lässt. Mir gegenüber dürfte es sich keiner erlauben, solche Drohungen zu machen. Sei es drum… Man könnte an vielen Gegenbeispielen das widerlegen, was man am anderen Vereinen und deren Anhang respektieren könnte. Und jetzt sag konkret, was du an der Fanszene von Dynamo so ekelhaft findest. Nicht nur das sehen und lesen, was durch die Presse kolportiert wird. Nicht ohne Grund redet UD nicht mehr mit dieser… Auch mal hinter die Kulissen schauen.

    Fazit meinerseits: Ein gelungener Nachmittag mit einem Sieg der SGD. Hätte ich nicht erwartet. Auch das Glück stand ein bisl auf unserer Seite. Ich hoffe, ihr hattet trotz der Niederlage eine gute Heimreise. Für das letzte Spiel wünsch ich euch viel Glück. Obwohl ich es lieber sähe, ihr würdet noch bisl in Liga 2 bleiben. Auf die Paddelbirnen, Sandflohhausen und Aalen kann ich verzichten. Ein gut gefüllter Gästeblock… ich denk, das will jeder sehen. Ihr könnt gern wieder kommen nächste Saison. In Gedanken würde ich sagen: Herzlich Willkommen.

    P.S.: Euer Transpi mit … R.I.P? darf man fragen, wieso weshalb warum?

  10. kiezpirat sagt:

    Ich zitiere hier mal den User Thunder aus dem Transfermakt-Forum:

    “Hallo,
    derzeit gehen Beschwerden rum wie sich unser Sicherheitsdienst bei euch im Gästebereich verhalten haben soll. Unter anderem sollen Aufkleber, Kaugummis (potenzielle Wurfgeschosse?) usw. eingesackt wurden sein. Auch die Polizei, die sich in Dresden unter normalen Umständen souverän verhält, wurde kritisiert. Falls ihr Beschwerden, Wünsche oder Feedback habt dann sendet das an die Fangemeinschaft Dynamo, erreichbar hier: http://www.fangemeinschaft-dynamo.de/

    Das ganze wird dann weiter gereicht. Natürlich könnt ihr euch auch direkt an die SGD wenden, zumal dem Sicherheitsdienst sogar rechte Tendenzen vorgeworfen wurde (was mir persönlich eher weniger bisher auffiel). Anhand dessen das es sehr viel Feedback von Fans des FC St. Pauli gibt, und die meisten Augenzeugenberichte sich auch decken, muss ja auch einiges wahres dran sein. Auf jeden Fall wird das thematisiert, da es auch nichts neues ist das Gäste Repressionen erfahren mussten, allerdings bisher nicht in diesem Ausmaß.

    Gruß
    Thunder ”

    Statt pauschal alles abzustreiten oder zu relativieren ein Angebot die Erfahrungen aus zu tauschen und ernst zu nehmen.
    Finde ich vorbildlich und sollte von allen, die schlechte Erfahrungen bei der Auswärtsfahrt gemacht haben, genutzt werden.

  11. mother_of_james_bond sagt:

    Hallo St.Paulianer,

    erstmal möchte ich mich dem Post vom schwedischen Drahtesel anschließen, er gibt im Großen und Ganzen meine Sichtweise wieder.

    Ich hätte gern mal von jemandem von Euch, der nicht gesehen hat was er sehen wollte, sondern was wirklich passierte erfahren, um wie viele H-Grüßer es sich handelte. Das verlinkte Foto ist leider nicht mehr online. Des Weiteren die Frage, ob es noch mehr Foto’s davon gibt, eventuell auch mit den benannten Ordnern. Ihr könnt diese auch gern der Fangemeinschaft oder 1953 international zukommen lassen. Damit würdet Ihr aktiv antifaschistische Arbeit betreiben und den Leuten, die gegen solche Sachen in den eigenen Reihen vorgehen helfen.

    Dynamische Grüße elbabwärts, und nein, ich wünsche euch nicht alles Gute für den Aufstieg sondern freue mich auf ein Wiedersehen in der kommenden Saison.

  12. sten sagt:

    @schnick-schnack:
    Das R.I.P.-Transpi: Ein Mitglied eines größeren Fanclubs ist an Krebs gestorben.

  13. Clemens sagt:

    Sehr fairer Artikel! Wenn Fans verschiedener Mannschaften aufeinander treffen ist es doch klar, dass die andere Mannschaft nicht so gut dargestellt wird bzw. immer was schlechtes gefunden wird. So ist es bei anderen Dingen, die einem nicht gefallen auch. Es ist doch viel schwieriger zu sagen, wenn der Gegner etwas gut macht.

Kommentare sind geschlossen.