Vor dem Spiel beim SV Sandhausen – Interview mit Stefan (CD Sandhausen)

Übersteiger: Moin Stefan, vielen Dank, dass Du Dir für uns die Zeit nimmst, ein paar Fragen zum Spiel am Sonntag zu beantworten.
Wir haben uns beim Hinspiel kurz kennengelernt, als wir gerade die Abos für unser Heft eintüteten und Du im Fanladen auftauchtest. Erzähl doch mal kurz, wie Deine Verbindung zum FC St.Pauli ist, dies dürfte für einen Sandhausen-Fan ja auch nicht alltäglich sein.

Stefan (Carpe Diem Sandhausen): Meine Verbindung zum FC St. Pauli besteht eigentlich schon ziemlich lange. Anfang der 90er Jahre hat mich ein Schulfreund, welcher mittlerweile in Hamburg lebt, zu St. Pauli Spielen mitgenommen. Ich war damals recht schnell vom Verein und natürlich von der Fanszene begeistert. Spätestens 1995 nach meinem ersten Besuch am Millerntor hat mich der St. Pauli Virus dann richtig infiziert und seitdem begleite ich den FC St. Pauli bei vielen Spielen.  Meist natürlich bei Auswärtsspielen hier im Süden aber auch immer wieder am Millerntor.

Carpe Diem Sandhausen

ÜS: Und was genau machst Du beim SV Sandhausen und wie kam es dazu?

Stefan: Ich komme aus Sandhausen und lebe hier. Der SV Sandhausen ist mein Heimatverein und hier habe ich als kleiner Junge meine ersten Fußballspiele gesehen. 2008 haben wir unseren Fanclub „Carpe Diem Sandhausen“ gegründet. Der Fanclub ist aus einem Freundeskreis heraus entstanden. Wir sind inzwischen neun befreundete Familien im Fanclub. Ich betreue mit einem Freund unter anderem unsere Homepage (www.carpediemsandhausen.de) sowie die Facebook und Twitter Seite des Fanclubs. Dort versorgen wir die SVS Fans regelmäßig mit Infos und Bildern Rund um den SV Sandhausen. Seit mein Sohn beim SVS in der Jugend kickt, bin ich, wie übrigens auch drei weitere Leute von Carpe Diem, noch zusätzlich ehrenamtlich als Jugendtrainer beim SV Sandhausen aktiv.

ÜS: Wie war denn Euer Spiel am Millerntor für Dich? Ich hatte vom Block H2 aus das Glück, Dich während des Spiels ab und an zu sehen, Du schienst trotz der Niederlage ja größtenteils bester Stimmung.

Stefan: Das Hinspiel war für mich eine absolut emotionale Geschichte, da zwei Herzen in meiner Brust geschlagen haben. Ich war zum ersten Mal bei einem St.Pauli Spiel im  Gästeblock und mir war vor dem Spiel selbst noch nicht ganz klar, wem ich die Daumen drücken werde. Ich muss dann aber zugeben während des Spiels habe ich ganz klar mit dem SVS gefiebert. Sandhausen verkaufte sich damals sehr gut am Millerntor und es wäre vielleicht  mehr drin gewesen. Als die SVS Spieler und auch wir Fans nach dem Spiel mit Applaus von den St.Paulianern verabschiedet wurden, war das ein ganz besonderes Gefühl für mich.

ÜS: Wie siehst Du denn aktuell die Fanszene des SVS? Ist durch den Aufstieg die Stimmung eher besser oder schlechter geworden? Es gibt da ja die alte Diskussion über mehr Masse, aber eben auch mehr Eventfans.

Stefan: Die Fanszene in Sandhausen ist noch überschaubar und ein Großteil der aktiven Szene geht schon seit Jahren zum SVS. Die meisten SVS Fans kommen direkt aus Sandhausen oder aus den kleineren Ortschaften außen rum. Wir liegen mitten im  Einzugsgebiet von Vereinen wie Hoffenheim, Karlsruhe, Kaiserslautern oder Waldhof Mannheim, da kommen nicht automatisch sofort mehr Leute nur weil wir jetzt 2. Liga spielen. Trotzdem ist die Stimmung besser geworden, aber in Sandhausen wächst das eher langsam. Dadurch haben wir aber auch nicht zu viele „Eventfans“, obwohl es die natürlich auch bei uns gibt.

ÜS: Und die Gesamtentwicklung des Vereins? Mal gesetzt den Fall, Ihr würdet direkt wieder absteigen. Ist durch dieses Jahr 2.Liga die gesamte Infrastruktur des Vereins verbessert worden, so dass auch ein direkter Wiederaufstieg möglich wäre?

Stefan: Die Entwicklung des SV Sandhausen in den letzten Jahren ist schon eine tolle Geschichte und mit dem Aufstieg in die zweite Liga ging für viele langjährige Fans ein Traum in Erfüllung. Der kleine Dorfverein spielt nun in einer Klasse mit  Mannschaften wie St. Pauli, Köln, Hertha BSC oder Kaiserslautern. Es war aber von Beginn an klar, dass es mit unseren Möglichkeiten ganz schwer wird die Liga zu halten. Um die DFL Auflagen zu erfüllen musste vor der Runde z.B. viel Geld ins Stadion investiert werden. Ein Abstieg wäre finanziell jedenfalls wieder ein großer Rückschritt, auch weil die Stadionumbauten längerfristig finanziert sind. Gut ein Drittel des aktuellen Kaders hat aber Vertrag für die 3. Liga. Ob das reicht um bei einem möglichen Abstieg wieder oben anzugreifen ist schwer zu sagen. Ein bisschen Angst ist auch da das es bei einem Abstieg schnell noch weiter runter gehen kann…

ÜS: Zur emotionalen Seite unsererseits: Wie siehst Du Fabio Morena bei Euch? Zwölf Einsätze, dabei nur sechs über die volle Distanz… das hatte er sich wohl auch anders vorgestellt.
Und daran anschließend: Gab es auf Eurer Seite Reaktionen zu seiner Verabschiedung bei uns nach dem Hinspiel? Wurde das als eher positiv empfunden, oder gab es auch negative Stimmen?

Stefan: Die Verabschiedung von Fabio nach dem Hinspiel war eine tolle Sache und es war beeindruckend das 15 Minuten nach Spielende noch kein Zuschauer das Stadion verlassen hat, sondern alle Fabio einen würdigen Abschied vom FC St. Pauli beschert haben. Der SVS könnte sich da mal eine Scheibe abschneiden, was die Verabschiedung von verdienten Spielern angeht. Roberto Pinto z.B. hätte in Sandhausen Ähnliches verdient gehabt.

Zur aktuellen Situation von Fabio: In der Innenverteidigung sind Pischorn und Schulz gesetzt, daher kam Fabio meist als Sechser vor der Abwehr zum Einsatz. Aber auch dort ist die Konkurrenz groß und Fabio konnte, wenn er spielte, bisher zu wenig Akzente setzen. Aufgrund seiner langen Erfahrung haben sich die Sandhäuser Fans da etwas mehr von Fabio erwartet.   

ÜS: Dann blicken wir mal voraus: Du hast auf Twitter bereits zaghaft angemahnt, dass Euch ein Sieg durchaus gelegen käme, um es mal vorsichtig zu formulieren. Unabhängig vom Ausgang am Sonntag: Wie siehst Du Eure sportliche Situation?

Stefan: Klar käme uns ein Sieg gegen St. Pauli in der aktuellen Situation entgegen. Wir brauchen ganz dringend Punkte, wenn wir den Klassenerhalt noch schaffen wollen. Realistisch gesehen müssen wir uns erst mal am Relegationsplatz orientieren. Dresden ist da noch in unmittelbarer Reichweite und  mit einem Sieg gegen St. Pauli im Rücken könnten wir in der Folgewoche etwas entspannter nach Dresden fahren. Insgesamt wird das  noch eine ganz schwere Rückrunde für uns. Wenn wir aber vom Verletzungspech verschont bleiben, dann traue ich uns durchaus zu noch um ein bis zwei  Tabellenplätze nach oben zu klettern.  

ÜS: Welchen Ausgang Du Dir für Sonntag erhoffst, müssen wir wahrscheinlich nicht erfragen. Aber was glaubst Du denn, wie es ausgeht?

Stefan: Sandhausen wird das Spiel mit 2:1 gewinnen. Als langjähriger St.Pauli-Fan kenne ich doch den FC und die Historie mit den Auswärtsniederlagen bei den Teams aus dem Tabellenkeller. Und der SVS braucht jetzt ganz dringend einen Aufbaugegner (grins).

ÜS: Und abschließend: Was möchtest Du den Übersteiger-Lesern und den am Wochenende anreisenden St.Pauli-Fans noch mit auf den Weg geben?

Stefan: Das Spiel in Sandhausen wird für euch so ein bisschen wie die erste Runde im DFB Pokal auswärts bei einem kleinen Amateurverein werden. Euch erwartet ein kleines, enges Stadion, überforderte Caterer und auf den Rängen wird es ein  Heimspiel für braun-weiss werden. Ich wünsche jedenfalls allen St. Pauli Fans eine gute Anreise und eine schöne und entspannte Zeit in Sandhausen. Und persönlich ich wünsche mir auch in der nächsten Saison zwei Spiele gegen den FC St. Pauli  und das nicht in der 3.Liga…

ÜS: Danke, Stefan. Auch Euch alles Gute für den Rest der Saison und wie wir unsern Verein kennen stehen die Chancen für Euch nach dem Sonntag wahrscheinlich besser als vorher, auch wenn wir natürlich auf Gegenteiliges hoffen. Angenehme Gästefans sind am Millerntor aber immer gern gesehen, also schließen wir uns dem Wunsch auf zwei Duelle in Liga 2 nächstes Jahr einfach mal an.
Vielen Dank für Deine Zeit und auf ein schönes Spiel am Sonntag! // Frodo

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