Rache an Rachid – Oder: Alle auf die 11… Spieler

Dieser Artikel von Mirco erschien bereits im Print-ÜS 118 am 20.12.2014 – als sachliche Bewertung der Arbeit von Rachid Azzouzi. Nur war Azzouzi leider an diesem Tage bereits in keiner Funktion mehr beim FC St.Pauli tätig, da er am Dienstag zuvor, als unser Heft bereits auf dem Weg zum Drucker war, beurlaubt worden war.
Der Umgang mit Rachid Azzouzi von Vereinsseite sieht von außen betrachtet sehr anständig aus – wenn man dies in diesem Geschäft bei Beurlaubungen/Entlassungen überhaupt je sagen kann – von Seiten der (im Forum und den sozialen Medien schreibenden) Fanszene war dies leider nicht immer zu behaupten.

Auch wenn es für Rachid Azzouzi nun zu spät ist, soll dieser sehr gelungene Artikel trotzdem auch allen zugänglich sein, die bei jenem Schietwetter keines unserer Hefte erstanden haben. Auf geht’s.

Rachid. Fast könnte man ob der grenzenlosen Abneigung, die ihm derzeit entgegenschlägt meinen, das Wort „Rache“ in seinem Vornamen zu entdecken. Rache für Erfolglosigkeit, Rache für Enttäuschung, Rache für Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe. Wie ist die Situation der ersten Fußballmannschaft des FC St. Pauli im Herbst 2014?

Bescheiden.

Kurz vor dem Auswärtsspiel in Bochum: 12 Punkte aus 15 Spielen. 15 geschossene, aber 32 gegnerische Tore. Mit den Gegentoren nehmen wir den negativen Spitzenwert der zweiten Liga ein. Leider sogar mit etwas Abstand. Noch mehr schockiert das Geschehen auf dem Platz. Unsicher und nervös, fehlerbehaftet und zweikampfschwach. Man steht deutlich zu weit weg vom Gegner, verliert die wichtigen Duelle. Und dies vor allem im defensivem Mittelfeld, eine verunsicherte und in fast jedem Spiel neu formierte Viererkette dahinter tut ihr Übriges.

Vorne läufts auch nicht üppig, aber unser Problem liegt hinten. Mit 15 geschossenen Toren ist das zu wenig, aber wir befinden uns mit diesem Wert im Mittel der Abstiegskandidaten im unteren Tabellendrittel.

Woran liegts?

Kurzum: Ich weiß es auch nicht. Es scheint vieles nicht zu stimmen. Mit jeder Niederlage wächst die Unsicherheit, mit der Unsicherheit ist die nächste Niederlage fast gewiss. Wichtig sind in solchen Phasen Erfolgserlebnisse. Bleiben die aus, geht die Todesspirale weiter. Angriff in der Rückrunde heißt die Devise. Es bleibt genug Zeit.

Aber reicht das Potential im Kader? Wüsste ich das, würde ich Fußballmanager und wohl reich werden. Fußball hat nicht nur mit spielerischer Stärken zu tun, es geht auch um mentale Kraft und die Fähigkeit, sich zu quälen. Tugenden, deren vermeintliches Fehlen in der Fanszene derzeit unendlich bemüht werden und je nach Vorlieben und Abneigungen bei dem einen oder anderen Spieler besonders gesehen oder besonders in Abrede gestellt werden. Wissen tun wir es alle nicht. Ein Spieler wie Sebastian Schachten scheint hier über jeden Zweifel erhaben, spielt seit seiner Rückkehr nach langer Verletzung jedoch stark fehleranfällig und war gegen RB Leipzig ursächlich beteiligt an der Entstehungsgeschichte dreier Gegentore. Sören Gonther genoss an sich auch den Nimbus des Kämpfers und auch er erlaubt sich derzeit mehr Böcke als in den gesamten zwei Saisons davor zusammengerechnet. Sind diese Spieler deshalb schlecht? Nein! Sie sind außer Form. Sie waren verletzt, es fehlt Spielpraxis und sind mit sich selber beschäftigt und können daher der Mannschaft keine Impulse geben. Wenn man bei sich selber Fehler vermeiden will, kann man kein Vorbild sein. Fehler müssen erlaubt sein, dann finde sie nicht statt. Leider erlaubt die Situation und vor allem wir Fans derzeit keine Fehler.

Und Rachid?

Er scheint momentan an allem Schuld. Die Fanszene verfällt in Mechanismen wie bei jedem anderen Bundesligaklub. Es werden unendlich viele Phrasen gedroschen. Komplette Ahnungslosigkeit hindert offenbar niemanden mehr daran, auswendig gelerntes aus Print, TV und Netz herunterzuleiern und mit Küchenpsychologie zu garnieren. In solchen Phasen wird immer „das Herz“ bemüht und dass wir „einen Knipser“ brauchen. Es ist immer mindestens die „schlechteste St.Pauli-Mannschaft“, die man erlebt habe und schließlich stehe man schon seit den späten 60ern im Stadion. Aha. Dann frage ich mich, was mit den nicht wenigen Abstiegsteams unserer Geschichte ist, die waren also alle besser? Das aktuelle Team hat jetzt schon mehr Punkte als jenes von 2002/03 zum Ende der Hinrunde.

Derzeit werden keine Lösungen gesucht, sondern Schuldige. Das hat man bei der HSAG übrigens auch gemacht. Dort sei die zu große Beteiligung der Fans an der Misere Schuld gewesen. Obwohl es keine nachvollziehbaren Anzeichen dafür gab, hat jeder es geglaubt, denn einfache Lösungen haben ihren Charme durch – eben – ihre Einfachheit. Und nun hat man den Salat. Das Sagen haben Wenige, der Fan selber hat nur noch den Stammtisch und besser geworden ist nichts. Einfache Lösungen sind einfach …. und einfach blöd.

Analyse rules….

Rachid Azzouzi kam im Sommer 2012/13 zum FC St. Pauli. Nach einer unendlichen Posse um die Entlassung von Schubert und/oder Schulte. Zur Erinnerung: Dafür kann er nichts!

Er fand Stückwerk vor: Eine Mannschaft mit viel Potential, welche in der Hinrunde der Vorsaison die beste Halbserie des Vereins aller Zeiten spielte! Ab der Rückrunde aber machten sich Probleme zwischen sportlicher Leitung und Mannschaft bemerkbar. Der Trainer galt als absoluter Fachmann mit sehr viel Fußballverstand, im Zwischenmenschlichen war aber wohl noch Luft. Er galt als cholerisch und unfair. Die gute Laune schwand, die guten Ergebnisse ebenso. Man krampfte sich durch die Rückrunde und wurde Fünfter. Rachid übernahm eine fast schon demontierten Trainer und eine halbfertige Kaderplanung seines Vorgängers Schulte. Bis auf Gonther und Mohr, die bereits im Frühjahr aus Paderborn bei uns unterschrieben, war nichts in Sack und Tüten. Durch den ungeplanten Abgang des Managers musste Rachid bei Null anfangen, alte Vorgespräche und Sichtungen waren hinfällig. Es galt, über die nächste Saison zu kommen. Unsere Abgänge waren eklatant. Namen gefällig? Zambrano, Kruse, Naki, Volz, Morena, Rothenbach, Saglik, Hennings, Takyi, Sobiech, Heerwagen… und das sind noch nicht alle!

Somit wurden viele Leihgeschäfte getätigt, die einzig den Zweck hatten, eine einigermaßen schlagkräftige Mannschaft in den Wettkampf schicken zu können. Zukunftsarbeit konnte und sollte dies nicht sein.

Wen fand er vor? Wer wurde verpflichtet? Neuzugänge aus der eigenen Jugend mal nicht mitgerechnet.

Mannschaftsstamm:
Tschauner (T)
Himmelmann (T)
Thorandt (A)
Schachten (A)
Bartels (M)
Boll (M)
Bruns (M)
Daube (M)
Funk (M)
Kalla (M)
Schindler (M)
Ebbers (S)
Saglik (S)

Das ist jetzt nicht sooo viel.

Neuzugänge, von Schulte verpflichtet:
Sören Gonther (A)
Florian Mohr (A)
Daniel Ginczek (S) (Leihe) (Anm.d.Red: wurde zumindest von Schulte initiiert)

Neuzügange unter Rachid Azzouzi:
Robin Himmelmann (T)
Christopher Avevor (A) (Leihe)
Florian Kringe (M)
Christopher Buchtmann (M)
Akagi Gogia (M) (Leihe)
Joseph-Claude Gyau (M) (Leihe)
Lennart Thy (S)

Mit dieser Mannschaft und der Hypothek eines zerrütteten Trainer- / Mannschaftsverhältnis starteten wir dürftig in die Saison und Azzouzi regierte schnell und ersetzte den mittlerweile wohl untragbaren Schubert nach sieben Spieltagen durch Michael Frontzeck. Dieser bugsierte das zusammengewürfelte Team auf Platz 10 der Tabelle.

Bilanz der Arbeit von Rachid Azzouzi für die Saison 2012/13?

Ohne Geld und Zeit ein guter Job. Ich sehe kaum Alternativen.

2013/14

Das erste Jahr, in dem Rachid zusammen mit dem Cheftrainer ein eigenes Team bilden durfte. Konsequenterweise wurden alle Leihgeschäfte aufgelöst. Auch die, wo es schwerfiel und die gerne geblieben wären (Patrick Funk). Den Träumern, die glauben, dass ein Daniel Ginczek allen Ernstes bei einem mittelmäßigen Zweitligisten geblieben wäre, wenn er woanders erste Liga spielen kann und das doppelte verdient, ist argumentativ dann auch nicht mehr beizukommen. Klar, keiner spricht mit solchen Spielern und Angebote wurden bestimmt auch nicht gemacht. Wo lebt Ihr? Spieler haben ca. 12 Jahre Zeit, Karriere zu machen und den meisten ist völlig latte, bei welchem Club. So läufts business.

Verpflichtungen:

Philpp Heerwagen (T)
Philipp Ziereis (A)
Marcel Halstenberg (A)
Bernd Nehrig (A)
Marc Rzatkowski (M)
Sebastian Maier (M)
Christopher Nöthe (S)
John Verhoek (S)
Michael Greogoritsch (S) (Leihe)

Was war der Jubel groß…. Rachid stellt ein junges, hungriges Team zusammen. Zwei erfolgreiche Stürmer anderer Vereine wechseln zu uns. Zusätzlich einige spielstarke und quirlige Mittelfeldspeiler. Ratsche entzückte die ersten Spiele das ganze Stadion. Nöthe und Verhoek funktionierten nicht so recht, aber das wird schon noch kommen.

Abgänge (u.a.): Ebbers, Bruns, Pliquett Leihende: Gogia, Funk, Ginczek, Avevor, Gyau

Die Abgänge waren überwiegend geplant oder erwartbar. Es schien alles im Griff.

Im Herbst dann eine große Überraschung: Die Zecke und der Verein haben sich überworfen. Es ging um Verhandlungszeitpunkte. Frontzeck wollte eine Verlängerung, Azzouzi und der Verein wollten sich nicht erpressen lassen. Angeblich soll es schon länger nicht gestimmt haben. Im Hintergrund wartete mit Vrabec ein junger Trainer mit hervorragendem Ruf. Er übernahm. Ein Fehler? Ohne die Hintergründe im Einzelnen zu kennen schwer zu sagen. Mit Sicherheit sah die Leitung – und somit Azzouzi – hier nicht gut aus. Wie kann so etwa dermaßen entgleisen?

Vrabec legte gut los, auf seinen Wunsch hin wurde im Winter mit Tom Trybull ein erstligaerfahrener DFB-Auswahl-Spieler für die defensive Zentrale verpflichtet, der in der Folge seltsamerweise zu fast keinem Einsatz kam. Und das bis heute. Ohne es zu bewerten: Ich verstehe das nicht, da wir genau dort ein Problemfeld haben….

Vrabec stellte sich als Klein-Schubert heraus: Fachmann mit mangelnder Sozialkompetenz. Nach gutem Start brach das Mannschaftsgefüge nach den ersten Misserfolgen auseinander. Zu erinnern sei aber bitte: Rachid hat ihn nicht blind verpflichtet, sondern die Entscheidung auf die Winterpause verschoben. Es blieben zwei Monate, ihn zu beobachten. Wer ihn zu dem Zeitpunkt den Cheftrainerposten nicht gegeben hätte, bitte kurz Hand heben (nein, außer den Stani-Jüngern). Alle waren voll des Lobes, Foren, Blogs und Presse überschlugen sich. Die folgende Entwicklung war für fast alle eine Überraschung.

 

2014/2015

Neuzugänge:
Ante Budimir (S)
Michael Görlitz (M)
Daniel Buballa (A)
Enis Alushi (M)
Lasse Sobiech (A) (Leihe)

Abgänge (u.a): Bartels, Mohr, Schindler, Boll, Gregoritsch (Leihende)

Auch hier kaum Überraschungen. Boll und Bartels wollten auf eigenen Wunsch gehen bzw. aufhören. Schindler war nicht mehr gewollt und Gregroitschs Leihe lief aus. Einzig um Mohr gab es Fragezeichen. Warum ließen wir ihn gehen, wo er doch als Hamburger Talent galt? Gerüchte um diverse Undiszipliniertheiten konnte Azzouzi nicht veröffentlichen, ohne die Person Mohr zu beschädigen. Er entschied sich offenbar für „werd ich halt unverstanden, muss ich aushalten“.

Die Zugänge blieben einiges schuldig. Der Königstransfer sicherlich Enis Alushi. Ein Spieler der bei Paderborn einst das Spiel organisierte, mit hoher Spielintelligenz und großer Zweikampfstärke ausgestattet ist. Leider war er beim FCK über ein Jahr verletzt und es gelingt ihm noch nicht viel. Ich wünsche mir Alushi und Buchti in Topform auf der Sechs und ich prophezeie ein Ende unserer Sorgen. Abwarten.

Ich möchte drei von Azzouzis Transfers, die ganz besonders in der öffentlichen Kritik stehen, genauer anschauen:

John Verhoek kam als 24-jähriger vom FSV Frankfurt (ausgeliehen, abgebender Verein Stade Rennes) und schoss dort in 32 Spielen 10 Tore. Er kostete keine Ablöse 300.000€ und wollte gerne zu uns. Er ist ein ausgeprägt körperlicher Stürmer, der – und das muss bei diesem Stürmertyp nun mal sein – Zuspiele braucht. Bleiben die aus, ist er raus aus dem Spiel.

Christopher Nöthe war zum Verpflichtungszeitpunkt 25 Jahre jung und hat bei der SpVgg Greuther Fürth und RW Oberhausen in 87 Zweitligaspielen 35 Tore erzielt und kostete ebenfalls keine Ablöse. Typ spielender Stürmer, Vorbereiter, Verwerter zweiter Bälle, der u.a. bei Fürth viele Tore erzielte, weil Olivier Occean die Abwehr auf sich zog.

Ante Budimir ist 23 Jahre jung und hat in der ersten kroatischen Liga in 96 Spielen 36 Tore erzielt. In seiner Heimat gilt er als Riesentalent. Einige meinen, er sei der neue Mandzukic. Er kostete 900.000 EUR. Weniger übrigens als Ginczek, der bei Nürnberg auch ein wesentlich höheres Gehalt erhielt. Budimir spielt mit Haken und Ösen, dreht sich in den Gegner rein und benutzt auch gerne die Ellenbogen. Spielt der beim Gegner, hassen wir ihn.

Wer hätte die drei nicht verpflichtet? Jung, günstig und teilweise jahrelang sehr erfolgreich. Und wen hättest Du stattdessen genommen? Aber bitte realistisch bleiben, Freunde! Wen kann sich ein Verein leisten, der gerade ein neues Stadion abbezahlt? Ein 27-jähriger Superknipser mit Erfahrung, Spielstärke und körperlicher Präsenz kostet 2-5 Mio und spielt lieber erste Liga. Einen Ebbers oder Klasnic kriegt man als klammer Zweitligist nur alle 10 Jahre.

Natürlich muss sich Rachid Azzouzi Fragen gefallen lassen und sicherlich war nicht alles glücklich, was da lief. Aber der unglaubliche Hass, der ihm nun entgegenschlägt macht eines deutlich: Es wird dramatisiert. Der Plebs sucht Schuldige. Fehlkäufe der Manager vor Azzouzi werden ignoriert oder verklärt und… am schlimmsten …. es geht uns die Ironie verloren. Wir sind wohl doch nicht der besondere Verein. Die Mannschaft wird im Augenblick, wo sie uns am nötigsten braucht an vielen Stellen verflucht und niedergeredet. Die typischen Mechanismen wie „Das ist nicht mein St. Pauli“ unterscheidet uns nicht von anderen Vereinen. Welche Teile von „You’ll never walk alone“, und „ganz egal was auch geschieht, wir werden immer bei Dir sein“ wurden hier eigentlich nicht verstanden? Wenn man liebt, rückt man in der Krise zusammen und nicht auseinander. Auch wenn die auf dem Platz Fehler machen oder völlig verunsichert sind. Oder gerade dann. Würden sie keine machen, wären wir nicht auf einem Abstiegsplatz!!! Umkehrschluss, man liebt sie nur, wenn sie wenig oder keine Fehler machen und vor Selbstsicherheit strotzen? Echt? Dann sind die Spieler aber eher mein St. Pauli, als die Fans. Erinnert Euch mal an die Anfänge der Heldengeneration!

Und die derzeit an vielen Stellen auftauchenden treuen Anhängern eines Helmut Schulte seien neben ein paar zweifellos guten Transfers darauf hingewiesen, dass wir alle sauer, enttäuscht und entsetzt waren, mit welcher herablassenden Art langgediente Spieler wie Eger, Lechner, Gunesch regelrecht vom Hof gejagt wurden und wie respektvoll der gleiche Vorgang bei Morena, Rothenbach, Ebbers, Bruns und Boll ablief. Und das eben unter Azzouzi. Ich hatte dunkel in Erinnerung, dass es bei uns nicht darum geht, wer derjenige ist, der die kapitalistischen Marktmechanismen am rigorosesten bedient, sondern eben auch der menschliche Umgang von mindestens ebenso großer Bedeutung ist.

Fussball ist nicht berechenbar. Man hat Flops und Tops. Erfolg lässt sich nicht planen. Fragt mal gerade beim BVB nach…..Muss da nun Zorc gehen? Nein? Warum dann bei uns mit niedrigerer Fallhöhe? Das was wir erleben, macht keinen Spaß, passiert aber jede Saison etlichen Mannschaften. Das ist ein ganz normaler Vorgang, den man bewältigen kann.

Was tun?

Wir brauchen aus meiner Sicht keinen offensiven Neuzugang. Und warum der vielgeforderte Deniz Naki, der insgesamt in 85 Zweitligaspielen 17 Tore erzielte (davon 11 bei uns in 51 Spielen), großartig weiterhelfen soll, erschließt sich mir nicht.
Willenskraft und das „St.Pauli-Gen“ wird nun häufig bemüht. War er so ein Kämpfer, wie viele ihn nun plötzlich in Erinnerung haben? Wer erinnert sich an die Fahne in Rostock und seine herzzerreißenden Reden und die folkloristischen Wiederholungen der Fahnenaktion bei jeder Gelegenheit und wer erinnert sich wirklich an Naki-Szenen im Spiel? Mal ehrlich!

Bei seinen 85 Zweitligaeinsätzen wurde er 34 mal eingewechselt und 42 mal ausgewechselt. Er spielte somit ganze 9 (!) mal durch…..
Die Bilanz bei uns: Zwei Zweitliga-Jahre mit 68 möglichen Spielen (reduziert durch 9 Spiele wegen Verletzung und Rotsperre), davon 51 Einsätze in braun-weiß, davon 15 Einwechselungen und 30 Auswechselungen. Hmmm….klingt jetzt nicht soooo sehr nach Top-Leistungsträger. Ich persönlich erinnere mich an viel unterhaltsame Show ums Spiel herum, viele Gefühle und kitschige mündliche Bekenntnisse zu „St.Pauli – Meine Familie“ und an sehr häufig lust- und ideenlose Einsätze auf dem Platz. Seine Kicker-Note in seiner letzten Zweitligasaison bei uns liegt bei 3,82. Man sollte Menschen an ihren Taten messen, nicht an ihren Worten. Passiert das gerade?

Ein leistungsbeszogener Vertrag? Meinethalben. Aber ich würde die Erwartungen herunterschrauben. Zudem unserer Probleme vor allem hinten sind und Deniz Naki war nie auch nur im Entferntesten für mannschaftsdienliche Defensivarbeit bekannt.

Mein Ansatz: Mir ist die Mannschaft zu jung. Viele Spieler sind in der ersten Hälfte ihre 20er und einige ältere nicht in Topform. Die jungen Kerls verfügen noch nicht über die nötige Erfahrung und Abgebrühtheit, mit einem Abstiegskampf umzugehen. GGf. mehr Fokus auf Kringe, Thorandt, Alushi etc. Ein wenig Erfahrung, etwas Gelassenheit. Nicht gleich nervös werden, wenn der Gegner wagt, sich zu wehren. Hilft das was? Keine Ahnung. Hilft das Rumgezeter über die „schlechteste St.Pauli-Mannschaft aller Zeiten“, Rachid oder Christian Bönigs Facebook-Posting irgendwas? Nö!

Winterpause, Kopf frei machen, Spaß am Kicken wiederbekommen, Laufwege und Zweikampfverhalten trainieren, Verletzte kommen zurück, Leistungsträger kommen wieder in Form, Rückrundenstart, Angriff. Drei Siege. 21 Punkte. Die Rückrunde wird Spaß machen. Zack!

Machen wir das, was wir können: Glauben, Lieben, Hoffen…. auch wenn der Wind zunimmt… // Mirco

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