Rache an Rachid – Oder: Alle auf die 11… Spieler

Dieser Artikel von Mirco erschien bereits im Print-ÜS 118 am 20.12.2014 – als sachliche Bewertung der Arbeit von Rachid Azzouzi. Nur war Azzouzi leider an diesem Tage bereits in keiner Funktion mehr beim FC St.Pauli tätig, da er am Dienstag zuvor, als unser Heft bereits auf dem Weg zum Drucker war, beurlaubt worden war.
Der Umgang mit Rachid Azzouzi von Vereinsseite sieht von außen betrachtet sehr anständig aus – wenn man dies in diesem Geschäft bei Beurlaubungen/Entlassungen überhaupt je sagen kann – von Seiten der (im Forum und den sozialen Medien schreibenden) Fanszene war dies leider nicht immer zu behaupten.

Auch wenn es für Rachid Azzouzi nun zu spät ist, soll dieser sehr gelungene Artikel trotzdem auch allen zugänglich sein, die bei jenem Schietwetter keines unserer Hefte erstanden haben. Auf geht’s.

Rachid. Fast könnte man ob der grenzenlosen Abneigung, die ihm derzeit entgegenschlägt meinen, das Wort “Rache” in seinem Vornamen zu entdecken. Rache für Erfolglosigkeit, Rache für Enttäuschung, Rache für Fehlpässe und verlorene Zweikämpfe. Wie ist die Situation der ersten Fußballmannschaft des FC St. Pauli im Herbst 2014?

Bescheiden.

Kurz vor dem Auswärtsspiel in Bochum: 12 Punkte aus 15 Spielen. 15 geschossene, aber 32 gegnerische Tore. Mit den Gegentoren nehmen wir den negativen Spitzenwert der zweiten Liga ein. Leider sogar mit etwas Abstand. Noch mehr schockiert das Geschehen auf dem Platz. Unsicher und nervös, fehlerbehaftet und zweikampfschwach. Man steht deutlich zu weit weg vom Gegner, verliert die wichtigen Duelle. Und dies vor allem im defensivem Mittelfeld, eine verunsicherte und in fast jedem Spiel neu formierte Viererkette dahinter tut ihr Übriges.

Vorne läufts auch nicht üppig, aber unser Problem liegt hinten. Mit 15 geschossenen Toren ist das zu wenig, aber wir befinden uns mit diesem Wert im Mittel der Abstiegskandidaten im unteren Tabellendrittel.

Woran liegts?

Kurzum: Ich weiß es auch nicht. Es scheint vieles nicht zu stimmen. Mit jeder Niederlage wächst die Unsicherheit, mit der Unsicherheit ist die nächste Niederlage fast gewiss. Wichtig sind in solchen Phasen Erfolgserlebnisse. Bleiben die aus, geht die Todesspirale weiter. Angriff in der Rückrunde heißt die Devise. Es bleibt genug Zeit.

Aber reicht das Potential im Kader? Wüsste ich das, würde ich Fußballmanager und wohl reich werden. Fußball hat nicht nur mit spielerischer Stärken zu tun, es geht auch um mentale Kraft und die Fähigkeit, sich zu quälen. Tugenden, deren vermeintliches Fehlen in der Fanszene derzeit unendlich bemüht werden und je nach Vorlieben und Abneigungen bei dem einen oder anderen Spieler besonders gesehen oder besonders in Abrede gestellt werden. Wissen tun wir es alle nicht. Ein Spieler wie Sebastian Schachten scheint hier über jeden Zweifel erhaben, spielt seit seiner Rückkehr nach langer Verletzung jedoch stark fehleranfällig und war gegen RB Leipzig ursächlich beteiligt an der Entstehungsgeschichte dreier Gegentore. Sören Gonther genoss an sich auch den Nimbus des Kämpfers und auch er erlaubt sich derzeit mehr Böcke als in den gesamten zwei Saisons davor zusammengerechnet. Sind diese Spieler deshalb schlecht? Nein! Sie sind außer Form. Sie waren verletzt, es fehlt Spielpraxis und sind mit sich selber beschäftigt und können daher der Mannschaft keine Impulse geben. Wenn man bei sich selber Fehler vermeiden will, kann man kein Vorbild sein. Fehler müssen erlaubt sein, dann finde sie nicht statt. Leider erlaubt die Situation und vor allem wir Fans derzeit keine Fehler.

Und Rachid?

Er scheint momentan an allem Schuld. Die Fanszene verfällt in Mechanismen wie bei jedem anderen Bundesligaklub. Es werden unendlich viele Phrasen gedroschen. Komplette Ahnungslosigkeit hindert offenbar niemanden mehr daran, auswendig gelerntes aus Print, TV und Netz herunterzuleiern und mit Küchenpsychologie zu garnieren. In solchen Phasen wird immer “das Herz” bemüht und dass wir “einen Knipser” brauchen. Es ist immer mindestens die “schlechteste St.Pauli-Mannschaft”, die man erlebt habe und schließlich stehe man schon seit den späten 60ern im Stadion. Aha. Dann frage ich mich, was mit den nicht wenigen Abstiegsteams unserer Geschichte ist, die waren also alle besser? Das aktuelle Team hat jetzt schon mehr Punkte als jenes von 2002/03 zum Ende der Hinrunde.

Derzeit werden keine Lösungen gesucht, sondern Schuldige. Das hat man bei der HSAG übrigens auch gemacht. Dort sei die zu große Beteiligung der Fans an der Misere Schuld gewesen. Obwohl es keine nachvollziehbaren Anzeichen dafür gab, hat jeder es geglaubt, denn einfache Lösungen haben ihren Charme durch – eben – ihre Einfachheit. Und nun hat man den Salat. Das Sagen haben Wenige, der Fan selber hat nur noch den Stammtisch und besser geworden ist nichts. Einfache Lösungen sind einfach …. und einfach blöd.

Analyse rules….

Rachid Azzouzi kam im Sommer 2012/13 zum FC St. Pauli. Nach einer unendlichen Posse um die Entlassung von Schubert und/oder Schulte. Zur Erinnerung: Dafür kann er nichts!

Er fand Stückwerk vor: Eine Mannschaft mit viel Potential, welche in der Hinrunde der Vorsaison die beste Halbserie des Vereins aller Zeiten spielte! Ab der Rückrunde aber machten sich Probleme zwischen sportlicher Leitung und Mannschaft bemerkbar. Der Trainer galt als absoluter Fachmann mit sehr viel Fußballverstand, im Zwischenmenschlichen war aber wohl noch Luft. Er galt als cholerisch und unfair. Die gute Laune schwand, die guten Ergebnisse ebenso. Man krampfte sich durch die Rückrunde und wurde Fünfter. Rachid übernahm eine fast schon demontierten Trainer und eine halbfertige Kaderplanung seines Vorgängers Schulte. Bis auf Gonther und Mohr, die bereits im Frühjahr aus Paderborn bei uns unterschrieben, war nichts in Sack und Tüten. Durch den ungeplanten Abgang des Managers musste Rachid bei Null anfangen, alte Vorgespräche und Sichtungen waren hinfällig. Es galt, über die nächste Saison zu kommen. Unsere Abgänge waren eklatant. Namen gefällig? Zambrano, Kruse, Naki, Volz, Morena, Rothenbach, Saglik, Hennings, Takyi, Sobiech, Heerwagen… und das sind noch nicht alle!

Somit wurden viele Leihgeschäfte getätigt, die einzig den Zweck hatten, eine einigermaßen schlagkräftige Mannschaft in den Wettkampf schicken zu können. Zukunftsarbeit konnte und sollte dies nicht sein.

Wen fand er vor? Wer wurde verpflichtet? Neuzugänge aus der eigenen Jugend mal nicht mitgerechnet.

Mannschaftsstamm:
Tschauner (T)
Himmelmann (T)
Thorandt (A)
Schachten (A)
Bartels (M)
Boll (M)
Bruns (M)
Daube (M)
Funk (M)
Kalla (M)
Schindler (M)
Ebbers (S)
Saglik (S)

Das ist jetzt nicht sooo viel.

Neuzugänge, von Schulte verpflichtet:
Sören Gonther (A)
Florian Mohr (A)
Daniel Ginczek (S) (Leihe) (Anm.d.Red: wurde zumindest von Schulte initiiert)

Neuzügange unter Rachid Azzouzi:
Robin Himmelmann (T)
Christopher Avevor (A) (Leihe)
Florian Kringe (M)
Christopher Buchtmann (M)
Akagi Gogia (M) (Leihe)
Joseph-Claude Gyau (M) (Leihe)
Lennart Thy (S)

Mit dieser Mannschaft und der Hypothek eines zerrütteten Trainer- / Mannschaftsverhältnis starteten wir dürftig in die Saison und Azzouzi regierte schnell und ersetzte den mittlerweile wohl untragbaren Schubert nach sieben Spieltagen durch Michael Frontzeck. Dieser bugsierte das zusammengewürfelte Team auf Platz 10 der Tabelle.

Bilanz der Arbeit von Rachid Azzouzi für die Saison 2012/13?

Ohne Geld und Zeit ein guter Job. Ich sehe kaum Alternativen.

2013/14

Das erste Jahr, in dem Rachid zusammen mit dem Cheftrainer ein eigenes Team bilden durfte. Konsequenterweise wurden alle Leihgeschäfte aufgelöst. Auch die, wo es schwerfiel und die gerne geblieben wären (Patrick Funk). Den Träumern, die glauben, dass ein Daniel Ginczek allen Ernstes bei einem mittelmäßigen Zweitligisten geblieben wäre, wenn er woanders erste Liga spielen kann und das doppelte verdient, ist argumentativ dann auch nicht mehr beizukommen. Klar, keiner spricht mit solchen Spielern und Angebote wurden bestimmt auch nicht gemacht. Wo lebt Ihr? Spieler haben ca. 12 Jahre Zeit, Karriere zu machen und den meisten ist völlig latte, bei welchem Club. So läufts business.

Verpflichtungen:

Philpp Heerwagen (T)
Philipp Ziereis (A)
Marcel Halstenberg (A)
Bernd Nehrig (A)
Marc Rzatkowski (M)
Sebastian Maier (M)
Christopher Nöthe (S)
John Verhoek (S)
Michael Greogoritsch (S) (Leihe)

Was war der Jubel groß…. Rachid stellt ein junges, hungriges Team zusammen. Zwei erfolgreiche Stürmer anderer Vereine wechseln zu uns. Zusätzlich einige spielstarke und quirlige Mittelfeldspeiler. Ratsche entzückte die ersten Spiele das ganze Stadion. Nöthe und Verhoek funktionierten nicht so recht, aber das wird schon noch kommen.

Abgänge (u.a.): Ebbers, Bruns, Pliquett Leihende: Gogia, Funk, Ginczek, Avevor, Gyau

Die Abgänge waren überwiegend geplant oder erwartbar. Es schien alles im Griff.

Im Herbst dann eine große Überraschung: Die Zecke und der Verein haben sich überworfen. Es ging um Verhandlungszeitpunkte. Frontzeck wollte eine Verlängerung, Azzouzi und der Verein wollten sich nicht erpressen lassen. Angeblich soll es schon länger nicht gestimmt haben. Im Hintergrund wartete mit Vrabec ein junger Trainer mit hervorragendem Ruf. Er übernahm. Ein Fehler? Ohne die Hintergründe im Einzelnen zu kennen schwer zu sagen. Mit Sicherheit sah die Leitung – und somit Azzouzi – hier nicht gut aus. Wie kann so etwa dermaßen entgleisen?

Vrabec legte gut los, auf seinen Wunsch hin wurde im Winter mit Tom Trybull ein erstligaerfahrener DFB-Auswahl-Spieler für die defensive Zentrale verpflichtet, der in der Folge seltsamerweise zu fast keinem Einsatz kam. Und das bis heute. Ohne es zu bewerten: Ich verstehe das nicht, da wir genau dort ein Problemfeld haben….

Vrabec stellte sich als Klein-Schubert heraus: Fachmann mit mangelnder Sozialkompetenz. Nach gutem Start brach das Mannschaftsgefüge nach den ersten Misserfolgen auseinander. Zu erinnern sei aber bitte: Rachid hat ihn nicht blind verpflichtet, sondern die Entscheidung auf die Winterpause verschoben. Es blieben zwei Monate, ihn zu beobachten. Wer ihn zu dem Zeitpunkt den Cheftrainerposten nicht gegeben hätte, bitte kurz Hand heben (nein, außer den Stani-Jüngern). Alle waren voll des Lobes, Foren, Blogs und Presse überschlugen sich. Die folgende Entwicklung war für fast alle eine Überraschung.

 

2014/2015

Neuzugänge:
Ante Budimir (S)
Michael Görlitz (M)
Daniel Buballa (A)
Enis Alushi (M)
Lasse Sobiech (A) (Leihe)

Abgänge (u.a): Bartels, Mohr, Schindler, Boll, Gregoritsch (Leihende)

Auch hier kaum Überraschungen. Boll und Bartels wollten auf eigenen Wunsch gehen bzw. aufhören. Schindler war nicht mehr gewollt und Gregroitschs Leihe lief aus. Einzig um Mohr gab es Fragezeichen. Warum ließen wir ihn gehen, wo er doch als Hamburger Talent galt? Gerüchte um diverse Undiszipliniertheiten konnte Azzouzi nicht veröffentlichen, ohne die Person Mohr zu beschädigen. Er entschied sich offenbar für “werd ich halt unverstanden, muss ich aushalten”.

Die Zugänge blieben einiges schuldig. Der Königstransfer sicherlich Enis Alushi. Ein Spieler der bei Paderborn einst das Spiel organisierte, mit hoher Spielintelligenz und großer Zweikampfstärke ausgestattet ist. Leider war er beim FCK über ein Jahr verletzt und es gelingt ihm noch nicht viel. Ich wünsche mir Alushi und Buchti in Topform auf der Sechs und ich prophezeie ein Ende unserer Sorgen. Abwarten.

Ich möchte drei von Azzouzis Transfers, die ganz besonders in der öffentlichen Kritik stehen, genauer anschauen:

John Verhoek kam als 24-jähriger vom FSV Frankfurt (ausgeliehen, abgebender Verein Stade Rennes) und schoss dort in 32 Spielen 10 Tore. Er kostete keine Ablöse 300.000€ und wollte gerne zu uns. Er ist ein ausgeprägt körperlicher Stürmer, der – und das muss bei diesem Stürmertyp nun mal sein – Zuspiele braucht. Bleiben die aus, ist er raus aus dem Spiel.

Christopher Nöthe war zum Verpflichtungszeitpunkt 25 Jahre jung und hat bei der SpVgg Greuther Fürth und RW Oberhausen in 87 Zweitligaspielen 35 Tore erzielt und kostete ebenfalls keine Ablöse. Typ spielender Stürmer, Vorbereiter, Verwerter zweiter Bälle, der u.a. bei Fürth viele Tore erzielte, weil Olivier Occean die Abwehr auf sich zog.

Ante Budimir ist 23 Jahre jung und hat in der ersten kroatischen Liga in 96 Spielen 36 Tore erzielt. In seiner Heimat gilt er als Riesentalent. Einige meinen, er sei der neue Mandzukic. Er kostete 900.000 EUR. Weniger übrigens als Ginczek, der bei Nürnberg auch ein wesentlich höheres Gehalt erhielt. Budimir spielt mit Haken und Ösen, dreht sich in den Gegner rein und benutzt auch gerne die Ellenbogen. Spielt der beim Gegner, hassen wir ihn.

Wer hätte die drei nicht verpflichtet? Jung, günstig und teilweise jahrelang sehr erfolgreich. Und wen hättest Du stattdessen genommen? Aber bitte realistisch bleiben, Freunde! Wen kann sich ein Verein leisten, der gerade ein neues Stadion abbezahlt? Ein 27-jähriger Superknipser mit Erfahrung, Spielstärke und körperlicher Präsenz kostet 2-5 Mio und spielt lieber erste Liga. Einen Ebbers oder Klasnic kriegt man als klammer Zweitligist nur alle 10 Jahre.

Natürlich muss sich Rachid Azzouzi Fragen gefallen lassen und sicherlich war nicht alles glücklich, was da lief. Aber der unglaubliche Hass, der ihm nun entgegenschlägt macht eines deutlich: Es wird dramatisiert. Der Plebs sucht Schuldige. Fehlkäufe der Manager vor Azzouzi werden ignoriert oder verklärt und… am schlimmsten …. es geht uns die Ironie verloren. Wir sind wohl doch nicht der besondere Verein. Die Mannschaft wird im Augenblick, wo sie uns am nötigsten braucht an vielen Stellen verflucht und niedergeredet. Die typischen Mechanismen wie “Das ist nicht mein St. Pauli” unterscheidet uns nicht von anderen Vereinen. Welche Teile von “You’ll never walk alone”, und “ganz egal was auch geschieht, wir werden immer bei Dir sein” wurden hier eigentlich nicht verstanden? Wenn man liebt, rückt man in der Krise zusammen und nicht auseinander. Auch wenn die auf dem Platz Fehler machen oder völlig verunsichert sind. Oder gerade dann. Würden sie keine machen, wären wir nicht auf einem Abstiegsplatz!!! Umkehrschluss, man liebt sie nur, wenn sie wenig oder keine Fehler machen und vor Selbstsicherheit strotzen? Echt? Dann sind die Spieler aber eher mein St. Pauli, als die Fans. Erinnert Euch mal an die Anfänge der Heldengeneration!

Und die derzeit an vielen Stellen auftauchenden treuen Anhängern eines Helmut Schulte seien neben ein paar zweifellos guten Transfers darauf hingewiesen, dass wir alle sauer, enttäuscht und entsetzt waren, mit welcher herablassenden Art langgediente Spieler wie Eger, Lechner, Gunesch regelrecht vom Hof gejagt wurden und wie respektvoll der gleiche Vorgang bei Morena, Rothenbach, Ebbers, Bruns und Boll ablief. Und das eben unter Azzouzi. Ich hatte dunkel in Erinnerung, dass es bei uns nicht darum geht, wer derjenige ist, der die kapitalistischen Marktmechanismen am rigorosesten bedient, sondern eben auch der menschliche Umgang von mindestens ebenso großer Bedeutung ist.

Fussball ist nicht berechenbar. Man hat Flops und Tops. Erfolg lässt sich nicht planen. Fragt mal gerade beim BVB nach…..Muss da nun Zorc gehen? Nein? Warum dann bei uns mit niedrigerer Fallhöhe? Das was wir erleben, macht keinen Spaß, passiert aber jede Saison etlichen Mannschaften. Das ist ein ganz normaler Vorgang, den man bewältigen kann.

Was tun?

Wir brauchen aus meiner Sicht keinen offensiven Neuzugang. Und warum der vielgeforderte Deniz Naki, der insgesamt in 85 Zweitligaspielen 17 Tore erzielte (davon 11 bei uns in 51 Spielen), großartig weiterhelfen soll, erschließt sich mir nicht.
Willenskraft und das “St.Pauli-Gen” wird nun häufig bemüht. War er so ein Kämpfer, wie viele ihn nun plötzlich in Erinnerung haben? Wer erinnert sich an die Fahne in Rostock und seine herzzerreißenden Reden und die folkloristischen Wiederholungen der Fahnenaktion bei jeder Gelegenheit und wer erinnert sich wirklich an Naki-Szenen im Spiel? Mal ehrlich!

Bei seinen 85 Zweitligaeinsätzen wurde er 34 mal eingewechselt und 42 mal ausgewechselt. Er spielte somit ganze 9 (!) mal durch…..
Die Bilanz bei uns: Zwei Zweitliga-Jahre mit 68 möglichen Spielen (reduziert durch 9 Spiele wegen Verletzung und Rotsperre), davon 51 Einsätze in braun-weiß, davon 15 Einwechselungen und 30 Auswechselungen. Hmmm….klingt jetzt nicht soooo sehr nach Top-Leistungsträger. Ich persönlich erinnere mich an viel unterhaltsame Show ums Spiel herum, viele Gefühle und kitschige mündliche Bekenntnisse zu “St.Pauli – Meine Familie” und an sehr häufig lust- und ideenlose Einsätze auf dem Platz. Seine Kicker-Note in seiner letzten Zweitligasaison bei uns liegt bei 3,82. Man sollte Menschen an ihren Taten messen, nicht an ihren Worten. Passiert das gerade?

Ein leistungsbeszogener Vertrag? Meinethalben. Aber ich würde die Erwartungen herunterschrauben. Zudem unserer Probleme vor allem hinten sind und Deniz Naki war nie auch nur im Entferntesten für mannschaftsdienliche Defensivarbeit bekannt.

Mein Ansatz: Mir ist die Mannschaft zu jung. Viele Spieler sind in der ersten Hälfte ihre 20er und einige ältere nicht in Topform. Die jungen Kerls verfügen noch nicht über die nötige Erfahrung und Abgebrühtheit, mit einem Abstiegskampf umzugehen. GGf. mehr Fokus auf Kringe, Thorandt, Alushi etc. Ein wenig Erfahrung, etwas Gelassenheit. Nicht gleich nervös werden, wenn der Gegner wagt, sich zu wehren. Hilft das was? Keine Ahnung. Hilft das Rumgezeter über die “schlechteste St.Pauli-Mannschaft aller Zeiten”, Rachid oder Christian Bönigs Facebook-Posting irgendwas? Nö!

Winterpause, Kopf frei machen, Spaß am Kicken wiederbekommen, Laufwege und Zweikampfverhalten trainieren, Verletzte kommen zurück, Leistungsträger kommen wieder in Form, Rückrundenstart, Angriff. Drei Siege. 21 Punkte. Die Rückrunde wird Spaß machen. Zack!

Machen wir das, was wir können: Glauben, Lieben, Hoffen…. auch wenn der Wind zunimmt… // Mirco

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13 Kommentare zu Rache an Rachid – Oder: Alle auf die 11… Spieler

  1. Sven Steinberg sagt:

    Moin.
    Also wenn ich den Dünnschiß lese kommts mir oben und unten gleichzeitig rauß..
    Gruß
    AFM
    Sveni

    • Frodo sagt:

      Juhu, endlich die Rückkehr zur Sachlichkeit!

    • Jonny Jonas sagt:

      Argumente? Nö!

      Diskurs möglich? Nö, wohl auch eher unerwünscht.

      Ich rege mich mal jetzt nicht auf. Großartiger und sachlicher Artikel in meinen Augen. Danke Mirco.

  2. Kusi sagt:

    Hallo Fischköpfe
    Der neue Sportscheff kann nur Ilia Kaenzig heissen,,,,,,,
    immer wieder solche Anfaenger
    Wir Ch Faens glauben an st. Pauli
    Lg Aus der CH
    kusi

  3. Peter Geelhar sagt:

    Danke für diesen sachlichen Beitrag, dieser deckt sich auch in ganz großen Teilen mit meiner Meinung.
    Endlich ein Beitrag zu Archiv ohne Schaum vor dem Mund.

  4. Diamondback sagt:

    Gut geschrieben, aber sicher keine objektive Bewertung von Azzouzis Arbeit, sondern eine reine Verteidigungsschrift. Der interessanteste Vorwurf ( zu langes Festhalten an Vrabec) wird nicht mal thematisiert. Schade, in dem Thema wäre mehr drinnen gewesen.

  5. Michel sagt:

    Guter Artikel!
    Mir fällt auf, dass Meggle mit keinem Wort erwähnt wird. Ich fürchte ja, Azzouzi wurde abgesägt, um Platz für Meggle zu schaffen. Er war als Trainer dieser Situation anscheinend nicht gewachsen. Mit der aktuellen Lösung konnte er immerhin im Verein gehalten werden.
    In dem Fall wäre Azzouzi ein Bauernopfer, mit dem der Pöbel beruhigt werden soll.

  6. Ich schließe mich Diamondback an… eine interessante Verteidigungsschrift, aber weit weg von einer auch nur halbwegs objektiven Analyse.

    Neben diversen kleineren Fehlern Rachids (wie zum Beispiel die Nicht-Verlängerung mit Schindler) oder das dämliche Rumgemecker auf der Trainerbank inklusive diverse unnötige Streitereien mit den Unparteiischen, war der große Knackpunkt das viel zu lange Festhalten an Vrabec und dann der Versuch diesen Fehler möglichst günstig mit einer internen Lösung auszugleichen, anstatt von Anfang an in dieser kritischen Situation auf eine gestandene Trainerkraft zu setzen. Nein, es war nicht alles schlecht was Rachid machte, aber unterm Strich bleibt der teuerste FCSP-Kader der Vereinsgeschichte und Platz 18. Wenn das kein Versagen als Sportchef darstellt, was bitte dann?

    Davon abgesehen, aber noch ein paar andere Anmerkungen: Es ist ein wenig kontraproduktiv, wenn man eine vermeintlich objektive Analyse schreiben möchte, es dann aber bei den Details nicht so genau nimmt. Einige Fehler wurden offenbar ja schon korrigiert, aber wir wurden in der Saison 2011/12 Vierter, nicht Fünfter. Klar, sowas kann im Eifer des Gefechtes schnell passieren, gar keine Frage, aber gerade wenn ich mir Sachlichkeit auf die Fahnen schreibe, sollten zumindest die Fakten stimmen, ansonsten wird der eigene Anspruch gnadenlos unterlaufen.

    By the way Fakten… Was sollen diese Andeutungen im Fall Mohr? Ich kann das nicht wirklich beurteilen, vielleicht gab es tatsächlich “diverse Undiszipliniertheiten”, aber das so anzudeuten und dann einfach im Raum stehen zu lassen, ist schlicht schäbig. Dabei ist der nicht gegebene neue Vertrag ja durchaus zu rechtfertigen, wenn man sich mal die (nicht vorhandenen, da verletzt) Einsatzzeiten Mohrs bei Greuther Führt anschaut. Einfach so in den Raum zu stellen, dass Mohr sich massiv unredlich verhalten hätte, geht aber nicht. Das wird insbesondere lustig, wenn man sich danach aufs hohe moralische Ross schwingt und den Werteverfall der Fanszene beklagt. Überhaupt hätte man sich diesen ganzen pathostriefenden Abschnitt am Schluss sparen sollen, hat er doch wenig mit einer “sachlichen Bewertung der Arbeit Rachid Azzouzis” zu tun, sondern wirkt wie eine polemische Komplettabrechnung, für die es meines Erachtens keinen wirklichen Anlass gab, zumal ich auch überhaupt nicht bestätigen kann, dass hier eine “Sau durchs Dorf getrieben wurde”, mal von einigen wenigen Extremstimmen (im Stadion wörtlich gemeint) im analogen & digitalen FCSP-Kosmos abgesehen. Gerade im Stadion (Mitte GG) war die Stimmung meistens viel eher ernüchtert, resigniert und nicht vom Hass auf Rachid getrieben.

  7. Mirco sagt:

    Moin,

    ich bin der Autor des Artikels und frue mich über das Feedback. Ich stehe GG Supportblock. Dass speziell in dieser Diskussion nicht alle einer Meinung sind, ist klar. Ich finde es gut, dass hier wieder Argumente ausgetauscht werden und nicht Glaubenssätze. Das war meiner Wahrnehmung nach in den letzten Monaten häufig nicht der Fall, gerade was die Themen Azzouzi und Deniz Naki anging.

    Prämisse: Der Artikel entstand Mitte November. Aufgrund eines redaktionsinternen Trauerfalls verzögerte sich unser Erscheinen auf das letzte WE vor Weihnachten. Er war fertig, geschrieben zu einem Zeitpunkt, als das neue Präsidium noch nicht im Amt war und RA und Meggie – so erweckte es den Anschein – fest im Sattel ihrer damaligen Jobs saßen. Die Fanszene beschäftigte sich mit zwei Themen: Deniz Naki und die Suche nach einem Schuldigen. Und das war für viele eben RA. Meggie wohl nicht so sehr, weil er eben Meggie ist. Zu ihm schieb ich nichst, weil er mitte November ca. 7-8 Spiele verantwortete. Das ist zu früh.

    Dass in der damals vorliegenden sportlichen Situation analysiert wird und eine Ursachenforschung betrieben werden muss, ist klar. Das fand aber an sehr vielen Stellen nicht statt, sondern es wurde sich hasserfüllt das Maul zerissen. Es wurden einfach Lösungen gesucht. So meine Wahrnehmung. Ich würde gerne stellvertretend für die eher kritischen Diskussionsteilnehmer auf Frittenbuddhists Eintrag eingehen, da die Beiträge inhaltlich eher ähnliches sagen.

    “Ich schließe mich Diamondback an… eine interessante Verteidigungsschrift, aber weit weg von einer auch nur halbwegs objektiven Analyse.”

    Interessant, dass es von Euch beiden als Verteidigungsschrift empfunden wird. So war es 1.) nicht gedacht und 2.) glaube ich, dass Argumente auch gegen RA genannt werden. Ich bin weder Parteigänger von RA, noch kenne ich ihn überhaupt. Halt nur aus den Medien. Da fand ich ihn nett. Aber ich kenne viele nette Menschen und möchte umGottesWillen nicht, dass die Sportdirektor werden.

    Seit dem Verfassen des Beitrag sind ja nun rd. 6 Wochen vergangen und ich finde die Entscheidung, sich von RA zu trennen mittlerweile nicht nur richtig, sondern gar unausweichlich. Er war verbrannt und die Last, die auf dem Präsidium, dem Verein und letztlich auf ihm selber gelastet hätte, wäre zu groß gewesen. Da sind wir (Fans, Medien, Blogger, Zines ) ja auch unerbittlich. Wenn jemand erstmal durch ist, ist er durch. Über die Art der Trennung (erst Treuebekundungen des Vorstands, dann plötzlich Rausschmiss) kann man aber trefflich streiten. Ich finde Stil eher wichtiger als Erfolg.

    “Neben diversen kleineren Fehlern Rachids (wie zum Beispiel die Nicht-Verlängerung mit Schindler) oder das dämliche Rumgemecker auf der Trainerbank inklusive diverse unnötige Streitereien mit den Unparteiischen, war der große Knackpunkt das viel zu lange Festhalten an Vrabec und dann der Versuch diesen Fehler möglichst günstig mit einer internen Lösung auszugleichen, anstatt von Anfang an in dieser kritischen Situation auf eine gestandene Trainerkraft zu setzen. Nein, es war nicht alles schlecht was Rachid machte, aber unterm Strich bleibt der teuerste FCSP-Kader der Vereinsgeschichte und Platz 18. Wenn das kein Versagen als Sportchef darstellt, was bitte dann?”

    Zu Kevin haben wir offenbar sehr unterschiedlicxhe Auffassungen. Ich wiederhole das oben mit dem netten Kerl..
    Die Entwicklung zur jetzigen Situation ist eindeutig und natürlich trägt RA daran Mitschuld. Er trägt aber eben nicht die Schuld für ALLES und darum ging es mir. Nicht für 13 Verletzte, nicht für Stammspieler außer Form und ich möchte erinnern, dass RA sich eben auch für den Kader verantwortlich zeigte, der zum Saisonende Zehnter und Achter wurde. Früher wäre das kein Grund gewesen, einen Sportdirektor zu verfluchen. Die aktuelle Saison…. geschenkt. Davor seh ich bei den Kadern diskutables, bei der Trainerauswahl echte Probleme, aber nicht DIE dermaßen katastrophale Bilanz, wie sie ihm häufig attestiert wird. Remember Stendel, Goofy, Brunnemann, Schnitzler etc. Als Schlüsselspieler angekündigte Neuzugänge, die bei uns nicht funktionierten, gabs immer….. Und die genannten wurden von Sportdirektoren verpflichtet, die teilweise bei uns immer noch blind verehrt werden.

    “Davon abgesehen, aber noch ein paar andere Anmerkungen: Es ist ein wenig kontraproduktiv, wenn man eine vermeintlich objektive Analyse schreiben möchte, es dann aber bei den Details nicht so genau nimmt. Einige Fehler wurden offenbar ja schon korrigiert, aber wir wurden in der Saison 2011/12 Vierter, nicht Fünfter. Klar, sowas kann im Eifer des Gefechtes schnell passieren, gar keine Frage, aber gerade wenn ich mir Sachlichkeit auf die Fahnen schreibe, sollten zumindest die Fakten stimmen, ansonsten wird der eigene Anspruch gnadenlos unterlaufen.”

    Touché. Auch wenn ein Übersteigerautor alles unentgeltlich nebenbei in seiner Freizeit macht und die ärmste und bemitleidenste Sau der Welt ist. Auch wenn er sich die Zeit vom Munde abspart, auf Freizeit, Sexualleben, Drogen und Beziehungen verzichtet und all das ohne journalistische Infrastrukur macht, ist das wirklich nicht mein Anspruch. Aber es ist passiert. Es sind mir tatsächlich drei Fehler unterlaufen. Ich habe Verhoeks Ablöse übersehen und den Tabellenplatz vertauscht. Inhaltlich spielt das für die Grundaussage wohl keine Rolle. Interessanter schon, dass ich Ginczeks Verpflichtung RA und nicht HS zuschrieb. Das ändert durchaus und habe ich übersehen. Tut mir leid.

    “By the way Fakten… Was sollen diese Andeutungen im Fall Mohr? Ich kann das nicht wirklich beurteilen, vielleicht gab es tatsächlich “diverse Undiszipliniertheiten”, aber das so anzudeuten und dann einfach im Raum stehen zu lassen, ist schlicht schäbig. Dabei ist der nicht gegebene neue Vertrag ja durchaus zu rechtfertigen, wenn man sich mal die (nicht vorhandenen, da verletzt) Einsatzzeiten Mohrs bei Greuther Führt anschaut. Einfach so in den Raum zu stellen, dass Mohr sich massiv unredlich verhalten hätte, geht aber nicht. ”

    Das ist eine spannende Frage, die ich mir auch stellte. Interessant finde ich allerdings auch Deine Liebe für Adjektive. Nie schrieb ich “massiv” und ich bediente eindeutig das wort “Gerüchte”, was Du dann wiederum unterschlägst. Superlative wie “gnadenlos”, “schäbig”, wertendes wie “Pathos” und suggestives wie “einige Fakten” wenn es derer drei sind, lassen mich vermuten, dass Du Dich über mich geärgert hast. Wenn ja, warum?

    Zu Mohr. Ich glaube, viele Menschen fragten sich, warum wir den ziehen lassen, und dann einen vom hsv auf Leihbasis verpflichten. Ich habe es nicht verstanden. Und viele um mich herum auch nicht. Ich war sogar echt sauer.

    Aus sehr sicheren Quellen hörte ich Gerüchte (und genau das schrieb ich) aus dem Vereinsumfeld, dass es eine Diskussion um Undiszipliniertheiten von Flo gab und diese zu dieser Entscheidung geführt hätten. Ich kann nicht beurteilen, wer da Recht hatte. Verein oder Flo. Ich musste aber eine Entscheidung treffen. Hörensagen mit reinnehmen oder nicht? Ich habe mich dann für die Loyalität dem Angestellten des FCSP ggü entschieden und nicht ggü demjenigen, der dies eben nicht mehr ist. Mir ging es nicht darum Flo Mohr zu beschädigen, in kleinster Weise. Der interessiert mich gar nicht. Mir ging es auch nicht um RA. Mir ging es darum, dass man erkennt, das solche Geschichten, die so vermeintlich klar sind, immer mehrere Perspektiven haben, die man ggf. aus der Entfernung nicht wahrnimmt. Daher bin ich das Wagnis eingegangen. War das richtig? Weiß ich nicht. Du sagst nein. Ich habe die Entscheidung getroffen und muss jetzt Schultern haben, die das aushalten. Hab ich!

    “Das wird insbesondere lustig, wenn man sich danach aufs hohe moralische Ross schwingt und den Werteverfall der Fanszene beklagt. Überhaupt hätte man sich diesen ganzen pathostriefenden Abschnitt am Schluss sparen sollen, hat er doch wenig mit einer “sachlichen Bewertung der Arbeit Rachid Azzouzis” zu tun, sondern wirkt wie eine polemische Komplettabrechnung, für die es meines Erachtens keinen wirklichen Anlass gab, ”

    Naja, er ist weg…. Wenn das kein Grund für ne Abrechnung ist… 😉

    Den Werteverfall empfinde ich. Wenn Du es nicht tust, dann ist das Deine Sache. Ich sehe es anders. Wenns hart wird, rückt man zusammen. Das sah ich nicht. Support war gut, aber das hasserfüllte Gezeter um mich herum hat mich schon irritiert. Vielerorts wird um mich herum eine Konsumentenhaltung eingenommen. Wir waren vor Jahrenden mal erste Liga und viele haben nicht kapiert, dass das eben vorbei ist und dass es viele sog. Traditionsvereine gerade richtiggehend zerreißt. Siehe Liga drei und drunter. Wir sollten uns auf Gemeinsamkeiten besinnen. Wenn Bönig ein FB-Posting bringt, in dem er um Geschlossenheit bittet und hunderte von Menschen sich unfassbar aufregen, inkl. Beleidigungen, wenn im Forum über 100 Seiten RAs Missetaten beleuchten (und das nicht im entferntesten so sachlich wie hier), wenn FB und Twitter explodieren und Begriffe wie Arschloch und der soll sich verpissen an der Tagesordnung sind, dann wundert mich das schon. Und zwar auch die breite Ablehnung und vor allem, wie diese formuliert wird.

    Mir geht es im Artikel weniger um RA, als um die Art der Diskussion. Mir geht es darum, dass die Infos, die ich brachte (und neben den drei Fehlern waren es ja schon noch ein paar weitere Infos *gg*), von jedem eingesehen werden können. Bevor man loshatet, kann man sich informieren. Dazu brauche ich keine Kontakte zur Mannschaft (die ich auch nicht habe), dazu kann ich nur aufmerksam im Umfeld des Vereins bewegen und ein wenig lesen. Und wenn ich höre, wie man so einen wie “Nöthe bloß verpflichten” kann, dann weise ich gerne darauf hin, dass dessen Quote vor dem FCSP nun wirklich nicht die allerschlechteste war. Interessant in dem Zusammenhang auch, wie die Begeisterung anfangs über den netten Rachid, der ne junge wilde Truppe zusammenstellt, Wellen schlug.

    “Pathos”: Jau, und gegen sowas hilft emotionales Wachrütteln und erinnern, wofür wir stehen. Wenn die Sitten erstmal im Eimer sind (und ich sehe da keine gute Entwicklung), ist es schwer sowas wieder zu reparieren.

    Der “ganze pathostriefende Absatz” besteht übrigens aus 5 Zeilen. Die anderen habe ich nicht gezählt, war mir zuviel… 😉

    “zumal ich auch überhaupt nicht bestätigen kann, dass hier eine “Sau durchs Dorf getrieben wurde”, mal von einigen wenigen Extremstimmen (im Stadion wörtlich gemeint) im analogen & digitalen FCSP-Kosmos abgesehen. Gerade im Stadion (Mitte GG) war die Stimmung meistens viel eher ernüchtert, resigniert und nicht vom Hass auf Rachid getrieben.”

    Darauf ging ich bereits ein. Meine Wahrnehmung und die vieler anderer in Redaktion, Umfeld, Bezugsgruppe, Fanclub und einigen veriensnahen Gremien, in denen ich mich bewege, war anders. Wahrnehmungen sind, wie sie sind. Jeder hat seine. Lass mir bitte meine.

    Aber um es nochmal klar zu stellen: Ich finde die Freistellung von RA richtig. Aber wenn man ihn raustut, dann aus den richtigen Gründen und nicht wegen inkompetenten Stammtischmüll. Nicht, weil Vergangenheit verklärt wird, weil Spielern Attribute zu- oder abgesprochen werden, die absurd sind, nicht weil wir unter Stani – man muss den Eindruck haben – immer Tiki Taka gespielt haben, weil Schulte nur Knaller verpflichtete.
    Wo ist die Ironie? Wo ist das ganz egal, was auch passiert, wo ist ein Held wie Manzi. Die Jungs kriegen teilweise kaum eine Chance. Nöthe. Verbrannt. Budimir ist blutjung und nach wenigen Wochen schon als Flop gebrandmarkt, Görlitz, Nehrig… natürlich war das noch nicht das, was wir erwarteten. Und dagegen dann Naki halten, der sportlich sehr durchwachsenes bei uns ablieferte? Auch die Heldengeneration war nicht gleich eine Wunderelf. Wir brauchen Geduld, langen Atem und wir sollten die Jungs aufbauen und nicht niederschrei(b)en oder Lautstark andere Spieler fordern. Dann kann es klappen. Die ersten Eindrücke unter Lenin sind ja okay.

    Bei sowas werde ICH eben emotional – wie Du in Deinem Text ja auch – und wieviel Pathos ich in meinen Text packe, darf ich ja glücklicherweise selber entscheiden. Viele mögens, Du nicht. Damit muss ich leben. Dass mir Deine Adjektive nicht gefallen, damit musst Du halt leben.

    Noch zwei Ausagen, die als Reaktion auf den Beitrag kamen: RA sei zu dicht an der Mannschaft und am Trainer. Weiß ich nicht, Spekulation. Scheib ich nichts zu. Kann ein Problem sein, aber aus meinen Quellen ging das nicht haltbar hervor.

    Weitere These: RA hat bei der Trainerauswahl versagt und er hat zu spät gehandelt. Zu zwei: Vierter Spieltag. Hallo? Früh genug. Einen Trainer nicht gleich zum Sommer zu feuern, sondern eine Chance zu geben, finde ich immer richtig. Habe selber Personalverantwortung. Hinterher ist man immer schlauer, aber Vertrauen vorher ist wichtig. Daher. Nö.
    Trainerauswahl? Das muss er sich fragen lassen. Yep!
    Da steckt aber auch das alte Präsidium mit im Boot. Erst die AS/HS-Posse mit einem Trainer, der schwierig ist. Dann die Zecke, der laut Verein schwierig ist. Dann RV, der wohl auch schwierig ist. Da lief im Recruiting aber mal einiges schief. Dazu habe ich allerdings was im meinem letzten Beiträgen zur Zecken und Vrabec-Entlassung geschriebenen (No 114 und 117). Das wollte ich nicht nochmal alles aufrollen. Da kommt übrigens RA auch schlechter weg, als im obigen Beitrag.

    Und ich habe ÜBERHAUPT nichts gegen eine leidenschaftliche Diskussionen, im Gegenteil, aber ich wierderhole mich gerne: Bitte mit Stil. Das ist hier passiert und dafür danke! Das meine ich ganz unironisch!

    Jetzt eine geruhsame Nacht und eine legendäre Rückrunde.

    Mirco

  8. Andreas Kudelko sagt:

    Moin Mirco, moin liebe Übersteigers,
    so, das Jahr 2014 liegt in den letzten Zügen und ich möchte einmal Danke sagen.
    Danke für all das, was Ihr so gemacht habt inclusive des Artikels von Mirco
    Im Besonderen Eure sehr engagierten (Hinter)grundberichte, die aber nie beleidigend sind, was sich wohltuend von vielen “im Netz” befindlichen Kommentaren und Meinungen unterscheidet.
    Übersteiger wir deshalb weitergekauft und gelesen auch 2015.

    so und nu´ wünsche ich Euch “gooden Rutsch” und unserem geliebten FC
    keinen Abstieg.

    VG Kuddel

  9. Mirco sagt:

    Danke Kuddel, das sage ich sehr gerne Namen der ganzen Redaktion. Komm gut ins neue Jahr und Attacke in 2015!

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